Kosmologie und menschliche Evolution
Notizen und Ausarbeitungen von Mathilde Scholl
Die Manifestation des Welten-Ich
GA 91
24 September 1906 a.m., Landin
30. Über den Tierkreis und den Menschen
[ 1 ] Wenn wir die zwölf Tierkreisbilder in ihrer Folge betrachten und mit ihren Bezichungen zum Menschen, so steht das Zeichen des Widders neben dem der Fische. Der Widder ist das Zeichen für den Kopf, die Fische das Zeichen für die Füße. Im Zeichen des Widders erschien Christus, der das Lamm genannt wird; er konnte erst die Menschheit überleiten zum Zeichen der Fische. Er war das menschliche Ich.
[ 2 ] Erst nachdem Christus in die Menschheit eingezogen war, das Ich, und der Welt seinen Geist gesandt hatte, Manas, konnte das Kama des Menschen befestigt werden und das Hauptentwicklungsmoment der fünften Wurzelrasse zum Ausdruck kommen in ihrer fünften Unterrasse, der Rasse der freien Persönlichkeit. Unsere ganze fünfte Wurzelrasse ist die Entwicklung des Kama-Manas - die Entwicklung des Ich. Mit Christus zog es in der vierten Unterrasse ganz in die Menschheit ein, aber in der fünften Unterrasse kam es erst ganz zum Ausdruck, in der Rasse der freien Persönlichkeit.
[ 3 ] Erst nachdem das Ich in den Menschen eingezogen war in dem Zeichen des Lammes oder Widders, in der Rasse der Persönlichkeit, konnte der Mensch wirklich auf eigenen Füße stehen im Zeichen der Fische, der Rasse der freien Persönlichkeit. Veranlagt war nun der ganze Mensch. In der ersten Rasse, der indischen, lebte der Mensch in seinem Gefühl und in der Einheit (Tao, Brahma und so weiter) — Atma (physischer Körper). In der zweiten Rasse, der persischen, lebte er in der Dualität (Ormuzd und Ahriman, Gut und Böse und so weiter) - Atma (physischer Leib) und Budhi (Ätherleib). In der dritten Rasse, der ägyptisch-babylonisch-assyrischen, der chaldäischen, da lebte er in der Trinität (Isis, Osiris, Horus; Vater, Sohn, Geist, und so weiter) - Atma (physischer Leib), Budhi (Ätherleib), Manas (Astralleib). In der vierten Rasse (Römer, Griechen, Semiten) lebte er im Ich, der Vierheit - physischer Leib, Äther-, Astralleib und das Ich. Da bedeutet das Zeichen des Widders, dass da ein Abstieg erfolgt war, der zum Aufstieg führen musste, ein Einschnitt in der ganzen Menschheitsentwicklung, der Anfang einer neuen Epoche.
[ 4 ] Es ist dasselbe Zeichen wie der durch den Zirkel gebildete Winkel V - das Zeichen des Ich. Wenn das Ich des Menschen frei wird, und er der Schwan wird - das ist auch die Entwicklung der zweiblättrigen Lotusblüte oben am Kopfe, die durch die zwei Hörner des Widders, des Ich-Zeichens angedeutet wird.
[ 5 ] Der Mensch steht also in inniger Beziehung zum Tierkreis. Nachdem er auf die Füße gestellt war im Zeichen der Fische, konnte er anfangen, sich zur Freiheit zu entwickeln, zunächst durch vollständige Ausbildung des Manas. Er musste seinen Astralleib manasisch machen. In dem folgenden Zeichen, in dem Zeichen des Wassermannes wird der Mensch in der normalen Entwicklung Budhi ausbilden, das dann seinen Ätherkörper durchzieht. Dies wird durch einen erneuten Einfluss des Welten-Ich aus seiner zweiten Kraft, Budhi, heraus möglich werden. Vollendet wird diese Budhi-Kraft in der Welt aber erst bei der Rasse, die von der sechsten Unterrasse der sechsten Wurzelrasse abstammt.
[ 6 ] Die sechste Unterrasse ist die Rasse im Zeichen des Wassermannes, des Johannes, welcher Christus verkündet. Wie er damals als Johannes der Täufer die Erscheinung des persönlichen Christus Jesus verkündet hat, verkündet er in der sechsten Unterrasse die Durchtränkung der Menschheit mit dem Christusprinzip, mit Budhi, die dann anfänglich aber in der sechsten Wurzelrasse zur Vollendung kommt.
[ 7 ] Entsprechend den Tierkreiszeichen und der Rassenentwicklung werden im Menschen seine Kräfte ausgebildet. Zur selbstbewussten Ausbildung dieser Kräfte konnte der Mensch erst gelangen, nachdem er das Selbstbewusstsein erlangt hatte in unserer fünften Unterrasse, der Rasse der freien Persönlichkeit, im Zeichen der Fische, dem Zeichen der Selbstständigkeit, wo der Mensch ins physische Dasein, ganz auf eigene Füße gestellt wurde, Die Fische sind das Zeichen dafür, dass der Mensch nun im Astralen (dem Wasser) sich frei bewegen kann.
[ 8 ] Die Fische sind das Zeichen für Kama-Manas, die den Menschen selbstständig machen.
[ 9 ] In der normalen Weltentwicklung wird der Mensch auch die höheren Kräfte erwerben. Aber der, welcher der Welt helfen will, der Schüler, welcher sich in den Dienst der Menschheit stellen wird, der nimmt die spätere Rassenentwicklung voraus. Er entwickelt selbstbewusst die Kräfte, welche sonst erst später zum Vorschein kommen würden. Um diese Kräfte schneller zum Ausdruck zu bringen, muss er einen bestimmten Weg einschlagen, der ihn zu den Kräften hinführt. Der Mensch ist selbst der Mikrokosmos, der alle kosmischen Kräfte in der Anlage enthält. Mit den ausgebildeten Kräften, die in seinem Ich ihr Zentrum haben, muss er nun die anderen und fehlenden Kräfte sich erwerben. Das Ich muss in seinem Organismus denselben Weg machen wie die Erde, indem sie um die Sonne sich bewegt. In seinem Haupt ist die Erdenkraft verkörpert - die kommt dort am meisten zum Ausdruck -, das Ich; er muss mit diesem Ich den Weg finden, den er einschlagen muss, um von dem Zentrum in ihm, welches die Sonnenkraft enthält, immer neue Lebenskraft zu erhalten. Dazu muss sich das Ich erst bewusst mit der eigenen Kama-Kraft verbinden und diese umwandeln - im Herzzentrum. Wenn diese Kama-Kraft geläutert ist, kann sich das Ich mit dem Sonnenzentrum verbinden, dem Solarplexus - oder vielmehr von da Kraft erhalten. Nachdem diese drei Kräfte vereinigt sind - das Ich mit der umgewandelten Kama-Kraft und der Sonnenkraft, Budhi, der eigentlichen Lebenskraft -, kann der Mensch selbst in sich den Lebenskreislauf vornehmen. Das Ich rückt durch Versenken in das Herzzentrum in die Sonnennähe und von dort findet es den Weg durch die zwölf Tierkreiszeichen, die ihre Kräfte ins Rückenmark versenkt haben. Im Gehirn angelangt, strömt das Ich die gewonnenen Kräfte in die Welt aus. Um den Kreislauf des Ich zu verstehen, müssen wir uns das Rückgrat und die Beine gekrümmt denken, sodass die Füße den Kopf berühren - dann stehen die einzelnen Teile des Menschen in ebensolcher Anordnung da wie die zwölf Tierkreiszeichen. Der Mensch war anfangs eine ruhende Spirale, aus der er sich erhoben hat und symmetrisch sein inneres Wesen entfaltet hat. Die Weiterentwicklung des inneren Menschen geht entlang dieser Spirale, deren einzelne Teile in Beziehung zu den Zeichen des Tierkreises in den entsprechenden Zentren im Rückenmark stehen. Durch Entwicklung dieser Kräfte gelangt der Mensch zur geistigen Selbstständigkeit. Das würde bei normaler Entwicklung dann eintreten, wenn er die sechste Unterrasse der sechsten Wurzelrasse erreicht, wenn das Sternbild der Jungfrau (Sonnenzentrum) übergeht in das Sternbild des Löwen (Herzzentrum).
[ 10 ] Indem aber der Mensch selbst diese Umwandlung seiner Leidenschaft vom Herzzentrum vorbereitet, um die Sonnenkraft aufzunehmen, da wird er zum Löwen, der die Jungfrau erobern kann. Darum war Christus der Löwe aus dem Stamme Juda - er konnte der Welt die gereinigte Kama-Kraft und Budhi bringen - so wie er in der sechsten Unterrasse der sechsten Wurzelrasse diese in der Menschheit zur Vollendung geführt haben wird.
[ 11 ] Goethe beschreibt dies Erringen der Budhikraft in seinem Märchen. Der Jüngling (der Mensch) musste erst den tiefsten Abstieg erreichen, diesseits des Flusses, erst Kama läutern, dann konnte er wieder bis oben auf der anderen Seite die schöne Lilie erwerben, die ihm nun entgegenkommt.
