The Gospel of St. John
in comparison with the other three Gospels,
particularly the Gospel of Luke
GA 112
29 June 1909, Kassel
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The Gospel of St. John, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Wir haben gestern davon gesprochen, daß die Menschheit große Führer auch schon in der Zeit hatte, die wir als die atlantische Periode der menschlichen Entwickelung bezeichnet haben. Wir wissen aus der gestrigen Betrachtung, daß diese Periode abgelaufen ist in einem Erdengebiet, das wir die alte Atlantis nennen und das gelegen war zwischen dem heutigen Europa und Afrika einerseits und Amerika andererseits. Und wir haben auch erwähnt, wie andersartig das Menschenleben damals war, besonders in bezug auf den menschlichen Bewußtseinszustand. Wir konnten aus der gestrigen Betrachtung entnehmen, daß sich das Bewußtsein, das der Mensch heute hat, erst allmählich entwickelt hat, daß der Mensch ausgegangen ist von einer Art dämmerhaften Hellsehens. Und wir wissen, daß die Menschen in der atlantischen Zeiteinen Körper hatten, der aus einer wesentlich weicheren, biegsameren, plastischeren Substanz bestand als der des heutigen Menschen. Und wir wissen ferner, wie das hellseherische Bewußtsein uns das lehrt, daß der Mensch damals noch nicht imstande war, zum Beispiel die festen Gegenstände, die heute unser Auge sieht, schon mit so scharfen Konturen wahrzunehmen. Zwar konnte der Atlantier schon die Gegenstände der äußeren Welt, das Mineralreich, Pflanzenreich und Tierreich wahrnehmen, aber undeutlich, verschwommen. So wie man heute an einem recht nebeligen Herbstabend die Lichter auf der Straße farbig umsäumt sieht, so nahm der Mensch um die Gegenstände herum etwas wie farbige Ränder wahr, «Auren», wie man sagt. Das waren die Andeutungen der geistigen Wesenheiten, die zu den Dingen gehörten. Zu gewissen Zeiten des Tageslaufes war allerdings die Wahrnehmung dieser geistigen Wesenheiten recht undeutlich, aber zu anderen Zeiten, namentlich in den Zwischenzuständen zwischen Wachen und Schlafen, war sie sehr deutlich.
[ 1 ] Yesterday we spoke about how humanity already had great leaders during the era we have referred to as the Atlantean period of human development. We know from yesterday’s discussion that this period came to an end in a region of the Earth we call ancient Atlantis, which was located between present-day Europe and Africa on one side and the Americas on the other. And we also mentioned how different human life was back then, especially with regard to the state of human consciousness. We were able to gather from yesterday’s discussion that the consciousness humans possess today developed only gradually, and that humans began with a kind of twilight clairvoyance. And we know that people in the Atlantean era had a body composed of a substantially softer, more flexible, and more malleable substance than that of modern humans. Furthermore, as clairvoyant consciousness teaches us, we know that humans at that time were not yet capable of perceiving, for example, the solid objects that our eyes see today with such sharp contours. True, the Atlanteans could already perceive the objects of the external world—the mineral, plant, and animal kingdoms—but only indistinctly, as if blurred. Just as one sees the streetlights outlined in color on a rather foggy autumn evening, so too did humans perceive something like colored rims around objects—“auras,” as they are called. These were the hints of the spiritual beings associated with those things. At certain times of the day, however, the perception of these spiritual beings was quite indistinct, but at other times—notably in the intermediate states between waking and sleeping—it was very clear.
[ 2 ] Wenn wir uns das Bewußtsein eines alten Atlantiers recht lebhaft vorstellen wollen, so müssen wir uns sagen: So deutlich, mit so scharfen Konturen wie heute, hat er zum Beispiel eine Rose nicht gesehen. Das war alles verschwommen, ins Neblige verlaufend und mit farbigen Rändern umsäumt. Schon während des Tages war es undeutlich, es wurde aber noch undeutlicher und verschwand ganz in der Zwischenzeit zwischen Wachen und Schlafen. Dafür aber nahm der Mensch ganz deutlich das wahr, was wir als den Rosen-Geist, als die Rosen-Seele ansprechen müssen. Und so war es mit allen Gegenständen der Umwelt.
[ 2 ] If we want to vividly imagine the consciousness of an ancient Atlantean, we must tell ourselves: He did not see a rose, for example, as clearly or with such sharp contours as we do today. Everything was blurred, fading into a haze and edged with colored fringes. Even during the day it was indistinct, but it became even more indistinct and disappeared entirely in the interval between waking and sleeping. Instead, however, the person perceived quite clearly what we must refer to as the spirit of the rose, the soul of the rose. And so it was with all objects in the environment.
[ 3 ] Die Fortentwickelung bestand darin, daß die äußeren Gegenstände immer deutlicher wurden, und immer undeutlicher die Wahrnehmungen der geistigen Wesenheiten, die zu den Dingen gehörten. Dafür aber bildete der Mensch immer mehr sein Selbstbewußtsein aus, er lernte immer mehr sich fühlen.
[ 3 ] This further development consisted in the fact that external objects became increasingly distinct, while the perceptions of the spiritual entities associated with those objects became increasingly indistinct. In return, however, human beings developed their self-awareness more and more; they learned to feel more and more.
[ 4 ] Wir haben gestern den Zeitpunkt bezeichnet, in welchem eine deutliche Empfindung vomlIch hervortrat. Wir haben gesagt, daß der Ätherleib in eine Deckung mit dem physischen Leib kam, als das letzte Drittel der atlantischen Zeit herannahte. Sie können sich denken, daß auch die Führerschaft vorher eine ganz andere war. Eine solche Verständigung von Mensch zu Mensch, wo man an das Urteil des anderen appelliert, gab es in den atlantischen Zeiten durchaus nicht. In diesen Zeiten des dämmerhaften Hellsehens beruhte die Verständigung darauf, daß ein unterbewußter Einfluß von Mensch zu Mensch hinüberging. Vor allem war das, was wir heute nur in den letzten, vielfach verkannten und mißverstandenen Erbstücken kennen, damals noch in hohem Grade vorhanden: Das war eine Suggestion, ein unterbewußter Einfluß von Mensch zu Mensch, der nur wenig an die Mittätigkeit der anderen Seele appellierte. Wenn wir in die alten Zeiten der Atlantis zurückschauen, so sehen wir, daß damals eine kräftige Wirkung auf die andere Seele ausgeübt wurde, sobald nur irgendein Bild, eine Empfindung in der Seele des Menschen aufstieg und er seinen Willen auf den anderen Menschen lenkte. Alle Einflüsse waren kräftig, und auch der Wille war kräftig, solchen Einfluß aufzunehmen. Davon sind heute nur noch Reste vorhanden.
[ 4 ] Yesterday we identified the point in time when a distinct sense of the “I” emerged. We said that the etheric body came into alignment with the physical body as the last third of the Atlantean era drew near. You can imagine that leadership was also quite different before that. Such communication from person to person, in which one appeals to the judgment of another, did not exist at all in Atlantean times. In those days of twilight clairvoyance, communication was based on a subconscious influence passing from one person to another. Above all, what we know today only from the last, often overlooked and misunderstood remnants of that era was still very much present back then: it was a form of suggestion, a subconscious influence passing from person to person, which appealed only minimally to the active participation of the other soul. When we look back to the ancient times of Atlantis, we see that back then a powerful effect was exerted on another soul as soon as any image or sensation arose in a person’s soul and they directed their will toward another person. All influences were powerful, and the will to receive such influences was also powerful. Today, only remnants of this remain.
[ 5 ] Denken Sie sich, ein Mensch von damals hätte sich an dem anderen vorüberbewegt und dabei bestimmte Bewegungen ausgeführt. Der andere, der da zugeschaut hätte, der hätte nur ein wenig schwächer zu sein brauchen, dann wäre die Wirkung gewesen, daß er alle Bewegungen hätte nachmachen, nachahmen wollen. Heute ist von dem nur zurückgeblieben wie ein altes Erbstück, daß, wenn der eine gähnt, der andere, der es sieht, auch Neigung zum Gähnen bekommt. Ein viel intimeres Band von Mensch zu Mensch war vorhanden. Das beruhte darauf, daß der Mensch in einer ganz anderen Atmosphäre lebte als heute. Heute leben wir nur dann in einer von Wasser durchdrungenen Luft, wenn es stark regnet. Damals war die Luft fortwährend mit dichten Wasserdämpfen erfüllt. Und der Mensch war in der ersten atlantischen Zeit von keiner dichteren Substanz als etwa der gewisser gallertartiger Tiere, die heute im Meere leben und die kaum von dem umliegenden Wasser zu unterscheiden sind. So war der Mensch und verdichtete sich erst allmählich. Aber wir wissen schon, daß immerhin dieser Mensch Einflüssen ausgesetzt war, nicht nur von den eigentlich leitenden höheren geistigen Wesenheiten, die entweder die Sonne bewohnten oder verteilt waren auf die verschiedenen Planeten unseres Sonnensystems, sondern auch von den luziferischen Geistern, die seinen astralischen Leib beeinflußten. Und wir haben auch charakterisiert, in welcher Richtung sich diese Einflüsse geltend machten. Wir haben aber auch gesagt, daß diejenigen, welche Führer des atlantischen Volkes sein sollten, diese luziferischen Einflüsse in ihrem eigenen astralischen Leib bekämpfen mußten. Weil der Mensch dazumal überhaupt noch im Bewußtsein geistig und hellseherisch war, nahm er auch alles wahr, was in ihm lebte an geistigen Einflüssen.
[ 5 ] Imagine that a person from back then had walked past another person while performing certain movements. The other person, who was watching, would have needed only to be a little weaker, and the result would have been that he would have wanted to copy and imitate all of those movements. Today, all that remains of this is something like an old heirloom: when one person yawns, the other who sees it also feels the urge to yawn. A much more intimate bond existed between people. This was because people lived in a completely different atmosphere than they do today. Today we live in air saturated with water only when it rains heavily. Back then, the air was constantly filled with dense water vapor. And in the early Atlantean period, human beings were no denser in substance than, say, certain gelatinous animals that live in the ocean today and are barely distinguishable from the surrounding water. That is what human beings were like, and they only gradually became more solid. But we already know that this human being was, after all, exposed to influences—not only from the actually guiding higher spiritual beings who either inhabited the Sun or were distributed among the various planets of our solar system, but also from the Luciferic spirits who influenced his astral body. And we have also described the nature of these influences. But we have also said that those who were to be the leaders of the Atlantean people had to combat these Luciferic influences within their own astral bodies. Because human beings at that time were still spiritually and clairvoyantly conscious, they also perceived all the spiritual influences that lived within them.
[ 6 ] Heute lacht ein Mensch, der nichts weiß von Geisteswissenschaft, wenn man ihm sagt: «In deinem astralischen Leib sitzen Wirkungen der luziferischen Geister.» Er weiß allerdings nicht, daß diese Wesenheiten einen viel stärkeren Einfluß auf ihn haben als dann, wenn er sie beachtet:
[ 6 ] Today, a person who knows nothing about spiritual science laughs when told, “The effects of the Luciferic spirits are at work in your astral body.” However, he does not realize that these beings have a much stronger influence on him than when he pays attention to them:
«Den Teufel spürt das Völkchen nie,
Und wenn er sie beim Kragen hätte.»
“The little folk never sense the devil,
even if he had them by the collar.”
[ 7 ] Das ist ein sehr tiefer Ausspruch im Goetheschen Faust. Und manche materialistischen Einflüsse würden heute nicht da sein, wenn die Menschen wüßten, daß die luziferischen Einflüsse noch nicht alle aus dem Menschen heraus sind.
[ 7 ] This is a very profound statement from Goethe’s Faust. And many materialistic influences would not exist today if people knew that the Luciferic influences have not yet all been driven out of human beings.
[ 8 ] Damals wurde bei den Führern und deren Schülern streng geachtet auf alles, was Leidenschaften, Triebe und Begierden von der Seite her erregte, die dem Menschen ein tiefergehenderes Interesse an seiner physisch-sinnlichen Umgebung beibrachte, als es für seine Fortentwickelung im Weltenall gut war. So mußte derjenige, welcher sich zum Führer entwickeln wollte, vor allen Dingen diese Selbsterkenntnis üben, scharf auf sich achtgeben, was alles von Luzifers Einfluß kommen konnte. Er mußte diese geistigen Wesenheiten des Luzifer in seinem eigenen astralischen Leibe scharf studieren. Dadurch konnte er sie sich vom Leibe halten. Dadurch sah er die anderen, die höheren, leitenden göttlichgeistigen Wesenheiten, vor allem diejenigen, die ihren eigenen Schauplatz von der Erde zur Sonne oder auf die anderen Planeten verlegt hatten. Und zwar sahen die Menschen, je nachdem sie diese oder jene Abstammung hatten, dieses oder jenes Gebiet. Es gab Menschenseelen, die, sagen wir, vom Mars heruntergekommen waren. Wenn diese sich der Entwickelung überließen, die luziferischen Einflüsse in ihrem eigenen astralischen Leibe bekämpften, dann wurden sie zu einem höheren Grade des Hellsehens, zu einem guten, reinen Hellsehen hinaufgeführt, und sie sahen die höheren geistigen Wesenheiten aus dem Reiche, aus dem sie selber heruntergestiegen waren, also die höheren geistigen Wesenheiten des Mars. Seelen, die aus dem Reiche des Saturn heruntergekommen waren, gelangten dahin, die Wesenheiten des Saturn zu sehen. Die Seelen, die von Jupiter oder Venus gekommen waren, schauten die Jupiter- oder Venuswesenheiten. Ein jeder Mensch sah sein entsprechendes Reich.
[ 8 ] At that time, the leaders and their students paid close attention to everything that aroused passions, instincts, and desires from a source that instilled in human beings a deeper interest in their physical and sensory surroundings than was beneficial for their further development in the universe. Thus, anyone who wished to develop into a leader had to, above all, practice this self-knowledge and keep a close watch on everything that might stem from Lucifer’s influence. He had to closely study these spiritual entities of Lucifer within his own astral body. In this way, he was able to keep them at bay. Through this, he saw the other, higher, guiding divine-spiritual beings—above all those who had shifted their own sphere of activity from Earth to the Sun or to the other planets. And indeed, depending on whether they had this or that lineage, human beings perceived this or that realm. There were human souls who, let us say, had come down from Mars. When these souls surrendered to the process of evolution and fought against the Luciferic influences within their own astral bodies, they were led to a higher degree of clairvoyance—a good, pure clairvoyance—and they saw the higher spiritual beings from the realm from which they themselves had descended, that is, the higher spiritual beings of Mars. Souls who had descended from the realm of Saturn came to see the beings of Saturn. The souls who had come from Jupiter or Venus beheld the beings of Jupiter or Venus. Every human being saw his or her corresponding realm.
[ 9 ] Die höchsten Wesenheiten aber unter den Menschen, diejenigen, die über die Mondenkrisis hinübergekommen waren, die konnten sich allmählich dazu vorbereiten, nicht nur die geistigen Wesen von Mars, Jupiter oder Venus zu sehen, sondern die geistigen Wesenheiten der Sonne selber, die hohen Sonnenwesen. Dadurch, daß die Wesen, welche eingeweiht wurden, von den verschiedenen Planeten heruntergestiegen waren, wurden ihnen wieder die Welten dieser Planeten in bezug auf ihre Geistigkeit sichtbar. Daher werden Sie es verstehen, daß es Institutionen oder Anstalten gab in der alten Atlantis, wo zum Beispiel die vom Mars Herstammenden aufgenommen wurden, wenn sie dazu reif waren, um die Marsgeheimnisse zu studieren. Andere Stätten gab es, wo die von der Venus Abstammenden die Geheimnisse der Venus kennenlernten. Wenn wir das mit einem späteren Wort «Orakel» nennen, dann haben wir auf der Atlantis ein Mars-Orakel, wo die Marsgeheimnisse erforscht wurden, ein Saturn-Orakel, ein Jupiter-Orakel, ein Venus-Orakel und so weiter. Das höchste war das Sonnen-Orakel. Und der Höchste der Eingeweihten war der höchste Eingeweihte des Sonnen-Orakels.
[ 9 ] But the highest beings among humankind—those who had emerged from the Lunar Crisis—were gradually able to prepare themselves not only to see the spiritual beings of Mars, Jupiter, or Venus, but also the spiritual beings of the Sun itself, the high solar beings. Because the beings who were initiated had descended from the various planets, the worlds of those planets once again became visible to them in terms of their spiritual nature. Therefore, you will understand that there were institutions or establishments in ancient Atlantis where, for example, those of Martian origin were admitted—once they were ready—to study the mysteries of Mars. There were other places where those of Venusian descent learned the mysteries of Venus. If we refer to this later as an “oracle,” then in Atlantis we had a Mars oracle where the mysteries of Mars were explored, a Saturn oracle, a Jupiter oracle, a Venus oracle, and so on. The highest was the Sun oracle. And the highest of the initiates was the highest initiate of the Sun oracle.
[ 10 ] Weil der Mensch suggestiver Einwirkung unterworfen war und Willenseinflüsse ausgeübt wurden, war auch der ganze Unterricht ein anderer. Versuchen wir es, uns eine Vorstellung davon zu machen, wie sich Lehrer und Schüler unterhielten. Nehmen wir an, es waren geistige Lehrer vorhanden, denen wie durch eine Gnade die Einweihung zuteil geworden war. Wie kamen die Späteren, die Schüler, zur Einweihung in der atlantischen Zeit?
[ 10 ] Because people were subject to suggestive influences and their wills were being influenced, the entire educational process was different as well. Let’s try to imagine how teachers and students interacted. Let us assume that there were spiritual teachers who, as if by grace, had received initiation. How did the later generations—the students—come to be initiated during the Atlantean era?
[ 11 ] Da müssen wir uns vorstellen, daß vor allen Dingen die schon Eingeweihten durch ihr ganzes Auftreten, durch ihr einfaches Dasein einen gewaltigen Einfluß ausübten auf diejenigen, die dazu prädestiniert waren, ihre Schüler zu werden. Es konnte kein atlantischer Eingeweihter sich zeigen, ohne daß diejenigen, welche Schüler werden sollten, sogleich in sich die Saiten ihrer Seele erklingen fühlten, die ihnen die Möglichkeit zu solcher Schülerschaft gaben. Es waren dem gegenständlichen, dem Tagesbewußtsein durchaus entzogene Einflüsse, die in der damaligen Zeit von Mensch zu Mensch gingen. Und jene Art von Unterricht, wie wir sie heute kennen, war damals nicht notwendig. Der ganze Umgang mit dem Lehrer, alles, was er tat, wirkte zusammen mit dem Nachahmungsvermögen der Menschen. Vieles ging unbewußt von dem Lehrer zum Schüler hinüber. Daher war es das Wichtigste, daß diejenigen, die reif waren durch ihre vorhergehenden Lebensverhältnisse, nur zunächst hineingeführt wurden in die Orakelstätten und in der Umgebung der Lehrer lebten. Und durch das Sehen dessen, was die Lehrer taten, und durch die Einwirkung der Gefühle und Empfindungen wurden sie vorbereitet - vorbereitet allerdings in einer langen, langen Zeit. Dann kam die Zeit, in welcher ein solcher bedeutsamer Zusammenklang war zwischen der Seele des Lehrers und der Seele des Schülers, daß alles, was der Lehrer in sich hatte an höheren Geheimnissen, sich übertrug auf den Schüler. So war es in den alten Zeiten. Wie war es nun, nachdem sich das Zusammenhalten von Ätherleib und physischem Leib gebildet hatte?
[ 11 ] We must imagine that, above all, those who were already initiated exerted a powerful influence—through their entire demeanor, through their very existence—on those who were predestined to become their disciples. No Atlantean initiate could reveal himself without those who were to become disciples immediately feeling the strings of their souls resonate within them, granting them the capacity for such discipleship. These were influences entirely beyond the realm of concrete, everyday consciousness, which passed from person to person in those days. And the kind of instruction we know today was not necessary back then. The entire interaction with the teacher—everything he did—worked in harmony with people’s capacity for imitation. Much was passed on unconsciously from the teacher to the student. Therefore, the most important thing was that those who were mature as a result of their previous life circumstances were initially merely introduced to the oracle sites and lived in the teachers’ vicinity. And by observing what the teachers did, and through the influence of feelings and sensations, they were prepared—prepared, however, over a long, long period of time. Then came the time when there was such a profound harmony between the soul of the teacher and the soul of the student that everything the teacher possessed within himself in terms of higher mysteries was transmitted to the student. That is how it was in ancient times. How was it, then, after the bond between the etheric body and the physical body had been established?
[ 12 ] Obwohl sich in der atlantischen Zeit der Ätherleib und physische Leib völlig zur Deckung gebracht hatten, war der Zusammenhalt zwischen Ätherleib und physischem Leib noch kein sehr starker, und es bedurfte nur einer Willensanstrengung von seiten des Lehrers, um wieder den Ätherleib in einer gewissen Weise herauszuholen. Es war. zwar nicht mehr möglich, wenn der richtige Zeitpunkt auch gekommen war, daß wie von selbst auf den Schüler überging, was in dem Lehrer war, aber der Lehrer konnte doch leicht den Ätherleib des Schülers herausheben, und dann konnte der Schüler dasselbe sehen, was der Lehrer sah. Es war also bei der leichten oder losen Verbindung des Ätherleibes mit dem physischen Leibe möglich, den Ätherleib des Schülers herauszuheben, und dann übertrug sich die Weisheit, die hellseherische Beobachtung des Meisters, auf den Schüler.
[ 12 ] Although during the Atlantean period the etheric body and the physical body had become completely aligned, the bond between the etheric body and the physical body was not yet very strong, and it took only a conscious effort on the part of the teacher to bring the etheric body forward again in a certain way. Although it was no longer possible—even when the right moment had come—for what was within the teacher to pass over to the student of its own accord, the teacher could still easily bring the student’s etheric body to the fore, and then the student could see the same things the teacher saw. Thus, when the etheric body was loosely connected to the physical body, it was possible to lift out the student’s etheric body, and then the master’s wisdom and clairvoyant perception were transferred to the student.
[ 13 ] Nun kam die große Katastrophe, die den atlantischen Kontinent hinwegfegte. Gewaltige Vorgänge im Luft- und Wassergebiete, gewaltige Erschütterungen der Erde bewirkten, daß nach und nach das ganze Antlitz der Erde sich änderte. Europa, Asien und Afrika, die nur zum kleinsten Teil Land waren, erhoben sich aus dem Wasser, ebenso Amerika. Atlantis verschwand. Es wanderten die Menschen nach Osten und Westen hinüber, und es entstanden die mannigfaltigsten Besiedelungen.
[ 13 ] Then came the great catastrophe that swept across the Atlantean continent. Massive upheavals in the atmosphere and oceans, along with violent tremors of the earth, caused the entire face of the earth to gradually change. Europe, Asia, and Africa—only a very small portion of which was land—rose out of the water, as did America. Atlantis disappeared. People migrated eastward and westward, and a wide variety of settlements sprang up.
[ 14 ] Nach dieser gewaltigen Katastrophe aber war die Menschheit wiederum fortgeschritten. Wieder war in dem Zusammenhang zwischen Ätherleib und physischem Leib eine Änderung eingetreten. Jetzt in der nachatlantischen Zeit war ein viel festerer Zusammenhalt zwischen Ätherleib und physischem Leib im Menschen. Es war jetzt nicht mehr möglich, durch einen Willensimpuls des Meisters den Ätherleib herauszuholen und jede Beobachtung zu übertragen. Daher mußte die Initiation, die zum Hineinschauen in die geistige Welt führte, eine andere Form annehmen, eine Form, die sich etwa in der folgenden Weise schildern läßt.
[ 14 ] After this immense catastrophe, however, humanity had once again made progress. Once more, a change had taken place in the relationship between the etheric body and the physical body. Now, in the post-Atlantean era, there was a much stronger bond between the etheric body and the physical body in human beings. It was no longer possible for the Master to extract the etheric body through an impulse of will and to transmit every observation. Therefore, the initiation that led to insight into the spiritual world had to take on a different form—a form that can be described roughly as follows.
[ 15 ] An die Stelle jenes Unterrichtes, der mehr auf dem unmittelbaren seelischen Einfluß von Lehrer zu Schüler beruhte, mußte nach und nach ein solcher Unterricht treten, der sich langsam dem annäherte, was wir heute darunter verstehen. Und je weiter die nachatlantische Zeit vorwärtsschritt, desto ähnlicher wurde er dem heutigen Unterricht. Wie es in der atlantischen Zeit die Orakel gab, so wurden jetzt von den großen Führern der Menschheit Institute eingerichtet, welche die Nachklänge enthielten der alten atlantischen Orakel. Mysterien, Einweihungsstätten entstanden in der nachatlantischen Zeit. Und wie die geeigneten Menschen in den atlantischen Zeiten in die Orakel aufgenommen wurden, so wurden sie jetzt in die Mysterien hineingenommen. Da mußten die Schüler, weil eben nicht mehr so wie früher auf sie gewirkt werden konnte, sorgfältig vorbereitet werden durch einen strengen Unterricht.
[ 15 ] The form of instruction that relied more on the direct spiritual influence from teacher to student gradually gave way to a form of instruction that slowly came to resemble what we understand by that term today. And the further the post-Atlantean era progressed, the more it came to resemble modern education. Just as there were oracles in the Atlantean era, so now the great leaders of humanity established institutions that contained echoes of the ancient Atlantean oracles. Mysteries and places of initiation arose in the post-Atlantean era. And just as suitable individuals were admitted to the oracles in Atlantean times, so were they now admitted into the mysteries. Since it was no longer possible to influence the students in the same way as before, they had to be carefully prepared through rigorous instruction.
[ 16 ] Wir finden deshalb durch lange Zeiten bei allen Kulturen solche Mysterien.ObSie in die Kultur zurückgehen, die wir als die erste nachatlantische kennen, die sich im alten Indien abspielte, oder ob Sie zu der Kultur des Zarathustra gehen oder zu der der Ägypter, der Chaldäer, überall werden Sie finden, daß die Schüler hineingenommen wurden in Mysterien, die ein Mittelding waren zwischen Kirche und Schule. Und dort wurden sie zuerst streng unterrichtet, damit sie denken und fühlen lernten nicht bloß in bezug auf das, was in der Sinnenwelt war, sondern was in der unsichtbaren, in der geistigen Welt vorging.
[ 16 ] We therefore find such mysteries across all cultures throughout the ages. Whether you look back to the culture we know as the first post-Atlantean one, which took place in ancient India, or whether you turn to the culture of Zarathustra or that of the Egyptians and the Chaldeans, everywhere you will find that students were initiated into mysteries that were a middle ground between church and school. And there they were first rigorously instructed so that they might learn to think and feel not merely in relation to what existed in the sensory world, but also to what took place in the invisible, spiritual world.
[ 17 ] Und das, was man lehrte, können wir heute genau bezeichnen: es ist zu einem großen Teil dasselbe, was wir heute als Anthroposophie kennenlernen. Das war der Gegenstand des Lernens in den Mysterien. Nur war es mehr angemessen den Sitten der damaligen Zeit und in strenger Weise geregelt, nicht so wie heute, wo in einer, wenigstens zum Teil, freien Art den Menschen, die in gewisser Beziehung dafür reif sind, die Geheimnisse der höheren Welten in verhältnismäßig rascher Weise mitgeteilt werden.
[ 17 ] And we can describe exactly what was taught back then: for the most part, it is the same thing we come to know today as anthroposophy. That was the subject of study in the mysteries. However, it was more in keeping with the customs of that time and strictly regulated, unlike today, when—in a manner that is, at least in part, free—the mysteries of the higher worlds are communicated relatively quickly to those who are, in a certain sense, ready for them.
[ 18 ] Damals wurde der Unterricht streng geregelt. Auf der ersten Stufe wurde zum Beispiel nur eine gewisse Summe von Erkenntnissen mitgeteilt, und alles andere verschwieg man vollständig. Erst wenn der Schüler das verarbeitet hatte, teilte man ihm mit, was einer höheren Stufe angehörte. Dadurch, daß der Schüler so vorbereitet wurde, erhielt er Begriffe, Ideen, Empfindungen und Gefühle in seinen astralischen Leib eingepflanzt, die sich auf die geistige Welt bezogen. Dadurch hatte er auch in einer gewissen Weise die Einflüsse Luzifers bekämpft. Denn alles, was mitgeteilt wird an geisteswissenschaftlichen Begriffen, bezieht sich auf die höheren Welten, nicht auf die Welt, für welche Luzifer ein Interesse bei den Menschen hervorrufen will, nicht auf die Sinnenwelt allein. Dann, nachdem der Schüler so vorbereitet worden war, kam die Zeit heran, wo er zum selbständigen Schauen geführt wurde. Er sollte selber hineinschauen in die geistige Welt. Dazu war notwendig, daß der Mensch alles das, was er in seinem astralischen Leib sich erarbeitet hatte, widerspiegeln konnte im ätherischen Leib. Denn nur dadurch gelangt der Mensch zum Schauen in die geistige Welt, daß er alles, was er in seinen astralischen Leib hineingearbeitet hat mit Lernen, durch ein gewisses Fühlen und Empfinden über das Gelernte so stark in sich erlebt, daß nicht nur sein astralischer Leib, sondern auch der dichtere ätherische Leib davon beeinflußt wird. Wenn der Schüler aufsteigen sollte vom Lernen zum Schauen, so mußte das, was man ihn gelehrt hatte, Wirkungen tragen. Deshalb schloß sich an das Lernen durch die indische, persische, ägyptische, griechische Zeit hindurch ein gewisser Schlußakt, der in folgendem bestand.
[ 18 ] At that time, instruction was strictly regulated. At the first level, for example, only a certain amount of knowledge was imparted, and everything else was kept completely hidden. Only after the student had processed this was he told what belonged to a higher level. By being prepared in this way, the student had concepts, ideas, sensations, and feelings implanted in his astral body that related to the spiritual world. In this way, he had also, in a certain sense, countered the influences of Lucifer. For everything that is communicated in terms of spiritual science refers to the higher worlds, not to the world in which Lucifer seeks to arouse interest among human beings, nor to the sensory world alone. Then, after the student had been prepared in this way, the time came when he was led to independent vision. He was to look into the spiritual world for himself. For this, it was necessary that the human being be able to reflect in the etheric body everything he had worked into his astral body. For it is only in this way that a person attains the ability to see into the spiritual world: by experiencing within themselves—through a certain feeling and sensibility regarding what they have learned—everything they have worked into their astral body so intensely that not only their astral body but also their denser etheric body is influenced by it. If the student was to ascend from learning to seeing, what had been taught to him had to bear fruit. Therefore, throughout the Indian, Persian, Egyptian, and Greek periods, learning was followed by a certain concluding act, which consisted of the following:
[ 19 ] Der Schüler wurde zunächst wiederum lange vorbereitet, nicht durch Lernen, sondern durch das, was man Meditation nennt, und durch andere Übungen, innere Geschlossenheit, innere Ruhe, innere Gelassenheit zu entwickeln. Er wurde dazu vorbereitet, seinen astralischen Leib ganz und gar zu einem Bürger in den geistigen Welten zu machen. Und in dem rechten Zeitpunkt wurde er dann, als Abschluß dieser Entwickelung, dreieinhalb Tage in einen todähnlichen Zustand gebracht. Während in den atlantischen Zeiten der Ätherleib noch so lose in dem physischen Leib war, daß er auf eine leichtere Art herausgehoben werden konnte, mußte jetzt der Mensch in einen todähnlichen Schlaf gebracht werden in den Mysterien, Er wurde während dieser Zeit entweder in einen sargähnlichen Kasten gelegt oder an eine Art Kreuz angeschnürt oder dergleichen. Und derjenige, den man als den Einweiher, den Hierophanten bezeichnet, hatte die Fähigkeit, auf den astralischen Leib und namentlich auf den Ätherleib zu wirken, denn der Ätherleib ging durch diese Prozedur während dieser Zeit heraus. Das ist etwas anderes als der Schlaf. Im Schlaf bleiben im Bette der physische Leib und der Ätherleib, draußen ist der astralische Leib und das Ich. Jetzt aber, im Schlußakt der Einweihung, bleibt liegen der physische Leib, und es wird, wenigstens für den größten Teil des physischen Leibes, der Ätherleib einfach herausgehoben - nur die unteren Partien bleiben, die oberen Partien werden herausgehoben - und der Betreffende ist dann in einem todähnlichen Zustand. Alles, was früher gelernt wurde durch Meditation und andere Übungen, das wurde jetzt in diesem Zustand hineingedrückt in den Ätherleib. In diesen dreieinhalb Tagen durchwandelte der Mensch wirklich die geistigen Welten, wo die höheren Wesenheiten sind. Und nach diesen dreieinhalb Tagen rief ihn derjenige, der ihn eingeweiht hatte, wiederum zurück, das heißt, er hatte die Macht, ihn wieder erwachen zu machen. Da brachte der Betreffende mit das Wissen der geistigen Welt. Jetzt konnte er hineinschauen in diese geistige Welt, und nun konnte er werden ein Verkünder der Tatsachen der geistigen Welt für seine Mitmenschen, die noch nicht die Reife hatten, um auch hineinzuschauen.
[ 19 ] The student was first prepared over a long period of time, not through study, but through what is called meditation and other exercises designed to develop inner composure, inner peace, and inner serenity. He was prepared to transform his astral body completely into a citizen of the spiritual worlds. And at the right moment, as the culmination of this development, he was then placed in a death-like state for three and a half days. Whereas in Atlantean times the etheric body was still so loosely attached to the physical body that it could be drawn out more easily, in the Mysteries the person now had to be placed in a death-like sleep. During this time, he was either placed in a coffin-like box or tied to a kind of cross or something similar. And the one referred to as the initiator, the hierophant, had the ability to act upon the astral body and, in particular, upon the etheric body, for the etheric body was drawn out through this procedure during that time. This is different from sleep. During sleep, the physical body and the etheric body remain in bed, while the astral body and the “I” are outside. Now, however, in the final act of initiation, the physical body remains lying down, and the etheric body is simply lifted out—at least for the greater part of the physical body—with only the lower parts remaining while the upper parts are lifted out—and the initiate is then in a death-like state. Everything that had previously been learned through meditation and other exercises was now imprinted into the etheric body in this state. During these three and a half days, the person truly journeyed through the spiritual worlds where the higher beings dwell. And after these three and a half days, the one who had initiated him called him back again—that is, he had the power to awaken him once more. The person in question then brought back with him the knowledge of the spiritual world. Now he could look into this spiritual world, and now he could become a messenger of the realities of the spiritual world to his fellow human beings, who were not yet mature enough to look into it themselves.
[ 20 ] Also die alten Lehrer in den vorchtistlichen Zeiten waren in die Tiefen der Mysteriengeheimnisse eingeweiht worden. Da waren sie in den dreieinhalb Tagen geführt worden von dem Hierophanten, und waren lebendige Zeugen dessen, daß es ein geistiges Leben gibt, und daß hinter der physischen Welt eine geistige Welt vorhanden ist, welcher der Mensch mit seinen höheren Gliedern angehört und in die er hineinwachsen soll.
[ 20 ] Thus, the ancient teachers in pre-Christian times had been initiated into the depths of the mysteries. There, over the course of three and a half days, they were guided by the hierophant and became living witnesses to the fact that a spiritual life exists and that, beyond the physical world, there is a spiritual world to which human beings belong through their higher faculties and into which they are meant to grow.
[ 21 ] Aber die Entwickelung ging weiter. Was ich Ihnen jetzt erzählt habe als eine Einweihung, das war am intensivsten noch vorhanden in der ersten Zeit nach der atlantischen Katastrophe. Immer mehr und mehr jedoch wurde das Band geschlossen zwischen Ätherleib und physischem Leib. Daher wurde diese Prozedur immer gefährlicher, denn die Menschen gewöhnten sich immer mehr und mehr an die physische Sinnenwelt mit dem ganzen Bewußtsein. Das ist ja der Sinn der Menschheitsentwickelung, daß sich die Menschen daran gewöhnten, mit all ihrer Neigung und Sympathie in dieser physischen Welt zu leben.-Es ist der große Fortschritt der Menschheit, daß die Menschen diese Liebe zur physischen Welt wirklich entwickelten.
[ 21 ] But evolution continued. What I have just described to you as an initiation was still most intensely present in the early period following the Atlantean catastrophe. However, the bond between the etheric body and the physical body grew ever stronger. Consequently, this process became increasingly dangerous, for people were becoming more and more accustomed to the physical sensory world with their entire consciousness. This, after all, is the purpose of human evolution: that people become accustomed to living in this physical world with all their inclinations and sympathies. It is humanity’s great progress that people have truly developed this love for the physical world.
[ 22 ] In der ersten Zeit der nachatlantischen Kultur war noch ein lebendiges Gedächtnis davon vorhanden, daß es eine geistige Welt gibt. Die Menschen sagten sich: Wir als die Spätgeborenen können noch hineinschauen in die geistige Welt unserer Vorfahren. — Sie hatten noch ihr dumpfes, dämmerhaftes Bewußtsein. Sie wußten, wo die Wahrheit der Welt ist, wo ihre Heimat ist. Was um uns herum ist im Tagesbewußtsein, sagten sie, das ist wie ein Schleier, der sich über die Wahrheit hinüberlegt, das verdeckt uns die geistige Welt, das ist Maja oder Illusion. — Man gewöhnte sich nicht gleich an das, was man jetzt sehen konnte. Man konnte nicht leicht begreifen, daß man das Bewußtsein für die alte geistige Welt verlieren sollte. Das ist das Charakteristikum der ersten nachatlantischen Kultur. Daher war es auch am leichtesten, die Menschen in das Geistige hineinzuführen, denn sie hatten noch einen lebhaften Hang zur geistigen Welt. Natürlich konnte es nicht so bleiben, denn die Erdenmission besteht darin, daß die Menschen die Kräfte der Erde liebgewinnen und den physischen Plan erobern.
[ 22 ] In the early days of post-Atlantean culture, there was still a living memory of the existence of a spiritual world. People said to one another: “We, as those born later, can still glimpse into the spiritual world of our ancestors.” — They still possessed a dim, twilight-like awareness. They knew where the truth of the world lay, where their true home was. What surrounds us in our everyday consciousness, they said, is like a veil cast over the truth; it conceals the spiritual world from us—it is maya, or illusion. — People did not immediately get used to what they could now see. It was not easy to grasp that they were to lose their awareness of the old spiritual world. This is the defining characteristic of the first post-Atlantean culture. That is why it was also easiest to introduce people to the spiritual realm, for they still had a lively inclination toward the spiritual world. Of course, it could not remain that way, for the mission of Earth consists in people growing to love the forces of the Earth and conquering the physical plane.
[ 23 ] Wenn Sie in das alte Indien blicken könnten, würden Sie eine Höhe des Geisteslebens finden, die ungeheuer ist. Was die ersten alten Lehrer den Menschen verkünden konnten, dem Menschen der heutigen Zeit zum Verständnis zu bringen, ist ja nur möglich, wenn der Mensch durch ein Studium der Geisteswissenschaft hindurchgegangen ist. Für jeden anderen ist die Lehre der großen heiligen Rischis Unsinn, Narretei, denn er kann sich gar nicht denken, daß irgendein Sinn in dem ist, was man ihm da sagt über die Geheimnisse der geistigen Welt. Er hat von seinem Standpunkt aus selbstverständlich recht, denn ein jeder hat von seinem Standpunkte aus immer recht.
[ 23 ] If you could look into ancient India, you would find a spiritual life of immense depth. Making what the first ancient teachers were able to reveal to humanity understandable to people of today is only possible if one has undergone a study of spiritual science. For everyone else, the teachings of the great holy rishis are nonsense, folly, for they cannot even conceive that there is any meaning in what is being told to them about the mysteries of the spiritual world. From their point of view, they are of course right, for everyone is always right from their own point of view.
[ 24 ] Die geistige Anschauung war eine ungeheure, aber die Handhabung der einfachsten Geräte war damals nicht vorhanden. In der primitivsten Weise versorgte man sich. Irgendeine Naturwissenschaft oder das, was man heute so nennt, gab es nicht. Denn in allem, was man auf dem physischen Plan schen konnte, erblickte man Maja, die große Täuschung, und allein in der Erhebung zu dem großen Sonnenwesen oder zu ähnlichen Wesenheiten fand man das Wirkliche und das Wahre. Dabei aber konnte es nicht bleiben. Die Menschen mußten nach und nach lernen, diese Erde zu lieben. Es mußte unter den nachatlantischen Menschen auch solche geben, die den Willen hatten, das irdische Reich zu erobern. Der Anfang damit wurde gemacht in der Zeit des Zarathustra. Da ist ein gewaltiger Schritt nach vorwätts, wenn wir den Übergang finden von dem alten Inder zu dem uralten Perser. Für Zarathustra war die äußere Welt nicht mehr nur Maja oder Illusion. Er zeigte den Menschen, daß das, was physisch um uns herum ist, einen Wert hat, daß aber dahinter eben das Geistige steht. Während für die Anschauung des alten Inders die Blume Maja war und er auf den Geist hinter der Blume ging, sagte Zarathustra: Das ist etwas, was man schätzen muß, denn das istein Glied im gesamten Geist des Alls. Es wächst das Materielle aus dem Geistigen heraus. — Und darauf haben wir ja schon aufmerksam gemacht, daß Zarathustra darauf hinwies, daß die physische Sonne derSchauplatz geistiger Wesenheiten ist. Aber die Einweihung war schwierig. Und für diejenigen, welche nicht nur von den Eingeweihten hören wollten, daß es eine geistige Welt gibt, die selber hineinschauen wollten in die große Sonnen-Aura, für die bedurfte es schärferer Einweihungsmaßregeln.
[ 24 ] Their spiritual insight was immense, but at that time they lacked the ability to use even the simplest tools. They provided for themselves in the most primitive way. There was no such thing as natural science—or what we call that today. For in everything that could be perceived on the physical plane, they saw Maya, the great illusion, and only in the elevation toward the great Solar Being or similar entities did they find what was real and true. But it could not remain that way. People had to gradually learn to love this Earth. Among the post-Atlantean peoples, there also had to be those who possessed the will to conquer the earthly realm. The first steps toward this were taken in the time of Zarathustra. A tremendous step forward is evident when we observe the transition from the ancient Indian to the ancient Persian. For Zarathustra, the outer world was no longer merely Maya or illusion. He showed people that what physically surrounds us has value, but that the spiritual lies behind it. Whereas, in the view of the ancient Indian, the flower was Maya and he sought the spirit behind the flower, Zarathustra said: This is something to be cherished, for it is a link in the total spirit of the universe. The material grows out of the spiritual. — And we have already pointed out that Zarathustra indicated that the physical sun is the stage for spiritual beings. But initiation was difficult. And for those who did not merely want to hear from the initiates that there is a spiritual world, but who wanted to look into the great solar aura themselves—for them, stricter initiation measures were required.
[ 25 ] Das ganze Menschenleben änderte sich auch nach und nach. Und in der nächsten Zeit, der ägyptisch-chaldäischen Kultur, eroberten sich die Menschen noch mehr die physische Welt. Da ist der Mensch nicht mehr bloß auf eine rein geistige Wissenschaft aus, die das, was hinter dem Physischen liegt, erforscht. Er sieht den Lauf der Sterne an und sucht zu erkennen in den Stellungen und Bewegungen der Sterne, in dem äußerlich Sichtbaren, eine Schrift der göttlich-geistigen Wesenheiten. Er erkennt den Willen der Götter in den Schriftzügen, die von Sinnesding zu Sinnesding geführt werden. So studiert er die Dinge in ihren Verhältnissen. In Ägypten sehen wir eine Geometrie erstehen, die auf die äußeren Dinge angewendet wird. So erobert sich der Mensch die äußere Welt.
[ 25 ] Human life as a whole also changed little by little. And in the period that followed—the Egyptian-Chaldean culture—people came to master the physical world even more. Here, human beings are no longer concerned solely with a purely spiritual science that explores what lies beyond the physical. They observe the course of the stars and seek to discern, in the positions and movements of the stars—in what is outwardly visible—a script of the divine-spiritual beings. They recognize the will of the gods in the lines of writing that lead from one sensory object to another. In this way, he studies things in their relationships to one another. In Egypt, we see the emergence of a geometry that is applied to external things. Thus, humankind conquers the external world.
[ 26 ] Der Grieche ist dann noch mehr darin fortgeschritten. Da sehen wir, wie jene Ehe zustande kommt zwischen dem, was die Seele erlebt, und der äußeren Materie. Wenn die Pallas Athene oder der Zeus vor uns stehen, so ist da dem Stoff mitgeteilt, was zuerst in der Menschenseele gelebt hat. Da ist gleichsam aus dem Menschen heraus das, was er sich erobert hat, in die Sinnenwelt hineingeflossen.
[ 26 ] The Greeks took this even further. There we see how that union comes about between what the soul experiences and external matter. When Pallas Athena or Zeus stand before us, what was first lived in the human soul has been imparted to the material form. What the human being has attained has, as it were, flowed out of him and into the sensory world.
[ 27 ] Aber so wie der Mensch immer mächtiger und mächtiger in der Sinneswelt wurde und sie mit seiner Seele immer lieber gewann, so wurde er auch in der Zeit zwischen dem Tood und der neuen Geburt der geistigen Welt immer mehr entfremdet. Wenn die Seele aus einem alten indischen Leibe herausging und in die geistige Welt hineintrat, um da die Entwickelung durchzumachen bis zur neuen Geburt, da war das Geistige für sie noch lebendig. Denn während des ganzen Lebens sehnte sich der Mensch hinauf zu einer geistigen Welt, und alle seine Empfindungen waren befeuert von dem, was er hörte an Verkündigungen über das Leben in den geistigen Welten, wenn er auch selbst kein Eingeweihter war. Daher lag sozusagen, wenn er durch die Pforte des Todes kam, die geistige Welt offen vor ihm da, - licht und hell wurde es vor ihm. Aber in dem Maße, als der Mensch Sympathie gewann für die physische Weit, als er geschickter wurde für die physische Welt, in demselben Maße verdunkelte sich für ihn die Zeitzwischen Tod und neuer Geburt. Und in der ägyptischen Zeit ist das schon so weit gediehen, daß wir mit dem hellseherischen Bewußtsein feststellen können, daß es für die Seele dunkel und düster wird, wenn sie aus dem Leibe in die geistige Welt heraustritt, daß sich die Seele einsam fühlt und wie abgeschlossen von den anderen Seelen; und wie ein frostiges Gefühl empfindet es die Seele, wenn sie sich einsam fühlt und nicht eine Verständigung mit der anderen Seele findet. Und während die Griechen in einer Zeit lebten, wo die Menschen dutch eine so herrliche äußere Schönheit in der Kultur die Erde zu etwas ganz Besonderem gemacht hatten, war es für die Seelen am finstersten, am düstersten und am frostigsten in der Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Und es ist keine Legende, sondern es entspricht der Wirklichkeit, daß der vornehme Grieche, wenn er gefragt wurde über den Aufenthalt in der Unterwelt, zur Antwort gab: Lieber ein Bettler sein in der Oberwelt als ein König im Reiche der Schatten!
[ 27 ] But just as human beings became more and more powerful in the sensory world and grew ever more attached to it with their souls, so too did they become increasingly estranged from the spiritual world in the time between death and rebirth. When the soul left an old Indian body and entered the spiritual world to undergo its development there until its new birth, the spiritual realm was still alive for it. For throughout his entire life, man yearned upward toward a spiritual world, and all his feelings were stirred by what he heard in the teachings about life in the spiritual worlds, even if he himself was not an initiate. Therefore, so to speak, when he passed through the gate of death, the spiritual world lay open before him—it became light and bright before him. But to the extent that human beings developed an affinity for the physical world, as they became more adept at navigating it, to that same extent the time between death and rebirth grew darker for them. And in Egyptian times, this had already progressed so far that we can observe through clairvoyant consciousness that it becomes dark and gloomy for the soul when it steps out of the body into the spiritual world, that the soul feels lonely and as if cut off from the other souls; and the soul experiences a frosty sensation when it feels lonely and cannot find common ground with other souls. And while the Greeks lived in an era when human beings, through such magnificent outward beauty in their culture, had made the earth something truly special, it was during the time between death and rebirth that things were darkest, gloomiest, and coldest for the souls. And it is no legend, but corresponds to reality, that when asked about his stay in the underworld, the noble Greek replied: “Better to be a beggar in the upper world than a king in the realm of shadows!”
[ 28 ] So können wir sagen, daß die Menschen mit der zunehmenden Kultur immer mehr und mehr der geistigen Welt entfremdet wurden. Die Eingeweihten, die in die höheren Gebiete der geistigen Welt hinaufsahen, wurden immer seltener, denn die Prozedur der Einweihung wurde immer gefährlicher. Immer schwieriger wurde es, dreieinhalb Tage in einem todähnlichen Zustand zuzubringen und den Ätherleib sich trennen zu lassen, ohne daß der Tod eintrat.
[ 28 ] Thus we can say that, as civilization advanced, people became increasingly estranged from the spiritual world. The initiates who looked up into the higher realms of the spiritual world became ever rarer, for the process of initiation grew ever more dangerous. It became increasingly difficult to spend three and a half days in a death-like state and allow the etheric body to separate without death occurring.
[ 29 ] Nun trat für das ganze menschliche Leben eine Erneuerung ein durch jenen Impuls, von dem wir schon in den letzten Tagen gesprochen haben: durch den Christus-Impuls. Wir haben ja schon charakterisiert, daß der Christus, der hohe Sonnengeist, sich allmählich der Erde genähert hat. Wir haben gesehen, wie er zu Zarathustras Zeiten noch in der Sonne als «Ahura Mazdao» gesucht werden mußte, und wie ihn Moses bereits im brennenden Dornbusch und im Feuer auf Sinai sehen konnte. Er trat allmählich in die Erdensphäre ein, die da anders werden sollte. Zunächst war es diesem Geist darum zu tun, daß die Menschen ihn erkennen lernten hier auf dieser Erde.
[ 29 ] Now a renewal came about for the whole of human life through that impulse of which we have already spoken in recent days: through the Christ impulse. We have already described how Christ, the high Sun Spirit, gradually drew nearer to the Earth. We have seen how, in the time of Zarathustra, he still had to be sought in the sun as “Ahura Mazdao,” and how Moses was already able to see him in the burning bush and in the fire on Mount Sinai. He gradually entered the earthly sphere, which was to be transformed. At first, this Spirit was concerned with ensuring that human beings would come to recognize him here on Earth.
[ 30 ] Was war denn im Grunde verbunden mit allen alten Einweihungen? Daß der Ätherleib herausgeholt werden mußte aus dem physischen Leib. Und selbst bei den nachatlantischen Einweihungen mußte der Mensch in einen todähnlichen Schlafzustand gebracht werden, das heißt, für das physische Bewußtsein bewußtlos sein. Dadurch kam der Mensch in die Herrschaft eines anderen Ich. Das war immer damit verbunden. Er war mit seinem Ich ganz und gar unter der Herrschaft dessen, der sein Initiator, sein Einweiher war. Da verließ er seinen physischen Leib ganz, er bewohnte ihn nicht und übte keinen Einfluß von seinem Ich auf seinen physischen Leib aus.
[ 30 ] What, then, was essentially involved in all the ancient initiations? That the etheric body had to be separated from the physical body. And even in the post-Atlantean initiations, the person had to be brought into a death-like state of sleep—that is, to be unconscious to physical consciousness. Through this, the person came under the dominion of another “I.” This was always part of the process. With his “I,” he was entirely under the dominion of the one who was his initiator, his initiator. In that state, he left his physical body entirely; he did not inhabit it and exerted no influence from his “I” upon his physical body.
[ 31 ] Das aber ist das große Ziel des Christus-Impulses, daß der Mensch eine Ich-Entwickelung durchmachen muß, die ganz und gar in sich selber bleibt, wo er nicht, um in die höheren Welten zu kommen, unterzutauchen braucht in einen niedrigeren Zustand, als das Ich ihn hat. Dazu war notwendig, daß zunächst Einer sich hergab zum Opfer, um den Christus-Geist selbst in einem menschlichen Leib aufzunehmen. Darauf haben wir auch schon hingedeutet, daß ein Eingeweihter, der sich durch viele, viele Inkarnationen dazu reif gemacht hatte, fähig geworden ist, von einem bestimmten Zeitpunkte seines Lebens an sein eigenes Ich aus sich heraus zu entfernen und den Christus-Geist in sich aufzunehmen. Das ist im Johannes-Evangelium angedeutet in der JohannesTaufe am Jordan. Was hatte nun diese Taufe eigentlich zu bedeuten?
[ 31 ] But this is the great goal of the Christ impulse: that human beings must undergo a development of the “I” that remains entirely within themselves, so that they do not need to descend into a state lower than that of the “I” in order to enter the higher worlds. For this to happen, it was necessary that, first of all, One offer Himself as a sacrifice in order to receive the Christ Spirit Himself into a human body. We have already pointed out that an initiate, having matured through many, many incarnations, became capable, from a certain point in his life onward, of removing his own “I” from within himself and receiving the Christ Spirit into himself. This is alluded to in the Gospel of John in the baptism of John at the Jordan. What, then, did this baptism actually signify?
[ 32 ] Wir wissen, daß diese Taufe von dem Vorläufer, dem Vorverkündiger des Christus Jesus, von dem Täufer Johannes ausgeübt worden ist an denen, die er darauf vorbereitet hat, den Christus in der entsprechenden Weise zu empfangen. Nur wenn wir bedenken, daß Johannes deshalb taufte, um auf den Christus in der entsprechenden Weise vorzubereiten, nur dann werden wir verstehen, was über die Johannes-Taufe im Johannes-Evangelium steht. Wenn Sie sich eine heutige Taufe vorstellen, die nur eine Imitation des ursprünglichen Symbols ist, dann werden Sie nicht zu einem Verständnis kommen. So einfach, daß man den Menschen nur mit Wasser besprengte, war sie nicht, sondern sie bestand darin, daß der Betreffende vollständig untergetaucht worden ist unter das Wasser, daß er eine Zeit - lang oder kurz - unter dem Wasser gelebt hat. Was das bedeutet, wollen wir uns einmal aus dem Mysterium der menschlichen Wesenheit heraus klarmachen.
[ 32 ] We know that this baptism was administered by the Forerunner, the herald of Christ Jesus—John the Baptist—to those whom he had prepared to receive Christ in the proper manner. Only when we consider that John baptized in order to prepare people to receive Christ in the proper way will we understand what the Gospel of John says about John’s baptism. If you imagine a modern baptism that is merely an imitation of the original symbol, you will not come to an understanding. It was not as simple as merely sprinkling water on a person; rather, it consisted of the person being completely immersed in the water, so that he lived under the water for a time—whether long or short. Let us try to clarify what this means by looking at the mystery of the human being.
[ 33 ] Denken Sie einmal daran zurück, daß der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und dem Ich. Beim tagwachenden Zustand hat der Mensch diese vier Glieder fest ineinander gefügt. Im Schlafe liegen im Bett der physische Leib und der Ätherleib, und draußen ist der astralische Leib und das Ich. Im Tode ist es so, daß der physische Leib zurückbleibt als Leichnam, daß der Ätherleib heraustritt und daß dann eine kurze Zeit vereinigt sind Ich, astralischer Leib und Ätherleib. Und für die, welche auch nur einige von meinen Vorträgen gehört haben, ist es auch schon klar, daß in diesem Moment zunächst ein ganz bestimmtes Erlebnis auftritt: der Mensch hat sein vorhergehendes Leben wie ein großartiges Tableau vor sich; wie räumlich nebeneinander stehen die ganzen Lebensverhältnisse um den Menschen herum. Der Ätherleib ist nämlich auch der Träger des Gedächtnisses, und während des Lebens hindert ihn nur der physische Leib daran, daß er alles das auch vor sich hat. Nach dem Tode ist der physische Leib abgelegt; da kann alles ins Bewußtsein treten, was der Mensch in seinem letzten Leben erlebt hat. Nun habe ich auch schon erwähnt, daß eine solche Rückschau auf das Leben auch eintritt, wenn der Mensch in irgendeiner Todesgefahr ist oder sonst irgendein gewaltiger Schreck, ein Schock, auf ihn ausgeübt wird. Sie wissen es ja schon aus Erzählungen, daß der Mensch, wenn er dem Ertrinken oder einem Bergabsturz nahe ist und er das Bewußtsein nicht verliert, wie in einem großen Tableau sein ganzes bisheriges Leben erlebt. Was der Mensch so dutch eine Gefahr erlebt, wenn er zum Beispiel dem Ertrinken nahe ist, das erlebte bei der Johannes-Taufe fast ein jeder. Darin bestand die Taufe, daß der Mensch so lange im Wasser blieb, daß er sein bisheriges Leben erlebte. Aber was er so erlebte, war ja als geistiges Bild erlebt. Und da stellte sich heraus, daß in diesem abnormen Zustand dasjenige, was der Geist erlebte, sich gewissermaßen anschloß an die übrige geistige Welt; und derjenige, der wieder herausgezogen wurde nach der Johannes-Taufe, er wußte: Es gibt eine geistige Welt! In Wahrheit ist das, was ich in mir habe, etwas, was ohne den Körper bestehen kann. — Davon war der Mensch nach der Taufe überzeugt, daß es eine Welt gibt, der er angehört seinem Geiste nach. Was also hatte Johannes der Täufer durch dieses Taufen bewirkt?
[ 33 ] Think back to the fact that a human being consists of a physical body, an etheric body, an astral body, and the “I.” In the waking state, these four components are firmly united within the human being. During sleep, the physical body and the etheric body lie in bed, while the astral body and the “I” are outside. At death, the physical body remains behind as a corpse, the etheric body departs, and for a brief time the “I,” the astral body, and the etheric body are united. And for those who have heard even just a few of my lectures, it is already clear that at this moment a very specific experience occurs: the human being has his or her previous life spread out before them like a magnificent tableau; all the circumstances of life stand spatially side by side around the person. For the etheric body is also the bearer of memory, and during life it is only the physical body that prevents it from having all of this before it as well. After death, the physical body is shed; then everything the person experienced in their last life can enter their consciousness. Now, I have also already mentioned that such a review of one’s life occurs when a person is in any kind of mortal danger or is subjected to some other tremendous fright or shock. You already know from stories that when a person is close to drowning or falling down a mountain—and does not lose consciousness—they experience their entire life up to that point as if in a grand tableau. What a person experiences in such a dangerous situation—for example, when on the verge of drowning—is what almost everyone experienced during the baptism of John. The baptism consisted of the person remaining in the water long enough to relive their entire life up to that point. But what they experienced in this way was, of course, experienced as a spiritual image. And it turned out that in this abnormal state, what the spirit experienced connected, so to speak, with the rest of the spiritual world; and those who were pulled out again after John’s baptism knew: There is a spiritual world! In truth, what I have within me is something that can exist without the body. — After the baptism, the person was convinced that there is a world to which he belongs in spirit. So what had John the Baptist accomplished through this baptism?
[ 34 ] Die Menschen waren dahin gelangt, immer mehr und mehr die physische Welt liebzugewinnen, immer mehr und mehr sich in der physischen Welt zusammenzufinden, immer mehr und mehr den Glauben zu haben, daß das Physische das eigentlich Wirkliche ist. Die aber, welche zu dem Täufer kamen, erlebten ihr eigenes Leben als ein geistiges. Wenn sie getauft waren, wußten sie: Ich bin noch etwas anderes, als was ich durch meinen physischen Leib bin. Der Sinn der Menschen hatte sich allmählich so herausgebildet, daß er hingelenkt wurde auf die physische Welt. Johannes hatte in seinen Täuflingen das Bewußtsein hervorgerufen: Es gibt eine geistige Welt, ich gehöre mit einem höheren Teile meiner selbst dieser geistigen Welt an. Daher brauchen Sie seine Rede bloß in andere Worte zu kleiden, und Sie haben: Ändert den Sinn, der auf die physische Welt gerichtet ist! Sie änderten den Sinn, wenn sie die Taufe wirklich richtig empfingen. Dann wußten sie: Ich habe ein Geistiges in mir; mein Ich gehört der geistigen Welt an. Der Mensch hatte diese Überzeugung gewonnen im physischen Leibe drinnen. Es war ja nicht eine besondere Prozedur eingetreten wie in der Einweihung. Er hatte das im physischen Leibe erlebt. Und durch die Art und Weise, wie die ganze Lehre, die dazumal seit der Verkündigung des Moses bestanden hatte, aufgenommen wurde und sich mit der Seele vereinigte, bekam das ganze Erlebnis der Johannes-Taufe noch einen besonderen Sinn.
[ 34 ] People had come to grow more and more attached to the physical world, to find themselves increasingly drawn to it, and to believe more and more that the physical is what is truly real. But those who came to John the Baptist experienced their own lives as spiritual. Once they were baptized, they knew: I am something more than what I am through my physical body. People’s consciousness had gradually developed in such a way that it was directed toward the physical world. John had awakened in those he baptized the awareness: There is a spiritual world; with a higher part of myself, I belong to this spiritual world. Therefore, you need only rephrase his words, and you have: Change the mindset that is directed toward the physical world! They changed their mindset when they truly received baptism in the right way. Then they knew: I have a spiritual aspect within me; my “I” belongs to the spiritual world. The human being had gained this conviction while still within the physical body. After all, no special procedure had taken place, as in an initiation. They had experienced this while still in the physical body. And through the way in which the entire teaching—which had existed since the time of Moses—was received and united with the soul, the entire experience of John’s baptism took on a special meaning.
[ 35 ] Der Mensch hatte nach der Taufe nicht nur das Bewußtsein: Ich bin mit der geistigen Welt eins —- sondern er erkannte auch, welche geistige Welt heranzieht zur Erde. Ein solcher Mensch wußte: Was sich dem Moses verkündet hatte als «ehjeh asher chjeh» in dem brennenden Dornbusch und in dem Feuer auf Sinai, das durchzieht die Erde, und mit dem Worte Jahve oder Jehova, oder «ehjeh asher ehjeh » oder «Ich bin der Ich-bin » wird diese geistige Welt in der richtigen Weise ausgesprochen. — Der Mensch wußte also durch die Johannes-Taufe nicht nur, daß er Eins ist mit der geistigen Welt, sondern er wußte auch: In dieser geistigen Welt lebt das Ich-bin, aus dem ich dem Geiste nach herausgeboren bin. — So hatte der Johannes durch die Taufe seine Täuflinge vorbereitet. Dieses Gefühl, diese Empfindung hatte er in ihnen erweckt. Es konnten natürlich nur wenige sein. Die meisten waren ja unreif, beim Untertauchen das zu erleben. Aber einige erkannten, daß der Geist heranrückt, der später der Christus genannt worden ist.
[ 35 ] After baptism, the human being not only had the awareness: “I am one with the spiritual world”—but also recognized which spiritual world is drawing near to Earth. Such a person knew: What had been revealed to Moses as “ehjeh asher chjeh” in the burning bush and in the fire on Sinai permeates the Earth, and this spiritual world is correctly expressed by the words Yahweh or Jehovah, or “ehjeh asher ehjeh” or “I am who I am.” — Through John’s baptism, then, a person knew not only that he was one with the spiritual world, but he also knew: In this spiritual world lives the “I Am,” from whom I was born spiritually. — Thus, through baptism, John had prepared those he baptized. He had awakened this feeling, this sense, within them. Of course, there could only be a few. Most were, after all, too immature to experience this at the moment of immersion. But some recognized that the Spirit was drawing near, the One who was later called the Christ.
[ 36 ] Nun versuchen Sie das, was wir heute gesagt haben, mit dem Gestrigen zu vergleichen. Was die alten geistigen Wesen bewirkt hatten, war eine auf Blutsbande, auf physische Gemeinschaft begründete Liebe. Aber die luziferischen Geister haben jeden auf seine eigene Persönlichkeit, auf seine eigene Individualität stellen wollen. Luzifer und die hohen geistigen Wesen hatten zusammengewirkt. Allmählich hatten sich die alten Blutsbande gelockert. Das können Sie selbst historisch verfolgen. Schauen Sie das Völkergemisch an in dem großen Römischen Reich. Das war dadurch bewirkt worden, daß die alten Blutsbande gelockert waren und jeder mehr oder weniger auf dem festen Punkt seiner Persönlichkeit stehen wollte. Aber daher hatten sie auch den Zusammenhang mit der geistigen Welt verloren, waren zusammengewachsen mit der physischen Welt, hatten Liebe gewonnen für den physischen Plan. In dem Maße, als das Ich-Bewußtsein durch Luzifer zugenommen hatte, war der Mensch zusammengewachsen mit der physischen Welt, hatte sich verödet sein Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt. Jetzt hatte schon der Täufer etwas Großes und Bedeutsames für den Menschen vorbereitet. Er hatte vorbereitet, daß der Mensch in seiner Persönlichkeit bleiben konnte, und daß er innerhalb seiner Persönlichkeit durch das Untertauchen unter das Wasser das gleiche finden konnte, was er einstmals als «Götter» erlebt hatte, damals, als er selbst noch im Wasser lebte, als Wasserdünste und Wassernebel die Atmosphäre durchdrangen. Dieses Erlebnis in den göttlichen Welten war jetzt wiederholt worden. Der Mensch war, trotzdem er ein Ich war, dazu vorbereitet worden, wieder als Mensch zum Menschen geführt zu werden, wiederum in die jetzt vergeistigte Liebe hineingeführt zu werden.
[ 36 ] Now try to compare what we have said today with what we discussed yesterday. What the ancient spiritual beings had brought about was a love based on blood ties and physical communion. But the Luciferic spirits wanted to make each person independent, based on their own personality and individuality. Lucifer and the high spiritual beings had worked together. Gradually, the ancient blood ties had loosened. You can trace this yourself through history. Look at the mix of peoples in the great Roman Empire. This was brought about by the fact that the ancient blood ties had loosened and everyone wanted, to a greater or lesser extent, to stand firmly on the ground of their own personality. But as a result, they had also lost their connection to the spiritual world; they had become intertwined with the physical world and had developed an affinity for the physical plane. To the extent that self-consciousness had increased through Lucifer, human beings had become intertwined with the physical world, and their lives had become barren between death and rebirth. Now John the Baptist had already prepared something great and significant for humankind. He had made it possible for human beings to remain within their own personalities, and—by immersing themselves in water—to find within their personalities the very same experience they had once known as “gods,” back when they themselves still lived in water, when water vapors and mists permeated the atmosphere. This experience in the divine worlds had now been repeated. Humanity, despite being an “I,” had been prepared to be led back to humanity as human beings, to be guided once more into the love that had now become spiritual.
[ 37 ] Damit haben Sie von einer anderen Seite her den Nerv des ChristusEreignisses charakterisiert. Der Christus stellt dar das Herabkommen der geistigen Liebeskraft in unsere Erde, die heute erst im Anfange ihres Wirkens steht. Wenn wir diesen Gedanken weiter verfolgen werden an der Hand des Johannes- und des Lukas-Evangeliums, dann werden wir sehen, wie gerade der Nerv des Christus-Impulses die geistige Liebe ist, wie dadurch die Iche, die getrennt worden sind, immer mehr und mehr zusammengeführt werden, aber in bezug auf das Innerste ihrer Seelen. Die Menschen haben von Anfang an nur ahnen können, was der Christus für die Welt geworden ist. Und heute ist noch wenig, wenig davon verwirklicht, denn das Sondernde, die Nachwirkung der luziferischen Gewalten, ist noch immer da, und das Christus-Prinzip hat erst kurze Zeit gewirkt. Und wenn man auch heute auf gewissen äußeren Gebieten des Lebens ein Zusammengehen sucht, für die intimsten, für die wichtigsten Dinge ahnen die Menschen noch gar nicht einmal — höchstens mit dem Gedanken, mit dem Intellekt, und das ist das wenigste —, was Harmonie und Zusammenklingen der Seelen ist. Es ist wirklich so, daß das Christentum erst im Anfange des Wirkens ist. Es wird immer weiter in die Seelen hineindringen und das Ich immer mehr und mehr veredeln. Gerade die, welche heute noch jüngere Nationen sind, merken dies. Sie merken, daß sie sich anschließen müssen an die Christus-Kraft, daß sie sich durchdringen müssen mit der Christus-Kraft, wenn sie weiter kommen wollen.
[ 37 ] In this way, you have characterized the essence of the Christ event from another perspective. Christ represents the descent of the spiritual power of love onto our Earth, a power that is only now beginning to take effect. If we pursue this thought further on the basis of the Gospels of John and Luke, we will see how spiritual love is precisely the essence of the Christ impulse, and how through it the “I’s” that have been separated are brought together more and more—but in regard to the innermost core of their souls. From the very beginning, people could only intuit what Christ had become for the world. And today, very little of this has been realized, for the force of separation—the aftereffect of the Luciferic powers—is still present, and the Christ principle has been at work for only a short time. And even if people today seek unity in certain external areas of life, when it comes to the most intimate, the most important matters, they do not even begin to grasp—at most with their thoughts, with their intellect, and that is the very least—what harmony and the resonating of souls truly are. It is truly the case that Christianity is only just beginning its work. It will penetrate ever deeper into souls and ennoble the “I” more and more. It is precisely those nations that are still young today who realize this. They realize that they must align themselves with the Christ-force, that they must allow themselves to be permeated by the Christ-force if they wish to progress.
[ 38 ] Einer unserer Zeitgenossen im Osten, der der Testamentsvollstrekker des großen russischen Philosophen Solowjow ist, hat den Ausspruch getan: «Das Christentum muß uns als Volk vereinigen; sonst verlieren wir unser Ich und damit überhaupt die Möglichkeit, ein Volk zusein!» Ein gewaltiges Wort, das wie aus einem instinktiven Interesse für das Christentum hervorgekommen ist. Aber man sieht auch daraus, wie notwendig es ist, daß das Christentum in die Tiefen der Seelen hineindringt. Versuchen Sie einmal eine Erscheinung zu prüfen, die zu den radikalsten gehört, und die uns zeigt, daß gerade für das Innerste des Seelenlebens selbst die Höchsten und Edelsten noch dem ferne stehen, was sie einmal ergreifen wird, wenn sich das Christentum hineinergossen hat in des Menschen innerste Gedanken, innerste Meinungen und Gefühle. Denken Sie an Tolstoi und an dessen Wirken in den letzten Jahrzehnten, das in seiner Art den echten Sinn des Christentums aufzudecken sucht. Ungeheuren Respekt wird man vor einem solchen Denker gerade im Westen haben müssen, wo mit langen philosophischen Zerzausereien sozusagen ganze Bibliotheken vollgeschrieben werden über dasselbe, was ein Tolstoi in einem Buche wie «Über das Leben» groß und gewaltig hinschreibt. Es gibt bei Tolstoi Seiten, wo in elementarer Weise gewisse große Erkenntnisse theosophischer Wahrheiten dargelegt sind, die allerdings der westeuropäische Philosoph nicht so treffen kann, über die er wenigstens eine große Literatur schreiben müßte, weil etwas ganz Gewaltiges damit gesagt ist. Bei Tolstoi, können wir sagen, klingt etwas durch, was man den Christus-Impuls nennen kann. Vertiefen Sie sich in seine Schriften, und Sie werden sehen, daß es der Christus-Impuls ist, der ihn erfüllt. Nehmen Sie jetzt seinen großen Zeitgenossen, der ja schon aus dem Grunde interessant ist, weil er sich aus einer umfassenden philosophischen Weltanschauung hinaufgeschwungen hat bis an die Grenzen eines solchen wahrhaft visionären Lebens, daß er eine Epoche sozusagen perspektivisch, apokalyptisch übersieht. Wenn auch gerade die Gesichte, weil der Unterbau kein richtiger ist, verzerrt werden, so erhebt sich doch Solowjow bis zu einem visionären Schauen der Zukunft. Er stellt solche Zukunftsperspektive für das zwanzigste Jahrhundert hin. Und wenn wir uns auf ihn einlassen, so finden wir Großes und Edles, namentlich in bezug auf das Christentum. Aber er spricht von Tolstoi wie von einem Feinde des Christentums, wie von dem Antichrist! So können heute zwei Menschen in ihren tiefsten Gedanken glauben, ihrer Zeit das Beste zu geben, können aus der tiefsten Tiefe ihrer Seele heraus wirken und dennoch sich ohne Verständnis gegenüberstehen, so daß der eine der «Anti» des anderen ist! Man bedenkt heute gar nicht, daß, wenn äußere Harmonie, in Liebe getauchtes Leben möglich sein soll, der Christus-Impuls bis in das Tiefste gedrungen sein muß, so daß Menschenliebe etwas ganz anderes sein muß, als es heute selbst bei den edelsten Geistern der Fall ist.
[ 38 ] One of our contemporaries in the East, who is the executor of the will of the great Russian philosopher Soloviev, has said: “Christianity must unite us as a people; otherwise we will lose our sense of self and, with it, any possibility of being a people at all!” A powerful statement that seems to have sprung from an instinctive interest in Christianity. But it also shows how necessary it is for Christianity to penetrate to the depths of the soul. Try, for a moment, to examine a phenomenon that is among the most radical—one that shows us that even the greatest and noblest of souls remain far removed, in the very depths of their innermost being, from what will one day take hold of them when Christianity has poured itself into the innermost thoughts, opinions, and feelings of the human soul. Think of Tolstoy and his work in recent decades, which, in its own way, seeks to uncover the true meaning of Christianity. One cannot help but have immense respect for such a thinker, especially in the West, where, through lengthy philosophical ramblings, entire libraries are filled, so to speak, with discussions of the very same things that Tolstoy sets forth in a grand and powerful manner in a book like On Life. There are passages in Tolstoy where certain great insights into theosophical truths are presented in a very straightforward way—insights that a Western European philosopher, however, cannot grasp so directly, and about which he would at least have to write a vast body of literature, because they convey something truly profound. In Tolstoy, we might say, something resonates that can be called the Christ impulse. Delve into his writings, and you will see that it is the Christ impulse that fills him. Now take his great contemporary, who is interesting for the very reason that he has risen from a comprehensive philosophical worldview to the very limits of such a truly visionary life that he surveys an entire epoch, so to speak, from a perspectival, apocalyptic vantage point. Even if his visions are distorted—precisely because the foundation is not a sound one—Soloviev nonetheless rises to a visionary perception of the future. He presents such a future perspective for the twentieth century. And if we engage with him, we find greatness and nobility, particularly with regard to Christianity. But he speaks of Tolstoy as if he were an enemy of Christianity, as if he were the Antichrist! Thus, today two people may believe, in their deepest thoughts, that they are giving their era the very best; they may act from the very depths of their souls and yet stand opposed to one another without understanding, so that one becomes the “anti” of the other! People today do not even consider that, if outer harmony and a life steeped in love are to be possible, the Christ impulse must have penetrated to the very depths, so that love for humanity must be something entirely different from what it is today, even among the noblest of spirits.
[ 39 ] Der Impuls, der erst vorherverkündet wurde und dann eintrat in die Welt, ist erst im Anfange seines Wirkens und wird immer besser und besser verstanden werden müssen. Was fehlt denn gerade in unserer Zeit all denen, die nach dem Christentum rufen und es als eine Notwendigkeit erklären, aber es doch nicht herbeirufen können? Anthroposophie, Geisteswissenschaft fehlt ihnen — die heutige Art, den Christus zu begreifen! Denn der Christus ist so groß, daß eine jede Epoche neue Mittel wird finden müssen, um ihn zu erkennen. In früheren Jahrhunderten hat man andere Arten und Formen des Weisheitsstrebens gebraucht. Heute ist Anthroposophie notwendig. Und es wird noch für lange Zeiten gelten, was wir heute in der Anthroposophie haben, um den Christus zu verstehen. Denn Anthroposophie wird sich herausstellen als etwas, was alle menschlichen Erkenntnisfähigkeiten anregt. Der Mensch wird allmählich in das Christus-Verständnis hineinwachsen. Und auch die anthroposophische Vorstellung ist zunächst nur eine vergängliche Vorstellung. Dessen sind wir uns bewußt, und auch dessen, daß wir ein Großes, das in vergängliche Vorstellungen gefaßt ist, in noch größere Vorstellungen werden einfassen müssen.
[ 39 ] The impulse that was first foretold and then entered the world is only at the beginning of its work and will need to be understood better and better. What, then, is lacking in our time for all those who call for Christianity and declare it a necessity, yet cannot bring it about? They lack anthroposophy, spiritual science—the modern way of understanding Christ! For Christ is so great that every epoch will have to find new means to recognize him. In earlier centuries, people used other ways and forms of seeking wisdom. Today, anthroposophy is necessary. And what we have today in anthroposophy will remain valid for a long time to come as a means of understanding Christ. For anthroposophy will prove to be something that stimulates all human faculties of cognition. Humanity will gradually grow into an understanding of Christ. And even the anthroposophical concept is, at first, only a transient concept. We are aware of this, and also of the fact that we will have to frame something great—which is currently expressed in transient concepts—in even greater concepts.
