The Gospel of St. John
in comparison with the other three Gospels,
particularly the Gospel of Luke
GA 112
5 July 1909, Kassel
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The Gospel of St. John, tr. SOL
Zwölfter Vortrag
Twelfth Lecture
[ 1 ] An einem wichtigen Punkt unserer Betrachtungen stehen wir nunmehr, gewissermaßen an einem Höhepunkt derselben. Daß wir dabei allerlei schwierige Partien in der Erklärung der Evangelien zu übersteigen haben, ist wohl selbstverständlich. Daher darf ich wohl heute im Beginne dieser Auseinandersetzungen, bevor wir das Gestrige weiter fortsetzen, mit wenigen kurzen Strichen einen Überblick geben über das, was gestern in bezug auf das Prinzipielle gesagt worden ist.
[ 1 ] We have now reached an important point in our discussion—a climax, so to speak. It goes without saying that we must overcome all sorts of difficult passages in the explanation of the Gospels. Therefore, at the beginning of today’s discussion—before we continue where we left off yesterday—I would like to provide a brief overview of what was said yesterday regarding the fundamental principles.
[ 2 ] Wir wissen ja, daß die Menschheitsentwickelung in uralten Zeiten eine wesentlich andere Gestalt hatte als heute. Und wir wissen, daß das, was « Mensch » ist, uns immer eine andere Form zeigt, je weiter wir im Rückblick zurückkommen auf frühere Zustände. Wir haben bereits berührt, daß wir zurückgehen können aus unserer Zeit,welche wir nennen können die mitteleuropäische Kulturzeit, in die griechisch-lateinische Zeit, daß wir weiter zurückgehen können in die ägyptisch-chaldäische Zeit, dann in die Zeit, wo das urpersische Volk geführt worden ist von Zarathustra. Dann gelangen wir in jener uralten Vergangenheit zu der von der unsrigen sehr verschiedenen indischen Kultur, und damit kommen wir schon in eine Zeit der Kulturentwickelung, die auf eine große, gewaltige Katastrophe folgte. Und diese Katastrophe, die sich in stürmischen Vorgängen im Luft- und Wasserelement vollzog, hat dazu geführt, daß jenes Land, das die Menschheit vor der indischen Kultur bewohnt hatte, die alte Atlantis, die zwischen Europa, Afrika und Amerika gelegen war, verschwand, daß die Menschen nach Westen und Osten auswanderten, auf der einen Seite Amerika besiedelten und auf der anderen Seite die Länder Europas, Asiens und Afrikas, die allmählich ihre heutige Gestalt angenommen hatten. Diese atlantische Zeit hat eine Menschheit gesehen, die in bezug auf die Seele, namentlich in älteren Zeiten, ganz anders war als die heutige Menschheit. Und uns interessiert ja zunächst das Seelische in der Menschheitsentwickelung, denn wir wissen, daß alles Körperliche eine Folge der seelisch-geistigen Entwickelung ist. Wie war nun das Leben der Seele in der alten atlantischen Zeit?
[ 2 ] We know, of course, that human development in ancient times took a form that was fundamentally different from what it is today. And we know that the concept of “human” takes on a different form the further back we look at earlier stages of human history. We have already touched upon the fact that we can go back from our own time—which we might call the Central European cultural era—to the Greco-Latin era; that we can go even further back to the Egyptian-Chaldean era, and then to the time when the ancient Persian people were led by Zarathustra. Then, in that ancient past, we arrive at the Indian culture, which was very different from our own, and with that we enter a period of cultural development that followed a great, mighty catastrophe. And this catastrophe, which unfolded through stormy events in the elements of air and water, led to the disappearance of the land that humanity had inhabited before the Indian culture—ancient Atlantis, which was situated between Europe, Africa, and America, disappeared; people migrated westward and eastward, settling in America on one side and, on the other, the lands of Europe, Asia, and Africa, which had gradually taken on their present form. This Atlantean era witnessed a humanity that, in terms of the soul—especially in earlier times—was quite different from today’s humanity. And what interests us first and foremost is the spiritual aspect of human development, for we know that everything physical is a consequence of spiritual and mental development. What, then, was the life of the soul like in the ancient Atlantean era?
[ 3 ] Wir wissen, daß in der atlantischen Zeit der Mensch ein ganz anderes Bewußtsein hatte als später, daß der Mensch in gewisser Beziehung damals ein altes Hellsehen hatte, aber noch nicht die Fähigkeit besaß, ein deutlich ausgesprochenes Selbstbewußtsein, ein Ichbewußtsein zu haben. Denn dieses Ichbewußtsein erobert man sich nur dadurch, daß man sich von den äußeren Gegenständen unterscheiden lernt. Der Mensch konnte sich aber dazumal nicht vollständig von äußeren Gegenständen unterscheiden. Stellen wir uns einmal vor, wie die Dinge in unserer heutigen Zeit sich abspielen würden, wenn der Mensch unter den heutigen Verhältnissen sich nicht von seiner Umgebung unterscheiden könnte.
[ 3 ] We know that during the Atlantean epoch, human beings had a very different consciousness than they did later; that in a certain sense, they possessed an ancient form of clairvoyance at that time, but did not yet have the ability to develop a clearly defined self-consciousness, an “I”-consciousness. For this sense of “I” is attained only by learning to distinguish oneself from external objects. At that time, however, human beings could not fully distinguish themselves from external objects. Let us imagine for a moment how things would unfold in our present age if, under today’s circumstances, human beings were unable to distinguish themselves from their surroundings.
[ 4 ] Der Mensch fragt heute - lassen wir uns das einmal in einem Überblick vor unsere Seele führen -: Wo ist die Grenze meiner Wesenheit? Und er sagt mit einem gewissen Recht von seinem heutigen Standpunkt aus: Die Grenze meiner menschlichen Wesenheit ist da, wo meine Haut mich von meiner Außenwelt abgrenzt. -— Der Mensch glaubt, daß nur das zu ihm gehöre, was innerhalb seiner Haut liegt, und daß alles andere äußere Gegenstände sind, die ihm gegenüberstehen, von denen er sich unterscheidet. Er sagt so aus dem Grunde, weil er weiß, daß er nicht mehr ein ganzer Mensch ist und sein kann, wenn man ihm ein Stück wegnimmt von dem, was innerhalb seiner Haut liegt. Daß er, wenn man ihm ein Stück Fleisch abschneidet, kein ganzer Mensch mehr ist, das ist von einem gewissen Standpunkt aus richtig gesprochen. Aber wir wissen auch, daß der Mensch mit jedem Atemzug die Luft einatmet. Und wenn wir fragen: Wo ist diese Luft? - so müssen wir sagen: Sie ist um uns herum, sie ist überall da, wo unsere Umgebung an uns angrenzt; da ist die Luft, die im nächsten Augenblick in uns sein wird. Jetzt ist sie draußen, im nächsten Augenblick ist sie in uns. — Schneiden Sie diese Luft ab, entfernen Sie diese Luft, und Sie können nicht mehr leben! Sie sind weniger ein ganzer Mensch, als wenn Ihnen eine Hand abgeschnitten wird, die innerhalb Ihrer Haut liegt!
[ 4 ] People today ask—let us take a moment to consider this in broad terms—: Where is the boundary of my being? And from their present standpoint, they say, with some justification: The boundary of my human being lies where my skin separates me from the outside world. — People believe that only what lies within their skin belongs to them, and that everything else consists of external objects that stand in opposition to them, from which they are distinct. They say this because they know that they are no longer—and cannot be—a whole person if a part of what lies within their skin is taken away. That he is no longer a whole human being if a piece of flesh is cut from him is, from a certain point of view, a correct statement. But we also know that with every breath, a person inhales air. And if we ask, “Where is this air?”—we must say: It is all around us; it is everywhere our surroundings meet us; there is the air that will be inside us in the next moment. Now it is outside; in the next moment, it will be inside us. — Cut off this air, remove this air, and you can no longer live! You are less of a whole person than if a hand were cut off that lies within your skin!
[ 5 ] Richtig gesprochen würde es also sein, daß wir sagen: Das ist ja gar nicht wahr, daß wir unsere Grenze da haben, wo unsere Haut aufhört! Die Luft, die uns umgrenzt, gehört dazu — das geht immerfort aus und ein, und wir dürfen gar nicht die willkürliche Grenze setzen, die in unserer Haut besteht. - Wenn sich der Mensch das klarmachen wollteer müßte es theoretisch tun, denn die Wahrnehmung liefert ihm nicht diese Beobachtung -, dann müßte er nachdenken gegenüber demjenigen, was sich ihm nicht aufdrängt durch die Außenwelt selber. In dem Augenblick, wo der Mensch jederzeit sehen würde den Luftstrom, der in ihn einfließt, wie er sich in ihm ausbreitet, in ihm sich verändert und ihn wieder verläßt, wenn ihm das in jedem Augenblick vor Augen stände, so würde es ihm gar nicht einfallen zu sagen: Diese Hand gehört zu mir mehr als der Luftstrom, der in mich hineingeht. Er würde die Luft zu sich hinzurechnen, und er würde sich als einer, der Halluzinationen hat, ansehen, wenn er sich sagen würde: Ich bin eine selbständige Wesenheit, die auch ohne die Umgebung bestehen könnte.
[ 5 ] Strictly speaking, then, we should say: It’s not true at all that our boundary lies where our skin ends! The air that surrounds us is part of us—it constantly flows in and out, and we must not set the arbitrary boundary that our skin represents. —If a person wanted to make this clear to themselves—and they would have to do so theoretically, since perception does not provide this insight—then they would have to reflect on what is not imposed on them by the external world itself. The moment a person could see at any time the stream of air flowing into them, how it spreads within them, changes within them, and leaves them again—if this were before their eyes at every moment—it would never occur to them to say: “This hand belongs to me more than the stream of air that enters me.” He would count the air as part of himself, and he would regard himself as someone suffering from hallucinations if he were to say to himself: “I am an independent entity that could exist even without my surroundings.”
[ 6 ] Der Atlantier konnte sich dieser Illusion nicht hingeben, denn seine Beobachtung zeigte ihm recht klar etwas anderes: Er sah nicht die Gegenstände seiner Umgebung in festen Konturen, sondern er sah sie umgeben von farbigen Auren. Eine solche Pflanze, wie wir sie sehen, sah er nicht, sondern ähnlich wie wir an einem nebligen Herbstabend die Laternen auf der Straße sehen, so sah er alles wie mit einer großen farbigen Aura umgeben. Das war deshalb so, weil zwischen allen Dingen, die in der Außenwelt sind, Geist ist, geistige Wesenheiten sind, die er mit seinem damaligen dumpfen Hellsehen noch wahrnehmen konnte. Wie der Nebel zwischen den Laternenlichtern ist, so sind auch überall im Raume geistige Wesenheiten. Der Atlantier sah diese geistigen Wesenheiten, wie Sie den Nebel sehen. Daher bildeten ihm die geistigen Wesenheiten etwas wie eine Nebel-Aura, die sich über die äußeren Gegenstände herüberlegte. Die äußeren Gegenstände selbst waren ihm unklar. Weil er aber den Geist sah, so sah er auch alles Geistige, das in ihn aus- und einströmte. Er sah sich dafür aber auch selber als ein Glied in seiner ganzen Umwelt. Er sah überall Strömungen in seinen Leib hineingehen, die Sie heute nicht sehen können. Die Luft ist ja das gröbste, es gehen viel feinere Strömungen in den Menschen hinein. Der Mensch hat verlernt, das Geistige zu schauen, weil er nicht mehr das alte dämmerhafte Hellsehen hat. Der Mensch in der Atlantis sah die geistigen Strömungen aus- und einziehen, wie der Finger an Ihnen, wenn er bewußt wäre, sehen würde, daß das Blut ein- und ausströmt, und daß er verdorren müßte, wenn Sie ihn abreißen. So wie sich der Finger fühlen würde, so fühlte sich der Atlantier als Glied an einem Organismus. Er fühlte: Da fließen die Strömungen ein durch meine Augen und meine Ohren und so weiter. Und wenn ich mich aus ihnen herausdränge, so kann ich kein Mensch mehr sein. — Er fühlte sich hingegossen in die ganze äußere Welt. Der Mensch sah die geistige Welt, aber er konnte sich nicht unterscheiden von ihr, er hatte nicht das starke Ichgefühl, das Selbstbewußtsein im heutigen Sinne. Das zu entwickeln, wurde ihm dadurch möglich, daß sich dasjenige zurückzog vor seiner Beobachtung, was ihm die Abhängigkeit von seiner Umwelt vor sein geistiges Auge gestellt hatte. Dadurch, daß das unsichtbar geworden war, dadurch entstand für ihn die Möglichkeit, Selbstbewußtsein, Ichheit zu entwickeln.
[ 6 ] The Atlantean could not succumb to this illusion, for his observations clearly showed him something else: He did not see the objects around him with distinct outlines, but rather saw them surrounded by colored auras. He did not see a plant as we see it, but rather, much like we see streetlights on a foggy autumn evening, he saw everything as if surrounded by a large colored aura. This was because between all things in the outer world there is spirit—spiritual beings—which he was still able to perceive with his then-dull clairvoyance. Just as fog lies between the streetlights, so too are spiritual beings present everywhere in space. The Atlantean saw these spiritual beings just as you see the fog. Therefore, the spiritual beings formed for him something like a foggy aura that lay over the external objects. The external objects themselves were unclear to him. But because he saw the spirit, he also saw everything spiritual that flowed in and out of him. In doing so, however, he also saw himself as a part of his entire environment. He saw currents flowing into his body everywhere—currents that you cannot see today. The air is, after all, the coarsest; much finer currents flow into human beings. Human beings have forgotten how to perceive the spiritual because they no longer possess the ancient, twilight-like clairvoyance. The people of Atlantis saw the spiritual currents flowing in and out, just as your finger—if it were conscious—would see the blood flowing in and out, and would realize that it would wither away if you were to tear it off. Just as the finger would feel, so did the Atlantean feel himself to be a limb of an organism. He felt: Here the currents are flowing in through my eyes and my ears and so on. And if I were to force myself out of them, I could no longer be a human being. — He felt himself poured out into the entire outer world. Human beings perceived the spiritual world, but they could not distinguish themselves from it; they lacked the strong sense of self, the self-consciousness in the modern sense. It became possible for them to develop this when that which had presented their dependence on the external world to their inner eye withdrew from their observation. Because this had become invisible, the possibility arose for them to develop self-consciousness and a sense of self.
[ 7 ] Diese Aufgabe: Selbstbewußtsein, Ichheit zu entwickeln, hatte der Mensch der nachatlantischen Zeit. Nach der großen atlantischen Katastrophe waren die Völker der nachatlantischen Zeit so organisiert, daß sich die geistige Welt aus ihrem Bewußtsein zurückzog, und daß sie allmählich die äußere physisch-sinnliche Welt immer klarer und immer deutlicher schauen lernten. Aber alles, was sich in der Welt entwickelt, geht nicht auf einmal vor sich, sondern nach und nach; langsam und allmählich vollzieht es sich. Und so hat sich denn auch das alte dämmerhafte Hellsehen langsam und allmählich verloren. Ja, es ist bei gewissen Menschen, die es als alte Erbschaft haben, und bei medialen Naturen unter gewissen Voraussetzungen auch heute noch vorhanden. Langsam und allmählich erstirbt das, was in einer gewissen Zeit seinen Höhepunkt erreicht hat. |
[ 7 ] This was the task of humanity in the post-Atlantean era: to develop self-awareness and a sense of the “I.” After the great Atlantean catastrophe, the peoples of the post-Atlantean era were organized in such a way that the spiritual world withdrew from their consciousness, and they gradually learned to perceive the external, physical-sensory world with ever greater clarity and distinctness. But everything that develops in the world does not happen all at once, but rather step by step; it unfolds slowly and gradually. And so the old, twilight-like clairvoyance has also been lost slowly and gradually. Indeed, it still exists today in certain people who have inherited it as an ancestral trait, and in mediumistic individuals under certain conditions. Slowly and gradually, that which reached its peak at a certain time fades away. |
[ 8 ] Die gewöhnlichen Menschen haben in den ältesten Zeiten der nachatlantischen Zeit noch viel, viel von der Hellsehergabe gehabt. Und was diese Menschen sahen in der geistigen Welt, das wurde immerfort ergänzt, erweitert und angefeuert durch die Eingeweihten, welche auf die Ihnen beschriebene Art durch besondere Methoden in die geistige Welt hineingeführt wurden und so zu Boten wurden dessen, was früher in einer gewissen Weise alle Menschen gesehen hatten. Die Sagen, die Mythen bewahren uns besser auf, was wahr ist für die alten Zeiten, als irgendeine äußere Geschichtsforschung - vor allen Dingen alle die Sagen und Mythen, die sich anknüpfen an die Orakelstätten. Da war es so, daß besondere Menschen in abnorme Zustände — wie man etwa sagen könnte: in Traumzustand, Medialzustand — dadurch geführt wurden, daß man sie in einen Bewußtseinszustand versetzte, der dumpfer, dunkler war als der gewöhnliche helle Tageszustand. Sie waren in einem herabgeminderten Bewußtsein, wo sie zwar innerhalb der Gegenstände der Außenwelt waren, aber diese selbst nicht sahen. Das war auch nicht der alte Hellseherzustand, sondern ein Zwischenzustand, halb traumhaft, halb hellseherischer Art. Wenn man nun etwas wissen wollte über gewisse Zusammenhänge der Welt, wie man sich in dieser oder jener Angelegenheit zu benehmen hatte, dann fragte man an bei den Orakeln, also da, wo alte dämmerhafte Hellseherzustände vorhanden waren als ein Erbgut der alten Art.
[ 8 ] In the earliest times of the post-Atlantean era, ordinary people still possessed a great deal of the gift of clairvoyance. And what these people saw in the spiritual world was constantly supplemented, expanded, and inspired by the initiates, who were guided into the spiritual world through special methods, as described to you, and thus became messengers of what all people had once seen in a certain way. The legends and myths preserve for us what is true of ancient times better than any external historical research—above all, all those legends and myths connected to the oracle sites. It was the case that certain individuals were guided into unusual states—as one might say: into a dream state, a mediumistic state—by being brought into a state of consciousness that was more subdued and darker than the usual bright state of daylight. They were in a diminished state of consciousness in which, although they were physically present among the objects of the external world, they did not actually see them. Nor was this the old state of clairvoyance, but rather an intermediate state, half dreamlike, half clairvoyant in nature. If one wished to know something about certain aspects of the world—such as how to behave in this or that matter—one would consult the oracles, that is, places where ancient, twilight-like states of clairvoyance persisted as a legacy of the old ways.
[ 9 ] Dem Menschen ward also im Beginne seiner Entwickelung Weisheit mitgegeben. Weisheit floß in ihn ein. Aber die Weisheit versiegte allmählich. Und selbst die Eingeweihten in ihrem auch abnormen Zustand — denn sie mußten durch Herausheben des Ätherleibes hineingeführt werden in die geistige Welt -, auch sie konnten nach und nach nur mehr zu unsicheren Beobachtungen in der geistigen Welt kommen. Das aber hatte bei denen, die nicht nur im alten Sinne eingeweiht waren, sondern die mit ihrer Zeit fortschritten, die zu gleicher Zeit Propheten waren für die Zukunft, die Erkenntnis hervorgerufen, daß ein neuer Impuls in der Menschheit notwendig war. Ein altes Weisheitsgut war der Menschheit mitgegeben worden, als sie heruntergestiegen war aus göttlich-geistigen Höhen; aber immer dunkler und dunkler ist es geworden. Früher haben es alle Menschen besessen, dann nur wenige, die in den Orakeln in besondere Zustände geführt wurden, dann nur die Eingeweihten.
[ 9 ] Thus, at the beginning of human evolution, wisdom was bestowed upon humankind. Wisdom flowed into them. But that wisdom gradually dried up. And even the initiates, in their own abnormal state—for they had to be guided into the spiritual world by lifting their etheric bodies—even they were gradually able to make only uncertain observations in the spiritual world. This, however, had led those who were not only initiated in the old sense but who kept pace with their times—who were at the same time prophets of the future—to the realization that a new impulse was necessary for humanity. An ancient treasure of wisdom had been bestowed upon humanity when it descended from divine-spiritual heights; but it has grown darker and darker. In the past, all people possessed it; then only a few who were led into special states through the oracles; and finally, only the initiates.
[ 10 ] Es muß eine Zeit kommen - so sagten sich die Eingeweihten, welche die Zeichen der Zeit kannten -, wo dieses alte Weisheitsgut so versiegt sein wird innerhalb der Menschheit, daß diese Weisheit den Menschen nicht mehr führen und lenken kann. Dann aber würde der Mensch in der Welt in Unsicherheit fallen. Das würde sich ausdrücken in seinem Wollen, in seinem Handeln und seinem Fühlen. Und indem nach und nach die Weisheit ersterben würde, würden die Menschen unweise sich selbst führen. Ihr Ich würde immer mehr und mehr zunehmen, so daß, wenn die Weisheit sich zurückzöge, ein jeder anfinge, in seinem eigenen Ich nach der Wahrheit zu suchen, seine eigenen Gefühle zu entwickeln, seinen Willen zu entwickeln, ein jeder für sich, und die Menschen würden immer mehr und mehr gesondert, immer fremder einander, und immer weniger würden sie sich verstehen. Weil ein jeder seine eigenen Gedanken haben will, die ihm nicht zufließen von der einheitlichen Weisheit, so kann der eine nicht die Gedanken des anderen verstehen. Und weil seine Gefühle nicht geleitet werden von der einheitlichen Weisheit, so wird es dahin kommen, daß sich widerstreben die Gefühle der Menschen. Und ebenso würde es sein mit ihren Handlungen. Die Menschen würden alle gegeneinander handeln, denken und fühlen, und es würde die Menschheit zersplittert werden zuletzt in lauter gegeneinander in Streit stehende Individuen.
[ 10 ] There must come a time—so said the initiates, who knew the signs of the times—when this ancient store of wisdom will have dried up so completely within humanity that this wisdom can no longer guide and direct people. But then humanity would fall into uncertainty in the world. This would be expressed in their will, in their actions, and in their feelings. And as wisdom gradually faded away, people would lead themselves unwisely. Their ego would grow more and more, so that when wisdom withdrew, each person would begin to seek the truth within their own ego, to develop their own feelings, to develop their own will—each on their own—and people would become more and more separated, increasingly alien to one another, and they would understand one another less and less. Because each person wants to have his own thoughts, which do not flow to him from the unified wisdom, one person cannot understand the thoughts of another. And because his feelings are not guided by the unified wisdom, it will come to pass that people’s feelings will clash. And the same would be true of their actions. People would all act, think, and feel in opposition to one another, and humanity would ultimately be fragmented into nothing but individuals in constant conflict with one another.
[ 11 ] Und was war das äußere physische Zeichen, das uns als der Ausdruck dieser Entwickelung erschien? Das war die Veränderung, welche die Menschheit in ihrem Blute erlebte. In den ganz alten Zeiten bestand die nahe Ehe, wie wir wissen. Die Menschen heirateten nur innerhalb des blutsverwandten Stammes. Aber immer mehr und mehr trat an die Stelle der nahen Ehe die ferne Ehe. Es mischte sich fremdes Blut mit fremdem Blut, und daher kam es, daß die Erbstücke der alten Zeit immer geringer, immer weniger wurden. Erinnern wir uns noch einmal an Goethes Worte, die wir gestern ausgesprochen haben:
[ 11 ] And what was the outward, physical sign that appeared to us as the expression of this development? It was the change that humanity experienced in its blood. In ancient times, as we know, marriages were confined to close relatives. People married only within their own blood-related tribe. But more and more, marriages between distant relatives replaced close-kin marriages. Foreign blood mingled with foreign blood, and that is why the hereditary traits of ancient times became fewer and fewer. Let us recall once more Goethe’s words, which we quoted yesterday:
«Vom Vater hab’ ich die Statur,
Des Lebens ernstes Führen,
Vom Mütterchen die Frohnatur
Und Lust zu fabulieren.»
“From my father I inherited my stature,
A serious approach to life,
From my dear mother, a cheerful disposition
And a love of storytelling.”
[ 12 ] Wir haben das gestern darauf zurückgeführt, daß von dem mütterlichen Element, wie es sich vererbt von Generation zu Generation, dasjenige herrührt, was im Ätherleibe des Menschen ist, so daß jeder Mensch in seinem eigenen Ätherleibe das Erbstück des mütterlichen Elementes trägt, wie er in seinem physischen Leibe das Erbstück des väterlichen Elementes hat. Indem nun Blutsverwandtschaft da war, war die Vererbung, die sich fortsetzt von Ätherleib zu Ätherleib, eine große, und die alte Fähigkeit des Hellsehens hing an dieser Vererbung. Die Menschen, die herstammten aus den nahen Ehen, erbten mit dem Blute, mit dem verwandten Blute in ihrem Ätherleib die alte Weisheitsfähigkeit. Als nun das Blut sich immer mehr mischte, immer mehr fremde Stämme sich ineinander mischten in der fernen Ehe, da wurde auch die Möglichkeit, die alte Weisheit zu vererben, immer geringer. Denn wie wir gestern schon sagten: Das Blut der Menschen änderte sich, es wurde durch die Blutmischung so, daß die Menschen die alte Weisheit mehr und mehr verdunkelten. Mit anderen Worten: Das Blut, der Träger vererbter mütterlicher Eigenschaften, wurde immer weniger geeignet, die alte Hellsehergabe zu vererben. Das Blut entwickelte sich eben so, daß die Menschen immer unfähiger wurden, in die geistige Welt hineinzublicken. Physisch also müssen wir sagen: Das Blut der Menschen entwickelte sich in der Weise, daß es immer weniger fähig wurde, die alte, den Menschen sicher leitende Weisheit zu tragen, und immer mehr in das andere Extrem verfiel, der Träger des Egoismus zu sein, das heißt dessen, was die Menschen als Iche gegeneinander und nebeneinander stellt. Und damit wurde es auch immer weniger fähig, die Menschen in Liebe zusammenzubringen.
[ 12 ] Yesterday we attributed this to the fact that what is present in the human etheric body derives from the maternal element, as it is inherited from generation to generation, so that every human being carries the legacy of the maternal element in their own etheric body, just as they carry the legacy of the paternal element in their physical body. Since there was blood kinship, the inheritance that continues from etheric body to etheric body was a powerful one, and the ancient ability of clairvoyance depended on this inheritance. People who were descended from close marriages inherited the ancient wisdom through their blood—through the related blood in their etheric bodies. But as the blood became increasingly mixed—as more and more foreign tribes intermarried in distant marriages—the possibility of passing on the ancient wisdom also diminished. For, as we said yesterday, human blood changed; through this mixing of blood, it became such that people increasingly obscured the ancient wisdom. In other words: The blood—the carrier of inherited maternal traits—became less and less capable of passing on the ancient gift of clairvoyance. The blood evolved in such a way that people became increasingly unable to glimpse into the spiritual world. Physically, then, we must say: Human blood evolved in such a way that it became less and less capable of carrying the ancient wisdom that safely guided humanity, and increasingly fell into the other extreme of becoming the bearer of egoism—that is, of what sets people against one another and apart from one another as “I’s.” And with that, it also became less and less capable of bringing people together in love.
[ 13 ] In diesem Prozesse der Blutsverschlechterung des Menschen sind wir natürlich noch drinnen. Denn dieser Prozeß, insofern diese Blutsverschlechterung aus alten Zeiten herrührt, geht langsam seinen Gang bis zum Ende der Erdenzeit. Daher mußte ein Impuls in die Menschheit kommen, der in der Lage war, dasjenige wieder zu verbessern, was durch das Blut schlechter geworden war. In bezug auf ihre Blutsverwandtschaft würden die Menschen in Irrtum und Elend geführt werden. Das sagen uns die alten Weisen durch ihre Sagen und Mythen. Die Menschen konnten sich nicht mehr verlassen auf das, was ihnen als Erbstück alter Weisheit überlassen worden war: Wenn du auch nach dem Orakel schickst und fragst: Was soll geschehen?—so sagt das Orakel nur solches, was dich erst recht in den wildesten Streit und Hader hineinführt. - Das Orakel hat zum Beispiel vorausgesagt, daß Laios und lokaste einen Sohn bekommen würden, welcher den Vater tötet und die Mutter heiratet. Aber dennoch, trotzdem dieses Erbstück alter Weisheit, die Orakelweisheit, vorhanden war, konnte es in dieser Zeit nicht mehr verhindert werden, daß immer mehr das Blut dem Irrtum anheimfiel: Oedipus tötet doch seinen Vater und heiratet seine Mutter, begeht Vatermord und Blutschande.
[ 13 ] We are, of course, still in the midst of this process of the deterioration of human blood. For this process—insofar as this deterioration of the blood stems from ancient times—is slowly running its course until the end of the Earth’s age. Therefore, an impulse had to come into humanity that was capable of restoring what had been corrupted through the blood. With regard to their blood ties, people would be led into error and misery. This is what the ancient sages tell us through their legends and myths. People could no longer rely on what had been bequeathed to them as a legacy of ancient wisdom: Even if you send for the oracle and ask, “What is to happen?”—the oracle will say only such things as will lead you all the more into the wildest strife and discord. —For example, the oracle predicted that Laius and Jocasta would have a son who would kill his father and marry his mother. But even so, despite the existence of this legacy of ancient wisdom—the wisdom of the oracles—it could no longer be prevented in those days that more and more blood was shed as a result of error: Oedipus does indeed kill his father and marry his mother, committing patricide and incest.
[ 14 ] Der alte Weise wollte sagen: Weisheit hatten die Menschen einst. Aber selbst wenn sie erhalten geblieben wäre, so hätten die Menschen doch fortfahren müssen in der Entwickelung ihres Ich, und es würde sich der Egoismus so stark entwickeln, daß Blut gegen Blut wüten würde. Es ist das Blut nicht mehr geeignet, die Menschen höher hinaufzuführen, wenn nur die alte Weisheit es führt. - So wollte derjenige, der als hellseherischer Initiierter das ursprüngliche Bild der Oedipus-Sage gegeben hatte, ein warnendes Bild hinstellen vor die Menschen und sagen: So würde es mit euch einmal werden, wenn nichts anderes käme als die alte Orakelweisheit! - Und in der Judas-Sage ist uns deutlicher noch erhalten, was aus der alten Orakelweisheit geworden wäre. Auch der Mutter des Judas wurde vorhergesagt, der Sohn werde den Vater töten und die Mutter heiraten, wodurch unsägliches Elend heraufbeschworen würde. Und alles erfüllte sich doch! Das heißt, die uralte Erbweisheit ist nicht imstande, den Menschen zu bewahren vor dem, wohinein er verfallen muß, wenn nicht ein neuer Impuls an die Menschheit herankommt.
[ 14 ] The old sage meant to say: People once possessed wisdom. But even if it had been preserved, people would still have had to continue developing their “I,” and selfishness would have grown so strong that blood would have raged against blood. Blood is no longer capable of leading people to higher realms if guided solely by the ancient wisdom. —Thus, the one who, as a clairvoyant initiate, had presented the original image of the Oedipus legend, sought to set forth a warning before humanity and say: “This is what would become of you one day if nothing else were to come but the ancient oracular wisdom!” —And in the Judas legend, it is preserved even more clearly for us what would have become of the ancient oracular wisdom. Judas’s mother, too, was foretold that her son would kill his father and marry his mother, thereby bringing unspeakable misery upon them. And yet it all came to pass! This means that the ancient inherited wisdom is incapable of protecting humanity from the fate into which it must fall unless a new impulse reaches humanity.
[ 15 ] Nun fragen wir einmal nach den genaueren Gründen, warum das so gekommen ist. Fragen wir uns: Warum mußte die uralte Weisheit nach und nach untauglich werden in bezug auf die Beherrschung der Menschheit? Wir können eine Antwort auf diese Frage erhalten, wenn wir die Herkunft der uralten Weisheit im bezug auf die Menschheit näher betrachten.
[ 15 ] Now let us ask ourselves the more specific reasons why this came to pass. Let us ask: Why did ancient wisdom gradually become unsuitable for guiding humanity? We can find an answer to this question by taking a closer look at the origins of ancient wisdom as it relates to humanity.
[ 16 ] Ich habe Ihnen ja schon angedeutet, daß in der alten atlantischen Zeit ein ganz anderer Zusammenhang war zwischen dem menschlichen physischen Leibe und dem menschlichen Ätherleibe als später. Von den vier Gliedern der Menschennatur gilt heute, daß der physische Leib und Ätherleib so miteinander verbunden sind, daß sie sich ungefähr decken, und besonders ist das bei dem Kopfteil des Menschen der Fall. So ist es aber nur für die heutige Zeit. Wenn wir zurückgehen in die atlantische Zeit, so haben wir da einen solchen Zusammenhang, daß der menschliche Ätherleib in bezug auf den Kopfteil überall weit hinausragte. Der Mensch hatte seinen Ätherleib, besonders in bezug auf den Kopf, in der atlantischen Zeit weit aus dem physischen Leib heraußen. Nun ist die atlantische Entwickelung eben so, daß immer mehr und mehr der Ätherleib zur Deckung kam mit dem physischen Leibe, insbesondere in bezug auf den Kopf. Immer mehr zieht der Ätherleib sich in den physischen Leib hinein und verändert natürlich auch dadurch dieses Glied der menschlichen Wesenheit. Also das ist das Wesentliche in bezug auf diese Seite der menschlichen Entwickelung, daß der Ätherteil des menschlichen Kopfes immer weiter sich hineinzieht in den physischen Teil des Kopfes und daß beide zur Deckung kommen. Nun war der Ätherleib, solange er außerhalb des physischen Kopfes war, in einer ganz anderen Lage als nachher. Es war so, daß er von allen Seiten mit Strömungen verbunden war, mit anderen geistigen Wesenheiten; und was da aus- und einströmte, das gab diesem menschlichen Ätherleib in den atlantischen Zeiten die Fähigkeit des Hellsehens. Also diese Fähigkeit des Hellsehens rührt davon her, daß der Ätherleib noch nicht ganz im physischen Leibe drinnen war in bezug auf den Kopf, und daß von allen Seiten Ströme hineingingen in den Kopf und diesem Ätherleib die Fähigkeit des Hellsehens gaben.
[ 16 ] I have already indicated to you that during the ancient Atlantean era, the relationship between the human physical body and the human etheric body was quite different from what it was later. Of the four members of human nature, it is true today that the physical body and the etheric body are connected in such a way that they roughly coincide, and this is especially the case with the head region of the human being. But this is true only for the present day. If we go back to the Atlantean era, we find a relationship such that the human etheric body extended far beyond the physical body in every direction, particularly with regard to the head. In the Atlantean era, the human etheric body—especially in relation to the head—extended far beyond the physical body. Now, the course of Atlantean development was such that the etheric body increasingly came to coincide with the physical body, particularly in relation to the head. The etheric body is drawing further and further into the physical body, and this naturally alters this aspect of the human being as well. So this is the essential point regarding this aspect of human evolution: that the etheric part of the human head is drawing further and further into the physical part of the head, and that the two come to coincide. Now, as long as the etheric body was outside the physical head, it was in a completely different state than it was later. It was connected on all sides by currents to other spiritual beings; and what flowed in and out there gave this human etheric body the ability to see clearly during the Atlantean era. So this ability to see clearly stems from the fact that the etheric body was not yet fully within the physical body as far as the head was concerned, and that currents flowed into the head from all sides, giving this etheric body the ability to see clearly.
[ 17 ] Nun kam die Zeit, da sich der Ätherleib hineinzog in den physischen Leib. Da riß sich der Ätherleib in einer gewissen Weise - nicht ganz — von diesen Strömungen los. Er fing also an sich abzuschneiden von den Zuflüssen, die ihm die Fähigkeit des Hellsehens gegeben hatten, um in die Weisheit der Welt hineinzuschauen. Wenn umgekehrt jemand eingeweiht wurde in den alten Zeiten und sein Ätherleib herausgehoben war, dann wurde sein Ätherkopf wiederum eingeschaltet in die umliegenden Strömungen, und dadurch wurde er wiederum hellsehend. Wäre nun mit einem Schlage das geschehen um die Mitte der atlantischen Zeit, daß der Ätherleib plötzlich ganz abgeschnitten worden wäre von der Berührung mit der Außenwelt, dann würde der Mensch viel schneller alles alte Hellsehen verloren haben. Es wären auch dann keine Reste dieses alten Hellsehens für die nachatlantische Zeit zurückgeblieben, und der Mensch wäre in die spätere Zeit gekommen ohne Erinnerung an das Hellsehen. Der Mensch ist jedoch in gewisser Beziehung noch verbunden geblieben mit den äußeren Strömungen, und es trat noch etwas anderes ein. Dieser Ätherleib des Menschen, der sich losgerissen hatte aus den Strömungen seiner Umgebung, der behielt in sich Reste der alten Weisheitsfähigkeit. Nun merken Sie wohl: Am Ende der atlantischen Zeit, nachdem der Mensch seinen Ätherleib in sich aufgenommen hatte, war in diesem Ätherleib noch ein Fonds, ein Rest dessen, was der Ätherleib draußen einmal gehabt hatte, ein «Sparpfennig », wenn ich so sagen darf. Es ist so, wie wenn ein Sohn einen Vater hat. Der Vater verdient, und der Sohn bezieht immerfort von seinem Vater dieses oder jenes, was er braucht. So bezog der Mensch Weisheit, soviel er brauchte, aus seiner Umgebung bis zum Losreißen seines Ätherleibes. Nun nehmen wir aber an, um bei unserem Vergleich zu bleiben: Der Sohn verliert den Vater, es bleibt ihm nur irgendein bestimmter Teil übrig, und der Sohn verdient nichts hinzu; dann wird er einmal damit fertig sein und nichts mehr haben. In dieser Lage war der Mensch. Er hatte sich losgerissen von seiner Vater-Weisheit, hatte nichts hinzugewirtschaftet, hatte davon gelebt bis in die christliche Zeit hinein. Ja bis in unsere Zeit hinein lebt er noch immer von dem, was er ererbt hat, nicht von dem, was er erworben hat. Er lebt sozusagen vom Kapital. In den ältesten Zeiten der nachatlantischen Entwickelung hatte der Mensch noch etwas vom Kapital, zwar ohne daß er die Weisheit selbst erarbeitet hatte; er lebte sozusagen von den Zinsen und hat sich manchmal eine Zulage geben lassen von den Eingeweihten. Aber zuletzt wurde die Münze der alten Weisheit nicht mehr gangbar. Und als man diese alte Münze dem Oedipus auszahlte, da galt sie nicht mehr. Diese alte Weisheit bewahrte ihn nicht vor dem furchtbarsten Irrtum, und sie bewahrte auch nicht den Judas davor.
[ 17 ] Now came the time when the etheric body drew itself into the physical body. Then the etheric body broke away—in a certain sense, though not entirely—from these currents. It thus began to cut itself off from the inflows that had given it the ability to see clearly into the wisdom of the world. Conversely, when someone was initiated in ancient times and their etheric body was lifted out, their etheric head was once again connected to the surrounding currents, and through this they regained their clairvoyance. If, however, it had happened all at once around the middle of the Atlantean epoch that the etheric body had suddenly been completely cut off from contact with the outside world, then human beings would have lost all their ancient clairvoyance much more quickly. In that case, no remnants of this ancient clairvoyance would have remained for the post-Atlantean epoch, and human beings would have entered the later era without any memory of clairvoyance. However, in a certain sense, human beings remained connected to the outer currents, and something else occurred as well. This etheric body of the human being, which had torn itself away from the currents of its surroundings, retained within itself remnants of the old capacity for wisdom. Now you will surely realize: At the end of the Atlantean era, after human beings had taken their etheric bodies into themselves, there was still a reserve within this etheric body—a remnant of what the etheric body had once possessed externally—a “savings penny,” if I may put it that way. It is like a son having a father. The father earns a living, and the son continually receives this or that from his father as he needs it. In the same way, human beings drew wisdom from their surroundings—as much as they needed—until their etheric bodies were separated from the physical world. But now let us suppose, to stay with our analogy: The son loses his father; only a certain portion remains to him, and the son earns nothing additional; then he will eventually run out of it and have nothing left. This was the situation of humankind. It had severed itself from its fatherly wisdom, had not added anything to it, and had lived off it right into the Christian era. Indeed, even into our own time, he still lives off what he has inherited, not what he has acquired. He lives, so to speak, off the principal. In the earliest times of post-Atlantean development, humanity still had some of this principal, though without having worked out the wisdom itself; it lived, so to speak, off the interest and sometimes received a supplement from the initiates. But eventually, the currency of ancient wisdom became obsolete. And when this ancient currency was paid out to Oedipus, it was no longer valid. This ancient wisdom did not protect him from the most terrible error, nor did it protect Judas from it.
[ 18 ] So weit war es mit dem Gange der Menschheitsentwickelung gekommen. Woher kam es denn eigentlich, daß der Mensch allmählich sein Weisheitskapital aufzehrte? Es kam daher, weil er früher schon zwei Arten von geistigen Wesenheiten in sich aufgenommen hatte: zuerst die luziferischen Wesenheiten, und dann infolge der luziferischen Wesenheiten die ahrimanischen oder mephistophelischen Wesenheiten. Die hinderten ihn daran, zu der alten Weisheit etwas hinzuzuerwerben. Denn die wirkten in seiner Wesenheit in der Art: mehr die Leidenschaften verderbend, die Gefühle verderbend die luziferischen Wesenheiten äußerlich verderbend unsere Anschauung über die Welt, unsere Beobachtung die ahrimanischen, die mephistophelischen Wesenheiten. Würden nicht die luziferischen Wesenheiten in die Erdentwickelung eingegriffen haben, so würde der Mensch nicht das Interesse gewonnen haben für die physische Welt, das ihn herabzieht unter seinen Stand. Würden nicht als Folge der luziferischen Wesenheiten die mephistophelischen, die ahrimanischen oder satanischen Wesenheiten eingegriffen haben, so würde der Mensch wissen und immer gewußt haben: Hinter jedem äußeren Sinnesding ist ein Geistiges. Und er würde durchschauen durch die Oberfläche der äußeren Sinneswelt auf das Geistige. Aber Ahriman hat ihm hineingemischt in seine Anschauung etwas wie einen dunklen Rauch, und so kann der Mensch nicht durchschauen auf das Geistige. Durch Ahriman wird der Mensch in die Lüge hineinverstrickt; dadurch wird er in die Maja, in die Illusion hineinverstrickt. Diese zwei Wesensarten hindern ihn, sich etwas hinzuzuerwerben zu dem alten Weisheitsgut, das der Mensch einmal empfangen hat. Und so versiegte es und verlor nach und nach völlig seine Brauchbarkeit.
[ 18 ] This is how far the course of human development had progressed. How did it actually come about that human beings gradually depleted their store of wisdom? It came about because they had already taken in two kinds of spiritual beings: first the Luciferic beings, and then, as a consequence of the Luciferic beings, the Ahrimanic or Mephistophelean beings. These prevented him from gaining anything in addition to the ancient wisdom. For they worked within his being in the following ways: the Luciferic beings corrupted the passions and the feelings; the Ahrimanic and Mephistophelean beings corrupted, externally, our view of the world and our perception of it. Had the Luciferic beings not intervened in the Earth’s evolution, human beings would not have developed an interest in the physical world that drags them down below their proper station. Had the Mephistophelean, Ahrimanic, or Satanic beings not intervened as a consequence of the Luciferic beings, human beings would know—and would always have known—that: Behind every external sensory object lies something spiritual. And he would be able to see through the surface of the external sensory world to the spiritual. But Ahriman has mingled something like a dark smoke into his perception, and so human beings cannot see through to the spiritual. Through Ahriman, human beings are entangled in falsehood; through this, they are entangled in Maya, in illusion. These two kinds of beings prevent them from adding anything to the ancient treasure of wisdom that human beings once received. And so it dried up and gradually lost its usefulness entirely.
[ 19 ] Aber in gewisser anderer Beziehung geht dann die Entwickelung doch ihren Gang weiter. Der Mensch ist in der atlantischen Zeit untergetaucht mit dem Ätherleib in den physischen Leib. Das war sozusagen sein Unglück, als er in gewisser Beziehung gottverlassen war, daß er da in dieser physischen Welt innerhalb des physischen Leibes die Einflüsse Luzifers und Ahrimans erlebte. Es war sein Verhängnis. Und die Folge davon war, daß gerade durch den Einfluß des physischen Leibes, durch das Leben im physischen Leibe das alte Weisheitsgut unbrauchbar wurde. Wie geschah das? Früher hat der Mensch nicht im physischen Leibe gelebt. Da hat er sozusagen aus der Kasse seines Vaters, der alten Weisheitsgüter heraus die Weisheit genommen, das heißt, er hatte seine Kasse außerhalb seines physischen Leibes, weil er eben mit seinem Ätherleib draußen war. Diese Kasse war allmählich versiegt. Der Mensch hätte müssen in seinem eigenen Leib eine Kasse haben, um sein Weisheitsgut zu vermehren. Die hatte er aber nicht. Und so kam es denn, weil der Mensch in seinem eigenen Leib keinen Quell hatte zur Erneuerung der Weisheit, daß jedesmal, wenn er herausstieg nach dem Tode aus seinem physischen Leib, in seinem Ätherleib weniger Weisheit drinnen war. Jedesmal nach dem Tode, nach einer jeden Verkörperung, war in seinem Ätherleib weniger Weisheit drinnen. Immer ärmer an Weisheit wurde der Ätherleib.
[ 19 ] But in a certain other respect, evolution continues to follow its course. During the Atlantean epoch, the human being was submerged, with the etheric body within the physical body. This was, so to speak, his misfortune—since he was, in a certain sense, forsaken by God—that he experienced the influences of Lucifer and Ahriman right there in this physical world, within the physical body. It was his downfall. And the consequence of this was that, precisely through the influence of the physical body—through life in the physical body—the ancient wisdom became unusable. How did this happen? In the past, human beings did not live in a physical body. They drew wisdom, so to speak, from their father’s storehouse—the ancient treasures of wisdom—meaning they had their storehouse outside their physical body, because they were present outside it with their etheric body. This storehouse gradually dried up. Human beings would have had to have a store within their own bodies in order to increase their store of wisdom. But they did not have one. And so it came to pass that, because human beings had no source within their own bodies for the renewal of wisdom, every time they emerged from their physical bodies after death, there was less wisdom within their etheric bodies. Every time after death, after every incarnation, there was less wisdom in his etheric body. The etheric body became ever poorer in wisdom.
[ 20 ] Aber der Gang der Entwickelung geht fort, und genau so, wie einstmals in der atlantischen Zeit der Mensch sich so entwickelt hat, daß sein Ätherleib untertauchte in seinen physischen Leib, so vollzieht sich die Entwickelung, indem wir in die Zukunft hineingehen, so, daß der Mensch allmählich wieder herausrückt aus seinem physischen Leib. Während der Ätherleib vorher hineingezogen ist und bis zum Erscheinen des Christus immer noch ein Stück weiter hineingegangen ist, kam jetzt die Zeit, wo der Gang der Entwickelung sich änderte. In dem Moment, wo der Christus erschien, da fing der Ätherleib wieder an herauszugehen, und heute ist er schon bereits weniger mit dem physischen Leibe verbunden als zur Zeit der Anwesenheit des Christus. Der physische Leib ist dadurch noch gröber geworden.
[ 20 ] But the course of evolution continues, and just as human beings once evolved during the Atlantean era in such a way that their etheric body became immersed in their physical body, so too, as we move into the future, evolution is unfolding in such a way that human beings are gradually emerging once again from their physical bodies. Whereas the etheric body had previously been drawn inward—and had continued to move even further inward until the appearance of the Christ—the time has now come when the course of evolution has changed. At the very moment the Christ appeared, the etheric body began to emerge once more, and today it is already less closely connected to the physical body than it was during the time of the Christ’s presence. As a result, the physical body has become even coarser.
[ 21 ] Der Mensch geht also einer Zukunft entgegen, in der immer mehr und mehr sein Ätherleib sich wieder heraushebt, und er wird allmählich wieder einmal an einem Punkte ankommen, wo wieder sein Ätherleib ganz so weit draußen ist wie in der atlantischen Zeit. Wir werden unseren Vergleich noch ein Stück weiter fortsetzen können.
[ 21 ] Humanity is thus moving toward a future in which its etheric body will become increasingly prominent, and it will gradually reach a point again where its etheric body is just as far out as it was during the Atlantean era. We will be able to take our comparison a step further.
[ 22 ] Wenn der Sohn, der früher aus der Kasse seines Vaters gelebt hat, alles ausgibt und nichts hinzuerwirbt, so wird es bei ihm immer trübseliger ausschauen. Aber wenn er nun auch einen Sohn hat, so wird dieser Sohn, also der Enkel, nicht in der gleichen Lage sein wie sein Vater. Der Vater hat wenigstens etwas geerbt und konnte immerfort noch ausgeben. Der Enkel hat nun gar nichts mehr, er erbt auch nichts, er steht ohne etwas da zunächst. So war in einer gewissen Beziehung der Gang der Menschheitsentwickelung. Der Ätherleib, als er hereinkam und ‘ sich aus den Kassen der Gottheit die göttliche Weisheitssumme. mitnahm, da brachte er seinem physischen Leibe noch Weisheit mit. Aber im physischen Leibe hinderten die luziferischen und die ahrimanischen Geister, daß sich die Weisheit vermehrte, daß etwas hinzukam. Wenn jetzt der Ätherleib wieder herausrückt, dann nimmt er aus dem physischen Leibe nichts mit heraus. Und die Folge würde sein, wenn nichts anderes eingetreten wäre, daß der Mensch einer Zukunft entgegenginge, in welcher sein ätherischer Leib zwar ihm gehört, aber gar nichts von Weisheit, gar nichts von Wissen hätte. Und während der physische Leib völlig vertrocknet, würde der Ätherleib auch nichts haben, denn er kann ja von dem vertrocknenden physischen Leib nichts gewinnen. Wenn also der physische Leib nicht vertrocknen soll in jener Zukunft, dann muß dem Ätherleibe Kraft, Kraft der Weisheit gegeben werden. Es müßte dieser Ätherleib, indem er herausgeht aus dem physischen Leib, im physischen Leibe Kraft der Weisheit erhalten haben. Da drinnen müßte er etwas erhalten haben, was er mit hinausträgt. Wenn er dann draußen ist, und er hat diese Weisheit erhalten, dann wirkt er wieder zurück auf den physischen Leib und gibt ihm Leben, läßt ihn nicht vertrocknen.
[ 22 ] If the son, who used to live off his father’s money, spends everything and acquires nothing, his situation will become increasingly bleak. But if he also has a son—that is, a grandson—this grandson will not be in the same situation as his father. The father at least inherited something and was always able to continue spending. The grandson, however, has nothing left; he inherits nothing either; he is left with nothing at first. In a certain sense, this was the course of human development. When the etheric body entered and took with it the sum of divine wisdom from the treasuries of the Deity, it also brought wisdom to the physical body. But within the physical body, the Luciferic and Ahrimanic spirits prevented that wisdom from increasing or anything from being added to it. When the etheric body now withdraws, it takes nothing with it from the physical body. And the consequence would be—if nothing else had intervened—that humanity would be heading toward a future in which, although the etheric body belongs to the human being, it would possess no wisdom whatsoever, no knowledge at all. And while the physical body withers away completely, the etheric body would also have nothing, for it cannot gain anything from the withering physical body. So if the physical body is not to wither away in that future, then the etheric body must be given strength—the strength of wisdom. This etheric body, as it emerges from the physical body, must have received the power of wisdom while still within the physical body. There, inside, it must have received something that it carries with it as it leaves. Once it is outside, having received this wisdom, it then acts back upon the physical body, giving it life and preventing it from withering away.
[ 23 ] Zwei Möglichkeiten liegen vor für diese Menschheitsentwickelung. Die eine Möglichkeit ist diese:
[ 23 ] There are two possibilities for the development of humanity. One possibility is this:
[ 24 ] Der Mensch entwickelt sich ohne den Christus. In diesem Falle könnte der Ätherleib nichts mitbringen aus dem physischen Leib, denn er hat dort nichts erhalten, er geht leer heraus. Da aber der Ätherleib nichts hat, kann er auch nicht den physischen Leib beleben, er kann ihn nicht vor seiner Zermürbung, nicht vor seiner Vertrocknung bewahren. Der Mensch würde allmählich alle Früchte des physischen Lebens verlieren, sie würden ihm nichts aus dem physischen Leibe geben können, und er müßte den physischen Leib zurücklassen. Nun haben sich die Menschen aber gerade auf die Erde begeben, damit sie einen physischen Leib zu den früheren Anlagen dazu bekommen. Die Anlage zum physischen Leib ist früher gekommen. Aber ohne die Gestaltung des physischen Leibes würde der Mensch niemals die Erdenmission erreichen. Nun sind auf der Erde die Einflüsse von Luzifer und Ahriman gekommen. Gewinnt der Mensch nichts in seinem physischen Leibe, geht sein Ätherleib wieder heraus aus dem physischen Leibe, ohne daß er etwas Neues mitnehmen kann, daß er sogar noch dazu verbraucht hat das alte Weisheitsgut, so ist es um die Erdenmission geschehen. Dann ist die Sendung der Erde verloren für das Weltenall. Nichts bringt der Mensch in die Zukunft mit. Den leeren Ätherschädel würde er mitbringen, den er gefüllt in die Erdentwickelung hineingebracht hat!
[ 24 ] Human beings develop without Christ. In this case, the etheric body could not bring anything with it from the physical body, for it has received nothing there; it emerges empty. But since the etheric body has nothing, it cannot enliven the physical body; it cannot protect it from wear and tear or from withering away. Human beings would gradually lose all the fruits of physical life; the physical body could offer them nothing, and they would have to leave the physical body behind. Yet human beings have come to Earth precisely to receive a physical body in addition to the predispositions they had previously. The predisposition for the physical body came earlier. But without the formation of the physical body, human beings would never fulfill their earthly mission. Now the influences of Lucifer and Ahriman have come to Earth. If human beings gain nothing in their physical bodies, if their etheric bodies leave the physical body again without being able to take anything new with them—and if, on top of that, they have even exhausted the old store of wisdom—then the Earth mission is lost. Then the Earth’s mission is lost to the universe. Humanity would carry nothing into the future. It would bring back the empty etheric skull that it had brought into Earth’s evolution already filled!
[ 25 ] Nehmen wir aber nun an, es geschähe etwas zur rechten Zeit, wodurch der Mensch beim Wiederhinausrücken seines Ätherleibes aus dem physischen Leib fähig würde, diesem Ätherleib etwas zu geben, ihn wieder zu beleben, ihn wieder mit Weisheit zu durchdringen. Dann würde auch gegen die Zukunft hin der Ätherleib herausgehen, aber er hätte jetzt neues Leben, neue Kraft. Die könnte er dann wieder zur Belebung des physischen Leibes verwenden. Er könnte jetzt zurücksenden in den physischen Leib hinein Kraft und Leben. Aber er müßte es selbst erst haben; er müßte selbst erst Kraft und Leben erhalten. Wenn er aber Kraft und Leben erhalten kann, dann ist des Menschen Erdenfrucht gerettet. Dann verfault der physische Leib nicht bloß, sondern der physische Leib, das Verwesliche, das nimmt an die Gestalt des Ätherleibes, des Unverweslichen! Und des Menschen Auferstehung mit den Errungenschaften im physischen Leibe ist gerettet.
[ 25 ] But let us now suppose that something were to happen at just the right moment, whereby, as the human being draws his etheric body out of the physical body once more, he would be able to give something to that etheric body, to revive it, to imbue it once more with wisdom. Then, as the future unfolds, the etheric body would also move outward, but it would now possess new life, new strength. It could then use this to revitalize the physical body. It could now send strength and life back into the physical body. But it would first have to possess it itself; it would first have to receive strength and life itself. But if it can receive strength and life, then the human being’s earthly fruit is saved. Then the physical body does not merely decay; rather, the physical body—the perishable—takes on the form of the etheric body, the imperishable! And the human being’s resurrection, together with the achievements within the physical body, is saved.
[ 26 ] Ein Impuls also mußte auf die Erde kommen, durch welchen das, was aufgebraucht war an altem Weisheitsgut, wieder erneuert wurde, wodurch dem Ätherleibe wieder neues Leben eingepflanzt wurde, so daß das sonst zum Verwesen bestimmte Physische anziehen kann das Unverwesliche und sich erfüllen kann mit einem Ätherleib, der es unverweslich macht, der es hinausrettet aus der Erdentwickelung. Dies aber, dieses Leben in den Ätherleib hinein, das hat der Christus gebracht. Es hängt also mit dem Christus zusammen, daß dasjenige, was sonst dem Tode geweiht wäre, des Menschen physischer Leib, umgewandelt werde, vor der Verwesung bewahrt werde, daß es die Fähigkeit erhält, das Unverwesliche anzuziehen. Leben gegossen hat der Christus-Impuls in des Menschen Ätherleib, neues Leben, nachdem das Leben verbraucht war! Und der Mensch, wenn er in die Zukunft hineinschaut, muß sich sagen: Wenn einst mein Ätherleib heraus sein wird aus dem physischen Leib, dann werde ich mich so entwickelt haben müssen, daß der Ätherleib ganz durchsetzt ist von dem Christus. Der Christus muß in mir leben. Ich muß nach und nach im Laufe meiner Erdenentwickelung mich ganz durchdringen in bezug auf meinen Ätherleib mit dem Christus!
[ 26 ] An impulse, then, had to come to Earth through which the reserves of ancient wisdom that had been exhausted could be renewed, thereby instilling new life into the etheric body, so that the physical body—which would otherwise be destined to decay—could attract the imperishable and be filled with an etheric body that renders it imperishable, rescuing it from the course of Earth’s evolution. But this—this life infused into the etheric body—is what Christ brought. It is therefore connected with Christ that what would otherwise be doomed to death—the human physical body—is transformed, preserved from decay, and given the ability to attract the imperishable. The Christ impulse has poured life into the human etheric body—new life, after the old life had been exhausted! And when a person looks into the future, they must say to themselves: When my etheric body is one day separated from my physical body, I will have to have developed to such an extent that my etheric body is completely permeated by the Christ. The Christ must live within me. In the course of my earthly development, I must gradually allow the Christ to permeate my entire etheric body!
[ 27 ] Was ich Ihnen jetzt beschrieben habe, das sind die tieferen Vorgänge, die sich dem äußeren Auge entziehen. Sie sind das Geistige hinter der physischen Entwickelung der Welt. Was aber mußte die äußere Gestalt sein?
[ 27 ] What I have just described to you are the deeper processes that are hidden from the outward eye. They are the spiritual forces behind the physical development of the world. But what must the outward form have been?
[ 28 ] Was war es denn, was in den physischen Leib hineingetreten ist durch die luziferischen, durch die ahrimanischen Wesenheiten? Hineingekommen war in den physischen Leib die Anlage zur Verwesung, die Anlage zur Auflösung, die Anlage zum Sterben, mit anderen Worten. In den physischen Leib war der Todeskeim gekommen. Dieser Todeskeim würde erst vollständig zum Ausdruck kommen am Ende der Erdentwickelung, wenn kein Christus gekommen wäre. Denn dann würde der Ätherleib in alle Zukunft hinein unfähig sein, den Menschen wieder zu beleben. Und wenn die Erdentwickelung fertig wäre, dann würde alles, was als physischer Menschenleib entstanden ist, der Verwesung anheimfallen, und die Erdenmission selber würde dem Tode verfallen. Jederzeit ist, wenn wir heute den Tod erblicken, dieser jetzige Tod ein Wahrzeichen für das, was als der allgemeine Tod am Ende der Erdentwickelung stehen würde. Langsam und allmählich nur versiegt das, was der Menschheit einmal mitgegeben worden ist. Daß der Mensch immer wieder und wieder geboren wird, von Verkörperung zu Verkörperung gehen kann, das ist nur dadurch möglich geworden, daß dem Menschen ein Lebensfonds mitgegeben wurde. Für das rein äußere Leben in aufeinanderfolgenden Inkarnationen würde eben erst am Ende der Erdentwickelung ersterben alle Lebensmöglichkeit. Aber nach und nach würde sich schon zeigen, daß die Menschen absterben. Langsam würde sich das vollziehen von Teil zu Teil, und der physische Leib würde immer mehr vertrocknen. Wäre nicht der Christus-Impuls gekommen, so würde der Mensch gliedweise gegen das Ende der Erdentwickelung hin absterben. Nun steht der Christus-Impuls erst im Anfange seiner Entwickelung. Er wird erst nach und nach sich in die Menschheit hineinleben, und was der Christus für die Menschheit sein wird, das werden erst künftige Zeiten vollständig zeigen - bis an das Ende der Erdenentwickelung hin.
[ 28 ] What, then, was it that entered the physical body through the Luciferic and Ahrimanic beings? What had entered the physical body was the predisposition toward decay, the predisposition toward dissolution—in other words, the predisposition toward death. The seed of death had entered the physical body. This seed of death would not have fully manifested itself until the end of Earth’s evolution, had Christ not come. For then the etheric body would have been incapable, for all time to come, of reviving the human being. And when Earth’s evolution were complete, everything that had come into being as a physical human body would fall prey to decay, and the Earth mission itself would succumb to death. Whenever we behold death today, this present death is a symbol of what would stand as universal death at the end of Earth’s evolution. Only slowly and gradually does that which was once bestowed upon humanity dry up. The fact that human beings are born again and again, able to pass from one incarnation to the next, has become possible only because humanity was endowed with a reserve of life. As for purely external life in successive incarnations, all possibility of life would indeed cease only at the end of Earth’s evolution. But little by little it would already become apparent that human beings are dying off. This would take place slowly, part by part, and the physical body would wither away more and more. Had the Christ impulse not come, human beings would have died off piece by piece toward the end of Earth’s evolution. Now the Christ impulse is only at the beginning of its development. It will only gradually take root in humanity, and what the Christ will be for humanity will only be fully revealed in times to come—right up to the end of Earth’s evolution.
[ 29 ] Aber nicht in gleicher Weise sind die verschiedenen menschlichen Verrichtungen und Dinge von dem Christus-Impuls ergriffen worden. Es gibt heute sehr viele Dinge, die von dem Christus-Impuls ganz und gar nicht ergriffen sind, die erst in der Zukunft werden von dem Christus-Impuls ergriffen werden müssen. Ich will Ihnen dafür ein schlagendes Beispiel anführen, wie es in unserer Zeit ein ganzes Gebiet menschlicher Tätigkeit gibt, das gegenwärtig von dem Christus-Impuls nicht ergriffen worden ist.
[ 29 ] But the various human activities and things have not been touched by the Christ impulse in the same way. There are many things today that have not been touched by the Christ impulse at all, things that will have to be touched by the Christ impulse only in the future. I would like to give you a striking example of how, in our time, there is an entire field of human activity that has not yet been touched by the Christ impulse.
[ 30 ] Als die vorchristliche Zeit zu Ende ging, etwa im siebenten, sechsten Jahrhundert der vorchristlichen Zeitrechnung, da ging in bezug auf menschliches Wissen die uralte Weisheit und die uralte Kraft zur Neige. In bezug auf andere Lebenserscheinungen hatte sie noch lange eine junge, frische Kraft, aber namentlich in bezug auf das Wissen ging sie zur Neige. Von dem achten, siebenten, sechsten Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung blieb zurück etwas, was man als einen Rest wiederum des Restes bezeichnen kann. Wenn Sie noch zur ägyptisch-chaldäischen Weisheit gegangen wären oder zur urpersischen und indischen Weisheit, da würden Sie diese Weisheit überall durchdrungen gefunden haben mit wirklichen geistigen Anschauungen, mit Ergebnissen uralten Hellsehens. Diejenigen, welche nicht sehr hellseherisch waren, die hatten die Berichte der Hellseher. Wissenschaft etwa ohne Grundlage des Hellsehens gab es nicht und hat es nicht gegeben, in der indischen und persischen Zeit nicht und in den späteren Zeiten nicht. Auch in der ersten Zeit des Griechentums hat es keine Wissenschaft gegeben ohne zugrunde liegende hellseherische Forschung. Dann aber kam die Zeit heran, wo für die menschliche Wissenschaft die hellsehetische Forschung versiegte. Und nun sehen wir eine menschliche Wissenschaft zuerst auftauchen, aus der das Hellsehen heraus ist, oder wenigstens nach und nach herausgeworfen wird.
[ 30 ] As the pre-Christian era drew to a close, around the seventh or sixth century B.C., ancient wisdom and ancient power began to wane in the realm of human knowledge. With regard to other aspects of life, it retained a youthful, fresh vitality for a long time, but particularly in the realm of knowledge, it was running out. From the eighth, seventh, and sixth centuries B.C., what remained could be described as a remnant of a remnant. If you had turned to Egyptian-Chaldean wisdom, or to ancient Persian and Indian wisdom, you would have found this wisdom permeated everywhere with genuine spiritual insights, with the findings of ancient clairvoyance. Those who were not particularly clairvoyant relied on the reports of the clairvoyants. Science without a foundation in clairvoyance did not exist and has never existed—neither in the Indian and Persian eras nor in later times. Even in the early days of Greek civilization, there was no science without underlying clairvoyant research. But then the time came when clairvoyant research dried up for human science. And now we see human science emerging for the first time from which clairvoyance has been excluded—or at least is gradually being cast out.
[ 31 ] Warum verschwindet das Helisehen? Weil jetzt bereits oben anfängt der Ätherleib wieder herauszutreten. Da zeigen sich schon die ersten Vorzeichen. Das Hellsehen versiegt, der Glaube an die Mitteilungen der Hellseher versiegt, und dasjenige wird begründet in der Zeit des siebenten, sechsten Jahrhunderts vor dem Erscheinen des Christus, was man nennen kann eine menschliche Wissenschaft, aus der immer mehr und mehr die Ergebnisse der geistigen Forschung herausgetrieben werden. Und das geht immer weiter und weiter. Bei Parmenides, Heraklit, bei Plato und noch bis zu Aristoteles hin, da können Sie überall nachweisen in den Schriften der Naturforscher, bei den alten Ärzten, daß dasjenige, was man Wissenschaft nennt, ursprünglich durchdrungen war von den Ergebnissen der geistigen Forschung. Aber immer mehr und mehr versiegte die Geisteswissenschaft, immer weniger wurde sie. In bezug auf unsere Seelenfähigkeit bleibt sie noch vorhanden, in bezug auf Fühlen und Wollen bleibt sie vorhanden; in bezug auf das menschliche Denken versiegt sie nach und nach.
[ 31 ] Why is clairvoyance disappearing? Because the etheric body is already beginning to emerge again from above. The first signs are already apparent. Clairvoyance is waning, belief in the messages of clairvoyants is waning, and what can be called a human science—from which the results of spiritual research are increasingly being driven out—took root in the seventh and sixth centuries before the coming of Christ. And this process continues further and further. From Parmenides and Heraclitus, through Plato, and even up to Aristotle, you can find evidence everywhere in the writings of the natural philosophers and the ancient physicians that what we call science was originally permeated by the findings of spiritual research. But spiritual science gradually dried up, becoming less and less prevalent. It still exists in relation to our soul’s capacity; it remains present in relation to feeling and willing; but in relation to human thinking, it is gradually drying up.
[ 32 ] So hatte also in bezug auf das menschliche Denken, auf das wissenschaftliche Denken der Einfluß vom Ätherleib auf den physischen Leib schon begonnen sich zu verlieren, als der Christus erschien. Alles geschieht eben nach und nach, allmählich. Da kam der Christus und gab den Impuls. Aber natürlich nahmen nicht alle gleich den Christus-Impuls an, und namentlich für gewisse Gebiete wurde er nicht angenommen. Für verschiedene Gebiete wurde er angenommen, aber geradezu zurückgewiesen wurde er für die wissenschaftlichen Gebiete. Sehen Sie sich selbst die Wissenschaft der römischen Kaiserzeitan. Sehen Sie nach bei Celsas. Da können Sie finden allerlei Zeug, was er geschrieben hat über den Christus. Dieser Celsus, der ein sehr großer Gelehrter war, aber nichts verstand in bezug auf das menschliche Denken vom Christus-Impulse, berichtet: Da soll einmal gelebt haben in Palästina ein Ehepaar unter dem Namen Joseph und Maria, und an diese knüpft sich an die Sekte der Christen. Das aber, was darüber erzählt wird, ist alles Aberglaube. Die Wahrheit ist die, daß die Frau dieses Joseph einmal ihrem Manne untreu geworden ist mit einem römischen Hauptmanne mit Namen Panthera. Der Joseph wußte aber nicht, wer der Vater ihres Kindes war.
[ 32 ] Thus, with regard to human thinking—and specifically scientific thinking—the influence of the etheric body on the physical body had already begun to wane when Christ appeared. Everything happens step by step, gradually. Then Christ came and provided the impulse. But of course, not everyone accepted the Christ impulse right away, and in certain fields in particular, it was not accepted. It was accepted in various fields, but it was outright rejected in the scientific fields. Just look at the science of the Roman Empire. Look into the writings of Celsus. There you can find all sorts of things he wrote about Christ. This Celsus, who was a very great scholar but understood nothing regarding the human perception of the Christ impulse, reports: There is said to have once lived in Palestine a married couple named Joseph and Mary, and the Christian sect is linked to them. But everything that is told about this is mere superstition. The truth is that this Joseph’s wife once was unfaithful to her husband with a Roman centurion named Panthera. Joseph, however, did not know who the father of her child was.
[ 33 ] Das gehört zu den bekanntesten Erzählungen jener Zeit. Wer die zeitgenössische Literatur verfolgt, der wird wissen, daß gewisse Menschen der heutigen Zeit noch nicht über den Celsus hinausgekommen sind. Gewiß, es lebt sich auf manchen Gebieten nur langsam der Christus-Impuls ein, aber in bezug auf diese Gebiete, von denen wir jetzt sprechen, hat er sich bis heute noch gar nicht einleben können. Da sehen wir eines der Glieder, das verdorrt. Da sehen wir, daß im menschlichen Gehirn etwas verdorrt, während, wenn dieses Gehirn beeinflußt wird von dem Christus-Impuls, es die Wissenschaft in einer ganz anderen Gestalt wieder aufleben lassen wird. So sonderbar das klingt in unserer Zweit des wissenschaftlichen Fanatismus, so ist es doch so: der Teil des menschlichen Gehirns, der dazu berufen ist, wissenschaftlich zu denken, verfällt einem langsamen Tode. Daher sehen Sie, wie ganz langsam, stufenweise die alten Erbstücke aus dem wissenschaftlichen Denken verschwinden. Wir sehen, wie Aristoteles verhältnismäßig noch viel davon hat, wie aber nach und nach die Wissenschaft ausgepreßt wird von den alten Erbstücken, und wie die Wissenschaft durch das, was sie später bekommt an äußeren Beobachtungen, gottverlassen wird in bezug auf das Denken, wie sie nichts mehr hat von dem alten Fonds. Und wir sehen, wie es möglich ist, daß, wenn man den Christus noch so stark erlebt, man keinen Zusammenhang mehr finden kann zwischen dem Christus-Impuls und zwischen dem, was die Menschheit an Wissenschaft sich herauferobert hat. Es gibt äußere Beweise dafür.
[ 33 ] This is one of the best-known stories of that era. Anyone who follows contemporary literature will know that certain people today have not yet moved beyond Celsus. Certainly, in some areas the Christ impulse is taking root only slowly, but with regard to the areas we are now discussing, it has not yet been able to take root at all. There we see one of the limbs withering away. There we see that something is withering away in the human brain, whereas, if this brain were influenced by the Christ impulse, it would revive science in an entirely different form. As strange as this may sound in our age of scientific fanaticism, it is nonetheless true: the part of the human brain that is called upon to think scientifically is succumbing to a slow death. That is why you see how, very slowly and gradually, the old legacies are disappearing from scientific thinking. We see how Aristotle still possesses a relatively large amount of it, but how, little by little, science is being squeezed out of these old legacies, and how, through the external observations it later acquires, science becomes forsaken by God in terms of thinking—how it no longer possesses anything from that old storehouse. And we see how it is possible that, no matter how strongly one experiences Christ, one can no longer find a connection between the Christ impulse and what humanity has achieved in the realm of science. There is external evidence for this.
[ 34 ] Denken Sie, es wäre ein Mensch gewesen im dreizehnten Jahrhundert, der ganz intensiv von dem Christus-Impuls ergriffen gewesen wäre, und der gesagt hätte: Wir haben den Christus-Impuls. Wie eine Summe von gewaltigen neuen Offenbarungen fließt er uns aus dem Evangelium heraus, und wir können uns damit durchdringen! - Und nehmen wir an, dieser Mensch hätte sich die Aufgabe zugeschrieben, ein Bindeglied zu schaffen zwischen der Wissenschaft und dem Christentum: es war schon im dreizehnten Jahrhundert so, daß er dazu nichts gefunden hätte in der zeitgenössischen Wissenschaft! Er hätte zurückgreifen müssen bis zu Aristoteles. Und mit dem Aristoteles nicht mit der Wissenschaft des dreizehnten Jahrhunderts, sondern nur mit dem Aristoteles hätte er das Christentum interpretieren können. Die Wissenschaft war eben so, daß sie immer unfähiger wurde, mit dem Christus-Prinzip zusammenzukommen. Deshalb mußten die Männer des dreizehnten Jahrhunderts zurückgehen bis zu demalten Aristoteles. Der hatte noch von dem alten Erbgut der Weisheit, und er konnte die Begriffe liefern, durch die man die Wissenschaft mit dem Christentum zusammenbringen konnte. Dann wurde die Wissenschaft immer ärmer und ärmer an Begriffen, gerade indem sie immer reicher wurde an Beobachtungen. Und dann kam die Zeit, wo alle Begriffe der alten Weisheit aus der Wissenschaft schwanden.
[ 34 ] Imagine if there had been a person in the thirteenth century who had been deeply moved by the Christ impulse and who had said: “We have the Christ impulse.” Like a sum of powerful new revelations, it flows to us from the Gospel, and we can let it permeate us!”—And let us suppose that this person had set himself the task of creating a link between science and Christianity: even in the thirteenth century, he would have found nothing to support this in contemporary science! He would have had to go back as far as Aristotle. And it was only through Aristotle—not through thirteenth-century science—that he could have interpreted Christianity. Science was such that it became increasingly incapable of reconciling itself with the Christ principle. That is why the men of the thirteenth century had to go back to the Aristotle of that time. He still possessed the ancient heritage of wisdom, and he could provide the concepts through which science could be reconciled with Christianity. Then science became poorer and poorer in concepts, precisely as it grew richer in observations. And then came the time when all the concepts of ancient wisdom vanished from science.
[ 35 ] Die größten Menschen sind ja natürlich in bezug auf ihre Wissenschaft auch Kinder ihrer Zeit. Galilei konnte doch nicht aus dem Absoluten heraus denken, er konnte nur im Sinne seiner Zeit denken. Under ist gerade dadurch groß, daß er das rein gottverlassene Denken herstellt, das rein mechanistische Denken. Ein großer Umschwung tritt gerade mit Galilei uns vor Augen. Die gewöhnlichste Erscheinung, wie sie heute in der Physik erklärt wird, wurde vor Galilei anders geschildert als nach ihm. Jemand wirft zum Beispiel einen Stein. Da sagt man heute, der Stein behält durch das Beharrungsvermögen so lange seine Bewegung bei, bis sie unter dem Einfluß einer anderen Kraft aufgehoben wird. Vor Galilei dachte man ganz anders; da war man davon überzeugt, daß, wenn der Stein weiter gehen soll, jemand den Stein fortstoßen muß. Etwas Aktives stand hinter dem fliegenden Stein. Galilei hat vollständig die Menschen umdenken gelehrt, aber so, daß sie gelernt haben, die Welt als einen Mechanismus aufzufassen. Und heute gilt es geradezu als ein Ideal, die Welt mechanisch, mechanistisch zu erklären und allen Geist herauszutreiben. Das rührt eben davon her, daß jene Partien des menschlichen Gehirnes, des Denkinstrumentes, die das Organ des wissenschaftlichen Denkens sind, heute schon so vertrocknet sind, daß sie nicht neues Leben den Begriffen zufließen lassen können, so daß diese Begriffe ärmer und ärmer werden.
[ 35 ] The greatest minds are, of course, also children of their time when it comes to their science. Galileo could not think from the Absolute; he could only think in the spirit of his time. Unders, on the other hand, is great precisely because he establishes thinking that is entirely divorced from God—purely mechanistic thinking. A major shift becomes evident precisely with Galileo. The most ordinary phenomenon, as explained in physics today, was described differently before Galileo than after him. For example, someone throws a stone. Today we say that, due to inertia, the stone maintains its motion until it is counteracted by another force. Before Galileo, people thought quite differently; they were convinced that, for the stone to continue moving, someone had to push it forward. There was an active force behind the flying stone. Galileo completely taught people to think differently—but in such a way that they learned to view the world as a mechanism. And today, it is virtually considered an ideal to explain the world mechanically, in a mechanistic way, and to drive all spirit out of it. This stems precisely from the fact that those parts of the human brain—the instrument of thought—which constitute the organ of scientific thought have already withered to such an extent that they can no longer breathe new life into concepts, causing these concepts to become poorer and poorer.
[ 36 ] Man könnte leicht nachweisen, daß die Wissenschaft, wenn sie noch so sehr Einzelheit zu Einzelheit häuft, mit keinem einzigen Begriff die Menschheit bereichert hat. Wohlgemerkt: Beobachtungen sind keine Begriffe! Sagen Sie nicht, daß solche Dinge wie Darwinismus und dergleichen die Menschheit mit Begriffen bereichert hätten. Andere haben das getan, nicht die Wissenschafter, sondern Menschen, die ganz andere Quellen hatten. Ein solcher Mensch war Goethe. Er hat die Menschheit mit Begriffen von ganz anderen Quellen her bereichert. Dafür gilt er aber bei den Wissenschaftern auch als Dilettant.
[ 36 ] It could easily be demonstrated that science, no matter how much it accumulates detail upon detail, has not enriched humanity with a single concept. Mind you: observations are not concepts! Do not say that things like Darwinism and the like have enriched humanity with concepts. Others have done that—not scientists, but people who drew on entirely different sources. Goethe was one such person. He enriched humanity with concepts drawn from entirely different sources. For this, however, he is regarded by scientists as a dilettante.
[ 37 ] Die Dinge liegen so, daß tatsächlich die Wissenschaft nicht bereichert worden ist mit Begriffen. Begriffe finden Sie viel, viel lebensvoller, viel höher und großartiger in uralten Zeiten. Ausgepreßt wie eine Zitrone sind die Begriffe, die der Darwinismus hat. Er hat nur Beobachtungen gesammelt und sie mit den ärmer gemachten Begriffen verbunden. Diese wissenschaftliche Richtung ist etwas, was uns so recht deutlich den Vorgang zeigt des allmählichen Absterbens. Im Gehirn des Menschen ist ein Glied, das im Vertrocknen ist. Das ist das Glied, das heute in der Wissenschaft arbeitet. Und der Grund davon ist, daß der Teil des menschlichen Ätherleibes, der dieses vertrocknende Gehirn beleben sollte, heute noch nicht den Christus-Impuls erlangt hat. Bevor nicht der Christus-Impuls auch einfließt in diesen Teil des menschlichen Gehirns, welcher die Wissenschaft versorgen soll, kommt kein Leben in diese Wissenschaft. Das ist in den großen Weltgesetzen begründet. Wenn die Wissenschaft so fortmacht, wird sie immer ärmer werden an Begriffen, immer mehr werden die Begriffe aussterben. Und solche Menschen werden in der Wissenschaft immer häufiger sein, welche eine Beobachtung neben die andere stellen - und eine heillose Angst haben vor dem, der einmal anfängt zu denken. Schrecklich ist es heute für einen Professor, wenn ihm ein junger Mensch eine Doktor-Dissertation bringt, wo auch nur ein wenig Denken drinnen ist.
[ 37 ] The fact is that science has not actually been enriched with concepts. You will find concepts that are far, far more vibrant, far loftier, and more magnificent in ancient times. The concepts of Darwinism have been squeezed dry like a lemon. It has merely collected observations and linked them to these impoverished concepts. This scientific direction is something that shows us quite clearly the process of gradual withering away. There is a part of the human brain that is withering away. This is the part that is at work in science today. And the reason for this is that the part of the human etheric body that is supposed to enliven this withering brain has not yet received the Christ impulse. Until the Christ impulse also flows into this part of the human brain—which is meant to nourish science—no life will come into this science. This is rooted in the great laws of the universe. If science continues in this way, it will become ever poorer in concepts; more and more concepts will die out. And there will be more and more people in science who simply string one observation after another—and who have a hopeless fear of anyone who ever begins to think. It is a dreadful thing today for a professor when a young person brings him a doctoral dissertation that contains even a little bit of thinking.
[ 38 ] Aber es gibt heute schon eine Anthroposophie! Und diese Anthroposophie wird immer mehr und mehr den Christus-Impuls der Menschheit verständlich machen und dadurch dem Ätherleib immer mehr Leben zuführen. Und sie wird imstande sein, so viel Leben ihm zuzuführen, daß er auch den vertrocknenden Teil des Gehirns zum Schmelzen bringen wird, der heute unsere wissenschaftliche Denkrichtung zuwege gebracht hat. Das ist ein Beispiel dafür, wie der Christus-Impuls, indem er sich nach und nach einlebt in die Menschheit, die absterbenden Glieder wieder belebt. Gegen die Menschenzukunft hin würden immer mehr und mehr Glieder absterben. Aber gegenüber jedem absterbenden Gliede wird der Christus-Impuls in die Menschheit einfließen, und am Ende der Erdentwickelung wird es so sein, daß alle die Glieder, die sonst abgestorben wären, wieder belebt worden sind von dem ChristusImpuls, der dann den ganzen Ätherleib durchsetzt hat, mit dem der menschliche Ätherleib dann eins geworden ist. Und der erste Impuls zu dieser allmählichen Wiederbelebung der Menschheit, der erste Impuls zur Auferstehung der Menschheit ist eingetreten in einem Moment, den uns das Johannes-Evangelium wunderschön schildert.
[ 38 ] But anthroposophy already exists today! And this anthroposophy will make the Christ impulse increasingly understandable to humanity and thereby infuse the etheric body with ever more life. And it will be able to infuse so much life into it that it will even cause the withering part of the brain—which has brought about our current scientific way of thinking—to melt away. This is an example of how the Christ impulse, by gradually taking root in humanity, revives the dying members. As humanity moves toward its future, more and more members would wither away. But for every withering limb, the Christ impulse will flow into humanity, and by the end of Earth’s evolution, all the limbs that would otherwise have withered away will have been revived by the Christ impulse, which will then have permeated the entire etheric body, with which the human etheric body will then have become one. And the first impulse toward this gradual revival of humanity—the first impulse toward the resurrection of humanity—occurred at a moment beautifully described to us in the Gospel of John.
[ 39 ] Stellen wir uns vor, daß der Christus in die Welt getreten ist völlig universell und zuerst das Große vollbringt aus einem völlig durchchristlichten Ätherleib. Denn das ist es ja gewesen, zu dem der Christus den Ätherleib des Jesus von Nazareth gemacht hat, daß dieser Ätherleib auch den physischen Leib beleben konnte. In dem Augenblick, wo der Ätherleib des Jesus von Nazareth, in dem der Christus jetzt war, ein vollständiger Beleber geworden war des physischen Leibes, da erschien der Ätherleib des Christus verklärt! Und der Schreiber des Johannes Evangeliums schildert uns diesen Augenblick :
[ 39 ] Let us imagine that the Christ entered the world in a completely universal way and first accomplished the Great Deed from a completely Christ-imbued etheric body. For that is precisely what the Christ made of the etheric body of Jesus of Nazareth—so that this etheric body could also animate the physical body. At the very moment when the etheric body of Jesus of Nazareth—in which Christ now resided—had become the full animator of the physical body, the etheric body of Christ appeared transfigured! And the author of the Gospel of John describes this moment to us:
«Vater, verkläre deinen Namen! — Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verkläret, und will ihn abermal verklären. Da sprach das Volk, das dabei stand und zuhörte: Es donnert.»
“Father, glorify your name!” — Then a voice came from heaven: “I have glorified it, and I will glorify it again.” The crowd standing there and listening said, “It thundered.”
[ 40 ] Es wird gesagt: Diejenigen, die dabei standen, hörten donnern. Aber niemals wird gesagt, daß etwa ein Mensch, der nicht dazu vorbereitet gewesen wäre, es auch gehört hätte.
[ 40 ] It is said that those who were standing there heard a thunderous sound. But it is never said that anyone who was not prepared for it would have heard it as well.
«Die anderen aber sprachen: Es redete ein Engel mit ihm. Jesus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen.»
“But the others said, ‘An angel spoke to him.’ Jesus answered and said, ‘This voice was not for my sake, but for yours.’”
[ 41 ] Warum? Damit rings um ihn herum verstanden werde, was geschehen ist. Und der Christus spricht über das, was geschehen ist:
[ 41 ] Why? So that those around him would understand what had happened. And Christ speaks about what had happened:
«Jetzt gehet das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden.» (12, 28-31)
“Now judgment is coming upon the world; now the prince of this world is going to be cast out.” (12:28–31)
[ 42 ] Luzifer-Ahriman ist in diesem Augenblicke aus dem physischen Leib des Christus ausgestoßen worden! Das große Vorbild steht da, das sich in der Zukunft in der ganzen Menschheit vollziehen muß: Ausgestoßen werden müssen durch den Christus-Impuls die Hemmnisse von LuziferAhriman aus dem physischen Leibe! Und des Menschen Erdenkörper muß so belebt werden durch den Christus-Impuls, daß die Früchte der Erdenmission mit hinübergenommen werden in jene Zeiten, welche die Erdenzeiten ablösen werden.
[ 42 ] At this very moment, Lucifer-Ahriman has been cast out of the physical body of Christ! Here stands the great example that must be realized in the future throughout all humanity: The hindrances of Lucifer-Ahriman must be cast out of the physical body by the Christ impulse! And the human physical body must be so enlivened by the Christ impulse that the fruits of the earthly mission will be carried over into those times that will succeed the earthly ages.
