Death and Immortality
in the Light of Spiritual Science
GA 69d
17 November 1911, Munich
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Tod und Unsterblichkeit im Lichte der Geisteswissenschaft
3. Tod Und Unsterblichkeit im Lichte der Geisteswissenschaft
3. Tod Und Unsterblichkeit im Lichte der Geisteswissenschaft
[ 1 ] Wenn im Sinne der modernen Geisteswissenschaft, wie es hier schon mehrere Jahre hindurch geschehen ist, über die Fragen und Rätsel des Lebens gesprochen wird, dann ist es immer gut, jenes großen Mannes in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit zu gedenken, nämlich des Kopernikus, und [auch] mancher anderer Männer, die mit ihm in gleichem Sinne an der Umwälzung des geistigen Lebens mitwirkten. Man muss sich dabei an dasjenige erinnern, woran man heutzutage nur selten mehr denkt: was es für einen denkenden Menschen der damaligen Zeit bedeuten musste, wenn ihm im wahrsten Sinne des Wortes der Boden unter den Füßen wankend, ja beweglich wurde, dass also [es schien, als ob] die Erde nicht mehr inmitten der Welt stehe, sondern als sich drehender Körper außerdem noch die Sonne umkreise, während er an der früheren gegenteiligen Annahme mit allen Gedanken und Vorstellungen gehangen hatte. Kopernikus stellte nun die Weltanschauung auf, welche eine Umkehrung von alldem brachte, was bisher geglaubt wurde. Wie man also den Grundnerv seiner Verkündigung allmählich aufnahm, so glaubte man früher an die Konstellation der sichtbaren Sternenwelt auf einer Mondenschale, einer Sonnenschale, auf einzelnen Planetensphären bis zur siebten, der Fixsternsphäre. Außer dieser hielt man noch eine achte Sphäre für bestehend, die den Abschluss der Raumeswelt bewirken sollte. Das war es, was schon Giordano Bruno als irrtümlich erachtete, indem er sagte, was das Auge als blaues Himmelsgewölbe zu sehen vermeine, das sei nichts anderes, als was durch die begrenzte Wahrnehmungsfähigkeit des Auges hervorgerufen erscheine; zu denken seien vielmehr statt solcher begrenzter Sphären unbegrenzte Welten, also unendliche Fernen und unendlich viele Welten.
[ 1 ] Wenn im Sinne der modernen Geisteswissenschaft, wie es hier schon mehrere Jahre hindurch geschehen ist, über die Fragen und Rätsel des Lebens gesprochen wird, dann ist es immer gut, jenes großen Mannes in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit zu gedenken, nämlich des Kopernikus, und [auch] mancher anderer Männer, die mit ihm in gleichem Sinne an der Umwälzung des geistigen Lebens mitwirkten. Man muss sich dabei an dasjenige erinnern, woran man heutzutage nur selten mehr denkt: was es für einen denkenden Menschen der damaligen Zeit bedeuten musste, wenn ihm im wahrsten Sinne des Wortes der Boden unter den Füßen wankend, ja beweglich wurde, dass also [es schien, als ob] die Erde nicht mehr inmitten der Welt stehe, sondern als sich drehender Körper außerdem noch die Sonne umkreise, während er an der früheren gegenteiligen Annahme mit allen Gedanken und Vorstellungen gehangen hatte. Kopernikus stellte nun die Weltanschauung auf, welche eine Umkehrung von alldem brachte, was bisher geglaubt wurde. Wie man also den Grundnerv seiner Verkündigung allmählich aufnahm, so glaubte man früher an die Konstellation der sichtbaren Sternenwelt auf einer Mondenschale, einer Sonnenschale, auf einzelnen Planetensphären bis zur siebten, der Fixsternsphäre. Außer dieser hielt man noch eine achte Sphäre für bestehend, die den Abschluss der Raumeswelt bewirken sollte. Das war es, was schon Giordano Bruno als irrtümlich erachtete, indem er sagte, was das Auge als blaues Himmelsgewölbe zu sehen vermeine, das sei nichts anderes, als was durch die begrenzte Wahrnehmungsfähigkeit des Auges hervorgerufen erscheine; zu denken seien vielmehr statt solcher begrenzter Sphären unbegrenzte Welten, also unendliche Fernen und unendlich viele Welten.
[ 2 ] Was aber kam da in mehrfacher Art zum Ausdruck? Von Kopernikus und Giordano Bruno sowie ihren Bekennern wurde durch solche Anschauungen darauf hingewiesen, dass nicht durch die Wahrnehmung der Sinne die Erkenntnis in ausschließlichem Maße gefördert werde, sondern dass man vom sinnlichen Resultate übergehen müsse zu einer Anschauung, die zunächst im übersinnlichen Elemente des Denkens ruhe. Aber damals hatten diese Geister, die übergegangen waren zu einer jenseits der handgreiflichen Beobachtung der Welt liegenden Anschauung, gegen viele Parteien zu kämpfen, die am Hergebrachten festhalten wollten und daher ablehnten, was gegen den Sinn dieses [Hergebrachten] die neue Wissenschaft ihnen bieten konnte.
[ 2 ] Was aber kam da in mehrfacher Art zum Ausdruck? Von Kopernikus und Giordano Bruno sowie ihren Bekennern wurde durch solche Anschauungen darauf hingewiesen, dass nicht durch die Wahrnehmung der Sinne die Erkenntnis in ausschließlichem Maße gefördert werde, sondern dass man vom sinnlichen Resultate übergehen müsse zu einer Anschauung, die zunächst im übersinnlichen Elemente des Denkens ruhe. Aber damals hatten diese Geister, die übergegangen waren zu einer jenseits der handgreiflichen Beobachtung der Welt liegenden Anschauung, gegen viele Parteien zu kämpfen, die am Hergebrachten festhalten wollten und daher ablehnten, was gegen den Sinn dieses [Hergebrachten] die neue Wissenschaft ihnen bieten konnte.
[ 3 ] Ähnlich verhält es sich mit dem, was hier als Geisteswissenschaft vorgetragen wird. Diese trifft auch zusammen mit der Welt der äußeren Zeiterscheinungen, soweit sich darin die Ereignisse unseres eigenen Seelenlebens abspielen und sich auf die wichtigsten Fragen und Rätsel beziehen, welche in die beiden Worte «Tod» und «Unsterblichkeit» eingeflossen sind.
[ 3 ] Ähnlich verhält es sich mit dem, was hier als Geisteswissenschaft vorgetragen wird. Diese trifft auch zusammen mit der Welt der äußeren Zeiterscheinungen, soweit sich darin die Ereignisse unseres eigenen Seelenlebens abspielen und sich auf die wichtigsten Fragen und Rätsel beziehen, welche in die beiden Worte «Tod» und «Unsterblichkeit» eingeflossen sind.
[ 4 ] Wir müssen uns darüber klar sein, dass nur ein ernstes Streben ein Wissen über diese beiden rätselhaften Worte erreichen kann, denn dies ist nicht möglich in müßiger Neugierde oder mit der sogenannten Wissbegierde, sondern nur, wenn wir das Wesen, das in uns selber lebt, kennenlernen; denn der Mensch kann nur seine Aufgaben in der Welt erfüllen – mögen sie von größerer Bedeutung sein oder nur solche des wiederkehrenden alltäglichen Lebens –, wenn er bewusst mit dem arbeiten und vorgehen kann, was wesenhaft in ihm ruht. Daher bildet sich die Frage über Tod und Unsterblichkeit zu einer Frage nach dem Wesen der menschlichen Seele heraus, damit wir bei deren Beantwortung Kraft und Sicherheit für unsere Arbeiten im Leben, für das gesamte Leben überhaupt gewinnen.
[ 4 ] Wir müssen uns darüber klar sein, dass nur ein ernstes Streben ein Wissen über diese beiden rätselhaften Worte erreichen kann, denn dies ist nicht möglich in müßiger Neugierde oder mit der sogenannten Wissbegierde, sondern nur, wenn wir das Wesen, das in uns selber lebt, kennenlernen; denn der Mensch kann nur seine Aufgaben in der Welt erfüllen – mögen sie von größerer Bedeutung sein oder nur solche des wiederkehrenden alltäglichen Lebens –, wenn er bewusst mit dem arbeiten und vorgehen kann, was wesenhaft in ihm ruht. Daher bildet sich die Frage über Tod und Unsterblichkeit zu einer Frage nach dem Wesen der menschlichen Seele heraus, damit wir bei deren Beantwortung Kraft und Sicherheit für unsere Arbeiten im Leben, für das gesamte Leben überhaupt gewinnen.
[ 5 ] Mit Recht hat ein deutscher Philosoph gesagt: Die Unsterblichkeit beginnt nicht erst nach dem Tode, sondern muss jederzeit auch während unseres Lebens in dem Seelenleben vorgefunden werden können. — Dazu ist aber nötig, das Wesen der Seele kennenzulernen. Wenn wir den Fortgang der menschlichen Geistesentwicklung vor und seit Kopernikus verfolgen, so können wir finden, dass sich dessen Erfolge langsam vorbereiteten. Etwas Ähnliches ist hier bei den Fragen über Tod und Unsterblichkeit in der abgelaufenen Zeitperiode zu beobachten, obgleich erst seit Kurzem jene Forschungsmethoden in weiteren Kreisen bekannt geworden sind, durch welche solche Fragen erörtert und beantwortet werden können. Die Geisteswissenschaft muss dabei aber auf ein umfassendes Gesetz blicken, nämlich auf dasjenige der menschlichen Entwicklung, das ganz im Sinne des Entwicklungsgedankens der modernen Naturwissenschaft, dazu mit allen Konsequenzen, eingehalten ist. Dahin führte der Zwang abendländischen Geisteslebens schon lange bedeutende Geister. Ich möchte Sie zum Beispiel nur hinweisen auf Lessing: Als dieser auf dem Gipfel seiner geistigen Entwicklung stand, schrieb er seine «Erziehung des Menschengeschlechts». Er wollte eine gemeinsame Angelegenheit des gesamten Menschengeschlechts darstellen, zeigen, wie eine Gesetzmäßigkeit durch alle Entwicklungsepochen der Erdenmenschheit geht, in der sich nicht nur Ursache und Wirkung in pedantischer Folge aneinanderreiht, sondern der Entwicklungsgang der Menschheit gleichzeitig die Erziehung derselben ist. So deutete er an, wie die Menschheit früher eine elementare Erziehung brauchte, und bezog sich dabei zunächst auf die alttestamentarische Zeit, wobei er das «Alte Testament» das erste Elementarbuch der Menschen nannte. Zur Erfassung der Wahrheit in höherer Form wurde den Menschen in der christlichen Epoche das «Neue Testament» gegeben, um sie so zu weiteren Epochen der Menschheitsentwicklung emporzuheben. So erfolgte also die Erziehung der Menschheit durch ein leitendes göttliches Wesen.
[ 5 ] Mit Recht hat ein deutscher Philosoph gesagt: Die Unsterblichkeit beginnt nicht erst nach dem Tode, sondern muss jederzeit auch während unseres Lebens in dem Seelenleben vorgefunden werden können. — Dazu ist aber nötig, das Wesen der Seele kennenzulernen. Wenn wir den Fortgang der menschlichen Geistesentwicklung vor und seit Kopernikus verfolgen, so können wir finden, dass sich dessen Erfolge langsam vorbereiteten. Etwas Ähnliches ist hier bei den Fragen über Tod und Unsterblichkeit in der abgelaufenen Zeitperiode zu beobachten, obgleich erst seit Kurzem jene Forschungsmethoden in weiteren Kreisen bekannt geworden sind, durch welche solche Fragen erörtert und beantwortet werden können. Die Geisteswissenschaft muss dabei aber auf ein umfassendes Gesetz blicken, nämlich auf dasjenige der menschlichen Entwicklung, das ganz im Sinne des Entwicklungsgedankens der modernen Naturwissenschaft, dazu mit allen Konsequenzen, eingehalten ist. Dahin führte der Zwang abendländischen Geisteslebens schon lange bedeutende Geister. Ich möchte Sie zum Beispiel nur hinweisen auf Lessing: Als dieser auf dem Gipfel seiner geistigen Entwicklung stand, schrieb er seine «Erziehung des Menschengeschlechts». Er wollte eine gemeinsame Angelegenheit des gesamten Menschengeschlechts darstellen, zeigen, wie eine Gesetzmäßigkeit durch alle Entwicklungsepochen der Erdenmenschheit geht, in der sich nicht nur Ursache und Wirkung in pedantischer Folge aneinanderreiht, sondern der Entwicklungsgang der Menschheit gleichzeitig die Erziehung derselben ist. So deutete er an, wie die Menschheit früher eine elementare Erziehung brauchte, und bezog sich dabei zunächst auf die alttestamentarische Zeit, wobei er das «Alte Testament» das erste Elementarbuch der Menschen nannte. Zur Erfassung der Wahrheit in höherer Form wurde den Menschen in der christlichen Epoche das «Neue Testament» gegeben, um sie so zu weiteren Epochen der Menschheitsentwicklung emporzuheben. So erfolgte also die Erziehung der Menschheit durch ein leitendes göttliches Wesen.
[ 6 ] Nun drängt sich aber die Frage auf, ob es einen Sinn hat, die Entwicklung der Menschheit eine Erziehung zu nennen, wenn die einzelnen Seelen wieder völlig verschwinden, um später geborenen Seelen Platz zu machen; es hat das doch nur einen Sinn, wenn bei erneuter Entwicklung dieselben Seelen wiederkommen, um auf einer höheren Stufe als Menschen auf der Erde neu zu erstehen. Daher entstand bei Lessing die Idee, dass die Menschenseele nicht [nur] einmal lebe, sondern immer wiederkomme, um auf höherer Stufe an der Erziehung des Menschengeschlechts von Neuem teilzunehmen; daher spricht er von wiederholten Erdenleben der menschlichen Seele. Lessing macht sich auch selbst Einwände und nimmt den leicht auftretenden Gedanken vorweg, dass sich die Seele zum Beispiel nicht an frühere Lebensläufe erinnert, indem er meint: Was sollte sie wohl mit solcher Erinnerung Nützliches anfangen? Wenn die Seele reif genug geworden sei, dann werde auch die Erinnerung an frühere Erdenleben aufwachen; und er verwandelt diese Gedanken in ein Gefühl, indem er sagt: Wenn wir erfüllt sind mit der Idee der wiederholten Erdenleben, dann können wir ruhig auf die Zukunft blicken, wo die Seelen in immer höheren Erdenleben sich entfalten werden.
[ 6 ] Nun drängt sich aber die Frage auf, ob es einen Sinn hat, die Entwicklung der Menschheit eine Erziehung zu nennen, wenn die einzelnen Seelen wieder völlig verschwinden, um später geborenen Seelen Platz zu machen; es hat das doch nur einen Sinn, wenn bei erneuter Entwicklung dieselben Seelen wiederkommen, um auf einer höheren Stufe als Menschen auf der Erde neu zu erstehen. Daher entstand bei Lessing die Idee, dass die Menschenseele nicht [nur] einmal lebe, sondern immer wiederkomme, um auf höherer Stufe an der Erziehung des Menschengeschlechts von Neuem teilzunehmen; daher spricht er von wiederholten Erdenleben der menschlichen Seele. Lessing macht sich auch selbst Einwände und nimmt den leicht auftretenden Gedanken vorweg, dass sich die Seele zum Beispiel nicht an frühere Lebensläufe erinnert, indem er meint: Was sollte sie wohl mit solcher Erinnerung Nützliches anfangen? Wenn die Seele reif genug geworden sei, dann werde auch die Erinnerung an frühere Erdenleben aufwachen; und er verwandelt diese Gedanken in ein Gefühl, indem er sagt: Wenn wir erfüllt sind mit der Idee der wiederholten Erdenleben, dann können wir ruhig auf die Zukunft blicken, wo die Seelen in immer höheren Erdenleben sich entfalten werden.
Ist nicht die ganze Ewigkeit mein?
Ist nicht die ganze Ewigkeit mein?
[ 7 ] Man sieht deutlich, dass Lessing aus der abendländischen Entwicklung gekommen ist, sein Gedankengang ist ein anderer als der ihm verwandte im Buddhismus. Daher darf der seinige, als der einer modernen Konzeption, nicht mit dem des Letzteren verwechselt werden; denn im Buddhismus fragt man sich: Wie soll sich der Einzelne verhalten, um möglichst bald ins Nirwana zu kommen? Bei Lessing entspringt der Gedanke aus einem christlichen Motive; er sieht die ganze Erdenmenschheit als eine einzige ganze Familie an, verbunden durch ewige Bande, dazu bestimmt, sich allmählich und gemeinsam zu entwickeln und das nach und nach auch als eine gemeinsame Angelegenheit zu empfinden und bewusst zu fördern. Wenn heute sogenannte erleuchtete Geister auf Lessing zu sprechen kommen, so erkennen sie wohl die meisten seiner Leistungen an, sobald sie aber dann zu seinen Gedanken über die Erziehung des Menschengeschlechts kommen, halten sie ihn für einen alternden Mann, der diese Gedanken in seiner schwachen Zeit niedergelegt habe. Man geht aber damit nicht der Notwendigkeit in der Entwicklung großer Geister nach, sondern will nur das gelten lassen, was einem selbst grade passt.
[ 7 ] Man sieht deutlich, dass Lessing aus der abendländischen Entwicklung gekommen ist, sein Gedankengang ist ein anderer als der ihm verwandte im Buddhismus. Daher darf der seinige, als der einer modernen Konzeption, nicht mit dem des Letzteren verwechselt werden; denn im Buddhismus fragt man sich: Wie soll sich der Einzelne verhalten, um möglichst bald ins Nirwana zu kommen? Bei Lessing entspringt der Gedanke aus einem christlichen Motive; er sieht die ganze Erdenmenschheit als eine einzige ganze Familie an, verbunden durch ewige Bande, dazu bestimmt, sich allmählich und gemeinsam zu entwickeln und das nach und nach auch als eine gemeinsame Angelegenheit zu empfinden und bewusst zu fördern. Wenn heute sogenannte erleuchtete Geister auf Lessing zu sprechen kommen, so erkennen sie wohl die meisten seiner Leistungen an, sobald sie aber dann zu seinen Gedanken über die Erziehung des Menschengeschlechts kommen, halten sie ihn für einen alternden Mann, der diese Gedanken in seiner schwachen Zeit niedergelegt habe. Man geht aber damit nicht der Notwendigkeit in der Entwicklung großer Geister nach, sondern will nur das gelten lassen, was einem selbst grade passt.
[ 8 ] Hebbel schrieb einst in sein Tagebuch: Nehmen wir einmal an, dass Plato in einem neuen Leben wiederkäme und ein modernes Gymnasium besuchte, in dem er ja auch seine eigenen Werke wieder lesen müsste, dann könnte es sein, dass der wiedergeborene Plato diese alten Schriften am allerschlechtesten verstünde. – Damit ist das Beste getroffen, um den Gedanken auszudrücken, was durch große Geister in die Idee der Entwicklung hineingetragen werden kann.
[ 8 ] Hebbel schrieb einst in sein Tagebuch: Nehmen wir einmal an, dass Plato in einem neuen Leben wiederkäme und ein modernes Gymnasium besuchte, in dem er ja auch seine eigenen Werke wieder lesen müsste, dann könnte es sein, dass der wiedergeborene Plato diese alten Schriften am allerschlechtesten verstünde. – Damit ist das Beste getroffen, um den Gedanken auszudrücken, was durch große Geister in die Idee der Entwicklung hineingetragen werden kann.
[ 9 ] Die Idee vielfach wiederholter Erdenleben ist wieder aufgetreten im Bildungsleben des neunzehnten Jahrhunderts, indem von dem Psychologen Droßbach auf diese aufmerksam gemacht wurde, der sie aus naturwissenschaftlichen Gründen wieder aufgegriffen hatte; und als in den fünfziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts ein Preis über die Beantwortung der Frage nach Tod und Unsterblichkeit ausgeschrieben wurde, da wurde eine Schrift preisgekrönt, bei der diese Idee im Sinne der aufeinanderfolgenden Erdenleben durchgeführt worden war. Es ist doch sehr beachtenswert, dass um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ein Geist wie Widenmann die Frage nach dem Leben der Seele in dieser Auffassung beantwortete, von der man dann später, aus Notwendigkeit des Denkens, wie man meinte, geschieden ist.
[ 9 ] Die Idee vielfach wiederholter Erdenleben ist wieder aufgetreten im Bildungsleben des neunzehnten Jahrhunderts, indem von dem Psychologen Droßbach auf diese aufmerksam gemacht wurde, der sie aus naturwissenschaftlichen Gründen wieder aufgegriffen hatte; und als in den fünfziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts ein Preis über die Beantwortung der Frage nach Tod und Unsterblichkeit ausgeschrieben wurde, da wurde eine Schrift preisgekrönt, bei der diese Idee im Sinne der aufeinanderfolgenden Erdenleben durchgeführt worden war. Es ist doch sehr beachtenswert, dass um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ein Geist wie Widenmann die Frage nach dem Leben der Seele in dieser Auffassung beantwortete, von der man dann später, aus Notwendigkeit des Denkens, wie man meinte, geschieden ist.
[ 10 ] Die Forschungen der Geisteswissenschaft zeigen, dass diese stets wiederholten Erdenleben eine Tatsache sein müssen, sodass sie nunmehr auf dem Standpunkte steht, dass der menschliche Wesenskern schon öfter da war, dass er als solcher wohl einstmals einen Anfang genommen und noch oftmals da sein werde, sodass sein menschliches Leben verlaufen wird in einem irdischen Leben zwischen Geburt und Tod und einem solchen spiritueller Art zwischen Tod und einer neuen Geburt, in welchem Lebensabschnitt unser innerster Wesenskern in übersinnlichen Welten sein Dasein fortführt.
[ 10 ] Die Forschungen der Geisteswissenschaft zeigen, dass diese stets wiederholten Erdenleben eine Tatsache sein müssen, sodass sie nunmehr auf dem Standpunkte steht, dass der menschliche Wesenskern schon öfter da war, dass er als solcher wohl einstmals einen Anfang genommen und noch oftmals da sein werde, sodass sein menschliches Leben verlaufen wird in einem irdischen Leben zwischen Geburt und Tod und einem solchen spiritueller Art zwischen Tod und einer neuen Geburt, in welchem Lebensabschnitt unser innerster Wesenskern in übersinnlichen Welten sein Dasein fortführt.
[ 11 ] Wollen wir nun sehen, wie das Leben uns überall die Resultate für die Bejahung dieser Anschauung liefert, so müssen wir den Anfang in der selbstständigen Entwicklung des Menschen von der Geburt an beobachten, wie allmählich aus den verschwommenen Zügen und ungeschickten Körperbewegungen sich bestimmte Züge und zielbewusstere Bewegungen herausbilden und nach einigen Jahren der Mensch mehr und mehr in die Lage kommt, sein Gehirn, das edelste Werkzeug, immer besser zu gebrauchen. Dann wird man bei unbefangener Beobachtung sich gestehen müssen, dass dies alles nicht das Ergebnis einer sich selbst ausgestaltenden leiblichen Kraft ist, sondern dass an der auffälligen Entwicklung eine übersinnliche Wesenheit von innen heraus arbeitet. Lassen Sie uns aber noch weiter darauf sehen, ob und wie wir das übersinnliche Dasein der Seele auch sonst noch durch äußerliche Beobachtungen festhalten können. Dann können wir bemerken, wie das seelische Leben und Geschehen sich plastisch eindrückt in das leibliche Äußere und ganze Wesen des Menschen. Wenn sich zum Beispiel ein Mensch zehn Jahre hindurch eifrig mit Erkenntnisfragen beschäftigt und seine Seele im Ringen nach bestimmten Ergebnissen in den verschiedensten Stimmungen auf- und abwogt, so kann das doch wohl auch in seinen weiter auslaufenden Wirkungen nicht einfach in ein Nichts versinken. Insbesondere merkt das derjenige, der einen solchen geistig stark Arbeitenden nach geraumer Zeit wieder trifft: wie die Züge des Antlitzes andere geworden sind, ausgearbeitet von den Anstrengungen der ringenden Seele. So können wir das eigenartige Ausgestalten des Seelischen am Leiblichen wahrnehmen. Noch etwas anderes zeigt sich uns hierbei, was diese Beobachtung zu einer naturwissenschaftlichen Erfahrung macht; denn ein jeder, der so ringt, kann an sich selbst bemerken, und zwar ohne irgendwelchen Widerspruch, dass er von einem bestimmten Punkte an die Früchte seines Ringens mehr und schneller reifen sieht, indem die Antwort auf die Fragen, die er beantworten möchte, wie eine Gnade auf ihn niederkommt. Wenn seine Seele wie in ihren letzten Konsequenzen im Leiblichen zum Ausdruck ihres Ringens gelangt ist, dann verändert sich sein Leibliches nicht mehr, und das rührt daher, dass nun diese ringenden Kräfte völlig ins Bewusstsein treten, während sie sich vorher auch ins Leibliche ergossen und dieses umgestaltet haben. Als die Umgestaltung nun an ihre Grenze kam, wandelten sich die Kräfte, um nach der Absicht des entwickelten Menschen in eine bewusste Verwendung zu treten. Wir können daher überzeugt sein, dass alles, was sich ins Bewusstsein heraufdrängt und uns dadurch beseligt, in den dunklen Tiefen des Unterbewusstseins am Leiblichen gearbeitet hat, um die Organe auszubilden, die wir brauchten, damit die Seele völlig Herr ihrer selbst und ihres Körpers sein könne.
[ 11 ] Wollen wir nun sehen, wie das Leben uns überall die Resultate für die Bejahung dieser Anschauung liefert, so müssen wir den Anfang in der selbstständigen Entwicklung des Menschen von der Geburt an beobachten, wie allmählich aus den verschwommenen Zügen und ungeschickten Körperbewegungen sich bestimmte Züge und zielbewusstere Bewegungen herausbilden und nach einigen Jahren der Mensch mehr und mehr in die Lage kommt, sein Gehirn, das edelste Werkzeug, immer besser zu gebrauchen. Dann wird man bei unbefangener Beobachtung sich gestehen müssen, dass dies alles nicht das Ergebnis einer sich selbst ausgestaltenden leiblichen Kraft ist, sondern dass an der auffälligen Entwicklung eine übersinnliche Wesenheit von innen heraus arbeitet. Lassen Sie uns aber noch weiter darauf sehen, ob und wie wir das übersinnliche Dasein der Seele auch sonst noch durch äußerliche Beobachtungen festhalten können. Dann können wir bemerken, wie das seelische Leben und Geschehen sich plastisch eindrückt in das leibliche Äußere und ganze Wesen des Menschen. Wenn sich zum Beispiel ein Mensch zehn Jahre hindurch eifrig mit Erkenntnisfragen beschäftigt und seine Seele im Ringen nach bestimmten Ergebnissen in den verschiedensten Stimmungen auf- und abwogt, so kann das doch wohl auch in seinen weiter auslaufenden Wirkungen nicht einfach in ein Nichts versinken. Insbesondere merkt das derjenige, der einen solchen geistig stark Arbeitenden nach geraumer Zeit wieder trifft: wie die Züge des Antlitzes andere geworden sind, ausgearbeitet von den Anstrengungen der ringenden Seele. So können wir das eigenartige Ausgestalten des Seelischen am Leiblichen wahrnehmen. Noch etwas anderes zeigt sich uns hierbei, was diese Beobachtung zu einer naturwissenschaftlichen Erfahrung macht; denn ein jeder, der so ringt, kann an sich selbst bemerken, und zwar ohne irgendwelchen Widerspruch, dass er von einem bestimmten Punkte an die Früchte seines Ringens mehr und schneller reifen sieht, indem die Antwort auf die Fragen, die er beantworten möchte, wie eine Gnade auf ihn niederkommt. Wenn seine Seele wie in ihren letzten Konsequenzen im Leiblichen zum Ausdruck ihres Ringens gelangt ist, dann verändert sich sein Leibliches nicht mehr, und das rührt daher, dass nun diese ringenden Kräfte völlig ins Bewusstsein treten, während sie sich vorher auch ins Leibliche ergossen und dieses umgestaltet haben. Als die Umgestaltung nun an ihre Grenze kam, wandelten sich die Kräfte, um nach der Absicht des entwickelten Menschen in eine bewusste Verwendung zu treten. Wir können daher überzeugt sein, dass alles, was sich ins Bewusstsein heraufdrängt und uns dadurch beseligt, in den dunklen Tiefen des Unterbewusstseins am Leiblichen gearbeitet hat, um die Organe auszubilden, die wir brauchten, damit die Seele völlig Herr ihrer selbst und ihres Körpers sein könne.
[ 12 ] Wenn wir so den Blick auf die Entwicklung des Menschen hingelenkt haben, so müssen wir noch auf etwas hinweisen, was jeder auch ohne hellseherische Fähigkeiten kennt, nämlich, wenn unser unter dem Tagesbewusstsein liegendes Leben hinaufglänzt in unser Bewusstsein beim Leben im Traum, den wir nicht fest erfassen können, sooft wir ihn auch erlebt haben, auch wenn wir ihn nach inneren Gesetzen, nicht in regellosen Traumgestalten erleben. Es möge folgendes Traumerlebnis das klarlegen: Ein recht eifriger, gewissenhafter junger Mensch, der im sonstigen Unterricht auch den im Zeichnen genoss, bekam in seiner letzten Schulklasse eine schwierige Vorlage zum Abzeichnen; er brauchte bei seinem genauen, etwas umständlichen Arbeiten recht lange Zeit und wurde daher am Ende des Schuljahres mit seiner Arbeit nicht fertig; es schadete ihm in der Beurteilung seiner Lehrer nichts, da er fleißig und tüchtig gearbeitet hatte. Trotzdem befiel ihn während jeder Stunde, besonders gegen Ende des Schuljahres, die Furcht, nicht mit seiner Arbeit fertig zu werden, und diese drückende Empfindung verfolgte ihn noch in seine Träume. Auch nach langen Jahren tauchte noch als Erwachsener in seinen Träumen das Erlebnis auf, dass er sich wieder als Schüler fühlte und mit intensiver Angst weit mehr als früher im Tagesleben fühlte, dass er mit seiner Arbeit nicht fertig werden konnte, wie dieses einst so häufig sein Schulleben gestört hatte. Dieses wiederholte sich wochenlang, blieb zeitweilig aus, um später wieder aufzutreten. Wenn wir dieses wissenschaftlich untersuchen wollen, müssen wir auf das gesamte vorhergehende Leben zurückgreifen. Als Schüler entwickelte er seine Anlage zum Zeichnen und machte auch Fortschritte, diese zeigten sich aber nur periodenweise, sprunghaft, und jedem solchen Sprung ging schon im Schülerleben eine solche Reihe von Innenerlebnissen voraus; wenn diese dann ausblieben, spürte er, dass er um ein Stück vorwärtsgekommen sei. So blieb es auch bei der Entwicklung anderer Fähigkeiten in seinem späteren Leben. Man überlege sich nun, ob es unvernünftig ist zu behaupten, der innere Wesenskern arbeitete an diesem Menschen, um ihn zu einem Fortschritt zu bringen. Bevor nun dieser Fortschritt in seinem Seelenleben eintrat, erfolgte alles im Unterbewusstsein, er drängte aber immer weiter ins Leibliche, und kurz vor dem Durchbruch, bevor also seine Organe zur äußerlichen Betätigung der gesteigerten seelischen Fähigkeit entwickelt waren, also vor den letzten Schritten, da zeigte sich in dem geschilderten Traumleben, dass die Seele fast fertig sei mit der Ausgestaltung des Leibesorgans, um dann endlich, ohne begleitendes Traumerlebnis, als Produkt des geistigen Wesenskerns, äußerlich völlig benutzbar in die Erscheinung zu treten, konfiguriert und umgeformt.
[ 12 ] Wenn wir so den Blick auf die Entwicklung des Menschen hingelenkt haben, so müssen wir noch auf etwas hinweisen, was jeder auch ohne hellseherische Fähigkeiten kennt, nämlich, wenn unser unter dem Tagesbewusstsein liegendes Leben hinaufglänzt in unser Bewusstsein beim Leben im Traum, den wir nicht fest erfassen können, sooft wir ihn auch erlebt haben, auch wenn wir ihn nach inneren Gesetzen, nicht in regellosen Traumgestalten erleben. Es möge folgendes Traumerlebnis das klarlegen: Ein recht eifriger, gewissenhafter junger Mensch, der im sonstigen Unterricht auch den im Zeichnen genoss, bekam in seiner letzten Schulklasse eine schwierige Vorlage zum Abzeichnen; er brauchte bei seinem genauen, etwas umständlichen Arbeiten recht lange Zeit und wurde daher am Ende des Schuljahres mit seiner Arbeit nicht fertig; es schadete ihm in der Beurteilung seiner Lehrer nichts, da er fleißig und tüchtig gearbeitet hatte. Trotzdem befiel ihn während jeder Stunde, besonders gegen Ende des Schuljahres, die Furcht, nicht mit seiner Arbeit fertig zu werden, und diese drückende Empfindung verfolgte ihn noch in seine Träume. Auch nach langen Jahren tauchte noch als Erwachsener in seinen Träumen das Erlebnis auf, dass er sich wieder als Schüler fühlte und mit intensiver Angst weit mehr als früher im Tagesleben fühlte, dass er mit seiner Arbeit nicht fertig werden konnte, wie dieses einst so häufig sein Schulleben gestört hatte. Dieses wiederholte sich wochenlang, blieb zeitweilig aus, um später wieder aufzutreten. Wenn wir dieses wissenschaftlich untersuchen wollen, müssen wir auf das gesamte vorhergehende Leben zurückgreifen. Als Schüler entwickelte er seine Anlage zum Zeichnen und machte auch Fortschritte, diese zeigten sich aber nur periodenweise, sprunghaft, und jedem solchen Sprung ging schon im Schülerleben eine solche Reihe von Innenerlebnissen voraus; wenn diese dann ausblieben, spürte er, dass er um ein Stück vorwärtsgekommen sei. So blieb es auch bei der Entwicklung anderer Fähigkeiten in seinem späteren Leben. Man überlege sich nun, ob es unvernünftig ist zu behaupten, der innere Wesenskern arbeitete an diesem Menschen, um ihn zu einem Fortschritt zu bringen. Bevor nun dieser Fortschritt in seinem Seelenleben eintrat, erfolgte alles im Unterbewusstsein, er drängte aber immer weiter ins Leibliche, und kurz vor dem Durchbruch, bevor also seine Organe zur äußerlichen Betätigung der gesteigerten seelischen Fähigkeit entwickelt waren, also vor den letzten Schritten, da zeigte sich in dem geschilderten Traumleben, dass die Seele fast fertig sei mit der Ausgestaltung des Leibesorgans, um dann endlich, ohne begleitendes Traumerlebnis, als Produkt des geistigen Wesenskerns, äußerlich völlig benutzbar in die Erscheinung zu treten, konfiguriert und umgeformt.
[ 13 ] Von diesem Gesichtspunkte können wir stufenweise weitergehen auf alle die alltäglichen Ereignisse des Lebens in ihren Wechselzuständen von Wachen und Schlafen. Dabei können wir schon durch bloße Logik sagen, dass, wenn wir bei einem schlafenden Menschen die rein organischen Kräfte vor uns haben, die im Wachen aufund abwogenden Seelenkräfte nicht abends vergehen können, um morgens wieder neu zu erstehen; sie müssen also, da sie im schlafenden physischen Leibe nicht aufzufinden sind, in einer übersinnlichen Form da sein. Durch die sinnliche Beobachtung des Schlafens kann man also zu einer solchen Vorstellung kommen. Wie erfolgt nun der Moment des Einschlafens? Der Mensch fühlt, wie alle Sinne schlaffer wirken, die scharfen Konturen der Bilder schwinden, alles wird nebelhaft, und wenn jemand, der geschult ist, dieses Stadium beobachtet, dann kommt er zu einer Vorstellung über das, was er tags zuvor getan hat; er empfindet in einem lebhaften Gefühl, ob er mit sich zufrieden oder unzufrieden sein kann. Im ersteren Falle ist dieses Gefühl von einem solchen der Seligkeit begleitet und von dem Wunsche, dass dieser Übergang und diese Gedanken nicht enden möchten, die ihn befruchten und wie neu belebend durch seine Glieder fließen. Dann aber kommt ein Ruck, mit dem der geistigseelische Wesenskern als Rückwirkung auf den Körper sich entfernt, und es tritt der Schlaf ein.
[ 13 ] Von diesem Gesichtspunkte können wir stufenweise weitergehen auf alle die alltäglichen Ereignisse des Lebens in ihren Wechselzuständen von Wachen und Schlafen. Dabei können wir schon durch bloße Logik sagen, dass, wenn wir bei einem schlafenden Menschen die rein organischen Kräfte vor uns haben, die im Wachen aufund abwogenden Seelenkräfte nicht abends vergehen können, um morgens wieder neu zu erstehen; sie müssen also, da sie im schlafenden physischen Leibe nicht aufzufinden sind, in einer übersinnlichen Form da sein. Durch die sinnliche Beobachtung des Schlafens kann man also zu einer solchen Vorstellung kommen. Wie erfolgt nun der Moment des Einschlafens? Der Mensch fühlt, wie alle Sinne schlaffer wirken, die scharfen Konturen der Bilder schwinden, alles wird nebelhaft, und wenn jemand, der geschult ist, dieses Stadium beobachtet, dann kommt er zu einer Vorstellung über das, was er tags zuvor getan hat; er empfindet in einem lebhaften Gefühl, ob er mit sich zufrieden oder unzufrieden sein kann. Im ersteren Falle ist dieses Gefühl von einem solchen der Seligkeit begleitet und von dem Wunsche, dass dieser Übergang und diese Gedanken nicht enden möchten, die ihn befruchten und wie neu belebend durch seine Glieder fließen. Dann aber kommt ein Ruck, mit dem der geistigseelische Wesenskern als Rückwirkung auf den Körper sich entfernt, und es tritt der Schlaf ein.
[ 14 ] Es ist schon früher darauf aufmerksam gemacht worden, dass diejenigen, welche viel lernen müssen, durch eigene Erfahrung bald merken und wissen, wie gut es ist, wenn sie sich einem neu belebenden Schlaf hingeben können. Physiologisch ist also der Schlaf und die dadurch erlangte Erquickung als ein Zustand beziehungsweise ein Produkt aufzufassen, in welchem dasjenige wieder zum Neuaufbau gelangt, was am Tage während des Wachzustandes abgenützt wurde, und zwar werden neue Kräfte dadurch wieder aufgebracht, dass der geistig-seelische Wesenskern während des leibfreien Zustandes in den schlafenden Leib hineinarbeitet, wie es vorher angedeutet wurde.
[ 14 ] Es ist schon früher darauf aufmerksam gemacht worden, dass diejenigen, welche viel lernen müssen, durch eigene Erfahrung bald merken und wissen, wie gut es ist, wenn sie sich einem neu belebenden Schlaf hingeben können. Physiologisch ist also der Schlaf und die dadurch erlangte Erquickung als ein Zustand beziehungsweise ein Produkt aufzufassen, in welchem dasjenige wieder zum Neuaufbau gelangt, was am Tage während des Wachzustandes abgenützt wurde, und zwar werden neue Kräfte dadurch wieder aufgebracht, dass der geistig-seelische Wesenskern während des leibfreien Zustandes in den schlafenden Leib hineinarbeitet, wie es vorher angedeutet wurde.
[ 15 ] Wenn wir auf das sich allmählich entwickelnde Kind blicken, so ist es eine bekannte Tatsache, dass sich dieses in einem förmlichen Traumdasein, in einem nur kurz unterbrochenen Schlafleben, besonders zu Anfang, in das Dasein des späteren wachen Tageslebens hineinlebt. Jeder weiß, dass er erst von einem gewissen Zeitpunkte ab zu sich «ich» sagen konnte, also von dort an erst [sich] seiner selbst bewusst geworden ist. Wer die Grundsätze der Physik und Chemie anerkennt, muss zugeben, dass die geistig-seelischen Kräfte, mit denen das Kind nach den ersten Entwicklungsjahren zu sich «ich» sagen kann, schon früher da gewesen sein müssen, zu einer Zeit, wo sie das wichtigste und edelste Organ des Menschen entwickelten, wo also der menschliche Wesenskern das Gehirn formte und im Einzelnen plastisch immer weiter ausarbeitete. Dem Umstand, den die materialistische Wissenschaft anführt, dass in der linken Gehirnwindung das Sprachzentrum sei, dass also der Mensch nicht zum Sprechen kommen könne, wenn diese Gehirnteile nicht gut ausgebildet seien, dem möge nur kurz entgegengehalten werden, dass ein Mensch nicht sprechen lernen kann, wenn er zum Beispiel auf einer menschenleeren Insel lebt, während dagegen andere physiologische Vorgänge, wie zum Beispiel das Zahnen, ohne Weiteres eintreten würden. Es muss daher im Kinde die Geistesfähigkeit so weit entwickelt sein, dass die Entstehung des Sprechens eingeleitet und zu dem Zweck das Gehirn ausgebildet wird; daher ist also das Sprechen nicht die Folge, sondern die begleitende und stetig fortwirkende Ursache zur Herausbildung des Sprachzentrums. Stets muss zuerst das Geistig-Seelische auf das Physische einwirken, daran arbeiten, damit die Organe sich herausbilden können, die später im Sinne des bewussten Denkens in der physischen Welt gebraucht werden sollen. Wenn wir diese einzelnen Gedanken zusammenfassen, so werden wir dadurch überall darauf hingewiesen, dass der Verlauf der Entwicklung in dem Sinne erfolgt, dass von einem übersinnlichen Wesenskern aus der ganze menschliche Leib aufgebaut wird, dass wir niemals dazu kommen können, dieses übersinnliche Wesen zu begreifen, wenn wir nur bei dessen Produkt, der physischen Körper-Organisation verbleiben. Stets müssen wir zurückgehen auf dasjenige, was sich dieser Organisation zu Anfang seiner Bildung bemächtigt, das lehrt uns stets die Beobachtung.
[ 15 ] Wenn wir auf das sich allmählich entwickelnde Kind blicken, so ist es eine bekannte Tatsache, dass sich dieses in einem förmlichen Traumdasein, in einem nur kurz unterbrochenen Schlafleben, besonders zu Anfang, in das Dasein des späteren wachen Tageslebens hineinlebt. Jeder weiß, dass er erst von einem gewissen Zeitpunkte ab zu sich «ich» sagen konnte, also von dort an erst [sich] seiner selbst bewusst geworden ist. Wer die Grundsätze der Physik und Chemie anerkennt, muss zugeben, dass die geistig-seelischen Kräfte, mit denen das Kind nach den ersten Entwicklungsjahren zu sich «ich» sagen kann, schon früher da gewesen sein müssen, zu einer Zeit, wo sie das wichtigste und edelste Organ des Menschen entwickelten, wo also der menschliche Wesenskern das Gehirn formte und im Einzelnen plastisch immer weiter ausarbeitete. Dem Umstand, den die materialistische Wissenschaft anführt, dass in der linken Gehirnwindung das Sprachzentrum sei, dass also der Mensch nicht zum Sprechen kommen könne, wenn diese Gehirnteile nicht gut ausgebildet seien, dem möge nur kurz entgegengehalten werden, dass ein Mensch nicht sprechen lernen kann, wenn er zum Beispiel auf einer menschenleeren Insel lebt, während dagegen andere physiologische Vorgänge, wie zum Beispiel das Zahnen, ohne Weiteres eintreten würden. Es muss daher im Kinde die Geistesfähigkeit so weit entwickelt sein, dass die Entstehung des Sprechens eingeleitet und zu dem Zweck das Gehirn ausgebildet wird; daher ist also das Sprechen nicht die Folge, sondern die begleitende und stetig fortwirkende Ursache zur Herausbildung des Sprachzentrums. Stets muss zuerst das Geistig-Seelische auf das Physische einwirken, daran arbeiten, damit die Organe sich herausbilden können, die später im Sinne des bewussten Denkens in der physischen Welt gebraucht werden sollen. Wenn wir diese einzelnen Gedanken zusammenfassen, so werden wir dadurch überall darauf hingewiesen, dass der Verlauf der Entwicklung in dem Sinne erfolgt, dass von einem übersinnlichen Wesenskern aus der ganze menschliche Leib aufgebaut wird, dass wir niemals dazu kommen können, dieses übersinnliche Wesen zu begreifen, wenn wir nur bei dessen Produkt, der physischen Körper-Organisation verbleiben. Stets müssen wir zurückgehen auf dasjenige, was sich dieser Organisation zu Anfang seiner Bildung bemächtigt, das lehrt uns stets die Beobachtung.
[ 16 ] Nun wird in der Naturwissenschaft immer besonders betont, dass es zur Herstellung eines schlüssigen Beweises nötig ist, die Ergebnisse der Beobachtung auch in einem Experimente zu erzielen. Die Möglichkeit [dazu] ist auch hier vorhanden, wenn diese Probe auch nicht immer notwendig ist, aber wie [kann das geschehen]? Es muss der Mensch seine eigene Seele, sich selbst im vollsten Sinne als Instrument zum Erfassen der geistigen Welt vorbereiten und benützen. Wie dieses möglich ist, finden Sie näher dargelegt in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Heute sei hier nur darauf hingewiesen, dass der Mensch den Eintritt in den Schlaf auch bei vollem Bewusstsein erleben kann, wenn er sich durch Konzentration auf sein innerstes Seelenleben und lange fortgesetzte Meditation über geeignete Gedanken dazu fähig macht. Wenn wir zunächst einmal hypothetisch annehmen, dass mit Beginn des Schlafes der geistig-seelische Wesenskern aus dem Einschlafenden heraustritt und, bildlich gesprochen, eintritt in eine höhere Welt, so kann der genügend Geschulte durch wirkliches, experimentelles Beobachten der geistigen Welt diesen Seelenkern unmittelbar betrachten. Der gewöhnlichen Wahrnehmung entzieht sich dieser Wesenskern beim Einschlafen sehr leicht, da gewöhnlich zu geringe Energien beim Menschen vorhanden sind, um bei dem Erleben des seelischen, getrennten Zustandes bewusst zu werden. Diese latenten Energien müssen gekräftigt, entwickelt werden; der Mensch muss übungsweise alle die hindernden Zustände abwerfen und versuchen [einen Zustand zu erreichen], dass ihm sozusagen das physische Hören und Sehen vergeht. Das ist natürlich nur nach und nach möglich und muss dadurch eingeleitet werden, dass zunächst eine nachhaltige Regelung der früheren Gemütsbewegungen erfolgt; Kummer, Zorn, Aufregungen aller Art müssen ausgeglichen werden, Seelenruhe müssen wir über uns ausgießen. Wenn so eine Zeit lang mit ausreichendem Erfolge gearbeitet ist, so kann man dazu übergehen, sich bestimmten Gedanken an das Gute, Schöne, Wahre hinzugeben, Gedanken, die nicht aus der Sinnenwelt entlehnt sind, und versinnbildlichte Gedanken zu pflegen, die nichts Äußerliches ausdrücken. Wenn wir solches aus freiem Willensentschluss in uns genügend bewegen und erleben, dann erreichen wir nach langer angestrengter Hingebung, dass unsere Seele im angedeuteten Sinne zum Beobachtungs-Instrument wird, indem jetzt die Kräfte, die früher beim Einschlafen sich als zu schwach erwiesen, um zu selbstbewussten Wahrnehmungen zu gelangen, nunmehr sich heraufdrängen zu immer wachsender Klarheit, statt in unbestimmten Seelentiefen zu einem verschwimmenden Bewusstsein zu führen. In den Seelenorganismus gliedern sich Organe ein, welche uns zu neuen Wahrnehmungsmöglichkeiten kommen lassen. Dann ist der so entwickelte Mensch imstande, das ihm früher Unbewusste anschaulich wahrzunehmen und alles, was ihn dabei stört, willkürlich zu unterdrücken, die Seele also für die feineren Eindrücke der geistigen Welt leer und geeignet zu machen; er wird dann wahrnehmen, dass der Ermüdete in der geistigen Welt, in die er beim Einschlafen eindringt, neue Kräfte sammeln kann.
[ 16 ] Nun wird in der Naturwissenschaft immer besonders betont, dass es zur Herstellung eines schlüssigen Beweises nötig ist, die Ergebnisse der Beobachtung auch in einem Experimente zu erzielen. Die Möglichkeit [dazu] ist auch hier vorhanden, wenn diese Probe auch nicht immer notwendig ist, aber wie [kann das geschehen]? Es muss der Mensch seine eigene Seele, sich selbst im vollsten Sinne als Instrument zum Erfassen der geistigen Welt vorbereiten und benützen. Wie dieses möglich ist, finden Sie näher dargelegt in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Heute sei hier nur darauf hingewiesen, dass der Mensch den Eintritt in den Schlaf auch bei vollem Bewusstsein erleben kann, wenn er sich durch Konzentration auf sein innerstes Seelenleben und lange fortgesetzte Meditation über geeignete Gedanken dazu fähig macht. Wenn wir zunächst einmal hypothetisch annehmen, dass mit Beginn des Schlafes der geistig-seelische Wesenskern aus dem Einschlafenden heraustritt und, bildlich gesprochen, eintritt in eine höhere Welt, so kann der genügend Geschulte durch wirkliches, experimentelles Beobachten der geistigen Welt diesen Seelenkern unmittelbar betrachten. Der gewöhnlichen Wahrnehmung entzieht sich dieser Wesenskern beim Einschlafen sehr leicht, da gewöhnlich zu geringe Energien beim Menschen vorhanden sind, um bei dem Erleben des seelischen, getrennten Zustandes bewusst zu werden. Diese latenten Energien müssen gekräftigt, entwickelt werden; der Mensch muss übungsweise alle die hindernden Zustände abwerfen und versuchen [einen Zustand zu erreichen], dass ihm sozusagen das physische Hören und Sehen vergeht. Das ist natürlich nur nach und nach möglich und muss dadurch eingeleitet werden, dass zunächst eine nachhaltige Regelung der früheren Gemütsbewegungen erfolgt; Kummer, Zorn, Aufregungen aller Art müssen ausgeglichen werden, Seelenruhe müssen wir über uns ausgießen. Wenn so eine Zeit lang mit ausreichendem Erfolge gearbeitet ist, so kann man dazu übergehen, sich bestimmten Gedanken an das Gute, Schöne, Wahre hinzugeben, Gedanken, die nicht aus der Sinnenwelt entlehnt sind, und versinnbildlichte Gedanken zu pflegen, die nichts Äußerliches ausdrücken. Wenn wir solches aus freiem Willensentschluss in uns genügend bewegen und erleben, dann erreichen wir nach langer angestrengter Hingebung, dass unsere Seele im angedeuteten Sinne zum Beobachtungs-Instrument wird, indem jetzt die Kräfte, die früher beim Einschlafen sich als zu schwach erwiesen, um zu selbstbewussten Wahrnehmungen zu gelangen, nunmehr sich heraufdrängen zu immer wachsender Klarheit, statt in unbestimmten Seelentiefen zu einem verschwimmenden Bewusstsein zu führen. In den Seelenorganismus gliedern sich Organe ein, welche uns zu neuen Wahrnehmungsmöglichkeiten kommen lassen. Dann ist der so entwickelte Mensch imstande, das ihm früher Unbewusste anschaulich wahrzunehmen und alles, was ihn dabei stört, willkürlich zu unterdrücken, die Seele also für die feineren Eindrücke der geistigen Welt leer und geeignet zu machen; er wird dann wahrnehmen, dass der Ermüdete in der geistigen Welt, in die er beim Einschlafen eindringt, neue Kräfte sammeln kann.
[ 17 ] Dem Menschen ist es ferner möglich, zu erleben, dass ein der allgemein bekannten Ermüdung in diesem Sinne gleichwertiger Zustand, [jedoch] ohne die Störung der Ersteren, während der Gedanken-Konzentration eintritt, also derart, dass der letztgenannte Zustand erlaubt, völlig wach und bewusst zu bleiben, also angestrengt zu bewirken, dass alle Erlebnisse in bewussten Formen auftreten und so völlig weiter verlaufen. Dann wird der Mensch die Wahrnehmung machen, dass er seinen Leib und auch sein Gehirn nicht gebrauchen kann, sondern sich außerhalb derselben fühlt und nicht hineinziselieren kann, was er außer dem Leibe erlebt. Bei unausgesetzter Fortdauer der geeignet angewendeten Übungen wird sich allmählich das Gefühl und die Möglichkeit dafür einstellen, mit den inneren Seelenvorgängen auf den physischen Leib einzuwirken, sodass dieser immer gefügiger und für die Anforderungen und Eindrücke des Seelischen immer schmiegsamer wird, bis er im Allgemeinen so vorbereitet und besonders das Gehirn so geformt ist, dass dieses in die Lage kommt, das außer ihm Erlebte zum Ausdruck zu bringen, anderen mitzuteilen.
[ 17 ] Dem Menschen ist es ferner möglich, zu erleben, dass ein der allgemein bekannten Ermüdung in diesem Sinne gleichwertiger Zustand, [jedoch] ohne die Störung der Ersteren, während der Gedanken-Konzentration eintritt, also derart, dass der letztgenannte Zustand erlaubt, völlig wach und bewusst zu bleiben, also angestrengt zu bewirken, dass alle Erlebnisse in bewussten Formen auftreten und so völlig weiter verlaufen. Dann wird der Mensch die Wahrnehmung machen, dass er seinen Leib und auch sein Gehirn nicht gebrauchen kann, sondern sich außerhalb derselben fühlt und nicht hineinziselieren kann, was er außer dem Leibe erlebt. Bei unausgesetzter Fortdauer der geeignet angewendeten Übungen wird sich allmählich das Gefühl und die Möglichkeit dafür einstellen, mit den inneren Seelenvorgängen auf den physischen Leib einzuwirken, sodass dieser immer gefügiger und für die Anforderungen und Eindrücke des Seelischen immer schmiegsamer wird, bis er im Allgemeinen so vorbereitet und besonders das Gehirn so geformt ist, dass dieses in die Lage kommt, das außer ihm Erlebte zum Ausdruck zu bringen, anderen mitzuteilen.
[ 18 ] Dieses Experiment kann also gemacht werden, um das hypothetische Arbeiten der Seele am Leibe an sich zu beobachten; es gibt dabei keinen Unterschied in Bezug auf den Beweis dieser Vorgänge im Vergleich mit der Methode der Naturwissenschaften. Dann stehen wir vor der Möglichkeit, dass wir sagen können: Wenn der Mensch durch die Geburt ins irdisch-physische Leben eintritt, tritt damit sein übersinnlicher Wesenskern völlig heraus aus der übersinnlichen Welt, und also wird der Mensch auch so zum ersten Male ins Leben getreten sein. Als Erzieher kann man beobachten, dass der junge Mensch nichts uns Unbekanntes mit in die irdische Welt hereinbringt, was nie mit unserer Welt in Zusammenhang gestanden haben kann, sondern er kommt schon ausgestattet mit Kräften, die er bereits früher einmal auf der physischen Welt gesammelt hat, in früheren KulturEntwicklungsstufen. Sehen wir das Leben einmal weiter an, so tritt uns ohne Weiteres die Tatsache entgegen, dass der Mensch beim Aufwachen sich jeden Morgen seinem früheren Leben gegenüberstehen fühlt. Wenn nun der Mensch, wie schon vorhin erwähnt, mit seinem Leibe ringt und dieses seelische Ringen in der Ausbildung der Falten und Runzeln ein Ende findet, so stellt damit die Seele das physische Umgestalten ein, und die Seelenkräfte werden dann bewusst wahrnehmbar. So tritt dann an jedem Morgen eine solche Grenze auf, die Seele trifft auf ihren Leib und kann ihn weiter führen, soweit er dieses bei der ihm innewohnenden Elastizität gestattet. Wir sehen daraus auch, dass wir mehr erfahren und lernen, als wir an unserem Leibe verwerten können, weil er doch im Großen und Ganzen fertig ausgebildet ist; trotzdem wirkt es weiter auf unseren geistig-seelischen Wesenskern.
[ 18 ] Dieses Experiment kann also gemacht werden, um das hypothetische Arbeiten der Seele am Leibe an sich zu beobachten; es gibt dabei keinen Unterschied in Bezug auf den Beweis dieser Vorgänge im Vergleich mit der Methode der Naturwissenschaften. Dann stehen wir vor der Möglichkeit, dass wir sagen können: Wenn der Mensch durch die Geburt ins irdisch-physische Leben eintritt, tritt damit sein übersinnlicher Wesenskern völlig heraus aus der übersinnlichen Welt, und also wird der Mensch auch so zum ersten Male ins Leben getreten sein. Als Erzieher kann man beobachten, dass der junge Mensch nichts uns Unbekanntes mit in die irdische Welt hereinbringt, was nie mit unserer Welt in Zusammenhang gestanden haben kann, sondern er kommt schon ausgestattet mit Kräften, die er bereits früher einmal auf der physischen Welt gesammelt hat, in früheren KulturEntwicklungsstufen. Sehen wir das Leben einmal weiter an, so tritt uns ohne Weiteres die Tatsache entgegen, dass der Mensch beim Aufwachen sich jeden Morgen seinem früheren Leben gegenüberstehen fühlt. Wenn nun der Mensch, wie schon vorhin erwähnt, mit seinem Leibe ringt und dieses seelische Ringen in der Ausbildung der Falten und Runzeln ein Ende findet, so stellt damit die Seele das physische Umgestalten ein, und die Seelenkräfte werden dann bewusst wahrnehmbar. So tritt dann an jedem Morgen eine solche Grenze auf, die Seele trifft auf ihren Leib und kann ihn weiter führen, soweit er dieses bei der ihm innewohnenden Elastizität gestattet. Wir sehen daraus auch, dass wir mehr erfahren und lernen, als wir an unserem Leibe verwerten können, weil er doch im Großen und Ganzen fertig ausgebildet ist; trotzdem wirkt es weiter auf unseren geistig-seelischen Wesenskern.
[ 19 ] Alles dieses ist im alltäglichen Leben wahrzunehmen, und wenn es in gesunden Erziehungsgrundsätzen angewendet wird, so werden die guten Wirkungen das ganze Leben hindurch erhalten bleiben. Es wird das so empfunden werden, dass sich der Mensch während seines Lebens stets als Schüler fühlt, niemals die Seligkeit verliert, immer wieder Neues auf sich wirken zu lassen, während eine verkehrte Erziehung blasiert macht. Wenn der Leib den Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht und eine Zeit lang behauptet hat, dann aber langsam beginnt, wieder abgebaut zu werden, was in der zweiten Hälfte des Lebens erfolgt, so fühlen wir, wie die Seele nicht mehr wie ehemals am Leibe arbeiten kann, sondern dass unser geistig-seelischer Wesenskern in stetiger Verbindung mit dem äußeren, physischen Leibe jetzt erst recht wächst in den Gemütsbewegungen und Empfindungen. Mit der Zerstörung des Gehirns wird das Seelenleben des betreffenden Menschen nur im Physischen aufhören, da ja nicht das Gehirn selbst denkt und so weiter, sondern mit Hilfe des Gehirns im Physischen gedacht wird. Was aber nicht unmittelbar ans Gehirn gebunden ist, das fühlen wir mit wachsendem Alter und empfinden das Abfallen des Leiblichen, welches nicht mehr weiter ausgestaltet werden kann, als eine Wohltat.
[ 19 ] Alles dieses ist im alltäglichen Leben wahrzunehmen, und wenn es in gesunden Erziehungsgrundsätzen angewendet wird, so werden die guten Wirkungen das ganze Leben hindurch erhalten bleiben. Es wird das so empfunden werden, dass sich der Mensch während seines Lebens stets als Schüler fühlt, niemals die Seligkeit verliert, immer wieder Neues auf sich wirken zu lassen, während eine verkehrte Erziehung blasiert macht. Wenn der Leib den Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht und eine Zeit lang behauptet hat, dann aber langsam beginnt, wieder abgebaut zu werden, was in der zweiten Hälfte des Lebens erfolgt, so fühlen wir, wie die Seele nicht mehr wie ehemals am Leibe arbeiten kann, sondern dass unser geistig-seelischer Wesenskern in stetiger Verbindung mit dem äußeren, physischen Leibe jetzt erst recht wächst in den Gemütsbewegungen und Empfindungen. Mit der Zerstörung des Gehirns wird das Seelenleben des betreffenden Menschen nur im Physischen aufhören, da ja nicht das Gehirn selbst denkt und so weiter, sondern mit Hilfe des Gehirns im Physischen gedacht wird. Was aber nicht unmittelbar ans Gehirn gebunden ist, das fühlen wir mit wachsendem Alter und empfinden das Abfallen des Leiblichen, welches nicht mehr weiter ausgestaltet werden kann, als eine Wohltat.
[ 20 ] Endlich geht dann der Mensch durch die Pforte des Todes. Der geistig-seelische Wesenskern ist im irdischen Leben vielseitig bereichert worden und arbeitet nun an der Vorbereitung jener Kräfte, welche eine Wiederholung des Lebens bewirken, in welchem dem als Kind wiedergeborenen Menschen ein neues Lebensmaterial zum Ausarbeiten übergeben wird.
[ 20 ] Endlich geht dann der Mensch durch die Pforte des Todes. Der geistig-seelische Wesenskern ist im irdischen Leben vielseitig bereichert worden und arbeitet nun an der Vorbereitung jener Kräfte, welche eine Wiederholung des Lebens bewirken, in welchem dem als Kind wiedergeborenen Menschen ein neues Lebensmaterial zum Ausarbeiten übergeben wird.
[ 21 ] Die Rückerinnerung an das frühere Leben ist in unmittelbarer Art unterbrochen, besonders die Erinnerung an Einzelheiten, da der physische Leib völlig als Leichnam der physischen Welt übergeben wird; auch dasjenige, was sich der Seele nur äußerlich aufgedrängt hat, wird gleichsam wie ein zweiter Leichnam abgeworfen, da sie es doch nicht weiter gebrauchen kann. Zurückgehalten wird nur dasjenige, was die Seele benützen kann, um neue Fähigkeiten zu erreichen, als Gestaltungskräfte für ein neues Leben, die geeignet sind, einen neuen Leib aufzuerbauen. So ist die Idee der wiederholten Erdenleben in sich gerechtfertigt, und der Entwicklungsgedanke, der hierin ausgesprochen liegt, schließt sich als folgerichtige, notwendige Konsequenz an das an, was die Naturwissenschaften errungen haben. Hierbei ist jedoch der Umstand zu berücksichtigen, dass nicht alle Lebensläufe im Sinne eines stetigen Aufstieges aufzufassen sind, aber trotz mancher in und außer dem Menschen begründeter Schwankungen ist die Gesamtsumme der wiederholten Leben ein Aufwärtsklimmen, ein Gewinn.
[ 21 ] Die Rückerinnerung an das frühere Leben ist in unmittelbarer Art unterbrochen, besonders die Erinnerung an Einzelheiten, da der physische Leib völlig als Leichnam der physischen Welt übergeben wird; auch dasjenige, was sich der Seele nur äußerlich aufgedrängt hat, wird gleichsam wie ein zweiter Leichnam abgeworfen, da sie es doch nicht weiter gebrauchen kann. Zurückgehalten wird nur dasjenige, was die Seele benützen kann, um neue Fähigkeiten zu erreichen, als Gestaltungskräfte für ein neues Leben, die geeignet sind, einen neuen Leib aufzuerbauen. So ist die Idee der wiederholten Erdenleben in sich gerechtfertigt, und der Entwicklungsgedanke, der hierin ausgesprochen liegt, schließt sich als folgerichtige, notwendige Konsequenz an das an, was die Naturwissenschaften errungen haben. Hierbei ist jedoch der Umstand zu berücksichtigen, dass nicht alle Lebensläufe im Sinne eines stetigen Aufstieges aufzufassen sind, aber trotz mancher in und außer dem Menschen begründeter Schwankungen ist die Gesamtsumme der wiederholten Leben ein Aufwärtsklimmen, ein Gewinn.
[ 22 ] Der Schlaf kann verzögert oder sogar ganz verhindert werden durch lebhafte Gedanken, die im Menschen aufsteigen, sobald diese sich auf Gemütsbewegungen, Freude, Furcht, Sorge, Bekümmernisse aller Art beziehen; denn diese verbinden den geistig-seelischen Wesenskern mit dem alltäglichen Bewusstsein und lassen ihn daher nicht in übersinnliche Welten eindringen. Der Mensch kann erst dann einschlafen, wenn dieser Zustand durch übergroße Müdigkeit endlich betäubt, oder durch Zurückgehen auf ruhigere Gedankenführung, besonders solche einer idealeren Lebensrichtung, von den früheren abgelenkt werden. Ähnliche Verhältnisse sind auch wirksam beim Aufbau eines neuen Lebens. Dieses wird in herabziehendem Sinne erfolgen, wenn die Kräfte hierzu dem Egoismus entnommen werden müssen, beziehungsweise solche herangezogen werden müssen, die sich an diesen anhängen. Dadurch wird auch die auf- und absteigende Beschaffenheit der einzelnen Lebensläufe verständlich, sodass auch in dieser Richtung das Leben uns überall Beweise für die vorgetragenen Anschauungen liefern kann. Der geistig-seelische Wesenskern tritt ein in den keimenden Leib des Kindes und gestaltet ihn aus als der Baumeister dieses Leibes, und wer dem Menschen unbefangen in seinen natürlichen Entstehungs- und Wachstumsverhältnissen entgegentritt, dem bestätigen sich solche Verhältnisse zu Tatsachen. So konnten wir das zum Beispiel feststellen an einem Manne, der besonders hellseherisch geworden ist, nämlich an Michel Nostradamus – Notre-Dame –, geboren 1503 zu St. Remy in der Provence, gestorben 1566 in Salon; er war, so lange er ungestört blieb, in hingebungsvollster Art als Arzt tätig, jedoch wurde er verdächtigt, der Anhänger einer geheimen Sekte zu sein. Die Ausübung des ärztlichen Berufes wurde ihm untersagt und er zog sich darauf zu stiller Tätigkeit in eine Art geistiges Observatorium zurück, in welchem er Naturstudien und Astronomie betrieb. Hier ließ er besonders die Sternbilder in geistiger Hinsicht auf sich wirken und kam dabei zum Bewusstsein mancher, ihm bisher verborgen gebliebenen, inneren Fähigkeiten seiner Seele, die er als ihm verliehene Gottesgabe für seine Zurückgezogenheit ansah. Besonders wenn er sich in voller Ruhe, ohne von dem auf- und abwogenden Seelenleben beeinträchtigt zu sein, dem Makrokosmos hingab, kam seine hellseherische Gabe zum Vorschein, mit der er auch große Ergebnisse in seinen Prophezeiungen für die Zukunft erzielte. Da sehen wir, wie der geistig-seelische Wesenskern die natürlichen Verhältnisse des Daseins durchbrach, nachdem die Kräfte, welche er vorher als Arzt verwendet hatte, nicht weiter verbraucht werden konnten; da machten sie sich in der angedeuteten Art geltend, weil es ja nicht möglich war, sie ohne Weiteres verschwinden zu lassen, und ganz im Sinne naturwissenschaftlicher Anschauung von der «Erhaltung der Kraft» verwandelten sich jene Kräfte, die früher in äußere Tätigkeit hineingeflossen waren, in hellseherische Kräfte, welche weitere innere Seelen-Energien wachriefen. Das kann auch erreicht werden durch Meditation und Konzentration, unter deren Einwirkung der Mensch vorbereitet wird, Raum und Zeit mit seinen Wahrnehmungen zu überwinden und anders zu schauen, als [es] bei dem Sehen in der physischen Alltäglichkeit möglich ist. Bei dieser Gelegenheit möchte ich hinweisen auf das Buch «Das Mysterium des Menschen» von Ludwig Deinhard, welches den völligen Einklang der äußeren Methoden mit denen der Geisteswissenschaft darlegt.
[ 22 ] Der Schlaf kann verzögert oder sogar ganz verhindert werden durch lebhafte Gedanken, die im Menschen aufsteigen, sobald diese sich auf Gemütsbewegungen, Freude, Furcht, Sorge, Bekümmernisse aller Art beziehen; denn diese verbinden den geistig-seelischen Wesenskern mit dem alltäglichen Bewusstsein und lassen ihn daher nicht in übersinnliche Welten eindringen. Der Mensch kann erst dann einschlafen, wenn dieser Zustand durch übergroße Müdigkeit endlich betäubt, oder durch Zurückgehen auf ruhigere Gedankenführung, besonders solche einer idealeren Lebensrichtung, von den früheren abgelenkt werden. Ähnliche Verhältnisse sind auch wirksam beim Aufbau eines neuen Lebens. Dieses wird in herabziehendem Sinne erfolgen, wenn die Kräfte hierzu dem Egoismus entnommen werden müssen, beziehungsweise solche herangezogen werden müssen, die sich an diesen anhängen. Dadurch wird auch die auf- und absteigende Beschaffenheit der einzelnen Lebensläufe verständlich, sodass auch in dieser Richtung das Leben uns überall Beweise für die vorgetragenen Anschauungen liefern kann. Der geistig-seelische Wesenskern tritt ein in den keimenden Leib des Kindes und gestaltet ihn aus als der Baumeister dieses Leibes, und wer dem Menschen unbefangen in seinen natürlichen Entstehungs- und Wachstumsverhältnissen entgegentritt, dem bestätigen sich solche Verhältnisse zu Tatsachen. So konnten wir das zum Beispiel feststellen an einem Manne, der besonders hellseherisch geworden ist, nämlich an Michel Nostradamus – Notre-Dame –, geboren 1503 zu St. Remy in der Provence, gestorben 1566 in Salon; er war, so lange er ungestört blieb, in hingebungsvollster Art als Arzt tätig, jedoch wurde er verdächtigt, der Anhänger einer geheimen Sekte zu sein. Die Ausübung des ärztlichen Berufes wurde ihm untersagt und er zog sich darauf zu stiller Tätigkeit in eine Art geistiges Observatorium zurück, in welchem er Naturstudien und Astronomie betrieb. Hier ließ er besonders die Sternbilder in geistiger Hinsicht auf sich wirken und kam dabei zum Bewusstsein mancher, ihm bisher verborgen gebliebenen, inneren Fähigkeiten seiner Seele, die er als ihm verliehene Gottesgabe für seine Zurückgezogenheit ansah. Besonders wenn er sich in voller Ruhe, ohne von dem auf- und abwogenden Seelenleben beeinträchtigt zu sein, dem Makrokosmos hingab, kam seine hellseherische Gabe zum Vorschein, mit der er auch große Ergebnisse in seinen Prophezeiungen für die Zukunft erzielte. Da sehen wir, wie der geistig-seelische Wesenskern die natürlichen Verhältnisse des Daseins durchbrach, nachdem die Kräfte, welche er vorher als Arzt verwendet hatte, nicht weiter verbraucht werden konnten; da machten sie sich in der angedeuteten Art geltend, weil es ja nicht möglich war, sie ohne Weiteres verschwinden zu lassen, und ganz im Sinne naturwissenschaftlicher Anschauung von der «Erhaltung der Kraft» verwandelten sich jene Kräfte, die früher in äußere Tätigkeit hineingeflossen waren, in hellseherische Kräfte, welche weitere innere Seelen-Energien wachriefen. Das kann auch erreicht werden durch Meditation und Konzentration, unter deren Einwirkung der Mensch vorbereitet wird, Raum und Zeit mit seinen Wahrnehmungen zu überwinden und anders zu schauen, als [es] bei dem Sehen in der physischen Alltäglichkeit möglich ist. Bei dieser Gelegenheit möchte ich hinweisen auf das Buch «Das Mysterium des Menschen» von Ludwig Deinhard, welches den völligen Einklang der äußeren Methoden mit denen der Geisteswissenschaft darlegt.
[ 23 ] So können wir denn von unserer Zeit, in der die Geisteswissenschaft wieder neuen Mut auf weitere Erfolge schöpfen kann, auf jene Umwälzungen in den Welt- und Lebensanschauungen blicken, wie sie in den einleitenden Worten unseres Vortrages angedeutet wurden, wo neue Elemente in den Gefühlskreis der Menschen traten, [so] wie auch heute die Menschheit überall bei der Beobachtung der geistig-seelischen Entwicklung in ähnlicher Lage ist wie ehemals, als Kopernikus [ihr] den Boden unter den Füßen wegnahm und das Denken statt der Beobachtung zur Anwendung brachte. Sehen wir nur die Wissenschaften an, wie die Astronomie, Biologie und so weiter, die nicht durch die Beobachtung allein, sondern hauptsächlich in denkerischer Durchdringung groß geworden sind, so, wie zu Kopernikus’ Zeiten dieser und noch Giordano Bruno der Menschheit ihre eng begrenzten Anschauungen in scheinbar unermessliche Atmosphären- und Raumesweiten auflösten und die nur von der Welt der Sinne geschaffene achte Sphäre durchbrachen.
[ 23 ] So können wir denn von unserer Zeit, in der die Geisteswissenschaft wieder neuen Mut auf weitere Erfolge schöpfen kann, auf jene Umwälzungen in den Welt- und Lebensanschauungen blicken, wie sie in den einleitenden Worten unseres Vortrages angedeutet wurden, wo neue Elemente in den Gefühlskreis der Menschen traten, [so] wie auch heute die Menschheit überall bei der Beobachtung der geistig-seelischen Entwicklung in ähnlicher Lage ist wie ehemals, als Kopernikus [ihr] den Boden unter den Füßen wegnahm und das Denken statt der Beobachtung zur Anwendung brachte. Sehen wir nur die Wissenschaften an, wie die Astronomie, Biologie und so weiter, die nicht durch die Beobachtung allein, sondern hauptsächlich in denkerischer Durchdringung groß geworden sind, so, wie zu Kopernikus’ Zeiten dieser und noch Giordano Bruno der Menschheit ihre eng begrenzten Anschauungen in scheinbar unermessliche Atmosphären- und Raumesweiten auflösten und die nur von der Welt der Sinne geschaffene achte Sphäre durchbrachen.
[ 24 ] Auf diesem Standpunkte steht heute die Geisteswissenschaft, wenn sie Menschen vor sich sieht, die bisher nach räumlich-materieller Anschauung ihre Umwelt und nach zeitlicher Anschauung ihr eigenes Seelenwesen zwischen Geburt und Tod begrenzten. Da nun aber diese Lebensverhältnisse nur begrenzt werden konnten durch missverständliche Beobachtung, so wird sich auch diese selbstgezogene Grenze durchbrechen lassen. Wie zum Beispiel die astronomische Wissenschaft, so muss auch die Geisteswissenschaft im gleichen Sinne eine Zukunft haben, sodass sie das Firmament des begrenzten Seelenlebens ausdehnt über die von den meisten Menschen angenommenen Grenzen, und zwar diesseits der Geburt und jenseits des Todes hinaus in eine Ewigkeit, dann wird die Geisteswissenschaft der Welt die seelische Unendlichkeit und die seelische Unsterblichkeit erschließen. Einst ist Giordano Bruno von seinen Gegnern zum Feuertod verdammt und in Rom verbrannt worden. So wird es vielleicht von manchem für die Vertreter und Anhänger der Geisteswissenschaft gewünscht; wenn dies heute nicht mehr zulässig ist, so sucht man die Geisteswissenschaft möglichst zu verspotten und herabzusetzen. Jene aber, welche sich darin nicht genug tun können, sie werden damit ihr eigenes Urteil sprechen statt über den, an dem sie es glauben ausführen zu können. Jene Weltanschauung aber wird auch noch ihr Urteil, und zwar durch die weitere Entwicklung der Geisteswissenschaft, empfangen, wie auch für die naturwissenschaftliche Anschauung, gegen rückschrittliche Bestrebungen, die Zeit der Anerkennung gekommen ist. Aber auch die Geisteswissenschaft wird sich [als] besonders fähig erweisen, den Menschen wirkliches Leben und nicht nur eine Theorie zu geben, ihnen mehr als die Naturwissenschaften zum Segen gereichend, nicht aber im Gegensatze zu diesen, sondern in Erweiterung ihrer gesunden Prinzipien auf neuen Entwicklungsbahnen der Menschheit. Wer dann einsehen kann, dass die Welt so vorwärts dringt, der wird die Geisteswissenschaft nicht verurteilen, sondern mit ihr zum Siege schreiten.
[ 24 ] Auf diesem Standpunkte steht heute die Geisteswissenschaft, wenn sie Menschen vor sich sieht, die bisher nach räumlich-materieller Anschauung ihre Umwelt und nach zeitlicher Anschauung ihr eigenes Seelenwesen zwischen Geburt und Tod begrenzten. Da nun aber diese Lebensverhältnisse nur begrenzt werden konnten durch missverständliche Beobachtung, so wird sich auch diese selbstgezogene Grenze durchbrechen lassen. Wie zum Beispiel die astronomische Wissenschaft, so muss auch die Geisteswissenschaft im gleichen Sinne eine Zukunft haben, sodass sie das Firmament des begrenzten Seelenlebens ausdehnt über die von den meisten Menschen angenommenen Grenzen, und zwar diesseits der Geburt und jenseits des Todes hinaus in eine Ewigkeit, dann wird die Geisteswissenschaft der Welt die seelische Unendlichkeit und die seelische Unsterblichkeit erschließen. Einst ist Giordano Bruno von seinen Gegnern zum Feuertod verdammt und in Rom verbrannt worden. So wird es vielleicht von manchem für die Vertreter und Anhänger der Geisteswissenschaft gewünscht; wenn dies heute nicht mehr zulässig ist, so sucht man die Geisteswissenschaft möglichst zu verspotten und herabzusetzen. Jene aber, welche sich darin nicht genug tun können, sie werden damit ihr eigenes Urteil sprechen statt über den, an dem sie es glauben ausführen zu können. Jene Weltanschauung aber wird auch noch ihr Urteil, und zwar durch die weitere Entwicklung der Geisteswissenschaft, empfangen, wie auch für die naturwissenschaftliche Anschauung, gegen rückschrittliche Bestrebungen, die Zeit der Anerkennung gekommen ist. Aber auch die Geisteswissenschaft wird sich [als] besonders fähig erweisen, den Menschen wirkliches Leben und nicht nur eine Theorie zu geben, ihnen mehr als die Naturwissenschaften zum Segen gereichend, nicht aber im Gegensatze zu diesen, sondern in Erweiterung ihrer gesunden Prinzipien auf neuen Entwicklungsbahnen der Menschheit. Wer dann einsehen kann, dass die Welt so vorwärts dringt, der wird die Geisteswissenschaft nicht verurteilen, sondern mit ihr zum Siege schreiten.
