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The Inner Nature and Essence
of the Human Soul
GA 80b

15 May 1923, Oslo

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Das Innere der Natur und das Wesen der Menschenseele
  1. The Inner Nature and Essence of the Human Soul, tr. SOL

13. Entwicklung und Erziehung des Menschen vom Gesichtspunkt der Anthroposophie

13. Entwicklung und Erziehung des Menschen vom Gesichtspunkt der Anthroposophie

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Ich muss auch heute um Entschuldigung bitten wegen der Erkältung, die ich mir gestern mitgebracht habe und die noch nicht ganz überwunden ist, sodass ich nicht weiß, wie ich mit der Stimme den Vortrag hindurch ausreichen werde.

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Ich muss auch heute um Entschuldigung bitten wegen der Erkältung, die ich mir gestern mitgebracht habe und die noch nicht ganz überwunden ist, sodass ich nicht weiß, wie ich mit der Stimme den Vortrag hindurch ausreichen werde.

[ 2 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn wir hinhorchen auf urälteste Stimmen, die innerhalb der Entwicklung der Menschheit waren, zu uns heraufdringen mit Bezug auf das Wesen des Menschen selbst und das Streben nach der Erkenntnis dieses Menschenwesens, so ist es ohne Zweifel einer der bedeutsamsten Aussprüche, die wir da hören herauftönen aus dem griechischen Altertum zum Beispiel der: «Erkenne dich selbst». Indem diese Aufforderung von den alten Weisheitsstätten an den Menschen gerichtet wird, ist ja ganz gewiss damit nicht gemeint, man solle nur die leiblichen Innenerlebnisse zu einer Art von Selbsterkenntnis bringen; sondern es ist damit gemeint, der Mensch solle sich bemühen, sein eigenes Wesen, dasjenige, worinnen seine Würde als Mensch besteht, worinnen seine Bestimmung als Mensch liegt, zu ergründen. Und man kann schon sagen: Seit dieses Wort in die menschliche Entwicklungsgeschichte hineingetönt hat, das alte Griechentum hindurch, im Mittelalter hindurch, trotz aller seiner Verirrungen, bis in die neueste Zeit, ist dieses Wort ein Richtwort geworden. Und ein großer Teil des Umfanges menschlicher Geistesbestrebungen, ein großer Teil desjenigen, was heraufgeholt worden ist aus dem tiefsten Untergrunde des seelischen Lebens, all das hat darinnen gegipfelt, das Menschenwesen selbst im Zusammenhange mit dem Weltwesen und mit der Weltenentwicklung zu ergründen.

[ 2 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn wir hinhorchen auf urälteste Stimmen, die innerhalb der Entwicklung der Menschheit waren, zu uns heraufdringen mit Bezug auf das Wesen des Menschen selbst und das Streben nach der Erkenntnis dieses Menschenwesens, so ist es ohne Zweifel einer der bedeutsamsten Aussprüche, die wir da hören herauftönen aus dem griechischen Altertum zum Beispiel der: «Erkenne dich selbst». Indem diese Aufforderung von den alten Weisheitsstätten an den Menschen gerichtet wird, ist ja ganz gewiss damit nicht gemeint, man solle nur die leiblichen Innenerlebnisse zu einer Art von Selbsterkenntnis bringen; sondern es ist damit gemeint, der Mensch solle sich bemühen, sein eigenes Wesen, dasjenige, worinnen seine Würde als Mensch besteht, worinnen seine Bestimmung als Mensch liegt, zu ergründen. Und man kann schon sagen: Seit dieses Wort in die menschliche Entwicklungsgeschichte hineingetönt hat, das alte Griechentum hindurch, im Mittelalter hindurch, trotz aller seiner Verirrungen, bis in die neueste Zeit, ist dieses Wort ein Richtwort geworden. Und ein großer Teil des Umfanges menschlicher Geistesbestrebungen, ein großer Teil desjenigen, was heraufgeholt worden ist aus dem tiefsten Untergrunde des seelischen Lebens, all das hat darinnen gegipfelt, das Menschenwesen selbst im Zusammenhange mit dem Weltwesen und mit der Weltenentwicklung zu ergründen.

[ 3 ] Und gerade in der Glanzzeit naturwissenschaftlicher Entwicklung, in jener Zeit im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts, in der die großen, die nicht genug zu würdigenden Erfolge durch die Naturwissenschaft errungen worden sind, in der Zeit kam die Menschheit gerade in ihren erleuchtesten Geistern immer mehr und mehr dazu, zu verzweifeln an der Möglichkeit einer solchen Selbsterkenntnis, einer solchen Menschenerkenntnis. Man kam dazu, der menschlichen Erkenntnis nur mehr zugänglich zu halten dasjenige, was sich aus materiellen, sinnlichsichtbaren Erfahrungen gewissermaßen ausspricht, insofern man anerkennen muss, dass im Menschenwesen etwas webt und lebt wie Seele, wie Geist — so sagte man sich gerade, weil man meinte, die Grenzen der Naturerkenntnis in der richtigen Weise zu schauen —, so sagte man sich: An dieses eigentliche Menschenwesen, an das Menschenbewusstsein, kann eine wirkliche Erkenntnis, die ja doch nur Naturerkenntnis sein könne, nicht heran. Und so entstand denn immer mehr und mehr der Zweifel an der Erreichung desjenigen, was als eine höchste Forderung in dem «Erkenne dich selbst!» der alten Weisheitsstätten vor die Menschheit hingestellt worden ist.

[ 3 ] Und gerade in der Glanzzeit naturwissenschaftlicher Entwicklung, in jener Zeit im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts, in der die großen, die nicht genug zu würdigenden Erfolge durch die Naturwissenschaft errungen worden sind, in der Zeit kam die Menschheit gerade in ihren erleuchtesten Geistern immer mehr und mehr dazu, zu verzweifeln an der Möglichkeit einer solchen Selbsterkenntnis, einer solchen Menschenerkenntnis. Man kam dazu, der menschlichen Erkenntnis nur mehr zugänglich zu halten dasjenige, was sich aus materiellen, sinnlichsichtbaren Erfahrungen gewissermaßen ausspricht, insofern man anerkennen muss, dass im Menschenwesen etwas webt und lebt wie Seele, wie Geist — so sagte man sich gerade, weil man meinte, die Grenzen der Naturerkenntnis in der richtigen Weise zu schauen —, so sagte man sich: An dieses eigentliche Menschenwesen, an das Menschenbewusstsein, kann eine wirkliche Erkenntnis, die ja doch nur Naturerkenntnis sein könne, nicht heran. Und so entstand denn immer mehr und mehr der Zweifel an der Erreichung desjenigen, was als eine höchste Forderung in dem «Erkenne dich selbst!» der alten Weisheitsstätten vor die Menschheit hingestellt worden ist.

[ 4 ] Man kann schon sagen: Wäre es so, müsste der Mensch verzichten auf Erfüllung jener alten Forderung, es würde damit verloren gehen die Möglichkeit, dass der Mensch sicheren Boden für sein Seelenleben unter seinen Füßen habe. Es würde verloren gehen für den Menschen, weil die Erkenntnis seiner Würde und seines Wesens, seiner Bestimmung, verloren gehen würde; es würde verloren gehen für den Menschen auch die Möglichkeit, eine sichere Zielsetzung und eine frohe, freudige, aber auch tatkräftige Arbeitslust in der Welt zu entwickeln.

[ 4 ] Man kann schon sagen: Wäre es so, müsste der Mensch verzichten auf Erfüllung jener alten Forderung, es würde damit verloren gehen die Möglichkeit, dass der Mensch sicheren Boden für sein Seelenleben unter seinen Füßen habe. Es würde verloren gehen für den Menschen, weil die Erkenntnis seiner Würde und seines Wesens, seiner Bestimmung, verloren gehen würde; es würde verloren gehen für den Menschen auch die Möglichkeit, eine sichere Zielsetzung und eine frohe, freudige, aber auch tatkräftige Arbeitslust in der Welt zu entwickeln.

[ 5 ] Daher war es kein Wunder, dass in der Zeit, in der auf der einen Seite Naturwissenschaft immer mehr und mehr darauf aufmerksam machte, wie sie selbst — und sie glaubte, die einzig mögliche, wissenschaftliche Erkenntnis zu sein —, wie sie selbst zu einer wirklichen Menschenerkenntnis nicht kommen könne, dass da die Menschen doch, weil sie eigentlich ohne eine solche Selbsterkenntnis in Wahrheit nicht leben können, aus der tiefen Sehnsucht ihrer Seele heraus auf anderen Wegen als auf dem Weg der Wissenschaft nach einer solchen Selbsterkenntnis und einer Erkenntnis des Zusammenhanges mit der Welt strebten.

[ 5 ] Daher war es kein Wunder, dass in der Zeit, in der auf der einen Seite Naturwissenschaft immer mehr und mehr darauf aufmerksam machte, wie sie selbst — und sie glaubte, die einzig mögliche, wissenschaftliche Erkenntnis zu sein —, wie sie selbst zu einer wirklichen Menschenerkenntnis nicht kommen könne, dass da die Menschen doch, weil sie eigentlich ohne eine solche Selbsterkenntnis in Wahrheit nicht leben können, aus der tiefen Sehnsucht ihrer Seele heraus auf anderen Wegen als auf dem Weg der Wissenschaft nach einer solchen Selbsterkenntnis und einer Erkenntnis des Zusammenhanges mit der Welt strebten.

[ 6 ] Und so wurde es vielen Menschen aus der Unbefriedigtheit gegenüber der Naturwissenschaft selber in der neueren Zeit immer mehr und mehr Bedürfnis, nach der Mystik auszuschauen. Wenn auf der einen Seite die Naturwissenschaft ihre Grenzen aufrichtete, glaubte der Mystiker durch die Versenkung in das innere Menschenwesen vorzudringen zu dem ewigen Kern dieses Wesens, — damit auch zu dem Punkte im Menschenwesen, wo der Mensch zusammenhängt mit dem Göttlich-Geistigen, wo der Mensch zusammenhängt mit der moralischen Weltenordnung und so weiter und so weiter.

[ 6 ] Und so wurde es vielen Menschen aus der Unbefriedigtheit gegenüber der Naturwissenschaft selber in der neueren Zeit immer mehr und mehr Bedürfnis, nach der Mystik auszuschauen. Wenn auf der einen Seite die Naturwissenschaft ihre Grenzen aufrichtete, glaubte der Mystiker durch die Versenkung in das innere Menschenwesen vorzudringen zu dem ewigen Kern dieses Wesens, — damit auch zu dem Punkte im Menschenwesen, wo der Mensch zusammenhängt mit dem Göttlich-Geistigen, wo der Mensch zusammenhängt mit der moralischen Weltenordnung und so weiter und so weiter.

[ 7 ] Man muss schon sagen: Wunderbare Beschreibungen innerer Erlebnisse sind oftmals das Ergebnis dieser mystischen Versenkung. Die Mystiker glauben ja, auf diese Weise und noch manche andere Weise dazu zu kommen in der Tat, die klare naturwissenschaftliche Erkenntnismethode entbehren zu können, nur durch die Versenkung in das Innere des Menschen selber zu einer befriedigenden Auffassung über das Verhältnis des Menschen zur Welt zu kommen.

[ 7 ] Man muss schon sagen: Wunderbare Beschreibungen innerer Erlebnisse sind oftmals das Ergebnis dieser mystischen Versenkung. Die Mystiker glauben ja, auf diese Weise und noch manche andere Weise dazu zu kommen in der Tat, die klare naturwissenschaftliche Erkenntnismethode entbehren zu können, nur durch die Versenkung in das Innere des Menschen selber zu einer befriedigenden Auffassung über das Verhältnis des Menschen zur Welt zu kommen.

[ 8 ] Zwischen die zwei Klippen — die naturwissenschaftliche auf der einen Seite, die mystische auf der andern Seite — sieht sich diejenige Weltenforschung hineingestellt, von der ich Ihnen gestern — meine sehr verehrten Anwesenden — die Prinzipien ihres Suchens, ihres Strebens auseinandersetzen durfte.

[ 8 ] Zwischen die zwei Klippen — die naturwissenschaftliche auf der einen Seite, die mystische auf der andern Seite — sieht sich diejenige Weltenforschung hineingestellt, von der ich Ihnen gestern — meine sehr verehrten Anwesenden — die Prinzipien ihres Suchens, ihres Strebens auseinandersetzen durfte.

[ 9 ] Diese Weltanschauungsforschung ist weder bloße Naturwissenschaft, obwohl sie — wie ich gestern betonte — durchaus ihre Erkenntnisdisziplin, ihre wissenschaftliche Verantwortlichkeit von der Naturwissenschaft in ihrer exaktesten Gestalt lernen will. Diese Geistesforschung ist aber auch nicht Mystik; denn gerade dann, wenn man auf jenen Wegen, die ich gestern geschildert habe, vordringt zu einer wirklichen menschlichen Selbsterkenntnis, dann ergründet man zugleich, dass dasjenige, was man heute fast ausschließlich Mystik nennt, im Grunde genommen nur eine weitere Vertiefung des gewöhnlichen menschlichen Gedächtnis- oder Erinnerungsvermögens ist. Das durchschauen nur die Mystiker begreiflicherweise nicht genauer. Ob der Mystiker dasjenige, was aus dem Innern herausgeschöpft ist, aus dem eigenen Inneren herausbekommt oder ob es herauskommt auf den ja oftmals sehr, sehr zweifelhaften Wegen der medialen Veranlagung durch andere Menschen, es ist nichts anderes als ein Heraufheben desjenigen, was doch irgendeinmal, wenn auch auf eine noch so verborgene Art, wenn es auch noch so unbewusst geblieben ist, durch äußere Beobachtung im gewöhnlichen Erdenleben, in die Seele hineingekommen ist und in der Seele sich entwickelt hat, dann aber untergetaucht ist in die physisch-leibliche Organisation; sodass der Mystiker nichts anderes ergründet, als wie seine eigenen Gedächtnisvorstellungen sich umgewandelt haben durch die organischen Kräfte des physisch-leiblich-ätherischen, menschlichen Wesens. Darauf kommt gerade derjenige, der in der gestern geschilderten Art in ehrlicher Weise wahre Seelen- und Geistesforschung treibt.

[ 9 ] Diese Weltanschauungsforschung ist weder bloße Naturwissenschaft, obwohl sie — wie ich gestern betonte — durchaus ihre Erkenntnisdisziplin, ihre wissenschaftliche Verantwortlichkeit von der Naturwissenschaft in ihrer exaktesten Gestalt lernen will. Diese Geistesforschung ist aber auch nicht Mystik; denn gerade dann, wenn man auf jenen Wegen, die ich gestern geschildert habe, vordringt zu einer wirklichen menschlichen Selbsterkenntnis, dann ergründet man zugleich, dass dasjenige, was man heute fast ausschließlich Mystik nennt, im Grunde genommen nur eine weitere Vertiefung des gewöhnlichen menschlichen Gedächtnis- oder Erinnerungsvermögens ist. Das durchschauen nur die Mystiker begreiflicherweise nicht genauer. Ob der Mystiker dasjenige, was aus dem Innern herausgeschöpft ist, aus dem eigenen Inneren herausbekommt oder ob es herauskommt auf den ja oftmals sehr, sehr zweifelhaften Wegen der medialen Veranlagung durch andere Menschen, es ist nichts anderes als ein Heraufheben desjenigen, was doch irgendeinmal, wenn auch auf eine noch so verborgene Art, wenn es auch noch so unbewusst geblieben ist, durch äußere Beobachtung im gewöhnlichen Erdenleben, in die Seele hineingekommen ist und in der Seele sich entwickelt hat, dann aber untergetaucht ist in die physisch-leibliche Organisation; sodass der Mystiker nichts anderes ergründet, als wie seine eigenen Gedächtnisvorstellungen sich umgewandelt haben durch die organischen Kräfte des physisch-leiblich-ätherischen, menschlichen Wesens. Darauf kommt gerade derjenige, der in der gestern geschilderten Art in ehrlicher Weise wahre Seelen- und Geistesforschung treibt.

[ 10 ] Wenn dasjenige, was ich gestern geschildert habe, weiter verfolgt wird, dann kommt es vorbei auf der einen Seite an der Klippe der Naturwissenschaft, auf der anderen Seite aber auch an der Klippe der bloßen Mystik. Die Naturwissenschaft sagt uns mit Recht von ihrem Gesichtspunkte aus: Da sind gewisse Grenzen, die kann man mit der naturwissenschaftlichen Methode, mit dem kombinierenden Verstande, mit dem Messen, dem Zählen, dem Rechnen, mit dem Forschen mit der Waage, nicht überschreiten. Man muss, wenn die Naturwissenschaft von ihrem Gesichtspunkte aus diese Grenzen geltend macht, man muss ihr durchaus recht geben, aber recht geben nur, wenn sie bei der Behauptung bleibt: Mit alledem, was man auf diesem Wege, der die gewöhnlichen Grenzen des Naturerkennens achtet, finden kann, kommt man nicht an den Menschen heran.

[ 10 ] Wenn dasjenige, was ich gestern geschildert habe, weiter verfolgt wird, dann kommt es vorbei auf der einen Seite an der Klippe der Naturwissenschaft, auf der anderen Seite aber auch an der Klippe der bloßen Mystik. Die Naturwissenschaft sagt uns mit Recht von ihrem Gesichtspunkte aus: Da sind gewisse Grenzen, die kann man mit der naturwissenschaftlichen Methode, mit dem kombinierenden Verstande, mit dem Messen, dem Zählen, dem Rechnen, mit dem Forschen mit der Waage, nicht überschreiten. Man muss, wenn die Naturwissenschaft von ihrem Gesichtspunkte aus diese Grenzen geltend macht, man muss ihr durchaus recht geben, aber recht geben nur, wenn sie bei der Behauptung bleibt: Mit alledem, was man auf diesem Wege, der die gewöhnlichen Grenzen des Naturerkennens achtet, finden kann, kommt man nicht an den Menschen heran.

[ 11 ] Diese Erfahrung, meine sehr verehrten Anwesenden, macht man zunächst. Die Naturwissenschaft führt uns in wunderbarer Weise ein in die Reiche der äußeren Natur, insofern diese die rein naturgesetzlichen Wesenhaftigkeiten in sich tragen. Naturwissenschaft führt uns auch herauf bis zu demjenigen, was der Mensch von der äußeren Natur, von seiner Organisation in sich trägt, was er von dieser äußeren Natur aufnimmt. Nur, diese äußere Naturwissenschaft entfernt uns von dem Menschen. Sie lässt uns nicht an das wahre Wesen des Menschen herankommen.

[ 11 ] Diese Erfahrung, meine sehr verehrten Anwesenden, macht man zunächst. Die Naturwissenschaft führt uns in wunderbarer Weise ein in die Reiche der äußeren Natur, insofern diese die rein naturgesetzlichen Wesenhaftigkeiten in sich tragen. Naturwissenschaft führt uns auch herauf bis zu demjenigen, was der Mensch von der äußeren Natur, von seiner Organisation in sich trägt, was er von dieser äußeren Natur aufnimmt. Nur, diese äußere Naturwissenschaft entfernt uns von dem Menschen. Sie lässt uns nicht an das wahre Wesen des Menschen herankommen.

[ 12 ] Wie es sich mit dieser Sache verhält, darauf, meine sehr verehrten Anwesenden, kommt man erst, warum wir eigentlich naturwissenschaftliche Grenzen des Erkennens haben. Wie kommt es denn, dass wir da an gewisse Punkte kommen, über die wir nicht hinauskönnen mit dem naturwissenschaftlichen Erkennen?

[ 12 ] Wie es sich mit dieser Sache verhält, darauf, meine sehr verehrten Anwesenden, kommt man erst, warum wir eigentlich naturwissenschaftliche Grenzen des Erkennens haben. Wie kommt es denn, dass wir da an gewisse Punkte kommen, über die wir nicht hinauskönnen mit dem naturwissenschaftlichen Erkennen?

[ 13 ] Nun, ich habe gestern, wie ich schon sagte, wahrscheinlich um den reinen Wissenschaftern ein leises Gruseln zu verursachen, darauf aufmerksam gemacht, dass eine Kraft der menschlichen Seele Erkenntniskraft werden kann, wenn man sie weiter und immer weiter in dem Sinne entwickelt, wie ich es gestern charakterisiert habe: Das ist die Kraft der menschlichen Liebe. Liebe, sie kann nämlich so entwickelt werden, dass sie sich anschließt an das naturwissenschaftliche Forschen. Was will denn das naturwissenschaftliche Forschen? Es will objektiv die Dinge und Vorgänge prüfen. Es will, dass der Mensch aus seiner Phantasie, aus seinen Vorurteilen nichts hinzusage zu den Wesenheiten der Natur, zu den Vorgängen der Natur, dass der Mensch ganz von sich absehen könne und die Dinge und Wesenheiten der Natur selbst sprechen lassen könne. Das ist das Ideal der Naturforschung.

[ 13 ] Nun, ich habe gestern, wie ich schon sagte, wahrscheinlich um den reinen Wissenschaftern ein leises Gruseln zu verursachen, darauf aufmerksam gemacht, dass eine Kraft der menschlichen Seele Erkenntniskraft werden kann, wenn man sie weiter und immer weiter in dem Sinne entwickelt, wie ich es gestern charakterisiert habe: Das ist die Kraft der menschlichen Liebe. Liebe, sie kann nämlich so entwickelt werden, dass sie sich anschließt an das naturwissenschaftliche Forschen. Was will denn das naturwissenschaftliche Forschen? Es will objektiv die Dinge und Vorgänge prüfen. Es will, dass der Mensch aus seiner Phantasie, aus seinen Vorurteilen nichts hinzusage zu den Wesenheiten der Natur, zu den Vorgängen der Natur, dass der Mensch ganz von sich absehen könne und die Dinge und Wesenheiten der Natur selbst sprechen lassen könne. Das ist das Ideal der Naturforschung.

[ 14 ] Der nächste Schritt kann nicht mehr theoretisch, nicht mehr durch Beobachtung gemacht werden; der nächste Schritt kann nur in einer noch größeren Selbstverleugnung gesehen werden. Man übt schon Selbstverleugnung, wenn man alle Vorurteile, alle subjektiven Wünsche, überhaupt alles Subjektive, beim Naturforschen ausschaltet. Geht man noch ein Stück weiter, dann kommt man eben zu der Liebe als einer Erkenntniskraft, wo man sich völlig aufgibt und ganz sich identifiziert mit den Dingen und Vorgängen, die man erforschen will. Dann treibt man, indem man die Liebe zur Erkenntniskraft macht, die Naturforschung ein wesentliches Stück ins Geistige hinein weiter.

[ 14 ] Der nächste Schritt kann nicht mehr theoretisch, nicht mehr durch Beobachtung gemacht werden; der nächste Schritt kann nur in einer noch größeren Selbstverleugnung gesehen werden. Man übt schon Selbstverleugnung, wenn man alle Vorurteile, alle subjektiven Wünsche, überhaupt alles Subjektive, beim Naturforschen ausschaltet. Geht man noch ein Stück weiter, dann kommt man eben zu der Liebe als einer Erkenntniskraft, wo man sich völlig aufgibt und ganz sich identifiziert mit den Dingen und Vorgängen, die man erforschen will. Dann treibt man, indem man die Liebe zur Erkenntniskraft macht, die Naturforschung ein wesentliches Stück ins Geistige hinein weiter.

[ 15 ] Das, meine sehr verehrten Anwesenden, führt aber auch dazu, zu erkennen, dass alles Sprechen von der Grenze noch herrührt von einem letzten Rest des menschlichen Egoismus, ja vielleicht sogar von einem sehr versteckten menschlichen Egoismus. Der Mensch will nicht aus sich heraus. Er will sich selbst behaupten. Er will recht fest in seinem Ego stehen bleiben. Daher setzt er sich Grenzen der Erkenntnis, die er nicht überschreiten will dann; wenn er sagt: «Er will», muss er aus sich herausgehen, muss in die Welt hineingehen, muss die Liebe zur Erkenntniskraft machen.

[ 15 ] Das, meine sehr verehrten Anwesenden, führt aber auch dazu, zu erkennen, dass alles Sprechen von der Grenze noch herrührt von einem letzten Rest des menschlichen Egoismus, ja vielleicht sogar von einem sehr versteckten menschlichen Egoismus. Der Mensch will nicht aus sich heraus. Er will sich selbst behaupten. Er will recht fest in seinem Ego stehen bleiben. Daher setzt er sich Grenzen der Erkenntnis, die er nicht überschreiten will dann; wenn er sagt: «Er will», muss er aus sich herausgehen, muss in die Welt hineingehen, muss die Liebe zur Erkenntniskraft machen.

[ 16 ] Alles Reden von Erkenntnisgrenzen im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts war nichts anderes als das unbemerkte Betonen: Wir wollen als Menschen auch erkennend egoistisch bleiben; wir wollen nicht aus uns herausgehen, wollen uns Grenzen setzen, die unser [Wesen] begrenzen, die wir nicht überschreiten wollen, in das Wesen der Dinge hinein.

[ 16 ] Alles Reden von Erkenntnisgrenzen im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts war nichts anderes als das unbemerkte Betonen: Wir wollen als Menschen auch erkennend egoistisch bleiben; wir wollen nicht aus uns herausgehen, wollen uns Grenzen setzen, die unser [Wesen] begrenzen, die wir nicht überschreiten wollen, in das Wesen der Dinge hinein.

[ 17 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn einmal diese Erkenntnis mit rechter Empfindung, im tiefen Fühlen und mit den nötigen Willensimpulsen in der Menschheit auftaucht: Das Reden von Erkenntnisgrenzen ist der letzte Rest des menschlichen Egoismus, aber es ist die Geltendmachung eines recht versteckten Egoismus, dann wird eigentlich erst der große Impuls da sein, die Grenzen der Naturwissenschaft in Bezug auf das Geistige als nicht mehr unübersteiglich zu betrachten. Denn das Übersteigen dieser Grenzen bedeutet ja dann nichts anderes mehr als das Abwerfen der letzten unbemerkten und damit umso hartnäckiger verfochtenen, menschlichen egoistischen Kräfte.

[ 17 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn einmal diese Erkenntnis mit rechter Empfindung, im tiefen Fühlen und mit den nötigen Willensimpulsen in der Menschheit auftaucht: Das Reden von Erkenntnisgrenzen ist der letzte Rest des menschlichen Egoismus, aber es ist die Geltendmachung eines recht versteckten Egoismus, dann wird eigentlich erst der große Impuls da sein, die Grenzen der Naturwissenschaft in Bezug auf das Geistige als nicht mehr unübersteiglich zu betrachten. Denn das Übersteigen dieser Grenzen bedeutet ja dann nichts anderes mehr als das Abwerfen der letzten unbemerkten und damit umso hartnäckiger verfochtenen, menschlichen egoistischen Kräfte.

[ 18 ] Es ist also, ich möchte sagen ein wissenschaftlich-ethischer Zug, der auf der einen Seite da steht wie ein leuchtendes Ideal [der] Geistesforschung gegenüber der einen Klippe — der Naturwissenschaft. Und, ich möchte sagen: Versucherisch und verführerisch ist die andere — die mystische — Klippe, denn die ist wiederum verbunden mit demjenigen, was der Mensch ja braucht, um überhaupt im Leben als ein Eigenwesen dazustehen.

[ 18 ] Es ist also, ich möchte sagen ein wissenschaftlich-ethischer Zug, der auf der einen Seite da steht wie ein leuchtendes Ideal [der] Geistesforschung gegenüber der einen Klippe — der Naturwissenschaft. Und, ich möchte sagen: Versucherisch und verführerisch ist die andere — die mystische — Klippe, denn die ist wiederum verbunden mit demjenigen, was der Mensch ja braucht, um überhaupt im Leben als ein Eigenwesen dazustehen.

[ 19 ] Der Mensch braucht ja während seines Erdenlebens seine Erinnerung. Diese Erinnerung muss untertauchen in den physischen Organismus. Die Erinnerungsgedanken bedienen sich ja des physischen Organismus. Da fühlt sich der Mensch in seinem Eigenwesen. Und wenn er als Mystiker dann heraufzaubert die umgewandelte Erinnerungsvorstellung oder wenn er sich durch ein Medium heraufzaubern lässt die umgewandelte Erinnerungsvorstellung, dann verbindet er mit dem, was durch sein eigenes Wesen umgewandelt worden ist, eine solche innere Lust, eine solche innere Befriedigung, dass er gerne dabei stehen bleibt und gern sich der Illusion hingibt: Dasjenige, was ihn so aus der Tiefe des eigenen Wesens heraus — ich möchte fast sagen — wollüstig befriedigt, das muss auch zusammenhängen mit dem Wertvollsten in der Welt, das muss hindeuten auf dasjenige, wo der Mensch mit den ewigen Quellen des Daseins zusammenhängt.

[ 19 ] Der Mensch braucht ja während seines Erdenlebens seine Erinnerung. Diese Erinnerung muss untertauchen in den physischen Organismus. Die Erinnerungsgedanken bedienen sich ja des physischen Organismus. Da fühlt sich der Mensch in seinem Eigenwesen. Und wenn er als Mystiker dann heraufzaubert die umgewandelte Erinnerungsvorstellung oder wenn er sich durch ein Medium heraufzaubern lässt die umgewandelte Erinnerungsvorstellung, dann verbindet er mit dem, was durch sein eigenes Wesen umgewandelt worden ist, eine solche innere Lust, eine solche innere Befriedigung, dass er gerne dabei stehen bleibt und gern sich der Illusion hingibt: Dasjenige, was ihn so aus der Tiefe des eigenen Wesens heraus — ich möchte fast sagen — wollüstig befriedigt, das muss auch zusammenhängen mit dem Wertvollsten in der Welt, das muss hindeuten auf dasjenige, wo der Mensch mit den ewigen Quellen des Daseins zusammenhängt.

[ 20 ] Sehen Sie — sehr verehrte Anwesende —, das sind die Gründe, aus denen die Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, wie ich sie vor Ihnen zu vertreten habe, weder bei der bloßen Naturforschung stehen bleiben kann noch in die Mystik verfallen darf; sondern diese Geistesforschung sieht ein, dass die bloße Naturforschung niemals an den Menschen herankommt. Die bloße Naturforschung erforscht die äußere, menschenlose, menschenleere Welt, kommt nur dazu, anzuerkennen: In dieser Welt der tierischen — der anorganischen, der pflanzlichen, der tierischen — Organisation ist der Mensch der Schlusspunkt — nicht ein Eigenwesen —, das höchstentwickelte Tier, der Schlusspunkt der außermenschlichen Entwicklung.

[ 20 ] Sehen Sie — sehr verehrte Anwesende —, das sind die Gründe, aus denen die Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, wie ich sie vor Ihnen zu vertreten habe, weder bei der bloßen Naturforschung stehen bleiben kann noch in die Mystik verfallen darf; sondern diese Geistesforschung sieht ein, dass die bloße Naturforschung niemals an den Menschen herankommt. Die bloße Naturforschung erforscht die äußere, menschenlose, menschenleere Welt, kommt nur dazu, anzuerkennen: In dieser Welt der tierischen — der anorganischen, der pflanzlichen, der tierischen — Organisation ist der Mensch der Schlusspunkt — nicht ein Eigenwesen —, das höchstentwickelte Tier, der Schlusspunkt der außermenschlichen Entwicklung.

[ 21 ] Die Naturforschung kommt aus der Welt nicht heraus, nicht zum Menschen hin. Und die Mystik kommt in den Menschen hinein, aber sie kommt nicht wieder aus dem Menschen heraus; sie kommt nicht vom Menschen zur Welt; wie die Naturforschung nicht von der Welt zum Menschen kommt, kommt die Mystik nicht vom Menschen zur Welt!

[ 21 ] Die Naturforschung kommt aus der Welt nicht heraus, nicht zum Menschen hin. Und die Mystik kommt in den Menschen hinein, aber sie kommt nicht wieder aus dem Menschen heraus; sie kommt nicht vom Menschen zur Welt; wie die Naturforschung nicht von der Welt zum Menschen kommt, kommt die Mystik nicht vom Menschen zur Welt!

[ 22 ] Welterkenntnis und Menschenerkenntnis dadurch zu pflegen, dass man mit demjenigen, was man sich angeeignet hat als Seelenkultur und Seelendisziplin und wissenschaftliche Verantwortlichkeit, ringt mit den Grenzen der Naturwissenschaft auf der einen Seite und dann untertaucht, [auf der anderen Seite] wie der rechte Mystiker, aber jetzt nicht in träumerischer Weise in die eigene Erinnerung, sondern untertaucht mit klaren Begriffen, denen man sich hingibt — wie ich es gestern geschildert habe — in einem verstärkten und aktivierten Denken. Dadurch gelangt man zuerst zu einer Erkenntnis dessen, was ich gestern geschildert habe, nicht zunächst zu einer äußeren Welterkenntnis, nicht zu einer inneren Ergründung des eigenen Menschenwesens — insofern der physische Leib daran beteiligt ist, wie es bei der Mystik doch immer der Fall ist —, sondern man gelangt zu demjenigen Lebenstableau, wo man wie in einem einzigen Augenblick übersieht dasjenige, was in einem gewirkt hat als in einem Zeitleib, seitdem man heruntergestiegen ist von der geistigen Welt und mit einem physischen, irdischen Leib überkleidet worden ist; dasjenige, was da als menschliche Selbsterkenntnis auftritt, jenes gewaltige Lebenstableau, in dem man sieht, wie man im Verlaufe seines Erdenlebens aus seinen inneren Kräften, aus den Kräften der Sympathie und Antipathie zu diesem oder jenem Menschen den Weg gefunden hat, zu diesem oder jenem sonstigen Lebensereignis den Weg gefunden hat, in diesem Lebenstableau fühlt man sich zum ersten Mal aus seinem physischen Leib herausgehoben. Man erfasst den höheren Menschen, noch nicht den höchsten, aber den höheren Menschen, und man vergisst für die Augenblicke dieses Erkennens die physische Organisation, zu der man natürlich immer wieder und wiederum zurückkommen muss.

[ 22 ] Welterkenntnis und Menschenerkenntnis dadurch zu pflegen, dass man mit demjenigen, was man sich angeeignet hat als Seelenkultur und Seelendisziplin und wissenschaftliche Verantwortlichkeit, ringt mit den Grenzen der Naturwissenschaft auf der einen Seite und dann untertaucht, [auf der anderen Seite] wie der rechte Mystiker, aber jetzt nicht in träumerischer Weise in die eigene Erinnerung, sondern untertaucht mit klaren Begriffen, denen man sich hingibt — wie ich es gestern geschildert habe — in einem verstärkten und aktivierten Denken. Dadurch gelangt man zuerst zu einer Erkenntnis dessen, was ich gestern geschildert habe, nicht zunächst zu einer äußeren Welterkenntnis, nicht zu einer inneren Ergründung des eigenen Menschenwesens — insofern der physische Leib daran beteiligt ist, wie es bei der Mystik doch immer der Fall ist —, sondern man gelangt zu demjenigen Lebenstableau, wo man wie in einem einzigen Augenblick übersieht dasjenige, was in einem gewirkt hat als in einem Zeitleib, seitdem man heruntergestiegen ist von der geistigen Welt und mit einem physischen, irdischen Leib überkleidet worden ist; dasjenige, was da als menschliche Selbsterkenntnis auftritt, jenes gewaltige Lebenstableau, in dem man sieht, wie man im Verlaufe seines Erdenlebens aus seinen inneren Kräften, aus den Kräften der Sympathie und Antipathie zu diesem oder jenem Menschen den Weg gefunden hat, zu diesem oder jenem sonstigen Lebensereignis den Weg gefunden hat, in diesem Lebenstableau fühlt man sich zum ersten Mal aus seinem physischen Leib herausgehoben. Man erfasst den höheren Menschen, noch nicht den höchsten, aber den höheren Menschen, und man vergisst für die Augenblicke dieses Erkennens die physische Organisation, zu der man natürlich immer wieder und wiederum zurückkommen muss.

[ 23 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, ich habe gestern aber zu gleicher Zeit ausgeführt, dass man in der Lage ist, zu einer höheren Stufe des Erkennens aufzusteigen, dass man in der Lage ist, diese Selbsterkenntnis, dieses Lebenstableau auszutilgen.

[ 23 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, ich habe gestern aber zu gleicher Zeit ausgeführt, dass man in der Lage ist, zu einer höheren Stufe des Erkennens aufzusteigen, dass man in der Lage ist, diese Selbsterkenntnis, dieses Lebenstableau auszutilgen.

[ 24 ] Dass man dann aber kommt zu der Erkenntnis desjenigen, was sich einem aus dem tiefen Schweigen der menschlichen Seele ergibt, wo alles zunächst ausgetilgt ist, auch dasjenige, was den irdischen Lebenslauf ausmacht. Dann aber, wenn man ein waches Bewusstsein mit dem inneren Schweigen der Seele behält, nachdem man getilgt hat nicht nur alles übrige Vorstellen, sondern den eigenen Seeleninhalt — wie ich es gestern ausgeführt habe —, dann gelangt man zu der Einsicht seines noch höheren Menschen: desjenigen Menschen, der man war, bevor man heruntergestiegen ist aus der geistig-seelischen Welt in die physische Erdenwelt. Man gelangt zu der Anschauung dessen, was man war in einer rein geistig-seelischen Welt unter geistig-seelischen Wesenheiten, unter denen man gelebt hat, bevor man das Erdendasein angetreten hat, wie man hier im Erdendasein unter Menschen und unter den anderen Wesenheiten der Naturreiche lebt.

[ 24 ] Dass man dann aber kommt zu der Erkenntnis desjenigen, was sich einem aus dem tiefen Schweigen der menschlichen Seele ergibt, wo alles zunächst ausgetilgt ist, auch dasjenige, was den irdischen Lebenslauf ausmacht. Dann aber, wenn man ein waches Bewusstsein mit dem inneren Schweigen der Seele behält, nachdem man getilgt hat nicht nur alles übrige Vorstellen, sondern den eigenen Seeleninhalt — wie ich es gestern ausgeführt habe —, dann gelangt man zu der Einsicht seines noch höheren Menschen: desjenigen Menschen, der man war, bevor man heruntergestiegen ist aus der geistig-seelischen Welt in die physische Erdenwelt. Man gelangt zu der Anschauung dessen, was man war in einer rein geistig-seelischen Welt unter geistig-seelischen Wesenheiten, unter denen man gelebt hat, bevor man das Erdendasein angetreten hat, wie man hier im Erdendasein unter Menschen und unter den anderen Wesenheiten der Naturreiche lebt.

[ 25 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, eine solche Erkenntnis, die füllt nicht nur die menschlichen Erkenntniskräfte aus, die füllt nicht nur den menschlichen Kopf aus. Ich habe gestern angedeutet, wie sie aus dem ganzen Menschen kommt. Daher dringt sie auch wiederum zu dem ganzen Menschen vor. Sie lehrt uns den Menschen in seiner Entwicklung kennen; sie gibt uns die Grundlage, um die Entwicklung des Menschen im Erdenleben in der richtigen Weise zu führen, an. Denn wir blicken, indem wir unser ganzes Seelenwesen durchdringen mit solcher Erkenntnis, wir blicken empor zu demjenigen im Menschen, was eingezogen ist in das Kind, also in dasjenige, das uns zunächst in seiner physischen Organisation erscheint, was eingezogen ist in diese physische Organisation des Kindes, eingezogen ist als ein seelisch-geistiges Wesen, das von den Eltern empfangen hat die irdische, physisch-leibliche Umkleidung.

[ 25 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, eine solche Erkenntnis, die füllt nicht nur die menschlichen Erkenntniskräfte aus, die füllt nicht nur den menschlichen Kopf aus. Ich habe gestern angedeutet, wie sie aus dem ganzen Menschen kommt. Daher dringt sie auch wiederum zu dem ganzen Menschen vor. Sie lehrt uns den Menschen in seiner Entwicklung kennen; sie gibt uns die Grundlage, um die Entwicklung des Menschen im Erdenleben in der richtigen Weise zu führen, an. Denn wir blicken, indem wir unser ganzes Seelenwesen durchdringen mit solcher Erkenntnis, wir blicken empor zu demjenigen im Menschen, was eingezogen ist in das Kind, also in dasjenige, das uns zunächst in seiner physischen Organisation erscheint, was eingezogen ist in diese physische Organisation des Kindes, eingezogen ist als ein seelisch-geistiges Wesen, das von den Eltern empfangen hat die irdische, physisch-leibliche Umkleidung.

[ 26 ] Wir stehen zum Beispiel als Erzieher dann vor dem sich entwickelnden Menschen mit dem Bewusstsein, dass in diesem sich entwickelnden Menschen dieses GeistigSeelische, das er war vor seinem Erdendasein, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr immer mehr und mehr im Physisch-Sinnlichen sich offenbart. Da lernt man auf eine neue Weise stehen vor dem sich entwickelnden Menschen.

[ 26 ] Wir stehen zum Beispiel als Erzieher dann vor dem sich entwickelnden Menschen mit dem Bewusstsein, dass in diesem sich entwickelnden Menschen dieses GeistigSeelische, das er war vor seinem Erdendasein, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr immer mehr und mehr im Physisch-Sinnlichen sich offenbart. Da lernt man auf eine neue Weise stehen vor dem sich entwickelnden Menschen.

[ 27 ] Es ist ja in der Tat etwas Wunderbares, zu sehen, wie aus den unbestimmten Zügen des Kindes nach und nach immer bestimmtere werden, wie aus den chaotischen Bewegungen, die das Kind aus seinem innersten Wesen in die Welt hineinführt, immer bestimmtere und bestimmtere werden. Dem größten Weltenrätsel steht man gegenüber, wenn man das werdende Kind beobachtet. Und dieses Rätsel, es dämmert, es leuchtet allmählich auf, wenn man schaut, wie in dieser kindlich-physischen Organisation dasjenige, was heruntergestiegen ist aus geistig-seelischen Welten, immer mehr und mehr das Physische durchdringt, durchplastiziert, möchte ich sagen wie mit Moralischem, Hygienischem durchdringt. Man lernt in einer neuen Weise hinschauen auf die menschliche Entwicklung.

[ 27 ] Es ist ja in der Tat etwas Wunderbares, zu sehen, wie aus den unbestimmten Zügen des Kindes nach und nach immer bestimmtere werden, wie aus den chaotischen Bewegungen, die das Kind aus seinem innersten Wesen in die Welt hineinführt, immer bestimmtere und bestimmtere werden. Dem größten Weltenrätsel steht man gegenüber, wenn man das werdende Kind beobachtet. Und dieses Rätsel, es dämmert, es leuchtet allmählich auf, wenn man schaut, wie in dieser kindlich-physischen Organisation dasjenige, was heruntergestiegen ist aus geistig-seelischen Welten, immer mehr und mehr das Physische durchdringt, durchplastiziert, möchte ich sagen wie mit Moralischem, Hygienischem durchdringt. Man lernt in einer neuen Weise hinschauen auf die menschliche Entwicklung.

[ 28 ] Zu einem solchen Anschauen der menschlichen Entwicklung gehört — wenn ich mich so ausdrücken darf, meine sehr verehrten Anwesenden — vor allen Dingen jener innere Seelenmut, den die gewöhnliche Naturwissenschaft und auch die gewöhnliche Mystik nicht geben, den man aber entwickeln lernt, wenn man auf der einen Seite das aktivierte Denken entfaltet, wie ich es gestern geschildert habe, auf der andern Seite aber entfaltet das tiefe Schweigen der Seele. Und zuletzt die Liebe als eine Erkenntniskraft. Dann wird einem jener Mut, der einen den Menschen auch so beurteilen lässt, wie die Naturwissenschaft die äußeren Naturdinge beurteilt. Nur kommt etwas ganz anderes heraus durch eine solche, ich möchte sagen wahrhaft naturgemäße, weil die Grenzen der gewöhnlichen Naturwissenschaft überschreitende — wenn ich das Paradoxon gebrauchen darf — naturwissenschaftliche Geistesforschung.

[ 28 ] Zu einem solchen Anschauen der menschlichen Entwicklung gehört — wenn ich mich so ausdrücken darf, meine sehr verehrten Anwesenden — vor allen Dingen jener innere Seelenmut, den die gewöhnliche Naturwissenschaft und auch die gewöhnliche Mystik nicht geben, den man aber entwickeln lernt, wenn man auf der einen Seite das aktivierte Denken entfaltet, wie ich es gestern geschildert habe, auf der andern Seite aber entfaltet das tiefe Schweigen der Seele. Und zuletzt die Liebe als eine Erkenntniskraft. Dann wird einem jener Mut, der einen den Menschen auch so beurteilen lässt, wie die Naturwissenschaft die äußeren Naturdinge beurteilt. Nur kommt etwas ganz anderes heraus durch eine solche, ich möchte sagen wahrhaft naturgemäße, weil die Grenzen der gewöhnlichen Naturwissenschaft überschreitende — wenn ich das Paradoxon gebrauchen darf — naturwissenschaftliche Geistesforschung.

[ 29 ] Da schauen wir das Kind an, erkennen ganz genau, wie sich bestimmte Lebensepochen im Kinde ergeben. Wir schauen hin, wie das Kind sich entwickelt bis zu dem bedeutsamen Lebensabschnitte des Zahnwechsels um das siebente Lebensjahr herum.

[ 29 ] Da schauen wir das Kind an, erkennen ganz genau, wie sich bestimmte Lebensepochen im Kinde ergeben. Wir schauen hin, wie das Kind sich entwickelt bis zu dem bedeutsamen Lebensabschnitte des Zahnwechsels um das siebente Lebensjahr herum.

[ 30 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Mache man sich doch einmal klar, was mit dem Zahnwechsel eigentlich ganz Merkwürdiges nach der ersten Lebensepoche des Menschen auftritt. Denken Sie doch, der Zahnwechsel ist etwas Abschließendes. Der Mensch, indem er die zweiten Zähne bekommt, sprosst und sprießt Kräfte aus seinem Inneren heraus, die ihm die zweiten Zähne geben, die mit seinen zweiten Zähnen zum Schlusspunkt kommen. Denn der Mensch macht keinen weiteren Zahnwechsel mehr durch. Es ist ein letztes Ereignis in seiner Art. Man muss auf solche Dinge nur in der richtigen Weise hinschauen.

[ 30 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Mache man sich doch einmal klar, was mit dem Zahnwechsel eigentlich ganz Merkwürdiges nach der ersten Lebensepoche des Menschen auftritt. Denken Sie doch, der Zahnwechsel ist etwas Abschließendes. Der Mensch, indem er die zweiten Zähne bekommt, sprosst und sprießt Kräfte aus seinem Inneren heraus, die ihm die zweiten Zähne geben, die mit seinen zweiten Zähnen zum Schlusspunkt kommen. Denn der Mensch macht keinen weiteren Zahnwechsel mehr durch. Es ist ein letztes Ereignis in seiner Art. Man muss auf solche Dinge nur in der richtigen Weise hinschauen.

[ 31 ] Und man muss sich auf der anderen Seite klar sein: Dasjenige, was da in den Zähnen heraustreibt und heraussprosst, das ist doch im ganzen menschlichen Organismus drinnen begründet. Das sind Kräfte, Impulse, welche in den ersten sieben Lebensjahren den ganzen Menschen durchweben und durchleben. Als Äußeres, als Symptom steht der Zahnwechsel da. Aber der ganze menschliche Organismus, das ganze Menschenwesen schließt mit diesem Ereignis des Zahnwechsels etwas ab. Was wird da abgeschlossen? Aus einer solchen Welt- und Menschenerkenntnis, wie ich sie gestern und heute geschildert habe, bekommt man eben den Mut, nun in der rechten Weise zu erforschen diese Dinge. Da sagt man sich das Folgende: Ja, aber es ändert sich doch auch mit diesem Zahnwechsel ein Ungeheures in Bezug auf das menschliche Seelenwesen.

[ 31 ] Und man muss sich auf der anderen Seite klar sein: Dasjenige, was da in den Zähnen heraustreibt und heraussprosst, das ist doch im ganzen menschlichen Organismus drinnen begründet. Das sind Kräfte, Impulse, welche in den ersten sieben Lebensjahren den ganzen Menschen durchweben und durchleben. Als Äußeres, als Symptom steht der Zahnwechsel da. Aber der ganze menschliche Organismus, das ganze Menschenwesen schließt mit diesem Ereignis des Zahnwechsels etwas ab. Was wird da abgeschlossen? Aus einer solchen Welt- und Menschenerkenntnis, wie ich sie gestern und heute geschildert habe, bekommt man eben den Mut, nun in der rechten Weise zu erforschen diese Dinge. Da sagt man sich das Folgende: Ja, aber es ändert sich doch auch mit diesem Zahnwechsel ein Ungeheures in Bezug auf das menschliche Seelenwesen.

[ 32 ] So tritt immer mehr und mehr — derjenige, der das beobachten gelernt hat, der kann es eben schauen —, es tritt, indem der Zahnwechsel um das siebente Jahr herum eintritt, immer mehr und mehr dasjenige auf, was man erst wirklich Gedächtnis, Erinnerung nennen kann. Nun wird gleich wieder jemand kommen, der ganz gescheit geworden ist aus der modernen Psychologie und wird sagen: Ja, aber wir wissen doch, dass das Kind sein Gedächtnis, seine Erinnerung auch vor dem siebten Jahre hat, dass da gerade die Erinnerung eine besonders stark ausgebildete ist. Das scheint zunächst richtig zu sein. Aber derjenige, der dieses behauptet, stützt sich doch nur auf Dinge, die er eigentlich nicht in Wirklichkeit versteht, denn in Wahrheit wird um das siebente Jahr herum aus demjenigen, was wir schon früher Gedächtnis nennen, etwas ganz anderes, was wir dann erst Gedächtnis nennen sollten nach dem siebenten Lebensjahre.

[ 32 ] So tritt immer mehr und mehr — derjenige, der das beobachten gelernt hat, der kann es eben schauen —, es tritt, indem der Zahnwechsel um das siebente Jahr herum eintritt, immer mehr und mehr dasjenige auf, was man erst wirklich Gedächtnis, Erinnerung nennen kann. Nun wird gleich wieder jemand kommen, der ganz gescheit geworden ist aus der modernen Psychologie und wird sagen: Ja, aber wir wissen doch, dass das Kind sein Gedächtnis, seine Erinnerung auch vor dem siebten Jahre hat, dass da gerade die Erinnerung eine besonders stark ausgebildete ist. Das scheint zunächst richtig zu sein. Aber derjenige, der dieses behauptet, stützt sich doch nur auf Dinge, die er eigentlich nicht in Wirklichkeit versteht, denn in Wahrheit wird um das siebente Jahr herum aus demjenigen, was wir schon früher Gedächtnis nennen, etwas ganz anderes, was wir dann erst Gedächtnis nennen sollten nach dem siebenten Lebensjahre.

[ 33 ] Denn, was ist das beim Kinde bis zum siebenten Jahre? Es ist ein gewohnheitsmäßiges Verrichten derselben Seelenvorgänge, die es sich eingeübt hat, die es nachahmend einübt von seiner Umgebung heraus. Dass beim Kinde eine ständige Vorstellung immer wieder eintritt, das hat denselben Grund wie, dass eine bestimmte, eingeübte Handbewegung aus Gewohnheit immer wieder und wieder ausgeführt wird.

[ 33 ] Denn, was ist das beim Kinde bis zum siebenten Jahre? Es ist ein gewohnheitsmäßiges Verrichten derselben Seelenvorgänge, die es sich eingeübt hat, die es nachahmend einübt von seiner Umgebung heraus. Dass beim Kinde eine ständige Vorstellung immer wieder eintritt, das hat denselben Grund wie, dass eine bestimmte, eingeübte Handbewegung aus Gewohnheit immer wieder und wieder ausgeführt wird.

[ 34 ] Alles, meine sehr verehrten Anwesenden, was wir als Gedächtnis ansprechen bis zum siebenten Jahr, ist nicht in Wirklichkeit Gedächtnis, sondern sind Seelengewohnheiten. Mit dem siebenten Jahre verfeinern sich diese Gewohnheiten, diese Seelengewohnheiten, und es wird dasjenige, was wir im eigentlichen Sinne Gedächtnis nennen, vorstellungsgemäßes, inneres Sich-Bewegen über die Lebenserscheinungen hin. Das erst, was da noch ganz an den Organismus gebunden war, als Gewohnheiten der Seele fungierte mit dem Organismus zusammen, das löst sich mit dem siebenten Jahr ab und wird erst geistigseelisch.

[ 34 ] Alles, meine sehr verehrten Anwesenden, was wir als Gedächtnis ansprechen bis zum siebenten Jahr, ist nicht in Wirklichkeit Gedächtnis, sondern sind Seelengewohnheiten. Mit dem siebenten Jahre verfeinern sich diese Gewohnheiten, diese Seelengewohnheiten, und es wird dasjenige, was wir im eigentlichen Sinne Gedächtnis nennen, vorstellungsgemäßes, inneres Sich-Bewegen über die Lebenserscheinungen hin. Das erst, was da noch ganz an den Organismus gebunden war, als Gewohnheiten der Seele fungierte mit dem Organismus zusammen, das löst sich mit dem siebenten Jahr ab und wird erst geistigseelisch.

[ 35 ] Sehen Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, da ergibt sich uns die Möglichkeit nun zu sagen: Ja, was lebte denn in der ersten Lebensepoche bis zum Zahnwechsel hin in dem Kinde, indem das Kind zum Beispiel das Hirn am meisten plastisch ausbildet bis zum siebenten Jahre, — dann ist es eigentlich schon im Wesentlichen seinen inneren Forderungen nach ausgebildet —, was lebt denn da im Körper unten? Das, meine sehr verehrten Anwesenden, lebt unten im Körper, was später sich vom Körper emanzipiert und selbstständige seelische Vorstellungskraft, Erinnerungskraft wird.

[ 35 ] Sehen Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, da ergibt sich uns die Möglichkeit nun zu sagen: Ja, was lebte denn in der ersten Lebensepoche bis zum Zahnwechsel hin in dem Kinde, indem das Kind zum Beispiel das Hirn am meisten plastisch ausbildet bis zum siebenten Jahre, — dann ist es eigentlich schon im Wesentlichen seinen inneren Forderungen nach ausgebildet —, was lebt denn da im Körper unten? Das, meine sehr verehrten Anwesenden, lebt unten im Körper, was später sich vom Körper emanzipiert und selbstständige seelische Vorstellungskraft, Erinnerungskraft wird.

[ 36 ] Wir haben bei der äußeren Naturwissenschaft heute den Mut, davon zu sprechen: Bei gewissen Vorgängen in den Körpern bleibt Wärme verborgen — latente Wärme, sagen wir —, denn durch gewisse Vorgänge wird diese Wärme frei. Wir können sie mit dem Thermometer messen. Wir reden ja von gebundener und freier Wärme. Gebundene Wärme können wir nicht mit dem Thermometer messen; freie Wärme können wir mit dem Thermometer messen. Der Physiker hat für die äußeren Vorgänge diesen Mut des Erforschens. Der Geistesforscher muss ihn bekommen und er muss ihn für die Praxis des Lebens anwendbar machen.

[ 36 ] Wir haben bei der äußeren Naturwissenschaft heute den Mut, davon zu sprechen: Bei gewissen Vorgängen in den Körpern bleibt Wärme verborgen — latente Wärme, sagen wir —, denn durch gewisse Vorgänge wird diese Wärme frei. Wir können sie mit dem Thermometer messen. Wir reden ja von gebundener und freier Wärme. Gebundene Wärme können wir nicht mit dem Thermometer messen; freie Wärme können wir mit dem Thermometer messen. Der Physiker hat für die äußeren Vorgänge diesen Mut des Erforschens. Der Geistesforscher muss ihn bekommen und er muss ihn für die Praxis des Lebens anwendbar machen.

[ 37 ] Dasjenige, was wir im Kinde vom siebenten Jahre ab, von dem Jahre ab eben, wo wir es gerade in die Volksschule hineinbekommen, immer seelischer und seelischer, selbstständig seelischer werden sehen, das war in den ersten sieben Lebensjahren noch nicht so selbstständig. Es lebte als Wachstumskräfte im physischen Körper drinnen. Es lebte als formende, plastische Kräfte im physischen Körper drinnen und hört auf, als Ganzes, im physischen Leibe zu leben, wenn der Zahnwechsel eintritt.

[ 37 ] Dasjenige, was wir im Kinde vom siebenten Jahre ab, von dem Jahre ab eben, wo wir es gerade in die Volksschule hineinbekommen, immer seelischer und seelischer, selbstständig seelischer werden sehen, das war in den ersten sieben Lebensjahren noch nicht so selbstständig. Es lebte als Wachstumskräfte im physischen Körper drinnen. Es lebte als formende, plastische Kräfte im physischen Körper drinnen und hört auf, als Ganzes, im physischen Leibe zu leben, wenn der Zahnwechsel eintritt.

[ 38 ] Sehen Sie — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn man einmal aufmerksam wird auf einen so wichtigen Übergang, auf eine so bedeutsame Metamorphose im menschlichen Erleben, dann geht man auch weiter. Dann schaut man sich an, wie das Kind ist bis zu diesem Zahnwechsel. Und dann entdeckt man in diesem Kinde etwas höchst Merkwürdiges. Man entdeckt, wie das Kind eigentlich bis zu diesem Zahnwechsel, ich möchte sagen ganz Sinnesorgan ist. Es ist ganz hingegeben an die Umgebung, das Kind!

[ 38 ] Sehen Sie — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn man einmal aufmerksam wird auf einen so wichtigen Übergang, auf eine so bedeutsame Metamorphose im menschlichen Erleben, dann geht man auch weiter. Dann schaut man sich an, wie das Kind ist bis zu diesem Zahnwechsel. Und dann entdeckt man in diesem Kinde etwas höchst Merkwürdiges. Man entdeckt, wie das Kind eigentlich bis zu diesem Zahnwechsel, ich möchte sagen ganz Sinnesorgan ist. Es ist ganz hingegeben an die Umgebung, das Kind!

[ 39 ] Und wenn wir es mit etwas vergleichen wollen, was da in dieser kindlichen Organisation der ersten Lebensepoche vorhanden ist, dann müssen wir zum Beispiel auf das menschliche Auge oder das menschliche Ohr deuten, — kurz, auf ein Sinnesorgan. Das Kind ist nämlich ganz Auge, ganz Ohr, in einer seelisch-geistigeren Art nur! So wie das Auge einfach dasjenige, was in seiner Umgebung auf es wirkt, aufnimmt und innerlich nachahmt, so nimmt das Kind jede Geste, jedes Wort, alles dasjenige, was seine Umgebung geschehen lässt, nimmt das Kind in sich auf, wie ein ganzes Sinnesorgan, und ahmt es in sich nach. Daher geht dasjenige, was in der Umgebung des Kindes lebt, in den ersten sieben Jahren in die ganze physische Organisation des Kindes hinein. Seelisch-geistig nimmt das Kind alles auf, in die physische Organisation geht es hinein.

[ 39 ] Und wenn wir es mit etwas vergleichen wollen, was da in dieser kindlichen Organisation der ersten Lebensepoche vorhanden ist, dann müssen wir zum Beispiel auf das menschliche Auge oder das menschliche Ohr deuten, — kurz, auf ein Sinnesorgan. Das Kind ist nämlich ganz Auge, ganz Ohr, in einer seelisch-geistigeren Art nur! So wie das Auge einfach dasjenige, was in seiner Umgebung auf es wirkt, aufnimmt und innerlich nachahmt, so nimmt das Kind jede Geste, jedes Wort, alles dasjenige, was seine Umgebung geschehen lässt, nimmt das Kind in sich auf, wie ein ganzes Sinnesorgan, und ahmt es in sich nach. Daher geht dasjenige, was in der Umgebung des Kindes lebt, in den ersten sieben Jahren in die ganze physische Organisation des Kindes hinein. Seelisch-geistig nimmt das Kind alles auf, in die physische Organisation geht es hinein.

[ 40 ] Stellen wir uns vor: Neben dem Kinde lebt ein jähzorniger Vater. Derjenige, der diese Dinge beobachten kann, der kann schauen, wie dieser jähzornige Vater, der neben dem Kinde lebt, nicht nur so aufgefasst wird von dem Kinde, dass das Kind die Geste des Jähzornes sieht, dass es irgendwie antipathisch berührt wird von alldem, was aus dem Jähzorn herauskommt, sondern die moralische Qualität des Jähzornes, dasjenige, was der Jähzorn moralisch als Wert in sich trägt, das fühlt das Kind! Das Kind empfindet die moralischen Qualitäten seiner Umgebung, mit den Gesten, mit demjenigen, was es innerlich erlebt und nachahmt.

[ 40 ] Stellen wir uns vor: Neben dem Kinde lebt ein jähzorniger Vater. Derjenige, der diese Dinge beobachten kann, der kann schauen, wie dieser jähzornige Vater, der neben dem Kinde lebt, nicht nur so aufgefasst wird von dem Kinde, dass das Kind die Geste des Jähzornes sieht, dass es irgendwie antipathisch berührt wird von alldem, was aus dem Jähzorn herauskommt, sondern die moralische Qualität des Jähzornes, dasjenige, was der Jähzorn moralisch als Wert in sich trägt, das fühlt das Kind! Das Kind empfindet die moralischen Qualitäten seiner Umgebung, mit den Gesten, mit demjenigen, was es innerlich erlebt und nachahmt.

[ 41 ] Das allerdings macht uns dann aufmerksam, wie wir hinzuschauen haben darauf, wie das Kind wirklich auch das Moralische, das Gedankliche seiner Umgebung miterlebt. Wir sollten uns klar sein darüber, welche imponderablen Kräfte sich da entfalten, dass wir uns gar nicht einmal gestatten sollten, unreine oder unmoralische Gedanken in der Nähe des Kindes zu haben. Denn an den feinsten Gesten, an dem Augenzwinkern, an der Betonung des Wortes, an unzähligen Einzelheiten, von denen wir uns mit unserem groben Erwachsenenintellekt gar keinen Begriff machen, nimmt das Kind wahr gerade dasjenige, was wirkt, gerade in den ersten sieben Jahren, und trägt es hinunter in seine physische Organisation.

[ 41 ] Das allerdings macht uns dann aufmerksam, wie wir hinzuschauen haben darauf, wie das Kind wirklich auch das Moralische, das Gedankliche seiner Umgebung miterlebt. Wir sollten uns klar sein darüber, welche imponderablen Kräfte sich da entfalten, dass wir uns gar nicht einmal gestatten sollten, unreine oder unmoralische Gedanken in der Nähe des Kindes zu haben. Denn an den feinsten Gesten, an dem Augenzwinkern, an der Betonung des Wortes, an unzähligen Einzelheiten, von denen wir uns mit unserem groben Erwachsenenintellekt gar keinen Begriff machen, nimmt das Kind wahr gerade dasjenige, was wirkt, gerade in den ersten sieben Jahren, und trägt es hinunter in seine physische Organisation.

[ 42 ] Dasjenige, was aus dem Jähzorn des Vaters, aus der Nachlässigkeit der Mutter wächst, das wird nicht etwa bloß irgendeine seelische Qualität im Kinde, das wird im Kinde Dichtigkeit der Gefäßwände, Tüchtigkeit oder Untüchtigkeit der Blutzirkulation, in der Atmung, in den feinsten Verzweigungen, in den feinsten Betätigungen. Dasjenige, was das Kind in den ersten sieben Lebensjahren nachahmend aus der Umgebung sich erwirbt, geht eben in den physischen Organismus hinein, in dem selbst das Gedächtnis erst eine Gewohnheit ist, das an den physischen Organismus mitgebunden ist. Das Geistig-Seelische emanzipiert sich mit dem Zahnwechsel. Und indem wir das Kind zur Schule hereinbekommen, da geht dieses ganze Leben des Kindes, wie ich es geschildert habe, in eine andere Metamorphose über.

[ 42 ] Dasjenige, was aus dem Jähzorn des Vaters, aus der Nachlässigkeit der Mutter wächst, das wird nicht etwa bloß irgendeine seelische Qualität im Kinde, das wird im Kinde Dichtigkeit der Gefäßwände, Tüchtigkeit oder Untüchtigkeit der Blutzirkulation, in der Atmung, in den feinsten Verzweigungen, in den feinsten Betätigungen. Dasjenige, was das Kind in den ersten sieben Lebensjahren nachahmend aus der Umgebung sich erwirbt, geht eben in den physischen Organismus hinein, in dem selbst das Gedächtnis erst eine Gewohnheit ist, das an den physischen Organismus mitgebunden ist. Das Geistig-Seelische emanzipiert sich mit dem Zahnwechsel. Und indem wir das Kind zur Schule hereinbekommen, da geht dieses ganze Leben des Kindes, wie ich es geschildert habe, in eine andere Metamorphose über.

[ 43 ] In den ersten Lebensjahren ist das Kind ganz Sinnesorgan. Da nimmt es aufmerksam dasjenige auf, was in der Umgebung wirkt, wirkt in Gesten oder in diesen oder jenen Handlungen. Das Kind ist an die Handlungen seiner Umgebung, aber nicht nur sinnesgemäß, sondern moralisch hingegeben! Mit dem Zahnwechsel aber beginnt das Kind immer mehr und mehr, an dasjenige hingegeben zu sein, was jetzt nicht mehr Geste, Handlung allein ist, sondern was in der Geste, in der Handlung sich gesprächsgemäß offenbart.

[ 43 ] In den ersten Lebensjahren ist das Kind ganz Sinnesorgan. Da nimmt es aufmerksam dasjenige auf, was in der Umgebung wirkt, wirkt in Gesten oder in diesen oder jenen Handlungen. Das Kind ist an die Handlungen seiner Umgebung, aber nicht nur sinnesgemäß, sondern moralisch hingegeben! Mit dem Zahnwechsel aber beginnt das Kind immer mehr und mehr, an dasjenige hingegeben zu sein, was jetzt nicht mehr Geste, Handlung allein ist, sondern was in der Geste, in der Handlung sich gesprächsgemäß offenbart.

[ 44 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Fassen wir die Sprache nicht nur auf — obwohl das die hauptsächlichste Sprache ist — in demjenigen, was wir mit Worten, durch die Lautsprache äußerlich offenbaren, sondern fassen wir als Sprache auf alles dasjenige, wie wir uns im Leben verhalten — indem dasjenige, was wir tun, Ausdruck wird für unsern Menschencharakter —, fassen wir alles dasjenige, was der Mensch als sein eigenes Wesen offenbart, wie er es durch die Sprache offenbart, fassen wir das auf, so müssen wir sagen, dass das Kind von dem Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife für diesen sprachlichen Ausdruck des andern Menschen, namentlich des erzieherischen Menschen, des Unterrichtenden, empfänglich wird. Ein nachahmendes Wesen in der geschilderten Art ist das Kind bis zum Zahnwechsel; ein Wesen, das ganz und gar unter der selbstverständlichen Autorität desjenigen lebt, der in seiner Umgebung sich ihm gegenüber sprachlich äußert, wird das Kind vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife.

[ 44 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Fassen wir die Sprache nicht nur auf — obwohl das die hauptsächlichste Sprache ist — in demjenigen, was wir mit Worten, durch die Lautsprache äußerlich offenbaren, sondern fassen wir als Sprache auf alles dasjenige, wie wir uns im Leben verhalten — indem dasjenige, was wir tun, Ausdruck wird für unsern Menschencharakter —, fassen wir alles dasjenige, was der Mensch als sein eigenes Wesen offenbart, wie er es durch die Sprache offenbart, fassen wir das auf, so müssen wir sagen, dass das Kind von dem Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife für diesen sprachlichen Ausdruck des andern Menschen, namentlich des erzieherischen Menschen, des Unterrichtenden, empfänglich wird. Ein nachahmendes Wesen in der geschilderten Art ist das Kind bis zum Zahnwechsel; ein Wesen, das ganz und gar unter der selbstverständlichen Autorität desjenigen lebt, der in seiner Umgebung sich ihm gegenüber sprachlich äußert, wird das Kind vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife.

[ 45 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Sie werden demjenigen, der vor dreißig Jahren die «Philosophie der Freiheit» geschrieben hat und jetzt vor Ihnen spricht, nicht zumuten, dass er in irgendeiner unberechtigten Weise ein reaktionär-passives Gelüste vor Ihnen entwickeln will, dass er daher von Autorität sprechen will in einer unberechtigten Weise. Aber gerade derjenige, der so die Freiheit im menschlichem Leben vertreten wissen will, wie ich das versucht habe darzustellen in meiner «Philosophie der Freiheit» bereits im Beginn der Neunzigerjahre, der weiß, dass dieses rechte Gefühl der Freiheit, das rechte Erlebnis der Freiheit den Menschen nur kommen kann, wenn zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife die selbstverständliche Autorität gegenüber Lehrern und Erziehern im Kinde vorhanden ist.

[ 45 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Sie werden demjenigen, der vor dreißig Jahren die «Philosophie der Freiheit» geschrieben hat und jetzt vor Ihnen spricht, nicht zumuten, dass er in irgendeiner unberechtigten Weise ein reaktionär-passives Gelüste vor Ihnen entwickeln will, dass er daher von Autorität sprechen will in einer unberechtigten Weise. Aber gerade derjenige, der so die Freiheit im menschlichem Leben vertreten wissen will, wie ich das versucht habe darzustellen in meiner «Philosophie der Freiheit» bereits im Beginn der Neunzigerjahre, der weiß, dass dieses rechte Gefühl der Freiheit, das rechte Erlebnis der Freiheit den Menschen nur kommen kann, wenn zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife die selbstverständliche Autorität gegenüber Lehrern und Erziehern im Kinde vorhanden ist.

[ 46 ] Man weiß gar nicht heute in der richtigen Weise zu schätzen, was es bedeutet für das ganze spätere Leben, wenn man in tiefer Ehrfurcht aufgeschaut hat gegen dasjenige, was einem in der Person eines Erziehers gegeben war an Wahrheit, Schönheit, Güte. Zwischen dem siebenten und vierzehnten Lebensjahr ungefähr ist der Mensch nicht so organisiert, dass ihm das Wahre, Schöne, Gute an sich erscheinen kann. Da ist der Mensch so organisiert, dass es ihm eben durch den erwachsenen Menschen erscheinen muss, das Wahre, das Gute und Schöne!

[ 46 ] Man weiß gar nicht heute in der richtigen Weise zu schätzen, was es bedeutet für das ganze spätere Leben, wenn man in tiefer Ehrfurcht aufgeschaut hat gegen dasjenige, was einem in der Person eines Erziehers gegeben war an Wahrheit, Schönheit, Güte. Zwischen dem siebenten und vierzehnten Lebensjahr ungefähr ist der Mensch nicht so organisiert, dass ihm das Wahre, Schöne, Gute an sich erscheinen kann. Da ist der Mensch so organisiert, dass es ihm eben durch den erwachsenen Menschen erscheinen muss, das Wahre, das Gute und Schöne!

[ 47 ] Man hat viel im späteren Leben, wenn man einer selbstverständlichen Autorität in diesem Lebensalter gegenübergestanden hat, wie selbstverständlich gesagt hat: Etwas ist wahr, weil diese Autorität es als wahr anerkennt; etwas ist gut, weil diese Autorität es als gut anerkennt und darlebt; etwas ist schön, weil diese Autorität es schön findet! Die Welt muss durch das Medium des Menschen an das Kind herankommen.

[ 47 ] Man hat viel im späteren Leben, wenn man einer selbstverständlichen Autorität in diesem Lebensalter gegenübergestanden hat, wie selbstverständlich gesagt hat: Etwas ist wahr, weil diese Autorität es als wahr anerkennt; etwas ist gut, weil diese Autorität es als gut anerkennt und darlebt; etwas ist schön, weil diese Autorität es schön findet! Die Welt muss durch das Medium des Menschen an das Kind herankommen.

[ 48 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! So lernt man allmählich hinschauen auf den Menschen im Erdenleben, wenn man sich bewusst wird durch die Forschungsmethode, wie ich sie gestern geschildert habe — wie ich sie heute nur noch andeuten konnte —, wenn man sich bewusst wird, dass gelebt hat ein geistig-seelisches Wesen vom Menschen, bevor er Erdenmensch durch die Empfängnis geworden ist. Wir alle waren ein geistig-seelisches Wesen unter anderen geistig-seelischen Wesenheiten, bevor wir heruntergestiegen sind ins Erdenleben. Schauen wir einmal im sich entwickelnden Erdenmenschen in der richtigen Weise dasjenige, was vorgeburtliches, vorirdisches Dasein war, so stehen wir auch, ich möchte sagen mit der richtigen Pietät, aber auch mit der richtigen Verehrung gegenüber demjenigen, was sich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche in dem werdenden Menschen, in dem Kinde, so wunderbar und so rätselhaft enthüllt und entwickelt und offenbart.

[ 48 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! So lernt man allmählich hinschauen auf den Menschen im Erdenleben, wenn man sich bewusst wird durch die Forschungsmethode, wie ich sie gestern geschildert habe — wie ich sie heute nur noch andeuten konnte —, wenn man sich bewusst wird, dass gelebt hat ein geistig-seelisches Wesen vom Menschen, bevor er Erdenmensch durch die Empfängnis geworden ist. Wir alle waren ein geistig-seelisches Wesen unter anderen geistig-seelischen Wesenheiten, bevor wir heruntergestiegen sind ins Erdenleben. Schauen wir einmal im sich entwickelnden Erdenmenschen in der richtigen Weise dasjenige, was vorgeburtliches, vorirdisches Dasein war, so stehen wir auch, ich möchte sagen mit der richtigen Pietät, aber auch mit der richtigen Verehrung gegenüber demjenigen, was sich von Tag zu Tag, von Woche zu Woche in dem werdenden Menschen, in dem Kinde, so wunderbar und so rätselhaft enthüllt und entwickelt und offenbart.

[ 49 ] Dann aber schaut man auch auf dasjenige, was sich einem dann ergibt als einen Zusammenhang zwischen dem geistig-übersinnlichen Leben des Menschen und dem physisch-sinnlichen Leben. Man sieht das Kind, wie es, hingegeben an die Umgebung, nachahmt diese Umgebung. Und nun erinnert man sich daran, dass man die höchste Form des geistigen Daseins, die der Mensch erringen kann durch die liebevolle Hingabe, durch die Entwicklung der Liebe als Erkenntniskraft, nur erreichen kann, weil der Mensch, indem er vor seinem irdischen Dasein und indem er nach seinem Tode in einer geistigseelischen Welt ist, weiß, wie er hier auf der Erde egoistisch ist, so muss er dann hingegeben sein an die anderen geistigen Wesenheiten.

[ 49 ] Dann aber schaut man auch auf dasjenige, was sich einem dann ergibt als einen Zusammenhang zwischen dem geistig-übersinnlichen Leben des Menschen und dem physisch-sinnlichen Leben. Man sieht das Kind, wie es, hingegeben an die Umgebung, nachahmt diese Umgebung. Und nun erinnert man sich daran, dass man die höchste Form des geistigen Daseins, die der Mensch erringen kann durch die liebevolle Hingabe, durch die Entwicklung der Liebe als Erkenntniskraft, nur erreichen kann, weil der Mensch, indem er vor seinem irdischen Dasein und indem er nach seinem Tode in einer geistigseelischen Welt ist, weiß, wie er hier auf der Erde egoistisch ist, so muss er dann hingegeben sein an die anderen geistigen Wesenheiten.

[ 50 ] Durchschaut man das, wie da der Mensch hingegeben ist an die geistig-seelische Welt im übersinnlichen Dasein, so begreift man, wie der Mensch sich mitgebracht hat in das kindliche Dasein, bevor er dieses umändert im Zahnwechsel oder in der Geschlechtsreife, wo er immer egoistischer und egoistischer wird, wie er da physisch nachlebt dasjenige, was er im vorirdischen Dasein war. Und man lernt in der richtigen Weise jetzt auf das Kind hinschauen: Wie lebt eigentlich das Kind in der Welt? Wenn es auch paradox klingt, man darf sagen: Das Kind lebt ganz hingegeben an seine Umgebung! Das aber ist das religiöse Gefühl. Das heißt: Das Kind lebt, ich möchte sagen leiblich-religiös; durch seine Natur, durch das Elementarische seiner Organisation ist das Kind an seine Umgebung leiblich-religiös hingegeben. Das ist bis zum Zahnwechsel; da ist das Kind ganz in einer religiösen Hingabe in seiner physischen Organisation, in einer religiösen Hingabe an seine Umgebung. Sehen Sie, die wird geistig-seelisch im zweiten Lebensalter zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife.

[ 50 ] Durchschaut man das, wie da der Mensch hingegeben ist an die geistig-seelische Welt im übersinnlichen Dasein, so begreift man, wie der Mensch sich mitgebracht hat in das kindliche Dasein, bevor er dieses umändert im Zahnwechsel oder in der Geschlechtsreife, wo er immer egoistischer und egoistischer wird, wie er da physisch nachlebt dasjenige, was er im vorirdischen Dasein war. Und man lernt in der richtigen Weise jetzt auf das Kind hinschauen: Wie lebt eigentlich das Kind in der Welt? Wenn es auch paradox klingt, man darf sagen: Das Kind lebt ganz hingegeben an seine Umgebung! Das aber ist das religiöse Gefühl. Das heißt: Das Kind lebt, ich möchte sagen leiblich-religiös; durch seine Natur, durch das Elementarische seiner Organisation ist das Kind an seine Umgebung leiblich-religiös hingegeben. Das ist bis zum Zahnwechsel; da ist das Kind ganz in einer religiösen Hingabe in seiner physischen Organisation, in einer religiösen Hingabe an seine Umgebung. Sehen Sie, die wird geistig-seelisch im zweiten Lebensalter zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife.

[ 51 ] Da müssen wir uns klar sein, dass dasjenige, was selbstverständlich, möchte ich sagen — wenn ich das Paradoxon gebrauchen darf — leiblich-religiöse Unorganisation war, das müssen wir nun als Lehrer und Erzieher hereinbringen ins Geistig-Seelische. Das erziehen wir, wenn wir selber dastehen als die selbstverständliche Autorität für Wahrheit, Schönheit, Güte vor dem Kinde. Dann bringen wir allmählich es dahin, dass dasjenige, was zuerst im Leibe unten bei dem Kinde war, bis zum Zahnwechsel, heraufwirkt in das Geistig-Seelische. Dann wird es, indem das Kind geschlechtsreif wird, ganz Geist. Es tritt uns entgegen als dasjenige, was wir im sozialen Menschenleben Religion nennen.

[ 51 ] Da müssen wir uns klar sein, dass dasjenige, was selbstverständlich, möchte ich sagen — wenn ich das Paradoxon gebrauchen darf — leiblich-religiöse Unorganisation war, das müssen wir nun als Lehrer und Erzieher hereinbringen ins Geistig-Seelische. Das erziehen wir, wenn wir selber dastehen als die selbstverständliche Autorität für Wahrheit, Schönheit, Güte vor dem Kinde. Dann bringen wir allmählich es dahin, dass dasjenige, was zuerst im Leibe unten bei dem Kinde war, bis zum Zahnwechsel, heraufwirkt in das Geistig-Seelische. Dann wird es, indem das Kind geschlechtsreif wird, ganz Geist. Es tritt uns entgegen als dasjenige, was wir im sozialen Menschenleben Religion nennen.

[ 52 ] Wie begründen wir diese Religion im sozialen Leben am besten, wenn wir so die Erziehung des Menschen durchschauen? Wir begründen sie am besten, wenn wir das Kind in der richtigen Weise von den ersten Lebensjahren bis zum Zahnwechsel das Richtige nachahmen lassen, wenn wir ihm nicht Gebote geben wollen, sondern wenn wir vor ihm stehen so, dass es bis zum Zahnwechsel uns nachahmen, nach dem Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife uns als das Vorbild für Wahrheit, Schönheit, Güte betrachten kann. Dann entwickelt das Kind in voller Freiheit den religiösen Menschen, indem aus dem Seelischen das Geistige erwacht mit der Geschlechtsreife, wie aus dem Physischen das Seelische erwacht mit dem Zahnwechsel. So lernen wir allmählich durchschauen, wie der Mensch sich entwickelt, und lernen auch handhaben solche Menschheitsentwicklung als erzieherisches, als pädagogisches Prinzip.

[ 52 ] Wie begründen wir diese Religion im sozialen Leben am besten, wenn wir so die Erziehung des Menschen durchschauen? Wir begründen sie am besten, wenn wir das Kind in der richtigen Weise von den ersten Lebensjahren bis zum Zahnwechsel das Richtige nachahmen lassen, wenn wir ihm nicht Gebote geben wollen, sondern wenn wir vor ihm stehen so, dass es bis zum Zahnwechsel uns nachahmen, nach dem Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife uns als das Vorbild für Wahrheit, Schönheit, Güte betrachten kann. Dann entwickelt das Kind in voller Freiheit den religiösen Menschen, indem aus dem Seelischen das Geistige erwacht mit der Geschlechtsreife, wie aus dem Physischen das Seelische erwacht mit dem Zahnwechsel. So lernen wir allmählich durchschauen, wie der Mensch sich entwickelt, und lernen auch handhaben solche Menschheitsentwicklung als erzieherisches, als pädagogisches Prinzip.

[ 53 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Geistesforschung, wie sie hier geschildert wird, ist nicht eine Theorie, das überlässt sie der bloßen Naturwissenschaft, das überlässt sie denjenigen, die heute aus ganz begreiflichen Untergründen heraus Gegner der Geisteswissenschaft sind, die sich für praktische Leute halten. Ihre Gründe kennt man ganz gut. Denn der Geistesforscher macht sich zuerst mit demjenigen bekannt, was die Gegner sagen können. Erst wenn er das hinlänglich gut kennengelernt hat, dann fühlt er die volle Verantwortlichkeit, das zu vertreten, was aus dem Boden der Geistesforschung selbst herauswächst.

[ 53 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Geistesforschung, wie sie hier geschildert wird, ist nicht eine Theorie, das überlässt sie der bloßen Naturwissenschaft, das überlässt sie denjenigen, die heute aus ganz begreiflichen Untergründen heraus Gegner der Geisteswissenschaft sind, die sich für praktische Leute halten. Ihre Gründe kennt man ganz gut. Denn der Geistesforscher macht sich zuerst mit demjenigen bekannt, was die Gegner sagen können. Erst wenn er das hinlänglich gut kennengelernt hat, dann fühlt er die volle Verantwortlichkeit, das zu vertreten, was aus dem Boden der Geistesforschung selbst herauswächst.

[ 54 ] Geistesforschung will durchaus praktisch sein, will das volle Leben in die Praxis einführen. Aber dem vollen Leben gegenüber sind ja gerade die Menschen, die sich heute ganz besonders im materialistischen Sinne gescheit dünken, die sind ja so ungefähr wie der Bauer, der ein hufeisenförmiges Eisenstück findet. Da sagt einer zu ihm: «Ja, sieh mal, das ist ein Magnet, das zieht ein anderes Eisen an, das kann man sehr gut verwenden zu allerlei wichtigen Dingen!» «Ach was», sagt der Bauer, «Magnet? Ich sehe nichts von einem Magneten, ich beschlage damit mein Pferd!» So kommen einem ähnlich die theoretischen Materialisten vor, die nichts von Geistesforschung wissen wollen. Die sehen alles für ein Hufeisen an, weil sie vom Magneten nichts sehen! Das Übersinnliche ist nur für diejenigen verborgen, die eben nur das äußerlich Materialistische sehen wollen. Will man wirklich praktisch sein, will man die Kräfte der Welt in der richtigen Weise im Kultur- und Zivilisationsfortschritt gebrauchen, dann muss man in der angedeuteten Weise wirklich hineinleuchten können in das PhysischMaterielle.

[ 54 ] Geistesforschung will durchaus praktisch sein, will das volle Leben in die Praxis einführen. Aber dem vollen Leben gegenüber sind ja gerade die Menschen, die sich heute ganz besonders im materialistischen Sinne gescheit dünken, die sind ja so ungefähr wie der Bauer, der ein hufeisenförmiges Eisenstück findet. Da sagt einer zu ihm: «Ja, sieh mal, das ist ein Magnet, das zieht ein anderes Eisen an, das kann man sehr gut verwenden zu allerlei wichtigen Dingen!» «Ach was», sagt der Bauer, «Magnet? Ich sehe nichts von einem Magneten, ich beschlage damit mein Pferd!» So kommen einem ähnlich die theoretischen Materialisten vor, die nichts von Geistesforschung wissen wollen. Die sehen alles für ein Hufeisen an, weil sie vom Magneten nichts sehen! Das Übersinnliche ist nur für diejenigen verborgen, die eben nur das äußerlich Materialistische sehen wollen. Will man wirklich praktisch sein, will man die Kräfte der Welt in der richtigen Weise im Kultur- und Zivilisationsfortschritt gebrauchen, dann muss man in der angedeuteten Weise wirklich hineinleuchten können in das PhysischMaterielle.

[ 55 ] Deshalb blieb auch die Geistesforschung, ich möchte sagen durch ihr Schicksal, nicht in der Theorie stecken. Wir konnten durch die Kräfte, die entwickelt worden sind aus dem sozialen Denken heraus durch Emil Molt in Stuttgart — wir konnten die Waldorfschule in Stuttgart begründen, in der wirklich gezeigt wird, wie aus dem Bewusstsein heraus der vollen, geistig-moralisch-religiösen Menschennatur eine pädagogische Praxis entwickelt werden kann, die mit der Entwicklung des Menschen als einer allseitigen wirklich rechnet.

[ 55 ] Deshalb blieb auch die Geistesforschung, ich möchte sagen durch ihr Schicksal, nicht in der Theorie stecken. Wir konnten durch die Kräfte, die entwickelt worden sind aus dem sozialen Denken heraus durch Emil Molt in Stuttgart — wir konnten die Waldorfschule in Stuttgart begründen, in der wirklich gezeigt wird, wie aus dem Bewusstsein heraus der vollen, geistig-moralisch-religiösen Menschennatur eine pädagogische Praxis entwickelt werden kann, die mit der Entwicklung des Menschen als einer allseitigen wirklich rechnet.

[ 56 ] Diese Waldorfschule, sie ist mit etwa 150 Kindern vor etwas mehr als drei Jahren begründet worden. Sie hat heute reichlich mehr als 700 Kinder in sechs Klassen, und die meisten Klassen müssen wir in Parallelklassen führen. Und es wird da versucht von einer Lehrerschaft — die nun schon auf viele Lehrer und Lehrerinnen angewachsen ist —, die menschliche Erkenntnis allseitig auf Grundlage der menschlichen Entwicklung und desjenigen, was auf Grundlage dieser Entwicklungs-, Erkenntnis- und Erziehungsmaximen sein [muss], — den Menschen zu erziehen, sodass der Mensch dann aus der vollen Menschlichkeit heraus in das praktische Leben hineinwachsen kann.

[ 56 ] Diese Waldorfschule, sie ist mit etwa 150 Kindern vor etwas mehr als drei Jahren begründet worden. Sie hat heute reichlich mehr als 700 Kinder in sechs Klassen, und die meisten Klassen müssen wir in Parallelklassen führen. Und es wird da versucht von einer Lehrerschaft — die nun schon auf viele Lehrer und Lehrerinnen angewachsen ist —, die menschliche Erkenntnis allseitig auf Grundlage der menschlichen Entwicklung und desjenigen, was auf Grundlage dieser Entwicklungs-, Erkenntnis- und Erziehungsmaximen sein [muss], — den Menschen zu erziehen, sodass der Mensch dann aus der vollen Menschlichkeit heraus in das praktische Leben hineinwachsen kann.

[ 57 ] Denn die Geisteswissenschaft, die hier vertreten wird — ich sagte schon gestern von ihr —, sie wächst aus der vollen Menschennatur heraus, und daher will sie auch nicht bei Schilderungen von Theoretischem stehen bleiben, sondern unmittelbar in das Leben, ich möchte sagen hineinströmen.

[ 57 ] Denn die Geisteswissenschaft, die hier vertreten wird — ich sagte schon gestern von ihr —, sie wächst aus der vollen Menschennatur heraus, und daher will sie auch nicht bei Schilderungen von Theoretischem stehen bleiben, sondern unmittelbar in das Leben, ich möchte sagen hineinströmen.

[ 58 ] Lassen Sie mich das mit ein paar Sätzen zum Schlusse noch an einem besonderen Beispiel erläutern. Geisteswissenschaft, wie sie hier vertreten wird, sie wird ja von mir schon vertreten seit mehr als zwei Jahrzehnten. Ich durfte ja auch hier in Kristiania seit vielen Jahren immer wiederum über die verschiedensten Gegenstände dieser Geisteswissenschaft sprechen.

[ 58 ] Lassen Sie mich das mit ein paar Sätzen zum Schlusse noch an einem besonderen Beispiel erläutern. Geisteswissenschaft, wie sie hier vertreten wird, sie wird ja von mir schon vertreten seit mehr als zwei Jahrzehnten. Ich durfte ja auch hier in Kristiania seit vielen Jahren immer wiederum über die verschiedensten Gegenstände dieser Geisteswissenschaft sprechen.

[ 59 ] Nun trat, nachdem Geisteswissenschaft ein Jahrzehnt gewirkt hatte, in einzelnen Persönlichkeiten, die ganz hingegeben waren mit ihrem gesunden Menschenverstand an die Wahrheit dieser Geisteswissenschaft, es trat an diese Persönlichkeiten die Idee heran, dieser Geisteswissenschaft einen eigenen Bau zu errichten. Namentlich sollten meine Mysterien, in denen ich auch künstlerisch zum Ausdrucke habe zu bringen gesucht dasjenige, was nun nicht etwa in irgendeiner strohernen Symbolik oder Allegorie, sondern aus einem wirklich künstlerischen Quell fließt, aber aus demselben Quell wie die Idee der Geisteswissenschaft — das versuchte ich in meinen Mysterien darzustellen. Sie mussten zuerst in gewöhnlichen Theatern aufgeführt werden. Das aber sollte sich ändern durch diese Persönlichkeiten, die sich in der geschilderten Weise der Geisteswissenschaft gewidmet haben und ihre Opfer bringen wollten, um einen eigenen Bau ihr zu errichten. Für die Pflege dieser Geisteswissenschaft und namentlich die Aufführung meiner Mysteriendramen sollte dieser Bau errichtet werden. Das Schicksal brachte diesen Bau in die Nähe von Basel in die Schweiz, nach Dornach — das nordwestliche Gebiet der Schweiz: Dornach, in der Nähe von Basel.

[ 59 ] Nun trat, nachdem Geisteswissenschaft ein Jahrzehnt gewirkt hatte, in einzelnen Persönlichkeiten, die ganz hingegeben waren mit ihrem gesunden Menschenverstand an die Wahrheit dieser Geisteswissenschaft, es trat an diese Persönlichkeiten die Idee heran, dieser Geisteswissenschaft einen eigenen Bau zu errichten. Namentlich sollten meine Mysterien, in denen ich auch künstlerisch zum Ausdrucke habe zu bringen gesucht dasjenige, was nun nicht etwa in irgendeiner strohernen Symbolik oder Allegorie, sondern aus einem wirklich künstlerischen Quell fließt, aber aus demselben Quell wie die Idee der Geisteswissenschaft — das versuchte ich in meinen Mysterien darzustellen. Sie mussten zuerst in gewöhnlichen Theatern aufgeführt werden. Das aber sollte sich ändern durch diese Persönlichkeiten, die sich in der geschilderten Weise der Geisteswissenschaft gewidmet haben und ihre Opfer bringen wollten, um einen eigenen Bau ihr zu errichten. Für die Pflege dieser Geisteswissenschaft und namentlich die Aufführung meiner Mysteriendramen sollte dieser Bau errichtet werden. Das Schicksal brachte diesen Bau in die Nähe von Basel in die Schweiz, nach Dornach — das nordwestliche Gebiet der Schweiz: Dornach, in der Nähe von Basel.

[ 60 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Wenn irgendeine andere geistige Bewegung in einer solchen Lage gewesen wäre, dass sie ein Haus, ein Heim hätte errichten wollen für die Pflege desjenigen, was sie pflegen will in der Welt, so wäre sie zu irgendeinem Baumeister gegangen und hätte sich in einem antiken oder Renaissance-Stil oder Rokoko-Stil — kurz in irgendeinem — ein Gebäude aufführen lassen, und in dem hätte man eben seine Weltanschauung vertreten. Das konnte bei der anthroposophischen Geisteswissenschaft nimmermehr geschehen, wenn man ihr mit seinem ganzen Menschen treu war. Warum nicht?

[ 60 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Wenn irgendeine andere geistige Bewegung in einer solchen Lage gewesen wäre, dass sie ein Haus, ein Heim hätte errichten wollen für die Pflege desjenigen, was sie pflegen will in der Welt, so wäre sie zu irgendeinem Baumeister gegangen und hätte sich in einem antiken oder Renaissance-Stil oder Rokoko-Stil — kurz in irgendeinem — ein Gebäude aufführen lassen, und in dem hätte man eben seine Weltanschauung vertreten. Das konnte bei der anthroposophischen Geisteswissenschaft nimmermehr geschehen, wenn man ihr mit seinem ganzen Menschen treu war. Warum nicht?

[ 61 ] Nun, Geisteswissenschaft will etwas sein, was in Ideen sich nur entfaltet nach der einen Seite hin; aber es fußt nicht in Theorien, es fußt nicht in Ideen, es fußt im lebendigen geistigen Leben, in jenem lebendigen geistigen Anschauen von Welt und Menschen, wie ich es gestern und heute geschildert habe.

[ 61 ] Nun, Geisteswissenschaft will etwas sein, was in Ideen sich nur entfaltet nach der einen Seite hin; aber es fußt nicht in Theorien, es fußt nicht in Ideen, es fußt im lebendigen geistigen Leben, in jenem lebendigen geistigen Anschauen von Welt und Menschen, wie ich es gestern und heute geschildert habe.

[ 62 ] Da kommen, meine sehr verehrten Anwesenden, drei Zweige heraus aus demselben Quell: Da kommt der eine Zweig heraus — Erkenntnis —, der sich in Ideen ausspricht. Da kommt der zweite Zweig heraus — Kunst —, der sich ausspricht in Formen, in Form der Töne, des Farbigen, des Plastischen, in architektonischen Formen. Da kommt hervor der dritte Zweig — der religiös-ethische, der sittliche Zweig.

[ 62 ] Da kommen, meine sehr verehrten Anwesenden, drei Zweige heraus aus demselben Quell: Da kommt der eine Zweig heraus — Erkenntnis —, der sich in Ideen ausspricht. Da kommt der zweite Zweig heraus — Kunst —, der sich ausspricht in Formen, in Form der Töne, des Farbigen, des Plastischen, in architektonischen Formen. Da kommt hervor der dritte Zweig — der religiös-ethische, der sittliche Zweig.

[ 63 ] Dasjenige, was Anthroposophie als Wissenschaft ist, will nicht eine Sektengründung, nicht eine Religionsbegründung sein. Aber es führt hin zu dem Quell, aus dem auch religiöses Leben fließt, und es fließt das Künstlerische aus demselben Quell heraus. Ich habe oftmals das folgende Bild gebraucht:

[ 63 ] Dasjenige, was Anthroposophie als Wissenschaft ist, will nicht eine Sektengründung, nicht eine Religionsbegründung sein. Aber es führt hin zu dem Quell, aus dem auch religiöses Leben fließt, und es fließt das Künstlerische aus demselben Quell heraus. Ich habe oftmals das folgende Bild gebraucht:

[ 64 ] Stellen Sie sich vor — meine sehr verehrten Anwesenden — eine Nuss in einer Schale. Sie können sich nicht vorstellen, dass die Nuss von einer Schale umgeben sei, die äußerlich errichtet ist, um die Nuss herum; sondern aus denselben Kräften und Formgesetzen, aus denen die Nuss ist, muss auch ringsherum die Schale sein. Sie können es der Nussschale ansehen: Sie ist schon nach denselben Formgesetzen gebildet, nach denen die Nuss selber gebildet ist.

[ 64 ] Stellen Sie sich vor — meine sehr verehrten Anwesenden — eine Nuss in einer Schale. Sie können sich nicht vorstellen, dass die Nuss von einer Schale umgeben sei, die äußerlich errichtet ist, um die Nuss herum; sondern aus denselben Kräften und Formgesetzen, aus denen die Nuss ist, muss auch ringsherum die Schale sein. Sie können es der Nussschale ansehen: Sie ist schon nach denselben Formgesetzen gebildet, nach denen die Nuss selber gebildet ist.

[ 65 ] Das ist Leben, wo alles, was entsteht, aus denselben Impulsen, aus denselben Formgesetzen entsteht.

[ 65 ] Das ist Leben, wo alles, was entsteht, aus denselben Impulsen, aus denselben Formgesetzen entsteht.

[ 66 ] Anthroposophische Geisteswissenschaft ist nicht Abstraktion, ist Leben, das sich auslebt, wie ich es geschildert habe, in der Erziehung; das sich auslebt im Sozialen; das sich auslebt im Religiösen. Indem ihr ein Haus errichtet werden soll, ist sie die Nuss, und das Haus muss aus denselben Formgesetzen heraus errichtet werden, muss seinen eigenen Stil haben, der nicht etwa in künstlerische Formen symbolisch umgesetzte Idee ist — das wäre strohernes Symbolistentum —, sondern es muss sein wirkliches, echtes künstlerisches Schaffen. Das aber kann als der zweite Zweig aus denselben Quellen kommen, wie die Anthroposophie [zu] ihren Ideen kommt.

[ 66 ] Anthroposophische Geisteswissenschaft ist nicht Abstraktion, ist Leben, das sich auslebt, wie ich es geschildert habe, in der Erziehung; das sich auslebt im Sozialen; das sich auslebt im Religiösen. Indem ihr ein Haus errichtet werden soll, ist sie die Nuss, und das Haus muss aus denselben Formgesetzen heraus errichtet werden, muss seinen eigenen Stil haben, der nicht etwa in künstlerische Formen symbolisch umgesetzte Idee ist — das wäre strohernes Symbolistentum —, sondern es muss sein wirkliches, echtes künstlerisches Schaffen. Das aber kann als der zweite Zweig aus denselben Quellen kommen, wie die Anthroposophie [zu] ihren Ideen kommt.

[ 67 ] Und so wurde denn in Dornach bei Basel in Anknüpfung daran, dass ich selber die Grundlage zu meinem Forschen aus Goethe gewonnen habe, so wurde denn in der Nähe von Basel das Goetheanum gebaut — die Arbeit von zehn Jahren —, in seinen Formen so gebaut, dass man mit jedem Pfeiler, in jeder Säule, in jedem Architrav-Stück, in jeder Farbgebung, in allem, was man sah, die richtige künstlerische Umgebung für dasjenige sehen konnte, was da vom Podium aus in diesem, für 900 Menschen berechneten Gebäude getrieben wurde.

[ 67 ] Und so wurde denn in Dornach bei Basel in Anknüpfung daran, dass ich selber die Grundlage zu meinem Forschen aus Goethe gewonnen habe, so wurde denn in der Nähe von Basel das Goetheanum gebaut — die Arbeit von zehn Jahren —, in seinen Formen so gebaut, dass man mit jedem Pfeiler, in jeder Säule, in jedem Architrav-Stück, in jeder Farbgebung, in allem, was man sah, die richtige künstlerische Umgebung für dasjenige sehen konnte, was da vom Podium aus in diesem, für 900 Menschen berechneten Gebäude getrieben wurde.

[ 68 ] Da fühlte man, wenn man auf dem Podium stand und sprach, wie das Wort, das man zu prägen hatte, um das geistige Schauen vor die Zuhörer zu bringen, da fühlte man, wie dieses Wort als Idee aus der Idee geprägt wird, ganz in derselben Weise wie — derjenige, der im Modell alles Einzelne ausgearbeitet hat in Wachs, was in Dornach gebaut worden ist, darf das sagen —, wie dasjenige, was in Formen und Farben äußerlich sichtbar den Menschen entgegengetreten ist; [wer] in diesem Goetheanum selber hörte die Worte vom Podium, wer sah dort die eurythmischen Künstlerinnen ihre Bewegungskünste entfalten, wer dort rezitieren hörte, wer dort irgendetwas anderes aufführen sah, der sah, das, was auf Bühne und Podium vorging und gesprochen wurde, eben nur ist die andere Form desjenigen, was die Bauformen, die architektonischen, die malerischen Formen zeigten. Und wenn von der Orgel herunter vom anderen Ende ertönte das Musikalische, dann waren die musikalischen Töne, die durch den Raum gingen, nur wiederum dasjenige, was sich fortsetzte in den Säulenformen, in demjenigen, was in Form und Farben in dem ganzen Bau zum Ausdrucke gekommen war. Kurz, dieser Bau für die anthroposophische Weltanschauung konnte nicht als eine äußerliche Renaissance- oder Rokoko- oder antike Hülle oder gotische Hülle gebaut werden. Es musste ein neuer Baustil entstehen, weil Anthroposophie nicht eine einseitige Theorie ist, sondern dasjenige ist, was auf [der einen] Seite in allen Erkenntnis-Ideen zutage treten kann, was als Kunst zutage treten kann. Und als Kunst, als darstellende Kunst sollte sie nun doch in dem eigenen Heim zum Ausdrucke kommen.

[ 68 ] Da fühlte man, wenn man auf dem Podium stand und sprach, wie das Wort, das man zu prägen hatte, um das geistige Schauen vor die Zuhörer zu bringen, da fühlte man, wie dieses Wort als Idee aus der Idee geprägt wird, ganz in derselben Weise wie — derjenige, der im Modell alles Einzelne ausgearbeitet hat in Wachs, was in Dornach gebaut worden ist, darf das sagen —, wie dasjenige, was in Formen und Farben äußerlich sichtbar den Menschen entgegengetreten ist; [wer] in diesem Goetheanum selber hörte die Worte vom Podium, wer sah dort die eurythmischen Künstlerinnen ihre Bewegungskünste entfalten, wer dort rezitieren hörte, wer dort irgendetwas anderes aufführen sah, der sah, das, was auf Bühne und Podium vorging und gesprochen wurde, eben nur ist die andere Form desjenigen, was die Bauformen, die architektonischen, die malerischen Formen zeigten. Und wenn von der Orgel herunter vom anderen Ende ertönte das Musikalische, dann waren die musikalischen Töne, die durch den Raum gingen, nur wiederum dasjenige, was sich fortsetzte in den Säulenformen, in demjenigen, was in Form und Farben in dem ganzen Bau zum Ausdrucke gekommen war. Kurz, dieser Bau für die anthroposophische Weltanschauung konnte nicht als eine äußerliche Renaissance- oder Rokoko- oder antike Hülle oder gotische Hülle gebaut werden. Es musste ein neuer Baustil entstehen, weil Anthroposophie nicht eine einseitige Theorie ist, sondern dasjenige ist, was auf [der einen] Seite in allen Erkenntnis-Ideen zutage treten kann, was als Kunst zutage treten kann. Und als Kunst, als darstellende Kunst sollte sie nun doch in dem eigenen Heim zum Ausdrucke kommen.

[ 69 ] Immer wieder muss betont werden: Anthroposophie will nicht eine neue Religion begründen, will nichts Sektiererisches haben, will durchaus in derselben rein objektiven, rein gesetzlichen Weise vorgehen wie nur irgendeine wissenschaftliche Richtung. Aber dadurch, dass sie mit wirklicher wissenschaftlicher Exaktheit, aber mit geisteswissenschaftlicher Anschauung vordringt, dringt sie auch zu dem Quell der Religiosität heran.

[ 69 ] Immer wieder muss betont werden: Anthroposophie will nicht eine neue Religion begründen, will nichts Sektiererisches haben, will durchaus in derselben rein objektiven, rein gesetzlichen Weise vorgehen wie nur irgendeine wissenschaftliche Richtung. Aber dadurch, dass sie mit wirklicher wissenschaftlicher Exaktheit, aber mit geisteswissenschaftlicher Anschauung vordringt, dringt sie auch zu dem Quell der Religiosität heran.

[ 70 ] Dadurch gelangte man dazu, an einem der hervorragendsten Punkte in dem Goetheanum einstmals platzieren zu wollen eine [neuneinhalb] Meter hohe Holzgruppe, deren Mittelpunktsfigur der Christus-Jesus selbst ist. So sollte nun — meine sehr verehrten Anwesenden — eine Weltanschauung, die es als ihr Ideal anerkennt, in ihrem Heim an einem der hervorragendsten Punkte das Menschengeheimnis von Golgatha zu verkörpern, durch die Anthroposophie gegeben sein. Das ist eine Erkenntnis gerade, die in ihren Zielsetzungen das Religiöse hat, obwohl sie selber nicht sekten- und religionenbildend auftreten will, sondern auf dem Boden des Künstlerischen, auf dem Boden des Erkennenden stehen bleiben will.

[ 70 ] Dadurch gelangte man dazu, an einem der hervorragendsten Punkte in dem Goetheanum einstmals platzieren zu wollen eine [neuneinhalb] Meter hohe Holzgruppe, deren Mittelpunktsfigur der Christus-Jesus selbst ist. So sollte nun — meine sehr verehrten Anwesenden — eine Weltanschauung, die es als ihr Ideal anerkennt, in ihrem Heim an einem der hervorragendsten Punkte das Menschengeheimnis von Golgatha zu verkörpern, durch die Anthroposophie gegeben sein. Das ist eine Erkenntnis gerade, die in ihren Zielsetzungen das Religiöse hat, obwohl sie selber nicht sekten- und religionenbildend auftreten will, sondern auf dem Boden des Künstlerischen, auf dem Boden des Erkennenden stehen bleiben will.

[ 71 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Als ich das letzte Mal in Kristiania hier sprechen durfte, da konnte ich mit anderen Gedanken an das Heim der Geistesforschung in Dornach denken, denn dieses Heim ist mittlerweile in der Silvesternacht von 1922 auf 1923 ein Raub der Flammen geworden, ist abgebrannt bis auf die Betongrundlage, und eine, demjenigen, der das Goetheanum lieb gehabt hat, furchtbar zu Herzen sprechende, schreckliche Ruine steht nunmehr an der Stelle, wo einstmals gestanden hat dasjenige, was in seinen äußeren Formen für Tausende und Abertausende von Besuchern im Laufe der Jahre zur Offenbarung gebracht hat dasjenige, was man aus dem tiefsten Herzen heraus über Menschenewigkeit, Menschenentwicklung auf Erden, über Menschenwesenheit und Weltenwesenheit und Weltenerkenntnis mit Worten sagen konnte.

[ 71 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Als ich das letzte Mal in Kristiania hier sprechen durfte, da konnte ich mit anderen Gedanken an das Heim der Geistesforschung in Dornach denken, denn dieses Heim ist mittlerweile in der Silvesternacht von 1922 auf 1923 ein Raub der Flammen geworden, ist abgebrannt bis auf die Betongrundlage, und eine, demjenigen, der das Goetheanum lieb gehabt hat, furchtbar zu Herzen sprechende, schreckliche Ruine steht nunmehr an der Stelle, wo einstmals gestanden hat dasjenige, was in seinen äußeren Formen für Tausende und Abertausende von Besuchern im Laufe der Jahre zur Offenbarung gebracht hat dasjenige, was man aus dem tiefsten Herzen heraus über Menschenewigkeit, Menschenentwicklung auf Erden, über Menschenwesenheit und Weltenwesenheit und Weltenerkenntnis mit Worten sagen konnte.

[ 72 ] Es ist ja selbstverständlich, dass die kleinen Versicherungssummen, die wir vielleicht erhalten werden, nachdem die gerichtlichen Untersuchungen über den Dornacher Brand zu Ende gekommen sein werden, nicht hinreichend sein werden, diesen Bau, das Goetheanum, wiederum aufzurichten. Und wir leben heute in anderen Verhältnissen als vor dem Kriege, wo sich zahlreiche Bekenner anthroposophischer Geistesforschung in wirklich tiefer Opferwilligkeit gefunden haben, um dem Aufbau des Goetheanums die Möglichkeit zu geben. Und immer wieder und wiederum haben sich solche Freunde gefunden, um zu helfen. Wie das Goetheanum wieder entstehen kann, das wird eben davon abhängen, ob in der gegenwärtigen, so schwierigen Weltenlage wiederum dieselben Opfer möglich sein werden, die vorher möglich waren. In irgendeiner Form muss es ja wieder entstehen; denn man wollte dadurch sichtbarlich zum Ausdrucke bringen dasjenige, was von anthroposophischer Geistesforschung heute gesagt werden will zu den tiefsten Sehnsuchten des gegenwärtigen Menschen.

[ 72 ] Es ist ja selbstverständlich, dass die kleinen Versicherungssummen, die wir vielleicht erhalten werden, nachdem die gerichtlichen Untersuchungen über den Dornacher Brand zu Ende gekommen sein werden, nicht hinreichend sein werden, diesen Bau, das Goetheanum, wiederum aufzurichten. Und wir leben heute in anderen Verhältnissen als vor dem Kriege, wo sich zahlreiche Bekenner anthroposophischer Geistesforschung in wirklich tiefer Opferwilligkeit gefunden haben, um dem Aufbau des Goetheanums die Möglichkeit zu geben. Und immer wieder und wiederum haben sich solche Freunde gefunden, um zu helfen. Wie das Goetheanum wieder entstehen kann, das wird eben davon abhängen, ob in der gegenwärtigen, so schwierigen Weltenlage wiederum dieselben Opfer möglich sein werden, die vorher möglich waren. In irgendeiner Form muss es ja wieder entstehen; denn man wollte dadurch sichtbarlich zum Ausdrucke bringen dasjenige, was von anthroposophischer Geistesforschung heute gesagt werden will zu den tiefsten Sehnsuchten des gegenwärtigen Menschen.

[ 73 ] Ich sagte es auch schon gestern: In den Menschen der Gegenwart, in zahlreichen Menschen der Gegenwart — denn doch als eine tiefste Sehnsucht, wenn sie es auch nicht wissen, wenn es auch nur in unterbewussten Gefühlen und Empfindungen west —, es lebt der Drang, das Geistige wiederzufinden, den Glauben wieder zu versöhnen mit dem Wissen. Das wollte man äußerlich ausdrücken durch die Formen schon des Goetheanums.

[ 73 ] Ich sagte es auch schon gestern: In den Menschen der Gegenwart, in zahlreichen Menschen der Gegenwart — denn doch als eine tiefste Sehnsucht, wenn sie es auch nicht wissen, wenn es auch nur in unterbewussten Gefühlen und Empfindungen west —, es lebt der Drang, das Geistige wiederzufinden, den Glauben wieder zu versöhnen mit dem Wissen. Das wollte man äußerlich ausdrücken durch die Formen schon des Goetheanums.

[ 74 ] Nun, es ist das ja auch äußerlich ausgedrückt in den Formen des Menschen selber. Aber dasjenige, was physisch-sinnlich ist — meine sehr verehrten Anwesenden —, kann erfasst werden von den materiellen Flammen und so zugrunde gehen wie das Dornacher Goetheanum. So gehen ja auch des Menschen physisch-sinnliche Hüllen zugrunde. Aber gerade Geisteswissenschaft zeigt uns anschauend, wie ein ewiger Wesenskern des Menschen aus geistig-seelischen Welten heruntersteigt, sich mit der physischen Hülle nur umkleidet, durch die Pforte des Todes wieder geht, um im Geiste weiterzuleben.

[ 74 ] Nun, es ist das ja auch äußerlich ausgedrückt in den Formen des Menschen selber. Aber dasjenige, was physisch-sinnlich ist — meine sehr verehrten Anwesenden —, kann erfasst werden von den materiellen Flammen und so zugrunde gehen wie das Dornacher Goetheanum. So gehen ja auch des Menschen physisch-sinnliche Hüllen zugrunde. Aber gerade Geisteswissenschaft zeigt uns anschauend, wie ein ewiger Wesenskern des Menschen aus geistig-seelischen Welten heruntersteigt, sich mit der physischen Hülle nur umkleidet, durch die Pforte des Todes wieder geht, um im Geiste weiterzuleben.

[ 75 ] Dasjenige, was über den geistigen Menschen handelt, das drückt sich in den ebenfalls geistig sein wollenden Gedanken der Anthroposophie aus. Das hatte in dem vergänglichen Gebäude — dessen Hingang uns so schmerzlich ist, uns so wehmütig macht, uns, die wir dieses Gebäude, diesen Bau so lieb gewonnen haben —, das hatte sein vergängliches Außenwerk, wie der Mensch selbst in Bezug auf sein wahres Wesen in seinem irdischen Leibe sein vergängliches Außenwerk hat.

[ 75 ] Dasjenige, was über den geistigen Menschen handelt, das drückt sich in den ebenfalls geistig sein wollenden Gedanken der Anthroposophie aus. Das hatte in dem vergänglichen Gebäude — dessen Hingang uns so schmerzlich ist, uns so wehmütig macht, uns, die wir dieses Gebäude, diesen Bau so lieb gewonnen haben —, das hatte sein vergängliches Außenwerk, wie der Mensch selbst in Bezug auf sein wahres Wesen in seinem irdischen Leibe sein vergängliches Außenwerk hat.

[ 76 ] Anthroposophie aber möchte sprechen von dem Ewigen des Menschen, aber so sprechen, dass gerade dieses Ewige in wirklich praktischer Weise — wie ich es heute angedeutet habe für einen gewissen Punkt — auf den verschiedensten Gebieten des Lebens durchaus zur Geltung komme. Das Ewige voll zur Gestaltung zu bringen im Zeitlichen, praktisch zu sein bei aller Geistigkeit, das ist dasjenige, wonach gerade die wirkliche anthroposophische Geisteserkenntnis strebt.

[ 76 ] Anthroposophie aber möchte sprechen von dem Ewigen des Menschen, aber so sprechen, dass gerade dieses Ewige in wirklich praktischer Weise — wie ich es heute angedeutet habe für einen gewissen Punkt — auf den verschiedensten Gebieten des Lebens durchaus zur Geltung komme. Das Ewige voll zur Gestaltung zu bringen im Zeitlichen, praktisch zu sein bei aller Geistigkeit, das ist dasjenige, wonach gerade die wirkliche anthroposophische Geisteserkenntnis strebt.

[ 77 ] Sie wird schon zeigen, dass die tiefsten Sehnsuchten der Menschenseelen doch im Laufe der Zeit immer mehr und mehr erfüllt werden können. Und diese Geisteserkenntnis kann warten. Sie weiß, dass das kopernikanische Weltensystem auch zuerst eine Narrheit war, nachher eine Selbstverständlichkeit. So weiß Anthroposophie, dass sie gut heute für viele Menschen eine Narrheit sein kann. Sie wird auch warten und sie kann warten! Sie wird auch eine Selbstverständlichkeit werden. Denn sie spricht von dem, was dem Menschen naheliegen muss, wenn er, sich wirklich erfühlend, wenden will wiederum zu der uralten, ich möchte sagen heiligen Forderung: «Erkenne dich selbst!» Wenn er dieses großartige, gewaltige Wahrund Warnwort in irgendeiner Weise entwickeln will in moderner Gestalt, dann muss der Mensch kommen eben zu einer Welterkenntnis, die zeigt durch übersinnliches Schauen, wie aus allen Reichen der Natur, aus Wolken und Sternen, aus Wolkenbewegungen und Sternbewegungen das Geistige spricht, wie diese Welt, die man in Wahrheit nur erkennt, wenn man sie im Geiste erkennt, zuletzt sagt: Im Menschenwesen habe ich meine Ziele. Weltenerkenntnis vollendet sich erst in Menschenerkenntnis. Und Menschenerkenntnis schaut man nicht in mystischer Verworrenheit und mit mystischen Illusionen, sondern so wie ich es gestern und heute geschildert habe, auf den Menschen hin, um sein Wesen zu ergründen. So kommt man, indem man den Menschen ergründet, zu der Anerkenntnis des geistig-seelisch, vorirdischen und nachtodlichen Wesens des Menschen, wo der Mensch in die Welt hinaus ergossen ist, trotzdem er ein höheres Selbstbewusstsein hat als hier auf Erden; da entdeckt man im Menschen in rechter Menschenerkenntnis Weltenwesen. So wie es keine wahre Weltenerkenntnis gibt ohne Menschenerkenntnis, weil die Welt zeigt: ihr Ziel ist der Mensch — so gibt es keine wahre Menschenerkenntnis, ohne dass man im Menschen ein Abbild der ganzen Welt erblickt, ohne dass man durch Menschenerkenntnis zur Welterkenntnis im Geiste durchdringt.

[ 77 ] Sie wird schon zeigen, dass die tiefsten Sehnsuchten der Menschenseelen doch im Laufe der Zeit immer mehr und mehr erfüllt werden können. Und diese Geisteserkenntnis kann warten. Sie weiß, dass das kopernikanische Weltensystem auch zuerst eine Narrheit war, nachher eine Selbstverständlichkeit. So weiß Anthroposophie, dass sie gut heute für viele Menschen eine Narrheit sein kann. Sie wird auch warten und sie kann warten! Sie wird auch eine Selbstverständlichkeit werden. Denn sie spricht von dem, was dem Menschen naheliegen muss, wenn er, sich wirklich erfühlend, wenden will wiederum zu der uralten, ich möchte sagen heiligen Forderung: «Erkenne dich selbst!» Wenn er dieses großartige, gewaltige Wahrund Warnwort in irgendeiner Weise entwickeln will in moderner Gestalt, dann muss der Mensch kommen eben zu einer Welterkenntnis, die zeigt durch übersinnliches Schauen, wie aus allen Reichen der Natur, aus Wolken und Sternen, aus Wolkenbewegungen und Sternbewegungen das Geistige spricht, wie diese Welt, die man in Wahrheit nur erkennt, wenn man sie im Geiste erkennt, zuletzt sagt: Im Menschenwesen habe ich meine Ziele. Weltenerkenntnis vollendet sich erst in Menschenerkenntnis. Und Menschenerkenntnis schaut man nicht in mystischer Verworrenheit und mit mystischen Illusionen, sondern so wie ich es gestern und heute geschildert habe, auf den Menschen hin, um sein Wesen zu ergründen. So kommt man, indem man den Menschen ergründet, zu der Anerkenntnis des geistig-seelisch, vorirdischen und nachtodlichen Wesens des Menschen, wo der Mensch in die Welt hinaus ergossen ist, trotzdem er ein höheres Selbstbewusstsein hat als hier auf Erden; da entdeckt man im Menschen in rechter Menschenerkenntnis Weltenwesen. So wie es keine wahre Weltenerkenntnis gibt ohne Menschenerkenntnis, weil die Welt zeigt: ihr Ziel ist der Mensch — so gibt es keine wahre Menschenerkenntnis, ohne dass man im Menschen ein Abbild der ganzen Welt erblickt, ohne dass man durch Menschenerkenntnis zur Welterkenntnis im Geiste durchdringt.

[ 78 ] Das ist das, was man heute schon als ein wissenschaftlich-sittlich-religiöses Streben unbewusst auf dem Grunde vieler Menschenseelen sieht. Das ist dasjenige, was viele Menschenseelen heute beunruhigt, ohne dass sie es wissen. Das ist dasjenige, von dem anthroposophische Menschen- und Welterkenntnis zu dem Menschen sprechen möchte, sodass dasjenige sich wirklich ergebe, was der Mensch der Gegenwart, was aber insbesondere der Mensch der nächsten Zukunft brauchen wird: wirklich echte Menschenerkenntnis durch wahre geistige Welterkenntnis, wirkliche, echte, zum sozialen Wirken und religiösen Fühlen taugende Weltenerkenntnis, durch echte, wahre, im Geiste ergriffene Menschenerkenntnis.

[ 78 ] Das ist das, was man heute schon als ein wissenschaftlich-sittlich-religiöses Streben unbewusst auf dem Grunde vieler Menschenseelen sieht. Das ist dasjenige, was viele Menschenseelen heute beunruhigt, ohne dass sie es wissen. Das ist dasjenige, von dem anthroposophische Menschen- und Welterkenntnis zu dem Menschen sprechen möchte, sodass dasjenige sich wirklich ergebe, was der Mensch der Gegenwart, was aber insbesondere der Mensch der nächsten Zukunft brauchen wird: wirklich echte Menschenerkenntnis durch wahre geistige Welterkenntnis, wirkliche, echte, zum sozialen Wirken und religiösen Fühlen taugende Weltenerkenntnis, durch echte, wahre, im Geiste ergriffene Menschenerkenntnis.