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The Rudolf Steiner Archive

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The Occult Truths of Old Myths and Legends
GA 92

12 May 1905, Berlin

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13. Dritter Vortrag

Lecture III

[ 1 ] Im vorhergehenden Vortrag haben wir gesehen, wie der große Künstler Wagner zum Mythos zurückgekehrt ist, um große Weltzusammenhänge darzustellen. Im Siegfried-Mythos lebt der ganze Inhalt der nordischen Weltanschauung bis zu der Zeit des Christentums. Diese nordische Weltanschauung hat einen tragischen Zug; sie endet in der Götterdämmerung. Was bedeutet dieser tragische Zug?

[ 1 ] Not translated

[ 2 ] Ich habe gesagt, daß es auch im Norden Mysterien gab; in ihnen wurde den Schülern erklärt, was es bedeutet, daß der nordische Mythos mit der Götterdämmerung abschließt. In diesen Mysterien wird etwas enthüllt von dem, was noch verborgen ist und erst in der kommenden Zeit geschehen soll. Die Priester der nordischen Welt hatten zu verkünden, daß die alte Götterwelt untergehen werde und eine neue aus dem Feuer, in dem die nordische Welt untergeht, durch Christus zu geläuterter Liebe sich erheben werde. Das Alte mußte sterben; daher der tragische Zug nach dem Ende hin. Das ist es, was Wagner in so wunderbarer Weise hindurchleuchten läßt: Diese Vorbereitungsstimmung der nordischen Sagen, die ausklingt in der Götterdämmerung.

[ 2 ] Not translated

[ 3 ] Vier Phasen hat diese nordische Weltanschauung. Durch vier Stufen ist die Menschheit gegangen, und dann ist Christus gekommen. Wir leben heute in der fünften Unterrasse der fünften Wurzelrasse, der andere vorangingen: Die Sanskrit-Kultur, dann die persisch-medische und die chaldäisch-babylonisch-ägyptische Kultur; die griechisch-lateinische Kulturepoche war die vierte, und nun haben wir im Norden den teutonisch-germanischen Volksstamm. Da schießt das Christentum als ein neuer Einschlag hinein. Auf dieser Stufe wird sich alles ändern, und das Alte wird untergehen. Dies wird sehr schön dargestellt in der Erzählung von WinfriedBonifatius, der die heilige Eiche fällt. «Eiche» ist gleichbedeutend mit «Druide» in den alten Mysterien. So bedeutet das Zertrümmern der Eiche die Vernichtung der alten nordischen Religion. Diese Überwindung des Druidenkultus haben die nordischen Mysterien vorhergesagt.

[ 3 ] Not translated

[ 4 ] Während die vier ersten Unterrassen im Süden sich entwickelten, haben die nordischen Völkerschaften diese Entwicklung für sich vorbereitet. Auch hier haben wir vier Phasen, auch hier geht die Entwicklung durch vier Stufen; die letzte ist die Götterdämmerung selbst. Es ist eigentümlich, daß in diesen vier Phasen die ganze frühere Entwicklung der Menschen sich wiederholt. Die Menschheit hat verschiedene Zustände durchgemacht. Der nordische Mythos ist eine Art Erinnerung an die ganze Geschichte der Erde; sie lebt in ihm als Anschauung, als mythischer Inhalt. Und in Wagners Dramen leben diese vier Stufen der Entwicklung, weil er seine Dramen aus dem Mythos genommen hat. Ganz richtig hat Wagner eine Tetralogie gebildet. Mit dem Vorspiel stellt sich in den vier Teilen die Entwicklung der Menschen dar; die fünfte Stufe wird das Christentum sein.

[ 4 ] Not translated

[ 5 ] Was ist das Grundmotiv im «Rheingold»? Und was ist das Grundmotiv unserer jetzigen Wurzelrasse? - Wenn wir zurückgehen zur polarischen Wurzelrasse, finden wir Menschen, die noch nicht Selbstbewußtsein besaßen und noch nicht in verschiedene Geschlechter getrennt waren; ebenso bei den Hyperboräern. Erst in der dritten Wurzelrasse, in der lemurischen Epoche, wird der Mensch eingeschlechtlich. Und erst in der atlantischen Zeit wird das Ich geboren, bei der fünften Unterrasse. Da sagt der Mensch zum ersten Male zu sich selbst «ich». Dieses Ich-Bewußtsein wird im Mythos als Zwerg geschildert, als Alberich, es wird empfunden als aus Nifelheim aufsteigend. Atlantis war das Nifelheim, und mit Recht konnte es ein Nebelheim genannt werden. Noch nicht war unsere Erdatmosphäre von den Wasserdämpfen gereinigt, noch gab es keine Niederschläge durch Regen. Aus diesem Nifelheim mit seinen brodelnden Wassern und schwebenden Nebeln heraus wird das menschliche Ich geboren. Das drückt Wagner großartig aus in dem Es-Dur-Akkord des Orchesters; das Grundmotiv unserer gegenwärtigen Menschheit erschallt aus Nifelheim.

[ 5 ] Not translated

[ 6 ] Machen wir uns klar, was auf Erden geschehen ist in dieser Zeit. Als ein seelisches Wesen kam der Mensch auf die Erde. Aus der Äthererde wurde sein Leib geboren. Noch ist der Mensch nicht Mann oder Weib, noch weiß er nichts von Besitz, nichts von Macht. Als Wasser wird die Seele bezeichnet. Der Besitz, der zugleich Macht ist, wird noch gehütet von den wogenden Mächten der Astralwelt, den Rheintöchtern. Aber es bereitet sich langsam vor, was in der atlantischen Zeit herauskommt: das Ich, der Egoismus. Aber in dem ursprünglichen Seelenwesen war etwas enthalten, worauf der Mensch nun verzichten muß: die Liebe, die noch nicht eine äußere Wesenheit sucht, sondern die in sich selbst ruht. Auf diese in sich selbst ruhende Liebe muß Alberich verzichten. Das kann er durch den Ring, der alles Menschliche verbindet. Solange die Zweigeschlechtlichkeit erhalten war, bedurfte der Mensch des Ringes nicht; erst als er die seelische Liebe aufgab, die Zweigeschlechtlichkeit, mußte der Ring äußerlich das verbinden, was getrennt ist. In der Vereinigung mit einem anderen Sonderwesen muß der Mensch nun die Liebe erreichen. Der Ring ist das Symbol des Zusammenschlusses gesonderter Menschen, die Verbindung der beiden Geschlechter im Physischen. Als Alberich den Ring erobert, muß er die Liebe aufgeben. Nun kommt die Zeit, wo der Mensch nicht mehr im Einheitlichen schaffen kann. Früher waren Leib, Seele und Geist eins. Jetzt schafft die Gottheit von außen her den Leib. Die Geschlechter stehen sich feindlich gegenüber; die zwei Riesen Fafner und Fasolt stellen sie dar. Der menschliche Körper ist eingeschlechtlich geworden.

[ 6 ] Not translated

[ 7 ] In den alten Religionen ist der menschliche Körper als Tempel dargestellt worden; an ihm schafft die Gottheit von außen. Den inneren Tempel, unsere Seele, soll der Mensch selbst schaffen, seitdem er ein Ich geworden ist. In der schaffenden Gottheit ist die Liebe noch erhalten; sie schafft noch an dem «äußeren Tempel». Das ist im Mythos in der Stelle enthalten, wo Wotan den Riesen den Ring nehmen will und wo ihm Erda erscheint und ihm davon abrät. Erda ist das hellseherische Gesamtbewußtsein der Menschheit. Der Gott soll den Ring nicht behalten, der das zusammenschließt, was sich auflösen muß, um erst auf höherer Stufe, wenn die Geschlechter sich wiederum neutralisiert haben, sich wieder zu vereinigen. So ist Wotan durch die prophetisch-hellscherische Kraft des Erdenbewußtseins abgehalten, den Ring in seine Gewalt zu bekommen; der Ring bleibt den Riesen. In jedem Menschen ist fortan nur ein Geschlecht enthalten. Der Riese bedeutet die physische Körperlichkeit. Nun erst bauen die Riesen Walhall. Im Streite um den Ring wird Fasolt von Fafner getötet, es ist der Gegensatz zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen. In jedem Menschen wird erst ein Geschlecht ertötet; der Mann tötet das Weib, das Weib den Mann in sich.

[ 7 ] Not translated

[ 8 ] Nun aber muß erst aus dem umfassenden Erdenbewußtsein das höhere Bewußtsein geboren werden. Das geschieht durch die Verbindung Wotans mit Erda, und es entsteht Brünhilde. In ihr ist noch etwas vorhanden von der göttlichen Allweisheit des Weltbewußtseins. Dieses Bewußtsein tritt aber zunächst zurück. Dagegen erzeugt Wotan mit einem Erdenweibe Siegmund und Sieglinde. Das ist die seelische Zweigeschlechtlichkeit, die männliche und die weibliche Seele. Jede kann unmöglich für sich allein weiterleben. Die weibliche Seele, Sieglinde, verfällt dem Raub durch Hunding; die Seele muß sich ergeben an das physische Gehirn. Nun beginnen die Irrwege Siegmunds, der im Leibe eingeschlossenen Seele; sie ist nicht mächtig genug, an das Göttliche heranzutreten, das verloren ging. Die Götter können Siegmund nicht schützen; das Schwert zerschellt am Speere des Wotan.

[ 8 ] Higher consciousness must first be born out of the all-embracing consciousness of the earth. This takes place through Wotan's union with Erda; Brunhilde is born out of this union. She still possesses something of a wide and deep world-consciousness. To begin with, however, this consciousness withdraws to some extent. Wotan also begets Siegmund and Sieglinde with an earthly woman. They represent the two sexes of the soul, the male soul and the female soul. It is not possible for one to live without the other. The female soul, Sieglinde, is captured by Hunding. The soul must now submit to the physical brain. Siegmund, the soul imprisoned within the body, now begins to go astray. The soul is not strong enough to approach the Divine; the gods renounce Siegmund and his sword is shattered by Wotan's spear.

[ 9 ] Da muß Wotan die Leitung abgeben an das ganz im Sinnlichen wirkende menschliche Selbst, an Hagen, den Sohn Alberichs, an das Prinzip des niederen Selbst. Gegen das Bündnis des männlichen mit dem weiblichen Seelischen verschwören sich alle Mächte. Wotan selbst muß Fricka beistehen. Fricka stellt die männlichweibliche Seele auf höherer Stufe dar; sie drängt Wotan, die Verbindung zwischen männlicher und weiblicher Seele auf irdischer Stufe zu lösen. Es bleibt im Leben das männliche und das weibliche Seelische zusammengefügt; auf der Erde aber spielt das Blut, spielt die Sinnlichkeit hinein. Tief ist das angezeigt in dem Zug der Geschwisterliebe. Das ist das Unerlaubte, was hineinspielt, und wenn das herrschend bleibt, müssen Siegmund und Sieglinde, muß das Physische untergehen. Sieglinde soll durch das allumfassende Bewußtsein, Brünhilde, vernichtet werden; alle Erdenentwicklung wäre gehemmt. Brünhilde steht ihr aber bei und gibt ihr das Roß Grane, das den Menschen durch die Erdenereignisse trägt. Brünhilde zieht sich in die Verbannung zurück, Waberlohe umgibt ihren Felsen. Jetzt ist das hellseherische Bewußtsein umgeben von dem Feuer, durch das der Mensch erst hindurch muß, um gereinigt zu werden, wenn er wieder hin will zu dem allumfassenden Bewußtsein.

[ 9 ] The guidance must now be left to the human Self which is active entirely in the sphere of the senses: to Hagen, the son of Alberich. The lower earthly forces begin to play the chief role. All the powers conspire against the union of the male and female soul-element: even Wotan must help Fricka against Siegmund on account of Hunding. Fricka represent the male-female soul upon a higher stage. She urges Wotan to sever the connection between male and female soul upon the earthly plane. Upon a cosmic plane the male and female soul-elements are united, but upon the earth the blood and the senses influence human life. This is deeply indicated in the love between brother and sister, the forbidden element. If the original chasteness is to maintain its rule, Siegmund and Sieglinde, the physical element, must die. Sieglinde is doomed to be killed by Brunhilde, the all-encompassing consciousness, if the whole evolution of the earth is not to be obstructed. Brunhilde, however, helps her and gives her Grane, her horse, which bears the human being through the events of the earth. Brunhilde withdraws into exile. Flaming fire surrounds her rock. Clairvoyant consciousness is now surrounded by the fire through which the human being must first pass in order to become purified, if he wishes to reach once more the all-encompassing consciousness and to experience the catharsis.

[ 10 ] Sieglinde aber, das Seelisch-Weibliche, gebiert Siegfried, das menschliche Bewußtsein, das wieder hinauf soll zum Höheren. Er wächst auf in der Verborgenheit bei Mime. Er muß die niedere Natur, den Lindwurm überwinden, um sich die Macht zu erringen. Er überwindet auch Mime. Wer ist Mime? Mime kann etwas verleihen, was unsichtbar macht, die Tarnkappe, etwas von einer Macht, die für die gewöhnlichen Menschen nicht sichtbar ist. Die Tarnkappe ist das Symbol des Magiers - und zwar sowohl des weißen wie des schwarzen Magiers -, der sichtbar unter uns wandelt, aber als solcher unsichtbar ist. Mime ist der Magier, der aus irdischen, schwarzen Kräften heraus die Tarnkappe geben kann. Er will Siegfried zum schwarzen Magier machen, aber Siegfried will nicht. Er hat den Lindwurm getötet, einen Tropfen des Blutes, des Symbols der Leidenschaften in sich aufgenommen und ist dadurch in den Stand gesetzt, die Sprache der Vögel, des Sinnlich-Irdischen, zu verstehen. Er kann den Weg des höheren Eingeweihten gehen; der Weg zu Brünhilde, dem Allbewußtsein, wird ihm gezeigt.

[ 10 ] Sieglinde, the female soul-element, gives birth to Siegfried, the human consciousness which must again rise to higher worlds. He grows up secretly, guarded by Mime. He must overcome the lower nature, the dragon, in order to obtain power. He also overcomes Mime. Who is “Mime”? Mime can bestow something which renders invisible, the tarn-cap, the outcome of a power which remains invisible to ordinary human beings. The tarn-cap is the symbol of magicians, both of the white and of the black order. Even a magician of the black path may walk about invisibly in our midst. Mime is one who can bestow the tarn-cap which he has obtained out of the black forces of the earth. He strives to turn Siegfried into a black magician, but Siegfried rebels. He has killed the dragon, has taken up a drop of its blood, the symbol of passions, and is thus able to understand the speech of the birds (of the earthly world of the senses). He is able to tread the path of the higher initiates and is shown the path leading to Brunhilde, the all-embracing consciousness.

[ 11 ] Bis jetzt haben wir drei Phasen der nordischen Entwicklung: Erst den Zwerg, dann den Riesen, und nun den Menschen. Die Walküre bedeutete die zweite Phase. Und in Siegfried haben wir erst die Geburt des Menschen selbst. Eingeschlossen in die Körperlichkeit muß er erst wieder den Weg zurückfinden zur reinen Weisheit. In der Götterdämmerung, in dem vierten Teile, ist ausgedrückt, daß in der nordischen Welt der Mensch noch nicht reif war, daß er die vollständige Einweihung noch nicht erlangt hatte. Siegfried ist noch verwundbar an einer einzigen Stelle, an derselben, wo Christus das Kreuz getragen hat. Siegfried konnte das Kreuz noch nicht auf sich nehmen. Es ist dies ein tiefer Ausdruck dafür, was dem nordischen Volke noch fehlte: daß ihm dieses Christentum noch eine Notwendigkeit war. Siegfried kann sich nicht mit Brünhilde vereinigen; er ist die menschliche Seele, aus dem Erdenweib gezeugt, aus der Vereinigung Siegmunds und Sieglindes. Brünhilde ist die jungfräulich Gebliebene, das höhere Bewußtsein.

[ 11 ] We have so far considered three phases of northern evolution. First of all the dwarf, then the giants, and now the human being. The Valkyria belongs to the second phase, and in Siegfried the human being itself is born. Imprisoned within his body he must find his way back again to the pure, white wisdom. The fourth part of the Twilight of the Gods expresses that in the northern world the human being has not yet reached maturity and has not attained a complete initiation. Siegfried still possesses one vulnerable spot, where Christ bore the Cross. Siegfried cannot as yet take the Cross upon himself. This symbolizes in a profound way what the peoples of the North still lacked, and it also shows that Christianity was still a necessity for them. Siegfried cannot unite himself with Brunhilde. He is the human soul born out of a mortal woman, out of the union of Siegmund and Sieglinde. Brunhilde has remained virgin; she is the higher consciousness.

[ 12 ] In der letzten Phase muß das höhere Wissen erlangt werden. Weil der Mensch noch nicht die Fähigkeit erlangt hat, sich mit der jungfräulichen Weisheit zu vereinigen, hat er den Trieb nach höherem Wissen als Verlangen. Dies muß überwunden werden. Und daß er sich in irdischer Begehrlichkeit mit Brünhilde vereinigen will, führt zum Austausch der Güter; sie gibt das Roß, er den Ring.

[ 12 ] In the last phase, knowledge must be reached because man is not as yet able to unite himself with virgin wisdom. Consequently his impulse toward higher knowledge takes on the farm of desire. This is the last stage which must be conquered. The fact that Siegfried wishes to become united with Brunhilde in earthly passion leads to an exchange of possessions; she gives him the horse and he gives her the ring.

[ 13 ] Bevor der Mensch sich mit dem höheren Selbst vereinigen kann, hat auch der Ring, der äußere Zwang, noch nicht seine Macht verloren. Der Mensch taucht unter in das niedere Bewußtsein, er ist mit Blindheit geschlagen. Siegfried vergißt Brünhilde, er verbindet sich mit Gudrun, dem niederen Bewußtsein. Er will sogar für den Nicht-Würdigen, den anderen, für Gunther, um Brünhilde werben. Das heißt, in der letzten Phase, vor Eintritt des Christentums, verfällt der Mensch noch einmal dem nicht reinen Pfad, den dunklen Mächten. Die unrechtmäßige Verbindung Brünhildes mit Gunther ist die Ursache zu Siegfrieds Verderben. Er muß den Tod finden durch die niederen Mächte, in deren Gewalt er sich verstrickt hat.

[ 13 ] Until the union with the higher Self has been reached, the ring, symbolizing coercion from outside, does not lose its power. The human being dives down into lower consciousness, he is struck with blindness. Siegfried forgets Brunhilde and weds Gudrun, the lower consciousness. He even agrees to court Brunhilde for another unworthy man. This signifies that during the last phase, before Christianity arises, the human being follows the dark path of d falls prey once more to dark powers. The unrighteous union of Brunhilde with Gunther is the cause of Siegfried's ruin. He must incur death through the lower powers in the nets of which he has become entangled. (Hagen.)

[ 14 ] Es naht die letzte Phase. Noch einmal treten die drei Nornen auf. Es ist die Phase, wo das allumfassende Bewußtsein verlorengeht:

[ 14 ] The last phase approaches; the Norns appear once more. It is the phase in which the all-embracing consciousness is lost:

Zu End’, ewiges Wissen!
Der Welt melden
Weise nichts mehr: —
Hinab zur Mutter, hinab!

(“Ended is wisdom eternal! The world nothing more
Hears from the Wise! Descend to the Mother, below!”)

[ 15 ] Die höhere Weisheit, die früher den Göttersöhnen gegeben war, geht auf der Erde verloren; sie geht zurück zum Ewigen. Die Menschheit ist auf sich selbst angewiesen.

[ 15 ] The higher wisdom which was formerly given to the sons of the gods is lost upon the earth, it returns to the Eternal. Humanity must now rely upon itself

[ 16 ] Das Musikdrama «Tristan und Isolde» ist für den, der tiefer schaut, für Wagner noch einmal ein Immer-klarer-Werden des Problems der Zweiheit der Geschlechter. Das Männliche und das Weibliche hat nur Bedeutung für den physischen Plan. In Tristan lebt die Sehnsucht, nicht mehr getrennt zu sein, den Ausgleich zu finden, ein Bewußtsein zu haben, das nicht mehr männlich oder weiblich ist. Diese Sehnsucht wogt und wallt in dem Drama: Nicht mehr Ich-Tristan zu sein, sondern Isolde in sich aufgenommen zu haben; nicht mehr Ich-Isolde zu sein, sondern Isolde und Tristan zu sein. Verloren ist den beiden das Bewußtsein dieser Trennung. So klingt es aus in den Schlußworten dieser Dichtung, das Erlöstsein von dem Sondersein:

[ 16 ] One who has a deeper vision, like Wagner, will discover that the Tristan theme is able to give a clearer insight into the problem connected with the dual aspect of sex. The male and female elements are important only upon the physical plane. Tristan has the deep longing to be whole and undivided, to reach perfect harmony and a consciousness which is no longer male or female. This note of longing re-echoing throughout the drama may be expressed as follows: Tristan does not wish any longer to be merely Tristan, merely “I”, but he wishes to take up within him Isolde, so that in him live Isolde and Tristan. The two have lost every consciousness of a division. This re-echoes in the final verses of the poem expressing redemption from a separate, divided form of existence:

In des Wonnemeeres
wogendem Schwall,
in der Duftwellen
tönendem Schall,
in des Weltatems
wehendem All
ertrinken
versinken —
unbewußt —
höchste Lust! —

“In the blissful ocean's
rising and fall,
In the tidal's fragrant
resonant call,
In the world's breath, wherein
stirreth the All,
to drown, and
sink down,
unconscious
highest bliss!”

[ 17 ] Jedes Wort ist herausgeprägt aus einem tieferen Wissen. Die astrale Welt ist dieses wogende Wonnemeer, die in duftenden Tönen erschallende Welt ist Devachan. Das Lebensprinzip ist der Welt-Atem, in ihm muß sich alles ausgleichen. Nicht mehr getrennt im Bewußtsein: im Undifferenzierten ertrinken, versinken, unbewußt, das ist höchste Lust. - Höchste Lust für das Irdische ist es in der Tat, zu überwinden das Sinnliche aus dem Geistigen heraus. Die Lust, die zur Vernichtung des Irdischen strebt, adelt; sie ist die Überwindung dessen, was sie selbst in sich hat. Das ist das Problem, das Wagner zu lösen versuchte in «Tristan und Isolde».

[ 17 ] These words are born out of a deeper knowledge. The surging ocean of bliss is the astral world, and Devachan is the sphere resounding in fragrant tones. The life-principle is the breath of the world; everything must be contained within it. To be no longer severed and divided in the sphere of consciousness, but to “drown and sink down” unconsciously into an undifferentiated element—this is highest bliss. Within earthly life it is indeed highest bliss to overcome it, to overcome sense-life through spiritual life. Desire seeking to destroy what pertains to the earth still takes on the form of desire. Nevertheless it is a noble form of desire if the element of desire contained in this aspiration is overcome. This is the problem which Wagner tries to solve in his “Tristan and Isolde”.

[ 18 ] Alle diese Gedanken, sie lebten etwa nicht bewußt, nicht abstrakt in Wagner, sie leben aber in den Mythen, und Wagner zog sie aus den Mythen. Es braucht der einzelne Künstler nicht diese Gedanken abstrakt in sich zu haben. So wie die Pflanze nach Gesetzen wächst, ohne diese Gesetze zu kennen, so leben im Mythos die Weltenkräfte als Symbolbild göttlicher, ewiger Wahrheit.

[ 18 ] All these thoughts did not live consciously or abstractly in Wagner; they were thoughts contained in the myth itself. It is not necessary for an artist to have these thoughts in an abstract form. Just as a plant grows in accordance with laws of which it knows nothing, so the cosmic forces within myths have a life of their own; these are forces which are also active within the human being and they penetrate into a work of art.

[ 19 ] Wagners Siegfried ist noch verstrickt in das Irdische, er muß darin zugrundegehen. Brunhilde erkennt den Zusammenhang, und sie versteht, um was es sich handelt. So tritt sie den Ring den Rheintöchtern ab, an das Element, das nicht hineingedrungen ist in das Spiel dieser Welt. Die ganze Menschheitsentwicklung geht zurück zur ursprünglichen, jungfräulichen Materie.

[ 19 ] Wagner's Siegfried is still entangled in the earthly element; he must perish in it. Brunhilde realizes the relationship of facts and understands what is at stake. So she yields the ring to the Daughters of the Rhine, to an element which has not penetrated into the working influences of this world. The whole evolution of the world goes back to the originally virgin substance.

[ 20 ] Eine neue Weltanschauung tritt an die Stelle der älteren, nordischen Weltanschauung, die nicht mehr appelliert an das Äußerliche, Sinnliche, sondern nur an das jungfräulich Gebliebene, an die Seele. Brunhilde, die noch mitverstrickt ist in das Äußere, Sinnliche durch ihre Vereinigung mit Siegfried, reitet in das Feuer hinein. Dort herausgeboren wird die Liebe. Es ist dies ein Gedanke, der zunächst noch tragisch ist für den Norden; denn das, was man zu begreifen imstande war, geht zugrunde. Herausgeboren aus dem Feuermeer, der ursprünglichen, jungfräulichen Materie, wird vom Geiste die Liebe. «Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria virgine.» Aus demselben Element, aus dem vorher der Egoismus, die sinnliche Liebe geboren ist, wird jetzt ein neues Gefühl geboren, das erhaben ist über alles, was verstrickt ist in dem physischen Plan. Die Weisheit geht zurück, um aus dem Teile des Elementes, das sich die jungfräuliche Keuschheit bewahrt hat, die Liebe erstehen zu lassen. Das ist der Christus, das christliche Prinzip. Die selbstlose Liebe im Gegensatz zur selbstischen Liebe, das ist die große Evolution, die erkauft wird mit der geheimnisvollen Involution des Todes, dem Untergange des Physischen. Streng haben wir gegenübergestellt die Gegensätze von Leben und Tod.

[ 20 ] The older northern world conception is replaced by another one which does not appeal any longer to what pertains to the external world of the senses, but to what has remained virgin—to the soul. Brunhilde, who has become involved in the external world of the senses through her union with Siegfried rides into the fire, and love is born out of it. The whole tragedy of this thought is deeply felt by the peoples of the north, because they realise that what they were once able to understand begins to perish. Love is born out of the Spirit, out of the sea of fire, the originally virgin substance. “Incarnatus est per Sanctum Spiritum ex Maria Virgine!” The same element which gave birth to egoism, to a love which is selfish, now gives birth to a new feeling, high above everything that is entangled in the physical sphere. Wisdom withdraws in order to give birth to love out of that part of the elements which is still chaste and virgin. This love is the Christ, the Christian principle. Unselfish love opposed to selfish love, this is the great process of evolution which must take place through the mysterious involution-process of death, the destruction of physical matter. The contrasts of life and death are drawn by Wagner in sharp outlines.

[ 21 ] Das Holz ist das verdorrte Leben, und an diesem Holze hängt das neue, das ewige Leben, aus dem das neue Zeitalter jetzt geboren wird. Ein neues, geistiges Leben geht aus der Götterdämmerung hervor. Wie Richard Wagner sich sehnte, nachdem er durch die vier Phasen des nordischen Lebens hindurchgegangen war, dieses christliche Prinzip in seiner Tiefe darzustellen, das hat er uns dargetan in seinem Parsifal - er bedeutet die fünfte Phase. Weil Wagner das durchlebt hat, was das Tragische war in der nordischen Entwicklung, war ihm die Glorifikation des Christentums ein Bedürfnis.

[ 21 ] The wood of the Cross symbolizes life which has withered away, and upon this Cross hangs the new everlasting Life which will give rise to a new epoch. A new spiritual life proceeds out of the Twilight of the Gods. Richard Wagner's longing, to set forth the Christ principle in all its depth, after his description of the four phases of northern life, appears in his Parsifal. This is the fifth phase. Because Wagner felt so deeply the tragic note contained in the northern world conception of evolution he also felt it incumbent upon him to set forth the glorification of Christianity.