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The Rudolf Steiner Archive

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Die Tempellegende und die Goldene Legende
als symbolischer Ausdruck vergangener
und zukünftiger Entwicklungsgeheimnisse des Menschen
GA 93

5 Juni 1905, Berlin

14. Über Den Verlorenen Und Wiederzuerrichtenden Tempel im Zusammenhang mit der Kreuzesholz- oder Goldenen Legende

Die Allegorie vom verlorenen und wiederzugewinnenden Wort im Zusammenhang mit dem Pfingstfest

[ 1 ] Zu den Allegorien und Symbolen, von denen wir in diesen Stunden sprechen wollten, gehört auch das Sinnbild von dem sogenannten verlorenen und wiederzugewinnenden Wort. Von dem verlorenen und wiederzugewinnenden Tempel haben wir gesprochen. Um so besser werden wir heute daran anknüpfen können eine kurze Betrachtung über das verlorene und wiederzufindende Wort, insofern nämlich dieses Thema ein wenig zusammenhängt mit der sinnbildlichen Bedeutung des Pfingstfestes. Zwar habe ich schon vor einem Jahr manches von den Dingen, die ich heute vorbringen werde, zum Vortrag gebracht. Da aber auch einige unter uns sind, die vielleicht den vorjährigen Vortrag nicht gehört haben, so dürfte es nicht unnötig sein, von neuem auf diese Dinge hinzuweisen, vor allem weil wir imstande sind, jedes Jahr eine solche Angelegenheit zu betrachten und gründlicher und eingehender zu behandeln. Manches, was im Vorjahr nicht möglich gewesen ist zu sagen, ist heute vielleicht möglich, da wir manches hinzugelernt haben.

[ 2 ] Das Pfingstfest hängt nämlich mit dem Sinnbild zusammen, das man sowohl in der Kirche wie auch in der Freimaurerei als das Symbol vom verlorenen und wiederzugewinnenden Wort bezeichnet. Damit berühren wir aber christliche Mysterien von einer wirklich außerordentlichen Tiefe. Wir berühren damit noch einmal, und zwar gründlicher als das vor acht Tagen der Fall sein konnte, die Sendung und Mission des weisen Salomo und die ganze zukünftige Bedeutung der christlichen Wahrheit.

[ 3 ] Das Pfingstfest hängt zusammen mit der Auffassung des innersten Wesens des Menschen, wie sie auch im ursprünglichen Christentum vorhanden war, die aber dem Christentum, das in den verschiedenen Kirchen des Abendlandes lebt, nach und nach verlorengegangen ist. Das Pfingstfest ist das Fest, welches den Menschen jedes Jahr aufs neue an seine Befreiung, an das, was wir die Freiheit der Menschenseele nennen, erinnern soll.

[ 4 ] Wie ist der Mensch in Wirklichkeit zu dem gekommen, was wir seine Freiheit nennen, das heißt, zu seiner Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, in Freiheit das Gute oder auch das Böse zu vollbringen? Sie wissen, daß der Mensch eine lange Entwickelungsreihe durchgemacht hat, bevor er auf der Stufe angelangt ist, auf der er heute steht, und daß wir die Mitte der Entwickelung überschritten haben. Ungefähr in der Mitte der atlantischen Rasse, die unserer Rasse voranging, liegt auch die Mitte der ganzen menschlichen Entwickelung. Jetzt haben wir diese Mitte bereits überschritten und dadurch sind wir die ersten Missionare der zweiten Hälfte, die ersten Sendboten eines aufsteigenden Bogens. Während die Menschheit bis in die atlantische Zeit hinein auf dem absteigenden Bogen, in einer Art absteigenden Entwickelung begriffen war, bis sie sich am tiefsten hineinversenkte in das materielle Leben, steigt sie jetzt wieder hinauf zur geistigen Entwickelung.

[ 5 ] Was wir Menschen vor der Mitte unserer Erdenentwickelung nicht besaßen, war die Wahlfreiheit zwischen Gut und Böse. Bei den untergeordneten Naturreichen können wir auch nicht von Gut und Böse sprechen. Lächerlich wäre es, davon zu sprechen, ob sich das Mineral kristallisieren will oder nicht. Es kristallisiert sich, wenn die Bedingungen dazu vorhanden sind. Lächerlich wäre es auch zu fragen, ob die Lilie blühen will oder nicht, oder auch beim Löwen zu fragen, ob er freiwillig davon absehen will, andere Wesen zu fressen und zu töten. Erst beim Menschen und erst in unserer Entwickelungsphase sprechen wir von dem, was wir Wahlfreiheit nennen. Ein Unterscheidungsvermögen zwischen Gut und Böse schreiben wir nur dem Menschen zu. Und wie der Mensch nun dieses Unterscheidungsvermögen erhielt, das wird in der Bibel dargestellt in dem großen Symbol des Sündenfalles, in dem Verführungsakt, wo der Eva der Teufel oder Luzifer erscheint und sie überredet, von dem Baum der Erkenntnis zu essen. Dadurch ist die Wahlfreiheit über den Menschen gekommen und damit hat er den zweiten Teil seines Entwickelungsweges beschritten. So wenig wie wir beim Mineral, bei der Pflanze und beim Tier nach Gut und Böse fragen können, so wenig können wir beim Menschen vor jener Mitte der Weltentwickelung nach Freiheit, nach Gut und Böse fragen. Damit hängt ein anderes zusammen.

[ 6 ] In aller Esoterik wird unsere gegenwärtige Welt und was damit zusammenhängt, als der Kosmos der Liebe bezeichnet. Und diesem Universum der Liebe ist der Kosmos oder das Universum der Weisheit vorangegangen. Das wollen wir in einem etwas tieferen Sinne betrachten.

[ 7 ] Sie wissen, kosmologisch ging unserer Erdenentwickelung die Mondenentwickelung voran. Ein noch weiterer Vorfahr unserer Erde war die Sonne, ein noch weiterer der Saturn. Der Mensch hat diese drei Entwickelungsphasen durchgemacht: Saturn, Sonne, Mond. Unsere Erde hat bis jetzt drei Zyklen durchgemacht, in denen sie wiederholt hat in der ersten Runde die Saturnentwickelung, in der zweiten Runde die Sonnenentwickelung und in der dritten Runde die Mondenentwickelung. Eine jede solche Runde beginnt damit, daß der Planet in einer außerordentlich feinen Stofflichkeit, dem Mentalstoff sich entwickelt. In einem solchen Stoff war die Erde vorhanden, als sie ihre vierte Runde, also den gegenwärtigen Zyklus begann. Nun begann sie zunächst wieder die drei vorhergehenden Runden zu wiederholen: den Zyklus Saturn im Arupa, den Zyklus Sonne im Rupa, und dann im Astralen die Mondrunde oder den Mondenzyklus.

[ 8 ] Unsere Erde machte also frühere materielle Zustände noch einmal durch, ehe sie die jetzige physische Dichtigkeit erreichte. Vor unserem jetzigen Zustand war sie astral. Den astralen Globus bezeichnen wir auch als eine Art Kosmos der Weisheit. Jeder Kosmos (Globus) ist wiederum eingeteilt in sieben Perioden. So haben wir in unserem Globus sieben Rassenzyklen: die polarische, die hyperboräische, die lemurische, die atlantische und dann die arische Rasse, in der wir sind. Die sechste und siebente Rasse werden noch kommen. Dann wird die Erde wieder in den astralen Zustand übergehen. Diese Rassenzyklen stellen sieben aufeinanderfolgende Perioden unserer physischen Entwickelung auf der Erde dar. Ebenso stellt sich uns die astrale Vorgängerin in sieben aufeinanderfolgenden Perioden dar, die diesen sieben Rassen entsprechen. Es ist aber nicht ganz richtig, hier von Rassen zu sprechen. Die Formen, die damals gelebt haben, kann man nicht gut Rassen nennen. Immer von Rassen zu sprechen, geht im Gebrauch der Analogie zu weit. Es waren andere Formen, die sich bildeten. In der esoterischen Sprache nennt man diese vorhergehenden astralen Perioden das Reich der Weisheit, und ihre Formen nennt man die sieben Perioden der Weisheit, in der die sieben Könige der Weisheit, die sieben Könige der Dynastie Salomos geherrscht haben. Denn in jeder dieser Perioden lebte ein Wesen ähnlicher Art, wie die Seele Salomos, wie die Seele es war, die in Salomo inkarniert war. Dieser Kosmos der Weisheit wurde abgelöst von dem eigentlich irdischen Kosmos, dem Kosmos der Liebe.

[ 9 ] Nun seien wir uns klar darüber, was nach unserer ganzen Vorstellung während der Erdgestaltung geschah. Als die Erde sich zu gestalten begann, war sie noch vereinigt mit der Sonne und dem, was wir jetzt Mond nennen. Mit diesen zwei Körpern bildete die Erde einen einzigen Körper. Zuerst trennte sich die Sonne von der Erde ab. Dadurch wurde das ganze Leben auf der Erde ein anderes. Während vorher nicht die Rede sein konnte von Tod, weil fortgesetztes materielles Leben da war, trat jetzt der Tod ein. Etwa in der Form, wie wir ihn bei einem aus Zellen zusammengesetzten Pflanzenkörper kennen. Solange die Pflanze aus einer einzigen Zelle besteht, tritt kein Zerfallen ein, wenn das nächste geboren wird. Anders ist es, wenn ein ganzer Organismus zusammengesetzt ist. Dieser zerfällt in seine Teile, und der einzelne Teil ist nicht mehr das ganze Leben. Solch ein Tod trat erstmals ein, als die Sonne sich von der Erde ablöste. Als Folge der Mondablösung entstand die Spaltung der Geschlechter in der Mitte der lemurischen Rasse. Die Abtrennung des Mondes bewirkte die Teilung des Männlich-Weiblichen in nur Männliches und nur Weibliches. Dadurch bekamen die Menschen auch die Gestalt, die sie jetzt in der Welt haben.

[ 10 ] Was ist nun während dieser wichtigen kosmischen Ereignisse, als zuerst die Sonne und dann der Mond sich abspalteten, geschehen? Wenn wir uns das einmal klarmachen wollen, wird es gut sein darauf hinzuweisen, daß damals die Erde von einer sehr dünnen, aber schon physischen Materie in eine immer dichtere und dichtere sich verwandelte. Die erste physische Materie, in der alle Menschen auf der Erde vorhanden waren, war Äthermaterie, eine sehr feine Materie, feiner als unser Gas.

[ 11 ] Wir unterscheiden auf unserer Erde jetzt drei Stoffarten: die festen, die flüssigen und dann die gasförmigen Körper, die man früher Luft genannt hat. Dann unterscheiden wir esoterisch die vier Ätherarten: erstens den Feueräther, der bewirkt, daß die Körper mit Wärme durchzogen werden können; zweitens den Lichtäther; drittens den chemischen Äther, der bewirkt, daß die Atome sich nach gewissen Zahlengesetzen mischen - die Wahlverwandtschaft der Atome -, und viertens den physischen oder Lebensäther. Vier Ätherarten also, die die Erde beleben. Im wesentlichen hat sich die Erde in diesen Ätherarten zunächst entwickelt. Dann hat sie sich aus diesem Äther heraus verdichtet. Diese Verdichtung geschah erst während der lemurischen Epoche. Vorher hat man es mit der Äthererde zu tun, die noch ganz anderen Kräften zugänglich war als unsere heutige physische Erde. Dies möchte ich Ihnen einmal klarmachen.

[ 12 ] Wenn ich sage, daß diese Äthererde verschiedenen Kräften zugänglich war, dann seien Sie sich klar, daß auch alle Wesen, was an Pflanzen, Tieren und Menschen lebte, in ihrem Innersten diesen Kräften zugänglich waren. Der Äther ist dem zugänglich, was wir in der esoterischen Sprache bezeichnen als das «Wort», das «Weltenwort». Ich kann Ihnen auch an einem Vorgange der Einweihung klarmachen, wie der Äther zu dem steht, was wir das «Wort» nennen. Wie Sie wissen, besteht der Mensch aus dem physischen, dem Äther- und Astralleib, und dann aus dem eigentlichen Ich. Der Ätherleib wird sichtbar, wenn man sich den physischen Körper fortsuggeriert. Aber der Mensch vermag, so wie er heute ist, auf seinen physischen Körper gar nicht einzuwirken. Er kann nicht das kleinste Blutkörperchen bewegen. Von hohen kosmischen Kräften wird der physische Körper beherrscht. Heute sind es höhere Wesenheiten, die hier Macht ausüben können; der Mensch wird es später können. Wenn die Menschen die Kräfte ihres eigenen physischen Körpers werden beherrschen können, von denen der Materialist als von Naturkräften spricht, dann wird er ein Gott geworden sein. Ihm heute dieses zuzusprechen, wäre Götzendienst, denn in Wahrheit haben wir es mit hohen Wesenheiten zu tun, die den physischen Körper beeinflussen.

[ 13 ] Wenn die Menschen die Feueräthermaterie beherrschen können, können sie alles Physische beherrschen. Wenn sie das menschliche Physische beherrschen, dann können sie auch das übrige Physische beherrschen. Diese Kraft bezeichnet man als Vaterkraft, als den «Vater». Alles also, wodurch eine Wesenheit mit unserer Erde in Zusammenhang steht, wodurch sie die physische Materie beherrschen kann. Wenn ein Mensch bis in den physischen Leib hinein solche Vaterkräfte auszuüben vermag, so bezeichnet man dies als Atma. So wird Atma dem Physischen zugeteilt.

[ 14 ] Das zweite Wesensglied ist der Ätherleib, der entspricht dem Sohnesprinzip oder dem Logos, dem «Wort». Wie der physische von ‚Atma, so kann dieser Ätherleib von Buddhi bewegt, innerlich gestaltet, in Vibrationen von dem Sohnesprinzip versetzt werden.

[ 15 ] Das dritte Glied ist der Astralleib. Anfangs können wir auch ihn nicht beherrschen, und noch die wenigsten haben heutzutage eine bedeutende Macht über ihren Astralleib. In dem Maße, wie der Mensch von innen heraus den Astralleib beherrschen kann, nennen wir ihn mit Manas begabt.

[ 16 ] In der Mitte der lemurischen Zeit begann der Mensch an seinem Astralleib zu arbeiten. Wenn Sie einen Menschen betrachten könnten, der auf der Stufe steht, wo die lemurische Rasse begann, also zweigeschlechtlich, so finden Sie, daß dessen Körper von außen aufgebaut wird. Seit der Mitte der lemurischen Zeit beginnt nun der Mensch selbst an seinem Astralleib zu arbeiten. Alles was der Mensch von seinem Ich aus hineinarbeitet, was er durch Pflichten und Gebote zur Überwindung der rohen Begierden und Leidenschaften tut, trägt bei zur Veredelung des Astralleibes. Wenn er dann ganz durchdrungen sein wird mit der Arbeit des eigenen Ich, dann können wir ihn nicht mehr Astralleib nennen, dann ist er Manas geworden. Wenn der ganze Astralleib in Manas verwandelt ist, kann der Mensch beginnen in den Ätherleib hineinzuarbeiten, ihn in Buddhi zu verwandeln. Was er da hineinarbeitet, ist nichts anderes als das individualisierte Wort, das die christliche Esoterik auch den «Sohn» oder «Logos» nennt. Wenn der Astralleib zu Manas wird, nennt sie dies den «Heiligen Geist», und wenn der physische Leib Atma geworden ist, nennt sie dies «Vater».

[ 17 ] Was hier im kleinen mit dem Menschen geschieht, geschah auch im großen mit der Welt draußen. Diese Weltgeheimnisse vollzog man schon in den Mysterien bei der Einweihung, man vollzog so etwas, was die Menschen allgemein erst in einer fernen Zukunft sein werden. Schon in den ägyptischen Mysterien konnte nur der eingeweiht werden, der seinen ganzen Astralleib durchgearbeitet hatte, so daß der Astralleib vollständig von dem Ich aus geleitet werden konnte. Ein solcher Mensch stand so vor dem Einweihungspriester: er hatte keinen Einfluß auf den physischen Leib und auch keinen auf den Ätherleib; aber sein Astralleib war sein eigenes Geschöpf. Nun wurde ihm gezeigt, wie er auf den Äther- und auf den physischen Leib einwirken kann. Der physische Leib wurde in einen lethargischen Zustand versetzt — drei Tage und drei Nächte mußte er in diesem Zustand bleiben -, und während dieser Zeit war der Ätherleib herausgehoben. Und da der Einzuweihende mächtig geworden war in bezug auf den Astralleib, so konnte er nun die Macht gewinnen, auf den Ätherleib einzuwirken. Was er im Astralischen hatte, konnte er lernen in den Ätherleib hineinwirken zu lassen. Das waren die drei Tage der Grablegung und Auferstehung in einem Ätherleib, der ganz und gar durchsetzt ist von dem, was man den Heiligen Geist nennt. Man nannte einen solchen Eingeweihten einen mit dem Logos, dem «Wort» begabten Menschen. Dieses «Wort» ist nichts anderes als die Weisheit, Manas, das in den Astralleib hineingearbeitet ist. Niemals kann die Weisheit in den Ätherleib kommen, wenn nicht vorher der Astralleib damit durchdrungen ist.

[ 18 ] Für die Erde war es ebenso. Bevor nicht die ganze Erde im Astralen so weit gebracht war, konnte dieser Vorgang nicht eintreten. Der Zustand, in dem der Einzuweihende sein mußte in den ägyptischen Mysterien, entspricht dieser Zeit des astralen Globus, von dem ich gesprochen habe, daß er der unmittelbare Vorgänger der Erde ist. Das ist der Globus der Weisheit. Da wird von den kosmischen Mächten hineingearbeitet alle Weisheit. Und dieses Hineinversetzen der Weisheit in den Erdglobus selbst, das macht es möglich, daß nach der Spaltung der Sonne und des Mondes von der Erde, von oben, von höheren Sphären wieder etwas hineingearbeitet wird, wie bei der Einweihung im kleinen. So vollzog sich der Prozeß im großen, wie er sich im kleinen bei der Einweihung vollzog.

[ 19 ] Siebenmal ist der astrale Erdglobus von den Weisen in der Art des Salomo regiert worden. Dann umgab sich die Erde von außen mit dem Ätherleib und kristallisierte, konstituierte irdische Materie. Da wurde das «Wort» hineingelegt. Dieses Wort ist dann wie begraben in der irdischen Materie, aber es muß wieder auferweckt werden. Dies ist auch der schöne Sinn in dem Mythos von dem Gotte Dionysos. Die heilige Weisheit unseres Erdenvorgängers ist hineingelegt in alle Erdenwesen unserer irdischen Welt. Nehmen Sie dies so tief, als es Ihnen möglich ist. Nehmen Sie den menschlichen Ätherleib, wie ihn jeder Mensch hat. Wenn Sie ihn als Hellseher ansehen, so hat er ungefähr die Form wie der physische Leib. Wenn der Mensch stirbt, löst sich der physische Leib auf und der Ätherleib auch; der physische Körper im Physischen und der Ätherleib im allgemeinen Weltenäther. Dieser Ätherleib ist aber schr kunstvoll gebaut worden für die Menschen von der Weisheit, die ihn vorher hineingesetzt hat vom astralen Globus. Dieser Ätherleib zerstiebt nach dem Tode. Nur der Ätherleib, der von innen aufgebaut ist, der ist ein lebendiger, ein ewig bleibender. Es ist der Ätherleib des Chela, und der löst sich nach dem Tode nicht auf. Wenn Sie den heutigen Kulturmenschen sterben sehen, sehen Sie den Ätherleib noch einige Zeit, dann löst er sich auf. Beim Chela bleibt er. Der Verzicht des Chela auf Devachan besteht darin, daß der Chela sich auf der Astralebene aufhält und dort von seinem Ätherleib Gebrauch macht. Bei gewöhnlichen Menschen muß bei der Wiedergeburt ein neuer Ätherleib geformt werden; daß einer gebaut werden kann, das wird im Devachan erreicht. Der Ätherleib, den sich der Chela von innen heraus aufgebaut hat, geht nicht mehr verloren, wohl aber der von der kosmischen Weisheit von außen aufgebaute, denn der löst sich wieder auf. So ist es auch mit dem Ätherkörper der Pflanzen und Tiere. Was heute noch Ätherleib ist, ist aufgebaut worden aus den kosmischen Kräften, die auf diesem Astralglobus unserer Erde in sie hineingeflossen sind. Diese Weisheit, die Sie in der astralen Erde finden, wird in der Mythe von Dionysos ausgedrückt.

[ 20 ] Nun hatte sich in der lemurischen Epoche das Dichtere herauszubilden. Da mußte das Vaterprinzip hineingearbeitet werden. Das ist das letzte, was sich unserer Erdenstofflichkeit bemächtigte. Was da hineingearbeitet ist, ist tief verborgen in der physischen Welt. Zuerst arbeitete sich der Heilige Geist in die Astralmaterie hinein. Dann arbeitete der mit der astralen Materie verbundene Geist in die Äthermaterie hinein, das ist der Sohn; und dann kommt der Vater, der die physische Dichtigkeit beherrscht. So wird in dreifacher Stufe der Makrokosmos aufgebaut: Geist, Sohn und Vater, und der Mensch, indem er sich wieder hinaufarbeitet, geht von dem Geist durch den Sohn zum Vater. Alles das geschieht unter Führung in der Entwickelung auf der Erde.

[ 21 ] Bis zur lemurischen Zeit war das einzige die äußere Entwickelung. Da war diese Dreieinigkeit eingezogen in unsere physische Entwickelung. In der arischen Epoche kam in die Vorstellung der Menschen als Religion dasjenige hinein, was sich früher vollzogen hatte und wiederholte sich stufenweise.

[ 22 ] Wir sind in der fünften Unterrasse der arischen Wurzelrasse. Vier andere Unterrassen gingen voran. Die erste Unterrasse ist die alte indische. Diese ehrwürdige alte Rasse wurde geführt von den heiligen Rishis. Von denen können wir uns nur eine schwache Vorstellung machen. Von ihrer Religion haben wir Kenntnis aus den Nachrichten, die uns von den Veden überkommen sind. Viel größer und gewaltiger war die Lehre der Rishis als unsere heutige Überlieferung davon. Erst während der dritten Unterrasse sind Aufzeichnungen gemacht worden, die uns in den Veden erhalten sind. Die ursprüngliche Religion der Rishis hatte große Traditionen von den göttlichen Vorfahren der Menschen, den Astralinitiierten der Dynastie Salomos. Die großen Intuitionen, die nicht bloß Kunde und Kenntnis bringen von den Gesetzen der Erde, sondern von den Urbildern, die selbst diese Weisheiten geschaffen haben, diese Urbilder lebten im Geist der alten indischen Rishis. Das war die erste Religion, die des Heiligen Geistes.

[ 23 ] Die zweite Religion wurde gepflegt in Vorderasien. Da verehrte man als Wiederholung dessen, als zum ersten Male der Sohn seinen EinfAluß auf die Erde geltend machte, das zweite Prinzip. Da tritt zugleich beim Sohnesprinzip das Herunterstoßen gewisser Wesenheiten auf. Es gibt keine höhere Entwickelung, ohne daß andere heruntergestoßen werden in die Tiefe. Das Mineral-, das Pflanzen- und das Tierreich sind auf diese Weise heruntergestoßen worden. Das ist die große Tragik, daß, wer sich höher entwickelt, eine ungeheuere Verantwortlichkeit auf sich nimmt. Jeder Heilige bedingt, daß eine große Anzahl Wesen heruntergestoßen werden. Wenn ein solches Herunterstoßen nicht stattfände, so gäbe es keine Entwickelung. Damit ein Mensch selbst höher entwickelt wird, muß er fortgesetzt Wesen hinunterstoßen. Darum ist alle Entwickelung schlecht und verwerflich, wenn sie aus Eigennutz geschieht; sie ist nur berechtigt um der Entwickelung der anderen Wesen willen. Nur wer die Hinuntergestoßenen wieder hinaufholen will, ist der Entwickelung fähig. So war jene Entwickelung, die auf der Erde auftrat, und die schon auf anderen Weltkörpern vorbereitet worden war, jene Entwickelung zur Begabung des Ätherleibes mit dem Logos, dem Wort, verknüpft mit dem Herunterstoßen anderer, mit der Erdenentwickelung zusammenhängender Wesen. Diese stellte man sich vor als Widersacher, als luziferisches Prinzip. So haben wir gerade in der persischen Religion diese Zweiheit: neben dem Prinzip des Guten das Prinzip des Bösen auftretend. Arbeitet der Mensch, und überhaupt ein Wesen, manasisch in sich hinein, so ist das ein Gutes. Immer aber stellt sich ihm das Böse entgegen. Ormuzd und Ahriman, das sind die Namen für das Gute und Böse in der persischen Religion.

[ 24 ] Die dritte Stufe tritt uns bei den Chaldäern, den Babyloniern, den Assyrern, den Ägyptern entgegen, bei denen geistig eine Wiederholung der dritten Stufe der Gottheit vorhanden ist. Daher tritt uns hier und seit jener Zeit bei allen Völkern die Dreiheit, die Dreieinigkeit der Gottheit entgegen. Die zweite Unterrasse hatte noch keine dreieinige Gottheit, und die erste schon gar nicht. Nun wird in diesem Dreifachen nach und nach der Aufstieg für die ganze Menschheit vorbereitet. Die Eingeweihten machen den Weg vorher ... [Lücke].

[ 25 ] In den drei ersten Unterrassen waren es religiöse Widerspiegelungen dessen, was in den makrokosmischen Vorgängen gewirkt hatte. Nun kommt ein neuer Aufbau: erst Weisheit, dann Sohn und dann Vater. Das Aufleuchten der Weisheit geschah in der vierten Unterrasse, in dem semitischen Volk, das aus der dritten Unterrasse heraus in die vierte hineinwächst, und aus ihm wächst dann das Christentum heraus. Bei den Eingeweihten des jüdischen Volkes finden wir den ganzen Hergang gewesener Vorgänge der Erde, alle Vorgänge, die sich im großen im Überirdischen abgespielt haben, noch einmal wiederholt in dem Elemente des Intellektes. Dort entwickelt sich das, was wir den unteren Geist nennen, Kama-Manas, das wieder mit anderer Kraft begabt werden muß. Diese Begabung, dieser Einschlag ist Christus selbst, das fleischgewordene Wort, das auf das zukünftige Wort hindeutet, wo alle Menschen imstande sein werden, ihren Ätherleib vom Astralleib aus zu beherrschen, wenn sie im Ätherleibe das Wort so bewegen, daß es in ihnen ein lebendiges wird. Die Möglichkeit dieser Entwickelung in der Zukunft ist in der Erscheinung des fleischgewordenen Wortes in der vierten Unterrasse vorausgenommen. Damit der Logos in dem Ätherkörper inkarniert werden kann, muß die ganze Menschheit die Herrschaft über den Äther erlangt haben. Das ist als ein Urimpuls von dem im Fleische inkarnierten Christus ausgegangen. Wenn der Mensch durch die Kraft des Sohnes hindurchgegangen sein wird, dann kommt er zum Vater.

[ 26 ] Nun müssen die Stufen wieder hinaufgestiegen werden, durch die nach und nach von der ganzen Menschheit das erreicht wird, was gleichsam bei Christus im Fleisch erschienen war. In dem Geiste, der sich im Judentum entwickelt hat, mußte das höhere Manas entfacht werden. Daher beginnt die neue Ära mit dem Herunterkommen des Heiligen Geistes, der die Menschen dazu führen wird, daß in der sechsten Unterrasse das, was heute in dem Christentum nur angedeutet ist, das Christus-Prinzip, seine Vollendung findet. «Niemand kommt zum Vater denn durch mich», sagt der Sohn. Er sandte der Menschheit den Geist, der sie vorbereiten sollte für die Zeit, wo Gut und Böse sich in der sechsten Unterrasse scheiden werden. Niemals hätte der Mensch diesen Impuls entwickelt, ohne jenen anderen Einschlag, den wir das sogenannte böse Prinzip genannt haben. Der Mensch mußte einen freien Willen bekommen, dann konnte sein Verstand zu einer Entscheidung zwischen Gut und Böse aufgerufen werden. Dieser Einschlag des Herabsteigens des Geistes vollzieht sich am Pfingstfest.

[ 27 ] Geist, Sohn und Vater sind in der Erde wie begraben: im physischen Körper der Vater, im Ätherkörper der Sohn und im Astralkörper der Geist. Aber der Mensch hat sein «Ich» ausgebildet, ist selbstbewußt geworden. Nun muß er lernen, herunterzuwirken bis auf das Physische. Das wird in der Zukunft sein. In der gegenwärtigen Zeit arbeitet der Mensch in seinen Astralleib hinein. Das Symbol dafür ist die Ausgießung des Heiligen Geistes in die Köpfe derjenigen, die die Führer der Menschheit sein sollen. Was diesen Geist aufgenommen hat, ist etwas im Menschen, was mit diesem Geist verwandt ist,

[ 28 ] Ehe der Sohn wirksam werden konnte — das war in der hyperboräischen Zeit -, mußte von dem allgemeinen Geistprinzip ein Teil abgespalten, heruntergestoßen werden und andere Bahnen wandeln. Das ist in der Schlange ausgedrückt, dem Symbol der Erkenntnis, dem Luzifer-Prinzip. Dieser Funke des Geistes war es, der den Menschen zu einem freien Wesen machte und ihn befähigte, aus eigenem Antrieb das Gute zu wollen. Dieser Geist, der zu den Menschen heruntergekommen ist am großen Pfingstfeste, ist verwandt mit jenem Geist, welcher heruntergestoßen wurde, und der auch im Prometheus verkörpert ist, welcher den Funken wieder angefacht hat, damit unser Ich sich entschließen kann, dem Geiste zu folgen, wie es später dem Sohne und noch später dem Vater folgen wird. Der Mensch konnte zwar böse werden, aber andererseits konnte er nur auf Kosten dessen, daß er böse werden konnte, zur Götterwelt wieder hinaufgeführt werden, aus der er stammt. Das ist der Zusammenhang des Pfingstfestes mit dem luziferischen Prinzip. Daher ist das Pfingstfest auch das Prometheus- und Freiheitsfest.

[ 29 ] Jetzt werden Sie auch den Zusammenhang der sieben salomonischen Könige der Vorerde - von denen König Salomo in der Bibel wie der Nachkomme erscheint - mit den Kainssöhnen einsehen. Die Weisheit wurde zuerst der Menschheit von außen überliefert. Dann sollte sie aus dem Inneren quellen. Salomo baute den Tempel, aber nur mit Hilfe des Hiram-Abiff. Mit diesem Kainssohne im Bunde eignete er sich die Künste an, die zum Aufbau des Tempels notwendig sind. So laufen die Strömungen, die getrennt in der Welt gehen, wieder zusammen.

[ 30 ] Als die Sonne sich von der Erde abspaltete, wurde das Wort in der Erde begraben. Es wird wieder auferstehen, wenn die Erde bis zur sechsten Wurzelrasse wird vorgeschritten sein. Der Mensch wird dieses Wort aus der Erde auferwecken. Aber in ihm muß vorher der Geist leben, der das Wort in ihm selbst erklingen läßt. Das haben die Apostel beim Pfingstfest errungen. In «Licht auf den Weg» steht: «Erwirb dir das Wissen, und dir wird die Sprache» — die Sprache kommt mit dem echten Wissen, das herunterkommt wie der Feuerfunke auf die Apostel beim heiligen Pfingstfeste. Wenn das innere Wort kommt, das mit dem heiligen, göttlichen Worte Verwandtschaft hat und das sich in alles Ätherische hineinsenkt, um es zu beleben, dann redet der Mensch nicht mehr aus sich selbst, sondern aus dem göttlichen Geiste heraus. Dann ist er Bote der Gottheit und verkündet aus freiem Willen das innere Wort der Gottheit.

[ 31 ] So wurde das innere Wort bei den Aposteln lebendig; so wirkte es aus ihnen heraus. Das feurige Wort verkündeten sie und fühlten sich als Boten der Gottheit. Deshalb schwebt der Heilige Geist in Form feuriger Zungen über ihnen. Sie bereiten die Menschheit vor zum Empfang des Logos. Der große Initiierte Christus Jesus ging voran. Der Heilige Geist folgte und befruchtete die Astralkörper, daß sie reif wurden, ihren Ätherleib unsterblich zu machen. Ist dies erreicht, dann ist das Christus-Prinzip in die Menschheit eingezogen. Das meinten auch die Eingeweihten, die etwa wie Heraklit davon sprachen: Wenn du dem Irdischen entflohen, zum freien Äther emporsteigst — im Unsterblichkeitsglauben -, wirst ein unsterblicher Geist du sein, dem Tode - dem Physischen - entronnen.

[ 32 ] Ein jeder Mensch wird in der Mitte der sechsten Wurzelrasse diesen Punkt erreichen. Jetzt aber unterliegt er noch dem Tode, weil sein Ätherleib noch nicht Unsterblichkeit erlangt hat. Im Christentum ist das Geheimnis enthalten, wie der Mensch sich nach und nach hinaufentwickeln kann zu der Auferstehung des Ätherleibes. Hier hängt dieses dritte der großen Feste mit den zwei anderen christlichen Festen zusammen,

[ 33 ] Ich wollte hier einmal die unendliche Tiefe des Pfingstfestes auseinandersetzen und zeigen, wie der Mensch nach und nach das lebendige Gefühl für die Umwelt bekommt, daß er verwandt ist mit allen Dingen, die um ihn herum sind und mit allem, was um ihn herum vorgeht. In der Benennung der Wochentage finden Sie niedergelegt, was um uns herum vorgegangen ist.

[ 34 ] Der Mensch begeht das Pfingstfest am besten, wenn er sich klarmacht, welche tiefen Wahrheiten die Weisen in ein solches Fest wie das Pfingstfest hineingelegt haben. Und ein Fest begehen, heißt eigentlich: Im Geiste sich mit dem Weltengeist verbinden.