Theosophy and Occultism
GA 90c
4 December 1903, Berlin
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Theosophie und Okkultismus, 1st ed.
15. Die Einweihung der Weisheit, des Gemütes, des Willens. Die Aufgabe der theosophischen Geistesströmung oder der Theosophie Überhaupt
15. Die Einweihung der Weisheit, des Gemütes, des Willens. Die Aufgabe der theosophischen Geistesströmung oder der Theosophie Überhaupt
[ 1 ] Es gibt ein schönes Wort Hegels: Der tiefste Gedanke ist mit der Gestalt Christi, der geschichtlichen und äußerlichen, verbunden. Und es ist das Große an der christlichen Religion, dass sie für jede Stufe der Bildung da ist. Das naivste Bewusstsein kann sie erfassen und zugleich ist sie eine Aufforderung zur tiefsten Weisheit.
[ 1 ] Es gibt ein schönes Wort Hegels: Der tiefste Gedanke ist mit der Gestalt Christi, der geschichtlichen und äußerlichen, verbunden. Und es ist das Große an der christlichen Religion, dass sie für jede Stufe der Bildung da ist. Das naivste Bewusstsein kann sie erfassen und zugleich ist sie eine Aufforderung zur tiefsten Weisheit.
[ 2 ] Dass die christliche Religion für jede Stufe des Bewusstseins begreiflich ist, das hat schon die Geschichte ihrer Entwicklung gelehrt. Dass sie auffordert zum Eindringen in die tiefsten Weisheitslehren des Menschentums überhaupt, das zu zeigen, muss die Aufgabe der theosophischen Geistesströmung sein - oder der Geisteswissenschaft überhaupt, wenn diese ihre Aufgabe versteht. Theosophie ist keine Religion, sondern ein Werkzeug zum Verständnis der Religionen. Sie verhält sich zu den religiösen Urkunden so, wie etwa die mathematische Lehre zu den Urkunden, welche als mathematische Lehrbücher aufgetreten sind.
[ 2 ] Dass die christliche Religion für jede Stufe des Bewusstseins begreiflich ist, das hat schon die Geschichte ihrer Entwicklung gelehrt. Dass sie auffordert zum Eindringen in die tiefsten Weisheitslehren des Menschentums überhaupt, das zu zeigen, muss die Aufgabe der theosophischen Geistesströmung sein - oder der Geisteswissenschaft überhaupt, wenn diese ihre Aufgabe versteht. Theosophie ist keine Religion, sondern ein Werkzeug zum Verständnis der Religionen. Sie verhält sich zu den religiösen Urkunden so, wie etwa die mathematische Lehre zu den Urkunden, welche als mathematische Lehrbücher aufgetreten sind.
[ 3 ] Man kann die Mathematik verstehen aus den eigenen Geisteskräften heraus, die Gesetze des Raumes einsehen ohne Rücksicht auf jenes alte Buch. Aber wenn man sie eingesehen hat, die geometrischen Lehren in sich aufgenommen hat, so wird man dies alte Buch desto mehr schätzen, das zuerst vor den menschlichen Geist diese Gesetze hingestellt hat. So ist es mit der Theosophie. Ihre Quellen [sind nicht in den Urkunden, beruhen nicht auf Überlieferung. Ihre Quellen] sind in den realen geistigen Welten; dort hat man sie zu finden und zu fassen, indem man seine eigenen geistigen Kräfte entwickelt, wie man die Mathematik erfasst, indem man die Kräfte seiner Intellektualität zu entwickeln sucht.
[ 3 ] Man kann die Mathematik verstehen aus den eigenen Geisteskräften heraus, die Gesetze des Raumes einsehen ohne Rücksicht auf jenes alte Buch. Aber wenn man sie eingesehen hat, die geometrischen Lehren in sich aufgenommen hat, so wird man dies alte Buch desto mehr schätzen, das zuerst vor den menschlichen Geist diese Gesetze hingestellt hat. So ist es mit der Theosophie. Ihre Quellen [sind nicht in den Urkunden, beruhen nicht auf Überlieferung. Ihre Quellen] sind in den realen geistigen Welten; dort hat man sie zu finden und zu fassen, indem man seine eigenen geistigen Kräfte entwickelt, wie man die Mathematik erfasst, indem man die Kräfte seiner Intellektualität zu entwickeln sucht.
[ 4 ] Unser Intellekt, der uns zum Erfassen der Gesetze der Sinneswelt dient, wird getragen von einem Organ, dem Gehirn. Zum Erfassen der Gesetze geistiger Welten bedürfen wir ebenfalls entsprechender Organe. Wie haben sich unsere physischen Organe entwickelt? Dadurch, dass äußere Kräfte an ihnen gearbeitet haben: die Kräfte der Sonne, die Kräfte des Schalles. So entstand das Auge, so entstand das Ohr - aus neutralen dumpfen Organen, die ein Eindringen der Sinneswelt zunächst nicht gestatteten und nur langsam sich öffneten. So werden sich auch unsere geistigen Organe öffnen, wenn die richtigen Kräfte an ihnen arbeiten.
[ 4 ] Unser Intellekt, der uns zum Erfassen der Gesetze der Sinneswelt dient, wird getragen von einem Organ, dem Gehirn. Zum Erfassen der Gesetze geistiger Welten bedürfen wir ebenfalls entsprechender Organe. Wie haben sich unsere physischen Organe entwickelt? Dadurch, dass äußere Kräfte an ihnen gearbeitet haben: die Kräfte der Sonne, die Kräfte des Schalles. So entstand das Auge, so entstand das Ohr - aus neutralen dumpfen Organen, die ein Eindringen der Sinneswelt zunächst nicht gestatteten und nur langsam sich öffneten. So werden sich auch unsere geistigen Organe öffnen, wenn die richtigen Kräfte an ihnen arbeiten.
[ 5 ] Welches sind nun die Kräfte, die auf unsere jetzt noch dumpfen geistigen Organe einstürmen? Tagsüber dringen auf den astralischen Leib des heutigen Menschen solche Kräfte ein, die seiner Entwickelung entgegenarbeiten, die sogar solche Organe, die er früher hatte, als das helle Tagesbewusstsein sich ihm noch nicht erschlossen hatte, ertöten. Früher nahm der Mensch astralische Eindrücke unmittelbar wahr. Die Umwelt sprach zu ihm durch Bilder, durch die Ausdrucksform der astralischen Welt. Lebendige, in sich gegliederte Bilder, Farben schwebten frei umher im Raum als Ausdruck von Lust und Unlust, Sympathie und Antipathie. Dann legten sich diese Farben gleichsam um die Oberfläche der Dinge, die Gegenstände bekamen feste Konturen. Das war, als des Menschen physischer Leib immer fester und gegliederter wurde.
[ 5 ] Welches sind nun die Kräfte, die auf unsere jetzt noch dumpfen geistigen Organe einstürmen? Tagsüber dringen auf den astralischen Leib des heutigen Menschen solche Kräfte ein, die seiner Entwickelung entgegenarbeiten, die sogar solche Organe, die er früher hatte, als das helle Tagesbewusstsein sich ihm noch nicht erschlossen hatte, ertöten. Früher nahm der Mensch astralische Eindrücke unmittelbar wahr. Die Umwelt sprach zu ihm durch Bilder, durch die Ausdrucksform der astralischen Welt. Lebendige, in sich gegliederte Bilder, Farben schwebten frei umher im Raum als Ausdruck von Lust und Unlust, Sympathie und Antipathie. Dann legten sich diese Farben gleichsam um die Oberfläche der Dinge, die Gegenstände bekamen feste Konturen. Das war, als des Menschen physischer Leib immer fester und gegliederter wurde.
[ 6 ] Als seine Augen sich voll dem physischen Licht öffneten, als der Schleier der Maja sich vor die geistige Welt legte, erhielt der astralische Leib des Menschen die Eindrücke der Umwelt auf dem Wege durch den physischen und Ätherleib, er selbst übermittelte sie dann dem Ich, von wo aus sie in das Bewusstsein des Menschen traten. Er war somit beständig in Anspruch genommen, beständig tätig. Aber was so an ihm arbeitete, waren nicht plastische, bildsame Kräfte, seiner eigenen Wesensart entsprechend. Es waren Kräfte, die an ihm zehrten, ihn ertöteten, um das Ich-Bewusstsein zu erwecken.
[ 6 ] Als seine Augen sich voll dem physischen Licht öffneten, als der Schleier der Maja sich vor die geistige Welt legte, erhielt der astralische Leib des Menschen die Eindrücke der Umwelt auf dem Wege durch den physischen und Ätherleib, er selbst übermittelte sie dann dem Ich, von wo aus sie in das Bewusstsein des Menschen traten. Er war somit beständig in Anspruch genommen, beständig tätig. Aber was so an ihm arbeitete, waren nicht plastische, bildsame Kräfte, seiner eigenen Wesensart entsprechend. Es waren Kräfte, die an ihm zehrten, ihn ertöteten, um das Ich-Bewusstsein zu erwecken.
[ 7 ] Nur in der Nacht, wenn er untertauchte in die ihm homogene rhythmisch-geistige Welt, stärkte er sich neu und konnte auch dem physischen und Ätherleib wieder Kräfte zuführen. Aus dem Widerstreit der Eindrücke, aus dem Abtöten der früher im Menschen unbewusst wirkenden astralen Organe, war das Leben des einzelnen Ich, das Ich-Bewusstsein entstanden. Aus Leben Tod, aus Tod Leben. Der Kreis der Schlange war geschlossen. Jetzt mussten aus diesem wach gewordenen Ich-Bewusstsein heraus die Kräfte kommen, die in den erstorbenen Überresten früherer astralischer Organe wieder Leben entfachten, sie plastisch bildeten.
[ 7 ] Nur in der Nacht, wenn er untertauchte in die ihm homogene rhythmisch-geistige Welt, stärkte er sich neu und konnte auch dem physischen und Ätherleib wieder Kräfte zuführen. Aus dem Widerstreit der Eindrücke, aus dem Abtöten der früher im Menschen unbewusst wirkenden astralen Organe, war das Leben des einzelnen Ich, das Ich-Bewusstsein entstanden. Aus Leben Tod, aus Tod Leben. Der Kreis der Schlange war geschlossen. Jetzt mussten aus diesem wach gewordenen Ich-Bewusstsein heraus die Kräfte kommen, die in den erstorbenen Überresten früherer astralischer Organe wieder Leben entfachten, sie plastisch bildeten.
[ 8 ] Zu diesem Ziele bewegt sich die Menschheit, dahin wird sie geleitet durch ihre Lehrer, ihre Führer, die großen Eingeweihten, deren Symbol ja auch die Schlange ist. Es ist eine Erziehung zur Freiheit hin, deshalb eine langsame, eine schwierige. Die großen Eingeweihten könnten sozusagen sich und den Menschen die Aufgabe leichter machen, wenn sie den astralischen Leib des nachts, wenn er frei ist, so bearbeiteten, dass sie die astralischen Organe in ihn hineinprägten, von außen auf ihn wirkten. Aber das wäre dann ein Wirken innerhalb des Traumbewusstseins des Menschen, ein Eingreifen in seine Freiheitssphäre. Das höchste Prinzip des Menschen, der Wille, käme nie zur Entfaltung.
[ 8 ] Zu diesem Ziele bewegt sich die Menschheit, dahin wird sie geleitet durch ihre Lehrer, ihre Führer, die großen Eingeweihten, deren Symbol ja auch die Schlange ist. Es ist eine Erziehung zur Freiheit hin, deshalb eine langsame, eine schwierige. Die großen Eingeweihten könnten sozusagen sich und den Menschen die Aufgabe leichter machen, wenn sie den astralischen Leib des nachts, wenn er frei ist, so bearbeiteten, dass sie die astralischen Organe in ihn hineinprägten, von außen auf ihn wirkten. Aber das wäre dann ein Wirken innerhalb des Traumbewusstseins des Menschen, ein Eingreifen in seine Freiheitssphäre. Das höchste Prinzip des Menschen, der Wille, käme nie zur Entfaltung.
[ 9 ] Stufenweise wird der Mensch geführt. Es hat eine Initiation gegeben in der Weisheit, eine im Gemüt, eine im Willen. Das echte Christentum ist die Zusammenfassung aller Initiations-Stufen. Die Initiation des Altertums war die Vorherverkündigung, die Vorbereitung. Langsam und allmählich emanzipierte sich der neuere Mensch von seinem Einweiher, seinem Guru. Zunächst in vollem Trancebewusstsein, aber ausgerüstet mit den Mitteln, hineinzuprägen in den physischen Leib die Erinnerung an das, was außerhalb des physischen Leibes geschehen war, ging die Einweihung vor sich. Deshalb die Notwendigkeit, auch den Ätherleib, den Träger des Gedächtnisses, herauszulösen mitsamt dem Astralen. In das Meer der Weisheit, in Mahadeva, in das Licht des Osiris, tauchten beide unter. In dem tiefsten Geheimnis, in völliger Abgeschlossenheit, ging diese Einweihung vor sich. Kein Hauch der Außenwelt durfte sich dazwischendrängen. Der Mensch war dem äußeren Leben wie erstorben, die zarten Keime wurden abseits des blendenden Tageslichts gepflegt.
[ 9 ] Stufenweise wird der Mensch geführt. Es hat eine Initiation gegeben in der Weisheit, eine im Gemüt, eine im Willen. Das echte Christentum ist die Zusammenfassung aller Initiations-Stufen. Die Initiation des Altertums war die Vorherverkündigung, die Vorbereitung. Langsam und allmählich emanzipierte sich der neuere Mensch von seinem Einweiher, seinem Guru. Zunächst in vollem Trancebewusstsein, aber ausgerüstet mit den Mitteln, hineinzuprägen in den physischen Leib die Erinnerung an das, was außerhalb des physischen Leibes geschehen war, ging die Einweihung vor sich. Deshalb die Notwendigkeit, auch den Ätherleib, den Träger des Gedächtnisses, herauszulösen mitsamt dem Astralen. In das Meer der Weisheit, in Mahadeva, in das Licht des Osiris, tauchten beide unter. In dem tiefsten Geheimnis, in völliger Abgeschlossenheit, ging diese Einweihung vor sich. Kein Hauch der Außenwelt durfte sich dazwischendrängen. Der Mensch war dem äußeren Leben wie erstorben, die zarten Keime wurden abseits des blendenden Tageslichts gepflegt.
[ 10 ] Dann trat die Einweihung heraus aus dem Dunkel der Mysterien in das hellste Licht des Tages. In einer großen, gewaltigen Persönlichkeit, dem Träger des höchsten einigenden Prinzips, des Wortes, das den verborgenen Vater ausdrückt, das seine Manifestation ist, das, indem es menschliche Gestalt annahm, deshalb zum Menschensohn wurde und Repräsentant sein konnte für die ganze Menschheit, [ein] einigendes Band aller Iche: In Christus, dem Lebensgeist, dem Ewigeinigenden vollzog sich historisch - zugleich sinnbildlich - die Einweihung der ganzen Menschheit auf der Stufe des Gefühls, des Gemüts. Von einer Gewalt war dieses Ereignis, dass es nachwirken konnte in jedem Einzelnen, der ihm nachlebte, bis ins Physische hinein, bis in das Auftreten der Wundmale, bis in die bohrenden Schmerzen. Und alle Gefühlstiefen wurden aufgerüttelt. Eine Intensität des Empfindens entstand, wie sie in solch mächtigen Wogen sonst nie die Welt durchflutet hat.
[ 10 ] Dann trat die Einweihung heraus aus dem Dunkel der Mysterien in das hellste Licht des Tages. In einer großen, gewaltigen Persönlichkeit, dem Träger des höchsten einigenden Prinzips, des Wortes, das den verborgenen Vater ausdrückt, das seine Manifestation ist, das, indem es menschliche Gestalt annahm, deshalb zum Menschensohn wurde und Repräsentant sein konnte für die ganze Menschheit, [ein] einigendes Band aller Iche: In Christus, dem Lebensgeist, dem Ewigeinigenden vollzog sich historisch - zugleich sinnbildlich - die Einweihung der ganzen Menschheit auf der Stufe des Gefühls, des Gemüts. Von einer Gewalt war dieses Ereignis, dass es nachwirken konnte in jedem Einzelnen, der ihm nachlebte, bis ins Physische hinein, bis in das Auftreten der Wundmale, bis in die bohrenden Schmerzen. Und alle Gefühlstiefen wurden aufgerüttelt. Eine Intensität des Empfindens entstand, wie sie in solch mächtigen Wogen sonst nie die Welt durchflutet hat.
[ 11 ] In der Initiation am Kreuz der göttlichen Liebe hatte die [Opf]erung des Ich für alle stattgefunden. Der physische Ausdruck des Ich, das Blut, war hingeflossen in Liebe für die Menschheit und wirkte so, dass Tausende sich zu dieser Initiation, zu diesem Tode drängten und ihr Blut hinströmen ließen in Liebe, in Enthusiasmus für die Menschheit. Wie viel Blut auf diese Weise hingeflossen ist, ist nie genug betont worden, kommt den Menschen nicht mehr zum Bewusstsein, auch nicht in theosophischen Kreisen. Doch die Wellen der Begeisterung, die in diesem hinströmenden Blut niederflossen und aufstiegen, haben ihre Aufgabe getan. Sie sind mächtige Impulsgeber geworden. Sie haben den Menschen reif gemacht zur Initiation des Willens.
[ 11 ] In der Initiation am Kreuz der göttlichen Liebe hatte die [Opf]erung des Ich für alle stattgefunden. Der physische Ausdruck des Ich, das Blut, war hingeflossen in Liebe für die Menschheit und wirkte so, dass Tausende sich zu dieser Initiation, zu diesem Tode drängten und ihr Blut hinströmen ließen in Liebe, in Enthusiasmus für die Menschheit. Wie viel Blut auf diese Weise hingeflossen ist, ist nie genug betont worden, kommt den Menschen nicht mehr zum Bewusstsein, auch nicht in theosophischen Kreisen. Doch die Wellen der Begeisterung, die in diesem hinströmenden Blut niederflossen und aufstiegen, haben ihre Aufgabe getan. Sie sind mächtige Impulsgeber geworden. Sie haben den Menschen reif gemacht zur Initiation des Willens.
[ 12 ] Und dies ist das Vermächtnis des Christus.
[ 12 ] Und dies ist das Vermächtnis des Christus.
