Popular Occultism
GA 94
5 July 1906, Leipzig
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Popular Occultism, tr. SOL
Populärer Okkultismus VIII
Popular Occultism VIII
[ 1 ] Wir wollen heute die Betrachtungen über die Wirkungen des Karmagesetzes fortsetzen. Wiederholen wir das Gesagte: Die Handlungen des vorigen Lebens drücken sich in diesem aus als äußere Lebensschicksale. Die Neigungen, die Temperamentsanlage und so weiter des vergangenen Lebens bilden sich um zu der physischen, gesundheitlichen Konstitution in diesem Leben. Wieder ein anderer Zusammenhang ergibt sich uns, wenn wir das Vorstellungsleben des Menschen betrachten. Dieses Vorstellungsleben ist Tätigkeit unseres Astralleibes. Die Art dieses Vorstellungslebens wirkt ein auf den Ätherleib im nächsten Leben, das heißt auf die bleibende moralische Gesinnung des Menschen. Betrachten wir die Stimmung eines Schopenhauer, der Pessimist gewesen ist. Das Leben pessimistisch oder auch optimistisch anzusehen, ist eine Eigenschaft des Ätherleibes, und beim Pessimismus ist diese Haltung dadurch verursacht, daß ein solcher Mensch in seinem vorigen Leben unbefriedigende oder unglückliche Erfahrungen gemacht hat. (Siehe Anhang.) Wenn jemand viele abfällige Urteile über seine Mitmenschen fällt, so recht ein Kritikaster ist, so drückt sich diese Neigung des einen Lebens im nächsten Leben in einer gewissen Verfassung des physischen Leibes aus, und zwar darin, daß der Betreffende früh altert und überhaupt wenig Jugendlichkeit zeigen wird. Das ist überhaupt eine gute Vorbedingung für das nächste Leben: allen Menschen nicht abstoßend, sondern liebevoll entgegenzutreten.
[ 1 ] Today we will continue our reflections on the effects of the law of karma. Let us review what has been said: The actions of a past life are expressed in this life as external life circumstances. The inclinations, the temperamental disposition, and so on from the past life are transformed into the physical and health-related constitution in this life. Yet another connection becomes apparent when we consider a person’s imaginative life. This imaginative life is the activity of our astral body. The nature of this imaginative life influences the etheric body in the next life—that is, the person’s enduring moral disposition. Let us consider the disposition of Schopenhauer, who was a pessimist. Viewing life pessimistically or optimistically is a characteristic of the etheric body, and in the case of pessimism, this attitude is caused by the fact that such a person had unsatisfactory or unhappy experiences in their previous life. (See Appendix.) If someone makes many disparaging judgments about their fellow human beings—if they are, in short, a critic—this tendency from one life will be expressed in the next life through a certain condition of the physical body, namely, that the person in question will age prematurely and generally display little youthfulness. This is, in general, a good prerequisite for the next life: to approach all people not with repulsion, but with love.
[ 2 ] Wie steht nun die Vererbung im Einklang mit der Tatsache der Wiederverkörperung und des Karma? Manche werden die Wiederverkörperung mit dem Einwand widerlegen wollen, daß sie etwa darauf hinweisen, es gäbe Familien, in denen die Angehörigen mehrerer Generationen Musiker sind, und sie werden alles auf Vererbung zurückführen. Ein geistreicher Theosoph hat einmal den Ausspruch getan: Es ist nicht wahr, daß die Kinder den Eltern ähnlich sind, vielmehr sind die Eltern den Kindern ähnlich. - Beleuchten wir, was dieser Ausspruch sagen will. (Siehe Anhang.)
[ 2 ] How, then, does heredity align with the reality of reincarnation and karma? Some will seek to refute reincarnation by pointing out, for example, that there are families in which members across several generations are musicians, and they will attribute everything to heredity. A witty theosophist once remarked: “It is not true that children resemble their parents; rather, parents resemble their children.”—Let us examine what this statement means. (See Appendix.)
[ 3 ] Im Anfange seiner Entwickelung hat der Mensch einen Astralleib, an dem sein Ich noch gar nicht gearbeitet hat. Im Laufe der Inkarnationen beginnt das Ich in den Astralleib hineinzuarbeiten. Dadurch wird dieser vollkommener. Die Fähigkeit, Wahrheit und Irrtum zu unterscheiden, ist erst eine Errungenschaft der späteren Inkarnationen. Alles im Leben muß erst durch Erfahrungen erlernt werden. Nur durch Irrtum entwickelt sich das richtige Urteil. Auch die mathematischen Wahrheiten ergeben sich daraus, daß das Gegenteil falsch ist. Fortwährend arbeitet der Mensch von seinem Ich aus an seinem Astralleib. Es ist für den Hellseher ein großer Unterschied, den Astralleib eines entwickelten oder eines unentwickelten Menschen anzuschauen. Infolge dieser Durcharbeitung des Astralleibes findet sich in allen Seelen der Menschen ein Teil, der noch von den niederen Trieben und Leidenschaften erfüllt ist, und ein vom Ich geistig umgearbeiteter Teil. Franz von Assisi hatte zum Beispiel seinen Astralleib ganz verwandelt und umgearbeitet. Das, was vom Astralleib durch das Ich umgearbeitet ist, bezeichnet der Okkultist mit dem orientalischen Ausdruck Manas.
[ 3 ] At the beginning of human development, a person has an astral body on which the “I” has not yet worked at all. Over the course of incarnations, the “I” begins to work into the astral body. This makes the astral body more perfect. The ability to distinguish between truth and error is an achievement of later incarnations. Everything in life must first be learned through experience. Correct judgment develops only through error. Even mathematical truths arise from the fact that the opposite is false. Human beings continually work on their astral bodies from the perspective of their “I.” For the clairvoyant, there is a great difference between observing the astral body of a developed human being and that of an undeveloped one. As a result of this transformation of the astral body, there is a part in every human soul that is still filled with lower instincts and passions, and a part that has been spiritually transformed by the “I.” Francis of Assisi, for example, had completely transformed and reworked his astral body. The occultist refers to that part of the astral body that has been transformed by the “I” using the Eastern term “Manas.”
[ 4 ] Viel schwerer als den Astralleib zu bearbeiten, ist es, in den Ätherleib hineinzuarbeiten, weil dieser viel schwieriger zu durchdringen ist. Diese Undurchdringlichkeit ist teils das Werk des Menschen selbst, insofern es von früheren Taten herrührt, teilweise aber auch das Werk anderer, höherer Wesenheiten, die bei der Bildung des Ätherleibes tätig waren. Je mehr der Mensch in den Ätherleib hineinarbeitet, desto mehr wird er, was man nennt ein religiöser und weiser Mensch.
[ 4 ] It is much more difficult to work on the etheric body than on the astral body, because the etheric body is much harder to penetrate. This impenetrability is partly the work of the human being himself, insofar as it stems from past deeds, but it is also partly the work of other, higher beings who were active in the formation of the etheric body. The more a person works into the etheric body, the more he becomes what is called a religious and wise person.
[ 5 ] Ein Okkultist muß mit der Methode vertraut sein, nicht nur, wie man den Astralleib durcharbeitet, sondern auch wie man in den Ätherleib hineinarbeitet. Bewußt gestaltet der Geheimschüler den Ätherleib um, so daß er die Fähigkeit erlangt, auf die Kräfte des Ätherleibes einen harmonisierenden Einfluß zu haben. Bei den Eingeweihten äußert sich diese Einwirkung auf den Ätherleib in der Weise, daß er in gewissen Phasen seines Lebens über Kräfte verfügen kann, die er sonst nicht haben würde. Budhi nennt man das, was so entsteht durch das Hineinarbeiten des Ich in den Ätherleib, und einen Menschen, der es so weit gebracht hat, nennt man einen Chela. In einem gewissen Zeitpunkt wird sich der Chela seiner früheren Erdenleben bewußt. (Siehe Anhang.)
[ 5 ] An occultist must be familiar with the method not only of working through the astral body, but also of working into the etheric body. The secret student consciously reshapes the etheric body so that he acquires the ability to exert a harmonizing influence on the forces of the etheric body. In the case of the initiated, this influence on the etheric body manifests itself in such a way that, during certain phases of his life, he can draw upon powers he would not otherwise possess. Budhi is the name given to what arises in this way through the “I” working into the etheric body, and a person who has reached this stage is called a chela. At a certain point, the chela becomes aware of his previous earthly lives. (See Appendix.)
[ 6 ] Zu allerletzt, auf einer sehr hohen Stufe der Entwickelung, bekommt der Mensch auch seinen physischen Leib in die Gewalt. Ein solcher Eingeweihter wird ein Meister genannt. So viel der Mensch . von seinem physischen Leib in die Gewalt bekommt, so viel ist in diesem Atma. Dieses Mysterium des Hineinarbeitens in den physischen Leib und das sich daraus ergebende Aufleuchten von Atma kann hier nicht behandelt werden.
[ 6 ] Finally, at a very high stage of development, a person also gains control over his physical body. Such an initiate is called a Master. To the extent that a person gains control over his physical body, to that extent is the Atma present within it. This mystery of working into the physical body and the resulting radiance of the Atma cannot be discussed here.
[ 7 ] Beim gegenwärtigen Menschen hat das Ich auf den physischen Leib geringen Einfluß, auf den Ätherleib etwas mehr, aber noch wenig, und auf den Astralleib den größten Einfluß. Alles, was vom Menschen-Ich im vorigen Leben noch nicht durchgearbeitet worden ist, wirkt auf dem Wege der gewöhnlichen Vererbung weiter und tritt ihm im neuen Leben als Karma entgegen: beim Menschen unserer Zeit also vom Astralleib ein geringerer oder größerer Teil, vom Ätherleib das meiste und vom physischen Leibe gewöhnlich alles. Könnte man nachforschen, so würde man bei einem Eingeweihten, bei einem Meister, folgendes finden: Wenn er geboren wird, dann sieht er der Familie nur äußerlich etwas ähnlich, er gleicht vielmehr in seiner ganzen Erscheinung der vorigen Inkarnation, weil er schon in den physischen Leib hineinarbeiten konnte. Am stärksten herrscht die Vererbung da, wo keine ausgesprochenen Individualitäten sich inkarnieren. Wo die Persönlichkeiten stark differenziert und ausgeprägt sind, da findet man wenig Ähnlichkeiten. Nehmen wir einen menschlichen Wesenskern mit bestimmten Fähigkeiten an, der vor Jahrhunderten inkarniert war und nun einer neuen Verkörperung zustrebt. Vermöge seiner Eigenschaften muß er sich hingezogen fühlen zu Eltern, deren physische Eigenschaften am meisten seinen Kapazitäten entsprechen. Er sucht sich die Familie aus, die ihm durch ihre leibliche Beschaffenheit und Wesensart den geeignetsten physischen Leib geben kann, den er gerade braucht, um seine Fähigkeiten ausleben zu können. Ein großer Musikergeist braucht eine Vorfahrenreihe, die ihm einen Leib geben kann, in dem er am besten ein Organ für seine Betätigung finden kann. Dies ist der Sinn des zunächst paradoxen Ausspruches: Die Eltern sind den Kindern ähnlich.
[ 7 ] In modern human beings, the ego has little influence on the physical body, somewhat more on the etheric body—though still very little—and the greatest influence on the astral body. Everything that the human “I” has not yet worked through in the previous life continues to exert an influence through the process of ordinary heredity and confronts the individual in the new life as karma: in the case of people of our time, therefore, a smaller or larger portion comes from the astral body, the majority from the etheric body, and usually everything from the physical body. If one were to investigate, one would find the following in the case of an initiate or a master: When he is born, he bears only an outward resemblance to the family; rather, his entire appearance resembles that of his previous incarnation, because he was already able to work into the physical body. Heredity is strongest where no distinct individualities incarnate. Where personalities are strongly differentiated and pronounced, few similarities are found. Let us assume a human core being with certain abilities that incarnated centuries ago and is now seeking a new embodiment. By virtue of its qualities, it must be drawn to parents whose physical characteristics best correspond to its capacities. It chooses the family that, through its physical constitution and nature, can provide the most suitable physical body—the one it currently needs to fully express its abilities. A great musical spirit needs a line of ancestors that can provide a body in which it can best find an instrument for its artistic expression. This is the meaning of the seemingly paradoxical statement: “Parents resemble their children.”
[ 8 ] Es entsteht noch die Frage: Hat der Mensch in Kamaloka und Devachan nichts anderes zu tun, als für sich selbst zu arbeiten?. Im Gegenteil, er arbeitet auch an der übrigen Welt. Daß der Mensch immer wieder zu neuen Verkörperungen schreitet, ist nicht sinn- und zwecklos, denn jedesmal hat sich die Erde wesentlich verändert. Nur wenn er etwas Neues lernen kann, kommt er wieder auf die Erde. Was auf dem physischen Plan vor sich geht, hat seinen Ursprung in den geistigen Welten. Wer hat die Stadt Leipzig geschaffen mit ihrer Kultur, ihren Häusern, Straßen und so weiter? Das hat der Menschengeist getan. Wer hat die Veränderungen der Flora in Mitteleuropa in den letzten tausend Jahren hervorgerufen? Das ist von geistigen Wesenheiten ausgegangen. Das Materielle ist eben der äußere Ausdruck rein geistiger Vorgänge. Aus dem Devachanplan spinnen sich die Fäden bis zu uns herunter. Die Pflanzenwelt entwickelt sich nicht von selbst, sie wird vom Devachan aus geleitet, von devachanischen Wesenheiten. Und das Tierreich? Ebensowenig wie sich die Steine der Häuser von selber hinlagern, ebensowenig verändert sich die Tierwelt von selbst. Alles, was sich innerhalb der Tierwelt verändert, wird vom Astralplan aus getan, wenigstens was die Tiere mit warmem Blut anbelangt. Die Naturwissenschaft führt die Veränderungen in der Tierwelt auf die Anpassung an die äußeren Lebensbedingungen zurück. Aber es ist ein Notbehelf, wenn man dafür das Wort Anpassung hinsetzt, denn es handelt sich um die Arbeit geistiger Wesenheiten. Die äußere Naturwissenschaft kann die wahren Ursachen dieser Veränderungen niemals entdecken, das kann nur die Geisteswissenschaft. Es gibt Wesenheiten, die es mit der Umgestaltung der Pflanzen- und Tierwelt unserer Erde zu tun haben. Auch der Mensch arbeitet, während er in Kamaloka und Devachan ist, daran mit. Nichts geschieht durch «Wunder», alles ist durch gesetzmäßige Wirksamkeiten bestimmt. So wie der Menschengeist auf dem physischen Plan von kleinen Zelten und Hütten allmählich bis zu Gemeinden und Staaten gestaltet hat, so bildet er auch im Devachan die uns umgebende Fauna und Flora mit um. Wir haben uns selbst das Nest bereitet, in das wir hineingeboren werden. Im Kamaloka allerdings arbeitet der Mensch an den verschiedenen Tierarten.
[ 8 ] This raises the question: Does the human being in Kamaloka and Devachan have nothing else to do but work on himself? On the contrary, he also works on the rest of the world. The fact that the human being repeatedly proceeds to new incarnations is not meaningless or purposeless, for each time the Earth has changed significantly. Only when there is something new to learn does a person return to Earth. What takes place on the physical plane has its origin in the spiritual worlds. Who created the city of Leipzig with its culture, its houses, streets, and so on? The human spirit did. Who brought about the changes in the flora of Central Europe over the last thousand years? These changes originated with spiritual beings. The material world is simply the outward expression of purely spiritual processes. Threads extend down to us from the Devachan plane. The plant world does not develop on its own; it is guided from Devachan by Devachanic beings. And the animal kingdom? Just as the stones of houses do not arrange themselves, the animal world does not change on its own. Everything that changes within the animal kingdom is brought about from the astral plane, at least as far as warm-blooded animals are concerned. Natural science attributes the changes in the animal kingdom to adaptation to external living conditions. But using the term “adaptation” in this context is a stopgap, for what is actually at work here are spiritual beings. Conventional science can never discover the true causes of these changes; only spiritual science can do so. There are beings involved in the transformation of the plant and animal kingdoms on our Earth. Human beings, too, contribute to this work while they are in Kamaloka and Devachan. Nothing happens through “miracles”; everything is governed by lawful processes. Just as the human spirit on the physical plane has gradually shaped the world from small tents and huts to communities and nations, so too does it help shape the fauna and flora that surround us in Devachan. We have prepared for ourselves the nest into which we are born. In Kamaloka, however, human beings work on the various animal species.
[ 9 ] Ehe der Mensch sich verkörpert, hat er eine Vorschau auf sein kommendes Erdenleben. Ist dies Leben schwer, dann kann er dabei einen starken Schock bekommen und wird dadurch unter Umständen zum Idioten, weil sein Ätherleib sich sträubt, in den physischen Leib hineinzusteigen, und dessen Kraftpunkt infolgedessen sich nach außerhalb des Gehirns verschiebt.
[ 9 ] Before a person incarnates, he has a preview of his coming earthly life. If this life is difficult, the person may experience a severe shock and, under certain circumstances, become mentally impaired because their etheric body resists entering the physical body, causing its center of power to shift outside the brain.
