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The Rudolf Steiner Archive

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The Principle of Spiritual Economy
in Relation to Reincarnation
GA 109

15 February 1909, Berlin

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2. Das Christentum im Entwickelungsgang unserer gegenwärtigen Menschheit

2. Christianity in the Evolution of Our Present-Day Humanity

Führende Individualitäten Und Avatarische Wesenheiten

Leading Individualities and Avataric Beings

[ 1 ] Sie haben aus dem einen Vortrag, der hier über kompliziertere Fragen der Wiederverkörperung gehalten worden ist, ersehen können, daß mit dem weiteren Fortschreiten in der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung dasjenige, was man anfangs geben konnte als elementare Wahrheiten, sich modifiziert, daß wir allmählich zu höheren und höheren Wahrheiten aufsteigen. Es bleibt deshalb doch richtig, daß man im Anfang die allgemeinen Weltwahrheiten so elementar, so einfach wie möglich darstellt. Es ist aber auch notwendig, daß man nach und nach vom Abe aus langsam hinaufdringt zu den höheren Wahrheiten; denn durch diese höheren Wahrheiten wird ja erst allmählich das erreicht, was unter anderem die Geisteswissenschaft geben soll: die Möglichkeit nämlich, die Welt, die uns in der sinnlichen, in der physischen Sphäre umgibt, zu verstehen, zu durchdringen. Nun haben wir allerdings noch sehr weit hinauf, bis es uns gelingen wird, einigen Zusammenhang zeichnen zu können in den geistigen Linien und Kräften, die hinter der Sinneswelt sind. Aber schon durch manches, was in den letzten Stunden gesagt worden ist, wird diese oder jene Erscheinung unseres Daseins erklärlicher, klarer geworden sein. Heute wollen wir gerade in dieser Beziehung ein wenig vorschreiten, und auch da wollen wir wieder über kompliziertere Fragen der Reinkarnation, der Wiederverkörperung sprechen.

[ 1 ] From the lecture given here on more complex questions of reincarnation, you have been able to see that as we progress further in the spiritual-scientific worldview, what could initially be presented as elementary truths undergoes modification, and that we gradually ascend to higher and higher truths. It therefore remains true that, in the beginning, one should present the general truths of the world as elementarily and as simply as possible. But it is also necessary to gradually ascend from the basic to the higher truths; for it is through these higher truths that we gradually attain what spiritual science, among other things, is meant to provide: namely, the possibility of understanding and penetrating the world that surrounds us in the sensory, physical sphere. Admittedly, we still have a very long way to go before we will succeed in tracing some connection in the spiritual lines and forces that lie behind the sensory world. But even through much of what has been said in the last few hours, this or that aspect of our existence will have become more understandable and clearer. Today we want to make a little progress in this regard, and here, too, we want to speak again about the more complex questions of reincarnation and rebirth.

[ 2 ] Dazu wollen wir uns heute vor allen Dingen klarmachen, daß zwischen den Wesenheiten, welche eine führende Stellung einnehmen in der Menschheitsentwickelung der Erde, ein Unterschied besteht. Wir haben im Laufe unserer Erdenentwickelung solche führenden Individualitäten zu unterscheiden, welche sozusagen von Anfang an mit der Menschheit unserer Erde, wie sie eben ist, sich entwickelt haben, nur daß sie schneller fortgeschritten sind. Man möchte so sagen: Wenn man zurückgeht bis in die Zeit der urfernen lemurischen Vergangenheit, so findet man unter den damals verkörperten Menschenwesen die verschiedensten Entwickelungsgrade. Alle die Seelen, die damals verkörpert waren, haben durch die folgende atlantische Zeit, durch unsere nachatlantische Zeit immer wieder und wieder Reinkarnationen, Wiederverkörperungen durchgemacht. Mit einer verschiedenen Schnelligkeit haben sich die Seelen entwickelt. Da leben Seelen, die verhältnismäßig langsam durch die verschiedenen Inkarnationen sich hindurchentwickelt haben, die noch weite, weite Strecken in der Zukunft erst zu durchschreiten haben. Da sind aber auch solche Seelen, welche sich rasch entwickelt haben, die, man könnte sagen, in ausgiebigerem Maße ihre Inkarnationen benutzt haben, und die daher heute auf einer so hohen Stufe stehen in seelisch-geistiger, also in spiritueller Beziehung, daß der normale Mensch von heute erst in einer sehr, sehr fernen Zukunft zu einer solchen Stufe hinanschreiten wird. Aber wenn wir in dieser Sphäre von Seelen bleiben, so können wir doch sagen: So fortgeschritten diese einzelnen Seelen auch sein mögen, wie weit sie auch hinausragen mögen über den normalen Menschen, sie haben doch innerhalb unserer Erdenentwickelung einen gleichartigen Gang durchgemacht mit den übrigen Menschen; sie sind eben nur schneller fortgeschritten.

[ 2 ] Above all, let us make it clear to ourselves today that there is a difference between the entities that occupy a leading position in the development of humanity on Earth. In the course of our earthly evolution, we must distinguish between those leading individuals who, so to speak, have developed alongside humanity on Earth—just as it is—from the very beginning, except that they have advanced more rapidly. One might say: If we go back to the time of the distant Lemurian past, we find the most varied stages of development among the human beings who were incarnated at that time. All the souls who were incarnated at that time have, through the subsequent Atlantean era and our post-Atlantean era, undergone reincarnations—re-incarnations—time and time again. These souls have evolved at different rates. There are souls who have evolved relatively slowly through their various incarnations and who still have long, long distances to traverse in the future. But there are also souls who have developed rapidly—who, one might say, have made more extensive use of their incarnations—and who therefore stand today at such a high level in soul-spiritual, that is, spiritual terms, that the average person of today will not reach such a level until a very, very distant future. But if we remain within this sphere of souls, we can still say: No matter how advanced these individual souls may be, no matter how far they may transcend the average person, they have nevertheless undergone a similar course of development within our earthly evolution as the rest of humanity; they have simply progressed more rapidly.

[ 3 ] Außer diesen führenden Individualitäten, die also in dieser Art gleichartig sind mit den übrigen Menschen, nur auf einer höheren Stufe stehen, gibt es auch im Verlaufe der Menschheitsentwickelung andere Individualitäten, andere Wesenheiten, die keineswegs ebenso durch verschiedene Verkörperungen hindurchgegangen sind wie die andern Menschen. Wir können uns etwa veranschaulichen, was da zugrunde liegt, wenn wir uns sagen: Es hat Wesen gegeben zu eben der Zeit der lemurischen Entwickelung, die wir gerade in Betracht gezogen haben, welche es nicht mehr nötig hatten, so tief hinunterzusteigen in die physische Verkörperung wie die andern Menschen, wie alle die Wesen, die eben geschildert worden sind, Wesen also, welche in höheren, geistigeren Regionen ihre Entwickelung weiter hinauf hätten durchlaufen können, die es also zu ihrem eigenen weiteren Fortschreiten nicht nötig hatten, in fleischliche Leiber hinunterzusteigen. Solch eine Wesenheit kann aber dennoch, um einzugreifen in den Gang der Menschheitsentwickelung, sozusagen stellvertretend heruntersteigen eben in einen solchen Leib, wie ihn die Menschen haben. So daß also zu irgendeiner Zeit eine Wesenheit auftreten kann, und wenn wir sie hellseherisch in bezug auf ihre Seele prüfen, können wir bei ihr nicht wie bei andern Menschen sagen, wir verfolgen sie in der Zeit zurück und finden sie in einer vorhergehenden fleischlichen Inkarnation, verfolgen sie weiter zurück und finden sie wieder in einer andern Inkarnation und so weiter, sondern wir müssen uns sagen: Verfolgen wir die Seele einer solchen Wesenheit im Zeitenlauf zurück, so kommen wir vielleicht gar nicht zu einer früheren fleischlichen Inkarnation einer solchen Wesenheit. Wenn wir aber zu einer solchen kommen, dann ist es nur aus dem Grunde, weil eine solche Wesenheit auch öfter in Zwischenräumen heruntersteigen und sich stellvertretend in einem menschlichen Leib verkörpern kann. - Solch eine geistige Wesenheit, die also heruntersteigt in einen menschlichen Leib, um als Mensch einzugreifen in die Entwickelung, ohne daß sie sozusagen selber etwas von dieser Verkörperung hat, ohne daß dasjenige, was sie hier erfährt in der Welt, für sie selbst diese oder jene Bedeutung hat, wird in der morgenländischen Weisheit «Avatar» genannt. Und das ist der Unterschied zwischen einer führenden Wesenheit, die aus der Menschheitsentwickelung selbst hervorgegangen ist, und einer solchen, die man Avatar nennt, daß eine Avatarwesenheit für sich keine Früchte zu ziehen hat aus ihren physischen Verkörperungen, oder aus der einen physischen Verkörperung, der sie sich unterzieht, denn sie zieht als Wesenheit zum Heil und Fortschritt der Menschen in einen physischen Körper ein. Also wie gesagt: Entweder nur einmal, oder auch mehrmals hintereinander kann eine solche Avatarwesenheit in einen menschlichen Leib einziehen, und sie ist durchaus dann etwas anderes als eine andere menschliche Individualität.

[ 3 ] In addition to these leading individuals—who are, in this respect, similar to other human beings but stand on a higher level—there are also, in the course of human evolution, other individuals, other beings, who have by no means passed through various incarnations in the same way as other human beings. We can illustrate what underlies this, for example, by saying to ourselves: There were beings at the very time of the Lemurian evolution that we have just considered who no longer needed to descend as deeply into physical incarnation as other human beings, as all the beings that have just been described, that is, beings who could have continued their evolution upward in higher, more spiritual regions, and who therefore did not need to descend into physical bodies for their own further progress. Such a being can nevertheless, in order to intervene in the course of human evolution, descend—as it were, on behalf of others—into precisely the kind of body that human beings have. Thus, a being may appear at any time, and when we examine it clairvoyantly with regard to its soul, we cannot say of it—as we do of other human beings—that we trace it back through time and find it in a previous physical incarnation, trace it further back and find it again in another incarnation, and so on; rather, we must say to ourselves: If we trace the soul of such a being back through the course of time, we may not arrive at an earlier physical incarnation of that being at all. But if we do arrive at one, it is only because such a being can descend more frequently into the intervening spaces and incarnate vicariously in a human body. - Such a spiritual being, who thus descends into a human body to intervene in human evolution as a human being—without, so to speak, deriving anything from this incarnation for themselves, without what they experience here in the world having any particular significance for them—is called an “avatar” in Eastern wisdom. And this is the difference between a guiding being that has emerged from the development of humanity itself and one that is called an avatar: an avatar being does not, for its own sake, reap any benefits from its physical incarnations—or from the single physical incarnation it undergoes—for it enters a physical body as a being for the sake of humanity’s salvation and progress. So, as I said: Such an Avatar being may enter a human body either just once or several times in succession, and in doing so, it is quite distinct from any other human individuality.

[ 4 ] Die größte Avatarwesenheit, die auf der Erde gelebt hat, wie Sie ja aus dem Geiste aller der Vorträge, die hier gehalten werden, entnehmen können, ist der Christus, diejenige Wesenheit, die wir als den Christus bezeichnen, und die im dreißigsten Jahre des Lebens des Jesus von Nazareth von dessen Körper Besitz ergriffen hat. Diese Wesenheit, die erst im Beginne unserer Zeitrechnung mit unserer Erde in Berührung gekommen ist, drei Jahre verkörpert war in einem fleischlichen Leib, seit jener Zeit mit der astralen Sphäre, also mit der geistigen Sphäre unserer übersinnlichen Welt in Verbindung steht, diese Wesenheit ist als avatarische Wesenheit von einer ganz einzigartigen Bedeutung. Wir würden die Christus-Wesenheit ganz vergeblich in einer früheren menschlichen Verkörperung auf der Erde suchen, während andere, niedrigere Avatarwesenheiten sich allerdings auch öfters verkörpern können. Der Unterschied liegt nicht darin, daß sie sich öfter verkörpern, sondern daß sie für sich selber aus den Erdenverkörperungen keine Früchte ziehen. Die Menschen geben nichts der Welt, sie nehmen nur. Diese Wesenheiten geben nur, sie nehmen nichts von der Erde. Nun müssen Sie allerdings, wenn Sie diese Sache ganz ordentlich verstehen wollen, unterscheiden zwischen einer so hohen Avatarwesenheit, wie es der Christus war, und zwischen niedrigeren Avatarwesenheiten.

[ 4 ] The greatest Avatar being who has ever lived on Earth—as you can gather from the spirit of all the lectures given here—is the Christ, the being we refer to as the Christ, who took possession of the body of Jesus of Nazareth in the thirtieth year of his life. This being, who first came into contact with our Earth at the beginning of our calendar, was incarnated in a physical body for three years, and has since that time been connected to the astral sphere—that is, to the spiritual sphere of our supersensible world—is, as an avataric being, of quite unique significance. It would be entirely futile to search for the Christ entity in an earlier human incarnation on Earth, whereas other, lower avataric entities can indeed incarnate more frequently. The difference does not lie in the fact that they incarnate more often, but rather that they derive no benefit for themselves from their earthly incarnations. Human beings give nothing to the world; they only take. These beings only give; they take nothing from the Earth. Now, however, if you wish to understand this matter properly, you must distinguish between such a high avatar being as Christ was and between lower avatar beings.

[ 5 ] Die verschiedensten Aufgaben können solche Avatarwesenheiten auf unserer Erde haben. Wir können zunächst von einer solchen Aufgabe avatarischer Wesenheiten sprechen. Und damit wir nicht im Spekulativen herumsprechen, wollen wir gleich an einen konkreten Fall herangehen und uns veranschaulichen, worinnen eine solche Aufgabe bestehen kann.

[ 5 ] Such avatar beings can have a wide variety of tasks on our Earth. Let us first discuss one such task of avatar beings. And so that we do not get bogged down in speculation, let us immediately examine a specific case to illustrate what such a task might entail.

[ 6 ] Sie alle wissen aus der Erzählung, die sich um Noah herumgruppiert, daß in der althebräischen Darstellung ein großer Teil der nachatlantischen, der Nach-Noahschen Menschheit zurückgeführt wird auf die drei Stammväter Sem, Ham und Japhet. Heute wollen wir nicht weiter eingehen auf das, was uns in einer anderen Hinsicht Noah und diese drei Stammväter darstellen wollen. Wir wollen uns nur klarmachen, daß das hebräische Schrifttum, das von Sem, dem einen Sohne Noahs spricht, den ganzen Stamm der Semiten auf Sem als auf dessen Stammvater zurückführt. Einer wirklich okkulten Anschauung über eine solche Sache, einer solchen Erzählung, liegen überall die tieferen Wahrheiten dabei zugrunde. Diejenigen, welche aus dem Okkultismus heraus eine solche Sache erforschen können, wissen über diesen Sem, den Stammvater der Semiten, das Folgende.

[ 6 ] You all know from the narrative centered on Noah that, in the ancient Hebrew account, a large part of post-Atlan, or post-Noah, humanity is traced back to the three patriarchs Shem, Ham, and Japheth. Today we do not wish to delve further into what Noah and these three patriarchs represent to us in another respect. We simply want to make it clear that Hebrew scripture, which speaks of Shem, one of Noah’s sons, traces the entire Semitic race back to Shem as its progenitor. A truly occult perspective on such a matter, on such a narrative, is always grounded in deeper truths. Those who are able to investigate such a matter from the perspective of occultism know the following about this Shem, the progenitor of the Semites.

[ 7 ] Für eine solche Persönlichkeit, die der Stammvater eines ganzen Stammes werden soll, muß schon von der Geburt an, ja schon früher, vorgesorgt werden, daß sie eben dieser Stammvater sein kann. Wodurch wird nun vorgesorgt dafür, daß eine solche Individualität, wie hier zum Beispiel der Sem, der Stammvater einer solchen ganzen Volks- oder Stammesgemeinschaft sein kann? Bei Sem ist das dadurch geschehen, daß er sozusagen einen ganz besonders zugerichteten Ätherleib erhielt. Wir wissen ja, daß der Mensch dann, wenn er hineingeboren wird in diese Welt, herumgliedert um seine Individualität seinen Äther- oder Lebensleib neben den andern Gliedern der menschlichen Wesenheit. Für einen solchen Stammahnen muß sozusagen ein besonderer Ätherleib zubereitet werden, welcher gleichsam der Musterätherleib ist für alle die Nachkommen, die dieser Individualität in den Generationen folgen. So daß wir bei einer solchen Stammesindividualität einen typischen Ätherleib haben, gleichsam den Musterätherleib; und dann geht durch die Blutsverwandtschaft die Sache durch die Generationen hindurch so, daß in einer gewissen Weise die Ätherleiber aller Nachkommen, die zu demselben Stamm gehören, Abbilder sind des Ätherleibes des Ahnen. So war in allen Ätherleibern des semitischen Volkes etwas wie ein Abbild des Ätherleibes des Sem eingewoben. Wodurch wird nun eine solche Sache herbeigeführt im Laufe der Menschheitsentwickelung?

[ 7 ] For such a person, who is to become the progenitor of an entire tribe, provisions must be made from birth—indeed, even earlier—to ensure that he can indeed be this progenitor. How, then, is it ensured that such an individual—such as Sem, for example—can become the progenitor of an entire people or tribal community? In Sem’s case, this was achieved by his receiving, so to speak, an etheric body that was specially fashioned. We know, of course, that when a human being is born into this world, the etheric or life body is formed around their individuality alongside the other members of the human being. For such a tribal ancestor, a special etheric body must, so to speak, be prepared—one that serves as the archetypal etheric body for all the descendants who follow this individuality through the generations. Thus, in the case of such a tribal individuality, we have a typical etheric body—as it were, the archetypal etheric body—and then, through blood kinship, this process continues through the generations in such a way that, in a certain sense, the etheric bodies of all descendants belonging to the same tribe are reflections of the ancestor’s etheric body. Thus, something like an image of the etheric body of Shem was woven into all the etheric bodies of the Semitic people. What, then, brings about such a phenomenon in the course of human evolution?

[ 8 ] Wenn wir uns diesen Sem genauer ansehen, so finden wir, daß sein Ätherleib dadurch seine urbildliche Gestalt erhalten hat, daß sich gerade in seinen Ätherleib ein Avatar eingewoben hat - wenn auch nicht ein so hoher Avatar, daß wir ihn mit gewissen andern Avatarwesenheiten vergleichen können; aber immerhin hatte sich eine hohe Avatarwesenheit heruntergesenkt in seinen Ätherleib, die allerdings mit dem astralischen Leib nicht verbunden gewesen ist und auch nicht mit dem Ich des Sem, aber sie hatte sich sozusagen eingewoben in den Ätherleib des Sem. Und wir können gerade gleich an diesem Beispiel studieren, was das für eine Bedeutung hat, wenn eine Avatarwesenheit an der Konstitution, an der Zusammensetzung des Menschen teilnimmt. Was hat es denn überhaupt für einen Sinn, daß ein Mensch, der wie Sem eine solche Aufgabe hat, der Stammvater des ganzen Volkes zu sein, in seinen Leib sozusagen einverwoben erhält eine Avatarwesenheit? Es hat das den Sinn, daß jedesmal, wenn eine Avatarwesenheit einverwoben ist einem fleischlichen Menschen, irgendein Glied, oder auch mehrere Glieder dieser menschlichen Wesenheit sich vervielfältigen können, auseinandergesplittert werden können.

[ 8 ] If we take a closer look at this Sem, we find that his etheric body acquired its archetypal form precisely because an avatar wove itself into it—albeit not an avatar of such a high order that we can compare it to certain other avatar beings; but at any rate, a high avatar being had descended into his etheric body—one that, however, was not connected to the astral body nor to the Sem’s “I,” but had, so to speak, woven itself into the Sem’s etheric body. And we can study right here, using this example, what significance it has when an avatar being participates in the constitution, in the composition, of a human being. What purpose does it serve, after all, for a human being who, like Sem, has such a task—to be the progenitor of an entire people—to have an avatar being, so to speak, woven into his body? The point is that whenever an avatar being is interwoven with a physical human being, any one or even several members of this human being can multiply or be split apart.

[ 9 ] In der Tat war infolge der Tatsache, daß eine Avatarwesenheit dem Ätherleib des Sem einverwoben war, die Möglichkeit geboten, daß lauter Abbilder des Originals entstanden und diese unzähligen Abbilder einverwoben werden konnten all den Menschen, die in der Generationenfolge dem Stammvater nachfolgten. Also das Herabsteigen einer Avatarwesenheit hat unter anderem den Sinn, daß es zur Vervielfältigung eines oder mehrerer Glieder der betreffenden Wesenheit, die beseelt wird durch den Avatar, beiträgt. Lauter Abbilder des Originals entstehen, die alle darnach gebildet sind. Es war, wie Sie daraus sehen können, ein besonders wertvoller Ätherleib in diesem Sem vorhanden, ein urbildlicher Ätherleib, der durch einen hohen Avatar zubereitet und dann einverwoben worden ist dem Sem, so daß er dann in vielen Abbildern herabsteigen konnte zu all denen, die blutsverwandt sein sollten mit diesem Ahnen.

[ 9 ] In fact, because an Avatar Being was interwoven with Sem’s etheric body, it became possible for numerous images of the original to be created, and for these countless images to be interwoven into all the people who succeeded the progenitor through successive generations. Thus, one of the purposes of the descent of an avatar being is that it contributes to the multiplication of one or more aspects of the entity in question, which is animated by the avatar. Numerous images of the original are created, all modeled after it. As you can see from this, there was a particularly valuable etheric body present in this Sem—an archetypal etheric body that was prepared by a high Avatar and then woven into the Sem, so that it could then descend in many images to all those who were to be blood relatives of this ancestor.

[ 10 ] Nun haben wir ja schon in der eingangs erwähnten Stunde davon gesprochen, daß es auch eine spirituelle Ökonomie gibt, darin bestehend, daß etwas, was besonders wertvoll ist, erhalten bleibt und hinübergetragen wird in die Zukunft. Wir haben gehört, daß nicht nur das Ich sich wiederverkörpert, sondern daß auch der astralische Leib und der Ätherleib sich wiederverkörpern können. Abgesehen davon, daß unzählige Abbilder des Ätherleibes des Sem entstanden, wurde auch wieder der eigene Ätherleib des Sem in der geistigen Welt aufbewahrt, denn dieser Ätherleib konnte später sehr gut gebraucht werden in der Mission des hebräischen Volkes. In diesem Ätherleib waren ja ursprünglich alle Eigentümlichkeiten des hebräischen Volkes zum Ausdruck gekommen. Sollte einmal etwas ganz besonders Wichtiges geschehen für das alte hebräische Volk, sollte jemandem eine besondere Aufgabe, eine besondere Mission übertragen werden, dann konnte das am besten von einer Individualität geschehen, die in sich diesen Ätherleib des Stammvaters trug.

[ 10 ] Now, as we already discussed in the lecture mentioned at the beginning, there is also a spiritual economy, which consists in ensuring that something of particular value is preserved and carried forward into the future. We have heard that not only does the “I” reincarnate, but that the astral body and the etheric body can also reincarnate. Apart from the fact that countless images of Sem’s etheric body came into being, Sem’s own etheric body was also preserved in the spiritual world, for this etheric body could later be put to very good use in the mission of the Hebrew people. After all, all the distinctive characteristics of the Hebrew people had originally found expression in this etheric body. Should something particularly important ever occur for the ancient Hebrew people, should a special task or mission be entrusted to someone, this could best be accomplished by an individual who carried within himself this etheric body of the patriarch.

[ 11 ] Tatsächlich trug später eine in dieGeschichte des hebräischen Volkes eingreifende Individualität den Ätherleib des Stammvaters. Hier haben wir in der Tat eine jener wunderbaren Komplikationen im Menschheitswerden, die uns so viel erklären können. Wir haben es zu tun mit einer sehr hohen Individualität, die sich sozusagen herablassen mußte, um zum hebräischen Volke in einer entsprechenden Weise zu reden und ihm die Kraft zu einer besonderen Mission zu geben, etwa so, wie wenn ein geistig besonders hervorragender Mensch zu einem niedrigen Volksstamm sprechen müßte, er ja die Sprache dieses Volksstammes lernen müßte, aber man deshalb nicht behaupten muß, daß die Sprache irgend etwas ist, was ihn selbst höher bringt, der Betreffende muß nur in diese Sprache sich hineinbequemen. So mußte sich eine hohe Individualität hineinbequemen in den Ätherleib des Sem selber, um einen ganz bestimmten Impuls dem althebräischen Volke geben zu können. Diese Individualität, diese Persönlichkeit ist dieselbe, die Sie unter dem Namen Melchisedek in der biblischen Geschichte finden. Das ist die Individualität, die sozusagen den Ätherleib des Sem sich anzog, um dann den Impuls an Abraham zu geben, den Sie dann so schön in der Bibel geschildert finden. Also abgesehen davon, daß das, was in der Individualität des Sem enthalten war, sich vervielfältigte dadurch, daß eine Avatarwesenheit darinnen verkörpert war und dann einverwoben wurde all den andern Ätherleibern der Angehörigen des hebräischen Volkes, wurde der eigene Ätherleib des Sem in der geistigen Welt aufbewahrt, damit ihn später Melchisedek tragen konnte, der dem hebräischen Volke durch Abraham einen wichtigen Impuls geben sollte.

[ 11 ] In fact, an individual who later played a pivotal role in the history of the Hebrew people bore the etheric body of the patriarch. Here we have, indeed, one of those marvelous complexities in the evolution of humanity that can explain so much to us. We are dealing with a very exalted individual who, so to speak, had to condescend to speak to the Hebrew people in an appropriate manner and give them the strength for a special mission—much as if a spiritually outstanding person were to speak to a less developed tribe, he would, of course, have to learn the language of that tribe, but one need not therefore claim that the language is something that elevates him personally; the person in question simply has to adapt to that language. In the same way, a high individuality had to adapt to the etheric body of Shem himself in order to be able to impart a very specific impulse to the ancient Hebrew people. This individuality, this personality, is the very same one you find in biblical history under the name Melchizedek. This is the individuality that, so to speak, took on the etheric body of Shem in order to then impart the impulse to Abraham—which you find so beautifully described in the Bible. So, apart from the fact that what was contained within Shem’s individuality multiplied through the embodiment of an avatar being within it and was then interwoven with all the other etheric bodies of the members of the Hebrew people, Shem’s own etheric body was preserved in the spiritual world, so that Melchizedek could later carry it, as he was to give an important impulse to the Hebrew people through Abraham.

[ 12 ] So fein verwoben sind die Tatsachen, die hinter der physischen Welt sind und die uns das erst erklärlich machen, was in der physischen Welt vorgeht. Wir lernen die Geschichte erst dadurch kennen, daß wir auf solche Tatsachen hinweisen können: auf Tatsachen geistiger Art, die hinter den physischen Tatsachen stehen. Niemals kann die Geschichte aus sich selber erklärlich werden, wenn wir nur bei den physischen Tatsachen stehenbleiben.

[ 12 ] The facts that lie behind the physical world—and that make it possible for us to understand what is happening in the physical world—are so intricately interwoven. We come to know history only by being able to point to such facts: facts of a spiritual nature that lie behind the physical facts. History can never be explained from within itself if we limit ourselves to the physical facts.

[ 13 ] Von einer ganz besonderen Wichtigkeit wird das, was wir jetzt erörtert haben, daß durch das Herabsteigen einer Avatarwesenheit die Wesensglieder desjenigen Menschen, der Träger einer solchen Avatarwesenheit ist, vervielfältigt werden und aufandere übertragen werden, in Abbildern des Urbildes erscheinen, von einer ganz besonderen Wichtigkeit wird das durch die Erscheinung des Christus auf der Erde. Dadurch, daß die Avatarwesenheit des Christus in dem Leib des Jesus von Nazareth wohnte, war die Möglichkeit gegeben, daß sowohl der Ätherleib des Jesus von Nazareth unzählige Male vervielfältigt wurde als auch der astralische Leib und sogar auch das Ich, das Ich als ein Impuls, wie er dazumal in dem astralischen Leib angefacht worden ist, als in die dreifache Hülle des Jesus von Nazareth der Christus einzog. Doch zunächst wollen wir darauf Rücksicht nehmen, daß durch die Avatarwesenheit vervielfältigt werden konnte der Ätherleib und der astralische Leib des Jesus von Nazareth.

[ 13 ] What we have just discussed—that through the descent of an Avatar being, the constituent elements of the human being who is the bearer of such an Avatar being are multiplied and transferred to others, appearing as images of the archetype—becomes of very special importance through the appearance of Christ on Earth. Because the Avatar Being of Christ dwelt in the body of Jesus of Nazareth, it became possible for both the etheric body of Jesus of Nazareth to be multiplied countless times, as well as the astral body and even the “I,” the “I”—as an impulse, just as it was kindled at that time in the astral body—when Christ entered the threefold sheath of Jesus of Nazareth. But first, let us bear in mind that through the Avatar presence, the etheric body and the astral body of Jesus of Nazareth could be multiplied.

[ 14 ] Nun tritt in der Menschheit einer der bedeutsamsten Einschnitte auf, gerade durch das Erscheinen des Christus-Prinzips in der Erdenentwickelung. Was ich Ihnen von Sem erzählt habe, das ist im Grunde genommen typisch und charakteristisch für die vorchristliche Zeit. Wenn in dieser Weise ein Ätherleib oder auch ein astralischer Leib vervielfältigt wird, so werden die Abbilder desselben in der Regel auf solche Leute übergehen, die blutsverwandt sind mit dem, der das Urbild hatte. Auf die Angehörigen des hebräischen Stammes wurden daher die Abbilder des Sem-Ätherleibes übertragen. Das wurde anders durch das Erscheinen der Christus-Avatarwesenheit. Der Ätherleib und der astralische Leib des Jesus von Nazareth wurden vervielfältigt und als solche Vervielfältigungen nun aufgehoben, bis sie im Verlaufe der Menschheitsentwickelung gebraucht werden konnten. Aber sie waren nicht gebunden an diese oder jene Nationalität, an diesen oder jenen Stamm, sondern, wo sich in der Folgezeit ein Mensch fand, gleichgültig welche Nationalität er trug, der reif war, geeignet dazu war, in seinem eigenen astralischen Leib ein astralisches Abbild des Astralleibes des Jesus von Nazareth einverwoben zu erhalten oder ein ätherisches Abbild des Ätherleibes des Jesus von Nazareth, dem konnten diese einverwoben werden.

[ 14 ] Now one of the most significant turning points in human history is taking place, precisely through the emergence of the Christ principle in Earth’s evolution. What I have told you about Sem is, in essence, typical and characteristic of the pre-Christian era. When an etheric body or an astral body is duplicated in this way, the images of that body are generally transferred to people who are blood relatives of the one who possessed the original form. The images of the Sem etheric body were therefore transferred to the members of the Hebrew tribe. This changed with the appearance of the Christ Avatar. The etheric body and the astral body of Jesus of Nazareth were replicated and, as such replicas, were then set aside until they could be utilized in the course of human evolution. But they were not bound to this or that nationality, to this or that tribe; rather, wherever a person was found in the subsequent era, regardless of their nationality, who was mature and capable of having woven into their own astral body an astral image of the astral body of Jesus of Nazareth or an etheric image of the etheric body of Jesus of Nazareth—these could be woven into them.

[ 15 ] So sehen wir, wie die Möglichkeit gegeben war, daß in der Folgezeit, sagen wir, allerlei Leuten wie Abdrücke einverwoben wurden die Abbilder des astralischen Leibes oder des Ätherleibes des Jesus von Nazareth.

[ 15 ] Thus we see how it was possible that, in the period that followed, the images of the astral body or the etheric body of Jesus of Nazareth were, so to speak, woven into all sorts of people like imprints.

[ 16 ] Mit dieser Tatsache hängt die intime Geschichte der christlichen Entwickelung zusammen. Was gewöhnlich als Geschichte der christlichen Entwickelung geschildert wird, ist eine Summe von ganz äußeren Vorgängen. Und daher wird auf das Hauptsächlichste, nämlich auf die Scheidung in bezug auf wirkliche Perioden in der christlichen Entwickelung, viel zu wenig Rücksicht genommen. Wer tiefer in den Entwickelungsgang des Christentums Einblick halten kann, der wird leicht erkennen, daß in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeit die Art, wie das Christentum verbreitet wurde, eine ganz andere war als in den späteren Jahrhunderten. In den ersten christlichen Jahrhunderten war sozusagen die Verbreitung des Christentums gebunden an alles das, was man vom physischen Plan her erringen konnte. Wir brauchen nur bei den ersten Lehrern des Christentums Umschau zu halten, und wir werden sehen, wie da die physischen Erinnerungen, die physischen Zusammenhänge und alles, was physisch geblieben war, betont wird. Denken Sie nur daran, wie Irenäus, der in dem 1. Jahrhundert viel beigetragen hat zur Verbreitung der christlichen Lehre in den verschiedenen Ländern, gerade einen großen Wert darauf legt, daß Erinnerungen zurückreichen zu solchen, die noch selber die Apostelschüler gehört haben. Man legte großen Wert darauf, durch solche physischen Erinnerungen bewahrheiten zu können, daß der Christus in Palästina selber gelehrt hatte. Da wird zum Beispiel besonders betont, daß Papias selber gesessen hat zu den Füßen der Apostelschüler. Es werden sogar die Orte gezeigt und beschrieben, wo solche Persönlichkeiten gesessen haben, die noch als Augenzeugen dafür da waren, daß Christus in Palästina gelebt hat. [Die sich fortpflanzende lebendige Erinnerung an die physischen Ereignisse] ist das, was besonders betont wird in den ersten Jahrhunderten des Christentums.

[ 16 ] The intimate history of Christian development is closely linked to this fact. What is usually described as the history of Christian development is a collection of entirely external events. And for this reason, far too little attention is paid to the most essential aspect—namely, the distinction between the actual periods in Christian development. Anyone who can gain a deeper insight into the course of Christianity’s development will easily recognize that in the first centuries of the Christian era, the manner in which Christianity was spread was quite different from that of later centuries. In the early Christian centuries, the spread of Christianity was, so to speak, tied to everything that could be achieved on the physical plane. We need only look to the early teachers of Christianity, and we will see how they emphasized physical memories, physical connections, and everything that had remained in the physical realm. Just consider how Irenaeus, who contributed greatly to the spread of Christian teaching in various countries during the first century, placed particular importance on the fact that memories could be traced back to those who had themselves heard the disciples of the Apostles. Great importance was attached to being able to verify, through such physical memories, that Christ himself had taught in Palestine. For example, it is particularly emphasized that Papias himself sat at the feet of the Apostles’ disciples. Even the places where such figures sat—who were still living as eyewitnesses to the fact that Christ had lived in Palestine—are pointed out and described. [The living, enduring memory of the physical events] is what is particularly emphasized in the first centuries of Christianity.

[ 17 ] Wie sehr alles, was physisch geblieben ist, hervorgehoben wird, das sehen Sie an den Worten des alten Augustinus, der am Ende dieser Zeit steht und der da sagt: Warum glaube ich denn an die Wahrheiten des Christentums? Weil die Autorität der katholischen Kirche mich dazu zwingt. — Ihm ist die physische Autorität, daß etwas da ist in der physischen Welt, das Wichtige und Wesentliche, daß sich eine Körperschaft erhalten hat, welche, Persönlichkeit an Persönlichkeit knüpfend, hinaufreicht bis zu dem, der ein Genosse des Christus war wie Petrus. Das ist für ihn das Maßgebende. Wir können also sehen, die Dokumente, die Eindrücke des physischen Planes sind es, auf welche in den ersten Jahrhunderten der christlichen Verbreitung der größte Wert gelegt wird.

[ 17 ] You can see just how much emphasis is placed on everything that has remained physical in the words of the ancient Augustine, who stands at the end of this era and says: Why do I believe in the truths of Christianity? Because the authority of the Catholic Church compels me to do so. — For him, the physical authority—the fact that something exists in the physical world—is what is important and essential: that an institution has been preserved which, linking one personality to another, reaches all the way back to one who was a companion of Christ, such as Peter. That is what is decisive for him. We can thus see that it is the documents and impressions of the physical plane that were held in the highest regard during the first centuries of the spread of Christianity.

[ 18 ] Das wird nunmehr nach der Zeit des Augustinus bis etwa in das 10., 11., 12. Jahrhundert hinein anders. Da ist es nicht mehr möglich, sich auf die lebendige Erinnerung zu berufen, nur die Dokumente des physischen Planes heranzuziehen, denn sie liegen zu weit zurück. Da ist auch in der ganzen Stimmung, in der Gesinnung der Menschen, die nunmehr das Christentum annahmen - und besonders ist das gerade bei den europäischen Völkern der Fall -, etwas ganz anderes vorhanden. In dieser Zeit ist in der Tat etwas da wie eine Art unmittelbares Wissen, daß ein Christus existiert, daß ein Christus gestorben ist am Kreuz, daß er fortlebt. Es gab in der Zeit vom 4., 5. Jahrhundert bis zum 10., 12. Jahrhundert eine große Anzahl von Menschen, denen gegenüber es höchst töricht erschienen wäre, wenn man ihnen gesagt hätte, man könne an den Ereignissen von Palästina auch zweifeln, denn sie wußten es besser. Besonders über europäische Länder waren diese Menschen verbreitet. Sie hatten in sich selber immer erleben können etwas, was eine Art Paulus-Offenbarung im kleinen war, was Paulus, der bis dahin ein Saulus war, auf dem Wege nach Damaskus erfahren hat, und wodurch er ein Paulus wurde.

[ 18 ] This changes after the time of Augustine and continues into roughly the 10th, 11th, and 12th centuries. By then, it is no longer possible to rely on living memory or to draw solely on documents from the physical plane, for they date too far back. There is also something entirely different present in the overall atmosphere and in the mindset of the people who were now embracing Christianity—and this is especially true of the European peoples. During this period, there is in fact something akin to a kind of immediate knowledge that a Christ exists, that a Christ died on the cross, and that he lives on. From the 4th and 5th centuries through the 10th and 12th centuries, there were a great many people to whom it would have seemed utterly foolish if someone had told them that one could even doubt the events in Palestine, for they knew better. These people were particularly widespread in European countries. They had always been able to experience within themselves something akin to a small-scale “Pauline revelation”—the kind of experience that Paul, who until then had been Saul, had on the road to Damascus, and through which he became Paul.

[ 19 ] Wodurch hat in diesen Jahrhunderten eine Anzahl von Menschen solche, in einer gewissen Beziehung hellseherischen Offenbarungen über die Ereignisse von Palästina erhalten können? Das war dadurch möglich, daß in diesen Jahrhunderten die Abbilder des vervielfältigten Ätherleibes des Jesus von Nazareth, die aufbewahrt worden waren, einer großen Anzahl von Menschen einverwoben worden sind, daß sie diese sozusagen anziehen durften. Ihr Ätherleib bestand nicht ausschließlich aus diesem Abbild des Ätherleibes des Jesus, aber es war ihrem Ätherleib einverwoben ein Abbild des ursprünglichen Originals des Jesus von Nazareth. Menschen, die in sich einen solchen Ätherleib haben konnten, und die dadurch unmittelbar ein Wissen haben konnten von dem Jesus von Nazareth und auch von dem Christus, solche Menschen gab es in diesen Jahrhunderten. Dadurch wurde aber auch das Christus-Bild losgelöst von der äußerlich historischen, physischen Überlieferung. Und am meisten losgelöst erscheint es uns in jener wunderbaren Dichtung des 9. Jahrhunderts, die bekannt ist als die Heliand-Dichtung, die aus der Zeit Ludwigs des Frommen stammt, der von 814 bis 840 regiert hat, und die von einem äußerlich schlichten Manne des Sachsenlandes niedergeschrieben worden war. In bezug auf seinen astralischen Leib und sein Ich konnte er gar nicht heranreichen an das, was in seinem Ätherleibe war. Denn seinem Ätherleib war einverwoben ein Abbild des Ätherleibes des Jesus von Nazareth. Dieser schlichte sächsische Sänger, der diese Dichtung geschrieben hat, hatte aus unmittelbarer hellseherischer Anschauung die Gewißheit: der Christus ist vorhanden auf dem astralischen Plan, und der ist derselbe, der auf Golgatha gekreuzigt worden ist! Und weil das für ihn eine unmittelbare Gewißheit war, brauchte er sich nicht mehr an die historischen Dokumente zu halten. Er brauchte nicht mehr die physische Vermittlung, daß der Christus da war. Er schildert ihn daher auch losgelöst von der ganzen Szenerie in Palästina, losgelöst von dem Eigentümlichen des Jüdischen. Er schildert ihn etwa so wie einen Anführer eines mitteleuropäischen oder germanischen Stammes, und diejenigen, die als seine Bekenner, als die ‚Apostel um ihn herum sind, beschreibt er so etwa wie die Dienstmannen eines germanischen Fürsten. Alle äußere Szenerie ist verändert, nur das, was das eigentlich Wesentliche, das Ewige an der Christus-Gestalt ist, was die Struktur der Ereignisse ist, das ist geblieben. Er also, der ein solches unmittelbares Wissen hatte, das sich auf solchen wichtigen Grund aufbaute, wie auf den Abdruck des Ätherleibes des Jesus von Nazareth, er war nicht angewiesen, da wo er von Christus sprach, sich ganz hart an die unmittelbaren historischen Ereignisse zu halten. Er umkleidete das, was er als ein unmittelbares Wissen hatte, mit einer andern äußeren Szenerie. Und so wie wir in diesem Schreiber der Heliand-Dichtung eine der merkwürdigen Persönlichkeiten haben schildern können, der einverwoben hatte in seinem Ätherleib ein Abbild des Ätherleibes des Jesus von Nazareth, so könnten wir andere Persönlichkeiten in dieser Zeit finden, die ein Gleiches hatten. So sehen wir, wie hinter den physischen Ereignissen das Allerwichtigste vorgeht, was uns in intimer Weise die Geschichte erklären kann.

[ 19 ] How was it possible for a number of people over the course of these centuries to receive such revelations—which, in a certain sense, were clairvoyant—regarding the events in Palestine? This was possible because, over the centuries, the images of the multiplied etheric body of Jesus of Nazareth—which had been preserved—were interwoven into the etheric bodies of a large number of people, allowing them, so to speak, to draw these images to themselves. Their etheric bodies did not consist exclusively of this image of the etheric body of Jesus, but an image of the original etheric body of Jesus of Nazareth was woven into their etheric bodies. People who were able to possess such an etheric body within themselves—and who thereby gained direct knowledge of Jesus of Nazareth and also of the Christ—such people existed during those centuries. As a result, however, the image of the Christ became detached from the outwardly historical, physical tradition. And it appears most detached to us in that wonderful 9th-century poem known as the Heliand, which dates from the time of Louis the Pious—who reigned from 814 to 840—and was written down by an outwardly simple man from Saxony. In terms of his astral body and his “I,” he could not even begin to approach what was within his etheric body. For interwoven with his etheric body was an image of the etheric body of Jesus of Nazareth. This simple Saxon singer, who wrote this poem, had the certainty, derived from direct clairvoyant perception, that Christ is present on the astral plane, and that He is the very same One who was crucified on Golgotha! And because this was a direct certainty for him, he no longer needed to rely on historical documents. He no longer needed physical evidence that Christ was there. He therefore depicts him detached from the entire setting in Palestine, detached from the particularities of Jewish culture. He depicts him, for example, as the leader of a Central European or Germanic tribe, and he describes those who are his followers—the “apostles” around him—as something like the retainers of a Germanic prince. All the external setting has been transformed; only what is truly essential, what is eternal in the figure of Christ—the structure of the events—has remained. He, therefore, who possessed such direct knowledge—based on such a fundamental foundation as the imprint of the etheric body of Jesus of Nazareth—was not compelled, when speaking of Christ, to adhere strictly to the immediate historical events. He clothed what he knew directly in a different external setting. And just as we have been able to describe in this author of the Heliand poetry one of the remarkable personalities who had woven into his etheric body an image of the etheric body of Jesus of Nazareth, so we could find other personalities from that time who possessed something similar. Thus we see how, behind the physical events, the most important things are taking place—things that can explain history to us in an intimate way.

[ 20 ] Wenn wir nun weiter die christliche Entwickelung verfolgen, so kommen wir etwa ins 11., 12. bis 15. Jahrhundert hinauf. Da war nun wiederum ein ganz anderes Geheimnis, welches nun die ganze Entwickelung weitertrug. Erst war es sozusagen die Erinnerung an das, was auf dem physischen Plan war, dann war es das Ätherische, das unmittelbar sich hineinverwob in die Ätherleiber der Träger des Christentums in Mitteleuropa. In den späteren Jahrhunderten, vom 12. bis 15. Jahrhundert, da war es besonders der astralische Leib des Jesus von Nazareth, der in zahlreichen Abbildern einverwoben wurde den astralischen Leibern der wichtigsten Träger des Christentums. Solche Menschen hatten dann ein Ich, das sich als Ich sehr falsche Vorstellungen machen konnte von allem möglichen, aber in ihren astralischen Leibern lebte ein Unmittelbares an Kraft, an Hingebung, eine unmittelbare Gewißheit der heiligen Wahrheiten. Tiefe Inbrunst, ganz unmittelbare Überzeugung und unter Umständen auch die Fähigkeit, diese Überzeugung zu begründen, lag in solchen Menschen. Was uns manchmal gerade bei diesen Persönlichkeiten so sonderbar anmuten muß, das ist, daß sie in ihrem Ich oft gar nicht gewachsen waren dem, was ihr astralischer Leib enthielt, weil er einverwoben hatte ein Abbild des astralischen Leibes des Jesus von Nazareth. Grotesk erschien manchmal das, was ihr Ich tat, großartig und erhaben aber die Welt ihrer Stimmungen und Gefühle, ihrer Inbrunst. Eine solche Persönlichkeit zum Beispiel ist Franz von Assisi. Und gerade wenn wir Franz von Assisi studieren und nicht verstehen können als heutige Menschen sein bewußtes Ich und dennoch die allertiefste Verehrung haben müssen für seine ganze Gefühlswelt, für alles, was er getan hat, so wird das erklärlich unter einem solchen Gesichtspunkt. Er war einer derjenigen, die einverwoben hatten ein Abbild des astralischen Leibes des Jesus von Nazareth. Dadurch war er imstande, gerade das zu vollbringen, was er gerade vollbracht hat. Und zahlreiche seiner Anhänger aus dem Orden der Franziskaner mit seinen Dienern und Minoriten hatten in ähnlicher Weise solche Abbilder in ihrem astralischen Leib einverwoben.

[ 20 ] If we now continue to trace the development of Christianity, we arrive at roughly the 11th, 12th, and up to the 15th centuries. There was now, once again, an entirely different mystery that carried the entire development forward. At first, it was, so to speak, the memory of what existed on the physical plane; then it was the etheric, which became directly interwoven into the etheric bodies of the bearers of Christianity in Central Europe. In the later centuries, from the 12th to the 15th century, it was especially the astral body of Jesus of Nazareth that was woven, in numerous images, into the astral bodies of the most important bearers of Christianity. Such people then had an “I” that, as an “I,” could form very false ideas about all sorts of things, but in their astral bodies there lived an immediacy of power, of devotion, and an immediate certainty of the sacred truths. Deep fervor, a very immediate conviction, and, under certain circumstances, also the ability to justify this conviction, resided in such people. What sometimes strikes us as so strange about these very personalities is that their “I” was often not at all developed enough to match what their astral body contained, because it had woven into itself an image of the astral body of Jesus of Nazareth. What their “I” did sometimes seemed grotesque, yet the world of their moods and feelings, of their fervor, was magnificent and sublime. One such personality, for example, is Francis of Assisi. And precisely when we study Francis of Assisi and, as people of today, cannot understand his conscious ego, yet must nevertheless have the deepest reverence for his entire emotional world and for everything he did—this becomes understandable from such a perspective. He was one of those who had woven an image of the astral body of Jesus of Nazareth into his own. This enabled him to accomplish precisely what he did. And many of his followers from the Franciscan Order, along with his servants and the Minorites, had similarly woven such images into their astral bodies.

[ 21 ] Gerade alle die merkwürdigen, sonst rätselhaften Erscheinungen aus jener Zeit werden Ihnen lichtvoll und klar werden, wenn Sie dieses Vermitteln im Weltenwerden zwischen Vergangenheit und Zukunft sich ordentlich vor das Auge der Seele führen. Da kam es nun darauf an, ob diesen Leuten des Mittelalters vom astralischen Leibe des Jesus von Nazareth mehr einverwoben war dasjenige, was wir Empfindungsseele nennen oder mehr die Verstandesseele oder das, was wir Bewußtseinsseele nennen. Denn der astralische Leib des Menschen muß ja in gewisser Beziehung alles dieses in sich enthaltend gedacht werden: also das Ich umschließend und dieses enthaltend gedacht werden, Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußtseinsseele. Ganz sozusagen Empfindungsseele des Jesus von Nazareth war alles in Franz von Assisi. Ganz Empfindungsseele des Jesus von Nazareth war alles in jener wunderbaren Persönlichkeit, die Sie mit der ganzen Seele biographisch verfolgen werden, wenn Sie das Geheimnis ihres Lebens kennen: in der Elisabeth von Thüringen, 1207 geboren. Da haben wir eine solche Persönlichkeit, die einverwoben hatte in die Empfindungsseele ein Abbild des astralischen Leibes des Jesus von Nazareth. Das Rätsel dieser Menschengestalt wird uns gerade durch solch ein Wissen gelöst.

[ 21 ] All of those strange, otherwise enigmatic phenomena from that time will become clear and illuminating to you if you properly bring this mediating process in the unfolding of the world—between the past and the future—before the eye of your soul. The crucial question, then, was whether, for these people of the Middle Ages, the astral body of Jesus of Nazareth was more closely interwoven with what we call the feeling soul, or with the intellectual soul, or with what we call the conscious soul. For the astral body of a human being must, in a certain sense, be conceived as containing all of these within itself: that is, it must be conceived as encompassing the “I” and containing the feeling soul, the intellectual soul, and the conscious soul. In a sense, everything in Francis of Assisi was the feeling soul of Jesus of Nazareth. Everything in that wonderful personality—whose life you will follow biographically with your whole soul once you know the mystery of her life—was entirely the feeling soul of Jesus of Nazareth: Elizabeth of Thuringia, born in 1207. Here we have such a personality who had woven into her feeling soul an image of the astral body of Jesus of Nazareth. It is precisely through such knowledge that the mystery of this human figure is revealed to us.

[ 22 ] Und vor allen Dingen wird Ihnen eine Erscheinung klar werden, wenn Sie wissen, daß in dieser Zeit die mannigfaltigsten Persönlichkeiten Empfindungsseele, Verstandesseele oder Bewußtseinsseele als Abbilder aus dem astralischen Leib des Jesus von Nazareth in sich einverwoben hatten: Es wird Ihnen verständlich werden jene Wissenschaft, die sonst heute so wenig verstanden und so viel verlästert wird, die man gewöhnlich als die Scholastik bezeichnet. Was hatte sich denn die Scholastik für eine Aufgabe gestellt? Sie hatte sich die Aufgabe gestellt, aus Urteilsgründen heraus, aus dem Intellekt heraus Belege, Beweise zu finden für das, woran man keine historische Anknüpfung, keine physische Vermittlung hatte, und wofür man auch keine unmittelbare hellseherische Gewißheit hatte, wie es in den vorherigen Jahrhunderten war durch den einverwobenen Ätherleib des Jesus von Nazareth. Diese Leute mußten sich so die Aufgabe stellen, daß sie sich sagten: Es ist uns durch Überlieferung mitgeteilt worden, daß in der Geschichte aufgetreten ist jene Wesenheit, die als der Christus Jesus bekannt ist, daß eingegriffen haben in die Menschheitsentwickelung andere geistige Wesenheiten, von denen uns die religiösen Urkunden zeugen. — Aus ihrer Verstandesseele heraus, aus dem Intellekt des Abbildes des Jesus von Nazareth-Astralleibes stellten sie sich die Aufgabe, mit feinen und scharf ausgebauten Begriffen alles das zu beweisen, was in ihren Schriften als Mysterienwahrheiten da war. So entstand jene merkwürdige Wissenschaft, die das größte an Scharfsinn, an Intellekt zu leisten versucht hat, was überhaupt wohl in der Menschheit geleistet worden ist. Durch mehrere Jahrhunderte hindurch - man möge über den Inhalt der Scholastik denken, wie man will — wurde einfach dadurch, daß diese feine, feine Begriffsunterscheidung und Begriffskonturierung getrieben wurde, die Fähigkeit des menschlichen Nachdenkens gepflegt und der Zeitkultur eingeprägt. Es war ja im 13. bis 15. Jahrhundert, daß die Menschheit durch die Scholastik eingeprägt erhalten hat die Fähigkeit, scharfsinnig, eindringend logisch zu denken.

[ 22 ] And above all, one thing will become clear to you when you realize that during this time, a wide variety of personalities—whether they were souls of feeling, souls of understanding, or souls of consciousness—had woven themselves into the astral body of Jesus of Nazareth as reflections: You will come to understand that branch of knowledge which is otherwise so little understood and so much reviled today, and which is commonly referred to as scholasticism. What, then, was the task that scholasticism had set for itself? It had set itself the task of finding, on the basis of reasoning and through the intellect, evidence and proof for that which had no historical connection, no physical mediation, and for which there was also no direct clairvoyant certainty—as had been the case in previous centuries through the interwoven etheric body of Jesus of Nazareth. These people had to set themselves this task by saying to themselves: It has been communicated to us through tradition that the being known as Jesus the Christ appeared in history, and that other spiritual beings, of whom the religious texts bear witness, intervened in human evolution. — Drawing upon their intellectual soul, upon the intellect of the image of the astral body of Jesus of Nazareth, they set themselves the task of proving, with subtle and sharply defined concepts, everything that was present in their writings as mysteries. Thus arose that remarkable science which has sought to achieve the greatest feats of acumen and intellect that have ever been accomplished by humankind. Over the course of several centuries—whatever one may think of the content of Scholasticism—simply by engaging in this extremely subtle distinction and definition of concepts, the capacity for human reflection was cultivated and imprinted on the culture of the time. It was, after all, during the 13th to 15th centuries that humanity, through Scholasticism, acquired the ability to think with acuity and penetrating logic.

[ 23 ] Bei denen, welchen wiederum mehr eingeprägt war die Bewußtseinsseele beziehungsweise das Abbild, das sich als Bewußtseinsseele des Jesus von Nazareth auslebt, trat auf - weil in der Bewußtseinsseele das Ich sitzt - die besondere Erkenntnis, daß im Ich der Christus gefunden werden kann. Und weil sie selber das Element der Bewußtseinsseele aus dem astralischen Leib des Jesus von Nazareth in sich hatten, leuchtete in ihrem Innern ihnen der innere Christus auf, und durch diesen Astralleib erkannten sie, daß der Christus in ihrem Innern der Christus selber war. Das waren die, die Sie kennen als Meister Eckart, Johannes Tauler und die ganzen Träger der mittelalterlichen Mystik.

[ 23 ] In those in whom the consciousness soul—or rather, the image that manifests itself as the consciousness soul of Jesus of Nazareth—was more deeply imprinted, the special realization arose—because the “I” resides in the consciousness soul—that the Christ can be found in the “I.” And because they themselves carried within them the element of the soul of consciousness from the astral body of Jesus of Nazareth, the inner Christ shone forth within them, and through this astral body they recognized that the Christ within them was the Christ Himself. These were the ones you know as Meister Eckhart, Johannes Tauler, and all the bearers of medieval mysticism.

[ 24 ] So sehen Sie, wie die verschiedensten Phasen des astralischen Leibes, die dadurch vervielfältigt wurden, daß die hohe Avatarwesenheit des Christus eingezogen war in den Leib des Jesus von Nazareth, weiter wirkten in der folgenden Zeit und die eigentliche Entwickelung des Christentums bewirkten. Es ist übrigens auch sonst ein wichtiger Übergang. Wir sehen, wie die Menschheit in ihrer Entwickelung auch sonst darauf angewiesen ist, diese Stücke der Jesus von NazarethWesenheit in sich einverleibt zu erhalten. In den ersten Jahrhunderten waren Menschen da, die ganz auf den physischen Plan angewiesen waren; dann kamen Menschen in den folgenden Jahrhunderten, die zugänglich waren in ihrem Ätherleib eingewoben zu erhalten das Element des Ätherleibes des Jesus von Nazareth. Später waren die Menschen sozusagen mehr hingeordnet auf den astralischen Leib; daher konnte ihnen jetzt auch das Abbild des astralischen Leibes des Jesus von Nazareth einverleibt werden. Der astralische Leib ist der Träger der Urteilskraft. Die Urteilskraft erwacht ganz besonders im 12. bis 14. Jahrhundert. Das könnten Sie auch noch aus einer andern Erscheinung ersehen.

[ 24 ] Thus you can see how the various phases of the astral body—which had been multiplied by the fact that the high Avatar presence of Christ had entered the body of Jesus of Nazareth—continued to exert their influence in the period that followed and brought about the actual development of Christianity. Incidentally, this is also an important transition in other respects. We see how humanity, in its development, is also otherwise dependent on incorporating these aspects of the Jesus of Nazareth Being into itself. In the first centuries, there were people who were entirely dependent on the physical plane; then, in the following centuries, there came people who were receptive to having the element of the etheric body of Jesus of Nazareth woven into their own etheric bodies. Later, people were, so to speak, more oriented toward the astral body; therefore, the image of the astral body of Jesus of Nazareth could now also be incorporated into them. The astral body is the bearer of the power of judgment. The power of judgment awakens particularly in the 12th to 14th centuries. You can also see this from another phenomenon.

[ 25 ] Bis zu dieser Zeit war es ganz besonders klar, welche Mysterientiefen das Abendmahl enthielt. Das Abendmahl wurde so hingenommen — höchstens im kleinen wurde darüber diskutiert —, daß man selbst alles das zu empfinden verstand, was in den Worten lag: «Dies ist mein Leib und dies ist mein Blut...», weil der Christus darauf hinwies, daß er vereinigt sein werde mit der Erde, der planetarische Geist der Erde sein werde. Und weil das Kostbarste aus der physischen Erde das Mehl ist, deshalb wurde dem Menschen das Mehl zum Leibe des Christus, und der Saft, der durch die Pflanzen, durch die Reben geht, wurde ihnen etwas von dem Blute des Christus. Durch dieses Wissen wurde der Wert des Abendmahls nicht verringert, sondern im Gegenteil erhöht. Etwas von diesen unendlichen Tiefen fühlte man in diesen Jahrhunderten, bis dann die Urteilskraft im astralischen Leib erwachte. Von da ab erwacht auch erst der Zweifel. Von da ab begann auch erst der Streit über das Abendmahl. Denken Sie einmal darüber nach, wie im Hussitismus, wie im Luthertum und seinen Spaltungen des Zwinglianismus und Calvinismus diskutiert wird, was das Abendmahl sein soll! Solche Diskussionen wären früher nicht möglich gewesen, weil man da noch ein unmittelbares Wissen von dem Abendmahl hatte. Aber da sehen wir bewahrheitet ein großes historisches Gesetz, das besonders für Geisteswissenschafter wichtig sein sollte: Solange die Leute wußten, was das Abendmahl war, hatten sie nicht diskutiert, erst als sie verloren hatten das unmittelbare Wissen vom Abendmahl, fingen sie zu diskutieren an. Betrachten Sie es überhaupt als ein Anzeichen, daß man irgendeine Sache eigentlich nicht weiß, wenn man über diese Sache zu diskutieren anfängt. Wo Wissen ist, wird das Wissen erzählt, und da ist eigentlich keine besondere Lust am Diskutieren vorhanden. Wo Lust am Diskutieren ist, da ist in der Regel kein Wissen von der Wahrheit. Die Diskussion beginnt erst mit dem Nichtwissen, und es ist stets und überall ein Zeichen des Verfalls in bezug auf den Ernst einer Sache, wenn Diskussionen beginnen. Auflösung der betreffenden Strömung kündigt sich immer mit Diskussionen an. Das ist sehr wichtig, daß man das auf geisteswissenschaftlichem Felde immer wieder und wieder begreifen lernt, daß der Wille zum Diskutieren eigentlich als ein Zeichen der Unwissenheit aufgefaßt werden darf. Dagegen sollte dasjenige, was dem Diskutieren gegenübersteht, der Wille zum Lernen, der Wille, nach und nach einzusehen, um was es sich handelt, gepflegt werden.

[ 25 ] Up until that time, it was particularly clear just how profound the mysteries of the Lord’s Supper were. The Lord’s Supper was accepted—with discussion limited to only a few—in such a way that people themselves were able to feel everything contained in the words: “This is my body and this is my blood…,” because Christ pointed out that He would be united with the earth, that He would be the planetary spirit of the earth. And because the most precious thing from the physical earth is flour, flour became for human beings the Body of Christ, and the sap that flows through the plants and the vines became for them a part of the Blood of Christ. This knowledge did not diminish the value of the Lord’s Supper; on the contrary, it enhanced it. People sensed something of these infinite depths over the centuries, until the power of judgment awakened in the astral body. It was only then that doubt began to arise. It was only then that the controversy over the Lord’s Supper began. Just think about how, in Hussitism, in Lutheranism, and in its offshoots of Zwinglianism and Calvinism, people debated what the Lord’s Supper was supposed to be! Such discussions would not have been possible in earlier times, because people still possessed a direct knowledge of the Lord’s Supper. But here we see a great historical law confirmed, one that should be particularly important for scholars of the spiritual sciences: As long as people knew what the Lord’s Supper was, they did not debate it; only when they had lost that direct knowledge of the Lord’s Supper did they begin to debate it. Consider it a sign, in fact, that one does not truly know something when one begins to debate it. Where there is knowledge, that knowledge is shared, and there is actually no particular desire to debate. Where there is a desire to debate, there is generally no knowledge of the truth. Debate begins only with ignorance, and whenever and wherever debates begin, it is always a sign of decline regarding the seriousness of a matter. The dissolution of the movement in question is always heralded by debates. It is very important that, in the field of the humanities, one learns to understand this again and again: that the will to discuss may actually be regarded as a sign of ignorance. In contrast, what stands opposed to discussion—the will to learn, the will to gradually come to understand what is at stake—should be cultivated.

[ 26 ] Hier sehen wir eine große historische Tatsache an der Entwickelung des Christentums selber bewahrheitet. Wir können aber noch etwas anderes lernen, wenn wir sehen, wie in diesen charakterisierten Jahrhunderten des Christentums die Urteilskraft - das, was im astralischen Leibe ist -, diese scharfe intellektuelle Weisheit ausgestaltet wird. Allerdings, wenn wir Realitäten, nicht Dogmen, ins Auge fassen, dann können wir daran lernen, was das Christentum im Fortschreiten überhaupt alles getan hat. Was ist denn aus der Scholastik geworden, wenn wir sie nicht ihrem Inhalt nach auffassen, sondern wenn wir sie als Heranzüchtung, Heranerziehung von Fähigkeiten ins Auge fassen? Wissen Sie, was daraus geworden ist? Die moderne Naturwissenschaft ist daraus geworden! Die moderne Naturwissenschaft ist gar nicht denkbar ohne die Realität einer christlichen Wissenschaft des Mittelalters. Nicht nur, daß Kopernikus ein Domherr war, daß Giordano Bruno ein Dominikaner war, sondern alle die Gedankenformen, mit denen man seit dem 15., 16. Jahrhundert über die Naturobjekte sich hermachte, sind nichts anderes als das, was heranerzogen, herangezüchtet worden ist vom 11. bis 16. Jahrhundert durch die christliche Wissenschaft des Mittelalters. Diejenigen leben nicht in der Realität, sondern in Abstraktionen, die da nachschlagen in den Büchern der Scholastik, das mit der neueren Naturwissenschaft vergleichen und dann sagen: Haeckel und so weiter behaupten etwas ganz anderes. Auf Realitäten kommt es an! Ein Haeckel, ein Darwin, ein Du Bois-Reymond, ein Huxley und andere wären alle unmöglich, wenn nicht die christliche Wissenschaft des Mittelalters vorangegangen wäre. Denn daß sie so denken können, das verdanken sie der christlichen Wissenschaft des Mittelalters. Das ist die Realität. Daran hat die Menschheit denken gelernt im wahren Sinne des Wortes.

[ 26 ] Here we see a major historical fact confirmed by the development of Christianity itself. But we can learn something else as well when we see how, during these defining centuries of Christianity, the power of judgment—that which resides in the astral body—this keen intellectual wisdom was developed. Indeed, if we focus on realities rather than dogmas, we can learn from this what Christianity has actually accomplished in its progress. What, then, became of Scholasticism if we do not consider it in terms of its content, but rather view it as the cultivation and development of abilities? Do you know what came of it? Modern natural science came of it! Modern natural science is simply inconceivable without the reality of a Christian science of the Middle Ages. Not only was Copernicus a canon and Giordano Bruno a Dominican, but all the forms of thought with which people have grappled with natural objects since the 15th and 16th centuries are nothing other than what was cultivated and developed from the 11th to the 16th century through the Christian science of the Middle Ages. Those who look up in the books of Scholasticism, compare them with modern natural science, and then say, “Haeckel and others claim something entirely different”—they do not live in reality but in abstractions. What matters is reality! A Haeckel, a Darwin, a Du Bois-Reymond, a Huxley, and others would all be impossible if medieval Christian science had not preceded them. For the fact that they are able to think this way, they owe to medieval Christian science. That is the reality. It is through this that humanity has learned to think in the true sense of the word.

[ 27 ] Die Sache geht noch weiter. Lesen Sie David Friedrich Strauß. Versuchen Sie zu schauen auf die Art und Weise, wie er denkt. Versuchen Sie seine Gedankengebilde sich klarzulegen: wie er darstellen will, daß das ganze Leben des Jesus von Nazareth ein Mythos ist. Wissen Sie, woher er die Gedankenschärfe hat? Er hat sie aus der christlichen Wissenschaft des Mittelalters. Alles das, womit man heute dasChristentum so radikal bekämpft, das ist gelernt an der christlichen Wissenschaft des Mittelalters. Es könnte heute eigentlich gar keinen Gegner des Christentums geben, bei dem man nicht leicht nachweisen könnte, daß er gar nicht so denken könnte, wie er denkt, wenn er die Gedankenformen nicht gelernt hätte an der christlichen Wissenschaft des Mittelalters. Das hieße allerdings die Weltgeschichte real betrachten.

[ 27 ] The matter goes even further. Read David Friedrich Strauss. Try to examine the way he thinks. Try to make sense of his line of reasoning: how he seeks to demonstrate that the entire life of Jesus of Nazareth is a myth. Do you know where he gets his intellectual acuity? He derives it from medieval Christian scholarship. Everything used today to combat Christianity so radically has been learned from medieval Christian scholarship. In fact, there could be no opponent of Christianity today for whom one could not easily demonstrate that he could not possibly think the way he does if he had not learned those patterns of thought from medieval Christian scholarship. That, however, would mean looking at world history realistically.

[ 28 ] Und was ist denn seit dem 16. Jahrhundert geschehen? Seit dem 16. Jahrhundert ist immer mehr und mehr das Ich selber zur Geltung gekommen, damit auch der menschliche Egoismus und damit der Materialismus. Man hat verlernt und vergessen, was das Ich alles an Inhalt aufgenommen hat: man mußte sich daher beschränken auf das, was das Ich beobachten kann, was das Instrument der Sinnlichkeit dem gewöhnlichen Verstande geben kann, und nur das konnte es in die innerliche Wohnstätte nehmen. Eine Kultur der Egoität ist die Kultur seit dem 16. Jahrhundert. Was muß nun in dieses Ich hineinkommen? Die christliche Entwickelung hat durchgemacht eine Entwickelung in dem äußeren physischen Leib, eine Entwickelung im Ätherleib, eine solche im astralischen Leib, und bis zum Ich ist sie hinaufgedrungen. Jetzt muß sie in dieses Ich aufnehmen die Mysterien und Geheimnisse des Christentums selber. Jetzt muß es möglich sein, das Ich zum Christus-empfänglichen Organ zu machen, nachdem eine Weile das Ich das Denken gelernt hat durch das Christentum und die Gedanken angewendet hat auf die Außenwelt. Jetzt muß dieses Ich wiederum die Weisheit finden, welche die Urweisheit des großen Avatars, des Christus selber ist. Und wodurch muß das geschehen? Durch die geisteswissenschaftliche Vertiefung des Christentums. Sorgsam vorbereitet durch die drei Stufen der physischen, der ätherischen und der astralischen Entwickelung, würde es jetzt darauf ankommen, daß im Innern das Organ sich dem Menschen erschließe, um nunmehr in seine geistige Umwelt zu schauen mit jenem Auge, das ihm der Christus öffnen kann. Als die größte Avatarwesenheit ist der Christus auf die Erde herabgestiegen. Stellen wir uns auf diese Perspektive ein: versuchen wir so die Welt anzuschauen, wie wir die Welt anschauen können, wenn wir den Christus in uns aufgenommen haben. Dann finden wir unseren ganzen Weltenwerdegang durchglüht und durchflutet von der Christus-Wesenheit. Das heißt, wir schildern, wie nach und nach entstanden ist auf dem Saturn der physische Leib des Menschen, wie auf der Sonne der Ätherleib hinzutrat, auf dem Mond der astralische Leib, und auf der Erde dann das Ich dazugekommen ist, und wir finden, wie das alles zu dem Ziel hinstrebt, immer selbständiger und individueller zu werden, um jene Weisheit, die von der Sonne zur Erde übergeht, der Erdenentwickelung einzuverleiben. Sozusagen zu dem perspektivischen Mittelpunkt der Weltenbetrachtung muß für das freigewordene Ich der neueren Zeit der Christus und das Christentum werden.

[ 28 ] And what has happened since the 16th century? Since the 16th century, the “I” itself has come to the fore more and more, and with it, human egoism and, consequently, materialism. People have forgotten and lost sight of all that the “I” has absorbed: they have therefore had to limit themselves to what the “I” can observe—what the instruments of the senses can provide to the ordinary mind—and only that could be taken into the inner sanctuary. Since the 16th century, culture has been a culture of egotism. What, then, must now enter into this “I”? Christian development has undergone a process of evolution in the outer physical body, in the etheric body, and in the astral body, and has advanced all the way up to the “I.” Now it must take into this “I” the mysteries and secrets of Christianity itself. Now it must be possible to make the “I” an organ receptive to Christ, after the “I” has spent some time learning to think through Christianity and has applied these thoughts to the external world. Now this “I” must in turn find the wisdom that is the primordial wisdom of the great Avatar, Christ Himself. And how must this come about? Through the spiritual-scientific deepening of Christianity. Carefully prepared through the three stages of physical, etheric, and astral development, it would now depend on the inner organ opening up to the human being, so that he may now look into his spiritual environment with the eye that Christ can open for him. As the greatest Avatar, Christ descended to Earth. Let us attune ourselves to this perspective: let us try to view the world as we can view it once we have taken Christ into ourselves. Then we will find our entire cosmic evolution permeated and flooded by the Christ Being. That is to say, we describe how, little by little, the human physical body arose on Saturn, how the etheric body was added on the Sun, the astral body on the Moon, and how the “I” was then added on Earth, and we see how all of this strives toward the goal of becoming ever more independent and individual, in order to incorporate into Earth’s evolution the wisdom that passes from the Sun to the Earth. Christ and Christianity must, so to speak, become the focal point of our view of the world for the liberated “I” of modern times.

[ 29 ] So sehen Sie, wie das Christentum sich nach und nach vorbereitet hat zu dem, was es werden soll. Mit seiner physischen Erkenntnisfähigkeit hat in den ersten Jahrhunderten der Christ das Christentum aufgenommen, dann später mit seiner ätherischen Erkenntnisfähigkeit und mit seiner astralischen Erkenntnisfähigkeit durch das Mittelalter hindurch. Dann wurde das Christentum in seiner wahren Gestalt eine Weile zurückgedrängt, bis das Ich durch die drei Leiberim Werdegang der nachchristlichen Entwickelung erzogen worden ist. Aber nachdem dieses Ich denken und den Blick in die objektive Welt hinauszurichten gelernt hat, ist es jetzt auch reif, in dieser objektiven Welt in allen Erscheinungen das zu schauen, was an geistigen Tatsachen mit der Mittelpunktswesenheit, mit der Christus-Wesenheit so innig verknüpft ist: den Christus in den mannigfaltigsten Gestalten allüberall als die Grundlage zu schauen.

[ 29 ] Thus you can see how Christianity gradually prepared itself for what it was to become. In the first centuries, Christians took in Christianity through their physical powers of perception; later, throughout the Middle Ages, they did so through their etheric and astral powers of perception. Then Christianity in its true form was pushed back for a while, until the “I” had been educated through the three bodies in the course of post-Christian development. But now that this “I” has learned to think and to direct its gaze out into the objective world, it is also ripe to perceive, in all phenomena of this objective world, that which is so intimately linked to the central Being, to the Christ Being, in terms of spiritual realities: to perceive the Christ everywhere, in the most manifold forms, as the foundation.

[ 30 ] Damit stehen wir am Ausgangspunkte eben des geisteswissenschaftlichen Begreifens und Erkennens des Christentums, und wir erkennen, welche Aufgabe, welche Mission dieser Bewegung für Geist-Erkenntnis zugeteilt ist. Da erkennen wir zugleich die Realität dieser Mission. So wie der einzelne Mensch physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich hat und nach und nach hinaufsteigt zu immer höheren Höhen, so ist es auch im geschichtlichen Werdegang des Christentums. Man möchte sagen: Auch das Christentum hat einen physischen Leib, einen Ätherleib, einen Astralleib und ein Ich, ein Ich, das sogar seinen Ursprung verleugnen kann wie in unserer Zeit, wie überhaupt das Ich egoistisch werden kann, aber doch ein Ich, das zu gleicher Zeit auch die wahre Christus-Wesenheit in sich aufnehmen und zu immer höheren Stufen des Daseins aufsteigen kann. — Was der Mensch im einzelnen ist, das ist die große Welt sowohl in ihrer Gesamtheit als im Verlauf ihres geschichtlichen Werdens.

[ 30 ] This brings us to the very starting point of the spiritual-scientific understanding and knowledge of Christianity, and we recognize what task, what mission, has been assigned to this movement for spiritual knowledge. At the same time, we recognize the reality of this mission. Just as the individual human being has a physical body, an etheric body, an astral body, and an “I,” and gradually ascends to ever higher realms, so it is in the historical development of Christianity. One might say: Christianity, too, has a physical body, an etheric body, an astral body, and an “I”—an “I” that can even deny its origin, as in our time, just as the “I” can become selfish in general; yet it is an “I” that can at the same time also take in the true Christ-essence and ascend to ever higher levels of existence. — What the individual human being is, that is the great world, both in its totality and in the course of its historical development.

[ 31 ] Wenn wir die Sache so betrachten, eröffnet sich uns vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus eine weite Zukunftsperspektive. Und wir wissen, wie diese unser Herz ergreifen und mit Enthusiasmus erfüllen kann. Wir begreifen immer mehr und mehr, was wir zu tun haben, und wir wissen auch, daß wir nicht im dunkeln tappen. Denn wir haben uns keine Ideen ausgeheckt, die wir willkürlich in die Zukunft hineinstellen wollen, sondern diejenigen Ideen wollen wir haben und ihnen allein folgen, die nach und nach durch die Jahrhunderte der christlichen Entwickelung vorbereitet worden sind. So wahr es ist, daß das Ich erst erscheinen und nach und nach hinaufentwickelt werden muß zum Geistselbst, Lebensgeist und Geistesmenschen, nachdem der physische Leib, der Ätherleib und astralische Leib zuerst vorhanden waren, so wahr konnte sich der moderne Mensch mit seiner Ich-Gestalt, mit seinem heutigen Denken nur entwickeln aus der astralischen, der ätherischen und der physischen Gestalt des Christentums heraus. Ich ist das Christentum geworden. So wahr, wie das die Entwickelung aus der Vergangenheit war, so wahr ist es, daß die Ich-Gestalt der Menschheit erst in Erscheinung treten kann, nachdem die astralische und ätherische Gestalt des Christentums entwickelt worden ist. Das Christentum wird sich in die Zukunft fortentwickeln, es wird noch ganz andere Dinge der Menschheit darbieten, und die christliche Entwickelung und die christliche Lebenshaltung werden in neuer Gestalt erstehen: es wird der umgewandelte astralische Leib erscheinen als das christliche Geistselbst, der umgewandelte Ätherleib als der christliche Lebensgeist. Und in einer leuchtenden Zukunftsperspektive des Christentums glänzt vor unserer Seele auf als der Stern, dem wir zuleben, der Geistesmensch, ganz durchleuchtet und durchglüht von dem Geiste des Christentums.

[ 31 ] When we look at the matter this way, a broad perspective on the future opens up to us from the standpoint of the humanities. And we know how this can touch our hearts and fill them with enthusiasm. We are coming to understand more and more what we must do, and we also know that we are not groping in the dark. For we have not concocted ideas that we wish to arbitrarily project into the future; rather, we want to embrace—and follow only—those ideas that have been gradually prepared over the centuries of Christian development. Just as it is true that the “I” must first emerge and gradually develop upward into the spiritual self, the spirit of life, and the spiritual human being—after the physical body, the etheric body, and the astral body were first in existence—so it is true that modern humanity, with its “I”-form and its present-day thinking, could only develop out of the astral, etheric, and physical forms of Christianity. Christianity has become the “I.” Just as this was the course of development from the past, so it is true that the “I” form of humanity can only come into being after the astral and etheric forms of Christianity have been developed. Christianity will continue to develop into the future; it will offer humanity entirely different things, and Christian development and the Christian way of life will arise in a new form: the transformed astral body will appear as the Christian spiritual self, and the transformed etheric body as the Christian life spirit. And in a radiant vision of Christianity’s future, the spiritual human being—completely illuminated and infused with the spirit of Christianity—shines before our souls as the star toward which we are moving.