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The Rudolf Steiner Archive

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Cosmogony
GA 94

25 May 1906, Paris

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Erster Vortrag

Lecture One

[ 1 ] Es ist noch nicht lange her, daß öffentliche Vorträge über okkulte Wahrheiten gehalten werden. Einstmals wurden diese Wahrheiten nur in Geheimgesellschaften denen entschleiert, die bestimmte Grade der Einweihung durchschritten und versprochen hatten, für die Dauer ihres ganzen Lebens die Gesetze des Bruderbundes zu beobachten.

[ 1 ] It has not been long since public lectures on occult truths began to be given. In the past, these truths were revealed only within secret societies to those who had passed through certain degrees of initiation and had promised to observe the laws of the brotherhood for the rest of their lives.

[ 2 ] Heute tritt die Menschheit in eine einschneidende Krise. Man hat damit begonnen, diese Wahrheiten der Öffentlichkeit zu enthüllen. Innerhalb von zwanzig Jahren wird eine gewisse Anzahl von ihnen bereits Gemeingut sein. Woher kommt das? Der Grund ist der, daß die Menschheit in eine neue Phase eingetreten ist. Diese Phase näher zu erklären, wird Gegenstand dieses Vortrags sein.

[ 2 ] Today, humanity is entering a profound crisis. Efforts have begun to reveal these truths to the public. Within twenty years, a number of them will already be common knowledge. Why is this happening? The reason is that humanity has entered a new phase. Explaining this phase in more detail will be the focus of this lecture.

[ 3 ] Im Mittelalter wurden die geheimen Wahrheiten hauptsächlich durch die Rosenkreuzer gepflegt. Aber jedesmal, wenn diese Wahrheiten nach außen drangen, wurden sie mißverstanden oder entstellt. Im 18. Jahrhundert nahmen sie eine dilettantische und marktschreierische Form an. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden sie vollständig verdrängt durch die auf Sinnesbeobachtung begründeten Wissenschaften. Erst jetzt tauchen sie wieder auf, und sie werden in den nächsten Jahrhunderten eine wichtige Rolle im Hinblick auf die künftige Entwickelung der Menschheit spielen. Um diese Rolle richtig zu verstehen, muß man zu den Jahrhunderten zurückgehen, die dem Christentum vorausgingen, und den zurückgelegten Weg ins Auge fassen.

[ 3 ] In the Middle Ages, the secret truths were primarily preserved by the Rosicrucians. But every time these truths were revealed to the outside world, they were misunderstood or distorted. In the 18th century, they took on an amateurish and sensationalist form. At the beginning of the 19th century, they were completely supplanted by the sciences based on sensory observation. Only now are they reemerging, and in the coming centuries they will play an important role in the future development of humanity. To properly understand this role, one must go back to the centuries that preceded Christianity and consider the path that has been traveled.

[ 4 ] Es genügt schon, eine sei es auch nur annähernde Kenntnis vom Mittelalter zu haben, um sich Rechenschaft von dem Unterschied zu geben, der zwischen dem Menschen jener Epoche und dem heutigen Menschen besteht. Weit weniger als heute entwickelt auf dem Gebiete der Wissenschaft, war der Mensch damals im Bereich des Gefühls und der Eingebung überlegen. Er lebte weniger in der sichtbaren Welt als in der jenseitigen, die er noch wahrzunehmen vermochte. Es gab unter den damaligen Menschen noch einzelne, die wirklich in direkte Verbindung mit der astralen und geistigen Welt treten konnten. Mochte sich die Menschheit des Mittelalters auch noch so mangelhaft auf der Erde eingerichtet haben, ihr Haupt hatte sie noch im Himmel.

[ 4 ] Even a rudimentary knowledge of the Middle Ages is enough to appreciate the difference between people of that era and people today. Though far less advanced than today in the realm of science, people back then were superior in the realms of feeling and intuition. They lived less in the visible world than in the spiritual world, which they were still able to perceive. Among the people of that time, there were still individuals who could truly enter into direct contact with the astral and spiritual worlds. No matter how inadequately the people of the Middle Ages may have established themselves on Earth, their focus was still on Heaven.

[ 5 ] Waren die Städte damals auch unbequem, so spiegelten sie doch dem Menschen viel besser seine innere Welt wider. Nicht nur die Kathedralen, sondern auch die Häuser und die Tore erinnerten den Menschen durch ihre Symbole an seine Glaubensinhalte, seine Gefühle, seine Sehnsüchte, an die Welt seiner Seele.

[ 5 ] Even if cities were uncomfortable back then, they still reflected people’s inner worlds much more faithfully. Not only the cathedrals, but also the houses and gates reminded people—through their symbols—of their beliefs, their feelings, their longings, and the world of their souls.

[ 6 ] Heute wissen wir viele Dinge, und die Beziehungen unter den Menschen haben sich ins Unendliche vervielfacht; aber wir leben in unseren Städten wie in lärmenden Fabriken, in einem schrecklichen Babel, wo uns nichts mehr an unsere innere Welt erinnert. Die innere Welt spricht zu uns nicht mehr durch die Kontemplation, sondern durch die Bücher. Von Menschen der unbefangenen Eingebung sind wir zu Intellektuellen geworden.

[ 6 ] Today we know many things, and the connections between people have multiplied infinitely; yet we live in our cities as if in noisy factories, in a terrible Tower of Babel, where nothing reminds us of our inner world anymore. Our inner world no longer speaks to us through contemplation, but through books. We have gone from being people of unencumbered inspiration to intellectuals.

[ 7 ] Man muß hinter das Mittelalter zurückgehen, um den Ursprung dieser intellektuellen Strömung zu finden. Das Zeitalter, wo dieser menschliche Intellekt noch auf seiner Kindheitsstufe steht, das Zeitalter, wo die Umlagerung sich vollzieht, geht ungefähr auf das Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung zurück. Es ist das Zeitalter des Thales, des Pythagoras, des Plato, des Buddha. Damals erscheinen zum erstenmal die Philosophie und die Wissenschaft, das heißt, die Wahrheit wird der Vernunft in logischer Form dargeboten. Was vorher existierte, war die Wahrheit, dargeboten in Gestalt von Religion und Offenbarung, wahrgenommen von ihren Verkündern und empfangen von der Masse. Jetzt geht die Wahrheit in die individuelle Intelligenz über, sie will anschaulich erläutert und begriffen sein.

[ 7 ] One must go back beyond the Middle Ages to find the origin of this intellectual movement. The era when human intellect was still in its infancy—the era when this transformation was taking place—dates back to around the first millennium B.C. It is the age of Thales, Pythagoras, Plato, and Buddha. It was then that philosophy and science first emerged—that is, truth was presented to reason in logical form. What existed before was truth presented in the form of religion and revelation, perceived by its proclaimers and received by the masses. Now truth is passing into the realm of individual intelligence; it demands to be clearly explained and understood.

[ 8 ] Was war damals im Inneren des Menschen vorgegangen, um diese Bewegung zu rechtfertigen, die sein Bewußtsein sozusagen von einer Seinsebene seines Wesens auf eine andere Seinsebene, vom intuitiven auf den logischen Plan verlagerte?

[ 8 ] What was going on inside a person at that time to justify this shift, which, so to speak, moved his consciousness from one level of existence to another—from the intuitive to the logical plane?

[ 9 ] Wir stoßen da auf eines der fundamentalen Gesetze der Geschichte, auf ein Gesetz, das dem Gegenwartsbewußtsein noch nicht bekannt ist. Man kann es so formulieren: Die Evolution. der Menschheit vollzieht sich so, daß sie die Seelenglieder des menschlichen Wesens nacheinander aus diesem hervorgehen und sich entwickeln läßt. Welches sind diese Wesensglieder?

[ 9 ] Here we encounter one of the fundamental laws of history, a law that is not yet known to contemporary consciousness. It can be formulated as follows: The evolution of humanity proceeds in such a way that it allows the soul elements of the human being to emerge from it one after another and to develop. What are these elements of the human being?

[ 10 ] Der Mensch hat zunächst einen physischen Leib. Ihn hat er gemeinsam mit dem Mineralreich. Das ganze Mineralreich findet sich in der Chemie des Körpers. Er hat sodann einen Ätherleib, der sozusagen seine Lebenskraft ist und den er gemeinsam hat mit den Pflanzen. Aus ihm erzeugen sich fortlaufend die Ernährungsvorgänge, die Wachstums- und die Fortpflanzungskraft. Er besitzt außerdem einen Astralleib. In ihm entzünden sich die Gefühle, die Leidenschaften, die Möglichkeit, zu genießen und zu leiden. Diesen Leib hat der Mensch gemeinsam mit den Tieren. Er wurde von den Rosenkreuzern und manchen ihrer Nachfolger, wie Paracelsus, Astralleib genannt, weil er tatsächlich in einer Beziehung zu den Sternen steht, die auf einer gewissen Anziehungskraft beruht.

[ 10 ] Human beings have, first and foremost, a physical body. They share this with the mineral kingdom. The entire mineral kingdom is found in the body’s chemistry. Human beings also have an etheric body, which is, so to speak, their life force and which they share with plants. From it arise the continuous processes of nutrition, growth, and reproduction. They also possess an astral body. Within it arise feelings, passions, and the capacity to enjoy and to suffer. Human beings share this body with animals. The Rosicrucians and some of their successors, such as Paracelsus, called it the astral body because it is in fact related to the stars through a certain force of attraction.

[ 11 ] Endlich gibt es im Menschen etwas, was man nicht mehr einen Leib nennen kann, sondern was sein innerstes Sein darstellt und ihn von allen anderen Wesen unterscheidet, vom Stein wie von der Pflanze und vom Tier, und das ist dasjenige, was er sein Ich nennt. Es ist der göttliche Funke in ihm. Die Inder nennen es Manas. Die Rosenkreuzer nennen es das Unaussprechliche. Tatsächlich ist alles Leibliche nur ein Fragment, Stück einer anderen Leiblichkeit. Dagegen gehört das Ich des Menschen nur sich selbst an. Ich bin Ich das kann es allein von sich sagen. Es ist dasjenige, was die anderen «Du» nennen, es ist dasjenige, was man mit nichts anderem auf der Welt verwechseln kann. Durch dieses Ich, das durch nichts anderes ausgedrückt, mit nichts anderem vertauscht werden kann, erhebt sich der Mensch über alle anderen irdischen Wesen, über die Tierwelt und über die ganze Schöpfung. Und es ist auch das einzige, was ihn mit dem unendlichen Ich, mit Gott, verbindet.

[ 11 ] Finally, there is something within a human being that can no longer be called a body, but which represents his innermost being and distinguishes him from all other beings—from stones, plants, and animals alike—and that is what he calls his “I.” It is the divine spark within him. The Indians call it Manas. The Rosicrucians call it the Inexpressible. In fact, everything physical is merely a fragment, a part of another physical reality. In contrast, the human “I” belongs only to itself. “I am I”—only it can say this of itself. It is what others call “you”; it is what cannot be confused with anything else in the world. Through this “I”—which cannot be expressed by anything else or exchanged for anything else—human beings rise above all other earthly beings, above the animal kingdom, and above all of creation. And it is also the only thing that connects them to the infinite “I,” to God.

[ 12 ] Das ist der Grund, warum im verborgenen Heiligtum der Hebräer der Ministrant an bestimmten Tagen zum Hohepriester sprach: Schem-Ham-Phorasch, das heißt: Wie ist sein Name, der Name Gottes? - Und der Hohepriester antwortet: Jod-He-Vau-He, oder in einem Wort: Jehova, was bedeutet: Gott, Natur und Mensch, oder: Das unaussprechliche menschlich-göttliche Ich.

[ 12 ] This is why, in the hidden sanctuary of the Hebrews, the minister would address the high priest on certain days, saying: “Schem-Ham-Phorasch,” which means: “What is His name, the name of God?” - And the high priest replied: Yod-He-Vav-He, or in a single word: Jehovah, which means: God, nature, and man, or: the ineffable human-divine Self.

[ 13 ] Die Wesensglieder des Menschen, die wir eben charakterisiert haben, sind sämtlich dem Menschen in fernen Epochen seiner ungeheuren Entwickelung gegeben worden, aber sie entwickelten sich nur langsam und eins nach dem anderen.

[ 13 ] The essential aspects of the human being that we have just described were all bestowed upon humanity in distant epochs of its immense evolution, but they developed only slowly and one after another.

[ 14 ] Die besondere Aufgabe der Periode, die ungefähr tausend Jahre vor der christlichen Zeitrechnung begonnen hat und die sich im Lauf der zweitausend Jahre, die der Geburt des Christus folgten, fortsetzt, bestand also darin, die Entwickelung des menschlichen Ich im Sinne der Intellektualität zu beschleunigen.

[ 14 ] The specific purpose of the period that began approximately one thousand years before the Christian era and continued throughout the two thousand years following the birth of Christ was thus to accelerate the development of the human “I” in the sense of intellectuality.

[ 15 ] Aber über dem intellektuellen Plan befindet sich der geistige. Das ist derjenige, den die Menschheit in den folgenden Jahrhunderten erreichen wird. Es ist auch derjenige, nach welchem die gegenwärtige Weltenstunde hintendiert. Und es ist tatsächlich der Christus und das Christentum, wodurch die Samen zu dieser künftigen Entwickelung ausgestreut worden sind.

[ 15 ] But above the intellectual plane lies the spiritual plane. This is the one that humanity will attain in the centuries to come. It is also the one toward which the current world epoch is tending. And it is indeed Christ and Christianity through which the seeds for this future development have been sown.

[ 16 ] Aber bevor wir von diesem geistigen Plan sprechen, haben wir noch an eines der Mittel, an eine der Kräfte zu erinnern, durch welche die Menschheit in ihrer großen Mehrheit von der Sphäre des astralen Schauens zur Sphäre der Intellektualität fortgeschritten ist. Dies geschah durch eine neue Art der Eheschließung. Einst vollzogen sich die Heiraten innerhalb desselben Stammes oder derselben Sippschaft, was also lediglich eine Ausweitung der Familie darstellte. Manchmal vollzogen sie sich sogar zwischen Bruder und Schwester. Gegen die neuere Zeit hin empfanden die Menschen das Verlangen, ihre Frauen außerhalb der Sippschaft, des Stammes oder der bürgerlichen Gemeinschaft zu suchen. Die Fremde, die Unbekannte wurde die Geliebte. Die Liebe, einst eine natürliche und soziale Funktion, wurde persönlicher Wunsch und die Heirat freie Wahl. Das zeigt sich schon in gewissen griechischen Mythen wie im Raub der Helena und mehr noch in den skandinavischen und germanischen Mythen wie der Siegfriedsage und dem Gudrunlied. Die Liebe wurde ein Abenteuer und die Frau eine Eroberung in der Ferne.

[ 16 ] But before we speak of this spiritual plan, we must still recall one of the means, one of the forces, through which the vast majority of humanity has advanced from the sphere of astral vision to the sphere of intellectuality. This came about through a new form of marriage. In the past, marriages took place within the same tribe or clan, which thus represented merely an extension of the family. Sometimes they even took place between brother and sister. As time went on, people felt the desire to seek their wives outside the clan, the tribe, or the civic community. The stranger, the unknown, became the beloved. Love, once a natural and social function, became a personal desire, and marriage became a matter of free choice. This is already evident in certain Greek myths, such as the Abduction of Helen, and even more so in the Scandinavian and Germanic myths, such as the Saga of Siegfried and the Song of Gudrun. Love became an adventure, and the woman a conquest from afar.

[ 17 ] Dieser Übergang von der patriarchalischen zur freien Eheschließung entspricht nun der neuen Entwickelung der intellektuellen Fähigkeiten, des menschlichen Ich. Er vollzog sich zur gleichen Zeit wie die momentane Verdunkelung der astralen Fähigkeiten des Schauens und des direkten Lesens in der astralen und geistigen Welt.

[ 17 ] This transition from patriarchal to free marriage corresponds to the new development of intellectual faculties, of the human ego. It took place at the same time as the temporary dimming of the astral faculties of clairvoyance and direct perception in the astral and spiritual worlds.

[ 18 ] Hier geschieht nun der Einschlag des Christentums. Die menschliche Brüderlichkeit und die Verehrung des Einen Gottes sind ohne Zweifel wesentliche Züge des Christentums, aber sie bilden doch nur seine äußerliche und soziale, aber nicht seine innerliche und spirituelle Gestalt. Die neue Errungenschaft des Christentums auf dem Gebiet der Mystik, der Innerlichkeit und des Übersinnlichen besteht darin, daß es die vergeistigte Liebe geschaffen hat, das Ferment, das den Menschen von innen her verwandelt, den Sauerteig, der die Welt emporhebt. Der Christus ist gekommen, um zu sagen: Wenn du nicht verlässest deine Mutter, dein Weib und alle leibliche Bindung, kannst du nicht mein Jünger sein. — Das bedeutet nicht die Aufhebung aller natürlichen Bande, aber die Ausdehnung der Liebe außerhalb der Familie auf alle Menschen, die Verwandlung der Liebe in eine lebendige und schöpferische Kraft, in eine Kraft der Umwandlung.

[ 18 ] This is where Christianity makes its mark. Human brotherhood and the worship of the One God are undoubtedly essential features of Christianity, but they constitute only its external and social aspects, not its inner and spiritual nature. Christianity’s new achievement in the realm of mysticism, inner life, and the supernatural lies in the fact that it has created spiritualized love—the leaven that transforms human beings from within, the leaven that lifts up the world. Christ came to say: Unless you leave your mother, your wife, and all earthly ties, you cannot be my disciple. — This does not mean the severing of all natural bonds, but the extension of love beyond the family to all people, the transformation of love into a living and creative force, into a force of transformation.

[ 19 ] Diese Liebe, welche von den Rosenkreuzern zum Prinzip ihrer okkulten Bruderschaft gemacht, von ihrer Zeit aber nicht verstanden wurde, ist dazu bestimmt, den Grundgehalt der Religion, des Kultus, ja sogar der Wissenschaft zu verändern.

[ 19 ] This love, which the Rosicrucians made the foundation of their occult brotherhood but which was not understood in their time, is destined to transform the very essence of religion, worship, and even science.

[ 20 ] Der Weg der Menschheit geht vom unbewußten Spiritualismus vor dem Christentum - über den Intellektualismus - die Gegenwart — zum bewußsten Spiritualismus, in dem sich vereinigen, konzentrieren und verstärken die astralen und intellektuellen Fähigkeiten durch die Stärke der Liebe zum Geist und der vergeistigten Liebe. Und ebenso ist die Theologie dazu bestimmt, zur Theosophie zu werden.

[ 20 ] Humanity’s path leads from pre-Christian unconscious spiritualism—through intellectualism—to the present—and on to conscious spiritualism, in which the astral and intellectual faculties are united, concentrated, and strengthened by the power of love for the Spirit and of spiritualized love. And in the same way, theology is destined to become theosophy.

[ 21 ] Was ist in Wirklichkeit die Theologie? Eine Kunde von Gott, von außen auferlegt in Form von Dogmen wie eine Art übernatürlicher Logik, aber dem Menschen von außen her gegeben.

[ 21 ] What is theology, really? A message about God, imposed from the outside in the form of dogmas—like a kind of supernatural logic—but given to humankind from the outside.

[ 22 ] Und was ist die Theosophie? Die Kunde von Gott, sich entfaltend wie eine Blume auf dem Grunde der menschlichen Seele. Gott zum Unterschied von der Welt, wiedergeboren auf dem Grunde der Herzen. Ein solches Christentum, verstanden im Sinne der Rosenkreuzer, ist gleicherweise die mächtigste Entfaltung der individuellen Freiheit und der universellen Religion durch die Bruderschaft der freien Seelen. Die Tyrannei der Dogmen ist alsdann ersetzt durch den Strahlenglanz der göttlichen Weisheit, die Intelligenz, Liebe und Tat in einem ist.

[ 22 ] And what is Theosophy? The knowledge of God, unfolding like a flower at the very depths of the human soul. God, distinct from the world, reborn in the depths of the heart. Such Christianity, understood in the Rosicrucian sense, is likewise the most powerful unfolding of individual freedom and universal religion through the brotherhood of free souls. The tyranny of dogma is then replaced by the radiant splendor of divine wisdom, which is intelligence, love, and action all in one.

[ 23 ] Die Wissenschaft, die daraus entspringen wird, wird ihre Maßstäbe weder an der abstrakten Vernunft noch an äußerer Unterwerfung finden, sondern an ihrer Fähigkeit, die Seelen erwecken und erblühen zu lassen.

[ 23 ] The science that will emerge from this will find its standards neither in abstract reason nor in external submission, but in its ability to awaken souls and allow them to flourish.

[ 24 ] Da haben wir den Unterschied zwischen der Logik und der Sophia, zwischen der Wissenschaft und der göttlichen Weisheit, zwischen der Theologie und der Theosophie.

[ 24 ] Therein lies the difference between logic and Sophia, between science and divine wisdom, between theology and theosophy.

[ 25 ] So ist der Christus immer der Mittelpunkt der esoterischen Evolution des Abendlandes. Gewisse moderne Theologen, besonders in Deutschland, haben versucht, den Christus als einen einfachen, naiven Menschen darzustellen. Das ist ein ganz großer Irrtum. Das höchste Bewußtsein, die tiefste Weisheit wohnt in ihm, und gleichzeitig die höchste göttliche Liebe. Wie sollte er ohne ein solches Bewußtsein eine zentrale Offenbarung innerhalb unserer ganzen planetarischen Evolution sein? Wie sollte er dazu eine solche Macht besessen und sein ganzes Zeitalter überflügelt haben? Und dieses ganze, seiner Zeit überlegene Bewußtsein, woher sollte es ihm gekommen sein?

[ 25 ] Thus, Christ is always the center of the esoteric evolution of the West. Certain modern theologians, especially in Germany, have attempted to portray Christ as a simple, naive human being. This is a very grave error. The highest consciousness, the deepest wisdom dwells within him, and at the same time, the highest divine love. How could he be a central revelation within our entire planetary evolution without such consciousness? How could he have possessed such power and transcended his entire age? And this entire consciousness, superior to his time—where could it have come from?