Where and how can one find the Spirit?
GA 57
12 November 1908, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Wo und wie findet man den Geist?
4. Bibel und Weisheit I
4. Bibel und Weisheit I
[ 1 ] Es gibt in unserer Kultur ja zweifellos kein Dokument, das in so tiefer Weise und in so intensiver Art in das ganze Geistesleben eingegriffen hat wie die Bibel. Eine Geschichte, nicht von Jahrhunderten, sondern von Jahrtausenden müßte man schreiben, wenn man die Wirkung der Bibel auf die Menschheit schildern wollte. Und wenn man ganz absehen wollte von dem Einfluß dieses Dokumentes in die Breite, so würde man noch immer in bezug auf den Einfluß und die Wirkung in die Tiefen der Menschenseele in der Bibel ein Unermeßliches finden. Ja, in bezug auf den letzteren Gesichtspunkt wird vielleicht gesagt werden dürfen, daß gerade unsere heutige Zeit des Interessanten außerordentlich vieles darbietet, denn man könnte zeigen, daß heute nicht nur diejenigen, welche in schwächerem oder stärkerem Maße auf dem Boden der Bibel stehen, von diesem Menschheits-Dokumente tief beeinflußt sind, sondern daß auch sogar die, welche sich von der Bibel abgewendet haben, welche heute glauben, frei zu sein von den Einflüssen der Bibel, daß auch sogar diese, tief bedeutsam, noch immer diesen Einflüssen unterliegen. Denn die Bibel ist wahrlich nicht nur ein Dokument, obwohl sie das in hervorragendstem Maße ist, da sie die Seele erfüllt mit einer Summe von Vorstellungen über die Welt und das Leben, das der Seele also eine Weltanschauung gibt, sondern die Bibel war, durch Jahrtausende hindurch, ein gewaltiges Erziehungsmittel der Seelen. Sie hat nicht nur für das Vorstellungs Os» leben etwas bedeutet, und bedeutet dafür heute noch etwas, sondern es ist vielleicht wichtiger und wesentlicher, was wir als eine Wirkung bezeichnen müssen in bezug auf das Empfindungs- und Gefühlsleben, in bezug auf die Art der Denkgewohnheiten. Da müssen wir, wenn wir fein zuschauen, ganz gewiß heute vielfach zugeben, daß die Gefühle, die Empfindungen sogar derjenigen, welche die Bibel bekämpfen, durch die Bibel in ihren Seelen erst herangezogen worden sind.
[ 1 ] Es gibt in unserer Kultur ja zweifellos kein Dokument, das in so tiefer Weise und in so intensiver Art in das ganze Geistesleben eingegriffen hat wie die Bibel. Eine Geschichte, nicht von Jahrhunderten, sondern von Jahrtausenden müßte man schreiben, wenn man die Wirkung der Bibel auf die Menschheit schildern wollte. Und wenn man ganz absehen wollte von dem Einfluß dieses Dokumentes in die Breite, so würde man noch immer in bezug auf den Einfluß und die Wirkung in die Tiefen der Menschenseele in der Bibel ein Unermeßliches finden. Ja, in bezug auf den letzteren Gesichtspunkt wird vielleicht gesagt werden dürfen, daß gerade unsere heutige Zeit des Interessanten außerordentlich vieles darbietet, denn man könnte zeigen, daß heute nicht nur diejenigen, welche in schwächerem oder stärkerem Maße auf dem Boden der Bibel stehen, von diesem Menschheits-Dokumente tief beeinflußt sind, sondern daß auch sogar die, welche sich von der Bibel abgewendet haben, welche heute glauben, frei zu sein von den Einflüssen der Bibel, daß auch sogar diese, tief bedeutsam, noch immer diesen Einflüssen unterliegen. Denn die Bibel ist wahrlich nicht nur ein Dokument, obwohl sie das in hervorragendstem Maße ist, da sie die Seele erfüllt mit einer Summe von Vorstellungen über die Welt und das Leben, das der Seele also eine Weltanschauung gibt, sondern die Bibel war, durch Jahrtausende hindurch, ein gewaltiges Erziehungsmittel der Seelen. Sie hat nicht nur für das Vorstellungs Os» leben etwas bedeutet, und bedeutet dafür heute noch etwas, sondern es ist vielleicht wichtiger und wesentlicher, was wir als eine Wirkung bezeichnen müssen in bezug auf das Empfindungs- und Gefühlsleben, in bezug auf die Art der Denkgewohnheiten. Da müssen wir, wenn wir fein zuschauen, ganz gewiß heute vielfach zugeben, daß die Gefühle, die Empfindungen sogar derjenigen, welche die Bibel bekämpfen, durch die Bibel in ihren Seelen erst herangezogen worden sind.
[ 2 ] Aber wer nur ein wenig Umschau hält über das Geistesleben der Menschheit, insbesondere über das unserer abendländischen Menschheitund derjenigen, die mit ihr zusammenhängt, der wird bemerken, welch gewaltiger Umschwung eingetreten ist in bezug auf die Stellung der Menschheit, oder wenigstens eines großen Teiles der Menschheit, zur Bibel.
[ 2 ] Aber wer nur ein wenig Umschau hält über das Geistesleben der Menschheit, insbesondere über das unserer abendländischen Menschheitund derjenigen, die mit ihr zusammenhängt, der wird bemerken, welch gewaltiger Umschwung eingetreten ist in bezug auf die Stellung der Menschheit, oder wenigstens eines großen Teiles der Menschheit, zur Bibel.
[ 3 ] Diejenigen, die heute vielleicht noch in einer ganz unerschütterlichen Weise auf dem Boden der Bibel stehen, könnten das, worauf damit hingedeutet ist, vielleicht zu gering einschätzen. Sie könnten sagen: Mag es auch mancherlei Leute geben, die heute sich aus diesen oder jenen Gründen von der Bibel abwenden, die behaupten, daß die Bibel nicht mehr dasjenige für die Menschheit sein könne, was sie durch Jahrtausende war, so wird das vermutlich nur eine vorübergehende Zeiterscheinung sein; wir glauben an die Bibel; mögen die Herren, die glauben, auf dem Boden der Wissenschaft zu stehen, dieses oder jenes sagen, möge ihnen dieses oder jenes unwahrscheinlich klingen — uns gilt die Bibel! — Man könnte dieses Urteil, wenn man suchen wollte, unter gewissen Persönlichkeiten sehr verbreitet finden, und es ist nur natürlich, denn wer noch immer das Glück seiner Seele, die Sicherheit und die Kraft der Seele für sich aus der Bibel zu schöpfen vermag, der kann nach seiner subjektiven Beschaffenheit gar nicht genügend vieles in die Waagschale werfen gegen diejenigen Erscheinungen, die um ihn herum als Kritik und Ablehnung der Bibel vorliegen.
[ 3 ] Diejenigen, die heute vielleicht noch in einer ganz unerschütterlichen Weise auf dem Boden der Bibel stehen, könnten das, worauf damit hingedeutet ist, vielleicht zu gering einschätzen. Sie könnten sagen: Mag es auch mancherlei Leute geben, die heute sich aus diesen oder jenen Gründen von der Bibel abwenden, die behaupten, daß die Bibel nicht mehr dasjenige für die Menschheit sein könne, was sie durch Jahrtausende war, so wird das vermutlich nur eine vorübergehende Zeiterscheinung sein; wir glauben an die Bibel; mögen die Herren, die glauben, auf dem Boden der Wissenschaft zu stehen, dieses oder jenes sagen, möge ihnen dieses oder jenes unwahrscheinlich klingen — uns gilt die Bibel! — Man könnte dieses Urteil, wenn man suchen wollte, unter gewissen Persönlichkeiten sehr verbreitet finden, und es ist nur natürlich, denn wer noch immer das Glück seiner Seele, die Sicherheit und die Kraft der Seele für sich aus der Bibel zu schöpfen vermag, der kann nach seiner subjektiven Beschaffenheit gar nicht genügend vieles in die Waagschale werfen gegen diejenigen Erscheinungen, die um ihn herum als Kritik und Ablehnung der Bibel vorliegen.
[ 4 ] Dennoch wäre ein solches Urteil im Grunde genommen recht leichtsinnig. Es wäre sogar in gewisser Weise egoistisch, denn der Mensch, wenn er ein solches Urteil ausspricht, sagt sich: Mir gibt die Bibel dieses oder jenes; ob sie anderen Menschen dasselbe gibt, darum kümmere ich mich nicht. — Ein solcher Mensch gibt nicht acht darauf, daß die Menschheit im Grunde genommen ein Ganzes ist, und daß dasjenige, was zunächst in einzelnen lebt, von einzelnen gedacht und empfunden wird, hinabflutet in die ganze Menschheit und Allgemeingut wird. Wer sagt: Ich will nicht hören, was die Kritik und die Gelehrten von der Bibel heute sagen, ich kümmere mich darum nicht —, der urteilt nur für sich und denkt nicht daran, ob auch seine Nachkommen, ob diejenigen Menschen, die auf ihn folgen werden, das Glück haben können, eine solche Befriedigung aus diesem Dokumente zu gewinnen, wenn die Kritik und die Wissenschaft sich anschicken, dieses Dokument der Menschheit zu nehmen. Die Gewalt der Autoritäten, die an dem Leben dieses Dokumentes beteiligt sind, ist eine große und starke. Es heißt eigentlich doch, sich blind und taub stellen gegenüber dem, was um einen herum vorgeht, wenn man nur von dem eben charakterisierten Gesichtspunkte des naiven Glaubens, des unbeirrten Glaubens ausgehen will. Heute muß man schon hören, was bei unseren Mitmenschen das Ansehen und die Bedeutung dieses Menschheitsdokumentes erschüttern kann. Die Erschütterung, die Umwälzungen, die im Verlaufe der letzten Jahrhunderte mit Bezug auf dieses Dokument vor sich gegangen sind, sind ganz gewaltig.
[ 4 ] Dennoch wäre ein solches Urteil im Grunde genommen recht leichtsinnig. Es wäre sogar in gewisser Weise egoistisch, denn der Mensch, wenn er ein solches Urteil ausspricht, sagt sich: Mir gibt die Bibel dieses oder jenes; ob sie anderen Menschen dasselbe gibt, darum kümmere ich mich nicht. — Ein solcher Mensch gibt nicht acht darauf, daß die Menschheit im Grunde genommen ein Ganzes ist, und daß dasjenige, was zunächst in einzelnen lebt, von einzelnen gedacht und empfunden wird, hinabflutet in die ganze Menschheit und Allgemeingut wird. Wer sagt: Ich will nicht hören, was die Kritik und die Gelehrten von der Bibel heute sagen, ich kümmere mich darum nicht —, der urteilt nur für sich und denkt nicht daran, ob auch seine Nachkommen, ob diejenigen Menschen, die auf ihn folgen werden, das Glück haben können, eine solche Befriedigung aus diesem Dokumente zu gewinnen, wenn die Kritik und die Wissenschaft sich anschicken, dieses Dokument der Menschheit zu nehmen. Die Gewalt der Autoritäten, die an dem Leben dieses Dokumentes beteiligt sind, ist eine große und starke. Es heißt eigentlich doch, sich blind und taub stellen gegenüber dem, was um einen herum vorgeht, wenn man nur von dem eben charakterisierten Gesichtspunkte des naiven Glaubens, des unbeirrten Glaubens ausgehen will. Heute muß man schon hören, was bei unseren Mitmenschen das Ansehen und die Bedeutung dieses Menschheitsdokumentes erschüttern kann. Die Erschütterung, die Umwälzungen, die im Verlaufe der letzten Jahrhunderte mit Bezug auf dieses Dokument vor sich gegangen sind, sind ganz gewaltig.
[ 5 ] Noch vor wenigen Jahrhunderten hat die Bibel als etwas gegolten, das unbedingte Autorität genoß; sie galt als ein Schriftwerk höheren göttlichen Ursprungs. Dieser Glaube, diese Annahme ist seit langem erschüttert und wird immer mehr und mehr durch immer neue Gründe erschüttert werden. Zunächst war es nicht etwa unsere heutige Wissenschaft, nicht etwa die gegenwärtige Naturwissenschaft, welche sich gegen die alte Auffassung der Bibel wendete. Es war schon vor weit mehr als hundert Jahren, da wendete sich — wir dürfen den Ausdruck gebrauchen, denn wir haben ihn öfter hier erklärt — die mehr materialistisch sich gestaltende Denkgewohnhett dazu, die Bibel vom rein äußerlichen Standpunkte aus anzusehen. Sprechen wir zunächst von dem Teil der Bibel, den wir als das Alte Testament bezeichnen. Er galt, wie das Neue Testament, durch Jahrhunderte hindurch als eine Eingebung höherer Mächte. Er galt als herausgeschrieben aus einem Bewußtsein, das sich erheben konnte zu einer Wahrheitssphäre, zu der sich das sinnliche Bewußtsein nicht erheben konnte. Das erste, was den Glauben daran erschütterte, daß die Bibel aus einem höheren Menschheitsbewußtsein heraus geschrieben sei, daß ihr eine andere Autorität zukomme als irgendeiner Autorität eines menschlichen Schriftstellers, das war, daß man sich sagte: Wenn man die Bibel liest, dann stellt sich heraus, daß sie kein einheitliches Dokument ist. Nehmen wir an, was im achtzehnten Jahrhundert der französische Arzt Astruc sagte: Man sagt, die Menschen hätten unter dem Einflusse höherer Gewalten die Kapitel der Bibel, die wir als die Schöpfungsgeschichte Mosis bezeichnen, geschrieben; nun lesen wir aber die Schöpfungsgeschichte, da finden wir, daß einzelne Teile nicht zusammenstimmen; wir finden, daß stilistische und sachliche Widersprüche vorhanden sind; wir müssen daher annehmen, daß nicht ein einzelner Schriftsteller, sei es Moses oder irgendein anderer, dieses Dokument verfaßt hat, denn derjenige, der als Einzelpersönlichkeit die Verhältnisse hintereinander schildert, der würde nicht innere Widersprüche in die Sache hineinbringen.
[ 5 ] Noch vor wenigen Jahrhunderten hat die Bibel als etwas gegolten, das unbedingte Autorität genoß; sie galt als ein Schriftwerk höheren göttlichen Ursprungs. Dieser Glaube, diese Annahme ist seit langem erschüttert und wird immer mehr und mehr durch immer neue Gründe erschüttert werden. Zunächst war es nicht etwa unsere heutige Wissenschaft, nicht etwa die gegenwärtige Naturwissenschaft, welche sich gegen die alte Auffassung der Bibel wendete. Es war schon vor weit mehr als hundert Jahren, da wendete sich — wir dürfen den Ausdruck gebrauchen, denn wir haben ihn öfter hier erklärt — die mehr materialistisch sich gestaltende Denkgewohnhett dazu, die Bibel vom rein äußerlichen Standpunkte aus anzusehen. Sprechen wir zunächst von dem Teil der Bibel, den wir als das Alte Testament bezeichnen. Er galt, wie das Neue Testament, durch Jahrhunderte hindurch als eine Eingebung höherer Mächte. Er galt als herausgeschrieben aus einem Bewußtsein, das sich erheben konnte zu einer Wahrheitssphäre, zu der sich das sinnliche Bewußtsein nicht erheben konnte. Das erste, was den Glauben daran erschütterte, daß die Bibel aus einem höheren Menschheitsbewußtsein heraus geschrieben sei, daß ihr eine andere Autorität zukomme als irgendeiner Autorität eines menschlichen Schriftstellers, das war, daß man sich sagte: Wenn man die Bibel liest, dann stellt sich heraus, daß sie kein einheitliches Dokument ist. Nehmen wir an, was im achtzehnten Jahrhundert der französische Arzt Astruc sagte: Man sagt, die Menschen hätten unter dem Einflusse höherer Gewalten die Kapitel der Bibel, die wir als die Schöpfungsgeschichte Mosis bezeichnen, geschrieben; nun lesen wir aber die Schöpfungsgeschichte, da finden wir, daß einzelne Teile nicht zusammenstimmen; wir finden, daß stilistische und sachliche Widersprüche vorhanden sind; wir müssen daher annehmen, daß nicht ein einzelner Schriftsteller, sei es Moses oder irgendein anderer, dieses Dokument verfaßt hat, denn derjenige, der als Einzelpersönlichkeit die Verhältnisse hintereinander schildert, der würde nicht innere Widersprüche in die Sache hineinbringen.
[ 6 ] Ich kann alle diese Widersprüche nur ihrem Geiste nach skizzieren: Da müßten alte Urkunden von verschiedenen Seiten her genommen und durch mancherlei Schriftsteller zusammenkombiniert worden sein. Das war sozusagen ein erstes, das sich gegen die Bibel richtete.
[ 6 ] Ich kann alle diese Widersprüche nur ihrem Geiste nach skizzieren: Da müßten alte Urkunden von verschiedenen Seiten her genommen und durch mancherlei Schriftsteller zusammenkombiniert worden sein. Das war sozusagen ein erstes, das sich gegen die Bibel richtete.
[ 7 ] Nun wollen wir, abgesehen von dem, wie sich die Dinge abgespielt haben, den Geist dieser Art von Opposition gegen den geistigen Ursprung der Bibel einmal charakterisieren. Man sieht da, wie gleich im Anfange in gewaltigen, überwältigenden Bildern die Schöpfung entrollt wird. In ihr werden das sogenannte Sechs- bis Sieben-Tagewerk erzählt. Es wird da weiter erzählt, wie innerhalb dieser Schöpfung der Mensch entstanden ist, wie er in die Sünde kam, wie er weiter und weiter sich von Generation zu Generation bildete. Da bemerkt man, daß in den ersten Teilen, in den ersten Versen, für die göttlichen Gewalten, für den Gott, eine andere Bezeichnung gewählt ist, als vom vierten Verse des zweiten Kapitels an. Man sieht da, daß tatsächlich diese zwei Bezeichnungen, die Bezeichnung für das Göttliche als die Elohim und die Bezeichnung des Göttlichen als Jahve oder Jehova, abwechseln. Da muß man sich fragen: Soll ein Schriftsteller das Göttliche mit zwei verschiedenen Namen bezeichnet haben? Woher kann das kommen? Man sagt sich, daß derjenige oder diejenigen, welche zuletzt das Dokument zusammenstellten, alte Traditionen oder auch alte Urkunden gefunden haben, die sie zusammengekoppelt und daraus ein Ganzes gemacht haben. Der eine kann von diesem Volksstamme, der andere von einem anderen Volksstamme gekommen sein, und das habe man zusammengekopgpelt. Das ist sozusagen skizzenhaft das eine, das sich geltend macht. Von diesem ausgehend bemerkt man, immer weiter und weiter gehend, daß ähnliche und auch andere Widersprüche auftauchen. So kam man immer mehr dahin, die ursprünglichen Urkunden in verschiedene Stücke zu sondern und zu zerreißen. Und wenn heute jemand zusammenstellen wollte eine Bibel, wie es ja geschehen ist, aus den verschiedenen Stücken und Fragmenten, aus denen man endlich glaubte, daß sie zusammengesetzt sein müsse, wenn jemand mit blauen Buchstaben druckte alles dasjenige, was man zur einen Urkunde rechnet, mit roten Buchstaben, was zur anderen, mit grünen Buchstaben, was zur dritten und so weiter, dann würde ein merkwürdiges Dokument zusammenkommen. Es ist aber schon zustandegekommen — die sogenannte Regenbogen-Bibel!
[ 7 ] Nun wollen wir, abgesehen von dem, wie sich die Dinge abgespielt haben, den Geist dieser Art von Opposition gegen den geistigen Ursprung der Bibel einmal charakterisieren. Man sieht da, wie gleich im Anfange in gewaltigen, überwältigenden Bildern die Schöpfung entrollt wird. In ihr werden das sogenannte Sechs- bis Sieben-Tagewerk erzählt. Es wird da weiter erzählt, wie innerhalb dieser Schöpfung der Mensch entstanden ist, wie er in die Sünde kam, wie er weiter und weiter sich von Generation zu Generation bildete. Da bemerkt man, daß in den ersten Teilen, in den ersten Versen, für die göttlichen Gewalten, für den Gott, eine andere Bezeichnung gewählt ist, als vom vierten Verse des zweiten Kapitels an. Man sieht da, daß tatsächlich diese zwei Bezeichnungen, die Bezeichnung für das Göttliche als die Elohim und die Bezeichnung des Göttlichen als Jahve oder Jehova, abwechseln. Da muß man sich fragen: Soll ein Schriftsteller das Göttliche mit zwei verschiedenen Namen bezeichnet haben? Woher kann das kommen? Man sagt sich, daß derjenige oder diejenigen, welche zuletzt das Dokument zusammenstellten, alte Traditionen oder auch alte Urkunden gefunden haben, die sie zusammengekoppelt und daraus ein Ganzes gemacht haben. Der eine kann von diesem Volksstamme, der andere von einem anderen Volksstamme gekommen sein, und das habe man zusammengekopgpelt. Das ist sozusagen skizzenhaft das eine, das sich geltend macht. Von diesem ausgehend bemerkt man, immer weiter und weiter gehend, daß ähnliche und auch andere Widersprüche auftauchen. So kam man immer mehr dahin, die ursprünglichen Urkunden in verschiedene Stücke zu sondern und zu zerreißen. Und wenn heute jemand zusammenstellen wollte eine Bibel, wie es ja geschehen ist, aus den verschiedenen Stücken und Fragmenten, aus denen man endlich glaubte, daß sie zusammengesetzt sein müsse, wenn jemand mit blauen Buchstaben druckte alles dasjenige, was man zur einen Urkunde rechnet, mit roten Buchstaben, was zur anderen, mit grünen Buchstaben, was zur dritten und so weiter, dann würde ein merkwürdiges Dokument zusammenkommen. Es ist aber schon zustandegekommen — die sogenannte Regenbogen-Bibel!
[ 8 ] Das uralte, ehrwürdige Dokument ist da, man möchte sagen, in einzelne Lappen zerlegt, aus denen es bestehen und aus denen es zusammengefügt sein soll. Die Bibel ist natürlich ein Dokument, von dem man aber glaubt, nachweisen zu können, daß es nicht etwa von Moses herrührt, sondern daß Teile davon sogar aus verhältnismäßig später Zeit stammen von diesem oder jenem Priesterkollegium, während andere Teile der Bibel zusammengestellt seien aus Sagen und Mythen, die man von da und dort zusammengetragen habe aus religiösen Anschauungen dieser oder jener Schule. Was auf diese Weise ein Ganzes geworden ist, das kann nicht gelten als etwas, was durch eine Erhebung des Bewußtseins der Menschenseele, welches hineinschauen kann in die geistigen Welten, in die Geschichte hineingebracht worden wäre.
[ 8 ] Das uralte, ehrwürdige Dokument ist da, man möchte sagen, in einzelne Lappen zerlegt, aus denen es bestehen und aus denen es zusammengefügt sein soll. Die Bibel ist natürlich ein Dokument, von dem man aber glaubt, nachweisen zu können, daß es nicht etwa von Moses herrührt, sondern daß Teile davon sogar aus verhältnismäßig später Zeit stammen von diesem oder jenem Priesterkollegium, während andere Teile der Bibel zusammengestellt seien aus Sagen und Mythen, die man von da und dort zusammengetragen habe aus religiösen Anschauungen dieser oder jener Schule. Was auf diese Weise ein Ganzes geworden ist, das kann nicht gelten als etwas, was durch eine Erhebung des Bewußtseins der Menschenseele, welches hineinschauen kann in die geistigen Welten, in die Geschichte hineingebracht worden wäre.
[ 9 ] Nun darf niemand glauben, daß diese beiden Vorträge, die ich heute und am Sonnabend zu halten habe, bestimmt sein sollen, irgendwie den Fleiß und die Emsigkeit der eben nur flüchtig skizzierten Arbeiten herabzusetzen. Wer die Dinge kennt, die so verwendet worden sind als geistige Hilfsmittel, die Bibel in kleine Stücke zu zerreißen und als kleine Stücke zu erklären, dem zeigen sich der Fleiß und die Emsigkeit und die Forschergeschicklichkeit der ganzen Arbeiten. Sie zeigen sich dem, der es versteht, als das Gewaltigste, was vielleicht in der Wissenschaft geleistet worden ist. Nicht in bezug auf das Formale, nicht in bezug auf das Emsige des Forschens läßt sich etwas Gleiches finden. Wenn man nun das etwas näher betrachtet, was als Folge dieser Forscherarbeit, die von den modernen Theologen geleistet worden ist, also gerade von denjenigen, die vermöge ihres Berufes fest glauben, auf dem Boden des Christentums zu stehen, so müssen wir uns sagen: es muß dazu führen, das Verhältnis zur Bibel ganz anders zu gestalten als es durch Jahrhunderte hindurch war. Wenn diese Forschung ihre Früchte trägt, wird die Bibel nicht mehr sein können — es würde viel dazugehören, dies im einzelnen zu begründen —, es würde die Bibel nicht mehr sein können das Dokument, das den Menschen tröstet und aufrichtet in den traurigsten Angelegenheiten des Lebens.
[ 9 ] Nun darf niemand glauben, daß diese beiden Vorträge, die ich heute und am Sonnabend zu halten habe, bestimmt sein sollen, irgendwie den Fleiß und die Emsigkeit der eben nur flüchtig skizzierten Arbeiten herabzusetzen. Wer die Dinge kennt, die so verwendet worden sind als geistige Hilfsmittel, die Bibel in kleine Stücke zu zerreißen und als kleine Stücke zu erklären, dem zeigen sich der Fleiß und die Emsigkeit und die Forschergeschicklichkeit der ganzen Arbeiten. Sie zeigen sich dem, der es versteht, als das Gewaltigste, was vielleicht in der Wissenschaft geleistet worden ist. Nicht in bezug auf das Formale, nicht in bezug auf das Emsige des Forschens läßt sich etwas Gleiches finden. Wenn man nun das etwas näher betrachtet, was als Folge dieser Forscherarbeit, die von den modernen Theologen geleistet worden ist, also gerade von denjenigen, die vermöge ihres Berufes fest glauben, auf dem Boden des Christentums zu stehen, so müssen wir uns sagen: es muß dazu führen, das Verhältnis zur Bibel ganz anders zu gestalten als es durch Jahrhunderte hindurch war. Wenn diese Forschung ihre Früchte trägt, wird die Bibel nicht mehr sein können — es würde viel dazugehören, dies im einzelnen zu begründen —, es würde die Bibel nicht mehr sein können das Dokument, das den Menschen tröstet und aufrichtet in den traurigsten Angelegenheiten des Lebens.
[ 10 ] Dazu kommt noch etwas anderes, nämlich, daß für zahlreiche Menschen, die sich umgesehen haben im Bereiche der naturwissenschaftlichen Forschung, die sich umgesehen haben in der Geologie, in der Entwickelungsgeschichte des Tier- und Pflanzenlebens, umgesehen haben in der Kulturgeschichte, in der Anthropologie und so weiter, daß für diese Menschen kaum noch eine Möglichkeit vorhanden ist, sich bei dem, was sie in der Bibel lesen, etwas zu denken. Man muß auch in dieser Beziehung gerecht sein und sich nicht einfach auf den Boden des naiven Glaubens stellen und sagen, daß das nichts zu bedeuten hat. Es sind oft diejenigen, die am gewissenhaftesten sind in ihrem Wahrheitsgefühl, in ihrem Erkenntnisdrang, die sich sagen: Wenn ich durch die auf sicherem Boden stehende Forschung sehe, wie sich die Erde entwickelt hat durch geologische Perioden hindurch, wie wir gewisse Hypothesen für die Sache haben, wie die Astronomie zeigt, wie sich die Erde aus einem Nebel von höherer Temperatur heraus zu der heutigen Gestalt entwickelt hat, wie sich das Unlebendige herausentwickelt hat und aus diesem Unlebendigen die lebendige Wesenheit, wie sich nach und nach alles von dem Einfachen bis zum Kompliziertesten, dem Menschen, entwickelt hat, wie die Kulturformen zu den heutigen komplizierten Formen aufgestiegen sind, wenn wir sehen, was die Geologie zeigt, welche gewaltigen Zeiträume nötig waren, um die Erde zu erhalten, als sie noch nicht Amphibien, noch nicht Säugetiere hervorgebracht hatte, wenn wir das alles überblicken und auf uns wirken lassen — so sagen uns zahlreiche Persönlichkeiten —, was sollen wir da machen, wenn uns die Bibel erzählt, daß in sechs bis sieben Tagen die Welt erschaffen worden sein soll? Weder mit der Schöpfung in sechs bis sieben Tagen noch mit irgend etwas anderem können wir etwas anfangen. Was können wir anfangen mit der Sintflut, mit der wunderbaren Rettung des Noah, wenn wir lesen, daß Noah so viele Tiere in die Arche gebracht hat, und so weiter? — So kommt es, daß manche mit Würde und ernstem Wahrheitssinn begabte Menschen jene scharfe und schneidige Opposition gegen die Bibel energisch vertreten, die sich von dem heutigen naturwissenschaftlichen Standpunkte aus ergibt, insofern sie sich zu einer Weltanschauung erweitern will. Das alles ist in unserer Weltanschauung vorhanden. Das alles können wir nicht wegleugnen.
[ 10 ] Dazu kommt noch etwas anderes, nämlich, daß für zahlreiche Menschen, die sich umgesehen haben im Bereiche der naturwissenschaftlichen Forschung, die sich umgesehen haben in der Geologie, in der Entwickelungsgeschichte des Tier- und Pflanzenlebens, umgesehen haben in der Kulturgeschichte, in der Anthropologie und so weiter, daß für diese Menschen kaum noch eine Möglichkeit vorhanden ist, sich bei dem, was sie in der Bibel lesen, etwas zu denken. Man muß auch in dieser Beziehung gerecht sein und sich nicht einfach auf den Boden des naiven Glaubens stellen und sagen, daß das nichts zu bedeuten hat. Es sind oft diejenigen, die am gewissenhaftesten sind in ihrem Wahrheitsgefühl, in ihrem Erkenntnisdrang, die sich sagen: Wenn ich durch die auf sicherem Boden stehende Forschung sehe, wie sich die Erde entwickelt hat durch geologische Perioden hindurch, wie wir gewisse Hypothesen für die Sache haben, wie die Astronomie zeigt, wie sich die Erde aus einem Nebel von höherer Temperatur heraus zu der heutigen Gestalt entwickelt hat, wie sich das Unlebendige herausentwickelt hat und aus diesem Unlebendigen die lebendige Wesenheit, wie sich nach und nach alles von dem Einfachen bis zum Kompliziertesten, dem Menschen, entwickelt hat, wie die Kulturformen zu den heutigen komplizierten Formen aufgestiegen sind, wenn wir sehen, was die Geologie zeigt, welche gewaltigen Zeiträume nötig waren, um die Erde zu erhalten, als sie noch nicht Amphibien, noch nicht Säugetiere hervorgebracht hatte, wenn wir das alles überblicken und auf uns wirken lassen — so sagen uns zahlreiche Persönlichkeiten —, was sollen wir da machen, wenn uns die Bibel erzählt, daß in sechs bis sieben Tagen die Welt erschaffen worden sein soll? Weder mit der Schöpfung in sechs bis sieben Tagen noch mit irgend etwas anderem können wir etwas anfangen. Was können wir anfangen mit der Sintflut, mit der wunderbaren Rettung des Noah, wenn wir lesen, daß Noah so viele Tiere in die Arche gebracht hat, und so weiter? — So kommt es, daß manche mit Würde und ernstem Wahrheitssinn begabte Menschen jene scharfe und schneidige Opposition gegen die Bibel energisch vertreten, die sich von dem heutigen naturwissenschaftlichen Standpunkte aus ergibt, insofern sie sich zu einer Weltanschauung erweitern will. Das alles ist in unserer Weltanschauung vorhanden. Das alles können wir nicht wegleugnen.
[ 11 ] Nun entsteht aber die Frage: Sind wirklich alle die Dinge berücksichtigt, die der Bibel gegenüber zu berücksichtigen sind, wenn entweder der erste, der historische, oder der zweite, der naturgeschichtliche Standpunkt geltend gemacht wird? Da muß gesagt werden, daß es heute schon einen dritten Gesichtspunkt gibt gegenüber der Bibel, einen Gesichtspunkt, der sich aus jener realen Forschungsmethode und menschlichen Anschauungsweise heraus entwickelt, die in diesen Vorträgen als die geisteswissenschaftliche oder anthroposophische charakterisiert wird. Mit diesem Gesichtspunkte gegenüber der Bibel haben wir uns heute und übermorgen zu befassen. Was ist dies für ein Gesichtspunkt? Man sagt heute vielfach, der Mensch dürfe sich nicht auf eine äußere Autorität stützen, er müsse voraussetzungslos an die Welt und an das Leben herangehen und die Wahrheit erforschen, und man glaubt gerade die Bibel zu treffen, wenn man sich auf einen solchen Gesichtspunkt begibt. Trift man in Wahrheit damit die Bibel? Es läßt sich dasjenige, was der geisteswissenschafliche oder anthroposophische Standpunkt der Bibel gegenüber ist, unbedingt vergleichen mit etwas, was sich vor einigen Jahrhunderten in bezug auf etwas anderes, wenn auch minder Bedeutendes, für die Menschheit zugetragen hat. Wir werden uns am leichtesten verständigen können über den geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt der Bibel gegenüber, wenn wir einen Vergleich mit den Umwälzungen in bezug auf die Anschauung von der Erde machen.
[ 11 ] Nun entsteht aber die Frage: Sind wirklich alle die Dinge berücksichtigt, die der Bibel gegenüber zu berücksichtigen sind, wenn entweder der erste, der historische, oder der zweite, der naturgeschichtliche Standpunkt geltend gemacht wird? Da muß gesagt werden, daß es heute schon einen dritten Gesichtspunkt gibt gegenüber der Bibel, einen Gesichtspunkt, der sich aus jener realen Forschungsmethode und menschlichen Anschauungsweise heraus entwickelt, die in diesen Vorträgen als die geisteswissenschaftliche oder anthroposophische charakterisiert wird. Mit diesem Gesichtspunkte gegenüber der Bibel haben wir uns heute und übermorgen zu befassen. Was ist dies für ein Gesichtspunkt? Man sagt heute vielfach, der Mensch dürfe sich nicht auf eine äußere Autorität stützen, er müsse voraussetzungslos an die Welt und an das Leben herangehen und die Wahrheit erforschen, und man glaubt gerade die Bibel zu treffen, wenn man sich auf einen solchen Gesichtspunkt begibt. Trift man in Wahrheit damit die Bibel? Es läßt sich dasjenige, was der geisteswissenschafliche oder anthroposophische Standpunkt der Bibel gegenüber ist, unbedingt vergleichen mit etwas, was sich vor einigen Jahrhunderten in bezug auf etwas anderes, wenn auch minder Bedeutendes, für die Menschheit zugetragen hat. Wir werden uns am leichtesten verständigen können über den geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkt der Bibel gegenüber, wenn wir einen Vergleich mit den Umwälzungen in bezug auf die Anschauung von der Erde machen.
[ 12 ] Da sehen wir das ganze Mittelalter herauf, in allen Schulen, niederen und höheren, das, was in bezug auf die äußere Natur gelehrt worden ist, anknüpfen an alte Schriften, allerdings an Schriften einer großen und gewaltigen Persönlichkeit, an die Schriften des alten griechischen Philosophen und Naturforschers Aristoteles. Also wenn Sie mit mir zurückgehen könnten an die Stätten des Geisteslebens der älteren Zeit, so würden Sie finden, daß nicht vorgetragen wurde in alten Schulen und Lehrstätten, was in Laboratorien gefunden worden ist, sondern das, was in den Büchern des Aristoteles gedruckt war. Aristoteles war die Autorität und seine Bücher waren die Bibel der damaligen Naturwissenschaft. Und überall, wo man darüber vortrug, lehrte man nur das, was Aristoteles über die Dinge schon gesagt hatte. Nun kamen die Zeiten, in denen eine neue Morgenröte heranbrach in bezug auf die Anschauung der Natur, die neue Art der Naturanschauung von Kopernikus, Kepler und Galilei und all den anderen bis auf den heutigen Tag. Was war der Grundnerv dieser Morgenröte? Während man vorher den Aristoteles als festen Ausgangspunkt genommen hatte, und so wie er gesprochen hat über die Natur sprach, wendeten nun Kopernikus, Kepler und Galilei ihren eigenen Beobachtungs- und Forschungssinn an. Sie schauten selbst in die Natur hinaus und untersuchten, was das Leben ihnen zeigen konnte, So wollten sie die Natur beschreiben und erklären nach dem, was sie selbst gesehen hatten. Da kamen sie in manchen Widerspruch mit dem, was die streng Aristoteles-Gläubigen lehrten.
[ 12 ] Da sehen wir das ganze Mittelalter herauf, in allen Schulen, niederen und höheren, das, was in bezug auf die äußere Natur gelehrt worden ist, anknüpfen an alte Schriften, allerdings an Schriften einer großen und gewaltigen Persönlichkeit, an die Schriften des alten griechischen Philosophen und Naturforschers Aristoteles. Also wenn Sie mit mir zurückgehen könnten an die Stätten des Geisteslebens der älteren Zeit, so würden Sie finden, daß nicht vorgetragen wurde in alten Schulen und Lehrstätten, was in Laboratorien gefunden worden ist, sondern das, was in den Büchern des Aristoteles gedruckt war. Aristoteles war die Autorität und seine Bücher waren die Bibel der damaligen Naturwissenschaft. Und überall, wo man darüber vortrug, lehrte man nur das, was Aristoteles über die Dinge schon gesagt hatte. Nun kamen die Zeiten, in denen eine neue Morgenröte heranbrach in bezug auf die Anschauung der Natur, die neue Art der Naturanschauung von Kopernikus, Kepler und Galilei und all den anderen bis auf den heutigen Tag. Was war der Grundnerv dieser Morgenröte? Während man vorher den Aristoteles als festen Ausgangspunkt genommen hatte, und so wie er gesprochen hat über die Natur sprach, wendeten nun Kopernikus, Kepler und Galilei ihren eigenen Beobachtungs- und Forschungssinn an. Sie schauten selbst in die Natur hinaus und untersuchten, was das Leben ihnen zeigen konnte, So wollten sie die Natur beschreiben und erklären nach dem, was sie selbst gesehen hatten. Da kamen sie in manchen Widerspruch mit dem, was die streng Aristoteles-Gläubigen lehrten.
[ 13 ] Es ist mehr als eine bloße Anekdote, es bezeichnet die tiefe Wahrheit eines Prozesses, der sich damals abgespielt hat, wenn erzählt wird, daß ein Aristoteles-Gläubiger aufgefordert wurde, sich doch einmal am menschlichen Körper, an einer Leiche selber anzusehen, daß es nicht richtig ist, daß die Nerven vom Herzen ausgehen — wie Aristoteles lehrt —, sondern daß sie vom Gehirn ausgehen. Da ließ sich der Aristoteles-Gläubige bewegen, sich das anzuschauen. Dann sagte er aber: Wenn ich das anschaue, dann scheint es, daß die Natur dem Aristoteles widersprechen würde. Aber wenn die Natur dem Aristoteles widerspricht, so glaube ich nicht der Natur, sondern dem Aristoteles. — So stand die Naturwissenschaft gegenüber der Tradition. Die Anschauung des Forschers wurde gegenüber dem, was als Tradition durch Jahrhunderte sich fortgepflanzt hatte und nachgesprochen worden ist, abgelehnt. Wenn wir die Schriften Giordano Brunos lesen, sehen wir die Opposition gegenüber Aristoteles aus dem neuen Geist, der erzählt und erklärt, was der Mensch selber sehen sollte.
[ 13 ] Es ist mehr als eine bloße Anekdote, es bezeichnet die tiefe Wahrheit eines Prozesses, der sich damals abgespielt hat, wenn erzählt wird, daß ein Aristoteles-Gläubiger aufgefordert wurde, sich doch einmal am menschlichen Körper, an einer Leiche selber anzusehen, daß es nicht richtig ist, daß die Nerven vom Herzen ausgehen — wie Aristoteles lehrt —, sondern daß sie vom Gehirn ausgehen. Da ließ sich der Aristoteles-Gläubige bewegen, sich das anzuschauen. Dann sagte er aber: Wenn ich das anschaue, dann scheint es, daß die Natur dem Aristoteles widersprechen würde. Aber wenn die Natur dem Aristoteles widerspricht, so glaube ich nicht der Natur, sondern dem Aristoteles. — So stand die Naturwissenschaft gegenüber der Tradition. Die Anschauung des Forschers wurde gegenüber dem, was als Tradition durch Jahrhunderte sich fortgepflanzt hatte und nachgesprochen worden ist, abgelehnt. Wenn wir die Schriften Giordano Brunos lesen, sehen wir die Opposition gegenüber Aristoteles aus dem neuen Geist, der erzählt und erklärt, was der Mensch selber sehen sollte.
[ 14 ] Heute stehen wir der ganzen Sache schon wieder anders gegenüber. Wir stehen anders gegenüber der unmittelbaren naturwissenschaftlichen Beobachtung und auch gegenüber Aristoteles. Wir wissen, daß vieles von dem, was im Mittelalter aus ihm herausgelesen worden ist, nur mißverständliches Auslegen seiner Schriften war. Aristoteles war aus dem Geiste seiner Zeit heraus selbst ein Forscher, der unmittelbar hineinblickte in die Natur und das wiedergab, was er zu sagen verstand. Und wenn wir Aristoteles richtig verstehen, wenn wir eingehen können auf das, was er sagte, dann erscheint er uns nicht mehr in jenem Widerspruch, in dem er zu stehen schien für die damalige Zeit, zur unmittelbaren wissenschaftlichen Beobachtung. Dann können wir wieder seine Bewunderer werden, denn gerade bei der Tatsache des Ausgehens der Nerven vom Herzen statt vom Gehirn zeigt es sich, daß er etwas ganz anderes gemeint hat, nämlich etwas, das selbst für unsere Zeit noch richtig ist.
[ 14 ] Heute stehen wir der ganzen Sache schon wieder anders gegenüber. Wir stehen anders gegenüber der unmittelbaren naturwissenschaftlichen Beobachtung und auch gegenüber Aristoteles. Wir wissen, daß vieles von dem, was im Mittelalter aus ihm herausgelesen worden ist, nur mißverständliches Auslegen seiner Schriften war. Aristoteles war aus dem Geiste seiner Zeit heraus selbst ein Forscher, der unmittelbar hineinblickte in die Natur und das wiedergab, was er zu sagen verstand. Und wenn wir Aristoteles richtig verstehen, wenn wir eingehen können auf das, was er sagte, dann erscheint er uns nicht mehr in jenem Widerspruch, in dem er zu stehen schien für die damalige Zeit, zur unmittelbaren wissenschaftlichen Beobachtung. Dann können wir wieder seine Bewunderer werden, denn gerade bei der Tatsache des Ausgehens der Nerven vom Herzen statt vom Gehirn zeigt es sich, daß er etwas ganz anderes gemeint hat, nämlich etwas, das selbst für unsere Zeit noch richtig ist.
[ 15 ] In einer ganz ähnlichen Art steht die geisteswissenschaftliche Forschung nicht nur zu diesen Dokumenten — den Schriften des Aristoteles —, sondern auch zu dem abendländischen Urdokument, zur Bibel. Was sich im sechzehnten Jahrhundert und seitdem in bezug auf die Beobachtung und Erforschung der äußeren Natur abgespielt hat, das spielt sich heute wieder ab in bezug auf die Erforschung der geistigen Untergründe der Welt. Aus dem Geiste jener Forschung heraus, die in den drei letzten Vorträgen charakterisiert worden ist, sucht die Menschheit wieder einzudringen in diejenigen Welten, die nicht mit den äußeren Sinnen wahrnehmbar sind, die aber wahrnehmbar sind für die höher entwickelten Sinne des Menschen, für die geistigen Sinne des Menschen, durch die wir ebenso in die geistige Welt hinein sehen können, wie wir durch die physischen Sinne in die physische Welt hinein sehen können. Es braucht hier nicht weiter ausgeführt zu werden, weil es ja schon öfter gesagt worden ist, daß der Mensch fähig ist, in sich die Kräfte zu entwickeln, daß er nicht nur die sinnlichen Dinge wahrnehmen kann, sondern daß er zwischen und hinter dem Sinnlichen eine geistige Welt wahrnehmen kann, eine geistige Welt, die viel realer ist als die sinnliche Welt. Es hatte seinen guten Grund, daß die Menschheit eine Weile die Methoden der geistigen Forschung vergaß. Die großen Fortschritte, die großen Eroberungen in der physischen Welt wurden gemacht dadurch, daß die Instrumente so vervollkommnet wurden, wie es in den letzten Jahrhunderten der Fall war. Aber wenn das eine in der menschlichen Natur sich vergrößert, dann treten andere Fähigkeiten in den Hintergrund. So sehen wir, wie in den letzten Jahrhunderten die naturwissenschaftlichen Methoden für die äußere physische Tatsachenwelt aufblühten. Niemals sind in der großartigen Weise mehr Instrumente gefunden worden, um der Natur die Geheimnisse abzulauschen und ihre Gesetze zu erforschen. In ungeheurer Weise sind die Fähigkeiten, die Bezug hierauf haben, vergrößert und vervollkommnet worden, aber zurückgetreten sind die Fähigkeiten, durch welche der Mensch hineinschauen kann in die geistige Welt. Und so ist es nicht zu verwundern, wenn der Mensch zu dem Glauben gekommen ist, daß aus dem materiellen, stofflichen Dasein auch das Geistige erklärt werden kann. |
[ 15 ] In einer ganz ähnlichen Art steht die geisteswissenschaftliche Forschung nicht nur zu diesen Dokumenten — den Schriften des Aristoteles —, sondern auch zu dem abendländischen Urdokument, zur Bibel. Was sich im sechzehnten Jahrhundert und seitdem in bezug auf die Beobachtung und Erforschung der äußeren Natur abgespielt hat, das spielt sich heute wieder ab in bezug auf die Erforschung der geistigen Untergründe der Welt. Aus dem Geiste jener Forschung heraus, die in den drei letzten Vorträgen charakterisiert worden ist, sucht die Menschheit wieder einzudringen in diejenigen Welten, die nicht mit den äußeren Sinnen wahrnehmbar sind, die aber wahrnehmbar sind für die höher entwickelten Sinne des Menschen, für die geistigen Sinne des Menschen, durch die wir ebenso in die geistige Welt hinein sehen können, wie wir durch die physischen Sinne in die physische Welt hinein sehen können. Es braucht hier nicht weiter ausgeführt zu werden, weil es ja schon öfter gesagt worden ist, daß der Mensch fähig ist, in sich die Kräfte zu entwickeln, daß er nicht nur die sinnlichen Dinge wahrnehmen kann, sondern daß er zwischen und hinter dem Sinnlichen eine geistige Welt wahrnehmen kann, eine geistige Welt, die viel realer ist als die sinnliche Welt. Es hatte seinen guten Grund, daß die Menschheit eine Weile die Methoden der geistigen Forschung vergaß. Die großen Fortschritte, die großen Eroberungen in der physischen Welt wurden gemacht dadurch, daß die Instrumente so vervollkommnet wurden, wie es in den letzten Jahrhunderten der Fall war. Aber wenn das eine in der menschlichen Natur sich vergrößert, dann treten andere Fähigkeiten in den Hintergrund. So sehen wir, wie in den letzten Jahrhunderten die naturwissenschaftlichen Methoden für die äußere physische Tatsachenwelt aufblühten. Niemals sind in der großartigen Weise mehr Instrumente gefunden worden, um der Natur die Geheimnisse abzulauschen und ihre Gesetze zu erforschen. In ungeheurer Weise sind die Fähigkeiten, die Bezug hierauf haben, vergrößert und vervollkommnet worden, aber zurückgetreten sind die Fähigkeiten, durch welche der Mensch hineinschauen kann in die geistige Welt. Und so ist es nicht zu verwundern, wenn der Mensch zu dem Glauben gekommen ist, daß aus dem materiellen, stofflichen Dasein auch das Geistige erklärt werden kann. |
[ 16 ] Aber wir stehen in der heutigen Zeit vor dem Einbruch einer Epoche, wo es der Menschheit wieder zum Bewußtsein kommt, daß es auch noch andere Instrumente und Werkzeuge gibt, als diejenigen im physikalischen und physiologischen Laboratorium, wo sie in so ausgezeichneter Weise benützt werden. Allerdings haben wir es zu tun mit einem Instrument, das sich gründlich unterscheidet von den anderen. Wir haben es mit dem Grund- und Ur-Instrument zu tun, das wir im Menschen selbst zu erblicken haben. Der Mensch ist es, den wir im Laufe des Winters durch die Methoden der Konzentration und der Meditation kennenlernen werden. Das sind andere Methoden, die der Mensch auf seine Seele anwenden kann, und durch die er dazu kommt, daß er die Umwelt in einer ganz anderen Weise sieht als er sie vorher gesehen hat. Er kann dazu kommen, daß er sich sagen kann: Ich bin wie ein operierter Blindgeborener, der vorher ableugnen konnte die Farben und das Licht der Welt. — Eingetreten ist aber für ihn nun der Moment, daß er selber sehen konnte. Er konnte nun sehen, daß hinter dem, was die Sinne und der Verstand wahrnehmen, noch etwas anderes ist. Jetzt sieht er hinein in die geistigen Dinge; jetzt weiß er, nicht hypothetisch, nicht durch spekulative Philosophien, daß das Sinnliche, das Stoffliche nur wie eine Verdichtung ist des Geistigen, daß das, was wir mit den Sinnen sehen, sich so zu einem Geistigen hinter ihm verhält, wie sich Eis zu Wasser verhält. Das Wasser ist dünn, das Eis ist fest, und der, welcher das Wasser nicht sehen könnte, aber das Eis sehen kann, der würde sagen: Es ist nichts um das Eis herum da. — So sagt der, welcher nur mit den Sinnen sehen kann, es gebe nichts in weitem Umkreis als sinnliche Vorgänge, nichts als sinnliches Geschehen.
[ 16 ] Aber wir stehen in der heutigen Zeit vor dem Einbruch einer Epoche, wo es der Menschheit wieder zum Bewußtsein kommt, daß es auch noch andere Instrumente und Werkzeuge gibt, als diejenigen im physikalischen und physiologischen Laboratorium, wo sie in so ausgezeichneter Weise benützt werden. Allerdings haben wir es zu tun mit einem Instrument, das sich gründlich unterscheidet von den anderen. Wir haben es mit dem Grund- und Ur-Instrument zu tun, das wir im Menschen selbst zu erblicken haben. Der Mensch ist es, den wir im Laufe des Winters durch die Methoden der Konzentration und der Meditation kennenlernen werden. Das sind andere Methoden, die der Mensch auf seine Seele anwenden kann, und durch die er dazu kommt, daß er die Umwelt in einer ganz anderen Weise sieht als er sie vorher gesehen hat. Er kann dazu kommen, daß er sich sagen kann: Ich bin wie ein operierter Blindgeborener, der vorher ableugnen konnte die Farben und das Licht der Welt. — Eingetreten ist aber für ihn nun der Moment, daß er selber sehen konnte. Er konnte nun sehen, daß hinter dem, was die Sinne und der Verstand wahrnehmen, noch etwas anderes ist. Jetzt sieht er hinein in die geistigen Dinge; jetzt weiß er, nicht hypothetisch, nicht durch spekulative Philosophien, daß das Sinnliche, das Stoffliche nur wie eine Verdichtung ist des Geistigen, daß das, was wir mit den Sinnen sehen, sich so zu einem Geistigen hinter ihm verhält, wie sich Eis zu Wasser verhält. Das Wasser ist dünn, das Eis ist fest, und der, welcher das Wasser nicht sehen könnte, aber das Eis sehen kann, der würde sagen: Es ist nichts um das Eis herum da. — So sagt der, welcher nur mit den Sinnen sehen kann, es gebe nichts in weitem Umkreis als sinnliche Vorgänge, nichts als sinnliches Geschehen.
[ 17 ] Wir müssen aber vordringen in dieses übersinnliche Gebiet, in dieses übersinnliche Geschehen, dann können wir auch das Geistige erkennen und erklären. Wer sich also keine geistigen Ohren und Augen ausgestaltet hat, der sieht in der ganzen Welt nichts als eine Verdichtung, so wie Eis im Wasser, und es erscheint ihm nicht die Urmutter der Substanz, das Geistige, in dem das Sinnliche nur eingebettet ist. Wenn uns der Geologe zeigt, wie etwa ein Mensch sich befindet, der in das Weltall hinaus einen Stuhl setzen könnte und zuschauen könnte, wie sich die Welt entwikkelt hat: Der äußere sinnliche Anblick würde ein solcher sein, wie die Naturwissenschaft es schildert. Gegen das, was die Naturwissenschaft im positiven Sinne zu sagen hat, hat die Geisteswissenschaft nichts einzuwenden. Aber es zeigt sich dem, der da in richtiger Art in der Naturwissenschaft Bescheid weiß, daß vor dem ersten Entstehen des Physischen das Geistige da war. Da zeigt sich, wie der Fortschritt nur möglich wurde dadurch, daß das Geistige dazwischen mitwirkte, und daß am meisten der Geist an der Entwickelung beteiligt ist.
[ 17 ] Wir müssen aber vordringen in dieses übersinnliche Gebiet, in dieses übersinnliche Geschehen, dann können wir auch das Geistige erkennen und erklären. Wer sich also keine geistigen Ohren und Augen ausgestaltet hat, der sieht in der ganzen Welt nichts als eine Verdichtung, so wie Eis im Wasser, und es erscheint ihm nicht die Urmutter der Substanz, das Geistige, in dem das Sinnliche nur eingebettet ist. Wenn uns der Geologe zeigt, wie etwa ein Mensch sich befindet, der in das Weltall hinaus einen Stuhl setzen könnte und zuschauen könnte, wie sich die Welt entwikkelt hat: Der äußere sinnliche Anblick würde ein solcher sein, wie die Naturwissenschaft es schildert. Gegen das, was die Naturwissenschaft im positiven Sinne zu sagen hat, hat die Geisteswissenschaft nichts einzuwenden. Aber es zeigt sich dem, der da in richtiger Art in der Naturwissenschaft Bescheid weiß, daß vor dem ersten Entstehen des Physischen das Geistige da war. Da zeigt sich, wie der Fortschritt nur möglich wurde dadurch, daß das Geistige dazwischen mitwirkte, und daß am meisten der Geist an der Entwickelung beteiligt ist.
[ 18 ] So weist uns diese geistige Weltanschauungsströmung darauf hin, daß es möglich ist, daß der Mensch sich zum Instrumente macht für dieErforschung der wichtigen Grundlagen der Welt, und so kommt unsere Anschauung endlich dazu, die geistigen Urgründe und Anfänge selbst zu erforschen. So steht die Geisteswissenschaft da, unabhängig von jedem Dokument. Sie sagt: Wir forschen zunächst nicht in einem Dokumente. Wir forschen nicht, wie es einst gemacht wurde, in den Büchern des Aristoteles, wir forschen in der geistigen Welt. Wir stellen uns so ein: Dasjenige, was Sie als gewöhnliche Schulgeometrie lernen, die Euklidsche Geometrie, sie wurde in ihren ersten Anfängen durch Euklid, den großen Mathematiker, niedergeschrieben. Wir können das als Dokument heute nehmen und es historisch auffassen. Aber wer heute in der Schule Geometrie lernt, lernt der noch nach dem Elementarbuche des Euklid? Man arbeitet, lernt und erkennt heute an den Dingen selber. Konstruiert man zum Beispiel ein Dreieck, so zeigen sich dem Geiste die inneren Gesetzmäßigkeiten aus der Sache selber. Mit dem, was Sie so gewonnen haben, können Sie dann an Euklid herantreten und erkennen, was er schon in seinem Lehrbuche verzeichnet hat. So auch forscht der Geisteswissenschafter, unabhängig von Büchern, nur durch seine Organe, wie sich die Welt entwickelt hat. Und er findet so die Entwickelung der Welt, die Entwickelung der Erde in jener Zeit, bevor die Erde in ihrer heutigen Form sich herausktistallisiert hat. Er erforscht die geistigen Vorgänge und findet, wie an einem bestimmten Punkte unser Geist im irdischen Dasein einsetzt;er zeigt, wie derMensch als ein erster auftritt und nicht sich entwickelt hat aus untergeordneten Geschöpfen, sondern als Nachkomme geistiger Wesenheiten, die zuerst da waren.
[ 18 ] So weist uns diese geistige Weltanschauungsströmung darauf hin, daß es möglich ist, daß der Mensch sich zum Instrumente macht für dieErforschung der wichtigen Grundlagen der Welt, und so kommt unsere Anschauung endlich dazu, die geistigen Urgründe und Anfänge selbst zu erforschen. So steht die Geisteswissenschaft da, unabhängig von jedem Dokument. Sie sagt: Wir forschen zunächst nicht in einem Dokumente. Wir forschen nicht, wie es einst gemacht wurde, in den Büchern des Aristoteles, wir forschen in der geistigen Welt. Wir stellen uns so ein: Dasjenige, was Sie als gewöhnliche Schulgeometrie lernen, die Euklidsche Geometrie, sie wurde in ihren ersten Anfängen durch Euklid, den großen Mathematiker, niedergeschrieben. Wir können das als Dokument heute nehmen und es historisch auffassen. Aber wer heute in der Schule Geometrie lernt, lernt der noch nach dem Elementarbuche des Euklid? Man arbeitet, lernt und erkennt heute an den Dingen selber. Konstruiert man zum Beispiel ein Dreieck, so zeigen sich dem Geiste die inneren Gesetzmäßigkeiten aus der Sache selber. Mit dem, was Sie so gewonnen haben, können Sie dann an Euklid herantreten und erkennen, was er schon in seinem Lehrbuche verzeichnet hat. So auch forscht der Geisteswissenschafter, unabhängig von Büchern, nur durch seine Organe, wie sich die Welt entwickelt hat. Und er findet so die Entwickelung der Welt, die Entwickelung der Erde in jener Zeit, bevor die Erde in ihrer heutigen Form sich herausktistallisiert hat. Er erforscht die geistigen Vorgänge und findet, wie an einem bestimmten Punkte unser Geist im irdischen Dasein einsetzt;er zeigt, wie derMensch als ein erster auftritt und nicht sich entwickelt hat aus untergeordneten Geschöpfen, sondern als Nachkomme geistiger Wesenheiten, die zuerst da waren.
[ 19 ] Wir können zurückgehen in frühere Zeiten, wo noch die geistigen Urgründe waren. Wir finden da den Menschen mit diesen geistigen Vorgängen verknüpft, und erst später entwickeln sich zu dem Menschen hinzu die niederen Geschöpfe. So wie in der Entwickelung überhaupt gewisse Dinge zurückbleiben und andere sich herausentwickeln, so ist auch hier das Niedere von dem Höheren abgezweigt, abgegangen. Der Geistesforscher weiß, daß geistige Forschungsorgane entwickelt werden können durch Methoden, die der Geistesforscher zu zeigen vermag.
[ 19 ] Wir können zurückgehen in frühere Zeiten, wo noch die geistigen Urgründe waren. Wir finden da den Menschen mit diesen geistigen Vorgängen verknüpft, und erst später entwickeln sich zu dem Menschen hinzu die niederen Geschöpfe. So wie in der Entwickelung überhaupt gewisse Dinge zurückbleiben und andere sich herausentwickeln, so ist auch hier das Niedere von dem Höheren abgezweigt, abgegangen. Der Geistesforscher weiß, daß geistige Forschungsorgane entwickelt werden können durch Methoden, die der Geistesforscher zu zeigen vermag.
[ 20 ] So lehrt die Geistesforschung Weltentstehung und -werden nach Gesetzmäßigkeiten, die unabhängig sind von jedem Dokumente, nur aus den eigenen Gesetzmäßigkeiten heraus, so wie auch die heutige Erlernung der Mathematik nicht gebunden ist daran, wie sie sich im Laufe der Geschichte entwickelt hat.
[ 20 ] So lehrt die Geistesforschung Weltentstehung und -werden nach Gesetzmäßigkeiten, die unabhängig sind von jedem Dokumente, nur aus den eigenen Gesetzmäßigkeiten heraus, so wie auch die heutige Erlernung der Mathematik nicht gebunden ist daran, wie sie sich im Laufe der Geschichte entwickelt hat.
[ 21 ] Und so, wie sich der Forscher von dieser Weisheit ein Wissen angeeignet hat, so geht er an die Bibel heran, so schaut er jetzt die Bibel an. Und jetzt zeigt sich uns, warum sowohl vom Gesichtspunkte der historisch-kritischen Bibelforschung wie auch vom Gesichtspunkte der naturwissenschaftlichen Forschung Widersprüche in der Bibel sind. Beide Gesichtspunkte kommen aus einem einzigen großen Irrtum, der dadurch entstanden ist, daß man allgemein glaubte, die Wahrheiten der Bibel von physischsinnlichen Wahrnehmungs- und Beobachtungsstandpunkten aus auffassen zu sollen. Man meinte, es sei möglich, mit solchen Maßstäben an die Bibel heranzutreten. Man hatte noch nicht die Forschungsergebnisse der anthroposophischen Geisteswissenschaft.
[ 21 ] Und so, wie sich der Forscher von dieser Weisheit ein Wissen angeeignet hat, so geht er an die Bibel heran, so schaut er jetzt die Bibel an. Und jetzt zeigt sich uns, warum sowohl vom Gesichtspunkte der historisch-kritischen Bibelforschung wie auch vom Gesichtspunkte der naturwissenschaftlichen Forschung Widersprüche in der Bibel sind. Beide Gesichtspunkte kommen aus einem einzigen großen Irrtum, der dadurch entstanden ist, daß man allgemein glaubte, die Wahrheiten der Bibel von physischsinnlichen Wahrnehmungs- und Beobachtungsstandpunkten aus auffassen zu sollen. Man meinte, es sei möglich, mit solchen Maßstäben an die Bibel heranzutreten. Man hatte noch nicht die Forschungsergebnisse der anthroposophischen Geisteswissenschaft.
[ 22 ] Es soll jetzt an einzelnen Beispielen gezeigt werden, was eben gesagt worden ist. Die Geisteswissenschaft zeigt uns, daß wir bei der Erforschung der irdischen Schöpfung zunächst mit den Methoden der Geologie und so weiter nur bis zu einem gewissen Punkte kommen, und daß dann die Menschheitsentwickelung weiter zurück ins Unbestimmte zu verlaufen scheint. Und warum? Niemals, soviel sie auch hoffen mag, wird die sinnliche Wissenschaft den Menschen bis zum Ursprunge verfolgen können, aus dem Grunde, weil die sinnliche Wissenschaft nur das Sinnliche finden kann. Aber dem Sinnlichen im Menschen ist das Seelische und Geistige vorangegangen. Der Mensch war zuerst Seele und noch früher Geist, und er ist dann heruntergestiegen in das Erdendasein. Nur insofern beim Heruntersteigen des Menschen in das Erdendasein das physische Leben beteiligt ist, kann uns die Naturwissenschaft diesen Entwikkelungsgang zeigen. Das seelische Leben können wir nicht mit den gewöhnlichen Kräften der sinnlichen Beobachtung erforschen. Auch die Geologie kann uns keinen Leitfaden bieten. Sie bietet uns die Erforschung desjenigen, was zurückgeblieben ist an sinnlich wahrnehmbaren Materien. Sie kann also nur angeben, was man sehen würde, wenn man einen Stuhl in das Weltall hätte hinaus setzen können und von dort alles gesehen hätte, was sich auf der Erde entwickelt hat. Darauf geht die Geisteswissenschaft nicht ein. Aber um den Menschen in urferner Vergangenheit als Geistwesen zu sehen, dazu muß man die geistigen Augen und die geistigen Ohren entwickelt haben. Hat man diese nicht, dann verschwindet das Seelische und Geistige des Menschen dem Blick. Hat man aber die geistigen Augen, dann verschwindet das Sinnliche, und es ersteht das geistige Bild. Das kann man aber nicht in derselben Weise sehen wie das Sinnliche. Man muß sich ganz andere Begriffe über das Erkennen aneignen, wenn man in solche Urzeiten zurückgehen will. Was man da vom Menschen sich entwickeln sieht, als er erst Seele war, das zeigt sich nicht in sinnlichen gegenständlichen Wahrnehmungen wie die äußere Sinneswelt sie bietet. Das zeigt sich uns in Bildern. Unser Bewußtsein wird durch die Entwickelung der inneren Kräfte der Seele das, was wir ein Bilderbewußtsein, ein imaginatives Bewußtsein nennen. Es ist dann das Bewußtsein ausgefüllt mit Bildern. Wir sehen in einem anderen Bewußtseinszustande das, was sich damals abgespielt hat, jetzt in Bildern. Bildhaft ist das, was so im Innern des Sehers vorgeht.
[ 22 ] Es soll jetzt an einzelnen Beispielen gezeigt werden, was eben gesagt worden ist. Die Geisteswissenschaft zeigt uns, daß wir bei der Erforschung der irdischen Schöpfung zunächst mit den Methoden der Geologie und so weiter nur bis zu einem gewissen Punkte kommen, und daß dann die Menschheitsentwickelung weiter zurück ins Unbestimmte zu verlaufen scheint. Und warum? Niemals, soviel sie auch hoffen mag, wird die sinnliche Wissenschaft den Menschen bis zum Ursprunge verfolgen können, aus dem Grunde, weil die sinnliche Wissenschaft nur das Sinnliche finden kann. Aber dem Sinnlichen im Menschen ist das Seelische und Geistige vorangegangen. Der Mensch war zuerst Seele und noch früher Geist, und er ist dann heruntergestiegen in das Erdendasein. Nur insofern beim Heruntersteigen des Menschen in das Erdendasein das physische Leben beteiligt ist, kann uns die Naturwissenschaft diesen Entwikkelungsgang zeigen. Das seelische Leben können wir nicht mit den gewöhnlichen Kräften der sinnlichen Beobachtung erforschen. Auch die Geologie kann uns keinen Leitfaden bieten. Sie bietet uns die Erforschung desjenigen, was zurückgeblieben ist an sinnlich wahrnehmbaren Materien. Sie kann also nur angeben, was man sehen würde, wenn man einen Stuhl in das Weltall hätte hinaus setzen können und von dort alles gesehen hätte, was sich auf der Erde entwickelt hat. Darauf geht die Geisteswissenschaft nicht ein. Aber um den Menschen in urferner Vergangenheit als Geistwesen zu sehen, dazu muß man die geistigen Augen und die geistigen Ohren entwickelt haben. Hat man diese nicht, dann verschwindet das Seelische und Geistige des Menschen dem Blick. Hat man aber die geistigen Augen, dann verschwindet das Sinnliche, und es ersteht das geistige Bild. Das kann man aber nicht in derselben Weise sehen wie das Sinnliche. Man muß sich ganz andere Begriffe über das Erkennen aneignen, wenn man in solche Urzeiten zurückgehen will. Was man da vom Menschen sich entwickeln sieht, als er erst Seele war, das zeigt sich nicht in sinnlichen gegenständlichen Wahrnehmungen wie die äußere Sinneswelt sie bietet. Das zeigt sich uns in Bildern. Unser Bewußtsein wird durch die Entwickelung der inneren Kräfte der Seele das, was wir ein Bilderbewußtsein, ein imaginatives Bewußtsein nennen. Es ist dann das Bewußtsein ausgefüllt mit Bildern. Wir sehen in einem anderen Bewußtseinszustande das, was sich damals abgespielt hat, jetzt in Bildern. Bildhaft ist das, was so im Innern des Sehers vorgeht.
[ 23 ] Das Rudiment, das von der Sehergabe noch vorhanden ist, das ist der Traum. Der ist aber chaotisch. Das Sehen des ausgebildeten Sehers ist auch in solchen Bildern vorhanden, aber diese Bilder entsprechen der Wirklichkeit. Es ist ähnlich dem, wie der physisch-sinnliche Mensch unterscheiden kann, ob seine Vorstellungen der Wirklichkeit entsprechen oder nur eine Phantasie sind. Wer bei dem Satze stehenbleiben will: «Die Welt ist meine Vorstellung» und «Die äußeren Dinge regen nur die Vorstellung an», dem möchte ich zu erwägen geben, er soll sich ein Stück glühendes Eisen in seine Nähe bringen lassen und fühlen, wie es brennt. Er soll es dann wegnehmen lassen und fühlen, ob die bloße Vorstellung auch noch so brennt. Es gibt eben etwas, was die bloße Vorstellung unterscheidet von der Wahrnehmung, die durch den äußeren Gegenstand angeregt ist. Man darf daher nicht sagen, daß der Seher nur in Phantasmen lebt. Er hat eben auf diesem Felde sich so entwickelt, daß er unterscheiden kann, was bloße Phantastik ist, oder was Bild ist für die Wirklichkeit einer geistigseelischen Welt. So werden die Bilder das Ausdruck mittel für eine geistig-seelische Welt. Blickt der Seher zurück in Zeiten, bevor sich ihm sinnliche Gegenstände darstellen, so stellen sich ihm die wahren geistigen Wesenheiten und Begebenheiten den übersinnlichen Wahrnehmungsorganen dar. Der Geistesforscher spricht nicht von Kräften, die Abstraktionen sind, sondern von wirklichen Wesenheiten. Für ihn werden die geistigen Erscheinungen zu Wahrheiten und zu Wesenheiten, und für ihn bevölkert sich die geistige Welt wieder mit geistigen Wesenheiten.
[ 23 ] Das Rudiment, das von der Sehergabe noch vorhanden ist, das ist der Traum. Der ist aber chaotisch. Das Sehen des ausgebildeten Sehers ist auch in solchen Bildern vorhanden, aber diese Bilder entsprechen der Wirklichkeit. Es ist ähnlich dem, wie der physisch-sinnliche Mensch unterscheiden kann, ob seine Vorstellungen der Wirklichkeit entsprechen oder nur eine Phantasie sind. Wer bei dem Satze stehenbleiben will: «Die Welt ist meine Vorstellung» und «Die äußeren Dinge regen nur die Vorstellung an», dem möchte ich zu erwägen geben, er soll sich ein Stück glühendes Eisen in seine Nähe bringen lassen und fühlen, wie es brennt. Er soll es dann wegnehmen lassen und fühlen, ob die bloße Vorstellung auch noch so brennt. Es gibt eben etwas, was die bloße Vorstellung unterscheidet von der Wahrnehmung, die durch den äußeren Gegenstand angeregt ist. Man darf daher nicht sagen, daß der Seher nur in Phantasmen lebt. Er hat eben auf diesem Felde sich so entwickelt, daß er unterscheiden kann, was bloße Phantastik ist, oder was Bild ist für die Wirklichkeit einer geistigseelischen Welt. So werden die Bilder das Ausdruck mittel für eine geistig-seelische Welt. Blickt der Seher zurück in Zeiten, bevor sich ihm sinnliche Gegenstände darstellen, so stellen sich ihm die wahren geistigen Wesenheiten und Begebenheiten den übersinnlichen Wahrnehmungsorganen dar. Der Geistesforscher spricht nicht von Kräften, die Abstraktionen sind, sondern von wirklichen Wesenheiten. Für ihn werden die geistigen Erscheinungen zu Wahrheiten und zu Wesenheiten, und für ihn bevölkert sich die geistige Welt wieder mit geistigen Wesenheiten.
[ 24 ] Nun stellen Sie sich den Menschen vor in seiner vorzeitlichen Entwickelung, als eine Wesenskraft eingegriffen hat in seine Evolution, in seine ganze Gestalt, daß diese Wesenskraft sich unterscheidet, ganz genau unterscheidet von anderen Wesenheiten, die roch früher eingegriffen haben. Wir können das Geistig-Seelische des Menschen, das ja schon übersinnlich ist, noch weiter zurückverfolgen; wir können es in noch höhere Sphären zurückverfolgen. Dann aber muß der Geistesforscher — wenn er in diese noch höheren Sphären kommt, in denen noch höhere Wesenheiten leben —, wenn er von diesen Wesenheiten spricht, auch als von anderen Wesenheiten sprechen.
[ 24 ] Nun stellen Sie sich den Menschen vor in seiner vorzeitlichen Entwickelung, als eine Wesenskraft eingegriffen hat in seine Evolution, in seine ganze Gestalt, daß diese Wesenskraft sich unterscheidet, ganz genau unterscheidet von anderen Wesenheiten, die roch früher eingegriffen haben. Wir können das Geistig-Seelische des Menschen, das ja schon übersinnlich ist, noch weiter zurückverfolgen; wir können es in noch höhere Sphären zurückverfolgen. Dann aber muß der Geistesforscher — wenn er in diese noch höheren Sphären kommt, in denen noch höhere Wesenheiten leben —, wenn er von diesen Wesenheiten spricht, auch als von anderen Wesenheiten sprechen.
[ 25 ] Tritt nun der Geistesforscher an den Anfang der Bibel heran, da zeigt sich ihm, daß mit wunderbarer Treue die Bilder gegeben sind, die uns das Seelisch-Geistige in der Entwickelung des Menschen darstellen, bevor er in das physische Leben herausgetreten ist. Der Geistesforscher kann, wenn er seine eigenen Imaginationen, die er in seinem Inneren hat, dann in den äußeren Dokumenten wieder findet, sich sagen, daß er diese als Wahrheit erkennt. Wenn er nun zurückgeht in die Zeiten, wo der Mensch den noch höheren Sphären angeschlossen war, da muß er für diese Grundwesen einen anderen Namen wählen, und er findet, daß die Kapitel, die dem vierten Vers des zweiten Kapitels vorangehen, tatsächlich einen anderen Gottesnamen haben. Genau mit den Ergebnissen der Geistesforschung stimmt es überein, daß vom vierten Vers des zweiten Kapitels an für die Darstellung der Urwelten-Entwikkelung ein neuer Gottesname auftritt. So sehen wir uns mit der Geistesforschung in derselben Lage, in der sich heute ein Kenner der Geometrie befindet. Er kann Geometrie aus sich finden, und dann weiß er das Werk des Euklid zu schätzen, der dasselbe gefunden hat. So sehen wir die Entwickelung in den wunderbaren Bildern des Alten Testamentes, und jetzt zeigt sich uns etwas höchst Merk würdiges. Licht und hell wird es über dem Texte der Bibel, wie es nicht hell und licht werden konnte bei den wissenschaftlichen Kritikern.
[ 25 ] Tritt nun der Geistesforscher an den Anfang der Bibel heran, da zeigt sich ihm, daß mit wunderbarer Treue die Bilder gegeben sind, die uns das Seelisch-Geistige in der Entwickelung des Menschen darstellen, bevor er in das physische Leben herausgetreten ist. Der Geistesforscher kann, wenn er seine eigenen Imaginationen, die er in seinem Inneren hat, dann in den äußeren Dokumenten wieder findet, sich sagen, daß er diese als Wahrheit erkennt. Wenn er nun zurückgeht in die Zeiten, wo der Mensch den noch höheren Sphären angeschlossen war, da muß er für diese Grundwesen einen anderen Namen wählen, und er findet, daß die Kapitel, die dem vierten Vers des zweiten Kapitels vorangehen, tatsächlich einen anderen Gottesnamen haben. Genau mit den Ergebnissen der Geistesforschung stimmt es überein, daß vom vierten Vers des zweiten Kapitels an für die Darstellung der Urwelten-Entwikkelung ein neuer Gottesname auftritt. So sehen wir uns mit der Geistesforschung in derselben Lage, in der sich heute ein Kenner der Geometrie befindet. Er kann Geometrie aus sich finden, und dann weiß er das Werk des Euklid zu schätzen, der dasselbe gefunden hat. So sehen wir die Entwickelung in den wunderbaren Bildern des Alten Testamentes, und jetzt zeigt sich uns etwas höchst Merk würdiges. Licht und hell wird es über dem Texte der Bibel, wie es nicht hell und licht werden konnte bei den wissenschaftlichen Kritikern.
[ 26 ] Ein Forscher sagte: Was die Elohim taten, das muß von einer anderen Seite herrühren, als das, was von Jahve kommt. Wenn man das im Ernste anwenden will, dann ist es sonderbar. Wir wollen es einmal versuchen. Stellen wir uns diese Bibelstelle einmal vor: «Die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott der Herr gemacht hatte, . und sie sprach zu dem Weibe: Hat Gott euch nicht gesagt, «Ihr sollt von keinem Baume des Gartens essen»». Wenn nun statt «Elohim» oder «Jahve» nur «Gott» steht, so ist das nicht richtig übersetzt. Es ist sonderbar. Im Urtext heißt es: «Die Schlange war listig..., die Jahve Gott gemacht hatte.» Und da wo es heißt «Hat Gott euch nicht gesagt: «Ihr dürft von keinem Baume des Gartens essen>», da steht im Urtext nicht « Jahve» sondern da steht «die Elohim». Nun fährt das Weib fort und zwar immer so, daß sie von «Gott» spricht. Und im achten Vers heißt es dann: «Und sie hörten die Stimme Gottes, des Herrn.» Aber es heißt im Urtext: die Stimme des Jahve-Gottes. — Nun hätten wir die Geschichte von der Schlange so zusammengestellt, daß erklärlich wird, daß diejenigen, welche die Namen «Jahve» oder «Elohim» gebraucht haben, damit verschiedene Wesenheiten meinten. Das rührt nach Meinung der Bibelkritiker von verschiedenen Traditionen her. Und von der Elohim-Tradition rührt her die Stelle «Hat Gott euch nicht gesagt: «Ihr sollt von keinem Baume des Gartens essen!». — Sie sehen, es wird wirklich aus Lappen die Bibel so zusammengesetzt, daß selbst mitten in den Sätzen die verschiedenen Traditionen zusammengenommen sind.
[ 26 ] Ein Forscher sagte: Was die Elohim taten, das muß von einer anderen Seite herrühren, als das, was von Jahve kommt. Wenn man das im Ernste anwenden will, dann ist es sonderbar. Wir wollen es einmal versuchen. Stellen wir uns diese Bibelstelle einmal vor: «Die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes, die Gott der Herr gemacht hatte, . und sie sprach zu dem Weibe: Hat Gott euch nicht gesagt, «Ihr sollt von keinem Baume des Gartens essen»». Wenn nun statt «Elohim» oder «Jahve» nur «Gott» steht, so ist das nicht richtig übersetzt. Es ist sonderbar. Im Urtext heißt es: «Die Schlange war listig..., die Jahve Gott gemacht hatte.» Und da wo es heißt «Hat Gott euch nicht gesagt: «Ihr dürft von keinem Baume des Gartens essen>», da steht im Urtext nicht « Jahve» sondern da steht «die Elohim». Nun fährt das Weib fort und zwar immer so, daß sie von «Gott» spricht. Und im achten Vers heißt es dann: «Und sie hörten die Stimme Gottes, des Herrn.» Aber es heißt im Urtext: die Stimme des Jahve-Gottes. — Nun hätten wir die Geschichte von der Schlange so zusammengestellt, daß erklärlich wird, daß diejenigen, welche die Namen «Jahve» oder «Elohim» gebraucht haben, damit verschiedene Wesenheiten meinten. Das rührt nach Meinung der Bibelkritiker von verschiedenen Traditionen her. Und von der Elohim-Tradition rührt her die Stelle «Hat Gott euch nicht gesagt: «Ihr sollt von keinem Baume des Gartens essen!». — Sie sehen, es wird wirklich aus Lappen die Bibel so zusammengesetzt, daß selbst mitten in den Sätzen die verschiedenen Traditionen zusammengenommen sind.
[ 27 ] Gehen Sie mit geisteswissenschaftlicher Forschung an die Bibel heran, dann zeigt sich Ihnen, daß dies auch so dastehen muß. Es ist die Rede von dem vierten Vers des zweiten Kapitels an, daß die Weltschöpfung von den Elohim an Jahve-Gott übergeht. Er ist also diejenige Macht, die alles dasjenige zur Entwickelung bringt, was dann bis zum Sündenfall geschieht. Die Geisteswissenschaft zeigt Ihnen, daß Jahve derjenige Gott ist, der in das Innere der Menschen hinein spricht dasjenige, was wir als das Ich haben, das Ich-bin. Diese Wesenheit, die Ich-bin-Wesenheit ist es, die alles das bewirkt, was vom zweiten Kapitel, vierter Vers an gesagt wird. Diese Wesenheit, die jetzt eingreift, Jahve, ist eine Wesenheit, die einer früheren Entwickelung angehört, aber abgefallen ist... [Lücke in der Nachschrift]. Daher ist die Rede von Jahve-Gott. Die Schlange aber weiß nichts von Jahve, sie muß sich daher wenden an das, was von ihrem eigenen Stoffe ist, bis zu dem Momente, wo das eintritt, was gerade durch Jahve eintreten muß. Erst im achten Vers des dritten Kapitels tritt wieder der Name Jahve auf.
[ 27 ] Gehen Sie mit geisteswissenschaftlicher Forschung an die Bibel heran, dann zeigt sich Ihnen, daß dies auch so dastehen muß. Es ist die Rede von dem vierten Vers des zweiten Kapitels an, daß die Weltschöpfung von den Elohim an Jahve-Gott übergeht. Er ist also diejenige Macht, die alles dasjenige zur Entwickelung bringt, was dann bis zum Sündenfall geschieht. Die Geisteswissenschaft zeigt Ihnen, daß Jahve derjenige Gott ist, der in das Innere der Menschen hinein spricht dasjenige, was wir als das Ich haben, das Ich-bin. Diese Wesenheit, die Ich-bin-Wesenheit ist es, die alles das bewirkt, was vom zweiten Kapitel, vierter Vers an gesagt wird. Diese Wesenheit, die jetzt eingreift, Jahve, ist eine Wesenheit, die einer früheren Entwickelung angehört, aber abgefallen ist... [Lücke in der Nachschrift]. Daher ist die Rede von Jahve-Gott. Die Schlange aber weiß nichts von Jahve, sie muß sich daher wenden an das, was von ihrem eigenen Stoffe ist, bis zu dem Momente, wo das eintritt, was gerade durch Jahve eintreten muß. Erst im achten Vers des dritten Kapitels tritt wieder der Name Jahve auf.
[ 28 ] So erwirbt man sich durch die Geistesforschung das Bewußtsein, daß die Bibel eine Urkunde ist, in der nichts, aber auch gar nichts bloß zufällig steht. Mag sich ein moderner Schriftsteller sagen: Warum sollte nicht einmal dieser Gott einen anderen Namen annehmen? — Es gibt nicht diese stilistischen Formen der modernen Schriftsteller bei den alten Eingeweihten. Wo genau und exakt gesprochen werden soll, kann nicht in beliebiger stilistischer Form geredet werden. Was dasteht und was weggelassen ist, hat seine Bedeutung. Wenn der Name Jahve auftritt, und wenn er weggelassen wird, so bedeutet das etwas höchst Wesentliches. Aber man muß den Grundsatz durchführen, daß die Bibel höchst genau zu lesen ist. Lesen Sie die Bibel, wenn Sie sie haben! Lesen Sie das Sechs-Tage-Werk durch, und Sie werden finden, wenn Sie nach dem ersten Vers des zweiten Kapitels fortlesen bis zum Sabbat, daß dann kommt die Stelle «Zur Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte». Diese Verse rechnet man gewöhnlich als eine Hindeutung auf das Vorhergehende, so wie wenn das Sieben-Tage-Werk erzählt worden wäre und nun noch gesagt würde: So ist es gemacht worden, das Sieben-TageWerk. — «Dies ist die Entstehung des Himmels und der Erde, als sie geschaffen wurden», und dann geht es weiter «zur Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte» (1. Mos. 2, 4).
[ 28 ] So erwirbt man sich durch die Geistesforschung das Bewußtsein, daß die Bibel eine Urkunde ist, in der nichts, aber auch gar nichts bloß zufällig steht. Mag sich ein moderner Schriftsteller sagen: Warum sollte nicht einmal dieser Gott einen anderen Namen annehmen? — Es gibt nicht diese stilistischen Formen der modernen Schriftsteller bei den alten Eingeweihten. Wo genau und exakt gesprochen werden soll, kann nicht in beliebiger stilistischer Form geredet werden. Was dasteht und was weggelassen ist, hat seine Bedeutung. Wenn der Name Jahve auftritt, und wenn er weggelassen wird, so bedeutet das etwas höchst Wesentliches. Aber man muß den Grundsatz durchführen, daß die Bibel höchst genau zu lesen ist. Lesen Sie die Bibel, wenn Sie sie haben! Lesen Sie das Sechs-Tage-Werk durch, und Sie werden finden, wenn Sie nach dem ersten Vers des zweiten Kapitels fortlesen bis zum Sabbat, daß dann kommt die Stelle «Zur Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte». Diese Verse rechnet man gewöhnlich als eine Hindeutung auf das Vorhergehende, so wie wenn das Sieben-Tage-Werk erzählt worden wäre und nun noch gesagt würde: So ist es gemacht worden, das Sieben-TageWerk. — «Dies ist die Entstehung des Himmels und der Erde, als sie geschaffen wurden», und dann geht es weiter «zur Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte» (1. Mos. 2, 4).
[ 29 ] Wer hier den Urtext studiert, der kommt auf das Folgende: Der vierte Vers des zweiten Kapitels bezieht sich nicht auf das Vorhergehende, sondern auf das Nachfolgende; geradeso wie sich später — im Kapitel nach dem Sündenfall — «Dieses ist das Geschlecht des Adam» (1. Mos. 5, 1) auf das Nachfolgende bezieht, auf das Hinterher, auf die folgende Generation, auf dasjenige, was aus Adam entstanden ist. Das wird in derselben Weise gesagt wie: Was da folgt, «das sind die Geschlechter des Himmels und der Erde» (1. Mos. 2, 4). Im Hebräischen steht auch dasselbe Wort dafür. Wer genau liest, der weiß, daß von den Worten an «Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde» bis zum dritten Vers des zweiten Kapitels die geistige Welt geschildert wird, wie sie geschaffen ist. Dann wird vom vierten Verse des zweiten Kapitels an gesagt: Das, was Nachkomme ist von Himmel und Erde, wird im Folgenden geschildert. Es ist der wunderbarste Übergang, wenn man die Sache versteht, von dem Sechs-Tage-Werke zu dem Folgenden. Wer sich auf diese Dinge einläßt, findet, daß es vielleicht kein so gut kombiniertes Buch gibt wie die Bibel, namentlich die ältesten Teile derselben. Der Glaube, daß man ohne geistige Forschung an die Bibel herantreten dürfe, daß man mit äußeren Urkunden an sie herantreten könne, das hat dieses in sich so vollkommene und harmonische Werk aufgelöst, so daß es aus lauter Lappen und Fragmenten zusammengesetzt erscheint.
[ 29 ] Wer hier den Urtext studiert, der kommt auf das Folgende: Der vierte Vers des zweiten Kapitels bezieht sich nicht auf das Vorhergehende, sondern auf das Nachfolgende; geradeso wie sich später — im Kapitel nach dem Sündenfall — «Dieses ist das Geschlecht des Adam» (1. Mos. 5, 1) auf das Nachfolgende bezieht, auf das Hinterher, auf die folgende Generation, auf dasjenige, was aus Adam entstanden ist. Das wird in derselben Weise gesagt wie: Was da folgt, «das sind die Geschlechter des Himmels und der Erde» (1. Mos. 2, 4). Im Hebräischen steht auch dasselbe Wort dafür. Wer genau liest, der weiß, daß von den Worten an «Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde» bis zum dritten Vers des zweiten Kapitels die geistige Welt geschildert wird, wie sie geschaffen ist. Dann wird vom vierten Verse des zweiten Kapitels an gesagt: Das, was Nachkomme ist von Himmel und Erde, wird im Folgenden geschildert. Es ist der wunderbarste Übergang, wenn man die Sache versteht, von dem Sechs-Tage-Werke zu dem Folgenden. Wer sich auf diese Dinge einläßt, findet, daß es vielleicht kein so gut kombiniertes Buch gibt wie die Bibel, namentlich die ältesten Teile derselben. Der Glaube, daß man ohne geistige Forschung an die Bibel herantreten dürfe, daß man mit äußeren Urkunden an sie herantreten könne, das hat dieses in sich so vollkommene und harmonische Werk aufgelöst, so daß es aus lauter Lappen und Fragmenten zusammengesetzt erscheint.
[ 30 ] Man muß auch den Grundsatz, genau zu lesen, und den Grundsatz, die Bibel zu haben, noch weiterverfolgen. Man hat die Bibel nicht, wenn man nur den Wortlaut hat, der das einzelne, worauf es ankommt, nur andeutet. Man muß den Grundsatz haben, auf die Bibel einzugehen. Es wird uns am vierten Tage des Sechs-Tage-Werkes erzählt, wie Sonne und Mond entstehen, wie Sonne und Mond Tag und Nacht bedingen (1.Mos. 1, 14—18). Schon vorher aber wird in der Bibel von Tag und Nacht gesprochen (1. Mos. 1, 5). Man kann daraus die Folgerung ziehen: Tag und Nacht, die von Sonne und Mond abhängen (1. Mos. 1, 14—18), können nicht gemeint sein mit dem Tag und der Nacht, die nicht von der Sonne und dem Monde abhängen (1. Mos. 1, 5). Hier kann man einen handgreiflichen Hinweis darauf sehen, wo die Bibel von dem sinnlichen Sonnentag und der sinnlichen Sonnennacht spricht. Diese entstehen durch das, was wir Umdrehung der Erde um die Sonne nennen. Wir können aber sehen, wo die Bibel von diesem sinnlichen Tag hinausweist in das, was im Übersinnlichen, im Geistigen ist, wo sie es erhöht und erweitert in das Geistige hinein.
[ 30 ] Man muß auch den Grundsatz, genau zu lesen, und den Grundsatz, die Bibel zu haben, noch weiterverfolgen. Man hat die Bibel nicht, wenn man nur den Wortlaut hat, der das einzelne, worauf es ankommt, nur andeutet. Man muß den Grundsatz haben, auf die Bibel einzugehen. Es wird uns am vierten Tage des Sechs-Tage-Werkes erzählt, wie Sonne und Mond entstehen, wie Sonne und Mond Tag und Nacht bedingen (1.Mos. 1, 14—18). Schon vorher aber wird in der Bibel von Tag und Nacht gesprochen (1. Mos. 1, 5). Man kann daraus die Folgerung ziehen: Tag und Nacht, die von Sonne und Mond abhängen (1. Mos. 1, 14—18), können nicht gemeint sein mit dem Tag und der Nacht, die nicht von der Sonne und dem Monde abhängen (1. Mos. 1, 5). Hier kann man einen handgreiflichen Hinweis darauf sehen, wo die Bibel von dem sinnlichen Sonnentag und der sinnlichen Sonnennacht spricht. Diese entstehen durch das, was wir Umdrehung der Erde um die Sonne nennen. Wir können aber sehen, wo die Bibel von diesem sinnlichen Tag hinausweist in das, was im Übersinnlichen, im Geistigen ist, wo sie es erhöht und erweitert in das Geistige hinein.
[ 31 ] Diejenigen, welche die Bibel geistig erforschen konnten, waren immer in der Lage, daß sie sich sagten: Wenn einer die Sehergabe, die Gabe des höheren Schauens hat und den Sinn der Bibel in der Wirklichkeit finden kann, dann ist es selbstverständlich, daß dieser Sinn der Bibel auch aus der Sehergabe heraus erflossen ist. Wenn wir dadurch, daß sich die Seele in eine andere Geistesstimmung versetzt, hineinblicken können in das, was uns in den gewaltigen Bildern der Bibel gegeben ist, dann wissen wir, daß der, welcher sie geschrieben hat, auch unter der Inspiration der geistigen Welt gestanden haben muß. Wir dürfen wohl sagen: Es beginnt die Zeit, wo immer mehr begriffen werden sollte, daß es viererlei Stufen gibt, wie man heute die Bibel betrachten kann.
[ 31 ] Diejenigen, welche die Bibel geistig erforschen konnten, waren immer in der Lage, daß sie sich sagten: Wenn einer die Sehergabe, die Gabe des höheren Schauens hat und den Sinn der Bibel in der Wirklichkeit finden kann, dann ist es selbstverständlich, daß dieser Sinn der Bibel auch aus der Sehergabe heraus erflossen ist. Wenn wir dadurch, daß sich die Seele in eine andere Geistesstimmung versetzt, hineinblicken können in das, was uns in den gewaltigen Bildern der Bibel gegeben ist, dann wissen wir, daß der, welcher sie geschrieben hat, auch unter der Inspiration der geistigen Welt gestanden haben muß. Wir dürfen wohl sagen: Es beginnt die Zeit, wo immer mehr begriffen werden sollte, daß es viererlei Stufen gibt, wie man heute die Bibel betrachten kann.
[ 32 ] Die erste Stufe ist die des naiven Glaubens. Sie nimmt die Bibel in unbeirrter Sicherheit und ahnt nichts von dem, was heute als Einwendungen gegen die Bibel angeführt worden ist.
[ 32 ] Die erste Stufe ist die des naiven Glaubens. Sie nimmt die Bibel in unbeirrter Sicherheit und ahnt nichts von dem, was heute als Einwendungen gegen die Bibel angeführt worden ist.
[ 33 ] Die zweite Stufe: Das sind die gescheiten Leute, die Bibelkritiker, welche entweder durch das Erforschen innerer Widersprüche oder durch den naturwissenschaftlichen Standpunkt finden, daß die Bibel das primitive Sagen- und Legendenwerk einer noch nicht forschenden Menschheit war. Sie sind hinaus über die Bibel, sie brauchen sie nicht mehr, sie greifen sie von den verschiedensten Richtungen an und sagen: Sie ist gut gewesen für die kindliche Menschheit. Jetzt aber wächst die Menschheit über die Bibel hinaus. — Das sind die Gescheiten, die Freidenker.
[ 33 ] Die zweite Stufe: Das sind die gescheiten Leute, die Bibelkritiker, welche entweder durch das Erforschen innerer Widersprüche oder durch den naturwissenschaftlichen Standpunkt finden, daß die Bibel das primitive Sagen- und Legendenwerk einer noch nicht forschenden Menschheit war. Sie sind hinaus über die Bibel, sie brauchen sie nicht mehr, sie greifen sie von den verschiedensten Richtungen an und sagen: Sie ist gut gewesen für die kindliche Menschheit. Jetzt aber wächst die Menschheit über die Bibel hinaus. — Das sind die Gescheiten, die Freidenker.
[ 34 ] Dann gibt es eine weitere Stufe: Der Mensch wächst über diese Gescheitheit hinaus. Die Menschen dieser Stufe sind zwar auch Freidenker, aber sie sind über diesen zweiten Standpunkt, den der gescheiten Leute hinausgewachsen; sie sehen in den Erzählungen der Bibel — des Alten und des Neuen Testamentes — wenigstens symbolische und mythische Einkleidungen von inneren Seelenerlebnissen. Sie sehen das, was in abstrakter Weise. die menschliche Seele sich vorstellt, in der Bibel in Sinnbildern dargestellt. Dazu sind manche Freidenker gezwungen worden. Sie haben den Standpunkt des freidenkerischen Menschen in den Standpunkt des mythischen Symbolikers, des mythischen Darstellers verwandeln müssen.
[ 34 ] Dann gibt es eine weitere Stufe: Der Mensch wächst über diese Gescheitheit hinaus. Die Menschen dieser Stufe sind zwar auch Freidenker, aber sie sind über diesen zweiten Standpunkt, den der gescheiten Leute hinausgewachsen; sie sehen in den Erzählungen der Bibel — des Alten und des Neuen Testamentes — wenigstens symbolische und mythische Einkleidungen von inneren Seelenerlebnissen. Sie sehen das, was in abstrakter Weise. die menschliche Seele sich vorstellt, in der Bibel in Sinnbildern dargestellt. Dazu sind manche Freidenker gezwungen worden. Sie haben den Standpunkt des freidenkerischen Menschen in den Standpunkt des mythischen Symbolikers, des mythischen Darstellers verwandeln müssen.
[ 35 ] Dann gibt es einen vierten Standpunkt. Das ist der, welcher Ihnen heute als derjenige der Geisteswissenschaft charakterisiert worden ist. Übermorgen werden wir ihn weiterverfolgen, diesen geisteswissenschaftlichen Standpunkt. Er zeigt wieder die geistigen Tatsachen in einfachen Beschreibungen, allerdings so, wie man diese geistigen Tatsachen in den Imaginationen sehen kann. Es sind die Tatsachen, die in der Bibel beschrieben sind. Wer den naiven Standpunkt verlassen mußte und als Forscher zum gescheiten Menschen, vielleicht zum Symboliker geworden ist, der kann dann kommen zu dem Standpunkte, auf dem der Geistesforscher steht, und er kann dann fähig werden, die Bibel wieder wörtlich zu nehmen, in einem neuen Sinne wörtlich zu nehmen, nämlich, die Worte wirklich zu verstehen.
[ 35 ] Dann gibt es einen vierten Standpunkt. Das ist der, welcher Ihnen heute als derjenige der Geisteswissenschaft charakterisiert worden ist. Übermorgen werden wir ihn weiterverfolgen, diesen geisteswissenschaftlichen Standpunkt. Er zeigt wieder die geistigen Tatsachen in einfachen Beschreibungen, allerdings so, wie man diese geistigen Tatsachen in den Imaginationen sehen kann. Es sind die Tatsachen, die in der Bibel beschrieben sind. Wer den naiven Standpunkt verlassen mußte und als Forscher zum gescheiten Menschen, vielleicht zum Symboliker geworden ist, der kann dann kommen zu dem Standpunkte, auf dem der Geistesforscher steht, und er kann dann fähig werden, die Bibel wieder wörtlich zu nehmen, in einem neuen Sinne wörtlich zu nehmen, nämlich, die Worte wirklich zu verstehen.
[ 36 ] Während Jahrhunderten hat man eigentlich nicht die Bibel kritisiert. Die Bibelkritiker haben ihr eigenes Phantasiegeschöpf bekämpft, das, was sie aus der Bibel gemacht haben. So sind heute noch die Kämpfer gegen die Bibel; sie kämpfen gegen ihr eigenes Phantasiegeschöpf, gegen das, was sie davon zu verstehen glauben; die Bibel treffen sie gar nicht. Wörtlich also kann die Bibel wieder genommen werden, nur muß man das Wort richtig verstehen.
[ 36 ] Während Jahrhunderten hat man eigentlich nicht die Bibel kritisiert. Die Bibelkritiker haben ihr eigenes Phantasiegeschöpf bekämpft, das, was sie aus der Bibel gemacht haben. So sind heute noch die Kämpfer gegen die Bibel; sie kämpfen gegen ihr eigenes Phantasiegeschöpf, gegen das, was sie davon zu verstehen glauben; die Bibel treffen sie gar nicht. Wörtlich also kann die Bibel wieder genommen werden, nur muß man das Wort richtig verstehen.
[ 37 ] Es ist heute eine gewisse Strömung da, die gegen ein solches Wort den Ausspruch geltend macht: Nicht der Buchstabe, der Geist muß entscheiden. «Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig», und du benennst ihn aus gewissen Beziehungen der Buchstaben.
[ 37 ] Es ist heute eine gewisse Strömung da, die gegen ein solches Wort den Ausspruch geltend macht: Nicht der Buchstabe, der Geist muß entscheiden. «Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig», und du benennst ihn aus gewissen Beziehungen der Buchstaben.
[ 38 ] Ich wollte, wir könnten so bald als möglich den echten Bibelbuchstaben der Welt wieder bringen. Die Welt würde erstaunen darüber, was der Urtext enthält. Wie etwas ganz Neues wird er der Menschheit vorkommen. Mit dem Ausspruche: Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig —, darf man nicht so hausieren gehen. Es ist gewöhnlich der Herren eigener Geist, in dem die Buchstaben sich bespiegeln. So ist es besonders beim Symboliker. Ist er trivial, so legt er Triviales in die Symbole; ist er geistreich, so legt er Geistreiches in die Symbole hinein. Es ist mit diesem Wort wie mit dem Ausspruche von Goethe:
[ 38 ] Ich wollte, wir könnten so bald als möglich den echten Bibelbuchstaben der Welt wieder bringen. Die Welt würde erstaunen darüber, was der Urtext enthält. Wie etwas ganz Neues wird er der Menschheit vorkommen. Mit dem Ausspruche: Der Buchstabe tötet, der Geist macht lebendig —, darf man nicht so hausieren gehen. Es ist gewöhnlich der Herren eigener Geist, in dem die Buchstaben sich bespiegeln. So ist es besonders beim Symboliker. Ist er trivial, so legt er Triviales in die Symbole; ist er geistreich, so legt er Geistreiches in die Symbole hinein. Es ist mit diesem Wort wie mit dem Ausspruche von Goethe:
Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
Und solang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
[ 39 ] Dieses Wort deutet uns an, wie der Mensch hinauskommen soll über die sinnliche Anschauung, überhaupt über die gewöhnliche Natur. Wer dieses Wort als eine Anweisung dazu nehmen würde, daß er sich sagt, das Physische habe keinen Wert, der hat übersehen, daß der Geist nach und nach sich aus dem Physischen herausentwickelt. So ist es auch mit dem Buchstaben und dem Geist. Erst muß man den Buchstaben haben, dann ihn enträtseln können, und dann wird man finden, welches der Geist ist. Gewiß, der Buchstabe tötet, aber er erschafft in seinem Tode den Geist, und es entspricht dieser Ausspruch dem anderen: Wer das nicht hat, dieses Stirb und Werde, der bleibt nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.
[ 39 ] Dieses Wort deutet uns an, wie der Mensch hinauskommen soll über die sinnliche Anschauung, überhaupt über die gewöhnliche Natur. Wer dieses Wort als eine Anweisung dazu nehmen würde, daß er sich sagt, das Physische habe keinen Wert, der hat übersehen, daß der Geist nach und nach sich aus dem Physischen herausentwickelt. So ist es auch mit dem Buchstaben und dem Geist. Erst muß man den Buchstaben haben, dann ihn enträtseln können, und dann wird man finden, welches der Geist ist. Gewiß, der Buchstabe tötet, aber er erschafft in seinem Tode den Geist, und es entspricht dieser Ausspruch dem anderen: Wer das nicht hat, dieses Stirb und Werde, der bleibt nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde.
[ 40 ] Nur in den Prinzipien konnte ich Sie heute auf dieKritik der Bibel aufmerksam machen und auf die Gesichtspunkte, welche die Geisteswissenschaft gegenüber der Bibel einnehmen wird. Aus den wenigen Andeutungen, die heute gefallen sind, wird man wenigstens erahnen können, daß durch die Arbeit der Geisteswissenschaft sich wird vollziehen können etwas wie eine Wiedereroberung der Bibel. Weisheit soll die Geisteswissenschaft finden, unabhängig von der Bibel. Aber sie erkennt, was in diese Bibel hineingeflossen ist und was viele heute gegenüber der Bibel erleben. Einiges hat die Menschen erbauen können, aber das meiste hat für sie keinen Sinn mehr. Erst durch die Geisteswissenschaft kommen die Menschen dazu zu verstehen, was mit diesem und jenem in der Bibel gesagt wird. Dann stehen da aber noch andere Stellen, die recht anfechtbar zu sein scheinen, und man kommt zu dem Standpunkte, zu sagen: Es sind in der Bibel Stellen enthalten, die tiefe geistige Wahrheiten enthalten, aber es ist manches hineingeflossen, was als etwas Unorganisches hineingegliedert worden ist. — Geht man nun weiter, macht man wieder eine Entdekkung, und man findet, daß es an einem selbst gelegen hat, nämlich daran, daß man nicht weit genug war, die Sache zu verstehen. Und man gelangt dahin, sich zu sagen: Wo man früher geglaubt hat, der Sinn der Bibel scheine gegenüber der Wissenschaft nicht haltbar zu sein, da sieht man jetzt ein: das eine verstehst du, daß du die Bibel mit Vertrauen und mit Verehrung betrachten mußt; das andere verstehst du eben noch nicht. Aber es wird die Zeit kommen, daß du es verstehen wirst, und du wirst den Standpunkt finden, wo du selbst hineinschauen kannst.
[ 40 ] Nur in den Prinzipien konnte ich Sie heute auf dieKritik der Bibel aufmerksam machen und auf die Gesichtspunkte, welche die Geisteswissenschaft gegenüber der Bibel einnehmen wird. Aus den wenigen Andeutungen, die heute gefallen sind, wird man wenigstens erahnen können, daß durch die Arbeit der Geisteswissenschaft sich wird vollziehen können etwas wie eine Wiedereroberung der Bibel. Weisheit soll die Geisteswissenschaft finden, unabhängig von der Bibel. Aber sie erkennt, was in diese Bibel hineingeflossen ist und was viele heute gegenüber der Bibel erleben. Einiges hat die Menschen erbauen können, aber das meiste hat für sie keinen Sinn mehr. Erst durch die Geisteswissenschaft kommen die Menschen dazu zu verstehen, was mit diesem und jenem in der Bibel gesagt wird. Dann stehen da aber noch andere Stellen, die recht anfechtbar zu sein scheinen, und man kommt zu dem Standpunkte, zu sagen: Es sind in der Bibel Stellen enthalten, die tiefe geistige Wahrheiten enthalten, aber es ist manches hineingeflossen, was als etwas Unorganisches hineingegliedert worden ist. — Geht man nun weiter, macht man wieder eine Entdekkung, und man findet, daß es an einem selbst gelegen hat, nämlich daran, daß man nicht weit genug war, die Sache zu verstehen. Und man gelangt dahin, sich zu sagen: Wo man früher geglaubt hat, der Sinn der Bibel scheine gegenüber der Wissenschaft nicht haltbar zu sein, da sieht man jetzt ein: das eine verstehst du, daß du die Bibel mit Vertrauen und mit Verehrung betrachten mußt; das andere verstehst du eben noch nicht. Aber es wird die Zeit kommen, daß du es verstehen wirst, und du wirst den Standpunkt finden, wo du selbst hineinschauen kannst.
[ 41 ] Die Geisteswissenschaft wird zur richtigen Schätzung der Bibel führen. Vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus ist heute über den Beginn der Bibel, über die Schöpfung gesprochen worden. Die Bibelforschung hat eine Krisis durchzumachen. Die Forschungen der Geisteswissenschaft werden ihr entgegenkommen, und in neuer Gestalt wird in der Zukunft das alte Licht der Bibel der Menschheit wieder leuchten.
[ 41 ] Die Geisteswissenschaft wird zur richtigen Schätzung der Bibel führen. Vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte aus ist heute über den Beginn der Bibel, über die Schöpfung gesprochen worden. Die Bibelforschung hat eine Krisis durchzumachen. Die Forschungen der Geisteswissenschaft werden ihr entgegenkommen, und in neuer Gestalt wird in der Zukunft das alte Licht der Bibel der Menschheit wieder leuchten.
