Answers of Spiritual Science
to the Great Questions of Existence
GA 60
16 March 1911, Berlin
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Answers of Spiritual Science to the Great Questions of Existence, tr. SOL
15. Was hat die Astronomie über Weltentstehung zu Sagen?
15. What Does Astronomy Have to Say About the Origin of the Universe?
[ 1 ] Wer könnte daran zweifeln, daß mit berechtigten Hoffnungen auf diejenige Wissenschaft gesehen werden muß, die wir als die Astronomie bezeichnen, wenn von Weltentstehung, von Weltentwickelung die Rede ist? Denn die Astronomie ist ja mit Recht eine Wissenschaft, vor der nicht nur der menschliche Intellekt seine hohe Achtung haben muß, weil sie uns mit gewichtigen Erkenntnissen in die Weiten der Welt führt, sondern die Astronomie ist etwas, was trotz aller Abstraktheit und Rauheit doch auch in intensivster Weise zu unserer Seele, zu unserem ganzen Geiste spricht, so daß man sagen darf: Es liegt etwas Begreifliches darin, daß diese menschliche Seele zuletzt Aufschluß zu gewinnen hofft über die tiefsten Geheimnisse des Daseins vom Aufblick zu dem Sternenhimmel, der so tief zu unserem Gemüte spricht, wenn wir ihn mit Gemütsverständnis in Nächten auf unsere Seele wirken lassen.
[ 1 ] Who could doubt that we must look to the science we call astronomy with justified hopes when discussing the origin and evolution of the universe? For astronomy is indeed, and rightly so, a science that not only commands the highest respect of the human intellect—because it leads us into the vastness of the universe with profound insights—but it is also something that, despite all its abstractness and harshness, speaks to our soul and our entire spirit in the most intense way, so that one may say: There is something understandable about the fact that the human soul ultimately hopes to gain insight into the deepest mysteries of existence by gazing up at the starry sky, which speaks so deeply to our hearts when we allow it to work upon our souls on nights when we are open to its influence.
[ 2 ] Nun wollen wir uns heute vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus auf die Frage einlassen: Was hat uns diese Astronomie über Weltentstehung zu sagen? Vielleicht wird das, was zuletzt bei diesen Betrachtungen herauskommt, manchem so erscheinen, als ob eine Blume der Hoffnung in einer gewissen Weise zerpflückt werden könnte. Wer diesen Eindruck gewinnen sollte, könnte sich doch auf der andern Seite wieder damit trösten, daß diese Astronomie gerade in den letzten Jahrzehnten, in dem ausgehenden neunzehnten Jahrhundert uns so wunderbare Ergebnisse gebracht hat, daß wir genügend Grund haben, uns über diese Ergebnisse als solche — auch intellektuell — im äußersten Maße zu freuen, selbst wenn wir durch diese tiefere Erkenntnis der neueren Zeit auf diesem Gebiete dazu geführt werden sollten, daß gerade diese Vertiefung der astronomischen Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten uns weniger hoffnungsfreudig macht, wenn wir direkt durch sie, wie sie uns als Wissenschaft in der äußeren Welt entgegentritt, Aufschlüsse zu gewinnen suchen über die großen Fragen nach Entstehung und Entwickelung des Weltalls.
[ 2 ] Today, from the perspective of spiritual science, let us address the question: What does this branch of astronomy have to say about the origin of the world? Perhaps the conclusion that ultimately emerges from these reflections will seem to some as though a flower of hope might, in a certain sense, be plucked. Anyone who might gain this impression could, on the other hand, take comfort in the fact that this branch of astronomy has, precisely in the last few decades—at the end of the nineteenth century—brought us such marvelous results that we have ample reason to rejoice in these results as such—even intellectually — to the utmost degree, even if this deeper understanding of recent times in this field should lead us to conclude that it is precisely this deepening of astronomical science in the last few decades that makes us less hopeful when we seek, directly through it—as it presents itself to us as a science in the external world—to gain insights into the great questions concerning the origin and evolution of the universe.
[ 3 ] Da dürfen wir zunächst darauf hinweisen, daß gerade zu alledem, was da war seit der Zeit, da die Naturforschung durch Kopernikus, Kepler, Galilei, durch die Beobachtungen Herschels oder durch die kühnen Spekulationen von Kant und Laplace eine so gewaltige Vertiefung erfahren hat, daß zu alledem im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts etwas dazugekommen ist, was uns in einer vorher ungeahnten Weise eingeführt hat auch in den stofflichen Charakter der Himmelswelt.
[ 3 ] We should first point out that, precisely in regard to everything that has existed since the time when the natural sciences, through Copernicus, Kepler, Galileo, through Herschel’s observations, or through the bold speculations of Kant and Laplace—a field that has undergone such a tremendous deepening—that, in addition to all of this, something was added in the course of the nineteenth century that has introduced us, in a previously unimagined way, to the material nature of the celestial world as well.
[ 4 ] Während man sich früher darauf beschränken mußte, sozusagen aus der Kühnheit des menschlichen Denkens heraus zu behaupten, daß, wenn wir den Blick in die Sternenwelten hinauslenken, uns dort Welten entgegenschauen, die wir als ähnlich unserer eigenen Welt ansehen sollen, während man sich auf diese Kühnheit der menschlichen Intellektualität beschränken mußte, führte uns so etwas wie die Spektralanalyse der genialen Forscher Kirchhoff und Bunsen im neunzehnten Jahrhundert die Möglichkeit herbei, direkt durch das physikalische Instrument in die stoffliche Natur der Sterne einzudringen; so daß man seit jener Zeit eine auf die unmittelbare Beobachtung begründete Behauptung wagen darf, daß wir in den verschiedenen Sonnen, die uns aus dem Raume entgegenleuchten, in den Nebelflecken und in andern Gebilden, die uns im Himmelsraume entgegentreten, im wesentlichen dieselben Stoffe mit denselben stofflichen Eigenschaften anzuerkennen haben, die wir auch auf unserer Erde finden. So darf man sagen, daß seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts unsere Wissenschaft von der Erkenntnis ergriffen sein konnte: Wir ruhen hier als Menschen der Erde innerhalb einer stofflichen Welt mit ihren Gesetzen, mit ihren Kräften. Aus der Wirkung, welche diese stofflichen Gesetze der Erde im sogenannten Spektroskop zeigen — das wir ja erst seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts kennen —, und weil von den fernsten Himmelsräumen herein in das Spektroskop die gleichen Wirkungen geschickt werden, kann man darauf schließen, daß sich in den ganzen Weltenraum, soweit die stoffliche Welt in Betracht kommt, dieselbe Stofflichkeit und dieselben Gesetze dieser Stofflichkeit ergossen haben. Während es früher in gewisser Beziehung bloß eine Art geometrischer Rechnung war, die Bewegungen der Sterne zu untersuchen, hat es die schöne, geniale Verbindung der Spektralanalyse mit dem sogenannten Dopplerschen Prinzip uns möglich gemacht, daß wir nicht nur sozusagen diejenigen Bewegungen beobachten, die sich vor uns so abspielen, daß wir sie wie auf eine Fläche gezeichnet als die Bewegungen der Sterne erkennen; sondern wir können seit jener Zeit auch jene Bewegungen der Sterne in unser Urteil einbeziehen, die sich von uns ab und auf uns zu geltend machen, weil durch das Dopplersche Prinzip die kleine Verschiebung der Linien im Spektroskop bedeutungsvoll für den Gang eines Sternes wurde, insofern er sich von unserer Erde ab oder auf dieselbe zu bewegt; während es früher nur möglich war, dasjenige wirklich zu berechnen, was in einer Ebene geschah, die senkrecht zu unserer Blickrichtung steht. In einem solchen Prinzip, wie es die Verbindung des Dopplerschen Prinzips mit der Spektralanalyse ist, liegen gewaltige Errungenschaften der astronomischen Wissenschaft. Was nun der Menschenkopf als eine Art von Weltbild ersinnen konnte, wie es sich ergibt, wenn wir uns den Raum angefüllt denken mit Sonnen, Planeten, Nebenplaneten, mit Weltennebeln und andern Gebilden und ihre ineinandergeschlungenen Bewegungen und ihr gesetzmäßiges Ineinanderwirken betrachten, — von diesem Weltbild, wie es sich so ergibt und wie wir es in unseren Gedanken festhalten können, sagen wir: Wir können es begreiflich finden, daß ein solches Bild dem Menschengeist, der nach Erkenntnis strebte, als ein Muster von Klarheit, von innerer Gediegenheit erschien, wenn es sich dabei darum handelte, die Wirklichkeit mit dem Gedanken zu umspannen.
[ 4 ] Whereas in the past we had to limit ourselves to asserting—out of the audacity of human thought, so to speak—that when we turn our gaze out into the starry realms, we find worlds there that we are to regard as similar to our own, while we had to limit ourselves to this audacity of human intellect, something like the spectral analysis conducted by the brilliant researchers Kirchhoff and Bunsen in the nineteenth century opened up the possibility of penetrating directly into the material nature of the stars through physical instruments; so that since that time we have been able to venture the assertion, based on direct observation, that in the various suns shining toward us from space, in the nebulae, and in other formations we encounter in the heavens, we must recognize essentially the same substances with the same material properties that we also find on our Earth. Thus, it may be said that since the mid-nineteenth century, our science has been able to grasp this insight: We, as human beings on Earth, dwell within a material world governed by its own laws and forces. From the effects that these material laws of the Earth exhibit in the so-called spectroscope—which we have known only since the mid-nineteenth century—and because the same effects are transmitted into the spectroscope from the most distant regions of space, one can conclude that, as far as the material world is concerned, the same materiality and the same laws governing that materiality have pervaded the entire universe. Whereas in the past, studying the movements of the stars was, in a certain sense, merely a kind of geometric calculation, the beautiful, ingenious combination of spectral analysis with the so-called Doppler principle has made it possible for us not only to observe, so to speak, those movements that unfold before us in such a way that we recognize them—as if drawn on a plane—as the movements of the stars; but since that time we have also been able to include in our assessment those movements of the stars that are directed away from us and toward us, because, through the Doppler principle, the slight shift of the lines in the spectroscope has become significant for the motion of a star, insofar as it moves away from or toward our Earth; whereas previously it was only possible to accurately calculate what occurred in a plane perpendicular to our line of sight. A principle such as the combination of the Doppler effect with spectral analysis represents a tremendous achievement in the field of astronomy. As for what the human mind could conceive as a kind of worldview—the one that emerges when we imagine space filled with suns, planets, moons, nebulae, and other celestial bodies, and contemplate their intertwined movements and their lawful interactions—of this worldview, as it thus arises and as we can hold it fast in our thoughts, we say: We can find it understandable that such a picture appeared to the human spirit, which strove for knowledge, as a model of clarity and inner solidity when the aim was to encompass reality with thought.
[ 5 ] Vergegenwärtigen wir uns, was es heißt, ein Gebilde, das den Raum erfüllt, mit dem Gedanken zu umspannen, auszurechnen: so bewegen sich die Gebilde, die großen und die kleinen, so wirkt eines auf das andere. Vergegenwärtigen wir uns, was es heißt: einen so in sich klaren Gedanken in den Raum hineindenken zu können, vergegenwärtigen wir es uns, indem wir es zum Beispiel vergleichen mit irgendeiner andern Naturwirkung, die wir in unserer Umgebung sehen, zum Beispiel mit dem Grünwerden der Blätter der Bäume im Frühling oder mit dem Aufblühen der Blüte einer Pflanze. Derjenige, welcher lebendig in der Wissenschaft drinnensteht oder drinnengestanden hat, weiß, wie bitter es der menschlichen Seele wird, wenn sie zunächst auf dem Boden rein äußerlicher Betrachtung immer wieder und wieder genötigt ist, zu Begriffen zu greifen, die keineswegs zu Ende gedacht werden können, wenn es sich zum Beispiel darum handelt, eine werdende, sich entwikkelnde Pflanze vorzustellen, ganz abgesehen von komplizierteren Erscheinungen wie tierischen Organismen. Ja,selbst schon in den Erscheinungen der Chemie und Physik unserer Erdenentwickelung bleibt uns in den Wärmewirkungen und so weiter gar mancher Rest, wenn wir begreifen, mit klaren Begriffsgebilden umspannen wollen, was unsere Augen sehen, was unsere Ohren hören. Wenn wir nun den Blick hinauswenden und schauen, was da unsere Augen sehen, und dann dies Gesehene in einem solchen Bilde zusammenfassen können, das in klaren Ortsveränderungen, in gegenseitigen Bewegungsverhältnissen sich ausdrückt, dann ist es begreiflich, daß dies eine beseligende Wirkung in unserem Innern hat, daß wir uns sagen: Solche Erklärungen, die wir von der Bewegung der Sterne im Raume und ihrer gegenseitigen Wirkung geben können, sind in sich so unendlich klar, daß wir in ihnen ein Muster überhaupt von Erklärungen sehen können. Kein Wunder daher, daß dieser Gedanke von der faszinierenden Klarheit des astronomischen Weltbildes zahlreiche Geister ergriff. Es war für den, der die theoretische Wissenschaft des neunzehnten Jahrhunderts verfolgte, außerordentlich lehrreich, zu sehen, wie die hervorragendsten Geister des neunzehnten Jahrhunderts Wege nahmen, die durch die eben charakterisierte faszinierende Empfindung vorgezeichnet waren.
[ 5 ] Let us consider what it means to encompass a structure that fills space with our thoughts, to calculate it: this is how structures—both large and small—move, and this is how one affects the other. Let us consider what it means to be able to project such a clear thought into space; let us consider it, for example, by comparing it to some other natural phenomenon we observe in our surroundings—such as the leaves of trees turning green in spring or the blossoming of a plant. Anyone who is actively engaged in science—or has been in the past—knows how bitter it is for the human soul when, starting from a purely external perspective, it is compelled time and again to resort to concepts that cannot be fully thought through—for example, when it comes to imagining a plant in the process of growing and developing, not to mention more complex phenomena such as animal organisms. Indeed, even in the phenomena of chemistry and physics related to our Earth’s development, there remain many residual elements in thermal effects and the like when we seek to encompass with clear conceptual frameworks what our eyes see and what our ears hear. If we now turn our gaze outward and observe what our eyes see, and can then summarize what we have seen in a picture expressed in clear changes of position and in mutual relationships of motion, then it is understandable that this has a blissful effect within us, that we say to ourselves: Such explanations—which we can offer regarding the motion of the stars in space and their mutual interactions—are in themselves so infinitely clear that we can see in them a model for explanations in general. No wonder, then, that this idea—the fascinating clarity of the astronomical worldview—captivated so many minds. For anyone who followed the theoretical science of the nineteenth century, it was extraordinarily instructive to see how the most outstanding minds of the nineteenth century took paths that were charted by the very fascination just described.
[ 6 ] So etwa dachten hervorragende Geister des neunzehnten Jahrhunderts: Da sehen wir hinaus in den Raum, sehen in den gegenseitigen Beziehungen und Bewegungen der Sterne, wenn wir es in Gedanken verwandeln, ein Bild wunderbarer Klarheit. Jetzt versuchen wir in jene kleine Welt hineinzublicken, in welche allerdings nur der spekulierende Gedanke hineinblicken kann, die man hypothesenhaft im neunzehnten Jahrhundert immer mehr und mehr aufbaute: in die Welt der Atome und Moleküle. Man dachte sich ja im neunzehnten Jahrhundert immer mehr und mehr, daß jeder Stoff aus kleinsten Teilen besteht, die kein Auge und kein Mikroskop mehr sehen kann, die aber doch hypothetisch vorausgesetzt werden müssen. So setzte man voraus, daß man — wie man viele Sterne im Weltenraum hat — überall, wohin man den Blick richtet, als gleichsam kleinste Sterne die Atome vorhanden hat. Aus der gegenseitigen Anordnung der Atome, wie sie zusammen gruppiert sind, ergibt sich dann — allerdings nur für die Hypothese — das, was uns im kleinen das Bild erwecken kann: Hier hast du eine Anzahl Atome, sie stehen in einer bestimmten Beziehung zueinander und bewegen sich umeinander. Wenn die Atome zueinander in Beziehungen stehen und sich bewegen, so bedeutet das, daß der Stoff, der diese Atome zusammensetzt, zum Beispiel Wasserstoff oder Sauerstoff ist. Die Stoffe sind alle auf kleinste Atome zurückführbar, aus denen sie bestehen. Diese kleinen Atome sind wieder gruppiert, gewisse Gruppen bilden dann die Moleküle. Aber wenn man in diese Atome und Moleküle hineinschauen könnte, so hätte man im winzig kleinsten ein Abbild von der Klarheit, die wir draußen haben, wenn wir den Himmelsraum mit den Sternen angefüllt haben. Es hatte etwas Verlockendes für manche Denker des neunzehnten Jahrhunderts, wenn sie sich sagen konnten: Alle Erscheinungen, die wir draußen sehen, Licht, Schall, Elastizität, Elektrizität und so weiter führen uns zuletzt auf solche Wirkungen zurück, die von den Bewegungen und Kräften von Atomen bedingt sind, die so geschehen wie die Kräfte und Bewegungen im großen, wenn wir in den Himmelsraum hinaussehen. Ja, es entstand in manchem Geist ein merkwürdiges Bild: Wenn wir in das menschliche Gehirn hineinsehen, so besteht es ja auch aus den Stoffen und Kräften, die wir in der Welt draußen finden; und könnte man in die kleinsten Gebilde des menschlichen Gehirns, in das zirkulierende Blut des Menschen sehen, so würde man zuletzt überall etwas wie kleinste atomische und molekulare Welten, die im kleinen ein Abbild der großen Himmelswelt sind, erkennen. Man glaubte, wenn man nun rechnerisch verfolgen könnte, was sich durch die Atome und ihre Bewegungen ergibt, dann würde man erkennen können, wie eine gewisse Art von Atombewegungen — indem sie auf unser Auge wirken — den Eindruck des Lichtes, andere den Eindruck der Wärme hervorrufen. Kurz, man dachte sich alle Erscheinungen der Natur auf eine kleine, winzig kleine Astronomie zurückführen zu können: auf die Astronomie der Atome und Moleküle. Es war geradezu das Wort geprägt worden, das ja eine große Rolle spielte in den aufsehenerregenden Vorträgen, die in den siebziger Jahren Emil Du Bois-Reymond über «die Grenzen des Naturerkennens» gehalten hat, das Wort von dem «Laplaceschen Geist». Das war eine Art Schlagwort geworden und bedeutete nichts anderes, als daß es das Ideal einer Naturerklärung sein müßte, alles was wir um uns herum sehen, auf astronomie-artige Erkenntnis der Bewegungen der Atome und Moleküle zurückzuführen. Laplace war jener Kopf, in dem Platz griff eine Überschau über unseren Sternenweltenraum. Und derjenige Kopf, der diesen Überblick über die Sterne im Weltenraum in die kleinsten molekularischen und atomischen Gebilde hineintragen könnte, würde sich sozusagen immer mehr und mehr dem Ideal nähern, astronomisch unsere Natur zu erkennen. Daher können wir jetzt — und mit Recht — sagen: Es gab Leute, die da glaubten: wenn ich den Eindruck habe, ich höre den Ton cis, oder ich sehe rot, so geht in Wahrheit eine Bewegung in meinem Gehirn vor; und könnte ich diese Bewegungen so beschreiben, wie die Astronomen die Bewegungen der Sterne am Himmel beschreiben, dann würde ich verstehen, um was es sich beim Begreifen der Naturerscheinungen und auch des menschlichen Organismus handelte. Wir würden dann in unserem Bewußtsein das Faktum haben: Ich höre cis, ich sehe rot. Aber in Wahrheit wäre es so: Wenn wir rot wahrnehmen, spielt sich in uns ein kleiner atomischer und molekularer Kosmos ab, und wenn wir wissen würden, wie die Bewegungen sind, dann würden wir begriffen haben, warum wir rot und nicht gelb wahrnehmen, denn bei gelb würde sich eine andere Bewegung abspielen.
[ 6 ] This is roughly how the great minds of the nineteenth century thought: When we look out into space and observe the mutual relationships and movements of the stars—and transform this into a mental image—we see a picture of marvelous clarity. Now let us try to peer into that tiny world—a world into which, admittedly, only speculative thought can penetrate—a world that was increasingly constructed on a hypothetical basis in the nineteenth century: the world of atoms and molecules. In the nineteenth century, it was increasingly believed that every substance consists of the tiniest particles, which no eye and no microscope can see, but which must nevertheless be hypothetically assumed. Thus, it was assumed that—just as there are many stars in outer space—atoms exist everywhere one looks, as it were, like the tiniest stars. From the mutual arrangement of the atoms—how they are grouped together—it follows—albeit only hypothetically—that which can evoke a mental image on a small scale: Here you have a number of atoms; they stand in a certain relationship to one another and move around one another. If the atoms are related to one another and move, this means that the substance of which these atoms are composed is, for example, hydrogen or oxygen. All substances can be traced back to the smallest atoms of which they consist. These small atoms are in turn grouped together, and certain groups then form molecules. But if one could look inside these atoms and molecules, one would find, in the tiniest of details, a reflection of the clarity we experience out there when we gaze at the sky filled with stars. There was something alluring for many nineteenth-century thinkers in being able to say to themselves: All the phenomena we see out there—light, sound, elasticity, electricity, and so on—ultimately lead us back to effects caused by the movements and forces of atoms, which occur in the same way as the forces and movements on a grand scale when we look out into the heavens. Indeed, a curious image arose in many minds: If we look inside the human brain, it too consists of the substances and forces we find in the world outside; and if one could see into the smallest structures of the human brain, into the circulating blood of a human being, one would ultimately recognize everywhere something like tiny atomic and molecular worlds that are, on a small scale, a reflection of the vast celestial world. It was believed that if one could mathematically trace what results from the atoms and their movements, one would be able to recognize how a certain type of atomic movement—by acting upon our eyes—produces the sensation of light, while others produce the sensation of heat. In short, people imagined they could trace all phenomena of nature back to a small, tiny form of astronomy: the astronomy of atoms and molecules. The very term had been coined—a term that played a major role in the sensational lectures Emil Du Bois-Reymond delivered in the 1870s on “The Limits of Natural Knowledge”—the term “Laplace’s demon.” It had become a sort of catchphrase and meant nothing other than that the ideal explanation of nature must be to trace everything we see around us back to an astronomy-like understanding of the movements of atoms and molecules. Laplace was the mind in which a comprehensive view of our stellar universe took shape. And the mind capable of extending this overview of the stars in the cosmos down into the smallest molecular and atomic structures would, so to speak, come ever closer to the ideal of understanding nature astronomically. Therefore, we can now—and rightly so—say: There were people who believed that when I have the impression that I hear the note C-sharp, or that I see red, a movement is in fact taking place in my brain; and if I could describe these movements in the same way that astronomers describe the movements of the stars in the sky, then I would understand what is involved in comprehending natural phenomena and also the human organism. We would then have the fact in our consciousness: I hear C-sharp, I see red. But in reality, it would be this: When we perceive red, a small atomic and molecular cosmos is unfolding within us, and if we knew what those movements were like, we would have understood why we perceive red and not yellow, for with yellow, a different movement would be taking place.
[ 7 ] So wurde astronomische Erkenntnis im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts ein Ideal, durchdringend alle Naturerkenntnis mit denselben klaren Begriffen, die für die Astronomie gelten. Ja, man darf sagen, es ist im hohen Grade interessant, zu verfolgen, wie sich unter dem Einfluß eines solchen Gedankens die theoretische Naturwissenschaft entwickelt hat. Wenn ich auf etwas hinweisen darf, was mir selber vor vielen Jahren entgegengetreten ist, so könnte es etwa das folgende sein. Ich kannte einen Schuldirektor, der ein ausgezeichneter Mann war, auch als Schuldirektor. Aber er hatte sich während seiner übrigen Schultätigkeit — schon im Beginn der siebziger Jahre des neunzehnten Jahrhunderts — damit beschäftigt, ein solches Natursystem auszudenken, in welchem man die seit Newtons Zeit geltende Anziehungs- und Abstoßungskraft auch entbehren kann, so daß also jener Schuldirektor — Heinrich Schramm — dessen Werke doch recht bedeutend sind, in seinem Buche «Die allgemeine Bewegung der Materie als Grundursache aller Naturerscheinungen» versucht hat, zu allem übrigen, was von der astronomischen Erkenntnis schon weggeschafft war, auch das wegzuschaffen, was man bis dahin die Anziehungskraft genannt hat, mit der sich die Materien im Raume anziehen. Es war sehr interessant, was dieser Mann in einer gewissen genialen Weise — was später vielfach nachgemacht wurde — zuerst versucht hat. Denn wenn wir glauben, daß Licht nichts anderes ist als Bewegung kleinster Massenteilchen, wenn wir glauben, daß Schall und Ton wie auch Wärme nichts anderes sind als Bewegung kleinster Massenteilchen, wenn astronomische Erkenntnis überall hineinleuchten kann, warum sollten wir dann jene sonderbaren, mystischen Kräfte noch gelten lassen: von der Sonne zur Erde durch den leeren Raum hindurch? Warum sollte man nicht imstande sein, anstelle dieser mystischen Anziehungskraft, an die man bis dahin als an etwas Unerschütterliches geglaubt hatte, nun auch eine solche zwischen den Atomen und Molekülen anzunehmen? Warum sollte man nicht auch daran rütteln können? Es gelang diesem Manne in der Tat, ohne Zuhilfenahme einer besonderen Anziehungskraft die Anziehung der Weltenkörper und der Atome zueinander zu begreifen, indem er zeigte: Wenn sich zwei Körper im Raume gegenüberstehen, so brauche man doch nicht anzunehmen, daß sie sich anziehen, denn eine solche Anziehung — so meinte Schramm — nimmt doch der nicht an, der nicht an so etwas glaubt, was wie durch den Raum sich reichende Hände geht. Das einzige, was man annehmen darf, das ist, daß kleine, bewegte Materie da ist, die von allen Seiten wie kleine Kugeln stößt, so daß von allen Seiten kleine Kugeln die beiden großen Kugeln stoßen. Wenn man nun in der Rechnung genau vorgeht und keinen Fehler macht, dann findet man, daß einfach aus dem Grunde, weil die Stöße zwischen den beiden Kugeln und die, welche von außen verursacht werden, eine Differenz ergeben, die Kräfte, welche sonst als Anziehungskräfte von außen angenommen worden sind, durch das Stoßen von außen ersetzt werden können, so daß man anstelle der Anziehungskraft Stoßkräfte zu setzen hätte, welche die Materie anziehen.
[ 7 ] Thus, over the course of the nineteenth century, astronomical knowledge became an ideal that permeated all understanding of nature with the same clear concepts that apply to astronomy. Indeed, it is highly interesting to trace how theoretical natural science developed under the influence of such a line of thought. If I may point out something that struck me many years ago, it might be something like the following. I knew a school principal who was an excellent man, also as a school principal. But during the course of his other school-related activities—as early as the beginning of the 1870s—he had occupied himself with devising a system of nature in which one could dispense with the forces of attraction and repulsion that had been accepted since Newton’s time, so that this school principal —Heinrich Schramm—whose works are, after all, quite significant—attempted in his book *The General Motion of Matter as the Fundamental Cause of All Natural Phenomena* to eliminate, in addition to everything else that had already been discarded by astronomical knowledge, what had until then been called the force of attraction by which matter attracts one another in space. It was very interesting to see what this man first attempted in a certain ingenious way—an approach that was later imitated many times. For if we believe that light is nothing other than the motion of minute particles of matter, if we believe that sound and tone, as well as heat, are nothing other than the motion of minute particles of matter, and if astronomical knowledge can shed light on everything, why should we then still accept those strange, mystical forces—extending from the sun to the earth through empty space? Why should we not be able to assume, in place of this mystical force of attraction—which until then had been believed to be unshakable—a similar force between atoms and molecules? Why should we not be able to challenge that as well? This man did indeed succeed in understanding the attraction between celestial bodies and atoms without resorting to a special force of attraction, by demonstrating: When two bodies face each other in space, one need not assume that they attract each other, for such an attraction—as Schramm argued—is not accepted by anyone who does not believe in something akin to hands reaching across space. The only thing one may assume is that there is small, moving matter that collides from all sides like tiny spheres, so that tiny spheres from all sides collide with the two large spheres. Now, if one proceeds precisely in the calculation and makes no mistakes, one finds that simply because the collisions between the two spheres and those caused from the outside result in a difference, the forces that were otherwise assumed to be attractive forces from the outside can be replaced by external collisions, so that instead of an attractive force, one would have to postulate collision forces that attract the matter.
[ 8 ] Mit einem großen Scharfsinn finden Sie diesen Gedanken in der angeführten Schrift durchgeführt. Ich könnte spätere Schriften desselben Charakters anführen — Schramm aber hat die Sache zuerst behandelt —, will aber überall, wo eine Erscheinung neu auftritt, sie dort anführen, wo sie zuerst aufgetreten ist. So konnte also Schramm zeigen, wie ganz nach demselben Gesetz zwei Moleküle Anziehungskräfte ausüben genau so wie die größten Weltenkörper. So wurde astronomische Erkenntnis etwas, was in dem größten Weltenraum Platz griff und bis in die kleinsten, angenommenen Teile der Materie und des Äthers hineinwirkte. Das stand wie ein großes gewaltiges Ideal die ganze Zeit über vor den Denkern des neunzehnten Jahrhunderts. Wer seine Studien in dieser Zeit gemacht hat, der weiß, wie damals dieses Ideal für die verschiedensten Erscheinungen durchgearbeitet worden ist, wie astronomische Erkenntnis eben ein durchgreifendes Ideal war. Und man darf sagen, daß alles — zunächst in den siebziger Jahren — geeignet war, dieses Ideal zu fördern, denn zu allem, was man — anknüpfend an die großen Errungenschaften der Naturwissenschaften — damals herausbrachte, gesellte sich in dieser Zeit noch dasjenige hinzu, was durch die genauere Untersuchung der Verhältnisse der Wärme zu den andern Naturkräften zutage trat. In den sechziger Jahren ist immer mehr und mehr anerkannt worden, was Julius Robert Mayer schon in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts mit genialem Blick gezeigt hat: daß Wärme nach ganz bestimmten Zahlenverhältnissen in andere Naturkräfte verwandelt werden kann. Daß dies der Fall ist, sehen wir, wenn wir zum Beispiel mit dem Finger über eine Fläche hinfahren: da verwandelt sich der Druck in Wärme. Wenn wir eine Dampfmaschine heizen, verwandelt sich die Wärme in die fortbewegenden Kräfte der Maschine. Wie sich hier Wärme in bewegende Kraft oder Druckkraft in Wärme verwandeln, so verwandeln sich die andern Naturkräfte, Elektrizität und so weiter ebenfalls in Naturkräfte, von denen man dachte, daß sie verwandelbar sind. Verband man diesen Gedanken mit den Gesetzen der astronomischen Erkenntnis, dann konnte man sagen: Was uns da entgegentritt, unterscheidet sich in bezug auf die Wirklichkeit nur dadurch, daß eine bestimmte Form von Bewegung innerhalb der Welt der Atome und Moleküle sich in eine andere verwandelt. Wir haben eine bestimmte Form vonBewegung in den Molekülen vorhanden, gleichsam ein kleines, kompliziertes astronomisches System, und es verwandeln sich die Bewegungen in andere Bewegungen, das System in ein anderes System. So wird die Wärme in fortbewegende Kraft verwandelt und so weiter.
[ 8 ] With great insight, you will find this idea developed in the cited work. I could cite later writings of the same nature—though Schramm was the first to address the subject—but wherever a phenomenon appears anew, I wish to cite it where it first appeared. Thus, Schramm was able to show how, according to exactly the same law, two molecules exert forces of attraction just as the largest celestial bodies do. In this way, astronomical knowledge became something that took hold in the vast expanse of the universe and extended its influence down to the smallest, postulated particles of matter and ether. This stood as a grand, powerful ideal before the thinkers of the nineteenth century throughout that entire period. Anyone who pursued their studies during this period knows how this ideal was applied to the most diverse phenomena at the time, and how astronomical knowledge was indeed a pervasive ideal. And it can be said that everything—especially in the 1870s—was conducive to promoting this ideal, for in addition to all that was being discovered at the time—building on the great achievements of the natural sciences—there was also what came to light through the more precise investigation of the relationships between heat and the other forces of nature. In the 1860s, it became increasingly recognized what Julius Robert Mayer had already demonstrated with brilliant insight in the 1840s: that heat can be converted into other natural forces according to very specific numerical ratios. We see that this is the case, for example, when we run our finger across a surface: there, pressure is converted into heat. When we heat a steam engine, heat is converted into the propulsive forces of the machine. Just as heat is converted into kinetic energy or pressure into heat in this case, so too are the other forces of nature—electricity and so on—converted into forces of nature that were thought to be convertible. If we combine this idea with the laws of astronomical knowledge, we could say: What we encounter there differs in reality only in that a certain form of motion within the world of atoms and molecules transforms into another. We have a certain form of motion present in the molecules—a small, complex astronomical system, as it were—and these motions transform into other motions, the system into another system. Thus, heat is transformed into motive force, and so on.
[ 9 ] So glaubte man alles durchschauen zu können. Und so groß und gewaltig war der Eindruck der astronomischen Erkenntnis, daß er ein solches Ziel abgeben konnte. Nun müssen wir sagen, daß zunächst für eine WeltentstehungsJehre durch alle diese Gedanken noch wenig gewonnen war. Warum? Da müssen wir uns, damit wir nicht gleich vom Anbeginn an auf das verfallen, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat und was von den Gegnern leicht angefochten werden kann, ein wenig in den Ideen umsehen, die solche Leute gehabt haben, die in dem geistigen Leben jener Zeit und in solchen Idealen mitten drinnen standen. Wir können uns in einfachster Art davon überzeugen, wie sich diese Dinge abgespielt haben, wenn wir ein wenig näher hinschauen auf jene Rede «Über die Grenzen des Naturerkennens», welche Du Bois-Reymond am 14. August 1872 auf der Naturforscher-Versammlung in Leipzig gehalten hat. Da hat Du Bois-Reymond in allen Tonarten dieses Ideal einer astronomischen Erkenntnis gepriesen und gesagt, daß wahre Naturwissenschaft überall nur dort vorhanden sei, wo wir imstande sind, die einzelnen Naturerscheinungen zurückzuführen auf eine Astronomie der Atome und Moleküle, alles übrige gelte nicht als Naturerklärung; so daß also jemand naturwissenschaftlich das menschliche Seelenleben erläutert hätte, wenn es ihm gelungen wäre zu zeigen, wie nach dem Muster astronomischer Bewegungen sich die Atome und Moleküle im Menschen gruppieren müssen, um ein menschliches Gehirn erscheinen zu lassen. Nun machte aber Du Bois-Reymond zugleich darauf aufmerksam, daß wir ja im Grunde genommen für die Erklärung der Seele und ihrer Tatsachen durch eine solche astronomische Erklärung noch nichts getan haben, denn er sagte: Nehmen wir an, es wäre das Ideal erfüllt, daß wir wirklich sagen könnten, so und so spielen sich innerhalb des Gehirns die Bewegungen der Atome nach dem Muster der astronomischen Bewegungen ab: bei der Wahrnehmung des Tones cis wäre dieser Bewegungskomplex zu schauen, bei der Wahrnehmung der Farbe rot ein anderer — dann hätten wir naturwissenschaftlich unser Kausalbedürfnis befriedigt. Aber kein Mensch, betonte Du Bois-Reymond, könnte einsehen, warum eine bestimmte Art von Bewegungen gerade sich umsetzt in unserem Seelenleben in das Erlebnis: ich nehme rot wahr, ich höre Orgelton, ich rieche Rosenduft oder dergleichen. Denn DuBois-Reymond machte auf etwas aufmerksam, was im Grunde genommen schon Leibniz betont hat und wogegen sich nichts einwenden läßt: Denken wir uns — wenn es nur auf Bewegung ankäme — das Gehirn des Menschen ins Riesenmäßige vergrößert, so daß wir es dann so vor uns hätten, daß wir darin wie in einer Fabrik spazierengehen könnten, wo wir alle Bewegungen der Räder und Riemen beobachten können und hinweisen könnten: da ist eine bestimmte Bewegung — die würden wir dann in der nettesten Weise zeichnen und berechnen können, wie wir die Bewegungen der Planeten um die Sonne berechnen können. Kein Mensch aber würde wissen, wenn er es nicht aus andern Dingen wüßte: diese Bewegung, die ich da beobachte, entspricht in der Seele dem Erlebnis: ich sehe rot. Das würde er nicht herausbringen können, sondern er würde nur Gesetze der Bewegung herausfinden können und sich sagen können: so und so verläuft die Bewegung, dies und das geschieht im Raume, — würde aber nicht den Zusammenhang finden können zwischen diesen nach dem Muster der Astronomie gedachten Bewegungen und dem eigentümlichen Erlebnis: ich sehe rot, ich höre Orgelton, ich rieche Rosenduft. Wenn er nicht von woanders her wüßte, woher diese Erlebnisse sind — aus den Bewegungen der Atome würde er nie darauf schließen können. Du BoisReymond sagte sogar recht kraß: «Welche denkbare Verbindung besteht zwischen bestimmten Bewegungen bestimmter Atome in meinem Gehirn einerseits, andererseits den für mich ursprünglichen, nicht weiter definierbaren, nicht wegzuleugnenden Tatsachen: ich fühle Schmerz, fühle Lust, ich schmecke Süßes, rieche Rosenduft, höre Orgelton, sehe rot, und der ebenso unmittelbaren daraus fließenden Gewißheit: also bin ich? Es ist eben durchaus und für immer unbegreiflich, daß es einer Anzahl von Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Stickstoff-, Sauerstoff- usw. Atomen nicht solle gleichgültig sein, wie sie liegen und sich bewegen, wie sie lagen und sich bewegten, wie sie liegen und sich bewegen werden.»
[ 9 ] People believed they could see through everything. And the impact of astronomical knowledge was so great and powerful that it could serve as such a goal. Now we must say that, at first, all these ideas contributed little to the question of the origin of the world. Why? So that we do not immediately fall back, right from the start, on what spiritual science has to say—which can easily be challenged by its opponents—we must take a brief look at the ideas held by those who were deeply immersed in the spiritual life of that time and in such ideals. We can convince ourselves in the simplest way of how these things unfolded if we take a closer look at the lecture “On the Limits of Natural Knowledge,” which Du Bois-Reymond delivered on August 14, 1872, at the naturalists’ conference in Leipzig. There, Du Bois-Reymond extolled this ideal of astronomical knowledge in every possible way and stated that true natural science exists only where we are able to trace individual natural phenomena back to an “astronomy of atoms and molecules”; everything else does not count as an explanation of nature; so that someone would have scientifically explained human mental life if he had succeeded in showing how, following the pattern of astronomical movements, the atoms and molecules within a human being must group together to give rise to a human brain. However, Du Bois-Reymond also pointed out at the same time that, strictly speaking, we have not yet done anything to explain the soul and its phenomena through such an astronomical explanation, for he said: Let us assume that the ideal were fulfilled, that we could truly say: the movements of atoms within the brain occur in such and such a way, following the pattern of astronomical movements—when perceiving the note C-sharp, this complex of movements would be observable; when perceiving the color red, another—then we would have satisfied our need for causality from a scientific standpoint. But no one, Du Bois-Reymond emphasized, could understand why a particular kind of movement translates into the experience in our inner life: I perceive red, I hear the sound of an organ, I smell the scent of roses, or the like. For Du Bois-Reymond drew attention to something that Leibniz had essentially already emphasized and against which no objection can be raised: Let us imagine—if it were merely a matter of movement—that the human brain were enlarged to gigantic proportions, so that we could then have it right before us, walking through it as if in a factory, where we could observe all the movements of the gears and belts and point out: “There is a certain movement”—we could then sketch and calculate it in the most precise way, just as we can calculate the movements of the planets around the sun. But no one would know—unless they knew it from other sources—that this movement I am observing corresponds in the soul to the experience: “I see red.” He would not be able to deduce that; rather, he would only be able to discover laws of motion and say to himself: “The motion proceeds in such-and-such a way; this and that happens in space”—but he would not be able to find the connection between these motions, conceived according to the model of astronomy, and the peculiar experience: “I see red,” “I hear the sound of an organ,” “I smell the scent of roses.” If he did not know from some other source where these experiences come from—he would never be able to deduce them from the movements of atoms. Du Bois-Reymond even put it quite bluntly: “What conceivable connection exists between, on the one hand, the specific movements of certain atoms in my brain and, on the other hand, the facts that are original to me—indefinable beyond that, yet undeniable—such as: I feel pain, I feel pleasure, I taste sweetness, I smell the scent of roses, I hear the sound of an organ, I see the color red—and the equally immediate certainty that flows from them: therefore I am? It is simply and forever incomprehensible that a number of carbon, hydrogen, nitrogen, oxygen, etc., atoms should not be indifferent to how they lie and move, how they lay and moved, and how they will lie and move.”
[ 10 ] Nun war ganz zweifellos das, was Du Bois-Reymond damit gesagt hat, nicht voll einer naturgemäßen Logik entsprechend; denn gerade an diesem krassen Ausdruck können wir sehen, daß es einer Anzahl von Molekülen — also stofflichen Teilen — nicht gleichgültig ist, wie sie liegen und sich bewegen. Denn Sie wissen es alle, daß es Schwefel, Salpeter und Kohle nicht gleichgültig ist, wie sie nebeneinanderliegen: wenn sie unter gewissen Bedingungen nebeneinanderliegen, ergeben sie das Schießpulver. Ebenso ist es nicht gleichgültig, in was für ein Verhältnis man den Kohlenstoff zum Wasserstoff gebracht hat; sondern es handelt sich darum, ob der Stoff bei der Bewegung zu einem andern Stoffe geführt wird, mit dem er verwandt ist und vielleicht eine Explosivkraft bilden kann. Dieser Ausspruch war also über das Ziel hinausgeschossen, wenn er auch einen Schatten von Richtigkeit hatte. Aber das Richtige daran hatte schon Leibniz erkannt: daß es keine Art von Übergang gibt zwischen der astronomischen Bewegung der Moleküle und Atome und zwischen den Qualitäten unseres Erlebens und unseres inneren Seelenlebens. Es gibt nicht die Möglichkeit, diesen Abgrund durch die bloße astronomische Wissenschaft als «Bewegung» zu überbrücken.
[ 10 ] Now, there is no doubt that what Du Bois-Reymond meant by this did not fully conform to natural logic; for it is precisely in this stark expression that we can see that a number of molecules—that is, material particles—are not indifferent to how they are arranged and move. For you all know that sulfur, saltpeter, and charcoal are not indifferent to how they are arranged next to one another: when they are arranged next to one another under certain conditions, they produce gunpowder. Likewise, it is not irrelevant in what ratio carbon is combined with hydrogen; rather, the question is whether, in its motion, the substance is brought into contact with another substance to which it is related and with which it may form an explosive force. This statement therefore overshot the mark, even if it contained a shadow of truth. But Leibniz had already recognized the truth in it: that there is no kind of transition between the astronomical motion of molecules and atoms and the qualities of our experience and our inner spiritual life. It is not possible to bridge this chasm through mere astronomical science as “motion.”
[ 11 ] Das ist es, was wir reinlich aus den mancherlei Irrtümern herausschälen müssen, die in der erwähnten Rede von Du Bois-Reymond: «Über die Grenzen des Naturerkennens» enthalten sind. Aber das ist das Wertvolle in dieser Rede: es Jag in ihr etwas wie eine Reaktion, wie ein Empfinden gegen die Allmacht und die Allweisheit der astronomischen Erkenntnis. Wenn wir das, was wir so reinlich heraussondern können, in Erwägung ziehen, so finden wir die Möglichkeit, es zu übertragen auf die große astronomische Erkenntnis. Nehmen wir einmal an, was ja zweifellos berechtigt ist: man kann nicht von der astronomischen Erkenntnis der Bewegung der kleinsten Massenteilchen irgendwie die Brücke zu den Seelenerlebnissen und Geisteserlebnissen finden. Dann kann man aber von dem, was die große Astronomie bietet — von der Beschreibung des Sternenhimmels und seinen Bewegungen und den Verhältnissen der Sterne untereinander — auch nicht die Brücke zu etwaigen den Raum erfüllenden Seelen- und Geisteswirkungen schlagen! Wenn es wahr ist — und es ist berechtigt, dies als wahr anzunehmen —, wenn wir uns das menschliche Gehirn im Sinne Leibniz’ und Du Bois-Reymonds so vergrößert denken, daß wir darin spazierengehen könnten und die Bewegungen darin wie die Bewegungen der Himmelskörper ansehen, und wenn wir in diesen Bewegungen unseres Gehirns nichts wahrnehmen von seelischen Gegenbildern dieser Bewegungen, so brauchen wir uns nicht darüber zu wundern, wenn wir in einem solchen vergrößerten Gehirn — nämlich im Weltengebilde — drinnenstehen und auch nicht die Brücke finden können zwischen den Bewegungen der Sterne im Himmelsraum und den eventuellen Seelen- und Geistestätigkeiten, die den Weltenraum durchmessen und die ebenso zu den Bewegungen der Sterne stehen würden wie unsere Gedanken, Empfindungen und Seelenerlebnisse zu den Bewegungen unserer eigenen Gehirnmasse. Damals war — als Du Bois-Reymond dies sprach — für jeden, der denken konnte, der Schluß möglich, der allerdings seither nie gezogen worden ist: Wenn das richtig ist, worauf mit einer gewissen Sicherheit Du Bois-Reymond hinwies, so muß man auch sagen: Wenn den Raum ein Seelenhaftes, ein Geisthaftes erfüllt, dann kann keine Astronomie, keine astronomische Erkenntnis — insbesondere dann nicht, wenn sie dieses gekennzeichnete Ideal des neunzehnten Jahrhunderts erfüllt — irgendwie pro oder contra von dem den Raum erfüllenden Geistigen oder Seelischen sprechen, denn man kann nicht von Bewegungen auf Geistiges schließen. Damit war die Notwendigkeit gegeben zu sagen: Der Astronom muß sich auf die Beschreibung dessen beschränken, was im Himmelsraum vorgeht, er kann unmöglich in bezug auf das, was im Himmelsraum vorgeht, das geringste Urteil darüber fällen, daß zu den Bewegungen der Sterne im Großen Seelenerlebnisse kosmischer Art gehören, wie zu unseren Massenbewegungen im Gehirn unsere Seelenerlebnisse gehören. Damit war bereits in den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts der Astronomie ihre Grenze angewiesen. Man hätte aber ganz anders fragen müssen, als Du Bois-Reymond gefragt hat, nämlich: Gibt es eine Möglichkeit, auf eine andere Art vorzudringen, um etwa die den kosmischen Raum ausfüllenden Seelen- und Geisteswesenheiten zu finden? — Deshalb weist die Geisteswissenschaft gegenüber der Astronomie auf etwas hin, was wiederholt in diesen Vorträgen besprochen worden ist: daß der Mensch imstande ist, seine Erkenntniskräfte zu anderen Stufen hinaufzuentwickeln, als er sie im normalen Leben hat. Dann erst, wenn diese Erkenntniskräfte auf eine höhere Stufe hinaufgehoben worden sind, ist es möglich, anderes im Raume und in der Zeit zu finden als das, was man als die idealste Erfüllung von Raum und Zeit im neunzehnten Jahrhundert angesehen hat: die astronomisch feststellbaren Bewegungen der Kräfte und Atome im Raum.
[ 11 ] This is what we must carefully distill from the various errors contained in Du Bois-Reymond’s aforementioned lecture, “On the Limits of Knowledge of Nature.” But that is what is valuable in this speech: there is in it something like a reaction, a sentiment against the omnipotence and omniscience of astronomical knowledge. If we consider what we can so carefully isolate, we find the possibility of applying it to the great body of astronomical knowledge. Let us assume—and this is undoubtedly justified— it is impossible to find any bridge from astronomical knowledge of the motion of the smallest particles of matter to experiences of the soul and spirit. Then, however, one cannot build a bridge from what great astronomy offers—from the description of the starry sky and its movements and the relationships of the stars to one another—to any soul- and spirit-related effects that might fill space! If it is true—and it is reasonable to assume this to be true—that we imagine the human brain, in the sense of Leibniz and Du Bois-Reymond, magnified to such an extent that we could walk through it and observe the movements within it as we would the movements of the celestial bodies, and if we perceive nothing in these movements of our brain that corresponds to the soul’s reflections of these movements, then we need not be surprised if, standing within such an enlarged brain—namely, the structure of the universe—we cannot find the bridge between the movements of the stars in the celestial space and the possible activities of the soul and spirit that traverse the space of the universe and would relate to the movements of the stars just as our thoughts, sensations and soul experiences to the movements of our own brain matter. At that time—when Du Bois-Reymond spoke these words—anyone capable of thought could have drawn the conclusion that has, however, never been drawn since: If what Du Bois-Reymond pointed out with a certain degree of certainty is correct, then one must also say: If space is filled with something soul-like, something spiritual, then no astronomy, no astronomical knowledge—especially not if it fulfills this characteristic ideal of the nineteenth century—can in any way speak for or against the spiritual or soul-like forces filling space, for one cannot infer the spiritual from movements. This made it necessary to say: The astronomer must limit himself to describing what takes place in the heavens; he cannot possibly pass even the slightest judgment, with regard to what takes place there, that the movements of the stars are part of a great spiritual experience of a cosmic nature, just as our mental experiences are part of the mass movements in our brains. Thus, as early as the 1870s, the limits of astronomy had already been established. However, the question should have been posed quite differently than Du Bois-Reymond asked it, namely: Is there a possibility of proceeding in a different way, for example, to discover the soul and spiritual beings that fill cosmic space? — This is why spiritual science points to something—which has been discussed repeatedly in these lectures—that distinguishes it from astronomy: that human beings are capable of developing their powers of cognition to levels higher than those they possess in ordinary life. Only then, when these powers of cognition have been raised to a higher level, is it possible to find in space and time something other than what was regarded in the nineteenth century as the most ideal fulfillment of space and time: the astronomically observable movements of forces and atoms in space.
[ 12 ] Nun dürfen wir aber doch nicht allzu gering über das denken, was die äußere Naturwissenschaft in bezug auf das Werden der Welt zu sagen hat. Denn die naturwissenschaftlichen Tatsachen, die allerdings in einer gewissen radikalen, phantastischen Ausbildung zu dem Ideal einer astronomisch-molekularischen und -atomischen Erkenntnis geführt haben, haben auf der anderen Seite im neunzehnten Jahrhundert etwas aus sich herausgetrieben, was wir geradezu als ein Muster einer naturwissenschaftlichen, tief in die Geheimnisse des Daseins hineinleuchtenden Tatsache ansehen müssen. Und wenn sie auch eine eingeschränkte Bedeutung hat, so ist sie doch eine Tatsache allerersten Ranges. Sie kann ja heute auch nur angedeutet werden, denn um was es sich da handelt, ist die Beantwortung der Frage: «Was hat Astronomie über Weltentstehung zu sagen?» Dazu muß hingewiesen werden auf das, was in der äußeren Welt gezeigt werden kann, um die Antwort auf diese Frage zu geben: daß innerhalb des naturwissenschaftlichen Denkens, Forschens und Experimentierens mit Klarheit nachgewiesen ist, wie es zwar im allgemeinen richtig ist, daß wir Naturkräfte ineinander verwandeln können, daß wir zum Beispiel Wärme in Arbeit oder, wenn wir irgendeine Arbeit verrichtet haben, diese in Wärme verwandeln können, aber es ist richtig mit einer ganz gewichtigen Einschränkung. Während auf der einen Seite gilt: Wärme kann in mechanische Arbeit, in Bewegungsenergie verwandelt werden und Bewegungsenergie wieder in Wärme — müssen wir auf der andern Seite sagen, daß, wenn man Wärme zurückverwandeln will in Arbeit, in Bewegungsenergie, dies nicht in uneingeschränkter Weise geschehen kann. Das sehen wir am anschaulichsten bei der Dampfmaschine. Wir bringen die Bewegung durch die Wärme hervor, aber wir können nicht alle Wärme, die wir in den Dampfkessel hineinheizen, so umwandeln, daß sie sich ganz umwandelt in Bewegungsenergie.Es geht immer etwas Wärme verloren, so daß wir immer bei allen Prozessen in der Natur, wo Wärme-Energie in Bewegung umgesetzt wird, mit einem Wärmeverlust zu rechnen haben, wie er bei einer Dampfmaschine sicher ist. Denn selbst bei den bestgehenden Dampfmaschinen können wir nur ungefähr ein Viertel der Wärme umwandeln in Bewegung, die andere strahlt aus in den Kühlraum und so weiter. Wir können es nur so, daß wir bei der Umwandlung zusehen müssen, daß ein Teil der Wärme — als Wärme — in den Weltenraum hinausstrahlt. Diese Erkenntnis, daß sich zwar Bewegungsenergie restJlos in Wärme, nicht aber umgekehrt Wärme restlos in Bewegungsenergie zurückverwandeln läßt, ist auch in äußerJicher Beziehung eine der fruchtbringendsten Erkenntnisse für die Wissenschaft des neunzehnten Jahrhunderts geworden. Denn alles, wofür jetzt Lehrkanzeln bestehen, worüber ganze Bibliotheken existieren - über die Thermodynamik —, beruht lediglich auf dieser Erkenntnis, so daß ein großer Teil unserer gegenwärtigen Physik auf dem aufgebaut ist, was eben hier als die Erkenntnis charakterisiert worden ist, daß nicht rückläufig Wärme unbedingt in Bewegungsenergie verwandelt werden kann, sondern daß immer ein Rest von Wärme bleibt, der ausstrahlt. Das ist unwiderJeglich gezeigt worden durch solche Untersuchungen wie zum Beispiel die des berühmten Physikers Clausius, von dem die Verallgemeinerung dieses Satzes geltend gemacht worden ist, daß bei allen Vorgängen im Weltall dieser Satz gelten muß. Daher haben wir es bei allen Verwandlungsprozessen, wo ja überall die Wärme ihre Rolle spielt, mit einer Überleitung der Wärme in jene Arbeit zu tun, die eben bei den Tatsachen unserer Natur in Betracht kommt. Da aber immer bei der Umwandlung ein Rest von Wärme bleibt, so ist unschwer einzusehen, daß zuletzt der Endzustand dieser unserer Entwickelung, in der wir als in einer materiellen Entwickelung drinnenstehen, die Umwandlung der sämtlichen Bewegungsenergie, der sämtlichen sonstigen Arbeit in der Natur in Wärme ist. Das ist das letzte, was herauskommen muß: alles übrige an Naturvorgängen muß sich zuletzt in Wärme umwandeln, weil immer ein Rest von Wärme übrigbleibt, so daß alle Weltenvorgänge so verlaufen -wenn sich auch noch so lange Zeiten hindurch Naturvorgänge abspielen werden, die wir als «Naturarbeiten» bezeichnen können —, daß immer größer und größer die Wärme sein wird, die als Rest sich ergeben wird, und zuJetzt muß das Ergebnis sein, daß alle Bewegungsvorgänge in Wärme umgewandelt sein werden. Dann hätten wir es also mit einem großen Weltenchaos zu tun, das nur noch aus Wärme besteht, die nicht mehr zurückverwandelbar ist. Alles also, was unsere Sonne an Lebensvorgängen auf der Erde bewirkt, läßt zurück Wärmereste; alles, was von der Sonne zu uns strahlt, tendiert zuletzt dahin, in einen allgemeinen Wärmetod überzugehen. Das ist der berühmte «Clausius’sche Wärmetod», in den alle materielle EntwickeJung des Weltalls einmünden muß. Und hier hat die Physik für den, der überhaupt etwas von Erkenntnis versteht, eine Erkenntnis geliefert, die ganz unwiderleglich ist, gegen die physikalisch nichts eingewendet werden kann. Es strebt unser materielles Weltall dem Wärmetode entgegen, in dem alles, was an Naturvorgängen besteht, einstmals begraben sein wird.
[ 12 ] However, we must not underestimate what the natural sciences have to say about the origin of the world. For while the scientific facts—which, admittedly, in a certain radical, fantastical development have led to the ideal of an astronomical-molecular and atomic understanding—have, on the other hand, brought forth in the nineteenth century something that we must regard as a prime example of a scientific fact that sheds light deep into the mysteries of existence. And even if it has a limited significance, it is nonetheless a fact of the very highest order. Indeed, it can only be hinted at today, for what is at stake here is the answer to the question: “What does astronomy have to say about the origin of the world?” To this end, we must point to what can be demonstrated in the external world to provide the answer to this question: that within scientific thought, research, and experimentation, it has been clearly demonstrated that, while it is generally true that we can transform natural forces into one another—for example, converting heat into work or, after performing some work, converting it back into heat—this is true with a very significant caveat. While on the one hand it is true that heat can be converted into mechanical work, into kinetic energy, and kinetic energy back into heat—on the other hand, we must acknowledge that if one wishes to reconvert heat into work, into kinetic energy, this cannot be done without limitation. We see this most clearly in the steam engine. We generate motion through heat, but we cannot convert all the heat we feed into the steam boiler in such a way that it is entirely converted into kinetic energy. Some heat is always lost, so that in all natural processes where thermal energy is converted into motion, we must always expect a loss of heat, as is certainly the case with a steam engine. For even with the most efficient steam engines, we can convert only about a quarter of the heat into motion; the rest radiates into the cooling chamber and so on. We can only accept that, during the conversion, we must allow for a portion of the heat—as heat—to radiate out into space. This realization—that while kinetic energy can be completely converted into heat, the reverse is not possible—has also become, in a broader sense, one of the most fruitful insights for nineteenth-century science. For everything that now fills university lecture halls and fills entire libraries—thermodynamics—rests solely on this insight, so that a large part of our current physics is built upon what has just been characterized here as the realization that heat cannot be completely converted back into kinetic energy, but that a residual amount of heat always remains, which radiates outward. This has been irrefutably demonstrated by studies such as those of the famous physicist Clausius, who asserted the generalization of this principle, namely that it must apply to all processes in the universe. Therefore, in all transformation processes—where heat plays a role everywhere—we are dealing with a transfer of heat into the kind of work that is relevant to the facts of our natural world. But since a residual amount of heat always remains after a transformation, it is not difficult to see that the final state of our development—in which we are immersed as part of a material development—is the conversion of all kinetic energy and all other forms of work in nature into heat. This is the inevitable conclusion: all other natural processes must ultimately be converted into heat, because a residual amount of heat always remains, so that all cosmic processes—no matter how long natural processes that we might call “natural work”—will proceed in such a way that the heat remaining as a residue will become ever greater and greater, and the result must now be that all processes of motion will be converted into heat. We would then be dealing with a great cosmic chaos consisting solely of heat that can no longer be converted back. Thus, everything our Sun brings about in terms of life processes on Earth leaves behind residual heat; everything that radiates from the Sun to us ultimately tends toward a general heat death. This is the famous “Clausius heat death,” into which all material development in the universe must ultimately flow. And here, physics has provided—for anyone who understands anything about knowledge at all—a finding that is entirely irrefutable, against which no physical objection can be raised. Our material universe is heading toward heat death, in which all natural processes will one day be buried.
[ 13 ] Da haben wir aus der Physik selber etwas, was wir unmittelbar auf die gesamte Astronomie übertragen können. Würden wir nur in der Lage sein, zu sehen, wie sich Bewegung in Wärme verwandelt, so könnten wir sagen: Das Weltall könnte nach vorn und nach rückwärts unendlich sein, brauchte kein Ende zu nehmen. Aber die Physik zeigt uns an dem zweiten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie, daß die materiellen Vorgänge des Weltalls dem Wärmetode entgegenstreben. Man kann überzeugt sein: Wäre es nicht gar so schwierig, würde man nicht gar so viele mathematische Vorkenntnisse notwendig haben und auf schwierige physikalische Prozesse eingehen müssen, so würden viel mehr Leute heute von dem Clausius’schen Wärmetod etwas wissen, als es wirklich der Fall ist.
[ 13 ] Here we have something from physics itself that we can directly apply to the entire field of astronomy. If only we were able to see how motion is converted into heat, we could say: The universe could be infinite in both directions—it need not come to an end. But physics shows us, through the second law of the mechanical theory of heat, that the material processes of the universe are heading toward heat death. One can be certain: if it weren’t so difficult, if it didn’t require so much prior knowledge of mathematics and delve into complex physical processes, far more people today would know about Clausius’s heat death than is actually the case.
[ 14 ] Da haben wir etwas in unser astronomisches Weltbild hineingetragen, was gewissermaßen Entwickelung bedeutet. Denken Sie, wie fatal es für eine materialistische Erkenntnis sein muß, dieses unwiderlegliche Resultat auf sich wirken zu lassen! Wer also Geistiges und Seelisches nur ansieht als Begleiterscheinungen der materiellen Bewegungen, der muß ja unmittelbar annehmen, daß alles Seelische und Geistige in das Wärmechaos hineinbegraben sein wird, dem unsere materielle Welt zustrebt, so daß alle Kultur, nach der die Menschen streben, alle Schönheit und Wirksamkeit der Erde einstmals mit dem allgemeinen Wärmetode zugleich den Tod finden müßte. - Nun darf man sagen, daß insbesondere dem astronomischen Weltbilde dieser allgemeine Wärmetod etwas fatal geworden ist. Nicht alle Astronomen machen sich die Sache so leicht, wie es sich — Sie wissen aus anderen Gelegenheiten, in was für einer anerkennenden Art ich über Haeckel als Naturforscher gesprochen habe — Ernst Hacckel in seinen «Welträtseln» gemacht hat. Er meint, der «zweite Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie» widerspreche eigentlich dem ersten, daß alle Wärme umwandelbar ist. Zwar läßt sich nicht leugnen — das weiß auch Haeckel —, daß unser Sonnensystem einem solchen Wärmetod zueilt, aber er tröstet sich damit, daß er sagt: Wenn das ganze Sonnensystem dem Wärmetod verfallen ist, wird es schon einmal zusammenstoßen mit einem andern Weltsystem, dann entsteht durch den Zusammenprall wieder Wärme — und dann entsteht ein neues Weltsystem! — Es ist dabei nur nicht bedacht, daß ein Aufeinanderprallen der Schlacken und Reste schon bedacht ist in dem Hinlaufen zum allgemeinen Wärmetod, so daß also von einem solchen Trost nicht viel zu hoffen ist.
[ 14 ] We have thus introduced into our astronomical worldview something that, in a sense, signifies evolution. Just think how devastating it must be for a materialistic worldview to come to terms with this irrefutable result! Anyone who regards the spiritual and the psychological merely as side effects of material movements must therefore immediately assume that everything psychological and spiritual will be buried in the thermal chaos toward which our material world is heading, so that all the culture toward which human beings strive, all the beauty and vitality of the Earth, would one day meet its end along with the general heat death. - Now it may be said that this general heat death has proved particularly fatal to the astronomical worldview. Not all astronomers take the matter as lightly as—you know from other occasions how appreciatively I have spoken of Haeckel as a natural scientist—Ernst Haeckel did in his *The Riddles of the Universe*. He believes that the “second law of mechanical thermodynamics” actually contradicts the first, which states that all heat is convertible. Admittedly, it cannot be denied—as Haeckel himself knows—that our solar system is hurtling toward such a heat death, but he consoles himself by saying: When the entire solar system has succumbed to heat death, it will collide with another solar system; the collision will generate heat once again—and a new solar system will emerge! — What is not taken into account here, however, is that a collision of the slag and remnants is already factored into the progression toward general heat death, so that there is not much to hope for from such a consolation.
[ 15 ] Aber auch ernsterzunehmende Leute, die von dem Drange beseelt sind, aus der physikalisch-astronomischen Erkenntnis heraus die Möglichkeit zu gewinnen, die Weltentwickelung zu begreifen, suchen geradezu über den allgemeinen Wärmetod hinauszukommen. Da darf, weil er als der neueste Versuch gelten kann, der Versuch von Arrhenius genannt werden, dem schwedischen Forscher, der in seinem Buche «Das Werden der Welten» in mannigfaltiger Weise gerade auf solche Fragen vom Standpunkt der physikalischen Chemie, der Physik, der Astronomie, Geologie aus zurückkommt. Man darf sagen: Hier ist schon in einer etwas geistreicheren Weise als bei Haeckel der Versuch gemacht, die Lehre von dem allgemeinen Wärmetode zu überwinden. Aber wenn man alles berücksichtigt, was Arrhenius beizubringen versucht, so muß man doch sagen: Überzeugend ist alles das in keiner Weise. Nur kurz soll hier charakterisiert werden, was von dieser Seite aus zur Überwindung des allgemeinen Wärmetodes beigebracht wird, Selbstverständlich kann nicht geleugnet werden, daß ein Sonnensystem — etwa wie unser Sonnensystem — dem allgemeinen Wärmetode entgegengeht. Nun vertritt Arrhenius daneben allerdings noch eine andere Idee, die sich auf gewisse Annahmen Maxwells gründet und dessen sogenannten Strahlungsdruck. Das ist etwas, was der früheren Anziehungskraft der Weltenmassen entgegengerichtet ist, was fortwährend von den einzelnen Weltenkörpern in den Raum hinauswirkt bis in die andern Weltenkörper hinein als Strahlung der verschiedensten Naturkräfte, die Druck erzeugen. Dieser Druck, der also gleichsam das ist, was die Weltenkörper in den Raum senden, ist nun imstande — weil er eine in den Weltenraum strahlende Kraft ist —, kleinste Teile von Materie mitsich zu führen, die von einem Weltenkörper abgestoßen werden. Nun sucht Arrhenius durch allerlei Erwägungen zu zeigen, daß es ja selbstverständlich ist, daß, solange nicht besondere Verhältnisse eintreten, diese Erscheinungen, die durch den Strahlungsdruck hervorgerufen werden, keineswegs den allgemeinen Wärmetod verhindern. Aber Arrhenius glaubt, daß solche besonderen Verhältnisse dadurch herbeigeführt werden, daß gleichsam dieser Weltenstaub zu werdenden Weltennebeln hingeführt wird, die in ganz besonderen materiellen Zuständen sind — beispielsweise dadurch, daß in solche Weltennebel von irgendeiner Seite her irgendein Stern hineingefahren wäre, der die Materie mit sich genommen hat, sie dadurch zusammengezogen und eine Erhöhung der Temperatur hervorgerufen hat. Wenn es also möglich wäre, daß ein solcher Stern, der in einen solchen Weltennebel hineinfährt, im Hineinfahren die Materie, die er trifft, heranzieht und verdichtet, so hätten wir darin, weil durch die Verdichtung eine Erhöhung der Temperatur hervorgerufen wird, etwas, was neuerdings im Weltenraum eine Erhöhung der Temperatur hervorruft, hätten also eine Wärme, die wiederum umgesetzt werden könnte in Arbeit! In einer geistreichen Weise zeigt Arrhenius, daß der Weltenstaub, der an ein solches Weltennebelgebilde anfliegt, in einer andern Lage ist — gleichsam hingerissen wird in eine solche Lage, in welcher er der allgemeinen Tendenz des Wärmetodes entzogen wird.
[ 15 ] But even more serious-minded people, driven by the desire to use knowledge of physics and astronomy to gain an understanding of the evolution of the world, are striving to go beyond the general heat death. In this context, it is worth mentioning the work of Arrhenius—which can be regarded as the most recent attempt—the Swedish researcher who, in his book *The Formation of the Worlds*, addresses precisely such questions in a variety of ways from the perspectives of physical chemistry, physics, astronomy, and geology. It may be said that here, in a somewhat more ingenious manner than in Haeckel’s work, an attempt is made to overcome the doctrine of the general heat death. But when one takes into account everything Arrhenius attempts to demonstrate, one must nevertheless say: None of this is in any way convincing. Here, I shall briefly outline what is presented from this perspective to overcome the general heat death. Of course, it cannot be denied that a solar system—such as our own—is heading toward the general heat death. Now, Arrhenius also advocates another idea based on certain assumptions by Maxwell and his so-called radiation pressure. This is a force that counteracts the gravitational pull of celestial bodies; it continuously radiates outward from individual celestial bodies into space and into other celestial bodies as radiation of various natural forces that generate pressure. This pressure—which is, so to speak, what the celestial bodies emit into space—is now capable—because it is a force radiating into cosmic space—of carrying with it minute particles of matter that are repelled by a celestial body. Arrhenius now seeks, through various considerations, to show that it is, of course, self-evident that, as long as no special conditions arise, these phenomena caused by radiation pressure in no way prevent the general heat death. But Arrhenius believes that such special conditions are brought about by this cosmic dust being drawn, as it were, toward nascent cosmic nebulae that are in very special material states—for example, by a star from some direction entering such a cosmic nebula, taking the matter with it, thereby contracting it, and causing an increase in temperature. So if it were possible for such a star, upon entering such a cosmic nebula, to draw in and condense the matter it encounters, then—because the condensation causes a rise in temperature—we would have something that in turn causes a rise in temperature in outer space; we would thus have heat that could in turn be converted into work! In an ingenious way, Arrhenius shows that the interstellar dust flying toward such a cosmic nebula is in a different state—is, as it were, drawn into a state in which it is removed from the general tendency toward heat death.
[ 16 ] Ich konnte nur flüchtig andeuten, was ja auch nur allzu flüchtig in den Arrhenius’schen Schriften angedeutet ist. Im wesentlichen aber wird der, welcher auf das eingeht, was zur Annahme des allgemeinen Wärmetodes geführt hat, nicht umhin können, zuzugeben, daß die Möglichkeit nur scheinbar ist, daß in einem Weltennebel, auch wenn durch Hineinfahren von Sternen eine Erhöhung der Temperatur stattfindet, der Wärmetod aufgehalten werden könnte. Denn das sind doch nur Trugschlüsse, und das Gesetz von dem allgemeinen Wärmetode ist ein so allgemeines, daß wir zugeben müssen, wenn wir richtig vorgehen: nach physikalischen Gesetzen müssen die Sterne, die mit einem Weltennebel zusammenstoßen, dadurch, daß sie früher auch da waren und soviel zerstreut haben, nur den Rest ihrer früheren Existenz mitbringen, so daß also auch diese Vorgänge, die in den Weltennebeln sich abspielen, hineinbezogen werden müssen in die Tendenz des Entgegeneilens des Weltenalls zum allgemeinen Wärmetode. Nun ist es charakteristisch, daß Arrhenius noch weiter geht und in seine Idee des Strahlungsdruckes die Möglichkeit einbezieht, daß Samen lebender Wesen von einem Weltenkörper zum andern durch den Strahlungsdruck gestoßen werden könnten. Und man kann in der Tat — mit einem großen Schein von Richtigkeit — nachweisen, wie die Kälte, durch die gewisse Pflanzensamen, Tiersamen getragen würden, konservierend auf dieselben wirken würde, so daß durch die reine Rechnung angenommen werden könnte, daß das Leben von dem einen zum andern Weltenkörper durch den Strahlungsdruck getragen würde. Das könnte man ausrechnen zum Beispiel für den Weg von der Erde bis zum Mars. Man erspart dann der Erde — anstatt es ihr sonst aufzuhalsen — die Möglichkeit, wie man es sonst in der Physik, Geologie und so weiter will, einmal Leben hervorgebracht zu haben, denn man kann dann sagen: Es braucht also die Erde kein Leben hervorgebracht zu haben, denn es kann ihr von andern Weltenkörpern zugeflossen sein. — Es kommt nicht viel dabei heraus. Denn wird man damit etwas Besonderes gewinnen, daß man die Frage nach der Entstehung des Lebens auf andere Weltenkörper verlegt? Da haben wir ja dieselben Schwierigkeiten, nur daß uns auf der Erde die Verhältnisse hindern, um die Entstehung von Leben auf andern Weltenkörpern anzunehmen. Das sind überhaupt Dinge, die zeigen können, wie scheinbar gut gemeinte Unternehmungen der Gegenwart, die selbst von der Ewigkeit des Lebens ausgehen, unter dem Einfluß von materialistischen Vorurteilen stehen. Denn der ganze Gedankengang ist durchaus materialistisch, so materialistisch, daß gar nicht darauf Rücksicht genommen wird, daß Leben ebenso hier seinen Ursprung haben könnte als in dem, was von einem Weltenkörper zum andern hinstrahlend gedacht werden könnte. Es zeigt dies, daß selbst gut gemeinte Gedanken in der Gegenwart daran leiden, sich auf den Boden des Materialismus stellen zu müssen.
[ 16 ] I was able to touch on this only briefly—as it is itself only all too briefly touched upon in Arrhenius’s writings. Essentially, however, anyone who examines what led to the acceptance of the general heat death will have no choice but to admit that the possibility is only apparent—that in a cosmic nebula, even if the temperature rises due to the entry of stars, the heat death could be delayed. For these are, after all, merely fallacies, and the law of universal heat death is so universal that we must admit, if we proceed correctly: according to the laws of physics, the stars that collide with a cosmic nebula—since they were also present there earlier and have already dispersed so much matter—can only bring with them the remnants of their former existence; thus, these processes taking place within the cosmic nebulae must also be factored into the universe’s overall trend toward heat death. Now it is characteristic that Arrhenius goes even further and incorporates into his idea of radiation pressure the possibility that the seeds of living beings could be propelled from one celestial body to another by radiation pressure. And one can indeed—with a great semblance of accuracy—demonstrate how the cold, through which certain plant and animal seeds would be carried, would have a preservative effect on them, so that, based on pure calculation, one could assume that life would be carried from one celestial body to another by radiation pressure. This could be calculated, for example, for the journey from Earth to Mars. One then spares the Earth—instead of otherwise imposing it upon her—the possibility of having once produced life, as is otherwise assumed in physics, geology, and so on; for one can then say: The Earth need not, therefore, have produced life, since it may have flowed to her from other celestial bodies. — Not much comes of it. For what special insight do we gain by shifting the question of the origin of life to other celestial bodies? We face the same difficulties there, except that conditions on Earth prevent us from accepting the possibility of life’s origin on other celestial bodies. These are, in general, things that can show how seemingly well-intentioned contemporary endeavors—which themselves assume the eternity of life—are influenced by materialistic prejudices. For the entire line of thought is thoroughly materialistic—so materialistic, in fact, that it fails entirely to take into account that life could have its origin here just as well as in what might be imagined as radiating from one celestial body to another. This shows that even well-intentioned thoughts in the present suffer from having to stand on the ground of materialism.
[ 17 ] So tritt uns also überall das gleiche entgegen: das Studium physikalischer Gesetze, materieller Gesetze, materieller Kräfte, und dieses Studium wird dann so verwendet, daß gleichsam alles, was die Physik findet, auf das große Weltgebäude übertragen wird, und man versucht sich das Werden der Welt mit diesen Kräften vorzustellen. Wir haben gesehen, wie im Grunde genommen die Grenze, die der Astronom sich ziehen müßte, durch solche Gedankenunternehmungen überall überschritten wird. Denn der Astronom kann aus dem, was er vor sich hat, gar nicht auf irgend etwas schließen, was mit den Kräften zu tun hat, die das Werden der Welt bedingen. Das können wir uns wieder daran verdeutlichen, daß unser Denken und Empfinden seelische Vorgänge sind, die ganz zweifellos materielle Vorgänge hervorrufen, zum Beispiel in unserem Gehirn, selbst in unserer Blutentwickelung. Wer Schamgefühl empfindet, wem die Schamröte ins Gesicht steigt, der kann sich davon überzeugen, daß seelische Vorgänge materielle Vorgänge im Gefolge haben. Wer aber zugibt, daß das SeelischGeistige in uns materielle Vorgänge bewirkt, der muß sich sagen: Würde ich im menschlichen Gehirn drinnenstehen und die Außenbewegungen studieren, so würde ich in den Bewegungen nur Bewegungen sehen; da würde ich gar nicht einmal ahnen, daß ich die Bewegungen mitrechne, welche durch die geistig-seelischen Prozesse bewirkt werden. Ich lasse es also weg, was die geistig-seelischen Ursachen sind. — Kann es dadurch nicht begreiflich erscheinen, daß der Astronom genötigt ist, wenn er an seinem Orte die Himmelskörper studiert, dasjenige, was die Ursachen sind, daß da oder dort irgendein Stern so oder so sich bewegt, so oder so zu entwickeln? Dürfen wir aus den bloßen Bewegungen oder aus den dynamischen Gesetzen folgern: Die Sonne muß in einer bestimmten Weise zur Erde stehen, der Mond muß in einer bestimmten Weise zur Erde stehen, muß in einer bestimmten Weise um die Erde herumgehen, und dadurch können sich diese Bewegungen ergeben? — Wodurch sie im Seelisch-Geistigen verursacht sind, darüber kann die Astronomie überhaupt nichts entscheiden. Deshalb können wir gerade aus dem Felde der Astronomie heraus in die Notwendigkeit kommen, durch ganz andere Mittel hinweisen zu müssen auf das, was die wahren Ursachen sind auch des Weltsystemes. Da kann — heute eben nur mit ein paar Worten — auf den Zusammenhang von Erde, Sonne und Mond hingewiesen werden.
[ 17 ] So we encounter the same thing everywhere: the study of physical laws, material laws, and material forces; and this study is then applied in such a way that, as it were, everything physics discovers is projected onto the grand edifice of the world, and one attempts to imagine the world’s genesis through these forces. We have seen how, fundamentally, the boundary that the astronomer ought to draw is crossed everywhere by such intellectual ventures. For the astronomer cannot, from what he has before him, draw any conclusions whatsoever about the forces that determine the world’s genesis. We can illustrate this once again by noting that our thinking and feeling are psychological processes that undoubtedly give rise to physical processes—for example, in our brain, or even in the development of our blood. Anyone who feels a sense of shame, whose face flushes with embarrassment, can see for themselves that psychological processes are followed by physical processes. But anyone who admits that the soul-spiritual within us brings about physical processes must say to themselves: If I were standing inside the human brain and studying the external movements, I would see only movements in those movements; I would not even suspect that I am including the movements brought about by the spiritual-soul processes. So I will leave out what the spiritual-psychic causes are. — Does this not make it understandable that the astronomer, when studying the celestial bodies from his vantage point, is compelled to develop, in one way or another, the causes of why a particular star moves in a certain way here or there? Can we conclude from the mere movements or from the laws of dynamics that the Sun must be positioned in a certain way relative to the Earth, the Moon must be positioned in a certain way relative to the Earth, must orbit the Earth in a certain way, and that these movements can result from this? — Astronomy cannot determine at all what causes them in the spiritual-psychic realm. That is why, precisely from the field of astronomy, we may be led to the necessity of having to point out—through entirely different means—what the true causes of the world system are. Here, we can—today, if only in a few words—point to the relationship between the Earth, the Sun, and the Moon.
[ 18 ] Wie diese drei Himmelskörper zueinander stehen, so hat sich ihr gegenseitiges Leben und so haben sich ihre Bewegungsverhältnisse entwickelt. Wollen wir erkennen, warum Sonne, Erde und Mond sich gerade so verhalten, wie sie sich heute verhalten, so müssen wir nicht bloß von denjenigen Kräften auf der Erde, die wir als die physikalisch-mechanischen erkennen, zum Himmelsraum aufrücken, sondern wir müssen von noch andern Vorgängen, die sich auf der Erde abspielen, zur Welt des Himmelsraumes aufrücken. Da haben wir, wenn wir den Menschen betrachten, ganz gewiß ebenso etwas vor uns, was zur ganzen Erde und ihrem Zusammenhange mit Sonne und Mond gehört wie das Blühen der Blumen oder irgendein anderer Vorgang — oder wie ein elektrischer Vorgang in der Luft. Zweifellos gehört der Mensch mit allem, was er ist, zur Erde, und es ist eine Abstraktion, wenn man sich die Erde nur vorstellt, wie es die Geologen machen, als ein bloß anorganisches, unbelebtes Gebilde, sondern man muß die Menschen in die ganzen Vorgänge der Erde hineinstellen. Da haben wir zunächst die Schwierigkeit, daß wir zweierlei auseinanderhalten müssen, wenn wir in der richtigen Art den Unterschied zwischen Mensch und Tier fassen wollen: Beim Tier überwiegt das Gattungsmäßige, so daß ein individuelles Ich mit seiner ganzen Entwickelung zwischen Geburt und Tod nicht in so entscheidender Weise zur Geltung kommt, wie dies beim Menschen mit seinem individuellen Ich der Fall ist, das sich in aller Erziehung und in allem Kulturleben des Menschen ausdrückt. Das unterscheidet den Menschen von dem Tier, bei welchem das Gattungsmäßige überwiegt. Nun ist es so, daß solche Dinge durch Übergänge ineinander übergehen. Beim Tier überwiegt das Gattungsmäßige, aber das Gattungsmäßige geht in die Menschennatur hinein. Je weiter wir zurückgehen in dem Laufe der Zeiten — welchen Gang wir angetreten haben, als wir die großen Geister betrachteten —, desto mehr finden wir, daß der Mensch auch ein gattungsmäßiges Wesen ist, und das Individuelle sehen wir immer mehr und mehr heraussprießen aus dem Gattungsmäßigen. Auf dem Boden des Gattungsmäßigen erhebt sich das Individuelle. Wir haben das Ideal einer Menschenzukunft vor uns, die uns sagt: Es wird das Individuelle, die Ich-Natur eines jeden Menschen im Verlaufe der Erdentwickelung den Sieg über das Gattungsmäßige davontragen. Aber im Zurückgehen erblicken wir auf dem Grunde der menschheitlichen Entwickelung gerade das Gattungsmäßige. Wir haben uns ja auch, indem wir zurückgegangen sind, immer mehr und mehr einem anderen Bewußtseinszustand nähern können, in welchem der Mensch traumhaft, bildhaft mit einer geistigen Welt zusammengehangen hat, so daß wir diese zwei Dinge als zusammengehörig betrachten müssen: das Gattungsmäßige und das bildhafte, traumhafte Bewußtsein der alten Zeiten einerseits und andererseits die Entwickelung der Individualität, und verbunden mit der Entwickelung der Individualität den Durchgang unseres individuellen Bewußtseins durch das, was sich der Mensch im Laufe der Zeiten anzueignen hat. Ein solches Herausgehen des Individuellen aus dem Gattungsmäßigen, des Intellektuellen, durchsichtigen Vernunftmäßigen aus dem Hellseherisch-Traumhaften, das muß in seinen Ursprüngen innerhalb der ganzen Weltentwickelung gesucht werden. Denn wie sozusagen der Stein, der zur Erde fällt, unter den allgemeinen Weltgesetzen steht, so steht auch dieses Hervorgehen der menschlichen Individualität und der menschlichen Intellektualität aus dem menschlichen Gattungsmäßigen und dem menschlichen Hellsehen in einem Zusammenhange mit den großen kosmischen Gesetzen, die überall im Raum wirken. Wir haben ja in dieser Beziehung einen Schritt schon gemacht, als wir die Bedeutung der Geologie für die Geisteswissenschaft charakterisieren konnten. Wir konnten da zeigen, wie wir die Erde zu einem Zustande zurückverfolgen können, in welchem solche Vorgänge tellurisch, irdisch sind, die sich heute nur abspielen, wenn unsere Gedanken und Empfindungen wie zersetzend in unserem Organismus wirken, so daß wir, wenn wir in der Erdentstehung zurückgehen, solche Epochen finden, in denen die Erde in einem Zersetzungsprozesse war. Da zeigt uns nun — was genauer in der «Geheimwissenschaft» dargestellt ist — jenes Erkennen, das in diesen Vorträgen charakterisiert worden ist, daß sich gleichsam die ganze Erde vor einem zu weit gehenden Zersetzungsprozeß dadurch geschützt hat, daß sie den Mond aus sich heraus abgesondert hat. Damit also jener Zustand hat überwunden werden können, welcher als ein Zersetzungsvorgang innerhalb der Erdentwickelung geschildert werden kann, mußte der Mond aus unserer Erde abgesondert werden.
[ 18 ] The way these three celestial bodies relate to one another is how their mutual life has developed, and how their patterns of motion have evolved. If we wish to understand why the Sun, Earth, and Moon behave exactly as they do today, we must not merely ascend from the forces on Earth that we recognize as physical and mechanical to the celestial realm; rather, we must ascend from other processes taking place on Earth to the world of the celestial realm. When we consider human beings, we certainly have before us something that belongs to the entire Earth and its connection with the Sun and Moon just as much as the blooming of flowers or any other process—or as an electrical process in the air. Undoubtedly, the human being, with all that he is, belongs to the Earth, and it is an abstraction to imagine the Earth—as geologists do—as a purely inorganic, inanimate entity; rather, we must place human beings within the context of the Earth’s entire processes. Here we face the initial difficulty that we must distinguish between two things if we are to properly grasp the difference between human beings and animals: In animals, the generic aspect predominates, so that an individual self, with its entire development between birth and death, does not come to the fore in such a decisive way as is the case with human beings and their individual self, which is expressed in all of human education and cultural life. This is what distinguishes humans from animals, in which the generic aspect predominates. Now, it is the case that such things merge into one another through transitions. In animals, the generic aspect predominates, but the generic aspect merges into human nature. The further back we go in the course of time—a path we embarked upon when we considered the great spirits—the more we find that human beings are also generic beings, and we see the individual aspect sprouting ever more clearly from the generic. The individual arises from the foundation of the generic. We have before us the ideal of a human future that tells us: In the course of Earth’s evolution, the individual—the “I” nature of every human being—will triumph over the generic. But as we look back, we see precisely the generic as the foundation of human development. Indeed, by looking back, we have been able to draw ever closer to a different state of consciousness in which human beings were connected to a spiritual world in a dreamlike, pictorial way, so that we must regard these two things as belonging together: the generic and the pictorial, dreamlike consciousness of ancient times on the one hand, and on the other hand, the development of individuality—and, connected to the development of individuality, the passage of our individual consciousness through what human beings must acquire over the course of time. Such an emergence of the individual from the generic, of the intellectual and transparent rational from the clairvoyant and dreamlike—its origins must be sought within the entire course of world development. For just as, so to speak, the stone that falls to the earth is subject to the general laws of the world, so too is this emergence of human individuality and human intellectuality from the human generic and the human clairvoyant realm connected to the great cosmic laws that are at work everywhere in space. We have, after all, already taken a step in this direction when we were able to characterize the significance of geology for spiritual science. There we were able to show how we can trace the Earth back to a state in which such processes—telluric, earthly in nature—occur today only when our thoughts and feelings act in a decomposing manner within our organism, so that, when we go back in the Earth’s formation, we find such epochs in which the Earth was undergoing a process of decomposition. Here, then—as described in greater detail in *The Secret Science*—the insight characterized in these lectures reveals that the Earth, as it were, protected itself from an excessively far-reaching process of decomposition by separating the Moon from itself. Thus, in order to overcome that state—which can be described as a process of disintegration within the Earth’s development—the Moon had to be separated from our Earth.
[ 19 ] Jetzt haben wir nicht bloß einen mechanisch-physikalischen Vorgang, sondern wir haben in dem Abstoßen des Mondes einen solchen Vorgang zu sehen, der dadurch notwendig geworden ist, daß die Erde sich, indem sie den Mond auswarf, vor einem zu weit gehenden Zersetzungsprozeß schützte. Dadurch hat die Erde die Möglichkeit herbeigeführt, zur Sonne direkt in ein neues Verhältnis zu treten. Denn während sie den Mond in sich hatte, war dieser Zersetzungsprozeß in der Erde ein solcher, daß — wenn wir uns die damalige Erdatmosphäre vorstellen — die Sonnenwirkung nicht durch die Erdatmosphäre hindurch konnte. Deshalb mußte erst ein neuer Zustand herbeigeführt werden, damit Erde und Sonne einander ansichtig werden konnten. Mit diesem Ansichtig-Werden von Sonne und Erde, mit der Reinigung der Erdatmosphäre — was erst möglich wurde mit dem Mond-Herausgehen — trat der Kräftezustand ein, der allmählich dazu führte, daß das alte Gattungsbewußtsein nach und nach in das Ich-Bewußtsein, in das intellektuelle Bewußtsein verwandelt wurde. So sehen wir mit der ganzen Menschheitsentwickelung zusammenhängend das Hinausgehen des Mondes, die Reinigung der Erdatmosphäre und dadurch das Herstellen einer direkten Beziehung der Sonne zur Erde. Wir könnten nun noch weiter zurückgehen und würden einen solchen Zustand unserer Erdentwickelung finden, in welchem die Erde noch mit der Sonne selber verbunden war. Wir würden weiter finden, daß die Trennung von Erde und Sonne aus dem Grunde vor sich gegangen ist, um die Möglichkeit von bewußten Wesen überhaupt auf der Erde herbeizuführen. Nur durch das Abstoßen der Erde von der Sonne ist dasjenige von Kräftesystemen zustande gekommen, was es möglich machte, daß Wesenheiten in sich selber zu einem Erleben und zu einem Bewußtsein kommen konnten. So wurde das alte hellseherische Bewußtsein möglich durch die Abstoßung der Erde von der Sonne — und das Aufrücken zu einem höheren Bewußtsein, zu einem intellektuellen Bewußtsein durch die Abstoßung des Mondes von der Erde. Wenn wir hellseherisch — durch eine höhere Erkenntnis — zu dem aufsteigen, was uns eine äußere Astronomie nicht geben kann, so haben wir in kosmischen Kräften die Gründe für das, was in der Abtrennung der Sonne und auch der übrigen Planeten von der Erde geschehen ist — das heißt wir kommen zu geistigen Ursachen!
[ 19 ] Now we are not merely dealing with a mechanical-physical process; rather, we must view the ejection of the Moon as a process that became necessary because the Earth, by ejecting the Moon, protected itself from a process of disintegration that would have gone too far. Through this, the Earth created the possibility of entering into a new relationship with the Sun directly. For as long as the Moon was within the Earth, this process of disintegration was such that—if we imagine the Earth’s atmosphere at that time—the Sun’s rays could not penetrate the Earth’s atmosphere. Therefore, a new state first had to be brought about so that the Earth and the Sun could become visible to one another. With this coming into view of the Sun and the Earth, and with the purification of the Earth’s atmosphere—which became possible only with the Moon’s departure—a new state of forces arose that gradually led to the old generic consciousness being transformed, step by step, into ego-consciousness, into intellectual consciousness. Thus, we see the departure of the Moon, the purification of the Earth’s atmosphere, and, as a result, the establishment of a direct relationship between the Sun and the Earth as all being connected to the entire development of humanity. We could now go back even further and would find a stage in the Earth’s development in which the Earth was still connected to the Sun itself. We would further find that the separation of the Earth from the Sun took place precisely in order to bring about the possibility of conscious beings on Earth at all. Only through the Earth’s separation from the Sun did the system of forces come into being that made it possible for beings to attain experience and consciousness within themselves. Thus, the ancient clairvoyant consciousness was made possible by the Earth’s separation from the Sun—and the ascent to a higher consciousness, to an intellectual consciousness, by the Moon’s separation from the Earth. When we ascend clairvoyantly—through higher knowledge—to what external astronomy cannot provide us, we find in cosmic forces the reasons for what occurred in the separation of the Sun and the other planets from the Earth—that is, we arrive at spiritual causes!
[ 20 ] Ich konnte hier das Prinzip nur andeuten. Natürlich könnte jeder fragen: War denn der Mensch schon vorhanden, als Erde und Sonne sich trennten? Gewiß, er war vorhanden, nur unter anderen Verhältnissen. Daß der Mensch, wie er unter den jetzigen Verhältnissen lebt, nicht möglich wäre, wenn die Sonne mit der Erde zusammen ist, das ist natürlich. Das wäre aber kein Einwand. Wir erhalten also für die Bewegungen der Himmelskörper geistige Ursachen, geistige Gründe. Jetzt stehen wir nicht mehr bei dem, auf das uns vor mehr als einem Jahrhundert die Astronomie hingewiesen hat mit der bloßen Verwertung physikalischer Gesetze und gesagt hat: Die Erde war früher mit der Sonne vereinigt in einem großen Gasball, der kam in Rotation, und dadurch haben sich die Planeten und auch die Erde abgetrennt und später ebenso der Mond von der Erde. — Jetzt kommen wir nicht mehr dazu, zu behaupten, daß so etwas nur aus mechanisch-physikalischen Gesetzen geschieht, sondern es müssen innere, geistige Gründe vorliegen, daß die Sonne von der Erde getrennt wurde. So wurde die Erde von der Sonne getrennt, damit der Mensch zum bewußten Erleben erhoben wurde, und so wurde der Mond von der Erde getrennt, damit der Mensch zu seinem höheren Bewußtsein kommen kann. Kurz: wir fangen an, in das astronomische Weltbild das hineinzubringen, was wir hineinbringen müssen — und zwar in das astronomische Weltbild des kleinen Gehirns dasjenige, was wir hineinbringen müssen, wenn wir übergehen wollen von der bloßen Bewegung der Gehirnatome zu der Erkenntnis: ich sehe rot, höre Orgelton, rieche Rosenduft und so weiter. — So müssen wir vorgehen, wenn wir den Übergang finden wollen von dem, was uns die populäre Astronomie zu geben vermag, zu dem, was die Ursachen der Geschehnisse im Himmelsraume sind. Daher sollten die, welche auf dem Boden der äußeren Physik stehenbleiben wollen, sich darauf beschränken, nur das zu erforschen, was Bewegungen oder was Kräfte sind, was also astronomisch zu erkennen ist; sie sollten sich gestehen, daß ein ganz anderer Fortschritt in der Erkenntnis notwendig ist, wenn die Astronomie zu einer Erklärung des Weltenwerdens kommen will, sollten sich gestehen, daß sie als Vertreter einer rationalistischen und empirischen Astronomie stehenbleiben müßten vor der Erklärung des Weltenwerdens.
[ 20 ] I could only touch on this principle here. Of course, anyone might ask: Did human beings already exist when the Earth and the Sun separated? Certainly, they did exist, but under different conditions. It goes without saying that human beings, as they live under present conditions, could not exist if the Sun were still united with the Earth. But that would not be an objection. We thus find spiritual causes and spiritual reasons for the movements of the celestial bodies. We are no longer standing at the point to which astronomy pointed us more than a century ago, relying solely on the application of physical laws and stating: The Earth was formerly united with the Sun in a great ball of gas, which began to rotate, and as a result the planets—and the Earth as well—separated, and later the Moon separated from the Earth. — We can no longer claim that such events occur solely as a result of mechanical-physical laws; rather, there must be inner, spiritual reasons for the Sun’s separation from the Earth. Thus, the Earth was separated from the Sun so that humanity might be elevated to conscious experience, and thus the Moon was separated from the Earth so that humanity might attain its higher consciousness. In short: we are beginning to incorporate into the astronomical worldview what we must incorporate—namely, into the astronomical worldview of the small brain, that which we must incorporate if we wish to transition from the mere movement of brain atoms to the realization: I see red, hear the sound of an organ, smell the scent of roses, and so on. — This is how we must proceed if we wish to find the transition from what popular astronomy can offer us to the causes of events in the heavens. Therefore, those who wish to remain on the ground of external physics should limit themselves to investigating only what movements or forces are—that is, what can be known astronomically; they should admit that a completely different kind of progress in knowledge is necessary if astronomy is to arrive at an explanation of the origin of the universe; they should admit that, as representatives of a rationalist and empirical astronomy, they would have to stop short of explaining the origin of the universe.
[ 21 ] Wenn dies berücksichtigt wird, dann stellt sich heraus, daß die großen und wirklich bedeutsamen Ergebnisse der modernen Astronomie sich in unser geisteswissenschaftliches Weltengebilde ganz wunderbar einfügen. Nehmen Sie die «Geheimwissenschaft» zur Hand. Da ist gezeigt, wie sich nach und nach unsere Erde entwickelt hat, wie sie —- gerade wie der einzelneMensch in den aufeinanderfolgendenErdenJeben - Entwickelungsstufen durchmacht, wie sozusagen ein Planet selber Entwickelungsstufen durchmacht. Da ist unsere Erde auf einen früheren planetarischen Zustand zurückgeführt, dieser frühere wieder auf einen früheren, so weit, wie man es zurückverfolgen kann, bis zu einem Zustand, der dort genannt ist — aber darauf, wie man ihn nennt, kommt es nicht an — der «alte Saturn», womit aber nicht unser heutiger Saturn gemeint ist, sondern ein planetarischer Vorgänger unserer Erde. Da zeigt uns dasselbe Erkennen, das von aller äußeren Physik ganz unabhängig ist, unabhängig von jeder Spekulation — das können Sie in dem genannten Buche selber sehen —, daß ein entsprechender planetarischer Vorgänger unserer Erde, eben dieser alte Saturn, lediglich in einem Wärmezustand bestand und daß geistige Kräfte in diesen Wärmezustand eingegriffen haben, so daß geistige Kräfte von dem Wärmechaos Besitz ergriffen haben. Dadurch wird alle Entwickelung bis zu unserer Erde herein herbeigeführt. Weiter zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß tatsächlich das Materielle unter unseren Füßen in einem Absterbeprozeß ist. In dem Vortrage «Was hat die Geologie über Weltentstehung zu sagen?» haben wir gezeigt, wie die Geologie so weit ist, uns Recht zu geben, wie die Erdrinde in einem Absterbeprozeß ist. Alles, was wir an der Erdrinde kennen, begreifen wir nur gut, wenn wir es als in einem Absterbeprozeß begriffen verstehen. Darin aber liegt — das zeigt die Geisteswissenschaft —, daß das Geistige von dem Materiellen frei wird. Wenn unter uns das planetarische Materielle abstirbt, befreit sich der Geist daraus.
[ 21 ] When this is taken into account, it becomes clear that the great and truly significant findings of modern astronomy fit wonderfully into our spiritual-scientific worldview. Pick up a copy of *The Secret Science*. It shows how our Earth has developed step by step, how it—just as the individual human being does in successive Earth lives—passes through stages of development, just as a planet itself, so to speak, passes through stages of development. There, our Earth is traced back to an earlier planetary state, and that earlier state is traced back to an even earlier one—as far back as one can trace it—to a state referred to there—though the specific name is not important—as “Old Saturn,” which does not refer to our present-day Saturn, but rather to a planetary predecessor of our Earth. The same insight—which is entirely independent of all external physics and of any speculation—as you can see for yourselves in the book mentioned—shows us that a corresponding planetary predecessor of our Earth, namely this Old Saturn, consisted solely of a state of heat, and that spiritual forces intervened in this state of heat, so that spiritual forces took possession of the heat chaos. This brings about all development leading up to our Earth. Furthermore, spiritual science shows us that the material world beneath our feet is indeed in a process of decay. In the lecture “What Does Geology Have to Say About the Origin of the World?” we demonstrated how geology has come to agree with us regarding the fact that the Earth’s crust is in a process of decay. We can only truly understand everything we know about the Earth’s crust if we view it as being in a process of decay. But this is precisely where—as spiritual science shows—the spiritual becomes free from the material. As the planetary material realm decays beneath us, the spirit liberates itself from it.
[ 22 ] Jetzt haben wir eine andere Möglichkeit! Wir können auf die Weltnebel hinweisen — da haben wir keine Spekulationen nach dem Muster der bloßen Physiker, die doch nicht haltmachen vor dem Wärmetod — und können sagen: Gewiß, da haben wir Gebilde, in denen die Verwandlung aller übrigen Vorgänge in Wärme vorliegt. Aber wie beim Anfang der Erde geistige Mächte den Wärmezustand ergriffen haben, so führen aus den Weltennebeln, in welche durch den Wärmetod die Sonnensysteme eingemündet haben, geistige Mächte aus dem Wärmetod heraus die Weltennebel zu neuen Sonnensystemen. Es gibt eigentlich nichts Überraschenderes als die Übereinstimmung eines der wunderbarsten Gesetze des neunzehnten Jahrhunderts in seiner Anwendung auf die Astronomie - wie die Anwendung des zweiten Hauptsatzes der mechanischen Wärmetheorie — mit den positiven, tatsächlichen Ergebnissen der astronomischen Beobachtungswelt. Wenn Sie nun nicht das nehmen, was durch Spekulation über allerlei Strahlungsdruck oder selbst durch empirische Ergebnisse über den Strahlungsdruck sich ausdenken läßt, sondern wenn Sie von dem ausgehen, was wirklich im Spektroskop oder durch die Photographie der Weltengebilde gewonnen werden kann, so werden Sie sehen, daß alles bis ins letzte Glied hinein mit dem übereinstimmt, was als Werden der Welten und als Entwickelung der Welten aus der Geisteswissenschaft gewonnen werden kann, indem gezeigt wird, wie das, was man als astronomisches Raumesbild sieht, das Ergebnis — geistige Ergebnis — ist geistiger Wesenheiten. Anders als die astronomischen Physiker der heutigen Zeit können wir sagen: Der Mensch hat keinen Grund, den Wärmetod zu bekämpfen oder sich davor zu fürchten, denn er weiß, daß daraus neues Leben aufblühen wird, wie aus dem alten Wärmechaos das Leben aufgeblührt ist, das wir jetzt vor uns haben. Aus dem Grunde, weil nur so eine wirkliche Wiederholung und Steigerung des Lebens möglich ist — nicht nur aus dem, was Arrhenius meint, daß das Leben wie in einem neu aufgezogenen Uhrwerk in dem neu angeordneten Weltennebel sich von neuem abspiele, sondern nur im Hinüberarbeiten eines geistigen Elementes von einem Wärmezustand zum andern —, ist eine Entwickelung möglich. Und wenn unsere Weltensubstanz in dem Wärmegrabe begraben sein wird, wird der Geist um eine Stufe weitergeschritten sein und wird höhere Gebilde, höheres Leben aus dem Wärmechaos hervorzaubern. Daher ist in der «Geheimwissenschaft» der Endzustand der Erdenverkörperungen — der Vulkanzustand — derjenige, welcher auf das hindeutet, was als neues Leben aus dem Grabe des Wärmetodes herausschaut. Deshalb ist der Name «Vulkan» gebraucht. Wenn wir das Astronomische in Frage ziehen, können wir gerade daraus sehen, wie tief die äußere Wissenschaft übereinstimmt mit dem, was die Geisteswissenschaft zu geben hat.
[ 22 ] Now we have another option! We can point to the cosmic nebulae—where we are not engaged in speculation along the lines of mere physicists, who do not stop short of heat death—and say: Certainly, there we have formations in which the transformation of all other processes into heat is taking place. But just as spiritual forces took hold of the Earth’s thermal state at its inception, so too do spiritual forces lead the cosmic nebulae—into which the solar systems have flowed through heat death—out of heat death and toward new solar systems. There is actually nothing more surprising than the agreement between one of the most marvelous laws of the nineteenth century—as applied to astronomy, such as the application of the second law of thermodynamics—and the positive, actual results of the world of astronomical observation. If you now set aside what can be conjured up through speculation about all manner of radiation pressure—or even through empirical results concerning radiation pressure—and instead proceed from what can actually be obtained through spectroscopy or the photography of celestial bodies, you will see that everything, down to the very last detail, corresponds to what can be derived from spiritual science regarding the becoming and evolution of the worlds, by demonstrating how what is seen as the astronomical image of space is the result—a spiritual result—of spiritual beings. Unlike the astronomical physicists of our time, we can say: Humanity has no reason to fight against the heat death or to fear it, for we know that new life will blossom from it, just as life blossomed from the ancient thermal chaos that we now have before us. Development is possible precisely because only in this way is a true repetition and intensification of life possible—not merely in the sense that Arrhenius suggests, that life would play out anew in the newly arranged cosmic nebula as if in a freshly wound clockwork, but only through the transformation of a spiritual element from one state of heat to another—. And when our cosmic substance is buried in the grave of heat, the spirit will have advanced one step further and will conjure up higher forms, higher life, out of the chaos of heat. Therefore, in “Esoteric Science,” the final state of Earth’s incarnations—the volcanic state—is the one that points to what is emerging as new life from the grave of thermal death. That is why the name “volcano” is used. If we consider the astronomical aspect, we can see precisely how deeply external science corresponds with what spiritual science has to offer.
[ 23 ] Gewiß werden die Leute immer wieder sagen: Ihr Geisteswissenschafter seid Phantasten, denn das richtige Ergebnis der exakten Wissenschaft widerspricht durchaus dem, was ihr glaubt aus der Geisteswissenschaft heraus gewinnen zu können. — Und es könnte jemand weiter sagen: Du hast neulich sogar von Moses ernsthaft gesprochen, aber wir wissen doch, daß das alles überholt ist. Denn die glorreiche Naturwissenschaft hat uns längst darüber belehrt, wie wir über die Weltentwickelung des Moses — das hat die Naturwissenschaft gezeigt — hinaus sind. — So sagen die, welche von außen bloß dabei sind. Fragen wir aber andere, die nicht von außen, sondern mehr von innen dabei waren. Da weiß ich Ihnen zu sagen, wie ein sehr bedeutender Physiker, der an der Entwickelung der Lichtlehre einen ganz bedeutenden Anteil hat, Biot, gesagt hat: Entweder hatte Moses in den Wissenschaften eine ebenso tiefe Erfahrung, wie sie unser Jahrhundert hat, oder er war inspiriert.
[ 23 ] People will certainly keep saying: “You spiritual scientists are dreamers, because the findings of exact science completely contradict what you believe you can derive from spiritual science.” — And someone might go on to say: “You even spoke seriously about Moses the other day, but we know that all of that is outdated. For glorious natural science has long since taught us how we have moved beyond the world as Moses conceived it—that is what natural science has shown.” — That is what those who are merely observers from the outside say. But let us ask others who were not merely observers from the outside, but were more deeply involved from within. I can tell you what a very eminent physicist, Biot—who played a very significant role in the development of the science of light—said: Either Moses had as deep an understanding of the sciences as our century does, or he was inspired.
[ 24 ] So ein tonangebender Physiker des neunzehnten Jahrhunderts. Nun werden vielleicht die, welche populäre Bücher über Weltanschauungen schreiben, meinen: Gewiß, so denkt eben ein Physiker, der sich nur mit der Außenseite der Erscheinungen befaßt. Aber die, welche tiefer in das Wesen des Organischen eingehen, zeigen uns, daß man im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts, wo man die natürlichen Ursachen suchte, weggetrieben wurde von dem Geist. — Nun, Liebig, der tief in das Wesen des Organischen eingedrungen ist, wie dachte er über die Beziehungen der Welt, welcher er seine Forscherkraft gewidmert hatte, zu der geistigen Welt? Er sagt: Es sind die Meinungen von Dilettanten, welche von ihren Spaziergängen an der Grenze der Gebiete der Naturforschung die Berechtigung herleiten, dem unwissenden und leichtgläubigen Publikum auseinanderzusetzen, wie die Welt und das Leben eigentlich entstanden und wie weit doch der Mensch in der Erforschung der höchsten Dinge gekommen sei. — Nun könnten uns die Leute vordeklamieren: Habt ihr nie gehört, daß ein Lyell eine Geologie begründet hat? Habt ihr nie gehört von dem großen Fortschritt, der durch ihn gekommen ist, wie er der große Überwinder derjenigen Weltanschauungen ist, die noch mit geistigen Kräften rechnen? — Ich könnte Ihnen Schriften von Lyell vorführen, die heute tiefen Eindruck machen. Aber gerade Lyell hat sogar einmal gesagt: In welche Richtung wir immer unsere Nachforschungen anstellen mögen, überall entdecken wir die klarsten Beweise einer schöpferischen Intelligenz, ihrer Vorsehung, Macht und Weisheit. — So der Begründer der neueren Geologie. Nun könnten die Leute kommen und sagen: Aber durch Darwin ist doch überwunden die Einwirkung irgendwelcher geistiger Kräfte! Darwin hat uns gezeigt, wie durch rein natürliche Vorgänge die Entwickelung der Organismen geschieht. — Darwin selber aber hat den Satz hingeschrieben: Ich halte dafür, daß alle Lebewesen, die je auf der Erde gewesen sind, von einer Urform abstammen, welcher das Leben vom Schöpfer eingehaucht wurde. — Also mit Darwin können uns die Leute auch nicht kommen, die da sagen, wir wären Phantasten, wenn wir von geistigen Wesenheiten und geistigen Kräften sprechen. Dann kommen vielJeicht noch die Menschen und sagen uns: Wißt ihr denn gar nicht, was der Grundnerv für alle naturwissenschaftliche Entwickelung des neunzehnten Jahrhunderts ist, der alle Entwickelung tief beeinflußt hat? Wißt ihr denn nichts von dem Grundgesetz der Umwandlung der Naturkräfte? — Nun, wir haben heute eben davon gesprochen, haben gesehen, wie die Umwandlung der Naturkräfte durchaus nicht dem widerspricht, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat. Aber die Leute könnten sich berufen wollen auf Julius Robert Mayer, auf den Begründer des Satzes von dem mechanischen Wärmeäquivalent wie auch von der Umwandlung der Naturkräfte selber. Doch Julius Robert Mayer hat den merkwürdigen Ausspruch getan: Aus ganzem vollen Herzen rufe ich aus: Eine richtige Philosophie kann und darf nichts anderes sein als eine Propädeutik für die christliche Religion! — Überall sind die Sachen anders, wenn man auf die Quellen und auf diejenigen zurückgeht, die diese Quellen geschaffen haben, die die großen Pfadfinder sind auf dem Wege der menschlichen Erkenntnis, und nicht auf ihre Nachtreter, noch auf diejenigen sieht, die ein leichtgeschürztes Ideengebäude ausfindig machen wollen — wie die neueren Astrophysiker — und damit die ganze Welt umspannen wollen. Wenn man nicht zu den letzteren, sondern zu den ersteren geht, dann kann man sagen: Mit denen, die die großen Pfadfinder waren, ist die Geisteswissenschaft überall im vollen Einklang. Daher weiß die Geisteswissenschaft, daß sie sich in den Werdegang der menschlichen Geistesentwickelung hineinstellen darf. und daß sie harmonisch in der Entwickelung der Menschheit weiterschreitet mit alledem, was die Entwickelung der Menschheit gefördert hat. Wenn die Astronomie als eine bloß äußere, physikalische Astronomie ein Werden der Welt aussinnen will, dann möchte man doch die, welche so tun, an einen generellen Ausspruch in den Xenien von Goethe und Schiller erinnern:
[ 24 ] Such a leading physicist of the nineteenth century. Now, perhaps those who write popular books on worldviews will say: Of course, that is just how a physicist thinks, one who deals only with the outward appearance of phenomena. But those who delve deeper into the nature of the organic show us that, in the course of the nineteenth century—when people sought natural causes—they were led astray from the spiritual. — Well, Liebig, who penetrated deeply into the nature of the organic, what did he think about the relationship between the world to which he had devoted his research efforts and the spiritual world? He says: These are the opinions of dilettantes who, from their strolls along the fringes of the fields of natural science, derive the right to explain to an ignorant and gullible public how the world and life actually came into being and just how far humanity has advanced in the exploration of the highest things. — Now people might proclaim to us: Have you never heard that a man named Lyell founded geology? Have you never heard of the great progress that has come through him, how he is the great conqueror of those worldviews that still reckon with spiritual forces? — I could present to you writings by Lyell that make a deep impression today. But Lyell himself once said: “In whatever direction we may direct our investigations, everywhere we discover the clearest evidence of a creative intelligence, its providence, power, and wisdom.” — So said the founder of modern geology. Now people might come and say: “But Darwin has surely overcome the influence of any spiritual forces! Darwin has shown us how the evolution of organisms occurs through purely natural processes.” — But Darwin himself wrote the following: “I hold that all living beings that have ever existed on Earth are descended from a primordial form into which the Creator breathed life.” — So people cannot use Darwin to argue that we are fantasists when we speak of spiritual beings and spiritual forces. Then perhaps others will come and say to us: “Don’t you know what the fundamental principle is behind all scientific development in the nineteenth century, the one that has profoundly influenced all progress? Don’t you know anything about the fundamental law of the transformation of natural forces?” — Well, we have just spoken about this today; we have seen how the transformation of natural forces in no way contradicts what spiritual science has to say. But people might wish to invoke Julius Robert Mayer, the founder of the principle of the mechanical equivalent of heat as well as of the transformation of natural forces itself. Yet Julius Robert Mayer made this remarkable statement: “With all my heart I proclaim: A true philosophy can and must be nothing other than a propaedeutic to the Christian religion!” — Things are different everywhere if one goes back to the sources and to those who created these sources—who are the great pioneers on the path of human knowledge—rather than looking to their successors, or to those who seek to construct a flimsy edifice of ideas—such as the more recent astrophysicists—and thereby attempt to encompass the entire world. If one turns not to the latter but to the former, then one can say: Spiritual science is in complete harmony with those who were the great pioneers. Therefore, spiritual science knows that it may take its place within the course of human spiritual development and that it proceeds harmoniously alongside the development of humanity, in step with everything that has fostered that development. If astronomy, as a merely external, physical science, seeks to conceive of the world’s becoming, then one would like to remind those who do so of a general statement in Goethe and Schiller’s *Xenien*:
In unendliche Höhen erstreckt sich das Sternengewölbe,
Doch der Kleinigkeitsgeist fand auch bis dahin den Weg.
The vault of the stars stretches to infinite heights,
Yet the spirit of pettiness found its way even there.
[ 25 ] Wir müssen uns davor schützen, daß der Kleinigkeitsgeist auch bis in die Sternenhöhen seinen Weg findet, indem wir zeigen: Ebensowenig wie uns die Gehirnbetrachtung zu einem geistig-seelischen Leben führt, sondern wie dieses abgesondert ist von den bloßen Bewegungen und diese überschreiten kann, ebensowenig kann die Betrachtung der äußeren Bewegungen und Gesetze in den Geist des Weltenalls hineinführen. Daher bleibt es in einer gewissen Weise wahr, was Schiller meint, wenn er den Astronomen sagt:
[ 25 ] We must guard against the spirit of pettiness finding its way even to the heights of the stars by demonstrating: Just as the study of the brain does not lead us to a spiritual and soulful life—but rather, how this life is distinct from mere movements and can transcend them—so too can the study of external movements and laws not lead us into the spirit of the universe. Therefore, in a certain sense, what Schiller means when he says to the astronomer remains true:
Schwatzet mir nicht so viel von Nebelflecken und Sonnen!
Ist die Natur nur groß, weil sie zu zählen euch gibt?
Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume;
Aber, Freunde, im Raum wohnt das Erhabene nicht!
Don’t go on and on to me about nebulae and suns!
Is nature great only because it gives you something to count?
Your subject is, of course, the most sublime in space;
But, friends, the sublime does not dwell in space!
[ 26 ] So meint Schiller. Es ist richtig, wenn man auf das bloß bewegliche Außere im Raume sieht. Es ist nicht richtig, wenn man auf das eingeht, was aus sich heraus — als Geistiges — die Raumesgesetze herausstrahlt. — So bleibt das Wort wahr: Das Hinaufdringen mit dem Gemüte zu den Sternen wird immer in jedem Gemüte die Ahnung von dem GeistigGöttlichen hervorrufen. Wenn wir aber mit unserem Erkennen hinaufdringen wollen, so muß unser Erkennen den Weg gehen: Per aspera ad astra — durch Strenge zu den Sternen, wie wir uns durch die Dornen zu den Rosen hinaufarbeiten. Das ist aber der Weg der geistigen Erkenntnis. Gerade der geisteswissenschaftliche Weg zu den Sternen wird zeigen, daß er der Weg ist, der den Menschen dahin bringt, sich zu sagen: Wie meine Stoffe und die, welche in meinem Umkreise sind, im ganzen Weltall ausgebreitet sind — wie mir es das Spektroskop zeigt —, so ist im ganzen Weltall ausgebreitet und ihm angehörig, was als GeistigSeelisches in mir lebt. Herausgeboren ist mein Körperliches aus dem Weltenall — herausgeboren ist mein Geistig-Seelisches aus dem Weltenall. Wahr bleibt es, was hier noch einmal mit den paar Worten charakterisiert werden soll, die ich bei anderer Gelegenheit schon einmal anführen durfte: Wahr bleibt es, daß der Mensch nur dann zu dem vollständigen Weltenbewußtsein kommen kann, wenn er sich klar wird über die Frage, die ihm die Astronomie auch nicht beantworten kann: die Frage über seinen Anteil an der Welt und seine Bestimmung in der Welt. Und wahr ist es, daß die Antwort auf diese Frage ihm Lebenssicherheit geben kann, Lebensmut, Lebenshoffnung, wenn er aus der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis heraus weiß, was mit den Worten gemeint ist:
[ 26 ] That is Schiller’s view. It is correct when one considers merely the dynamic external aspects of space. It is not correct when one focuses on that which, from within itself—as the spiritual—radiates the laws of space. — Thus the saying remains true: The ascent of the soul toward the stars will always evoke in every soul a sense of the spiritual-divine. But if we wish to ascend with our knowledge, our knowledge must follow this path: Per aspera ad astra—through hardship to the stars, just as we work our way up through the thorns to the roses. But this is the path of spiritual knowledge. It is precisely the spiritual-scientific path to the stars that will show that it is the path that leads a person to say to themselves: Just as my physical substances and those in my surroundings are spread throughout the entire universe—as the spectroscope shows me—so, too, is that which lives within me as the spiritual-soul aspect spread throughout the entire universe and belonging to it. My physical body has been born out of the universe—my spiritual and soul life has been born out of the universe. It remains true—and I shall characterize this once more here with the few words I have already had the opportunity to cite on another occasion—that human beings can attain complete cosmic consciousness only when they gain clarity regarding the question that even astronomy cannot answer: the question of their place in the world and their purpose within it. And it is true that the answer to this question can give a person security in life, courage to face life, and hope for life, if, through spiritual scientific knowledge, they understand what is meant by the words:
Es drängt sich an den Menschensinn Aus Weltentiefen rätselvoll
Des Stoffes reiche Fülle,
Es strömt in Seelengründe
Aus Weltenhöhen inhaltvoll
Des Geistes klärend Wort.
Sie treffen sich im Menscheninnern Zu weisheitvoller Wirklichkeit.
It presses upon human consciousness From the depths of the world, enigmatic
The rich abundance of matter,
It flows into the depths of the soul
From the heights of the world, full of meaning
The clarifying word of the spirit.
They meet within the human being To become a reality of wisdom.
