The Gospel of St. John
GA 94
26 February 1906, Berlin
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The Gospel of St. John, tr. SOL
Das Johannes-Evangelium II
The Gospel of St. John II
[ 1 ] Das letzte Mal habe ich über die ersten zwölf Kapitel des JohannesEvangeliums gesprochen. Wir haben gesehen, daß das Lazaruswunder die Einweihung eines Menschen in die geistige Welt darstellt. Das Johannes-Evangelium ist so aufzufassen, daß jeder Satz in die höhere Welt weist. Wenn wir es in uns lebendig machen, lernen wir die christliche Einweihung kennen. Wer andere Formen der Schülerschaft kennt, wer weiß, daß es auch solche andere Einweihungswege gibt, der weiß auch, daß derjenige, der heute die Schülerschaft anstrebt, durch andere Methoden heraufgeleitet wird, wie sie ja auch den meisten von Ihnen bekannt sind. Diejenigen, die schon dem geistigen Leben nähergetreten sind, wissen, daß es noch eine esoterische Seite unserer geisteswissenschaftlichen Bestrebungen gibt. Die christliche Einweihung besitzt Ähnlichkeit mit anderen Einweihungswegen, aber heute kann man diesen Weg nicht nachvollziehen. Wer ihn beschreiten will, muß dies an der Hand eines kundigen Lehrers tun, aber angesichts unserer heutigen normalen Lebensbedingungen fragt es sich, ob dieser Weg überhaupt noch möglich ist. Lassen Sie uns das Lazaruswunder noch einmal ins Gedächtnis rufen, und zwar nur in bezug auf die christliche Einweihung.
[ 1 ] Last time, I spoke about the first twelve chapters of the Gospel of John. We saw that the miracle of Lazarus represents a person’s initiation into the spiritual world. The Gospel of John is to be understood in such a way that every sentence points to the higher world. When we bring it to life within ourselves, we come to know Christian initiation. Anyone familiar with other forms of discipleship—anyone who knows that such other paths of initiation also exist—also knows that those who strive for discipleship today are guided upward through other methods, as most of you are indeed aware. Those who have already drawn closer to the spiritual life know that there is also an esoteric aspect to our spiritual scientific endeavors. Christian initiation bears a resemblance to other paths of initiation, but today it is not possible to follow this path. Anyone who wishes to follow it must do so under the guidance of a knowledgeable teacher; however, given our normal living conditions today, it is questionable whether this path is even possible anymore. Let us recall the miracle of Lazarus once more, specifically in relation to Christian initiation.
[ 2 ] Gehen wir vom gewöhnlichen Schlafzustand aus. Was geschieht mit dem Menschen, der schläft? - Wir haben es beim Menschen zu tun mit dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich. Was geschieht nun im okkulten Sinne mit dem Menschen im Schlaf? - Da bleibt im Bette der physische und der Ätherleib, und der Astralleib hebt sich mit dem Ich heraus und schwebt beim unvollkommenen Menschen in der Form eines Ringes, später in der Form des physischen Leibes über diesen. Der Astralleib ist nicht untätig, er hat etwas zu tun. Wenn der Mensch wach ist, durchwebt das Astralische den physischen Körper. Wenn es herausgetreten ist, dann arbeitet es am physischen Leibe, es hegt und pflegt ihn. Der Astralleib verhält sich zum physischen Leib so wie der Arbeiter zur Maschine, aber mit dem Unterschiede, daß der Arbeiter hier in der Maschine darin ist, er durchseelt die verschiedenen Teile, die er in Bewegung bringt. Aber dieses Gleichnis vom Arbeiter an der Maschine trifft besser zu, wenn der Mensch im Schlafe liegt: Es wirkt der Astralleib von außen. Und was tut er? Er gleicht durch seine Arbeit am physischen Leibe die Schäden aus, welche dieser während des Tages erleidet. Man ersieht daraus, welchen Nachteilen Menschen ausgesetzt sind, die einen schlechten Schlaf haben. Auf den Astralleib selbst haben Wesenheiten Einfluß, die dem dritten Elementarreich angehören. Wesenheiten aus dem zweiten Elementarreich machen sich über den Ätherleib des Menschen her, und solche, die dem ersten Elementarreich angehören, verschaffen sich Zugang zum physischen Leib, um ihn zu zerstören. Nur wenn der Astralleib während des Schlafes am physischen Körper arbeitet, werden die Zerstörungsvorgänge ausgeglichen.
[ 2 ] Let us take the ordinary state of sleep as our starting point. What happens to a person who is asleep? — In human beings, we are dealing with the physical body, the etheric body, the astral body, and the I. What, then, happens to a person during sleep from an occult perspective? — The physical and etheric bodies remain in bed, while the astral body rises together with the “I” and, in the case of the imperfect human being, hovers above the physical body in the form of a ring, and later in the form of the physical body itself. The astral body is not idle; it has work to do. When a person is awake, the astral permeates the physical body. When it has stepped out, it works on the physical body, nurturing and caring for it. The astral body relates to the physical body like a worker to a machine, but with the difference that here the worker is inside the machine; he animates the various parts that he sets in motion. But this analogy of the worker at the machine applies more accurately when a person is asleep: The astral body acts from the outside. And what does it do? Through its work on the physical body, it compensates for the damage the latter sustains during the day. From this, one can see the disadvantages faced by people who sleep poorly. The astral body itself is influenced by beings belonging to the third elemental kingdom. Beings from the second elemental kingdom attack the human etheric body, and those belonging to the first elemental kingdom gain access to the physical body in order to destroy it. Only when the astral body works on the physical body during sleep are these destructive processes counteracted.
[ 3 ] Die bloße physische Erkenntnis ist hier ohne Einfluß. Wenn der Mensch aber anfängt, an sich geistig zu arbeiten, dann muß er auch für die Tätigkeit des Astralen am Physischen die nötigen Vorbedingungen schaffen. Die Meditation wirkt sich auf die Arbeit des astralichen Leibes am physischen und Ätherleib in der Nacht aus. Es dürfen nur gute Wesen Zugang zum Menschen finden. Wer die Einweihung sucht, muß sich die größtmögliche Ruhe verschaffen. Dazu gehört, daß er alle Aufregungsmittel, namentlich Alkohol meidet. Zu den Voraussetzungen eines jeden höheren Strebens zählt die Gedankenkontrolle, ein sittlich einwandfreies Leben und eben das Bestreben, sich nicht jeder Gemütsbewegung, weder dem Schmerz noch der Freude, hinzugeben, sondern ein seelisches Gleichgewicht zu bewahren. Damit wird auch die Möglichkeit herbeigeführt, daß gute Wesen tätig sind, wenn der Astralleib während des Schlafes am physischen und Ätherleib arbeitet.
[ 3 ] Mere physical awareness has no influence here. But when a person begins to work on themselves spiritually, they must also create the necessary conditions for the astral body to act upon the physical body. Meditation affects the work of the astral body on the physical and etheric bodies during the night. Only good beings should be allowed access to the human being. Anyone seeking initiation must ensure the greatest possible tranquility. This includes avoiding all stimulants, particularly alcohol. Among the prerequisites for any higher aspiration are control of one’s thoughts, a morally impeccable life, and the very effort not to surrender to every emotional impulse—whether pain or joy—but rather to maintain a spiritual equilibrium. This also creates the possibility for benevolent beings to be active when the astral body works on the physical and etheric bodies during sleep.
[ 4 ] Bei der Einweihung, wie sie im Johannes-Evangelium beschrieben ist, geht der Astralleib zusammen mit dem Ätherleib aus dem physischen Leib heraus. Dieser bleibt dann wie im Tode zurück. Das liegt zugrunde, wenn geschildert wird, daß Lazarus drei Tage im Grabe lag. Das Lazaruswunder ist also das Bild einer Einweihung. Es handelt sich darum, den Astral- und Ätherleib wieder in den physischen Leib zurückzuführen. Das vollbringt der Meister. Der Mensch ist jetzt ein Auferweckter, der sich an die Erlebnisse in den höheren Welten erinnern kann. Das ist bei jedem Menschen möglich. Was aber in alten Zeiten eine Prozedur von dreieinhalb Tagen war, vollzieht sich heute auf andere Weise. Das Ergebnis ist das gleiche, doch wird es mit anderen Methoden erreicht.
[ 4 ] In the initiation as described in the Gospel of John, the astral body, together with the etheric body, leaves the physical body. The physical body then remains behind, as in death. This is the basis for the description that Lazarus lay in the tomb for three days. The miracle of Lazarus is thus a symbol of an initiation. The process involves guiding the astral and etheric bodies back into the physical body. This is accomplished by the Master. The person is now a resurrected being who can recall the experiences in the higher worlds. This is possible for every human being. However, what in ancient times was a three-and-a-half-day procedure is carried out differently today. The result is the same, but it is achieved through different methods.
[ 5 ] Der Schüler des christlichen Einweihungsweges hatte sieben Prüfungen durchzumachen. Das waren nicht nur physische, sondern geistige Erlebnisse. Wer sie durchgemacht hatte, wußte, daß außerhalb des Leibes reale Erfahrungen möglich sind. Auf der ersten Stufe erfährt der Schüler, wie der Mensch das geworden ist, was er heute ist. Das wurde durch das folgende Gleichnis bewirkt: Die Pflanze muß einen mineralischen Boden haben. Das Mineralische steht zwar tiefer als die Pflanze, aber die Pflanze muß sich niedersenken und sagen: Dir, Stein, der du zwar niedriger bist als ich, verdanke ich mein Dasein, mein Leben. — Höher als die Pflanze steht das Tier. Es atmet Sauerstoff ein und Kohlenstoff aus, sonst kann es nicht leben. Die Pflanze atmet den Sauerstoff aus. Das Tier muß zur Pflanze sagen: Zu dir, Pflanze, neige ich mich in Demut, denn ohne dich könnte ich nicht sein. -— Und so verhält sich der höher stehende Mensch zum niedriger stehenden. Auch er muß zu diesem sagen: Ohne daß du da bist, bin ich nicht. — Mit diesem Gefühl muß man sich ganz durchdringen und sich in Demut neigen. Aus seinem tiefsten Erleben heraus muß der Mensch sich beugen können vor denen, die niedriger sind als er. Das ist die Fußwaschung, die erste Stufe der christlichen Einweihung: Christus neigt sich vor den Jüngern und wäscht ihnen die Füße. Was hier durchlebt wird, stellt ein Symbol der höheren Welt dar. Wer geistig in dieser höheren Welt leben kann, wer das geschilderte Gefühl ausgebildet hat wie Lazarus, der erlebt die Fußwaschung in der höheren Welt. Wer die Erniedrigung in der physischen Welt erlebt, der erlebt in einer höheren Welt die Fußwaschung. Dieses Erlebnis zeigt ihm an, daß er die erste Stufe auf dem Wege zur Einweihung erreicht hat. Auch im Körperlichen drückt sich das aus: er hat ein Gefühl, als wenn ihm alle Muskeln neu gestärkt würden. Stählen der Muskeln nach dem Gefühl der Erniedrigung, das entspricht der ersten Stufe.
[ 5 ] The student on the Christian path of initiation had to undergo seven trials. These were not only physical but also spiritual experiences. Those who had undergone them knew that real experiences are possible outside the body. At the first stage, the student learns how human beings became what they are today. This was illustrated by the following parable: The plant must have mineral soil. Although the mineral lies deeper than the plant, the plant must lower itself and say: “To you, stone, who are indeed lower than I, I owe my existence, my life.” — The animal stands higher than the plant. It inhales oxygen and exhales carbon dioxide; otherwise, it cannot live. The plant exhales oxygen. The animal must say to the plant: “To you, plant, I bow in humility, for without you I could not exist.” — And so does the higher-standing human relate to the lower-standing one. He, too, must say to the latter: “Without your existence, I do not exist.” — One must allow this feeling to permeate one’s entire being and bow in humility. From the depths of his innermost experience, a human being must be able to bow before those who are lower than he is. This is the washing of the feet, the first stage of Christian initiation: Christ bows before the disciples and washes their feet. What is experienced here represents a symbol of the higher world. Whoever can live spiritually in this higher world, whoever has developed the feeling described here—like Lazarus—experiences the washing of the feet in the higher world. Whoever experiences humiliation in the physical world experiences the washing of the feet in a higher world. This experience indicates to them that they have reached the first stage on the path to initiation. This is also expressed physically: they have a feeling as if all their muscles were being strengthened anew. The strengthening of the muscles following the feeling of humiliation corresponds to the first stage.
[ 6 ] Die zweite Stufe der christlichen Einweihung sind Geißelung und Backenstreiche. Der Mensch muß lernen, das, was ihm früher weh getan hat, ruhig zu ertragen, die Schmerzen der Welt auf sich zu nehmen. Das drückt sich ebenfalls in der höheren Welt aus: diese Seelenstärke symbolisiert sich als Geißelung und wie wirkliche Schläge. Dann fühlt der Schüler eines Tages eine Art Stechen am ganzen Leibe, ein Zeichen, daß er bestanden hat. Das ist ein reales Erlebnis, das der Mensch durchmacht, der aus eigener Erfahrung den Weg geht. Die hohen Mystiker haben das erfahren. Ein solcher Mensch hat also die zweite Stufe erreicht.
[ 6 ] The second stage of Christian initiation consists of scourging and slaps to the face. A person must learn to calmly endure what once caused them pain and to take upon themselves the sufferings of the world. This is also expressed in the higher world: this strength of soul is symbolized as scourging and as actual blows. Then, one day, the student feels a kind of stinging sensation throughout his entire body—a sign that he has passed the test. This is a real experience that a person undergoes when he walks the path from his own experience. The great mystics have experienced this. Such a person has thus reached the second stage.
[ 7 ] Die dritte Stufe ist die Dornenkrönung. Sie ist damit verbunden, daß man nicht nur Schmerzen, sondern sogar Verachtung von seinen Mitmenschen erträgt. Man muß Festigkeit erringen, um die Auslöschung zu ertragen, wenn niemand mehr da ist, der einem Mut und Stärke geben kann, als man selbst, wenn einem gar kein Wert mehr beigemessen wird und man doch innerlich aufrecht bleibt. So muß das erlebt werden. Das lebt sich aus in der geistigen Welt wie die Dornenkrönung: der Mensch sieht sich selbst mit der Dornenkrone. Am physischen Leib werden Schmerzen am Kopf empfunden. Das Gehirn macht Veränderungen durch, ein Vorgang, der auch später während des Wachzustandes bemerkbar wird.
[ 7 ] The third stage is the crowning with thorns. It involves enduring not only pain but even contempt from one’s fellow human beings. One must develop inner fortitude to endure this sense of annihilation—when there is no one left to give one courage and strength except oneself, when one is deemed to have no value whatsoever, and yet one remains upright within. This is how it must be experienced. This plays out in the spiritual world just as the crowning with thorns does: the person sees themselves wearing the crown of thorns. In the physical body, pain is felt in the head. The brain undergoes changes, a process that becomes noticeable later even while awake.
[ 8 ] Der vierte Grad ist die Kreuzigung. Das wird dadurch erlebt, daß der Mensch lernt, seinen eigenen Leib wie einen fremden Gegenstand zu empfinden, etwa wie ein Stück Holz. Er verbindet sein Ich nicht mehr mit seinem Leibe. In der geistigen Welt sieht er sich mit dem Kreuz auf dem Rücken. Damit ist die vierte Stufe erreicht. Physisch drückt sich dies als Stigmatisierung aus: die Wundmale treten auf. Bei gewissen Heiligen ist das keine Sage, sondern es bezeichnet, daß sie diese vierte Stufe erreicht haben. Solche Heiligen sind Kreuzträger.
[ 8 ] The fourth stage is the crucifixion. This is experienced when a person learns to perceive his own body as if it were a foreign object—much like a piece of wood. He no longer identifies his “I” with his body. In the spiritual world, they see themselves with the cross on their back. With this, the fourth stage is reached. Physically, this manifests as stigmatization: the stigmata appear. In the case of certain saints, this is not merely a legend, but indicates that they have reached this fourth stage. Such saints are bearers of the cross.
[ 9 ] Ist der Mensch so weit gediehen, so gelangt er zur fünften Stufe. Das ist der mystische Tod. Dem Schüler scheint die ganze Welt wie mit einem Schleier verdeckt zu sein. Alles um ihn her hat seinen alten Wert verloren. Während er sich so in der Finsternis fühlt, zerreißt plötzlich der Vorhang, und der Mensch beginnt, die geistigen Urziele zu schauen. Er blickt in eine ganz neue Welt hinein. Zugleich lernt er erkennen, was auf dem Grunde der menschlichen Seele liegt. Er wird ein Zweiter neben sich und sieht auf sein niederes Ich herab, das er getrennt von sich erschaut. Sein Leib ist die Mutter, die er unter sich stehen sieht, und das verwandelte niedere Ich ist der Jünger, der Zeugnis davon ablegt, daß der Christus lebt. Nun kann das höhere Ich zu dem niederen Ich sagen: «Siehe, das ist deine Mutter!»
[ 9 ] Once a person has progressed this far, he reaches the fifth stage. This is the mystical death. To the student, the entire world seems to be veiled. Everything around him has lost its former value. While he feels himself to be in darkness, the veil suddenly tears apart, and the human being begins to perceive the spiritual primordial goals. He gazes into a completely new world. At the same time, he learns to recognize what lies at the very core of the human soul. He becomes a second self beside himself and looks down upon his lower self, which he perceives as separate from himself. His body is the mother whom he sees standing beneath him, and the transformed lower self is the disciple who bears witness that Christ lives. Now the higher self can say to the lower self: “Behold, this is your mother!”
[ 10 ] Wenn der Mensch diese fünfte Station durchgemacht hat, kann er zur sechsten, der Grablegung und Auferstehung, fortschreiten. Alles, was zum Planeten gehört, wird zum Leib des christlichen Mystikers. Er fühlt auf dieser Stufe, als ob die ganze Erde zu ihm gehört. Der Mensch hat aufgehört, ein Sonderwesen zu sein, er ist eins mit dem ganzen Erdenleben. Mit ihm ist er innerlich durch die Grablegung verbunden. Das Grab wird zur Quelle seiner Erfahrung: Mensch und Tier, Pflanze und Stein um ihn umher werden durchsichtig. Er hat sein Sondersein verloren, aber er hat das Leben der ganzen Erde, ihr höheres Leben, in sich aufgenommen. Die siebente Stufe wird die Himmelfahrt genannt. Sie bedeutet die völlige Aufnahme in die geistige Welt.
[ 10 ] Once a person has passed through this fifth station, he can proceed to the sixth: the Entombment and Resurrection. Everything that belongs to the planet becomes the body of the Christian mystic. At this stage, he feels as if the entire Earth belongs to him. The human being has ceased to be a separate entity; he is one with all earthly life. He is inwardly connected to it through the burial. The tomb becomes the source of his experience: humans and animals, plants and stones around him become transparent. He has lost his separate existence, but he has absorbed the life of the entire Earth—its higher life—into himself. The seventh stage is called the Ascension. It signifies complete absorption into the spiritual world.
[ 11 ] Das Johannes-Evangelium ist eine Schilderung dieses christlichen Einweihungsweges. Wer es als einen äußeren Bericht nimmt, versteht es nicht. Es ist erst zu verstehen, wenn der Mensch es innerlich durchlebt. In diesem Sinne sagt Angelus Silesius:
[ 11 ] The Gospel of John is an account of this Christian path of initiation. Those who regard it merely as an external narrative do not understand it. It can only be understood when a person experiences it inwardly. In this sense, Angelus Silesius says:
Wenn du dich über dich erhebst und läßt Gott walten
So wird in deinem Geist die Himmelfahrt gehalten.
When you rise above yourself and let God take the reins
Then the Ascension takes place within your spirit.
[ 12 ] Wie kein Wesen das äußere Sonnenlicht sehen kann, wenn ihm nicht die Augen aufgeschlossen sind, so kann niemand das Geheimnis von Golgatha verstehen, wenn er es nicht innerlich erlebt. Erst wenn der Mensch zu einem solchen inneren Erleben gelangt, wird er einsehen, warum die Zeitrechnung in zwei Teile, vor und nach Christus, zerfällt.
[ 12 ] Just as no being can see the light of the sun unless its eyes are opened, so no one can understand the mystery of Golgotha unless they experience it inwardly. Only when a person attains such an inner experience will they understand why the calendar is divided into two parts: before and after Christ.
[ 13 ] Das Christentum erlangt erst seine wahre Bedeutung, wenn es als innerer Weg durchgemacht wird. Das Johannes-Evangelium ist eine Schrift, die Satz für Satz erlebt werden kann. Und wer es erlebt hat, weiß, daß äußere Kritik gar keine Bedeutung hat. In dem Augenblick verschwindet jede Kritik, jeder Zweifel schwindet, wenn der Mensch weiß: du sollst das, was geschrieben steht, durch und durch erleben. Jede Zeile kann innerlich durchlebt werden.
[ 13 ] Christianity only attains its true meaning when it is lived as an inner journey. The Gospel of John is a text that can be experienced sentence by sentence. And anyone who has experienced it knows that external criticism is completely meaningless. In that moment, all criticism vanishes and every doubt fades when a person realizes: you must experience what is written through and through. Every line can be lived through inwardly.
