Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Anthroposophy's Response
to Universal Questions
GA 108

13 December 1908, Stuttgart

Translate the original German text into any language:

19. Aus einem Kapitel okkulter Geschichte die Rishis

19. From a Chapter on Occult History: The Rishis

[ 1 ] Die Menschen machen in ihren verschiedenen Verkörperungen immer andere Verhältnisse durch. Sie finden bei jeder Inkarnation andere Verhältnisse vor, und auch ihre eigenen Verhältnisse gestalten sich jedesmal entsprechend zwischen Geburt und Tod. Nun kann sich die Frage erheben: Sind die Erlebnisse zwischen Tod und neuer Geburt immer dieselben, da doch die Erlebnisse im Physischen so verschiedene sind? Mit anderen Worten: Ist das Leben im Devachan zu allen Zeiten physischer Entwickelung immer dasselbe gewesen? Daß es auch eine Geschichte für das Leben im Jenseitigen gibt, sollen folgende Erläuterungen zeigen.

[ 1 ] In their various incarnations, people always experience different circumstances. In each incarnation, they encounter different circumstances, and their own circumstances also take shape accordingly between birth and death. Now the question may arise: Are the experiences between death and rebirth always the same, given that experiences in the physical realm are so different? In other words: Has life in Devachan always been the same throughout all stages of physical evolution? The following explanations will show that there is also a history to life in the afterlife.

[ 2 ] Erinnern wir uns des Bewußtseinszustandes des alten Atlantiers, der noch in einem hellsichtigen Zustand bei Tage die physischen Gegenstände in schwachen, nebelhaften Konturen sah - Gleichnis von der Laterne im Nebel -, und der bei Nacht ein Genosse der Götter war; doch waren Tag und Nacht nicht strenge geschieden wie heute.

[ 2 ] Let us recall the state of consciousness of the ancient Atlantean, who, while still in a clairvoyant state, saw physical objects in faint, misty outlines during the day—the parable of the lantern in the mist—and who, at night, was a companion of the gods; yet day and night were not strictly separated as they are today.

[ 3 ] Der fortgeschrittenste Teil der Atlantier, also diejenigen, die ihr hellsichtiges Bewußtsein schon zum größten Teil verloren hatten und die Dinge um sich schon physisch in schärferen Konturen sehen konnten, sie wohnten in der Gegend des heutigen Irland unter einer hohen geistigen Wesenheit: Manu. Sie zogen in einzelnen Trupps, einer von diesen unter der Führung Manus, von Westen nach Osten. Dann kam die Sintflut. Nach dieser wurden von dem Zentrum in Mittelasien aus Kolonien gegründet. Die erste war die Begründung der indischen Kultur.

[ 3 ] The most advanced group of Atlanteans—that is, those who had already largely lost their clairvoyant consciousness and could already perceive the things around them physically with sharper contours—lived in the region of present-day Ireland under a high spiritual being: Manu. They migrated in separate groups—one of them led by Manu—from west to east. Then came the Great Flood. Afterward, colonies were established from a center in Central Asia. The first of these marked the founding of Indian civilization.

[ 4 ] Für den alten Inder, der noch die Erinnerung an die Zeit der Atlantis in sich trug, wo er noch Genosse der Götter war, war das, was ihm im Irdischen gegenübertrat, Illusion, Maja, die ganze Umwelt, auch die Sterne. Die Verbindung mit der geistigen Welt, nach welcher der Inder sich sehnte, hielten die heiligen Rishis aufrecht. Sie verkündeten die Existenz der geistigen Welten. Man zählt sieben Rishis; sie waren die Schüler des Manu. Sie konnten nur zu gewissen Zeiten lehren, wenn sie sich in einem besonderen Zustand befanden. Dann waren sie hohen geistigen Wesenheiten ganz hingegeben. Sie waren der ganze Trost, die ganze Kraft der damaligen indischen Welt; sie erzählten von den Wundern und Gesetzen der geistigen Welten. Wenn die Menschen dann starben, so erlebten sie das, was die Rishis beschrieben hatten, zwar nur bis zu einer gewissen Höhe des Devachan, denn nur der Eingeweihte, der Rishi, erlebt das Devachan ganz. Aber geschickt waren die Menschen damals zur Arbeit im jenseitigen Leben.

[ 4 ] For the ancient Indian, who still carried within himself the memory of the time of Atlantis, when he was still a companion of the gods, everything he encountered in the earthly realm was illusion, Maya—the entire environment, including the stars. The connection to the spiritual world, for which the Indians longed, was maintained by the holy Rishis. They proclaimed the existence of the spiritual worlds. There were seven Rishis; they were the disciples of Manu. They could teach only at certain times, when they were in a special state. At such times, they were wholly devoted to high spiritual beings. They were the sole comfort and source of strength for the Indian world of that era; they spoke of the wonders and laws of the spiritual worlds. When people died, they experienced what the Rishis had described—though only up to a certain level of Devachan, for only the initiate, the Rishi, experiences Devachan in its entirety. But the people of that time were well-equipped for work in the life beyond.

[ 5 ] Der Eingeweihte lebte abwechselnd im Irdischen und im Geistigen. Bald lehrte er den Lebenden, bald den Toten die ewige Wahrheit. Die Menschen aber hatten den physischen Plan noch nicht liebgewonnen: Sie betrachteten die geistige Welt als ihre eigentliche Heimat und die heiligen Rishis hatten ihnen im Jenseits nicht viel zu erzählen vom Diesseits. Die Menschen im Jenseitigen hatten kein Interesse am Irdischen.

[ 5 ] The initiate lived alternately in the physical and spiritual realms. Sometimes he taught the eternal truth to the living, and sometimes to the dead. But people had not yet grown fond of the physical plane: they regarded the spiritual world as their true home, and the holy Rishis had little to tell them in the afterlife about this life. The people in the afterlife had no interest in earthly matters.

[ 6 ] In der zweiten nachatlantischen Kultur, der persischen, wo zuerst der Ackerbau auftritt, hatten die Menschen den physischen Plan schon lieber gewonnen. Im selben Maße jedoch verdunkelte sich das Bewußtsein im Jenseitigen. Das Devachan wurde dunkler. Die Menschen mußten ja das Irdische immer lieber gewinnen. Daher mußten die Zarathustra-Schüler mit stärkerer Sprache hinweisen auf die geistige Welt; aber in der jenseitigen Welt konnten sie nichts erzählen vom Diesseits.

[ 6 ] In the second post-Atlantean culture, the Persian one—where agriculture first appeared—people had already come to prefer the physical plane. To the same extent, however, consciousness of the beyond grew dimmer. The Devachan grew darker. After all, people were becoming increasingly drawn to the earthly realm. Therefore, the disciples of Zarathustra had to use stronger language to point to the spiritual world; but in the world beyond, they could tell nothing of this life.

[ 7 ] Die dritte Kultur, die ägyptische, zeigt noch größere Liebe zum physischen Plane. In den Sternen studierte man die Gesetze des Geistigen. Immer mehr versuchten die Menschen, den Dingen ihren Geist aufzuprägen. Je geschickter aber die Menschen im Irdischen geworden waren, um so ungeschickter wurden sie im Jenseitigen zur geistigen Mitarbeit.

[ 7 ] The third culture, the Egyptian, shows an even greater devotion to the physical plane. People studied the laws of the spiritual realm in the stars. People increasingly sought to impose their spirit upon things. But the more skilled people became in earthly matters, the less capable they became of spiritual cooperation in the beyond.

[ 8 ] Ein Höhepunkt in der Beherrschung des irdischen Plans ist die griechisch-lateinische Kultur. Da hatte sich die Ehe des Geistigen mit dem Physischen vollzogen. Der griechische Tempel ist der Ausdruck der geistigen Gesetze. Die Griechen liebten das Leben. Das bedeutet die griechische Kultur; aber sie bedeutet noch etwas anderes. Wenn heute ein Hellseher auf einen griechischen Tempel blickt, zum Beispiel den von Paestum, so erlebt er bei der Betrachtung etwas Besonderes an diesem Tempel: man fühlt die herrlichen Harmonien, in denen sich das geistige Leben ausprägt. Versetzt sich nun der Hellsehende von diesem physischen Betrachten, in dem Moment der herrlichen Empfindung der Harmonien dieses Kunstwerks, in die geistige Welt, so bleibt nichts übrig, nichts, eben weil der griechische Tempel ein so vollkommener Ausdruck der geistigen Welt ist. Dieses erlebte die griechische Seele im Tod; sie sehnte sich nach den reinen harmonischen Ausdrücken und Gebilden des physischen Planes. Der Römer, der sich auf dem Gipfel seines Ich-Bewußtseins stark fühlte im Leben, war wie gelähmt, wenn er ins Jenseits kam. «Lieber ein Bettler im Diesseits, als ein König im Reiche der Schatten.» - Also schattenhaft war damals das Bewußtsein der jenseitigen Welt. Wenn die herrlichen Dinge dieser Welt im Reich der Schatten erzählt worden wären, es hätte diese Wesen nur noch unglücklicher gemacht. Im diesseitigen Leben konnten die Menschen mehr erfahren vom Geistigen als im Jenseits, im Schattenreich.

[ 8 ] A high point in the mastery of the earthly plane is Greco-Roman culture. There, the union of the spiritual with the physical had been accomplished. The Greek temple is the expression of spiritual laws. The Greeks loved life. That is what Greek culture signifies; but it signifies something else as well. When a clairvoyant today gazes upon a Greek temple—for example, the one at Paestum—he experiences something special about that temple: one feels the magnificent harmonies in which spiritual life is expressed. If the clairvoyant now, in the very moment of this physical contemplation—in the moment of the magnificent sensation of the harmonies of this work of art—transports himself into the spiritual world, nothing remains, nothing at all, precisely because the Greek temple is such a perfect expression of the spiritual world. This is what the Greek soul experienced in death; it longed for the pure, harmonious expressions and forms of the physical plane. The Roman, who felt strong in life at the height of his ego-consciousness, was as if paralyzed when he entered the afterlife. “Better to be a beggar in this life than a king in the realm of shadows.” —That is how shadowy the awareness of the world beyond was at that time. If the glorious things of this world had been recounted in the realm of shadows, it would only have made these beings even more unhappy. In this life, people could experience more of the spiritual than in the hereafter, in the realm of shadows.

[ 9 ] Diese vierte Kultur war die Zeit, da der Impuls nach oben gegeben wurde durch das Erscheinen des Christus. Die Bedeutung des Ereignisses von Golgatha haben wir im August geschildert; für das Jenseits wollen wir es heute tun. - In dem Moment nämlich, wo der physische Tod am Kreuze eintritt, da geschieht etwas in der Welt der Schatten: Der Christus erschien bei ihnen. Zum ersten Male konnte drüben etwas berichtet werden, was von Bedeutung war für das Jenseits, nämlich, daß das Leben im Geiste den Tod besiegen kann. Blitzartig leuchtete das schattenhaft gewordene Leben der jenseitigen Welt auf. Das gewaltigste Ereignis fürs Jenseits war geschehen: drüben im Diesseits gibt es etwas, was auch fürs Jenseits eine Bedeutung hat.

[ 9 ] This fourth culture was the era when the upward impulse was given by the appearance of the Christ. We described the significance of the event at Golgotha in August; today we will do so in relation to the afterlife. - For at the very moment when physical death occurs on the cross, something happens in the world of shadows: Christ appeared among them. For the first time, something of significance for the afterlife could be reported from over there—namely, that life in the spirit can conquer death. The life of the world beyond, which had become shadowy, lit up like a flash of lightning. The most momentous event for the afterlife had taken place: over here in this life, there is something that also holds significance for the afterlife.

[ 10 ] Was jetzt - im Gegensatz zu den ersten vier Kulturen - der Mensch erlebt, zum Beispiel am Johannes-Evangelium, das ist nicht ausgelöscht, wenn er ins Geistige kommt. Von jetzt an nimmt der Mensch alles mit hinüber, was er im physichen Plane geistig empfunden und erworben hat. Je mehr man sich in die tiefen okkulten Wahrheiten der Bibel vertiefen wird, um so mehr wird man hinübernehmen ins Jenseits. Vor der vierten Kultur leuchtete langsam abnehmend das Jenseits ins Diesseits hinein. Jetzt ist es umgekehrt:

[ 10 ] What a person now experiences—in contrast to the first four cultures—for example, through the Gospel of John, is not erased when he enters the spiritual realm. From now on, a person carries over everything that he or she has spiritually perceived and acquired on the physical plane. The more one delves into the deep occult truths of the Bible, the more one will carry over into the afterlife. Before the fourth culture, the afterlife shone into this life, its light gradually diminishing. Now it is the other way around:

[ 11 ] Im Jenseits ist jetzt eine aufsteigende Entwickelung, es wird immer heller.

[ 11 ] In the afterlife, there is now an upward progression; it is getting brighter and brighter.

[ 12 ] Die geistigen Kräfte, die heute zu Erfindungen und Entdeckungen verbraucht werden, dienen nur dazu, äußerliche Kulturmittel zu erzeugen. Anders früher: da dienten diese Kräfte zur Erforschung der geistigen Welt und ihrer Gesetze. Heute dient der Geist als Sklave den materiellen Bedürfnissen. All die Intelligenz, die in die Dampfmaschinen und andere Erfindungen geflossen ist, bildet einen Hemmschuh für die geistige Welt - eine Unterbilanz! Das Gegenteil ist der Fall bei der anthroposophischen Arbeit. Das, was da im Irdischen gewonnen wird, dient zur Erleuchtung der jenseitigen Welt.

[ 12 ] The spiritual forces that are today expended on inventions and discoveries serve only to produce external cultural products. It was different in the past: then these forces were used to explore the spiritual world and its laws. Today, the spirit serves as a slave to material needs. All the intelligence that has gone into steam engines and other inventions acts as a stumbling block to the spiritual world—a deficit! The opposite is true of anthroposophical work. What is gained here on Earth serves to illuminate the world beyond.

[ 13 ] Der Christus erschien in der vierten Kulturepoche, deshalb der griechische Name Christus. Damit jedoch die Erscheinung des Christus die Menschen nicht unvorbereitet treffe, erschienen Moses und die Propheten. Die Verkündigung des Ich-Gottes, des Jahve, ist nötig gewesen, damit er etwas habe als Ziel, an dem er festhalten kann. Das Ereignis von Golgatha konnte nur verstanden werden durch die Verkündigung des bilderlosen Gottes. Davon morgen.

[ 13 ] Christ appeared during the fourth cultural epoch; hence the Greek name “Christ.” However, to ensure that Christ’s appearance would not catch people off guard, Moses and the prophets came first. The proclamation of the “I” God, Yahweh, was necessary so that humanity would have a goal to hold onto. The event at Golgotha could only be understood through the proclamation of the God without image. More on that tomorrow.