Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Anthroposophy, Psychosophy
and Pneumatosophy
GA 115

16 December 1911, Berlin

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Anthroposophy Psychosophy Pneumatosophy, tr. SOL
  1. Anthroposophie Psychosophie Pneumatosophie, 5th ed.

Pneumatosophie IV

Pneumatosophy IV

[ 1 ] Es ist wohl begreiflich, daß nur eine ganz kurze und in gewissem Sinne sogar flüchtige Skizze dessen gegeben werden kann, was einem als Pneumatosophie vorschweben kann, da wir ja nur diese vier Vorträge während unserer Generalversammlungszeit zur Verfügung haben. Daher ist es natürlich, daß mancherlei hier nur andeutungsweise gegeben werden kann, ja nur so andeutungsweise gegeben werden kann, daß man eigentlich im Grunde genommen diese oder jene Ausführungen erwartet zur weiteren Begründung und Detaillierung. Bei manchen Dingen mag sogar schwierig zu übersehen sein, welcher Zusammenhang ist zwischen dem, was gegeben wird, und dem, was eigentlich hier als Pneumatosophie bezeichnet wird. Gestern haben wir zum Beispiel gezeigt, wie man aus dem Bereiche des bloß Seelischen, auf der einen Seite aus dem Vorstellungsleben und auf der andern Seite aus dem Leben der Gemütsbewegungen, hinauskommt in Gebiete, welche ihrer ganzen Natur nach zu den übersinnlichen Welten gezählt werden müssen. Daß sie zu den übersinnlichen Welten gezählt werden müssen, haben wir aus der einfachen Tatsache heraus erkannt, daß der Bereich des Seelischen eben gegenüber diesen Dingen an einer bestimmten Grenze aufhört, und daß selbst scharfsinnige Seelenforscher, indem sie das Gebiet des Seelischen durchnehmen und einteilen, vor diesen Dingen Halt machen. Es sind ja dem Theosophen alle solchen Dinge, wie sie uns entgegengetreten sind als Imagination, Intuition und Inspiration, von andern Seiten her bekannt, und man muß sich denken, daß dieses also Bekannte, was vor uns stehen kann aus den ganz andern Gesichtspunkten heraus, wie sie etwa in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gegeben sind, in seiner Berechtigung eingesehen werden kann, wenn man immer weiter und weiter geht in dem Aufzeigen all der Fäden, die aus dem gewöhnlichen Seelenleben des Alltages heraus, dem Vorstellungsleben, dem Gemütsleben und dem Urteilen, zur Imagination, Intuition und Inspiration führen.

[ 1 ] It is understandable that we can only provide a very brief—and in a certain sense even fleeting—sketch of what one might envision as Pneumatosophy, since we have only these four lectures at our disposal during our General Assembly. It is therefore natural that certain matters can only be touched upon here—indeed, only in such a way that one might actually expect this or that explanation to provide further justification and detail. In some cases, it may even be difficult to see the connection between what is being presented and what is actually referred to here as Pneumatosophy. Yesterday, for example, we showed how one moves from the realm of the purely soulful—on the one hand, from the life of imagination, and on the other, from the life of emotional movements—into realms that, by their very nature, must be counted among the supersensible worlds. We have recognized that they must be counted among the supersensible worlds from the simple fact that the realm of the soul ends at a certain boundary precisely opposite these things, and that even astute researchers of the soul, as they survey and classify the realm of the soul, stop short of these things. After all, the theosophist is familiar with all such things—as they have appeared to us as imagination, intuition, and inspiration—from other perspectives, and one must realize that the validity of this already familiar material, which may present itself to us from entirely different viewpoints—as described, for example, in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds? , can be recognized as valid as one proceeds further and further in revealing all the threads that lead from the ordinary everyday life of the soul—the life of the imagination, the life of the emotions, and judgment—to imagination, intuition, and inspiration.

[ 2 ] Nun ist es natürlich, daß der Mensch zunächst sein Hauptaugenmerk auf dasjenige Seelische wenden wird - um aus diesem in das Geistige hinüberzukommen -, das ihm in der eigenen Seele und indem eigenen Geiste gegeben ist, das heißt also, daß er zunächst darauf ausgehen wird, sein eigenes Geistig-Seelisches erkennen zu lernen. Im Verlaufe dieser Vorträge haben wir nun darauf hinweisen können, wie innerhalb der abendländischen Entwickelung bis ins 19. Jahrhundert, ja bis in unsere Zeit herein die Menschheit Schwierigkeiten hatte, die Tatsache anzuerkennen, die uns als eine fundamentale erscheint: daß des Menschen Geist durch wiederholte Erdenleben geht. Und wir haben am Ende des zweiten Vortrages geradezu einen Repräsentanten indem Durchmachen solcher Schwierigkeiten in Frohschammer angeführt, welcher aus einer wissenschaftlichen Ehrlichkeit ersten Ranges heraus in seinem Werk über die Philosophie des Thomas von Aquin sagt: Wie sollte es sein, wenn der Mensch mit seinem Bleibenden, mit seinem Geistigen eigentlich nur untertauchen sollte immer wieder und wieder in ein Leibliches wie in eine Art Fegefeuer, wie in eine Art Kerker, in ein Gefängnis? Soll man, sagt Frohschammer, das, was zusammenhängt mit dem Verhältnis der Liebe, des Geschlechtsgegensatzes, nur ansehen wie eine Veranstaltung, um des Menschen Seele einzukerkern für die Dauer zwischen Geburt und Tod? - Nun ist es einmal notwendig, gegenüber einer solchen ehrlichen Einwendung gegen die Lehre von den wiederholten Erdenleben, sich zu fragen, ob denn nicht vielleicht hier von Frohschammer ein Standpunkt geltend gemacht worden ist, der eben nur ein Standpunkt ist, und ob nicht ein anderer Standpunkt noch möglich wäre? Was man Frohschammer wird zugeben müssen, das ist sein ehrlicher Enthusiasmus gegenüber alledem, was uns in dieser Welt Schönes und Herrliches entgegentritt in dem, was er anführt. Denn er hat eben aus dem abendländischen Geistesleben heraus diesen Enthusiasmus für die äußere Welt, für alles Schöne und Große der äußeren Welt, und ihm erscheint es so, als wenn die Lehre von den wiederholten Erdenleben darauf hinausginge, zu sagen: Da wird angenommen ein Geistiges-Ewiges, ein Ewiges von der Menschenindividualität, von dem Menschengeist, das es recht gut und recht selig haben könnte in der geistigen Welt, und das hereingezwängt, hereingekerkert wird in eine Welt, die ganz und gar nicht angemessen ist dieser Höhe, dieser Erhabenheit des menschlichen Geistes.- Wenn das behauptet würde, so könnte jemand, der berechtigterweise Enthusiasmus entwickelt für das Schöne und Große der göttlichen Natur und der geschichtlichen Entwickelung und für das, was an erhebenden Leidenschaften und Trieben in der menschlichen Seele auftritt, sich allerdings aufbäumen gegen das, wogegen sich auch Frohschammer aufbäumt: daß die menschliche Seele jedesmal nur zu einer neuen Einkerkerung schreitet, wenn sie sich wieder inkarnieren soll. Aber ist das wirklich der einzige Standpunkt, der ausgedacht werden kann? Es muß zugegeben werden, daß es bei den Vertretern der Lehre von den wiederholten Erdenleben auch heute noch Menschen gibt, die so etwas sagen, wie es jetzt angedeutet worden ist: daß der Geist des Menschen von einer erhabenen Höhe heruntersteige zu einer Art Einkerkerung in den Leib. Aber da liegt nicht das vor, was die Geisteswissenschaft aus der Geistesforschung heraus zutage fördern kann, sondern so allgemeine, vage Ideen über wiederholte Erdenleben. Wir müssen fragen: Könnte nicht vielleicht anerkannt werden, daß dasjenige, wo hinein da der Mensch geboren wird, wenn er zu einem Leben kommt zwischen Geburt und Tod, daß das eigentlich etwas Wunderschönes, etwas ganz Großartiges sei? Könnte nicht anerkannt werden, daß der Mensch, wie er uns als physische Gestalt entgegentritt, wirklich im biblischen Sinne eine Art Ebenbild der Gottheit sei? Und dann würde das genügen, um in Enthusiasmus darüber zu verfallen. Dann würde man also zugeben müssen, daß der Mensch eigentlich in keinen Kerker versetzt werde, sondern auf einen wunderschönen Schauplatz, in ein wunderschönes Wohnhaus versetzt wird, wenn er zur Inkarnation kommt. Ja, hängt es denn wirklich vom Hause und von seiner Größe und Schönheit ab, ob man sich dazugehörig und recht richtig drinnen fühlt, oder hängt es vielleicht mehr davon ab, ob man durch seine Eigenschaften, durch seine Zustände darin «eingesperrt» ist? Hängt es überhaupt vom Hause ab, was man darin fühlen kann, oder wird dieses Haus vielleicht gerade deshalb für den Menschen ein so kerkerhaftes sein, weil er trotz der Schönheit und Größe nichts damit anzufangen weiß und darin gefesselt ist? Daß das Haus ein schönes ist, worin wir wohnen, und daß das Schlimme höchstens das ist, daß just wir darin eingesperrt sind während des Erdenlebens, das wird gerade jene Betrachtung zeigen können, welche im geistesforscherischen Sinne gehalten ist, die durch Imagination, Intuition und Inspiration aufsteigt zu einer wirklichen Erkenntnis desjenigen im Menschen, was da durchgeht durch die verschiedenen Erdenleben.

[ 2 ] It is only natural, of course, that human beings will first turn their attention to the soul—in order to pass from it into the spiritual realm—that is given to them in their own soul and in their own spirit; in other words, they will first set out to learn to recognize their own spiritual-soul nature. In the course of these lectures, we have been able to point out how, throughout Western development up to the 19th century—indeed, right up to our own time—humanity has struggled to acknowledge a fact that seems fundamental to us: that the human spirit passes through repeated earthly lives. And at the end of the second lecture, we cited Frohschammer as a prime example of someone who grappled with such difficulties; out of scientific integrity of the highest order, he states in his work on the philosophy of Thomas Aquinas: How could it be that human beings, with their enduring essence—their spiritual nature—should in fact merely plunge again and again into a physical existence, as if into a kind of purgatory, a kind of dungeon, a prison? Should one, says Frohschammer, regard that which pertains to the relationship of love and the sexual dichotomy merely as a mechanism designed to imprison the human soul for the duration between birth and death? - Now, in the face of such an honest objection to the doctrine of repeated earthly lives, it is necessary to ask oneself whether Frohschammer has not perhaps put forward a point of view here that is simply a point of view, and whether another point of view might still be possible? What one must concede to Frohschammer is his sincere enthusiasm for all that is beautiful and magnificent in this world, as expressed in his arguments. For it is precisely from Western spiritual life that he draws this enthusiasm for the external world, for all that is beautiful and great in the external world, and it seems to him as if the doctrine of repeated earthly lives were tantamount to saying: There is assumed to be a spiritual-eternal being—an eternal aspect of human individuality, of the human spirit—that could be quite well and quite blissful in the spiritual world, yet is forced and imprisoned into a world that is entirely unsuited to this height, this sublimity of the human spirit. - If this were claimed, then someone who justifiably feels enthusiasm for the beauty and grandeur of divine nature and historical development—and for the uplifting passions and drives that arise in the human soul—might indeed rebel against what Frohschammer also rebels against: that the human soul proceeds each time only toward a new imprisonment whenever it is to incarnate again. But is that really the only perspective that can be conceived? It must be admitted that even today, among the proponents of the doctrine of repeated earthly lives, there are still people who say something along the lines of what has just been suggested: that the human spirit descends from a sublime height into a kind of imprisonment within the body. But this does not reflect what spiritual science can bring to light through spiritual research; rather, it reflects such general, vague ideas about repeated earthly lives. We must ask: Could it not perhaps be acknowledged that the very place into which a human being is born, when he or she enters a life between birth and death, is actually something wonderfully beautiful, something truly magnificent? Could it not be acknowledged that the human being, as he or she appears to us in physical form, is truly, in the biblical sense, a kind of image of the Deity? And then that would be enough to fill us with enthusiasm. Then we would have to admit that when a human being incarnates, they are not actually being sent to a dungeon, but rather to a beautiful setting, to a beautiful home. Yes, does it really depend on the house and its size and beauty whether one feels at home and truly comfortable inside, or does it perhaps depend more on whether one is “imprisoned” within it by one’s own characteristics and circumstances? Does what one feels inside depend on the house at all, or does this house perhaps become so prison-like for a person precisely because, despite its beauty and size, he does not know what to do with it and is bound within it? That the house in which we live is a beautiful one, and that the worst thing about it is, at most, that we are confined within it during our earthly life—this is precisely what a spiritual-scientific perspective can reveal, one that, through imagination, intuition, and inspiration, ascends to a true understanding of that which passes through a person during their various earthly lives.

[ 3 ] Das erste, was der Mensch erlebt, wenn er durch die gestern angedeutete Art gleichsam nach rückwärts aus seinem Vorstellungsleben in die imaginative Welt hineinkommt, ist eine Welt von Bildern. In diese Welt von Bildern kamen ja zu jeder Zeit die verschiedensten Menschen hinein. Wenn man diese imaginative Welt, die sich auf Grundlage sorgfältiger Konzentrationen, Meditationen und so weiter oder auf der Grundlage besonderer Anlagen der Seele erschließen kann, rein ihrer Erscheinung nach nimmt, so stellt sie sich so dar, daß sie zunächst gleichsam die Rudimente, die Reste der noch äußeren Sinneswelt dadurch zeigt, daß der Mensch dann in dieser imaginativen Welt eben allerlei sieht, Häuser, Tiere, Menschen, diese oder jene Ereignisse, die sich wirklich bildhaft abspielen, daß er vor sich hat Szenen und Wesen in einer ganz lebendigen Bilderwelt. Auf der andern Seite charakterisiert sich diese imaginative Welt schon als in gewissem Sinne zum Übersinnlichen gehörend dadurch, daß der Mensch es doch nicht in der reinen Willkür hat, die Symbole oder Bilder zu bestimmen, daß es inneren Geserzmäßigkeiten unterliegt, wenn er dieses oder jenes ausgeprägt hat, ja, daß ganz bestimmte übersinnliche Verhältnisse in ganz bestimmten Symbolen und Bildern sich ausprägen. So kann der Mensch, wenn es sich um diese imaginative Welt handelt, ziemlich sicher sein, daß er unter allen Umständen eine gewisse Stufe seiner Seelenentwickelung, eine gewisse Fähigkeit, in der übersinnlichen Welt in einer gewissen Region zu leben, dadurch charakterisiert findet, bildhaft-imaginativ, daß ihm zum Beispiel ein Kelch gereicht wird, oder daß er durch einen Fluß geführt wird, oder daß er getauft wird und so weiter. Es kann sich auch ergeben, daß der Mensch innerhalb dieser imaginativen Welt erlebt - und das sind ja die unangenehmeren Erlebnisse -, daß seine verschiedenen Eigenschaften, seine verschiedenen Triebe ihm symbolisiert in allerlei Getier entgegentreten, entweder in großen furchtbaren Tieren oder in kleinen kribbelnden, krabbelnden Tieren. Es ist natürlich unmöglich, da wir es hier mit einer Welt zu tun haben, die viel reicher ist als unsere Sinneswelt, auch nur annähernd diese erste Stufe der imaginativen Welt zu schildern, die der Mensch da erreichen kann.

[ 3 ] The first thing a person experiences when, in the manner hinted at yesterday, they enter the imaginative world—as it were, moving backward from their life of imagination—is a world of images. People of all kinds have, in fact, entered this world of images at all times. If one considers this imaginative world—which can be accessed through careful concentration, meditation, and so on, or through special spiritual dispositions— and considers it purely in terms of its appearance, it presents itself in such a way that it initially reveals, as it were, the rudiments—the remnants—of the still-external sensory world; for in this imaginative world, a person sees all manner of things—houses, animals, people, this or that event—that actually unfold in pictorial form, so that they have before them scenes and beings in a thoroughly vivid world of images. On the other hand, this imaginative world is already characterized as belonging, in a certain sense, to the supersensible realm by the fact that a person does not have the pure freedom to determine the symbols or images; that it is subject to inner laws of formation when he has formed this or that; indeed, that very specific supersensible relationships manifest themselves in very specific symbols and images. Thus, when it comes to this imaginative world, a person can be fairly certain that, under all circumstances, a certain stage of their soul’s development—a certain ability to live in a specific region of the supersensible world—is characterized in a pictorial-imaginative way by, for example, being handed a chalice, or being led through a river, or being baptized, and so on. It may also happen that, within this imaginative world—and these are, of course, the more unpleasant experiences—a person experiences his various characteristics and impulses symbolized as all manner of creatures, either as large, fearsome animals or as small, tingling, crawling creatures. Of course, since we are dealing here with a world that is far richer than our sensory world, it is impossible to even begin to describe this first stage of the imaginative world that a person can attain there.

[ 4 ] Im ganzen muß man sagen, daß diese Welt - selbst dann, wenn sie dem Menschen recht unangenehm ist, sich ihm recht scheußlich vorstellt, und er sich sagen muß, daß dieses Unangenehme und Scheußliche Symbole für seine Eigenschaften sind — doch etwas ist, was dem Menschen, der sie vor sich hat, in den meisten Fällen ziemlich angenehm ist; denn die gewöhnliche Erscheinung ist die, daß die Menschen, wenn sie dies erleben, über die Qualität des Erlebten hinwegsehen und recht froh sind, wenn sie überhaupt einmal in der geistigen Welt sind. Das ist durchaus begreiflich. Denn die geistige Welt, die man so betritt, sie lastet, selbst wenn sie recht scheußlich ist, nicht schwer auf einem; denn sie ist im Grunde genommen eine Bilderwelt. Und nur wenn man selber nicht die genügende Stärke hat und diese Welt den Menschen überwältigt, niederdrückt, zerstört sie ihm das gesunde Seelenleben. Aber etwa ein Gefühl moralischer Verantwortlichkeit oder ein Gefühl einer gewissen Verantwortlichkeit den großen Welterscheinungen gegenüber muß nicht unbedingt im Gefolge eines solchen Schauens der imaginativen Welt auftreten. Es kann auch das gerade Gegenteil davon der Fall sein. So zum Beispiel kann es sein, daß die Menschen, die eine große Vollkommenheit gerade im Durchschauen dieser Welt haben, eigentlich eine recht leichte moralische Hand bekommen in bezug auf das Gefühl für Wahrheit und Unwahrheit. Es ist tatsächlich die Versuchung eine außerordentlich große gerade für den imaginativen Hellseher, es mit der Wahrheit für die physische Welt nicht besonders ernst zu nehmen und da dann kein besonderes Verantwortlichkeitsgefühl mehr gegenüber der Wahrheit zu entwickeln. Es ist in gewissem Sinne eine Misere, daf bei imaginativem Hellsehen leicht etwas wie ein Unvermögen gegenüber der Unterscheidung des objektiv Wahren und Falschen eintreten kann. Das Feststehen in dieser Welt und das Vermögen, ihr überhaupt die richtige Bedeutung beizulegen, das ist eben eine Sache der Entwickelung. Man kann eigentlich recht unentwickelt sein als Mensch und diese imaginative Welt durchaus vor sich haben, kann viele, viele visionsartige Imaginationen der höheren Welt haben und braucht gar nicht besonders hoch zu stehen als Mensch. Es ist, wie gesagt, eine Sache der Entwickelung. Die Entwickelung zeitigt im Laufe der Zeit, daß man zwischen den Imaginationen ebenso unterscheiden lernt, wie man in der physischen Welt im Grunde genommenen auch erst unterscheiden lernt, nur daß man dies in einem so frühen Lebensalter durchmacht, daß man es gewöhnlich nicht berücksichtigt. Aber man nimmt ja auch in der physischen Welt nicht einen Laubfrosch für einen Elefanten, sondern man lernt die Dinge unterscheiden, lernt sie einteilen und gliedern, so daß einem diese physische Welt gegliedert erscheint. Gegenüber der imaginativen Welt steht der Mensch zunächst so da, wie wenn er der physischen Welt so gegenüberstünde, daß er einen Laubfrosch für ein eben solches Tier halten würde wie einen Elefanten; daß er sie nicht unterscheiden könnte. Wie gleichmäBig ausgebreitet und in gleichmäßiger Wichtigkeit erscheint zunächst die imaginative Welt! Daß wir dem einen mehr, dem andern weniger Gewicht beilegen, das müssen wir erst lernen. Denn das ist die Eigentümlichkeit dieser Welt, daß sie uns nicht groß und klein erscheint durch ihre eigene Natur, sondern durch das, was wir sind. Nehmen wir an, irgend jemand sei ein sehr hochmütiger, arroganter Mensch; dann gefällt ihm an sich dieses arrogante Wesen. Wenn ihm nun die imaginative Welt aufgeht, so überträgt sich sein Gefühl, sein Gefallen ander Arroganz auf die Größe der Wesenheiten, die er dann sieht, und alles, was in der imaginativen Welt sich als etwas Arrogantes, als etwas Hochmütiges kundgibt, erscheint ihm riesengroß, als etwas, was eine ungeheure Bedeutung hat, während vielleicht das, was dem Demütigen als groß erscheint, ihm klein erscheint wie ein winziger Laubfrosch. Da hängt es ganz von den Eigenschaften der Menschen ab, wie sich ihnen diese Welt in der Perspektive darstellt. Es ist eine Sache der Entwickelung des Menschen, daß die richtigen Verhältnisse und die Intensitäten und Qualitäten dieser Welt richtig erkannt werden. Die Dinge sind durchaus objektiv, aber der Mensch kann sie ganz verzerren und in Karikaturen sehen. Das ist das Wesentliche, daß der Mensch zunächst in einer gewissen Weise durchgehen muß auch bei diesen höheren übersinnlichen Erkenntnissen durch das, was er selbst ist, das heißt, er muß auf imaginative Art sich selbst kennenlernen. Das ist allerdings deshalb eine fatale Sache, weil die Perspektive für das, was in der imaginativen Welt gegeben ist, am allermeisten dann vollständig durch die eigenen Qualitäten der Seele bestimmt ist, das heißt, in falschem oder richtigem Sinne bestimmt ist.

[ 4 ] All in all, one must say that this world—even when it is quite unpleasant to a person, appears quite hideous to them, and they must tell themselves that this unpleasantness and hideousness are symbols of their own characteristics—is nonetheless something that, in most cases, is quite pleasant to the person who experiences it; for the usual experience is that when people have this experience, they overlook the nature of what they are experiencing and are quite happy simply to be in the spiritual world at all. This is entirely understandable. For the spiritual world one enters in this way—even if it is quite hideous—does not weigh heavily upon one; for it is, in essence, a world of images. And only when one lacks sufficient inner strength—and this world overwhelms, oppresses, and destroys one’s healthy soul life—does it have such an effect. But a sense of moral responsibility, or a sense of a certain responsibility toward the great phenomena of the world, does not necessarily follow in the wake of such a vision of the imaginative world. The exact opposite may also be the case. For example, it may be that people who possess great perfection precisely in their insight into this world actually develop a rather lax moral attitude with regard to their sense of truth and falsehood. In fact, there is an exceptionally great temptation—especially for the imaginative clairvoyant—not to take the truth of the physical world particularly seriously and, as a result, to no longer develop any particular sense of responsibility toward the truth. In a certain sense, it is a predicament that, in imaginative clairvoyance, something like an inability to distinguish between what is objectively true and false can easily arise. Being firmly grounded in this world and the ability to attribute the correct meaning to it at all—that is precisely a matter of development. One can actually be quite undeveloped as a human being and still have this imaginative world right before one’s eyes; one can have many, many vision-like imaginations of the higher world without necessarily being particularly advanced as a human being. As I said, it is a matter of development. Over time, this development leads one to learn to distinguish between these imaginative visions just as one ultimately learns to distinguish in the physical world—only that this process occurs at such an early age that it is usually not taken into account. But even in the physical world, one does not mistake a tree frog for an elephant; rather, one learns to distinguish between things, to classify and categorize them, so that this physical world appears structured to us. At first, a person stands before the imaginative world just as they would stand before the physical world if they were to mistake a tree frog for an elephant—that is, unable to distinguish between them. How uniformly spread out and of equal importance the imaginative world appears at first! We must first learn to assign greater weight to one thing and less to another. For this is the peculiarity of this world: that it does not appear great or small to us by its own nature, but rather through what we ourselves are. Let us suppose that someone is a very haughty, arrogant person; then he finds this arrogant nature pleasing in itself. When the imaginative world opens up to him, his feeling—his delight in arrogance—is transferred to the size of the beings he then sees, and everything in the imaginative world that manifests as something arrogant or haughty appears to him as gigantic, as something of immense significance, whereas what appears great to the humble person may seem to him as small as a tiny tree frog. It depends entirely on a person’s characteristics how this world presents itself to them in perspective. It is a matter of human development that the correct proportions, intensities, and qualities of this world be properly recognized. Things are entirely objective, but a person can distort them completely and see them as caricatures. The essential point is that a person must first, in a certain way, pass through—even in these higher supersensible insights—what he himself is; that is, he must come to know himself in an imaginative way. This is, however, a perilous process, because the perspective on what is given in the imaginative world is then, above all, completely determined by the soul’s own qualities—that is, determined in either a false or a true sense.

[ 5 ] Was heißt denn das, der Mensch muß durch imaginative Erkenntnis sich selbst kennenlernen? Es heißt, er muß zunächst unter den Imaginationen, unter den Bildern, die ihm in der imaginativen Welt entgegentreten, sich selber als ein objektives Bild entgegentreten. So wie der Mensch in der physischen Welt etwa eine Glocke oder einen andern Gegenstand als ein Objektives vor sich hat, so muß er in der imaginativen Welt sich selbst entgegentreten als das, was er ist, als eine Wirklichkeit, wie er zunächst ist. Das kann er auf eine reguläre Weise nur erreichen, wenn er in der Tat durch Meditation und so weiter aufrückt von dem Wahrnehmen der Außenwelt zu dem Leben in seinen Vorstellungen, indem er, wie wir schon erwähnt haben, sich ganz gewisse Symbole vorstellt, damit er von der Außenwelt loskommt, und so lange in dem rein inneren Seelenleben der Vorstellungen leben lernt, bis dem Menschen das etwas wird, was er wie etwas Natürliches durchmacht: das Leben in seinen Vorstellungen. Dann wird der Mensch wirklich so etwas bemerken wie eine Art Spaltung seines Wesens, eine Art Spaltung seiner Persönlichkeit. Er wird sich oftmals zusammennehmen müssen in den Übergangsstadien, um einen gewissen Zustand nicht gar zu sehr heranwachsen zu lassen. Wenn dieser eigentümliche Zustand eintritt, ist es so, daß der Mensch nach und nach eine Art von Vorstellung bekommt, in der er lebt, in der er ganz drinnen ist, so daß er jetzt nicht mehr sagt: Ich bin das, was mein Leib ist—- sondern als eine Imagination vor sich hat: Das bist du! So bist du! — Dann tritt das ein, daß er zuweilen merkt, wie das andere seiner Wesenheit außer dem, was sich da frei gemacht hat, wie eine Art Automat wirkt, daß er eigentlich über demselben steht, daß dieses aber die Begierde hat, automatisch Worte zu sprechen, Gesten zu machen und so weiter. Ungeschulte Menschen werden sich dann zuweilen in allerlei Grimassen entdecken, weil sie mit der Imagination etwas aus sich herausgezogen haben; und was zurückgeblieben ist, macht allerlei automatisches Zeug. Das ist etwas, was nicht weiterkommen soll als bis zum Versuch; das muß immer überwunden werden können. Der Mensch muß sich immer dazu bringen, daß er, wie sonst andere Gegenstände, so jetzt seine eigene Wesenheit außer sich hat.

[ 5 ] What does it mean, then, that a person must come to know himself through imaginative insight? It means that, among the imaginations—among the images that appear to him in the imaginative world—he must first encounter himself as an objective image. Just as a person in the physical world has, for example, a bell or some other object before him as an objective entity, so too must he encounter himself in the imaginative world as what he is, as a reality, just as he is at first. He can achieve this in a systematic way only if, through meditation and so on, he actually progresses from perceiving the external world to living within his mental images—by, as we have already mentioned, visualizing certain symbols so that he can detach himself from the external world—and learns to live in the purely inner spiritual life of these mental images until it becomes something he experiences as a natural part of his existence: life within his own ideas. Then the person will truly notice something like a kind of splitting of his being, a kind of splitting of his personality. He will often have to pull himself together during the transitional stages so as not to allow a certain state to develop too strongly. When this peculiar state sets in, the person gradually develops a kind of mental image in which they live, in which they are completely immersed, so that they no longer say: “I am what my body is”—but instead have before them, as an imagination: “That is you! That is who you are!” — Then what happens is that they sometimes notice how the other part of their being—apart from what has freed itself—acts like a kind of automaton, that they actually stand above it, but that this part has the urge to automatically speak words, make gestures, and so on. Untrained people will then sometimes find themselves making all sorts of grimaces, because they have drawn something out of themselves through the imagination; and what remains behind performs all sorts of automatic actions. This is something that should not go beyond the stage of an attempt; it must always be possible to overcome it. A person must always bring himself to the point where, just as with other objects, he now has his own being outside of himself.

[ 6 ] Jetzt kommt es gegenüber der Imagination, zu der man da gerade kommen soll, ungeheuer stark darauf an, daß man in der Tat gewisse Seeleneigenschaften vorher entwickelt hat. Denn hier bei dieser imaginativen Selbsterkenntnis treten in der Tat alle möglichen Illusionen auf. Es lauert ja da im Hintergrunde alles, was menschlicher Hochmut, was überhaupt menschliche Illusionsfähigkeit ist, die aus den verschiedensten Eigenschaften hervorkommt. Man kann in der imaginativen Welt das Verschiedenste sehen. Unter diesem Verschiedensten wird man natürlich etwas rein gefühlsmäßig für sich selber halten, und es ist eine recht weitverbreitete Erscheinung, daß sich die Menschen in der imaginativen Welt eigentlich zunächst für das Allerbeste halten. Wenn die Menschen, die sich so in der imaginativen Welt sehen, einen Schluß ziehen wollen, was sie nun ihrer Individualität nach früher gewesen sind, damit sie dieses ganz außergewöhnliche Menschenkind, das sie jetzt sind, haben werden können, so kommen sie zuweilen zu dem Resultat, daß sie mindestens geschichtlich etwas Hochgestelltes gewesen sein müssen, etwas Königliches oder dergleichen. Wir erleben es immer wieder und wieder, daß gerade angehende Hellseher davon überzeugt sind, daß sie in ihrer früheren Inkarnation irgendwie Karl der Große, Napoleon, Julius Cäsar, Marie Antoinette oder diese oder jene hohe geschichtliche Persönlichkeit gewesen sind, weil sich diese Menschen so vorkommen - gar nicht von denen zu reden, die sich für noch höhere Wiederverkörperungen, von Heiligen und dergleichen halten -, weil die Menschen ihre Individualität für etwas so Bedeutsames nehmen müssen, wie sie ihnen jetzt entgegentritt, daß sie in diesem «Kerker», in dem sie jetzt sind, nur annehmen können, daß sie in ihren früheren Verkörperungen etwas Außerordentliches gewesen sind. Da konnte man einmal an einem Tische beieinandersitzen sehen die Marquise de Pompadour, Marie Antoinette, Friedrich den Großen, den Herzog von Reichstadt und noch andere höchst gewichtige Persönlichkeiten. Ja, Sie lachen, aber diese Dinge sind tatsächlich sehr ernst, weil sie darauf aufmerksam machen sollen, wie es ganz und gar von der Seele des Menschen selbst abhängt, wie ihm in der imaginativen Erkenntnis sein eigenes Wesen entgegenkommt. Dieses eigene Wesen lernen wir nämlich kennen, wenn wir wirklich ganz von uns loskommen, wenn wir mit aller Energie darauf hinarbeiten, alle die Eigenschaften abzulegen, von denen wir im gewöhnlichen Leben bemerken können, daß sie gräßlich sind, daß sie den andern Menschen unangenehm sind, und daß wir fortwährend etwas mit uns herumtragen, was wir, wenn wir objektiv über uns nachdenken, nicht haben sollten. Diese Eigenschaften müssen wir uns im Grunde recht sehr in die Seele schreiben; denn jetzt handelt es sich nicht darum, nur Dinge zu sagen, die allen gefallen können, sondern solche Dinge zu sagen, die wahr sind, die auch durchaus nur objektiv gemeint sind. Es kann immer die Versicherung gegeben werden, daß wir, wenn wir genügend objektiv zu Werke gehen, wirklich unendlich viel damit zu tun haben, uns selber zu kritisieren, und daß wir eigentlich nur in der äußersten Not, wenn es die äußeren Verhältnisse notwendig machen, zu dem übergehen sollten, was da gang und gäbe ist in der Menschheit: zu der Kritik der andern, zum Übelnehmen der andern und so weiter. Wer sich viel beschäftigt mit der Beurteilung der andern, wer viel Kritik übt an den andern, der kann sicher sein, daß er viel zu wenig Zeit behält, um an sich zu entdecken, was er an sich entdecken muß, und um wegzuräumen, was weggeräumt werden muß, damit die imaginative Erkenntnis unseres Selbstes in ihrer Wahrheit vor uns stehen kann. Und wenn man, nachdem jemand sich lange mit Geisteswissenschaft beschäftigt hat, immer wieder und wieder fragen hört: Warum komme ich nicht weiter? Warum sehe ich nicht etwas in der geistigen Welt? - so läge ja der Einwand ungeheuer nahe, den sich der Mensch selbst machen könnte: daß er darauf achtgeben müßte, von aller Kritik der andern, wenn sie nicht durch die äußerste Notwendigkeit gefordert ist, vollständig abzusehen, und daß er vor allem lernen müßte, was es heißt, abzusehen von aller Kritik der andern. Denn manche Menschen vergessen nämlich, wenn sie aufstehen und das Tagewerk des nächsten Tages beginnen, was es heißt, abzusehen von der Kritik an den andern. Denn das heißt, auch einmal etwas hinnehmen können von den andern, was einem im Leben unangenehm und fatal sein kann. Das muß man hinnehmen können. Denn wer an Karma wirklich glaubt, der weiß, daß dasjenige, was uns von einem andern zugefügt wird, wir uns selbst zugefügt haben. Es liegt ja im Karma, daß einem das zugefügt wird.

[ 6 ] When it comes to the kind of imagination we are about to explore, it is incredibly important that one has, in fact, already developed certain qualities of the soul. For here, in this imaginative self-knowledge, all manner of illusions do indeed arise. Lurking in the background is everything that constitutes human arrogance—the very capacity for illusion that arises from the most diverse characteristics. One can see the most varied things in the imaginative world. Among these varied things, one will naturally regard some as purely emotional experiences for oneself, and it is a quite widespread phenomenon that people in the imaginative world actually consider themselves to be the very best at first. When people who see themselves in this way in the world of the imagination try to draw a conclusion about what they must have been in a previous life, based on their individuality, in order to have become this truly extraordinary human being that they are now, they sometimes come to the conclusion that they must have been, at least historically speaking, someone of high standing—someone royal or the like. We see it time and time again that budding clairvoyants, in particular, are convinced that in a past incarnation they were somehow Charlemagne, Napoleon, Julius Caesar, Marie Antoinette, or this or that prominent historical figure, because these people feel as though —not to mention those who consider themselves to be even higher reincarnations, such as saints and the like—because people must regard their individuality as something so significant, as it now presents itself to them, that in this “prison” in which they now find themselves, they can only assume that they must have been something extraordinary in their past incarnations. Once, one could see the Marquise de Pompadour, Marie Antoinette, Frederick the Great, the Duke of Reichstadt, and other highly influential figures sitting together at a table. Yes, you laugh, but these things are actually very serious, because they are meant to draw attention to how it depends entirely on the human soul itself how one’s own being appears to us in imaginative insight. For we come to know this true self when we truly detach ourselves entirely from our own ego, when we strive with all our energy to shed all those traits which, in ordinary life, we can see are dreadful, are unpleasant to others, and which we constantly carry around with us—things that, when we reflect objectively on ourselves, we ought not to have. We must, in essence, engrave these traits quite deeply into our souls; for now it is not a matter of merely saying things that might please everyone, but of saying things that are true—things that are meant purely and objectively. One can always be certain that, if we go about our business with sufficient objectivity, we really have an endless amount to do in terms of criticizing ourselves, and that we should actually only resort—in the most extreme necessity, when external circumstances make it necessary—to what is commonplace among humanity: criticizing others, taking offense at others, and so on. Anyone who spends a great deal of time judging others, anyone who is highly critical of others, can be certain that they will have far too little time left to discover within themselves what they must discover, and to remove what must be removed, so that the imaginative knowledge of our self may stand before us in its truth. And when, after someone has been engaged in spiritual science for a long time, one hears them ask again and again: “Why am I not making any progress?” Why can’t I see anything in the spiritual world?”—then the objection that the person might raise against themselves would be all too obvious: that they must take care to completely refrain from all criticism of others—unless it is absolutely necessary—and that, above all, they must learn what it means to refrain from all criticism of others. For some people forget, when they get up and begin the next day’s work, what it means to refrain from criticizing others. For that means being able to accept, at times, something from others that may be unpleasant or even disastrous in one’s life. One must be able to accept that. For whoever truly believes in karma knows that what is inflicted upon us by another is something we have inflicted upon ourselves. It is, after all, part of karma that this is inflicted upon us.

[ 7 ] Es gehört also unendlich viel dazu, zur imaginativen Erkenntnis des eigenen Selbstes zu kommen. Dann fängt man an zu merken, warum das Frohschammersche Bild von der Einkerkerung nicht stimmt. Man merkt dann, daß man in der Tat so in seinem Leben drinnen ist, daß man sich sagen muß: Die Inkarnation, das Erdenleben, in dem du bist, wäre schon schön, wäre ganz wunderbar und herrlich, aber du bist nicht so darnach; du kannst nicht alles anfangen, was du nach der Leiblichkeit, die dich an einen bestimmten Schauplatz gestellt hat, anfangen könntest. - Man kommt dann zu der Erkenntnis: Hier stehe ich in der Welt, in einem bestimmten Zeitpunkt, an einem bestimmten Raumpunkt; um mich herum ist immer die schöne Welt, alles Große und Gewaltige, und ich habe leibliche Organe, durch die alles Große und Gewaltige hereindringt, alles Herrliche und Prächtige, alles, was für ein unbefangenes Gefühl uns sagen muß: Wir leben eigentlich in der Welt, in der wir sind, fortwährend in einem Paradies! — Das ist etwas, was wir uns sagen sollten, selbst wenn es uns außerordentlich schlecht geht. Denn es handelt sich nicht darum, wie es uns geht, sondern ob diese Welt schön und herrlich ist; denn ob es uns schlecht geht, das kann von unserem Karma abhängen. Wie die Welt ist, das hängt lediglich von der Welt ab und darf nicht von unserem persönlichen Standpunkt aus beurteilt werden. Aber zum vollen Aufnehmen dieser Welt, zum Ziele der höchsten Befriedigung und Beseligung, ist uns gegeben unsere Leiblichkeit, sind uns gegeben unsere Organe, und groß ist der Abstand zwischen dem, was wir in unserem Dasein innerhalb von Geburt und Tod aus diesem Weltenparadies herausziehen könnten, wenn wir alles herausnehmen würden, und demjenigen, was wir tatsächlich herausnehmen. Und warum nehmen wir so wenig heraus? Ja, weil in diese Leiblichkeit hinein eben etwas verkörpert ist, was klein ist gegenüber der Welt, was nur gestattet, einen geringfügigen Ausschnitt herauszunehmen. Vergleichen Sie, was vom Morgen bis zum Abend Ihre Augen fortwährend sehen, mit dem, was sie wirklich sehen könnten, so haben Sie ein Verhältnis zwischen dem, was Sie imstande sind aufzunehmen, und dem, was Sie wirklich aufnehmen.

[ 7 ] It therefore takes an infinite amount to arrive at an imaginative understanding of one’s own self. Then one begins to realize why Frohschamer’s image of imprisonment is incorrect. One then realizes that one is, in fact, so deeply immersed in one’s life that one must say to oneself: Incarnation—this earthly life in which you find yourself—would be beautiful, truly wonderful and glorious, but you are not quite up to it; you cannot undertake everything you might otherwise do, given the physicality that has placed you in a specific setting. —One then comes to the realization: Here I stand in the world, at a specific moment in time, at a specific point in space; all around me is always the beautiful world, all that is great and mighty, and I have physical organs through which all that is great and mighty enters, all that is magnificent and splendid—everything that, to an unbiased sense, must tell us: We actually live in the world in which we are, continually in a paradise! — This is something we should tell ourselves, even when we are feeling extremely miserable. For the issue is not how we are feeling, but whether this world is beautiful and magnificent; for whether we are feeling miserable may depend on our karma. What the world is like depends solely on the world itself and must not be judged from our personal standpoint. But in order to fully experience this world—to attain the goal of the highest satisfaction and bliss—we have been given our physicality and our senses; and there is a great gap between what we could draw from this worldly paradise during our existence between birth and death—if we were to take everything in—and what we actually do take in. And why do we derive so little from it? Precisely because something is embodied within this physicality that is small in comparison to the world—something that allows us to extract only a minuscule fragment. Compare what your eyes continually see from morning to night with what they could actually see, and you will see the ratio between what you are capable of perceiving and what you actually perceive.

[ 8 ] Wir erleben durch eine solche Erkenntnis in der Tat ein merkwürdiges Verhältnis von uns selbst zum Geist. Wenn wir uns selbst im Geiste erkennen, dann fühlen wir, daß wir für diese Welt durchaus nicht so taugen, wie wir taugen würden, wenn wir unsere gesamte Organisation benützen könnten. Jetzt entdecken wir dann, daß demjenigen, was wir selbst sind vor unserer imaginativen Erkenntnis, etwas anderes in der Welt entgegenstehen muß. Und hier kommen wir zu einer interessanten Zusammenstellung, die wir nur ganz auf unser Gemüt wirken lassen müssen, wenn wir uns kennenlernen wollen, nämlich daß der Mensch, indem er sich in der imaginativen Welt erkennt, sich gegenüber dem, was die Welt um ihn herum ist, wahrhaftig nicht groß und erhaben vorkommen kann, nicht, als wenn er als ein Wesen einer höheren Welt in diesen Erdenkerker versetzt wäre, sondern daß er nicht angemessen ist diesem Erdenkerker. Oh, mit seinem Leibe könnte der Mensch unendlich viel machen, wenn er ihn ganz benützen könnte. Das ist der wahre Tatbestand. Deshalb steht dem, was der Mensch in der imaginativen Welt ist, eine Welt gegenüber, die korrigiert, was er dadurch schlimm macht, daß er seine Körperlichkeit gar nicht benutzt — es würde ja reizvoll sein, wenn man in aller Breite die Entsprechung dieser beiden Welten ausführen könnte -, es steht gegenüber dem, was der Mensch in der imaginativen Welt ist, die ganze kulturelle Entwickelung des Menschen vom Erdenanfang bis zum Erdenende. Warum steht diese Welt der Kulturentwickelung vom Erdenanfang bis zum Erdenende dem gegenüber, als was der Mensch sich in einer Inkarnation, in einem Dasein zwischen Geburt und Tod erscheint vor seiner eigenen Imagination?

[ 8 ] Through such insight, we do indeed experience a strange relationship between ourselves and the spirit. When we recognize ourselves in the spirit, we feel that we are by no means as well-suited to this world as we would be if we could make use of our entire being. We then discover that something else in the world must stand in opposition to what we ourselves are prior to our imaginative insight. And here we arrive at an interesting insight that we must simply allow to take full effect on our minds if we wish to get to know ourselves, namely, that by recognizing himself in the imaginative world, a human being truly cannot appear great and sublime in relation to the world around him—not as if he were a being from a higher world placed in this earthly dungeon, but rather that he is not suited to this earthly dungeon. Oh, a human being could do so much with his body if he could make full use of it. That is the true state of affairs. Therefore, set against what a human being is in the imaginative world stands a world that corrects the harm caused by the fact that he makes no use at all of his physicality—it would indeed be fascinating if one could fully elaborate on the correspondence between these two worlds—set against what a human being is in the imaginative world stands the entire cultural development of humanity from the beginning of the Earth to its end. Why does this world of cultural development—from the beginning of the Earth to its end—stand in opposition to what a human being, in an incarnation, in an existence between birth and death, appears to be before his own imagination?

[ 9 ] Wenn wir uns diese Frage beantworten wollen, dann begreifen wir, daß der Mensch das, was er nicht sein kann in einer Inkarnation, eben werden muß durch viele Inkarnationen hindurch im Verlaufe der Erdenkulturentwickelung. Er muß immer wiederkommen. Dann kann er, was er so wenig ist in einer Verkörperung, es nach und nach dadurch werden, daß er immer neue Verkörperungen herbeisehnt, damit er werden kann, was er in einer Verkörperung nicht werden kann. Gerade wenn sich der Mensch eine Erkenntnis und eine Empfindung dafür verschafft, was er eigentlich sein könnte während eines Erdenlebens und was er nicht sein kann wegen seiner eigenen Innerlichkeit, dann weiß er, welches in seiner Seele die prädominierende Empfindung sein muß, wenn er durch die Pforte des Todes geht. Diese prädominierende Empfindung muß die sein: wieder herunterzukommen, um in einem folgenden und in immer weiteren Erdenleben das zu werden, was er in einem nicht sein kann. Das muß die stärkste Kraft sein: die Sehnsucht nach immer weiteren Verkörperungen während des Erdenkulturlebens.

[ 9 ] If we wish to answer this question, we come to understand that what a human being cannot be in a single incarnation, he must become through many incarnations in the course of Earth’s cultural development. He must return again and again. Then, what a person is so far from being in a single incarnation, he can gradually become by constantly longing for new incarnations, so that he may become what he cannot become in a single incarnation. Precisely when a human being gains an understanding and a sense of what he could actually be during an earthly life—and what he cannot be because of his own inner nature—then he knows what the predominant feeling in his soul must be as he passes through the gate of death. This predominant feeling must be the desire to return once more, in order to become—in a subsequent and ever-successive earthly life—what one cannot become in a single one. This must be the strongest force: the longing for ever-successive incarnations during the course of earthly cultural life.

[ 10 ] Nur angeschlagen kann dieser Gedanke werden. Wenn Sie ihn weiter ausdenken, können Sie sehen, daß aus ihm die stärkste Bekräftigung der Reinkarnation erfolgt. Und daß man so sagen kann, daß aus diesem Gedanken die stärkste Bekräftigung der Reinkarnation erfolgt, das geht auch noch aus etwas anderem hervor. Der Mensch kann die Bemühungen, in die geistige Welt hineinzukommen, nun fortsetzen. Ich habe gesagt, daß der Mensch rein technisch zur imaginativen Erkenntnis seiner selbst dadurch kommt, daß er absieht von jeder äußeren Wahrnehmung und sich in der geschilderten Weise dem Vorstellungsleben hingibt. Nun gibt es noch eine andere Möglichkeit, um der Meditation, der inneren Konzentration eine bestimmte Wendung zu geben. Sie besteht darin, daß man versucht, in vollständiger innerer Treue, mit vollständiger innerer Gewissenhaftigkeit das ablaufen zu lassen, was man nennen kann seine eigene Erinnerung. Man braucht das nur für ein paar Stunden zu machen, aber man muß es ernsthaft machen. Was ist man eigentlich im gewöhnlichen Leben? Natürlich, man kommt dahinter durch Nachdenken, durch Erkenntnistheorie und Logik, daß man ein Ich ist. Aber im gewöhnlichen Leben ist man in einem sehr fragwürdigen Sinne dieses Ich; im gewöhnlichen Leben ist es sehr fragwürdig, was dieses Ich erfüllt. Was jemand in irgendeinem Momente ist, das ist das, was ihm die Eindrücke des gewöhnlichen Lebens geben. Spielt jemand gerade Karten, so ist er das, was die Eindrücke des Kartenspiels geben. Da ist er nicht das Ich; er ist es, aber nicht seinem Bewußtsein nach. Denn was er real im Bewußtsein hat, das sind die Eindrücke des gewöhnlichen Lebens. Das Ich ist das, was wir zwar suchen können zu erreichen, aber es ist etwas höchst Variables und Flüchtiges, Flackerndes. Man kommt nur dahinter, was man in der Realität ist, wenn man sich den Erinnerungen hingibt und diese so vor sich bringt, daß man sie, während man sie sonst hinter sich hat, vor sich bekommt. Das ist ein außerordentlich wichtiger Vorgang. Im Grunde genommen ist der Mensch immer das Ergebnis seiner verflossenen Erlebnisse, die in den Erinnerungen weiterleben. Für Kleinigkeiten können Sie sehr wohl wahrnehmen, wie der Mensch das Ergebnis seiner Erinnerungen ist. Nehmen Sie an, Sie haben einen Tag lauter unangenehme Dinge erfahren. Vergleichen Sie dann, wie Sieam Abend sind, wie das Sie macht am Abend: mürrisch, abstoßend, naserümpfend und so weiter und nehmen Sie dagegen an, Sie haben einen Tag hindurch lauter befriedigende Erlebnisse erfahren. Wie sind Sie da? Freudig, lächelnd, angenehm für Ihre Umgebung, etwas ganz Wunderbares vielleicht. So ist der Mensch real einmal das eine, einmal das andere, denn er ist im Grunde genommen das, was er als Erlebnisse hinter sich hat.

[ 10 ] This idea can only be touched upon here. If you think it through further, you will see that it provides the strongest confirmation of reincarnation. And the fact that one can say this idea provides the strongest confirmation of reincarnation is also evident from something else. A person can now continue their efforts to enter the spiritual world. I have said that, from a purely technical standpoint, a person arrives at an imaginative understanding of themselves by setting aside all external perception and devoting themselves to the life of the imagination in the manner described. Now there is another way to give meditation—inner concentration—a specific direction. It consists in attempting, with complete inner fidelity and complete inner conscientiousness, to allow what one might call one’s own memory to unfold. One need only do this for a few hours, but one must do it earnestly. What is one, actually, in ordinary life? Of course, through reflection, epistemology, and logic, one comes to realize that one is an “I.” But in ordinary life, one is this “I” in a very questionable sense; in ordinary life, it is very questionable what constitutes this “I.” What a person is at any given moment is what the impressions of ordinary life give them. If someone is playing cards at that moment, they are what the impressions of the card game convey. In that moment, they are not the “I”; they are it, but not in terms of their consciousness. For what they actually have in their consciousness are the impressions of everyday life. The “I” is what we can indeed seek to attain, but it is something highly variable, fleeting, and flickering. One can only discover what one really is by surrendering to one’s memories and bringing them before oneself in such a way that, while they are otherwise behind one, one brings them to the forefront. This is an extraordinarily important process. Fundamentally, a person is always the result of their past experiences, which live on in their memories. You can very well perceive, even in small things, how a person is the result of their memories. Suppose you’ve had a day full of unpleasant experiences. Then compare how you are in the evening—how that makes you in the evening: grumpy, unapproachable, snobbish, and so on—and contrast that with the scenario where you’ve had a day full of satisfying experiences. How are you then? Joyful, smiling, pleasant to those around you—perhaps even something truly wonderful. That is how a person truly is—sometimes one way, sometimes another—because, at the core, they are what their past experiences have shaped them to be.

[ 11 ] Wenn er das, was er als Erlebnisse hinter sich hat, vor sich bringt, indem er es nach rückwärts der Reihe nach durchgeht, dann bringt er es vor sich und ist dann hinter der Sache. Wenn er das ernsthaft macht, nicht schematisch und geschäftsmäßig, sondern wenn er wirklich in den Dingen weiter ganz lebendig drinnen lebt und sein Leben - wenn auch nur für wenige Stunden wie Erinnerungen, die er vor sich geschafft hat - vor sich gebracht hat, dann tritt für die Seele etwas ein, wenn diese Seele genügend auf sich achtzugeben vermag. Es tritt eben nur dann auf, wenn man in die Lage gekommen ist, genügend Aufmerksamkeit darauf zu verwenden: nämlich eine Art Grundton, als der man sich selber vorkommt. Da kann man manchmal erleben, daß man sich selber vorkommt in recht bitterem Grundton, recht sauerbitterem Grundton. Und wenn man - was wieder von der Entwickelung abhängt - recht sorgfältig mit sich zu Werke geht, wird man sich durch einen solchen Vorgang selten als ein süßes Wesen finden, sondern man wird sich in der Regel als ein recht bitteres Wesen vorkommen, wird einen recht bitteren Grundton empfinden. Das ist schon einmal so. Denn man gelangt auf diese Weise, wenn man die gehörige Aufmerksamkeit auf sich verwenden kann, in der Tat nach und nach zu dem, was man eine inspirierte Erkenntnis von sich selber nennen kann. Durch das Bittere geht es hindurch. Aber dann wird es tatsächlich so, daß man sich recht sehr als ein verstimmtes Instrument vorkommt. In der Welt der Sphärenharmonien gibt man zunächst gewöhnlich nur einen disharmonischen Ton ab.

[ 11 ] When he brings to the fore what he has experienced in the past by going through it in reverse order, he brings it to the fore and is then behind the event. If he does this earnestly—not in a schematic or businesslike way, but by truly remaining fully alive within those events and bringing his life before him—even if only for a few hours, like the memories he has brought to the fore—then something happens to the soul, provided that soul is able to pay sufficient attention to itself. It occurs only when one has reached a state where one can devote sufficient attention to it: namely, a kind of underlying tone in which one perceives oneself. There one can sometimes experience that one perceives oneself in a rather bitter underlying tone, a truly sour and bitter underlying tone. And if one—which again depends on one’s development—proceeds quite carefully with oneself, one will rarely find oneself to be a sweet being through such a process, but will generally perceive oneself as a rather bitter being, sensing a rather bitter fundamental tone. That is certainly the case. For in this way, if one can direct the proper attention toward oneself, one does indeed gradually arrive at what one might call an inspired insight into oneself. One passes through the bitterness. But then it actually becomes the case that one feels very much like a out-of-tune instrument. In the world of spherical harmonies, one usually emits only a disharmonious tone at first.

[ 12 ] So kommt man durch diese weitergehende Selbsterkenntnis eigentlich noch mehr darauf, wie man nichts Rechtes anzufangen weiß mit der herrlichen Gottesnatur, aus der man so viel schöpfen könnte, wenn man ihr nur gewachsen wäre. Gerade wenn man eine solche Übung oft und immer wieder und wieder macht, dann drängt sich einem, wenn des Lebens Niedergang kommt, also für die späteren Jahre des Lebens - wenn man über die fünfunddreißig hinaus ist, beginnt es schon - ganz klar auf durch die eigentümliche Art, wie dieser Ton klingt, daß man eigentlich einen solchen Grundton nur dahin interpretieren kann, daß man viel, viel zu verbessern hatan dem, was man im gegenwärtigen Leben angefangen hat, daß man mit aller Macht begehren muß, wieder mit einem solchen physischen Leib umschlossen zu werden, um das korrigieren zu können, was man versäumt hat in dieser Verkörperung. Das gehört zu den wichtigsten Folgen unserer Selbsterkenntnis, daß man wieder verkörpert werden will. Und die Menschen, die daran Anstoß nehmen, daß man wieder verkörpert werden will, zeigen damit nur die Unangemessenheit dessen, was sie erfaßt haben aus der herrlichen Gottesnatur, in die wir hineingeboren sind, dieser Gottesnatur gegenüber.

[ 12 ] Thus, through this deeper self-knowledge, one actually comes to realize even more how one does not really know what to do with the glorious nature of God, from which one could draw so much if only one were up to the task. Precisely when one engages in such an exercise often, again and again and again, it becomes abundantly clear—as life’s decline sets in, that is, in the later years of life—once one is past thirty-five, it already begins —it becomes perfectly clear, through the peculiar way this tone sounds, that one can really only interpret such a fundamental tone to mean that one has much, much to improve upon in what one has begun in the present life, that one must desire with all one’s might to be enveloped once more in such a physical body in order to correct what one has neglected in this incarnation. One of the most important consequences of our self-knowledge is the desire to be reincarnated. And those who take offense at this desire to be reincarnated merely reveal the inadequacy of their understanding of the magnificent divine nature into which we are born, in light of that very divine nature.

[ 13 ] Das zweite, was man erlangt, ist also der inspirierte Mensch, als der jeder einzelne sich erkennt, in der geistigen Tonwelt sich erkennt, wenn er eben auf die charakterisierte Weise dahin kommt. Was man da erfährt, wenn man sozusagen seinen eigenen Ton kennenlernt, das ist, wie wenig man eigentlich angemessen ist dem, was in der großen Welt draußen ist. Nun kann man da schon, ich möchte sagen, von dem bloß Moralischen auf das Schicksalsmäßige übergehen und auch darauf Rücksicht nehmen, wie wenig man in der Lage ist im Leben, innerlich zu der Ruhe, zu der inneren Harmonie zu kommen, nach der man ja doch begehrt. Und Menschen, die die Kraft der Selbsterkenntnis haben, sie werden, wenn sie sich einmal an diese Selbsterkenntnis halten, wirklich oft und oft in der Lage sein, sich zu sagen: Wie wenig kannst du in dir jene Ruhe und Sicherheit finden, nach der du doch eigentlich lechzen mußt! — Da darf man, um das zu charakterisieren, an eine schöne Stelle in Goethes Schriften erinnern, wo er davon spricht, wie er, sitzend auf einem Bergesgipfel, welcher ausdrückt die ruhige Gesetzmäßigkeit der Erdennatur, das vor Augen hat, was jener «älteste Sohn der Natur», der Granit, ihm in den Bergesgipfeln vor. Augen führt, wie er die innere Konsequenz, die Größe des Naturgesetzlichen empfindet, die Ruhe gegenüber der inneren Bewegung und ‘dem Hin- und Herschwanken zwischen Lust und Leid, zwischen shimmelhoch jauchzend» und «zum Tode betrübt», des inneren Grundtones der Menschennatur. Wenn man von einer solchen Stimmung ausgeht und hinschaut zu den Naturgesetzen, zu den Naturgesetzen, die schon zu den Zeiten waren, als die Menschen in ganz andern Kulturbedingungen in Urzeiten lebten und die als Naturgesetze auch heute den Raum durchmessen, dann wird man das - was man vielleicht in zehn, zwanzig Vorträgen genauer ausführen müßte -, in bezug auf seine theoretische Begründetheit, einsehen: daß eben so, wie die Kulturentwickelung das Gegenbild des imaginativen Menschenbildes ist, die Welt der wirklichen Naturgesetze das Gegenbild des inspirierten Menschen ist. In den Naturgesetzen offenbart sich uns durch die Maja hindurch die Tatenwelt des Geistes mit jener inneren Ruhe und Konsequenz, die in uns durch unseren Irrtum zur Unruhe und Disharmonie geworden ist, so daß wir sie so erkennen als Unruhe und Disharmonie, wenn wir in uns den inspirierten Menschen erkennen. Und dann kann der Gedanke vor unsere Seele treten: Wenn wir diese Naturgesetze in Wirklichkeit und in ihrem Wesen erkennen, so wissen wir, daß sich die Erdenentwickelung zwar von Gestalt zu Gestalt, von Gestaltung zu Gestaltung metamorphosiert, daß aber in den Naturgesetzen doch etwas liegt, was uns die Sicherheit gibt, daß der Mensch, auch wenn er durch seine verschiedenen Inkarnationen hindurchgeht, also aufnimmt in der Erdenkulturentwickelung, was er aufnehmen muß, weil es der Möglichkeit nach schon in einer Inkarnation liegt, am Ende des Erdendaseins finden werde solche Verhältnisse der Außenwelt - wegen der inneren Treue und Sicherheit der Naturgesetze -, die sozusagen ausgleichend wirken auf das, was der Mensch verdirbt durch das, was er als inspirierter Mensch noch nicht entwickelt hat.

[ 13 ] The second thing one attains, then, is the inspired human being—the person as whom each individual recognizes themselves, recognizes themselves in the spiritual world of tone, when they arrive there in the manner described. What one experiences there—when, so to speak, one gets to know one’s own tone—is just how little one is actually suited to what exists in the great world out there. Now, one can already, I would say, move from the merely moral to the fateful and also take into account how little one is able, in life, to attain the inner peace and inner harmony that one does, after all, long for. And people who possess the power of self-knowledge—once they hold fast to this self-knowledge—will truly, time and again, be able to say to themselves: How little can you find within yourself that peace and security for which you must surely yearn! — To characterize this, one may recall a beautiful passage in Goethe’s writings, where he speaks of how, sitting on a mountain peak—which embodies the calm regularity of earthly nature—he beholds before his eyes what that “eldest son of nature,” granite, presents to him in the mountain peaks. He perceives the inner consistency and the grandeur of the laws of nature, the tranquility in contrast to inner turmoil, and “the oscillation between joy and sorrow, between ‘exulting to the heavens’ and ‘grief-stricken to the point of death’”—the fundamental tone of human nature. If one starts from such a mood and looks toward the laws of nature—the laws of nature that already existed in primeval times when humans lived under entirely different cultural conditions, and which, as laws of nature, still span the cosmos today—then one will come to understand—what might require a more detailed explanation in ten or twenty lectures—in terms of its theoretical foundation: that just as cultural development is the antithesis of the imaginative image of humanity, the world of actual natural laws is the antithesis of the inspired human being. Through the veil of Maya, the world of the spirit’s deeds reveals itself to us in the laws of nature with that inner calm and consistency which, within us, has been transformed into restlessness and disharmony by our own error—so that we perceive them as restlessness and disharmony when we recognize the inspired human being within ourselves. And then the thought may arise in our soul: If we recognize these laws of nature in reality and in their essence, we know that although Earth’s evolution undergoes metamorphosis from form to form, from configuration to configuration, there is nevertheless something in the laws of nature that gives us the assurance that the human being, even as he passes through his various incarnations, and thus absorbs into the development of earthly culture what he must absorb—because the potential for this already lies within a single incarnation—he will ultimately, at the end of his earthly existence, find such conditions in the external world—due to the inner fidelity and certainty of the laws of nature—that have, so to speak, a balancing effect on what the human being corrupts through what he, as an inspired human being, has not yet developed.

AltNameAltName

[ 14 ] So sehen wir einen tiefen Zusammenhang zwischen dem, was als Naturgesetze draußen ausgebreitet ist, was die Taten des Geistes in der Natur sind, und dem, was als eine Art Gegenbild uns erscheint, wenn wir durch die Inspiration in uns selber unseren tieferen Menschen entdecken. Daher wurde immer in aller Esoterik, in allen Mysterien, die innere Ruhe, die innere Harmonie der Naturgesetzmäßigkeit als ein Vorbild für des Menschen eigene innere Gesetzmäßigkeit hingestellt. Und nicht umsonst wurde der, der den sechsten Grad der Einweihung erreicht hatte, ein «Sonnenheld» genannt, um anzudeuten, daß sein eigenes Innere eine solche Gesetzmäßigkeit erreicht hatte, daß er durch diese innere Gesetzmäßigkeit und innere Sicherheit ebensowenig von dem ihm vorgezeichneten Wege abirren konnte, wie die Sonne von ihrem Wege im Weltenall abirren kann; denn wenn sie nur für einen Augenblick aus ihrem Wege heraustreten würde, so würde Unzähliges an Revolution und Zerstörung im Kosmos geschehen müssen.

[ 14 ] Thus we see a profound connection between what is manifested outwardly as the laws of nature—which are the workings of the spirit in nature—and what appears to us as a kind of mirror image when, through inspiration within ourselves, we discover our deeper self. For this reason, in all esotericism and in all mysteries, the inner peace and inner harmony of the laws of nature have always been held up as a model for humanity’s own inner order. And it was not for nothing that one who had attained the sixth degree of initiation was called a “Solar Hero,” to indicate that his own inner being had attained such regularity that, through this inner regularity and inner security, he could no more stray from the path laid out for him than the sun can stray from its path in the cosmos; for if it were to stray from its path even for a single moment, it would inevitably lead to immeasurable upheaval and destruction in the cosmos.

[ 15 ] Es gibt allerdings noch ein Weitergehen des Menschen in seiner Selbsterkenntnis. Wir könnten noch hinaufrücken zu dem Erfassen des Menschen durch die intuitive Erkenntnis, würden aber da in so hohe Regionen der Intuition hinaufkommen, daß es schwierig wäre, die Art zu charakterisieren, die sich da ergeben würde, und die - um auch äußerlich auf die Welt hinzuweisen - als Gegenbild erscheint des intuitierten Menschen. Aber das Bild, das wir zu verfolgen haben, sehen wir aus dem Schema [auf Seite 297]: daß der Mensch hinschauen kann auf alles das, was er der Möglichkeit nach ist, das heißt, was er sein könnte in jenem herrlichen Außenwerke der Welt, in dem er «eingekerkert» ist, wahrlich nicht, weil diese Außenwelt schlecht ist, sondern weil er so wenig gewachsen ist dieser Außenwelt.

[ 15 ] However, there is a further stage in human self-knowledge. We could ascend further to the grasping of the human being through intuitive knowledge, but we would then reach such lofty realms of intuition that it would be difficult to characterize the form that would emerge there—a form that, to point outward toward the world, appears as the counter-image of the intuitively grasped human being. But the image we must pursue is evident from the diagram [on page 297]: that human beings can look upon all that they are in potential—that is, what they could be—within that magnificent external world in which they are “imprisoned,” not because this external world is bad, but because they have grown so little in relation to it.

[ 16 ] Wir sehen daraus, daß Wesentliches abhängt von einer richtigen Beurteilung der ganzen Weltenverhältnisse, davon, daß eingesehen werde, was zugrunde liegt jener Art von Geist-Erkenntnis auch im Gebiete des Menschenwesens, welche durch die Geisteswissenschaft vor die gegenwärtige Menschheit hingestellt werden kann. Einwendungen, die da gemacht werden, werden gewöhnlich aus Prinzipien heraus gemacht, die völlig die Weltenverhältnisse verkennen.

[ 16 ] We can see from this that what is essential depends on a correct assessment of the entire state of the world—on recognizing what underlies that kind of spiritual insight, even in the realm of the human being, which spiritual science can present to present-day humanity. Objections raised in this regard are usually based on principles that completely misjudge the conditions of the world.

[ 17 ] Wir fragen uns aber jetzt noch zuletzt: Warum muß der Mensch überhaupt in eine äußere Körperlichkeit kommen? — Um sozusagen noch mehr das zu illustrieren, was gerade mit den nächsten Worten zu sagen ist, möchte ich erinnern, wenn Sie sie gehört haben, an die Vorträge von Dr. Unger über die Hineinstellung des Ich oder Ich-bin in das ganze innere Leben des Menschen. Auch an das möchte ich erinnern, was Sie darüber in meiner «Philosophie der Freiheit» und in «Wahrheit und Wissenschaft» finden können. Gewiß, ein geringes Nachdenken kann den Menschen schon lehren, daß hinter dem «Ich» oder «Ich bin» bedeutungsvolle Wesenheiten stecken. Aber was der Mensch zunächst erlebt, das erlebt er nur in seinem Bewußtsein, eben als sein Ich-Bewußtsein oder Selbstbewußtsein. Das wird ihm sogar jede Nacht im Schlafe unterbrochen. Und wenn der Mensch nur schlafen würde und niemals wachen, so würde er - trotzdem er auch ein Ich sein könnte - aus sich heraus niemals bemerken können, daß er ein Ich ist. Wovon hängt es denn ab, daß der Mensch überhaupt zum Bewußtsein seines Ich kommt? Das hängt davon ab, daß er so, wie er es im Wachzustande erlebt, sich seiner Körperlichkeit, seiner Leibesorgane bedient und sich mit seinem Leibe der ganzen Außenwelt gegenüberstellt. Sein Ich muß der Mensch erleben in seiner Körperlichkeit. Denn wenn der Mensch niemals auf die Erde heruntergestiegen wäre, um sich eines Leibes zu bedienen, so würde er sich in alle Ewigkeit hinein nur fühlen zum Beispiel als Glied eines Engels oder Erzengels, wie sich die Hand als Glied unseres Organismus fühlt. Niemals würde der Mensch zum Bewußtsein seiner Selbständigkeit kommen können. Das wäre ganz ausgeschlossen. Er könnte zu allen möglichen Bewußtseinsinhalten und zu allen möglichen großen Dingen der Welt kommen, aber nicht zu einem Ich-Bewußtsein, wenn er nicht in einen Erdenleib einkehren würde. Von diesem Erdenleib aus muß sich der Mensch sein Ich-Bewußtsein holen. Schon wenn Sie den Schlafzustand studieren und das, was der Traum zeigt, sehen Sie, daß da etwas arbeitet ohne Gemeinschaft mit dem Ich. Zu dem IchBewußtsein gehört das Eingekerkertsein im Leibe, das Sich-Bedienen der Sinneswerkzeuge und auch des Werkzeuges des Gehirns. Wenn aber der Mensch, wie wir gesehen haben, nur in ganz geringem Maße in einer Verkörperung sich alles dessen bedienen kann, was ihm in dieser Verkörperung gegeben ist, so darf es nicht verwundern, sondern muß ganz begreiflich erscheinen, daß das hellseherische Bewußtsein sagt: Sofern ich ein Menschen-Ich wirklich durchforsche, insofern es sich mir in seiner wahren Gestalt zeigt, so finde ich in ihm als vorwiegendste Kraft und Trieb zunächst dies: immer wieder und wieder auf die Erde in immer neue Körper zu kommen, um das IchBewußtsein immer weiter und weiter auszubilden und immer reicher und reicher zu machen. In dieser Beziehung bildet der Mensch in seiner eigenen Individualität etwas nach, was die Theosophen des 18. Jahrhunderts so oft gesagt haben, und was, wenn man es verarbeitet zur Geist-Erkenntnis, zur Pneumatosophie, einem doch außerordentlich hilfreich sein kann. Die Theosophen des 18. Jahrhunderts, so unvollkommen ihre Ausführungen uns erscheinen müssen im Verhältnis zur Geisteswissenschaft, die wir gegenwärtig haben Oetinger, Bengel, Völker unter andern -, wodurch drückten sie aus den Sinn des geistigen Wirkens auch der göttlichen Geister, oder, wie sie vom monotheistischen Standpunkt aus sprachen, des Gottesgeistes? Sie hatten eine wunderschöne Formel, um sozusagen eine Grundqualität der göttlichen Geistigkeit auszudrücken. Sie sagten: Körperlichkeit, die körperliche Welt ist das Ende der Wege Gottes! Das ist ein wunderbares Wort. Das heißt: die Gottheit ist, vermöge der in ihr liegenden Impulse, gegangen durch viele geistige Welten und hinuntergestiegen, um an eine Art von Ende zu kommen, an ein Ende, von dem aus sie umkehrt, um wieder hinaufzusteigen. Und dieses Ende ist die Ausgestaltung, gleichsam die Auskristallisierung der göttlichen Wesenheiten in der körperlichen, leiblichen Gestaltung. Wenn man es mehr in das Gemütsleben umsetzt, was da die Theosophen des 18. Jahrhunderts gesagt haben, so möchte man das Wort gebrauchen: Brünstig nach Verkörperung in der Leiblichkeit erzeigt sich uns das Geistige, wenn wir es betrachten in den höheren Regionen, und erst dann zeigt es sich nicht mehr mit seiner Brünstigkeit nach Verleiblichung, wenn es am Ende der Wege Gottes angekommen ist, die in der Körperhaftigkeit besteht, und wieder auf dem Rückwege ist. — Das war ein schönes Wort, das diese Theosophen des 18. Jahrhunderts gesagt haben, und eigentlich ein Wort, mehr beleuchtend, mehr sich auch eingrabend in das, was aufklären kann, mehr beleuchtend und aufklärend also die Geschehnisse im Menschenwesen, als mancherlei, was in der Philosophie des 19. Jahrhunderts zutage getreten ist. Während ja theosophisches Wirken und theosophische Arbeit besonders in der ersten Hälfte oder im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts gar nicht vorhanden ist, finden wir in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wirklich noch Theosophen älterer Art. Und was ihnen gefehlt hat, das war etwas, was ihnen deshalb fehlte, weil es die christliche Entwickelung zurückgehalten hatte im Abendlande: die Erkenntnis des Gesetzes der wiederholten Erdenleben. Für die Gottheit wußten diese Theosophen des 18. Jahrhunderts, daß die Körperlichkeit das Ende der Geisteswege der Gottheit ist; für den Menschen haben sie dies nicht erkannt. Denn beim Menschen hätten sie einsehen müssen, daß bei einer jeden Verkörperung, durch die ganze Natur des Menschenwesens, die Sehnsucht entstehen muß nach weiteren Verkörperungen, bis herausgeholt ist aus den Verkörperungen alles, was den Menschen reif macht, dann zu andern Daseinsformen aufsteigen zu können.

[ 17 ] But now, as a final point, we ask ourselves: Why must human beings take on an external physical form at all? — To illustrate even more clearly, so to speak, what I am about to say in the next few words, I would like to remind you—if you have heard them—of Dr. Unger’s lectures on the integration of the “I” or “I am” into the entirety of a person’s inner life. I would also like to remind you of what you can find on this subject in my Philosophy of Freedom and in Truth and Science. Certainly, a little reflection can already teach a person that there are meaningful entities behind the “I” or “I am.” But what a person initially experiences, they experience only in their consciousness—precisely as their “I”-consciousness or self-consciousness. This is even interrupted every night during sleep. And if a person were to sleep only and never wake, he would—even though he might also be an “I”—never be able to realize from within himself that he is an “I.” On what, then, does it depend that a person comes to be conscious of his “I” at all? It depends on the fact that, just as he experiences it in the waking state, he makes use of his physicality and his bodily organs and confronts the entire external world with his body. A person must experience his “I” through his physicality. For if a person had never descended to Earth to make use of a body, he would, for all eternity, feel himself—for example—as a limb of an angel or archangel, just as the hand feels itself to be a limb of our organism. Human beings would never be able to attain awareness of their independence. That would be entirely impossible. They could attain all manner of contents of consciousness and all manner of great things in the world, but not self-consciousness, unless they entered an earthly body. It is from this earthly body that human beings must derive their self-consciousness. Even when you study the state of sleep and observe what dreams reveal, you see that something is at work there without any connection to the “I.” Self-awareness involves being confined within the body, making use of the sense organs, and also of the brain as an instrument. But if, as we have seen, a human being can make use of only a very small portion of what is given to them in an incarnation, then it should come as no surprise—but rather seem entirely understandable—that clairvoyant consciousness states: Insofar as I truly explore a human “I”—insofar as it reveals itself to me in its true form—I find within it, as the predominant force and impulse, first and foremost this: to return again and again to Earth in ever-new bodies, in order to develop the “I”-consciousness further and further and to make it ever richer and richer. In this regard, the human being, in his own individuality, embodies something that the theosophists of the 18th century so often spoke of, and which, when processed into spiritual knowledge—into pneumatosophy—can be extraordinarily helpful. The 18th-century theosophists—however imperfect their explanations may seem to us in relation to the spiritual science we have today (Oetinger, Bengel, Völker, among others)—how did they express the meaning of the spiritual activity of the divine spirits as well, or, as they put it from a monotheistic standpoint, of the Spirit of God? They had a beautiful formula for expressing, so to speak, a fundamental quality of divine spirituality. They said: Physicality—the physical world is the end of God’s paths! That is a wonderful statement. It means: the Divinity, by virtue of the impulses inherent within it, has passed through many spiritual worlds and descended in order to reach a kind of end—an end from which it turns back to ascend once more. And this end is the manifestation—as it were, the crystallization—of the divine beings in physical, corporeal form. If we were to translate what the 18th-century Theosophists said into the realm of the emotional life, we might use the phrase: The spiritual reveals itself to us with a fervent longing for embodiment in physicality when we contemplate it in the higher regions, and only then does it cease to manifest this fervent longing for embodiment when it has reached the end of God’s paths—which consist in corporeality—and is once again on the way back. — That was a beautiful statement made by these 18th-century theosophists, and in fact a statement that sheds more light on—and penetrates more deeply into—what can bring enlightenment, thus illuminating and clarifying the processes within the human being more than much of what emerged in 19th-century philosophy. While theosophical activity and theosophical work were virtually nonexistent, especially in the first half or the second third of the 19th century, we do indeed find theosophers of the older school in the first half of the 18th century. And what they lacked was something they lacked precisely because Christian development had held it back in the West: the recognition of the law of repeated earthly lives. Regarding the Deity, these theosophers of the 18th century knew that physicality is the end of the Deity’s spiritual path; regarding human beings, they did not recognize this. For in the case of human beings, they should have realized that with every incarnation, by the very nature of the human being, a longing must arise for further incarnations, until everything that matures the human being—enabling them to ascend to other forms of existence—has been extracted from those incarnations.

[ 18 ] Mehr als je fühle ich am Ende dieser pneumatosophischen Vorträge, wie sehr skizzenhaft und andeutungsweise alles bleiben mußte in diesen vier Stunden. Und auch für die pneumatosophischen Vorträge gilt das, was für die zwei ersten Vortragsreihen dieser Gesamtvorträge, über Anthroposophie und Psychosophie, gelten muß: Es sollten eben wieder einmal einige Anregungen gegeben werden. Wenn Sie dieselben verfolgen, so werden Sie reiches Material finden, das Sie in der mannigfaltigsten Weise verarbeiten können. Es wird dazu notwendig sein, daß Sie vieles heranziehen, daß Sie sich umsehen in der Welt, wie durch dieses oder jenes das bekräftigt werden kann, was nur in ganz kurzen, flüchtigen Linien, wie eine Art Kohlezeichnung gegeben werden konnte, gegenüber der es lange dauern würde, ein vollständiges Bild zu geben. Aber es ist nun einmal mit der Geisteswissenschaft so, weil sie so umfassend ist: Wenn wir systematisch vorgehen wollten und wirklich so verfahren wollten, wie man es heute gerne vielfach in andern Wissenschaften macht, so wären wir jetzt, nach zehn Jahren der Arbeit in unserer Sektion, nicht an dem Punkt, wo wir jetzt stehen, sondern vielleicht an dem Punkt, wo wir gestanden haben nach Ablauf des ersten Vierteljahres. Und es wird ja wahrhaftig - das lassen Sie mich jetzt am Ende dieses Zyklus aussprechen - in dieser unserer Gemeinschaft auf Seelen gerechnet, welche den Willen und den Impuls der Selbständigkeit in sich tragen, welche wirklich den ernsten Willen haben, dasjenige, was andeutungsweise gegeben wird, selbständig weiterzuverarbeiten. Da wird auch vieles in dieser selbständigen Arbeit auftauchen aus jenen Regionen, auf die nicht einmal hingedeutet werden konnte, und jeder wird auf seine Art Anknüpfungspunkte zur Arbeit finden können. Es wird sich jeder schon davon überzeugen können, wenn er wirklich in selbständiger Weise in seiner Seele vorgeht, daß sich unsere Gemeinschaft am besten dann bewähren wird, wenn immer größer und größer dieses Gefühl von innerer Selbständigkeit wird, das Gefühl, daß man etwas entgegennimmt, um sich anregen zu lassen in der Weise, daß das eigene Innere immer mehr und mehr dazu kommt, die Welten mitzuerleben, welche der Menschheit gerade durch jene wichtige Geistesströmung erschlossen werden sollen, die wir gewohnt geworden sind, bisher die «theosophische» zu nennen.

[ 18 ] Now more than ever, as these Pneumatosophical Lectures draw to a close, I feel how much everything had to remain in the form of sketches and hints during these four hours. And what applies to the first two lecture series of these comprehensive lectures—on anthroposophy and psychosophy—also applies to the pneumatosophical lectures: The intention was simply to offer a few suggestions once again. If you follow them, you will find a wealth of material that you can work with in the most diverse ways. To do so, you will need to draw upon a great deal of material and look around in the world to see how this or that can confirm what could only be presented here in very brief, fleeting strokes—like a charcoal sketch—whereas it would take a long time to provide a complete picture. But this is simply the nature of spiritual science, precisely because it is so comprehensive: If we were to proceed systematically and truly follow the approach commonly taken today in many other sciences, we would not now—after ten years of work in our Section—be where we are today, but perhaps where we stood at the end of the first quarter. And it is truly the case—let me say this now at the end of this cycle—that in our community we rely on souls who carry within them the will and the impulse toward independence, who truly have the earnest will to independently further develop what is given in hint form. In this independent work, much will also emerge from those regions that could not even be alluded to, and everyone will be able to find points of connection to the work in their own way. Everyone will be able to see for themselves—if they truly proceed independently within their own soul—that our community will prove itself best when this sense of inner independence grows ever greater, the feeling that one receives something in order to be inspired in such a way that one’s own inner being increasingly comes to experience the worlds that are to be opened up to humanity precisely through that important spiritual current which we have become accustomed to calling, up to now, the “theosophical.”