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Answers of Spiritual Science
to the Great Questions of Existence
GA 60

20 October 1910, Berlin

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1. Das Wesen der Geisteswissenschaft und ihre Bedeutung für die Gegenwart

1. The Nature of Spiritual Science and Its Significance for the Present

[ 1 ] Schon seit mehreren Jahren wird hier von diesem Orte aus die Wintermonate hindurch von mir der Versuch gemacht, Vorträge über ein Gebiet zu halten, welches ich mir gestatte mit dem Namen der Geisteswissenschaft zu bezeichnen. Auch in diesem Winter soll von diesem Gesichtspunkte aus in der Reihe der Ihnen angekündigten Vorträge wiederum ein Bild gegeben werden von Tatsachen der geistigen Welt. Es soll betrachtet werden, was zu den großen Fragen des Daseins gehört: das Verhältnis von Leben und Tod, von Schlaf und Wachen, von Menschenseele und Tierseele, Menschengeist und Tiergeist und Geist im Pflanzenreich. Es soll dann betrachtet werden das Wesen der menschlichen Entwickelung durch die verschiedenen Lebensalter, durch Kindheit, Jugend und die späteren Lebensjahre, der Anteil der Erziehung an dem Hauptcharakter des Menschen. Es soll das Geistesleben beleuchtet werden, indem der Blick hingewendet wird zu großen Individualitäten der Menschheitsentwickelung, zu Zarathustra, Moses, Galilei, Goethe. Es soll versucht werden an einzelnen Beispielen zu zeigen, welches Verhältnis das, was hier Geisteswissenschaft genannt wird, zur Naturwissenschaft hat: an dem Beispiel der Astronomie und der Geologie. Und dann soll versucht werden zu sagen, was aus den Quellen der Geisteswissenschaft selbst über die Rätsel des Lebens zu sagen ist. Diesen Betrachtungen ging in jedem Jahre eine Art orientierender, allgemeiner Betrachtung voraus. Dieser Gepflogenheit soll auch in diesem Jahre gefolgt werden, indem heute gesprochen wird über die Bedeutung der Geisteswissenschaft, ihr Wesen und ihr Verhältnis oder — man könnte auch sagen — ihre Aufgabe innerhalb der verschiedenen geistigen Bedürfnisse der Gegenwart.

[ 1 ] For several years now, I have been attempting, from this very place throughout the winter months, to give lectures on a field that I take the liberty of calling “spiritual science.” This winter, too, as part of the series of lectures I have announced to you, I shall once again present a picture of the realities of the spiritual world from this perspective. We shall examine some of the great questions of existence: the relationship between life and death, between sleep and wakefulness, between the human soul and the animal soul, the human spirit and the animal spirit, and the spirit in the plant kingdom. We shall then examine the nature of human development through the various stages of life—childhood, youth, and later years—and the role of education in shaping a person’s fundamental character. The spiritual life will be illuminated by turning our attention to great individualities in the development of humanity—Zoroaster, Moses, Galileo, and Goethe. An attempt will be made to show, using specific examples, the relationship between what is here called spiritual science and the natural sciences, using the examples of astronomy and geology. And then an attempt will be made to explain what can be said about the mysteries of life from the sources of spiritual science itself. Each year, these reflections have been preceded by a kind of introductory, general overview. This tradition will be followed again this year, as today’s talk will address the significance of spiritual science, its nature, and its relationship—or, one might also say, its role—within the various spiritual needs of the present.

[ 2 ] In dem Sinne, wie hier von Geisteswissenschaft gesprochen wird, darf man wohl sagen, daß Geisteswissenschaft heute noch in den weiten Kreisen unserer Menschheit eine recht unbeliebte Sache ist. Zwar spricht man wohl auch außerhalb derjenigen Gesichtspunkte, die hier eingenommen werden sollen, von «Geisteswissenschaft». Man versteht zum Beispiel unter Geschichte etwas, was man mit dem Namen Geisteswissenschaft belegt, und wohl auch unter noch anderen Wissensgebieten der Gegenwart. In anderem Sinne als gewöhnlich von Geisteswissenschaft gesprochen wird, soll das hier geschehen. Wenn man heute von «Geisteswissenschaft» spricht und den Namen etwa auf Geschichte anwendet, so wird man im äußersten Falle zugeben, daß neben dem, was der menschlichen Beobachtung, der Sinnes- und Verstandeserfahrung vorliegt, für die Geschichte noch gewisse große Tendenzen in Betracht kommen, die sich wie Kräfte im Strom des Weltgeschehens hindurch wirksam zeigen und gleichsam die Geschicke der einzelnen Völkerschaften und der einzelnen Staaten bewirken. Man spricht wohl auch von allgemeinen Ideen in der Geschichte und im menschlichen Leben. Wer sich besinnt, was in solchem Falle gemeint ist, der wird bald darauf kommen, daß abstrakte Ideen gemeint sind, an was man appelliert, wenn man von den Kräften, von dem Wesenhaften spricht, von dem, was die menschlichen Geschicke leitet. Es sind in gewisser Beziehung allgemeine Ideen, zu welchen die menschliche Verstandesfähigkeit ein Erkenntnisverhältnis gewinnen kann.

[ 2 ] In the sense in which the term “humanities” is used here, it is fair to say that the humanities remain a rather unpopular subject among broad segments of humanity today. Admittedly, the term “humanities” is also used outside the framework of the perspectives to be adopted here. For example, the term is used to refer to history, as well as to other contemporary fields of knowledge. Here, however, we shall use the term “humanities” in a sense different from the usual one. When people today speak of “humanities” and apply the term to history, for instance, they will, at most, admit that alongside what is accessible to human observation, sensory and intellectual experience, certain major tendencies must also be taken into account in history—tendencies that manifest themselves as forces at work within the current of world events and, as it were, shape the destinies of individual peoples and individual states. One also speaks of general ideas in history and in human life. Anyone who reflects on what is meant in such cases will soon realize that abstract ideas are meant—those to which one appeals when speaking of forces, of the essential, of that which guides human destinies. In a certain sense, these are general ideas with which the human intellect can establish a relationship of understanding.

[ 3 ] In anderem Sinne wird hier von Geisteswissenschaft gesprochen, indem als geistige Welt vorausgesetzt wird eine Welt, welche wesenhaft ist, wie die Menschenwelt innerhalb des physischen Daseins wesenhaft ist. Es wird gezeigt werden: wenn man hinausgeht mit dem menschlichen Erkenntnisvermögen über das, was der äußeren Sinnesbeobachtung, der Verstandeserfahrung sich darbietet, und zu den leitenden Kräften des Menschen- und Weltendaseins überhaupt geht, daß man nicht zu Abstraktionen, zu saft- und kraftlosen Begriffen bloß kommt, sondern zu etwas Wesenhaftem, zu etwas, was lebendig, inhaltsvoll, geistig mit Dasein durchtränkt ist wie das Wesen des Menschen selber. Also von einer geistigen Welt mit realem Dasein wird hier gesprochen. Und eben das macht es, daß die Geisteswissenschaft für die Standpunkte der weitesten Kreise unseres gegenwärtigen Geistesstrebens keine beliebte Sache ist. Es ist ja noch das Geringste, wenn man diejenigen, die sich auf solche geisteswissenschaftlichen Forschungswege begeben, als Schwätzer, als Träumer oder Phantasten bezeichnet. Und es ist heute noch etwas Gewöhnliches, zu sagen, daß alles, was als strenge Methode, was als wirkliche Wissenschaftlichkeit auf diesem Boden auftritt oder sich dafür ausgeben will, eine ziemlich zweifelhafte Sache ist.

[ 3 ] In another sense, the term “spiritual science” is used here to refer to a spiritual world that is assumed to be essential in nature, just as the human world is essential within physical existence. It will be shown that when one goes beyond the limits of human cognitive faculties—beyond what is presented to external sensory observation, and turns to the guiding forces of human and cosmic existence in general, one does not merely arrive at abstractions or concepts devoid of vitality and power, but at something essential—something that is alive, rich in content, and spiritually imbued with existence, just as the human being itself is. So what is being spoken of here is a spiritual world with a real existence. And that is precisely why spiritual science is not a popular subject among the broadest circles of our present spiritual striving. After all, it is the least of it when those who embark on such paths of spiritual scientific research are labeled as chatterers, dreamers, or fantasists. And it is still common today to say that anything that appears as a rigorous method or as true scientific rigor in this field—or that purports to be such—is a rather dubious matter.

[ 4 ] Große, gewaltige Fortschritte haben ja auf die Menschheit immer, zu allen Zeiten, eine große suggestive Wirkung auch in bezug auf alles Denken, Fühlen und Empfinden ausgeübt. Und wenn wir auf die großen Fortschritte im allgemeinen Menschenleben in den letzten Zeiten — wir können fast sagen in den letzten Jahrhunderten — hinblicken, so liegen sie nicht auf dem geisteswissenschaftlichen Gebiet, von dem hier gesprochen werden soll, sondern vielmehr auf demjenigen Gebiet, auf das die Menschheit heute — und zwar wie gleich betont werden soll — mit vollem Recht so stolz ist und auf das sie noch große Hoffnungen für die Fortentwickelung der Menschheit in der Zukunft setzt. Es liegen diese Fortschritte der letzten Jahrhunderte bis in unsere Tage hinein auf dem Gebiet, das aus den Naturwissenschaften herauswächst. Wenn man denkt, wie gewaltig alles ist, was heute nicht nur theoretisch auf naturwissenschaftlichem Gebiet für die menschliche Erkenntnis gewonnen ist und was verspricht aus dem naturwissenschaftlichen Boden noch gewonnen zu werden, und wenn man außerdem in die Waagschale legt, welche große Bedeutung diese naturwissenschaftlichen Errungenschaften für das äußere Leben haben, so muß man sagen: der Segen, das Bedeutungsvolle dieses naturwissenschaftlichen Fortschrittes konnte und mußte eine suggestive Macht auf das menschliche Gemüt in unserer Zeit ausüben. So ist es denn gekommen, daß diese suggestive Wirkung auch nach einer andern Seite sich geäußert hat. Hätte sie sich nur dahin geäußert, daß das Menschengemüt vor allen Dingen etwas empfand wie eine Art weltlichen Kultus gegenüber diesen gewaltigen Fortschritten, wer könnte auch nur ein Sterbenswörtchen dagegen sprechen? Aber es hat sich diese suggestive Macht auch nach jener Richtung geäußert, daß nicht nur anerkannt wird, was die naturwissenschaftliche Forschung und der daraus folgende Fortschritt für unsere Zeit bedeutet, sondern es hat sich nach der Richtung ausgelebt, daß in den weitesten Kreisen der Glaube entstanden ist, daß alle Erkenntnis, alles Wissen der Menschheit nur auf demjenigen Boden gewonnen werden kann, der heute eben als der naturwissenschaftliche anerkannt wird. Und weil man von diesem Glauben aus zu dem Schlusse sich berechtigt glaubt, daß mit diesen naturwissenschaftlichen Methoden die geisteswissenschaftlichen in Widerspruch stehen, daß es unmöglich sei für den, der auf naturwissenschaftlichem Boden steht, überhaupt von der Erforschung einer geistigen Welt zu sprechen, so ist in den weitesten Kreisen das Vorurteil verbreitet, daß Geisteswissenschaft gegenüber den berechtigten Anforderungen der Naturwissenschaft abgelehnt werden müsse. Bei dieser Ablehnung kann es vor allen Dingen auffallen, daß man etwas außerordentlich schwer in die Waagschale Fallendes geltend macht.

[ 4 ] Great, tremendous advances have, after all, always—at all times—had a profound influence on humanity, including in terms of all thought, feeling, and perception. And when we look at the great advances in human life in general in recent times—we might almost say in recent centuries— they do not lie in the field of the spiritual sciences, which is the subject of this discussion, but rather in the field of which humanity today—as will be emphasized shortly—is quite rightly so proud and on which it still pins great hopes for the future development of humanity. These advances of the last few centuries, extending right up to the present day, lie in the field that has grown out of the natural sciences. When one considers how immense is all that has been gained for human knowledge today—not merely in theory—in the field of the natural sciences, and what still promises to be gained from this scientific foundation, and when one also takes into account the great significance these scientific achievements have for external life, one must say: the blessing and significance of this scientific progress could and had to exert a suggestive power on the human mind in our time. And so it has come to pass that this suggestive effect has also manifested itself in another direction. Had it manifested itself only in such a way that the human spirit felt, above all else, something akin to a kind of secular cult toward these tremendous advances, who could possibly say a single word against it? But this suggestive power has also manifested itself in such a way that not only is the significance of scientific research and the resulting progress for our time acknowledged, but it has also led to the emergence, in the widest circles, of the belief that all human knowledge and understanding can be gained only on the very foundation that is today recognized as the scientific one. And because people feel justified in concluding from this belief that the methods of the spiritual sciences contradict those of the natural sciences—that it is impossible for anyone standing on the ground of the natural sciences to speak at all of the exploration of a spiritual world—the prejudice is widespread in the broadest circles that spiritual science must be rejected in the face of the legitimate demands of the natural sciences. What is particularly striking about this rejection is that it invokes an argument that carries extraordinary weight.

[ 5 ] Die naturwissenschaftliche Methode, so wird gesagt, sei eine solche, deren Forschungsresultate, deren Erkenntnisse von jedem Menschen in jedem beliebigen Zeitpunkt nachgeprüft werden können, und daß bei der Gewinnung dieser Erkenntnisse, dieser Forschungsresultate nichts mitspielen darf von dem, was im subjektiven Menschen als Empfinden, Sympathie oder Antipathie, Sehnsucht oder Begierden waltet. Daß nichts sich einmischen darf von der Voraussetzung: man möchte dieses Resultat so oder so haben; ausschließen müsse sich das menschliche Element von der Forschung und rein die Objektivität der Dinge sprechen lassen, wenn es sich um Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschung handele.

[ 5 ] The scientific method, it is said, is one in which the results of research and the findings can be verified by anyone at any time, and in which nothing that prevails in the subjective human being—such as feelings, sympathy or antipathy, longing, or desires—may play a role in the acquisition of these findings and research results. Nothing may interfere based on the assumption that one wishes to arrive at a particular result; the human element must be excluded from research, and the objectivity of things alone must be allowed to speak when it comes to the results of scientific research.

[ 6 ] So ohne weiteres kann die Geisteswissenschaft diese Forderung nicht aufstellen. Für denjenigen, der sich rasch ein Urteil über das Allgemeingültige dieser Forderung bildet, wird einfach schon der Grund hinlänglich sein, die Geisteswissenschaft abzulehnen, daß sie dieser Forderung nicht genügen kann. Warum ist das so? Die Naturwissenschaft hat die Gegenstände ihrer Forschung, von denen sie spricht, um den Menschen herum. Sie geht von demjenigen aus, was vor jeden Menschen hingestellt werden kann, worüber jeder Mensch mit den naturwissenschaftlichen Methoden nachdenken kann, wenn er vor die Sache geführt wird. Und es ist scheinbar ganz gleichgültig, mit welchen Voraussetzungen der Mensch an das herantritt, was da in seiner Umgebung dem Blickfelde sich darbietet. Es ist gerade das, was sich in der allgemeinen Forderung ausspricht: Naturwissenschaftliche Erkenntnis muß für jeden Menschen in jedem beliebigen Zeitpunkte nachgeprüft werden können.

[ 6 ] The humanities cannot simply make this claim. For anyone who is quick to form an opinion about the universal validity of this claim, the mere fact that the humanities cannot meet this requirement will be reason enough to reject them. Why is that so? Natural science finds the objects of its research—the things it discusses—all around us. It proceeds from what can be presented to any person, what any person can reflect upon using the methods of natural science when confronted with the subject matter. And it seems entirely irrelevant what assumptions a person brings to bear when approaching what presents itself to their view in their surroundings. This is precisely what is expressed in the general requirement: Scientific knowledge must be verifiable by every person at any given time.

[ 7 ] Wie die Naturwissenschaft ihre Resultate gewinnt, in der Art, in welcher sie vorgeht, kann auch die wahre Geisteswissenschaft gar nicht vorgehen. Sie kann zunächst nicht sagen: Es ist notwendig, daß ihre Ergebnisse von jedem Menschen in jeder Zeit nachgeprüft werden können. Denn sie muß voraussetzen, daß diese Ergebnisse, diese Forschungsresultate dadurch gewonnen werden, daß der Mensch gerade sein Inneres nicht als ein Festes, als ein Abgeschlossenes betrachtet, daß er seine subjektive Wesenheit nicht als etwas Fertiges ansieht, sondern sich sagt: Meine subjektive Wesenheit, diese ganze Summe meines Seelendaseins, wie ich sie der Welt entgegensetzen kann, ist nichts Abgeschlossenes, nichts Fertiges, sie kann entwickelt werden, das Seelenleben kann vertieft werden. Das Seelenleben kann so verlaufen, daß dasjenige, was man findet, wenn man die Sinne auf die äußere Welt richtet und den Verstand auf das anwendet, was die Sinne sagen, nur gleichsam eine Unterlage ist für weitere Seelenerfahrungen. Weitere Seelenerfahrungen ergeben sich dann, wenn sich die Seele in sich selber vertieft, an sich selber arbeitet, wenn sie die unmittelbare Lebenserfassung nur als einen Ausgangspunkt betrachtet und dann durch Kräfte, die zunächst in ihr schlummern, die aber herausgeholt werden können, sich durch Stufen des Daseins ringt, die nicht so angeschaut werden können, daß man sie durch ein äußeres Auge nachprüfen könnte. Was also der Geistesforscher zur Vorbereitung für seine Studien durchmachen muß, ist ein innerliches Ringen der Seele, das ganz und gar unabhängig ist von dem, was der Mensdch selber in sich hat. Wenn man also von Wissenschaft überhaupt verlangt, daß der Mensch nichts hinzubringen soll zu den Ergebnissen, die sich ihm äußerlich vorstellen, so könnte von Geisteswissenschaft gar nicht die Rede sein. Wer sich aber ein wenig besinnt und sich fragt: Welches ist denn der wichtigste Teil der Forderungen, welche da für die Geisteswissenschaft geltend gemacht werden, — könnte sich sagen, daß ihreErgebnisse für jeden Menschen Gültigkeit haben, daß sie nicht der persönlichen Willkür dieser oder jener Menschenindividualität unterliegen, und nicht bloß eine Bedeutung haben für das Innenleben dieses oder jenes Menschen, sondern eine Bedeutung für alle Menschen haben.

[ 7 ] True spiritual science cannot proceed in the same way that the natural sciences arrive at their results—that is, through the methods they employ. For one thing, it cannot say: It is necessary that its findings be verifiable by every person at any time. For it must assume that these findings—these results of research—are obtained precisely because human beings do not regard their inner selves as something fixed or complete, that they do not view their subjective being as something finished, but rather say to themselves: ‘My subjective being—this entire sum of my soul life, as I can set it in contrast to the world—is not something closed off, not something finished; it can be developed, and the life of the soul can be deepened.’ Spiritual life can unfold in such a way that what one finds when one directs the senses toward the external world and applies the intellect to what the senses convey serves, as it were, merely as a foundation for further spiritual experiences. Further spiritual experiences arise when the soul delves into itself, works on itself, when it regards the immediate perception of life merely as a starting point, and then—through forces that initially lie dormant within it but can be brought to the surface—struggles through stages of existence that cannot be viewed in such a way that they could be verified by an external eye. What the spiritual researcher must therefore undergo in preparation for his studies is an inner struggle of the soul that is entirely independent of what the human being himself possesses within. If, then, science in general demands that the human being contribute nothing to the results that present themselves to him externally, there could be no question of spiritual science at all. But anyone who reflects a little and asks themselves: What, then, is the most important aspect of the requirements asserted for spiritual science? — might conclude that its findings are valid for every human being, that they are not subject to the personal whims of this or that individual, and that they are not merely significant for the inner life of this or that person, but are significant for all human beings.

[ 8 ] Das ist ja das Bedeutsame bei allem Wissenschaftlichen, daß es nicht bloß bei dem gilt, dem sich die Gegenstände der Wissenschaft vor Augen stellen, sondern daß, wenn die Gegenstände erforscht sind, dies zu Erkenntnissen führen kann, die für alle Menschen Gültigkeit haben können.

[ 8 ] That is, after all, what is significant about all scientific inquiry: it does not apply merely to those who are directly confronted with the objects of science, but rather, once these objects have been investigated, this can lead to insights that may be valid for all people.

[ 9 ] Wenn es nun wahr wäre, daß das, was so als Entwickelung des Menschen charakterisiert worden ist, nur subjektiv wäre, nur für den einen oder andern Menschen Geltung habe, und daß ihm so auch nur ein persönlicher Glaube zukäme, so könnte von Geisteswissenschaft auch wirklich nicht gesprochen werden. Es wird sich uns aber in diesem Winter auch noch zeigen, daß dieses Innenleben des Menschen, das Ringen der Seele aus Kräften heraus, die zunächst schlummern, die aber erwachen können, sich entfalten und entwickeln und dann den Menschen von Erlebnis zu ErJebnis führen kann, und daß dieses Seelenleben noch aufsteigen kann zu einer Stufe, wo seine Erlebnisse eine ganz bestimmte Eigentümlichkeit haben. Wenn wir das Menschenleben betrachten, wie es sich im Innern der Menschenseele abspielt, so ist es zunächst ein ganz persönliches, für den einen so, für den andern anders. Wer eine gesunde Selbstbesinnung hat, wird bei diesem oder jenem, was in seiner Seele an Sympathie oder Antipathie aufsteigt, was gleichsam nur eine persönliche Note hat, sich klar sein können, daß dieses und wie es der Fall ist. Aber das innere Erleben führt zu einem gewissen Punkt, wo gerade eine methodisch getriebene Selbsterkenntnis, ein reines, von Persönlichem unbeeinflußtes Selbsterkennen sich sagen muß: das Persönliche ist eben abgestreift, bildet ein besonderes Gebiet, aber man kommt dann an einen bestimmten Punkt, wo für das innere Erleben, für das übersinnliche Erleben geradeso die Willkür aufhört, wie sie aufhört, wenn man diesen oder jenen sinnenfälligen Erscheinungen gegenübertritt, und wo man auch nicht denken kann, wie man will, sondern in Gemäßheit des Gegenstandes denken muß. So kommt der Mensch auch innerlich, seelisch in eine gewisse Sphäre, auf ein gewisses Gebiet, wo er sich deutlich bewußt wird, daß nicht mehr seine persönliche Subjektivität spricht, sondern daß jetzt nicht sinnlich anschaubare, aber übersinnliche Wesenheiten und Kräfte sprechen, für die seine Individualität ebensowenig Bedeutung hat, wie sie Bedeutung hat für das, was die äußeren Sinnesgegenstände sagen. Diese Erkenntnis muß allerdings gewonnen werden, wenn von dem Rechte gesprochen werden soll, daß dasjenige, was über die geistige Welt gesagt wird, überhaupt den Namen Wissenschaft trägt. Es sollen auch in diesem Winter diese Vorträge wieder ein Beweis dafür sein, daß die Betrachtungen über die Erforschung der geistigen Welt eine Wissenschaft genannt werden darf.

[ 9 ] If it were true that what has been characterized as human development were merely subjective—applicable only to one person or another—and that it were therefore merely a matter of personal belief, then one could not truly speak of spiritual science. However, this winter will also show us that this inner life of the human being—the soul’s struggle arising from forces that are initially dormant but can awaken, unfold, and develop, and can then lead the human being from one experience to another—and that this soul life can still rise to a level where its experiences possess a very specific character. When we consider human life as it unfolds within the human soul, it is at first a wholly personal matter—one way for one person, another way for another. Anyone with a healthy sense of self-awareness will be able to recognize, in this or that feeling of sympathy or antipathy that arises in their soul—which, as it were, has only a personal character—that this is indeed the case. But inner experience leads to a certain point where precisely a methodically driven self-knowledge—a pure self-knowledge unaffected by the personal—must acknowledge: the personal has indeed been set aside, forming a distinct realm; but one then reaches a certain point where, for inner experience—for supersensory experience—arbitrariness ceases just as it ceases when one encounters this or that sensory phenomenon, and where one cannot think as one pleases, but must think in accordance with the object. Thus, the human being also enters, inwardly and spiritually, into a certain sphere, a certain realm, where he becomes clearly aware that it is no longer his personal subjectivity that speaks, but that now beings and forces—not perceptible to the senses but supersensory—are speaking, for whom his individuality is just as insignificant as it is for what the external sensory objects convey. This insight must, of course, be gained if one is to speak of the right for what is said about the spiritual world to bear the name “science” at all. These lectures this winter, too, are intended to serve as further proof that the study of the spiritual world may rightly be called a science.

[ 10 ] So muß man sagen, Geisteswissenschaft ist ihrem Wesen nach auf dem begründet, was durch die menschliche Seele erforscht werden kann, wenn diese in ihrem innerlichen Ringen und Erleben zu einem Punkte gekommen ist, an dem das Persönliche nicht mehr bei den Betrachtungen der geistigen Welt mitspricht, sondern wo sie sich von der geistigen Welt selber ihre Eigentümlichkeiten sagen läßt. Wenn man die Geisteswissenschaft dann einmal vergleichen wird mit der Naturwissenschaft, so wird mancher vielleicht sagen: Dann fehlt aber doch der Geisteswissenschaft das wichtige Kennzeichen, daß sie auf alle Menschen einen überzeugenden Eindruck machen kann, welches bei der Naturwissenschaft aus dem Grunde vorhanden ist, daß man überall, wo naturwissenschaftliche Resultate auftreten, das Bewußtsein hat: Wenn du das auch nicht selber erforscht und gesehen hast, so könntest du doch, wenn du auf die Sternwarte oder in das Laboratorium gingest und dich des Fernrohres und des Mikroskopes bedientest, das in derselben Weise erkennen wie der, welcher dir die Mitteilung gemacht hat. Und es könnte weiter gesagt werden: Wenn auf dem Wege der Geisteswissenschaft der Beweis ein rein innerlicher ist, und die Seele mit sich ringt, bis sie sagt: jetzt gibst du nichts mit von deiner Persönlichkeit zu dem, ‚was dir die Gegenstände sagen, — es bleibt doch ein einzelnes Ringen. Und dem, der auf diesem Wege zu gewissen Ergebnissen gelangt ist, oder wem der geisteswissenschaftliche Forscher diese Ergebnisse mitteilt, dem müßte man sagen: Für mich bleiben diese Ergebnisse ein unbekanntes Land, bis ich selber aufsteige zu demselben Punkte!

[ 10 ] Thus, it must be said that spiritual science is, by its very nature, grounded in what can be explored by the human soul when, through its inner struggles and experiences, it has reached a point where the personal no longer influences its contemplation of the spiritual world, but rather allows the spiritual world itself to reveal its characteristics. If one were to compare spiritual science with natural science, some might say: But then spiritual science lacks the important characteristic of being able to make a convincing impression on all people—a characteristic that exists in natural science for the reason that, wherever scientific results appear, one has the awareness: Even if you haven’t researched and observed this yourself, you could still—if you went to the observatory or the laboratory and used the telescope and the microscope—recognize it in the same way as the person who reported it to you. And one could go on to say: While in spiritual science the proof is a purely inner one, and the soul wrestles with itself until it says, “Now you are not contributing anything of your own personality to what the objects are telling you”—it remains, nevertheless, an individual struggle. And to the one who has arrived at certain results along this path, or to whom the spiritual scientist communicates these results, one ought to say: “For me, these results remain an unknown land until I myself ascend to the same point!”

[ 11 ] Auch dieses — das soll sich uns noch zeigen — ergibt sich uns als ein unrichtiger Einwand. Gewiß, es gehört dieses einsame Ringen der Menschenseele, dieses Bloßlegen von in der Menschenseele schlummernden Kräften dazu, um in die geistige Welt, wo sie objektiv zu uns spricht, hinaufzudringen. Aber die geistige Welt ist so: Wenn die geisteswissenschaftlichen Resultate mitgeteilt werden, dann bleiben die Ergebnisse nicht etwa wirkungslos. Was aus einer durch die geisteswissenschaftliche Forschung geprüften Menschenseele als Mitteilungen zu andern Seelen tritt, kann von jeder Seele wieder, in einem gewissen Sinne allerdings, nachgeprüft werden, nicht so, daß man im Laboratorium sehen kann, was der andere gefunden hat, sondern so, daß man es einsehen kann. Denn in jeder Seele lebt ein unbefangener Wahrheitssinn, eine gesunde Logik, eine gesunde Vernünftigkeit. Und wenn die Ergebnisse der Geistesforschung in gesunde Logik gekleidet werden, in das, was zu unserem gesunden Wahrheitssinn spricht, dann klingt in jeder Seele oder kann wenigstens in jeder unbefangenen Menschenseele eine Saite mitklingen mit der mitteilenden Seele. Man kann sagen: Jede Seele ist in sich selber veranlagt, wenn sie sich auch noch nicht dem gekennzeichneten einsamen Ringen hingegeben hat, durch eine unbefangene Logik und durch einen gesunden Wahrheitssinn in sich aufzunehmen, was von der Geisteswissenschaft mitgeteilt wird. Wenn auch ganz gewiß zugegeben werden muß, daß im weitesten Umkreis, in dem heute dieses oder jenes von der Geisteswissenschaft getrieben wird, bei der Aufnahme der Mitteilungen der Geistesforschung nicht überall dieser gesunde Wahrheitssinn und diese gesunde Logik herrschen, so ist das ein Mangel einer jeden Geistesbewegung. Im Prinzip ist es aber durchaus richtig, was gesagt ist. Ja, im Prinzip sollte sogar beachtet werden, daß es zu Irrtümern über Irrtümern führen muß, wenn leichten Herzens und mit einem blinden Glauben das entgegengenommen wird, was so oft heute als Geisteswissenschaft an die Menschheit herangebracht wird. Wer wirklich auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, fühlt sich in strenger Art verpflichtet, logisch und vernunftgemäß das mitzuteilen, was er zu sagen hat, so daß es wirklich von einem gesunden Wahrheitssinn und von aller Logik geprüft werden kann. — So haben wir also von einer Seite das Wesen der Geisteswissenschaft dadurch bezeichnet, daß wir gezeigt haben, wie ihre Resultate gefunden werden müssen.

[ 11 ] This, too—as we shall yet see—turns out to be a false objection. Certainly, this solitary struggle of the human soul, this uncovering of the forces slumbering within it, is part of the process of ascending into the spiritual world, where it speaks to us objectively. But the spiritual world is such that when the findings of spiritual science are communicated, the results do not simply remain without effect. What emerges from a human soul—examined through spiritual scientific research—as messages to other souls can, in a certain sense, be verified by every soul in turn; not in the sense that one can see in a laboratory what another has discovered, but in the sense that one can comprehend it. For within every soul lives an unbiased sense of truth, a sound logic, and a sound rationality. And when the findings of spiritual research are clothed in sound logic—in that which speaks to our sound sense of truth—then a chord resonates within every soul, or at least within every unbiased human soul, in harmony with the communicating soul. One might say: Every soul is inherently predisposed—even if it has not yet devoted itself to the solitary struggle described—to take in, through an unbiased logic and a sound sense of truth, what is communicated by spiritual science. Although it must certainly be admitted that, within the broadest circles in which this or that aspect of spiritual science is pursued today, this healthy sense of truth and this healthy logic do not prevail everywhere in the reception of the findings of spiritual research—this is a shortcoming of every spiritual movement. In principle, however, what has been said is entirely correct. Indeed, in principle, one should even bear in mind that it is bound to lead to error upon error if what is so often presented to humanity today as spiritual science is accepted lightheartedly and with blind faith. Anyone who truly stands on the ground of spiritual science feels strictly obligated to communicate what they have to say in a logical and rational manner, so that it can truly be tested by a sound sense of truth and by all logic. — Thus, we have described the nature of spiritual science from one perspective by showing how its results must be arrived at.

[ 12 ] Daß es nun eine solche objektive Tatsache des Geistes gibt, kann ja nur diese Wissenschaft selber belegen. Darauf aber soll jetzt schon aufmerksam gemacht werden, daß diese Wissenschaft eben zu dem führt, was wir den realen, den wirklichen Inhalt der geistigen Welt nennen, einen Inhalt, der lebendig erfüllt ist von solcher Wesenhaftigkeit, wie etwa ein Menschenwesen selber von Wesenhaftigkeit erfüllt ist. Von diesem Gesichtspunkte aus ist sich die Geisteswissenschaft darüber klar, daß allem äußeren, physisch-sinnlichen Dasein, allem Dasein, von dem uns die Sinne sprechen und die verstandesmäßige Erfahrung, zuletzt eine geistige Welt zugrunde liegt, daß der Mensch so wie alle anderen Dinge aus dieser geistigen Welt herausgeboren ist, sich herausentwickelt hat, so daß also hinter der sinnenfälligen Welt, hinter dem, was man gewöhnlich das physische äußere Dasein nennt, das Gebiet der geistigen Welt sich ausdehnt. Wenn nun die Geisteswissenschaft allmählich dazu übergeht, aus ihren Beobachtungen heraus zu zeigen, wie es sich in dieser geistigen Welt ausnimmt, wie die geistige Welt unserer sinnenfälligen zugrunde liegt, dann fängt eben in vielen Kreisen unserer Gegenwart die Abneigung, die Antipathie an, was im Eingange der heutigen Betrachtung damit bezeichnet wurde: In weiten Kreisen der Gegenwart ist die Geisteswissenschaft eine ziemlich unbeliebte Sache. Und es ist keineswegs schwer zu begreifen, daß dieser Geisteswissenschaft heute noch ein gewaltiger Widerstand entgegengebracht wird. Es ist durchaus selbszverständlich und nicht nur selbstverständlich aus dem Grunde, weil dasjenige, was in einer gewissen Beziehung, wie die Geisteswissenschaft, neu dem menschlichen Kulturleben sich einverleibt, immer mit einer gewissen Zurückdrängung behandelt worden ist wie alle kleinen und großen Errungenschaften der Menschheit; sondern weil es in der Tat recht vieles gibt im Umkreis der Vorstellungen, die der Mensch heute zum Beispiel aus der naturwissenschaftlichen Beobachtung gewinnt, was gerade die Notwendigkeit hervorruft, daß sich der, der glaubt, ganz auf dem Boden der Naturwissenschaft zu stehen, in lauter Widersprüche verwickelt findet, wenn er von dem hört, was die Geisteswissenschaft sagt. Wer selbst auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, zweifelt gar nicht, daß mit einem gewissen Rechte Hundert und aber Hundert von sogenannten Widerlegungen dieser Geisteswissenschaft aufgebracht werden können. Nur wie in Parenthese möchte ich einfügen, daß ich selber in der nächsten Zeit an verschiedenen Orten und auch hier einmal, damit Klarheit in die angeregte Frage gebracht wird, zwei Vorträge halten werde, wovon der erste lauten wird: «Wie widerlegt man Theosophie?» und der andere: «Wie begründet man Theosophie?» Probeweise soll das geschehen, damit einmal gezeigt wird, wie der, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, wirklich alles zusammentragen kann, was an Widerlegungen gegenüber der Geisteswissenschaft aufgebracht werden kann. Ja, ich möchte sagen mehr noch als das, was schon angeführt worden ist, ist dies der Fall, daß die Widerlegungen der Geisteswissenschaft, wie man gewöhnlich heute von Widerlegungen spricht, in bezug auf ihre verschiedenen Resultate gar nicht so sonderlich schwierig sind. Es ist leicht, die geisteswissenschaftlichen Forschungen zu widerlegen.

[ 12 ] That such an objective fact of the spirit exists can, of course, only be demonstrated by this science itself. However, it should be pointed out at this very moment that this science leads precisely to what we call the real, actual content of the spiritual world—a content that is vividly imbued with such essentiality as a human being itself is imbued with. From this perspective, spiritual science is clear that underlying all external, physical-sensory existence, all existence of which our senses and intellectual experience speak, is ultimately grounded in a spiritual world; that human beings, just like all other things, are born from this spiritual world and have developed from it, so that behind the world perceptible to the senses—behind what is commonly called physical, external existence—the realm of the spiritual world extends. Now, when spiritual science gradually proceeds to show, on the basis of its observations, what this spiritual world is like and how it underlies our sensory world, then in many circles of our present time the aversion and antipathy begin that were described at the outset of today’s discussion: In many circles today, spiritual science is a rather unpopular subject. And it is by no means difficult to understand that spiritual science still faces tremendous resistance today. It is entirely natural—and not merely natural simply because, in a certain sense, anything new that is incorporated into human cultural life, such as spiritual science, has always been met with a certain degree of resistance, just as all of humanity’s achievements, great and small, have been; but because there is, in fact, quite a great deal within the realm of ideas that people today derive, for example, from scientific observation, which precisely creates the necessity that anyone who believes they stand entirely on the ground of natural science finds themselves entangled in utter contradictions when they hear what spiritual science has to say. Anyone who stands on the ground of spiritual science himself has no doubt whatsoever that, with a certain degree of justification, hundreds upon hundreds of so-called refutations of this spiritual science can be brought forward. Just as an aside, I would like to mention that I myself will be giving two lectures in the near future—in various places and also here once—in order to bring clarity to the question that has been raised; the first will be titled: “How Does One Refute Theosophy?” and the other: “How Does One Justify Theosophy?” This is to be done on a trial basis, so that it may be shown how one who stands on the ground of spiritual science can truly compile everything that can be brought up as refutations against spiritual science. Indeed, I would say that even more so than what has already been stated, the refutations of spiritual science—as refutations are commonly referred to today—are, in terms of their various results, not particularly difficult at all. It is easy to refute spiritual scientific research.

[ 13 ] Ich möchte diese Widerlegungen nicht direkt vergleichen, aber um zu verdeutlichen, was ich sagen will, anknüpfen an etwas, was einem oft auffällt, wenn man Werke von gewissen Philosophen über die Hegelsche Philosophie liest. — Ich will hier nicht über das sprechen, was an der Hegelschen Philosophie bedeutungsvoll ist, was wahr ist und was Irrtum ist; das wollen wir dahingestellt sein lassen. — Es wird unter den Kennern Hegels doch wenige geben, die nicht anerkennen, daß sie es in Hegel mit einem bedeutenden Geist zu tun haben. Nun findet sich in Hegels Schriften ein merkwürdiger Satz, der sozusagen einen tiefen Eindruck auf die machen kann, welche leichten Herzens Hegel widerlegen wollen. Und dieser Satz lautet: «Alles Wirkliche ist verünftig!» Nun denken wir einmal, man möchte sagen, welch innerliches Lachen ein solcher Satz hervorrufen muß bei dem, der gern widerlegt! Ein Philosoph soll groß sein, der solchen Unsinn spricht: «Alles Wirkliche ist vernünftig!» Man braucht nur einen einzigen Blick in die Welt zu lenken und wird sehen, wie unvernünftig dieser Satz ist! Es gibt eine einfache Methode, um die Richtigkeit dieses Satzes zu widerlegen, und die besteht darin, daß man selbst eine knüppeldicke Dummheit macht. Denn davon kann man behaupten, es sei ganz gewiß nicht vernünftig. Soll die Tatsache, daß eine Widerlegung leicht wird, denn auch dazu führen, daß sie einfach leicht genommen und leicht als bedeutungsvoll genommen werde? Das ist eine ganz andere Frage, die sich vielleicht dadurch beantwortet, daß man sich folgendes überlegt: Sollte denn wirklich Hegel — man mag sich zu Hegel stellen wie man will — so dumm gewesen sein, daß er nicht eingesehen hätte, was es gegen diesen Satz als Widerlegung gibt? Sollte er wirklich geglaubt haben, daß kein Mensch eine knüppeldicke Dummheit machen kann? Sollte man nicht selbst veranlaßt sein, einmal darauf einzugehen, in welchem Sinne Hegel diesen Satz gemeint haben kann, und daß man mit einer solchen Widerlegung gar nicht das trifft, was gemeint ist ?

[ 13 ] I do not wish to compare these refutations directly, but to clarify my point, I will refer to something that often strikes one when reading works by certain philosophers on Hegelian philosophy. — I do not wish to discuss here what is significant about Hegel’s philosophy, what is true, and what is false; let us leave that aside for now. — There are surely few among Hegel’s connoisseurs who do not acknowledge that they are dealing with a significant mind in Hegel. Now, there is a curious statement in Hegel’s writings that can, so to speak, make a deep impression on those who lightly set out to refute Hegel. And this statement reads: “Everything real is rational!” Now let us just imagine—one might say—what inner laughter such a statement must evoke in someone who delights in refuting! A philosopher who utters such nonsense—“Everything real is rational!”—must be a great one. One need only cast a single glance at the world to see how irrational this statement is! There is a simple method to refute the truth of this statement, and it consists in committing a blunder as thick as a club oneself. For one can assert that such a blunder is certainly not rational. Should the fact that a refutation is easy, then, also lead to it being taken lightly and easily regarded as significant? That is an entirely different question, which might be answered by considering the following: Could Hegel—whatever one’s stance on Hegel may be—really have been so foolish as not to have realized what arguments exist to refute this statement? Could he really have believed that no human being is capable of committing a blunder as glaring as this? Shouldn’t one be prompted to consider, for once, in what sense Hegel might have meant this proposition, and that such a refutation does not at all address what was actually intended?

[ 14 ] So könnte es auch bei vielen Dingen der Geisteswissenschaft sein. Um an etwas Konkretes anzuknüpfen: Die Geisteswissenschaft muß voraussetzen — das kann heute nur angeführt werden —, daß das, was wir im Menschen als das Werkzeug des Denkens, des Vorstellens, des Fühlens und des Wollens anerkennen, nämlich das Nervensystem mit dem Gehirn, herausgebaut ist aus einem Geistigen, daß Gehirn und Nervensystem Werkzeug sind eines Wesenhaften, das man nicht in der Sinneswelt aufzeigen kann, sondern das durch die charakterisierten Methoden der Geisteswissenschaft erforscht werden muß. Die Geisteswissenschaft muß also zurückgehen von dem, was die äußere, auf die sinnenfälligen Erscheinungen sich stützende Wissenschaft über Gehirn und Nervensystem zu sagen weiß, auf etwas, was im Menschen als Seelisch-Geistiges selbst arbeitet, was nicht mehr mit den Sinnen erforscht werden kann, was nur auf den inneren Wegen der Seele erforscht werden kann. Es ist nun wirklich kinderleicht zu widerlegen, was die Geistesforschung über ein Übersinnliches erzählt, das dem menschlichen Gehirn zugrunde liegt. Man kann sagen: Alles, was du da redest, ist selbst nur ein Produkt des Gehirns. Wenn du das nicht einsiehst, dann betrachte einmal, wie die geistigen Fähigkeiten in der Entwickelungsreihe steigen. Bei den niederen Tieren sind die geistigen Fähigkeiten noch ganz unvollkommen, bei den höheren Tieren und besonders bei den höheren Säugetieren sind sie schon bedeutender und vollkommener, und beim Menschen sind sie deshalb am vollkommensten erscheinend, weil sein Gehirn die größte Vollkommenheit erlangt hat. Das zeigt, daß aus dem Gehirn herauswächst, was als Geistesleben erscheint. Und wenn du das noch nicht glaubst, so wende dich einmal an den, der dir zeigen kann, wie in gewissen Krankheitsfällen gewisse Gehirnpartien unwirksam werden und gewisse Fähigkeiten vom Menschen nicht mehr ausgeübt werden können, so daß gleichsam gewisse Gehirnpartien abgetragen werden und das geistige Leben ausgeschaltet wird. Da siehst du also, wie Stück für Stück dein Geistesleben abgetragen werden kann durch das, was sinnenfälliges Organ ist! Warum sprichst du also da noch von geistigen Wesenheiten, die hinter den sinnenfälligen Dingen stehen sollen?

[ 14 ] This could also be the case with many aspects of the humanities. To take a concrete example: The humanities must assume — and this can only be stated today — that what we recognize in human beings as the instrument of thinking, imagining, feeling, and willing—namely, the nervous system together with the brain—is built up from a spiritual substance; that the brain and nervous system are instruments of an essential reality that cannot be demonstrated in the sensory world, but must be investigated through the characteristic methods of the humanities. Spiritual science must therefore move beyond what external science—based on sensory phenomena—has to say about the brain and nervous system, toward something that operates within the human being as a spiritual-soul element, something that can no longer be investigated with the senses, but only through the inner paths of the soul. It is, in fact, child’s play to refute what spiritual research says about a supersensible realm that underlies the human brain. One might say: Everything you are talking about here is itself merely a product of the brain. If you do not see this, then consider how spiritual faculties increase in the course of evolution. In lower animals, spiritual faculties are still quite imperfect; in higher animals, and especially in higher mammals, they are already more significant and more perfect; and in humans, they appear to be the most perfect because the human brain has attained the highest degree of perfection. This shows that what appears as spiritual life arises from the brain. And if you still do not believe this, turn to someone who can show you how, in certain cases of illness, certain parts of the brain become inactive and certain abilities can no longer be exercised by the human being, so that, as it were, certain parts of the brain are eroded and the spiritual life is shut down. There you see, then, how your spiritual life can be eroded bit by bit by what is a sensory organ! Why, then, do you still speak of spiritual beings who are supposed to stand behind the things perceptible to the senses?

[ 15 ] Dieser Einwand ist wirklich kinderleicht zu machen. Daß er aber nicht aus den naturwissenschaftlichen Ergebnissen heraus, sondern aus der Suggestion getan wird, die für viele aus gewissen naturwissenschaftlichen Theorien heraus gebildet wird, das muß uns als selbstverständlich in der Gegenwart erscheinen. Das alles hängt damit zusammen, daß unsere Zeit unter der suggestiven Gewalt dessen steht, daß man Wahrheit, Erkenntnis nur gewinnen könne, wenn man die Sinne nach außen richtet und den Verstand an dem Gewonnenen entzündet. Wenn nun auch — das muß in bezug auf die Geisteswissenschaft gesagt werden — diese Ergebnisse Widerlegungen der geisteswissenschaftlichen Resultate von allen Punkten nur so hervorquellen lassen müssen, so kann man doch sagen, daß auf der andern Seite in unserer Gegenwart ein tiefes Bedürfnis, eine tiefe Sehnsucht vorhanden ist, aus jenen Landen etwas zu hören, von denen Geisteswissenschaft zu berichten weiß. Eine tiefe Sehnsucht darnach hat sich zugleich herausgebildet und ist bei einer Gruppe von Menschen lebendig und bewußt vorhanden. Bei dem großen Teil der Menschen schlummert sie sozusagen unter der Oberfläche des Bewußtseins, wird aber immer mehr und mehr zur Erscheinung kommen. Immer größer und größer wird das Bedürfnis nach geisteswissenschaftlichen Resultaten werden. Diese Sehnsucht, dieses Bedürfnis nach geisteswissenschaftlichen Resultaten tritt — können wir sagen — als eine Nebenerscheinung neben der Bewunderung, der Hingabe gegenüber den naturwissenschaftlichen Errungenschaften auf. Gerade weil die naturwissenschaftlichen Errungenschaften notwendigerweise den Blick des Menschen nach außen wenden müssen, erwacht wie ein Gegenpol die Sehnsucht nach geisteswissenschaftlichen Resultaten. In bezug darauf sind wir innerhalb der Entwickelung, wie sie sich im neunzehnten und in unserem Jahrhundert ergeben hat, auf einem ganz anderen Gesichtspunkte angelangt, als die Menschheit ihn noch vor einem Jahrhundert hatte. Wenn man von dem Wert der geisteswissenschaftlichen Forschungen für die Gegenwart sprechen will, so ist es bedeutungsvoll, sich einmal vor die Seele zu rufen, daß selbst größere Geister vor einem Jahrhundert noch nicht das Bedürfnis gefühlt haben, von geisteswissenschaftlichen Ergebnissen in der Art zu sprechen, wie das heute im Sinne dieser Vortragsreihe geschehen soll. Und da die großen Individualitäten für die Menschheit nur tonangebend sind, in gewissem Sinne nur ausdrücken, was das Bedürfnis der gesamten Zeit ist, also auch der kleinen Individualitäten, so kann sich uns eine solche Sache anschaulich darstellen, wenn wir auf die größeren Individualitäten einmal hinblicken.

[ 15 ] This objection is really very easy to raise. However, the fact that it is based not on scientific findings but on the suggestion that many people derive from certain scientific theories must seem self-evident to us today. All of this is connected to the fact that our age is under the suggestive influence of the idea that truth and knowledge can only be attained by directing the senses outward and allowing the intellect to be inspired by what is perceived. Even if—and this must be said with regard to spiritual science—these findings are bound to give rise to refutations of the findings of spiritual science on every point, one can still say that, on the other hand, there exists in our present age a deep need, a deep longing, to hear something from those realms about which spiritual science has something to report. At the same time, a deep longing for this has emerged and is alive and consciously present among a group of people. In the majority of people, it lies dormant, so to speak, beneath the surface of consciousness, but will increasingly come to the fore. The need for results from spiritual science will grow ever greater. This longing, this need for results from spiritual science arises—we might say—as a side effect alongside the admiration and devotion for the achievements of the natural sciences. Precisely because the achievements of the natural sciences necessarily direct human attention outward, the longing for the results of spiritual science awakens as a counterpoint. In this regard, within the course of development as it has unfolded in the nineteenth and in our own century, we have arrived at a perspective quite different from the one humanity held even a century ago. If one wishes to speak of the value of research in the humanities for the present, it is significant to bear in mind that even the greatest minds a century ago did not yet feel the need to speak of findings in the humanities in the manner intended in this series of lectures. And since great individuals merely set the tone for humanity—in a certain sense, they merely express what the need of the entire age is, including that of lesser individuals—such a matter can become vividly clear to us when we look to these greater individuals.

[ 16 ] Da kann mit Recht gesagt werden: ein solcher Mensch wie Goethe hat vor einem Jahrhundert keineswegs das Bedürfnis gefühlt, sich über geisteswissenschaftliche Resultate auszusprechen, wie das heute etwa auf dem Boden der Geisteswissenschaft geschieht. Wo die Frage darauf kam, über etwas zu sprechen, was über dem äußerlich Sinnenfälligen liegt, hat sich auch Goethe wie so viele Menschen oft darauf berufen, daß das eine Sache des Glaubens, aber nicht einer strengen Wissenschaft sein könne. Und daß im Grunde genommen die Mitteilung von allgemein gültigen Resultaten auf diesem Boden kaum sehr fruchtbar sein könne, wenn sie von dem einen Menschen zu dem anderen gemacht werden, hat auch Goethe öfter geäußert. Wir sind im Laufe eines Jahrhunderts in bezug auf die Gesamtentwickelung der Menschheit nicht nur so fortgeschritten, daß Goethe in einem Zeitalter gelebt hat, welches keine Telegrafen, Telefone, Eisenbahnen und keine solche Aussichten gehabt hat, wie sie sich der Luftschiffahrt bieten; wir stehen auch in bezug auf die geistige Entwickelung vor Ergebnissen, die andere sind, als sie zur Zeit Goethes waren. Das können Sie an einem konkreten Fall sehen. Es gibt ein schönes Gespräch, das Goethe mit einem gewissen Falk geführt hat bei Gelegenheit des Todes Wielands. Da hat er sich über die Gebiete ausgesprochen, aus denen heraus eine gewisse Erkenntnis über das beim Menschen geschöpft werden soll, was über Geburt und Tod hinüberlebt, was nicht hinfällig ist mit der sinnlichen Hülle, was unsterblich ist gegenüber dem sterblichen Teil des Menschen. Der unmittelbare Anlaß des Todes des von ihm so geschätzten Wieland hatte Goethe dazu gedrängt, sich gegenüber einem Menschen wie Falk, der ihm Verständnis dafür entgegenbrachte, in populärer Weise auszudrücken. Und was er da sagte, ist höchst bezeichnend, wenn wir auf die Frage der Bedeutung der Geisteswissenschaft für die Gegenwart eingehen.

[ 16 ] It can rightly be said that a man like Goethe, a century ago, felt no need whatsoever to comment on the findings of the humanities, as is often done today in the field of the humanities. Whenever the question arose of discussing something that lies beyond what is outwardly perceptible to the senses, Goethe, like so many people, often maintained that this was a matter of faith, but not of rigorous science. And Goethe also frequently expressed the view that, fundamentally, the communication of universally valid findings in this field could hardly be very fruitful when conveyed from one person to another. Over the course of a century, we have not only advanced so far in terms of humanity’s overall development that Goethe lived in an age that had no telegraphs, telephones, railroads, or prospects such as those offered by air travel; we also stand, in terms of intellectual development, before results that are different from those of Goethe’s time. You can see this in a specific example. There is a beautiful conversation that Goethe had with a certain Falk on the occasion of Wieland’s death. In it, he spoke about the realms from which a certain understanding is to be drawn regarding what in human beings survives beyond birth and death, what does not perish with the physical body, and what is immortal in contrast to the mortal part of the human being. The immediate occasion of the death of Wieland, whom he held in such high esteem, had prompted Goethe to express himself in accessible terms to someone like Falk, who showed him understanding in this regard. And what he said there is highly significant when we address the question of the significance of spiritual science for the present day.

[ 17 ] «...Sie wissen längst, daß Ideen, die eines festen Fundamentes in der Sinneswelt entbehren, bei allem ihrem übrigen Wert für mich keine Überzeugung mit sich führen, weil ich der Natur gegenüber wissen, nicht aber bloß vermuten und glauben will. Was nun die persönliche Fortdauer unserer Seele nach dem Tode betrifft, so ist es damit auf meinem Wege also beschaffen: Sie steht keineswegs mit den vieljährigen Beobachtungen, die ich über die Beschaffenheit unserer und aller Wesen in der Natur angestellt, im Widerspruch; im Gegenteil, sie geht sogar aus denselben mit neuer Beweiskraft hervor. Wie viel aber, oder wie wenig von dieser Persönlichkeit übrigens verdient, daß es fortdauere, ist eine andere Frage und ein Punkt, den wir Gott überlassen müssen. Vorläufig will ich nur dies zuerst bemerken: Ich nehme verschiedene Klassen und Rangordnungen der letzten Urbestandteile aller Wesen an, gleichsam der Anfangspunkte aller Erscheinungen in der Natur, die ich Seelen nennen möchte, weil von diesen die Beseelung des Ganzen ausgeht, oder noch lieber Monaden — lassen Sie uns immer diesen Leibnizischen Ausdruck beibehalten! Die Einfachheit des einfachsten Wesens auszudrücken, möchte es kaum einen besseren geben. Nun sind einige von diesen Monaden oder Anfangspunkten, wie uns die Erfahrung zeigt, so klein, so geringfügig, daß sie sich höchstens nur zu einem untergeordneten Dienst und Dasein eignen; andere dagegen sind gar stark und gewaltig. Die letzten pflegen daher alles, was sich ihnen naht, in ihren Kreis zu reißen und in ein ihnen Angehöriges, das heißt in einen Leib, in eine Pflanze, in ein Tier, oder noch höher hinauf, in einen Stern zu verwandeln. Sie setzen dies solange fort, bis die kleine oder große Welt, deren Intention geistig in ihnen liegt, auch nach außen leiblich zum Vorschein kommt. Nur die letzten möchte ich eigentlich Seelen nennen. Es folgt hieraus, daß es Weltmonaden, Weltseelen, wie Ameisenmonaden, Ameisenseelen gibt, und daß beide in ihrem Ursprung, wo nicht völlig eins, doch im Urwesen verwandt sind. Jede Sonne, jeder Planet trägt in sich eine höhere Intention, einen höheren Auftrag, vermöge dessen seine Entwickelungen ebenso regelmäßig und nach demselben Gesetze wie die Entwickelungen eines Rosenstockes durch Blatt, Stiel und Krone, zustande kommen müssen. Mögen Sie dies eine Idee oder eine Monade nennen, wie Sie wollen, ich habe auch nichts dawider; genug, daß diese Intention unsichtbar und früher, als die sichtbare Entwickelung aus ihr in der Natur, vorhanden ist... »

[ 17 ] “...You have long known that ideas which lack a firm foundation in the sensory world, for all their other value, do not convince me, because when it comes to nature, I want to know, not merely surmise or believe. As for the personal survival of our soul after death, this is how I see it: It is by no means at odds with the many years of observations I have made regarding the nature of our own and all other beings in nature; on the contrary, it even emerges from them with renewed evidential force. However, how much—or how little—of this personality, incidentally, deserves to endure is another question and a matter we must leave to God. For the time being, I will merely note this first: I assume various classes and hierarchies of the ultimate constituents of all beings—as it were, the starting points of all phenomena in nature—which I would like to call souls, because the animation of the whole proceeds from them; or, better yet, monads—let us always retain this Leibnizian term! There could hardly be a better term to express the simplicity of the simplest being. Now, as experience shows us, some of these monads or starting points are so small, so insignificant, that they are suited, at most, only to a subordinate function and existence; others, on the other hand, are extremely strong and powerful. The latter therefore tend to draw everything that approaches them into their sphere and transform it into something belonging to them—that is, into a body, a plant, an animal, or, even higher still, a star. They continue this process until the small or large world, whose intention lies spiritually within them, also manifests itself physically outwardly. It is only the latter that I would actually call souls. It follows from this that there are world monads, world souls, just as there are ant monads and ant souls, and that both are, in their origin, if not completely one, then at least related in their primordial essence. Every sun, every planet carries within itself a higher intention, a higher mission, by virtue of which its developments must take place just as regularly and according to the same laws as the developments of a rosebush through its leaves, stem, and crown. Whether you call this an idea or a monad, as you wish, I have no objection; suffice it to say that this intention exists invisibly and prior to the visible development that arises from it in nature... »

[ 18 ] In gewissem Sinne spricht also Goethe in der damaligen Zeit von dem, wovon wir in diesen Vorträgen hier öfter sprechen werden: über Wiederverkörperung der Menschenseele. Und er macht die Bemerkung: nach allem, was er sich selbst als Anschauung über die Menschenwelt, Tierwelt und so weiter gebildet habe, widerspräche eine solche Anschauung nicht dem, was er als Wissenschaft da aufgebaut habe.

[ 18 ] In a certain sense, then, Goethe was speaking at that time about what we will discuss more often in these lectures: the reincarnation of the human soul. And he remarks: based on everything he had formed for himself as a view of the human world, the animal world, and so on, such a view would not contradict what he had established as science.

[ 19 ] Man kann sich nun leicht überlegen, was ein solcher Ausspruch im Munde Goethes besagt, wenn man sich darauf besinnt, daß Goethe 1784 eine Entdeckung gemacht hatte, die allein genügt haben würde, seinen Namen bis in die weitesten Zeiten zu erhalten, selbst wenn er sonst gar nichts geleistet hätte: die Entdeckung des sogenannten Zwischenkieferknochens in der oberen Kinnlade des Menschen. Man hat in der oberen Kinnlade des Menschen — wie bei den Tieren auch — einen Zwischenknochen. Das leugnete man gerade damals, als Goethe in die Naturwissenschaft hineinging. Man suchte, wo es sich um die Unterscheidung von Mensch und Tier handelte, nur nach äußeren unterscheidenden Merkmalen und meinte, die Tiere hätten im Oberkiefer einen Zwischenknochen, und der wäre beim Menschen nicht vorhanden. Das unterscheide die menschliche von der tierischen Organisation. Goethe wollte es nicht zugeben, konnte es nicht glauben, daß in dieser untergeordneten Beschaffenheit der Unterschied zwischen Mensch und Tier anzugeben sei, und ging mit allen Mitteln daran, zu zeigen, daß das, was man Zwischenkieferknochen nennt, beim Menschen zwar schon kurz nach der Geburt verwachse, aber doch in der Anlage vorhanden sei und nicht beim Menschen fehle. Daß nicht in so etwas Außerem der Unterschied zwischen Mensch und Tier liege, war ihm wirklich gelungen zu beweisen.

[ 19 ] It is easy to imagine what such a statement means coming from Goethe, when one considers that in 1784 Goethe had made a discovery that alone would have been enough to ensure his name’s survival for all time, even if he had accomplished nothing else: the discovery of the so-called intermediate jawbone in the human upper jaw. The human upper jaw—just like that of animals—contains an intermediate bone. This was denied precisely at the time when Goethe entered the field of natural science. When it came to distinguishing between humans and animals, people looked only for external distinguishing features and believed that animals had an intermediate bone in the upper jaw, whereas humans did not. This, it was believed, distinguished the human from the animal organism. Goethe refused to accept this; he could not believe that the difference between humans and animals lay in such a subordinate anatomical feature, and he set out by every means to demonstrate that what is called the intermaxillary bone, although it fuses in humans shortly after birth, is nevertheless present in embryonic form and is not absent in humans. He had indeed succeeded in proving that the difference between humans and animals does not lie in such an external feature.

[ 20 ] Von diesem Ausgangspunkt aus hat Goethe auf allen Gebieten der Naturwissenschaft sich umgetan und war also wohl bekannt mit der wissenschaftlichen Denkweise seiner Zeit. Ja, er war seiner Zeit so weit voraus, daß Darwinianer, welche Goethe im Sinne Darwins umdeuten wollten, heute behaupten können: Goethe wäre ein Vorläufer Darwins. Obwohl Goethe so in der Wissenschaftlichkeit seiner Zeit wurzelt und darüber hinausgeht, kann er trotzdem sagen, was er sich als Ansicht über des Menschen unsterbliches Teil gebildet habe, was anklingt an die Wiederverkörperung, das sei durchaus mit seinen wissenschaftlichen Vorstellungen vereinbar. Und was Goethe damals sagen konnte, könnte sich im Grunde genommen jeder Mensch sagen. Auch andere Forscher, die sich in wissenschaftlicher Weise die Erkenntnisbedürfnisse für das Leben zu erringen suchten, waren in derselben Lage. Charakteristisch dafür ist, daß man sich auf Haeckelschem Boden auf eine große Tat Kants beruft, auf die Begründung der mechanischen Weltanschauung durch Kant, und auf die im Jahre 1775 geschriebene «Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels oder Versuch von der Verfassung und dem mechanischen Ursprunge des ganzen Weltgebäudes» von Kant hinweist. Sie brauchen sich nur das Reclamheft zu nehmen, den Schluß sich anzuschauen und dann zu fragen: Wie stellen sich die, welche auf dem Boden des bloßen Haeckelismus stehen, zu Kant, wenn er von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele spricht, wo er über die großen Geheimnisse der Menschenseele spricht, über die Aussicht, die sich in der Bewohnbarkeit anderer Himmelskörper bietet und in dem Weiterleben der menschlichen Seele auf andern Planeten? Wie stellen sich solche Anhänger Haeckels zu der Möglichkeit einer Wiederverkörperung des Menschen, wie sie in dieser 1775 erschienenen Schrift Kants auftaucht? Man beruft sich heute auf Dinge so, daß man erstaunt sein müßte, wenn dieselben, die sich auf Kant berufen, diese Dinge wirklich gelesen hätten!

[ 20 ] From this starting point, Goethe explored all fields of natural science and was thus well acquainted with the scientific mindset of his time. Indeed, he was so far ahead of his time that Darwinists, who sought to reinterpret Goethe in the spirit of Darwin, can claim today that Goethe was a precursor to Darwin. Although Goethe is so deeply rooted in the scientific thought of his time and yet transcends it, he can nevertheless say that the view he had formed regarding the immortal part of the human being—which echoes the idea of reincarnation—is entirely compatible with his scientific concepts. And what Goethe was able to say back then is, in essence, something every person could say to themselves. Other researchers who sought to satisfy life’s need for knowledge through scientific means were in the same position. It is characteristic of this that, on Haeckelian grounds, one invokes a great achievement of Kant’s—namely, Kant’s foundation of the mechanical worldview—and refers to Kant’s *General Natural History and Theory of the Heavens, or An Attempt at an Explanation of the Constitution and the Mechanical Origin of the Entire World Structure*, written in 1775. All you need to do is pick up the Reclam booklet, look at the conclusion, and then ask: What is the stance of those who stand on the ground of mere Haeckelism toward Kant when he speaks of the immortality of the human soul, when he discusses the great mysteries of the human soul, the prospect of other celestial bodies being habitable, and the continued existence of the human soul on other planets? What is the stance of such followers of Haeckel regarding the possibility of human reincarnation, as it appears in this work by Kant published in 1775? People refer to these things today in such a way that one would be astonished if those very same people who invoke Kant had actually read them!

[ 21 ] Es liegen die Dinge in der Gegenwart schon anders, als sie vor einem oder anderthalb Jahrhunderten lagen. Es lag im Zeitbedürfnis, daß man in einer gewissen Weise, die mit Wissenschaft nichts zu tun haben wollte, über die Dinge des geistigen Lebens sprach, weil man empfand, man spricht da von etwas, was in keinem Widerspruch steht zu dem, was von der Wissenschaft behauptet werden kann. Jeder, der die Wissenschaft von der Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts auf sich wirken läßt, fühlt, wenn er nur durch die populären Schilderungen Wissenschaftliches aufnimmt, daß er so sprechen könnte wie Goethe: Die Überzeugungen, die ich mir von einem geistigen Leben gebildet habe, seien sie auch nur wie ein persönlicher Glaube, werden in keinem Punkte dem widersprechen, was als Wissenschaft heute geboten wird.

[ 21 ] Things are different today than they were a century or a century and a half ago. It was a product of the spirit of the times that people spoke about matters of intellectual life in a certain way that sought to have nothing to do with science, because they felt they were speaking of something that was not in contradiction to what science could assert. Anyone who allows the science of the turn of the eighteenth and nineteenth centuries to take hold of them—even if they absorb scientific knowledge only through popular accounts—feels that they could speak as Goethe did: The convictions I have formed about intellectual life, even if they are merely a personal belief, will in no way contradict what is presented as science today.

[ 22 ] Die Dinge sind anders geworden und werden heute gegenüber der Wissenschaft sehr schwierig. Man muß bedenken, daß nach dem Tode Goethes die großen Entdeckungen von Schleiden und Schwann über die Menschen- und Tierzelle eingetreten sind, und daß sich da erst sinnenfällig ein Elementar-Organismusdargeboten hat. Was braucht man zu reden von einem «Leben auf andern Himmelskörpern» und so weiter, wenn man sehen kann, wie bei einem Tier oder einer Pflanze durch Zusammenwirken der rein materiellen, sinnenfälligen Zellen die Körper sich aufbauen!

[ 22 ] Things have changed, and today the situation is becoming very difficult for science. One must bear in mind that, after Goethe’s death, Schleiden and Schwann made their great discoveries regarding human and animal cells, and that it was only then that an elementary organism presented itself in a way that was perceptible to the senses. Why even talk about “life on other celestial bodies” and so on, when one can see how, in an animal or a plant, bodies are built up through the interaction of purely material, perceptible cells!

[ 23 ] Dann kamen die andern gewaltigen Errungenschaften. Wir brauchen nur nachzudenken, was für einen Eindruck es auf das menschliche Nachsinnen machen konnte, als Kirchhoff und Bunsen die Spektralanalyse brachten, die des Menschen Blick erweiterte über ferne Welten, und wo der Schluß gezogen werden durfte, daß das materielle Dasein, das wir auf der Erde finden, auch auf den fernsten Weltenkörpern dasselbe ist, so daß von einer Einheit des Stoffes in dem ganzen Weltendasein gesprochen werden durfte. Und jeder Tag vermehrt heute das, was uns auf diesem Gebiet entgegentreten kann. Ich könnte auf Hunderte und Hunderte von solchen Dingen hinweisen, die umwälzend gewirkt haben — nicht auf die Tatsachenwelt, sondern auf die Vorstellungsart der Menschen, so daß die Überzeugung entstehen mußte, daß man gegenüber dem, was die naturwissenschaftliche Methode bietet, kein Recht habe anders als so zu sprechen: Wartet ab, was die naturwissenschaftliche Forschung euch zu sagen hat über die Gründe des Lebens, über die Entstehung des Geisteslebens aus der Gehirntätigkeit, und redet nicht in phantastischer Art von einer geistigen Welt, welche dem allen zugrunde liegen soll! — Das ist alles nur zu leicht zu begreifen.

[ 23 ] Then came the other tremendous achievements. We need only consider what an impression it must have made on human thought when Kirchhoff and Bunsen introduced spectral analysis, which broadened humanity’s view to distant worlds, and where it became possible to conclude that the material existence we find on Earth is the same on even the most distant celestial bodies, so that one could speak of a unity of matter throughout the entire universe. And every day brings new discoveries in this field. I could point to hundreds and hundreds of such things that have had a revolutionary effect—not on the world of facts, but on people’s ways of thinking—so that the conviction had to arise that, in the face of what the scientific method offers, one has no right to speak any other way than this: Wait and see what scientific research has to tell you about the foundations of life, about the origin of spiritual life from brain activity, and do not speak in fanciful terms of a spiritual world that is supposed to underlie all of this! — All of this is far too easy to understand.

[ 24 ] So hat sich für die menschliche Überzeugungskraft der Anblick des Naturwissenschaftlichen geändert. Goethe ist in dieser Beziehung wirklich ein Vorgänger Darwins. Aber trotzdem stieg er auf in Gemäßheit des Geistes seiner Zeit von seinen naturwissenschaftlichen Forschungen, von der Entwickelung der Lebewesen vom Unvollkommenen zum Vollkommenen, zu einer rein geistigen Weltanschauung, die durchaus das Übersinnliche, das Geistige hinter allem Sinnlichen sucht. Die Menschen, welche in derselben Weise in unserer Zeit vorgehen, glauben, daß die naturwissenschaftlichen Resultate dazu drängen, haltzumachen vor dem, was diese naturwissenschaftlichen Resultate sein sollen, und daß alles, was Geistesgebiet ist, wie hervorquillt aus dem sinnenfälligen Hintergrunde. Heute könnte eben nicht in derselben Weise wie vor einem Jahrhundert der Mensch sagen, was er durch seine persönliche Glaubensüberzeugung weiß oder zu wissen glaubt oder sich angeeignet hat über die übersinnliche Welt, stehe nicht in Widerspruch zu den naturwissenschaftlichen Ergebnissen, sondern es scheint, daß es gar sehr in Widerspruch dazu stehen müsse. Und nicht bloß diesem oder jenem ernsten, würdigen Wahrheitsforscher und strebenden Menschen scheint es so.

[ 24 ] Thus, the way in which the natural sciences are perceived has changed in terms of their power to convince people. In this regard, Goethe is truly a precursor to Darwin. Nevertheless, in keeping with the spirit of his time, he moved from his scientific research—from the evolution of living beings from the imperfect to the perfect—to a purely spiritual worldview that seeks the supernatural and the spiritual behind all that is sensory. People who proceed in the same way in our time believe that the findings of natural science compel us to stop short of what these findings are supposed to be, and that everything belonging to the realm of the spirit seems to well up from the sensory background. Today, people simply cannot say—as they could a century ago—that what they know, or believe they know, or have come to accept through their personal convictions about the supersensible world is not in contradiction to the findings of natural science; rather, it seems that it must indeed be in stark contradiction to them. And it is not only this or that serious, dignified seeker of truth and striving individual who perceives it this way.

[ 25 ] Wenn das der Fall ist, so müssen wir sagen: Für unsere Gegenwart ist diejenige Überzeugungskraft, sind die Überzeugungsgründe, die herangebracht werden konnten noch vor einem Jahrhundert oder auch noch später, ohne daß sie mit den äußeren wissenschaftlichen Resultaten in Widerspruch standen, nicht mehr unmittelbar maßgebend. Es bedarf heute gewichtigerer Impulse, um das, was über die übersinnliche Welt gesagt wird, gegenüber den strengen wissenschaftlichen Resultaten der Wissenschaft aufrechtzuerhalten. Was wir über die geistige Welt zu glauben uns befugt halten, das müssen wir imstande sein, in derselben Weise einzukleiden, in derselben objektiven Weise zu gewinnen, wie die naturwissenschaftlichen Resultate — nur auf anderem Boden — gewonnen werden können. Nur von einer Geisteswissenschaft, die mit derselben Logik, mit demselben gesunden Wahrheitssinn arbeitet wie die Naturwissenschaft, wird man empfinden können, daß sie sich neben die gewaltig fortgeschrittene Naturwissenschaft stellen kann. Wenn man dies bedenkt, begreift man, in welchem Sinne Geisteswissenschaft heute für unsere Gegenwart eine Notwendigkeit geworden ist. Man begreift auch, daß diese Geisteswissenschaft einzig und allein den Sehnsüchten, von denen gesprochen worden ist, entgegenkommen kann. Und diese Sehnsüchte sind deshalb vorhanden, weil unbewußt für viele Menschenseelen wirkt, was eben charakterisiert worden ist — gerade bei den besten Wahrheitssuchern und auf einem Gebiet, wo man es sich gar nicht versieht —, wenn man anführt, wie der menschliche Erkenntnisdrang hinausstrebt aus dem, was immer auf wissenschaftlichem Gebiet früher zu sagen war.

[ 25 ] If that is the case, then we must say: For our present time, the persuasive power and the arguments that could be put forward even a century ago—or even later—without contradicting external scientific findings are no longer directly decisive. Today, more substantial impetus is needed to uphold what is said about the supersensible world in the face of the rigorous scientific findings of science. What we consider ourselves justified in believing about the spiritual world, we must be able to present in the same way, to establish in the same objective manner, as the findings of natural science—only on a different foundation—can be established. Only a spiritual science that works with the same logic and the same sound sense of truth as natural science will be perceived as capable of standing alongside the vastly advanced natural sciences. When one considers this, one understands in what sense spiritual science has become a necessity for our present time. One also understands that this spiritual science alone can satisfy the longings that have been described. And these longings exist because what has just been described is at work unconsciously in many human souls—precisely among the finest seekers of truth and in a realm where one least expects it—when one points out how the human drive for knowledge reaches beyond whatever has previously been said in the scientific realm.

[ 26 ] Gewiß scheint das mathematische Gebiet, das Gebiet der Geometrie ein solches zu sein, auf welchem das, was man gewinnt, in seiner Anwendung auf die sinnliche Welt gesichert erscheint. Wer möchte sozusagen leichten Herzens glauben, daß irgend jemand behaupten könne, was die Welt über die Mathematik, über die Geometrie zu sagen habe, könnte irgendwie erschüttert werden? Und dennoch ist es charakteristisch, daß es im Verlaufe des neunzehnten Jahrhunderts Geister gegeben hat, die sich rein mathematisch, durch strenge mathematische Untersuchungen dazu aufgeschwungen haben, Geometrien, Mathematiken auszudenken, die nicht Geltung haben innerhalb unserer sinnlichen Welt, sondern Geltung haben für ganz andere Welten. Also denken wir: streng mathematisch denkende Geister hat es gegeben, die empfanden, sie könnten über das hinausgehen, was es bisher als Mathematik und Geometrie über das Gebiet der Sinneswelt gegeben hat, könnten eine Geometrie erfinden, die für eine ganz andere Sinneswelt gilt! Und es gibt nicht eine, sondern mehrere solcher Geometrien. Mathematisch Geschulte wissen etwas über die Namen Riemann, Lobatschewski, Bolyai. Wir wollen hier nicht näher darauf eingehen, denn es kommt uns nur darauf an, daß aus dem menschlichen Erkennen so etwas werden konnte. — Es gibt zum Beispiel Geometrien, die nicht den Satz anerkennen: Die drei Winkel eines Dreiecks betragen zusammen 180 Grad, sondern für welche die Dreiecke eine ganz andere Eigenschaft haben, so daß zum Beispiel die drei Winkel eines Dreiecks stets kleiner sind als 180 Grad. Oder einen andern Fall: Für unsere euklidische Geometrie kann man durch einen Punkt zu einer gegebenen Linie nur eine Parallele ziehen. Geometrien sind ausgedacht worden, wo man unendlich viele Parallelen durch einen Punkt zu einer andern Linie ziehen kann. Das heißt also: Geister hat es gegeben, die sich gedrängt fanden, für andere Welten nicht bloß zu schwärmen, sondern sogar Geometrien für sie auszudenken! Das spricht gewaltig dafür, daß selbst in Mathematikerköpfen eine Sehnsucht waltete, darüber hinauszugehen, was in der unmittelbar uns umgebenden Welt ist.

[ 26 ] Certainly, the field of mathematics—the field of geometry—seems to be one in which what is gained appears to be secure in its application to the sensory world. Who would be willing, so to speak, to believe without a second thought that anyone could claim that what the world has to say about mathematics, about geometry, could in any way be called into question? And yet it is characteristic that, in the course of the nineteenth century, there were minds who, purely mathematically and through rigorous mathematical investigations, rose to the level of conceiving geometries and mathematics that have no validity within our sensory world, but rather apply to entirely different worlds. So let us consider: there have been minds with a strictly mathematical way of thinking who felt they could go beyond what had hitherto existed as mathematics and geometry within the realm of the sensory world—that they could invent a geometry applicable to an entirely different sensory world! And there is not just one, but several such geometries. Those trained in mathematics are familiar with the names Riemann, Lobachevsky, and Bolyai. We do not wish to go into further detail here, for what matters to us is simply that human cognition could give rise to such things. — For example, there are geometries that do not accept the theorem that the three angles of a triangle add up to 180 degrees, but in which triangles have an entirely different property, so that, for instance, the three angles of a triangle are always less than 180 degrees. Or consider another case: In our Euclidean geometry, one can draw only one parallel line through a point to a given line. Geometries have been devised in which one can draw an infinite number of parallel lines through a point to another line. This means, then, that there have been minds that felt compelled not merely to dream of other worlds, but even to devise geometries for them! This strongly suggests that even in the minds of mathematicians, there was a longing to go beyond what exists in the world immediately surrounding us.

[ 27 ] Nur eines soll noch angeführt werden über die Tatsache, daß unsere Zeit etwas braucht, was aus der Geisteswissenschaft gewonnen werden kann. Es wird sich uns zeigen, daß in der Tat der Mensch in bezug auf das, was sein eigentliches geistig-seelisches Wesen ist, immer wieder und wieder in erneuerten Leben auf unserer Erde selbst erscheint. Daß das, was man Wiederverkörperung nennt, auf geistig-seelischem Gebiete eine ähnliche Tatsache ist wie die Entwickelungslehre oder Evolutionstheorie auf einer untergeordneten Stufe für das Tierreich. Daß also die menschliche Seele sich hindurchentwickelt durch Verkörperungen, die sie während ferner Vergangenheiten erlebt hat, und durch solche sich hindurchleben wird, die sie in fernen zukünftigen Verkörperungen erleben wird. Gewiß, gerade gegen solche Dinge wird sich die Widerlegungskunst gar sehr in der Gegenwart noch wenden. Aber man kann schon behaupten, daß die Gegenwart ein tiefes Bedürfnis nach solchen Ergebnissen hat, die zusammenhängen mit dem, wodurch sich der Mensch orientieren kann über seine Bestimmung, seine ganze Lage zur äußeren Welt.

[ 27 ] There is just one more point to be made regarding the fact that our time needs something that can be derived from spiritual science. It will become clear to us that, in fact, the human being—in terms of what constitutes his true spiritual-soul nature—appears again and again in renewed lives on our Earth itself. That what is called reincarnation is, in the spiritual-soul realm, a fact similar to the theory of evolution at a lower level for the animal kingdom. That is to say, the human soul develops through incarnations it has experienced in the distant past and will continue to live through those it will experience in distant future incarnations. Certainly, the art of refutation will still be directed very strongly against such ideas in the present. But one can already assert that the present has a deep need for such insights, which are connected to what enables human beings to orient themselves regarding their purpose and their entire relationship to the external world.

[ 28 ] Der Mensch hat seit kurzer Zeit erst angefangen, sich richtig als geschichtliches Wesen in die Weltentwickelung hineinzustellen. Das ist durch die äußeren Bildungsmittel gekommen. Denken Sie an den eingeschränkten Gesichtskreis der Menschheit des vierzehnten, fünfzehnten Jahrhunderts, bevor die Buchdruckerkunst die Bildungsmittel verbreitet hat. Dadurch traten an das menschliche Herz noch nicht Fragen heran wie die: Wie kann sich unsere Seele befriedigt gegenüberstellen dem, was wir als den geschichtlichen Fortschritt erkennen? Hier liegt der Ursprung einer Frage, die für viele Menschen heute schon eine Herzensfrage geworden ist. Der geschichtliche Fortschritt zeigt uns, daß immer neue Errungenschaften, die auch für die innere Entwickelung der Seele selber Wert haben, daß neue und immer neue Tatsachen eintreten in den Strom der fortschreitenden Menschheit. Da muß sich der Mensch fragen: Wie verhält es sich nun mit dem Menschen in seiner innersten Wesenheit selber? Waren die Menschen der Vergangenheit dazu verurteilt, in einem dumpfen Dasein ihr Leben erlebt zu haben und nicht Anteil zu nehmen an Entwickelungsprodukten eines späteren Fortschrittes? Wie ist denn der Anteil der menschlichen Wesenheit an den aufeinanderfolgenden Entwickelungen des Menschengeschlechtes?

[ 28 ] It is only recently that human beings have truly begun to position themselves as historical beings within the development of the world. This has come about through external means of education. Consider the limited perspective of humanity in the fourteenth and fifteenth centuries, before the art of printing had disseminated the means of education. As a result, questions such as the following had not yet arisen in the human heart: How can our soul find fulfillment in the face of what we recognize as historical progress? Herein lies the origin of a question that has already become a matter close to the hearts of many people today. Historical progress shows us that ever-new achievements—which also hold value for the inner development of the soul itself—and that new and ever-new realities are entering the stream of humanity’s progress. Here, one must ask: What, then, is the situation regarding human beings in their innermost essence? Were the people of the past condemned to live out their lives in a dull existence, unable to share in the fruits of later progress? What, then, is the role of the human essence in the successive developments of the human race?

[ 29 ] Mag das eine Frage sein, gegenüber der mancher Einwand gemacht werden könnte —, hier soll nur davon die Rede sein, daß in der Tat aus einem tiefen Gefühl der Menschenseele die Frage, das Rätsel entsteht: Ist es denn möglich, daß heute eine menschliche Seele lebt, die dadurch, daß ihr Leben eingeschlossen ist zwischen Geburt und Tod, nicht sich Errungenschaften einverleiben kann, die erst in der Zukunft dem Strom der Menschheitsentwickelung eingeprägt werden?

[ 29 ] While this may be a question to which some might raise objections—the point here is simply to note that the question, the mystery, does indeed arise from a deep feeling within the human soul: Is it possible that there exists today a human soul which, because its life is confined between birth and death, cannot incorporate achievements that will only be imprinted on the stream of human development in the future?

[ 30 ] Diese Frage nimmt für die Bekenner des Christentums eine grundlegende Bedeutung an. Wer auf dem Boden eines geläuterten Christentums steht, unterscheidet in der Entwickelung der Menschheit die vorchristliche Epoche von der nachchristlichen und spricht davon, daß von dem Christus-Ereignis ein Strom neuen geistigen Lebens ausgegangen ist, der früher nicht für die Erdenmenschheit da war. Da muß sich für einen solchen Menschen besonders die Frage ergeben: Wie ist es mit den Seelen, die vor dem Christus-Ereignis gelebt haben, vor der Verkündigung dessen, was vom Christus-Ereignis ausströmte?

[ 30 ] This question takes on fundamental significance for those who profess the Christian faith. Those who stand on the foundation of a purified Christianity distinguish, in the development of humanity, between the pre-Christian and post-Christian eras, and speak of how a stream of new spiritual life flowed from the Christ event—a stream that had not previously been available to humanity on Earth. For such a person, the question must naturally arise: What of the souls who lived before the Christ event, before the proclamation of what radiated from the Christ event?

[ 31 ] Eine solche Frage kann der Mensch stellen. Die Geisteswissenschaft beantwortet sie ihm nicht nur theoretisch, sondern so, daß sie ihm auch befriedigend ist, indem sie zeigt, daß dieselben Menschen, die in der Zeit vor dem Christus-Ereignis Errungenschaften der vorchristlichen Zeit aufgenommen haben, wiederverkörpert werden, nachdem der Strom der christlichen Entwickelung seinen Anfang genommen hat, so daß also keiner verlustig gehen kann dessen, was in der Kultur eintritt. So wächst für die Geisteswissenschaft aus der Geschichte etwas heraus, was nicht bloß allgemeine abstrakte Ideen sind, die kalt und abstrakt wie steife Kräfte den Menschheitsstrom durchkraften sollen, sondern es spricht die Geisteswissenschaft von der Geschichte als von etwas, an dem der Mensch mit seinem innersten Wesen allüberall beteiligt ist. Und da sich der menschliche Horizont durch die modernen Bildungsmittel erweitert hat, wird diese Frage jetzt in einem ganz anderen Sinne gestellt als etwa vor einem Jahrhundert, wo der Gesichtskreis der Menschen eingeschränkter war. Ein Verlangen nach Antwort ist vorhanden, das nur durch die Geisteswissenschaft gestillt werden kann.

[ 31 ] A person can ask such a question. Spiritual science answers it not only theoretically, but in a way that is also satisfying to the person, by showing that the very same people who, in the time before the Christ event, absorbed the achievements of the pre-Christian era, are reincarnated after the current of Christian development has begun, so that nothing that enters into culture can be lost. Thus, for spiritual science, something emerges from history that is not merely general, abstract ideas—intended to force their way through the stream of humanity as cold and abstract as rigid forces—but rather, spiritual science speaks of history as something in which human beings participate everywhere with their innermost being. And since the human horizon has broadened through modern means of education, this question is now posed in a completely different sense than, say, a century ago, when people’s horizons were more limited. There is a longing for an answer that can only be satisfied by spiritual science.

[ 32 ] Wenn wir dies alles in Erwägung ziehen — und wir könnten stundenlang so fortsprechen und vieles anführen, was dafür spricht, daß die Geisteswissenschaft deshalb eine Bedeutung hat für die Gegenwart, weil die Gegenwart gar sehr nach ihren Resultaten verlangen muß —, dann bekommen wir eine Vorstellung von der Bedeutung der Geisteswissenschaft für die Gegenwart. Und alle Vorträge, die im Laufe dieses Winters hier gehalten werden, sollen nur dazu dienen, von den verschiedensten Seiten Material zusammenzutragen, um zu zeigen die geisteswissenschaftlichen Resultate und ihre Bedeutung für das menschliche Leben, wie für die Befriedigung der höchsten Bedürfnisse des Menschen überhaupt.

[ 32 ] When we take all this into consideration—and we could go on like this for hours, citing many arguments in favor of the idea that spiritual science is significant for the present precisely because the present is in such great need of its findings—we begin to grasp the significance of spiritual science for the present. And all the lectures to be held here over the course of this winter are intended solely to gather material from a wide variety of perspectives in order to demonstrate the findings of spiritual science and their significance for human life, as well as for the fulfillment of humanity’s highest needs in general.

[ 33 ] Nur das sei zum Schluß noch gesagt: Einer der gewöhnlichsten, allerdings nur von einem Schlagworte hergenommenen Einwürfe gegen die Geisteswissenschaft ist heute der, daß man sagt, so habe es die Naturwissenschaft glücklich dahin gebracht aus einem einheitlichen Prinzip, das gegeben ist durch die naturwissenschaftlichen Methoden, monistisch die Welt zu erklären. Und fast schon ist es zu einem Wort geworden, das bei vielen von selbst Antipathien hervorruft, daß jetzt die Geisteswissenschaft wieder komme und einen Dualismus gegenüber diesem erkenntnistheoretisch so segensreichen Monismus aufstelle! Mit solchen Schlagworten wird ja viel gesündigt. Ist denn das Prinzip, das Weltall einheitlich zu erklären, schon dadurch durchbrochen, daß im Weltall zwei Ströme zusammenwirken, von denen einer von außen, der andere von innen in der Seele sich treffen? Darf denn gar nicht vorausgesetzt werden, daß das, was so von zwei Seiten an die Seele herandringt — nämlich von der Sinneserfahrung auf der einen Seite und von der geisteswissenschaftlichen Forschung auf der anderen Seite —, dennoch in einem einheitlichen Dasein begründet ist und sich nur für die menschliche Auffassung zunächst in zwei Strömungen zeigt? Muß der Monismus durchaus oberflächlich genommen werden? Wenn das der Fall wäre, daß das monistische Prinzip dadurch durchbrochen würde, dann mag jemand nur gleich behaupten, daß das monistische Prinzip auch durchbrochen ist, wenn er zugesteht, daß Wasser aus Wasserstoff und Sauerstoff besteht. Wasserstoff und Sauerstoff können dennoch einen einheitlichen Ursprung haben, wenn sie sich auch vereinigen in dem, was wir Wasser nennen. Ebenso können sinnliche und übersinnliche Welt einen einheitlichen Ursprung haben, wenn man auch durch die Tatsachen der Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft gezwungen ist zu sagen: In der Seele des Menschen vereinigen sich zwei Ströme, von denen einer von der Sinnenseite, der andere von der Geistesseite hereinkommt. Dann kann man zwar das Einheitliche, das Monon, nicht sogleich aufzeigen, aber es widerspricht darum nicht der Anschauung von einer monistischen Welt. Was sich so von zwei Seiten zeigt, das erlangt erst dann die Kraft der vollen Wirklichkeit, wenn wir es sich zusammensetzend aus den zwei Strömungen erkennen. Wenden wir den Blick in die Außenwelt, erblicken wir durch die Einrichtung unserer Sinne und unseres Verstandes ein Weltbild, welches uns nicht das zeigt, woraus es herauswächst: den Geist. Wenn wir die Wege der geisteswissenschaftlichen Forschung gehen und in der Seele den Aufschwung durchleben, so finden wir den Geist. Und in der Seele ist es, wo sich begegnen Geist und Stoff. In der Zusammenfügung von Geist und Stoff innerhalb unserer Seele liegt erst die wahre, geist- und stofferfüllte geistige Wirklichkeit!

[ 33 ] Let me just say this in closing: One of the most common objections to the humanities—though it is based merely on a catchphrase—is the claim that the natural sciences have successfully managed, through a unified principle provided by scientific methods, to explain the world in monistic terms. And it has almost become a phrase that automatically evokes antipathy in many people—that the humanities are now returning to propose a dualism in opposition to this monism, which is so beneficial from an epistemological standpoint! Such catchphrases are indeed a source of much error. Is the principle of explaining the universe in a unified way really undermined simply because two currents interact within the universe, one coming from the outside and the other from within the soul? Can we not at all assume that what approaches the soul from these two sides—namely, sensory experience on the one hand and spiritual scientific research on the other— is nevertheless grounded in a unified existence and merely appears, at first, as two currents to human perception? Must monism be taken strictly at face value? If it were the case that the monistic principle were thereby violated, then one might as well claim that the monistic principle is also violated whenever one acknowledges that water consists of hydrogen and oxygen. Hydrogen and oxygen can nevertheless have a unified origin, even as they unite in what we call water. Similarly, the sensory and supersensory worlds can have a unified origin, even though the facts of natural science and spiritual science compel us to say: In the human soul, two currents unite, one of which flows in from the sensory realm and the other from the spiritual realm. Although one cannot immediately point to the unified whole—the “monon”—this does not contradict the conception of a monistic world. That which reveals itself in this way from two sides only attains the power of full reality when we recognize it as composed of these two currents. When we turn our gaze to the external world, we perceive—through the structure of our senses and our intellect—a worldview that does not show us what it grows out of: the spirit. When we follow the paths of spiritual scientific research and experience the spiritual ascent within the soul, we find the spirit. And it is in the soul that spirit and matter meet. It is in the union of spirit and matter within our soul that the true spiritual reality—filled with both spirit and matter—is found!

[ 34 ] So darf vielleicht das jetzt Gesagte zusammengefaßt werden in die Worte, die etwa in dichterischer Form dasselbe geben, was dennoch alle, die sich unbefangen bemüht haben, eine Anschauung zu gewinnen von Geist und Stoff, zu allen Zeiten gefühlt haben. Geisteswissenschaft im Verhältnis zur Naturwissenschaft lehrt uns erkennen, daß es wahr ist:

[ 34 ] Perhaps what has just been said can be summarized in words that, while expressed in poetic form, convey the same idea that has nevertheless been felt at all times by everyone who has made an unbiased effort to gain an understanding of mind and matter. Spiritual science, in relation to natural science, teaches us to recognize that it is true:

Es drängt sich an den Menschensinn
Aus Weltentiefen rätselvoll
Des Stoffes reiche Fülle.
Es strömt in Seelengründe<
Aus Weltenhöhen inhaltvoll
Des Geistes klärend Wort.
Sie treffen sich im Menscheninnern
Zu weisheitvoller Wirklichkeit.

It presses upon the human senses
From the mysterious depths of the world
The rich abundance of matter.
It flows into the depths of the soul<
From the lofty heights of the world, full of meaning
The clarifying word of the spirit.
They meet within the human being
To become a wise reality.