Human History in the Light
of Spiritual Investigation
GA 61
18 January 1912, Berlin
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Human History in the Light of Spiritual Investigation, tr. SOL
9. Der Ursprung der Tierwelt im Lichte der Geisteswissenschaft
9. The Origin of the Animal Kingdom in the Light of Spiritual Science
[ 1 ] Wenn es vom Gesichtspunkte der gegenwärtig herrschenden Vorstellungen schon einigermaßen schwierig war, geisteswissenschaftlich den Ursprung des Menschen auseinanderzusetzen, was im letzten Vortrage dieses Zyklus’ geschehen sollte, so wird es heute noch weniger leicht sein, über den Ursprung der Tierwelt zu sprechen. Denn wenn sich auf der einen Seite schon dieSchwierigkeit dadurch ergibt, daß alles, was sich auf die Tierwelt bezieht, der menschlichen Beobachtung — wenigstens scheinbar — noch entfernter liegt als alles, was sich auf die Natur und Wesenheit des Menschen bezieht, so muß sich auf der anderen Seite auch eine Schwierigkeit noch ganz besonders dadurch ergeben, daß im Sinne der gegenwärtigen Vorstellungswelt ein Einfluß geistiger Tatsachen, geistiger Ursachen auf die Entwickelung und den Ursprung des tierischen Daseins ganz und gar nicht gelten gelassen wird. Wir finden vielmehr, daß sich im Laufe der letzten Entwickelungszeiten unseres Geisteslebens gerade die Vorstellung ganz besonders herausgebildet hat, daß an der Entwickelung des tierischen Lebens genau dieselben Ursachen, Kräfte und Wesenheiten beteiligt sein sollen wie an der unlebendigen, an der sogenannten unorganischen Natur. Und wir wissen ja, daß die größten Triumphe der Naturwissenschaft eigentlich gerade auf diesem Gebiete der sogenannten rein natürlichen Entwickelung der Lebewesen erzielt worden sind.
[ 1 ] If, from the perspective of currently prevailing ideas, it was already somewhat difficult to examine the origin of humankind from a humanities perspective—which was to be the subject of the last lecture in this series—it will be even less easy today to speak about the origin of the animal kingdom. For while, on the one hand, a difficulty arises from the fact that everything pertaining to the animal world is — at least apparently — is even more remote than anything pertaining to human nature and essence, then on the other hand a particular difficulty must also arise from the fact that, in the context of current thinking, the influence of spiritual facts and causes on the development and origin of animal existence is not accepted at all. Rather, we find that, in the course of the most recent stages of development in our spiritual life, the very notion has emerged with particular force that the development of animal life is supposed to involve precisely the same causes, forces, and entities as those involved in inanimate, so-called inorganic nature. And we know, of course, that the greatest triumphs of natural science have in fact been achieved precisely in this field of the so-called purely natural evolution of living beings.
[ 2 ] Nun müssen wir allerdings sagen, daß auf der einen Seite die Sehnsucht nach einer rein natürlichen Entwickelung hin, wie man gewöhnlich sagt, zielt, also nach einer solchen Entwickelung, welche nur jene Kräfte berücksichtigt, die auch im leblosen Dasein walten. Wir sehen, wie eine Forschung, die nach dieser Richtung geht, von Triumph zu Triumph zu eilen glaubt, ja, wenn man sie im rechten Sinne auslegt, dieses auch tut. Auf der anderen Seite kann man wahrnehmen, wie tiefere Denker, die durchaus auf dem Boden der naturwissenschaftlichen Tatsachen stehen und außerdem noch völlig mit alle dem vertraut sind, was die Naturwissenschaft in der neueren Zeit hervorgebracht hat, dennoch nicht in der Lage sind, die Ansichten derjenigen zu teilen, welche durchaus das Leben aus einer bloßen Verbindung oder einer bloßen Kombination, wenn auch sehr komplizierter Art, derjenigen Kräfte und Vorgänge herleiten möchten, welche auch in der leblosen Natur vorhanden sind. Ein großer Teil der Denker der Gegenwart und der unmittelbaren Vergangenheit machte es sich nicht besonders schwierig, zu sagen: Bis zu einer gewissen Zeit habe die Entwickelung unserer Erde wohl vorzüglich darin bestanden, leblose Prozesse aus sich heraus zu entfalten, und dann sei ein Zeitpunkt eingetreten, in welchem sich irgendwelche Stoffe in einer komplizierten Weise so verbanden, daß die einfachsten Lebewesen entstanden, worauf dann die Entwickelung in der Weise fortschritt, daß aus diesen einfacheren Lebewesen, wie man sagt, im Kampfe ums Dasein und in Anpassung an die Umgebung immer kompliziertere und kompliziertere Lebewesen bis hinauf zum Menschen sich entwickelt haben. — Aber ein anderer Teil der Denker der letzten Zeit mußte sich sagen: Es ist unmöglich zu denken, daß aus der bloßen Verbindung unlebendiger Stoffe zu irgendeiner Zeit das hätte entstehen können, was man im eigentlichen Sinne eine Urzeugung, ein Hervorgehen des Lebendigen aus dem Unlebendigen nennen kann.
[ 2 ] Now, however, we must say that, on the one hand, the longing for a purely natural development—as it is commonly called—aims at a development that takes into account only those forces that are also at work in inanimate existence. We see how research proceeding in this direction believes it is rushing from triumph to triumph—and indeed, if interpreted correctly, it does just that. On the other hand, one can observe how deeper thinkers, who are firmly grounded in the facts of natural science and are, moreover, fully familiar with everything that natural science has produced in recent times, are nevertheless unable to share the views of those who would like to derive life entirely from a mere connection or a mere combination—albeit of a very complex nature—of those forces and processes that are also present in inanimate nature. A large number of thinkers of the present and the immediate past did not find it particularly difficult to say: Up to a certain point in time, the development of our Earth consisted primarily in the unfolding of inanimate processes from within themselves, and then a point in time had arrived at which certain substances combined in a complex manner such that the simplest living beings arose, whereupon evolution proceeded in such a way that, as is said, from these simpler living beings—through the struggle for existence and adaptation to the environment—ever more and more complex living beings developed, culminating in human beings. — But another group of recent thinkers had to conclude: It is impossible to conceive that the mere combination of inanimate substances could ever have given rise to what, in the true sense of the word, can be called spontaneous generation—the emergence of the living from the non-living.
[ 3 ] Es gehört zu solchen Denkern der letzteren Art insbesondere der nach vielen Richtungen hin geniale Gustav Theodor Fechner. Da an diese Persönlichkeit sich auf so mancherlei Gebieten wirklich auch wichtige Fortschritte der Naturwissenschaft knüpfen, so sollte man eigentlich über die Ansicht eines solchen Denkers nicht so leicht hinweggehen, als dies heute gewöhnlich der Fall ist. Gustav Theodor Fechner kann sich nicht vorstellen, daß jemals aus Unlebendigem sich Lebendiges habe entwickeln können. Vielmehr liegt es ihm nahe, sich vorzustellen, daß aus dem Lebendigen durch Absonderungsprozesse das Unlebendige hervorgehen kann, weil wir in der Tat sehen, daß der Lebensprozeß innerhalb der Lebewesen Stoffe absondert, die, nachdem sie ihre Zeit dem Lebensprozesse gedient haben, an die übrige Natur übergehen und dann sozusagen dem Leblosen, den unorganischen Vorgängen angehören. So kann sich Fechner wohl vorstellen, daß unsere Erde an ihrem Ausgangspunkte einstmals ein einziges großes Lebewesen gewesen wäre. Aus diesem großen Lebewesen Erde, das seine Atmung, vielleicht auch seine Ernährung wie aus dem Weltenraume herein besorgt habe, aus diesem großen, gewaltigen Einheitsorganismus, der einstmals unsere Erde war, haben sich auf der einen Seite die Lebewesen herausgebildet wie durch besondere Abschnürung dessen, was in dem großen Erdenorganismus nur lebendige Organe waren, durch Verselbständigung solcher Organe. Und auf der anderen Seite haben sich aus dem großen Lebewesen Erde diejenigen Stoffe abgesondert, die heute den leblosen Naturprozessen auf eine ähnliche Weise angehören, wie sich die Stoffe aus einem Organismus absondern, nachdem sie eine Zeitlang den lebendigen Prozessen gedient haben. So wäre im Sinne dieses Denkers nicht das Lebendige aus dem Leblosen, sondern das Leblose aus dem Lebendigen hervorgegangen.
[ 3 ] Among such thinkers of the latter type is, in particular, Gustav Theodor Fechner, a man of genius in many respects. Since significant advances in the natural sciences are indeed linked to this figure in so many different fields, one should not dismiss the views of such a thinker so readily, as is usually the case today. Gustav Theodor Fechner cannot conceive that life could ever have developed from non-living matter. Rather, it seems natural to him to imagine that the non-living can arise from the living through processes of secretion, because we do in fact see that the life process within living beings secretes substances which, after having served the life process for their time, pass into the rest of nature and then, so to speak, belong to the non-living, to inorganic processes. Thus, Fechner can well imagine that our Earth, at its very beginning, was once a single, vast living being. From this great living being—the Earth—which may have obtained its respiration, and perhaps also its nourishment, from outer space; from this great, mighty unified organism that was once our Earth—living beings emerged, on the one hand, as if through the specific separation of what were merely living organs within the great Earth organism, through the independence of such organs. And on the other hand, those substances have separated from the great living being that is the Earth which today belong to inanimate natural processes in a similar way to how substances separate from an organism after they have served living processes for a time. Thus, in this thinker’s view, it was not the living that emerged from the inanimate, but rather the inanimate that emerged from the living.
[ 4 ] In einer ähnlichen Weise, vielleicht noch phantastischer, bildete sich eine Vorstellung der Naturforscher Wilhelm Preyer heraus, der seine Legitimation, seine Berechtigung naturwissenschaftlich mitzusprechen, nicht nur durch seine physiologischen und biologischen reichlichen Forschungen, sondern auch durch seine Schriften über den Darwinismus erbracht hat. Preyer stellt sich auch vor, daß die Erde an ihrem Ausgangspunkte eine Art lebendiges Wesen gewesen sei. Ja, er war überhaupt abgeneigt, von einem Unlebendigen in absolutem Sinne zu sprechen. Er sagt: Wir haben eigentlich kein besonderes Recht, eine Flamme als etwas durchaus Unlebendiges zu betrachten, sondern wir können sehr wohl das Brennen in der Flamme wie eine Art Lebensprozeß auf niederster Stufe betrachten, der sich ebenso vereinfacht und aus einem Höheren herabgebracht hat wie jene Lebensprozesse, die wir heute betrachten, sich hinaufentwikkelt haben können. Wenn eine Flamme brennt, meintPreyer, dann erscheine es doch so, als ob in dem Verzehren des Stoffes und in der ganzen Art und Weise, wie das Brennen als Tatsache sich uns darstellt, etwas Ähnliches sich uns wie ein Lebensprozeß zeige. Und da hielt er es nicht für ausgeschlossen, daß die Erde selber ein großer Lebensprozeß war, ein Lebensprozeß, der nur unter ganz anderen Bedingungen verlaufen sein muß, als heute Lebensprozesse verlaufen. Und so sehen wir die merkwürdigsten Vorstellungen aus dem Kopfe eines Naturforschers entstehen, die Preyer dadurch ausdrückt, daß er sagt: die Erde könne wohl am Ausgangspunkte ihres Werdens ein großer gewaltiger Organismus gewesen sein, dessen Atmen wir in den glühenden Eisendämpfen zu suchen haben, dessen Blutfließen wir in den glutflüssigen Metallen uns vorzustellen haben, und dessen Ernährung durch vom Weltenraum hereingezogene Meteoriten geschehen sein muß. — Es ist dies allerdings ein eigentümlicher Organismus und ein eigentümlicher Lebensprozeß, aber es glaubt dieser Naturforscher nicht anders ausdrücken zu können, daß er nicht Lebendiges auf Lebloses, sondern das Leblose auf ein ursprüngliches Lebendiges zurückführt. Und was uns heute als unser Leben in den verschiedenen Reichen erscheint, das erschien ihm nur als ein besonders ausgestaltetes Leben, während ihm das Leben einer brennenden Kerze als ein in einer gewissen Weise zurückgebildetes Leben erschien, so daß dieses letztere wohl äußerlich uns wie leblos entgegentreten kann.
[ 4 ] In a similar way—perhaps even more fantastical—a concept emerged from the naturalist Wilhelm Preyer, who established his legitimacy and right to contribute to the natural sciences not only through his extensive research in physiology and biology, but also through his writings on Darwinism. Preyer also imagines that the Earth, at its very beginning, was a kind of living being. Indeed, he was generally averse to speaking of anything as “inanimate” in the absolute sense. He says: We actually have no particular right to regard a flame as something entirely inanimate; rather, we may very well view the burning within the flame as a kind of life process at the lowest level, one that has been simplified and brought down from a higher level just as those life processes we observe today may have evolved upward. When a flame burns, Preyer argues, it does indeed appear as though, in the consumption of the material and in the entire manner in which the act of burning presents itself to us, something akin to a life process is revealed. And he did not rule out the possibility that the Earth itself was a great life process—a life process that must have unfolded under conditions entirely different from those under which life processes unfold today. And so we see the most remarkable ideas emerging from the mind of a naturalist, which Preyer expresses by saying: the Earth may well have been, at the very beginning of its formation, a vast and mighty organism, whose breathing we must seek in the glowing iron vapors, whose blood flow we must imagine in the molten metals, and whose nourishment must have come from meteorites drawn in from outer space. — This is, admittedly, a peculiar organism and a peculiar life process, but this naturalist believes he cannot express it any other way: he does not trace the living back to the inanimate, but rather the inanimate back to an original living entity. And what appears to us today as our life in the various kingdoms appeared to him merely as a particularly elaborate form of life, whereas the life of a burning candle appeared to him as a life that had, in a certain sense, regressed, so that the latter may well appear to us, outwardly, as lifeless.
[ 5 ] Wenn wir sagen müssen, daß solche Erscheinungen in der Entwickelung des neueren Geisteslebens uns gewissermaßen zeigen können, wie bedeutende Denker, die nicht nur ihrer Gesinnung nach, sondern ihren Erkenntnissen nach fest auf dem Boden der Naturwissenschaft stehen, durchaus nicht auf die Erde bloß als den glühend-flüssigen leblosen Gasball der Kant-Laplaceschen Theorie zurückgehen, sondern auf die ursprüngliche Erde als auf ein großes Lebewesen sehen, um das erklären zu können, was heute lebt, kann uns das gewissermaßen lehren, daß die Zurückführung des Lebendigen auf das Leblose doch nicht so leicht geht. Auf der anderen Seite müssen wir sagen, daß gerade die bahnbrechenden Geister der größten Errungenschaften der Forschungsergebnisse der neueren Naturwissenschaft uns auch nicht lehren können, daß naturwissenschaftliches Denken alles Lebendige auf ein lebloses Dasein zurückgeführt habe, und daß in dieser Beziehung die Naturwissenschaft geradezu dem widersprechen würde, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, daß alles Stoffliche, und dann überhaupt alles Lebendige, auf geistige Ursachen zurückzuführen ist. Ist es denn richtig, daß dasjenige, was Darwin oder Lamarck oder andere bahnbrechende Geister für die großen Errungenschaften der Naturwissenschaft geleistet haben, den Hinblick auf geistige Ursachen, die den Erscheinungen zugrunde liegen, ausschließt?
[ 5 ] If we must say that such phenomena in the development of modern intellectual life can, in a sense, show us how significant thinkers—who stand firmly on the ground of natural science not only in their outlook but also in their insights—do not at all view the Earth merely as the glowing -liquid, lifeless gas ball of the Kant-Laplacean theory, but view the primordial Earth as a great living being in order to explain what lives today, this can, in a sense, teach us that reducing the living to the non-living is not so easy after all. On the other hand, we must say that even the pioneering minds behind the greatest achievements in modern scientific research cannot teach us that scientific thinking has reduced all living things to a lifeless existence, and that, in this regard, natural science would actually contradict what the spiritual sciences have to say—namely, that all material things, and indeed all living beings, can be traced back to spiritual causes. Is it true, then, that what Darwin, Lamarck, or other pioneering minds have contributed to the great achievements of natural science excludes consideration of the spiritual causes underlying these phenomena?
[ 6 ] Schon öfter ist von dieser Stelle aus auf eine merk würdige Stelle in Darwins Schriften aufmerksam gemacht worden, wo dieser große gewaltige Bahnbrecher darauf hinweist, wie es ihm gelungen sei, die Umwandlung einer Lebensform in die andere zu zeigen, und wie es ihm dadurch sehr wohl möglich schien, die heutigen Lebewesen in ihrer Kompliziertheit auf frühere, vielleicht weniger komplizierte Lebewesen zurückzuführen und so die Mannigfaltigkeit der heutigen Lebeformen durch vielleicht wenig voneinander verschiedene, ursprünglicheLebeformen zu erklären. Dann aber sagt Darwin in einer sehr bezeichnenden Art: So wäre es denn gelungen, die heutigen mannigfaltigen Lebensformen auf eine ursprüngliche zurückzuführen und das heutige Leben in seiner Vielheit durch Entwickelung zu erklären. — Aber von diesen ursprünglichen Lebensformen spricht Darwin so, daß er annimmt, daß, wie er wörtlich sagt, «der Schöpfer ihnen einstmals das Leben eingegossen habe». Ja, wir dürfen geradezu sagen, daß dieser in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wirkende Naturforscher Darwin sich dadurch zu seiner Erklärung von der Umwandlung der Arten in der lebendigen Natur berechtigt glaubte, daß er dasjenige, worauf er die Entwickelung ursprünglich zurückführte, einfach vom Schöpfer hervorgehend annahm. Er würde sich sofort - das können wir aus der ganzen Denkweise Darwins erkennen -die Unzulänglichkeit seinerErklärung vor Augen haben führen müssen, wenn er nicht das Eingreifen geistiger Tatsachen an irgendeiner Stelle der Erdentwickelung hätte annehmen dürfen. Gerade dadurch fühlt er sich fest und stark auf dem Boden, den er betreten hat, daß er sich sagt, wenn man annehmen könne, daß ursprüngliches, aus dem Geistigen erzeugtes Leben in einfachsten Formen da war, dann kann man diesem Leben in den einfachsten Formen auch zumuten, daß es solche Triebkraft, solche Stoßkraft hatte, um sich zu komplizierten und mannigfaltigen Formen umgestalten zu können.
[ 6 ] On numerous occasions, attention has been drawn from this column to a noteworthy passage in Darwin’s writings, in which this great and formidable pioneer points out how he succeeded in demonstrating the transformation of one life form into another, and how it thereby seemed quite possible to him to trace today’s living beings, in all their complexity, back to earlier, perhaps less complex organisms, and thus to explain the diversity of today’s life forms through original life forms that may have differed little from one another. But then Darwin says, in a very telling way: “Thus, it would have been possible to trace today’s diverse life forms back to an original one and to explain the diversity of present-day life through evolution.” — But Darwin speaks of these original life forms in such a way that he assumes—as he puts it verbatim—“that the Creator once breathed life into them.” Indeed, we may go so far as to say that Darwin, the naturalist active in the mid-nineteenth century, believed himself justified in his explanation of the transformation of species in the living world precisely because he assumed that the source to which he originally traced evolution simply originated from the Creator. He would immediately—as we can see from Darwin’s entire way of thinking—have had to face the inadequacy of his explanation if he had not been allowed to assume the intervention of spiritual factors at some point in the Earth’s development. It is precisely this—that he tells himself: if one can assume that primordial life, generated from the spiritual realm, existed in its simplest forms, then one can also expect this life in its simplest forms to have possessed the driving force and impetus necessary to transform itself into complex and diverse forms—that gives him a firm and strong footing on the ground he has tread.
[ 7 ] In noch höherem Sinne muß man dies auf Jean Lamarck anwenden, der von einer natürlichen Entwickelung der Lebewesen durch Anpassung an die Umgebung zu immer komplizierteren Formen gesprochen hat. Gerade bei Lamarck sieht man, daß sein Gedanke der ist: man dürfe eine Entwickelung von dem äußerlich Unvollkommenen zu dem äußerlich immer Vollkommeneren annehmen, weil man dies durchaus nicht im Widerspruche zu denken brauche mit dem Durchwoben- und Durchlebtsein dieser ganzen Entwickelung mit geistigen Grundkräften. Wie hätte sonst Lamarck eine Stelle in seinem grundlegenden Werke haben können, die wir wörtlich anführen können, die gerade bezeichnend für die Art und Weise ist, die jetzt bei älteren naturwissenschaftlichen Denkern gekennzeichnet worden ist. Lamarck sagt in seiner «Philosophie zoologique»:
[ 7 ] In an even broader sense, this must be applied to Jean Lamarck, who spoke of a natural evolution of living beings through adaptation to their environment toward increasingly complex forms. It is precisely in Lamarck that one sees his central idea: one may assume an evolution from the outwardly imperfect to the outwardly ever more perfect, because there is no need to view this as contradictory to the fact that this entire evolution is interwoven with and permeated by fundamental spiritual forces. How else could Lamarck have included a passage in his seminal work—which we can quote verbatim—that is precisely indicative of the approach now characterized among older natural scientists? In his Philosophie zoologique, Lamarck states:
[ 8 ] «Da man nun nicht berücksichtigt hatte, daß die Individuen einer Art sich unverändert forterhalten müssen, solange sich die auf ihre Lebensweise einwirkenden Umstände nicht wesentlich ändern, und da die herrschenden Vorurteile mit der Annahme dieser fortschreitenden Erzeugung ähnlicher Individuen in Einklang steht, so hat man angenommen, daß jede Art unveränderlich und so alt wie die Natur sei, und daß sie von dem erhabenen Urheber aller Dinge besonders geschaffen worden sei.»
[ 8 ] “Since it had not been taken into account that individuals of a species must remain unchanged as long as the circumstances affecting their way of life do not change significantly, and since prevailing prejudices are consistent with the assumption of this progressive generation of similar individuals, it has been assumed that every species is immutable and as old as nature itself, and that it was specially created by the sublime Author of all things.”
[ 9 ] Lamarck ist sich bewußt, daß er mit der einen einzigen Schöpfung aller Arten am Ausgangspunkte dieses natürlichen Daseins brechen muß, daß er sich die Arten, die wir heute um uns haben, als durch Entwickelung entstanden zu denken habe. Dann aber fährt er fort:
[ 9 ] Lamarck is aware that he must depart from the idea of a single creation of all species at the outset of this natural existence, and that he must conceive of the species we see around us today as having arisen through evolution. But then he continues:
[ 10 ] «Gewiß, alles existiert nur durch den Willen des erhabenen Urhebers aller Dinge. Aber können wir ihm Regeln vorschreiben bei der Ausübung seines Willens, oder die Art und Weise bestimmen, nach der er dies getan hat? Konnte seine unendliche Allmacht nicht eine uns unbekannte Ordnung der Dinge schaffen, welche alles, was wir sehen, und alles, was existiert, nacheinander ins Dasein treten ließ? Welches auch immer sein Wille gewesen sein mag, die unermeßliche Größe seiner Macht ist gewiß immer dieselbe, und auf welche Art er auch diesen Willen ausgeführt haben mag, nichts kann die Größe desselben verkleinern. Indem ich also die Ratschlüsse dieser unendlichen Weisheit respektiere, halte ich mich innerhalb der Grenzen eines einfachen Naturbeobachters.»
[ 10 ] “Certainly, everything exists only by the will of the sublime Creator of all things. But can we prescribe rules to Him in the exercise of His will, or determine the manner in which He has done this? Could not His infinite omnipotence have created an order of things unknown to us, which brought into existence, one after another, everything we see and everything that exists? Whatever His will may have been, the immeasurable greatness of His power is certainly always the same, and however He may have carried out this will, nothing can diminish its greatness. Thus, by respecting the decrees of this infinite wisdom, I confine myself to the role of a simple observer of nature.”
[ 11 ] So spricht der, auf den man sich heute, und mit Recht, beruft, wenn von der Entwickelungslehre gesprochen wird. Wir sehen aber zugleich, daß dieser Mann damit von vornherein in der bestimmtesten Weise sich sein Programm vorzeichnete. Wie ist dieses Programm?
[ 11 ] Thus speaks the man to whom people today—and rightly so—refer when discussing the theory of evolution. At the same time, however, we see that this man thereby outlined his program from the very beginning in the most definitive manner. What is this program?
[ 12 ] Es ist so, daß Lamarck sagt: Wenn man alles, was einem als einfacher Naturbeobachter zur Verfügung steht, durch Beobachtung ermittelt, so ergibt sich die Möglichkeit einer Vorstellung, daß sich die Organismen in laufender Reihe entwickelt haben; aber ursprünglich müsse man sich denken, daß geistige Triebkräfte in dieser ganzen Entwickelung walten, denn sonst habe man überhaupt keinen festen Boden. - Das erkennt man durchaus als die Gesinnung des bahnbrechenden Lamarck. Man muß dann allerdings sagen: So hat sich dieser naturwissenschaftliche Forscher sein besonderes Programm dadurch vorgezeichnet, daß er sich auf die Vorgänge der Außenwelt beschränkte und gar nicht weiter zu dem aufsteigt, was geistig dem ganzen Entwickelungsprozeß zugrunde liegen muß. Das Geistige übergibt er auf einmal einer Welt, in die er nicht einzudringen beabsichtigt, die er von vornherein als ein Gebiet des gesamten ungehinderten Schöpferwillens voraussetzt; er aber beschränkt sich auf die Darstellungen dessen, was aus diesem Schöpferwillen hervorgequollen ist und sich in laufender Entwickelung darlebt.
[ 12 ] Lamarck states: If one determines, through observation, everything available to a simple observer of nature, this gives rise to the possibility of conceiving that organisms have developed in a continuous sequence; but one must originally assume that spiritual driving forces are at work in this entire development, for otherwise one would have no firm ground at all. - This is clearly recognizable as the mindset of the pioneering Lamarck. One must then, however, say: In this way, this natural scientist charted his own particular course by limiting himself to the processes of the external world and not ascending at all to what must lie spiritually at the foundation of the entire evolutionary process. He suddenly consigns the spiritual to a world into which he has no intention of penetrating, a world he presupposes from the outset as the realm of the entire, unhindered creative will; yet he limits himself to describing what has sprung from this creative will and is manifesting itself in ongoing development.
[ 13 ] Nun muß man auf der anderen Seite wieder sagen, daß so, wie die Dinge heute liegen, sich dem naturwissenschaftlichen Beobachter niemals zu Recht ergeben kann, daß unter den Bedingungen, welche der heutigen äußeren Beobachtung zugänglich sind, auf der heutigen Erde jemals sich Lebendiges aus Leblosem entwickeln könne. Die Vorstellung, daß sich Lebendiges aus Leblosem entwickelt, ist keineswegs eine neue, sie ist im Grunde genommen die ältere. Es ist schon von dieser Stelle aus hervorgehoben worden, daß es ein großer Fortschritt in der Naturwissenschaft war, der aber kaum zwei Jahrhunderte hinter uns liegt, als Francesco Redi den Satz ausgesprochen hat: Lebendiges kann nur aus Lebendigem entstehen. — Es ist interessant, daß man in den Jahrhunderten vor FrancescoRedi noch durchaus angenommen hat, daß aus bloß unlebendigen Stoffen Lebendiges und recht komplizierte Lebewesen hervorgehen können. Nicht nur, daß man annahm, daß aus Flußschlamm, der für die äußere Beobachtung etwas Unlebendiges darstellte, sich niedere Tiere, Regenwürmer zum Beispiel, entwickeln können, ohne daß von dem Regenwurmvorfahren ein lebendiger Keim in den Schlamm hineingelegt worden ist, sondern man nahm durchaus systematisch an, daß Tiere bis zu den Insekten hinauf, oder noch höhere, sich aus leblosen Stoffen entwickeln könnten. Interessant ist es, daß man in einem Werke des heiligen Isidor, der 636 gestorben ist, durchaus systematisch angeführt findet, daß sich aus einem Ochsenleichnam — etwas, was also schon ins Unlebendige übergegangen ist —, wenn man ihn nur genügend klopft, Bienen entwickeln können, Ja, dieser an der Spitze der Gelehrsamkeit seiner Zeit stehende Mann hat nicht nur angegeben, wie aus einem Ochsenleichnam Bienen werden können, sondern er sagt uns auch, wie in derselben Art aus Pferdekadavern Hornissen, aus Mauleseln Drohnen und aus Eselkadavern Wespen sich entwickeln können. Doch nicht genug damit, sondern bis ins siebzehnte Jahrhundert hat man angegeben, wie aus dem, was sich bereits ins Unlebendige verwandelt hat, Ameisen und Aale entstehen können. Und der Glaube, daß sich Lebendiges aus Leblosem in der einfachsten Weise gestalten kann, war so mächtig, daß Francesco Redi nur mit knapper Not dem Schicksale des Giordano Bruno entgangen ist, weil er die Frechheit hatte, den Satz auszusprechen: Lebendiges kann nur aus Lebendigem entstehen; denn nur auf ungenauer Beobachtung könne die Annahme beruhen, daß sich aus unlebendigen Stoffen Lebewesen entwickeln können, weil in dem Flußschlamm bereits die lebendigen Keime der Lebewesen enthalten sein müssen, wenn Lebendiges sich entwickeln soll.
[ 13 ] On the other hand, however, it must be said that, as things stand today, it can never reasonably occur to the scientific observer that, under the conditions accessible to modern external observation, living matter could ever develop from non-living matter on Earth as we know it today. The idea that life develops from non-living matter is by no means a new one; in fact, it is the older of the two. It has already been emphasized here that it was a major advance in the natural sciences—one that occurred barely two centuries ago—when Francesco Redi articulated the principle: Life can arise only from life. — It is interesting that in the centuries before Francesco Redi, it was still widely assumed that living things—and quite complex organisms at that—could arise from purely non-living matter. Not only was it assumed that from river mud, which to the naked eye appeared to be non-living, lower animals, earthworms, for example, could develop from river mud—which, to the naked eye, appeared to be non-living—without a living seed from an earthworm ancestor having been introduced into the mud; rather, it was quite systematically assumed that animals, up to and including insects or even higher forms, could develop from non-living matter. It is interesting to note that in a work by Saint Isidore, who died in 636, it is quite systematically stated that bees can develop from the carcass of an ox—something that has thus already passed into the inanimate—if one merely beats it sufficiently, Indeed, this man, who stood at the pinnacle of scholarship in his time, not only described how bees can develop from an ox’s carcass, but he also tells us how, in the same way, hornets can develop from horse carcasses, drones from mules, and wasps from donkey carcasses. But that is not all; as late as the seventeenth century, it was claimed that ants and eels could arise from what had already turned into the inanimate. And the belief that living things could arise from non-living matter in the simplest manner was so powerful that Francesco Redi narrowly escaped the fate of Giordano Bruno because he had the audacity to utter the following statement: Life can arise only from life; for the assumption that living beings can develop from inanimate matter can rest only on imprecise observation, since the river mud must already contain the living germs of living beings if life is to develop.
[ 14 ] Die Geisteswissenschaft muß heute zu den Errungenschaften des Francesco Redi den Satz hinzufügen, daß Geistiges sich nur aus Geistigem entwickeln kann. Und weil schließlich alle Erdentwickelung in dem Geistigen gipfelt, wie es sich einfach und auf einer untergeordneten Stufe in der tierischen Welt darstellt, wie es sich auf einer höheren Stufe in dem normalen Menschen und auf der höchsten Stufe in dem menschlichen Geiste selber darstellt, so kann dieses Geistige, das sich zuletzt wie herausgebiert aus dem scheinbar Geistlosen, nur auf ein ursprüngliches Geistiges zurückgeführt werden. Wenn die Geisteswissenschaft dieses heute zu behaupten genötigt ist, wie wir es in den früheren Vorträgen und auch in den verflossenen Jahren in diesen Vortragszyklen gehört haben, und wenn sie weiter auf den einzelnen Gebieten vollständig diesen Satz: Geistiges kann nur aus Geistigem hervorgehen — erhärten will und sagt: Alles, was uns als Materielles erscheint, ist nur ein umgewandeltes Geistiges —, so ist sie heute, weil andere Dinge Mode geworden sind, denn man verbrennt nicht mehr, nicht mehr dem Schicksale des Francesco Redi oder des Giordano Bruno, wohl aber einem anderen Schicksale ausgesetzt. Weil sie heute vorausnehmend eine Wahrheit zu vertreten hat, die sich in das Kulturleben ebenso einleben wird, wie sich der Satz: Lebendiges kann nur aus Lebendigem entstehen — eingelebt hat, so wird man die Geisteswissenschaft als eine Träumerei betrachten, als etwas, was keineswegs fest auf dem Boden einer wirklichen wissenschaftlichen Erkenntnis steht.
[ 14 ] Spiritual science today must add to Francesco Redi’s achievements the principle that the spiritual can develop only from the spiritual. And since, ultimately, all earthly development culminates in the spiritual—as it manifests itself simply and at a lower level in the animal world, at a higher level in the normal human being, and at the highest level in the human spirit itself—this spiritual, which ultimately seems to emerge from the seemingly non-spiritual, can only be traced back to an original spiritual source. If spiritual science is compelled to assert this today—as we have heard in earlier lectures and also in past years in these lecture series—and if it further seeks to fully substantiate this statement in the various fields: “The spiritual can arise only from the spiritual”—and says: Everything that appears to us as material is merely a transformed form of the spiritual—then it is today, because other things have come into vogue—for people are no longer burned at the stake, no longer subjected to the fate of Francesco Redi or Giordano Bruno, but certainly to a different fate. Because it must today proactively advocate a truth that will become as deeply rooted in cultural life as the statement “The living can arise only from the living” has become, spiritual science will be regarded as a fantasy, as something that by no means stands firmly on the ground of genuine scientific knowledge.
[ 15 ] Nun soll das, was die Geisteswissenschaft von ihrem Standpunkte aus über die Frage nach dem Ursprunge der Tierwelt zu sagen hat, hier zunächst skizziert werden. Dann soll gezeigt werden, weil ich mir in diesen Vorträgen die Aufgabe gestellt habe, dasjenige, was dieGeisteswissenschaft aus sich hervorbringt, in Einklang zu setzen mit den Errungenschaften der Naturwissenschaft, wie die Erkenntnisse der Geisteswissenschaft über den Ursprung der Tierwelt durchaus in Einklang zu bringen sind mit den Errungenschaften naturwissenschaftlicher Erkenntnis der Gegenwart.
[ 15 ] Now, what spiritual science has to say from its own standpoint regarding the question of the origin of the animal kingdom will be outlined here first. Then, since I have set myself the task in these lectures of harmonizing what spiritual science brings forth with the achievements of natural science, I will show how the insights of spiritual science regarding the origin of the animal world can indeed be brought into harmony with the current achievements of natural scientific knowledge.
[ 16 ] Auf das, was Gustav Theodor Fechner oder Preyer als den ursprünglichen Erdenorganismus angenommen haben, kann allerdings die Geisteswissenschaft als solche nicht zurückgehen. Aber auf der anderen Seite muß immer wieder und wieder betont werden, daß es keinerErklärung gelingen wird, auch nur logisch einigermaßen plausibel zu machen, daß sich innerhalb unserer Erdentwickelung aus einem rein nebelhaften Gebilde, wie es die Kant-Laplacesche Theorie annimmt, die Mannigfaltigkeit der Lebewesen habe entwikkeln können; man müßte denn sozusagen zu Auskunftsmitteln der allerneuesten Denkweise greifen, wenn man die organische oder die tierische Welt damit in Einklang bringen wollte. Dann würde man zu der heute zwar vielfach bewunderten, aber nicht minder phantastischen Denk weise des schwedischen Forschers Svante Arrbenius kommen, daß — sagen wir gerade zur rechten Zeit, als die Erde so weit war, Keime lebendiger Wesen aufnehmen zu können, sie durch den sogenannten Strahlungsdruck aus dem Weltenraume herein solche Keime in sich versetzt erhielt. Es wird jeder sehr leicht einsehen, daß mit einer solchen Erklärung keine Erklärung gegeben ist, denn man hätte dann die Aufgabe, zu erklären, wo und wie diese Lebewesen entstanden sind, wenn sie auch nur als einfachste Keime durch den Strahlungsdruck auf die Erde in sie hereingeflossen sind.
[ 16 ] However, spiritual science as such cannot go back to what Gustav Theodor Fechner or Preyer assumed to be the original Earth organism. On the other hand, however, it must be emphasized time and again that no explanation will succeed in making it even remotely logically plausible that, within the course of our Earth’s evolution, the diversity of living beings could have developed from a purely nebulous formation, as the Kant-Laplace theory assumes; unless, so to speak, one were to resort to the tools of the very latest school of thought in order to reconcile the organic or animal world with it. This would lead one to the now widely admired—though no less fantastical—theory of the Swedish researcher Svante Arrhenius, which posits that—let us say, just at the right time, when the Earth was ready to receive the seeds of living beings—it received such seeds from outer space through what is known as radiation pressure. Anyone can easily see that such an explanation is no explanation at all, for one would then be faced with the task of explaining where and how these living beings originated, even if they flowed into the Earth as mere spores through radiation pressure.
[ 17 ] Die Geisteswissenschaft muß auf eine Gestalt der Erde zurückgehen, wo sich uns die Erde noch nicht besetzt und bevölkert zeigt von solchen Lebewesen, wie wir sie heute erkennen. In einer gewissen Beziehung zeigt uns die Geisteswissenschaft auch etwas Ähnliches wie Fechner und Preyer es sich durch reine Verstandesschlüsse vorgestellt haben, daß nämlich die Erde an ihrem Ausgangspunkte ein Lebewesen war, welches nicht nur in lebloser Art die Gase und Dämpfe in sich hatte, wie sie die Kant-Laplacesche Theorie annimmt. Diese Theoriekann man auch sehr leicht schon dem einfachsten Schüler erklärlich machen, indem man ihm sagt: Sieh dir einmal an, es kann wirklich durch bloße Rotation eines Tropfens in einer Flüssigkeit, wenn man ihn rotieren läßt, sich etwas abspalten, was dann durch die Rotation als kleiner Tropfen um den großen herumkreist, so daß man dadurch etwas wie ein Weltsystem im kleinen entstehen lassen kann. — Man vergißt dabei nur, daß man selbst erst durch Drehung den Tropfen in Bewegung gebracht hat, und daß, wenn ein solcher Vorgang sich wirklich einmal im großen zugetragen haben soll, daß durch Rotation eines Gasballes sich die Planeten abgespaltet haben, dann ein Riesen-Professor oder ein Riesen-Lehrer im Weltenraume gewaltet haben muß, denn man muß, wenn man ein Experiment macht, alle Prozesse dabei berücksichtigen und nicht sich selber vergessen. Ist es schon unmöglich, daß man aus dem, was man gegenwärtig kennt, auch nur die Abspaltung der Planeten von einem einstmals bestehenden Gasball erklären kann, so wird es noch weniger möglich sein, innerhalb eines planetarischen Daseins das Leben zu erklären ohne ein Lebendiges, wenn vorher nur Unlebendiges vorhanden gewesen sein soll.
[ 17 ] Spiritual science must go back to a stage in the Earth’s history when the Earth did not yet appear to us as being inhabited and populated by living beings such as we recognize today. In a certain sense, spiritual science also reveals to us something similar to what Fechner and Preyer imagined through purely intellectual reasoning—namely, that at its very beginning, the Earth was a living being that did not merely contain gases and vapors in an inanimate state, as the Kant-Laplace theory assumes. This theory can be explained very easily even to the simplest schoolchild by saying: Just look—it is indeed possible that, through the mere rotation of a drop in a liquid, if you let it spin, something can break off, which then, due to the rotation, circles around the larger drop as a smaller one, so that this can give rise to something like a miniature solar system. — The only thing people forget is that it was rotation itself that set the drop in motion in the first place, and that if such a process were really to have taken place on a grand scale—if the planets were to have split off through the rotation of a gaseous sphere—then a giant professor or a giant teacher must have reigned in outer space, for when conducting an experiment, one must take all processes into account and not forget oneself. If it is already impossible, based on what we currently know, to explain even the separation of the planets from a gas sphere that once existed, then it will be even less possible to explain life within a planetary existence without a living being, if only non-living matter is supposed to have existed beforehand.
[ 18 ] Die Geisteswissenschaft führt uns aber auf eine solche Erde zurück, welche tatsächlich an ihrem Ausgangspunkte nicht nur belebt war, sondern auch durchgeistigt war, so daß wir also in der Erdentwickelung auf ein ursprüngliches durchgeistigtes Erdenwesen zurückzugehen haben. Wenn wir dieses durchgeistigte Erdenwesen uns dann gleichsam wie im Bilde vor die Sinne führen wollten, so würde sich dieses Wesen substantiell so darstellen, wie wir gewissermaßen heute noch wie letzte Reste dieses ursprünglichen Erdenzustandes in den niedersten Organismen, von denen sich eigentlich schwer sagen läßt, ob sie pflanzliche oder tierische Wesen sind, bewegliche, aber noch nicht geformte lebendige Materie vor uns haben. Wenn wir diese niedersten Organismen, die man eigentlich als fließendes Leben ansprechen könnte, denn sie sehen zunächst aus wie ein runder Tropfen, der aber auf äußere Veranlassung hin sozusagen seine Materie nach Form und Lage verändert, verlängert in Fühlhörner oder in Füße, die über den Boden kriechen, der aber in sich gar keine bestimmten Formen hat, — wenn wir uns diese ursprüngliche Lebenssubstanz vergegenwärtigen, so haben wir im Sinne der Geisteswissenschaft das Ganze der ursprünglichen Erdenmaterie vor uns und innerhalb dieser Erdenmaterie noch gar nicht das, was wir heute als unlebendige Stoffe haben. Die ganze Erde ist sozusagen eine lebendige, aber noch ungeformte Substanz, und dasjenige muß sich die Geisteswissenschaft neben dieser ungeformten Substanz als ein rein Geistiges am Ausgangspunkte der Erdentwickelung denken, was wir das Formprinzip, das übersinnliche Formprinzip nennen. Wir können heute im Sinne der Geisteswissenschaft nur eine Vorstellung von dem bekommen, wie diese Erde eigentlich am Ausgangspunkte ihres Werdens war, wenn wir uns den schlafenden Menschen vorstellen und uns in dem Sinne, wie wir es in vorhergehenden Vorträgen oftmals getan haben, sagen: Wenn wir uns den schlafenden Menschen vorstellen, so haben wir im Bette liegend den physischen Leib und diesen physischen Leib durchdrungen von dem, was wir geisteswissenschaftlich eine nicht mehr sinnliche Leibesform nennen: den Ätherleib. Aber außerhalb, gleichsam im Umkreise dieses physischen lebendigen Leibes, haben wir das, was während des wachen Tageslebens innerhalb dieses physischen Leibes ist: das lebendige Leben der Seele, das wir den Zusammenhang zwischen dem Ich und dem astralischen Leib des. Menschen nennen. — So haben wir im wachenden Menschen das innere Seelenhafte vor uns, durchdringend das äußere Leibliche; beim schlafenden Menschen haben wir aber das äußere Leibliche vor uns, abgesondert von dem inneren Seelenhaften. Dieses innere Seelenhafte ist beim heutigen schlafenden Menschen bewußtlos, es ist sozusagen nicht von einem wirklichen inneren Inhalt durchdrungen, wenigstens nicht bewußt. Aber für einen wirklichen Denker ist es unmöglich sich vorzustellen, daß der schlafende Mensch tatsächlich noch das in sich habe, oder daß das, was in dem schlafenden Menschen lebendige Tätigkeit ist, zugleich während des Wachzustandes die Erscheinungen des Seelenlebens selber bewirke. Was können wir uns, wenn wir wirklich logisch denkend vorgehen, nur vorstellen? Wir können uns nur vorstellen — das kann heute nur skizziert werden, aber jeder, der logisch und konsequent denken wird, kann zu keinem anderen Resultat kommen -, daß der Mensch seine Seelentätigkeit durch die wachende Leibestätigkeit ausübt, ausdrückt, so daß der wachende Mensch, um Bewußtsein zu entwickeln, seine körperlichen Organe braucht, und daß die körperlichen Organe so gestaltet sein müssen, daß sie, wenn sie von dem seelischen Prinzip belebt werden, Träger oder Vermittler des Bewußtseinslebens sein können. Nimmermehr kann sich aber ein Mensch vorstellen, daß durch die innere lebendige, organische Tätigkeit, die während des Schlafes abläuft, dasjenige geschehen kann, was im Wachen als innere Seelenvorgänge in unser Bewußtsein tritt. Wir brauchen nur einen einfachen Vergleich zu nehmen, der für diesen Zweck durchaus genügt, so werden wir sehen können, wie es sich mit dieser Sache verhält.
[ 18 ] Spiritual science, however, leads us back to an Earth that was, at its very beginning, not only animated but also spiritualized, so that we must trace Earth’s development back to an original, spiritualized Earth being. If we were to visualize this spirit-imbued Earth being, as it were, before our senses, this being would appear, in substance, much as we still see today—as the last remnants of this original Earth state—in the lowest organisms, of which it is actually difficult to say whether they are plant or animal beings: mobile, but not yet formed, living matter. If we consider these lowest organisms—which one might actually describe as “flowing life,” since they initially look like a round droplet that, however, in response to external stimuli changes its matter in terms of form and position, extending into feelers or feet that crawl across the ground, yet possess no definite forms of their own— — when we visualize this primordial substance of life, we have before us, in the sense of spiritual science, the entirety of the primordial Earth matter, and within this Earth matter there is not yet what we today regard as inanimate substances. The entire Earth is, so to speak, a living but as yet unformed substance, and alongside this unformed substance, spiritual science must conceive of—as a purely spiritual entity at the starting point of Earth’s development—what we call the principle of form, the supersensible principle of form. Today, in the sense of spiritual science, we can only form a conception of what this Earth was actually like at the starting point of its becoming if we imagine a sleeping human being and say to ourselves, in the sense we have often done in previous lectures: When we imagine the sleeping human being, we have the physical body lying in bed, and this physical body is permeated by what we, in spiritual science, call a non-sensory bodily form: the etheric body. But outside, as it were, in the sphere surrounding this physical, living body, we have what is within this physical body during waking life: the living life of the soul, which we call the connection between the “I” and the human astral body. — Thus, in the waking human being, we have before us the inner soul-life, permeating the outer physical body; in the sleeping human being, however, we have before us the outer physical body, separated from the inner soul-life. This inner soul-life is unconscious in today’s sleeping human being; it is, so to speak, not permeated by any real inner content—at least not consciously. But for a true thinker, it is impossible to imagine that the sleeping human being actually still possesses this within themselves, or that what is a living activity in the sleeping human being simultaneously brings about the phenomena of soul life itself during the waking state. What can we, if we proceed with truly logical thinking, even imagine? We can only imagine—this can only be sketched out today, but anyone who thinks logically and consistently cannot arrive at any other conclusion—that a person exercises and expresses their soul activity through the waking activity of the body, so that the waking person, in order to develop consciousness, needs their physical organs, and that the physical organs must be structured in such a way that, when animated by the soul principle, they can serve as carriers or mediators of conscious life. However, a person can never imagine that the inner, living, organic activity that takes place during sleep could produce what enters our consciousness during wakefulness as inner mental processes. We need only take a simple comparison, which is entirely sufficient for this purpose, and we will be able to see how this matter stands.
[ 19 ] Setzen wir an die Stelle des Gehirnes, des Seelenorgans, was uns den wachbewußten Zustand vermittelt, die Lunge und das Atmen. Dann müssen wir sagen, die Lunge atme nur dadurch, daß ihr der Sauerstoff von außen zufließt. Aber die Tätigkeit der Lunge erschöpft sich nicht dadurch, daß ihr der Sauerstoff zufließt, denn auf die Zuführung des Sauerstoffes kann die organische Tätigkeit keinen Einfluß haben. Wir können aber daraus, wie wir von innen heraus unsere Lunge ernähren und beleben, nichts erfahren über die Natur und Wesenheit des Sauerstoffes, und die Lunge kann auch nicht von innen mit Sauerstoff versorgt werden. Gerade aber so, wie wir uns den inneren Lebensprozeß als in die Lunge übergehend zu denken haben, so haben wir uns während des Schlaflebens den inneren Lebensprozeß auch in das Gehirn und die übrigen Organe übergehend zu denken. Abends sind unsere Organe erschöpft, weil die Seelentätigkeit die Organe abnutzt, und sie müssen von einer reinen Lebenstätigkeit durchsetzt werden, damit sie wieder Vermittler der Seelentätigkeit sein können. Ebensowenig aber, wie die bloße innere Lebenstätigkeit die Lunge mit Sauerstoff versorgen kann, ebensowenig kann die innere Lebenstätigkeit den Menschen während des Schlafes mit dem versorgen, was wir die Triebe, Begierden, Leidenschaften und so weiter des Menschen nennen können. Nichts folgt aus der bloßen Leibestätigkeit des Menschen für seine Seelentätigkeit, wie aus der bloßen Lebenstätigkeit, die sich in die Lunge ergießt, nichts für die Natur des Sauerstoffes folgt, der sich durchaus von außen mit der Lunge vereinigt. Und kein Mensch kann dem ganz zwingenden Schlusse entkommen: Ebenso wie der Sauerstoff als solcher in der Außenwelt existiert und der Lunge sich mitteilt, nur daß die Lunge, weil sie nicht einschläft, nicht abwechselnd sondern immer damit versorgt wird, ebenso werden die Erkenntnisorgane des Menschen nicht von innen heraus durch die bloße Leibestätigkeit dazu aufgerufen, daß sie Seelentätigkeit vermitteln, sondern diese muß ihnen beim Aufwachen einfließen, wie der Sauerstoff von außen in die Lungen einfließt. Es muß also etwas sein, was, sich zusammensetzend zum menschlichen Ich, am Morgen in die Leibestätigkeit hereinfließt und dann in den menschlichen Seelenorganen wirkt. So müssen wir in dem, was das Schlafleben ist, das Geistige abgesondert denken und es sozusagen als etwas betrachten, das einen Teil unserer Leibesorgane am Morgen zu Seelenorganen erweckt.
[ 19 ] Let us substitute the lungs and breathing for the brain—the organ of the soul—which brings about our waking, conscious state. Then we must say that the lungs breathe only because oxygen flows into them from the outside. But the activity of the lungs is not limited to the inflow of oxygen, for organic activity has no influence over the supply of oxygen. However, we cannot learn anything about the nature and essence of oxygen from the way we nourish and enliven our lungs from within, nor can the lungs be supplied with oxygen from within. Just as we must conceive of the inner life process as extending into the lungs, so too must we conceive of it as extending into the brain and the other organs during sleep. In the evening, our organs are exhausted because soul activity wears them down, and they must be permeated by a pure life force so that they can once again serve as mediators of soul activity. But just as mere inner life activity cannot supply the lungs with oxygen, neither can inner life activity supply the human being during sleep with what we might call the human being’s drives, desires, passions, and so on. Nothing for a person’s soul activity follows from mere bodily activity, just as nothing regarding the nature of oxygen—which is entirely supplied to the lungs from the outside—follows from mere life activity that flows into the lungs. And no one can escape the entirely compelling conclusion: Just as oxygen as such exists in the external world and is supplied to the lungs, except that the lungs, because they do not fall asleep, are supplied with it not intermittently but continuously—so, too, the human organs of cognition are not summoned from within by mere bodily activity to mediate mental activity; rather, this must flow into them upon waking, just as oxygen flows from the outside into the lungs. There must therefore be something which, as part of the human “I,” flows into bodily activity in the morning and then works within the human organs of the soul. Thus, in the phenomenon of sleep, we must consider the spiritual aspect separately and regard it, so to speak, as something that awakens a part of our bodily organs into organs of the soul in the morning.
[ 20 ] Wir haben also gleichsam im schlafenden Menschen einen lebendigen Organismus und über ihm schwebend ein selbständiges Geistiges. Während des wachen Lebens müssen wir uns vorstellen, daß dasjenige, was als Seelenprozesse, also als Geistig-Seelisches, in uns abfließt, allerdings nur gewisse Prozesse bewirken kann, die ihnen zweifellos im Organismus parallel gehen, welche Wirkungen der Seelenprozesse sind und die, wenn sie an ihrem Gipfel ankommen, Ermüdung bewirken, sozusagen Auflösungsprozesse des Materiellen sind, während vom Leibe aus diese Ermüdungsprozesse während des Schlafes wieder rückgängig gemacht werden.
[ 20 ] We thus have, as it were, a living organism in the sleeping human being and, hovering above it, an independent spiritual entity. During waking life, we must imagine that what flows out of us as soul processes—that is, as spiritual-soul processes— can, of course, only bring about certain processes that undoubtedly run parallel to them in the organism—processes that are effects of the soul processes and which, when they reach their peak, cause fatigue and are, so to speak, processes of dissolution of the material, whereas these processes of fatigue are reversed by the body during sleep.
[ 21 ] In einer ähnlichen Weise zeigt die Geisteswissenschaft, daß die Erde an ihrem Ausgangspunkte eigentlich aus einer Zweiheit bestanden habe, aus etwas, was nicht dem schlafenden und dem wachenden Menschen gleich ist, sich aber wohl damit vergleichen läßt, was sozusagen, so wie heute noch die letzten Reste der einfachsten Organismen sind, bewegliche Lebenssubstanz war, aber in keiner Weise zu tierischen oder menschlichen, ja nicht einmal zu pflanzlichen Formen umgebildete Organismen waren. Und wie wir uns in Verbindung mit dem Menschenleib, ihn im Schlafe umschwebend, dasjenige zu denken haben, was seelischer Inhalt des Menschen ist, so haben wir uns den ganzen Erdenleib an seinem Anfange umschwebt zu denken von dem, was wir den Erdengeist, den gemeinsamen einheitlichen Erdengeist nennen können. In diesem Erdengeist erst haben wir alles das zu suchen, was später innerhalb der Erdentwickelung Form geworden ist. In diesem Erdengeist haben wir aber zunächst auch alles das zu suchen, was auf die flüssige materielle Substanz, gleichsam auf die schlafende Erde erregend wirkt, so daß die ganze Lebenssubstanz in der verschiedensten Weise in Bewegung kommt. So haben wir uns — ich möchte sagen wie Geistesströme aus der Umgebung der Erde hereinwirkend zu denken in die flüssige lebendige Materie die erregenden Ursachen, die, wie der Sturm das Meer aufpeitscht und zu allerlei Wellengebilden gestaltet, ursprünglich nur solche Formen in der flüssigen Substanz hervorriefen, die sich nicht verfestigten, sondern, nachdem sie sich zeitweilig geformt hatten, ihre ursprüngliche formlose Gestalt wieder annahmen. Das Formprinzip selber ist als ein übersinnliches, geistiges Prinzip zu denken, das mit der ursprünglichen Erdensubstanz verbunden war. Wenn wir uns heute noch für diese Wirkungsweise oder für diese Wechselwirkung zwischen Geist und Materie in bezug auf die Erde bei ihrem Ausgangspunkte etwas Ähnliches vorstellen wollen, so können wir uns — die Naturwissenschaft der Zukunft wird das schon ergeben - einen engeren Bezirk vorstellen, in welchem das geschieht, was am Ausgangspunkt der Erdentwickelung geschah. Wir können noch immer etwas aufweisen, was auf ungeformte Lebenssubstanz wirkt. Alle solche Prozesse, die unser eigenes Geistesleben in der Gehirnsubstanz, in der Blutsubstanz hervorbringt, lassen sich mit den Vorgängen vergleichen, die sich ursprünglich beim Erdenausgangspunkt zwischen dem geistigen Formprinzip und dem, was als lebendige Substanz dem Erdenwerden zugrunde liegt, abgespielt haben.
[ 21 ] In a similar way, spiritual science shows that, at its very beginning, the Earth actually consisted of a duality—of something that is not the same as the sleeping and waking human being, but can well be compared to what was, so to speak, a mobile life substance, much like the last remnants of the simplest organisms still exist today, but in no way were organisms transformed into animal or human forms—not even into plant forms. And just as we must conceive of the human body—surrounding it in sleep—as the soul content of the human being, so too must we conceive of the entire Earth body at its beginning as being surrounded by what we may call the Earth Spirit, the common, unified Earth Spirit. It is within this Earth Spirit that we must seek everything that later took form within the Earth’s development. But within this Earth Spirit, we must also first seek everything that acts as a stimulating force upon the fluid material substance—as it were, upon the sleeping Earth—so that the entire substance of life is set in motion in the most varied ways. Thus we must conceive—I would say as spiritual currents flowing in from the Earth’s surroundings—the stimulating causes within the fluid, living matter which, just as a storm whips up the sea and shapes it into all manner of wave formations, originally evoked in the fluid substance only those forms that did not solidify but, after having temporarily taken shape, resumed their original formless state. The principle of form itself must be conceived as a supersensible, spiritual principle that was connected to the original substance of the Earth. If we wish to imagine something similar today regarding this mode of action or this interaction between spirit and matter in relation to the Earth at its point of origin, we can—as the natural science of the future will reveal—envision a more confined realm in which what occurred at the starting point of the Earth’s development takes place. We can still point to something that acts upon unformed life substance. All such processes that our own spiritual life brings about in the substance of the brain and in the substance of the blood can be compared to the processes that originally took place at the Earth’s point of origin between the spiritual principle of form and what, as living substance, underlies the Earth’s formation.
[ 22 ] In unserem heutigen Sinne läßt sich eine solche Sache nicht beweisen. Beweisen läßt sich nur, daß die Geisteswissenschaft mit den Mitteln, die bereits geschildert worden sind, sozusagen für die ganze Erdentwickelung etwas Ähnliches herstellt, wie es im einzelnen Menschenleben im Gedächtnis hergestellt wird. Dadurch, daß gewisse Kräfte, von denen hier auch gesprochen worden ist, die in den Tiefen der Seele ruhen, ausgebildet werden — das sind zugleich die Kräfte, durch deren Entwickelung der Geistesforscher in das geistige Erdenwesen unmittelbar hineinschauen kann -, erweitert sich das menschliche Gedächtnis und der geistige Blick des Menschen. So kann der Stoff und das stoftliche Leben ganz durchdrungen werden von dem Geistesblick, und es können sich auch die stofflichen Vorgänge in ihrem Dasein so zeigen, daß sie nicht nur die gegenwärtigen, sondern auch die früheren Zustände, aus denen sie sich herausentwickelt haben, unmittelbar dem Geistesauge entgegentreten lassen. Wie heute der Mensch in der Gegenwart das in sich trägt, was an seinem Seelenleben seit seiner Kindheit geformt hat, und damit die Erinnerungslinie verfolgen kann, so verfolgt er sein Seelenleben bis in frühere Zustände; er kann es also zurückverfolgen, wie es nicht nur jetzt, sondern vor Jahrzehnten und so weiter gewesen ist. Wenn der geistige Blick nicht nur an dem äußeren Materiellen haften bleibt, sondern die Oberflächen der Dinge durchdringt und in die geistigen Untergründe hineindringt, dann macht sich innerhalb des Geistigen etwas geltend, was den Menschen in eine Art von Weltgedächtnis versetzt, was man auch das Lesen in der Akasha-Chronik nennt, und dadurch blickt er auf frühere ursprüngliche Erdenzustände zurück.
[ 22 ] Such a thing cannot be proven in the sense we understand it today. What can be proven is only that spiritual science, using the methods already described, creates—so to speak—for the entire development of the Earth something similar to what is created in the memory of the individual human being. Through the cultivation of certain forces—which have also been discussed here—that lie dormant in the depths of the soul—these are also the very forces through whose development the spiritual researcher can look directly into the spiritual being of the Earth—human memory and the human spiritual vision are expanded. In this way, matter and material life can be completely permeated by the spiritual gaze, and material processes can also reveal themselves in their existence in such a way that not only their present states but also the earlier states from which they have developed are made directly visible to the spiritual eye. Just as a person today carries within themselves what has shaped their soul life since childhood and can thus trace the thread of memory, so too can they trace their soul life back to earlier states; they can thus trace it back to how it was not only now, but decades ago and so on. When the spiritual gaze does not merely remain fixed on the outer material world, but penetrates the surfaces of things and delves into their spiritual depths, then something within the spiritual realm comes to the fore that places the human being in a kind of world memory—what is also called “reading the Akashic Records”—and through this, he looks back upon earlier, primordial states of the Earth.
[ 23 ] Beweise sind also nur auf eine solche geistige Art und Weise zu geben. Aber wenn diese Dinge erforscht sind, dann stehen uns die Mittel zur Verfügung, welche erhärten, was durch die Geistesforscher zutage getreten ist, und zeigen, daß ein voller Einklang besteht zwischen dem, was uns die Dinge heute noch darstellen, und was der Geistesforscher durch seine Erkenntnisse behaupten muß. Daher kann man auch in einem populären Vortrage keinen anderen Weg einschlagen, als erzählen, was sich dem Geistesforscher darstellt, und was aus der unmittelbaren geistigen Beobachtung fließt, während wir durch diese geisteswissenschaftliche Beobachtung sozusagen an den Ausgangspunkt des Erdenwerdens versetzt werden. Aber wir müssen zu gleicher Zeit betonen, daß für solche Zustände allerdings dasjenige, was wir als Geistiges zu erkennen haben, noch viel näher materiellem Schaffen steht, als das Geistige heute materiellem Schaffen nahesteht. Heute braucht das Geistige die Widerlage, den Widerstand des materiellen Leibes, so daß es das Geistige im Menschen nur zu jenen Bildern vom Materiellen bringt, die wir uns in unseren Vorstellungen vor Augen führen. Bis zu einer stärkeren Verdichtung bringen wir es nicht als zu diesen Bildern.
[ 23 ] Evidence, therefore, can only be provided in such a spiritual manner. But once these matters have been investigated, we will have at our disposal the means to corroborate what spiritual researchers have brought to light and to show that there is complete harmony between what things still present to us today and what the spiritual researcher must assert on the basis of his insights. Therefore, even in a popular lecture, one can take no other approach than to describe what presents itself to the spiritual researcher and what flows from direct spiritual observation, while this spiritual-scientific observation transports us, so to speak, to the starting point of the Earth’s formation. But we must at the same time emphasize that, for such states, what we are to recognize as spiritual is indeed much closer to material creation than the spiritual is to material creation today. Today, the spiritual requires the counterforce, the resistance of the material body, so that the spiritual in human beings gives rise only to those images of the material that we bring to mind in our imagination. We cannot bring it to a higher degree of concretization than these images.
[ 24 ] Die Geisteswissenschaft aber steht auf dem Boden - die folgenden Vorträge werden noch auf den Ursprung der Materie aufmerksam machen -, daß alles materielle Dasein ursprünglich ein geistiges gewesen ist, nur daß das Geistige, als es selber noch materieschaffend war, in einem ursprünglicheren, willensartigeren, kraftvolleren Zustande war, als es heute im menschlichen Geistesleben ist. Daher haben wir uns das, was als geistiges Formprinzip die Erde umschwebte, demjenigen viel näherstehend zu denken, was wir die ursprüngliche Lebenssubstanz nannten, als es heute beim schlafenden Menschen in bezug auf sein ihn umschwebendes Seelisches zu denken ist. Und wir haben uns dann im weiteren Fortgang zu denken, daß durch ein Eingreifen des übersinnlichen Formprinzipes in die Substanz alles das entstanden ist, was man heute die unlebendige Natur nennt. Tatsächlich haben wir uns zu denken, daß durch Einwirkung des geistigen Formprinzipes aus der bewegten und erregten Materie sich eine solche Materie absonderte, die dann leblos wird. Damit steht die Geisteswissenschaft wiederum den Uhntersuchungen von Fechner und Preyer nahe. Aber solcher unlebendiger Stoff wird in einer gewissen Weise wieder von dem Formprinzip ergriffen, indem jetzt in diesem leblosen Stoff das Formprinzip als Kristallisation auftritt, so daß wir uns alles Mineralische als aus ursprünglich geistiger, belebter Materie hervorgehend und von dem Formprinzip ergriffen zu denken haben. Daher können wir heute noch, wenn wir vom Kristall sprechen, ein übersinnliches Formprinzip erkennen. Anders aber machte sich das Formprinzip geltend in der Materie, die als belebte zurückblieb. Und wenn wir heute von den Pflanzen absehen, so müssen wir uns vorstellen, daß die Erde unter dem Einfluß derjenigen Substanzen, die sich als leblose allmählich absonderten aus der lebendigen Substanz und in der verschiedensten Weise gruppierten, sich zu demjenigen gestaltete, was wir als feste Erde, als flüssiges Wasser, als Luft und so weiter bezeichnen. Wir müssen uns weiter vorstellen, daß während dieser Zeit in die ganze lebendige und leblose Substanz das Formprinzip hineinwirkt, daß die lebendige geformte Materie dem äußeren Leblosen ausgesetzt ist, — ja, während sie früher in sich durchaus lebendig war, sich nun mit der leblosen Stofflichkeit durchsetzen muß, auch dadurch, daß im Laufe der Erdentwickelung das Ernährungsprinzip sich geltend machte als ein Hereinnehmen des Unlebendigen in das Lebendige.
[ 24 ] Spiritual science, however, is based on the premise—and the following lectures will draw attention to the origin of matter—that all material existence was originally spiritual, except that the spiritual, when it was still creating matter itself, was in a more primordial, more will-like, and more powerful state than it is today in human spiritual life. Therefore, we must conceive of what, as a spiritual formative principle, surrounded the Earth as being much closer to what we have called the original life substance than is the case today with the sleeping human being in relation to the soul forces surrounding him. And as we proceed further, we must then conceive that through the intervention of the supersensible formative principle into the substance, everything that is today called inanimate nature came into being. In fact, we must conceive that through the influence of the spiritual formative principle, a form of matter separated out from the moving and animated matter, which then became inanimate. In this respect, spiritual science is once again closely aligned with the investigations of Fechner and Preyer. But such inanimate matter is, in a certain sense, once again grasped by the form-principle, in that the form-principle now manifests itself in this inanimate matter as crystallization, so that we must conceive of all the mineral realm as emerging from originally spiritual, animate matter and being grasped by the form-principle. Therefore, even today, when we speak of crystals, we can recognize a supersensible principle of form. The principle of form, however, asserted itself differently in the matter that remained animate. And if we set aside plants for the moment, we must imagine that the Earth, under the influence of those substances that gradually separated from the living substance as inanimate matter and grouped together in the most diverse ways, took shape into what we call solid Earth, liquid water, air, and so on. We must further imagine that during this time the principle of form was at work within the entire living and non-living substance, that the living, formed matter—which is exposed to the external non-living world——indeed, whereas it was previously entirely alive in itself, it must now assert itself against the inanimate matter, including through the fact that, in the course of Earth’s evolution, the principle of nutrition asserted itself as the incorporation of the inanimate into the living.
[ 25 ] Wir sehen also das Lebendige gewissermaßen das Unlebendige aufnehmend, das es erst in einer gewissen Weise aus sich selbst herausgesondert hat. Dadurch kommt das Lebendige auf der Erde immer mehr und mehr in die Bedingungen hinein, die sich durch das Unlebendige als die Elemente Erde, Wasser, Luft und so weiter äußern, und das Lebendige kann nur so geformt werden, daß die Formen den äußeren Elementen angepaßt werden.
[ 25 ] We see, then, that the living, as it were, takes in the non-living, which it has first, in a certain sense, separated from itself. As a result, the living on Earth becomes increasingly subject to the conditions expressed by the non-living in the form of the elements earth, water, air, and so on, and the living can only be shaped in such a way that its forms are adapted to the external elements.
[ 26 ] Nun müssen wir uns das Leben der Erde so vorstellen, daß es im weiteren Verlaufe in der verschiedenartigsten Weise das Unlebendige und das Lebendige durch das Formprinzip getrennt hält. Wir müssen uns vorstellen, daß die Stoffe, welche heute aus den Höhen herabgefallen und mit dem Erdenleib verbunden sind, in einer mittleren Erdenzeit noch aufgelöst und als Dunst in der damaligen Erde vorhanden waren. Wir können durchaus von einer solchen Erdenzeit sprechen, in welcher eine solche Luftumhüllung, wie sie heute da ist, nicht vorhanden war. Wir müssen da von Dämpfen und Gasen sprechen, die heute längst verfestigt sind. Wir müssen uns die ganze Verteilung von Wasser und Luft in einer mittleren Erdenzeit anders vorstellen. Da müssen wir uns vorstellen, daß das Formprinzip, das rein geistig zu denken ist, indem es die lebendige Substanz in die leblose, geformte Materie hineinformte, aus dieser letzteren die Bedingungen zum Beispiel für die Atmung und so weiter entnehmen mußte, so daß das Formprinzip auf diese Weise die mannigfaltigsten Formen zu schaffen hatte, die an alte Erdenverhältnisse angepaßt waren, welche jetzt durchaus nicht mehr bestehen. Die Geisteswissenschaft zeigt nun aber, daß die Entwickelung so voranschritt, daß gleichsam nur ein Teil der lebendigen Substanz in jenen Zeiten wirklich zur Formung kam, und daß, als die formlose Materie unmittelbar von dem geistigen Prinzip ergriffen wurde, ein Teil der alten, beweglichen, formlosen Substanz zurückgehalten wurde. Wir haben also in alten Zeiten, da die Erde in einer ganz anderen Weise von Stoffen umschichtet war, die heute schon durch Verdichtung zu Boden gefallen sind oder in der Erde selbst ein flüssiges Dasein führen, gleichsam das Formprinzip in alte Formen hineinkristallisiert, die unter den heutigen Bedingungen längst nicht mehr existieren können. Nehmen wir einen solchen Zustand, in dem unsere Erde noch durchaus nicht als Planet die Gestalt hatte, die wir heute sehen. Da mußten ganz offenbar andere Formen von Lebewesen entstehen, Lebewesen, welche eben den alten Bedingungen angepaßt waren und heute nicht mehr bestehen könnten. Es ist nun leicht erklärlich, daß viele von diesen Lebensformen vollständig aussterben mußten, als die Erde selbst ihre Gestaltung umänderte. Da finden wir, was noch geologisch nachweisbar ist und was die Paläontologie zeigt, daß Tiere gelebt haben, die wir uns so zu denken haben, daß sie etwa nur angepaßt waren dem sich erst seiner jetzigen Gestalt annähernden Wasser, das aber noch von ganz anderen Substanzen durchsetzt war. Andere Tiere finden wir da, die den damaligen Luftverhältnissen angepaßt waren, so die Saurier-Arten und so weiter, kurz, wir könnten die mannigfaltigsten Tierformen antreffen, die den damaligen Verhältnissen angepaßt waren. Daneben entstanden andere Formen, die sozusagen den Verhältnissen in der Weise angepaßt waren, daß sie allerdings nicht mehr durch das ursprüngliche Formprinzip aus der formlosen bewegten Materie herausgestaltet werden konnten, die aber fähig waren, in aufeinanderfolgenden Generationen sich umzubilden und in der Vererbungslinie sich so weiterzubilden, daß sie aus den alten Formen die späteren entwickelt haben. Die neuen waren dann an die neueren Erdenverhältnisse angepaßt. Während jene Formen aussterben mußten, die in den alten Zeiten so stark von dem Formprinzip durchdrungen waren, daß sie nicht mehr umgeformt werden konnten, konnten sich die Organismen, die in sich beweglicher geblieben waren, bei denen sich das Lebendige noch nicht so stark geformt hatte, umformen und so sich weiter entwickeln.
[ 26 ] Now we must imagine the life of the Earth in such a way that, as it progresses, it keeps the inanimate and the animate separate through the principle of form in the most diverse ways. We must imagine that the substances which today have fallen from the heights and are bound to the Earth’s body were, during a middle Earth epoch, still in a dissolved state and present as vapor in the Earth of that time. We can certainly speak of such an Earth epoch in which an atmospheric envelope like the one that exists today was not present. We must speak here of vapors and gases that have long since solidified. We must imagine the entire distribution of water and air in a middle Earth epoch differently. There we must imagine that the principle of form, which must be conceived as purely spiritual—since it shaped living substance into lifeless, formed matter—had to derive from the latter the conditions necessary, for example, for respiration and so on, so that the principle of form had to create in this way the most diverse forms adapted to ancient earthly conditions that no longer exist at all. Spiritual science now shows, however, that evolution proceeded in such a way that, as it were, only a part of the living substance was actually shaped in those times, and that when the formless matter was directly taken up by the spiritual principle, a part of the old, mobile, formless substance was held back. Thus, in ancient times, when the Earth was composed of substances in a completely different way—substances that have since fallen to the ground through compaction or now exist in a liquid state within the Earth itself—the formative principle, as it were, crystallized into ancient forms that could no longer exist under today’s conditions. Let us consider a state in which our Earth, as a planet, did not yet have the form we see today. Quite obviously, different forms of living beings had to arise—beings that were adapted to those ancient conditions and could no longer exist today. It is now easy to understand that many of these life forms had to become completely extinct as the Earth itself changed its form. There we find—as is still geologically verifiable and as paleontology demonstrates—that animals lived which we must imagine as having been adapted, for example, only to water that was just beginning to take on its present form but was still permeated by entirely different substances. We also find other animals there that were adapted to the atmospheric conditions of that time, such as the dinosaur species and so on; in short, we could encounter the most diverse animal forms, all adapted to the conditions of that era. Alongside these, other forms arose that were, so to speak, adapted to the conditions in such a way that, while they could no longer be shaped by the original formative principle out of the formless, moving matter, they were capable of transforming themselves over successive generations and evolving through the line of inheritance in such a way that they developed the later forms from the older ones. The new forms were then adapted to the newer terrestrial conditions. While those forms that had been so strongly permeated by the formative principle in ancient times that they could no longer be reshaped were doomed to die out, the organisms that had remained more flexible—in which the living essence had not yet become so strongly fixed—were able to transform themselves and thus continue to develop.
[ 27 ] Für den Menschen stellt sich die Entwickelung so dar, daß wir ihn in den alten Zeiten nicht innerhalb dessen erblicken können, was mit äußeren Augen hätte erblickt werden können, sondern wir würden ihn in einer so feinen Materie formlos beweglicher Art finden, daß er in den Zeiten, als die Tierformen schon da waren, alles hat werden können. Der Mensch ist aus dem Formlosen in die Gestaltung, in die Form am allerspätesten herabgestiegen. Während die Tiere, die heute auf der Welt sind, schon früher das Formprinzip aufgenommen haben, so daß sie ihre frühere Gestalt in Anpassung an die Umbildung der Erde umformen mußten, hat sich der Mensch nicht bestimmen lassen, schon in die alten Formen herabzusteigen, sondern er wartete, bis die Erde jene Verteilung von Luft und Wasser hatte, wie sie jetzt vorhanden ist. Da erst ist für den Menschen die Verdichtung der noch kaum geformten Materie in die spätere menschliche Gestalt eingetreten. Weil der Mensch am spätesten in die geformte Gestalt eingetreten ist, deshalb erschien er so, daß er nicht an einzelne bestimmte Erdenverhältnisse bloß angepaßt ist. Wenn wir aber zu den Tieren zurückgehen, so müssen wir uns ihren Ursprung so vorstellen, daß sich bestimmte Formen an ganz bestimmte Territorien der Erde angepaßt haben. Diese Tiere haben dann die Gestalt bekommen, die keineswegs noch den heutigen Nachkommen ähnlich ist, die den damaligen Verhältnissen angepaßt war, aber weil die Tiere nur territorialen Verhältnissen angepaßt waren, die sich in gewisser Beziehung rasch änderten, so konnten sie sich nur innerhalb bestimmter Grenzen ändern. Der Mensch aber, der in der Zeit, als die Erde noch raschen Veränderungen unterworfen, noch nicht in eine Gestaltung eingetreten war, sondern erst später, als es möglich war, daß er über die ganze Erdoberfläche hin die Gestaltung so in die Leiblichkeit hineinversetzte, daß er als solcher der ganzen Erde angepaßt war, konnte die Erde als ein Wesen bevölkern, das am wenigsten den äußeren Verhältnissen und am meisten den inneren seelischen Triebkräften angepaßt ist. Der Mensch war also von vornherein solchen Formkräften angepaßt, daß sein Inneres dem Geistigen entsprach, daß die Formkräfte unmittelbar auf das Seelische so wirken konnten, daß sie seine äußere physische Gestalt zu einer aufrechten machten, daß sie seine Hände zu lebendigen Werkzeugen des Geistes machten. Aber das alles konnte erst geschehen, nachdem die Erde über gewisse Gestaltungsprinzipien hinweg war, damit der Mensch demjenigen angepaßt werden konnte, was von innen heraus seine ganze Gestalt und sein Sichdarleben bestimmen konnte. So daß beim Menschen das Formprinzip auf dem Umwege des Geistigen seine Gestalt bestimmt, während beim Tiere das Formprinzip viel mehr in das Unlebendige und Unorganische hineingreifen mußte. Wir können es den Tieren noch heute ansehen, wie sie ihr ganzes Seelenleben noch enger an das Körperliche geknüpft haben, während der Mensch ein solches Seelenleben zu entwickeln vermag, das sich aus dem Leibesleben heraushebt.
[ 27 ] For human beings, evolution presents itself in such a way that we cannot perceive them in ancient times within what could have been seen with the physical eyes; rather, we would find them in a formless, mobile substance so subtle that, in the times when animal forms already existed, they could have become anything. Human beings descended from the formless into form at the very latest. While the animals that exist in the world today had already assimilated the principle of form earlier—so that they had to reshape their earlier forms in adaptation to the Earth’s transformation—humanity did not allow itself to descend into the ancient forms, but waited until the Earth had attained the distribution of air and water that exists today. Only then did the condensation of matter—which was still barely formed—into the later human form begin for humankind. Because humankind entered the formed state last of all, it appeared in such a way that it is not merely adapted to specific earthly conditions. But if we go back to the animals, we must conceive of their origin in such a way that certain forms adapted to very specific territories on Earth. These animals then took on a form that in no way resembles their present-day descendants; it was adapted to the conditions of that time. But because the animals were adapted only to territorial conditions that changed rapidly in certain respects, they could change only within certain limits. Human beings, however, who had not yet taken on a specific form during the time when the Earth was still subject to rapid changes—but only later, when it became possible for them to incorporate that form into their physical being across the entire surface of the Earth in such a way that they were, as such, adapted to the whole Earth— was able to populate the Earth as a being least adapted to external conditions and most adapted to inner, soul-driven forces. Human beings were thus adapted from the very beginning to such formative forces that their inner being corresponded to the spiritual, so that the formative forces could act directly upon the soul in such a way as to make their outer physical form an upright one, and to make their hands living instruments of the spirit. But all this could only happen after the Earth had moved beyond certain formative principles, so that human beings could be adapted to that which, from within, could determine their entire form and their way of living. Thus, in human beings, the formative principle determines their form through the medium of the spiritual, whereas in animals, the formative principle had to intervene much more in the inanimate and inorganic. We can still see this in animals today: how they have bound their entire soul life even more closely to the physical, whereas human beings are capable of developing a soul life that rises above bodily life.
[ 28 ] Betrachten wir das Tier, wie es ganz in dem Leibesleben drinnensteckt, wie es einmal geformt ist, sehen wir, wie es verdaut, wie unmittelbar das Seelische das Leibesleben durchdringt und mit den körperlichen Funktionen verknüpft sich ausnimmt. Betrachten wir aber, wie das Seelische beim Menschen sich unmittelbar als Selbständiges aus dem Leiblichen heraushebt, so werden wir sehen, wie der Mensch deshalb so gestaltet ist, weil die Tierwelt früher, angepaßt an andere Verhältnisse unseres Erdendaseins, aus dem Formlosen herausgestaltet worden ist als der Mensch. Nur dadurch konnte auch im Menschen ein solches Seelenwesen tätig werden, das sich gegenüber dem Leibesleben so verselbständigte, daß der Mensch auch dann innerhalb dieses Seelenwesens das formende Prinzip behalten kann, wenn dieser Mensch durch die Pforte des Todes schreitet und sein Leibesleben zunächst ablegt. Weil das Formprinzip die tierische Seele so viel früher ergriffen hat, daß eine innige Verbindung mit dem Leibesleben hergestellt werden mußte, und weil das Tier deshalb ganz in dem Leibesleben aufgeht, so löst sich das, was im einzelnen Tiere erlebt wird, nicht vom Leibesleben los. Beim Menschen löst es sich los, behält außer der organischen, leiblichen Substanz auch noch im Seelischen ein Formprinzip und kann nach der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt wieder ein neues Leibesleben formen. Nur dadurch, daß das Formprinzip beim Menschen das Geistig-Seelische unmittelbar ergriffen hat, hat dieses Geistig-Seelische jene Selbständigkeit, die hindurchschreiten kann von Leben zu Leben, die es ihm möglich macht, in wiederholten Leben sein Dasein zu durchlaufen. Dagegen bewirkte die innige Verbindung mit der Daseinsform, die im Tiere zwischen dem Formprinzip und der lebendigen Materie hergestellt werden mußte, daß das Formprinzip, wenn der Tod des Tieres eintritt, im Organischen sich erschöpft hat, und das Seelische des Tieres wieder in ein allgemeines tierisches Seelenleben zurückfällt, nicht in einem individuellen, sondern in einem allgemeinen Tierischen fortdauert, in einem Fortleben der Gruppenseele des Tieres und nicht der einzelnen Tierseele.
[ 28 ] If we consider the animal as it is completely immersed in its physical life, once it has taken shape, we see how it digests, how the soul permeates physical life directly and manifests itself in connection with the bodily functions. But if we consider how, in human beings, the soul emerges directly from the physical as an independent entity, we will see that human beings are constituted in this way because the animal world, adapted to different conditions of our earthly existence, was formed from the formless before human beings were. Only in this way could a soul entity become active within the human being that became so independent of physical life that the human being can retain the formative principle within this soul entity even when that human being passes through the gate of death and initially lays aside their physical life. Because the formative principle took hold of the animal soul so much earlier—to the extent that an intimate connection with physical life had to be established—and because the animal is therefore completely absorbed in physical life, what is experienced in the individual animal does not detach itself from physical life. In the case of human beings, it does detach itself; it retains a formative principle not only in the organic, physical substance but also in the soul, and can once again form a new physical life after the period between death and a new birth. It is only because the formative principle in human beings has directly grasped the spiritual-soul aspect that this spiritual-soul aspect possesses the independence that can pass from life to life, enabling it to traverse its existence through repeated lives. In contrast, the intimate connection with the form of existence—which in animals had to be established between the formative principle and living matter—meant that when the animal dies, is exhausted within the organic realm, and the animal’s soul reverts to a general animal soul life; it continues not in an individual form but in a general animal form—in the continued existence of the animal’s group soul rather than that of the individual animal soul.
[ 29 ] So sehen wir, daß wir den Ursprung des Tierischen darin zu suchen haben, daß dasjenige, was beim Menschen später eindringt und ihn durchdringt, beim Tiere früher eindringt. Das Tier ist gleichsam von dem fortlaufenden Entwickelungsprinzip zurückgelassen. Es ist ein zurückgebliebenes Wesen im Verhältnisse zum Menschen, der ein fortgeschrittenes Wesen ist. Wir können uns durch einen einfachen Vergleich leicht vorstellen, wie diese Bildung geschehen ist, wenn wir uns in einem Glase eine Flüssigkeit vorstellen, darin eine Substanz, und zwar so aufgelöst, daß man sie nicht von der Flüssigkeit unterscheiden kann. Läßt man dieselbe aber stehen, dann setzt sich ein Bodensatz ab und oben bleibt die feinere Flüssigkeit zurück. So hätten wir uns den gesamten Entwickelungsprozeß vorzustellen: in dem, was wir als Zweiheit ansehen - sozusagen zwischen dem Geistig-Formenden und dem, was unten die lebendige Substanz ist —, dasjenige, was die geistige Substanz ist. Darin ist auch das formende Prinzip für den Menschen enthalten. Aber für den Menschen bleibt die Formlosigkeit am längsten erhalten. Für das Tier tritt die Gestaltung früher ein, so daß sich in einer Zeit, als der Mensch sich noch oben in einer formlosen, dünneren Substanz erhalten hat, unten das Tierwesen schon verdichtet und so fortlebt, daß es in sich nur immer zu stärkeren und stärkeren Formen kommen kann, die sich im Laufe der Zeit umwandeln. Demgegenüber läßt sich der Mensch in bezug auf die Form nur auf das zurückführen, was ursprünglich in einem formlosen Lebendigen ist, worin aber der Geist als treibendes Prinzip hereinwirkt und es allmählich zur jetzigen Gestalt bringt. Im weiteren Fortgang haben wir uns die Tierformen auch so zu denken, daß sie nicht aus einer Tierform hervorgegangen sind, sondern es blieben, während sich da oder dort gewisse Tiere formten, andere zurück, die sich erst später formten, andere wieder stiegen noch später herab und so weiter. So ist der Mensch am spätesten herabgestiegen.
[ 29 ] Thus we see that the origin of the animal nature lies in the fact that what enters and permeates human beings at a later stage enters animals at an earlier stage. The animal is, as it were, left behind by the ongoing principle of evolution. It is a being that has lagged behind in relation to human beings, who are advanced beings. We can easily imagine how this formation took place through a simple comparison: imagine a liquid in a glass containing a substance dissolved in it in such a way that it cannot be distinguished from the liquid. But if we let it stand, a sediment settles at the bottom and the finer liquid remains at the top. This is how we should imagine the entire process of development: within what we regard as a duality—so to speak, between the spiritually formative and what lies below as the living substance—lies that which is the spiritual substance. This also contains the formative principle for human beings. But for human beings, the formless state persists the longest. For the animal, the process of formation begins earlier, so that at a time when human beings were still preserved above in a formless, more ethereal substance, the animal being had already condensed below and continued to live in such a way that it could develop within itself ever stronger and stronger forms, which transform over the course of time. In contrast, in terms of form, human beings can be traced back only to what originally exists in a formless living substance, into which, however, the spirit acts as a driving principle, gradually bringing it to its present form. As we proceed further, we must also conceive of animal forms in such a way that they did not all emerge from a single animal form, but rather, while certain animals took shape here and there, others remained behind, some forming only later, others descending even later, and so on. Thus, human beings descended last.
[ 30 ] Eigentümlich, daß wir dies, was jetzt gesagt worden ist, voll erklärt finden, wenn wir solche Bücher wie zum Beispiel die Haeckelschen lesen. Da ist zwar äußerlich die Behauptung getan, daß der Mensch sich auf die Tiere zurückführen lasse. Wenn wir aber die Stufenleiter verfolgen, so sehen wir,daß der Mensch auf etwas zurückführt, was nicht auf die jetzigen Erdbedingungen zurückführen kann, sondern auf gedachte Lebewesen. Und ebenso die Tiere. Wir finden diejenigen Wesen, auf welche die Geisteswissenschaft hinweist, als hypothetische Wesen vor auch im Haeckelschen Stammbaum, nur daß diese dann nicht auf Geformtes, sondern auf Formloses zurückführen. Es ist jetzt nicht möglich, dies weiter auszuführen. Aber aus meiner «Geheimwissenschaft» ergibt sich, daß das, was jetzt als Erde dargestellt ist, sich aus früheren geistigen Stufen herunterentwickelt hat. Das ergibt sich so, daß man durchaus nicht sagen kann, dann setze ja die Geisteswissenschaft wieder nur etwas Unbekanntes ein. Nein! Zuletzt wird die Erde auf frühere planetarische Daseinsstufen zurückgeführt, wie der Mensch in bezug auf sein gegenwärtiges Leben auf frühere Leben zurückgeführt wird. Und wenn wir auf die früheren Stufen zurückgehen, so finden wir das Materielle nicht als ein Lebendiges, sondern als ein Geistiges. Wir lernen den Ausgangspunkt alles Lebendigen als den Geist kennen. Dadurch führen wir — also auf den Geist, das ist auf etwas, was wir in uns selber haben — die Grundlage auf etwas Bekanntes zurück, das in uns selber ist, während die äußere Wissenschaft auf etwas Unbekanntes zurückführt. Die Geisteswissenschaft ist da in einer anderen Lage, als die jetzige hypothetische Entwickelungslehre. Die Geisteswissenschaft führt die Entwickelung auf etwas zurück, was als ein Geistiges da war und heute auch noch da ist. Nur daß sich nicht in der Weise das in uns liegende Geistige zeigt, wie in dem Glase sich die dünnere Flüssigkeit von der dichteren Substanz abgesondert zeigt. Das feinere Geistige im Menschen hat sich eben, wie das feinere im Glase sich von der dichteren, niedergesunkenen Materie abgesondert hat, eben auch abgesondert.
[ 30 ] It is curious that we find a full explanation of what has just been said when we read books such as those by Haeckel. Outwardly, it is claimed that human beings can be traced back to animals. But when we follow the evolutionary ladder, we see that human beings can be traced back to something that cannot be traced to present-day earthly conditions, but rather to hypothetical living beings. And the same applies to animals. We find those beings to which spiritual science points, as hypothetical beings, even in Haeckel’s evolutionary tree—only that these do not trace back to formed beings, but to formless ones. It is not possible at this time to elaborate on this further. But it follows from my Occult Science that what is now presented as the Earth has evolved downward from earlier spiritual stages. This means that one cannot say that spiritual science is simply introducing yet another unknown factor. No! Ultimately, the Earth is traced back to earlier planetary stages of existence, just as the human being, in relation to his present life, is traced back to earlier lives. And when we go back to those earlier stages, we find the material not as something living, but as something spiritual. We come to recognize the starting point of all life as the spirit. In this way, we trace the foundation back to something known—namely, the spirit, which is something we possess within ourselves—while external science traces it back to something unknown. Spiritual science is in a different position here than the current hypothetical theory of evolution. Spiritual science traces evolution back to something that existed as a spiritual entity and still exists today. It is just that the spiritual within us does not reveal itself in the same way that the thinner liquid separates from the denser substance in the glass. The finer spiritual element in human beings has separated just as the finer element in the glass has separated from the denser, settled matter.
[ 31 ] So müssen wir die Tierwelt darauf zurückführen, daß der Mensch, damit er sein Geistiges entwickeln konnte, wie er es heute hat, die gesamte Tierwelt zunächst absondern mußte, damit er als feinere geistige Wesenheit so sich oben auf dem Untergrunde der tierischen Welt entwickeln konnte, wie sich in unserem Vergleiche die feinere Substanz zeigt, wenn sie unten auf dem Boden die gröbere Materie abgesondert hat. Es kann heute nur auf die Geschehnisse so weit hingewiesen werden, daß sie uns den Ursprung der Tierwelt vor Augen führen. Wie sich das Geistige und Seelische nachher gestaltet, muß einem späteren Vortrage überlassen bleiben. Das muß aber noch erwähnt werden, daß die Tatsachen durchaus nicht diesem Prinzip widersprechen, und daß die Naturwissenschaft darauf kommen wird, wie der Hergang eigentlich nicht anders sein konnte, als er heute dargestellt ist. Denn zeigen sich uns die Tiere etwa so, daß man nötig hätte, von der besonderen, nur beim Menschen vorhandenen Geistigkeit zu reden? Im Gegenteil! Einer genaueren Beobachtung wird sich zeigen, daß zuweilen innerhalb der Tierwelt viel mehr Verstand vorhanden ist, daß sich der Mensch erst seinen Verstand erwerben muß, und daß vielleicht darin der Vorzug des Menschen vor den Tieren besteht, daß er sich seinen geringen Verstand erst erwerben konnte. Überall wo wir in der Tierwelt hinschauen, beim Biber, bei den Wespen und so weiter, sehen wir Verstand walten, sehen wir Geist walten, der sich der Tiere bedient. Man kann nicht sagen, daß dieser Verstand in den einzelnen Tieren drinnen sei. Man braucht nur darauf hinzuweisen, wie gewisse Insekten für ihre Nachkommen sorgen. Da sieht man, daß man es mit einem übersinnlichen, die Tierreihen durchwaltenden Verstand zu tun hat, der für die Tierwelt objektiv ist, wie die Materie selber für die Tierwelt objektiv ist. Das können wir bemerken, wenn das Insekt seine Eier so ablegt, daß die Larve in ganz anderen Lebensverhältnissen leben muß. Das Insekt selber hat vielleicht in der Luft gelebt, die Larve muß erst im Wasser leben. Das Insekt kennt also vielleicht gar nicht die Bedingungen, in denen die Larve leben muß. Es kann also nur durch einen in ihm waltenden Instinkt hingeführt werden, die Eier dort abzulegen, wo die Larve leben kann. Oder betrachten wir Tiere wie den Biber und so weiter, die mit ihren ihnen eingewachsenen Organisationen das formen, was man äußere Architektonik nennen kann. Da werden wir nicht mehr weit davon sein, nach den Rechten der äußeren Beobachtung anzuerkennen, daß da Verstand in die tierische Substanz selber hineinwirkt. Wenn wir den Menschen betrachten, so sehen wir, daß er sich, nachdem er da ist, diejenigen Fähigkeiten erst aneignen muß, die in die Tiere schon hineingeformt sind. Er ist noch nicht so weit, daß er das in sich hat, was die Tiere schon in sich geformt haben. Daran kann man einen Maßstab haben, an dem man sehen kann, daß die Tiere früher geformt sind, und daß der Mensch noch fortgeformt wird, nachdem er bereits geboren ist. Es wird keine Bestätigung für die AffenAbstammung des Menschen sein, wenn der Naturforscher Emil Selenka gefunden hat, daß die Affennatur in ihrem embryonalen Zustande der Menschengestalt viel näher ist als die spätere Affengestalt, woraus man annehmen kann, daß der Mensch viel früher gestaltet ist als die Affengestalt, nur daß der Mensch sich seine Gestalt erst erwirbt, wenn er in die Welt selber eintritt.
[ 31 ] Thus, we must attribute the animal kingdom to the fact that, in order for human beings to develop their spiritual nature as it exists today, they first had to separate themselves from the entire animal kingdom so that, as finer spiritual beings, they could develop above the foundation of the animal world—just as, in our analogy, the finer substance reveals itself when it has separated itself from the coarser matter below on the ground. Today we can only point to these events to the extent that they reveal to us the origin of the animal kingdom. How the spiritual and soul aspects subsequently take shape must be left to a later lecture. It must be mentioned, however, that the facts by no means contradict this principle, and that natural science will come to realize that the course of events could not actually have been any different from how it is presented today. For do animals present themselves to us in such a way that it would be necessary to speak of a special spirituality found only in human beings? On the contrary! Closer observation will reveal that there is sometimes far more intelligence within the animal kingdom, that human beings must first acquire their intelligence, and that perhaps the advantage of human beings over animals lies precisely in the fact that they were able to acquire their limited intelligence in the first place. Everywhere we look in the animal world—at beavers, wasps, and so on—we see intelligence at work; we see a spirit at work that makes use of the animals. One cannot say that this intelligence resides within the individual animals. One need only point out how certain insects care for their offspring. There we see that we are dealing with a supersensible intelligence pervading the animal kingdom, which is objective to the animal world, just as matter itself is objective to the animal world. We can observe this when the insect lays its eggs in such a way that the larva must live under entirely different conditions. The insect itself may have lived in the air, but the larva must first live in water. The insect, then, may not even be aware of the conditions under which the larva must live. It can therefore only be guided by an instinct inherent within it to lay its eggs where the larva can survive. Or let us consider animals such as the beaver and others, which, with their innate physiological structures, create what might be called external architecture. Then we will not be far from acknowledging, based on the principles of external observation, that intelligence is at work within the animal substance itself. When we consider human beings, we see that, once they come into being, they must first acquire the very abilities that are already formed within animals. They have not yet reached the stage where they possess within themselves what animals have already formed within themselves. This provides a yardstick by which we can see that animals are formed earlier, and that human beings continue to be shaped even after they are born. It does not serve as confirmation of human descent from apes that the naturalist Emil Selenka has found that the nature of the ape, in its embryonic state, is much closer to the human form than the later form of the ape—from which one might assume that the human form is shaped much earlier than that of the ape— except that humans only acquire their form once they enter the world themselves.
[ 32 ] Überall zeigt die Naturwissenschaft in ihren Tatsachen, daß dasjenige, was die Geisteswissenschaft zu sagen hat, sich gerade durch die fortgeschrittenste Naturwissenschaft bestätigt. Ja, man könnte noch weiter gehen - ich schrecke nicht davor zurück — und zeigen, wie heute die Naturwissenschaft sozusagen gegen ihre Theorien etwas zutage fördert, was einen vollen Beleg für die geisteswissenschaftlichen Tatsachen liefert. Gerade wenn man auf solche Forschungsergebnisse eingeht, wie die über den Fortpflanzungsprozeß der niederen Tiere durch die beiden Brüder Oscar und Richard Hertwig aus dem Jahre 1875, was später vielfach bestätigt worden ist, daß das Befruchtungsprinzip zum Beispiel bei den Seeigel-Eiern überhaupt durch den Einfluß von Säuren ersetzt werden kann, daß also aus einem zunächst rein unorganischen Prozeß eine Befruchtung hergeleitet werden kann, so muß gesagt werden, daß die Vorgänge, die heute an das Prinzip der Vererbung gebunden sind, nur so vorgestellt werden können und so geschehen können, wie sie sich äußerlich darstellen, während sie sich in alten Zeiten ganz anders dargestellt haben. So kann man von einer Befruchtung des belebten Erdenkernes, der formlose lebendige Materie war, durch das ihn umfließende geistige Formprinzip sehr wohl sprechen, trotzdem man im Einklange mit den naturwissenschaftlichen Tatsachen ist, so daß sich aus dem Formprinzip heraus das Lebendige gestaltete, und daß sich dann das Unlebendige absonderte von dem Lebendigen, das die Einheitssubstanz der ganzen Erde war.
[ 32 ] Everywhere, the natural sciences demonstrate through their findings that what the humanities have to say is confirmed precisely by the most advanced natural sciences. Indeed, one could go even further—I do not shy away from doing so—and show how, today, natural science is, so to speak, bringing to light something that runs counter to its own theories, yet provides full confirmation of the facts established by the humanities. Precisely when one examines research findings such as those on the reproductive process of lower animals by the two brothers Oscar and Richard Hertwig from 1875—which have since been confirmed many times—showing that the principle of fertilization, for example in sea urchins can be entirely replaced by the influence of acids—meaning that fertilization can be derived from what is initially a purely inorganic process—it must be said that the processes now associated with the principle of heredity can only be conceived of and occur as they appear externally, whereas in ancient times they manifested themselves quite differently. Thus, one can very well speak of the fertilization of the animate earth core—which was formless living matter—by the spiritual principle of form flowing around it, even while remaining in harmony with the facts of natural science—so that the living took shape out of the form-principle, and the non-living then separated from the living, which was the unified substance of the entire Earth.
[ 33 ] Es zeigt sich uns, wie sich im Grunde genommen das ganze Erdendasein so ausnimmt, daß wir es nur im Sinne Goethes verstehen können, der allerdings nur wie andeutend gesagt hat, was sich als Wirklichkeit für den Geistesforscher in bezug auf den Ursprung von Tier und Mensch ergibt. Denn, wenn wir den Blick hinauswenden in die ganze Welt, wodurch gewinnt im Grunde genommen alles, was uns da umgibt, seinen rechten Wert? Nur dadurch, wie Goethe sagt, daß es sich zuletzt in einer menschlichen Seele spiegelt. Für die Geisteswissenschaft aber zeigt sich der natürliche Erdenprozeß auch so, daß er im Grunde genommen von den ältesten zu den jüngsten Formen in der Weise fortschreitet, daß alles- als die Blüte der Erdenform - darauf hingeordnet ist, daß man das vorstellen kann, was zuletzt aus dem Erdenprozeß hervorgebracht werden muß, wie die Blüte oder Frucht aus der Pflanze hervorgebracht wird.
[ 33 ] It becomes clear to us that, fundamentally, the whole of earthly existence presents itself in such a way that we can understand it only in the sense intended by Goethe, who, however, merely hinted at what emerges as reality for the spiritual researcher with regard to the origin of animals and human beings. For when we turn our gaze out into the whole world, how does everything that surrounds us ultimately gain its true value? Only, as Goethe says, by being ultimately reflected in a human soul. For spiritual science, however, the natural process of the Earth also reveals itself in such a way that, fundamentally, it progresses from the oldest to the youngest forms in a manner such that everything—as the flower of the Earth’s form—is ordered toward enabling us to conceive of what must ultimately be brought forth from the Earth’s process, just as the flower or fruit is brought forth from the plant.
[ 34 ] So ergibt sich aus einer Betrachtung des Ursprunges der Tierwelt wie eine Grundüberzeugung geisteswissenschaftlicher Erkenntnis, was sich in die das Menschenwesen aufklärenden Worte zusammenfassen läßt, die uns zugleich allerdings mit dem Bewußtsein der Menschenwürde, die sich auf dem Grunde alles übrigen Daseins aufbaut, Verantwortung auferlegt. Weil wir als Menschen nur dadurch werden konnten, daß die ganze übrige Erdenentwickelung auf uns hin angelegt war, so müssen wir uns dieser Erde würdig erweisen, indem wir von Vollkommenheitsgraden zu Vollkommenheitsgraden schreiten wollen, denn es zeigt uns die Entwickelung, daß sie angelegt ist auf die Vollkommenheit des Menschen. Und das gibt uns die Verpflichtung, nicht stehenzubleiben, sondern aufzurücken in immer feinere und feinere Gestaltungen des geistigen Lebens. Jenes Geistesleben, das der Mensch heute in sich trägt, konnte sich nur auf dem Grunde des Niederen aufbauen, und das Gegenwärtige müssen wir auch heute wiederum abstoßen und niederen Elementen überlassen, damit sich noch weiteres Geistesleben in uns entwickeln kann. Dies zusammenfassend können wir sagen: Wahr ist es für den Menschen, aber auch seine höchste Pflicht begründend:
[ 34 ] Thus, an examination of the origin of the animal kingdom reveals a fundamental conviction of spiritual scientific knowledge, which can be summarized in words that shed light on the human being—words that, at the same time, however, impose a responsibility upon us through our awareness of human dignity, which is built upon the foundation of all other existence. Because we could only become human beings through the fact that the entire rest of Earth’s evolution was directed toward us, we must prove ourselves worthy of this Earth by striving to advance from one degree of perfection to the next; for evolution shows us that it is directed toward the perfection of the human being. And this imposes upon us the obligation not to stand still, but to advance into ever finer and finer forms of spiritual life. The spiritual life that humanity carries within itself today could only be built upon the foundation of the lower realms, and we must once again cast off the present and leave it to the lower elements so that even more spiritual life can develop within us. Summarizing this, we can say: It is true for humanity, but it also establishes its highest duty:
Es lassen die Elemente
Gestaltend sich vom Geist durchdringen.
Empfangen mußten sie
Des Geistes letzten Kräftetrieb:
Das Menschenwesen einzukleiden
In Geistgestalt und Seelenleben.
The elements
allow themselves to be permeated by the Spirit.
They had to receive
the Spirit’s ultimate impulse:
to clothe the human being
in spiritual form and soul life.
