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Original Impulses of Spiritual Science
GA 96

14 May 1906, Berlin

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4. Erziehungspraxis auf der Grundlage spiritueller Erkenntnis

4. Educational Practice Based on Spiritual Knowledge

[ 1 ] Öfter schon habe ich hier die Gelegenheit ergriffen, das Vorurteil zurückzuweisen, als ob die theosophische Weltanschauung der Praxis des Lebens völlig fern stehe. Wir haben im Gegenteil oft Veranlassung gehabt, darauf hinzuweisen, wie die Theosophie in das praktische Leben tief hineinführen soll, weil sie die Gesetze dessen kennen lehrt, was fortwährend das Leben um uns gestaltet. Wer nur das kennt, was die Gesetze des äußeren Lebens sind, dem ist nur ein kleiner Teil des Lebens bekannt. Der weitaus größte Teil gehört nämlich zu den verborgenen Dingen des Lebens, verborgen für die äußeren Sinne. Nun wird gewiß in nicht gar zu ferner Zukunft die Menschheit immer mehr einsehen, daß man die verborgenen Welten studieren muß, um mit dem Leben zurechtzukommen, denn die materialistische Gesinnung würde zu einer Krisis auf allen Gebieten führen, vor allem auf gesundheitlichem Gebiet wie auch im Erziehungssystem, wo sich die Frage erhebt: Wie sollen die Menschen die zukünftige Generation heranbilden? — Und nicht zuletzt in allen gesellschaftlichen, politischen und Kulturfragen würde der Materialismus eine Krisis herbeiführen: Das Leben würde sich so gestalten, daß man eines Tages nicht mehr wissen würde, wie man sich noch helfen soll. Zur Erläuterung dessen, was ich meine, möchte ich einiges über Erziehungsfragen sagen, die wenigstens jeden interessieren müssen.

[ 1 ] I have often taken the opportunity here to refute the prejudice that the Theosophical worldview is completely detached from practical life. On the contrary, we have often had reason to point out how Theosophy is intended to lead us deep into practical life, because it teaches us the laws of that which continually shapes life around us. Those who know only the laws of external life are familiar with only a small part of life. The vast majority of it, in fact, belongs to the hidden aspects of life—hidden from the external senses. Now, certainly in the not-too-distant future, humanity will increasingly realize that one must study the hidden worlds in order to cope with life, for a materialistic mindset would lead to a crisis in all areas—especially in the field of health as well as in the educational system, where the question arises: How are people to raise the future generation? — And not least in all social, political, and cultural matters, materialism would bring about a crisis: Life would take such a turn that one day we would no longer know how to help ourselves. To explain what I mean, I would like to say a few words about educational issues, which must be of interest to everyone, at the very least.

[ 2 ] Wer sich vom materialistischen Standpunkt mit der Erziehungsfrage befaßt, wird sehr leicht zu den allerverkehrtesten Maßregeln kommen. Denn er wird nie bedenken, wie streng gesetzmäßig das ganze Leben verläuft, und er berücksichtigt daher nicht, daß es ins Leben tief eingreifende Zeitabschnitte gibt. Man kann sich einfach nicht denken, warum zum Beispiel die Epoche der Kindheit, die mit dem sechsten bis achten Jahre abläuft, sich so grundwesentlich unterscheidet von der des Mädchen- und Knabenalters, also der Zeit vom siebenten oder achten Jahre ungefähr bis zur Geschlechtsreife. Wer aber keine Ahnung hat, was in dieser Zeit mit dem Menschen geschieht, kann sich auch nicht vorstellen, wie wichtig es ist, diese Zeitabschnitte genau zu beobachten. Es ist nicht gleichgültig, ob man weiß, was der Mensch in diesen drei Epochen ist: in der ersten, die bis zum sechsten bis achten Jahre geht, in der zweiten, die bis zum vierzehnten oder fünfzehnten Jahre reicht, und dann wieder in der folgenden Zeit, die nächsten sieben bis acht Jahre hindurch. Das sind drei Altersstufen im Leben des Menschen, die ganz genau studiert werden müssen, nicht nur im äußeren Sinne, sondern vom Standpunkt des Okkultismus aus, der sich mit den für die äußeren Sinne verborgenen Welten befaßt. — Sie wissen, daß der Mensch nicht nur aus diesem physischen Leibe besteht, sondern aus dem physischen Leibe, dem Ätherleibe, der dem physischen zugrunde liegt und ihm ähnlich gestaltet ist, und dann dem Astralleib, der sich für den Hellseher als eine Wolke ausnimmt, in der die beiden erstgenannten Körper eingebettet sind. In diesen eingehüllt haben wir den Ich-Träger. Diese drei Körper wollen wir einmal beim werdenden Menschen betrachten.

[ 2 ] Anyone who approaches the question of education from a materialistic standpoint will very easily arrive at the most misguided measures. For they will never consider how strictly life as a whole follows natural laws, and therefore fail to take into account that there are periods in life that have a profound impact on it. It is simply impossible to comprehend why, for example, the childhood phase—which lasts from the ages of six to eight—differs so fundamentally from the phase of adolescence, that is, the period from about the ages of seven or eight until sexual maturity. But anyone who has no idea what happens to a person during this time cannot imagine how important it is to observe these periods closely. It is by no means irrelevant whether one knows what a person is during these three epochs: the first, which lasts from ages six to eight; the second, which extends to ages fourteen or fifteen; and then again during the subsequent period, spanning the next seven to eight years. These are three stages of development in a person’s life that must be studied very closely—not only from an external perspective, but also from the standpoint of occultism, which deals with the worlds hidden from the external senses. — You know that a human being consists not only of this physical body, but also of the physical body, the etheric body—which underlies the physical body and is shaped similarly to it—and then the astral body, which appears to the clairvoyant as a cloud in which the first two bodies are embedded. Enveloped within these is the bearer of the “I.” Let us now consider these three bodies in the developing human being.

[ 3 ] Wenn Sie sich eine richtige Vorstellung davon bilden wollen, so müssen Sie sich klarmachen, daß vor den Zeitabschnitten, in denen der Mensch äußerlich gesehen werden kann, noch der Zeitabschnitt vor der Geburt liegt, wo der Mensch im Leibe der Mutter lebt. Sie müssen rein physisch unterscheiden zwischen dem Leben vor der Geburt und den folgenden Zeiträumen und sich klarmachen, daß der Mensch nicht leben könnte, wenn er zu früh geboren würde, zu früh in die äußere sichtbare Welt treten würde. Er könnte in der äußeren Welt nicht leben, weil seine Sinnesorgane, mit denen er mit der äußeren Welt in Verkehr tritt, noch nicht genügend ausgebildet sind. Während der Mensch bis zu seiner Geburt vom Mutterleib umschlossen ist, werden seine Organe — Augen, Ohren, und alles was er braucht, um in der physischen Welt zu leben - ausgebildet. Bevor seine Organe innerhalb der schützenden Hülle eines anderen physischen Körpers genügend vorbereitet sind, kann der Mensch nicht mit der physischen Welt in Berührung treten. Die Geburt ist der Zeitpunkt, in welchem der Mensch soweit reif ist, daß er ohne eine schützende Hülle mit der Umwelt in Berührung treten kann. Dasselbe ist dann aber noch lange nicht mit dem Ätherleib und Astralleib der Fall. Sie sind noch nicht so weit, daß sie ebenfalls mit der Umwelt in unmittelbare Berührung treten können. Ein ganz ähnlicher Prozeß, wie er vor der Geburt des Menschen mit dem physischen Leibe vor sich geht, geht mit dem Ätherleib in dem Zeitraum von der Geburt bis ungefähr zum siebenten Jahre vor sich. Erst dann, kann man sagen, wird der Ätherleib geboren. Und erst mit dem vierzehnten bis fünfzehnten Jahre wird der Astralleib geboren, der alsdann eine freie, selbständige Tätigkeit gegenüber der Umwelt entfalten kann.

[ 3 ] If you want to form a correct understanding of this, you must realize that before the periods in which a human being can be seen externally, there is still the period before birth, when the human being lives in the mother’s womb. You must make a purely physical distinction between life before birth and the subsequent periods, and realize that a human being could not survive if born too early—if entering the outer, visible world too soon. They could not live in the outer world because their sense organs, through which they interact with the outer world, are not yet sufficiently developed. While the human being is enclosed in the mother’s womb until birth, its organs—eyes, ears, and everything it needs to live in the physical world—are developing. Before its organs are sufficiently prepared within the protective shell of another physical body, the human being cannot come into contact with the physical world. Birth is the moment when a human being is mature enough to come into contact with the environment without a protective shell. However, this is by no means yet the case with the etheric and astral bodies. They are not yet ready to come into direct contact with the environment either. A process very similar to that which takes place with the physical body before a person’s birth occurs with the etheric body during the period from birth to about the age of seven. Only then, one might say, is the etheric body born. And it is not until the age of fourteen or fifteen that the astral body is born, which can then develop a free, independent activity in relation to the external environment.

[ 4 ] Sie müssen sich also klar darüber sein, daß bis zum siebenten Jahre an den Ätherleib, und bis zum vierzehnten Jahre an den Astralleib keine besonderen Anforderungen gestellt werden dürfen. Wenn man den Ätherleib eines Kindes der brutalen Umwelt aussetzen würde, so wäre das gerade so, als ob man ein Kind im fünften Monat des Embryonalzustandes der Außenwelt übergeben würde, obwohl es nicht mit der gleichen Vehemenz zutage treten würde. Entsprechendes gilt für den Fall, daß Sie vor dem vierzehnten Jahre den Astralleib der Umwelt aussetzen. Darüber müssen Sie sich klar sein: Bis zum siebenten Jahre ist erst der physische Körper so weit geboren, daß die Umwelt einen vollen Einfluß auf ihn ausüben darf. Der Ätherkörper ist bis zum siebenten Jahre so sehr mit sich selbst beschäftigt, daß man ihn schädigen würde, wenn man auf ihn besonders einwirken würde. Bis zu diesem Zeitpunkt sollte also nur auf den physischen Leib eingewirkt werden. Vom siebenten bis zum vierzehnten Jahre darf die Erziehung des Ätherleibes in die Hand genommen werden, und erst vom fünfzehnten Jahre ab kann man auf den Astralleib von außen durch die Erziehung wirken.

[ 4 ] You must therefore be aware that no special demands may be placed on the etheric body until the age of seven, nor on the astral body until the age of fourteen. If one were to expose a child’s etheric body to a brutal environment, it would be just as if one were to hand over a child in the fifth month of its embryonic state to the outside world, although the consequences would not manifest with the same vehemence. The same applies if you expose the astral body to the environment before the age of fourteen. You must be clear about this: By the age of seven, only the physical body has developed to the point where the environment may exert a full influence on it. Until the age of seven, the etheric body is so preoccupied with itself that one would harm it by exerting a specific influence on it. Therefore, up to this point, one should focus only on the physical body. From the seventh to the fourteenth year, the education of the etheric body may be undertaken, and only from the fifteenth year onward can one influence the astral body from the outside through education.

[ 5 ] Auf den physischen Leib des Menschen einwirken, heißt, dem Kinde äußere Eindrücke zu vermitteln. Durch die äußeren Eindrücke wird der physische Leib herangebildet. Daher ist auch das, was bis zum siebenten Jahre versäumt worden ist, später kaum noch nachzuholen. Bis zum siebenten Jahre ist der physische Leib in einem solchen Stadium begriffen, daß er durch äußere sinnliche Eindrücke herangebildet werden sollte. Wenn das Auge des Kindes bis zum siebenten Jahre nur Schönes sieht, bildet es sich so heran, daß es das ganze Leben hindurch ein Empfinden für das Schöne behält. Später kann der Schönheitssinn nicht mehr auf die gleiche Weise entwickelt werden. Was Sie dem Kinde im ersten Jahrsiebent sagen oder was Sie tun, ist viel weniger wichtig, als die Art, wie man seine Umgebung gestaltet und was das Kind sieht und hört. Die inneren Wachstumskräfte müssen bis dahin durch die äußeren Eindrücke herangefördert werden. Der frei gestaltende Geist des Kindes formt aus einem Stück Holz, das ein paar Punkte und Striche für Augen, Nase und Mund hat, eine menschliche Figur. Wenn das Kind aber eine möglichst schön geformte Puppe bekommt, so hat es etwas, woran es gebunden ist; daher haftet dann die innere Geisteskraft an dem, was schon da ist und wird nicht zur eigenen Tätigkeit herausgefordert - sie ist gebunden -, und damit geht die gestaltende Phantasiekraft für das spätere Leben überhaupt fast verloren.

[ 5 ] To influence a person’s physical body means to convey external impressions to the child. The physical body is shaped by these external impressions. Therefore, what has been neglected up to the age of seven can hardly be made up for later. Up to the age of seven, the physical body is at a stage where it should be shaped by external sensory impressions. If a child’s eye sees only beauty up to the age of seven, it develops in such a way that the child retains a sense of beauty throughout life. Later on, the sense of beauty can no longer be developed in the same way. What you say to the child or do for the child during the first seven years is far less important than the way you shape their environment and what the child sees and hears. Until then, the inner forces of growth must be fostered through external impressions. The child’s freely creative spirit shapes a human figure out of a piece of wood that has a few dots and lines for eyes, nose, and mouth. But if the child is given a doll that is as beautifully shaped as possible, the child has something to which it is attached; consequently, the inner spiritual power clings to what is already there and is not challenged to engage in its own activity—it is bound—and thus the creative power of the imagination is almost entirely lost for later life.

[ 6 ] So ist es weitgehend mit allen Eindrücken der Sinneswelt. Was Sie selbst in der Umgebung des Kindes sind, was das Kind unmittelbar sieht oder hört, darauf kommt es an. Es wird ein guter Mensch, wenn es um sich gute Menschen sieht. Es ahmt die Dinge, die es um sich herum wahrnimmt, nach. Gerade auf die Nachahmungskraft, auf die Wirkung des Beispiels muß man den allergrößten Wert legen. Daher wird das richtige sein: möglichst viel vormachen, damit das Kind möglichst viel nachmachen kann. In diesem Sinne muß also auf die Pflege des physischen Leibes in der Zeit vom ersten bis siebenten Jahre der Hauptwert gelegt werden. Auf die höheren Leiber kann man in diesem Alter noch nicht durch Erziehungsmaßnahmen wirken, überhaupt nicht durch bewußte Erziehung; sondern auf diese Leiber wirken Sie, solange sie noch ganz mit sich selbst beschäftigt sind, durch das, was Sie eben sind. Ein kluger Mensch wird durch seine Klugheit in dem Kinde selbst die Klugheit zum Wirken bringen. Im übrigen hat sich der Erzieher zu bemühen, in der Umgebung eines Kindes ein möglichst geschlossener Mensch zu sein, möglichst hohe und gute Gedanken zu haben — wie ein gesunder Leib der Mutter gesund auf den Körper des Kindes wirkt.

[ 6 ] This is largely true of all sensory impressions. What you yourself are in the child’s environment—what the child directly sees or hears—is what matters. The child will become a good person if it sees good people around it. It imitates the things it perceives in its surroundings. It is precisely this power of imitation—the influence of example—that must be given the highest priority. Therefore, the right approach is to demonstrate as much as possible so that the child can imitate as much as possible. In this sense, the primary emphasis must be placed on the care of the physical body during the period from the first to the seventh year. At this age, one cannot yet influence the higher bodies through educational measures—and certainly not through conscious education; rather, you influence these bodies—as long as they are still entirely absorbed in themselves—simply by being who you are. A wise person will, through their wisdom, awaken wisdom within the child itself. Furthermore, the educator must strive to be as well-integrated a person as possible in the child’s environment, to have thoughts that are as lofty and good as possible—just as the mother’s healthy body has a healthy effect on the child’s body.

[ 7 ] Mit dem siebenten Jahre beginnt die Zeit, wo Sie den Ätherleib durch vorsätzliche Maßnahmen erziehen können. Dabei kommen zwei Dinge in Betracht: Gewohnheiten und Gedächtnis, die mit der Entwickelung des Ätherleibes zusammenhängen. Je nachdem der Mensch diese oder jene Gewohnheiten hat oder das eine oder andere in sein Gedächtnis aufnimmt, bildet er seinen Ätherleib. Daher soll man versuchen, dem heranwachsenden Menschen eine feste Lebensgrundlage zu geben, die in guten Gewohnheiten wurzelt. Wer jeden Tag etwas anderes tut, nicht eine sichere Basis für seine Handlungen hat, der wird ein charakterloser Mensch werden. Einen Grundstock von Gewohnheiten herauszubilden, ist daher der Zeit vom siebenten bis vierzehnten Jahre vorbehalten. Auch auf das Gedächtnis muß in dieser Zeit eingewirkt werden. Es ist also erforderlich, daß das Kind gediegene Gewohnheiten und einen Schatz von gedächtnismäßigem Wissen erhält. Tatsächlich ist es nur ein Fehler der materialistischen Zeit, zu glauben, daß das Kind möglichst früh zu eigenem Urteil angehalten werden müsse. Man sollte im Gegenteil alles tun, um das Kind davor zu schützen. In dieser Zeit soll sich das Kind die Dinge noch auf Autorität hin aneignen. Die Menschen, die um ein Kind herum sind, sollen in dessen zweitem Jahrsiebent nicht lediglich durch Beispiel, sondern direkt durch die Unterweisung auf das Kind einwirken. Nicht immer mit dem «warum» und « weil», sondern dadurch, daß alles auf Autorität gebaut ist, werden starke Gedächtnisschätze ausgebildet. Daher muß das Kind von Menschen umgeben sein, auf die es bauen kann, zu denen es Vertrauen hat und die in dem Kinde den guten Glauben an die eigene Autorität wachrufen. Erst nach diesem Lebensabschnitt soll das Kind zur Urteilskraft und zur selbständigen Erkenntnis geführt werden. Durch das vorzeitige Freimachen von der Autorität nehmen Sie dem Ätherleib die Möglichkeit zu gründlicher Ausbildung. Daher ist es am besten, wenn man dem Kind im zweiten Jahrsiebent nicht Beweise und Urteile, sondern Beispiele und Gleichnisse vermittelt. Urteile wirken nur auf den Astralleib, und dieser ist dafür noch nicht frei. Man sollte dem Kinde möglichst viel von großen Persönlichkeiten erzählen. Die Anschauung solcher historischer Persönlichkeiten soll auf das Kind einfach so wirken, daß es diesen Gestalten nacheifert. Auch die Frage nach dem Tode und der Geburt ist viel besser durch das Beispiel zu beantworten. Wer die Natur heranzuziehen vermag, wird sehen, was er gerade damit bewirken kann. Man führt dem Kind etwa die Raupe vor Augen und zeigt ihm, wie sie sich zur Puppe einspinnt und wie sich aus dieser Puppe schließlich der Schmetterling entfaltet — das ist ein wunderschönes Beispiel für die Entstehung des Kindes aus der Mutter heraus. So kann viel erreicht werden, wenn der Natur selbst Vergleiche entlehnt werden.

[ 7 ] At the age of seven, the period begins during which you can develop the etheric body through deliberate actions. Two factors come into play here: habits and memory, which are connected to the development of the etheric body. Depending on whether a person has certain habits or retains certain things in their memory, they shape their etheric body. Therefore, one should strive to give the growing child a solid foundation for life rooted in good habits. Anyone who does something different every day and lacks a secure basis for their actions will become a person of weak character. The period from the seventh to the fourteenth year is therefore reserved for establishing a foundation of habits. The memory must also be cultivated during this time. It is therefore essential that the child acquire sound habits and a treasure trove of knowledge stored in memory. In fact, it is merely a mistake of our materialistic age to believe that children should be encouraged to form their own judgments as early as possible. On the contrary, every effort should be made to protect the child from this. During this period, the child should still acquire knowledge based on authority. The people around a child should influence the child during its second seven-year period not merely by example, but directly through instruction. It is not always through “why” and “because,” but rather by grounding everything in authority that a strong store of memories is formed. Therefore, the child must be surrounded by people on whom they can rely, whom they trust, and who awaken in the child a firm belief in their own authority. Only after this stage of life should the child be guided toward the power of judgment and independent understanding. By freeing the child from authority too early, you deprive the etheric body of the opportunity for thorough development. Therefore, it is best to provide the child in the second seven-year period not with proofs and judgments, but with examples and parables. Judgments affect only the astral body, and the astral body is not yet ready for them. One should tell the child as much as possible about great personalities. The sight of such historical figures should simply inspire the child to emulate them. The question of death and birth, too, is much better answered through example. Those who are able to draw on nature will see exactly what they can achieve through it. For example, one might show the child a caterpillar and demonstrate how it spins itself into a chrysalis and how the butterfly eventually emerges from that chrysalis—this is a wonderful example of the child’s emergence from the mother. Much can be achieved in this way by drawing analogies from nature itself.

[ 8 ] Ebenso wichtig ist es, dem Kinde nicht sittliche Grundsätze, sondern sittliche Gleichnisse einzuschärfen. Deutlich zeigen das einige Aussprüche des Pythagoras. Statt zu deklamieren: Du sollst, wenn du irgend etwas unternehmen willst, dich nicht mit Dingen befassen, deren Erfolglosigkeit du von vornherein absehen kannst! — sagte Pythagoras kurz und bündig: Schlage nicht mit dem Schwert ins Feuer! — Das ist ein besonders gutes Beispiel dafür. Und für die Unterweisung: Du sollst dich nicht in das hineinmischen, wofür du noch nicht reif bist! — wandte er den Satz an: Enthalte dich der Bohnen! — Das hatte neben der rein physischen auch eine moralische Anwendung. Wenn man im alten Griechenland über irgend etwas entscheiden wollte, verteilte man schwarze und weiße Bohnen und zählte dann ab, wieviel Bohnen von der einen und der anderen Farbe abgegeben wurden. Auf diese Weise wurden auch Wahlen vorgenommen. In diesem Sinne sagte Pythagoras statt: Ihr seid noch nicht reif, euch in öffentliche Angelegenheiten zu mischen! — einfach: Enthaltet euch der Bohnen!

[ 8 ] It is equally important to instill in children not moral principles, but moral parables. This is clearly illustrated by some of Pythagoras’ sayings. Instead of declaring: “When you want to undertake anything, you should not concern yourself with things whose failure you can foresee from the outset!” — Pythagoras said succinctly: “Do not strike the fire with a sword!” — This is a particularly good example of that. And for the lesson: “You should not meddle in matters for which you are not yet ready!” — he applied the saying: “Abstain from beans!” — This had a moral application in addition to the purely physical one. In ancient Greece, when a decision had to be made about something, people would distribute black and white beans and then count how many beans of each color were cast. Elections were also conducted in this manner. In this sense, instead of saying, “You are not yet ready to get involved in public affairs!”—Pythagoras simply said: “Abstain from the beans!”

[ 9 ] An die bildende Kraft der Phantasie wird auf diese Weise appelliert, und nicht an die Kraft des Verstandes. Je mehr Sie sich des Bildlichen bedienen, desto mehr wirken Sie auf das Kind. Nichts Schöneres konnte daher die Mutter Goethes tun, als ihrem Sohne schöne moralische Erzählungen zu erzählen. Niemals hielt sie ihm Moralpredigten. Manchmal wurde sie mit ihrer Erzählung nicht fertig; dann dichtete er sich selbst das Ende dazu.

[ 9 ] In this way, she appeals to the creative power of the imagination, rather than to the power of reason. The more she makes use of imagery, the greater the impact on the child. There was therefore nothing more beautiful that Goethe’s mother could do than to tell her son beautiful moral stories. She never lectured him on morality. Sometimes she couldn’t finish her story; then he would make up the ending himself.

[ 10 ] Besonders nachteilig ist es für den werdenden Menschen, wenn er vor dem vierzehnten Jahre dazu gedrängt wird zu kritisieren, auf das eigene Urteil zu bauen, wenn er die wohltätige Macht der um ihn herum weilenden Autoritäten verliert. Es ist sehr schlimm für ihn, wenn keine Persönlichkeiten da sind, zu denen er aufblicken kann. Der Ätherleib verkümmert, wird schwach und siech, wenn er sich nicht an großen Beispielen heraufranken kann. Und dann wirkt es ganz besonders schlimm, wenn er sich vor der Zeit ein eigenes Glaubensbekenntnis aneignet und über die Welt urteilen will. Dazu ist er erst reif, wenn sich sein Astralkörper frei entfaltet. Je mehr man ihn davor behüten kann, vorzeitig zu urteilen und zu kritisieren, desto besser ist es für ihn. Der Erzieher handelt daher klug, wenn er versucht, vor dem Freiwerden des Astralleibes die Wirklichkeit an den Geschehnissen selbst begreiflich zu machen, und den jungen Menschen nicht zu einem festgelegten Bekenntnis auffordert, wie dies durch die materialistische Bildung immer mehr geschieht. Das Chaos unter den Glaubensbekenntnissen würde schnell verschwinden, wenn dies innegehalten würde. Die Urteilskraft, der Verstand sollen möglichst spät herangezogen werden, erst dann, wenn der Sinn für das Individuelle erwacht, mit dem Herauskommen des Astralleibes. Vorher soll sich der Mensch nicht für das Individuelle entscheiden; da soll es eine Gegebenheit sein, an wen er glaubt. Aber in den Jahren, die jetzt kommen, findet das Individuelle seinen stärksten Ausdruck in der Beziehung der beiden Geschlechter zueinander, wenn das eine Individuum zu dem anderen sich hingezogen fühlt.

[ 10 ] It is particularly detrimental to the developing human being if, before the age of fourteen, he is pressured to criticize and rely on his own judgment, causing him to lose the beneficial influence of the authorities around him. It is very harmful for him if there are no role models he can look up to. The etheric body withers, grows weak, and languishes if it cannot climb upward by clinging to great examples. And it is especially harmful when the child adopts his own creed prematurely and seeks to judge the world. He is not ready for this until his astral body has freely unfolded. The more one can protect them from judging and criticizing prematurely, the better it is for them. The educator therefore acts wisely when they strive to make reality comprehensible through the events themselves before the astral body is liberated, and do not urge the young person to adopt a fixed creed, as is increasingly the case in materialistic education. The chaos among religious creeds would quickly disappear if this were observed. The power of judgment and the intellect should be brought into play as late as possible—only when the sense of the individual awakens with the emergence of the astral body. Before that, a person should not choose the individual; rather, it should be a given whom they believe in. But in the years to come, the individual will find its strongest expression in the relationship between the two sexes, when one individual feels drawn to the other.

[ 11 ] So sehen Sie: wenn man die drei Leiber des Menschen richtig studiert, bekommt man in der Tat die allerpraktischste Grundlage für eine richtige Erziehung und Entwickelung des Menschen. Die Geisteswissenschaft ist also nichts Unpraktisches, nichts in den Wolken Schwebendes, sondern etwas, das uns die beste Anleitung gibt, ins Leben einzugreifen.

[ 11 ] As you can see: if one studies the three bodies of the human being correctly, one indeed gains the most practical foundation for the proper education and development of the human being. Spiritual science is therefore not something impractical, nor something floating in the clouds, but rather something that provides us with the best guidance for engaging with life.

[ 12 ] Das ist es gerade, was die heutige geisteswissenschaftliche Vertiefung so notwendig macht, weil die Menschen sonst in eine Sackgasse geraten würden. Man tadelt heute die früheren Zeiten, weil die Kinder nicht frühzeitig aufgerufen wurden, um über Gott und die Welt zu entscheiden. Das war aber nur ein ganz gesunder Instinkt. Heute muß man das wieder mehr und mehr bewußt erreichen. Das instinktive Erkennen von früher ist verschwunden, damit aber auch eine gewisse Sicherheit für einzelne Dinge des Lebens. Nun darf das Menschengeschlecht jedoch nicht plötzlich zugrunde gerichtet werden|?]. Wenn man auf dem Erziehungsgebiet, in der Medizin, Rechtswissenschaft und so weiter radikal den Grundsätzen des Materialismus gefolgt wäre, dann würde unsere menschliche Ordnung wohl schon längst in die Brüche gegangen sein. Man konnte aber nicht alles zerstören: ein Teil von früher ist geblieben [?]. Weil der Materialismus die Menschen notwendig in eine Sackgasse hineinführen würde, darum ist die geisteswissenschaftliche Bewegung notwendig.

[ 12 ] That is precisely what makes today’s deeper engagement with the humanities so necessary, because otherwise people would find themselves at a dead end. People today criticize the past because children were not called upon at an early age to decide matters concerning God and the world. But that was simply a very healthy instinct. Today, we must strive to achieve this more and more consciously. The instinctive understanding of the past has disappeared, and with it a certain sense of security regarding individual aspects of life. Yet the human race must not suddenly be brought to ruin|?]. If, in the fields of education, medicine, law, and so on, one had radically followed the principles of materialism, then our human order would likely have fallen apart long ago. But it was not possible to destroy everything: a part of the past has remained [?]. Because materialism would inevitably lead people into a dead end, the spiritual science movement is necessary.

[ 13 ] Lehrer, die wirklich noch eine Empfindung für die Kindesseele haben, ersticken einfach unter dem Schulschematismus und den Vorschriften, die eine Karikatur dessen sind, was in Wirklichkeit da sein sollte, und die herausgeboren sind aus dem Aberglauben, daß man es nur mit dem physischen Leibe zu tun hätte. Davor schützt auch nicht religiöse Gläubigkeit. Es kommt vielmehr darauf an, daß die Menschen für das Spirituelle einen Sinn bekommen, für das, was über das Sinnenleben wirklich hinausgeht. Deshalb werden auch nicht die Leute das Richtige finden können, die sich in bezug auf die Erziehungsgrundsätze an äußere Formeln halten. Sie klammern sich an das traditionelle kirchliche Dogma, wollen aber nichts von der Entwickelung des Geistes wissen. Damit haben wir es vor allem zu tun. Was heute not tut, das muß aus spirituellen Welten kommen. Denn was der Materialismus gezeitigt hat, ist nur geeignet, die Menschen am physischen Leibe und den höheren Leibern krank zu machen. Eine schwere Krisis wäre unausbleiblich, wenn nicht eine geistige Vertiefung der Menschheit Platz greifen würde. Es gibt manches, das wie mit Fingern auf die wichtigen Entscheidungen, die sich heute innerhalb unserer Menschheit vollziehen, hindeutet. Man muß die Dinge innerlich betrachten, äußere Formen machen es nicht aus. Die Sehnsucht und das Hinneigen nach dem Geiste läßt sich bei den Menschen nicht töten. Einem Teil der Menschen, die eine solche Sehnsucht haben, kam der Spiritismus entgegen. Da will man den Geist auf eine materielle Art beweisen. Bemerkenswert ist nun, wie sich die katholische Kirche dazu verhält, die es doch eigentlich nur mit Spirituellem zu tun haben sollte: eine jede äußere Handlung ist hier die Abspiegelung von etwas Spirituellem. Aber es ist merkwürdig, was sich gerade jetzt zugetragen hat: daß nämlich in kirchlichen Kreisen jemand nach einem äußeren Beweis für das Geistige sucht. Jetzt ist ein Buch von Lapponi, dem Leibarzt des Papstes erschienen, der darin geradezu für den Spiritismus eintritt. Das ist deshalb so sonderbar, weil die Menschen, an die sich diese Publikation wendet, offensichtlich gar nicht mehr spirituell gesinnt sind; sie brauchen einen handgreiflichen Beweis für das Vorhandensein einer geistigen Welt. Es ist schon des Nachdenkens wert, wenn der Leibarzt des Papstes für den Spiritismus eintritt. Da ist die Sehnsucht nach der geistigen Welt vorhanden, aber kein Verständnis für die eigene Lehre von der geistigen Welt.

[ 13 ] Teachers who truly still have a sense of the child’s soul simply suffocate under the school’s rigid formalism and regulations, which are a caricature of what should actually be there and which stem from the superstition that one is dealing only with the physical body. Not even religious faith can protect against this. Rather, what matters is that people develop a sense for the spiritual—for that which truly transcends the sensory life. That is why those who adhere to external formulas regarding educational principles will not be able to find the right path. They cling to traditional church dogma but want nothing to do with the development of the spirit. This is what we must address above all else. What is needed today must come from spiritual realms. For what materialism has brought about is only capable of making people sick in their physical bodies and their higher bodies. A severe crisis would be inevitable if a spiritual deepening of humanity were not to take hold. There are many things that point directly to the important decisions taking place within humanity today. One must look at things from within; external forms do not matter. The longing for and inclination toward the spirit cannot be extinguished in human beings. For some of those who harbor such a longing, spiritualism has provided an outlet. There, people seek to prove the existence of the spirit in a material way. It is now noteworthy how the Catholic Church, which should really be concerned only with the spiritual, is responding to this: every outward act here is a reflection of something spiritual. But it is strange what has happened precisely now—namely, that within church circles someone is seeking outward proof of the spiritual. A book has now been published by Lapponi, the Pope’s personal physician, in which he actively advocates for spiritualism. This is so peculiar because the people this publication is aimed at are obviously no longer spiritually minded; they need tangible proof of the existence of a spiritual world. It is certainly worth pondering when the Pope’s personal physician advocates for spiritualism. There is a longing for the spiritual world, but no understanding of the Church’s own teaching on the spiritual world.

[ 14 ] So schleicht sich der Materialismus in die Religionen hinein, die im Grunde ganz und gar nicht materialistisch sein sollten. Daher können Sie sehen, wie bedeutsam eine Bewegung ist, die an die wirkliche Erkenntnis des Geistes im Menschen appelliert, die dem Leben indessen nicht asketisch und fremd gegenübersteht, sondern jeden Augenblick die praktische Bedeutung dieses Geistigen erst recht begreiflich macht.

[ 14 ] This is how materialism creeps into religions, which, at their core, should not be materialistic at all. That is why you can see how significant a movement is that appeals to the true recognition of the spirit within human beings—a movement that does not, however, take an ascetic or detached stance toward life, but rather makes the practical significance of this spiritual aspect all the more comprehensible at every moment.

[ 15 ] Aber nun sollen wir auch nicht fragen: Wie kann ich in mir schnell alle möglichen okkulten Kräfte ausbilden? - oder: Wie kann ich mich einspinnen, um nur mit der Wirklichkeit nicht in Berührung zu kommen? — Wer so fragt, ist ein Egoist und nichts anderes als ein geistiger Feinschmecker. Wenn man alles nur genießen will, was einem geistig gefällt, so verhält man sich nur etwas raffinierter als ein anderer, der mit dem Feinschmecken beim Frühstück anfängt. Wem der leibliche Geschmack verdorben ist, der kommt manchmal zu den raffiniertesten geistigen Gerichten. Der ist im richtigen Sinne Theosoph, der sich bemüht, das Leben zu begreifen und dem Leben zu dienen, und die Eltern sind theosophisch gesinnt, die ihre Aufgabe darin sehen, das Kind bei jedem Schritt, den es tut, in seiner Entwickelung zu fördern. Sagen Sie nicht: Wie können wir das in unserer Zeit? - Da muß man wiederum wissen: Es kommt darauf an, bewußt festzuhalten, daß die Seele das Ewige ist. Der Mensch ist bereit, an ein ewiges Leben zu glauben, in das er nach seinem Tode möglichst sofort eingehen möchte. Wer aber wirklich davon überzeugt ist, daß die Seele ein Ewiges ist, für den bedeutet die Zeit vom zweiten bis achtzigsten Jahre nur einen Unterschied von achtundsiebzig Jahren, und was ist das gegen die Ewigkeit? Dann glaubt man an die Ewigkeit des Daseins, und das muß man auch fühlen und Geduld haben, Wir müssen uns angewöhnen, im Dienst der ganzen Menschheit zu wirken. Es kommt daher gar nicht darauf an, ob wir das, was wir uns aneignen, wirklich gleich anwenden können; sondern vor allem müssen wir immer danach streben, es anzuwenden, und irgendein kleines Feld dafür findet schließlich jeder. Wenn aber jeder nur herumkritisiert, so wird niemals etwas zustande kommen. Besser ist es, ein ganz klein wenig zu tun und uns nicht zu beklagen, daß wir das Gelernte nicht anwenden können, anstatt überhaupt nichts zu tun. Das ist das, was wir uns als praktisches Gesetz in die Seele schreiben sollten. Unser Leben wird ganz von selbst anders, wenn wir uns so in die Geisteswissenschaft hineinarbeiten, und ohne daß der Mensch etwas merkt, gestaltet er die Welt um, wenn er Theosoph wird. Die Hauptsache und das Klügste, was wir tun können, ist, die Geisteswissenschaft erst einmal in ihrem Wesenskern erfassen und dann möglichst intensiv danach zu leben. Dann führen wir sie ins Leben ein; das andere wird sich schon von selbst gestalten. Eine Mutter, ein Lehrer, die Theosophen sind, werden ganz von selbst anders handeln, als ein Mensch, der davon keine Ahnung hat. Wer da weiß, was für ein Gebilde der Mensch ist, der wird auch ganz instinktiv das verschiedenartige Werden beim sich entwickelnden Menschen beobachten. Vor allem würde durch echte theosophische Vertiefung eine solche Heuchelei aufhören, daß die Großen erst alles mögliche Allotria treiben und dann mit todernsten Grundsätzen in die Kinderstube treten. Das kommt eben daher, daß die Menschen keinen Glauben an den Geist haben.

[ 15 ] But now we shouldn’t ask: How can I quickly develop all kinds of occult powers within myself? — or: How can I shut myself off so as to avoid coming into contact with reality? — Anyone who asks such questions is an egoist and nothing more than a spiritual gourmet. If one merely wants to enjoy everything that pleases one spiritually, one is behaving only slightly more sophisticatedly than someone who begins indulging in gourmet delights at breakfast. Those whose physical palate has been spoiled sometimes arrive at the most refined spiritual delicacies. A theosophist in the true sense is one who strives to understand life and serve it, and parents are theosophically minded when they see their task as fostering their child’s development at every step the child takes. Don’t say: “How can we do that in this day and age?”—Here, too, one must realize: what matters is to consciously hold fast to the fact that the soul is eternal. People are willing to believe in an eternal life, into which they would like to enter as soon as possible after their death. But for those who are truly convinced that the soul is eternal, the period from the age of two to eighty represents a difference of only seventy-eight years—and what is that compared to eternity? Then one believes in the eternity of existence, and one must also feel this and have patience. We must accustom ourselves to working in the service of all humanity. It therefore does not matter at all whether we can actually apply what we learn right away; rather, above all, we must always strive to apply it, and eventually everyone will find some small area in which to do so. But if everyone just sits around criticizing, nothing will ever get done. It is better to do just a little bit and not complain that we cannot apply what we have learned, rather than do nothing at all. That is what we should engrave upon our souls as a practical law. Our lives will change all on their own if we immerse ourselves in theosophy in this way, and without even realizing it, a person reshapes the world when he or she becomes a theosophist. The most important thing—and the wisest thing we can do—is first to grasp the essence of spiritual science and then to live by it as intensely as possible. Then we bring it into our lives; the rest will take shape on its own. A mother or a teacher who is a theosophist will, quite naturally, act differently than someone who has no idea about it. Anyone who understands what kind of being a human is will also instinctively observe the diverse stages of development in a growing person. Above all, genuine theosophical immersion would put an end to the hypocrisy whereby those in positions of authority first engage in all manner of nonsense and then enter the nursery with deadly serious principles. This stems precisely from the fact that people have no faith in the spirit.

[ 16 ] So haben wir wieder einen Einblick gewonnen, daß Geisteswissenschaft etwas ist, was der Lebenspraxis angehört, und daß es eines der unsinnigsten Vorurteile ist, wenn Gegner sagen, sie bringe vom Leben ab. In Wahrheit führt sie ins Leben hinein. Heute fühlt sich noch jeder, der ein braver Spießbürger ist, erhaben, wenn er über die Theosophie reden kann, aber es wird eine Zeit kommen, in der man anders urteilen wird. Man wird einmal einsehen, wo die wahre Lebensfreudigkeit liegt. Die Zukunft wird kommen, wo man sagen wird: Das waren die großen Reaktionäre, die es mit einer unmöglich in die Zukunft hineinführenden Zeitströmung hielten, die nichts wissen wollten von der großen Praxis des Lebens, welche den Menschen neue Erkenntnisse des Geistes ankündigt, wie sie uns durch die theosophische Weltanschauung gegeben werden, Erkenntnisse, die sich in uns befestigen und immer praktischer werden sollen durch die angefachte und in uns lebendig wirkende theosophische Gesinnung.

[ 16 ] Thus we have once again gained insight into the fact that spiritual science is an integral part of practical life, and that it is one of the most absurd prejudices when opponents claim that it distracts from life. In truth, it leads right into life. Today, any respectable, narrow-minded bourgeois still feels superior when he can talk about theosophy, but a time will come when people will judge things differently. One day, people will realize where true joy in life lies. The future will come when people will say: Those were the great reactionaries who clung to a current of thought that could never lead into the future, who wanted nothing to do with the great practice of life, which heralds new spiritual insights for humanity, such as those given to us through the theosophical worldview, insights that are to take root within us and become ever more practical through the theosophical spirit that has been kindled and is actively at work within us.