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The Rudolf Steiner Archive

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Kosmologie und menschliche Evolution
Notizen und Ausarbeitungen von Mathilde Scholl
Die Manifestation des Welten-Ich
GA 91

31 August 1906 a.m., Landin

9. Christus und Luzifer

[ 1 ] Bei dem Abstieg zur physischen Verdichtung finden wir, dass zuerst der physische Körper veranlagt wurde — Saturn —, aber noch in engem Zusammenhang mit der übrigen physischen Welt war, Maulbeerzustand. Dann wurde der Ätherleib veranlagt, aber auch in engem Zusammenhang mit der Umwelt — auf der Sonne, tönend. Dann wurde der Astralleib veranlagt, aber in engem Zusammenhang mit der Umwelt — auf dem Monde, leuchtend. Auf der Erde folgte nach der Befruchtung mit der Monade, und nachdem die Entwicklung der Anlage des physischen, ätherischen und astralen Leibes durch die drei ersten Wurzelrassen hindurch — die polarische, die hyperboreische und die lemurische - wiederholt und befestigt worden war, die Verfertigung des physischen Leibes. In der vierten Wurzelrasse konnte erst die richtige Entwicklung und Ausgestaltung des physischen Menschenleibes folgen. Und erst nach der Ausgestaltung des physischen Menschenleibes konnte das Ich darin die Herrschaft erringen. Damit nun das Ich zum Herrscher werden kann, muss zunächst alles aus dem Astralleib ausgeschaltet werden, was dem Aufkommen des Ich hinderlich ist, oder was das Ich auf einer niedrigen Stufe fesseln würde. Im Astralleib liegt die Kraft der Weiterentwicklung. Er ist das Prinzip, wodurch das Kama, die Eigenwärme in den Menschen kam. Ohne Eigenwärme, ohne Eigenkraft, hätte der Mensch nicht sich zu einem selbstständigen freien Wesen entwickeln können. Die Entwicklung zur Freiheit war bedingt durch Kama, Eigenwärme. Auf dem Monde hatte sich dies vorbereitet. Was draußen war auf dem Monde als Weisheit, als Licht, als Feuer, das Luziferische, das zog auf der Erde in den einzelnen Menschen ein, äußerte sich zunächst als Reproduktionskraft. Was zu viel davon gewesen wäre für die geistige Entwicklung des Menschen, das wurde von der Erde im Monde ausgestoßen. Genug Eigenwärme behielten aber die Erde und der Mensch zur Weiterentwicklung. Eigenlicht hatte [die Erde] nicht; bei ihr hat sich das Licht zur Wärme verdichtet; darum erhält sie von der Sonne das Licht, ist von dem Licht der Sonne abhängig. Damit ist ihr auch die eigene Weisheit verlorengegangen. Wie die Menschen auf der Erde Licht von der Sonne bekamen, so bekamen sie Weisheit von höheren Wesen.

[ 2 ] Durch die Läuterung des Astralkörpers wird er zum Mentalkörper; das Ich muss ihn dazu umwandeln durch Läuterung — Katharsis. Dann wird der Astralkörper selbst leuchtend. Die Wärme wird dann wieder in Licht verwandelt. Dann hat der Mensch wieder Eigenlicht und Eigenweisheit. Die Läuterung des Astralkörpers entsteht durch Selbstlosigkeit. Alles, was der Mensch von Selbstsucht in sich hat, ist eine Unreinheit des Astralkörpers. Er soll nur für die Welt da sein, nicht für sich. Solange er kamisch für sich etwas will, ist sein Astralkörper ungeläutert. Sobald er nichts mehr für sich begehrt, verwandelt sich das Kama der selbstsüchtigen Leidenschaft in die Wärme des Enthusiasmus, der Liebe.

[ 3 ] Die Möglichkeit zur Umwandlung des Kama aus dem Feuer der Leidenschaft in die Wärme der Liebe, des Mitleids, kommt hinein in die Welt durch Christus, Budhi, das Liebesprinzip. Das wurde in den Menschen versenkt. Die geläuterte Wärme ist Liebe, sie ist der andere Pol der Weisheit, des Lichtes, des luziferischen Prinzips.

[ 4 ] Zuerst tritt die Wärme auf als Kama und benutzt das Manas zu ihren selbstsüchtigen Zwecken. Dann wird aus Kama die geläuterte Wärme, die Liebe. Nachdem der Mensch diese geläuterte Wärme ausströmt, da beginnt der Astralkörper, sich in Licht zu verwandeln; die Liebe wird mit Weisheit vereint:

Christus mit Luzifer.

[ 5 ] Christus und Luzifer, Liebe und Weisheit, sind im Grunde eines, zwei Pole derselben Wesenheit, derselben Kraft. Dieses geläuterte Kama kann nun vom Ich benutzt werden, um den Ätherkörper vollständig selbstständig zu machen. Das geschicht für alle Menschen erst in der sechsten Runde, aber für manche, die in der Entwicklung vorauseilen, schon jetzt. Nun findet die Fortentwicklung in der Weise statt, dass das Ich, der eigentliche Mensch, der freie Mensch, seinen Astralkörper benutzt zur Betätigung des Manas, der Weisheit, des Lichtes, um damit in den Ätherkörpcr hineinzuarbeiten, diesem Kräfte zuzuführen, Budhi ihm zuzuführen, ihm einzuverleiben.

[ 6 ] Da der Ätherkörper die geistige Form des physischen Körpers ist, das Leben Gebende des physischen Körpers, so wie der Astralkörper das Leben Gebende des Ätherkörpers ist, so wird auch mit der Verwandlung des Ätherkörpers der physische Körper verwandelt und dazu vorbereitet, Atma, welches ihn bis dahin noch umschwebte, aufzunehmen. Dann tritt die Vollendung auch des physischen Körpers ein. Das geschieht für alle Menschen in der siebten Runde und dann in erhöhtem Maße auf dem siebten Planeten. Erreicht der Mensch das schon jetzt, so hat er die Stufe der Meisterschaft erlangt.

[ 7 ] Zuerst veranlagt sich der physische Körper, [er wird] aber zuletzt vollendet. Dann wurde als Zweites veranlagt der Ätherkörper, [er wird] aber als Vorletztes vollendet. Als Drittes wurde veranlagt der Astralkörper, [er wird als] Erstes vollendet. Diese Vollendung ist etwas anderes als die äußere Ausgestaltung. Was die äußere Ausgestaltung anbelangt, so wurde zuerst der physische Körper ausgestaltet, herausgeboren aus der Umwelt, dann der Ätherkörper, dann der Astralleib — alles in der Anlage. Von diesen wurde zuerst der Astralleib dem Ich Untertan, dann der Ätherleib, dann der physische Leib. Dieser Aufstieg wird sich in immer erhöhtem Maße wiederholen, gerade so, wie sich der Abstieg wiederholt hat, durch Planeten, Runden, Wurzelrassen, Rassen hindurch, und beim einzelnen Menschen in jedem Leben und in den Zuständen des Schlafens und Wachens. Die umgekehrte Wiederholung wird beim Aufstieg folgen:

Wachen — Schlafen (Aufstieg)
Inkarnation - Zwischenzustand (höhere Welten)

[ 8 ] Aufstieg in jeder Rasse, in jeder Wurzelrasse, in jeder Runde, auf jedem Planeten. Das Hauptmoment bei der Umkehr zum Aufstieg ist das Verwandeln des Kama in Liebe und dadurch Rückkehr zum Licht, zur Weisheit. Wenn der Mensch das erreicht, leitet er sich von da an selbst; er ist dann nicht länger abhängig von höheren Wesenheiten,

[ 9 ] Christus und Luzifer sind also die zwei Pole, die die ganze Erdenentwicklung zusammenhalten, zwischen denen die Menschheit schwebt und zu denen sie sich hinaufentwickeln muss.