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The Rudolf Steiner Archive

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Kosmologie und menschliche Evolution
Notizen und Ausarbeitungen von Mathilde Scholl
Die Manifestation des Welten-Ich
GA 91

5 September 1906 a.m., Landin

14. Licht auf den Weg II

Eh vor den Meistern kann die Stimme sprechen, muss das Verwunden sie ver lernen.

[ 1 ] Solange wir die Stimme noch benutzen, unsern Mitmenschen solche Dinge zu sagen, die ihnen wehtun, solange unsere Worte noch nicht voll Milde und Nachsicht sind, sondern noch hindurchklingt Stolz, Selbstüberhebung, Herrschsucht oder ein Hassgedanke, ein Gedanke der Unzufriedenheit, solange können wir nicht unsere Stimme zu denen erheben, die nur das reine selbstlose, verzeihende und hingebende Wort gelten lassen können.

[ 2 ] Jedes harte, verletzende Wort, auch jedes Wort, das mit einem unschönen, unharmonischen Gedanken der Selbstsucht erfüllt ist, trennt uns von den Meistern. Solange können die Meister nicht durch uns sprechen. — Und sie verstehen uns nur, wenn sie uns als Werkzeug benutzen können, um durch uns zu sprechen. Sie verstehen nur ihre eigene Sprache, ihre eigenen Laute. Zu den Meistern kann unsere Stimme nur sprechen, wenn wir so voll Menschenliebe sind, dass jedes Wort ein Ausdruck der Menschenliebe ist. Dann erst werden unsere Worte zum Wohllaut, zur Musik für die Menschheit, weil sie ihnen nur Gutes bringen. - Unsere Worte sind eine Kraft, durch die wir uns der Umwelt einprägen. — Jedes Wort, welches wir reden, hinterlässt einen Eindruck in der Umwelt. - Solange unsere Worte nicht Liebe enthalten, bringen sie Disharmonien in die Umwelt herein. - Darum sagt Paulus:

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle.

[ 3 ] Ich würde nur disharmonische Worte reden. Die Liebe ist es, die das Wort zur Harmonie, zu Musik macht. Und:

Eh vor ihnen stehen kann die Seele, muss ihres Herzens Blut die Füße netzen.

[ 4 ] Stehen können heißt befestigt sein. - Beim gewöhnlichen Menschen steht nur der physische Körper auf festem Boden, Aber ebenso sicher muss die Seele stehen lernen. Das kann sie erst, wenn die Leidenschaft ruht. Die Leidenschaft wohnt im Herzblut. Das Herzblut muss durch Erfahrung, durch Erkenntnis und Mitleid geläutert werden, sublimiert werden wie das Blut Christi. - Wenn dieses Herzblut die Füße netzt, das heißt, wenn es als geläutertes Blut dahinströmt in Liebe für die Menschheit, dann kann die Seele vor den Meistern stehen. Dann ist das Kama des Menschen, seine eigene, selbstsüchtige Leidenschaft, in selbstlose Wärme, in Liebe verwandelt. Dann strömt das Herzblut nicht mehr durch seinen Organismus für seine eigenen Interessen, die bringen es dann nicht mehr in Wallung, sondern es strömt frei nach außen, um den andern zu helfen, als eine Kraft in dem Ganzen. Dann kann die Seele vor den Meistern stehen, denn dann ist sie fertig zum Werkzeug, dann kann der Mensch seelisch stehen und gehen, dann braucht er nicht mehr abhängig zu sein von höheren Wesen, die seine Seele leiten, von solchen Wesen, die ihn an der Hand fassen und durch die Seelenwelt führen -, dann ist er selbstständig in der Seelenwelt geworden. - Er kann dann aufblicken zu denen, die ihn bis dahin geleitet haben, ihnen ins Auge schauen, weil er ihr Mitarbeiter geworden ist. - Die Leidenschaft heftet den Menschen an die Sinnenwelt - solange er noch in der Leidenschaft lebt, kann er sich nicht seelisch aufrichten zu den Meistern -, da kriecht er noch wie das Tier am Boden. Der physische Körper ist dann zwar aufgerichtet, aber der Astralkörper - sich selbst überlassen - nimmt dann noch Tier-ähnliche Gestalt an. Stehen heißt, frei nach oben sich richten können. Das kann das Tier nicht, es ist an den Boden gefesselt, hat den Blick nach unten gewendet. So wie der Mensch jetzt physisch den Blick nach oben wenden kann, so muss er es auch seelisch können. Dann wird er in der Seelenwelt unabhängig, steht fest und kann nun zum Boten der Meister werden, die als ihren Boten nur den gebrauchen können, der selbst in der Seelenwelt gehen kann. Dass Petrus erst bei dem Wandeln auf dem Meere versank, dass ihn dann aber Christus aufrichtete und er durch seine Hilfe fest auf dem Meere stand, das bedeutet, dass seine Seele durch das Opfer Christi befestigt werden musste, ehe er selbst zum Boten für die Menschheit werden konnte. Das Blut Christi war für alle Menschen geflossen, um es ihnen möglich zu machen, ihre Seele so weit zu läutern, dass sie stehen lernen kann vor den Meistern.

[ 5 ] Dadurch, dass Christus als das Ich in die Menschen kam in der lemurischen Zeit, lernten die Menschen stehen im Physischen. Dadurch dass sein Blut am Kreuze floss, lernen sie stehen im Seelischen.