Cosmos, Earth and Man
GA 105
16 August 1908, Stuttgart
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Cosmos, Earth and Man, tr. SOL
Elfter Vortrag
Eleventh Lecture
[ 1 ] Wir haben weite Strecken der Menschheitsentwickelung und im Zusammenhang damit auch der Weltentwickelung vor dem Blicke unserer Seele vorüberziehen lassen. Wir haben gesehen, wie geheimnisvolle Zusammenhänge in der Weltentwickelung sich widerspiegelten in der eigentlichen menschlichen Kulturentwickelung, in der sogenannten nachatlantischen Zeit. Wir haben gesehen, wie die erste Periode unserer Erdentwickelung sich in der indischen Kultur spiegelte; wie die zweite, die der Trennung der Sonne von der Erde, sich in der persischen Kultur spiegelte; und dann haben wir versucht, soweit die Zeit es uns erlaubte, ganz besonders zu schildern und zu zeichnen, wie die mannigfachsten Geschehnisse und Ereignisse der lemurischen Zeit, die die dritte Epoche unserer Erdentwickelung bildet und wo der Mensch die erste Anlage zum Ich erhielt, wie alle diese Geschehnisse sich in der ägyptischen Kultur widerspiegelten. Wir haben gesehen, wie die Einweihungsweisheit der alten Ägypter eine Art Erinnerung an diese Zeit ist, die die Menschheit erst während der Erdentwickelung durchgemacht hat. Und dann haben wir gesehen, wie der vierte Zeitraum, die Zeit der eigentlichen Ehe zwischen Geist und Leib, die uns so schön in den Kunstwerken der Griechen entgegentritt, eine Spiegelung der Erlebnisse ist, die der Mensch mit den alten Göttern hatte, jenen Wesenheiten, die wir als Engel bezeichnen. Und wir sahen: nichts ist zurückgeblieben, was sich spiegeln könnte für unsere Zeit, für den fünften Zeitraum, der sich jetzt bei uns abspielt. Aber es bestehen geheimnisvolle Zusammenhänge zwischen den einzelnen Kulturepochen der nachatlantischen Zeit, Zusammenhänge, auf die wir schon im ersten Vortrage hindeuteten. Sie erinnern sich, daß wir darauf hinwiesen, wie das Gebanntsein des gegenwärtigen Menschen an die unmittelbar sinnliche Umgebung, wie dieser, man möchte sagen, materialistische Glaube, daß nur das wirklich ist, was Geschehnis zwischen Geburt und Tod ist, was im Fleisch verkörpert ist, wie das darauf zurückzuführen ist, daß die alten Ägypter solche besondere Sorgfalt auf die Konservierung ihrer Leichname verwandt haben. Damals hat man versucht, das, was physische Form ist vom Menschen, zu bewahren. Und das ist nach dem Tode nicht ohne Wirkung auf die Seele geblieben. Wenn die Form in dieser Weise konserviert wird, so ist in der Tat die Seele nach dem Tode in einer gewissen Beziehung noch mit der menschlichen Form verbunden, die sie während des Lebens hatte. Es bilden sich dann in der Seele Gedankenformen, die festhalten an dieser sinnlichen Form; und da der Mensch sich immer wieder und wieder verkörpert, die Seele in immer neuen Leibern auftritt, so bleiben diese Gedankenformen. Es hat sich fest eingewurzelt in der menschlichen Seele alles das, was sie erleben mußte, wenn sie aus geistigen Höhen hinunterschaute auf ihren als Mumie konservierten Leichnam. Daher hat die Seele es verlernt, den Blick abzuwenden von dem, was in das physische Fleisch eingebannt ist, und das hat es gemacht, daß zahlreiche Seelen, die im alten Ägypten verkörpert waren, heute mit der Frucht der Anschauung des sinnlichen Leibes wiederum verkörpert sind, sie können nur glauben, daß dieser sinnliche Leib das Wirkliche ist. Das wurde damals der Seele eingepflanzt. Denn all solche Dinge, die sich in einer Kulturepoche abspielen, sind durchaus nicht ohne Zusammenhang mit anderen Kulturepochen.
[ 1 ] We have allowed vast stretches of human evolution—and, in connection with this, the evolution of the world—to pass before the eyes of our soul. We have seen how mysterious interrelationships in the evolution of the world were reflected in the actual development of human culture, in the so-called post-Atlantean era. We have seen how the first period of our Earth’s development was reflected in Indian culture; how the second, that of the separation of the Sun from the Earth, was reflected in Persian culture; and then, as time permitted, we attempted to describe and depict in particular detail how the most diverse occurrences and events of the Lemurian period—which constitutes the third epoch of Earth’s evolution and during which human beings first received the germ of the “I”—were reflected in Egyptian culture. We have seen how the initiatory wisdom of the ancient Egyptians is a kind of remembrance of this period that humanity has only just passed through in the course of Earth’s evolution. And then we saw how the fourth epoch—the time of the actual union between spirit and body, which is so beautifully portrayed in the works of Greek art—is a reflection of the experiences humanity had with the ancient gods, those beings we call angels. And we saw: nothing has remained that could be reflected in our time, in the fifth epoch, which is now unfolding before us. But there are mysterious connections between the individual cultural epochs of the post-Atlantean era—connections to which we already alluded in the first lecture. You will recall that we pointed out how modern human beings’ fixation on their immediate sensory surroundings—how this, one might say, materialistic belief that only what occurs between birth and death, what is embodied in the flesh, is real—can be traced back to the fact that the ancient Egyptians took such special care in preserving their corpses. At that time, they sought to preserve the physical form of the human being. And this did not remain without effect on the soul after death. When the form is preserved in this way, the soul is, in fact, still connected in a certain sense after death to the human form it had during life. Thought-forms then take shape within the soul that cling to this physical form; and since human beings incarnate again and again—the soul appearing in ever-new bodies—these thought-forms persist. Everything the soul had to experience when it looked down from spiritual heights upon its corpse, preserved as a mummy, has become deeply ingrained in the human soul. Consequently, the soul has forgotten how to turn its gaze away from what is enshrined in the physical flesh, and this has led to the situation where numerous souls who were incarnated in ancient Egypt are now incarnated once more as a result of having beheld the physical body; they can only believe that this physical body is the reality. This was instilled in the soul at that time. For all such things that take place in one cultural epoch are by no means unrelated to other cultural epochs.
[ 2 ] Wenn wir die sieben aufeinanderfolgenden Kulturepochen der nachatlantischen Zeit betrachten, so nimmt der vierte Zeitraum, der gerade in der Mitte ist, eigentlich eine gewisse Ausnahmestellung ein. Man braucht diesen Zeitraum nur exoterisch zu betrachten, und man wird gewahr werden, daß da im exoterischen Leben die wunderbarsten äußeren physischen Dinge geschaffen werden, durch die der Mensch sozusagen in einer ganz einzigartigen harmonischen Weise die physische Welt erobert. Wer zurückblickt auf die ägyptischen Pyramiden, der wird sich sagen: In diesen Pyramiden sehen wir noch eine Art geometrischer Form herrschen, die uns symbolisch zeigt, wie die Dinge etwas bedeuten. Es hat sich noch nicht jene tiefe Ehe vollzogen zwischen dem Geiste, dem formenden Menschengeiste, und der physischen Form. Insbesondere sehen wir das deutlich an der Sphinx, deren Ursprung wir ja aus einer Erinnerung an die atlantische ätherische Menschengestalt hergeleitet haben. Wir sehen, daß diese Sphinx im physischen Leibe uns unmöglich eine unmittelbare Überzeugung geben kann, trotzdem es eine große Menschheitskonzeption ist; wir sehen in ihr den Gedanken verkörpert, daß der Mensch unten noch tierisch ist und erst im Atherkopfe sich der Mensch bildet. Aber was uns auf dem physischen Plane entgegentreten kann, das sehen wir in den griechischen plastischen Gestalten veredelt, und was uns im moralischen Leben, im Schicksale der Menschen entgegentreten kann, das sehen wir in der tragischen Kunst der Griechen. In einer ganz wunderbaren Weise sehen wir da hinausgetragen auf den physischen Plan das innere Geistesleben; wir sehen den Sinn der Erdentwickelung, soweit die Götter damit verknüpft waren.
[ 2 ] If we consider the seven successive cultural epochs of the post-Atlantean era, the fourth epoch—which is right in the middle—actually occupies a somewhat exceptional position. One need only view this period from an exoteric perspective to realize that, in exoteric life, the most marvelous external physical things are created, through which humanity, so to speak, conquers the physical world in a truly unique and harmonious way. Anyone who looks back at the Egyptian pyramids will say to themselves: In these pyramids we still see a kind of geometric form prevailing, which symbolically shows us how things have meaning. That deep union between the spirit—the formative human spirit—and the physical form has not yet taken place. We see this particularly clearly in the Sphinx, whose origin we have, after all, traced back to a memory of the Atlantean etheric human form. We see that this Sphinx, in its physical form, cannot possibly give us any immediate conviction, even though it represents a grand conception of humanity; we see embodied in it the idea that the human being is still animalistic in the lower regions and that the human being is formed only in the etheric head. But what we may encounter on the physical plane, we see refined in the Greek sculptural figures, and what we may encounter in moral life, in the destinies of human beings, we see in the tragic art of the Greeks. In a truly wondrous way, we see the inner spiritual life carried out onto the physical plane; we see the meaning of Earth’s evolution, insofar as the gods were connected to it.
[ 3 ] Solange die Erde mit der Sonne verbunden war, waren auch die hohen Sonnengeister mit dem menschlichen Geschlecht verbunden. Aber nach und nach mit der Sonne verschwanden auch die hohen Götter aus dem Bewußtsein der Menschen, stufenweise bis in die letzte atlantische Zeit hinein. Es war das Bewußtsein der Menschen selbst nach dem Tode nicht mehr fähig, sich in die hohen Regionen hinaufzubegeben, wo eine unmittelbare Anschauung der Sonnengötter möglich gewesen wäre. Wenn wir uns — und vergleichsweise darf das ja geschehen — auf den Standpunkt der Sonnengötter stellen, so können wir sagen: Ich war verbunden mit der Menschheit, aber ich mußte mich zurückziehen eine Zeitlang. Sozusagen verschwinden im menschlichen Bewußtsein mußte die göttliche Welt, um dann in einer erneuerten, höheren Gestalt durch den Christus-Impuls wieder aufzugehen. — Ein Mensch, der in der griechischen Welt stand, konnte noch nicht wissen, was der Erde durch den Christus kommen würde, aber der Eingeweihte, der, wie wir ja sahen, den Christus schon vorher kannte, er konnte sich sagen: Diese geistige Gestalt, die als Osiris festgehalten wurde, mußte für eine Weile untergehen für den Blick des Menschen, verfinstern mußte sich der Götterhorizont; aber das sichere Bewußtsein ist in uns, daß sie wiedererscheinen wird, die Gottesherrlichkeit auf Erden. - Das war das kosmische Bewußtsein, das man hatte, und dieses Bewußtsein von einem Heruntersinken der Gottesherrlichkeit und von dem Wiederaufgehen, das spiegelte sich im griechischen tragischen Kunstwerke ab, wo wir sehen, wie der Mensch selbst als Abbild der Götter hingestellt wird, wie er lebt und strebt und einen tragischen Untergang findet, Aber diese Tragik schließt zu gleicher Zeit in sich, daß der Mensch doch durch seine geistige Kraft siegen könne. So sollte das Drama, das Anschauen des lebenden und sterbenden Menschen, im Grunde auch ein Abbild des großen Zusammenhanges sein. Überall sehen wir so in Griechenland, auf allen Gebieten, diese Ehe zwischen dem Geist und dem Sinnlichen. Das war ein einzigartiger Zeitpunkt in der nachatlantischen Zeit.
[ 3 ] As long as the Earth was connected to the Sun, the high solar spirits were also connected to the human race. But little by little, as the Sun faded, the high gods also disappeared from human consciousness, gradually right up into the final Atlantean period. Even after death, human consciousness was no longer capable of ascending to the higher regions where a direct vision of the sun gods would have been possible. If we place ourselves—and this may be done, so to speak—in the perspective of the sun gods, we can say: I was connected to humanity, but I had to withdraw for a time. The divine world had to, so to speak, disappear from human consciousness in order to then rise again in a renewed, higher form through the Christ impulse. — A person living in the Greek world could not yet know what would come to the Earth through the Christ, but the initiate, who, as we have seen, already knew the Christ beforehand, could say to himself: This spiritual form, which was embodied as Osiris, had to vanish from human sight for a while; the horizon of the gods had to grow dark; but we have the certain awareness within us that it will reappear—the glory of God on Earth. - That was the cosmic consciousness people possessed, and this awareness of the descent of the glory of God and of its reemergence was reflected in Greek tragic art, where we see how human beings themselves are portrayed as images of the gods, how they live and strive and meet a tragic end, But this tragedy simultaneously implies that humanity can, after all, triumph through its spiritual power. Thus, drama—the contemplation of living and dying human beings—was, at its core, also meant to be a reflection of the great cosmic order. Everywhere in Greece, in all fields, we see this union between the spiritual and the sensual. This was a unique moment in the post-Atlantean era.
[ 4 ] Nun ist es merkwürdig, wie gewisse Erscheinungen der dritten Epoche wie durch unterirdische Kanäle mit unserem fünften Zeitraum in Verbindung stehen; gewisse Dinge, die wie Keime gelegt worden sind während der ägyptischen Periode, erscheinen wieder während unserer Zeit; andere, die während der persischen Zeit als Keime gelegt wurden, werden in der sechsten Epoche wieder erscheinen, und Dinge der ersten Epoche werden im siebenten Zeitraum wiederkehren. Alles hat einen tiefen gesetzmäßigen Zusammenhang, und das Vorhergehende deutet auf Zukünftiges hin. Am besten wird uns dieser Zusammenhang dadurch klar, daß wir es an dem extremsten Falle darstellen, an dem, was den ersten Zeitraum mit dem siebenten verbindet. Wir blicken zurück auf diesen ersten Zeitraum, und wir müssen da nicht auf das, was die Geschichte berichtet, Rücksicht nehmen, sondern auf das, was in den uralten vorvedischen Zeiten da war. Vorbereitet hat sich alles das, was später hervorgetreten ist; vorbereitet hat sich vor allen Dingen das, was wir als die Einteilung der Menschen in Kasten kennen. Gegen diese Kasten mag der Europäer viel einzuwenden haben, aber in jener Kulturrichtung, die damals vorhanden war, haben diese Kasten ihre Berechtigung gehabt, denn sie hingen im tiefsten Sinne mit dem Menschheitskarma zusammen. Die Seelen, die aus der Atlantis herüberrückten, waren wirklich von ganz verschiedenem Wert, und es paßte in einer gewissen Weise auf diese Seelen, von denen die einen vorgeschrittener als die anderen waren, das Gliedern in solche Kasten nach ihrem vorher in sie gelegten Karma. Und da in jener alten Zeit die Menschheit sich nicht so überlassen war wie in unserer heutigen Zeit, sondern wirklich in einem weit höheren Sinne, als wir uns heute vorstellen können, gelenkt und geleitet wurde in ihrer Entwickelung — da vorangeschrittene Individualitäten, die wir die Rishis nennen, ein Verständnis dafür hatten, was eine Seele wert ist, welcher Unterschied zwischen den einzelnen Kategorien von Seelen besteht -, so liegt dieser Kasteneinteilung ein wohlbegründetes kosmisches Gesetz zugrunde. Mag es in einer späteren Zeit noch so sehr als Härte erschienen sein, in jenen alten Zeiten, wo die Lenkung eine spirituelle war, war dieses Kastenwesen ein wirklich der Menschennatur Angepaßtes. Und ebenso wie es wahr ist, daß im allgemeinen in der normalen Entwickelung des Menschen derjenige, der mit einem bestimmten Karma in die neue Epoche hinüberlebte, auch in eine bestimmte Kaste kam, ebenso wahr ist es, daß man nur dann über die Bestimmungen dieser Kaste hinauskommen konnte, wenn man eine Einweihungsentwickelung durchmachte. Nur wenn man zu den Stufen kam, wo man abstreifte das, wohin einen das Karma hineingestellt hatte, nur wenn man in Joga lebte, dann konnten unter Umständen diese Kastenunterschiede überwunden werden. Wir wollen uns des geisteswissenschaftlichen Grundsatzes bewußt sein, daß jede Kritik der Evolution uns fernliegen muß, daß wir nur danach streben müssen, die Dinge zu verstehen. Mag diese Kasteneinteilung einen noch so schlimmen Eindruck machen, sie war im vollsten Sinne begründet, nur müssen wir sie im Zusammenhang mit einer umfassenden, gesetzmäßigen Bestimmung in bezug auf das Menschengeschlecht betrachten.
[ 4 ] Now it is remarkable how certain phenomena of the third epoch are connected to our fifth period as if through subterranean channels; certain things that were planted like seeds during the Egyptian period are reappearing in our time; others, which were planted as seeds during the Persian period, will reappear in the sixth epoch, and things from the first epoch will return in the seventh period. Everything is connected by deep, lawful relationships, and the past points to the future. This connection becomes clearest to us when we consider the most extreme case—that which links the first period with the seventh. We look back on this first period, and we need not take into account what history reports, but rather what existed in the ancient, pre-Vedic times. Everything that later came to the fore was prepared; above all, what we know as the division of people into castes was prepared. Europeans may have many objections to these castes, but within the cultural context that existed at that time, these castes were justified, for they were connected in the deepest sense to the karma of humanity. The souls who migrated from Atlantis were indeed of very different worth, and in a certain sense it was fitting for these souls—some of whom were more advanced than others—to be divided into such castes according to the karma previously imprinted within them. And since in those ancient times humanity was not left to its own devices as it is in our present age, but was truly guided and directed in its development in a far higher sense than we can imagine today—since advanced individuals, whom we call the Rishis, had an understanding of what a soul is worth and of the differences between the various categories of souls— this caste system is based on a well-founded cosmic law. However harsh it may have appeared in later times, in those ancient times, when guidance was of a spiritual nature, this caste system was truly adapted to human nature. And just as it is true that, in the general course of normal human development, those who carried a certain karma into the new epoch also entered a specific caste, so it is true that one could transcend the limitations of that caste only by undergoing a process of initiation. Only when one reached the stages where one shed the circumstances into which karma had placed one, only when one lived a life of yoga, could these caste distinctions be overcome under certain circumstances. Let us be mindful of the spiritual-scientific principle that we must steer clear of any criticism of evolution and strive only to understand things. No matter how terrible this caste system may seem, it was justified in the fullest sense; we must simply view it in the context of a comprehensive, law-governed destiny pertaining to the human race.
[ 5 ] Wenn man heute von Rassen spricht, bezeichnet man etwas, was nicht mehr ganz richtig ist; auch in theosophischen Handbüchern werden hier große Fehler gemacht. Man spricht davon, daß unsere Entwickelung sich so vollzieht, daß Runden, und in jeder Runde Globen, und in jedem Globus Rassen sich hintereinander entwickeln, so daß wir also in allen Epochen der Erdevolution Rassen haben würden. Das ist aber nicht so. Es hat zum Beispiel schon gegenüber der heutigen Menschheit keinen rechten Sinn mehr, von einer bloßen Rassenentwikkelung zu sprechen. Von einer solchen Rassenentwickelung im wahren Sinne des Wortes können wir nur während der atlantischen Entwickelung sprechen. Da waren wirklich in den sieben entsprechenden Perioden die Menschen nach äußeren Physiognomien so sehr voneinander verschieden, daß man von anderen Gestalten sprechen konnte. Aber während es richtig ist, daß sich daraus die Rassen herausgebildet haben, ist esschon für die rückliegende lemurische Zeit nicht mehr richtig, von Rassen zu sprechen; und in unserer Zeit wird der Rassenbegriff in einer gewissen Weise verschwinden, da wird aller von früher her gebliebene Unterschied nach und nach verwischt. So daß alles, was in bezug auf Menschenrassen heute existiert, Überbleibsel aus der Differenzierung sind, die sich in der atlantischen Zeit herausgebildet hat. Wir können noch von Rassen sprechen, aber nur in einem solchen Sinne, daß der eigentliche Rassenbegriff seine Bedeutung verliert. Was aber wird dann für ein Begriff an die Stelle des heutigen Rassenbegriffs treten?
[ 5 ] When people speak of races today, they are referring to something that is no longer entirely accurate; even in theosophical handbooks, major errors are made in this regard. It is said that our evolution proceeds in such a way that rounds, and within each round, globes, and within each globe, races develop one after another, so that we would have races in all epochs of Earth’s evolution. But this is not the case. For example, even with regard to present-day humanity, it no longer makes much sense to speak of mere racial evolution. We can speak of such racial development in the true sense of the word only during the Atlantean epoch. There, in the seven corresponding periods, human beings were indeed so different from one another in terms of outward physical appearance that one could speak of distinct forms. But while it is true that races emerged from this, it is no longer accurate to speak of races even for the earlier Lemurian period; and in our time, the concept of race will, in a certain sense, disappear, as all differences remaining from earlier times will gradually be blurred. Thus, everything that exists today with regard to human races are remnants of the differentiation that took shape during the Atlantean era. We can still speak of races, but only in the sense that the actual concept of race is losing its meaning. But what concept will then take the place of today’s concept of race?
[ 6 ] Auch in der Zukunft, und mehr noch als in der Vergangenheit, wird die Menschheit sich sozusagen differenzieren, sich gliedern in gewisse Kategorien, aber nicht in aufgezwungene Kategorien, sondern die Menschen werden aus ihrer eigenen inneren geistigen Fähigkeit heraus dazu kommen, daß sie wissen, daß die Menschen zusammenarbeiten müssen zum gesamten sozialen Körper. Kategorien, Klassen wird es geben, aber wenn auch heute der Klassenkampf noch so sehr wütet, in denjenigen Menschen, die nicht den Egoismus ausbilden, sondern das spirituelle Leben in sich aufnehmen, in denen, die sich nach dem Guten hin entwickeln, wird es so kommen, daß sie sich freiwillig eingliedern in die Menschheit. Sie werden sich sagen: der eine muß dies, der andere jenes tun. Teilung der Arbeit, Teilung sogar bis in die feinsten Impulse hinein muß eintreten; und es wird sich so gestalten, daß derjenige, der Träger für das eine oder das andere ist, nicht nötig haben wird, seine Autorität den anderen aufzuzwingen. Alle Autorität wird immer mehr freiwillig anerkannt werden, so daß wir im siebenten Zeitraum bei einem kleinen Teile der Menschheit wiederum eine Einteilung haben werden, welche das Kastenwesen wiederholt, aber so, daß keiner sich in die Kaste hineingezwungen fühlt, sondern daß jeder sich sagt: Ich muß einen Teil der Menschheitsarbeit übernehmen und einem anderen einen anderen Teil überlassen — und beide werden gleich anerkannt werden. Die Menschheit wird sich nach moralischen und intellektuellen Differenzierungen gliedern und auf solcher Grundlage wird eine wiederum vergeistigte Kastenbildung eintreten. So wird, wie durch einen geheimnisvollen Kanal hinübergeleitet, sich in der siebenten Epoche wiederholen, was in der ersten sich prophetisch gezeigt hat. Und so hängt auch die dritte, die ägyptische Kulturentwickelung zusammen mit der unsrigen. So wenig es auch einem oberflächlichen Blicke erscheinen könnte, so treten doch all diejenigen Dinge in unserer Zeitepoche hervor, die während der ägyptischen Periode sozusagen veranlagt worden sind. Denken Sie sich einmal, daß die Seelen, die heute leben, zum großen Teile in ägyptischen Leibern verkörpert waren, die ägyptische Umwelt erlebt haben, dann nach anderen Zwischeninkarnationen jetzt wieder verkörpert sind und sich nun nach den angedeuteten Gesetzen unbewußt alles dessen erinnern, was sie in der ägyptischen Zeit durchlebt haben. In geheimnisvoller Weise tritt das nun wieder auf, und wenn Sie solche geheimnisvolle Beziehungen der großen Weltengesetze von einer Kultur zur anderen erkennen wollen, dann müssen Sie sich mit der Wahrheit bekanntmachen, nicht mit all den legendenhaften und phantastischen Darstellungen, die uns von den Tatsachen der menschlichen Entwickelung gegeben werden.
[ 6 ] In the future, too—and even more so than in the past—humanity will, so to speak, differentiate itself, dividing into certain categories; but these will not be categories imposed from outside. Rather, people will come to realize, through their own inner spiritual capacity, that they must work together to form a single social body. There will be categories and classes, but even though the class struggle rages so fiercely today, those people who do not cultivate selfishness but embrace the spiritual life within themselves—those who develop toward the good—will voluntarily integrate themselves into humanity. They will say to themselves: one must do this, another that. A division of labor—a division extending even into the finest impulses—must take place; and it will turn out that the one who is the bearer of one thing or another will not need to impose his authority on others. All authority will be recognized more and more voluntarily, so that in the seventh epoch we will once again have a division among a small portion of humanity that repeats the caste system—but in such a way that no one feels forced into a caste, but rather that everyone says to themselves: I must take on one part of humanity’s work and leave another part to someone else—and both will be recognized as equal. Humanity will organize itself according to moral and intellectual distinctions, and on this basis a spiritually elevated system of castes will emerge once more. Thus, as if channeled through a mysterious conduit, what was prophetically revealed in the first epoch will be repeated in the seventh. And in this way, too, the third—the Egyptian—phase of cultural development is connected to our own. As little as it might appear to a superficial glance, all those things are coming to the fore in our present epoch that were, so to speak, laid the groundwork for during the Egyptian period. Just imagine that the souls living today were, for the most part, incarnated in Egyptian bodies, experienced the Egyptian environment, and—after other interim incarnations—have now been incarnated once more; and that, according to the laws indicated, they unconsciously recall everything they experienced during the Egyptian era. This is now reoccurring in a mysterious way, and if you wish to recognize such mysterious connections between the great laws of the world as they pass from one culture to another, then you must familiarize yourself with the truth—not with all the legendary and fantastical accounts that are presented to us regarding the facts of human development.
[ 7 ] So wird zum Beispiel über den geistigen Fortschritt der Menschheit ziemlich oberflächlich gedacht. Man sieht, daß in einem bestimmten Zeitalter Kopernikus aufgetreten ist. Man sagt sich: Nun ja, er tritt auf, weil die Beobachtung in dieser Zeit gerade dahin geführt hat, daß man das Sonnensystem in Gedanken geändert hat. Wer eine solche Anschauung hat, der hat nicht einmal exoterisch studiert, wie Kopernikus zu seinen Ideen über den Zusammenhang am Himmel gekommen ist. Wer das studiert, und namentlich wer die großen, gewaltigen Ideen des Kepler verfolgt hat, der weiß etwas anderes darüber zu sagen, und er wird noch bestärkt durch das, was der Okkultismus dazu zu sagen hat. Nehmen wir das einmal, um es uns klar vorzustellen, recht handgreiflich. Wir versetzen uns in die Seele des Kopernikus. Diese war da in der alten ägyptischen Zeit; sie hat damals an einer besonders hervorragenden Stelle den Osiriskultus erlebt und hat gesehen, wie Osiris als ein Wesen betrachtet worden ist, das dem hohen Sonnenwesen gleichkommt. Die Sonne stand in geistig-spiritueller Beziehung in dem Mittelpunkte des ägyptischen Denkens und Fühlens, aber nicht die äußerliche sinnliche Sonne, die nur als der körperliche Ausdruck des Geistigen angesehen wurde. So wie das Auge der Ausdruck der Schkraft ist, so war für den Ägypter die Sonne das Auge des Osiris, der Ausdruck, die Verkörperung dessen, was der Geist der Sonne war. Das alles hatte die Seele des Kopernikus einst durchlebt, und die unbewußte Erinnerung daran war es, die ihn dazu bewog, in der Gestalt, wie es in einem materialistischen Zeitalter sein konnte, diese Idee wieder zu erneuern, diese alte Osirisidee, die damals spirituell war. Sie tritt uns da, wo die Menschheit tiefer heruntergestiegen ist auf den physischen Plan, in der materialistischen Ausgestaltung als Kopernikanismus entgegen. Die Ägypter haben das spirituell gehabt; sich an diesen Gedanken zu erinnern, war das Weltenkarma des Kopernikus, und das hat herausgezaubert jene Richtungskombination, die zu seinem Sonnensystem geführt hat. Und ähnlich war es bei Kepler, der in noch viel umfassenderem Sinne in seinen allerdings uns sehr abstrakt erscheinenden drei Gesetzen den Wandel der Planeten um die Sonne dargestellt hat. Er hat es aber herausgeholt aus einer tiefen Konzeption. Was aber auffallend ist bei diesem genialen Geiste, das ist die Stelle, die er selbst geschrieben hat, die uns mit Schauern erfüllt, wenn wir sie lesen und wo uns das eben Gesagte handgreiflich entgegentritt. Schrieb doch Kepler die Worte nieder: Ich habe mich hineinvertieft in dieses Sonnensystem, es hat sich mir enträtselt; ich will die heiligen Zeremoniengefäße der Ägypter in die moderne Welt hereinbringen.
[ 7 ] For example, people tend to think rather superficially about humanity’s spiritual progress. They note that Copernicus appeared during a certain era. They say to themselves: Well, he appeared because observations at that time had led people to rethink the solar system. Anyone who holds such a view has not even studied—even on an exoteric level—how Copernicus arrived at his ideas about the connections in the heavens. Anyone who has studied this, and especially anyone who has followed Kepler’s great, momentous ideas, knows something different to say about it, and is further strengthened by what occultism has to say on the matter. Let us take this, to visualize it clearly, in a very concrete way. Let us put ourselves in the soul of Copernicus. This soul existed in ancient Egyptian times; it experienced the cult of Osiris in a particularly prominent context and saw how Osiris was regarded as a being comparable to the high solar being. The Sun stood, in a spiritual-spiritual sense, at the center of Egyptian thought and feeling—but not the external, sensory Sun, which was regarded merely as the physical expression of the spiritual. Just as the eye is the expression of the power of the spirit, so for the Egyptians the Sun was the eye of Osiris—the expression, the embodiment of what the spirit of the Sun was. The soul of Copernicus had once lived through all of this, and it was the unconscious memory of it that moved him to revive this idea—this ancient Osiris idea, which had once been spiritual—in the form that was possible in a materialistic age. It confronts us—where humanity has descended more deeply onto the physical plane—in its materialistic form as Copernicanism. The Egyptians held this concept in a spiritual sense; recalling this thought was Copernicus’s world karma, and this conjured forth the combination of directions that led to his solar system. And it was similar with Kepler, who—in an even more comprehensive sense—depicted the motion of the planets around the Sun in his three laws, which admittedly seem very abstract to us. But he derived it from a profound conception. What is striking, however, about this brilliant mind is the passage he himself wrote—one that fills us with shivers when we read it and where what has just been said confronts us in a tangible way. For Kepler wrote these words: “I have delved deeply into this solar system; it has revealed its secrets to me; I wish to bring the sacred ceremonial vessels of the Egyptians into the modern world.”
[ 8 ] Die Gedanken, die im alten Ägypten den Seelen eingepflanzt worden sind, treten uns wieder entgegen, und unsere modernen Wahrheiten sind wiedergeborene ägyptische Mythen. In viele Einzelheiten hinein könnten wir das verfolgen, wenn wir wollten. Wir können es verfolgen bis in die Anlagen der Menschen hinein. Wir gedenken noch einmal der Sphinx, jener wunderbaren rätselhaften Gestalt, die dann in der griechischen Kultur die Odipus-Sphinx geworden ist, die den Menschen das bekannte Rätsel aufgibt. Wir wissen aber auch schon, daß sie zusammengesetzt ist aus derjenigen menschlichen Gestalt, die auf dem physischen Plane noch der Tierform analog war, während ihr Ätherisches schon menschliche Gestaltangenommen hatte. In derägyptischen Zeit war der Mensch nur imstande, die Sphinx wirklich als ätherische Gestalt zu sehen, wenn er gewisse Einweihungsstufen durchgemacht hatte. Dann aber stand sie vor ihm. Und nun ist das Wichtige, daß, wenn man eine wirklich hellseherische Anschauung hat, man sie nicht nur wie einen Holzklotz vor sich hat, sondern daß sich gewisse Gefühle notwendig mit dieser Anschauung verknüpfen. Ein kalter Mensch kann unter Umständen an einer noch so bedeutsamen künstlerischen Erscheinung vorübergehen, ein kalter Mensch kann ungerührt bleiben; das hellseherische Bewußtsein ist nicht in dieser Lage: wenn es wirklich ausgebildet ist, wird das entsprechende Gefühl in ihm angeregt. Es ist in der griechischen Sage das richtige Gefühl ausgedrückt, das der Hellseher noch während der alten ägyptischen Zeit und in den griechischen Mysterien hatte, wenn er so weit war, daß ihm die Sphinx vor das Auge trat. Was war es denn, was ihm da vor das Auge trat? Etwas Unfertiges, etwas, was werden sollte. Er sah diese Gestalt, die in gewisser Beziehung noch tierische Formen hatte, im Ätherkopf sah er, was hineinwirken sollte in die physische Form, um diese menschenähnlicher zu gestalten. Wie dieser Mensch werden sollte, welch eine Aufgabe die Menschheit in der Entwickelung hatte, diese Frage stand lebendig vor ihm als eine Frage der Erwartung, der Sehnsucht, der Entfaltung des Kommenden, wenn er die Sphinx sah. Daß alle menschliche Forschung und Philosophie aus der Sehnsucht heraus entsteht, ist ein griechischer Ausspruch, aber zugleich auch ein hellseherischer. Man hat vor sich eine Gestalt, die nur mit astralischem Bewußtsein wahrgenommen wird, aber sie quält einen, sie gibt einem ein Rätsel auf: das Rätsel, wie man werden soll. Nunmehr hat sich diese Athergestalt, die in der atlantischen Zeit da war und in der ägyptischen Zeit in der Erinnerung lebte, mehr und mehr dem menschlichen Wesen einverleibt, und sie erscheint auf der anderen Seite in der Menschennatur wieder, sie erscheint in all den religiösen Zweifeln, in dem Unvermögen unserer Kulturepoche gegenüber der Frage: Was ist der Mensch? - In all den unbeantworteten Fragen, in all den Aussprüchen, die sich um das «Ignorabimus» drehen, erscheint die Sphinx wieder. In den Zeiten, die noch spirituell waren, konnte der Mensch sich aufschwingen, die Sphinx wirklich vor sich zu haben; heute lebt sie in seinem Inneren als die zahlreichen Fragen, die ohne Antwort sind. Daher kann der Mensch so schwer zu einer Überzeugung von der geistigen Welt kommen, weil die Sphinx, die früher außen war, nachdem gerade in dem mittleren Zeitraum sich der gefunden hat, der das Rätsel gelöst, der sie in den Abgrund, in das eigene Innere des Menschen gestürzt hat, weil diese Sphinx jetzt im Inneren des Menschen erscheint.
[ 8 ] The ideas that were instilled in souls in ancient Egypt confront us once again, and our modern truths are reborn Egyptian myths. We could trace this in great detail if we wanted to. We can trace it right down to the very nature of human beings. Let us recall once more the Sphinx, that wondrous, enigmatic figure who later became the Oedipus Sphinx in Greek culture, posing the well-known riddle to humanity. But we also already know that she is composed of a human form that, on the physical plane, was still analogous to the animal form, while her etheric body had already taken on a human form. In Egyptian times, a person was only able to truly see the Sphinx as an etheric form if they had undergone certain stages of initiation. Then, however, it stood before them. And now the important point is that, when one has a truly clairvoyant perception, one does not merely see it as a block of wood before oneself, but certain feelings are necessarily linked to this perception. A cold-hearted person may, under certain circumstances, pass by even the most significant artistic manifestation; a cold-hearted person may remain unmoved; clairvoyant consciousness is not in this position: when it is truly developed, the corresponding feeling is stirred within it. The Greek myth expresses the true feeling that the clairvoyant still had during the ancient Egyptian era and in the Greek mysteries when he had reached the point where the Sphinx appeared before his eyes. What was it, then, that appeared before his eyes? Something unfinished, something that was yet to come into being. He saw this figure, which in a certain sense still had animal forms; in the etheric head he saw what was to work into the physical form in order to make it more human-like. How this human being was to become, what task humanity had in its evolution—this question stood vividly before him as a question of anticipation, of longing, of the unfolding of what was to come, when he saw the Sphinx. That all human research and philosophy arise from longing is a Greek saying, but at the same time a clairvoyant one. One has before oneself a figure that is perceived only through astral consciousness, yet it torments one; it presents one with a riddle: the riddle of how one is to become. Now this ethereal figure, which existed in the Atlantean era and lived on in memory during the Egyptian era, has become increasingly incorporated into the human being, and it reappears on the other side in human nature; it appears in all the religious doubts, in the inability of our cultural epoch to answer the question: What is a human being? —In all the unanswered questions, in all the sayings revolving around “Ignorabimus,” the Sphinx reappears. In times that were still spiritual, human beings could rise to the level of truly facing the Sphinx; today it lives within them as the countless questions that remain unanswered. This is why it is so difficult for human beings to arrive at a conviction regarding the spiritual world: because the Sphinx, which used to be external, has—after the one who solved the riddle emerged during the Middle Period and cast it into the abyss, into the very depths of the human being—come to appear within the human being.
[ 9 ] Nachdem die griechisch-lateinische Zeit mit ihren Nachwirkungen bis in das 13. und 14. Jahrhundert sich ausgelebt hat, leben wir seither in dem fünften Zeitraum. Seither haben sich immer mehr und mehr anstelle der alten Gewißheit neue Zweifel gesetzt. Immer mehr treten solche Dinge uns entgegen, und wenn wir nur wollen, können wir in vielen, vielen Einzelheiten der neueren Entwickelung die nur ins Materialistische umgesetzten ägyptischen Vorstellungen wiederfinden. Nur müssen wir uns fragen, was da denn eigentlich geschehen ist; denn eine gewöhnliche Übertragung ist es nicht; es treten uns diese Dinge nicht unmittelbar entgegen, sondern so, daß sie modifiziert sind. Alles ist in mehr materialistischer Weise ausgebildet, sogar den Zusammenhang des Menschen mit der Tierheit sehen wir, in materialistische Anschauung umgesetzt, wieder auftauchen. Daß der Mensch wußte, daß er früher seinen äußeren Leib noch nicht anders als tierähnlich gestalten konnte, daß er deshalb in der ägyptischen Erinnerung selbst seine Göttergestalten noch in Tierformen abgebildet hat, das tritt uns in den Weltanschauungen entgegen, die in materialistischer Weise den Menschen vom Tier abstammen lassen. Auch der Darwinismus ist nichts anderes als altes ägyptisches Erbgut in materialistischer Form.
[ 9 ] Now that the Greco-Latin era—with its aftereffects extending into the 13th and 14th centuries—has run its course, we have been living in the fifth period ever since. Since then, new doubts have increasingly taken the place of the old certainties. We are increasingly confronted with such things, and if we are willing, we can rediscover the Egyptian concepts—translated solely into materialistic terms—in many, many details of more recent developments. We must simply ask ourselves what actually happened here; for this is no ordinary transmission; these things do not confront us directly, but rather in a modified form. Everything has taken on a more materialistic form; we even see the connection between human beings and the animal kingdom reemerging, translated into a materialistic perspective. The fact that human beings knew they could not yet shape their outer bodies in any way other than in an animal-like manner—and that they therefore, in Egyptian memory, even depicted their divine figures in animal forms—is reflected in worldviews that, in a materialistic manner, trace human beings back to animals. Darwinism, too, is nothing other than ancient Egyptian heritage in materialistic form.
[ 10 ] Wir sehen also: nicht bloß ein gerader Fortgang der Entwickelung ist es, der uns da entgegentritt, sondern etwas wie eine Spaltung der Entwickelung. Ein Zweig wurde mehr materiell, einer mehr geistig. Das, was früher mehr in einer Linie gelaufen ist, spaltet sich in zwei Zweige der Menschheitsentwickelung. Gehen Sie in die alten Zeiten zurück, in die ägyptische, in die persische, in die altindische Kultur: eine für sich bestehende Wissenschaft, einen für sich bestehenden Glauben gab es da nicht. Das, was man erfaßte über die geistigen Urgründe der Welt, geht in einer geraden Linie bis zu dem Wissen von den Einzelheiten herunter, und man kann aufsteigen von dem Wissen der materiellen Welt bis zum höchsten Gipfel, einen Widerspruch zwischen Wissen und Glauben gibt es da nicht. Was wir heute diesen Gegensatz nennen, das würde ein altindischer Weiser, ein chaldäischer Priester nicht verstanden haben; sie wußten noch nicht von einem Unterschied, und auch die Ägypter wußten noch keinen Unterschied zwischen dem, was man bloß glauben soll und was ein Wissen sein soll. Dieser Unterschied machte sich erst geltend, als der Mensch tiefer hineinsank in die Materie, als immer tiefer die materielle Kultur von der Menschheit erobert wurde. Dazu aber war noch eine andere Einrichtung notwendig.
[ 10 ] So we see: it is not merely a linear progression of development that we encounter here, but rather something like a bifurcation of development. One branch became more material, the other more spiritual. What used to follow a single line has split into two branches of human development. Go back to ancient times—to Egyptian, Persian, and ancient Indian cultures—and you will find that there was no science or faith that existed in isolation. What was understood about the spiritual foundations of the world extended in a straight line down to knowledge of the details, and one could ascend from knowledge of the material world to the highest summit; there was no contradiction between knowledge and faith. What we today call this opposition would not have been understood by an ancient Indian sage or a Chaldean priest; they were not yet aware of any distinction, nor did the Egyptians yet recognize a difference between what one is merely supposed to believe and what is supposed to be knowledge. This distinction only became apparent as humanity sank deeper into matter, as material culture was increasingly conquered by humankind. But for this to happen, another institution was necessary.
[ 11 ] Denken wir uns einmal, daß dieser Abfall des Menschen nicht stattgefunden hätte, was wäre dann geschehen? Wir haben einen ähnlichen Abfall schon gestern betrachtet, der aber anderer Natur war; dies ist ein erneuter Abfall auf anderem Gebiet, der etwa eintritt, als eine selbständige Wissenschaft neben der Erfassung des Geistigen auftritt. Das ist erst in der griechischen Welt der Fall, vorher gab es diesen Gegensatz zwischen Wissenschaft und Religion nicht; für den ägyptischen Priester hätte solche Trennung keinen Sinn gehabt. Versenken Sie sich in das, was Pythagoras von den Ägyptern gelernt hat: die Zahlenlehre. Sie war ihm nicht abstrakte Mathematik, sie war ihm das, was ihm die Musikgeheimnisse der Welt in der Harmonie der Zahlen gab; eine heilige, mit religiöser Grundstimmung verbundene Weisheit war ihm die Mathematik, die heute dem Menschen als etwas Abstraktes erscheint. Aber der Mensch mußte immer mehr heruntersteigen mit der Wissenschaft in die materielle, physische Welt hinein, und wir sehen ja, wie selbst das, was die spirituelle Weisheit der Ägypter war, uns entgegentritt — wie in der Erinnerung umgestaltet - in der materialistischen Weltanschauungsmythe. Für die Zukunft werden all die Theorien der heutigen Menschen ebenso als etwas, was nur zeitlichen Wert hat, empfunden werden, wie heute die alten 'Theorien von der Menschheit empfunden werden. Hoffentlich sind dann die Menschen so gescheit, daß sie nicht in den Fehler verfallen wie die heutigen Menschen, die da sagen: Bis in das 19. Jahrhundert hat der Mensch unbedingt dumm sein müssen in der Wissenschaft, da erst ist er gescheit geworden, denn alles, was früher über den Menschenleib, über Anatomie gesagt wurde, ist ja Unsinn, und wahr ist nur, was das letzte Jahrhundert gebracht hat. — Aber der Mensch in der Zukunft wird gescheiter sein, er wird nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Er wird auf unsere Mythen der Anatomie, der Philosophie, des Darwinismus nicht so wegwerfend herunterschauen, wie der heutige Mensch auf die alten Wahrheiten herunterschaut. Aber es ist doch so, daß auch das vergängliche Formen der Wahrheit sind, was man heute als so fest begründet ansieht: das Kopernikanische Weltensystem, es ist nur eine vorübergehende Form. Sie wird ersetzt werden durch etwas anderes. Die Formen der Wahrheit ändern sich fortwährend, das ist herbeigeführt worden durch das Untertauchen des Menschen in die Materialität. Dafür mußte aber, damit im Menschen nicht aller Zusammenhang verlorenginge, ein um so stärkerer geistiger Impuls kommen, ein Impuls nach der Spiritualität hin. Diesen starken Impuls haben wir gestern charakterisiert in dem Christus-Impuls. Es mußte sozusagen die Menschheit «wissenschaftlich» eine Weile allein gelassen werden, und das Religiöse mußte in eine andere Strömung gebracht werden, gerettet werden vor dem fortschreitenden Einfall der Wissenschaft. So sehen wir, wie sich da abspaltet eine Weile die Wissenschaft, die auf das äußere Materielle geht, und das Spirituelle, das in einer besonderen Strömung fortgeht. Wir sehen, wie die zwei Strömungen, der Glaube für das Spirituelle und das Wissen für das äußere Materielle, nebeneinander hergehen. Ja, wir sehen sogar, daß in einer ganz bestimmten Periode der mittelalterlichen Entwickelung, in einer Periode, die der unseren eben vorangegangen ist, Wissen und Glauben sich bewußt gegeneinander stellen, aber noch eine Verbindung suchend.
[ 11 ] Let us imagine for a moment that this fall of humankind had not taken place—what would have happened then? We already considered a similar fall yesterday, though it was of a different nature; this is a renewed fall in another realm, one that occurs, so to speak, when science emerges as an independent discipline alongside the understanding of the spiritual. This was first the case in the Greek world; before that, there was no such opposition between science and religion; for the Egyptian priest, such a separation would have made no sense. Immerse yourselves in what Pythagoras learned from the Egyptians: the science of numbers. For him, it was not abstract mathematics; rather, it was what the musical mysteries of the world revealed to him through the harmony of numbers; mathematics—which today appears to people as something abstract—was for him a sacred wisdom imbued with a religious spirit. But humanity had to descend further and further with science into the material, physical world, and we can see how even what was the spiritual wisdom of the Egyptians confronts us—transformed in memory—as a myth of the materialistic worldview. In the future, all the theories of today’s people will be perceived as having only temporary value, just as the ancient theories are perceived by humanity today. Hopefully, people will then be wise enough not to fall into the same error as today’s people, who say: “Until the 19th century, people must have been utterly ignorant in science; only then did they become wise, for everything that was said earlier about the human body and anatomy is nonsense, and only what the last century has brought is true.”—But people in the future will be wiser; they will not repay like with like. They will not look down so dismissively on our myths of anatomy, philosophy, and Darwinism as people today look down on the old truths. But the fact remains that even what is regarded today as so firmly established are merely transitory forms of truth: the Copernican system of the world is only a temporary form. It will be replaced by something else. The forms of truth are constantly changing; this has been brought about by humanity’s immersion in materiality. However, to prevent humanity from losing all sense of connection, an even stronger spiritual impulse had to arise—an impulse toward spirituality. We characterized this powerful impulse yesterday as the Christ impulse. Humanity had to be left “scientifically” to its own devices for a while, so to speak, and religion had to be steered into a different current, saved from the encroaching influence of science. Thus we see how, for a time, science—which focuses on the external material world—and the spiritual—which continues along a distinct path—split apart. We see how the two currents—faith in the spiritual and knowledge of the outer material world—run side by side. Indeed, we even see that during a very specific period of medieval development, a period that immediately preceded our own, knowledge and faith consciously opposed one another, yet still sought a connection.
[ 12 ] Sehen Sie sich die Scholastiker an. Sie sagen: Es ist dem Menschen durch Christus ein Glaubensgut gegeben, das dürfen wir nicht antasten, das ist unmittelbar gegeben; alle Wissenschaft aber, die die Zeit hat hervorbringen können, seitdem jene Spaltung geschehen ist, kann nur dazu verwendet werden, um dieses Glaubensgut zu beweisen. — So sehen wir, wie in der Scholastik die Tendenz herrscht, alle Wissenschaft dazu anzuwenden, um die geoffenbarte Wahrheit zu beweisen. Da wo die Scholastik in ihrer Blüte steht, da sagt man: Man kann sozusagen von unten hinaufblicken in das Glaubensgut, und bis zu einem gewissen Grade kann menschliche Wissenschaft es durchdringen. Aber dann muß man sich dem Geoffenbarten hingeben. - Dann aber verliert sich im weiteren Verlauf der Zeiten die Verwandtschaft zwischen Glauben und Wissenschaft, man hat keine Hoffnung mehr, daß sie zusammengehen können; und das äußerste Extrem sehen wir in der Kantschen Philosophie, wo Wissenschaft und Glauben ganz und gar auseinandergetrieben werden, wo auf der einen Seite der kategorische Imperativ mit seinen praktischen Vernunftspostulaten hingestellt wird, und auf der anderen Seite die rein theoretische Vernunft, die allen Zusammenhang verloren hat, die sich sogar eingesteht: Es gibt keine Möglichkeit, von dem Wissen aus einen Zusammenhang mit den spirituellen Wahrheiten zu finden.
[ 12 ] Consider the Scholastics. They say: Through Christ, a body of faith has been given to humankind; we must not tamper with it, for it is given directly; but all the knowledge that time has produced since that schism occurred can only be used to prove this body of faith. — Thus we see how, in Scholasticism, the prevailing tendency is to apply all science to proving revealed truth. Where Scholasticism is at its height, it is said: One can, so to speak, look up from below into the body of faith, and to a certain extent human science can penetrate it. But then one must surrender to the revealed truth. — As time goes on, however, the connection between faith and science is lost; one no longer has any hope that they can go hand in hand; and we see the extreme case in Kant’s philosophy, where science and faith are driven completely apart—where, on the one hand, the categorical imperative with its postulates of practical reason is set forth, and on the other hand, purely theoretical reason, which has lost all connection and even admits: There is no possibility of finding a connection to spiritual truths on the basis of knowledge.
[ 13 ] Aber es ist auch schon ein starker Impuls wieder da, der wiederum eine Erinnerung alter ägyptischer Gedankeneinflüsse darstellt. Wir sehen, wie sich wiederum Geister finden, die nun einen Zusammenfluß von Glauben und Wissen suchen, die in einer wissenschaftlichen Vertiefung wiederum das Göttliche zu erkennen suchen, und die da suchen, in dem Gott alles so klar und sicher zu erfassen, daß es wieder wissenschaftlicher Gedankenform zugänglich ist. Ein Typus eines solchen Denkens und Anschauens ist Goethe, bei dem tatsächlich Religion, Kunst und Wissenschaft in eines zusammenfließen, der ebenso dem griechischen Kunstwerke gegenüber Religion empfindet, wie er eine Summe von Pflanzenformen durchforscht, um den großen Gedanken der Gottheit wieder manifestiert zu finden im äußeren Ausdruck.
[ 13 ] But a powerful impulse has already returned, one that once again reflects the influence of ancient Egyptian thought. We see how minds are once again coming together—minds that now seek a convergence of faith and knowledge, that seek to recognize the divine through scientific inquiry, and that seek to grasp God so clearly and certainly that He becomes accessible once more to scientific thought. A prime example of this kind of thinking and perception is Goethe, in whom religion, art, and science truly converge; he approaches Greek works of art with the same reverence as he does when he studies the diversity of plant forms, seeking to find the great idea of the divine manifested once more in their outward expression.
[ 14 ] Da sehen wir, wie das Ägyptertum sich an seinem Ausgangspunkte widerspiegelt. Wir können die ganze moderne Kultur durchnehmen: sie erscheint uns als eine Erinnerung des alten Ägyptertums. Aber diese Spaltung in der modernen Kultur ist nicht ohne weiteres zustande gekommen, sie hat sich langsam vorbereitet, und wenn wir verstehen wollen, wie das geschehen ist, dann müssen wir noch einen kurzen Blick darauf werfen, wie sich in der atlantischen Zeit die nachatlantische veranlagt hat.
[ 14 ] Here we see how Egyptian culture is reflected at its point of origin. We can examine modern culture as a whole: it appears to us as a remnant of ancient Egyptian culture. But this division within modern culture did not come about overnight; it developed gradually, and if we want to understand how this happened, we must take a brief look at how the post-Atlantean era laid the groundwork during the Atlantean period.
[ 15 ] Wir haben gesehen, daß ein kleines Häuflein von Menschen in der Gegend des heutigen Irland am meisten vorgeschritten war, wie sie diejenigen Fähigkeiten gehabt haben, die nach und nach in aufeinanderfolgenden Kulturepochen heraustraten. Die Ich-Anlage hat sich ja, wie wir wissen, seit der lemurischen Zeit her entwickelt, aber jene Stufe der Ichheit, die in diesem kleinen Häuflein Menschen lebte, das sozusagen die Kulturströmung von Westen nach Osten geschickt hat, bestand in der Anlage zum logischen Erwägen, zur Urteilskraft. Vorher gab es so etwas nicht; wenn ein Gedanke da war, war er auch schon bewiesen. Ein urteilendes Denken war bei diesem Völkchen veranlagt, und sie brachten diese Keimanlage hinüber vom Westen nach dem Osten, und bei jenen Kolonisationszügen, von denen einer nach Süden hinunterging, nach Indien, da wurde die erste Anlage zur Gedankenbildung gemacht. Dann wurde der persischen Kultur der kombinierende Gedanke eingeflößt, und in der dritten, in der chaldäischen, wurde dieser kombinierende Gedanke noch intensiver; die Griechen aber brachten es so weit, daß sie das herrliche Denkmal der aristotelischen Philosophie hinterließen. So geht es immer weiter, das kombinierende Denken entwickelt sich immer mehr und mehr, es geht aber immer auf einen Mittelpunkt zurück, und es finden Nachschübe statt. Wir müssen uns das so vorstellen: Als die Kultur von jenem Punkte hinübergezogen ist nach einem Punkte in Asien, da wandte sich ein Zug nach Indien, der noch am schwächsten durchtränkt war vom reinen logischen Denken. Der zweite Zug, der nach Persien ging, war schon mehr durchdrungen davon, der ägyptische noch mehr, und innerhalb dieses Zuges hat sich das Volk des Alten Testaments abgesondert, welches gerade diejenige Anlage zur Kombination hatte, die entwickelt werden mußte, um wiederum einen Schritt vorwärts zu machen in dieser reinen logischen Erkenntnisform des Menschen. Nun ist aber auch das andere damit verknüpft, was wir betrachtet haben: das Heruntersteigen auf den physischen Plan. Je mehr wir heruntersteigen, desto mehr wird der Gedanke bloß logisch und auf die äußere Urteilskraft angewiesen. Denn logisches Denken, reine bloße menschliche Logik, die von Begriff zu Begriff geht, die braucht zu ihrem Instrument das Gehirn; das ausgebildete Gehirn vermittelt bloß das logische Denken. Daher kann dies äußerliche Denken, selbst da, wo es eine erstaunliche Höhe erreicht, niemals zum Beispiel die Reinkarnation durch sich selbst erfassen, weil dieses logische Denken zunächst nur anwendbar ist auf das Äußerliche, Sinnliche um uns herum.
[ 15 ] We have seen that a small group of people in the region of present-day Ireland was the most advanced, as they possessed the abilities that gradually emerged in successive cultural epochs. The ego faculty, as we know, has been developing since the Lemurian period, but that stage of egohood present in this small group of people—who, so to speak, directed the cultural current from west to east—consisted of the capacity for logical reasoning and judgment. Before that, nothing of the sort existed; if a thought arose, it was already proven. This small group of people possessed a predisposition for judgmental thinking, and they carried this seed from the West to the East; and during those waves of colonization—one of which moved southward to India—the first seeds of conceptual thinking were sown. Then combinatory thought was instilled into Persian culture, and in the third—the Chaldean—this combinatory thought became even more intense; the Greeks, however, took it so far that they left behind the magnificent legacy of Aristotelian philosophy. And so it continues: combinatory thinking develops more and more, yet it always returns to a central point, and new impulses are constantly emerging. We must imagine it this way: When culture moved from that point to a point in Asia, a stream turned toward India, one that was still the least imbued with pure logical thinking. The second stream, which went to Persia, was already more permeated by it; the Egyptian stream even more so; and within this stream, the people of the Old Testament separated themselves—they possessed precisely the aptitude for combination that had to be developed in order to take another step forward in this pure logical form of human knowledge. But this is also linked to the other aspect we have considered: the descent onto the physical plane. The further we descend, the more thought becomes purely logical and dependent on external judgment. For logical thinking—pure, mere human logic that moves from concept to concept—requires the brain as its instrument; the developed brain merely mediates logical thinking. Therefore, this external thinking—even when it reaches astonishing heights—can never, for example, grasp reincarnation on its own, because this logical thinking is initially applicable only to the external, sensory world around us.
[ 16 ] Die Logik ist zwar für alle Welten anwendbar, aber unmittelbar angewendet kann sie nur in bezug auf die physische Welt werden. Also an ihr Instrument, an das physische Gehirn ist die Logik unbedingt gebunden, wenn sie als menschliche Logik auftritt; nie hätte das rein begriffsmäßige Denken in die Welt kommen können ohne das Weiter-Heruntersteigen in die sinnliche Welt. Sie sehen, die Ausbildung des logischen Denkens ist verknüpft mit dem Verlust der alten hellseherischen Anschauung; wirklich hat der Mensch das logische Denken erkaufen müssen mit diesem Verlust. Er muß sich die hellseherische Anschauung wiederum hinzuerwerben zu dem logischen Denken. In späteren Zeiten wird der Mensch die Imagination dazu erhalten, aber das logische Denken wird ihm bleiben. Erst mußte das menschliche Gehirn erschaffen werden, heraustreten mußte der Mensch in die physische Welt. Der Kopf mußte erst ganz ausgestaltet werden, dem Ätherkopfe gleich, damit dieses Gehirn im Menschen sei. Da erst war es möglich, daß der Mensch in die physische Welt herabsteigen konnte. Zur Rettung des Spirituellen aber mußte der Zeitpunkt gewählt werden, wo noch nicht der letzte Impuls zum rein mechanischen, zum rein äußerlichen Denken gegeben war. Wenn der Christus einige Jahrhunderte später erschienen wäre, dann wäre er sozusagen zu spät gekommen, dann wäre die Menschheit zu weit heruntergestiegen gewesen, sie hätte sich mit dem Denken zu weit verstrickt gehabt, sie hätte den Christus nicht mehr verstehen können. Vor dem letzten Impulse mußte der Christus erscheinen, da noch konnte die religiös spirituelle Strömung als eine Glaubensströmung gerettet werden. Und dann konnte der letzte Impuls gegeben werden, der das Denken des Menschen herunterstieß in den tiefsten Punkt, so daß die Gedanken ganz gefesselt, gebannt wurden an das physische Leben. Das wurde durch die Araber und Mohammedaner gegeben. Der Mohammedanismus ist nichts anderes als eine besondere Episode in diesem Arabertum, denn in seinem Herüberziehen nach Europa gibt er den letzten Einfluß in das rein logische Denken, das sich nicht erheben kann zu Höherem, Geistigem.
[ 16 ] Although logic is applicable to all worlds, it can only be directly applied in relation to the physical world. Thus, when it appears as human logic, it is absolutely bound to its instrument, the physical brain; purely conceptual thinking could never have come into being without the further descent into the sensory world. You see, the development of logical thinking is linked to the loss of the old clairvoyant perception; indeed, humanity has had to pay for logical thinking with this loss. It must regain the clairvoyant perception alongside logical thinking. In later times, human beings will regain the power of imagination, but logical thinking will remain with them. First, the human brain had to be created; human beings had to step out into the physical world. The head first had to be fully formed, like the etheric head, so that this brain might exist within the human being. Only then was it possible for human beings to descend into the physical world. To save the spiritual, however, the moment had to be chosen when the final impulse toward purely mechanical, purely external thinking had not yet been given. If Christ had appeared a few centuries later, He would have come too late, so to speak; humanity would have descended too far, become too entangled in thinking, and would no longer have been able to understand Christ. Christ had to appear before the final impulse, for only then could the religious-spiritual current still be saved as a current of faith. And then the final impulse could be given, which drove human thinking down to its lowest point, so that thoughts became completely bound and captivated by physical life. This was brought about by the Arabs and the Muslims. Islam is nothing other than a particular episode in this Arab culture, for as it spread into Europe, it exerted its final influence on purely logical thinking, which is unable to rise to higher, spiritual realms.
[ 17 ] Der Mensch wird durch das, was man eine geistige Weltenführung, eine Vorsehung nennen kann, so geführt: Erst wird das spirituelle Leben gerettet im Christentum, dann zieht um den Süden herum der Arabismus nach Europa, das der Schauplatz für die äußere Kultur werden soll. Der Arabismus ist nur imstande, das Äußere zu erfassen. Sehen wir nicht, wie die Arabeske selbst sich nicht zum Lebendigen erheben kann, wie sie bei der Form stehenbleibt? Wir können es an der Moschee sehen, wie der Geist sozusagen herausgesogen ist. Die Menschheit mußte erst herabgeführt werden in die Materie. Und auf dem Umwege durch die Araber, durch die Invasion der Araber, durch das, was man nennen kann den Zusammenstoß des Arabismus mit dem Europäertum, das aber schon in sich das Christentum aufgenommen hat, sehen wir, wie die moderne Wissenschaft erst veranlagt wird.
[ 17 ] Humanity is guided by what might be called a spiritual guidance of the world, a providence: First, spiritual life is saved through Christianity; then Arabism makes its way around the South toward Europe, which is to become the stage for external culture. Arabism is capable only of grasping the external. Do we not see how the arabesque itself cannot rise to the level of the living, how it remains stuck at the level of form? We can see this in the mosque, where the spirit has, so to speak, been sucked out. Humanity first had to be brought down into matter. And through the detour via the Arabs—through the Arab invasion, through what might be called the clash of Arabism with European culture, which had already absorbed Christianity within itself—we see how modern science first begins to take shape.
[ 18 ] So sehen wir, daß auf der einen Seite die alte ägyptische Erinnerung wieder auflebt. Was aber macht sie materialistisch? Was macht sie zu der Gedankenform des Toten? Wir können es handgreiflich zeigen. Wäre der Weg glatt fortgegangen, dann wäre in unserem Zeitraum die Erinnerung von dem Früheren aufgetreten. So aber sehen wir, wie sich das Spirituelle in den Glauben hineinrettet, und wie der eine Flügel der europäischen Entwickelung von dem Materialistischen ergriffen wird; wie dem Menschen, der sich an die alte ägyptische Zeit erinnert, diese Erinnerung auf dem Wege durch den Arabismus so umgestaltet wird, daß sie ihm in materialistischer Form erscheint. Daß Kopernikus das moderne Sonnensystem überhaupt erfaßt hat, war eine ägyptische Erinnerung. Daß er es in materialistischer Weise gedeutet hat, daß er es zu einem Mechanischen, zu einem toten Rotieren gemacht hat, kommt davon her, daß von der anderen Seite her der Arabismus diese Erinnerung ins Materialistische herunterzog.
[ 18 ] Thus we see that, on the one hand, the memory of ancient Egypt is being revived. But what makes it materialistic? What makes it the thought-form of the dead? We can demonstrate this clearly. If the path had continued smoothly, then the memory of the past would have emerged in our own time. But as it is, we see how the spiritual finds refuge in faith, and how one wing of European development is seized by materialism; how, for the person who recalls the ancient Egyptian era, this memory is transformed along the path through Arabism in such a way that it appears to him in a materialistic form. The fact that Copernicus conceived of the modern heliocentric system at all was an Egyptian memory. The fact that he interpreted it in a materialistic way—that he turned it into a mechanical, lifeless rotation—stems from the fact that, from the other side, Arabism pulled this memory down into the realm of materialism.
[ 19 ] So sehen wir, wie geheimnisvolle Kanäle gehen von dem dritten zum fünften Zeitalter. Das sehen wir selbst in dem Einweihungsprinzip. Denn als das moderne Leben ein Einweihungsprinzip erhalten sollte in dem Rosenkreuzertum, was war es? Wir haben gesehen in der modernen Wissenschaft die Ehe zwischen der ägyptischen Erinnerung und dem Arabismus, der auf das Tote gerichtet ist. Auf der anderen Seite sehen wir eine andere Ehe sich vollziehen, eine Verbindung zwischen dem, was die ägyptischen Eingeweihten ihren Schülern eingepflanzt haben, und dem Spirituellen. Wir sehen eine Ehe zwischen der Weisheit und dem, was an Glaubenswahrheit gerettet worden ist. Jenen harmonischen Zusammenklang von ägyptischer Erinnerung in der Weisheit mit dem christlichen Kraftimpuls, wir sehen ihn in dem Rosenkreuzertum. So sehen wir den alten Samen, der in den ägyptischen Zeiten gelegt worden ist, wiederkehren, aber nicht als eine bloße Wiederholung, sondern differenziert, auf höherer Stufe angekommen.
[ 19 ] Thus we see how mysterious channels run from the third to the fifth age. We see this even in the principle of initiation. For when modern life was to receive a principle of initiation within Rosicrucianism, what was it? We have seen in modern science the union between Egyptian memory and Arabism, which is directed toward the dead. On the other hand, we see another union taking place—a connection between what the Egyptian initiates instilled in their disciples and the spiritual realm. We see a union between wisdom and what has been preserved of religious truth. That harmonious blend of Egyptian memory within wisdom and the Christian impulse of power—we see it in Rosicrucianism. Thus we see the ancient seed, sown in Egyptian times, returning—but not as a mere repetition, rather in a differentiated form, having reached a higher level.
[ 20 ] Das sind allerdings Gedanken, die nicht nur Gedanken sein sollen, um uns über irgend etwas von Welt, Erde und Mensch zu unterrichten, sondern die zugleich in unsere Empfindung, selbst in unsere Willensimpulse hineingehen sollen, die uns beflügeln können, denn sie zeigen uns die Wege, die wir zu schreiten haben. Sie zeigen uns die Wege zum Spirituellen, sie zeigen uns aber auch, wie wir das, was wir im guten Sinne und guten Stile auf rein materiellem Felde gewonnen haben, in die Zukunft hineinführen können. Wir sehen, wie sich die Wege trennen und wieder zusammenfügen; und die Zeit wird wiederkommen, wo nicht nur die ägyptische Erinnerung sich mit den spirituellen Glaubenswahrheiten vereinigt, so daß wir eine rosenkreuzerische Wissenschaft haben werden, die zugleich Religion ist, und daneben eine sich ans Materielle heftende Wissenschaft, sondern auch diese beiden werden sich vereinen, die Wissenschaft mit der Rosenkreuzerei. Auch das wird uns eine Mythe der dritten Kulturepoche in einer bildlichen Veranschaulichung zeigen können.
[ 20 ] These, however, are thoughts that are not meant to be mere thoughts designed to teach us about the world, the Earth, and humanity, but rather are meant to penetrate our feelings and even our impulses of will—impulses that can inspire us, for they show us the paths we must follow. They show us the paths to the spiritual, but they also show us how we can carry forward into the future what we have gained in a positive and dignified manner in the purely material realm. We see how the paths diverge and come together again; and the time will come again when not only will the memory of Egypt unite with the spiritual truths of faith—so that we will have a Rosicrucian science that is at the same time a religion, alongside a science rooted in the material—but these two will also unite: science with Rosicrucianism. This, too, will be illustrated for us by a myth of the third cultural epoch.
[ 21 ] Wir suchen sie in der babylonischen Zeit. Da werden wir hingewiesen auf den Gott Marduk, der dem bösen Prinzip, dem Materialistischen, der alttestamentlichen Schlange, entgegentritt und ihr den Kopf spaltet, so daß in einer gewissen Weise das, was früher Widersacher war, in zwei Teile geteilt wird. Wir sehen in der Tat, was damals geschehen ist, die Trennung dessen, was vorlag in den alten Urgewässern, symbolisiert durch die Schlange; wir sehen das Obere in den Glaubenswahrheiten, das Untere in der rein materiellen Weltauffassung. Vereinigt müssen beide werden, die Wissenschaft und das Spirituelle, und sie werden wieder vereinigt werden in der Zukunft. Und gerade dann wird es sein, wenn durch die rosenkreuzerische Weisheit der Spiritualismus vertieft, zur Wissenschaft geworden ist, wenn er selbst sich wiederum treffen wird mit dem, was auf wissenschaftlichem Boden erforscht ist. Und dann wird eine große harmonische Einheit wieder erstehen, die verschiedenen Kulturströmungen werden zusammenfließen durch die Kanäle der Menschheit. Sehen wir nicht, wie in der neuesten Zeit diese Vereinigung angestrebt wird?
[ 21 ] We look for them in the Babylonian period. There we are directed to the god Marduk, who confronts the evil principle—the materialistic one, the Old Testament serpent—and splits its head, so that, in a certain sense, what was once an adversary is divided into two parts. We do indeed see what happened back then: the separation of what existed in the ancient primeval waters, symbolized by the serpent; we see the higher aspect in the truths of faith, and the lower aspect in the purely material worldview. Science and the spiritual must be united, and they will be united again in the future. And this will happen precisely when, through Rosicrucian wisdom, spiritualism has been deepened and has become a science, when it itself will once again meet with what has been researched on scientific grounds. And then a great harmonious unity will arise once more; the various cultural currents will flow together through the channels of humanity. Do we not see how this union has been sought in recent times?
[ 22 ] Wenn wir zurückblicken könnten auf die alten ägyptischen Mysterien, dann würden wir sehen, wie Religion, Wissenschaft und Kunst noch eines sind. Da wird die Weltenevolution in dem Herabsteigen des Gottes in die Materie gezeigt in einem äußeren großen, gewaltigen dramatischen Symbolum. Und wer dies Symbolum genießt, hat Wissenschaft vor sich, denn er erfährt da in einer lebendigen Darstellung, wie sich das abgespielt hat, wie der Mensch sich hineingesenkt hat, wie er allmählich hinabgeflossen ist in die Welt. Aber er hat noch etwas anderes vor sich, er hat auch Kunst vor sich, denn er sieht in dem Bilde ein symbolisches Abbild dessen, was Wissenschaft ist. Aber beides, Wissenschaft und Kunst, stehen nicht nur vor ihm, sie werden für ihn zugleich zur Religion, denn das, was sich ihm bildlich zeigt, erfüllt sich mit religiösem Gefühl. Und dann, später, spaltet sich das, dann gehen Religion, Wissenschaft und Kunst getrennte Wege. Aber die Menschen fühlen schon in unserer Zeit wieder, daß sie wieder zusammenfließen müssen, Was war denn das bedeutungsvolle Streben Richard Wagners anderes als das, was wir als spirituelles Streben hingestellt haben, in einer großen, gewaltigen Ahnung zu einem Kulturimpulse gemacht? Bei den Ägyptern war es im anschaulichen Bilde, weil das äußere Auge es brauchte. In unserer Zeit wiederholt es sich, es soll wieder aus den einzelnen Kulturströmungen ein Ganzes zusammengebaut werden, aber in einem Kunstwerke, dessen Element vorzugsweise das Fließen des Tones ist. Überall können wir den Zusammenhang zwischen Ägyptertum und moderner Zeit finden, überall diese Spiegelung beobachten.
[ 22 ] If we could look back at the ancient Egyptian mysteries, we would see how religion, science, and art were still one. There, the evolution of the world is depicted in the descent of the god into matter through a grand, powerful, and dramatic external symbol. And whoever appreciates this symbol has science before them, for they experience there, in a living representation, how it all unfolded—how humanity sank into it, how it gradually flowed down into the world. But they have something else before them as well; they also have art before them, for in the image they see a symbolic representation of what science is. Yet both science and art do not merely stand before them; they simultaneously become religion for them, for what is revealed to them visually is imbued with religious feeling. And then, later, this splits apart; religion, science, and art go their separate ways. But even in our own time, people are once again sensing that they must converge. What, after all, was Richard Wagner’s profound striving other than what we have described as spiritual striving—transformed into a cultural impulse through a grand, powerful intuition? Among the Egyptians, it took the form of vivid imagery, because the physical eye required it. In our time, this is repeating itself; a whole is to be assembled once more from the individual cultural currents, but in a work of art whose primary element is the flow of sound. Everywhere we can find the connection between Egyptian culture and the modern era; everywhere we can observe this reflection.
[ 23 ] Dann aber wird es uns um so mehr vor die Seele treten, wie jede Zeit nicht nur Wiederholung ist, sondern wie ein Aufsteigen, eine fortwährende Entwickelung der Menschheit stattfindet. Und dann muß auch das tiefste Bestreben der Menschheit, die Initiationsbestrebung, eine Fortentwickelung finden. Was im ersten Zeitraum das Einweihungsprinzip war, kann nicht das Einweihungsprinzip sein für die veränderte Menschheit von heute. Da gilt es nicht, daß wir darauf hingewiesen werden, daß die Ägypter schon in Urzeiten die urewige Wahrheit und Weisheit gefunden haben, daß wir schon in den alten orientalischen Religionsbekenntnissen und Philosophien die Urweisheit finden können, und daß alle anderen später im Grunde genommen nur dazu da waren, um immer wieder dasselbe zu durchleben, wenn es zur höchsten Initiation kommen soll. Nein! Davon kann niemals die Rede sein. Eine jede Zeit braucht bis in die Tiefen der menschlichen Seele hinein ihre ganz besondere Kraft.
[ 23 ] But then it will become all the more evident to us that every era is not merely a repetition, but rather a process of ascent, a continuous evolution of humanity. And then humanity’s deepest aspiration—the aspiration toward initiation—must also continue to evolve. What was the principle of initiation in the first epoch cannot be the principle of initiation for the transformed humanity of today. It is not a matter of being reminded that the Egyptians had already discovered the eternal truth and wisdom in ancient times, that we can already find primordial wisdom in the ancient Eastern religious traditions and philosophies, and that all others who came later were, in essence, merely there to relive the same experience over and over again if the highest initiation is to be attained. No! That can never be the case. Every age needs its own very special power that reaches into the depths of the human soul.
[ 24 ] Wenn von einigen Seiten behauptet wird — was ja wirklich geschieht —, es wären unter den Theosophen einige, die da sagen: Es gibt eine westliche Einweihung für unsere Kulturstufe, aber das sei ein Spätprodukt, die wahre Initiation könne nur im Osten geholt werden -, so muß geantwortet werden, daß nicht ohne weiteres darüber geurteilt werden darf. Man muß da tiefer in die Dinge eindringen, als man es gewöhnlich tut. Es mag Leute geben, die da sagen, Buddha ist in die höchsten Regionen hinaufgestiegen, und Christus hat gegenüber Buddha nichts Neues gebracht; aber nur in dem, was uns positiv entgegentritt, kann erkannt werden, um was es sich handelt. Fragen wir diejenigen, die auf dem Boden der westlichen Initiation stehen, ob sie irgend etwas negieren, verneinen von der östlichen Einweihung, ob sie über den Buddha anders reden als diejenigen, die im OÖstlichen stehen? Nein, alles das gilt ihnen, sie sagen zu alledem ja. Aber sie verstehen die Fortentwickelung und unterscheiden sich von denen, die zum westlichen Initiationsprinzip nein sagen, dadurch, daß sie es verstehen, zu dem ja zu sagen, was im Orientalismus gegeben wird, außerdem aber die fortgeschrittenen Formen wissen, die notwendig geworden sind im Laufe der Zeiten. Sie sagen ja, und zu nichts auf dem Gebiete der östlichen Initiation sagen sie nein. Nehmen Sie eine Charakteristik des Buddha von dem, der auf dem Standpunkte der westlichen Esoterik steht. Sie wird sich in nichts unterscheiden von dem, was derjenige sagt, der auf dem Boden der östlichen Esoterik steht. Aber er weiß - dieser, der auf dem Standpunkte des Westlichen steht —, er weiß zu zeigen, wie in dem Christus noch etwas anderes liegt, was darüber hinausgeht. Das tut der, der auf dem östlichen Standpunkte steht, nicht. Nicht dadurch entscheidet sich etwas, daß man behauptet, Buddha sei größer als Christus, sondern auf das, was man Positives sagt, darauf kommt es an. Und da spricht der, der auf dem westlichen Standpunkte steht, über Buddha ganz dasselbe wie der östliche. Nicht nein sagt der westliche zu dem, was der östliche sagt, sondern ja, aber er sagt ja noch zu etwas anderem auch,
[ 24 ] When some claim—as indeed happens—that there are some among the Theosophists who say: “There is a Western initiation for our cultural level, but it is a later development; true initiation can only be obtained in the East”—then the response must be that one cannot simply pass judgment on this matter. One must delve deeper into these matters than is usually done. There may be people who say that Buddha ascended to the highest realms and that Christ brought nothing new compared to Buddha; but it is only in what presents itself to us concretely that we can recognize what is at stake. If we ask those who stand on the ground of Western initiation whether they negate or reject anything about Eastern initiation, or whether they speak of the Buddha differently than those who stand in the Eastern tradition, the answer is no; all of that is valid to them, and they say “yes” to it all. But they understand the process of further development and differ from those who reject the Western principle of initiation in that they know how to affirm what is offered by Orientalism, while also recognizing the advanced forms that have become necessary over the course of time. They say “yes,” and they say “no” to nothing in the realm of Eastern initiation. Take a description of the Buddha from the perspective of Western esotericism. It will differ in no way from what is said by one who stands on the ground of Eastern esotericism. But the one who stands from the Western perspective knows—he knows how to show that there is something else in Christ that goes beyond this. The one who stands from the Eastern perspective does not do this. It is not decided by claiming that the Buddha is greater than Christ, but rather by what one says that is positive; that is what matters. And here, the one who stands on the Western standpoint speaks of Buddha in exactly the same way as the Eastern one. The Westerner does not say “no” to what the Eastern one says, but “yes”; yet he also says “yes” to something else as well,
[ 25 ] Man kann nicht so denken, daß man meint: Oh, diese Orientalisten verstehen sehr schlecht das Leben des Buddha, wenn sie glauben, es wörtlich nehmen zu müssen, daß der Buddha am Genuß von zu vielem Schweinefleisch zugrunde gegangen ist. Mit Recht wendet man dagegen vom Standpunkt des christlichen Esoterikers ein, daß diejenigen nichts davon verstehen, die irgend etwas Triviales darunter verstehen; das ist nur ein Bild dafür, wie Buddha stand zu seiner Zeitgenossenschaft. Erhatte zuviel von dem, was die heiligen brahmanischen Geheimnisse sind, mitgeteilt der Außenwelt. An einem Zuviel des Okkultismus, den er der Welt gegeben hat, ging er zugrunde. Er ging zugrunde, wie jeder, der Verborgenes mitteilt, zugrunde geht. Das ist in jenem sonderbaren Bilde gesagt. Man mag das mit aller Schärfe betonen, daß man in dem Orientalismus keinen Widerspruch findet, sondern daß man nur den Esoterismus solcher Sachen verstehen lernen muß. Wenn man aber sagen wollte, man dürfe es nur als etwas Minderwertiges ansehen — denn noch niemals hätte sich zum Beispiel jemand etwas dabei denken können, wenn uns verkündet wird, daß die Apokalypse von dem Schreiber derselben unter Blitz und Donner empfangen wurde -, und wenn man durchaus daraus Veranlassung nehmen wollte, über die Apokalypse zu spotten, dann würde man darauf erwidern können: Schade, daß der, der so etwas sagt, nicht weiß, was es heißt, daß die Apokalypse unter Blitz und Donner der Erde mitgeteilt wurde.
[ 25 ] One cannot think in such a way as to say: “Oh, these Orientalists have a very poor understanding of the Buddha’s life if they believe they must take it literally that the Buddha perished from eating too much pork.” From the standpoint of Christian esotericism, one is right to object that those who interpret this in a trivial way understand nothing at all; it is merely a metaphor for how the Buddha related to his contemporaries. He had revealed too much of the sacred Brahmanic mysteries to the outside world. He perished because of an excess of the occultism he had given to the world. He perished as anyone who reveals the hidden perishes. This is what that peculiar image conveys. One may emphasize this with the utmost clarity: there is no contradiction in Orientalism, but rather one must simply learn to understand the esoteric nature of such matters. But if one were to say that one should regard it merely as something inferior—for, for example, no one would ever have thought twice about it if we were told that the Apocalypse was received by its author amid thunder and lightning—and if one were determined to use this as a pretext to mock the Apocalypse, then one could reply: It is a pity that the person who says such a thing does not know what it means for the Apocalypse to have been revealed to the earth amid thunder and lightning.
[ 26 ] Da müssen wir festhalten, daß keine Negation über die Lippen des westlichen Esoterikers kommt und daß vieles von dem, was rätselhaft dasteht im Beginne der theosophischen Bewegung, durch westliche Esoterik seine Erklärung findet. Wer auf dem Boden des westlichen Esoterismus steht, weiß, daß er niemals in den geringsten Zwiespalt kommt mit dem, was an großen, gewaltigen Wahrheiten der Welt durch Helena Petrowna Blavatsky mitgeteilt wurde. Wenn wir zum Beispiel uns daran erinnern, daß wir bei Buddha zu unterscheiden haben den Dhyani-Buddha, den Adi-Buddha und den menschlichen Buddha, dann erfährt das erst seine volle Erklärung durch den westlichen Esoteriker. Denn wir wissen allerdings, daß dasjenige, was als der Dhyani-Buddha angesehen wird, nichts anderes ist als der göttererfaßte Ätherleib des historischen, realen Buddha, daß der Atherleib von dem erfaßt war, was wir gestern als die Individualität des Wotan bezeichnet haben. Es steht das allerdings schon darinnen, nur muß es durch eine westliche Esoterik erst in der richtigen Weise erfaßt werden. Die anthroposophische Bewegung wird insbesondere darauf achten müssen, daß, was uns aus einer solchen Betrachtung als ein Empfindungsimpuls vor die Seele getreten ist, uns anregen soll, uns entwickeln zu wollen, so daß wir keinen Moment stillstehen dürfen. Wertvoll wird die geisteswissenschaftliche Bewegung nicht dadurch, daß man alte Dogmen erhält, wenn sie auch erst fünfzehn Jahre alt sind, sondern daß man den richtigen Sinn einer solchen Bewegung erfaßt, der in nichts anderem bestehen kann als in der Erschließung immer neuer Keime, immer neuer spiritueller Quellen. Dann wird sie eine lebendige Strömung werden in der Menschheit, und dann wird sie jene Zukunft herbeiführen, die uns, wenn auch nur in skizzenhafter Andeutung, heute aus demjenigen vor die Seele getreten ist, was wir aus der Vergangenheit betrachten konnten. Das ist das beste, was wir mitnehmen können als einen solchen Empfindungsimpuls.
[ 26 ] We must note here that no negation ever passes the lips of the Western esotericist, and that much of what appears enigmatic at the beginning of the Theosophical Movement finds its explanation in Western esotericism. Anyone grounded in Western esotericism knows that they will never encounter the slightest conflict with the great, powerful truths about the world that were communicated by Helena Petrovna Blavatsky. If, for example, we recall that in the case of the Buddha we must distinguish between the Dhyani Buddha, the Adi Buddha, and the human Buddha, this is only fully explained by the Western esotericist. For we know, of course, that what is regarded as the Dhyani Buddha is nothing other than the etheric body of the historical, real Buddha, gripped by the divine; that the etheric body was gripped by what we referred to yesterday as the individuality of Wotan. This is, of course, already contained within it; it merely needs to be grasped in the proper way through Western esotericism. The anthroposophical movement will have to take particular care to ensure that what has come before our souls as a feeling impulse from such a contemplation serves to inspire us to strive for development, so that we must not stand still for a single moment. The spiritual science movement gains its value not by preserving old dogmas—even if they are only fifteen years old—but by grasping the true meaning of such a movement, which can consist of nothing other than the uncovering of ever-new seeds, ever-new spiritual sources. Then it will become a living current within humanity, and then it will bring about that future which has now appeared before our souls—albeit only as a sketchy hint—from what we have been able to observe of the past. That is the best thing we can take with us as such an impulse of feeling.
[ 27 ] Nicht darum handelt es sich, theoretische Wahrheiten mitzuteilen, sondern daß unser Gefühl, unsere Empfindung kräftig und stark wird zum Wirken. Wir haben die Entwickelung von Welt, Erde, Mensch betrachtet; wir wollen das, was wir ihr haben entnehmen können, so auffassen, daß wir selbst jederzeit bereit sein wollen, in die Entwickelung einzutreten. Das, was wir Zukunft nennen, muß allerdings wurzeln in der Vergangenheit. Das Wollen der Zukunft muß der Erkenntnis der Vergangenheit entsprechen; aber diese Erkenntnis hat keinen Wert, wenn sie sich nicht umwandelt in Triebkräfte für die Zukunft. Was wir gesehen haben, hat uns ein Bild gegeben solcher bedeutungsvoller Triebkräfte, daß nicht nur unser Wollen, unser Enthusiasmus, sondern daß auch unsere Lebensfreude und Sicherheit angeregt wird. Wenn wir ein solches Zusammenfließen der verschiedenen Strömungen sehen, dann sagen wir: Viele Samen sind im Zeitenschoße, sie alle sollen reifen. Der Mensch aber soll durch seine immer mehr sich vertiefende Erkenntnis die Möglichkeit erwerben, ein immer besserer Pfleger aller dieser Keime zu werden, die in dem Zeitenschoße liegen. Erkenntnis um des Wirkens, um der Lebenssicherheit willen, das ist es, was als ein Gefühlsimpuls alle geisteswissenschaftliche Betrachtung durchdringen muß. Nur darauf noch will ich am Schluß hinweisen, daß alle sogenannten geisteswissenschaftlichen Theorien dann erst die letzte Wahrheit erreichen, wenn sie umgewandelt werden in Leben, in Gefühlsimpulse und Lebenssicherheit, so daß wir nicht nur theoretisch betrachten, sondern wirklich eintreten in die Entwickelung.
[ 27 ] The point is not to convey theoretical truths, but to ensure that our feelings and sensibilities become powerful and strong enough to take action. We have considered the development of the universe, the Earth, and humanity; we wish to understand what we have gleaned from this in such a way that we ourselves are always ready to become part of that development. What we call the future must, of course, be rooted in the past. Our will for the future must correspond to our understanding of the past; but this understanding has no value unless it is transformed into driving forces for the future. What we have seen has given us a picture of such significant driving forces that not only our will and our enthusiasm, but also our joy of life and sense of security are stirred. When we see such a convergence of the various currents, we say: Many seeds lie in the womb of time; they are all meant to ripen. But through his ever-deepening insight, the human being is to acquire the ability to become an ever-better nurturer of all these seeds lying in the womb of time. Insight for the sake of action, for the sake of security in life—that is what must permeate all spiritual scientific contemplation as an emotional impulse. In closing, I would like to point out only this: all so-called spiritual scientific theories attain the ultimate truth only when they are transformed into life, into emotional impulses, and into a sense of security in life—so that we do not merely observe theoretically, but truly participate in the process of evolution.
