Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Kosmologie und menschliche Evolution
Notizen und Ausarbeitungen von Mathilde Scholl
Die Manifestation des Welten-Ich
GA 91

22 September 1906, Landin

28. Zahl und Offenbarung II

[ 1 ] Wir haben gesehen, wie das Pentagramm — der fünfteilige Ausdruck aller höheren Kräfte im Menschen — den Schluss-Stein der Offenbarung bildet und die Hälfte der Vollkommenheit. Die andere Hälfte musste der Mensch den sieben ihm gegebenen Kräften ergänzen. In der physischen Welt kam diese fünfteilige Offenbarung, die Hälfte der Vollkommenheit, zuerst zum Ausdruck. In der physischen Welt musste auch das Menschengemachte die Ergänzung suchen, die ihn zu einem Ganzen machen konnte. Ehe der Mensch physisch wurde, und ehe die Welt sich physisch verdichtete, war die Offenbarung noch nicht bis zum tiefsten Punkt hinabgeschritten, da konnte das Leben noch aus sich neue Wesen herausgestalten, sich entfalten. Aber in der physischen Welt, wo die eigenen, gesonderten Gestalten heraustraten, da halbierte sich zuletzt auch die Gestaltungskraft selbst, die Reproduktionskraft. Bei der Entwicklung waren vorher durch die spiralig herabsteigenden Lebensströme immer wieder symmetrisch die Kräfte entfaltet worden — wie bei den Pflanzen symmetrisch die Kräfte sich anordnen um die spiralig verlaufende Entwicklungslinie. Zuletzt aber gelangte die Entwicklung an einen Punkt, welche vorher alles aus sich heraus entfaltet hatte, sich selbst entfaltete, halbierte — da war der Endpunkt der Offenbarung der Lebenskraft. Nun musste sie selbst in ihren zwei Hälften sich ergänzen — was vorher als die zwei Pole ineinanderwirkte, als Kraft und Substanz, als positiver und negativer Pol, das trat in der physischen Welt auseinander in alle positiven und negativen Kräfte, in der Spaltung der Geschlechter — in der Anziehung und Abstoßung der physischen Substanz, in der Wahlverwandtschaft der chemischen Elemente, in allen Gegensätzen, in Licht und Finsternis, in dem objektiven Gegenübertreten der Gestalten der ganzen physischen Schöpfung.

[ 2 ] So hatte das Leben — das Selbst — einen Weg gemacht herab, indem es sich offenbarte durch die Zahl, die aus der Einheit hervorging: die 3, die 1, die 4, die 1, die 5. Aber alle diese Zahlen A D % waren doch noch Widerspiegelungen der Einheit für zuletzt, indem sie sich spaltete in die beiden Hälften der Lebenskraft, die in allen Gegensätzen der Welt zutage traten, aber am meisten zutage traten in Licht und Finsternis. Erst beim Heraustreten der physischen Gestalten entstanden Licht und Finsternis. Licht und Finsternis sind die durch die Gestaltung der /Wort unleserlich] physischen Welt bedingten Gegensätze. So finden wir also im Physischen die Gegensätze von Licht und Finsternis, von positiv und negativ, von männlich und weiblich und so fort. Und die Widerspiegelung dieser im Physischen zum Ausdruck kommenden Halbierung der Lebenskraft ist die Trennung der seelischen Kräfte in Gut und Böse. Auch die sind nur zwei Pole derselben Kraft; durch die Halbierung der Lebenskraft ist die Dualität in der Welt zum ersten Mal erschienen als der gröbste Gegensatz des Einen; Dualität war vorher nicht da, sie ist das Charakteristische für den tiefsten Punkt der Offenbarung.

[ 3 ] Die Weiterentwicklung verläuft in dem Maße, in dem sich die halbierten Kräfte vereinigen und ineinander übergehen, sich ergänzen, um eine größere Kraft zu werden. Damit weiter neues Leben entstehen konnte, mussten sich die positiven und negativen Kräfte, offenbarte Kraft - Geist — und schlummernde Kraft — Substanz —, männliche und weibliche Kraft vereinigen. Was so die Kräfte zur Vereinigung treibt, ist die Anziehungskraft zwischen den halbierten Kräften, was physisch als /Wort unleserlich] Wärmung, chemisch als verändernde Wahlverwandtschaft, seelisch als Liebe und Sympathie auftritt.

[ 4 ] Zur Weiterentwicklung war es notwendig, dass diese Vereinigung der halbierten Kräfte stattfand. Es ist also zunächst die Vereinigung der männlichen und der weiblichen Kräfte eine Notwendigkeit für die Weiterentwicklung gewesen.

[ 5 ] Nachdem der Mensch in der Entwicklung die tiefste Stufe erreicht hatte, da musste er den aufsteigenden Bogen der Entwicklung betreten. Alles, was er zur Hälfte von der Gottheit bekommen hatte, musste er ergänzen. Der erste physisch sich ausgestaltende Mensch war der Mann, die männliche Form waren die Absichten der physischen Offenbarung.

[ 6 ] Vorher, ehe der Mensch physisch wurde, waren die männliche und die weibliche Kraft in seiner Lebenskraft vereinigt; jetzt entfaltete sich diese eine Lebenskraft; die weibliche Kraft blieb im Lebenskörper selbst, die männliche Kraft vereinigte sich mit dem physischen Körper. Der ursprüngliche Mensch war der Adam Kadmon, welcher die ganze Lebenskraft besaß; der wurde in der Mitte der lemurischen Rasse halbiert, und es entstanden Mann und Weib. Die Erschaffung der Eva bedeutet diese Halbierung des Menschen.

[ 7 ] Nun ist der Mann als Ausdruck des Abstiegs des Lebens in die physische Schöpfung zunächst der Vollkommenere. Aber er stellt nur die Hälfte der Vollkommenheit dar. Zur Entwicklung dieser Vollkommenheit muss der Mann der physischen Gestalt nach und der Lebenskraft nach seine Ergänzung finden durch das Weib; und zur seelischen Vervollkommnung muss er seine Ergänzung finden in den eigenen noch nicht offenbarten, höheren Kräften.

[ 8 ] Das Männliche ist das Symbol für die Gegenwart, das Weibliche ist Symbol für die Vergangenheit und Zukunft des Menschen. Es ist das, woraus der Mensch hervorgegangen ist: das Symbol aller Offenbarungsmöglichkeit und das Symbol der noch nicht offenbarten Zukunft. Die gestaltete Form ist das Männliche; das gestaltende Leben ist das Weibliche. Während des tiefsten Abstiegs des Lebens, als es eine Hälfte seiner Kraft opferte zur Herausgestaltung der mineralischen Formenwelt, worin das Leben hinter die Form zurücktrat, in der Zeit des physischen und seelischen Materialismus, der größten Verdichtung, da musste die Kraft der Form, das Männliche, vorherrschend sein, zum Beherrscher der Welt werden.

[ 9 ] Deshalb kam gleichzeitig die mit der tiefsten physischen Ausgestaltung sich entwickelnde geistige Kraft im Menschen, der Verstand, mit Kama zusammen am stärksten zum Ausdruck,

[ 10 ] Wie nun durch Wiedervereinigung der halbierten Lebenskraft die physische Fortentwicklung bedingt ist, so ist durch die Vereinigung des männlichen Intellektes mit der weiblichen höheren Lebenskraft, Budhi, der Fortschritt seelischer Entwicklung bedingt. Darum ist das Weibliche das Symbol für allen Fortschritt der Menschheit, für die Zukunft, weil darin die Entwicklungsmöglichkeiten des Menschen schlummern. Der Geist des Menschen ist herabgestiegen bis in die physische Verdichtung, um zu erkennen, dass er ein Teil der Gottheit ist, aber auch nur in der Ergänzung durch das Göttliche zur Vollendung gelangen kann. In der Halbierung der physischen /Lücke in der Ausarbeitung]

[ 11 ] Frage: In welcher Beziehung steht das Herz zu den zwölf Tierkreiszeichen und zu den zwölf Stationen? Ist das Herz die Sonne, mit der Erde verbunden — unter dem Einfluss der sieben Planeten (vier physische Herzkammern, drei astrale) und unter dem Einfluss der zwölf Tierkreiszeichen? Entsprechen sich Atom, Herz, Erde in Bezug auf das Aus- und Einströmen, Organisation und so fort?