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The Rudolf Steiner Archive

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Kosmologie und menschliche Evolution
Mensch, Natur und Kosmos
GA 91

4 September 1905, Berlin

24. Die Siebengliederung des Menschen

[ 1 ] Wenn man heute Theosophie lernt, empfindet man sie häufig als etwas vollständig Neues. Weder ein Mann, der die theologische, noch einer, der die philosophische Fakultät absolviert hat, wird je etwas gehört haben von diesen Beziehungen des Menschen zur übrigen Natur. Dennoch gibt es nichts in unserer gegenwärtigen Wissenschaft, was diesen Lehren widerspräche. Es bekommt alles, was heute gelehrt wird, erst Hand und Fuß, wenn man auf die Grundlage der Theosophie es erbaut. Die zukünftige Entwicklung wird so sein, dass sich Theosophie ausbreiten wird über alle Zweige des Wissens. Es wird nicht mehr sehr lange dauern, weil die Entwicklung nicht immer gleich schnell geht; zu Anfang geht sie rasch, verlangsamt sich, um, wenn sie über die Mitte hinaus ist, schnell wieder hinaufzugehen. Das kann man nachweisen, wenn man die Dinge auf dem astralischen Plan verfolgt. Von Karl dem Großen bis zum achtzehnten Jahrhundert gab es viele Entdeckungen. Dennoch, in diesen tausend Jahren enthält die Entwicklung nicht mehr als in den hundert Jahren, die seit Ende dieser Entwicklung vor sich gegangen sind. Sie geht aber jetzt schon zehnmal so rasch wie zu der Zeit Karls des Großen. Daraus können wir entnehmen, dass es nicht sehr lange dauern wird, bis die theosophische Weltanschauung weite Kreise um sich ziehen wird.

[ 2 ] Man findet dieses Wissen nicht mehr bei denen, die von Amts wegem» dazu bestimmt sind. Das war nicht immer so. Im Jahre 83 ist ein Mann geboren, der großen Einfluss auf die Entwicklung des Christentums genommen hat. In jeder Zeile dieses Mannes finden wir eine theosophische Lehre. Nun war er aber der reinste Kirchenmann. Er sah in der Kirche die reinste Verkörperung des Christentums. Daraus sehen wir, dass es in jener Zeit als tonangebenden Kirchenlehrer einen Theosophen gegeben hat. Wenn man die Begriffe flüssig hält, versteht man erst die verschiedenen Theosophien der Welt. Nicht auf die Ausdrucksweise, sondern auf den Sinn muss man Gewicht legen. Die Lehre von der siebenfältigen Konstitution des Menschen finden wir bei Augustinus. Er geht von der Seele aus. Es war damals üblich, den Menschen in die bekannten drei Glieder einzuteilen: Leib, Seele und Geist. Diese drei Teile stellten sich dem Kirchenvater ungefähr dar wie drei Flüssigkeiten, die man zusammenmischt und dann nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Dadurch bekommt Augustinus sieben Glieder heraus. Sie entsprechen der siebenfachen Gliederung der Theosophen. Indem wir uns auch solche Anschauungen aneignen, wird unsere eigene Einsicht immer tiefer.

Geist Gottmensch 7. Vereinigung mit der Gottheit
Geistesmensch 6. Intellektuelle Anschaung
Lebensgeist 5. Die Seele, welche dem Menschen Würde gibt.
Geistselbst 4. Die Seele, welche die niedere Natur der höheren undterordnet
Seele Bewusstseinseele
Verstandseele [Seele] 3. Verstandes-, Gedächtnis-, Kulturseele
Empfindungsseele 2. Wachstums-, Fortpflanzungs-, Empfindungsseele
Leib Empfindungsleib
Äther-Doppelleib 1. belebende und ernährende Seele
physischer leib

[ 3 ] Aus dem Schema ersehen wir, dass wir nichts zu tun brauchen, als das eigene Christentum zu studieren. Augustinus hatte Vorgänger: Justinus der Märtyrer; dann lehrte besonders klar Origenes. Er lehrte ausdrücklich die Präexistenz der Seele. Man brauchte eine philosophische Grundlage für das Christentum, weil nach und nach von Spanien aus die arabischen Philosophen kamen. Diese hatten gründliche Kenntnisse in der abendländischen Philosophie, namentlich von Aristoteles. Dadurch wurden die christlichen Lehrer des Mittelalters auch gezwungen, den Aristoteles zu studieren und das Christentum auf ihn zu begründen. Averroes und Maimonides hießen die arabischen Philosophen. Unter dem Zwang des Aristoteles kam die Anfangslehre der Seele ins Christentum hinein.

[ 4 ] Die keltischen Überbleibsel haben zuerst das Christentum mit Macht ergriffen. Das reinste und energischste Christentum bis ins zehnte Jahrhundert hinein wurde gelehrt in Irland, England und Schottland. Ein wunderschönes Klosterleben entwickelte sich da. Die Missionare, die in Mitteleuropa das Christentum ausbreiteten, waren alle aus dieser Gegend. Warum sind es die keltischen Klöster, in denen das Christentum die schöne, machtvolle Gestalt gewinnt? In den alten Druidenmysterien gab es dieselben Lehren. Als Geheimdienst war die Lehre der Druiden noch bis ins Zeitalter der Königin Elisabeth vorhanden. Was in den Druidenmysterien gelehrt wurde, war dasselbe, was in der Theosophie und im Christentum ist. Sie bekamen im Grunde ihre eigene Lehre, bloß mit anderen Worten. Nur eines war neu, was dieser weisen Mission den großen Schwung gab. Man hatte ihnen gesagt: Wir sind da zur Vorbereitung einer künftigen Religion; unsere Religion wird einer größeren weichen. Wie bei den Propheten des Alten Testaments wurde das Christentum erwartet, vorherverkündet in den Druidenmysterien. Nun hatten sie das, was erwartet wurde. Im Christentum kam, was Jahrtausende lang vorhergesagt wurde. Der tragische Zug kommt daher, weil die Götterdämmerungslehre besteht; die alten Götter müssen einer neuen Religion weichen.

[ 5 ] Der Lehrer, auf den die irischen und schottischen Mönche hauptsächlich zurückgehen, ist Beda Venerabilis. Bei ihm findet man Ähnliches wie die Lehren vom Kohlenstoff. Im Mittelalter hat man das so vergessen, dass man nicht mehr begreift, was man liest bei den großen Geistern. Das alles wird die Theosophie wieder beleben.