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What was the Purpose of the Goetheanum and of Anthroposophy?
GA 84

26 May 1924, Paris

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What was the purpose of the Goetheanum, and of Anthroposophy?, tr. SOL
  1. Was wollte das Goetheanum und was soll die Anthroposophie?

11. Wie erlangt man Erkenntnis der übersinnlichen Welt?

11. How does one gain insight into the supersensible world?

[ 1 ] Wer heute aus seinem Innern heraus nach Erkenntnis der übersinnlichen Welt strebt, wird in der Regel verwiesen auf die Art und Weise und auf die Ergebnisse, die aus alten Zeiten stammen. Geht man dann demjenigen näher nach, auf das so verwiesen wird, so stößt man in der Menschheitsentwickelung auf die sogenannten Mysterien. Das waren Stätten, in denen auf der einen Seite gepflegt wurde das religiös-kultische Leben — das Spirituelle strömte durch das Religiös-Kultische —, auf der anderen Seite wurde gepflegt, was wir heute wissenschaftliche Erkenntnis nennen. Das Spirituelle strömte in diese andere Form der menschlichen Auffassung hinein. Und ein Drittes war das Künstlerische, das in den Mysterien zum Ausdruck kam. Auf der einen Seite offenbarte sich der sinnlichen Anschauung, der unmittelbar sinnenfälligen Lebensauffassung das, was durch Religion, Kultus und Wissenschaft strömte, auf der andern Seite, was durch die Kunst strömte. Und im Grunde genommen lebt die nach dem Übersinnlichen strebende Menschheit heute noch immer von demjenigen, was die Tradition aus vergangenen alten Zeiten erhalten hat.

[ 1 ] Anyone today who strives from within for knowledge of the supersensible world is generally directed to methods and results that date back to ancient times. If one then examines more closely what is referred to in this way, one encounters what are known as the mysteries in the course of human development. These were places where, on the one hand, religious and ritual life was cultivated—the spiritual flowed through the religious and ritual—and, on the other hand, what we today call scientific knowledge was cultivated. The spiritual flowed into this other form of human perception. And a third element was the artistic, which found expression in the Mysteries. On the one hand, what flowed through religion, ritual, and science revealed itself to sensory perception—to the immediately perceptible view of life—and on the other hand, what flowed through art. And fundamentally, humanity, in its striving for the supersensible, still lives today from what tradition has preserved from ancient times.

[ 2 ] In dem heutigen Vortrage möchte ich nicht sprechen von diesen alten Traditionen, auch nicht von den alten Mysterien; aber sprechen möchte ich von der Möglichkeit eines neuen Mysterienlebens, von der Möglichkeit eines neuen Weges nach den übersinnlichen Welten, der in seiner Bedeutung und in der Auffassung gewachsen sein kann demjenigen, was man heute an wissenschaftliche Erkenntnis als Anforderung stellt durch die gewaltigen Fortschritte des naturwissenschaftlichen Denkens der neueren Zeit.

[ 2 ] In today’s lecture, I do not wish to speak of these ancient traditions, nor of the ancient mysteries; but I would like to speak of the possibility of a new life of mystery, of the possibility of a new path to the supersensible worlds, one that may have grown in significance and understanding to meet the demands placed on scientific knowledge today by the tremendous advances in scientific thought in recent times.

[ 3 ] Wenn wir in unser eigenes Inneres hineinschauen, finden wir innerhalb der Betätigung dieses Inneren: Denken, Fühlen, Wollen. Von diesen Seelentätigkeiten ist nur unser Denken unabhängig von unserer Körperlichkeit, solange dieses Denken gesund ist. Derjenige, welcher sich mit der Seele dem Charakter des Denkens ganz hinzugeben vermag, der weiß, daß es nur dadurch unabhängige, logische Gesetze geben kann, weil das gesunde Denken im natürlichen Menschen unabhängig ist von der Körperlichkeit. Erst wenn der Mensch anfängt pathologisch zu denken, wenn in sein Denken Krankhaftes hineinkommt, wird er abhängig von dem Körperlichen. Was heißt das aber? Das heißt nichts anderes als: Solange das Denken gesund ist, hält es sich außerhalb des Körperlichen; es taucht erst in den Körper unter, wird erst in das Unbewußte aufgenommen, indem es in den Körper aufgenommen wird, wenn es krank wird.

[ 3 ] When we look within ourselves, we find the following inner activities: thinking, feeling, and willing. Of these activities of the soul, only our thinking is independent of our physical nature—as long as this thinking is sound. Those who are able to devote themselves entirely to the nature of thinking with their soul know that independent, logical laws can exist only in this way, because healthy thinking in the natural human being is independent of the physical body. Only when a person begins to think pathologically—when something morbid enters their thinking—do they become dependent on the physical. But what does that mean? It means nothing other than this: As long as thinking is healthy, it remains outside the physical realm; it only submerges into the body and is only absorbed into the unconscious—that is, into the body—when it becomes diseased.

[ 4 ] Nicht so ist es mit unserem Fühlen, nicht so ist es mit unserem Wollen. Unser Fühlen taucht in seinem ganz normalen Zustand in die Körperlichkeit unter und istunskaum so bewußt wie irgend etwas Traumhaftes. Es west ganz in der Körperlichkeit. Ebenso ist es mit dem Wollen. Wir werden uns im gewöhnlichen Leben des eigentlichen Vorganges des Wollens nicht bewußt, weil es tief unten in der Körperlichkeit untergetaucht ist.

[ 4 ] This is not the case with our feelings; this is not the case with our will. In its normal state, our feeling is submerged in physicality and is scarcely as conscious to us as anything dreamlike. It is entirely within physicality. The same is true of the will. In ordinary life, we are not aware of the actual process of willing because it is deeply submerged in physicality.

[ 5 ] Wollen wir nun eine höhere Erkenntnis erlangen, dann müssen wir Fähigkeiten als Mensch entwickeln, welche ebenso unabhängig sind wie unser gewöhnliches Denken von dieser Körperlichkeit, welche aber imstande sind, höhere Welten wahrzunehmen als dieses gewöhnliche Denken, das in der gegenwärtigen Menschheitsverfassung nur imstande ist, die physisch-sinnliche Umwelt wahrzunehmen, zu zergliedern.

[ 5 ] If we now wish to attain a higher level of understanding, we must develop human faculties that are just as independent of this physicality as our ordinary thinking is, but which are capable of perceiving higher worlds than our ordinary thinking—which, in the current state of humanity, is capable only of perceiving and analyzing the physical, sensory environment.

[ 6 ] In den alten Mysterien wurde dieses Freimachen geistiger Fähigkeiten von der körperlichen Organisation durch äußere Vorgänge veranlaßt. Machen wir uns einmal klar, welche Wirkung auf unsere Seele zum Beispiel ein Klang, ein Schall, ein Ton hat, der schnell verläuft, der uns in Schreck versetzt. Dieser schnelle Eindruck läßt uns nicht dazu kommen, das, was in unserer Seele gefühlsmäßig vor sich geht, unterzutauchen in die Körperlichkeit. Und gestalten wir gar hintereinander Schreck, Angst, Furcht, so kommen wir dazu, das Seelenhafte außerhalb des Körperlichen zu halten. Die ganz methodischen Veranstaltungen der alten Mysterien bestanden darin, auf diese Art das Seelische vom Körperlichen freizumachen. Schreck, ganze dramatische Vorgänge, die das Seelenleben hinaufführen zu einem Gipfel und dann fallen ließen, sie waren darauf eingerichtet, den Menschen so erleben zu lassen, daß dieses Seelenleben sich außerhalb des Körperlichen hält, nicht untertaucht in das Körperliche. Kam der Mensch nach solchen Vorgängen wieder zu sich, so war ihm klar: während solcher Erlebnisse hatte er Einsicht gewonnen in eine Welt, in die er sonst nicht hineinsieht. Und er nannte diese Welt die «übersinnliche». Solche äußere Verrichtungen, die zum größten Teil in den alten Mysterien kultische Form angenommen haben, taugen nicht mehr für die moderne Menschheit. Sie setzen auch voraus, daß diejenigen, welche zu höherer Erkenntnis geführt wurden, sich absonderten. Die Mysterien waren streng abgesonderte Stätten, die streng geleitet wurden durch Priesterweise, welche diese äußere Verrichtung so anordnen konnten, daß der Mensch wirklich, indem er sie durch Jahre durchmachte, Gewohnheit darin bekam, seine Seele unabhängig vom Leiblichen zu halten und mit diesem unabhängig Seelischen in die geistige Welt, in die spirituelle Welt einzutreten.

[ 6 ] In the ancient mysteries, this liberation of spiritual faculties from the physical organization was brought about by external processes. Let us consider, for example, the effect on our soul of a sound—a noise, a tone—that passes quickly and fills us with terror. This rapid impression prevents us from allowing what is happening emotionally within our soul to sink into the physical realm. And if we experience shock, anxiety, and fear in rapid succession, we come to keep the soul-life outside the physical realm. The highly methodical rituals of the ancient mysteries consisted of liberating the soul-life from the physical in this way. Shock, entire dramatic processes that raised the life of the soul to a peak and then let it fall—these were designed to allow people to experience things in such a way that this life of the soul remained outside the physical realm and did not submerge into it. When a person came to their senses again after such experiences, it was clear to them: during these experiences, they had gained insight into a world they would otherwise not be able to see. And they called this world the “supersensible.” Such external rituals, which for the most part took on a ritual form in the ancient mysteries, are no longer suitable for modern humanity. They also presuppose that those who were led to higher knowledge would set themselves apart. The mysteries were strictly secluded places, strictly guided by priestly figures who could organize these external rituals in such a way that, by undergoing them over the course of years, a person truly developed the habit of keeping his soul independent of the physical body and, with this independent soul, entering the spiritual world.

[ 7 ] Zu Menschen, die auf diese Weise in die geistige Welt hinein den Weg suchen müssen, würde der moderne Mensch kein Vertrauen haben. Denn diese Methoden erforderten strenge Absonderung des geistig Suchenden von der Welt, und es war in alten Zeiten so, daß man eigentlich nur Vertrauen hatte zum Geistesmenschen, wenn er sich absonderte von der übrigen Menschheit. Heute kann man Vertrauen zum Menschen der Erkenntnis nur haben, wenn er im Leben voll darinnen steht, wenn ihm nichts fremd ist aus dem vollen unmittelbaren Menschenleben. Daher bedarf die heutige Zeit und wird bedürfen die nächste Zukunft Methoden für den Weg in die spirituelle Welt, welche mehr innerlich seelisch sind, so daß der Mensch in der Verfolgung dieser Methoden unabhängig von äußeren Verrichtungen, von äußeren Einwirkungen ist. Von Methoden für den Weg in die geistige Welt möchte ich Ihnen sprechen, die ganz still im Inneren der Seele wirksam sind, die aber in ebenso sicherer Weise zur Erkenntnis der geistigen Welt, das heißt zur Initiation führen, wie die älteren Methoden der Mysterien zu dieser Initiation geführt haben.

[ 7 ] Modern people would have no trust in those who must seek their way into the spiritual world in this manner. For these methods required the spiritual seeker to isolate himself strictly from the world, and in ancient times, people would only truly trust a spiritual person if he had separated himself from the rest of humanity. Today, one can only have trust in a person of insight if they are fully immersed in life, if nothing in the full, immediate human experience is foreign to them. Therefore, the present age—and the near future as well—requires methods for the path into the spiritual world that are more inward and soul-based, so that the person pursuing these methods is independent of external activities and external influences. I would like to speak to you about methods for the path into the spiritual world that work very quietly within the soul, but which lead just as surely to the knowledge of the spiritual world—that is, to initiation—as the older methods of the Mysteries led to this initiation.

[ 8 ] Ich habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», das ins Französische unter dem Titel «Initiation» übersetzt ist, die modernen Methoden der Initiation auseinandergesetzt. Ich möchte mir gestatten, am heutigen Abend zu sprechen im Prinzipe von demjenigen, was solche moderne Methoden der Initiation sind.

[ 8 ] In my book *How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?*, which has been translated into French under the title *Initiation*, I have discussed the modern methods of initiation. This evening, I would like to take the liberty of speaking, in principle, about what these modern methods of initiation are.

[ 9 ] Der Anfang auf dem Wege zur Erkenntnis spiritueller Welten muß gemacht werden durch eine besondere innere seelische Behandlung unserer Gedankenwelt, unserer Gedankenkräfte. Im gewöhnlichen Leben geben wir uns hin der Außenwelt oder dem, was aus unserem Inneren an Gedanken aufsteigt. Und so sehr wir auch in diesem gewöhnlichen Bewußtsein relativ Aktivität entwickeln, so sind wir im ganzen in unserem Denken doch passiv, hingegeben an die sinnliche oder an die innere seelische Welt. Ja, der moderne Mensch legt sogar einen großen Wert darauf, bei dieser Passivität des Gedankens zu bleiben, weil er Furcht hat davor, daß im Augenblick, wo er aus sich selber seine Gedanken formt, er in das Unwirkliche, in das Gebiet der Phantasie komme. Diese ganze Stellung zum Denken muß anders werden, wenn der Mensch in die übersinnliche Welt eintreten will. Er muß sein Denken aktivieren. Ich habe nach einem alten Gebrauch dieses Aktivieren des Denkens «Meditation» genannt. Sie besteht darin, daß wir nun ganz und gar uns nicht hingeben an unser Denken, an irgendein Objektives, sondern daß wir aus der inneren Kraft unseres Seelenlebens einen übersichtlichen Gedankeninhalt möglichst einfacher Art in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins stellen, und durch eine gewisse Zeit hindurch, mit Ausschluß jeglicher anderen Aufmerksamkeit, die ganze Aufmerksamkeit der Seele auf diesen einen seelischen Inhalt richten.

[ 9 ] The first step on the path to understanding spiritual worlds must be taken through a special inner, psychological process involving our world of thoughts and our powers of thought. In everyday life, we surrender ourselves to the external world or to the thoughts that arise from within us. And no matter how much relative activity we may develop within this ordinary state of consciousness, on the whole we remain passive in our thinking, surrendered to the sensory or inner spiritual world. Indeed, modern people even place great value on remaining in this passivity of thought, because they fear that the moment they form their own thoughts, they will enter the unreal, the realm of fantasy. This entire attitude toward thinking must change if a person wishes to enter the supersensible world. They must activate their thinking. Following an old custom, I have called this activation of thinking “meditation.” It consists in not surrendering ourselves entirely to our thinking or to any objective reality, but rather in placing—from the inner strength of our soul life—a clear, well-defined thought of the simplest possible kind at the center of our consciousness, and for a certain period of time, excluding all other forms of attention, directing the soul’s entire attention toward this one spiritual content.

[ 10 ] Indem wir so mit unserer ganzen Seele aktiv ruhen auf einem Seeleninhalte, tritt mit den Seelenkräften etwas ein, was sonst mit den körperlichen Kräften eintritt, wenn wir zum Beispiel einen Muskel zu einer Arbeit gewohnheitsmäßig immer wieder gebrauchen. Der Muskel erstarkt. So verstärken sich, erkraften sich innerlich die Seelenkräfte, wenn die Aktivität der Seele immer wiederum auf einen Inhalt gerichtet ist. Übersichtlich muß der Inhalt sein aus dem Grunde, weil er nichts enthalten darf, was aus dem Unbewußten kommen kann. Wir müssen völlig mit aller Besonnenheit, der wir nur fähig sind, auf diesem Seeleninhalte ruhen. Nimmt man irgend etwas, was kompliziert ist, was vielleicht aus der Erinnerung heraufgeholt ist als Reminiszenzen, was als alte Seeleninhalte verstandesmäßig oder gefühlsmäßig mit diesen Inhalten verknüpft ist — das darf nicht sein. Wir tun daher am besten, wenn wir einen solchen Seeleninhalt entweder dadurch an uns herankommen lassen, daß wir, sagen wir zum Beispiel ein ganz unbekanntes Buch nehmen, das wir ganz gewiß noch nie gelesen haben, wir schlagen es irgendwo auf, wir lesen einen Satz, der uns sonst gar nicht interessiert, dessen Inhalt sonst kein Interesse für uns hat. Wir versetzen diesen Satz in den Mittelpunkt des Bewußtseins und ruhen darauf. Wir konzentrieren auf einen solchen Inhalt durch lange Zeit hindurch alles Seelenleben. Noch besser ist es, wenn wir das Vertrauen fassen können, zu jemandem, der in diesen Dingen wirklich Kenntnis hat, hinzugehen und uns von ihm einen Seeleninhalt der charakterisierten Art geben zu lassen. Dann wird er, wenn er schon Geistesforscher ist, Praxis darin haben, einfach aus dem Anblick von uns zu sagen, was für ein geistiger Inhalt für unsere Meditation der beste ist. Wenn wir uns so einen ganz im Bewußtsein präsenten, leicht überschaubaren Inhalt nehmen, uns auf ihn konzentrieren, in der Konzentration ganz meditativ verweilen, wird allmählich unser Denken ganz verwandelt. Alle Abstraktheit aus unserem Denken schwindet, alle Kälte schwindet. Das Denken wird ganz bildlich, wir gewinnen die Fähigkeit, in gesättigten, bis zum Farbigen sich sättigenden Bildern zu denken. Bilder, die allmählich wie lebendige Traumbilder sind, aber einen ganz anderen Seelencharakter haben, treten in unser Bewußtsein ein, wir erfahren etwas, was wir früher niemals in diesem Bewußtsein erfahren haben. Wir erfahren die Möglichkeit, so besonnen zu denken, wie nur der besonnenste Logiker oder Mathematiker denken kann, aber nicht abstrakt zu denken, nicht Naturgesetze zu denken, sondern in Bildern zu denken, von denen wir zunächst nicht wissen, woher sie kommen.

[ 10 ] When we actively rest with our whole soul on a spiritual content in this way, something occurs within the soul’s powers that otherwise occurs with the physical powers—for example, when we habitually use a muscle for a task over and over again. The muscle grows stronger. In the same way, the soul forces are strengthened and gain inner power when the soul’s activity is repeatedly directed toward a single content. The content must be clear for the reason that it must not contain anything that might come from the unconscious. We must rest entirely upon this content of the soul with all the composure of which we are capable. If we take anything that is complicated—something perhaps retrieved from memory as a reminiscence, or something that is intellectually or emotionally linked to these contents as old soul content—that must not be allowed to happen. We are therefore best advised to allow such a soul content to come to us either by, say, taking a completely unknown book—one we have certainly never read before—opening it to a random page, and reading a sentence that would otherwise not interest us at all, whose content would otherwise hold no interest for us. We place this sentence at the center of our consciousness and rest upon it. We concentrate our entire inner life on such content for a long time. It is even better if we can muster the confidence to approach someone who truly has knowledge of these matters and have them provide us with a spiritual content of the kind described. Then, if he is already a spiritual researcher, he will have the practice to tell us, simply by looking at us, what kind of spiritual content is best for our meditation. When we take such a content—one that is fully present in our consciousness and easily comprehensible—and concentrate on it, lingering in that concentration in a meditative state, our thinking is gradually transformed. All abstractness vanishes from our thinking, all coldness vanishes. Thinking becomes entirely pictorial; we gain the ability to think in rich images that are saturated with color. Images that gradually resemble living dream images—but possess a completely different spiritual character—enter our consciousness; we experience something we have never before experienced in this state of consciousness. We experience the possibility of thinking as calmly as only the most level-headed logician or mathematician can think—but not thinking abstractly, not thinking in terms of natural laws, but rather thinking in images whose origin we do not initially know.

[ 11 ] Diese erste Stufe der Erkenntnis des Übersinnlichen sei genannt die imaginative Erkenntnis. Ihre Fähigkeiten müssen wir entwickeln, wenn wir in die erste Sphäre der übersinnlichen Welt eintreten wollen. Werden solche Übungen genügend lange fortgesetzt — bei dem einen Menschen, je nach der Individualität, dauern sie jahrelang, bei manchem monatelang —, dann kommt der Mensch endlich dazu, in einer in gewissem Sinne vollendeten Art, so wie man sonst im gewöhnlichen Bewußtsein abstrakt denken kann, ein Bilderbewußtsein zu entwickeln; in Bildern nicht träumen, sondern denken zu können. Dann aber, wenn man genügend weit mit einem solchen bildhaften Denken fortgeschritten ist, dann weiß man durch das unmittelbare Bewußtsein: dieses Bilddenken taucht nicht unter in die Körperlichkeit, ist frei und unabhängig von der Körperlichkeit. Man fühlt sich nun in diesem unabhängigen Bilddenken, man lebt ganz darinnen, man lebt jetzt so in diesem unabhängigen Bilddenken, wie man sonst in seinem physischen Leibe lebt. Wie man in seinem physischen Leibe fühlt mit den allgemeinen Körpergefühlen, mit all demjenigen, was man vielleicht an Schmerz oder allgemeinem Wohlbehagen von diesem Körper in das Seelische hineinströmen fühlt, wie man sich sonst, kurz gesagt, in seinem physischen Leibe fühlt, fühlt man sich jetzt in einem feineren, in einem zweiten Menschen. Man hat gelöst von diesem physischen Leibe diesen zweiten Menschen und man kann dann aus innerer Erfahrung, aus dem unmittelbaren Leben heraus sagen: Ich erlebe mich als Mensch nicht nur im physischen Leibe, ich erlebe mich als Mensch in einem ätherischen Leibe, in einem Leibe von feinerer Substantialität. Man weiß nun aus Erfahrung, daß ein zweiter Mensch in dem ersten darinnensteckt. Ebenso, wie man durch die physischen Werkzeuge des physischen Leibes in der physischen Welt wahrnehmen kann, durch das Auge die Farben, durch die Ohren die Töne, so kann man jetzt — wenn man sich im ätherischen Leibe fühlt und sich weiß wie ein zweiter Mensch durch diesen ätherischen Leib, der ebenso organisiert ist wie der physische — eine neue Welt wahrnehmen, die für den physischen Leib undurchdringlich bleibt.

[ 11 ] This first stage of supersensible knowledge is called imaginative knowledge. We must develop these abilities if we wish to enter the first sphere of the supersensible world. If such exercises are continued for a sufficiently long time—for some people, depending on their individuality, they last for years; for others, for months—then the person finally comes to develop, in a sense, a perfected form of pictorial consciousness, just as one can otherwise think abstractly in ordinary consciousness; that is, to be able to think in images rather than to dream in them. But then, once one has advanced far enough with such pictorial thinking, one knows through direct consciousness: this pictorial thinking does not sink into physicality; it is free and independent of physicality. One now feels oneself within this independent pictorial thinking; one lives entirely within it; one now lives in this independent pictorial thinking just as one otherwise lives in one’s physical body. Just as one feels within one’s physical body through general bodily sensations—through all that one might feel flowing from this body into the soul, whether it be pain or general well-being—just as one otherwise feels, in short, within one’s physical body, so does one now feel within a finer, second human being. One has separated this second human being from the physical body, and one can then say, out of inner experience, out of one’s immediate life: I experience myself as a human being not only in the physical body; I experience myself as a human being in an etheric body, in a body of finer substance. One now knows from experience that a second human being is contained within the first. Just as one can perceive the physical world through the physical organs of the physical body—colors through the eyes, sounds through the ears—so now, when one feels oneself in the etheric body and knows oneself to be a second human being through this etheric body, which is organized in the same way as the physical body, one can perceive a new world that remains impenetrable to the physical body.

[ 12 ] Die erste neue Welt, die man wahrnimmt, ist die Welt des eigenen letzten Erdenlebens. In einem mächtigen Tableau, majestätisch dastehend, alles dasjenige, was der Zeit nach hintereinander war — gleichzeitig wie in einem Panorama —, steht unser Erdenleben von dem gegenwärtigen Zeitpunkt, in dem wir leben, durch Rückblick bis zur Geburt vor uns. So, wie sonst im Raume die Dinge nebeneinander stehen, so steht in dieser Rückschau das Erlebnis, das wir zum Beispiel im achten Lebensjahredurchgemacht haben, gleichzeitig da mit demjenigen, was wir im zwanzigsten, fünfzigsten Lebensjahre durchgemacht haben. Die Zeit wird wie zum Raume. Und was wir da in anschaulichen Bildern in einem majestätischen Lebenspanorama erleben, lernen wir gut unterscheiden von gewöhnlicher Erinnerung. Die gewöhnliche Erinnerung, die wir in einzelnen Gedanken, Vorstellungen, Bildern aus unserem Menschenwesen hervorholen, ist schwach und blaß. Dasjenige, was wir so überschauen, das ist vollinhaltlich, mächtig koloriert, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf. Aber es erscheint uns auch alles so, wie uns äußere Dinge erscheinen. Wir wissen nun in der Überschau eines sich allerdings etwas ausdehnenden Augenblickes, wie unser Leben auf einen Seelenblick hin erscheint. Und da zeigt sich uns, daß in uns wallt und webt in jedem Augenblick unseres Erdendaseins seit unserer Geburt, oder besser gesagt seit unserer Konzeption, ein Geistig-Seelisches. Dieses Geistig-Seelische verdichtet sich zur Wachstumskraft, zur Ernährungskraft, zu all dem, was in unserem physischen Leibe wallt und webt, aber es ist zuletzt ein Geistiges, das wir schauen, indem wir also zur ersten Stufe der übersinnlichen Erkenntnis aufsteigen. Wir lernen aber zugleich damit erkennen, außer unserem eigenen ätherischen Leibe, die ätherische Welt, die um uns herum ist und der unser ätherischer Leib angehört; wir lernen erkennen, wie anders wir uns verhalten zu dieser ätherischen Welt — die so da ist wie die physische — als zur physischen Welt. In der physischen Welt ist das Ding da, ich bin da. Ich spreche von den physischen Dingen als einem streng von mir Geschiedenen; ich weise darauf hin. Mit der ätherischen Welt bin ich durch meinen Ätherleib so verbunden, wie ein Glied meines Organismus mit dem ganzen Organismus verbunden ist. Und so wie ein Glied, mein Finger, sich aussondert aus meinem Organismus, so sondert sich der Atherleib von dem ätherischen Universum aus, aber er bildet doch ein Glied darinnen. Wir sind viel mehr eine Einheit mit derjenigen Welt, die hinter der physischen Welt steht, als der physische Leib mit der physischen Welt eine Einheit bildet. Das ist die erste Stufe der übersinnlichen Welt, und das ist auch die erste übersinnliche Welt, die wir erreichen auf dem Wege zur übersinnlichen Erkenntnis. Weiter kommt man mit der Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, die ich bisher geschildert habe, nicht, als bis zur Einsicht in dieses Wesen der Menschennatur, das von der Geburt bis zum Tode als eine Einheit sich entwickelt, sich wandelt, aber dauernd bleibt während unseres ganzen Erdenlebens hindurch, während die einzelnen Stoffe, die wir aufnehmen, von uns aufgenommen werden, wiederum von uns ausgestoßen werden, so daß wir als physischer Mensch uns stets erneuern, auch während unseres Erdenlebens. Dasjenige, was ätherischer Leib ist, bleibt von der Geburt bis zum Tode als Einheit vorhanden.

[ 12 ] The first new world one perceives is the world of one’s own last earthly life. In a powerful tableau, standing there majestically—everything that once unfolded in sequence over time now appearing simultaneously, as in a panorama—our earthly life unfolds before us, from the present moment in which we live, looking back all the way to our birth. Just as things usually stand side by side in space, so in this retrospective does the experience we went through, for example, in the eighth year of our life, stand there simultaneously with what we went through in the twentieth and fiftieth years of our life. Time becomes like space. And what we experience there in vivid images within a majestic panorama of life, we learn to distinguish clearly from ordinary memory. Ordinary memory, which we draw forth from our human being in individual thoughts, ideas, and images, is weak and pale. What we survey in this way is rich in content, powerfully colored, if I may use that expression. But everything also appears to us just as external things appear. We now know, in the overview of a moment that is admittedly somewhat extended, how our life appears to the soul’s gaze. And there it becomes clear to us that a spiritual-soul element has been surging and weaving within us at every moment of our earthly existence since our birth—or rather, since our conception. This spiritual-soul element condenses into the power of growth, the power of nourishment, and all that surges and weaves within our physical body; yet ultimately it is a spiritual reality that we behold as we thus ascend to the first stage of supersensible knowledge. At the same time, however, we learn to recognize, apart from our own etheric body, the etheric world that surrounds us and to which our etheric body belongs; we learn to recognize how differently we relate to this etheric world—which exists just as the physical world does—than to the physical world. In the physical world, the thing is there; I am there. I speak of physical things as something strictly separate from me; I point this out. Through my etheric body, I am connected to the etheric world just as a limb of my organism is connected to the whole organism. And just as a limb—my finger—is set apart from my organism, so the etheric body is set apart from the etheric universe, yet it still forms a limb within it. We are far more a unity with the world that lies behind the physical world than the physical body is a unity with the physical world. This is the first stage of the supersensible world, and it is also the first supersensible world we reach on the path to supersensible knowledge. The stage of supersensible knowledge I have described so far does not take us further than an understanding of this essence of human nature, which develops and transforms as a unity from birth to death, yet remains constant throughout our entire earthly life, while the individual substances we take in are absorbed by us and then expelled by us again, so that we, as physical human beings, are constantly renewing ourselves, even during our earthly life. That which is the etheric body remains present as a unity from birth to death.

[ 13 ] Will man aber über dieses erste Übersinnliche hinauskommen, dann muß eine zweite Erkenntnisstufe im Innern der Seele entwickelt werden. Das kann dadurch geschehen, daß wir nun, nachdem wir für die erste Erkenntnisstufe das Denken aktivieren, erkraften mußten, damit wir uns erfassen und ergreifen in unserem ätherischen Leibe, zur zweiten Erkenntnisstufe alles, was wir in dieser Weise an erkraftetem Denken gewinnen, wiederum aus unserem Bewußtsein fortschaffen. Haben wir erst ganz kräftig einen Bewußtseinsinhalt in unsere Seele hereingeschafft, indem wir mit aller Gewalt uns konzentrierten, so müssen wir ihn jetzt wiederum weglassen. Sie wissen, in welchen Zustand der Mensch kommt, wenn er seinen gewöhnlichen Seeleninhalt, die Welt, die ihm die Sinne geben, wegschaffen muß: Er schläft ein. Allmählich versinkt er in einer Seelenlähmung. Das darf nicht eintreten und tritt auch nicht ein. Ja, es ist schwierig, einen Seeleninhalt, den wir mit aller Kraft ins Bewußtsein hineingeschafft haben, wiederum wegzuschaffen. Es ist schwerer, diesen Inhalt wegzuschaffen, als den Inhalt des gewöhnlichen Bewußtseins. Wenn es uns aber gelingt, ihn wegzuschaffen, so ist etwas eingetreten, was sonst nie da ist. Im menschlichen Seelenleben ist dann eingetreten eine völlige Leerheit des Bewußtseins. Durch dasjenige, was der Mensch durchgemacht hat im kraftvollen Erleben seines eigenen Ätherleibes, wird er fähig wie zu abstrahieren, abzusehen von aller Sinnenwelt und von allem gewöhnlichen Denken. Er lebt in einer höheren Region. Schafft er sich nun wiederum diese höhere Region, sein eigenes Lebenstableau weg, dann wird sein Bewußtsein leer und wir sind in jenem Zustand, der bedeutungsvoll ist für alle höhere Erkenntnis: Wir sind in dem Zustand des bloßen Wachens, ohne daß dieses Wachen einen Seeleninhalt hat. Wir richten ein verstärktes, erkraftetes Bewußtsein in die Leerheit der Welt hinaus. Wir schlafen nicht ein, indem wir diese Verrichtung machen, sondern wir bleiben wach, aber wir stehen zunächst wie für einen Augenblick nur dem Nichts gegenüber. Das bleibt nicht lange. Wenn wir also bloßes Wachen in unserem Bewußtsein gehalten haben, wirkliches leeres Bewußtsein, dann dringt eine geistige Welt in uns ein, die nicht unser Atherleib ist, nicht dasjenige, was mit ihm verwandt ist, sondern die eine nun zunächst ganz fernstehende geistige Welt ist. In das bloße Wachen und das leere Bewußtsein dringt die wirkliche geistige Welt hinein, nur muß dieses leere Bewußtsein und Wachsein durch lange Seelenübungen, die ich nur im Prinzip schildern konnte, erworben werden. Denn dieses Unterdrücken alles Inhaltes, es gelingt nicht auf den ersten Anhub. Es muß wiederum und wiederum geübt werden. Wieder dauert es bei manchem Jahre, bei manchem, wenn er dazu veranlagt ist, je nach seinem Schicksal, Monate, daß er dazu gelangt, das Bewußtsein, ohne es einzuschläfern, leer zu halten, so daß die geistige Welt in ihn hineindringen kann.

[ 13 ] But if one wishes to go beyond this first supersensible realm, a second level of knowledge must be developed within the soul. This can be achieved by the following: after we have activated our thinking for the first level of knowledge—which required us to exert effort so that we could perceive and grasp ourselves in our etheric body—we must now, for the second level of knowledge, remove from our consciousness everything we have gained through this exerted thinking. Once we have brought a content of consciousness into our soul with great effort—by concentrating with all our might—we must now let it go again. You know the state a person enters when they must remove their usual soul content—the world presented to them by the senses—from their consciousness: they fall asleep. Gradually, they sink into a state of soul paralysis. This must not happen—and indeed, it does not. Yes, it is difficult to let go of a mental content that we have brought into consciousness with all our strength. It is harder to let go of this content than of the content of ordinary consciousness. But when we succeed in letting it go, something occurs that is otherwise never present. In the life of the human soul, a complete emptiness of consciousness has then set in. Through what the person has gone through in the powerful experience of their own etheric body, they become capable of abstracting, of rising above the entire sensory world and all ordinary thinking. They live in a higher realm. If they then, in turn, set aside this higher region—their own tableau of life—their consciousness becomes empty, and we find ourselves in that state which is significant for all higher knowledge: we are in the state of mere wakefulness, without this wakefulness having any content of the soul. We direct an intensified, strengthened consciousness out into the emptiness of the world. We do not fall asleep while performing this act, but we remain awake; yet at first, for just a moment, we face nothingness. This does not last long. So when we have maintained mere wakefulness in our consciousness—true, empty consciousness—a spiritual world penetrates us, one that is not our etheric body, nor anything related to it, but rather a spiritual world that is, at first, entirely separate from it. The real spiritual world penetrates into this mere wakefulness and empty consciousness; however, this empty consciousness and wakefulness must be acquired through long soul exercises, which I have been able to describe only in principle. For this suppression of all content—it does not succeed on the first attempt. It must be practiced again and again. Again, for some it takes years; for others, if they are predisposed to it—depending on their destiny—it takes months to reach the point where they can keep their consciousness empty without lulling it to sleep, so that the spiritual world can penetrate them.

[ 14 ] Gewiß, man kann sagen, wenn ein Mensch also zur geistigen Welt kommt, so könne das eine bloße Suggestion, eine Autosuggestion sein. Wodurch unterscheidet man, so kann man fragen, eine Suggestion von dem, was der Geistesforscher, der Initiierte also, eine reale geistige Welt nennt? Man kann es nur durch das Leben unterscheiden. So wie man durch das Leben ein vorgestelltes heißes Eisen von einem wirklichen heißen Eisen unterscheidet, weil man sich an einem vorgestellten heißen Eisen nicht verbrennt, an dem wirklich ergriffenen Eisen aber verbrennt, so erlebt man in der geistigen Welt, die ins leere Bewußtsein hineinströmt, reale Tatsachen. Man weiß einfach, ebenso wie man ein angegriffenes heißes Eisen von einem vorgestellten unterscheiden kann, durch das Leben, wodurch sich diese geistige Realität von einer bloßen Autosuggestion unterscheidet.

[ 14 ] Certainly, one might say that when a person enters the spiritual world, it could be mere suggestion—autosuggestion. How, one might ask, does one distinguish suggestion from what the spiritual researcher—that is, the initiate—calls a real spiritual world? One can distinguish them only through experience. Just as one distinguishes an imagined hot iron from a real hot iron through experience—because one does not burn oneself on an imagined hot iron, but does burn oneself on one actually grasped—so, in the spiritual world that flows into empty consciousness, one experiences real facts. One simply knows—just as one can distinguish a hot iron one has actually touched from an imagined one—through lived experience, which is what distinguishes this spiritual reality from mere autosuggestion.

[ 15 ] In dem vorhin genannten Buche bezeichnete ich diese zweite Stufe der übersinnlichen Erkenntnis nach einem alten Wortgebrauch, an dem man sich nicht stoßen muß — man braucht eine Terminologie — als die inspirierte Erkenntnis. Kommt man zu einer inspirierten Erkenntnis, so erlebt man sich gewissermaßen noch in einem dritten Menschen. Zuerst steht der physische Mensch da, dann der ätherische Mensch, nun erlebt man sich in einem dritten Menschen. Aber indem man sich in diesem dritten Menschen erlebt, weiß man sich nicht nur wie mit dem erkrafteten, imaginativen Denken unabhängig von seiner Leiblichkeit, sondern völlig außerhalb seiner Leiblichkeit. Man hat den Zustand erreicht, den man nennen kann: Leben im Geiste außerhalb des physischen Leibes. Dann ist der Mensch auch imstande, den ätherischen Leib zu verlassen, das heißt, wie er im leeren Bewußtsein überhaupt allen, auch imaginativen Inhalt getilgt hat, so dieses Lebenstableau, zu dem er zuerst gekommen ist, vollständig auszutilgen; das heißt, dasjenige, was er im Erdenleben hat, hinunterzutauchen in das Unbewußte und außerhalb seines physischen und ätherischen Daseins zu leben. Dann aber, wenn der Mensch das erreicht, dann reicht der Rückblick nicht bloß bis zur Geburt oder Konzeption, dann geht der Rückblick weiter in die Vergangenheit hinein: Wir schauen hin in eine geistige Welt, in der wir waren als geistig-seelisches Wesen, bevor wir in die physische Welt hinuntergestiegen sind. Wir schauen uns handelnd, lebend in dieser geistigen Welt, ebenso wie wir uns als physisches Menschenwesen in der physischen Welt schauen. Wir lernen erkennen, daß dasjenige, was die Natur ausbildet als unseren physischen Menschenkeim, sich vereinigen muß mit dem, was hinuntersteigt aus den geistigen Welten, denn das schauen wir jetzt selber an. Und wenn wir diese Erkenntnis erreicht haben, durch die wir ganz herausgehen aus unserem physischen und ätherischen Leibe, dann schauen wir, wenn wir wieder zurückgehen — das heißt, wenn der Augenblick unseres Schauens der geistigen Welt aufgehört hat—in unseren eigenen physischen und Ätherleib hinein und finden, wie unser Erdenleben im Seelisch-Geistigen ein Abbild ist von demjenigen, was wir eben schon geistig-seelisch waren, bevor wir auf die Erde heruntergestiegen sind. Und gerade indem wir wiederum hineinkommen in unseren Leib, in den physischen und Ätherleib, erobern wir uns die Kraft eines, ich möchte sagen, konfigurierten, individualisierten Schauens. Jetzt lernen wir, während wir mehr eine allgemeine geistige Welt, die wir durchgemacht haben im vorirdischen Dasein, außer unserem physischen Leibe und unserem Atherleibe erleben, jetzt, wo wir wieder zurückkommen in den physischen und Ätherleib, jetzt lernen wir, indem wir zwar nicht untertauchen, aber ich möchte sagen einkehren, darinnen wohnen in unserem physischen und Atherleib, jetzt lernen wir unterscheiden zwischen den geistigen Wesenheiten einer höheren Welt, mit denen wir vereint waren, bevor wir zum irdischen Leben hinuntergestiegen waren, wie wir hier unterscheiden zwischen einzelnen Menschenindividualitäten. Wir lernen Wesen erkennen, die niemals auf die Erde hinuntersteigen, die niemals einen physischen Leib annehmen, geistig-göttliche Wesen. Wir sind die Mitbewohner der geistigen Welt mit ihnen, bevor wir auf diese Erde hinuntergestiegen sind. Und wir lernen schauen, eben dadurch, daß wir nun abwechselnd außerhalb und innerhalb unseres Leibes sein können mit dem Geistig-Seelischen, wir lernen auch erkennen, wie unter diesen höheren geistig-seelischen Wesen, unter denen wir waren, bevor wir auf die Erde gestiegen sind, nun die Menschenseelen sich befinden, die warten auf ihr Heruntersteigen auf die Erde, um es zu erleben in einer späteren Zeit, als wir es erlebt haben.

[ 15 ] In the book mentioned earlier, I referred to this second stage of supersensible knowledge—following an old usage of the term that need not be taken offense at (after all, we need terminology)—as “inspired knowledge.” When one attains inspired knowledge, one experiences oneself, as it were, in a third human being. First there is the physical human being, then the etheric human being; now one experiences oneself in a third human being. But in experiencing oneself in this third human being, one knows oneself not only—as with invigorated, imaginative thinking—as independent of one’s physicality, but completely outside of it. One has reached the state that can be called: life in the spirit outside the physical body. Then the human being is also able to leave the etheric body; that is, just as he has erased all content—including imaginative content—from his consciousness, so he can completely erase this tableau of life to which he first arrived; that is, to plunge what he has from his earthly life down into the unconscious and to live outside his physical and etheric existence. But when a person achieves this, their retrospective view extends not merely to birth or conception; it reaches further back into the past: we look into a spiritual world in which we existed as spiritual-soul beings before we descended into the physical world. We see ourselves acting and living in this spiritual world, just as we see ourselves as physical human beings in the physical world. We come to recognize that what nature forms as our physical human embryo must unite with what descends from the spiritual worlds, for we now behold this ourselves. And when we have attained this insight, through which we step completely out of our physical and etheric bodies, then, as we return —that is, when the moment of our beholding the spiritual world has come to an end—into our own physical and etheric bodies and find that our earthly life in the soul-spiritual realm is a reflection of what we were in the spiritual-soul realm before we descended to Earth. And precisely by re-entering our body—the physical and etheric body—we acquire the power of, I might say, a configured, individualized perception. Now we learn—while we experience, outside our physical and etheric bodies, a more general spiritual world that we passed through in our pre-earthly existence—now that we are returning to our physical and etheric bodies, now we learn, not by immersing ourselves, but—I would say—by turning inward, by dwelling within our physical and etheric bodies, now we are learning to distinguish between the spiritual beings of a higher world—with whom we were united before we descended into earthly life—just as we distinguish here between individual human personalities. We are learning to recognize beings who never descend to Earth, who never take on a physical body: spiritual-divine beings. We were their fellow inhabitants in the spiritual world before we descended to this Earth. And we are learning to see—precisely because we can now alternate between being outside and inside our bodies with our spiritual and soul aspects—we are also learning to recognize how, among these higher spiritual and soul beings, among whom we were before we descended to Earth, there are now human souls waiting to descend to Earth to experience it at a later time than we did.

[ 16 ] Und so lernen wir durch diese Stufe der inspirierten Erkenntnis denjenigen Teil der Ewigkeit des Menschenwesens erkennen, der von unserem Zeitbewußtsein, selbst von dem Religiösen, sehr wenig ins Auge gefaßt wird. Die Gegenwart liebt es nicht, hinzublicken auf das vorirdische Dasein. Es interessiert den Menschen zwar, dasjenige ins Auge zu fassen — wenn auch nur durch einen Glauben oder durch Tradition —, was hinter dem Tode liegt; denn das muß erst kommen, während der Mensch ja da ist und deshalb nicht besonders zu reflektieren braucht auf dasjenige, was vor der Geburt vorhanden war. Er ist ja da! Aber ob er auch da bleibe, das interessiert ihn; in seinem Egoismus interessiert ihn der zweite Teil der Ewigkeit, die Unsterblichkeit. Wir haben in den modernen Sprachen nicht einmal ein Wort für die andere Hälfte der Ewigkeit, für das vorirdische Dasein, das nach rückwärts so unendlich ist, wie die Unsterblichkeit nach vorwärts. Denn in Wahrheit lernt man die Ewigkeit des Menschenlebens nur erkennen, wenn man wieder hinweisen kann auf die Worte, die die Ursprachen gehabt haben für die Ewigkeit, und die ebenso bedeutungsvoll sprachen von der Ungeborenheit wie von der Unsterblichkeit. Neuere Initiationswissenschaft setzt wiederum die Ewigkeit des Menschenwesens zusammen aus Ungeborenheit und Unsterblichkeit. Die Ungeborenheit braucht man allerdings weniger für den Egoismus als für die wirkliche Erkenntnis. Für die Unsterblichkeit können die Menschen beim bloßen Glauben bleiben. Die Ungeborenheit, die Sicherheit darüber, daß ein schon vor meiner physischen Bildung existierendes Spirituelles mein Wesen ist, das lerne ich nur erkennen, wenn ich hinzuschauen vermag auf das Ungeborene in mir, nicht nur auf das Unsterbliche, das wir gleich im letzten Teile des Vortrages besprechen wollen.

[ 16 ] And so, through this stage of inspired insight, we come to recognize that part of the human being’s eternity which is scarcely taken into account by our sense of time—not even by our religious consciousness. The present does not like to look back at pre-earthly existence. People are certainly interested in contemplating—even if only through faith or tradition—what lies beyond death; for that is yet to come, whereas the human being is already here and therefore does not need to reflect particularly on what existed before birth. After all, he is here! But whether he remains here is what interests him; in his selfishness, he is interested in the second part of eternity—immortality. In modern languages, we do not even have a word for the other half of eternity—for pre-earthly existence, which extends backward as infinitely as immortality extends forward. For in truth, one can only come to recognize the eternity of human life by referring back to the words that the proto-languages had for eternity—words that spoke just as meaningfully of “unbornness” as they did of immortality. Modern initiatory science, in turn, conceives of the eternity of the human being as composed of unbornness and immortality. However, one needs “unbornness” less for the sake of selfishness than for true knowledge. As for immortality, people can content themselves with mere belief. Unbornness—the certainty that a spiritual essence existing even before my physical formation is my true being—I can only come to recognize this if I am able to look upon the unborn within me, not merely upon the immortal, which we will discuss shortly in the final part of this lecture.

[ 17 ] Wenn man auf diese Weise aus seinem physischen und Artherleibe herausgetreten ist und sich unter geistigen Wesenheiten fühlt, wie man sich vorher im physischen Leibe unter physischen Wesenheiten und Dingen gefühlt hat, so weiß man sich aber immer als Mensch, als dieses bestimmte Ich. Und man hat gewissermaßen — so erlebt man es — nur die Reise zurück anzutreten, durch die Zeitenfolge rückwärtsgehend bis in diejenige Welt, die man durchlebt hat vor dem Erdenleben. Will aber der Mensch, wenn er sich so innerhalb einer geistigen Welt außer seinem physischen und Ätherleibe fühlt, hinabblicken dann zur Sternenwelt, und die Sterne ihm nun nicht mehr als Sterne erscheinen, sondern als Welten, wo höhere oder auch tiefere Wesenheiten weilen, so ist überall, wo für das physische Auge ein Stern ist, eine Weltensphäre von anderen Wesenheiten. Wenn der Mensch, so wie er sich sonst im physischen Leibe auf der Erde fühlt, sich nun in der Sternenwelt in einer geistigen Welt fühlt, so kann man, wie man bei der ersten Stufe der übersinnlichen Erkenntnis vom Ätherleibe spricht, jetzt sprechen von dem astralischen Leibe, weil man jetzt innerhalb der Geistigkeit der Sternenwelt ist.

[ 17 ] When one has stepped out of one’s physical and etheric bodies in this way and finds oneself among spiritual beings—just as one previously felt oneself among physical beings and things while in the physical body—one still knows oneself as a human being, as this specific “I.” And in a sense—as one experiences it—one need only embark on the journey back, moving backward through the sequence of time to the world one lived through before one’s earthly life. But if a person, while feeling themselves within a spiritual world apart from their physical and etheric bodies, wishes to look down toward the world of the stars, and the stars no longer appear to them as stars but as worlds where higher or even lower beings dwell, then everywhere where there is a star to the physical eye, there is a world sphere inhabited by other beings. When a person, just as they normally feel in their physical body on Earth, now feels themselves to be in the world of the stars—in a spiritual world—one can speak of the astral body, just as one speaks of the etheric body in the first stage of supersensible knowledge, because one is now within the spirituality of the world of the stars.

[ 18 ] Will der Mensch weiterschreiten, dann muß er zu der Imagination und zu dem leeren Bewußtsein eine dritte Erkenntnisfähigkeit hinzutragen, eine Erkenntnisfähigkeit, die von dem heutigen Bewußtsein sehr häufig nicht als eine Erkenntnisfähigkeit angesehen wird. Eine Fähigkeit, die zwar im Menschenleben die denkbar größte Rolle spielt, der man aber nicht das Recht zuerkennt, im Wissen irgendwie etwas auszumachen. Das ist die menschliche Kraft der Liebe: Die Liebe, die den Menschen mit anderen zusammenführt in der Art, daß er sich dem Wesen, das er liebt, nähert durch den physischen Leib oder durch die im physischen Leib verkörperte Seele oder den verkörperten Geist. Durch die Weiterausbildung dieser Liebe, so daß diese Liebe hineinreichen kann in das Erleben des Ätherleibes zuerst, daß man aber diese Liebe auch hinüberbringen kann in das Erleben im astralischen Leibe, durch das Weiterentwickeln dieser Liebefähigkeit gelangen wir zuletzt dazu, nicht nur unseren physischen Leib erkennend zu erleben, sondern wir gelangen dazu, nach und nach die Liebe so weit steigern zu können, daß wir nicht nur andere Wesen sehen, sondern auch mit diesen anderen geistigen Wesenheiten — wir selbst sind dann Geist — so in Beziehung treten können, wie wir mtt physischen Menschen auf der Erde in Beziehung getreten sind. Die Intuition gibt die Möglichkeit, mit Geistwesen zu verkehren, wie die physischen Fähigkeiten dem Menschen die Möglichkeit geben, auf der Erde mit physischen Menschen zu verkehren. Haben wir aber die Liebefähigkeit soweit getrieben, daß uns das Geistige objektiv wird, wie uns in der physischen Welt das Sinnliche objektiv ist, dann gelangen wir dazu, nicht nur zurückzuschauen in unser vorirdisches geistiges Dasein, sondern wir schauen zurück in frühere Erdenleben, und Tatsache wird für uns, daß wir das ganze Menschenleben durchgehen in Daseinsformen zwischen Geburt und Tod und dann zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wiederum von der Geburt bis zum Tode, wiederum vom Tode bis zur neuen Geburt, daß wir das Leben durchleben in aufeinanderfolgenden Erdenleben und in aufeinanderfolgenden rein geistigen Leben. Wir lernen zurückschauen auf unsere früheren Erdenleben und sehen das jetzige, gegenwärtige Leben als eine Wiederholung dieser früheren an.

[ 18 ] If human beings are to move forward, they must add a third faculty of cognition to imagination and empty consciousness—a faculty that is very often not regarded as such by contemporary consciousness. A faculty that, while playing the greatest conceivable role in human life, is not recognized as having any significance in the realm of knowledge. This is the human power of love: the love that brings people together with others in such a way that they draw near to the being they love—whether through the physical body, the soul embodied in the physical body, or the spirit embodied in the physical body. By further developing this love—so that it can first reach into the experience of the etheric body, and so that this love can also be carried over into the experience of the astral body— by further developing this capacity for love, we ultimately come to not only experience our physical body through recognition, but we also come to be able, little by little, to increase our love to such an extent that we not only see other beings but can also enter into a relationship with these other spiritual beings—we ourselves are then spirit—just as we have entered into a relationship with physical human beings on Earth. Intuition provides the ability to interact with spiritual beings, just as physical faculties enable human beings to interact with physical human beings on Earth. But once we have developed our capacity for love to the point where the spiritual becomes as objective to us as the physical world is in the physical realm, we are then able not only to look back on our pre-earthly spiritual existence but also to look back on past earthly lives, and it becomes a fact for us that we pass through the entire human life in forms of existence between birth and death, and then between death and a new birth—again from birth to death, and again from death to a new birth—that we live through life in successive earthly lives and in successive purely spiritual lives. We learn to look back on our past earthly lives and see our present life as a repetition of those past ones.

[ 19 ] Aber niemand gelangt zur Anschauung dessen, wie er war, was er war, daß er überhaupt da war in einem früheren Leben, der es nicht so weit gebracht haben kann, daß er die Liebe ausgebildet hat bis zu der Stufe, daß er sich ebenso wie einem anderen gegenüberstehen kann, wie ein anderes Wesen ihm gegenübersteht. Ein mächtiger Unterschied muß sein zwischen der gewöhnlichen Erkenntnisfähigkeit und jener liebedurchtränkten Erkenntnisfähigkeit, durch die wir unsere früheren Erdendaseine schauen wie das Dasein eines anderen Menschen in der Gegenwart. Dann, wenn wir zu dieser Stufe aufsteigen, die ich die intuitive, die wahrhaft intuitive Stufe genannt habe, dann schauen wir uns selber in wiederholten Erdenleben vor unserem Geistesauge stehend als geistig wirksame Wesen. Dann sind wir erst völlig außerhalb unseres Leibeslebens. Der aber, der dies erlebt, der weiß, was der Tod ist. Der Tod steht jetzt vor ihm als die äußerliche, objektive Realisierung desjenigen, was er selbst in der Erkenntnis vollzogen hat. Wie er in der Erkenntnis seinen physischen, seinen ÄAtherleib abgelegt hat, so weiß er, daß der Tod nur den physischen und Atherleib ablegt und der Mensch durch die Pforte des Todes eintritt in eine geistige Welt. Der Glaube wird zum Wissen, das Meinen zur Erkenntnis. Sichere, exakte, anschauliche Wissenschaft wird uns von demjenigen, was wir sonst im Leben Unsterblichkeit nennen. Wir schauen hin auf die Unsterblichkeit des eigenen Menschenlebens, auf den Eintritt dieses eigenen Menschenwesens in ein nachtodliches Leben, wie wir hinschauen auf ein vorgeburtliches Geistleben, auf ein vorirdisches Leben.

[ 19 ] But no one can gain insight into what he was like, what he was, or that he existed at all in a previous life unless he has developed love to the point where he can face another just as another being faces him. There must be a profound difference between ordinary cognitive ability and that love-imbued cognitive ability through which we perceive our past earthly lives just as we perceive the life of another person in the present. Then, when we rise to this stage—which I have called the intuitive, the truly intuitive stage—we see ourselves standing before our spiritual eye in repeated earthly lives as spiritually active beings. Only then are we completely outside our physical life. But the one who experiences this knows what death is. Death now stands before him as the external, objective realization of what he himself has accomplished in his insight. Just as he has shed his physical and etheric bodies in his insight, so he knows that death merely sheds the physical and etheric bodies, and that the human being enters a spiritual world through the gate of death. Faith becomes knowledge; opinion becomes insight. What we otherwise call immortality in life becomes for us a certain, precise, and vivid science. We look upon the immortality of our own human life, upon the entry of this human being into a life after death, just as we look upon a pre-birth spiritual life, upon a pre-earthly life.

[ 20 ] Wir schauen aber auch hin auf dasjenige, was sich im physischen Erdenleben, zwischen Menschen im physischen Leben angesponnen hat an jenen Verhältnissen, die in der Familie sind, wo Mensch zu Mensch in eine Beziehung kommt, zu jenen Verhältnissen, die durch die Liebe, durch Freundschaft im Menschenleben veranlaßt werden. Auf das alles schauen wir hin. Wie im Tode beim einzelnen Menschen abfällt die physische Körperlichkeit, und die Seele aufsteigt in eine Geistwelt, so fällt auch, was an Freundschaft, an Liebebeziehungen auf der Erde physisch ist, ab, und ein durchseeltes, um so innigeres Zusammenleben tritt dann auf, wenn die Menschen, die hier auf der Erde durch ihr Schicksal zusammengeführt worden sind, durch die Pforte des Todes gegangen sind und sich dort unter höheren Wesen wiederfinden. Es kann durch moderne Initiation nur gezeigt werden, wie der Weg beschaffen ist, um dasjenige, was sonst Sache des bloßen Glaubens ist, durch Schauen zu finden, zu sichern für das Wissen dasjenige, was Unsterblichkeit, die andere Seite der Ewigkeit ist.

[ 20 ] Wir schauen aber auch hin auf dasjenige, was sich im physischen Erdenleben, zwischen Menschen im physischen Leben angesponnen hat an jenen Verhältnissen, die in der Familie sind, wo Mensch zu Mensch in eine Beziehung kommt, zu jenen Verhältnissen, die durch die Liebe, durch Freundschaft im Menschenleben veranlaßt werden. Auf das alles schauen wir hin. Wie im Tode beim einzelnen Menschen abfällt die physische Körperlichkeit, und die Seele aufsteigt in eine Geistwelt, so fällt auch, was an Freundschaft, an Liebebeziehungen auf der Erde physisch ist, ab, und ein durchseeltes, um so innigeres Zusammenleben tritt dann auf, wenn die Menschen, die hier auf der Erde durch ihr Schicksal zusammengeführt worden sind, durch die Pforte des Todes gegangen sind und sich dort unter höheren Wesen wiederfinden. Es kann durch moderne Initiation nur gezeigt werden, wie der Weg beschaffen ist, um dasjenige, was sonst Sache des bloßen Glaubens ist, durch Schauen zu finden, zu sichern für das Wissen dasjenige, was Unsterblichkeit, die andere Seite der Ewigkeit ist.

[ 21 ] So steigt der Mensch auf durch die imaginative Erkenntnis zu der Ansicht desjenigen, was lebt zwischen Geburt und Tod. Es steigt der Mensch auf dann, wenn er diese Erkenntnis erwirbt, zu seinem ätherischen Leibe. Die inspirierte Erkenntnis führt den Menschen zu seinem astralischen Leibe, und er tritt dadurch ein in diejenige Welt, die er durchgemacht hat vor seiner Geburt, in die er wiederum eintritt nach dem Tode. Im astralischen Leibe lernt man die vorirdische und nachtodliche Lebenssphäre des Menschen kennen. Beim Aufstieg zur Intuitionserkenntnis lernt man das vierte Glied der Menschenwesenheit kennen, das wahre, das ewige Ich, das von Erdenleben zu Erdenleben geht, und das zwischen dem einzelnen Erdenleben rein geistige Daseinsformen hat.

[ 21 ] In this way, through imaginative insight, the human being ascends to a perception of that which lives between birth and death. When the human being gains this insight, he ascends to his etheric body. Inspired insight leads the human being to his astral body, and through it he enters the world he experienced before his birth, the world he will enter again after death. In the astral body, one comes to know the pre-earthly and post-death spheres of human life. In the ascent to intuitive knowledge, one comes to know the fourth member of the human being—the true, eternal “I,” which passes from one earthly life to the next and, between individual earthly lives, exists in purely spiritual forms.

[ 22 ] Lassen Sie mich zum Schluß, nachdem dieser Weg der modernen Initiation mit einigen Strichen, wenigstens prinzipiell, hat gezeichnet werden können, dieses aussprechen: Wenn man hinschaut auf die alte Erkenntnis, die in der eingangs geschilderten Art errungen worden ist durch äußere kultische und andere Veranstaltungen, so war diese Erkenntnis mehr traumhaft, instinktiv. Und aus alter instinktiver, traumhafter Erkenntnis sind schließlich die Überzeugungen der Menschen über das Übersinnliche, über das Spirituelle hervorgegangen und als Tradition geblieben. Man kann es aber heute schon spüren, daß mehr Menschen, als es von sich selbst glauben, den Drang, die tiefe Sehnsucht haben, die Wege wiederzufinden nach den spirituellen Welten. Wenige Menschen sind es erst, die das ganz bewußt sich sagen, aber im Unterbewußten sieht man heute, wenn man solche Dinge zu sehen vermag, wie zahlreich die Menschen sind, die wieder nach Mysterien lechzen, weil sie den Weg in übersinnliche Welten finden möchten.

[ 22 ] In conclusion, now that this path of modern initiation has been outlined in broad strokes—at least in principle—let me say this: If we look at the ancient knowledge that was attained in the manner described at the beginning—through external ritual and other practices—this knowledge was more dreamlike and instinctive. And from this ancient, instinctive, dreamlike knowledge, people’s beliefs about the supernatural and the spiritual eventually emerged and have been preserved as tradition. But one can already sense today that more people than they themselves realize have the urge, the deep longing, to rediscover the paths to the spiritual worlds. Only a few people admit this to themselves quite consciously, but on a subconscious level—if one is able to perceive such things—one can see today just how many people are once again yearning for mysteries because they wish to find the path to the supernatural worlds.

[ 23 ] Wir konnten nur einen schüchternen Anfang machen mit demjenigen, was wir in der Nordwest-Schweiz das Goetheanum nennen, in dem geschaffen wurde eine Mysterienstätte, in der in ähnlicher Weise der Mensch einen Weg ins Übersinnliche finden sollte auf moderne besonnene Art, wie er in alten Zeiten auf mehr instinktive Art einen Weg in den Mysterien gefunden hat. Feinde haben uns diese Stätte entrissen. Sie ist ja vor einiger Zeit durch Brandstiftung zugrunde gegangen. Auch diese Dinge haben ihre Ewigkeit. Das physische Feuer konnte uns den physischen Bau, das Goetheanum nehmen, den physischen Bau, in welchem bis dahin gepflegt worden ist jene spirituelle Wissenschaft, von der ich Ihnen eine Andeutung machen durfte. Allein es gibt auch ein geistiges Feuer. Dieses geistige Feuer verbrennt keine physischen Stätten, sondern wird sie immer wieder erstehen lassen. Still und nicht so geräuschvoll wie in den alten Mysterien werden in den neuen Mysterien die Schüler der spirituellen Weisheit sich nähern, die wiederum den Menschen die ihnen so notwendige Kunde vom Ewigen des Menschen und der Welt bringen. Denn der Mensch braucht sie für sein Denken, für das Fühlen und Wollen, damit er in sich zur Klarheit, zu einem in sich harmonischen Leben komme, damit er auch Kraft und Sicherheit für das äußere Leben gewinne. Er braucht die Verbindung mit der spirituellen Welt. Und so etwas wie die spirituelle Schule in Dornach an der Grenze der Schweiz gegen den Nordwesten hin, so etwas wird immer mehr als eine Sehnsucht erwachen aus den Menschenseelen, als eine Sehnsucht herausgeboren aus dem ewigen Drang der Menschheit nach dem Spirituellen. Dieser Drang ruhte einstweilen eine Weile durch Jahrhunderte. Diese Jahrhunderte haben den Menschen gebracht die äußere großartige Naturerkenntnis. Heute steht der Mensch da und klopft wiederum an die Pforte, die ins Übersinnliche führt, weil er mit der Naturerkenntnis seine Seele nicht weiterbringen kann. Dasjenige, was in wenigen Menschen bewußt, in einem großen Teile der Menschheit aber unbewußt lechzt nach der spirituellen Welt, wird nur durch die modernen Mysterien befriedigt werden können. Derjenige, der es ehrlich meint mit der spirituellen Welt, der schaut hin auf einen Willen der Menschen, der ganz gewiß geboren werden wird, nach neuen Mysterien, denn Spiritualität wird unter die Menschen erst wieder kommen, wenn neue Mysterien entstehen werden, in denen die Menschen auf besonnenere, lichtvollere Art als in den alten Mysterien, den Geist finden werden, aber in denen sie auf eine entwickeltere, vollkommenere Art durch die Mysterien wiederum in die geistige, göttliche Welt und damit zum Quell der Menschheit geführt werden können.

[ 23 ] We were able to make only a tentative start with what we call the Goetheanum in northwestern Switzerland, where a place of mystery was created in which human beings were to find a path to the supersensible in a modern, thoughtful way, just as they had found a path to the mysteries in ancient times in a more instinctive way. Enemies have snatched this place from us. It was, after all, destroyed some time ago by arson. Even these things have their eternity. The physical fire could take from us the physical building, the Goetheanum—the physical building in which, until then, that spiritual science of which I was allowed to give you a glimpse had been cultivated. Yet there is also a spiritual fire. This spiritual fire does not burn physical sites, but will cause them to rise anew time and again. Quietly, and not as boisterously as in the ancient mysteries, the disciples of spiritual wisdom will draw near in the new mysteries, who in turn will bring to humanity the knowledge—so necessary to them—of the eternal nature of humanity and the world. For human beings need this knowledge for their thinking, feeling, and willing, so that they may attain clarity within themselves and lead a life of inner harmony, and so that they may also gain strength and security for their outer lives. They need a connection with the spiritual world. And something like the spiritual school in Dornach, on the northwestern border of Switzerland—something like this will increasingly awaken as a longing within human souls, a longing born of humanity’s eternal yearning for the spiritual. This urge lay dormant for a time, spanning centuries. These centuries have brought humankind a magnificent understanding of the natural world. Today, humanity stands there and is once again knocking on the gate that leads to the supersensible, because it cannot advance its soul any further through knowledge of nature alone. That which in a few people consciously, but in a large part of humanity unconsciously, yearns for the spiritual world will only be satisfied through the modern mysteries. Those who are sincere in their pursuit of the spiritual world will see a human will—which will most certainly arise—for new mysteries; for spirituality will only return to humanity when new mysteries emerge, in which people will find the Spirit in a more thoughtful and luminous way than in the ancient mysteries, but in which they can once again be led—through the mysteries—into the spiritual, divine world and thus to the source of humanity, in a more developed and perfect way.