Appendix to the Public Lectures
GA 85
4 February 1921, Bern
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Appendix to the Public Lectures, tr. SOL
110. Die Gestaltung des Wirtschaftslebens unter dem Einfluss der Dreigliederung des sozialen Organismus
110. The Organization of Economic Life under the Influence of the Threefold Social Order
[ 1 ] Im anerkennenswerten Bestreben, wissenschaftliche Vertreter neuer volkswirtschaftlicher Strömungen zum Worte kommen zu lassen und damit in vorurteilsloser Weise aufklärend zu wirken, lud die Volkswirtschaftliche Gesellschaft des Kantons Bern den bekannten Anthroposophen Dr. Rudolf Steiner aus Dornach zu einem Vortrage über diesen Gegenstand ein. In der Erwartung, neue, kühne und fruchtbringende Gedanken in scharfsinniger oder geistreicher Form vorgetragen zu bekommen, stellte sich am Freitagabend im Liedertafelsaal des Kasinos ein zahlreiches Publikum ein. Der Referent führte aus, dass der Impuls der Dreigliederung nicht revolutionär sei, sondern auf dem Bestehenden aufbauen wolle. Das geistige und das wirtschaftliche Leben bildeten die beiden äußeren Flügel des dreigliedrigen sozialen Organismus. Auf diesen Gebieten gelte die naturgemäße Autorität, Sach- und Fachtüchtigkeit entschieden da allein. Was übrig bleibe, falle dem staatlich-rechtlichen Gliede zu. Hier habe das demokratische Prinzip Geltung. Jedes Glied müsse auf sich selbst gestellt sein. Die Arbeit müsse aus dem Wirtschaftsleben herausgehoben und dem staatlich-rechtlichen Leben einverleibt werden. Die geschichtliche Entwicklung tendiere nach dieser Richtung zur Dreigliederung. Der Vortrag erntete bei einem Teil der Anwesenden Beifall. In der Diskussion wies Prof. Reichesberg, ins Einzelne gehend, nach, dass keine neuen Gedanken vorgebracht, sondern Bruchstücke verschiedener Theorien zu einer Mosaikarbeit zusammengefasst worden sind. Die genannten Trennungen seien durchaus künstlich. Dr. Kellenberger vermisste in den Ausführungen des Referenten die Erfassung des Kernpunktes der sozialen Frage, der Tatsache des Vorhandenseins von arbeitslosem Einkommen. In seinem längeren, mit psychologischen und physiologischen Begriffen gespickten Schlusswort antwortete Herr Steiner auf die gefallenen Voten. Es darf und muss gesagt werden, dass der Vortrag für den Vorstand und die Mitglieder eine Enttäuschung war.
[ 1 ] In a commendable effort to give a voice to scholars representing new schools of thought in economics and thereby to educate the public in an unbiased manner, the Economic Society of the Canton of Bern invited the well-known anthroposophist Dr. Rudolf Steiner from Dornach to give a lecture on this subject. In anticipation of hearing new, bold, and fruitful ideas presented in a perceptive or witty manner, a large audience gathered on Friday evening in the Liedertafel Hall of the Casino. The speaker explained that the impulse toward social threefolding was not revolutionary but rather sought to build upon what already existed. Spiritual and economic life constituted the two outer wings of the threefold social organism. In these areas, authority based on natural principles, as well as competence and expertise, were the decisive factors. What remained fell to the state-legal component. Here, the democratic principle applies. Each member must be self-reliant. Labor must be separated from economic life and incorporated into the state-legal sphere. Historical development tends in this direction toward threefold social organization. The lecture was met with applause from some of those present. In the discussion, Prof. Reichesberg demonstrated in detail that no new ideas had been put forward, but rather that fragments of various theories had been assembled into a mosaic. The divisions mentioned were entirely artificial. Dr. Kellenberger noted that the speaker’s remarks failed to address the crux of the social question: the fact of the existence of income independent of work. In his lengthy closing remarks, peppered with psychological and physiological terms, Mr. Steiner responded to the comments that had been made. It can and must be said that the lecture was a disappointment for the executive board and the members.
