Knowledge of Soul and Spirit
GA 56
12 March 1908, Berlin
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Knowledge of Soul and Spirit, tr. SOL
11. Beruf und Erwerb
11. Occupation and Earnings
[ 1 ] Viele, die oberflächlich von dem, was man Geisteswissenschaft oder 'Theosophie zu nennen pflegt, gehört haben, werden es einigermaßen verwunderlich finden, daß, nachdem schon von diesem Gesichtspunkte aus über die mannigfachsten praktischen Themen gesprochen worden ist, sogar der Versuch gemacht wird, von diesem geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus über Beruf und Erwerb zu sprechen. Denn viele unserer Zeitgenossen haben aus einer solchen mehr oder weniger oberflächlichen Kenntnisnahme die Vorstellung erhalten, daß die Geisteswissenschaft etwas sei, was fernab liegt von allem praktischen Leben, so ungeeignet wie nur möglich, irgendwie einzugreifen in dieses praktische Leben des Alltags. Eine Vorstellung werden Sie nicht so selten antreffen, wie sie sich ausdrückt in den Worten: Ach, diese Geisteswissenschaft, sie ist etwas für einzelne Leute, die satt im Leben sind, die nichts Praktisches zu tun haben und die daher überflüssige Zeit genug haben, sich mit allerlei so verworrenen, phantastischen Spekulationen, wie die geisteswissenschaftlichen Ideen es sind, zu befassen.
[ 1 ] Many who have heard only superficially about what is commonly called spiritual science or “theosophy” will find it somewhat surprising that, after such a wide variety of practical topics have already been discussed from this perspective, an attempt is even being made to speak about vocation and livelihood from this spiritual-scientific standpoint. For many of our contemporaries have formed the impression, based on such a more or less superficial acquaintance with the subject, that spiritual science is something far removed from all practical life, as unsuited as possible to intervening in any way in this practical, everyday life. You will not infrequently encounter a view expressed in the following words: “Oh, this spiritual science—it’s something for certain people who have had their fill of life, who have nothing practical to do, and who therefore have enough spare time to concern themselves with all sorts of convoluted, fantastical speculations, such as the ideas of spiritual science.”
[ 2 ] Nun soll von Anfang an nicht geleugnet werden, daß im Grunde genommen ein solcher Vorwurf bei vielen Erscheinungen, die, sagen wir, als theosophisch auftreten, sogar gerechtfertigt ist, daß es vielfach zutrifft, daß diejenigen, welche sich mit theosophischen Dingen, theosophischen Ideen und Vorstellungen befassen, wirklich dem alltäglichen Leben so fremd als möglich gegenüberstehen. Aber selbst unter denjenigen, welche schwer zu kämpfen und zu arbeiten haben im alltäglichen Leben und sich nur mit Mühe durchringen, finden sich solche, die aus innerer Sympathie, aus einer Herzenssehnsucht heraus zur Geisteswissenschaft getrieben werden. Unter diesen wird es so manche geben, für die diese Zweiheit — der alltägliche Beruf, die alltägliche Arbeit, das mühselige Walten vom Morgen bis zum Abend, und dann das Aufgehen in den großen Ideen — etwas Herrliches hat. Für andere werden diese beiden Dinge recht unvermittelt nebeneinanderstehen, das eine wird sozusagen weit, weit abliegen von dem anderen. Derjenige aber, welcher in der 'Theosophie oder in der Geisteswissenschaft nicht bloß eine müßige Beschäftigung für einige Träumer und Phantasten sieht, sondern etwas, was geeignet ist, ganz tief in unsere ganze Kulturbewegung einzugreifen, sie zu erneuern, sie aufzufrischen von dem geistigen Standpunkte aus, der wird auch die Überzeugung streng vertreten müssen, daß diese Theosophie oder Geisteswissenschaft gerade das ist, was in die wahre, echte Erkenntnis der Wirklichkeit hineinführt, und auch etwas Wichtiges, Wesentliches zu sagen hat da, wo die großen Fragen des Alltags, wo diejenigen Dinge auftreten, die den Menschen vom Morgen bis zum Abend in seiner harten Arbeit betreffen.
[ 2 ] Now, let us not deny from the outset that, fundamentally speaking, such a criticism is indeed justified in many cases that appear, shall we say, to be theosophical—that it is often true that those who concern themselves with theosophical matters, ideas, and concepts are indeed as alien to everyday life as possible. But even among those who have to struggle and work hard in everyday life and can only bring themselves to do so with great effort, there are those who are drawn to spiritual science out of inner sympathy, out of a longing of the heart. Among these there will be many for whom this duality—the daily occupation, the daily work, the laborious routine from morning to evening, and then the immersion in the great ideas—holds something magnificent. For others, these two things will stand quite abruptly side by side; one will, so to speak, lie far, far removed from the other. But the one who sees in “Theosophy” or spiritual science not merely an idle pastime for a few dreamers and fantasists, but something capable of penetrating deeply into our entire cultural movement, renewing it, and to revitalize it from a spiritual standpoint—will also have to firmly uphold the conviction that this Theosophy or spiritual science is precisely what leads to a true, genuine understanding of reality, and also has something important and essential to say where the great questions of everyday life arise, where those matters concern people from morning to night in their hard work.
[ 3 ] Derjenige, der sich nicht oberflächlich, sondern tiefer einläßt in dasjenige, was die Theosophie oder die Geisteswissenschaft zeigen kann, der nicht nur einige abstrakte Ideen aus ihr gewinnt, sondern auch die tiefsten Lebensimpulse, der wird sehr bald zu der Einsicht kommen, daß im weitesten Umkreise des Lebens gerade durch die Geisteswissenschaft ein wahres, ein gesundes, ein richtiges Urteil zu gewinnen ist. Mit ein paar abstrakten Sätzen ist es allerdings nicht getan, am wenigsten mit dem Grundsatz von irgendeiner abstrakten Bruderschaft der Menschheit. Diese abstrakte allgemeine Bruderschaft der Menschheit ist etwas Selbstverständliches für jeden guten und richtig strebenden Menschen. Dasjenige aber, was der Theosophie oder der Geisteswissenschaft obliegt, ist nicht bloß, diese allgemeine, die Menschheit umfassende Bruderliebe zu predigen, sondern die Methode, die Bedingungen zu schaffen, durch welche wahre, echte Menschenbrüderschaft möglich ist und auch verwirklicht werden kann. Freilich gibt es viele in unserer Zeit, die auch so sagen; aber es fehlt ihnen der Überblick.
[ 3 ] Anyone who engages not superficially but deeply with what theosophy or spiritual science has to offer—who derives not only a few abstract ideas from it but also the deepest impulses of life—will very soon come to realize that, in the broadest sphere of life, it is precisely through spiritual science that a true, sound, and correct judgment can be attained. A few abstract statements, however, are not enough—least of all the principle of some abstract brotherhood of humanity. This abstract, universal brotherhood of humanity is a matter of course for every good and sincerely striving person. What falls to theosophy or spiritual science, however, is not merely to preach this general, all-encompassing brotherly love for humanity, but to establish the method and create the conditions through which true, genuine human brotherhood is possible and can also be realized. Of course, there are many in our time who say the same thing; but they lack the broader perspective.
[ 4 ] Betrachten wir nun das ganze menschliche Dasein von den uralten Zeiten bis heute, und vergleichen wir das alltägliche Leben unserer Gegenwart mit dem, was zu allen Zeiten da war, so finden wir, nach der Meinung vieler Leute, daß sich gewisse Formen des Lebens nicht geändert haben: Reich und arm habe es immer gegeben; Not und Elend auf der einen, Wohlleben und Zufriedenheit auf der anderen Seite seien immer dagewesen und durch keine menschliche Geistesbewegung jemals aus der Welt geschafft worden. Daher könne man auch nicht glauben, daß eine sowie viele Leute sagen — «idealistische» Geistesbewegung wie die theosophische irgend etwas Erhebliches gerade über dasjenige, was unsere Zeit in bezug auf Beruf und Erwerb bewegen muß, aussagen könne.
[ 4 ] If we now consider the whole of human existence from ancient times to the present day, and compare our everyday life today with what has existed throughout history, we find—in the opinion of many people—that certain forms of life have not changed: there have always been the rich and the poor; hardship and misery on the one hand, and a comfortable life and contentment on the other, have always existed and have never been eradicated from the world by any human intellectual movement. Therefore, one cannot believe that—as many people say—an “idealistic” intellectual movement such as theosophy could have anything significant to say specifically about what our time must address in terms of profession and livelihood.
[ 5 ] Wir betrachten aber dieses unser heutiges Thema am besten dadurch, daß wir die beiden Vorstellungen von Beruf und Erwerb in echtem geisteswissenschaftlichem Sinne ins Auge fassen. Da wird sich uns zeigen, daß es vor allen Dingen recht sehr not tut, ein vertieftes Denken zu pflegen, um in das, was uns unser mannigfaltiges und vielgestaltiges Leben in bezug auf Beruf und Erwerb darbietet, hineinzukommen. Die Phrase von «reich und arm» hat es natürlich immer gegeben. Das allein tut es nicht, wenn man das Leben verstehen will. Wenn wir aber einen Blick in unsere Umwelt werfen und sie vergleichen mit dem, was vor Jahrhunderten oder auch kürzeren Zeitspannen die Umwelt des Menschen war, dann zeigt sich uns allerdings, daß sich die Form des Lebens wesentlich geändert hat, daß dasjenige, was heute die Gründe von Not und Elend, von Jammer und Armut sind, durch eine durchaus neue Lebensform hervorgebracht worden ist. Es zeigt sich, daß es sehr nötig wäre, daß die Menschen im weitesten Umkreis gerade über diese Fragen der Änderung des Verhältnisses des Menschen zu Beruf und Erwerb mehr nachdenken würden. Wer dieses Leben überblickt, wie es sich durch Jahrhunderte nach und nach entwickelt hat, der wird sich bei gereiftem Denken sagen müssen, daß eine gewisse Menschenklasse, um die es sich heute vor allen Dingen handelt, wenn wir irgend etwas Erhebliches sagen wollen über diese Frage, erst in neuester Zeit geschaffen worden ist, und daß gerade in dieser einen Menschenklasse immer mehr und mehr eine Bedeutung gewinnt, was sich uns durch die Frage nach Beruf und Erwerb in unserer Zeit in aller Stärke und Intensität enthüllt. Wenn wir noch tiefer gehen, werden wir sehen, daß es in dieser Frage sich zeigt, was es heißt, wenn die Menschheit auf der einen Seite vorwärtsschreitet, und auf der anderen Seite nicht imstande ist, ihren eigenen Fortschritt mit der notwendigen Erkenntnis und dem notwendigen Interesse zu verfolgen. Dasjenige, was wir heute den modernen Arbeiter, den Industriearbeiter nennen, das ist in dieser Form, wie es heute existiert, eigentlich erst ein Ergebnis der Entwickelung der Menschheit in den letzten Jahrhunderten.
[ 5 ] However, the best way to approach today’s topic is to consider the two concepts of “vocation” and “livelihood” in a truly spiritual-scientific sense. We will then see that, above all, it is absolutely essential to cultivate deep thinking in order to gain insight into what our diverse and multifaceted lives present to us in terms of vocation and livelihood. The phrase “rich and poor” has, of course, always existed. But that alone is not enough if one wants to understand life. However, when we take a look at our surroundings and compare them with what constituted the human environment centuries ago—or even in more recent times—it becomes clear to us that the form of life has changed fundamentally, and that the causes of hardship and misery, of wretchedness and poverty today have been brought about by an entirely new way of life. It becomes clear that it is very necessary for people across the broadest possible spectrum to reflect more deeply on precisely these questions concerning the changing relationship between human beings and their work and livelihoods. Anyone who surveys this way of life, as it has gradually developed over the centuries, will have to conclude, upon mature reflection, that a certain class of people—which is of primary concern today if we are to say anything substantial on this matter— has only been created in the most recent times, and that it is precisely within this one class of people that what is revealed to us with full force and intensity through the question of vocation and livelihood in our time is gaining ever greater significance. If we delve even deeper, we will see that this issue reveals what it means when humanity, on the one hand, moves forward, yet on the other hand is unable to follow its own progress with the necessary insight and interest. What we today call the modern worker, the industrial worker, in the form in which it exists today, is in fact only a result of humanity’s development over the last few centuries.
[ 6 ] Dies hängt zusammen mit den bewunderungswürdigen, den herrlichsten, den größten Fortschritten innerhalb der Menschheitsentwickelung. Wir sehen heute die Erde übersät mit den Hervorbringungen des menschlichen Gedankens, der menschlichen Erfindungen, Entdeckungen und Künste. Überall, wo die Menschen Fabriken und Unternehmungen aufbauen, wo hinuntergegraben wird in die Erde, wo man nach Bodenschätzen und Metallen sucht, überall haben wir ein Ergebnis des menschlichen Gedankens vor uns. Die Fortschritte des Naturerkennens, die Beherrschung der Naturgesetze, alles dasjenige, was menschliches Denken, menschliche Geistesarbeit im Laufe der Jahrhunderte geschaffen hat, das sehen wir wie kristallisiert in unserer Industrie, in den Fäden aller Art, die sich über die Erde hinspannen in unseren modernen Verkehrsmitteln. Alles das hat unserem Leben das Gepräge gegeben. Alles das, was so die menschliche Geisteskraft geschaffen hat, das hat erst den modernen Arbeiter, den man gewöhnlich den proletarischen Arbeiter nennt, hervorgebracht. Mit ihm ist in Wahrheit erst die moderne Form unserer Kalamität in bezug auf Beruf und Erwerb entstanden. Es gibt kaum irgendeine Schicht der Bevölkerung, kaum irgendeine Klasse — und gehöre sie diesem oder jenem Felde des Lebens an —, die nicht irgendwie berührt würde von dem, was auf diese Weise für die Menschheit geschaffen worden ist.
[ 6 ] This is linked to the most admirable, the most magnificent, and the greatest advances in human development. Today we see the Earth dotted with the products of human thought, human inventions, discoveries, and the arts. Everywhere people build factories and enterprises, wherever they dig deep into the earth, wherever they search for mineral resources and metals—everywhere we see the results of human thought before us. The advances in our understanding of nature, the mastery of natural laws—everything that human thought and intellectual labor have created over the centuries—we see all of this crystallized in our industry, in the networks of all kinds that span the Earth in our modern means of transportation. All of this has shaped our lives. All that the human intellect has thus created is what first gave rise to the modern worker, commonly referred to as the proletarian worker. It is, in truth, only with him that the modern form of our plight regarding occupation and livelihood has emerged. There is hardly any segment of the population, hardly any class—whether it belongs to this or that sphere of life—that is not affected in some way by what has been created for humanity in this manner.
[ 7 ] Fragen wir uns jetzt: Hat menschliches Denken, hat menschliches Interesse auch vermocht, jene soziale Struktur zu schaffen, die in irgendeiner Harmonie, in irgendeiner Angemessenheit steht zu dem, was in den Gebieten der Technik und der Industrie die menschliche Geisteskraft geschaffen hat? Man denke sich einmal hypothetisch, was geworden wäre, wenn die Menschen, oder wenn eine menschliche Individualität imstande gewesen wäre, ihre Geisteskraft, die in so gewaltiger, so großartiger Weise sich kristallisiert hat in Maschinen, in Banken und im Verkehrswesen, dazu zu verwenden, um diejenigen, welche hineingestellt sind in diese Entwickelung, auch in eine entsprechende soziale Struktur hineinzubringen. Wir wollen uns nicht auf den Standpunkt stellen, auf den sich ein vielgenannter Naturforscher stellt, der sagt, daß alle großartigen, gewaltigen Fortschritte des menschlichen Geistes, der menschlichen Wissenschaft, der menschlichen Industrie, des menschlichen Verkehrs gar nichts zum Fortschritt der moralischen Menschheitsentwickelung beigetragen haben, sondern wenn wir auf dasjenige blickten, was die Menschen hervorgebracht haben in bezug auf Moral und Gesittung, so stünden wir heute noch auf dem urältesten Standpunkt der Barbarei. — Dieser Meinung wird sich keine tiefere Betrachtung anschließen; aber wahr ist es doch, daß allen den technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften, die wir heute bewundern, auf äußerem und auf innerem Gebiete, nichts gegenübersteht auf dem Gebiete des sozialen Lebens, der sozialen Struktur. Wir sehen, wie sich in der Disharmonie zwischen menschlicher Sehnsucht, menschlichem Bedürfnis und menschlichem Ideale, ja sogar der einfach-natürlichen menschlichen Lebenshaltung, und dem, was für alle Menschen das Leben in seiner Realität heute bietet, in der mannigfaltigsten Weise die Unangemessenheit des sozialen Denkens in bezug auf die industrielle Tätigkeit ausprägt.
[ 7 ] Let us now ask ourselves: Have human thought and human interest been capable of creating a social structure that is in any sort of harmony or proportion to what human intellectual power has created in the fields of technology and industry? Let us imagine, hypothetically, what would have become of us if human beings—or if a single human individual—had been capable of using their intellectual power, which has crystallized in such a powerful and magnificent way in machines, banks, and transportation, to bring those who are part of this development into a corresponding social structure as well. We do not wish to adopt the standpoint taken by a much-cited natural scientist who claims that all the magnificent, tremendous advances of the human spirit, human science, human industry, and human transportation have contributed nothing at all to the progress of humanity’s moral development; rather, if we were to look at what people have produced in terms of morality and social mores, we would still be standing today at the most primitive stage of barbarism. — No deeper reflection will support this view; yet it is true that all the technical and scientific achievements we admire today, in both the external and internal spheres, are not matched by anything in the realm of social life or social structure. We see how the disharmony between human longing, human need, and human ideals—indeed, even the simple, natural human way of life—and what life in its reality offers to all people today manifests itself in the most diverse ways as the inadequacy of social thinking with regard to industrial activity.
[ 8 ] Eine Verpflichtung wäre es für die breitesten Schichten der Bevölkerung aller Klassen und Stände, gerade über diese Frage nachzudenken, weil in diesen Fragen etwas Welterschütterndes heute liegt. Das fühlen aber die weitesten Kreise, insbesondere gewisser Klassen und Stände, heute keineswegs. Gerade die theosophische Bewegung muß eine solche sein, die nicht mit ein paar abstrakten Dogmen, mit ein paar Rezepten aus der Gedankenfabrik hier etwas tun zu können glaubt, sondern sie muß versuchen, in selbstloser Hingabe, mit Erkenntnis des wahren Menschen, in der Welt gesundes, tiefes, eingehendes Denken auch auf diesem Gebiete zu verbreiten, zu entfalten. Das Wesentliche auf diesem Gebiete ist, daß sich die Menschen innerlich dazu erziehen, um die Dinge auf diesem Gebiete im rechten Lichte zu sehen.
[ 8 ] It would be the duty of the broadest segments of the population—across all classes and social strata—to reflect on this very issue, because these matters hold something earth-shattering significance today. Yet the vast majority of people, especially certain classes and social strata, do not feel this at all today. The Theosophical Movement, in particular, must not be one that believes it can accomplish anything here with a few abstract dogmas or a few formulas churned out by a think tank; rather, it must strive, through selfless devotion and an understanding of the true nature of humanity, to spread and cultivate healthy, profound, and thorough thinking in the world—including in this field. The essential point in this area is that people train themselves inwardly to see matters in this field in their proper light.
[ 9 ] Diejenigen, die heute von einem angeblich praktischen Gesichtspunkte aus gern achselzuckend auf solch eine unpraktische Geistesbewegung, wie die theosophische es ist, herabsehen möchten, die sollten doch einmal in das Leben blicken und sich an besonders charakteristischen Symptomen darüber belehren, wie sie sich eigentlich zu solchen Fragen stellen sollten. Das menschliche Denken ist heute dadurch, daß sich die Menschen gewöhnt haben, alles in materialistischen Denkformen zu sehen, in gewisser Beziehung kurz geworden. Wer auf geisteswissenschaftlichem Boden steht und glaubt, er könne mit ein paar hingepfahlten Begriffen die Rätsel des Daseins erkennen, wenige hingepfahlte Begriffe reichten aus, um das ganze Weltgebäude zu konstruieren bis herauf zu dem Menschen, der täuscht sich. Ja, für ein oberflächliches Begreifen reichen ein paar Begriffe aus; aber nicht für die intime, genaue Beurteilung des Lebens. Geisteswissenschaft ist unbequem. Zwar nicht für diejenigen, die sich nur an das halten, was in Worten verbreitet ist, und sich dann auf eine abstrakte Lebensanschauung beschränken; aber für die, welche sich tiefer in sie hineinwagen, ist sie unbequem. Sie hat es nicht zu tun mit ein paar mechanischen Vorstellungen, sondern sie zwingt dazu, sich für die verschiedensten Stufen des Daseins besondere Begriffe anzueignen. Dafür sind aber diese besonderen Begriffe gute Führer im Leben.
[ 9 ] Those who, from a supposedly practical standpoint, would today like to dismiss with a shrug such an impractical spiritual movement as theosophy, should take a closer look at life and learn from particularly characteristic signs how they should actually approach such questions. Human thinking today has, in a certain sense, become narrow because people have grown accustomed to viewing everything through materialistic frameworks. Anyone who stands on the ground of spiritual science and believes they can unravel the mysteries of existence with a few fixed concepts—that a few fixed concepts are sufficient to construct the entire structure of the world right up to the human being—is mistaken. Yes, a few concepts are sufficient for a superficial understanding; but not for an intimate, precise assessment of life. Spiritual science is inconvenient. Not, mind you, for those who stick only to what is expressed in words and then limit themselves to an abstract view of life; but for those who venture deeper into it, it is inconvenient. It has nothing to do with a few mechanical notions; rather, it compels one to acquire specific concepts for the most diverse stages of existence. In return, however, these specific concepts serve as good guides in life.
[ 10 ] Wenn die Leute einmal ein geisteswissenschaftliches Buch aufschlagen, wo ihnen die physische Welt, die astralische Welt und noch höhere geistige Welten vorgeführt werden, die in der unsrigen verborgen sind, und dann weiter gesagt wird, daß der Mensch bestehen soll nicht nur aus dem, was man mit Augen sieht und mit Händen greifen kann, sondern daß man noch auf höheren Gebieten leben kann, so sagen sie, das sei zu kompliziert, da werde alles so eingeschachtelt. Die Welt sei einfach, und der, welcher die Welt nicht einfach darstellt, der erregt schon von vornherein ihr Mißtrauen. Die Welt ist einfach, ist bequem! — Das kann man wohl sagen, nur wahr ist es nicht! Ungeeignet sind diese Begriffe zum wirklichen Eindringen in das wirkliche Leben, in das, was uns wirklich umgibt. Es gibt viele Menschen, die nicht weiter reichen mit ihren Begriffen als die paar Schritte, die sie täglich gehen. Daß solche Menschen zu ganz sonderbaren Vorstellungen über das Leben kommen, ist ja verständlich. Solche Menschen werden sich natürlich erst verraten, wenn sie reden oder schreiben. Ich könnte Ihnen da mannigfaltige Beispiele anführen.
[ 10 ] When people open a book on the humanities that reveals to them the physical world, the astral world, and even higher spiritual worlds hidden within our own, and then goes on to say that human beings consist not only of what can be seen with the eyes and touched with the hands, but that one can also live in even higher realms, they say that’s too complicated, that everything is getting all tangled up. The world is simple, they say, and anyone who doesn’t present the world as simple arouses their suspicion from the very start. The world is simple; it’s convenient! — One might well say that, but it’s simply not true! These concepts are unsuitable for truly penetrating real life, for what truly surrounds us. There are many people whose concepts extend no further than the few steps they take each day. It is, of course, understandable that such people arrive at quite peculiar notions about life. Such people will, naturally, only reveal themselves when they speak or write. I could cite numerous examples of this.
[ 11 ] Zwei Beispiele will ich Ihnen aus der großen Menge herausgreifen, die Ihnen zeigen mögen, wie rasch diejenigen Menschen, die eigentlich berufen sein sollten, über das Leben zu urteilen, oder die sich selbst dazu berufen fühlen, mit dem Leben fertig werden.
[ 11 ] I would like to highlight two examples from the vast number available that may show you how quickly those who are actually called upon to judge life—or who feel called upon to do so—come to terms with it.
[ 12 ] Da gibt es einen Menschen, der hat ein Buch geschrieben. Das ist heute nichts Besonderes, es ist manchmal schwer, in einer Gesellschaft diejenigen herauszufinden, die noch kein Buch geschrieben haben. Dieser Mensch hat nun ein Buch geschrieben über das Leben. Er sagt darin, daß er viel darüber nachgedacht habe, wie die Funktionen des Geldes sind und was es für eine Bedeutung in unserem äußeren Leben habe. Nun habe er aber an einer besonderen Erfahrung erst lernen müssen, daß das Geld nur eine Art Mittel sei innerhalb eines gewissen Gesellschaftskreises, und daß es eigentlich keine reale Bedeutung habe. Das hätte er dadurch gelernt, daß er einmal in Südamerika reiste. Er hätte hundert Dollar bei sich gehabt, aber er hätte trotzdem furchtbar hungern müssen, nichts habe er bekommen können für sein Geld. Und als er einmal an eine Hütte kam und da etwas zu essen erhielt, da sagte man ihm, er solle sich nicht mit seinen Dollars bemühen, mit denen könne man doch nichts anfangen.
[ 12 ] There is a man who has written a book. That’s nothing special these days; it’s sometimes hard to find people in society who haven’t written a book yet. This man has now written a book about life. In it, he says that he has thought a great deal about the functions of money and what significance it has in our external lives. However, he first had to learn through a particular experience that money is merely a kind of means within a certain social circle, and that it actually has no real significance. He learned this while traveling in South America. He had carried a hundred dollars with him, but he still had to go terribly hungry; he couldn’t get anything for his money. And when he once came to a hut and was given something to eat there, he was told not to bother with his dollars—they were of no use there.
[ 13 ] Dieser Mensch hat so «klare» Begriffe, daß er, um solches festzustellen, erst in einen brasilianischen Urwald reisen muß! Aber weiter: Sie wissen, daß ein Buch von einem gewissen Regierungsrat Kolb geschrieben wurde. Diesem Buche soll alle Anerkennung zuteil werden. Es soll anerkannt werden, daß ein Regierungsrat es über sich bringt, als gewöhnlicher Arbeiter in Amerika zu arbeiten, unter anderem in einer Fahrradfabrik, und mit den Arbeitern in all den Mühseligkeiten zusammenzuleben, die er früher nicht gekannt hat. Der hat also auch ein Buch geschrieben, in dem er sagt: Jetzt lerne ich das Leben anders beurteilen, als ich es früher gewohnt war. Wenn ich früher einen Menschen auf der Straße betteln sah, so sagte ich: Warum arbeitet der Lump nicht? Jetzt wußte ich es! — Und er fügt bedeutsam hinzu: Ja, mit den schönsten, bedeutsamsten Problemen der Nationalökonomen läßt sich am grünen Tisch gut und bequem wirtschaften; aber im Leben nehmen sie sich anders aus. — Alle Anerkennung dafür, wenn jemand aus seinen gesellschaftlichen Kreisen heraus solches unternimmt, undalle Anerkennung für die Tat, dies offen und frei zu bekennen!
[ 13 ] This man has such “clear” ideas that, in order to establish this, he first has to travel to a Brazilian jungle! But let’s continue: You know that a book was written by a certain State Councilor Kolb. This book deserves every recognition. It should be acknowledged that a government councilor brought himself to work as an ordinary laborer in America—including in a bicycle factory—and to live alongside the workers through all the hardships he had never known before. So he, too, has written a book in which he says: “Now I’m learning to view life differently than I used to.” “When I used to see a person begging on the street, I would say, ‘Why isn’t that good-for-nothing working?’ Now I know!” — And he adds meaningfully: “Yes, the most beautiful and significant problems of political economists can be dealt with easily and comfortably in the ivory tower; but in real life, they look quite different.” — All credit to anyone who undertakes such a venture outside their social circles, and all credit for the courage to admit this openly and freely!
[ 14 ] Aber jetzt die Kehrseite. Sehen wir ab von dem Mann, sehen wir die Tatsache als solche an. Was heißt es, wenn jemand, der in Europa lebt, einen verantwortungsvollen Posten hat, von dessen Maßnahmen vieles abhängt, Leid, Freude, Glück und Unglück von mancherlei Menschen, wenn der hier wie mit verbundenen Augen durch die Welt geht? Muß man nicht fragen: Wie ist er eigentlich durch die Welt gegangen? Wie hat er sie studiert? Wie hat er sich herangebildet? Wenn man nur die Augen offen hält und sieht, was er hätte sehen müssen — denn wenn man im Leben steht, muß man solche Dinge wissen —, dann muß man fragen: Sind diese Leute mit verbundenen Augen durch die Welt gegangen, und haben sie erst nach Amerika gehen müssen, um zu erfahren, daß man im Urwald mit Geld nicht bezahlen kann, und um zu erfahren, warum der «Lump» nicht arbeitet, wenn er bettelt? Muß man nicht sagen, daß eine Zeit, in der diese Symptome möglich sind, in der die Gedanken so kurz sind, daß eine solche Zeit ebenso klare und sichere Gedanken in bezug auf die soziale Struktur braucht, wie man sie in bewundernswerter Weise durch die Jahrhunderte bis herauf in unsere Zeit hervorbringen konnte in bezug auf Maschinen und Industrie? Wenn die Theosophie oder Geisteswissenschaft nicht aufgefaßt wird als Abstraktion, als eine Predigt schöner Phrasen, sondern als eine Verkündigung dessen, was unserer ganzen Welt in Wirklichkeit zugrunde liegt, dann gibt gerade sie diese reale Menschenkenntnis.
[ 14 ] But now for the other side of the coin. Let’s set the man aside for a moment and consider the fact in and of itself. What does it mean when someone who lives in Europe, who holds a position of responsibility on whose actions so much depends—the suffering, joy, happiness, and misfortune of all manner of people—goes through the world as if blindfolded? Must we not ask: How has he actually gone through the world? How has he studied it? How has he educated himself? If one simply keeps one’s eyes open and sees what he should have seen—for when one is out in the world, one must know such things—then one must ask: Have these people walked through the world blindfolded, and did they have to go all the way to America to learn that money is no good in the jungle, and to learn why the “beggar” doesn’t work when he’s begging? Must we not say that an age in which such symptoms are possible—in which thoughts are so shallow—needs thoughts regarding social structure that are just as clear and certain as those that have been admirably developed over the centuries right up to our own time with regard to machinery and industry? If theosophy or spiritual science is not understood as an abstraction, as a sermon of fine phrases, but as a proclamation of what in reality underlies our entire world, then it is precisely this that provides this genuine understanding of human nature.
[ 15 ] Darüber wollen wir uns heute einmal näher unterhalten. Wenn wir etwas tiefer hineinschauen in die Umwandlungen, die sich vollzogen haben seit Jahrhunderten und die mit den letzten Ausläufern noch hineinragen in unsere Gegenwart, dann müssen wir sagen: Beruf und Erwerb haben sich in ihrem Verhältnis zum Menschen sehr, sehr geändert. Freilich gibt es auch heute noch mancherlei Menschen, die das schöne Wort kennen, das Goethe ausgesprochen hat: «Lust und Liebe sind die Fittiche zu großen Taten.» Wahrhaftig, Lust und Liebe sind die Fittiche zu großen Taten! Sie müssen auch, wenn Menschenfortschritt und Menschenseligkeit gedeihen sollen, die Fittiche im menschlichen Leben sein. Würde nicht der Künstler, wenn er sein Intimstes ausspricht, jederzeit sagen: Nur dann kann ich wahrhaft arbeiten, Ersprießliches hervorbringen, wenn die Freude an der Arbeit mich beseelt. — Wahr, nur zu wahr! Aber wie weit ist unser Leben von dieser Wahrheit entfernt! Wir kommen auf ein trauriges Kapitel in bezug auf Beruf und Erwerb, wenn wir diese Frage vor unsere Seele stellen.
[ 15 ] Let’s talk about this in more detail today. If we take a closer look at the transformations that have taken place over the centuries—and whose final repercussions still extend into our present—then we must acknowledge that the relationship between work and livelihood and human beings has changed very, very much. Of course, even today there are still many people who are familiar with the beautiful words spoken by Goethe: “Passion and love are the wings of great deeds.” Truly, passion and love are the wings of great deeds! If human progress and human happiness are to flourish, they must also be the wings of human life. Wouldn’t the artist, when expressing his innermost thoughts, always say: “I can only truly work and produce something fruitful when the joy of work inspires me.”—True, all too true! But how far removed is our life from this truth! We arrive at a sad chapter regarding work and livelihood when we ask ourselves this question.
[ 16 ] Vergleichen wir mit dem schaffenden Künstler, der aus Lust und Liebe zu der Menschen Heil, zu der Menschen Freude und Erhöhung seine Werke schafft, den in dumpfen Bergwerken, meinetwegen in Sizilien tätigen Arbeiter. Da finden Sie Arbeiter, und nicht etwa nur erwachsene Arbeiter, sondern es wimmelt darunter von Kindern von sieben, acht, neun und zehn Jahren, die auf die furchtbarste Art zugrunde gerichtet werden und ihr Leben — mit geringfügigen Ausnahmen — da unten verbringen. Und wenn Sie die Impulse erkennen, durch welche diese Menschen an die Arbeit getrieben werden, dann werden Sie etwas begreifen, was sonst furchtbar schwer zu begreifen ist. Es gibt eine furchtbare Stimmung von Lebensfeindlichkeit und Lebensgegnerschaft, wenn derartiges erfahren wird beim Erleben derjenigen Dinge, die sonst bestimmt sind, Lebensfreude und Lebensheiterkeit hervorzurufen. Der Mensch, der so arbeitet — ich erzähle keine Märchen und betonte ausdrücklich, daß es mir sehr wenig lieb ist, diese Wirklichkeiten schildern zu müssen —, der mag seine Stimmung, wie sie sonst bei anderen Menschen in einem schönen, frohen Liede zum Ausdruck kommt, in einem Liede wie diesem zum Ausdruck bringen:
[ 16 ] Let us compare the creative artist—who creates his works out of a desire and love for the salvation, joy, and elevation of humanity—with the workers toiling in gloomy mines, say, in Sicily. There you will find workers—and not just adult workers, but a swarm of children aged seven, eight, nine, and ten—who are being ruined in the most terrible way and who, with few exceptions, spend their lives down there. And when you recognize the impulses that drive these people to work, you will begin to understand something that is otherwise terribly difficult to grasp. There is a terrible atmosphere of hostility toward life and opposition to life when such things are experienced in the midst of those very things that are otherwise meant to evoke joy and cheerfulness in life. The person who works this way—I am not telling fairy tales, and I have expressly emphasized that I very much dislike having to describe these realities—may express his mood, which in other people is usually expressed in a beautiful, joyful song, in a song like this:
Fluch der Mutter, die mich geboren,
Fluch dem Pfarrer, der mich getauft,
... wäre ich doch ein Sch... geworden,
so würde ich doch ...1Lücke in der Nachschrift
Curse the mother who gave birth to me,
Curse the priest who baptized me,
... if only I had become a s...,
then I would have ...1Gap in the postscript
[ 17 ] Stellen Sie sich das zusammen mit den Worten: «Lust und Liebe sind die Fittiche zu großen Taten», und versuchen Sie, hieraus die Notwendigkeit einzusehen, nach einer Weltanschauung zu streben, welche die Herzen so zu vertiefen vermag, daß sie hinzugefügt werden ‚muß zu unserer menschlichen materiellen Entwickelung, weil sie etwas ist, was zur Struktur des Lebens gehört und hineingehört in die Industrie, in den Verkehr und in die Technik.
[ 17 ] Consider this in light of the words: “Desire and love are the wings of great deeds,” and try to see from this the necessity of striving for a worldview capable of deepening the heart to such an extent that it “must be added to our human material development, because it is something that belongs to the structure of life and is part of industry, transportation, and technology.”
[ 18 ] Wir vermögen aber noch in anderer Weise das Heraufkommen der Maschinen in den letzten Jahrhunderten in bezug auf Beruf und Erwerb in unsere Seelen hineinzustellen. Man braucht nicht weit zurückzugehen, da findet man den Ausspruch: «Das Handwerk hat einen goldenen Boden.» Warum? Es gab viele Leute, die hatten eine tiefe persönliche Verbindung ihrer Seele mit ihrer Arbeit und dem Produkte, das sie hervorbrachten. Versuchen Sie sich die mittelalterlichen Städte vorzustellen. Versuchen Sie, jedes Türschloß und jeden Schlüssel genau anzusehen, und versuchen Sie dann, hineinzusehen in die Werkstätten, wo diese Dinge gearbeitet worden sind. Stellen Sie sich vor, wie die Leute mit Lust und Liebe gearbeitet haben, wie der Arbeiter sozusagen ein Stück seiner Seele mitgegeben hat den Produkten, die er geschaffen hat.
[ 18 ] But we can also reflect on the rise of machines in recent centuries in terms of occupation and livelihood in other ways. You don’t have to go back very far to find the saying: “Craftsmanship is a golden opportunity.” Why? There were many people who had a deep personal connection—in their very souls—to their work and the products they created. Try to imagine the medieval towns. Try to look closely at every door lock and every key, and then try to look inside the workshops where these things were crafted. Imagine how people worked with joy and love, how the worker, so to speak, imparted a piece of his soul to the products he created.
[ 19 ] Nun versuchen Sie sich dagegen den Arbeiter der Industrie, den Arbeiter in den Fabriken vorzustellen, der nur einen kleinen Teil, dessen Zusammenhang mit dem Ganzen er nicht überschaut, ausführt und bearbeitet. Ihm fehlt die Intimität des Zusammenhangs zwischen dem, was das Produkt ist, und seiner Arbeit. Dieses persönliche Verhältnis ist etwas außerordentlich Wichtiges. Es ist etwas, was uns diese beiden Begriffe — Beruf und Erwerb — immer klarer und klarer vor die Seele stellen wird. Es ist etwas anderes sowohl in bezug auf den Erwerb als auch in bezug auf den Arbeiter, wenn der Mensch einen persönlichen Anteil an den Produkten nehmen kann, an der Form, an der Einrichtung, an dem, was das Produkt darbietet für das Auge, als wenn das einzige Interesse an dem Produkt der Erwerb ist, das heißt, was man als Lohn dafür erhält. Das eine gibt den Beruf; der spricht sich aus in der Arbeit, die zum Produkte wird. Der Erwerb spricht sich aus in demjenigen, was der Egoismus, die Selbstsucht des Menschen als Lohn für das Produkt erhält. So müssen wir die beiden Begriffe nebeneinanderstellen, und sie stellen sich Ihnen bald nebeneinander, wenn Sie den Gewerbetreibenden von ehedem zusammenstellen mit dem modernen Arbeiter. Alles ist heute anders bis ins kleinste, was sie an sich tragen und um sich herum haben. Die ganze Tragik, die in diesen Maschinen in bezug auf den Beruf und den Erwerb im Menschenleben liegt, spricht sich aus in einem schönen kleinen Gedicht, das ein leider viel zu wenig bekannter Dichter unserer neueren Zeit gedichtet hat:
[ 19 ] Now try to imagine, by contrast, the industrial worker, the factory worker, who performs and processes only a small part of the whole, the connection of which he cannot fully grasp. He lacks that intimate connection between the product itself and his work. This personal relationship is something extraordinarily important. It is something that these two concepts—profession and livelihood—will bring into ever clearer focus for us. There is a difference—both with regard to earnings and with regard to the worker—when a person can take a personal interest in the products, in their form, in their design, in what the product offers to the eye, as opposed to when the sole interest in the product is the earnings—that is, what one receives as wages for it. The former constitutes the vocation; this is expressed in the work that becomes the product. Earnings are expressed in what human selfishness receives as a reward for the product. Thus, we must juxtapose these two concepts, and they will soon present themselves side by side to you when you compare the craftsman of yesteryear with the modern worker. Everything is different today, down to the smallest detail—what they wear and what surrounds them. The entire tragedy inherent in these machines with regard to profession and livelihood in human life is expressed in a beautiful little poem written by a poet of our modern era who is, unfortunately, far too little known:
Verfallen steht im Waldesgrund,
Am Saumweg, eine Schmiede,
Draus tönt nicht mehr der Hammerschlag
Zum arbeitsfrohen Liede,
Nicht weit davon ragt in die Luft
Ein langgestreckt Gebäude,
Wo walten im Maschinenraum
Berußte Hammerleute.
Mit Nägeln aus der Dampffabrik
Wird zu der Sarg geschlagen,
In dem der verarmte Nagelschmied
Zu Grabe ward getragen.
In the depths of the forest stands a dilapidated
smithy by the forest path,
From which the hammer’s blow no longer rings out
to the song of joyful labor,
Not far from there, soaring into the air,
A long, slender building,
Where, in the machine room,
Soot-stained hammermen reign.
With nails from the steam factory
A coffin is hammered together,
In which the impoverished nail smith
Was carried to his grave.
[ 20 ] In diesen zwölf Zeilen haben Sie den Umschwung in den letzten Jahrhunderten in bezug auf Beruf und Erwerb. Wir brauchen nur die eine Zeile zu nehmen: «Aus der Schmiede tönt nicht mehr der Hammerschlag zum arbeitsfrohen Liede.» Sie drückt aus diesen Umschwung. Da tritt uns alles, um was es sich bei Beruf und Erwerb handelt, vor die Seele. Stellen wir uns einen Menschen vor, der zu seinem Hammerschlag das arbeitsfrohe Lied hat, und stellen wir uns die Seele vor, die die Seelenstimmung zu einem arbeitsfrohen Liede hat, und dann suchen wir uns die Stimmung eines Menschen zu vergegenwärtigen, der als berußter Arbeitsmann in der Fabrik steht. Nicht kann es das Amt der Geisteswissenschaft sein, etwa dieReaktion zu predigen, um die alten Verhältnisse wieder herzustellen oder Dinge zu verhindern, welche sich im Menschheitsfortschritt entwickelt haben, und die notwendigerweise kommen mußten. Nicht haben wir zu kritisieren, was notwendig geschehen mußte. Wir haben uns aber klarzumachen, daß es in dem Menschen liegt und von dem Menschen abhängt, aus ihrer geistigen Arbeit heraus für das Heil des Menschen und für den Menschheitsfortschritt aussichtsvoll zu arbeiten.
[ 20 ] These twelve lines capture the transformation that has taken place over the last few centuries with regard to work and livelihood. We need only consider this one line: “No longer does the sound of the hammer ring out from the smithy to the tune of a joyful work song.” It expresses this transformation. Everything related to occupation and livelihood comes to mind. Let us imagine a person whose joyful work song accompanies the strike of his hammer, and let us imagine the soul whose inner mood is that of a joyful work song; and then let us try to visualize the mood of a person who stands in the factory as a soot-covered laborer. It cannot be the task of spiritual science to preach, for example, a reaction aimed at restoring the old conditions or at preventing things that have developed as a result of human progress and that were bound to happen. We are not to criticize what had to happen. We must, however, realize that it lies within human beings and depends on them to work constructively, through their spiritual labor, for the well-being of humanity and for human progress.
[ 21 ] Nun werden viele sagen: Aber wir sehen doch in unserer Umgebung genügend Menschen, die gut vorbereitet sind, um nachzudenken über die soziale Frage, nachzudenken darüber, was geschehen soll. — Nun, es gibt einen gewissen Unterschied, der sehr gewaltig ist, zwischen dem, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, und dem, was die allgemeine Zeitstimmung ist. Diese allgemeine Zeitstimmung könnte man in allgemeinen Ausdrücken vor die Seele rücken. Die, welche studiert haben, sagen: Ihr Theosophen predigt, daß die Menschen besser werden sollen, daß sie Liebe entwickeln sollen und so weiter. Nun, mit solchen Kindereien von Menschenseelenentwickelung, von Menschen-Reifmachen für ein besseres Leben und zum Heil des Menschen, mit solchem befassen wir uns nicht, sondern wir wissen, daß nicht die Menschen, sondern daß es die Verhältnisse sind, auf die es ankommt. — So sagen viele, nicht bloß Professoren, sondern auch Leute an den grünen Tischen des Sozialismus. Was dort verkündigt wird, ist ebenso hochmütig wie das, was von den anderen grünen Tischen verbreitet wird. Überall wird gepredigt: Bessert die Verhältnisse, und dann kommt es schon, daß die Menschen sich bessern. — Man kann sie das deklamieren hören, die ganz gescheiten Leute, die immer wieder auftreten.
[ 21 ] Now, many will say: But we see plenty of people around us who are well-equipped to reflect on social issues, to think about what should happen. — Well, there is a certain difference—and it is a very significant one—between what spiritual science has to say and the general mood of the times. This general mood of the times could be brought before the soul in general terms. Those who have studied say: “You Theosophists preach that people should become better, that they should develop love, and so on.” Well, we do not concern ourselves with such childish notions of the development of the human soul, of preparing people for a better life and for the salvation of humanity; rather, we know that it is not people, but circumstances that matter. — So say many, not just professors, but also people at the green tables of socialism. What is proclaimed there is just as arrogant as what is spread from the other “green tables.” Everywhere, the sermon goes: Improve the conditions, and then people will naturally improve. — You can hear them declaiming this—those very clever people who keep appearing again and again.
[ 22 ] Ich könnte Ihnen viele Beispiele aus dem unmittelbaren Leben aufzählen. Nur drei Schritte von hier aus brauchte ich zu machen, und ich würde hindeuten können auf einen Punkt, wo einmal einer stand, der [von der Theosophie] sagte: Das sind törichte Ideen! Es kommt darauf an, daß die Verhältnisse gebessert werden. Wenn man ihnen bessere Lebensbedingungen gibt, dann werden die Menschen ganz von selber besser. — Dieses Lied hören wir in bezug auf die heutigen Berufs- und Erwerbsverhältnisse in allen Variationen immer wieder singen. Wenn etwas nicht stimmt, denkt man nicht, daß es an den Menschen liegt, sondern dann heißt es, man müsse ein neues Gesetz machen, damit die Verhältnisse anders werden. Und wenn etwas auf einem Gebiete nicht richtig ist, so reden sie, man müsse die unreife Menge, die, welche kein richtiges Urteil haben, schützen gegen die, welche sie auf diesem oder jenem Gebiete ausbeuten wollen. Wenn das zum Beispiel gegenüber irgendwelchen Heilsmethoden gesagt wird, dann möchte man doch fragen: Liegt es nicht näher und wäre es nicht selbstverständlicher zu sagen, daß es Pflicht ist derjenigen, welche in die Dinge hineinsehen, die Menschen aufzuklären, so daß sie sich aus eigenem Urteil an die wenden, an die sie sich wenden sollen? Nicht um die Verhältnisse kann es sich handeln, sondern einzig um die Entwicklung der Menschenseele.
[ 22 ] I could give you many examples from everyday life. I would only have to take three steps from here to point to a spot where someone once stood and said [of theosophy], “Those are foolish ideas!” What matters is that conditions are improved. If you give people better living conditions, then they will become better all on their own.”—We hear this refrain sung over and over again, in all its variations, when it comes to today’s working and economic conditions. When something is wrong, people don’t think it’s the fault of the people themselves; instead, they say a new law must be enacted so that conditions will change. And when something isn’t right in a particular area, they say we must protect the immature masses—those who lack sound judgment—against those who seek to exploit them in this or that field. When this is said, for example, in connection with certain healing methods, one is tempted to ask: Wouldn’t it be more logical and natural to say that it is the duty of those who have insight into these matters to enlighten people, so that they may, based on their own judgment, turn to those they ought to turn to? The issue cannot be about circumstances, but solely about the development of the human soul.
[ 23 ] Tief liegt in unserem Zeitdenken dieser Materialismus, der aus der atomistischen Denkweise herausgeholt und übertragen worden ist auf die sozialen Verhältnisse. Viele diskutieren über solche Sachen, doch führt das Diskutieren nur zu endlosen Debatten. Wer das Geheimnis der Diskutierkunst kennt, der weiß, daß sich über die Bedeutung des Menschen mit endlosem Für und Wider reden läßt. Es handelt sich aber nicht nur darum, daß man endlose Gründe für das Für und Wider anführen kann, sondern auch darum, daß man das Gewicht der Gründe empfindet. Ein Mensch, der berufen war, auf diesem Gebiete ein Urteil zu fällen, weil er ein genialer Mensch war, das ist der Engländer Robert Owen. Er war genial dadurch, daß er die Menschen glücklich machen wollte, aber auch dadurch, daß er ein warmes Herz hatte für das soziale Elend. Ihm ist es gelungen, geradezu eine Musterkolonie anzulegen. Da hat er Schönes erreicht. Er hat die Sache so klug gemacht, daß er zwischen die arbeitsamen Menschen, die durch ihr Beispiel wirken konnten, hingestellt hat diejenigen, welche trunksüchtig und so weiter waren. Es hat dadurch manches gute Resultat gegeben. Das hat ihn dann ermuntert, eine andere Kolonie zu gründen. Wiederum hat er es so gemacht, daß er gewisse Ideale verwirklichen wollte, die ihn erfüllten. Aber nach einiger Zeit war die Entwickelung in der Kolonie so, daß er sehen mußte, daß diejenigen, die nicht in ihrer Anlage Fleiß und Arbeitsamkeit hatten, zu Parasiten der Kolonie wurden. Da sagte er sich: Nein, und es war wie ein Bekenntnis: Mit den allgemeinen Einrichtungen muß man warten, bis die Menschen, wie er selbst, in theoretischer Beziehung auf eine gewisse Höhe gebracht sind. Nur durch die Umgestaltung der Menschenseele kann Heil und Fortschritt kommen, niemals durch bloße Einrichtungen. — Das hat ein Mann gesagt, der es sagen durfte, weil er von der vom warmen Herzen eingegebenen Auffassung ausgegangen und von der Erfahrung belehrt worden ist. Von solchen Tatsachen sollte man lernen, nicht von abstrakten Theorien. Aber was gibt ein inneres und lebensfähiges Denken auf diesem Gebiete? Ein genaues und lebensfähiges Denken auf diesem Gebiete zeigt uns, daß alle Einrichtungen, die drücken und schrecklich werden können für die Menschen, gemacht sind von Menschen. Es entstehen menschliche Einrichtungen, die die Ursache werden von Not und Elend, nur dadurch, daß sie zuerst von Menschen gemacht werden. Derjenige,derdieDinge wirklich durchschauen will, versuche einmal, den geschichtlichen Verlauf zu studieren, zu studieren, wie heute die Menschen zusammenleben, wie der eine so, der andere so gestellt ist im Leben. Wer hat sie dahin gestellt? Nicht unbestimmte soziale Mächte, sondern menschliche Gedanken, menschliche Empfindungen und menschliche Willensimpulse. Wir müssen den Satz schon einmal hinstellen: Der Mensch kann leiden nur durch den Menschen. Alles andere Leiden kommt sozial eigentlich nicht in Betracht.
[ 23 ] Deep within our conception of time lies this materialism, which has been drawn from atomistic thinking and applied to social conditions. Many people discuss such matters, but such discussions only lead to endless debates. Anyone who knows the secret of the art of debate knows that one can argue endlessly for and against the significance of human beings. However, it is not merely a matter of being able to cite endless reasons for and against, but also of sensing the weight of those reasons. One man who was called upon to pass judgment in this area—because he was a man of genius—was the Englishman Robert Owen. He was a genius not only because he wanted to make people happy, but also because he had a warm heart for social misery. He succeeded in establishing what was virtually a model colony. He achieved something wonderful there. He managed the situation so wisely that he placed those who were alcoholics and so on among the hardworking people, who could serve as role models. This yielded many positive results. That then encouraged him to found another colony. Once again, he did so with the aim of realizing certain ideals that inspired him. But after some time, developments in the colony were such that he had to acknowledge that those who were not naturally diligent and hardworking were becoming parasites on the colony. So he said to himself: “No,” and it was like a confession: “One must wait with the general institutions until people, like himself, have been raised to a certain level in theoretical terms.” Salvation and progress can come only through the transformation of the human soul, never through mere institutions.—This was said by a man who was entitled to say it, because he proceeded from a perspective inspired by a warm heart and was guided by experience. We should learn from such facts, not from abstract theories. But what constitutes inner and viable thinking in this area? Precise and viable thinking in this area shows us that all institutions—which can become oppressive and terrible for people—are created by people. Human institutions that become the cause of hardship and misery arise simply because they are first created by people. Anyone who truly wants to see things clearly should try to study the course of history, to study how people live together today, how one person is placed in life in one way and another in another. Who placed them there? Not vague social forces, but human thoughts, human feelings, and human impulses of will. We must state this once and for all: Human beings can suffer only at the hands of other human beings. All other forms of suffering are, in a social sense, actually irrelevant.
[ 24 ] Nicht zu verlangen ist es, daß der Geisteswissenschafter sich als Kritiker über die historischen Notwendigkeiten aufstellen soll. Es ist nötig, sich klarzuwerden, daß die Verhältnisse durch Menschen geschaffen werden und daß, wenn sie geschaffen sind, Elend einzig und allein durch falsche Gedanken in diese Verhältnisse hineingebracht wird. Es ist nicht schwer einzusehen, daß ein kurzes Denken, ein Denken, das keine Ahnung hat von den großen, gewaltigen Weltenzusammenhängen, keine Einrichtungen schaffen kann, die Glück und Heil in die Menschheit bringen können. Mit dem Satze, daß man selbstlos sein soll, daß man die Menschen lieben soll, ist es so, wie wenn Sie zu einem Ofen sagen: Du bist ein Ofen, sei lieb und warm; es ist deine moralische Pflicht, das Zimmer zu wärmen. — Es wird nicht warm werden! Aber wenn Sie einheizen, wird es warm! Predigen von allgemeiner Menschenliebe, das ist etwas, was man mit Selbstverständlichkeit in die Welt setzen kann. Aber das praktische Handhaben, dasjenige, was sie befähigt, in der Außenwelt so gestaltend einzugreifen, daß Heil und Segen für die Menschheit daraus erwachsen, das hängt ab von der Beziehung vom Menschen zum Menschen.
[ 24 ] It is not to be expected that the scholar of the humanities should set himself up as a critic of historical necessities. It is necessary to realize that circumstances are created by human beings and that, once they are created, misery is introduced into these circumstances solely through false ideas. It is not difficult to see that a narrow-minded way of thinking—one that has no inkling of the great, vast interconnections of the world—cannot create institutions capable of bringing happiness and salvation to humanity. The statement that one should be selfless, that one should love people, is like saying to a stove: “You are a stove; be nice and warm; it is your moral duty to heat the room.” — It won’t get warm! But if you stoke the fire, it will get warm! Preaching universal love for humanity is something one can readily proclaim to the world. But the practical application—that which enables one to intervene in the external world in such a way that salvation and blessings for humanity result from it—depends on the relationship between one person and another.
[ 25 ] Eine materialistische Zeit wird in dem Menschen nur dasjenige sehen, was man mit den Händen greifen, mit Augen wahrnehmen kann. Der Mensch ist aber mehr als das. Er ist ein geistiges, seelisches und physisches Wesen. Und alles, was den Menschen Heil und Segen bringen kann, kann nur daraus hervorgehen, daß man die gesamte menschliche Wesenheit berücksichtigt, namentlich in den komplizierten und immer komplizierter werdenden Verhältnissen der Gegenwart und Zukunft. Die Geisteswissenschaft zeigt uns dieses wahre Wesen des Menschen, zeigt uns seine Grundlage, und führt uns dadurch in ganz anderer Weise als sonst etwas zu einem Verständnis von Mensch und Welt. Dasjenige, was uns umgibt, was wir in Beruf und Erwerb in der Welt hervorbringen können, wir können es nicht anders hervorbringen als in einem arbeitsfrohen Leben. Denken Sie sich, was es ausmacht, wenn die Arbeiter wie in dem Gedicht bei dem arbeitsfrohen Lied ihre Arbeit vollbringen können. Der einzelne Hammerschmied konnte das. Er kannte die Arbeit von ihrem Anfang bis zum fertigen Produkt. Die Arbeit kann nicht aus dem Erwerb erwachsen, keinerlei Arbeit ist aus dem Erwerb erwachsen. Versuchen Sie den Blick auf die einfache Arbeit zurückzuwerfen: Im Rhythmus vollzog sie sich, der Hammer des Schmiedes schlug im Rhythmus, und das Lied begleitete den Rhythmus. Die Impulse, die zu vergleichen sind mit Lust und Liebe, die waren es, die zur Arbeit trieben. Je weiter Sie zurückgehen, desto mehr finden Sie, daß Erwerb und Beruf zwei ganz und gar verschiedene Dinge sind.
[ 25 ] A materialistic age will see in human beings only what can be grasped with the hands or perceived with the eyes. But human beings are more than that. They are spiritual, soulful, and physical beings. And everything that can bring healing and blessing to human beings can arise only from taking the entire human being into account—especially in the complex and increasingly complex circumstances of the present and the future. Spiritual science reveals to us this true nature of the human being, shows us its foundation, and thereby leads us—in a way entirely different from anything else—to an understanding of humanity and the world. What surrounds us, what we can bring forth in the world through our work and livelihood—we cannot bring it forth in any other way than through a life filled with joy in work. Imagine what a difference it makes when workers, as in the poem, can perform their work to the rhythm of a song that celebrates labor. The individual blacksmith could do this. He knew the work from its beginning to the finished product. Work cannot arise from mere livelihood; no work whatsoever arises from mere livelihood. Try to cast your gaze back to simple labor: it unfolded rhythmically, the blacksmith’s hammer struck in rhythm, and the song accompanied that rhythm. The impulses—which can be compared to joy and love—were what drove the work. The further back you go, the more you will find that livelihood and vocation are two entirely different things.
[ 26 ] Dasjenige, was der Mensch als Arbeit leistet, tut er aus einem Impuls gegenüber der Sache heraus. Etwas anderes ist es, sich einen Erwerb zu verschaffen. Das ist aber der Grund unseres modernen Elends, daß Erwerb und Beruf, daß Lohn und Arbeit eins geworden sind, zusammengefallen sind. Das ist dasjenige, worin unsere Betrachtung einmal gipfeln muß. Ein Mensch, der ein kleines Glied in der Fabrik verarbeitet in der heutigen Art und Weise, wird nimmermehr die Hingabe haben können für das Produkt, das den früheren Handwerker kennzeichnete; das ist unwiederbringlich dahin. Niemals wird es bei unseren komplizierten Verhältnissen in der Zukunft möglich sein, daß das Arbeitsfeld durchflutet wird von einem arbeitsfrohen Liede. Das ist verklungen, das Lied, das an das Produkt sich anschließt!
[ 26 ] What a person does as work, he does out of an impulse toward the task itself. Earning a living is something else entirely. But that is the root of our modern misery: that livelihood and profession, that wages and work, have become one and the same, have merged. This is the point to which our reflection must ultimately lead. A person who operates a small machine in a factory in the manner of today will never again be able to have the devotion to the product that characterized the craftsman of old; that is irretrievably lost. Given our complex circumstances, it will never again be possible in the future for the workplace to be filled with a song of joy in work. That song—the one associated with the product—has faded away!
[ 27 ] Wir fragen: Gibt es einen anderen Impuls, der als Ersatz hinzutreten kann? Wenn wir den Blick auf die Reihe der Jahre werfen, wo immer mehr Fabriken geschaffen wurden und immer mehr Menschen in die Stätten des modernen Elends zu Betrieben und Erwerb zusammengetrieben worden sind, wenn wir das alles an uns vorüberziehen lassen, dann sehen wir — mag auch vieles anders geworden sein —, daß man meint, die künftige Entwickelung an die Vergangenheit, als Lust und Liebe noch die Impulse der Arbeit waren, einfach anstücken zu können. Die Menschheit hat aber nicht einen Ersatz schaffen können, der den Menschen wieder anschließt an das Produkt. Das kann auch nicht wiedergebracht werden. Aber etwas anderes kann gemacht werden. Was kann an die Stelle treten? Wie können wieder Lust und Liebe Impulse werden, die Fittiche werden für die Tagesarbeit? Wie können sie geschaffen werden?
[ 27 ] We ask: Is there another impulse that can serve as a substitute? When we look back over the years, during which more and more factories were built and more and more people were herded into the sites of modern misery—factories and places of work—and let all of this pass before our eyes, then we see—even though much may have changed—that people believe they can simply graft future development onto the past, when pleasure and love were still the driving forces behind work. But humanity has not been able to create a substitute that reconnects people to the product. Nor can that be restored. But something else can be done. What can take its place? How can pleasure and love once again become the driving forces, the wings for daily work? How can they be created?
[ 28 ] Ja, wird mancher einwenden, schaffe einmal Impulse für eine Arbeit, welche schmutzig, schlecht und abscheulich ist! — Es gibt solche Impulse. Man versuche nur daran zu denken, was Mütter tun, wenn sie die Arbeit aus Liebe zum Kinde tun. Denken Sie daran, wozu der Mensch imstande ist, wenn er aus Liebe zu anderen Menschen etwas tut. Da braucht es keine Liebe zum Produkt der Arbeit, da braucht es ein Band zwischen Mensch und Mensch. Die Liebe zum Produkt können Sie bei der Menschheit nicht zurückbringen, denn die war an primitive, einfache Verhältnisse gebunden. Dasjenige aber, was die Zukunft bringen muß, das ist die große, allumfassende Verständigung und Liebe von Mensch zu Mensch. Ehe nicht ein jeder Mensch aus den tiefsten Impulsen, die nur eine geistige Weltbewegung zu geben vermag, den Antrieb für seine Tätigkeit finden kann, ehe er nicht imstande ist, die Arbeit aus Liebe für seine Mitmenschen zu tun, eher ist es nicht möglich, echte Impulse für eine Zukunftsentwickelung im Sinne des Menschenheils zu schaffen.
[ 28 ] Yes, some might object: “Try to find the motivation for work that is dirty, unpleasant, and abhorrent!” — Such motivation does exist. Just think about what mothers do when they work out of love for their children. Think of what human beings are capable of when they do something out of love for other people. There is no need for love of the product of one’s labor; what is needed is a bond between one person and another. You cannot restore love for the product among humanity, for that was bound to primitive, simple circumstances. But what the future must bring is the great, all-encompassing understanding and love from person to person. Until every person can find the motivation for their actions from the deepest impulses—which only a spiritual world movement can provide—and until they are able to work out of love for their fellow human beings, it will not be possible to create genuine impulses for future development in the interest of humanity’s salvation.
[ 29 ] So haben wir als Impuls hingestellt, was alle Geheimwissenschaft seit urvordenklichen Zeiten weiß. Es gibt nämlich ein Geistesgesetz, das lautet: Im sozialen Leben ist nur dasjenige für das Heil der Menschen ersprießlich, was die Menschen nicht für sich, sondern für die Gesamtheit der Menschen tun. Alle Arbeit muß zum Unheil gereichen, die die Menschen nur für sich tun. Das ist scheinbar ein harter Grundsatz, aber dieser harte Grundsatz ist das Ergebnis wahrer Erkenntnis.
[ 29 ] Thus, we have presented as a starting point what all esoteric science has known since time immemorial. For there is a spiritual law that states: In social life, the only thing that is beneficial for the welfare of humanity is what people do not for themselves, but for the whole of humanity. All work that people do solely for themselves must lead to disaster. This may seem like a harsh principle, but this harsh principle is the result of true knowledge.
[ 30 ] Das ist es, was die Theosophie oder Geisteswissenschaft der heutigen Menschheit zu bringen hat: wiederum einen solchen Satz verstehen zu lernen. Etwas, was alle Menschen oder Gruppen von Menschen umfassen soll, das ist in der materialistischen Auffassung ein ganz abstrakter Begriff geworden. Das kann keinen moralischen Impuls mehr abgeben. Besinnen Sie sich einmal, wie man von Volksseelen oder Gruppenseelen spricht. Das ist nichts Reales! Die Menschen müssen wieder Klarheit bekommen darüber, daß es Wesenheiten gibt, die in geistigen Welten leben, und daß solche Gruppenseelen leben und Realitäten sind. Wir sind in unserer Entwickelung so weit vorgeschritten, daß wir gerade in unserer Zeit dahin gekommen sind, daß es Anschauungen gibt, die genau das Gegenteil von der Geisteswissenschaft sind, die zum Beispiel in allem, was eine Gruppe, eine Zusammengehörigkeit umfaßt in der Welt, nur Formalien sehen. Die Geisteswissenschaft aber zeigt, daß in dem Sichtbaren, in dem Physischen nicht das ganze Um und Auf des Daseins enthalten ist, sondern daß allem Sichtbaren zugrunde liegt das Überphysische, das Unsinnliche, das Übersinnliche, so daß solche Dinge wie Gemeinsamkeitsgeister und Gruppengeister für uns keine Abstraktionen mehr sind. So wird es uns zu einem genauen Begriff, wenn wir sagen: Auf die Arbeit, und wenn sie noch so sehr bewertet wird, kommt es nicht an. Auf die Arbeit kommt es nur an im Menschheitszusammenhang, wenn diese Arbeit eine für die anderen Menschen ersprießliche, wie wir sagen, produktive Arbeit ist.
[ 30 ] This is what theosophy, or spiritual science, has to offer humanity today: learning to understand such a statement once again. Something that is meant to encompass all people or groups of people has become a completely abstract concept in the materialistic worldview. It can no longer provide any moral impetus. Just think about how people speak of national souls or group souls. That is not something real! People must once again gain clarity about the fact that there are beings who live in spiritual worlds, and that such group souls exist and are real. We have advanced so far in our development that, precisely in our time, we have reached a point where there are views that are the exact opposite of spiritual science—views that, for example, see only formalities in everything that encompasses a group or a sense of belonging in the world. Spiritual science, however, shows that the visible, the physical, does not contain the whole essence of existence, but that underlying all that is visible is the supraphysical, the non-sensory, the supersensible—so that things such as community spirits and group spirits are no longer abstractions for us. Thus, it becomes a precise concept for us when we say: Work, no matter how highly it is valued, is not what matters. Work matters only in the context of humanity when this work is, as we say, productive work that benefits other people.
[ 31 ] Machen Sie sich das durch ein einfaches Beispiel klar: Auf einer Insel leben zwei Menschen. Der eine bringt Dinge hervor, welche für den einen und den anderen den Hunger stillen, das Dasein möglich machen. Der andere arbeitet auch furchtbar, gräßlich viel; er beschäftigt sich damit, daß er Steine von dem einen Ort zum anderen wirft, sie emsig und arbeitsam hinwirft und schnell wieder zurückwirft. Er ist furchtbar emsig und arbeitsam, er kann schrecklich fleißig sein. Seine Arbeit hat aber gar keine Bedeutung, ist ganz wesenlos. Nicht darauf kommt es an, daß wir arbeiten, sondern darauf, daß wir Arbeit leisten, die dem anderen ersprießlich ist. Ersprießlich ist die Arbeit des Steine-Hin-und-Herwerfens nur dann, wenn sie dem Menschen, der sie verrichtet, Freude macht. Wenn er aber durch irgendwelche Einrichtungen gezwungen wird, sich für die Arbeit entlohnen zu lassen, dann ist die Arbeit bedeutungslos für den Zusammenhang. Sie muß in einem durch Weisheit und Struktur geregelten Zusammenhang stehen. Wer in den Zusammenhang hineinsieht, der weiß, daß die wichtigsten Arbeiten die sind, welche geleistet werden unabhängig vom Erwerb. Erwerb muß für sich stehen. Wie die Menschen sich gegenseitig erhalten, das ist eine Frage für sich. Der Arbeitsimpuls darf nicht im Egoismus und kann nicht im Egoismus liegen, sondern er muß aus dem Hinblick auf die Gesamtheit entstehen.
[ 31 ] Consider a simple example to illustrate this: Two people live on an island. One produces things that satisfy both their hunger and make their existence possible. The other works terribly hard, an awful lot; he spends his time throwing stones from one place to another, hurling them diligently and laboriously and quickly throwing them back again. He is terribly diligent and laborious; he can be incredibly hardworking. But his work has no meaning at all; it is completely meaningless. What matters is not that we work, but that we perform work that is beneficial to others. The work of throwing stones back and forth is beneficial only if it brings joy to the person performing it. But if he is forced by some system to accept payment for his work, then the work is meaningless in the larger context. It must be situated within a context governed by wisdom and structure. Anyone who looks into this context knows that the most important work is that which is performed independently of remuneration. Remuneration must stand on its own. How people support one another is a separate question. The impulse to work must not and cannot lie in selfishness; rather, it must arise from a consideration of the whole.
[ 32 ] Das, was der eine Mensch tut, wird von anderen Menschen benötigt. Wenn die Menschen nach dem verlangen, was ich durch meine Arbeit hervorbringe, dann mag meine Arbeit meiner Fähigkeit entsprechen, sie mag geringer sein, wenn ich geringe Fähigkeiten habe, sie kann bedeutend sein, wenn ich hohe Fähigkeiten habe, wenn die Menschen aber diese Arbeit brauchen, so ist das ein Impuls für die Arbeit, der mich zu einem arbeitsfrohen Liede stimmen kann. Dazu müssen wir aber erst die Impulse und die Fähigkeiten haben, in die Herzen der Menschen hineinzuschauen und zu sehen, daß das Herz der Menschen für uns etwas werden kann. Wenn wir uns in die Herzen der Menschen hineinzuleben verstehen, wissen wir, was das Wesen der Menschen ist; dann arbeiten wir auch in Gemeinschaft und eignen uns das soziale Denken an. Sie werden sagen, das tut kein Mensch: Steine von einem Ort zum anderen werfen. — Fortwährend geschieht das in unseren Verhältnissen, nur sehen es die Menschen nicht! Sie sehen zu kurz. Dem, der lernt, sozial zu denken, kommt es bald zum Bewußtsein. Denken Sie sich, sie säßen irgendwo und fänden eine schöne Ansichtspostkarte und Sie schrieben dann zwanzig Ansichtspostkarten, ohne etwas Besonderes mitzuteilen zu haben. Wer da tiefer hineinschaut, sieht nicht nur die Ansichtspostkarten mit den Bildern, er sieht die vielen Briefträger, welche Treppen herauf-, Treppen heruntergehen müssen. Wieviel Arbeit würde gespart werden, wenn die Karten nicht geschrieben würden!
[ 32 ] What one person does is needed by others. If people desire what I produce through my work, then my work may match my abilities; it may be modest if my abilities are limited, or it may be significant if my abilities are great. But if people need this work, that is an impetus for the work that can put me in a cheerful, song-filled mood. But to achieve this, we must first have the impulse and the ability to look into people’s hearts and see that people’s hearts can become something for us. When we know how to empathize with people’s hearts, we understand the essence of humanity; then we also work in community and adopt social thinking. You will say, “No one does that: throwing stones from one place to another.” — This happens constantly in our circumstances; people just don’t see it! Their perspective is too narrow. Those who learn to think socially soon become aware of it. Imagine you were sitting somewhere and found a beautiful postcard, and then you wrote twenty postcards without having anything in particular to say. Anyone who looks more deeply at this sees not only the postcards with the pictures, but also the many mail carriers who have to go up and down stairs. How much work would be saved if the cards weren’t written!
[ 33 ] Da kommt aber ein ganz Gescheiter, der sagt: Dadurch, daß man so viele Postkarten schreibt, dadurch erreicht man, daß ein Arbeiter nicht mehr genügt. Es wird ein anderer eingestellt, und dieser andere bekommt dadurch Brot. — Kein Mensch überlegt sich, daß auf diese Weise keine produktive Arbeit geleistet wird. Das ist die Arbeit, durch die nichts hervorgebracht wird. Dadurch, daß Sie einen Menschen zu einer Arbeit zwingen und ihm eine Entlohnung dafür verschaffen, dadurch schaffen Sie kein Heil für die Menschheit. Aber man muß in die Struktur des Daseins hineinsehen, wie sie uns nur die geisteswissenschaftliche Erziehung geben kann. Man muß sich klar sein, daß nicht bloß ein paar Nationalökonomen in diese Dinge hineinsehen sollten. Es muß jeder einzelne Mensch dahin gebracht werden, dieses soziale Denken zu entfalten, und das ist es, was aus der geisteswissenschaftlichen Weisheit als geisteswissenschaftliche Gesinnung fließt, daß des Menschen Seele offen und frei wird, daß sie dann um sich sieht Dinge, um sie zu Ende zu denken, zu schauen und zu studieren, so daß es nicht mehr heißt, man müsse für die Arbeitslosen Arbeit schaffen. Es kommt nicht darauf an, diesem oder jenem Arbeit zu geben, sondern darauf, was für Arbeit geleistet wird, eben Arbeit, die Bedürfnis ist für die Gesamtheit. Wenn wir die Sache so ansehen, dann zeigt sich uns klar, daß dasjenige, was für unsere Arbeit in Zukunft zum Impuls werden muß, was in unseren Beruf aufgenommen werden muß, die aus wirklicher Weisheit fließende Zusammengehörigkeitsempfindung mit menschlichen Gruppen sein muß, das lebendige soziale Gefühl, dasjenige, was in jeder Menschenseele Platz greifen muß. Nicht die abstrakte Liebe, nicht diejenige Liebe, die bloß von Liebe redet und bloß so weit sieht, wie ihre Nase geht, sondern nur die von Erkenntnis durchleuchtete Liebe kann eine Besserung der Verhältnisse der Menschen herbeiführen.
[ 33 ] But then along comes a very clever person who says: By writing so many postcards, you end up needing more than one worker. Another person is hired, and this other person thereby earns a living. — No one stops to consider that no productive work is being done this way. This is the kind of work that produces nothing. By forcing a person to do a job and providing him with a wage for it, you are not bringing about salvation for humanity. But one must look into the structure of existence, as only an education in spiritual science can enable us to do. One must realize that it is not merely a few economists who should look into these matters. Every single person must be led to develop this social thinking, and this is what flows from spiritual scientific wisdom as a spiritual scientific attitude: that the human soul becomes open and free, that it then looks around at things in order to think them through to their conclusion, to observe and study them, so that it is no longer a matter of having to create work for the unemployed. What matters is not giving work to this or that person, but rather what kind of work is being done—namely, work that meets the needs of the whole. If we view the matter in this way, it becomes clear to us that what must serve as the impetus for our work in the future—what must be incorporated into our profession—is the sense of belonging to human groups that flows from true wisdom, that living social feeling, which must take root in every human soul. Not abstract love, not the kind of love that merely speaks of love and sees only as far as the end of its nose, but only love illuminated by insight can bring about an improvement in human relations.
[ 34 ] Daher kann die Geisteswissenschaft nicht ein Zusammenhang sein von Dogmen, von Ideen. Die Ideen sind da um der Seele willen. Dasjenige, worauf es ankommt, sind die lebendigen Menschen. Je mehr Menschen von dieser Weisheit ergriffen und von ihr entzündet werden, desto mehr wird es wahre, reale Liebe geben, desto mehr wird es zum Fortschritt, zum Heile der Menschen dienen. So werden wir finden, daß dadurch, daß der Beruf fußt auf der Hingabe an die Menschheit, und der Erwerb fußt auf der Sorge für den Unterhalt des Menschen, daß dadurch, daß ganz in dieser Richtung gedacht wird, der Menschheit das Heil zuteil werden wird. Nicht wird der Geisteswissenschafter denken, daß das von heute auf morgen durch Dogmen geändert werden kann. Klar ist sich der, welcher fest auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, daß sich die Seele einleben kann in die tätige Liebe, und daß dadurch, daß Menschen da sind, die Erkentnisse begründen, zum Heile der Menschheit gewirkt werden kann. Dann wird ein Mensch wie Kolb nicht erst nach Amerika gehen müssen, um zu erfahren, daß es sich am grünen Tisch leicht über soziale Dinge urteilen läßt, sondern da wird eine Strömung im öffentlichen Leben ihm die Augen öffnen, er wird dann nicht mit verbundenen Augen durch die Welt gehen müssen. Das wird die beste und schönste Frucht sein der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, wenn sie die Menschen nicht zum sentimentalen Predigen von Menschenliebe und Brüderschaft verführt, sondern sie dahin bringt, mit offenem und freiem Sinn die wahre und geistige Wirklichkeit zu schauen. Dadurch wird die Menschheit mehr und mehr den Goetheschen Ausspruch erfüllen: «Von der Gewalt, die alle Wesen bindet, befreit der Mensch sich, der sich überwindet.»
[ 34 ] Therefore, spiritual science cannot be a collection of dogmas or ideas. Ideas exist for the sake of the soul. What really matters are living human beings. The more people are moved and inspired by this wisdom, the more true, real love there will be, and the more it will serve human progress and well-being. Thus we will find that because the vocation is grounded in devotion to humanity, and livelihood is grounded in concern for human sustenance—and because thinking is directed entirely in this direction—salvation will be bestowed upon humanity. The spiritual scientist will not think that this can be changed overnight through dogmas. It is clear to those who stand firmly on the ground of spiritual science that the soul can become attuned to active love, and that—because there are people who establish these insights—work can be done for the salvation of humanity. Then a person like Kolb will not first have to go to America to learn that it is easy to pass judgment on social issues from behind a desk; rather, a current in public life will open his eyes, and he will no longer have to walk through the world blindfolded. This will be the finest and most beautiful fruit of the spiritual-scientific worldview, provided it does not lead people to sentimental preaching about love of humanity and brotherhood, but rather enables them to perceive true spiritual reality with an open and free mind. In this way, humanity will increasingly fulfill Goethe’s saying: “The person who overcomes himself frees himself from the force that binds all beings.”
[ 35 ] Dieser Ausspruch gilt im umfassenden Sinne auf nationalem, beruflichem und gewerblichem Gebiet. Er gilt so, daß nur dann, wenn unsere soziale Struktur ganz beherrscht ist von diesem Grundsatz, daß unsere Arbeit nicht in den Dienst des Lohnes und Erwerbs gestellt wird, sondern unabhängig gemacht wird vom Erwerb, Ersprießliches geschaffen werden kann.
[ 35 ] This statement applies in a broad sense to the national, professional, and commercial spheres. It holds that only when our social structure is entirely governed by this principle—that our work is not subordinated to wages and profit, but is made independent of profit—can something fruitful be created.
[ 36 ] Nun gibt es natürlich Leute, die sagen, man bemühe sich allerorts, dem subjektiven Erwerbstrieb allerlei Dinge abzunehmen und sie auf die Gemeinschaft zu übertragen. Wer das sagt, könnte im Beamten das Ideal des Menschen sehen, bei dem Erwerb und Beruf getrennt sind. Es kommt aber darauf an, daß jeder einzelne Mensch die Impulse hat, aus denen das charakterisierte Heil entspringen kann. Die Einheit darf nicht als abstraktes Schemen, wie eine Wolke über dem Ganzen schweben, sondern sie muß in jeder einzelnen Seele leben, die immer hinweist auf die geistige Höhe des Weltenalls, wie sie sich spiegelt in jeder Menschenseele, Nur einer solchen Weltanschauung kann es gelingen, das zu verwirklichen, was möglich ist an Heilsamem in dem menschlichen Zusammenleben.
[ 36 ] Of course, there are people who say that efforts are being made everywhere to relieve the subjective drive for gain of all sorts of things and transfer them to the community. Those who say this might see the civil servant as the ideal of a person in whom gain and profession are separate. What matters, however, is that every individual possesses the impulses from which the salvation described above can spring. Unity must not hover over the whole like an abstract specter, like a cloud; rather, it must live in every single soul, which always points to the spiritual heights of the universe as reflected in every human soul. Only such a worldview can succeed in realizing what is possible in terms of healing within human coexistence.
[ 37 ] Das haben die großen Menschen gefühlt, gefühlt hat es ein großer Geist, von dem man heute wieder mehr redet, manche Leute um so mehr, je weniger sie ihn verstehen. Dieser Geist hat gesagt, daß durch das Aufgehen in der realen, wahren Einheit die Seligkeit über den Menschen kommt, und daß durch das Zerstreuen in die Mannigfaltigkeit und die Unterschiede alles Elend entsteht. Am meisten kommt das Elend, wenn die Menschen so in das Unterscheiden hineingetrieben werden, daß keiner etwas tut als nur um des Egoismus willen. Erst wenn der einzelne fühlt, daß er das, was er tun kann, niederlegen muß am Altar der Menschheit, wenn dieses Gefühl und dieses Denken den Menschen durchflutet, dann kann es auch im äußersten Ausmaß die Menschheit durchfluten. Wahr ist es, was Fichte gesagt hat: Alle Seligkeit liegt im Aufgehen im wahren Einen, und alle Not und alles Elend liegt im Leben im Getrenntsein und in der Unterscheidung; denn die wahre Liebe kann nur erreicht werden, wenn die Seele nicht verhärtet in dem Getrenntsein und in der Mannigfaltigkeit, sondern wenn sie die Ruhe und den Frieden findet in der wahren Gesamtheit und im gesamten Geist.
[ 37 ] This is what the great minds have felt; it was felt by a great spirit who is once again the subject of much discussion today—and some people talk about him all the more the less they understand him. This spirit has said that bliss comes to humankind through merging into real, true unity, and that all misery arises from the scattering into multiplicity and differences. Misery is greatest when people are driven so far into differentiation that no one does anything except for the sake of selfishness. Only when the individual feels that he must lay down what he can do upon the altar of humanity—when this feeling and this way of thinking permeate the individual—can it also permeate humanity to the utmost degree. It is true, as Fichte said: All bliss lies in merging with the true One, and all distress and misery lie in living in separation and distinction; for true love can only be attained when the soul is not hardened in separation and diversity, but rather when it finds rest and peace in true wholeness and in the total Spirit.
