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The Rudolf Steiner Archive

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The Principle of Spiritual Economy
in Relation to Reincarnation
GA 109

15 June 1909, Wrocław

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21. Zur Einweihung des Zweiges Breslau

21. On the Inauguration of the Breslau Branch

[ 1 ] Bei Worten, die zur Einweihung eines Arbeitszweiges gesprochen werden sollen, gilt es mehr, Zweck und Ziel der geisteswissenschaftlichen Arbeit zu erläutern, als darum, bedeutende Enthüllungen über Geheimnisse höherer Welten zu bringen. Wenn man sich vorstellen will, welche Bedeutung die geisteswissenschaftliche Weltanschauung für die menschliche Seele hat, müssen wir unsere Blicke auf und über verschiedene Gebiete lenken.

[ 1 ] In words spoken at the inauguration of a branch of work, the focus should be more on explaining the purpose and goal of spiritual scientific work than on revealing significant secrets of higher worlds. If we wish to grasp the significance of the spiritual-scientific worldview for the human soul, we must turn our gaze to and beyond various fields.

[ 2 ] Stellen Sie sich einen Menschen des 13. bis 14. Jahrhunderts vor. Er lebte in einer Zeit, als die Buchdruckerkunst noch nicht erfunden war, durch welche in der neueren Zeit eine so mächtige Einwirkung auf die menschliche Seele in Erscheinung trat. Stellen Sie sich also einmal einen Menschen jener Zeit vor und fragen Sie sich, was in dessen Seele vorging, wenn er zum Beispiel seine Augen nach dem Himmel richtete. Er, dessen Anschauungen noch nicht durch angehäuftes Wissen und durch materielle Gelehrsamkeit beeinflußt waren, wie es diejenigen eines heute lebenden Menschen sind, er sah am Tage den Raum durchglänzt von der Sonne, in der Nacht durchstrahlt vom Sternenschimmer, und da fühlte seine Seele den Weltenraum durchmessen von geistigen Kräften und geistigen Wesenheiten. Er fühlte sie. Durch die damaligen Kulturmittel entstanden in ihm Vorstellungen von göttlich-geistigen Tatsachen, und er fühlte sie unmittelbar. Und so war es auch, wenn er im Frühling die Pflanzen hervorwachsen sah aus der Erde: seine Seele fühlte diese Natur erhellt und erfüllt von göttlich-geistigen Wesenskräften.

[ 2 ] Imagine a person living in the 13th or 14th century. He lived in an era when the art of printing had not yet been invented—an art that, in more recent times, has had such a powerful effect on the human soul. So imagine a person from that time and ask yourself what was going on in his soul when, for example, he turned his eyes toward the sky. He, whose perceptions were not yet influenced by accumulated knowledge and material scholarship—as those of a person living today are—saw the space around him illuminated by the sun during the day and bathed in starlight at night; and there his soul sensed the cosmos permeated by spiritual forces and spiritual beings. He felt them. Through the cultural influences of his time, ideas of divine-spiritual realities arose within him, and he felt them directly. And so it was when, in the spring, he saw the plants sprouting from the earth: his soul felt this nature illuminated and filled with divine-spiritual forces.

[ 3 ] Dieses Erfühlen, dieses unmittelbare Empfinden der geistigen Wesenskräfte tritt immer mehr zurück, je mehr wir uns der Jetztzeit nähern, Hiermit soll über die letztere nicht etwa eine abfällige Kritik geübt werden, denn das Zurücktreten dieses Fühlens ist begleitet von dem Aufkommen einer andern Art des Naturerkennens, von der mehr verstandesmäßigen, äußerlichen Weltbetrachtung, und es ist durchaus richtig, daß die Menschen dadurch gelernt haben, sich die Beherrschung der Naturkräfte zu erarbeiten, mit den Mikroskopen die Welt im Kleinen zu erforschen und mit den Fernrohren die Sterne in ihrem Laufe durch den Raum zu verfolgen. Es ist richtig, daß die Menschen in gewisser Beziehung stolz sind, die Beherrschung der Naturkräfte noch weiter steigern zu können, aber wir wollen uns auch gleichzeitig klarmachen, daß hierdurch alle Menschheitsimpulse andere geworden sind.

[ 3 ] This intuition, this direct perception of the spiritual forces of being, recedes more and more as we approach the present day. This is not meant to be a disparaging critique of the present day, for the receding of this intuition is accompanied by the emergence of another kind of understanding of nature—a more intellectual, external view of the world— and it is certainly true that through this, people have learned to master the forces of nature, to explore the microcosm with microscopes, and to track the stars as they travel through space with telescopes. It is true that, in a certain sense, people are proud to be able to further increase their mastery of the forces of nature, but at the same time we must also realize that, as a result, all of humanity’s impulses have changed.

[ 4 ] Wenn der Mensch früher nach den Sternen gesehen hat, so sagte er sich: Ich fühle Göttlich-Geistiges in den Sternen. Heute dagegen sieht er nur die physischen Körper, und es ist für den heutigen Menschen schwierig, sich Göttlich-Geistiges vorzustellen. Die Menschheit hat wirklich das Verständnis für dieses göttlich-geistige Schauen verloren. Trotzdem ist es doch wahr, daß es auch heute viele Seelen gibt, die im Erkennen von Göttlich-Geistigem wunderbar berührt werden. Oh, die Seele hat einen Durst, sich vorzustellen, wie der Raum ausgefüllt ist von Göttlich-Geistigem, ausgefüllt ist von einer geistigen Kraft, und sie hat das Bedürfnis, dieses Göttliche zu erkennen.

[ 4 ] In the past, when people looked up at the stars, they would say to themselves: “I sense something divine and spiritual in the stars.” Today, however, they see only the physical bodies, and it is difficult for people today to imagine anything divine and spiritual. Humanity has truly lost the ability to perceive this divine and spiritual realm. Nevertheless, it is true that even today there are many souls who are deeply moved by the recognition of the divine-spiritual. Oh, the soul has a thirst to imagine how space is filled with the divine-spiritual, filled with a spiritual force, and it has a need to recognize this divine.

[ 5 ] Nun ist die geschilderte materielle Entwickelung so weit gediehen, daß gerade die ernstesten und eifrigsten Wahrheitsforscher in der letzten Zeit nach und nach dazu kamen, anzunehmen, es könne nur eine kindliche Auffassung sein, in der Welt etwas Göttliches zu fühlen, und die Menschheit sei jetzt in ein reiferes Zeitalter eingetreten, wo man überwundene Standpunkte beiseite schieben müsse. Schon das Kind in der Schule wird einem Zwiespalte ausgesetzt, der zu den tiefgehendsten Folgen für das Leben führt. Auf der einen Seite wird dem Kinde der naturwissenschaftliche Unterricht in rein materialistischer Weise gegeben, auf der andern Seite der Religionsunterricht. Zwischen beiden ist keine Brücke, kein verbindendes Glied. Was wird daraus im späteren Leben? Man kann sagen, die ganze Menschheit wird dadurch in zwei Lager geteilt, je nach den Konsequenzen, welche aus diesem Zwiespalt entspringen. Da gibt es dann einerseits diejenigen, die gleichgültig geworden sind und sich um nichts mehr kümmern, und andererseits dann diejenigen, die es tragisch auffassen, grübeln und doch nicht klar werden,um schließlich an der Lösbarkeit der Lebensrätsel zu verzweifeln. In diese zwei Lager zerfällt tatsächlich die denkende Menschheit. Vielleicht sind es dann schließlich nur noch die einfacheren Gemüter, die sich noch ein gewisses Empfinden für das Geistige bewahrt haben. Derjenige, der nicht bloß äußerlich alles anschaut, weiß, daß gerade in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Gefahr des gänzlichen Einsinkens der Menschheit in das materialistische Leben am größten war. Die ganze Stimmung und Gemütslage des Menschen wurde zu einem materialistischen Fühlen und Empfinden. Darin bestand eine furchtbare Gefahr für die Menschheit. Wissen Sie, was da eingetreten wäre, wenn da Geisteswissenschaft nicht eingegriffen hätte? Immer tiefer wäre die Denkweise ins materialistische Fahrwasser eingesunken. Die Gedankenformen hätten sich immer mehr verhärtet und wären immer verknöcherter geworden, ihre Abgrenzungen würden immer schärfer und unveränderlicher geworden sein, statt in regem Flusse sich anzupassen. Kein Mensch hätte für einen andern und mit einem andern fühlen können, und nur jeder für sich allein hätte sich im Recht gefühlt und jeden anders denkenden und anders fühlenden verachtet und gehaßt. Ganz starre Formen, jeder Liebe bar, hätte das Denken erhalten, und der Geist wäre schließlich so in den Hintergrund gedrängt worden, daß ein Anschluß für immer unmöglich gemacht worden wäre, und der Weg in die geistige Welt, er wäre verloren worden. Die Erde würde ein Mond geworden sein. Aus diesem Grunde haben diejenigen, die Einblick haben in die höheren geistigen Welten, der Menschheit die Geisteswissenschaft gebracht. Aus welchen Quellen fließen nun diese Lehren, die dazu bestimmt sind, die Menschheit vor dieser großen Gefahr zu retten? Gerade an einem Tage, wo es gilt, eine neugebildete Arbeitsgruppe einzuweihen, ist es angebracht, darüber etwas zu sagen. Diese Quellen sind den meisten Menschen noch verborgen, doch werden sie nach und nach immer offenbarer werden. Aber aus diesen Quellen heraus wurde die Geisteswissenschaft gegründet. Was sagt nun die Geisteswissenschaft? Sie sagt vielerlei, was der gewöhnliche Mensch mit seinen gewöhnlichen Sinnen nicht wahrnimmt. Sie sagt zum Beispiel, daß der Mensch nicht bloß aus dem äußerlich sichtbaren Körper besteht, sondern daß er viergliedrig sei; daß er außer dem sichtbaren Körper auch einen für gewöhnliche Menschen unsichtbaren Lebens- oder Ätherleib, ferner einen Empfindungs- oder Astralleib, und viertens das Ich besitzt, welches von Verkörperung zu Verkörperung geht, um eine fortschreitende Entwickelung in einer langen Zeit zu vollenden. Sie, die Geisteswissenschaft, sagt uns noch mehr. Sie sagt uns zum Beispiel, daß die Erde selbst auch eine Entwickelung von Verkörperung zu Verkörperung durchmache, eine Entwickelung kosmischer Natur. Sie zeigt uns ferner, daß die Sonne und die Planeten in diesem Entwickelungsvorgange die wichtigsten Rollen spielen, und daß das Bestehen aller dieser Weltenkörper und ihrer Vorgänge mit der Existenz geistiger Wesen zusammenhängt.

[ 5 ] Now, the material development described has progressed to such an extent that even the most serious and zealous seekers of truth have recently come to believe, little by little, that sensing something divine in the world can be nothing more than a childish notion, and that humanity has now entered a more mature age in which outdated viewpoints must be set aside. Even a child in school is exposed to a conflict that leads to the most profound consequences for life. On the one hand, the child is taught science in a purely materialistic manner; on the other hand, there is religious instruction. There is no bridge between the two, no connecting link. What will become of this in later life? One could say that all of humanity is thereby divided into two camps, depending on the consequences that arise from this dichotomy. On the one hand, there are those who have become indifferent and no longer care about anything; on the other hand, there are those who view it as a tragedy, who brood over it yet cannot find clarity, and who ultimately despair of ever solving life’s riddles. Thinking humanity does indeed break down into these two camps. Perhaps, in the end, it is only the simpler minds that have retained a certain sensitivity to the spiritual. Those who do not view everything merely from the outside know that it was precisely in the middle of the 19th century that the danger of humanity’s complete descent into materialistic life was greatest. The entire mood and state of mind of humanity had become one of materialistic feeling and perception. This posed a terrible danger to humanity. Do you know what would have happened if spiritual science had not intervened? The way of thinking would have sunk ever deeper into materialistic waters. Thought forms would have hardened more and more and become increasingly ossified; their boundaries would have grown ever sharper and more immutable, instead of adapting in a lively flow. No one would have been able to feel for another or with another, and each person would have felt justified only in their own perspective, despising and hating anyone who thought or felt differently. Thought would have taken on completely rigid forms, devoid of all love, and the spirit would eventually have been pushed so far into the background that a connection would have been made impossible forever, and the path to the spiritual world would have been lost. The Earth would have become a moon. For this reason, those who have insight into the higher spiritual worlds have brought spiritual science to humanity. From what sources, then, do these teachings flow, which are intended to save humanity from this great danger? Precisely on a day when a newly formed working group is to be initiated, it is fitting to say a few words about this. These sources are still hidden from most people, but they will gradually become more and more apparent. It was from these sources, however, that spiritual science was founded. What, then, does spiritual science say? It reveals many things that the ordinary person, with his ordinary senses, does not perceive. It says, for example, that the human being does not consist merely of the outwardly visible body, but that he is fourfold; that in addition to the visible body, he also possesses a life body or etheric body, invisible to ordinary people; furthermore, a feeling body or astral body; and fourthly, the “I,” which passes from one incarnation to the next in order to complete a progressive development over a long period of time. Spiritual science tells us even more. It tells us, for example, that the Earth itself also undergoes an evolution from incarnation to incarnation—an evolution of a cosmic nature. It further shows us that the Sun and the planets play the most important roles in this evolutionary process, and that the existence of all these celestial bodies and their processes is connected with the existence of spiritual beings.

[ 6 ] Was ist das alles? Wo sind die Quellen dieser Wahrheiten? Sie kommen von den Eingeweihten. Und wer sind die Eingeweihten? Es sind diejenigen, deren geistige Augen geöffnet sind, und die deshalb von der geistigen Welt reden, weil sie diese geistige Welt kennen. Sie sind die Sehenden zwischen Blinden. Schon Fichte spielte auf dieses Verhältnis an, und in der Tat sind für den Sehenden die geistigen Dinge so wirklich wie die körperlichen, ja noch viel wirklicher, denn ihm sind die letzteren nur der Ausdruck der ersteren. Freilich werden viele Menschen sagen, wenn ein Seher spricht von Ätherleib, Empfindungsleib und so weiter und von andern Kundgebungen geistiger Art, daß das ein Träumer und Phantast sei, welcher Theorien und Hypothesen für Wirklichkeiten halte. Der Seher begreift vollkommen, daß diejenigen, die nicht sehen, solche Einwendungen machen können. In einer Gesellschaft von physisch Blinden kann noch so viel und noch so genau von und über Farben und Licht gesprochen werden, für den Blinden bleibt das Theorie, aber den Begriff, den tatsächlichen Wirklichkeitsbegriff von Farbe und Licht wird der physisch Sehende dem physisch Blinden auch nicht eröffnen können. Dazu müßten die Blinden eben selbst sehen können, und erst dem erfolgreich operierten Blinden kann die Welt des Lichts aufgehen.

[ 6 ] What is all this? Where are the sources of these truths? They come from the initiates. And who are the initiates? They are those whose spiritual eyes are open, and who speak of the spiritual world precisely because they know it. They are the seers among the blind. Fichte already alluded to this relationship, and indeed, for the seer, spiritual things are as real as physical ones—indeed, much more real—for to him the latter are merely the expression of the former. Of course, when a seer speaks of the etheric body, the sensory body, and so on, as well as of other manifestations of a spiritual nature, many people will say that he is a dreamer and a fantasist who mistakes theories and hypotheses for realities. The seer fully understands that those who do not see may raise such objections. In a society of physically blind people, no matter how much or how precisely one speaks of and about colors and light, for the blind person it remains theory; but the physically sighted person will not be able to reveal to the physically blind person the concept—the actual concept of reality—of color and light. For that, the blind would have to be able to see for themselves, and only to the blind person who has undergone a successful operation can the world of light be revealed.

[ 7 ] Wir wollen uns dieses Verhältnis noch in einem andern Bilde vorzustellen versuchen. Wir wollen uns vorstellen, wir hätten ein großes Gefäß mit Wasser vor uns, und wollen annehmen, es gäbe einen Menschen, der mit seinen Sinnen Wasser nicht sehen, nicht fühlen, überhaupt nicht empfinden könne. Für diesen Menschen würde das Gefäß leer sein. Nun wollen wir weiter annehmen, es könnte auf irgendeine Weise bewirkt werden, daß Kälteströmungen auf das Wasser einwirken, die es zum Gefrieren bringen. Zunächst würden hier und da Eisnadeln entstehen, welche sich dann bis zur Klumpenbildung zusammenballen können. Weil aber Eis ein fester Körper ist, so würde jener Mensch, der für Wasser keine Empfindung hat, die sich bildenden Eisteile wahrnehmen können. Was nimmt er nun wahr? Er nimmt wahr, daß Eis entsteht. Aber aus was entstünde es ihm? Aus nichts. So steht der Eingeweihte da in seinem Verhältnis zu den andern Menschen. Wo diese nichts sehen, sieht er. Nun aber sagen die Menschen: Wie kann ich das, was ich nicht nachprüfen kann, glauben können? Und da ich das nicht kann, welchen Zweck hätte es, sich da überhaupt erst mit solchen Dingen zu befassen, sich auf solche Dinge einzulassen? - Dazu verlangen besonders die philosophisch-monistischen Dogmatiker folgendes: erstens, daß alles zugegeben wird, was sie selber behaupten, und zweitens, daß niemand mehr wissen dürfe, als sie selber wissen. Sie stellen sich als die unfehlbaren Menschen hin, die die Grenzen der Erkenntnis bestimmen können. Der wahre Eingeweihte wird die wissenschaftlich erforschten Tatsachen niemals in Abrede stellen, sondern wohlwollend die Wahrheiten und die Verdienste der Wissenschaft anerkennen. Jedoch muß er es ablehnen, zuzugeben, daß der wissenschaftliche Dogmatiker die Grenzen der Erkenntnis festzustellen vermöge. Der Wissenschafter ist stolz auf das Wissen, im Gegensatz zum Glauben. Aber wenn da von Glauben und Nichtglauben gesprochen wird und der Wissenschafter der Meinung ist, daß seine Forschungsresultate frei von Glauben seien, so irrt er. Es ist einfach unmöglich, irgend etwas zu erforschen und zu lehren, ohne zu glauben. Man nehme zum Beispiel die Zellenlehre. Wir haben da in den Büchern die schönen Abbildungen von Zellen, Zellenteilungen, Zellenleben und so fort, klar und deutlich, mit allen Einzelheiten. Aber wer von uns hat das mit solcher Deutlichkeit selbst schon gesehen? Wir glauben alle, daß das so ist. Selbst die Universitätslehrer, die solches lehren, haben in den seltensten Fällen dies selbst alles gesehen, und doch lehren sie es. Sie haben es deswegen nicht selbst sehen können, weil es so schwer und selten zu beobachten ist, daß es nur wenigen einzelnen gelingt, es zu sehen, und dann, weil es in Wirklichkeit gar nicht so klar und deutlich ist, wie die Abbildungen ausschauen. Man denke an die Embryologie. Von jedem Augenblick der Schwangerschaft glaubt man ganz genau das Aussehen des Embryos zu kennen. Aber wie äußerst selten ist ein Forscher in der Lage, etwa durch einen plötzlichen Todesfall, der gerade in einem gewissen Moment der Schwangerschaft eintritt, Einblick zu bekommen. Wie mancher dieser Forscher hat das nie gesehen, was er lehrt. Bis dahin wo er selbst erst sah, mußte er glauben, und andere mit ihm. Und doch stellt er der Geisteswissenschaft gegenüber die Forderung, man solle nicht glauben, und niemand solle mehr wissen als er selbst. Das Wesen des Eingeweihten besteht darin, daß er hineinsehen kann in die geistige Welt. Bei den Eingeweihten sind die Quellen geisteswissenschaftliche Erkenntnis.

[ 7 ] Let us try to visualize this relationship using another image. Let us imagine that we have a large vessel filled with water in front of us, and let us assume there is a person who, through his senses, cannot see, feel, or perceive water at all. To this person, the vessel would be empty. Now let us further assume that, by some means, cold currents could be directed at the water, causing it to freeze. At first, ice needles would form here and there, which could then clump together to form chunks. But because ice is a solid, that person, who has no sensation of water, would be able to perceive the forming ice particles. What does he perceive now? He perceives that ice is forming. But from what would it arise for him? From nothing. This is how the initiate stands in relation to other people. Where they see nothing, he sees. But now people say: How can I believe in something I cannot verify? And since I cannot do that, what purpose would it serve to concern myself with such things in the first place, to engage with them at all?—In this regard, the philosophical-monistic dogmatists in particular demand the following: first, that everything they themselves assert be accepted, and second, that no one be allowed to know more than they themselves know. They present themselves as infallible beings who can determine the limits of knowledge. The true initiate will never deny scientifically established facts, but will graciously acknowledge the truths and merits of science. However, he must refuse to concede that the scientific dogmatist is capable of determining the limits of knowledge. The scientist takes pride in knowledge, as opposed to faith. But when people speak of faith and non-faith, and the scientist believes that his research results are free of faith, he is mistaken. It is simply impossible to research and teach anything without believing. Take, for example, cell theory. In our textbooks, we have beautiful illustrations of cells, cell division, cellular life, and so on—clear and distinct, with every detail. But who among us has ever seen this with such clarity? We all believe that this is how it is. Even the university professors who teach such subjects have, in the rarest of cases, seen all of this for themselves, and yet they teach it. They have not been able to see it for themselves because it is so difficult and rare to observe that only a few individuals succeed in seeing it, and also because, in reality, it is not nearly as clear and distinct as the illustrations appear to be. Consider embryology. People believe they know exactly what the embryo looks like at every moment of pregnancy. But how extremely rare is it for a researcher to gain insight into this—for example, through a sudden death that occurs precisely at a certain moment during pregnancy? How many of these researchers have never actually seen what they teach. Until they themselves saw it, they had to believe—and others had to believe with them. And yet, when it comes to spiritual science, they demand that one should not believe, and that no one should know more than they do. The essence of the initiate lies in their ability to look into the spiritual world. For the initiates, the sources of spiritual scientific knowledge are

[ 8 ] Ja, aber was nützt dies denen, die diese Erkenntnis nicht besitzen? Das soll ein Gleichnis lehren. Sehen Sie diesen Ofen an! Nun stellen Sie sich vor, es stelle sich jemand hin vor diesen Ofen und spreche zu ihm: Du Ofen, du bist zum Wärmen geschaffen, besinne dich auf deine Mission und mache die Stube warm! - Wird er es tun? Wird die Rede etwas nützen? Nein, der Ofen rührt sich nicht. Aber man rede nicht, sondern schaffe Holz und Kohlen herbei und heize, dann wird er seine Mission erfüllen.

[ 8 ] Yes, but what good is this to those who lack this understanding? A parable will illustrate this. Look at this stove! Now imagine someone standing in front of this stove and saying to it: “O stove, you were made to provide warmth; remember your mission and warm the room!” - Will it do so? Will those words accomplish anything? No, the stove won’t budge. But instead of just talking, bring wood and coal and stoke the fire—then it will fulfill its mission.

[ 9 ] So ist es mit der Mitteilung geisteswissenschaftlicher Wahrheiten. Sie sind das Heizmaterial für die menschliche Seele. Seit Jahrtausenden wird den Menschen Moral gepredigt und ihnen gesagt: Seid gut, liebet euch! - Aber tun sie es denn? Sieht es nicht ziemlich schlimm aus trotz aller christlichen Kirchenlehre? In einer süddeutschen Stadt sagte mir einst ein Pastor: Was Sie da über die Evangelien sagen, dagegen kann ich ganz und gar nichts einwenden, aber was hat es für einen Zweck, hie und da kleine geisteswissenschaftliche Konventikel zu bilden, wo doch die Kirche die praktische Erziehung in größtem Maßstabe ausführt? - Ja, wenn dieser Pastor recht hätte, dann hätte es keinen Zweck. Aber er hat nicht recht, denn wenn die Kirche ihre Aufgabe in vollem Umfange erfüllen würde, woher kommen dann immerfort noch die vielen Schlechtigkeiten? Gehen denn überhaupt alle Leute in die Kirche? Die Kirche predigt eben nicht praktische Moral, sondern Ofenmoral. Heutzutage gibt es nicht mehr viele Menschen, die auf bloßes Zureden hin besser werden. Und nun haben sich auch gerade noch die fähigsten Menschen von der Kirche abgewendet. Und wenn das so weiterginge, dann würden die Anhänger der Kirche immer spärlicher und spärlicher werden und der Materialismus sich immer breiter und breiter machen, bis eines Tages von der Kirche nicht mehr viel übrigbliebe. Darum ist eben die Geisteswissenschaft gekommen, sie ist nötig geworden, um das Heizmaterial herbeizuschaffen. Sie ist Heizmaterial, denn die bloße Mitteilung von Tatsachen aus den geistigen Welten wirkt anziehend und fördernd auf die geistige Entwickelung des einzelnen, fördernd nicht nur in Beziehung zur Moral, sondern auch in Beziehung auf geistiges Schauen.

[ 9 ] So it is with the communication of spiritual-scientific truths. They are the fuel for the human soul. For millennia, people have been preached to about morality and told: “Be good, love one another!”—But do they actually do it? Doesn’t the situation look rather dire, despite all the teachings of the Christian church? In a city in southern Germany, a pastor once said to me: “I have absolutely no objection to what you say about the Gospels, but what is the point of forming small spiritual science gatherings here and there, when the Church is already carrying out practical education on the largest scale?”—Yes, if this pastor were right, then there would be no point. But he is not right, for if the church were fulfilling its mission to the fullest extent, where would all the ongoing wickedness come from? Do all people even go to church? The church does not preach practical morality, but rather “armchair morality.” These days, there aren’t many people left who will improve simply by being persuaded. And now even the most capable people have turned away from the church. And if this were to continue, the church’s followers would become fewer and fewer, and materialism would spread ever wider, until one day there would be little left of the church. That is precisely why spiritual science has come; it has become necessary to provide the fuel. It is fuel, for the mere communication of facts from the spiritual worlds has an attractive and stimulating effect on the spiritual development of the individual—stimulating not only in relation to morality but also in relation to spiritual vision.

[ 10 ] Es gibt auch unter Geisteswissenschaftern solche, die der Meinung sind, man solle nur gut und edel sein und nach Vollkommenheit streben, dann würden sich die geistigen Augen schließlich von selbst auftun. Zugleich meinen sie, die Mitteilungen höherer Wahrheiten seien gering zu achten, und man solle nur darauf warten, es selbst sehen zu können, bis dahin, wo einem der Schleier von selbst gelüftet wird. Diejenigen, die so denken, irren. Sie verkennen den Charakter solcher Mitteilungen in seiner Wirkung als Heizmaterial. Es kommt darauf an, in der Seele Schwingungen zu erregen, die ihr auf andere Weise oder von selbst nicht kommen würden.

[ 10 ] Even among scholars of the humanities, there are those who believe that one should simply be good and noble and strive for perfection; then, they say, the spiritual eyes will eventually open on their own. At the same time, they believe that revelations of higher truths should be regarded as of little importance, and that one should simply wait until one can see for oneself, until the veil is lifted of its own accord. Those who think this way are mistaken. They fail to recognize the nature of such revelations in their role as fuel. What matters is to stir up vibrations in the soul that would not arise in any other way or on their own.

[ 11 ] Was ist es aber, was im Menschen aufleuchten kann, aufleuchten soll, wenn er seine richtige Entwickelung begreift und fördert, wie es die Geisteswissenschaft sich zur Aufgabe hinstellt? Dazu müssen wir weit ausholen. Bis in die altindische Kultur müssen wir zurückgehen, welche wir bezeichnen als die Zeit der sieben Rishis. Diese waren die Eingeweihten jener Zeit, welche die Entwickelung der Menschen leiteten. Wenn sie aus ihrem geistigen Schauen heraus den Menschen Kunde brachten vom Höchsten, so sagten sie: Hoch über allem Sein, unerkennbar, unerforschbar, liegt eine Ursache, ein Wesen, das wir Vishva-Karman nennen, das wir aber nur ahnen können. Es liegt uns gleichsam zu fern, um es erkennen zu können. Jedoch nach uns, viel später, wird es der Menschheit näher kommen. Dann in einer viel späteren Kulturepoche sprach ein anderer Eingeweihter über dieses Wesen. Es war Zarathustra, nicht der historische, sondern ein Vorgänger desselben. Wenn er zum Volke sprach in seiner altpersischen heiligen Sprache, deren Herrlichkeit sich heute kaum darstellen läßt, so sagte er: Ich sehe das höchste Wesen in der Sonne, um die Sonne. In der Atmosphäre der Sonne ist es! - Und deshalb nannte er es: Ahura Mazdao, die große Aura, im Gegensatz zum Menschen, der kleinen Aura. Er erkannte in der großen Aura ein Ebenbild oder Vorbild für die kleine Aura, den Menschen. Ahura Mazdao ist gleich Ormuzd. Und er hat gepredigt, daß der Ahura Mazdao einst im Menschen wird offenbar werden. Das hat er vorausgeschaut. Aber er schaute auch, daß im Menschen Kräfte vorhanden sind, die ihn von der Offenbarung des höchsten Wesens in ihm hindern und fernhalten. Diese bezeichnete er als Ahriman, das Böse.

[ 11 ] But what is it that can—and should—shine forth within a human being when he understands and fosters his proper development, as spiritual science sets out to do? To answer this, we must go back a long way. We must go back to ancient Indian culture, which we refer to as the time of the seven Rishis. These were the initiates of that time who guided human development. When, through their spiritual vision, they brought news of the Highest to humanity, they said: High above all being, unknowable, unfathomable, lies a Cause, a Being whom we call Vishva-Karman, but whom we can only intuit. It is, as it were, too far removed from us to be recognized. However, long after our time, it will draw nearer to humanity. Then, in a much later cultural epoch, another initiate spoke of this Being. It was Zarathustra—not the historical figure, but a predecessor of his. When he spoke to the people in his ancient Persian sacred language, whose splendor can scarcely be conveyed today, he said: “I see the highest Being in the sun, around the sun. It is in the atmosphere of the sun!—And that is why he called it: Ahura Mazdao, the great aura, in contrast to the human being, the small aura. He recognized in the great aura a likeness or model for the small aura, the human being. Ahura Mazdao is the same as Ormuzd. And he preached that Ahura Mazdao would one day be revealed in human beings. He foresaw this. But he also saw that there are forces within human beings that hinder and keep them from the revelation of the supreme being within them. He designated these as Ahriman, the evil one.

[ 12 ] Noch später, in einer andern Kulturepoche, da haben wir wieder einen großen Eingeweihten. Dem war die Erkenntnis noch näher geworden. Bei den Rishis war das höchste Wesen gleichsam in ungeheurer Entfernung im Weltraum verborgen, bei Zarathustra war es bis zur Sonne vorgerückt, aber bei Moses reichte die Erkenntnis bereits in greifbare Nähe. Im brennenden Dornbusch, der zu Moses sprach, haben wir die Aura als Bestandteil irdischer Elemente. Moses erkannte, daß das höchste Wesen in der Erde vorhanden ist. Das Wesen war für den Eingeweihten heruntergestiegen über die Sonne zur Erde. Es lebte nun in den Elementen. Und als Moses das Wesen fragte, was er dem Volke sagen sollte, so sagte es ihm: «Ich bin der Ich-bin, Jahve.» Damit haben wir die Erklärung, daß das Wesen gekommen sei, um im Ich des Menschen zur Entfaltung zu kommen. Das war damals noch nicht der Fall. Der Mensch hatte damals das Bewußtsein des Höchsten noch nicht in seinem Innern zur Entfaltung gebracht. Moses jedoch wußte, daß dies geschehen sollte.

[ 12 ] Even later, in another cultural epoch, we again have a great initiate. For him, this knowledge had come even closer. For the Rishis, the Supreme Being was, as it were, hidden at an immense distance in outer space; for Zarathustra, it had advanced as far as the sun; but for Moses, this knowledge had already come within reach. In the burning bush that spoke to Moses, we find the aura as a component of earthly elements. Moses recognized that the Supreme Being is present within the earth. For the initiate, the Being had descended from the sun to the earth. It now lived within the elements. And when Moses asked the Being what he should tell the people, it said to him: “I am the I-Am, Yahweh.” This explains that the Being had come to unfold within the human “I.” That was not yet the case at that time. At that time, human beings had not yet developed the consciousness of the Most High within themselves. Moses, however, knew that this was to happen.

[ 13 ] Und noch später kam ein andrer Mensch, der hellsichtig wurde: Paulus. Er wußte, daß in Jesus Christus dieses höchste Wesen verkörpert war. Aber er konnte nicht glauben, nicht fassen, daß jenes Wesen am Kreuze sterben mußte. Da wurde er eingeweiht. Daß er eingeweiht werden konnte, hatte er dem eigentümlichen Umstande zu verdanken, daß er eine unzeitige Geburt war. Eine Frühgeburt, ein Mensch, der nicht volle neun Monate ausgetragen wurde, ist einer, der nicht so tief in die Materie gestiegen ist, weshalb ihm der Einblick in die geistige Welt leichter wird. Und als Paulus hellsichtig wurde, da erkannte er, daß in Christus das höchste Wesen lebte. Nun war es tatsächlich im Menschen aufgelebt. Daher sagt Christus beim Abendmahl: «Das Brot ist mein Leib, der Wein ist mein Blut.» Brot: Erde; Wein, Pflanzensaft: Geist.

[ 13 ] And even later, another person came who became clairvoyant: Paul. He knew that this supreme being was embodied in Jesus Christ. But he could not believe, could not comprehend, that that being had to die on the cross. Then he was initiated. He owed his ability to be initiated to the peculiar circumstance that he was born prematurely. A premature birth—a human being who was not carried to full term for nine months—is one who has not sunk so deeply into matter, which is why gaining insight into the spiritual world comes more easily to him. And when Paul became clairvoyant, he recognized that the highest Being dwelt in Christ. Now it had indeed come to life within a human being. That is why Christ says at the Last Supper: “The bread is my body; the wine is my blood.” Bread: earth; wine, plant sap: spirit.

[ 14 ] Bis hierher wollte ich Sie heute führen, um Sie fühlen zu lassen, was es zu bedeuten hat, daß ein solches Wesen sich der Erde genähert hat, in die Erde herabgelassen hat. Und das geschah auf Golgatha. Ist nun in Golgatha wirklich dieses Wesen über die Erde geflossen? Dazu betrachten wir und vergleichen wir die Zeit, sagen wir sechshundert Jahre vor Christi Geburt mit der Zeit sechshundert Jahre nach Christi Geburt. Was ist da vorgegangen, worin besteht der Unterschied?

[ 14 ] I wanted to guide you this far today so that you might feel what it means for such a being to have approached the Earth and descended into it. And that happened on Golgotha. Did this being truly flow over the Earth at Golgotha? To answer this, let us examine and compare the period, say, six hundred years before the birth of Christ with the period six hundred years after the birth of Christ. What happened during that time, and what is the difference?

[ 15 ] Sechshundert Jahre vor Christus, da lebte Buddha. Er lebte in einem Königspalast. Dann ging er hinaus ins Land und lernte kennen Alter, Krankheit, Armut, Tod, Leichnam. Er sah, daß das ganze Menschenleben Leiden ist: Alter ist Leiden, Krankheit ist Leiden, Armut ist Leiden, Tod ist Leiden, Geburt ist Leiden, getrennt leben von denen, die wir lieben, ist Leiden, kurz alles Dasein ist Leiden. - Also sagte er sich und so lehrte er das Volk: Ihr sollt den Durst nach Dasein verlernen. -Da haben wir den hoffnungslosen Verzicht auf die Schöpfung.

[ 15 ] Six hundred years before Christ, the Buddha lived. He lived in a royal palace. Then he went out into the countryside and came to know old age, sickness, poverty, death, and corpses. He saw that the whole of human life is suffering: old age is suffering, illness is suffering, poverty is suffering, death is suffering, birth is suffering, living apart from those we love is suffering—in short, all existence is suffering. —So he told himself, and so he taught the people: You must unlearn the thirst for existence. —Therein lies the hopeless renunciation of creation.

[ 16 ] Aber sechshundert Jahre später kam Golgatha. Da sehen wir als Symbol ein Kreuz aufgerichtet und auf dem Kreuz einen menschlichen Leichnam. Und die Menschen schauen zu dem Leichnam auf und ahnen, daß es die Heilung von allen Leiden gibt. Das ist ein Unterschied. Die Menschen sehen im Tode nicht mehr das Zeichen des Leidens, sondern das Zeichen von der Heilung des Leidens. Sieger können sie werden über das, was im Leben hier ist. Und das heißt: Es wird eine Frucht mitgenommen ins andere Leben.

[ 16 ] But six hundred years later came Golgotha. There we see, as a symbol, a cross erected and a human corpse on the cross. And people look up at the corpse and sense that there is a cure for all suffering. That is the difference. People no longer see death as a sign of suffering, but as a sign of the healing of suffering. They can become victors over what exists in this life. And that means: a fruit is carried over into the next life.

[ 17 ] Versteht nun der Mensch, daß Geburt und Leben nicht Leiden ist, sondern die Möglichkeit gewährt, aus dem Leiden herauszukommen, indem das Leben Gelegenheit gibt, das Geistige zu entwickeln, das über alles Leiden hinausführt, so ist Alter nicht mehr Leiden, sondern Annäherung an die Frucht des Lebens; Tod ist nicht mehr Leiden, sondern Erlösung; Nichtvereintsein mit denen, die wir lieben, ist nicht mehr Leiden, wenn man sich mit dem Christus-Wesen der AllLiebe vereint hat und alle Wesen in allen Welten in seine Liebe hüllt.

[ 17 ] If a person now understands that birth and life are not suffering, but rather offer the possibility of escaping suffering—since life provides the opportunity to develop the spiritual, which leads beyond all suffering—then old age is no longer suffering, but rather a drawing near to the fruit of life; death is no longer suffering, but redemption; separation from those we love is no longer suffering once one has united with the Christ-essence of Universal Love and enveloped all beings in all worlds in His love.

[ 18 ] Das alles fühlte man sechshundert Jahre nach Christus, und seitdem konnte sich der Mensch verbunden fühlen mit dem Christus, dem Sonnengeist, der auch der Geist der Erde ist, der, wie er die Erde durchtränkt, auch jeden von uns durchdringt, und der Milde, Wärme, Liebe in unserer Seele erweckt, der die All-Liebe erweckt und die Erde umgestaltet.

[ 18 ] All of this was felt six hundred years after Christ, and ever since then, human beings have been able to feel connected to Christ, the Spirit of the Sun, who is also the Spirit of the Earth—who, just as he permeates the Earth, also permeates each one of us, awakening gentleness, warmth, and love in our souls, awakening universal love, and transforming the Earth.

[ 19 ] Und weil Geisteswissenschaft durch die Mitteilung geistiger Wahrheiten nicht Moral doziert, sondern praktische Moral begründet, so wird sie für den modernsten Menschen die Brücke bauen, die in die geistige Welt hineinführt. Es mag sein, daß diejenigen, die an der Spitze der heutigen Kultur stehen, die führenden Persönlichkeiten der Industrie und der Gelehrsamkeit, die Tonangebenden, lächeln mögen über diese kleinen geisteswissenschaftlichen Konventikel und über das, was da untersucht wird. Lassen Sie sie denken, was sie wollen! Da war auch einst eine mächtige römische Kulturwelt, dieses alte kaiserliche Rom, das wir noch heute in seinen Trümmern bewundern. Das alte riesige Colosseum war die Stätte, wo Weihrauch abgebrannt wurde, um den aufsteigenden Fleischdunst der dort von den wilden Tieren zerrissenen Christenmenschen zu überdecken. Das war das alte Rom, oben am Tageslicht. Und unten? Steigen wir hinunter in die Katakomben! Da finden wir die ersten Bekenner des Christentums, des Mysteriums von Golgatha, verfolgt und verachtet. Da unten versteckt verehren sie Christus, da verrichten sie ihre symbolischen Handlungen, da unten werden die ersten christlichen Gemeinden begründet. Obschon klein an Zahl und verachtet, zweifelten sie nicht. Da unten ist eine kleine Schar verachtet und verstoßen, da oben ist eine große Schar, die den Ton angibt: einige Jahrhunderte später ist das alte Rom nicht mehr da, aber die da unten waren, die untere Welt, sie ist hinaufgestiegen. So wird auch die Geisteswissenschaft in einigen Jahrhunderten hinaufsteigen über Industrie, Gelehrsamkeit und heutige Menschheitsbeziehungen. Doch fühlen Sie das nicht wie im Stolz, sondern mit Demut, wenn Sie in Ihren kleinen Konventikeln sich vergleichen mit denen des unterirdischen Roms. Und wenn Sie sich ausmalen, daß die heutige glanzvolle Wissenschaft vor der Geisteswissenschaft zerronnen sein wird, so malen Sie sich das nur in Demut aus. Wenn Sie dieses Gefühl von dieser Stunde an mitnehmen, so daß es immer lebendig in Ihnen bleibt, dann werden Sie an der Verbreitung der allgemeinen Menschenliebe mitarbeiten, und dann werden Sie eintauchen in eine neue Kultur.

[ 19 ] And because the humanities, by communicating spiritual truths, do not lecture on morality but rather establish a foundation for practical morality, they will build a bridge for the most modern of people that leads into the spiritual world. It may be that those at the forefront of today’s culture—the leading figures in industry and academia, the trendsetters—may smile at these small spiritual science gatherings and at what is being explored there. Let them think what they will! There, too, was once a mighty Roman cultural world—that ancient imperial Rome whose ruins we still admire today. The vast Colosseum was the site where incense was burned to mask the rising stench of flesh from the Christians torn apart there by wild beasts. That was ancient Rome, up above in the light of day. And down below? Let’s descend into the catacombs! There we find the first confessors of Christianity, of the mystery of Golgotha, persecuted and despised. Hidden down there, they worship Christ; there they perform their symbolic rites; down there, the first Christian communities are founded. Though few in number and despised, they did not waver. Down there is a small group, despised and cast out; up there is a large group that sets the tone: a few centuries later, ancient Rome is no more, but those down there—the underworld—have risen up. So, too, spiritual science will rise above industry, scholarship, and today’s human relationships in a few centuries. But do not feel this as pride, rather with humility, when you compare yourselves in your small gatherings to those of underground Rome. And when you imagine that today’s glorious science will have crumbled before spiritual science, imagine it only with humility. If you carry this feeling with you from this moment onward, so that it remains ever alive within you, then you will contribute to the spread of universal love for humanity, and then you will immerse yourselves in a new culture.

[ 20 ] Ich rufe an alle guten geistigen Kräfte, daß sie über dem neugegründeten Arbeitszweig wachen mögen und Ihnen helfen mögen, das Ziel zu erreichen und Ihre Arbeit zu erleichtern.

[ 20 ] I call upon all the forces of goodness to watch over this newly established branch of work and to help you achieve your goal and make your work easier.