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The Rudolf Steiner Archive

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Kosmologie und menschliche Evolution
Mensch, Natur und Kosmos
GA 91

28 August 1905, Berlin

22. Die Naturreiche und ihr Verhältnis zu den Ätherarten

[ 1 ] Gewiss sagt uns die heutige materialistische Entwicklungslehre, dass aus dem Mineralreich das Pflanzenreich, das Tierreich, das Menschenreich entstanden ist. Nach der theosophischen Lehre ist das Ursprüngliche der Mensch. Er hat von sich abgegliedert zunächst Tier-, Pflanzen- und Mineralreich. An diesen drei Reichen können wir es am besten sehen.

[ 2 ] Im Kohlenlager treffen wir die Brennkohle an; sie war vor Millionen Jahren Pflanze. Die riesigen Urwälder, welche die Erde bedeckten, hatten Bäume ähnlich den Farnen und Schachtelhalmen. Die haben zunächst sich in sich selbst begraben. Der feste Boden ist entstanden aus der Pflanze, indem er als Kohle festgebacken den Erdengrund bildete. Unsere ganze mineralische Welt würden wir, wenn wir weitergehen, bis zur Pflanzenwelt verfolgen können. Die Felsen sind nichts anderes als Leichname uralter Pflanzen, und unsere heutige Kohle würde sich nach Millionen von Jahren zu anderem Gestein verwandeln. Sodass die Grundsubstanz aller Mineralien Kohle ist. Kohle ist Pflanzenleib und Urstoff alles Minerals. Was ist es denn eigentlich, was aus der Kohle alle übrigen Minerale macht? Welche Kraft ist es?

[ 3 ] Es ist eine Kraft, die wirklich die ganze mineralische Welt durchdringt, nämlich die elektrische Kraft, die gleichsam verschlossen in allem Mineral ruht und die hervorgerufen werden kann. Und was aus der Kohle die verschiedenen Mineralien gemacht hat, ist eben die elektrische Kraft.

[ 4 ] Was bewirkt denn eigentlich, dass die Pflanze zum Mineral, zur Kohle werden kann? Was geht aus der Pflanze fort? Prana — das Lebensprinzip geht fort. Wenn wir es ihr entziehen und stattdessen dem Kohlenstoffe die Elektrizität geben, wenn wir den Lebensäther ersetzen durch elektrischen oder chemischen Äther, dann bekommen wir Mineralisches.

[ 5 ] Wenn wir noch weiter hinaufsteigen, gibt es auf Erden auch kein Pflanzenreich, sondern nur ein Tierreich; und das Pflanzenreich ist ebenso herausgeboren aus dem Tierreich wie Kohle und Gestein aus dem Pflanzenreich. Was hat dieses Tierreich damals enthalten? Es war ein Reich, welches aus einem anderen Stoff bestand als das heutige. Es waren Lufttiere. Dieses uralte Tierreich hat Luft mit Prana vermischt und außerdem mit Kama, und zwar war diese Luft Kohlensäure. Das, was wir heute in gewissen Selterswassern vorfinden, diese Luftbläschen, war die Materie, aus der die Tiere bestanden. Kama, Prana und Kohlensäure, das ergab unser uraltes Tierreich. Kohlensäure besteht aus Kohlenstoff und Sauerstoff. In dem Augenblick, wo vom Tiere der Sauerstoff abgegeben wird, behält es nur Kohlenstoff und sinkt ins Pflanzenreich. Und was geschah mit Kama? Es zieht den Sauerstoff heran; wie wir wissen, bewirkt es die Blutzirkulation. Somit haben wir einen gewissen Kreislauf vom luftförmigen Tier zur Pflanze und zum Mineral. In diesen uralten Zeiten, wo es kein Menschenreich gab, war die Pflanze ein Wasserwesen, sodass wir zu unterscheiden haben:

[ 6 ] - Erstens: ein uraltes Tierreich in der Luft, verwoben,

[ 7 ] - zweitens: mit einem uralten Pflanzenreich, dessen Materie flüs siger Kohlenstoff war, also Wasser, und

[ 8 ] - drittens: das Mineralreich — Erde, fester Stoff.

[ 9 ] Nun bleiben aber diese Reiche in ihren Nachkommen noch vorhanden. Als das uralte Tierreich allein da war, brauchte es nicht erst äußerlichen Stoff heranzuziehen. Jetzt aber, wo das Pflanzenreich entstand, musste es aus den Pflanzen Stoffe herausziehen, um sich zu ernähren. Damit das Tierreich gleichsam aufhöre, alleiniges Reich zu sein, wird es auf das Reich neben ihm angewiesen. Es ist also das alte Tierreich, das seine Nahrung aus dem Pflanzenreich zieht.

[ 10 ] Dann erhalten wir ein Pflanzenreich, welches das Mineralreich verarbeitet. Dies geschieht immer mit Hilfe eines anderen. Das Tierreich verarbeitet im Mineralreich das Pflanzenreich mit Hilfe der Wärme. Das Pflanzenreich verarbeitet das Mineralreich mit Hilfe des Lichts, und unser Mineralreich verarbeitet die Elektrizität.

[ 11 ] Das uralte Tierreich hatte noch keine Wärme, hatte aber in sich die Kraft des Kama. Dies ist mit dem Tierreich auch jetzt verbunden, aber nicht mit der Substanz, sondern mit der Wärme. Bei der Pflanze ist in der Verbindung mit dem Lichte das Prana. In einer gewissen Beziehung sind Wärme und Kama in losere Verbindung getreten dadurch, dass etwas zwischen sie getreten ist. Wenn wir von der Luft zurückgehen, denken wir uns diese Verbindung noch loser werdend; kommen wir von der Wärme in die Luft zurück, haben wir nicht Kama, das die Luft durchdringt, sondern den Schall, und somit kommen wir zum Menschen. Ursprünglich war das Wort — Wort-Schall —, dann hat der Mensch alle Reiche durchgemacht, bis er zurückkehrt und wieder zum Herrscher des Schalls wird,