Anthroposophy's Response
to Universal Questions
GA 108
22 October 1908, Berlin
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Anthroposophy's Response to Universal Questions, tr. SOL
8. Novalis der Seher das Weihnachtsmysterium
8. Novalis the Seer: The Mystery of Christmas
[ 1 ] Von Zeit zu Zeit stehen immer wieder Menschen auf, welche dasjenige, was nun seit vielen Jahrhunderten von Tausenden und aber Tausenden im Herzen gefühlt, in der Seele empfunden wird, auch schauen. Nur derjenige, welcher mit dem lebt, was wir in unserer neueren Zeit durch die geheimwissenschaftlichen Einsichten uns erringen, der weiß, daß dieses von Tausenden und aber Tausenden Gefühlte von den Sehern jederzeit geschaut werden kann, daß geschaut werden kann, was als Folge eingetreten ist des unsere ganze Entwickelung beleuchtenden Ereignisses von Golgatha.
[ 1 ] From time to time, people arise who can actually see what thousands upon thousands have felt in their hearts and sensed in their souls for many centuries. Only those who live with what we have gained in recent times through the insights of esoteric science know that what has been felt by thousands upon thousands can be perceived by seers at any time—that it is possible to perceive what has come about as a consequence of the event at Golgotha, which illuminates our entire evolution.
[ 2 ] Durch dasjenige, was auf Golgatha geschehen ist, hat sich die ganze geistige Sphäre unseres Erdkreises verändert. Und der Seher sieht seitdem, wenn nur sein inneres Auge durch jene Gefühle, die uns mit dem Ereignis von Golgatha verbinden können, ein wenig geöffnet ist, die Folge dieses Ereignisses: die immerwährende Anwesenheit der Christus-Macht, die seit jener Zeit dem geistigen Erdenumkreis einverleibt ist. Die anderen fühlen und empfinden, wenn sie sich hindurchringen durch die großen Wahrheiten und die gewaltigen Impulse der Verkündigung des Ereignisses von Golgatha, die Gewalt dieser Tatsache. Sie empfinden, daß seit jener Zeit des Menschen Herz etwas anderes erleben kann als vorher auf der Erde; sie wissen, daß etwas da ist, was vorher nicht in der gleichen Weise gefühlt werden konnte. Und der Seher sieht dieses.
[ 2 ] What took place on Golgotha has transformed the entire spiritual sphere of our Earth. And ever since then, the seer—provided his inner eye is even slightly opened by those feelings that can connect us to the event at Golgotha—sees the consequence of this event: the everlasting presence of the Christ power, which has been incorporated into the spiritual sphere of our Earth ever since that time. Others sense and feel the power of this event when they force themselves to grapple with the great truths and the mighty impulses of the proclamation of the event at Golgotha. They sense that, since that time, the human heart has been able to experience something on Earth that was not possible before; they know that there is something present that could not be felt in the same way before. And the seer sees this.
[ 3 ] Ein solcher Seher, wie durch die Gnade der geistig-göttlichen Mächte, man möchte fast sagen, wie durch ein Wunder zum Seher berufen, ein solcher Seher war der deutsche Jüngling-Dichter Novalis. Durch ein ihn tief erschütterndes Ereignis, das ihn wie mit einem Zauberschlage gelehrt hat die Beziehung zwischen Leben und Tod, wurde ihm das geistige Auge aufgetan, und ihm war neben dem großen Rückblick in die Vergangenheit der Erden- und Weltenzeiten auch vor dieses geistige Auge gerückt die Christus-Wesenheit. Er durfte von sich sagen gegenüber dieser Christus-Wesenheit, daß er zu denjenigen gehöre, die mit ihrem geistigen Auge selbst gesehen haben, was sich enthüllt, wenn sich der «Stein hebt», und sichtbar wird diejenige Wesenheit, die für unser Erdendasein den Beweis geliefert hat, daß das Leben im Geistigen immerdar den Tod besiegt.
[ 3 ] Such a seer—called to be a seer, as it were, by the grace of the spiritual-divine powers, or one might almost say, by a miracle—was the young German poet Novalis. Through an event that deeply shook him—one that, as if by a stroke of magic, taught him the relationship between life and death—his spiritual eye was opened, and alongside a vast retrospective view of the past of earthly and cosmic ages, the Christ-Being was also revealed to this spiritual eye. In the presence of this Christ-Essence, he was able to say of himself that he belonged to those who, with their spiritual eye, had themselves seen what is revealed when the “stone is lifted,” and the Essence becomes visible that has provided proof for our earthly existence that life in the spiritual realm always conquers death.
[ 4 ] Wir dürfen - wie es schon geschehen ist - Novalis nicht eigentlich einen Menschen nennen, der ein Leben hatte, sondern etwas wie eine Erinnerung an ein früheres Leben. Mit seiner wie durch Gnade ihm verliehenen Einweihung ging ihm zu gleicher Zeit alles das auf, was er sich in früheren Inkarnationen errungen hatte; es war eigentlich nur eine große Gabe der Zusammenfassung von Einsichten, die er in einem früheren Leben gehabt hatte. Und weil er den Rückblick hatte in jene Zeiten und mit geistigem Auge schauen konnte, durfte er sagen, daß ihm unvergleichlich im Leben ist das große Ereignis, da er in sich selbst entdeckt hatte, was der Christus ist. Es ist solch ein Erlebnis wie eine Wiederholung des Ereignisses von Damaskus, wo Paulus, der bis dahin die Anhänger des Christus Jesus verfolgt und nicht ihrer Verkündigung gehorcht hatte, durch höheres Schauen den unmittelbaren Beweis erhielt, daß Er da ist und lebt, daß etwas geschehen ist durch das Ereignis von Golgatha, das einzig und allein dasteht in der ganzen Menschheitsentwickelung. So können die, welchen das Auge aufgetan ist, dieses Ereignis wiederholt sehen. Der Christus ist nicht bloß in dem Leibe dagewesen, in dem er gewohnt hat. Er ist mit der Erde verbunden geblieben; die Sonnenkraft hat sich durch ihn mit der Erde verbunden.
[ 4 ] We must not—as has already been done—actually call Novalis a human being who lived a life, but rather something like a memory of a past life. With his initiation, bestowed upon him as if by grace, everything he had attained in earlier incarnations dawned upon him at once; it was, in fact, merely a great gift of the synthesis of insights he had possessed in a previous life. And because he could look back upon those times and see with the spiritual eye, he was able to say that the greatest event in his life was the moment when he discovered within himself what Christ is. It is an experience akin to a repetition of the event at Damascus, where Paul—who until then had persecuted the followers of Christ Jesus and had not heeded their proclamation—received, through higher vision, direct proof that He is here and alive, that something had taken place through the event at Golgotha that stands alone in the entire development of humanity. Thus, those whose eyes have been opened can witness this event repeatedly. Christ was not merely present in the body in which He dwelt. He has remained connected to the Earth; the power of the sun has united with the Earth through Him.
[ 5 ] «Einzig» nennt Novalis daher die Offenbarung, die er erhalten hat, und er nennt diejenigen Menschen allein im Grunde wirkliche Menschen, die mit ihrer ganzen Seele an diesem Ereignis teilnehmen wollen. Er sagt mit Recht, daß auch das geistig herrliche alte Indien zum Christus sich bekennen würde, wenn es diesen Christus erst erkennen würde. Und er sagt aus seiner Erkenntnis heraus, nicht aus seiner Ahnung, nicht aus blindem Glauben, sondern aus seiner Erkenntnis heraus, daß der Christus, den er geistig geschaut hat, dasselbe ist, was alle Wesen als eine Kraft durchdringt. Und das Auge kommt dahin, diese Kraft zu erkennen, wenn diese Kraft in ihm wirkt. Das Auge, das den Christus schaut, ist von der Christus-Kraft gebildet. Christus-Kraft im Auge schaut den Christus außer dem Auge.
[ 5 ] Novalis therefore calls the revelation he received “unique,” and he considers only those people to be truly human who wish to participate in this event with their whole soul. He rightly says that even the spiritually magnificent ancient India would profess faith in Christ if only it could first recognize this Christ. And he says—based on his knowledge, not on a hunch, not on blind faith, but on his knowledge—that the Christ whom he has beheld spiritually is the very same force that permeates all beings. And the eye comes to recognize this force when this force is at work within it. The eye that beholds Christ is formed by the Christ-force. The Christ-force within the eye beholds Christ outside the eye.
[ 6 ] Ein wunderbar großes und gewaltiges Wort! Und auch jenen gewaltigen Zusammenhang erkennt Novalis, daß dasjenige, was wir den Christus nennen, seit dem Ereignis von Golgatha der planetarische Geist der Erde ist, der Erdengeist, der immer mehr und mehr den Erdenleib umgestalten wird. Und ein wunderbarer Ausblick eröffnet sich dem Novalis in die Zukunft: Er sieht die Erde umgestaltet; er sieht die heutige Erde, die noch die Reste alter Zeiten in sich enthält, umgestaltet zum Leibe Christi; er sieht alles, was an Flüssigkeiten in der Erde fließt, durchdrungen von dem Blute des Christus, und er sieht alles, was an Felsen in der Erde ist, als das Fleisch des Christus. Er sieht allmählich übergehen den Leib der Erde in den Leib des Christus. Und in einem wundersamen Zusammenwirken stellt sich ihm dar das Eins-Gewordensein alles dessen, was Erde und Christus ist: die Erde in der Zukunft als ein großer Organismus, in dem der Mensch eingebettet sein wird und dessen Seele der Christus ist.
[ 6 ] What a wonderfully grand and powerful word! And Novalis also recognizes that profound connection: that what we call Christ has been, since the event at Golgotha, the planetary spirit of the Earth—the Earth spirit—which will increasingly transform the Earth’s body. And a wondrous vision of the future opens up before Novalis: He sees the Earth transformed; he sees today’s Earth—which still contains the remnants of ancient times—transformed into the body of Christ; he sees all the fluids flowing within the Earth permeated by the blood of Christ, and he sees all the rocks within the Earth as the flesh of Christ. He sees the body of the Earth gradually transforming into the body of Christ. And in a wondrous interplay, the oneness of all that is Earth and Christ presents itself to him: the Earth in the future as a great organism in which humanity will be embedded and whose soul is Christ.
[ 7 ] Von diesem Gesichtspunkte aus nennt Novalis tief aus seiner Empfindung der geheimwissenschaftlichen Erkenntnis heraus den Christus den Menschensohn. So wie die Menschen in gewissem Sinne die Göttersöhne sind, das heißt die Söhne der alten Götter, die uns unseren Planeten zurechtgezimmert haben durch Jahrmillionen und Jahrmillionen, die uns die Häuser gebaut haben, in denen wir wohnen, und den Boden, auf dem wir herumgehen, so wird der Mensch aus sich selber heraus, mit Überwindung des Irdischen, eine Erde aufzubauen haben, die der Leib des neuen Gottes, des zukünftigen Gottes sein wird. Und wenn alte Zeiten zurückgeschaut haben zu den uralt-heiligen Göttern, vereinigt sein wollten im Tode mit ihnen, so erkennt Novalis den Gott, der da einstmals tragen wird zu seinem Leib alles das, was unser Bestes ist, und was wir hinopfern können zu dem Leibe des Christus. Er erkennt in dem Christus dasjenige, dem sich die Menschheit hinopfert, damit es einen Leib habe. Er erkennt darin in dem höheren kosmologischen Sinne den «Menschensohn». Er nennt den Christus den «Gott der Zukunft».
[ 7 ] From this perspective, Novalis—drawing deeply from his sense of esoteric knowledge—refers to Christ as the Son of Man. Just as human beings are, in a certain sense, the sons of the gods—that is, the sons of the ancient gods who have shaped our planet for millions and millions of years, who have built the houses in which we live, and the ground upon which we walk, so humanity, drawing from within itself and overcoming the earthly, will have to build a new Earth that will be the body of the new God, the God of the future. And just as in ancient times people looked back to the primeval, holy gods and sought to be united with them in death, so Novalis recognizes the God who will one day bear within His body all that is best in us and all that we can sacrifice to the body of Christ. He recognizes in Christ that which humanity sacrifices itself to, so that it may have a body. In this, he recognizes the “Son of Man” in the higher cosmological sense. He calls Christ the “God of the Future.”
[ 8 ] Das alles sind Empfindungen so bedeutsamer Art, daß sie wohl geeignet sind, unsere Seele in die rechte Weihnachtsstimmung zu bringen. Und so lassen wir denn ihn, der da ein Leben gelebt hat am Ende des 18. Jahrhunderts, ein kurzes Leben, der da mit neunundzwanzig Jahren gestorben ist, lassen wir ihn jetzt seine Empfindungen schildern, wie sie sich in seinem Leben angegliedert haben an das größte Ereignis seines Lebens: an die einmalige große Einschau in die Christus-Wesenheit.
[ 8 ] These are all feelings of such significance that they are well suited to putting our souls in the right Christmas spirit. And so let us allow him—who lived a short life at the end of the 18th century, having died at the age of twenty-nine—to describe his feelings as they were linked in his life to the greatest event of his life: the unique, profound insight into the essence of Christ.
[ 9 ] Hier trug Marie von Sivers (Marie Steiner) das Gedicht «Wenn alle untreu werden .. .» aus den «Geistlichen Liedern» vor.
[ 9 ] Here, Marie von Sivers (Marie Steiner) recited the poem “Wenn alle untreu werden …” from the Geistliche Lieder.
[ 10 ] Es ist noch nicht lange her, daß der Weihnachtsbaum das Symbolum des Weihnachts-Christfestes ist. Noch nicht wird man ein Gedicht auf den Weihnachtsbaum bei einem Dichter finden, wie es zum Beispiel Schiller ist, der zweifellos die Poesie des Weihnachtsbaumes hätte empfinden müssen, wenn es ihn damals schon gegeben hätte, und dem es nicht schwer gefallen sein würde, ein Gedicht auf den Weihnachtsbaum zu finden. Es gab den Weihnachtsbaum damals noch nicht in unserer Form. Er ist eine junge Schöpfung. In anderer Weise haben vorher die Menschen dieses Fest gefeiert, und so weit wir zurückschauen können in den Lauf der Zeiten, wir werden, solange Menschen in ihrer gegenwärtigen Gestalt oder in der Anlage zu der gegenwärtigen Gestalt in Betracht kommen, so etwas wie das Weihnachtsfest überall finden. Wir werden es finden in den breiten Volksmassen überall, wir werden es finden bis in die Höhen der Mysterien hinauf in immer neuen Formen.
[ 10 ] It has not been long since the Christmas tree became the symbol of the Christmas celebration. One will not yet find a poem about the Christmas tree by a poet such as Schiller, for example, who would undoubtedly have sensed the poetry of the Christmas tree had it existed in his day, and for whom it would not have been difficult to compose a poem about it. The Christmas tree, as we know it today, did not yet exist back then. It is a recent creation. People used to celebrate this festival in different ways, and as far back as we can look in the course of history—as long as humans in their present form, or in the rudiments of their present form, are taken into account—we will find something like the Christmas festival everywhere. We will find it among the broad masses of people everywhere; we will find it all the way up to the heights of the mysteries in ever-new forms.
[ 11 ] Gerade die Tatsache, daß das Christfest uralt und unser gegenwärtiges Symbolum dafür so neu ist, zeigt uns, daß etwas Ewiges mit diesem Fest verbunden ist, aber ein solches Ewiges, daß immer neue und neue Gestalten aus seinem Schoß hervortreibt. Wahrlich, so alt die Menschheit auf der Erde ist, so alt ist das Christfest, so alt sind Empfindungen, die mit diesem Fest symbolisiert werden. Aber immer wird die Menschheit die Kraft haben, in neuen, verjüngten Symbolen, wie sie den Zeiten angemessen sind, einen äußeren Ausdruck für dieses Fest zu haben. Wie sich die Natur alljährlich verjüngt, die ewigen Kräfte derselben in immer neuen und neuen Formen aus ihr hervorsprießen, so verjüngen sich die Symbole für die Weihnachtsandacht immer wieder und zeigen damit gerade das Ewige und das Ständige dieses Festes. Und so stehe denn heute einmal in dieser unserer feierlichen Weihnachtsstunde vor unserer Seele dasjenige, was sich ergeben kann, wenn wir den Weg durchmachen, der uns ein wenig zeigen kann, wie denn eigentlich die Menschen in der Zeit, die wir heute als unsere Weihnachtszeit feiern, empfunden haben.
[ 11 ] It is precisely the fact that the Christmas celebration is ancient and our current symbol for it is so new that shows us there is something eternal connected to this celebration—but an eternity such that it continually brings forth new and ever-changing forms from its very heart. Truly, the Christian festival is as old as humanity itself on Earth, and the feelings symbolized by this festival are just as ancient. But humanity will always have the power to find an outward expression for this festival in new, rejuvenated symbols appropriate to the times. Just as nature rejuvenates itself every year, with its eternal forces sprouting from it in ever-new forms, so too do the symbols of Christmas devotion continually rejuvenate themselves, thereby revealing precisely the eternal and enduring nature of this festival. And so, today, in this solemn Christmas hour of ours, let us hold before our souls what may emerge as we journey along the path that can show us, at least to some extent, how people actually felt during the time we now celebrate as our Christmas season.
[ 12 ] Weit, weit zurückgehen können wir, wie es uns als Schülern der Geisteswissenschaft angemessen ist, in urferne, vergangene Zeiten. Wir gehen zurück in jene Zeiten zunächst, in denen unsere Seelen verkörpert waren in alten atlantischen Leibern, in Leibern, die wenig noch unseren gegenwärtigen Leibern ähnlich gesehen haben. Große Lehrer der Menschheit gab es dazumal, die zu gleicher Zeit die Führer dieser Menschheit waren. Anders hat der Mensch dazumal in die Welt hineingeschaut. Es war nicht die helle Sonne des Tages, die in scharfen Konturen, in ausgeprägten Linien die Gestalten der äußeren Gegenstände, der Naturreiche ihm schon zeigte. Alles, was um den Menschen herum war, war wie in Nebel getaucht, nicht allein deshalb, weil ein großer Teil der atlantischen Welt auch äußerlich mit Nebelmassen bedeckt war und das Sonnenlicht noch nicht wie später durch den Nebel hindurchdringen konnte, sondern auch aus dem Grunde, weil des Menschen Wahrnehmungsvermögen noch nicht dahin gediehen war, äußere Gegenstände in deutlichen Umrissen zu sehen. Wenn der Mensch des Morgens aufwachte und die äußere Welt, die Gottesnatur um sich herum wahrnehmen wollte, sah er nur verschwommen die Dinge, mit farbigen Rändern umgeben, und alles wie in Nebel getaucht. Und wenn er des Abends einschlief, schlief er hinein in eine geistige Welt. Nicht war es so, daß Selbstvergessenheit und Unbewußtheit sich um den Menschen herumlagerte, wie es heute der Fall ist, wenn der Mensch einschläft
[ 12 ] As befits us as students of spiritual science, we can go back far, far into the distant past. We go back, first of all, to those times when our souls were incarnated in ancient Atlantean bodies—bodies that bore little resemblance to our present ones. There were great teachers of humanity in those days, who were at the same time the leaders of that humanity. People viewed the world differently back then. It was not the bright sun of the day that already revealed to them, in sharp contours and distinct lines, the forms of external objects and the natural realms. Everything around human beings was as if shrouded in mist, not only because a large part of the Atlantean world was physically covered by masses of mist and the sunlight could not yet penetrate the mist as it would later, but also because human perception had not yet developed to the point of seeing external objects in clear outlines. When a person awoke in the morning and sought to perceive the outer world—God’s nature—around them, they saw things only blurrily, surrounded by colored edges, and everything as if shrouded in mist. And when they fell asleep in the evening, they drifted into a spiritual world. It was not the case that self-forgetfulness and unconsciousness enveloped people, as is the case today when a person falls asleep
[ 13 ] Der Mensch sah in der atlantischen Zeit, wenn er schlief, die geistig-göttlichen Wesen, die seine Genossen waren. Um sich herum sah er alle jene Gestalten, die einmal Wirklichkeit waren für den Menschen, die Erlebnisse waren für den Menschen. Er sah auch alle diejenigen Gestalten, welche sich dann in der Erinnerung erhalten haben für die verschiedensten Gegenden der Erde unter den verschiedensten Namen: Wotan, Thor, Baldur und so weiter nannten sie unsere Vorfahren in Mitteleuropa; Zeus, Pallas, Athene, Ares und so weiter nannten die Menschen im alten Griechenland jene göttlichgeistigen Gestalten, die einstmals ihre Seelen geschaut hatten in der alten Atlantis. Aber in der atlantischen Zeit waren die göttlichen Welten nicht mehr die ganz hohen schöpferischen göttlichen Welten, aus deren Schoß der Mensch einstmals hervorgegangen ist in der lemurischen Zeit. Unsere Seelen haben sich einst erhoben aus göttlichen Wesen, deren Herrlichkeit und Größe der Mensch heute nur ahnen kann. Dieselben göttlichen Wesen enthüllten den Menschen aus ihrem Schoß, sie haben hervorgehen lassen Weltenkugeln und alle Kräfte, die um uns herum sind. Der Mensch war im Schoße von göttlichen Wesenheiten, deren äußerer Ausdruck uns von den Weltenkugeln herunterleuchtet, unter denjenigen Wesen, die wir sehen im Blitzezucken, im Donnerrollen, deren Ausdruck die Pflanzen und Tiere und für welche die Kristalle Sinnesorgane sind. Alles, was wie Wärme an uns herandringt, was an Kräften uns umspielt, ist Leib göttlich-geistiger Wesenheiten, und der Mensch ist entsprungen aus dem Schoß dieser göttlich-geistigen Wesenheiten. Je mehr er herabstieg auf unsere Erde, je mehr er sich vereinigte mit den materiellen Substanzen, je mehr er sich eingliederte die Materie unserer Erde, desto geringer wurde sein Sehvermögen für die großen Götter.
[ 13 ] During the Atlantean era, when a person slept, they saw the spiritual-divine beings who were their companions. All around them, they saw all those figures that had once been real to them, that had been lived experiences for them. They also saw all those figures who have since been preserved in memory across the most diverse regions of the Earth under the most varied names: Wotan, Thor, Baldur, and so on—that is how our ancestors in Central Europe referred to them; Zeus, Pallas, Athena, Ares, and so on—that is how the people of ancient Greece referred to those divine-spiritual figures whom their souls had once beheld in ancient Atlantis. But in the Atlantean era, the divine worlds were no longer the very high, creative divine worlds from whose bosom humankind had once emerged in the Lemurian era. Our souls once arose from divine beings whose glory and grandeur humanity can only glimpse today. These very divine beings revealed humanity from their bosom; they brought forth the celestial spheres and all the forces that surround us. Humanity was in the bosom of divine beings, whose outward expression shines down upon us from the celestial spheres, among those beings we see in the flash of lightning and the roll of thunder, whose expression is manifested in plants and animals, and for whom crystals serve as sensory organs. Everything that approaches us as warmth, every force that surrounds us, is the body of divine-spiritual beings, and humankind sprang from the bosom of these divine-spiritual beings. The more he descended to our Earth, the more he united with material substances, the more he became integrated into the matter of our Earth, the less he was able to perceive the great gods.
[ 14 ] Während in Urzeiten, wo in dem Menschen noch kein sinnliches Erkenntnisvermögen war, wo er noch nicht aus Augen sehen und aus Ohren heraus hören konnte, wo auf und ab wogten Bilder in seiner Seele, welche die Bilder nicht von Mineralien, Tieren und Pflanzen waren, sondern von göttlich-geistigen Wesenheiten, die über ihm standen, trat dann in späteren Zeiten der Mensch immer mehr und mehr heraus auf den physischen Plan, lernte durch die äußeren Sinnesorgane den physischen Plan kennen. Es war in der atlantischen Zeit wie eine Abwechslung zwischen dem Sehen auf dem physischen Plan und einem alten Hellsehen vorhanden, das wie ein Rest zurückgeblieben war von der alten geistigen Herrlichkeit, in der der Mensch einst gelebt hat. Gegenüber den ganz hohen Göttern waren es niedere Götter, die der Mensch noch wahrnehmen konnte auf dem astralischen Plan, wenn er in der Nacht die Seligkeit genoß, ein geistiges Wesen unter geistigen Wesen zu sein.
[ 14 ] While in primeval times, when human beings did not yet possess sensory faculties of perception—when they could not yet see with their eyes or hear with their ears, and when images that were not of minerals, animals, and plants, but of divine-spiritual beings who stood above him, in later times human beings stepped out more and more onto the physical plane and came to know the physical plane through the external sense organs. During the Atlantean era, there was a sort of alternation between seeing on the physical plane and an ancient form of clairvoyance that had remained as a remnant of the ancient spiritual glory in which humankind had once lived. Compared to the very high gods, these were lower gods whom human beings could still perceive on the astral plane when, at night, they enjoyed the bliss of being a spiritual being among spiritual beings.
[ 15 ] Je heller der physische Plan wurde, desto weniger vermochte der Mensch auf den geistigen Planen zu sehen. Aber es hatte der Mensch in der alten atlantischen Zeit Eingeweihte. Diese Eingeweihten der alten Atlantis konnten neben den tieferen Lehren von den alten Göttern, aus deren Schoß der Mensch entsprungen ist, schon einiges vorherverkündigen. Vorherverkündigen konnten sie den Menschen, daß es etwas gibt in der Welt, was so anzusehen ist, daß man es etwa durch folgenden Vergleich klarmachen kann: Sieh dir an einen Pflanzenkeim; sieh dir an, wie dieser Pflanzenkeim zur Pflanze sich entwickelt. Er wächst, er treibt Blätter, Kelchblätter, Blüte und die Frucht. Wer so vor der Pflanze steht, der kann sich sagen: Ich blicke zurück auf den Pflanzenkeim; er ist der Schöpfer der Blätter und der Blüte, die vor mir stehen, und diese Blüte birgt etwas in sich; diese Blüte birgt den Keim zu einer neuen Pflanze in sich, zu einem neuen Keim formt sich die Blüte.
[ 15 ] The brighter the physical plane became, the less able human beings were to see into the spiritual planes. But in the ancient Atlantean era, humanity had initiates. These initiates of ancient Atlantis were able to foretell certain things in addition to the deeper teachings about the ancient gods from whose bosom humanity sprang. They were able to foretell to humanity that there is something in the world that can be viewed in such a way that it can be made clear, for example, through the following comparison: Look at a plant seed; observe how this plant seed develops into a plant. It grows; it produces leaves, sepals, a flower, and fruit. Anyone standing before the plant in this way can say to themselves: I look back at the plant seed; it is the creator of the leaves and the flower standing before me, and this flower holds something within it; this flower holds within it the seed of a new plant; the flower itself takes shape as a new seed.
[ 16 ] Und so, wie man in die Zukunft der Pflanze sehen kann und zurückblicken in deren Vergangenheit, so konnten die großen atlantischen Eingeweihten sagen zu ihren Schülern, und durch die Stimme der Schüler zum ganzen Volke sprechen: Zurück könnt ihr blicken zu den Götterkeimen in der Welt, aus deren Schoß die Menschen entsprungen sind. Was ihr um euch herum seht, Geistiges und Physisches, das alles sind Blätter, die hervorgesprossen sind aus den alten Götterkeimen. Schaut in ihnen die Kräfte dieser alten Götterkeime, wie man in den Pflanzenblättern schauen kann die Kraft des Keimes, aus dem die Pflanze entsprungen ist. Aber wir vermögen auf noch etwas anderes hinzuweisen: In der Zukunft wird etwas sich ausbreiten um den Menschen herum, was da sein wird wie die Blüte der Pflanze, was allerdings ein Ergebnis ist der alten Götter, aber was in sich enthält einen Keim, wie die Blüte einen Keim enthält und reif macht, einen Keim, der in sich entfaltet die neue Gottheit. Daß die Welt von Göttern geboren ist, das war die alte Lehre; daß die Welt einen Gott gebären wird, den großen Gott der Zukunft, das war die große Prophetie der atlantischen Eingeweihten an ihre Schüler, und damit auch an die Völker. Denn das war das Eigenartige der atlantischen Eingeweihten, daß sie wie alle Eingeweihten die großen Ereignisse der Zukunft sahen. Sie sahen hinüber über die große atlantische Flut, hinüber über das große Ereignis, das die Länder der Erde umgestaltete. Sie sahen hinter der atlantischen Zeit alle die Kulturen, die hervorsprießen werden in der späteren Zeit; sie sahen hin auf das Land der heiligen Rishis, auf das Land Zarathustras, auf die Kultur des alten Ägypten, die durch Hermes begründet wurde, auf die Vorherverkündigung des Moses; hin sahen sie auf das glückliche Griechenland, auf das starke Rom, bis auf unsere Zeit; und weiter in die Zukunft hinein. Und Hoffnung war es, was sie ihren intimen Schülern einprägten.
[ 16 ] And just as one can look into the future of a plant and look back into its past, so the great Atlantean initiates were able to say to their disciples—and, through the voice of the disciples, speak to the entire people: You can look back to the divine seeds in the world, from whose womb human beings sprang forth. What you see around you—both spiritual and physical—are all leaves that have sprouted from the ancient divine seeds. Behold in them the powers of these ancient divine seeds, just as one can see in the leaves of a plant the power of the seed from which the plant sprang. But we can point to something else as well: In the future, something will spread around humanity that will be like the flower of a plant—something that is indeed a result of the ancient gods, but which contains within itself a seed, just as the flower contains and brings to maturity a seed—a seed that unfolds within itself the new deity. That the world was born of gods—that was the ancient teaching; that the world will give birth to a god, the great God of the future—that was the great prophecy of the Atlantean initiates to their disciples, and thus also to the peoples. For this was the distinctive trait of the Atlantean initiates: like all initiates, they beheld the great events of the future. They looked beyond the great Atlantean flood, beyond the great event that reshaped the lands of the earth. They saw, beyond the Atlantean era, all the cultures that would spring forth in later times; they looked toward the land of the holy Rishis, toward the land of Zarathustra, toward the culture of ancient Egypt founded by Hermes, toward the forerunner of Moses; they looked toward blissful Greece, toward mighty Rome, all the way to our own time; and further into the future. And it was hope that they instilled in their innermost disciples.
[ 17 ] Sagen konnten sie ihnen dieses: Wohl müßt ihr verlassen alle die Gefilde des geistigen Landes, in denen ihr jetzt seid. Wohl müßt ihr euch hineinverstricken in die Materie, wohl müßt ihr euch ganz und gar umkleiden mit den Kleidern, die aus dem physischen Stoffe genommen sind. Eine Zeit wird kommen, wo ihr arbeiten müßt auf dem physischen Plan, wo euch wie entschwunden erscheinen werden die heiligen alten Götter. Aber hinblicken möget ihr dahin, wo euch aufgehen kann der neue Stern, wo entsprießen kann der neue Keim, der zukünftige Gott, der sich aufbewahrt hat durch die Zeiten hindurch, um zur rechten Zeit zu erscheinen in der Menschheit!
[ 17 ] They could say this to them: You must indeed leave all the realms of the spiritual realm in which you now find yourselves. You must indeed become entangled in matter; you must indeed clothe yourselves entirely in garments made of physical matter. A time will come when you must work on the physical plane, when the sacred ancient gods will seem to have vanished. But may you look toward where the new star may rise, where the new seed may sprout—the future god who has preserved himself throughout the ages to appear among humanity at the right time!
[ 18 ] Und wenn die atlantischen Eingeweihten ihren Schülern und damit dem ganzen Volke sagen wollten, warum man heruntersteige in das irdische Tal, dann machten sie sie aufmerksam, daß einstmals von allen Seelen erlebt und gesehen werden wird Er, der dakommen wird, den sie jetzt noch nicht schauen konnten, weil er in solcher Region war, daß ihn das Auge nicht sehen konnte, das physische Auge nicht, aber auch das geistige Auge nicht mehr, das ihn einstmals gesehen hat, als der Mensch noch im Schoße der Götter ruhte.
[ 18 ] And when the Atlantean initiates wished to explain to their disciples—and thus to the entire people—why one descends into the earthly valley, they drew their attention to the fact that one day all souls would experience and behold Him who is to come, whom they could not yet see because He was in a realm where the eye—the physical eye—could not perceive Him, nor even the spiritual eye that had once seen Him, when man still rested in the bosom of the gods.
[ 19 ] Und die atlantische Flut kam. Das Antlitz der Erde wurde verändert. Ganz anders schaute es aus nach einiger Zeit. Nach der großen Völkerwanderung von dem Westen nach dem Osten entstanden die großen nachatlantischen Kulturen, als erste die Kultur des alten heiligen Indiens. Die Lehrer des alten Indien, die sieben heiligen Rishis, lehrten ihre Schüler, und damit das ganze indische Volk, daß es eine geistige Welt gäbe; denn das indische Volk brauchte die Lehre von der geistigen Welt. Es war herausversetzt ganz auf den physischen Plan, und während des Lebens auf dem physischen Plan konnten die Augen nur sehen die äußere Gestalt der physischen Welt, als den Ausdruck des Geistigen, nicht aber das Geistige selbst. Aber in der Seele eines jeden solchen Inders war etwas vorhanden, was man nennen kann eine dunkle Erinnerung an das, was einst die Seele unter Göttern in der alten Atlantis erlebt hatte. Diese Erinnerung weckte eine Sehnsucht, und diese Sehnsucht war so stark, daß die indischen Seelen kein intimes Verhältnis eingehen konnten mit dem physischen Plan, so daß ihnen der physische Plan erschien als Maja, als Illusion, als ein Unwirkliches, und daß die Sehnsucht immer noch nach dem Verlorenen hin ging. Die Seelen hätten es nicht ausgehalten auf dem physischen Plan, wenn nicht die mit dem Geiste durchsetzten Rishis hätten verkündigen können die Lehre von der Herrlichkeit der alten Welt, die die Menschen verloren haben. So konnten die heiligen Rishis die Lehren von dem Kosmos verkünden, die heute nur noch wenig verstanden werden, die Lehre einer Weisheit der Vorzeit, weil sie eingeweiht waren in das, was der Mensch erlebt hatte, als er noch im Schoße der Götter war. Der Mensch war ja dabei, als die Götter die Sonne von der Erde abspalteten, als sie den Weltenkugeln ihren Weg anwiesen; er hatte es nur vergessen während seiner späteren Erdenwanderung.
[ 19 ] And the Atlantic flood came. The face of the Earth was transformed. After some time, it looked completely different. Following the great migration of peoples from the West to the East, the great post-Atlantean cultures arose, the first of which was the culture of ancient sacred India. The teachers of ancient India, the seven sacred Rishis, taught their disciples—and thus the entire Indian people—that a spiritual world existed; for the Indian people needed the teaching about the spiritual world. They had been cast entirely onto the physical plane, and during life on the physical plane, the eyes could see only the outer form of the physical world—as the expression of the spiritual—but not the spiritual itself. Yet within the soul of every such Indian there was something that might be called a dim memory of what the soul had once experienced among the gods in ancient Atlantis. This memory awakened a longing, and this longing was so strong that the Indian souls could not form an intimate relationship with the physical plane; thus, the physical plane appeared to them as Maya, as an illusion, as something unreal, and their longing continued to be directed toward what had been lost. The souls would not have been able to endure on the physical plane had it not been for the spirit-imbued Rishis, who were able to proclaim the teaching of the glory of the ancient world that humanity had lost. Thus the holy Rishis were able to proclaim the teachings about the cosmos—teachings that are scarcely understood today—the teachings of an ancient wisdom, because they were initiated into what humankind had experienced when it was still in the bosom of the gods. After all, humankind was present when the gods separated the sun from the earth, when they set the course for the celestial spheres; it had simply forgotten this during its later journey on earth.
[ 20 ] Diese Weisheit wurde von den Rishis gelehrt, aber auch noch etwas anderes. Es wurde gelehrt für die, welche schon eine Empfindung dafür entwickeln konnten - und das waren gerade die Vorgeschrittensten -, daß aus dieser Welt, in die der Mensch jetzt herausversetzt war, die ihm jetzt als Illusion und Maja erscheint, ersprießen wird derjenige, der jetzt noch nicht geschaut werden kann in dieser Welt, weil die Seele des Menschen noch nicht so weit ist, die Kraft zu entwickeln, um dieses Wesen zu erkennen, daß Er aber erscheinen wird, Er, von dem die Rishis sagten, er sei «jenseits ihrer», «Vilva karman». So war das Wesen genannt, das die alten Lehrer Indiens als den großen Geist der Zukunft verkündeten. Ihr könnt ihn noch nicht sehen - so wurde dem indischen Volke verkündet -, wie ihr in der Blüte noch nicht den Keim der Frucht sehen könnt. Aber so wahr wie die Blüte den Keim der Frucht enthält, so wahr entwickelt Maja den Keim dessen, was das Leben der physischen Welt lebenswert machen wird. - Und was man später den Christus nannte, die indischen Lehrer verkündeten ihn im voraus, sie waren seine bescheidenen Propheten. Nach zwei Richtungen schauten sie: zurück in die Welt der uralten Weisheit, nach deren Plan die Welt gestaltet worden ist, und vorwärts schauten sie, und den Alltagsmenschen verkündeten sie, daß Einer kommen werde, der in die Menschenherzen einziehen und alle Menschenhände regen soll.
[ 20 ] This wisdom was taught by the Rishis, but so was something else. It was taught to those who had already been able to develop a sense of it—and these were precisely the most advanced—that from this world, into which human beings have now been cast and which now appears to them as illusion and Maya, will spring forth the One who cannot yet be perceived in this world, because the human soul is not yet ready to develop the power to recognize this Being—yet He will appear, He of whom the Rishis said He was “beyond them,” “Vilva karman.” Thus was named the Being whom the ancient teachers of India proclaimed as the great Spirit of the future. You cannot yet see Him—so it was proclaimed to the Indian people—just as you cannot yet see the seed of the fruit within the blossom. But just as surely as the blossom contains the seed of the fruit, so surely does Maya develop the seed of that which will make life in the physical world worth living. —And what was later called the Christ, the Indian teachers proclaimed in advance; they were his humble prophets. They looked in two directions: back to the world of ancient wisdom, according to whose plan the world was formed, and forward; and to ordinary people they proclaimed that One would come who would enter human hearts and inspire all human hands.
[ 21 ] Es gab keine Zeit, wo Er nicht verkündigt worden ist, solange Menschenkultur und Menschensinn in Betracht kommen. Wenn die Späteren die Verkündigung vergessen haben, so ist das nicht die Schuld der großen Lehrer der Menschheit.
[ 21 ] There has never been a time when He has not been proclaimed, as long as human culture and human reason have existed. If later generations have forgotten this proclamation, it is not the fault of humanity’s great teachers.
[ 22 ] Dann kam die uralte persische Kultur, deren Führer der Zarathustra war. Zarathustra konnte schon seinen intimen Schülern und damit seinem Volke sagen, daß in all dem, was den Menschen umgibt, in dem, was als Kraft von der Sonne zu uns dringt, was von den anderen, zu unserem Erdensystem gehörigen Sternen kommt, daß in allem, was den Luftraum erfüllt, eine Wesenheit lebt, die sich aber jetzt nur noch in verhüllter Gestalt dem Menschen zeigt. Seinen Eingeweihten konnte Zarathustra sprechen von der großen Sonnenaura, Ahura Mazdao, von dem guten Gotte. Und er sagte etwas zu seinen Schülern, was man etwa wieder durch folgenden Vergleich klarmachen könnte: Seht euch einmal die Pflanze an. Aus dem Keim entsteht sie, Blätter entwickelt sie nach allen Seiten, die Blüte entwickelt sie, aber es ist so, wie wenn ein Geheimnisvolles sich durch die ganze Pflanze durchzieht und im Mittelpunkt der Blüte als der neue Keim erscheint. Abfallen wird das, was ringsherum ist; aber die innerste Kraft, die ihr im Inneren der Blüte sehen könnt, die ist es, von der ihr schon ahnen könnt, daß eine neue Pflanze aus der alten entstehen könnte. Wenn ihr die Kraft des Sonnenlichtes betrachtet, und wenn ihr dieses Sonnenlicht so empfindet, daß ihr in ihm nur den physischen Ausdruck eines Geistigen erblickt und euch von der geistigen Sonnenkraft inspirieren laßt, dann wird euch aufgehen die Vorherverkündigung der göttlichen Frucht, die aus der Erde geboren werden soll!
[ 22 ] Then came the ancient Persian culture, led by Zarathustra. Zoroaster was already able to tell his inner circle of disciples—and thus his people—that in everything that surrounds human beings, in the forces that reach us from the sun, in what comes from the other stars belonging to our solar system, and in everything that fills the air—there lives a being who, however, now reveals himself to human beings only in a veiled form. To his initiates, Zarathustra could speak of the great solar aura, Ahura Mazdao, the good God. And he said something to his disciples that might be clarified, for example, by the following comparison: Take a look at the plant. It springs from the seed, develops leaves in all directions, and brings forth the flower; yet it is as if something mysterious permeates the entire plant and appears at the center of the flower as the new seed. What surrounds it will wither away; but the innermost force that you can see within the flower—that is what allows you to sense that a new plant could arise from the old one. When you contemplate the power of sunlight, and when you perceive this sunlight in such a way that you see in it only the physical expression of something spiritual and allow yourselves to be inspired by the spiritual power of the sun, then the foretelling of the divine fruit that is to be born from the earth will dawn upon you!
[ 23 ] Und wenn diese intimen Schüler weiter und weiter vorgerückt waren, dann konnten sie wohl auch in bestimmten Zeiten teilnehmen an geheimeren Lehren, und Zarathustra konnte ihnen in weihevoller Stunde das Bild malen von Einem, der da kommen wird, wenn die Menschen so weit sind, daß sie in ihrer Mitte verständnisvoll empfangen können diesen Einen. Gewaltige Bilder dieses Zukünftigen stellte Zarathustra vor seine Schüler hin. Einem konnte er das Bild zeigen und einem zweiten konnte er eine Art von Abglanz davon zeigen; die anderen konnten nur in einem umfassenden Bilde das, was in der Zukunft geschehen soll, empfangen.
[ 23 ] And when these intimate disciples had advanced further and further, they were then able, at certain times, to participate in more secret teachings, and Zarathustra could, in a solemn hour, paint for them the image of One who will come when humanity is ready enough to receive this One with understanding in their midst. Zarathustra presented his disciples with powerful images of this One to come. To one he could show the image itself, and to another he could show a kind of reflection of it; the others could only receive, in a comprehensive image, what is to happen in the future.
[ 24 ] So war es also auch in der alten persischen Kultur, in der Zarathustra-Kultur, daß vorherverkündet wurde derjenige, welcher später der Christus genannt wurde. Und es war auch in der ägyptischen Kultur so. Auch Hermes hat seinen ägyptischen Eingeweihten und damit dem ganzen ägyptischen Volke in einer gewissen Weise den Christus vorherverkündigt. Ein Abglanz dieser Christus-Vorherverkündigung kann uns erscheinen in der Osiris-Sage. Was wurde denn mit der Osiris-Sage den Menschen klargemacht? Die Osiris-Sage erzählt ja folgendes: Einst, in alten Zeiten, herrschte zum Glück seines Volkes Osiris im Ägypterlande, treu vereint mit seiner Gattin Isis. Da machte sich der böse Bruder Set oder Typhon daran, den Osiris zu verderben. Er formte dazu einen Kasten und warf ihn, mit dem Osiris darin, in das Meer hinaus. Isis fand zwar den Kasten wieder, aber sie konnte es nicht dahin bringen, daß Osiris wieder auf der Erde lebte. Er wurde in höhere Regionen entrückt, und sehen können ihn seitdem die Menschen nur, wenn sie durch das Tor des Todes durchgegangen sind. Jedem Ägypter wurde klargemacht: Du kannst nach dem Tode so mit dem Osiris vereint sein, wie deine Hand mit deiner Seele vereint ist. Du kannst einst ein Glied des Osiris sein, ihn dein höheres Ich nennen, aber nur dann, wenn du es dir auf dem physischen Plane verdient hast. Mit dem Gotte, den du deinen höchsten nennst, kannst du nach dem Tode vereinigt sein.
[ 24 ] So it was also in ancient Persian culture—the culture of Zoroaster—that the one who would later be called the Christ was foretold. And it was the same in Egyptian culture. Hermes, too, in a certain sense, foretold the coming of Christ to his Egyptian initiates and, through them, to the entire Egyptian people. A reflection of this foretelling of Christ can be seen in the Osiris legend. What, then, did the Osiris legend make clear to people? The Osiris legend tells the following story: Once, in ancient times, Osiris reigned over the land of Egypt for the good of his people, faithfully united with his wife Isis. Then his evil brother Set—or Typhon—set out to destroy Osiris. To this end, he fashioned a chest and cast it, with Osiris inside, out into the sea. Isis did indeed find the chest again, but she could not bring about Osiris’s return to life on earth. He was carried away to higher realms, and since then, people can see him only after they have passed through the gate of death. Every Egyptian was taught: After death, you can be united with Osiris just as your hand is united with your soul. You can one day become a part of Osiris, call him your higher self—but only if you have earned it on the physical plane. After death, you can be united with the God whom you call your highest being.
[ 25 ] Dem Eingeweihten konnte man noch etwas anderes zeigen: Wenn er durchgemacht hatte alle die Erprobungen und Prüfungen, alle die Lehren, die man durchzumachen hat, um in die höheren Welten hineinzuschauen, dann wurde dem Eingeweihten schon während des physischen Lebens, schon im Leben zwischen Geburt und Tod selber das Bild des Osiris gezeigt. Was dem anderen Menschen entgegentrat, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten war und womit er sich vereinigt fühlen sollte, das trat dem Geheimschüler der ägyptischen Eingeweihten entgegen, wenn er außer dem Leibe war, nachdem sein Ätherleib, sein astralischer Leib und sein Ich aus dem physischen Leibe herausgeholt waren. Dann konnte derjenige, der das geschaut hatte, der den Osiris schon bei Lebzeiten geschaut hatte, den anderen verkündigen, daß der Osiris lebt.
[ 25 ] There was something else that could be shown to the initiate: Once he had undergone all the trials and tests, all the teachings one must undergo in order to glimpse into the higher worlds, the initiate was shown the image of Osiris even during his physical life, even in the life between birth and death itself. What met the ordinary person when he had passed through the gate of death—and with which he was to feel united—was what met the secret disciple of the Egyptian initiates when he was out of his body, after his etheric body, his astral body, and his “I” had been drawn out of the physical body. Then the one who had beheld this—who had already beheld Osiris during his lifetime—could proclaim to others that Osiris lives.
[ 26 ] Aber niemals hat man im alten Ägypten verkünden können: Der Osiris lebt unter uns! - Man hat das gerade in der Sage dadurch ausgedrückt, daß man sagte: Osiris ist ein König, der niemals auf der Erde gesehen worden ist. - Denn der «Kasten» ist nichts anderes als der physische Leib. In dem Augenblicke, wo der Osiris in den physischen Leib gelegt wird, machen sich die feindlichen Kräfte der physischen Welt, die noch nicht reif ist, den Gott in sich aufzunehmen, so stark geltend, daß sie den Gott verderben. Die physische Welt ist noch nicht reif, den Gott, mit dem der Mensch eins werden soll, aufzunehmen. Aber wenn wir euch sagen - so sprachen die, welche persönlich Zeugnis ablegen konnten, daß der Osiris lebt, mit dem der Mensch eins werden soll seiner inneren Wesenheit nach -, wenn wir euch sagen, daß der Gott lebt: sehen kann ihn nur der Eingeweihte, wenn er die physische Welt verläßt. Es lebt der Gott, mit dem der Mensch einstens eins werden soll, aber nur in der geistigen Welt. Nur wer die physische Welt verläßt, der kann mit dem Gotte vereinigt sein!
[ 26 ] But in ancient Egypt, no one could ever proclaim: “Osiris lives among us!”—This was expressed in the legend precisely by saying: “Osiris is a king who has never been seen on Earth.” —For the “sarcophagus” is nothing other than the physical body. The moment Osiris is placed within the physical body, the hostile forces of the physical world—which is not yet ripe to receive the God within itself—assert themselves so strongly that they corrupt the God. The physical world is not yet ripe to receive the God with whom human beings are to become one. But when we tell you—so spoke those who could personally bear witness that Osiris lives, with whom man is to become one in his inner being—when we tell you that God lives: only the initiate can see Him when he leaves the physical world. The God with whom man is one day to become one lives, but only in the spiritual world. Only those who leave the physical world can be united with God!
[ 27 ] Dabei war es so, daß die Menschen die physische Welt immer lieber und lieber gewannen; denn es war ihre Aufgabe, in der physischen Welt zu wirken und Kultur auf Kultur in der physischen Welt herbeizuführen. In demselben Maße, in dem die Augen klarer hinausschauten, in dem der Verstand besser einsehen konnte, was in der physischen Welt geschah, in demselben Maße, wie der Mensch in die Lage kam, immer mehr zu wissen und Entdeckungen und Erfindungen machte in der physischen Welt, durch die er sich das physische Leben erleichterte, in demselben Maße wurde es ihm immer schwerer, zwischen Geburt und Tod drüben in der geistigen Welt zu schauen. So konnte er zwar von den Eingeweihten hören, daß der Gott lebt, mit dem er sich vereinigen wird, aber er konnte wenig mitnehmen aus dieser Welt, was ihm das Mitleben des Osiris in der anderen Welt klar und deutlich hätte machen können. Immer mehr und mehr verdunkelte sich das Leben in der höheren Welt, so daß der Mensch nur noch vermuten konnte, daß der Gott lebt, mit dem er eins werden sollte.
[ 27 ] The fact was that people grew to love the physical world more and more; for it was their task to work within the physical world and to bring about one civilization after another within it. To the same extent that their eyes saw more clearly, that their minds could better understand what was happening in the physical world, and to the same extent that human beings were able to to know more and more and to make discoveries and inventions in the physical world that made his physical life easier, to that same extent it became increasingly difficult for him to see into the spiritual world between birth and death. Thus, although he could hear from the initiates that the God with whom he would unite is alive, he could take little with him from this world that might have made the coexistence of Osiris in the other world clear and distinct to him. Life in the higher world grew darker and darker, so that man could only surmise that the God with whom he was to become one is alive.
[ 28 ] Und es kam die griechische Welt, es kam das für den physischen Plan glückliche Griechenland, in dem die Menschen für den physischen Plan jene wunderbare Ehe zwischen dem Geist und der Materie geschlossen haben. Wir schauen uns an die wunderherrlichen Werke des alten Griechenland, und wenn wir diese Werke vor uns auftauchen lassen, so werden wir ein Bild davon haben, wie die Menschen in dieser Zeit, wo sich das Ereignis von Golgatha abspielen sollte, zur geistigen Welt standen. Man kann es sich nicht denken, aber es ist doch wahr, daß dem Höhepunkte in der Architektur, welcher der griechische Tempel ist, in den Beziehungen der Menschen zur geistigen Welt der tiefste Punkt entspricht.
[ 28 ] And then came the Greek world—Greece, a land blessed for the physical plane, where human beings forged that marvelous union between spirit and matter for the physical plane. We look at the marvelous works of ancient Greece, and when we allow these works to emerge before us, we will have a picture of how people in that era—when the event of Golgotha was to take place—related to the spiritual world. It is hard to imagine, but it is nevertheless true that the pinnacle of architecture—the Greek temple—corresponds to the lowest point in humanity’s relationship to the spiritual world.
[ 29 ] Wir denken uns, ein griechischer Tempel stände vor uns. In seinen Formen, in seiner Geschlossenheit ist er der reinste und edelste Ausdruck des Geistigen, so daß hier einmal gesagt werden konnte, der Gott selber wohne in dem griechischen Tempel. Er war darinnen gegenwärtig. Denn die Linien, die in die Materie hineingeheimnißt waren, waren durchaus dem geistigen Weltenplane angemessen und jenen Linien angemessen, die als Raumesrichtungen den physischen Plan durchziehen. Und es gibt keine reinere, schönere, edlere Durchdringung von Menschengeist mit der physischen Materie als es ein griechischer Tempel ist. Und daher gibt es auf dem physischen Plan auch keine andere Möglichkeit, als so zu durchdringen die höhere Götterwelt mit der physischen Materie, wie es beim griechischen Tempel oder beim griechischen Kunstwerk überhaupt der Fall ist. Die Griechen haben es zustande gebracht, durch die Art, wie sie ihre Kunstwerke geschaffen haben, die Götter der alten Zeit zu sich herabsteigen zu machen. Und haben die Griechen es auch nicht gesehen, wenn Zeus oder Pallas Athene heruntergestiegen sind - es waren doch die Götter hineingebannt in diese Kunstwerke, die Götter, unter denen die Menschen einst in der atlantischen Zeit gelebt haben und die sie gesehen haben. Die Menschen konnten den alten Göttern in den alten Zeiten eine herrliche Wohnstätte gewähren. Und nun sehen wir einmal, was in einer gewissen anderen Richtung der griechische Tempel darstellt. Denken Sie sich, das hellseherische Bewußtsein stelle sich gegenüber einem griechischen Tempel. Was jetzt gesagt wird, gilt auch gegenüber den spärlichen Überresten, die noch vorhanden sind von der griechischen Tempelwelt. Denken Sie sich, das hellseherische Bewußtsein stände gegenüber einem solchen Überrest, wie Sie ihn in dem Tempel von Paestum haben: Wonne und Seligkeit für das Leben im physischen Leib kann man empfinden durch die Harmonie der Linien, die da die Säulen und die Bedachungen bilden. Alles ist von solcher Vollkommenheit, daß in dem Physischen ein Göttliches vorgestellt und empfunden werden kann. In einem solchen Gefühl kann man leben, wenn man durch die Augen des physischen Leibes schaut diese Harmonie der griechischen Architektur. Und nun denken Sie sich das hellseherische Bewußtsein hineinversetzt in die geistige Welt. Da ist es so, wie wenn sich etwas wie eine schwarze Wand vorziehen würde vor das, was Sie sehen können in der physischen Welt, und wie ausgelöscht ist das, was auf dem physischen Plan zu sehen ist. Nichts kann von diesen Wunderherrlichkeiten des physischen Planes mit hinübergenommen werden in die geistige Welt. Das Herrlichste des physischen Planes, wenn es nur so ist, löscht sich aus in der geistigen Welt. Und da begreifen wir, daß es keine Legende ist, wenn einer derjenigen, die in Griechenland zu den Führern gehört haben, von einem Eingeweihten angetroffen wurde in der anderen Welt, gesagt hat: Lieber ein Bettler sein in der Oberwelt, als ein König im Reiche der Schatten! - Gerade in Griechenland, wo man solche Wonnen erleben konnte in der physischen Welt, zogen die Seelen, wenn sie in die Welt des Todes eingingen, in ein düsteres, dunkles Schattenreich ein. Herrlich war der physische Plan geworden, aber in demselben Maße verödete die geistige Welt.
[ 29 ] We imagine a Greek temple standing before us. In its forms and in its unity, it is the purest and noblest expression of the spiritual, so that one could say that God Himself dwells within the Greek temple. He was present within it. For the lines that were inscribed into the matter were entirely in keeping with the spiritual world-plan and with those lines that run through the physical plane as spatial directions. And there is no purer, more beautiful, or nobler interpenetration of the human spirit with physical matter than that found in a Greek temple. And therefore, on the physical plane, there is no other way to interpenetrate the higher world of the gods with physical matter than as is the case with the Greek temple or with Greek art in general. Through the way they created their works of art, the Greeks succeeded in causing the gods of ancient times to descend to them. And even if the Greeks did not actually see Zeus or Pallas Athena descend—the gods were nonetheless enshrined within these works of art, the very gods among whom people once lived during the Atlantean era and whom they had seen. In ancient times, people were able to provide the old gods with a magnificent dwelling place. And now let us consider what the Greek temple represents from a certain other perspective. Imagine that clairvoyant consciousness is standing before a Greek temple. What is now being said also applies to the sparse remains that still exist from the world of Greek temples. Imagine that the clairvoyant consciousness stands before a remnant such as the one found in the temple at Paestum: one can feel joy and bliss for life in the physical body through the harmony of the lines formed by the columns and the roof structures. Everything is of such perfection that the divine can be envisioned and felt within the physical realm. One can live in such a feeling when, through the eyes of the physical body, one beholds this harmony of Greek architecture. And now imagine the clairvoyant consciousness transported into the spiritual world. There, it is as if something like a black wall were drawn in front of what you can see in the physical world, and how utterly obliterated is what can be seen on the physical plane. Nothing of these wondrous glories of the physical plane can be carried over into the spiritual world. The most magnificent aspects of the physical plane, if they are truly such, fade away in the spiritual world. And then we realize that it is no legend when one of those who had been among the leaders in Greece, upon being encountered by an initiate in the other world, said: “Better to be a beggar in the Upper World than a king in the realm of shadows!”—Precisely in Greece, where such delights could be experienced in the physical world, souls, upon entering the world of the dead, entered a gloomy, dark realm of shadows. The physical plane had become magnificent, but to the same extent, the spiritual world had become desolate.
[ 30 ] Und nun vergleichen wir mit dem, was man bei dem griechischen Tempel empfinden kann, zwei andere Dinge: Stellen wir uns Raffaels Gemälde «Madonna di San Sisto» oder Leonardo da Vincis «Abendmahl» vor! Stellen wir uns jene Bildwerke vor, die geschaffen worden sind nach dem Ereignis von Golgatha, und in die eingeflossen sind die Geheimnisse von Golgatha. Der Mensch kann Seligkeiten empfinden gegenüber diesen Bildern, kann sich damit Wonnen in seine Seele gießen. Und das ist auch bei dem hellseherischen Bewußtsein der Fall, wenn es auf dem physischen Plan durch seine Augen diese Bilder betrachtet. Wenn es sich jetzt hinausversetzt in die geistige Welt, da sagt es sich, obzwar es das Physische nicht mehr sieht: Was ich hinübernehme von dem, was ich bei diesen Bildern erlebe, das ist nicht nur ein Nachklang des Physischen, das sind nicht nur die Wonnen und Seligkeiten, die ich erlebt habe, als ich das alles gesehen habe, sondern jetzt geht mir erst alle die Herrlichkeit auf; ich habe da nur den Keim gelegt zu dem, was ich jetzt erlebe in größerer Herrlichkeit und größerer Glorie! - Man legt in der physischen Welt, wenn man solche Bilder betrachtet, wo die Geheimnisse von Golgatha hineingeflossen sind, nur den Keim zu einer größeren Erkenntnis in der geistigen Welt. Und wodurch kann das alles geschehen? Dadurch kann es geschehen, daß jene geistige Gewalt, die so lange vorherverkündet worden ist, wirklich auf der Erde erschienen ist, daß die Menschheit so weit gekommen ist, daß sie eine Blüte entfalten konnte, innerhalb welcher der Keim des zukünftigen Gottes reifen konnte. Durch das Ereignis von Golgatha ist dem Erdendasein etwas mitgeteilt worden, das nicht nur mitgenommen werden kann in die geistige Welt, sondern das in den geistigen Welten in einer höheren Glorie und höheren Seligkeit aufgeht, und der bedeutsamste Ausdruck ist eben der, der hier schon einmal charakterisiert werden durfte: In demselben Augenblick, als auf Golgatha der physische Leib des Christus Jesus starb, da erschien der Christus bei denen, die dazumal zwischen dem Tode und einer neuen Geburt waren. Er konnte ihnen zuerst verkündigen, was keiner der früheren Eingeweihten, wenn sie hinübergingen in die geistige Welt, verkünden konnte.
[ 30 ] And now let us compare two other things with what one might feel when viewing the Greek temple: Let us imagine Raphael’s painting Madonna di San Sisto or Leonardo da Vinci’s The Last Supper! Let us imagine those works of art that were created after the events at Golgotha, and into which the mysteries of Golgotha have flowed. A person can experience a sense of bliss when looking at these images; they can pour delight into their soul through them. And this is also the case with clairvoyant consciousness when it views these images through its eyes on the physical plane. When it now transports itself into the spiritual world—even though it no longer sees the physical—it says to itself: What I carry over from what I experience with these images is not merely an echo of the physical; it is not merely the joys and bliss I experienced when I saw all of this—but now, for the first time, all the splendor dawns upon me; I have only planted the seed there for what I am now experiencing in greater splendor and greater glory! — In the physical world, when one contemplates such images into which the mysteries of Golgotha have flowed, one is merely planting the seed for a greater understanding in the spiritual world. And how can all this come to pass? It can come to pass because that spiritual power, which had long been foretold, has truly appeared on Earth, and because humanity has advanced to the point where it could unfold a blossom within which the seed of the future God could mature. Through the event of Golgotha, something has been imparted to earthly existence that can not only be carried into the spiritual world, but that rises in the spiritual worlds to a higher glory and higher bliss; and the most significant expression of this is precisely the one that has already been described here: At the very moment when the physical body of Christ Jesus died on Golgotha, Christ appeared to those who were then between death and a new birth. He was able to proclaim to them, for the first time, what none of the earlier initiates could proclaim when they passed into the spiritual world.
[ 31 ] Wenn die früheren Eingeweihten - nehmen wir an der eleusinischen Mysterien - von der diesseitigen Welt hinübergingen zu denen, die drüben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt waren, was hätten die eleusinischen Eingeweihten denen da sagen können? Sie hätten ihnen erzählen können von den Ereignissen des physischen Planes; aber nur Sehnsucht und Wehmut hätten sie in ihnen hervorgerufen. Denn die Menschen hatten sich ganz hineingebannt in den physischen Plan. Das Physische konnten sie aber drüben nicht finden, wo alles finster und düster geworden war, und wo sich der, welcher drüben auf dem physischen Plan ein großer Mensch war, so fühlte, daß er sagen mußte: Lieber ein Bettler sein in der Oberwelt, als ein König im Reiche der Schatten! - Nichts hatten die Eingeweihten, die denen, welche auf dem physischen Plan waren, so viel hatten bringen können, nichts hatten sie denen bringen können, die auf dem anderen Plan dazumal waren. Da geschah das Ereignis von Golgatha - und Christus erschien bei den Toten. Und das erste Mal konnte verkündet werden in der geistigen Welt ein Ereignis aus der physischen Welt, das den Anfang bildet für ein Hinübergreifen von der physischen Welt in die geistige Welt. Wie ein Lichtstrahl zuckte es auf in den geistigen Welten, als der Christus in der Unterwelt erschien. Denn jetzt war es klar, daß in der physischen Welt der Beweis geliefert worden war, daß das Geistige immer den Tod besiegen kann.
[ 31 ] If the initiates of old—let us assume the Eleusinian Mysteries—had passed from this world to join those who were over there, between death and a new birth, what could the Eleusinian initiates have said to them? They could have told them about the events of the physical plane; but this would have evoked only longing and melancholy in them. For people had become completely absorbed in the physical plane. Yet they could not find the physical there, where everything had become dark and gloomy, and where the one who had been a great person on the physical plane felt compelled to say: “Better to be a beggar in the higher world than a king in the realm of shadows!”—The initiates, who had been able to bring so much to those on the physical plane, had nothing to offer those who were on the other plane at that time. Then the event at Golgotha took place—and Christ appeared among the dead. And for the first time, an event from the physical world could be proclaimed in the spiritual world—an event that marked the beginning of a reaching across from the physical world into the spiritual world. It flashed like a ray of light in the spiritual worlds when Christ appeared in the underworld. For now it was clear that proof had been provided in the physical world that the spiritual can always conquer death.
[ 32 ] Von diesem Ereignis ging es aus, daß man nun auch in der physischen Welt etwas zu erleben vermag, was man hinüberbringen kann in die geistige Welt. Was man sagen konnte von anderen Dingen, die beeinflußt worden sind von dem Ereignis von Golgatha, das finden Sie im Johannes-Evangelium und anderen Verkündigungen, die daran anknüpfen. Wer das Johannes-Evangelium auf dem physischen Plan genießt, der erlebt die Seligkeit des Verständnisses dieser großen Urkunde auf dem physischen Plan. Wer aber dann mit hellseherischem Bewußtsein in die geistige Welt eintritt, der weiß, daß dasjenige, was er beim Johannes-Evangelium empfinden konnte, nur ein Vorgeschmack war von dem, was er jetzt einsaugen kann. Das ist das Bedeutsame dabei, daß man jetzt von dem physischen Plan Schätze mit in die geistige Welt hinübernehmen kann.
[ 32 ] It followed from this event that one can now experience something in the physical world that can be carried over into the spiritual world. What can be said about other things that have been influenced by the event at Golgotha can be found in the Gospel of John and other teachings that build upon it. Those who savor the Gospel of John on the physical plane experience the bliss of understanding this great document on the physical plane. But whoever then enters the spiritual world with clairvoyant consciousness knows that what they were able to feel while reading the Gospel of John was only a foretaste of what they can now absorb. This is the significance of the fact that one can now carry treasures from the physical plane into the spiritual world.
[ 33 ] Immer heller und heller wurde es seitdem auf dem geistigen Plan. Alles, was in der physischen Welt vorhanden war, war hervorgesprossen aus der geistigen Welt. Ging man von der physischen Welt in die geistige Welt hinüber, so konnte man sagen: Hier liegen die Ursachen von allem; und drüben in der physischen Welt ist nur das, was hervorgesprossen ist aus der geistigen Welt. Da sind nur die Wirkungen, da ist nur der Widerschein aus der geistigen Welt. Geht man seit dem Ereignis von Golgatha von der physischen Welt in die geistige, dann sagt man sich: Auch in der physischen Welt liegen Ursachen, und herüber wirkt das, was erlebt wird durch das Ereignis von Golgatha auf dem physischen Plan, herüber in die geistige Welt.
[ 33 ] Since then, it has grown brighter and brighter on the spiritual plane. Everything that existed in the physical world had sprung forth from the spiritual world. If one were to pass from the physical world into the spiritual world, one could say: Here lie the causes of everything; and over there in the physical world is only what has sprung forth from the spiritual world. There are only the effects; there is only the reflection from the spiritual world. Since the event at Golgotha, when one passes from the physical world into the spiritual world, one says to oneself: Causes also lie in the physical world, and what is experienced through the event at Golgotha on the physical plane has an effect over here in the spiritual world.
[ 34 ] So wird es immer mehr sein: alles Alte, was die Wirkung der alten Götter ist, wird absterben, und was aufblühen wird, was sich hineinleben wird in die Zukunft, das sind die Wirkungen des Gottes der Zukunft. Das wird hinüberleben in die geistige Welt. Es ist so, wie wenn man einen neuen Pflanzenkeim anschaut und sich sagt: Freilich ist er hervorgegangen aus einer alten Pflanze. Die alten Blätter und Blüten sind abgefallen und verschwunden, und es ist jetzt der neue Pflanzenkeim da, der sich zur neuen Pflanze und zur neuen Blüte entfalten wird. So leben auch wir in einer Welt, wo Blätter und Blüten abfallen und Götterkeime da sind. - Und immer mehr und mehr entfaltet sich die neue Frucht, die Christus-Frucht, und abfallen wird alles andere. Was hier in der physischen Welt erobert und erarbeitet wird, das wird von Wert sein für die Zukunft, insoweit es hineingetragen wird in die geistige Welt, und vor unserem geistigen Auge geht in der Zukunft eine Welt auf, die ihre Wurzeln in dem Physischen hat, wie einstmals unsere Welt ihre Wurzeln in der geistigen Welt hatte. Wie die Menschen die Söhne der Götter sind, so wird aus dem, was die Menschen in der physischen Welt durch die Erhebung zum Ereignisse von Golgatha erleben, der Leib gebildet der neuen Zukunftsgötter, deren Führer der Christus ist. So leben sich die alten Welten in die neuen Welten hinüber dadurch, daß das Alte ganz und gar abstirbt und das Neue aus dem Alten sproßt und sprießt. Das aber konnte für die Menschen nur dadurch eintreten, daß die Menschheit so weit reif war, daß sie jener geistigen Wesenheit, die der Gott der Zukunft werden sollte, eine Blüte entfaltete.
[ 34 ] This is how it will increasingly be: everything old—which is the work of the old gods—will die away, and what will flourish, what will take root in the future, are the works of the God of the future. That will live on into the spiritual world. It is as if one were looking at a new plant sprout and saying to oneself: Of course, it has sprung from an old plant. The old leaves and blossoms have fallen off and disappeared, and now the new plant sprout is there, which will unfold into a new plant and a new blossom. So, too, do we live in a world where leaves and blossoms fall away and the seeds of the gods are present. - And more and more the new fruit—the fruit of Christ—unfolds, and everything else will fall away. What is conquered and achieved here in the physical world will be of value for the future, to the extent that it is carried over into the spiritual world; and before our spiritual eye, a world is dawning in the future that has its roots in the physical, just as our world once had its roots in the spiritual world. Just as human beings are the sons of the gods, so too will that which human beings experience in the physical world through the exaltation brought about by the events of Golgotha form the body of the new gods of the future, whose leader is Christ. Thus the old worlds live on into the new worlds through the complete passing away of the old and the sprouting and flourishing of the new from the old. But this could only come about for human beings because humanity had matured to the point where it brought forth a blossom of that spiritual being who was to become the God of the future.
[ 35 ] Diese Blüte, die da entfaltet werden konnte, die in sich aufnehmen konnte den Keim des zukünftigen Gottes, sie konnte nur eine dreifache Menschenhülle sein aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, die vorher durch alles das, was man auf der Erde erringen konnte, auf der Erde geläutert und gereinigt worden sind. Diese Hülle des Jesus von Nazareth, der sich hingeopfert hat, um den Christus-Keim zu empfangen, wie eine Blüte, und diese Blüte des Menschentums stellt dar das Reinste, den Extrakt von dem, was die Menschheit in ihrem geistigen Entwickelungstrieb hat hervorbringen können. Und die Menschen können sich sagen: Erst dann konnte der Keim des neuen Gottes erscheinen, als die Erde reif war, die schönste Blüte hervorzubringen. - Und die Geburt dieser Blüte war in Bethlehem; das ist uns in unserem Weihnachtsfest enthalten. In unserem Weihnachtsfest feiern wir die Geburt der Blüte, die dann den Keim des Christus aufnehmen sollte.
[ 35 ] This flower, which was able to unfold and which was able to take within itself the seed of the future God, could only be a threefold human shell consisting of the physical body, the etheric body, and the astral body—a shell that had previously been purified and cleansed on Earth through all that could be attained there. This human form of Jesus of Nazareth, who sacrificed himself to receive the Christ seed like a flower, and this flower of humanity represents the purest essence—the very essence—of what humanity has been able to bring forth in its spiritual evolution. And people can say to themselves: Only when the Earth was ripe to bring forth the most beautiful flower could the seed of the new God appear. — And the birth of this flower took place in Bethlehem; this is what our Christmas celebration embodies. In our Christmas celebration, we celebrate the birth of the flower that was then to receive the seed of Christ.
[ 36 ] So ist denn das Weihnachtsfest tatsächlich ein Fest, wodurch der Mensch zweifach schauen kann: in die Vergangenheit und in die Zukunft. Denn aus der Vergangenheit ist die Blüte hervorgegangen, aus der sich der Keim für die Zukunft entwickelt. Aus der alten Erde heraus ist die dreifache Hülle des Christus geworden. Aus dem Besten, was sich die Menschen haben erringen können, ist diese dreifache Hülle des Christus zusammengeflossen und geboren worden. Und es gibt keine äußere Darstellung eines Mysteriums, die eigentlich zunächst einen gewaltigeren Eindruck auf uns machen könnte als die Darstellung gerade dieses Mysteriums: wie die schönste Blüte der Menschheit aus dem reinsten Kelche entspringen konnte.
[ 36 ] Thus, Christmas is indeed a festival through which human beings can look in two directions: into the past and into the future. For out of the past has sprung the blossom from which the seed for the future develops. Out of the old earth has arisen the threefold sheath of Christ. This threefold body of Christ has coalesced and been born from the very best that human beings have been able to achieve. And there is no external representation of a mystery that could, in fact, make a more powerful impression on us at first than the representation of this very mystery: how the most beautiful flower of humanity could spring from the purest calyx.
[ 37 ] Daß die Menschheit einstmals geistig hervorgegangen ist aus dem Schoß der Gottheit, göttlich-geistig war, und sich zur Materie verdichtet hat, wie kann man es schöner darstellen als dadurch, daß man zeigt, wie allmählich das Geistige sich verdichtet, wie aus dem unbestimmten Dunkel des Geistigen der Mensch sich herausverdichter hat! Erahnend und prophetisch stellt es der alte Ägypter dar als die einstmals löwenköpfige Göttin, die noch ganz vergeistigt war, noch aus der Zeit, da der Mensch wenig verdichtet ist, fast noch im Schoße der Gottheit ätherisch-geistig ruht. Als nächste Gestalt, vorausnehmend die spätere «Madonna di San Sisto», erscheint uns in der ägyptischen Abbildung eine andere weibliche Gestalt: die Isis mit dem Horuskinde. Da sehen wir, wie dasjenige, was aus Wolken, das heißt, aus dem Geistigen geboren war, sich verdichtet hat zum Kelche, zu dem, was den in die Zukunft hinein sich entwickelnden Menschen darstellen soll. Aber ins rein Geistige gehend, sehen wir diese Vorstellung, die schon von den Alten gekannt worden ist, in der Christus-Madonna mit dem Jesuskinde.
[ 37 ] That humanity once emerged spiritually from the bosom of the Deity, was divine and spiritual, and condensed into matter—how can this be portrayed more beautifully than by showing how the spiritual gradually condenses, how humanity has condensed itself out of the indeterminate darkness of the spiritual! With intuition and prophetic insight, the ancient Egyptians depicted this as the once lion-headed goddess, who was still entirely spiritual—dating back to a time when humanity was still barely condensed, resting in an ethereal-spiritual state almost within the bosom of the Divine. As the next figure—foreshadowing the later “Madonna di San Sisto”—another female figure appears to us in the Egyptian depiction: Isis with the child Horus. There we see how that which was born of clouds—that is, of the spiritual—has condensed into a chalice, into that which is meant to represent humanity as it develops into the future. But moving into the purely spiritual realm, we see this concept—already known to the ancients—in the Christ Madonna with the infant Jesus.
[ 38 ] Wunderbar zart und rein hat Raffael dieses Mysterium hingehaucht, indem er zeigt, wie aus geistigen Engelsköpfen heraus sich verdichtet die Madonna - und wiederum hervorbringt die Blüte, den Jesus von Nazareth, der den Christus-Keim aufnehmen soll. Die ganze Menschheitsevolution ist in wunderbarer Weise gerade in diesem Madonnenbilde enthalten. Nicht zu verwundern ist daher, daß derjenige, der heute bei uns das erste Wort hatte, gerade der Madonna gegenüber die schönste, die herrlichste Erinnerung hatte aus demjenigen Leben heraus, von dem sein diesmaliges Leben die Erinnerung war, aus der er aufkeimen ließ in sich alle die schönen Gefühle, die herrlichen Empfindungen, die sich angliedern können an dieses ins Bild gebrachte Menschheitsmysterium, und daß ihm diese Gefühle von da heraus zu der Christus-Gebärerin selber übergingen, zu derjenigen Gestalt, die den Keim, den Kelch hervorgebracht hat, aus dem die Blüte entsprossen ist, die in sich den Keim des neuen Gottes reifen lassen konnte.
[ 38 ] Raphael has breathed this mystery into the work with wonderful tenderness and purity, showing how the Madonna takes shape from the ethereal heads of angels—and in turn brings forth the blossom, Jesus of Nazareth, who is to receive the seed of Christ. The entire evolution of humanity is contained in a wondrous way precisely in this image of the Madonna. It is therefore no surprise that the one who spoke first among us today had, precisely in relation to the Madonna, the most beautiful, the most glorious memory from that life of which his present life was a recollection—from which he allowed all the beautiful feelings and glorious sensations to spring forth within himself, sensations that can be linked to this mystery of humanity depicted in the painting, and that from there these feelings passed on to the Mother of Christ herself, to the very figure who brought forth the seed, the chalice, from which the blossom sprang—a blossom capable of allowing the seed of the new God to mature within itself.
[ 39 ] Und so sehen wir, wie in diesem wunderbar begabten Novalis Gefühle schwingen, die frei aufgefaßt werden können von allem Hinschillern nach dieser oder jener Parteirichtung - gerade gegenüber diesem heiligen Mysterium, das sich abspielt in der ersten christlichen Weihnacht und das immer wiederholt wird in jeder christlichen Weihnacht: jenes Mysterium, dem gegenüber die alten Eingeweihten in der Gestalt der alten Magier ihre Opfer darbringen und dahin gehen, wo das neue Mysterium sich einlebte. Und sie opfern, die Weisen der alten Zeiten, geschmückt mit der Weisheit, die aus alten Zeiten kommt, sie opfern vor dem, was in die Zukunft hineingehen soll, was in sich bergen soll einstmals die Kraft in einem Menschen, die durch alle Welten zieht, die mit unserer Erde verbunden sind.
[ 39 ] And so we see how, in this wonderfully gifted Novalis, feelings resonate that can be understood freely, free from any Schillerian bias toward this or that political orientation—precisely in relation to this sacred mystery that unfolded during the first Christian Christmas and that is repeated time and again in every Christian Christmas: that Mystery before which the ancient initiates, in the form of the ancient magi, offer their sacrifices and go where the new Mystery took root. And they offer their sacrifices—the sages of ancient times, adorned with the wisdom that comes from ancient times—before that which is to enter the future, that which is to one day hold within itself the power in a human being that flows through all the worlds connected to our Earth.
[ 40 ] Novalis hat empfunden das Christus-Mysterium, das MarienMysterium im Zusammenhang mit dem kosmischen Mysterium. In seiner Seele leuchtete es, wie es einstmals geleuchtet hat in der ersten christlichen Weihnacht, in welcher von denjenigen Wesenheiten, die nicht heruntergestiegen sind bis zum physischen Plan, verkündet worden ist der Zusammenhang zwischen einer kosmischen und einer irdischen Macht und zwischen dem, was im Menschenherzen und im Kosmos vorgehen kann, wenn sich das Menschenherz vereinigt mit der Christus-Wesenheit. Denn heute braucht nicht mehr verkündet zu werden, was die Ägypter sagten: Der Gott, mit dem ihr euch vereinigen sollt, lebt in jener Welt, wo man nur hinkommt, wenn man den Tod durchschreitet. - Jetzt lebt der Gott, mit dem sich der Mensch vereinigen soll, unter uns zwischen Geburt und Tod, und die Menschen können ihn finden, wenn sie ihre Seelen und ihre Herzen hier mit ihm vereinigen. Deshalb erklingt der Weihnachtston in der ersten christlichen Weihnacht:
[ 40 ] Novalis perceived the Mystery of Christ and the Mystery of Mary in connection with the cosmic mystery. It shone in his soul, just as it once shone on the first Christian Christmas, when those beings who had not descended to the physical plane proclaimed the connection between a cosmic power and an earthly power, and between what can take place in the human heart and in the cosmos when the human heart unites with the Christ-being. For today it no longer needs to be proclaimed what the Egyptians said: The God with whom you are to unite lives in that world, which can only be reached by passing through death. - Now the God with whom human beings are to unite lives among us between birth and death, and people can find him when they unite their souls and hearts with him here. That is why the Christmas message resounds in the first Christian Christmas:
Offenbarung durch die Höhen dem Gotte,
Ruhe und Stille
durch den Erdenfrieden,
Seligkeit
in den Menschen!
Revelation from on high to God,
Peace and stillness
through peace on earth,
Bliss
among mankind!
[ 41 ] Anschließend rezitierte Marie von Sivers die «Marienlieder» von Novalis.
[ 41 ] Marie von Sivers then recited Novalis’s “Marienlieder.”
