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Self-Knowledge and God-Knowledge I
GA 90a

28 September 1903, Berlin

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Self-Knowledge and God-Knowledge I, tr. SOL
  1. Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I, 1st ed.

1. Weltenweisheit und Menschenweisheit

1. Cosmic Wisdom and Human Wisdom

[ 1 ] Ich möchte heute noch auf einiges zurückkommen, das die menschlichen Prinzipien betrifft. Wir müssen das, was in der Welt ist, aufsuchen so, wie es in uns selbst ist. Die Uhr ist eine Einrichtung, die nur möglich ist durch eine Intelligenz, die sie gefügt hat, zusammengestellt hat. Es ist töricht zu sagen: Die Uhr hat sich diese weise Einrichtung selbst gegeben. Ebenso töricht wäre es zu sagen: Der Mensch hat sich in seiner Gestaltung selbst geschaffen.

[ 1 ] Today I would like to return to a few points concerning human principles. We must seek out what exists in the world just as it exists within ourselves. A clock is a device made possible only by an intelligence that designed and assembled it. It is foolish to say: The clock has given itself this ingenious design. It would be just as foolish to say: Human beings have created themselves in their own image.

[ 2 ] Wir haben ein kleines Klavier in unseren Ohren, das ‹Corti'sche Organ›. Es sind da Härchen daran; und das Härchen ist so, dass es auf einen bestimmten Ton gestimmt ist. Das tönt mit, wenn ein Ton am Klavier angeschlagen wird. So übertragen sich die Schwingungen der Luft auf die Härchen, welche dann mitschwingen. Ebenso verhält es sich mit dem Auge. Auch das Auge ist ein komplizierter Apparat, der durch die Weisheit entstanden ist. Der Mensch ist in dieser Weise materialisierte Weisheit. Die Welt ist nach den Gedanken gemacht worden.

[ 2 ] We have a small piano inside our ears, the “Corti organ.” It has tiny hairs on it, and each hair is tuned to a specific pitch. These hairs vibrate along with the sound when a key on the piano is struck. In this way, the vibrations of the air are transmitted to the tiny hairs, which then vibrate in unison. The same is true of the eye. The eye, too, is a complex apparatus brought into being by wisdom. In this sense, human beings are wisdom made tangible. The world was created according to thought.

[ 3 ] Die Weisheit im Raume nennen wir ‹kosmische Weisheit› oder [‹Mahat›]. Mahat ist die Summe der Weisheit, die in der Welt ausgebreitet ist. So ist es ein Herausschälen der Weisheit aus der Uhr. Das ist ebenso, wie der Mensch die Weisheit aus der Natur zieht.

[ 3 ] We call the wisdom in space “cosmic wisdom” or [“Mahat”]. Mahat is the sum of the wisdom that pervades the world. Thus, it is a process of extracting wisdom from the clock. This is just as a person draws wisdom from nature.

[ 4 ] Mahat ist das Urbild der Weisheit. ‹Mala› ist das Bild von Mahat in dem Menschen. Nach indischer Lehre ist es so: Brahma war zunächst allein, hat geschlummert, dann erwachte er. Eine Nacht des Brahma war vorüber. Es erwacht in ihm die schöpferische Weisheit. Nichts war noch da außer der schöpferischen Weisheit des Brahma. Und diese schöpferische Weisheit ist Mahat. Ein Sonnensystem ist als Gedanke im Geiste Brahmas vorhanden. Wir denken ihm diesen kosmischen Gedanken nach.

[ 4 ] Mahat is the archetype of wisdom. “Mala” is the image of Mahat within human beings. According to Indian teachings, it was like this: Brahma was alone at first, slumbering, then he awoke. A night of Brahma had passed. Creative wisdom awakened within him. Nothing remained except the creative wisdom of Brahma. And this creative wisdom is Mahat. A solar system exists as a thought in the mind of Brahma. We contemplate this cosmic thought.

[ 5 ] Überall in der Welt ist Weisheit vorhanden. Sie fließt aus einer Art geistigen Keim in unsere Seele. In der Seele ist die kosmische Weisheit. Mala lebt in vielen. Mahat lebt nur einmal. Indem Mahat individuell wird, also Mala wird, braucht er ein Verbindungsglied. Das ist Ahankara. Durch Ahankara hängt jeder Mensch zusammen mit der allgemeinen Weltenweisheit.

[ 5 ] Wisdom is present everywhere in the world. It flows into our soul from a kind of spiritual seed. Cosmic wisdom resides in the soul. Mala lives in many. Mahat lives only once. As Mahat becomes individual—that is, becomes Mala—he needs a connecting link. That is Ahankara. Through Ahankara, every human being is connected to the universal wisdom of the world.

[ 6 ] Ich versenke mich in mich und trete zurück von der äußeren Sinnenwelt. Indem ich abbreche diese Brücke, ist mir gestattet, nach innen zu schauen. Das Gemeinsame von allem habe ich in mir durch Ahankara. Ich muss zur Weltenweisheit zurückgehen. Zuerst findet der Mensch in sich Manas und dann findet er Ahankara, das ihn wieder zur Einheit führt, zur göttlichen Weisheit. Wenn wir durch Ahankara gehen, werden Sie sich klar werden darüber, dass wir einen wichtigen geistigen Prozess vollziehen. Wir gehen im Allgemeinen mehr auf. Es ist das Bewusstsein [davon], dass das eigene Selbst, ein Stück des göttlichen Selbst ist. Ich beharre dann nicht in meinem Selbst, sondern ich fange an, mich als ein Glied des allgemeinen Mahat zu fühlen. Ich bin nur dadurch, dass ich ursprünglich durch einen göttlichen Gedanken in die Welt hineingesetzt worden bin. Ahankara führt zum Aufgehen in der Gedankenwelt Gottes. Ich und der Vater sind eins. Ich spreche nicht, weil ich es will, sondern weil ich Ahankara einfließen lasse. Für die physische Sinneswelt würden wir einen Fehler begehen zu sagen: «Ich und die anderen sind eins.» Mahat ist zugleich das, was wir in der Theosophie Atma nennen.

[ 6 ] I immerse myself within and withdraw from the external sensory world. By severing this bridge, I am allowed to look inward. I possess the common essence of all things within me through ahankara. I must return to universal wisdom. First, a person finds manas within themselves, and then they find ahankara, which leads them back to unity, to divine wisdom. As we journey through ahankara, you will come to realize that we are undergoing an important spiritual process. We generally become more absorbed. It is the awareness that one’s own self is a part of the divine Self. I then do not remain fixed in my own self, but I begin to feel myself as a part of the universal Mahat. I exist only because I was originally placed into the world through a divine thought. Ahankara leads to absorption in the world of God’s thoughts. I and the Father are one. I speak not because I will it, but because I allow Ahankara to flow through me. With regard to the physical sensory world, it would be a mistake to say, “I and the others are one.” Mahat is, at the same time, what we call Atma in Theosophy.

[ 7 ] Ich denke zwei Gedanken. Erstens: «Ich will morgen in die Stadt gehen.»; und zweitens: «Ich will einen Freund besuchen.» Das sind zwei Gedanken, die in meiner Seele als Einheit vorhanden sind. So sind die Menschen Gedanken von Mahat. Die Menschen sind gemeinsam in Mahat. Mahat hat viele Atmas, aber alle Atmas sind beisammen in Mahat. Dieser Mahat des Weltensystems, in dem wir uns entwickeln, ist der «dritte Logos. Und so können wir sagen: Wir bestehen aus drei Prinzipien, erstens aus Manas, zweitens durch Budhi und drittens durch Atma. Erheben wir uns dazu, so sind wir nicht mehr Einzelne.

[ 7 ] I have two thoughts. First: “I want to go into town tomorrow”; and second: “I want to visit a friend.” These are two thoughts that exist as a single entity within my soul. Thus, human beings are thoughts of Mahat. Human beings are united in Mahat. Mahat has many Atmas, but all Atmas are together in Mahat. This Mahat of the world system, in which we evolve, is the “third Logos.” And so we can say: We consist of three principles—first, Manas; second, Budhi; and third, Atma. When we rise to this level, we are no longer individuals.

[ 8 ] Auf der Stufe des Atma nennen wir den Gedanken Bild. Wir wollen den Unterschied jetzt noch deutlicher zu fassen versuchen. Was in uns als Gedanken lebt, ist seiner wahren Bedeutung nach ein Schattenbild, seiner wahren Wesenheit nach. Er verhalt sich seiner wahren Wesenheit nach wie der Schatten zum Gegenstand. Das Schattenbild ist nur da, wenn die Lampe da ist und ich da bin. Man kann aber auch so sitzen, dass man immer nur die Schattenbilder sieht. Wenn wir hinausgehen könnten in jene Sphäre, wo die wahren Wesen dieser Schattenbilder sind, so würden wir die Urbilder erkennen. Und auch diese Urbilder nennen wir «Spiriv. Spirit ist geistige Wesenheit, die zugleich Gedanke und Wille ist. Dadurch ist sie schöpferischer Gedanke. Die lebendigen Wesenheiten sind Wirklichkeiten, sind die Individualität. Ein intellektueller Gedanke ist das, was mit KamaManas lebt. Wenn wir den intellektuellen Gedanken frei machen von den Sinnbildern, so bleibt uns nur eine graue Allgemeinheit, ein abstrakter Gedanke. Durch dieses abstrakte Denken muss die Seele durchgegangen sein. Dann fließt statt von unten neuer Inhalt von oben herein. Wenn wir über die Straße gehen, so werden die Gedanken von außen angeregt. Sie müssen aber auch von innen heraus Eindrücke erhalten können.

[ 8 ] At the level of the Atma, we call a thought an “image.” Let us now try to grasp the difference even more clearly. What lives within us as a thought is, in its true meaning and essence, a shadow image. In terms of its true essence, it relates to the object just as a shadow relates to it. The shadow image is only there when the lamp is there and I am there. But one can also sit in such a way that one sees only the shadow images. If we could go out into that sphere where the true essences of these shadow images are, we would recognize the archetypes. And we also call these archetypes “Spirit.” Spirit is a spiritual essence that is both thought and will. Thus, it is creative thought. Living entities are realities; they are individuality. An intellectual thought is that which lives with Kama-Manas. When we free the intellectual thought from sensory images, all that remains is a gray generality, an abstract thought. The soul must have passed through this abstract thinking. Then, instead of coming from below, new content flows in from above. When we walk across the street, our thoughts are stimulated from the outside. But they must also be able to receive impressions from within.

[ 9 ] Wir können uns passiv machen, das heißt man kann sich Mahat, dem dritten Logos hingeben. Das nennen wir dann «Spirituelles oder auch «Intuition.

[ 9 ] We can become passive, which means we can surrender ourselves to Mahat, the third Logos. We then call this “spiritual” or “intuition.”

[ 10 ] So fließt das Geistige durch Ahankara, durch Manas in uns hinein. Deshalb kann Manas von oben, von Budhi, und von unten, von Brahma, von der Sinnenwelt beeinflusst werden. Wir haben damit neun Prinzipien. Sodann haben wir noch mit dem zehnten zu tun. Das siebente Prinzip ist der dritte Logos. Wir können [auch] nur von sieben Prinzipien sprechen. Wenn ein Prinzip nach unten verschwindet, so muss eines von oben eintreten.

[ 10 ] Thus, the spiritual flows into us through ahankara and through manas. That is why manas can be influenced from above, by budhi, and from below, by Brahma, by the sensory world. This gives us nine principles. Then we must consider the tenth. The seventh principle is the Third Logos. We can [also] speak of only seven principles. When a principle disappears downward, another must enter from above.

[ 11 ] Der Mensch hat gegenwärtig vier Prinzipien ausgebildet. Das fünfte Prinzip ist im Entstehen begriffen, und die zwei folgenden sind noch ganz unentwickelt. Was wir unten abwerfen, muss oben ersetzt werden. Wir füllen mit unserm Bewusstsein nicht den ganzen Körper aus. Wir haben den Manas-Körper im Kamaloka ebenso wenig in der Gewalt, wie Sie den physischen Körper hier in der Gewalt haben. Kommen wir nach dem Devachan, dann tritt Ahankara oder Budhi ein.

[ 11 ] Human beings have currently developed four principles. The fifth principle is in the process of emerging, and the next two are still completely undeveloped. What we cast off below must be replaced above. Our consciousness does not fill the entire body. We have no more control over the Manas body in Kamaloka than you have over the physical body here. When we enter Devachan, Ahankara or Budhi takes over.

[ 12 ] Im Devachan ist es nicht so kalt, wie es oft hingestellt wird, weil die Geister, die durchgehen, nicht fühlen. Während wir im physischen Leben und im Kamaloka am Besonderen hängen, fühlen wir hier das Große, das Ganze, das große Urwesen der Welt, in dem alle Dinge zusammenfließen. Umso mehr wird Ahankara lebendig, als wir uns von der Besonderheit im Kamaloka befreit haben. Je mehr Kama verschwindet, umso mehr tritt bei uns Budhi auf.

[ 12 ] In Devachan, it is not as cold as is often portrayed, because the spirits passing through do not feel the cold. While in physical life and in Kamaloka we cling to particularities, here we feel the Great, the Whole—the great primordial being of the world—into which all things flow together. Ahankara comes to life all the more once we have freed ourselves from particularity in Kamaloka. The more Kama disappears, the more Budhi emerges within us.

[ 13 ] Die Entwicklung des Budhi ist eine wesentliche Entwicklung des Gefühlslebens, aber so, dass die Welt der Sonderinteressen sich verwandelt in die Welt der Einheitsinteressen. Der Myste nennt das die Reinigung des Astralkörpers. Es wäre falsch zu glauben, dass der Myste gefühllos werden soll. Im Gegenteil: Man soll nicht kalt der Welt gegenüber stehen, sondern hingeordnet nach dem Mittelpunkt, von dem jedes Einzelwesen ein Teil ist. Wir müssen objektiv werden.

[ 13 ] The development of the budhi is an essential development of the emotional life, but one in which the world of particular interests is transformed into the world of universal interests. The mystic calls this the purification of the astral body. It would be wrong to believe that the mystic is supposed to become unfeeling. On the contrary: one should not be cold toward the world, but rather aligned with the center of which every individual being is a part. We must become objective.

[ 14 ] Gerechtigkeit im Fühlen, das ist dasselbe, was Paulus das Gesetz nennt. Paulus sagt: Durch das Gesetz ist die Sünde in die Welt gekommen. Ohne das Gesetz wäre die Sünde tot.

[ 14 ] Justice in one’s feelings—that is the same thing Paul calls the Law. Paul says: Through the Law, sin entered the world. Without the Law, sin would be dead.

[ 15 ] Die Kama-Natur beim Löwen, beim Tiger werden Sie nicht Sünde nennen können. Weil das Tier nicht imstande ist, das, was draußen als Kama lebt, veredelt in sich wiederzuerwecken. Anders ist es, wenn das Wesen imstande ist, alle die Sonderinteressen unter dem Gesetz zu vereinigen. Budhi unterliegt dem Gesetz. Gäbe es nur tierische Kama-Naturen, so gäbe es keine Sünde auf der Welt.

[ 15 ] You cannot call the Kama nature in a lion or a tiger a sin. This is because the animal is incapable of reawakening within itself, in a refined form, that which exists externally as Kama. The situation is different when a being is capable of unifying all its particular interests under the Law. Budhi is subject to the Law. If there were only animal Kama natures, there would be no sin in the world.

[ 16 ] Aus Budhi heraus ist das Gesetz geboren. Solange Kama nur in der Natur auftritt, ist keine Sünde vorhanden. Erst nachdem es Wesen gibt, durch die Budhi wirken konnte, das heißt Wesen, die das Gesetz gestalten konnten, gab es Sünde. Ich verwende die Kraft des Fühlens, um zur großen Einheit der Natur hinzukommen. Das Tier kann Befriedigung im Sinnengenuss finden. Der Mensch nicht, denn Budhi verlangt mehr. Budhi ist die Summe der Gefühlswelt. Dieselbe ist verteilt worden in die einzelnen Geschöpfe. Kein Tropfen der Gefühlswelt soll verloren gehen. Was ungeläutert zurückbleibt, das lebt zwar, aber unsere Aufgabe ist es, alles das wieder zurückzuführen zu dem gemeinsamen Reservoir, aus dem es hervorgegangen ist. Deshalb verlangt die Theosophie das gemeinsame Wirken. Unsere Aufgabe ist es, die Gefühle zu sammeln, damit sie als Einheit auf den neuen Planeten übergehen können. Was vom Mond zurückgeblieben ist, ist als achte Sphäre unverarbeitet zurückgeblieben. Dieser zurückgebliebene Rest unseres Mondes hängt mit dem unverarbeiteten Teil unserer Vorfahren zusammen. Es ist das, was uns herunterzieht. Das sind Marksteine, die mitgeschleppt werden müssen, und damit hängen die Verzögerungen der kosmischen Entwicklung zusammen. Dies hängt auch mit dem zusammen, was wir unter den Brüdern des Schattens und deren Einfluss kennengelernt haben.

[ 16 ] The law was born from Budhi. As long as Kama exists only in nature, there is no sin. Sin came into being only after there were beings through whom Budhi could act—that is, beings capable of shaping the law. I use the power of feeling to attain the great unity of nature. Animals can find satisfaction in sensory pleasure. Humans cannot, for Budhi demands more. Budhi is the sum total of the emotional world. This has been distributed among the individual creatures. Not a single drop of the emotional world should be lost. What remains unpurified does indeed live on, but our task is to return all of it to the common reservoir from which it originated. That is why Theosophy calls for collective action. Our task is to gather the emotions so that they can pass over to the new planet as a unified whole. What was left behind from the Moon remains unprocessed as the eighth sphere. This remnant of our Moon is connected to the unprocessed part of our ancestors. It is what pulls us down. These are milestones that must be carried along, and the delays in cosmic evolution are connected to them. This is also related to what we have come to know as the Brothers of the Shadow and their influence.