The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 119
24 March 1910, Vienna
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Macrocosm and Microcosm, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Es ist gestern mit dem Hinweis geschlossen worden auf die beiden Grenzen, innerhalb welcher der Mensch mit seinem normalen Bewußtsein eingeschlossen ist, und wir wollen heute damit beginnen, in einer gewissen Weise hinauszudeuten in die Gebiete, welche jenseits dieser Grenzen liegen, welche der Mensch findet, wenn er durch die schon angedeutete und später in diesen Vorträgen weiter auszuführende Entwickelung seiner Seele das eine oder das andere der Tore durchschreitet und hinwegkommt über das, was man den kleinen, und was man den großen Hüter der Schwelle nennt.
[ 1 ] Yesterday’s lecture concluded with a reference to the two boundaries within which human beings are confined by their normal consciousness, and today we want to begin, in a certain sense, to look beyond into the realms that lie beyond these boundaries—realms that a person encounters when, through the development of the soul already alluded to and to be elaborated upon later in these lectures, they pass through one or the other of the gates and cross over what is called the lesser and the greater guardians of the threshold.
[ 2 ] Wir wollen heute zunächst einmal versuchen, damit zurechtzukommen, wie die Erlebnisse des Menschen sind, wenn er, vorbeikommend an dem kleinen Hüter der Schwelle, bewußt heruntersteigt in sein eigenes menschliches Innere. Wir wissen ja, daß dieses Heruntersteigen jeden Tag im gewöhnlichen Leben sich wiederholt, wenn wir aufwachen, und wir haben es schon hinlänglich betont, wie in diesem Moment des Aufwachens die Unmöglichkeit sich ergibt, wirklich dasjenige zu schauen, in was man sich da als in sein eigenes Inneres hineinlebt. Wenn man nun verstehen will, in was man sich da hineinlebt, dann ist es notwendig, daß man sich etwas genau vor die Seele stellt, was ja in den öffentlichen Vorträgen kurz schon angedeutet worden ist, was wir aber jetzt genau besprechen wollen. Es ist etwas, was mit der ganzen menschlichen Entwickelung zusammenhängt.
[ 2 ] Today, let us first try to understand what a person experiences when, passing by the little guardian of the threshold, they consciously descend into their own inner being. We know, of course, that this descent is repeated every day in ordinary life when we wake up, and we have already emphasized sufficiently how, at this moment of waking, it becomes impossible to truly see what one is entering into as one lives into one’s own inner being. If one now wishes to understand what one is entering into, then it is necessary to bring something clearly before one’s soul—something that has already been briefly hinted at in the public lectures, but which we now wish to discuss in detail. It is something connected with the entire course of human development.
[ 3 ] Wir wissen, daß der Mensch im Laufe seines Lebens sich von Stufe zu Stufe entwickelt. Schon in dem Leben, das verläuft zwischen der Geburt und dem Tode, macht der Mensch eine Entwickelung durch, die ihn führt von den anfänglichen Lebenszuständen, in denen er geringe Fähigkeiten und Kräfte hat, zu immer weiterer und weiterer Entfaltung von Fähigkeiten, von Talenten, von Kräften. Wie geschieht diese Entwickelung im gewöhnlichen Leben eigentlich? Nun, sie geht ja so vor sich, daß, wie wir schon betont haben, Einschlafen und Aufwachen dabei eine wesentliche Rolle spielen. Wenn wir das betrachten, was der Mensch in seiner Jugend von Tag zu Tagan Erlebnissen des Erlernens durchmacht, und wenn wir uns vorstellen, wie sich diese Erlebnisse des Erlernens umwandeln in Fähigkeiten, in Können, dann müssen wir blicken auf den Schlafzustand, der es allein möglich macht, daß sich Erlebnisse umwandeln in der menschlichen Seele zu Fähigkeiten, zu Kräften. Wir nehmen ja jeden Abend, wenn wir einschlafen, wirklich aus dem Tagesleben etwas mit in unsere Seele hinein, und das, was wir da mitnehmen, was sich als die Früchte unserer Erlebnisse ergibt, das weben wir um während des Schlafes; wir formen es und bilden es um, so daß es gerinnt zu unseren Fähigkeiten und Kräften. Ein anschauliches Beispiel ergibt sich uns ja, wenn wir darauf hinblicken, wie wir in unserer Jugend von Tag zu Tag uns haben anstrengen müssen, sagen wir, um schreiben zu lernen. Da haben wir mancherlei Erlebnisse an unserer Seele vorüberziehen lassen. Alle diese Erlebnisse stehen uns keineswegs vor der Seele, wenn wir heute die Feder ansetzen und die Kunst des Schreibens ausüben, um unsere Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Was wir da erlebt haben an Versuchen, diese oder jene Buchstaben zu formen, ist gleichsam zusammengeronnen in die Fähigkeit des Schreibens. Und dasjenige, was uns alle diese von Tag zu Tag verlaufenden Erlebnisse umgewandelt hat in die Fähigkeit des Schreibens, das sitzt im Grunde in unserer Seele, kann aber nur wirken in der richtigen Weise, wenn wir sozusagen nicht dabei sind.
[ 3 ] We know that human beings develop step by step over the course of their lives. Even in the life that spans from birth to death, a person undergoes a development that leads them from the initial stages of life—in which they possess limited abilities and strengths—to an ever-greater unfolding of abilities, talents, and strengths. How does this development actually take place in everyday life? Well, as we have already emphasized, falling asleep and waking up play an essential role in this process. When we consider what a person experiences day by day in their youth through the process of learning, and when we create a mental image of how these learning experiences are transformed into abilities and skills, we must turn our attention to the state of sleep, which alone makes it possible for experiences to be transformed within the human soul into abilities and strengths. After all, every evening when we fall asleep, we truly take something from our daily life into our soul, and what we take with us—the fruits of our experiences—we weave together during sleep; we shape and transform it so that it crystallizes into our abilities and strengths. A vivid example becomes clear to us when we consider how, in our youth, we had to make an effort day after day—let’s say, to learn to write. We allowed all manner of experiences to pass through our soul. None of these experiences stand before our soul when we put pen to paper today and practice the art of writing to express our thoughts. What we experienced in our attempts to form this or that letter has, as it were, coalesced into the ability to write. And that which transformed all these day-to-day experiences into the ability to write lies, in essence, within our soul; yet it can only function properly when we are, so to speak, not present.
[ 4 ] Daraus können wir schon schließen, daß in unserer Seele etwas ist, was höher ist als all unser bewußstes Leben. Denn wenn wir unsere Erlebnisse bloß durch unsere eigenen Kräfte umwandeln wollten, dann würde etwas Schönes zutage gefördert werden. Es sind höhere Kräfte in uns, als diejenigen sind, die wir handhaben mit unserem bewußten Leben. Diese höheren Kräfte treten während des Schlaflebens in Tätigkeit, wenn wir in unbewußtem Zustand sind. In diesem Schlafleben werden Erlebnisse in Fähigkeiten umgewandelt, und die Seele wird immer reifer und reifer gemacht. So arbeitet ein tieferes Wesen in uns an unserer Fortentwickelung, und dieses Wesen empfängt beim Einschlafen die Erlebnisse des Tages und webt sie um, so daß sie uns dann zur Verfügung stehen als Fähigkeiten in einer späteren Lebensperiode. Wir bringen uns aber aus dem Schlafe noch viel mehr heraus als bloß das, was wir erst selbst hinein gebracht haben durch unsere bewußten Erlebnisse. Wir verbrauchen während des Tages vom Morgen bis zum Abend Kräfte, indem wir teilnehmen an Ereignissen, die sich um uns abspielen. Am Abend fühlen wir diese Kräfte verbraucht durch Ermüdung. Und was wir während des Tages an Kräften verbrauchen, wird während der Nacht wiederum erfrischt im Schlafesleben. Das fühlen wir am Morgen. Andere Kräfte fließen uns aus dem Schlafleben zu für die, die wir während der Tagesarbeit verbraucht haben. Also es fließt uns aus unserem Schlafleben heraus eine ganze Summe von Kräften zu, die wir brauchen für unser Tagesleben.
[ 4 ] From this we can already conclude that there is something within our soul that is higher than all of our conscious life. For if we were to transform our experiences solely through our own powers, something beautiful would come to light. There are higher powers within us than those we wield in our conscious life. These higher forces become active during sleep, when we are in an unconscious state. In this sleep, experiences are transformed into abilities, and the soul is made ever more mature. Thus, a deeper being within us works on our further development, and this being receives the experiences of the day as we fall asleep and reworks them so that they are then available to us as abilities in a later period of life. However, we emerge from sleep with much more than just what we ourselves have brought into it through our conscious experiences. During the day, from morning to evening, we expend forces by participating in events that unfold around us. In the evening, we feel these forces depleted through fatigue. And the forces we expend during the day are in turn refreshed during the night in our sleep life. We feel this in the morning. Other forces flow to us from our sleep life to replace those we have expended during the day’s work. Thus, a whole sum of forces flows to us from our sleep life, which we need for our daily life.
[ 5 ] So entwickeln wir uns von Stufe zu Stufe, aber wir wissen doch, daß diese Entwickelung eine bestimmte Grenze hat. Bei jedem Erwachen am Morgen finden wir ja denselben physischen Leib und Äther- oder Lebensleib vor, und wir wissen, daß wir im Grunde genommen auch wenig vermögen, durch unsere eigenen Kräfte, durch unsere eigenen Erwerbungen diesen physischen, diesen Ätherleib umzuwandeln, zu höheren Gestaltungen hinaufzubilden. Es weiß zwar jeder, der ein wenig das Leben kennt, daß ja bis zu einem gewissen Grade die Möglichkeit vorhanden ist, auch bis in seinen physischen Leib hinein sich umzuwandeln. Wenn wir einen Menschen beobachten, der zehn Jahre damit verbracht hat, tieferen Erkenntniserlebnissen sich hinzugeben, solchen Erkenntniserlebnissen, die nicht äußere Theorien bleiben, sondern in das ganze Seelenleben eingreifen, die den Menschen sozusagen zu etwas anderem machen, dann können wir, wenn wir nach zehn Jahren sein jetziges Aussehen mit dem früheren vergleichen, uns eine Vorstellung bilden, wie sich hineingearbeitet haben die errungenen Erkenntnisse in die Züge seines Antlitzes, wie diese anders geworden sind. Da sehen wir, wie das, was in der Seele sich entwickelt, plastisch gestaltet auch an der äußeren Leiblichkeit. Aber wir sehen auch, in wie engen Grenzen das eigentlich eingeschlossen ist, und es muß in engen Grenzen eingeschlossen sein, denn wir treffen ja an jedem Morgen im wesentlichen unseren physischen Leib und unseren Ätherleib in derselben Gestalt und mit denselben Anlagen an, die sie bei der Geburt mitbekommen haben. An diesen Anlagen können wir wenig ändern. Während wir verhältnismäßig viel an unserer Seele, an der intellektuellen, an der geistigen Kraft, auch an der Willenskraft unserer Seele entwickeln können, können wir an der Umgestaltung unserer äußeren Hüllen, unseres physischen und Ätherleibes im Leben zwischen der Geburt und dem Tode wenig ändern. Aber es müssen dennoch während des ganzen Lebens zwischen der Geburt und dem Tode innere Kräfte tätig sein, und diese Kräfte müssen fortwährend neu angefeuert werden, wenn das Leben fortgehen soll. Wir sehen ja im Moment des Todes, was aus dem physischen Menschenleib wird, wenn nicht an ihm fortwährend arbeitet der Äther- oder Lebensleib. Die eigentlichen physischen, die physikalischen und chemischen Kräfte des physischen Leibes machen sich geltend von dem Moment des Todes ab. Da wirken sie zersetzend und auflösend auf den physischen Leib. Daß dies, was sonst in dem Moment des Todes mit dem physischen Leib eintritt, zwischen der Geburt und dem Tode nicht stattfinden kann, daran ist der Äther- oder Lebensleib mit seinen inneren Kräften schuld. Der ist in der Zeit zwischen der Geburt und dem Tod ein treuer Kämpfer gegen den Zerfall des physischen Leibes. In jedem Momente wäre unser physischer Leib bereit zu zerfallen, wenn ihm nicht neue Kräfte aus dem Äther- oder Lebensleib heraus zugeführt würden. Dieser Äther- oder Lebensleib aber wiederum erhält dasjenige, was er braucht, aus noch tiefer liegenden inneren Kräften, aus dem, was wir den astralischen Leib nennen, den Träger von Lust und Leid, von Freude und Schmerz und so weiter, so daß immer an dem entsprechenden äußeren Leib arbeitet und baut der entsprechende innere Leib. Es wird also dasjenige, was äußerlich an uns sichtbar ist, fortwährend unterhalten von den inneren Kräften. Wie da der astralische Leib an dem Äther- oder Lebensleib arbeitet, wie wiederum der Ätherleib an dem physischen Leib arbeitet, das ist es ja gerade, was der Mensch sehen müßte, wenn er beim Aufwachen bewußt hinunterstiege in seine Leiblichkeit, und was sich ihm dadurch entzieht, daß sein Blick bei diesem Hineinsteigen abgelenkt wird auf die äußeren Dinge und Geschehnisse.
[ 5 ] So we develop from stage to stage, but we know that this development has a certain limit. Every morning when we wake up, we find the same physical body and etheric or Life-Body, and we know that, fundamentally speaking, we are able to do very little—through our own powers, through our own achievements—to transform this physical body and this etheric body, to develop them into higher forms. Anyone who knows a little about life is aware, of course, that to a certain degree the possibility exists to transform oneself even down into one’s physical body. When we observe a person who has spent ten years devoting themselves to deeper experiences of insight—experiences that do not remain mere external theories but penetrate the entire life of the soul, transforming the person, so to speak, into something else— then, when we compare their current appearance with their former one after ten years, we can form a mental image of how the insights they have gained have worked their way into the features of their face, how these have changed. There we see how what develops in the soul is also plastically shaped in the outer physical body. But we also see how strictly limited this actually is—and it must be strictly limited—for every morning we essentially find our physical body and our etheric body in the same form and with the same predispositions they were endowed with at birth. We can do little to change these predispositions. While we can develop relatively much in our soul—in our intellectual and spiritual powers, as well as in our willpower—we can do little to alter the structure of our outer bodies, our physical and etheric bodies, during the life between birth and death. Nevertheless, inner forces must be at work throughout the entire life between birth and death, and these forces must be continually rekindled if life is to continue. For we see at the moment of death what becomes of the physical human body if the etheric or Life-Body is not continually at work within it. The actual physical, that is, the physical and chemical forces of the physical body, come into play from the moment of death onward. There they have a decomposing and dissolving effect on the physical body. The fact that what otherwise happens to the physical body at the moment of death cannot take place between birth and death is due to the etheric or Life-Body with its inner forces. Between birth and death, it is a faithful defender against the decay of the physical body. At any moment, our physical body would be ready to decay if new forces were not supplied to it from the etheric or Life-Body. This etheric or Life-Body, in turn, receives what it needs from even deeper inner forces—from what we call the astral body, the bearer of pleasure and suffering, of joy and pain, and so on—so that the corresponding inner body is always working on and building up the corresponding outer body. Thus, what is visible on the outside is continually sustained by the inner forces. How the astral body works on the etheric or Life-Body, and how, in turn, the etheric body works on the physical body—this is precisely what a person would have to see if, upon waking, they consciously descended into their physicality; and this is what eludes them because their gaze is diverted to external things and events as they descend.
[ 6 ] Nun aber kann der Mensch dadurch, daß er seine Seele allmählich so entwickelt, daß er den Moment des Aufwachens, also das Hineinsteigen in seine Leiblichkeit, bewußt zu erleben vermag, sich in einer gewissen Weise Kenntnis davon verschaffen, was da in seinem Inneren wirkt und lebt, was da schafft und bildet. An dem innern Triebwerk unserer eigenen Menschlichkeit werden wir teilhaben, wenn wir uns — und jetzt sei das Wort im besten Sinne gemeint mystisch in unser eigenes Inneres zu versenken vermögen. Was müssen wir denn da erreichen — wie wir es erreichen, davon später —, wenn wir so bewußt hinuntersteigen wollen in unser eigenes Innere? Da müssen wir gerade das erreichen, daß uns beim Aufwachen die äußeren Eindrücke nicht stören. Wir müssen uns so vorbereiten, daß wir imstande wären aufzuwachen, ohne daß im Moment des Aufwachens an unsere Seele herantreten die Eindrücke der Augen, die Eindrücke der Ohren und so weiter. Wir müssen uns in die Möglichkeit versetzen, aus einem anderen Bewußtseinszustand, wie er im Schlaf gegeben ist, uns hineinzuleben in das Weltendasein, daß wir allen äußeren Eindrücken Stillstand gebieten. Wenn wir so allen äußeren Eindrücken Stillstand gebieten können, dann kommen wir vorbei an dem kleinen Hüter der Schwelle. Wie er sich ausnimmt, werden wir gleich nachher besprechen. Wir wollen jetzt für den Augenblick annehmen, wir wären an ihm vorbeigekommen, wir wären durch das Tor eingetreten, das in unser eigenes Innere führt. Da lernen wir als echte, wahre Mystiker etwas kennen, wovon wir uns vorher allerdings keinen Begriff gemacht haben. Die äußerlichen Beschreibungen, die in den meisten theosophischen Handbüchern gegeben werden von dem astralischen Leib, von dem Äther- oder Lebensleib und dem physischen Leib, wenn sie von innen gesehen werden, sind doch nicht viel mehr als ganz annähernde Beschreibungen, die zwar hindeuten können auf dasjenige, um was es sich handelt, aber eine wirkliche Erkenntnis dessen, in das wir hineinsteigen beim Aufwachen, ist doch erst möglich, wenn man geduldig lange Zeit von den verschiedensten Seiten den großen Wahrheiten des Daseins sich nähert. Und so wollen wir denn heute von einer ganz bestimmten Seite versuchen, in diese Geheimnisse einzudringen.
[ 6 ] Now, however, by gradually developing his soul in such a way that he is able to consciously experience the moment of awakening—that is, the descent into his physical body—a person can, in a certain sense, gain insight into what is at work and alive within him, what is creating and shaping him. We will participate in the inner driving force of our own humanity when we are able—and here the word is meant in the best sense—to immerse ourselves mystically into our own inner being. What, then, must we achieve—how we achieve it will be discussed later—if we wish to descend so consciously into our own inner being? What we must achieve is precisely this: that when we wake up, external impressions do not disturb us. We must prepare ourselves so that we are able to wake up without the impressions of the eyes, the impressions of the ears, and so on, approaching our soul at the very moment of waking. We must put ourselves in a position to emerge from a different state of consciousness—such as that which exists during sleep—and immerse ourselves in worldly existence in such a way that we bring all external impressions to a standstill. If we can bring all external impressions to a standstill in this way, then we pass by the little guardian of the threshold. We will discuss what he looks like shortly. Let us now assume for a moment that we have passed him by and entered through the gate that leads into our own inner being. There, as genuine, true mystics, we come to know something of which we previously had no conception whatsoever. The external descriptions given in most theosophical handbooks of the astral body, the etheric or Life-Body, and the physical body—when viewed from within—are, after all, little more than very approximate descriptions that may indeed point to what is involved, but a true understanding of that into which we enter upon waking is only possible when one patiently approaches the great truths of existence from a wide variety of angles over a long period of time. And so today, let us attempt to penetrate these mysteries from a very specific angle.
[ 7 ] Wenn der Mensch also zunächst dasjenige nicht zu sehen braucht, was von außen auf ihn wirken kann, so lernt er, sagen wir, gefühlsmäßig dasjenige kennen, was man gewöhnlich die Seele nennt, und das doch noch etwas ganz anderes ist, als was der gewöhnlichen Vorstellung von der Seele entspricht. Er lernt kennen, daß diese Menschenseele eigentlich etwas Kleines ist, daß sie aber vergleichbar ist mit etwas Grofßem, und daß die einzelnen Fähigkeiten, welche die menschliche Seele haben und innerhalb welcher sie sich entwickeln kann, gering sind gegenüber denjenigen Fähigkeiten, die jenes Große hat, dem die menschliche Seele sich ähnlich fühlen kann. Und man lernt erkennen, wenn man in den physischen und Ätherleib hineinsteigt, daß man wirklich aus einer Realität herausgekommen ist mit dem Aufwachen, daß man vom Einschlafen bis zum Aufwachen in einer anderen Welt war, in einer Welt, in welcher es Wesenhaftes gibt, das unserer Seele selber ähnlich ist, das aber alles viel gröBer, viel gewaltiger hat an Eigenschaften und Fähigkeiten, als unsere Seele selber. So recht klein fühlt sich diese Menschenseele im Moment des Aufwachens, wenn sie an dem Hüter der Schwelle vorbeigekommen ist. Da kann sie sich sagen: Ja, klein bin ich wahrhaftig, denn hätte ich jetzt in diesem Moment des Aufwachens nichts in mir, als was ich mir selber geben kann, wäre ich nicht ausgeflossen und ausgegossen gewesen in große, gewaltige Welten, welche ähnliche Fähigkeiten haben wie ich selber, nur ins Unendliche gesteigert, und hätten diese nicht in mich einströmen lassen dasjenige, was ich brauche, oh, ich würde mich jetzt ziemlich ratlos benehmen, wenn ich da meinem eigenen Inneren gegenübertreten sollte. — Die Seele merkt jetzt, daß sie dasjenige braucht, was die ganze Nacht hindurch in sie eingeströmt ist; sie merkt jetzt, daß in sie eingeströmt ist, was Ähnlichkeit hat mit ihren eigenen drei Grundkräften.
[ 7 ] So while a person does not initially need to perceive what may affect him from the outside, he comes to know—let us say, intuitively—that which is commonly called the soul, and which is, after all, something quite different from what corresponds to the ordinary mental image of the soul. They come to realize that this human soul is actually something small, yet it is comparable to something great, and that the individual faculties possessed by the human soul—and within which it can develop—are insignificant compared to the faculties possessed by that great entity to which the human soul can feel a kinship. And one comes to realize, when one descends into the physical and etheric bodies, that upon waking one has truly emerged from a reality; that from the moment of falling asleep until waking, one was in another world—a world in which there are beings similar to our own soul, yet possessing qualities and abilities that are far greater and far more powerful than those of our soul itself. This human soul feels so very small at the moment of waking, once it has passed the Keeper of the Threshold. It can say to itself: Yes, I am truly small, for if I had nothing within me at this very moment of waking other than what I can give myself, I would not have flowed out and been poured into vast, mighty worlds that possess abilities similar to my own—only heightened to infinity—and if these worlds had not allowed that which I need to flow into me, oh, I would now be quite at a loss if I were to face my own inner self. — The soul now realizes that it needs what has flowed into it throughout the night; it now realizes that what has flowed into it bears a resemblance to its own three fundamental forces.
[ 8 ] Welches sind diese drei Grundkräfte der Seele? Erstens dasjenige, was man den Willen nennt; alles, was willensartig ist, ist die eine Grundkraft der Seele, diejenige, welche uns anleitet, dieses oder jenes zu wollen im Leben. Die zweite Grundkraft der Seele ist das Gefühl; es ist die Kraft, die es zuwege bringt, daß unsere Seele von dem einen angezogen, von dem anderen abgestoßen wird, über das eine Freude, über das andere Schmerz empfindet. Und die dritte Grundkraft ist das Denken, die Möglichkeit, zu Vorstellungen über die Dinge zu gelangen. Das sind die drei Grundkräfte der menschlichen Seele. Und wir wissen ja auch, daß diese drei Grundkräfte das eigentlich Wertvolle sind, dasjenige, was wir im Leben zwischen der Geburt und dem Tode ausbilden können. Wenn wir unseren Willen immer mehr und mehr ausbilden, immer stärker und stärker machen, dann werden wir Menschen, welche kraftvoll ins Leben einzugreifen vermögen. Wenn wir unsere Gefühle immer mehr und mehr ausbilden, dann werden wir Menschen, die mit immer größerer und größerer Sicherheit zu beurteilen vermögen, was in der Welt richtig oder unrichtig ist, indem wir das Richtige, das Gerechte mit Lust empfinden, das Unrichtige, das Ungerechte aber mit Schmerz. Und wenn wir unser Denken ausbilden, so werden wir immer mehr und mehr fähig, das zu entwickeln, was wir nennen ein weisheitsvolles Verstehen der Welt, wodurch wir uns mit Weisheit hineinfinden in die Erscheinungen der Welt. Unser ganzes Leben hindurch zwischen der Geburt und dem Tode arbeiten wir an diesen drei Grundkräften der Seele.
[ 8 ] What are these three fundamental powers of the soul? First, that which is called the will; everything that is of the nature of the will is the one fundamental power of the soul, the one that guides us to will this or that in life. The second fundamental force of the soul is feeling; it is the force that causes our soul to be drawn to one thing and repelled by another, to feel joy at one thing and pain at another. And the third fundamental force is thinking, the ability to form mental images about things. These are the three fundamental forces of the human soul. And we also know that these three fundamental forces are what is truly valuable—that which we can develop in life between birth and death. If we develop our will more and more, making it stronger and stronger, then we become people who are able to intervene powerfully in life. If we develop our feelings more and more, then we become people who are able to judge with ever greater certainty what is right or wrong in the world, by taking pleasure in what is right and just, and feeling pain at what is wrong and unjust. And when we develop our thinking, we become increasingly capable of cultivating what we call a wise understanding of the world, through which we find our way into the phenomena of the world with wisdom. Throughout our entire life, from birth to death, we work on these three fundamental powers of the soul.
[ 9 ] Wenn wir nun aber des Morgens in jenem Zustand aufwachen, der beschrieben worden ist, wo wir an dem Hüter der Schwelle vorbeigekommen sind, dann merken wir, daß alles dasjenige, was wir in unserem Leben an Willen, an Gefühl, an Denken in uns entwickeln können, eine Kleinigkeit ist gegenüber der Kraft der Gedanken, der Kraft des Fühlens und der Kraft des Wollens, die in der geistigen Welt ausgebreitet sind, aus der wir am Morgen herauskommen im Moment des Aufwachens; und wir merken, daß wir das brauchen, was wir in der Nacht eingesogen haben, denn wir würden nicht weit kommen, wenn wir nur dasjenige an Gedanken und Gefühlen und an Wollen entwickelten, was wir durch das Tagesleben entwickeln können. Da muß uns wie eine Gabe aus geistigen Welten, aus den höheren Kräften des Weltendenkens, des Weltenfühlens, des Weltenwollens die ganze Nacht über zuströmen dasjenige, was nun mit uns in unser eigenes Innere hinuntersteigt. Wenn wir uns zuerst bewußt geworden sind, daß wir eingesogen haben in unsere Seele Weltenwollen, Weltenfühlen, Weltendenken, dann merken wir, daß diese drei Grundkräfte nicht dasjenige sind, was wir uns selber aus dem Leben angeeignet haben an Denken, Fühlen und Wollen, sondern etwas, was ohne unser Zutun uns zuströmt vom Einschlafen bis zum Aufwachen.
[ 9 ] But when we wake up in the morning in the state that has been described—having passed the Guardian of the Threshold—we realize that everything we can develop within ourselves in life—in will, feeling, and thought—is a trifle compared to the power of thought, the power of feeling, and the power of will that are spread throughout the spiritual world from which we emerge in the morning at the moment of awakening; and we realize that we need what we have absorbed during the night, for we would not get very far if we developed only those thoughts, feelings, and will that we are capable of developing through our daily life. Therefore, like a gift from the spiritual worlds—from the higher forces of world-thinking, world-feeling, and world-will—what now descends with us into our own inner being must flow to us throughout the night. Once we have first become aware that we have absorbed into our soul world-will, world-feeling, and world-thinking, we realize that these three fundamental forces are not what we have acquired for ourselves from life in terms of thinking, feeling, and willing, but rather something that flows to us without our intervention, from the moment we fall asleep until we wake up.
[ 10 ] Indem wir mit unserer Seele, die sich gleichsam vollgesogen hat mit diesen Eigenschaften, untertauchen in unsere eigene Leiblichkeit, merken wir, daß sich diese Grundkräfte verwandeln und ein anderes Gesicht bekommen. Und zwar merken wir, daß sich dasjenige, was wir in einem schwachen Abbilde als Willen unserer Seele kennen, was wir uns aber mitbringen aus einem unendlich viel größeren Maß von Weltenwillen, daß sich das im Einströmen verwandelt in etwas, was uns die Möglichkeit gibt, bewegliche Wesen zu sein, die aus ihrem Inneren heraus die Fähigkeit haben, die Glieder zu bewegen, im kleinen und im großen. Es strömt in uns ein die Möglichkeit und die Fähigkeit, die wir äußerlich zutage treten sehen, wenn wir einen Menschen sehen, der die Arbeit des Tages mit seinen Bewegungen verrichtet. Was da in uns hineinströmt, was wir aus dem Weltenwillen herausnehmen, das wird äußerlich sichtbar in der Bewegung unserer Glieder, in unserer gesamten Beweglichkeit. Es kommt dasjenige, was Weltenwille ist, in uns als Kraft, als innere, uns erfüllende Kraft zum Vorschein. Wir sehen jetzt, wie tatsächlich die uns durchsetzende Kraft, die wir sonst nur seelenhaft verspüren, uns aus dem Weltenwillen heraus zuströmt. Jetzt wird es für uns eine Wahrheit, daß Wille die Welt durchströmt, daß der Wille der Welt uns durchströmt, und daß wir nur dadurch bewegliche Menschen sind, Menschen, die ihre Glieder bewegen können, Menschen, die Selbsttätigkeit haben, daß? uns am Morgen zufließt Weltenwille, den wir eingesogen haben in unsere Seele im Schlafzustand. Diesen Weltenwillen, der in uns einströmt am Morgen, verbrauchen wir während des Tages. Dieses Einströmen fühlen wir nicht im gewöhnlichen normalen Leben. Aber wenn wir an dem Hüter der Schwelle vorbeigekommen sind, dann fühlen wir fortwirken in uns selber den ganzen Willen des Makrokosmos, da fühlen wir uns einheitlich mit dem Weltenwillen zusammengewachsen. Es ist ein unendlich bedeutsames Gefühl, das wir da durchmachen. Wie verbunden, wie eingeschaltet in den gesamten Weltenwillen fühlen wir uns in diesem Momente.
[ 10 ] As we immerse ourselves in our own physicality with our soul—which has, as it were, become imbued with these qualities—we notice that these fundamental forces are transformed and take on a different aspect. Specifically, we notice that what we recognize in a faint reflection as the will of our soul—but which we bring with us from an infinitely greater measure of the world’s will—is transformed as it flows into us into something that gives us the possibility of being mobile beings who, from within, possess the ability to move our limbs, on both a small and a large scale. The possibility and the ability flow into us—the very things we see manifest externally when we observe a person performing the work of the day through their movements. What flows into us—what we draw from the world will—becomes outwardly visible in the movement of our limbs, in our entire mobility. That which is the World Will comes to light within us as a force—an inner force that fills us. We now see how the force that permeates us—which we otherwise sense only in a soul-like way—actually flows to us from the World Will. It now becomes a truth for us that will flows through the world, that the will of the world flows through us, and that it is only through this that we are mobile human beings—human beings who can move their limbs, human beings who possess self-activity—because… in the morning, the world will flows into us, which we have absorbed into our soul during sleep. We use up this world will, which flows into us in the morning, throughout the day. We do not feel this inflow in our ordinary, everyday life. But once we have passed the Guardian of the Threshold, we feel the entire will of the macrocosm continuing to work within us; there we feel ourselves united and fused with the world will. It is an infinitely significant feeling that we experience there. How connected, how integrated into the entire World Will we feel in that moment.
[ 11 ] Dasjenige aber, was wir im gewöhnlichen Seelenleben kennen als die Kraft des Fühlens, das haben wir aus einem gleichsam unendlichen Reservoir von Weltenfühlen herausgesogen, und das strömt jetzt in uns ein. Und das verwandelt sich so, daß es für den, welcher so weit entwickelt ist, innerlich so sichtbar wird, wie wenn ihn in diesem Weltengefühl etwas durchströmte, was sich, wenn man es vergleichen will mit etwas im Leben, nur vergleichen läßt mit dem Licht. Wie wenn wir innerlich durchleuchtet würden, so ist es, wenn man hinblickt auf das, was in uns einströmt als die Wirkung des im Schlafe aufgenommenen Weltengefühls. Das einströmende Weltengefühl wird Licht in uns, inneres Licht; äußerlich ist es nicht sichtbar, aber der hellseherisch gewordene Mensch sieht, wenn er an dem kleinen Hüter der Schwelle vorbeigekommen ist, daß tatsächlich das Licht, das er braucht zu seinem inneren Erleben, das nichts anderes ist als ein Ergebnis dessen, was er in der Nacht eingesogen hat als Weltengefühl. Damit sehen wir schon, wie der Mensch, wenn er hingegeben ist seinem eigenen Inneren, über seine Seele etwas ganz Neues erfährt. Er erfährt, was aus dem Makrokosmos ihm zuströmt und was daraus in seinem Inneren wird. Und man hat dasjenige, was astralischer Leib ist, wahrhaftig und wesenhaft vor sich, wenn man die Kräfte und Fähigkeiten der äußeren Weltenwesenheiten in sich einströmen fühlt.
[ 11 ] But what we know in our ordinary spiritual life as the power of feeling—we have drawn that from a sort of infinite reservoir of cosmic feeling, and it now flows into us. And this transforms in such a way that, for the one who is sufficiently developed, it becomes as visible inwardly as if something were flowing through them within this sense of the world—something that, if one were to compare it to anything in life, could only be compared to light. It is as if we were being illuminated from within; this is what it is like when we look upon what flows into us as the effect of the sense of the world absorbed during sleep. The inflowing sense of the world becomes light within us, inner light; it is not visible outwardly, but the person who has become clairvoyant sees—once they have passed the little guardian of the threshold—that the light they need for their inner experience is in fact nothing other than a result of what they have absorbed during the night as a sense of the world. Thus we can already see how a person, when devoted to their own inner being, experiences something entirely new through their soul. They experience what flows to them from the macrocosm and what becomes of it within them. And one truly and essentially has before oneself what the astral body is when one feels the forces and abilities of the outer world beings flowing into oneself.
[ 12 ] Das, was die Kraft des Denkens ist, das nimmt sich dann so aus, daß es in uns wie ein Ordner, wie ein Regulator wirkt zwischen dem, was uns als Kraft der Bewegung, und dem, was uns als inneres Licht zuströmt. Zwischen diesen beiden muß eine Art Gleichgewicht geschaffen werden, daß niemals ein unrichtiges Verhältnis entsteht zwischen dem, was als inneres Gefühl und was als Tätigkeitsdrang entsteht. Würde nicht das richtige Verhältnis geschaffen sein zwischen innerem Licht und Tätigkeitsdrang, so würde die menschliche Leiblichkeit nicht in der richtigen Weise von innen heraus versorgt werden. Wenn das eine oder das andere im Überfluß vorhanden wäre, dann müßte der Mensch zugrunde gehen. Nur beim richtigen Gleichgewicht kann der Mensch seine inneren Kräfte so entfalten, daß sie seiner äußeren Existenz in der richtigen Weise dienen.
[ 12 ] The power of thought manifests itself in such a way that it acts within us like an organizer, like a regulator, between what flows to us as the power of movement and what flows to us as inner light. A kind of balance must be established between these two so that an improper relationship never arises between what arises as inner feeling and what arises as the urge to act. If the proper relationship were not established between inner light and the urge to act, the human physical body would not be properly nourished from within. If one or the other were present in excess, the human being would perish. Only when the right balance is achieved can a person develop their inner powers in such a way that they serve their external existence in the proper manner.
[ 13 ] So sehen wir diese drei Kräfte am Menschen im Schlafzustande arbeiten, und sie wirken so in uns fort, daß sie unseren äußeren Menschen vom Morgen bis zum Abend so anfeuern, daß er vollbringen kann, was er vollbringen soll. Wenn wir dies ins Auge fassen, dann können wir uns sagen, es ist in der Tat unsere Seele recht klein gegenüber dem, was da in der großen Welt ist, in die wir ausgegossen waren während des Schlafzustandes; aber es ist unsere Seele dem doch ähnlich. So wie in unserer Seele sich nach und nach zu immer höherer und höherer Stufe entwickeln Denken, Fühlen und Wollen, so ist draußen in der unsichtbaren, übersinnlichen Welt das ausgegossen, was Weltenfühlen, Weltendenken, Weltenwollen ist.
[ 13 ] Thus we see these three forces at work in the human being during sleep, and they continue to work within us in such a way that they energize our outer self from morning to evening, enabling it to accomplish what it is meant to accomplish. When we consider this, we can say to ourselves that our soul is indeed quite small compared to what exists in the vast world into which we were poured out during sleep; yet our soul is nonetheless similar to it. Just as thinking, feeling, and willing gradually develop within our soul to ever higher and higher levels, so too is what constitutes world-feeling, world-thinking, and world-willing poured out into the invisible, supersensible world.
[ 14 ] Und dann macht man noch eine andere Erfahrung, die sich als unmittelbares Erlebnis ergibt. Wenn auch diese Seele heute klein ist gegenüber der großen Weltenseele, sie ist doch auf dem Wege, so zu werden wie diese. Ihre Fähigkeit zu denken, ihre Fähigkeit zu wollen, ihre Fähigkeit zu fühlen ist heute zwar noch klein, aber sie ist auf dem Wege, so zu werden, wie dieses große Weltenfühlen, Weltendenken und Weltenwollen ist. — Das ist das eine, das man erlebt. Das andere ist, daß man ganz genau weiß: Was einem da erscheint als ein ganz mächtiger Makrokosmos, als Weltenfühlen, Weltendenken, Weltenwollen, das ist einstmals auch so wie unsere Seele gewesen; das hat sich aus solch kleinen Anfängen zu solch gewaltiger Größe entwickeln müssen.
[ 14 ] And then one has yet another experience that arises as an immediate experience. Even if this soul is small today compared to the great world soul, it is nevertheless on the path to becoming like it. Its capacity to think, its capacity to will, and its capacity to feel are still small today, but it is on the path to becoming like this great world feeling, world thinking, and world willing. — That is one thing one experiences. The other is that one knows quite precisely: what appears to one as a very powerful macrocosm—as world-feeling, world-thinking, and world-willing—was once just like our soul; it must have developed from such small beginnings into such immense grandeur.
[ 15 ] Wenn man diese zwei Gefühle hat, dann lädt sich etwas ab wie eine Frucht auf die Seele des Mystikers, und diese besteht darin, daß er sich sagt: Wie wäre es gekommen, wenn jene Wesen, die das geschaffen haben, was heute ausgebreitet ist in der Welt und uns das gibt, was wir zu unserem Leben brauchen, wenn die nichts getan hätten zu ihrer Entwickelung? In unendlicher Ferne der Vergangenheit waren sie ebenso schwach an Gefühlskräften, an Kräften des Denkens, an Kräften des Wollens wie wir. Einstmals waren sie so schwach wie unsere Seele, und heute sind sie so stark, daß sie nicht mehr darauf angewiesen sind zu empfangen, sondern sie geben nur. Was wäre aus uns geworden, wenn sie sich nicht weiter entwickelt hätten? Nichts hätte aus uns selber werden können! Nicht da sein könnten wir! Das ist das lebendige Gefühl, das sich auf unsere Seele legt, ein Gefühl unendlichen Dankes. Wenn wir den Wert unseres Daseins zu schätzen wissen, dann überströmt uns ein Gefühl unendlicher Dankbarkeit. Dieses Gefühl des Dankes ist eine Realität für jeden echten, wahren Mystiker, ist nicht etwas, was sich auch nur im geringsten vergleichen läßt mit dem, was der Mensch im gewöhnlichen Leben als Dankgefühl hat. Das ist ein Gefühl, das wie beseligend und durchseligend in unserem Inneren sich ergibt und das einmal da sein muß, denn es gehört zu den wichtigsten Erlebnissen des Mystikers. Was die Außenwelt heute Mystik nennt, ist gewöhnlich nichts anderes als eine Summe von Phrasen. Der echte, wahre Mystiker kennt dieses Dankgefühl, mit dem er hinblickt auf die große Welt und sich sagt: Was wärest du, wenn nicht diese Wesen, die vor dir waren, nicht alles getan hätten, um zu dieser Höhe emporzusteigen, die es möglich macht, dir jede Nacht zu geben, was du brauchst, und es einströmen zu lassen in deine Leiblichkeit? — Wer dieses Gefühl des Dankes gegenüber dem Makrokosmos nicht im tiefsten Grunde des Herzens empfunden hat, der ist kein wahrer Mystiker.
[ 15 ] When one has these two feelings, something settles upon the mystic’s soul like a fruit, and this consists in his asking himself: What would have happened if those beings who created what is now spread throughout the world—and who provide us with what we need for our lives—had done nothing to further their own development? In the infinite distance of the past, they were just as weak in their emotional powers, their powers of thought, and their powers of will as we are. Once upon a time, they were as weak as our own souls, and today they are so strong that they no longer depend on receiving, but give only. What would have become of us if they had not continued to develop? We could never have become anything on our own! We could not even exist! This is the living feeling that settles upon our soul—a feeling of infinite gratitude. When we know how to appreciate the value of our existence, a feeling of infinite gratitude overwhelms us. This feeling of gratitude is a reality for every genuine, true mystic; it is not something that can be compared, even in the slightest, to what people experience as gratitude in ordinary life. It is a feeling that arises within us, blissful and soul-pervading, and one that must be experienced, for it is among the most important experiences of the mystic. What the outside world today calls mysticism is usually nothing more than a collection of clichés. The genuine, true mystic knows this feeling of gratitude with which he looks out upon the vast world and says to himself: What would you be if not for these beings who came before you, who did everything to ascend to this height, which makes it possible to give you what you need every night and to let it flow into your physical being? — Whoever has not felt this sense of gratitude toward the macrocosm in the deepest recesses of their heart is no true mystic.
[ 16 ] Und an dieses Gefühl des Dankes schließt sich ein anderes Gefühl an, ein Gefühl, das zu charakterisieren ist mit folgenden Worten: Wenn wir heute am Anfange stehen, wie jene Wesen einstmals am Anfange gestanden haben, müssen wir da nicht an uns arbeiten, damit wir unser Ziel im Weltendasein erreichen, müssen wir da nicht alles tun, um aus unserem kleinen Denken, Fühlen und Wollen herauszukommen, damit wir dereinst nicht bloß zu nehmen brauchen, sondern auch geben können, damit wir in ähnlicher Weise etwas ausgießen, ausströmen lassen können, wie sich etwas in uns ergießt, wenn wir im Schlafzustande dem Makrokosmos hingegeben sind? Dieses Gefühl gestaltet sich zu einer Riesenverpflichtung für die Entwickelung unserer Seele. Wir sagen uns dann als echter, wahrer Mystiker: Du versäumst deine Pflicht, wenn du nicht alles tust, um die Kräfte deiner Seele, die heute noch in geringem Maße vorhanden sind, zu der Höhe hin zu entwickeln, zu der sie kommen können und die sich dir im Vorbild zeigt, wenn du bewußt emporblickst zu dem Makrokosmos, aus dem du deine Kräfte saugst. Entwickelst du dich nicht, erbost du dich und setzest du deiner eigenen Entwickelung Widerstand entgegen, dann wirst du dazu beitragen, daß einstmals nicht in ähnlicher Weise Wesen sich werden entwickeln können, wie du dich heute entwickelst. Dann trägst du statt zum Fortschritt, zur Neugestaltung, zur Schöpfung der Welt, zu ihrer Vernichtung bei. — Das ist das andere Gefühl, das sich für den Mystiker ergibt, und wir sehen, daß sich dasjenige, was man sonst erlebt in der Seele, die Summe von Begierden, Trieben und Leidenschaften und so weiter in einer merkwürdigen Weise umgestaltet. Was wir sonst als Dankgefühl kennen, wird zu einem unermeßlichen Dankgefühl gegenüber dem Makrokosmos, und was wir im Leben als Pflicht fühlen, wächst zu einer unermeßlichen Verpflichtung zur eigenen bewußten Entwickelung.
[ 16 ] And this feeling of gratitude is followed by another feeling, one that can be characterized by the following words: If we stand at the beginning today, just as those beings once stood at the beginning, must we not work on ourselves so that we may reach our goal in our existence in this world? Must we not do everything we can to break free from our narrow thinking, feel, and will, so that one day we may not merely take but also give—so that we may pour out and let flow something in the same way that something pours into us when, in the state of sleep, we are surrendered to the macrocosm? This feeling takes shape as a tremendous obligation for the development of our soul. As genuine, true mystics, we then say to ourselves: You are failing in your duty if you do not do everything to develop the powers of your soul—which are still present only to a limited extent today—to the highest level they can attain, a level that is revealed to you as a model when you consciously look up to the macrocosm from which you draw your strength. If you do not develop yourself, if you become angry and resist your own development, then you will contribute to a future in which beings will not be able to develop in the same way that you are developing today. Then, instead of contributing to progress, to renewal, and to the creation of the world, you will contribute to its destruction. — This is the other feeling that arises for the mystic, and we see that what is otherwise experienced in the soul—the sum of desires, drives, and passions, and so on—is transformed in a remarkable way. What we otherwise know as a sense of gratitude becomes an immeasurable sense of gratitude toward the macrocosm, and what we feel in life as a duty grows into an immeasurable commitment to our own conscious development.
[ 17 ] Das sind zwei Gefühle und Impulse, die unsere Seele durchströmen, wenn wir an dem Hüter der Schwelle vorbeiziehen. Und diese zwei Gefühle machen dann das aus, was es uns möglich macht, den astralischen Leib des Menschen wirklich in seiner Wesenhaftigkeit zu erkennen. Wenn diese Gefühle in einem Menschen so leben, wie sie geschildert worden sind, und der Mensch sich diesen Gefühlen immer mehr und mehr hingibt, dem Gefühle des Dankes gegenüber dem Makrokosmos und den Gefühlen der Pflicht gegenüber dem Weltenwerden, wenn er seine Seele ganz von ihnen durchströmen und durchpulsen läßt, dann geht ihm das Seherauge auf; dann steht nach und nach vor seinem Auge ihm sein eigener astralischer Leib, die nächste Hülle, von der er umgeben ist und die er im gewöhnlichen Bewußtsein nicht sieht, die er aber wahrnehmen kann, wenn er die Geduld hat, lange genug diese Gefühle auf seine Seele wirken zu lassen. Dann steht vor uns die wahre Gestalt unseres astralischen Leibes, jenes Leibes, der herausgeboren ist aus dem Makrokosmos. Allerdings, wenn wir diesen astralischen Leib sehen und in der genügenden Stärke als eine Wahrheit empfinden wollen, daß allem Sinnlichen der Geist zugrunde liegt, dann müssen wir eben an dem Hüter der Schwelle vorbeigehen. Wir müssen auch noch die Kehrseite dessen betrachten, was eben als die Lichtseite beschrieben worden ist.
[ 17 ] These are two feelings and impulses that flow through our soul as we pass by the Guardian of the Threshold. And these two feelings are what enable us to truly recognize the human astral body in its essential nature. When these feelings live within a person as they have been described, and the person surrenders more and more to them—to the feeling of gratitude toward the macrocosm and the feelings of duty toward the unfolding of the world—when he allows his soul to be completely permeated and pulsed through by them, then his seer’s eye opens; then, little by little, his own astral body appears before his eyes—the next veil surrounding him, which he does not see in ordinary consciousness but which he can perceive if he has the patience to allow these feelings to work upon his soul long enough. Then the true form of our astral body stands before us—that body which has been born out of the macrocosm. However, if we wish to see this astral body and to perceive with sufficient clarity the truth that the spirit underlies all that is sensory, then we must pass by the Guardian of the Threshold. We must also consider the flip side of what has just been described as the bright side.
[ 18 ] Wir haben gesehen, daß alles dasjenige, was Weltenwille ist, uns durchströmt mit Kraft zur Tätigkeit, daß alles das, was Weltenfühlen ist, uns durchströmt mit Licht, und das Weltendenken durchströmt uns als ordnende Kraft. Das sind die Elemente, die wir brauchen, ohne diese könnten wir nicht leben, und würden uns diese nicht zugeführt, so würden wir als Menschen nicht da sein können. Nun vergleichen wir das, was in uns arbeitet mit dem, was schon unser eigen ist. Da tritt uns sehr deutlich vor Augen, was die Seele sich bis dahin erarbeitet hat an Kräften des Denkens, an Kräften des Fühlens und an Kräften des Willens. Namentlich tritt uns ganz deutlich vor Augen, wieviel wir unterlassen haben uns anzueignen in bezug auf die Stärke des Willens, in bezug auf die Intelligenz des Denkens und auf richtiges und angemessenes Fühlen. Es zeigt sich nun, daß alles, was wir getan haben, um uns Intelligenz anzueignen, sich vereinigen kann mit dem, was uns aus dem Weltenfühlen mit Licht durchströmt, und daß alles das, was wir unterlassen haben in der Entwickelung unserer Intelligenz, sich wie ein Hemmschuh ausnimmt. In dem Maße fließt uns weniger aus dem Lichte des Weltenfühlens heraus zu, als wir selber es unterlassen haben, an der Entwickelung unserer Intelligenz, unserer eigenen Denkkraft zu arbeiten. Unser Denken muß, wenn wir fortschreiten wollen im Weltendasein, im richtigen Verhältnis stehen zu dem, was wir in uns hineinsaugen aus dem Weltenfühlen.
[ 18 ] We have seen that everything that is the Will of the World flows through us as a force for action, that everything that is the Feeling of the World flows through us as light, and that the Thinking of the World flows through us as an organizing force. These are the elements we need; without them we could not live, and if they were not supplied to us, we could not exist as human beings. Now let us compare what is at work within us with what is already our own. Then it becomes very clear to us what the soul has developed up to that point in terms of powers of thought, powers of feeling, and powers of will. In particular, it becomes quite clear to us how much we have failed to acquire in terms of the strength of the will, the intelligence of thought, and correct and appropriate feeling. It now becomes apparent that everything we have done to develop our intelligence can unite with what flows to us as light from the world-feeling, and that everything we have failed to do in the development of our intelligence acts as a stumbling block. To the extent that we have failed to work on the development of our intelligence—our own power of thought—so much less flows to us from the light of the world’s feeling. If we wish to progress in our existence within the world, our thinking must be in the right proportion to what we absorb within ourselves from the world’s feeling.
[ 19 ] Wer diese Dinge nur kombinieren wollte, der könnte leicht versucht sein zu glauben, daß das, was wir aus den Denkkräften heraus an menschlicher Intelligenz uns erwerben, sich summieren und verbinden müßte mit dem, was aus dem Weltendenken uns zuströmt. Das wäre aber eine äußerliche Kombination, eine bloße Theorie und entspricht nicht der Wirklichkeit. In Wahrheit summiert sich Menschendenken mit Weltenfühlen. Es wird oftmals der Fehler gemacht, daß aus den gegebenen Andeutungen etwas Falsches kombiniert wird, zum Beispiel Gleiches mit Gleichem oder Ähnliches mit Ähnlichem. Aber die Dinge sind nicht so, daß man mit dem menschlichen kombinierenden Denken zurechtkommt. Also Weltenfühlen, wie wir es im Schlafe hereinsaugen, summiert sich mit menschlicher Intelligenz. Je mehr Intelligenz man hat, desto mehr erhellt sie dasjenige, was uns das Weltenfühlen als inneres Licht gibt. Gleichsam aber sehen wir in dieses Licht, in dieses Weltenfühlen einströmen sich widersetzende Dunkelheit, Finsternis, wenn wir unterlassen, etwas an der Entwickelung unseres Denkens, unserer Intelligenz zu tun. Alle Unterlassungssünden, die der Mensch dadurch begeht, daß er zu bequem ist, seine Denkkräfte auszubilden, rächen sich dadurch, daß der Mensch seinem inneren Licht etwas entzieht, daß er diesem inneren Licht von sich aus Finsternis, Dunkelheit zusetzt. So sehen wir den Geist weben an unserem eigenen Innern.
[ 19 ] Anyone who merely sought to combine these things might easily be tempted to believe that what we acquire as human intelligence through our powers of thought must add up to and merge with what flows to us from the thinking of the world. But that would be an external combination, a mere theory, and does not correspond to reality. In truth, human thought adds up to a sense of the world. The mistake is often made of deriving something false from the given hints—for example, combining like with like or similar with similar. But things are not such that one can make sense of them through human combinatory thinking. Thus, cosmic feeling—as we absorb it in sleep—adds to human intelligence. The more intelligence one possesses, the more it illuminates what cosmic feeling gives us as an inner light. At the same time, however, we see darkness—opposing darkness—flowing into this light, into this cosmic feeling, when we fail to do anything to develop our thinking and our intelligence. All sins of omission that a person commits by being too complacent to develop their powers of thought take their toll in that the person deprives their inner light of something, adding darkness and gloom to this inner light of their own accord. Thus we see the spirit weaving within our very being.
[ 20 ] Nun könnte jemand sagen: Das hat für mich eigentlich etwas höchst Unbehagliches, wenn ich daran denken soll, daß es in der Welt eine sonderbare Strömung wie die geisteswissenschaftliche Strömung gibt, welche jetzt gar damit anfängt, die Menschen auf solche Dinge aufmerksam zu machen. Haben denn die Menschen bisher nicht auch gelebt und ganz glücklich damit gelebt, daß sie sozusagen in die beiden Grenzen sich eingeschlossen haben, daß sie hübsch drinnengeblieben sind in der Spanne des Lebens, welche sich ausdehnt zwischen dem kleinen und dem großen Hüter der Schwelle? Da haben die geistigen Mächte für ihr Fortkommen gesorgt, von denen sie sich bis jetzt keine Vorstellung gemacht haben; könnte das nicht so weiter gehen? — Wenn sie es auch nicht so aussprechen, die Menschen von heute, so denken sie doch: Ach, was schert uns heute diese Weltenströmung! Wir wollen lieber bei dem Leben bleiben, wie es bisher verflossen ist. Da würde man am Ende gar dazu verführt, gewahr zu werden, wie sich Licht und Finsternis in uns selber vermischen. Bisher haben die geistigen Mächte dafür gesorgt, daß die Geschichte nicht in Unordnung kam; jetzt könnten wir selber etwas darüber erfahren, und wir könnten die Geschichte in Unordnung bringen. Unterlassen wir es lieber! — Es könnte jemand zu dieser Stimmung kommen, und es sind heute noch sehr viele in dieser Stimmung, daß sie sich sagen: Wir wollen essen und trinken, die nötige Kraft im Äußeren entwickeln, aber darüber hinaus wollen wir nicht gehen, dafür lassen wir die Götter sorgen, die bisher gesorgt haben.
[ 20 ] Now, someone might say: I actually find it quite unsettling to think that there is a strange movement in the world—such as the movement of the Spiritual Science—which is now even beginning to draw people’s attention to such things. Haven’t people lived up to now—and lived quite happily—by, so to speak, confining themselves within these two boundaries, by staying nicely within the span of life that stretches between the lesser and the greater guardians of the threshold? The spiritual powers—of which they have had no mental image until now—have provided for their progress; couldn’t things continue this way? — Even if they do not put it that way, people today still think: Oh, what do we care today about this cosmic current! We’d rather stick to life as it has flowed until now. In the end, one might even be tempted to become aware of how light and darkness mingle within ourselves. Until now, the spiritual powers have ensured that history did not fall into disorder; now we might experience this for ourselves, and we might throw history into disarray. Let’s not do that! — One might come to this state of mind—and there are still very many today who feel this way—saying to themselves: We want to eat and drink, develop the necessary strength outwardly, but we don’t want to go beyond that; we’ll leave that to the gods, who have taken care of it so far.
[ 21 ] Es wäre das im Grunde genommen kein unvernünftiger Einwand, denn in der Tat war es bisher so, daß die Menschen bis zu ihrer gegenwärtigen Entwickelungsstufe genügend Kräfte aus dem Schlafe haben heraussaugen können, daß die Kräfte des Makrokosmos da waren, von denen sich die Seele vollgesogen hatte, daß der Seele das zugeführt worden ist, was diese großen geistigen Wesenheiten aufgespeichert haben. Bisher war es so. Aber man darf nicht bei Abstraktionen bleiben, sondern man muß sich gerade auf diesem Felde an die Wirklichkeit halten. Und diese Wirklichkeit sieht so aus, daß sich auch die geistigen Grundbedingungen unseres Weltenlebens von Epoche zu Epoche ändern. Jene Weltenmächte, denen wir jede Nacht hingegeben sind, haben vom Anfange an, da es ein Menschenwesen gab, das sich entwickelte, auf dieses Menschenwesen gerechnet; sie haben damit gerechnet, daß auch von den Menschen herauf Licht nach oben strömt. Sie haben nicht ein unversiegliches Lichtreservoir, sondern ein solches, welches allmählich abnimmt, welches allmählich immer geringere und geringere Kräfte ausströmen würde, wenn nicht aus dem Menschenleben selber durch die Arbeit am menschlichen Denken, Fühlen und Wollen und an dem Hinaufarbeiten in die höheren Welten neue Kraft, neues Licht zufließen würde dem allgemeinen Weltenfühlen und Weltenlicht. Und in der Zeit, in der es notwendig ist, daß wirklich die Menschen sich bewußt werden, daß sie sich nun nicht bloß überlassen dürfen demjenigen, was ihnen zuströmt, sondern daß sie ihrerseits mitarbeiten müssen an dem Weltenwerden, in der Zeit leben wir jetzt. Es ist keineswegs irgendein gewöhnliches Ideal, das sich die Geisteswissenschaft setzt. Sie arbeitet wahrhaftig nicht so wie andere Geistesströmungen und Weltanschauungen, die sich bloß begeistern für dieses oder jenes Ideal und gar nicht anders können, als den anderen Menschen davon zu predigen. Ein solcher Impuls liegt bei denen, welche Geisteswissenschaft heute aus der wirklichen Weltenmission heraus verkünden, nicht vor. Sondern es liegt die Erkenntnis vor, daß gewisse Kräfte, welche im Makrokosmos sind, anfangen erschöpft zu werden, und daß wir einer Zukunft entgegengehen, in der, wenn der Mensch nicht arbeiten würde an der Entwickelung seiner eigenen Seele, zuwenig herunterfließen würde aus diesen höheren Welten, weil das Maß der herunterfließenden Kräfte anfängt, nach und nach erschöpft zu werden. In dieser Zeit leben wir. Deshalb muß Geisteswissenschaft in die Welt treten. Nicht aus einem willkürlichen Impuls heraus, sondern aus der Notwendigkeit unserer Zeit heraus muß Geisteswissenschaft ins Dasein treten, damit sie die Menschen dazu bringen kann, das wieder zu ersetzen, was erschöpft ist an herunterströmenden Kräften. Aus dieser Erkenntnis heraus zieht die Geisteswissenschaft ihre Impulse aus der Gegenwart, und sie würde heute noch nicht wirken, wenn nicht diese Tatsache vorläge, sondern sie würde ruhig wie bisher die Menschheitsentwickelung sich selber überlassen. Aber sie sieht voraus, daß, wenn sich nicht in den nächsten Jahrhunderten eine genügend große Anzahl von Menschen findet, die sich hinaufarbeiten in die geistigen Welten, dann das Menschengeschlecht immer weniger und weniger Kräfte herunterführen würde aus diesen geistigen Welten, und die Folge würde davon sein ein Verarmen der Menschen an geistiger Kraft, eine allgemeine Verödung des menschlichen Lebens. Die Menschen würden schwach werden in bezug auf dasjenige, was sie in der Welt zu tun haben. Es würde ein Verdorren des Menschenlebens stattfinden, wie bei einem Baum, der verholzt, wenn er keine Lebenssäfte mehr erhält. Bis jetzt sind dem Menschengeschlecht von außen die Kräfte zugeführt worden, und diejenigen, die nur das äußsere Leben betrachten, welche gedankenlos hinleben und glauben, daß nur die äußere sinnliche Welt existiert, die wissen eben nichts von den Veränderungen, die hinter dieser sinnlichen Welt sich abspielen. Und zu diesen wichtigen Veränderungen gehört das Versiegen der geistigen Kräfte und die Notwendigkeit, daß durch die Menschen selber solche Kräfte erzeugt werden. Wenn die Weiterentwickelung der Menschheit den oberflächlichen Menschen überlassen bliebe, die sich nur an die äußere physische Welt halten, dann träte ein Verdorren, ein Veröden des ganzen Menschengeschlechtes auf der Erde ein.
[ 21 ] This would not, in essence, be an unreasonable objection, for in fact it has been the case up to now that human beings, up to their present stage of development, have been able to draw sufficient forces from sleep; that the forces of the macrocosm were there, from which the soul had absorbed itself; that the soul was supplied with what these great spiritual beings had stored up. That was the case until now. But we must not remain stuck in abstractions; rather, we must stick to reality, especially in this field. And this reality is such that the fundamental spiritual conditions of our worldly life also change from epoch to epoch. Those world forces to which we are surrendered every night have, from the very beginning—ever since there was a human being developing—counted on this human being; they have counted on light also streaming upward from human beings. They do not possess an inexhaustible reservoir of light, but one that gradually diminishes—one that would gradually radiate ever smaller and smaller forces were it not for the fact that new strength and new light flow into the general cosmic consciousness and cosmic light from human life itself through work on human thinking, feeling, and willing, and through striving upward into the higher worlds. And we are now living in the very time when it is necessary for people to truly become aware that they must not simply leave themselves at the mercy of what flows toward them, but that they, for their part, must cooperate in the becoming of the world. The ideal that Spiritual Science sets for itself is by no means an ordinary one. It truly does not operate like other spiritual movements and worldviews that are merely enthusiastic about this or that ideal and cannot help but preach it to others. Such an impulse is not present in those who today proclaim Spiritual Science out of a genuine sense of mission for the world. Rather, there is the realization that certain forces within the macrocosm are beginning to be exhausted, and that we are heading toward a future in which—if human beings did not work on the development of their own souls—too little would flow down from these higher worlds, because the measure of the forces flowing down is beginning, little by little, to be exhausted. We are living in this time. That is why Spiritual Science must step into the world. Not out of some arbitrary impulse, but out of the necessity of our time, Spiritual Science must come into being so that it can lead people to restore what has been depleted in the forces flowing down from above. Based on this insight, Spiritual Science draws its impulses from the present, and it would not be active today if this fact did not exist; rather, it would quietly leave human development to its own devices, as it has done until now. But it foresees that if, in the coming centuries, a sufficiently large number of people do not arise who work their way up into the spiritual worlds, then the human race would bring down fewer and fewer forces from these spiritual worlds, and the consequence would be an impoverishment of human beings in spiritual power, a general desolation of human life. People would grow weak in regard to what they are meant to do in the world. Human life would wither away, just as a tree becomes woody when it no longer receives life-giving sap. Up to now, these forces have been supplied to the human race from outside, and those who consider only external life—who live thoughtlessly and believe that only the external, sensory world exists—know nothing of the changes taking place behind this sensory world. And among these important changes are the drying up of spiritual forces and the necessity for such forces to be generated by human beings themselves. If the further development of humanity were left to superficial people who cling only to the external physical world, then the entire human race on Earth would wither away and become desolate.
[ 22 ] Hier haben wir den tiefsten Punkt berührt, aus dem heraus der Geisteswissenschafter das Bewußtsein erhält, daß Geisteswissenschaft verkündet werden muß, damit die Menschen ihre eigene Entscheidung treffen, ob sie mitwirken wollen an dieser notwendigen Arbeit oder ob sie nicht mitwirken wollen. Wir werden über diesen Wendepunkt in der Entwickelung der Menschheit in den folgenden Vorträgen noch zu sprechen haben. Jetzt aber wollen wir noch einmal den geistigen Blick zurückwenden auf das, was wir eben berührt haben. Wir wollen den Blick auf alles das wenden, was in unserer Seele an Unterlassungssünden ist, was sich in unserer Seele zeigt als Hemmung derjenigen Kräfte, die uns von oben zufließen. Alle Unterlassungssünden des Denkens bohren sich gleichsam wie Finsternis in das aus dem Weltenfühlen einströmende Licht. Und in ähnlicher Weise bohren sich unsere Unterlassungssünden in bezug auf das Fühlen hinein in die Kräfte unserer Bewegungen, und unsere Unterlassungssünden in bezug auf das Wollen hemmen die ordnende Tätigkeit des Weltendenkens. Es tritt uns lebendig vor Augen, was unsere Seele durch ihre bisherige Entwickelung unterlassen hat und was sich wie ein mächtiger Hemmschuh hineinstellt in den ganzen Fortschritt des Lebens. Was uns höhere Mächte geben, was da an uns arbeitet, was Kraft entwickelt aus dem Weltenwillen, was Licht entwickelt aus dem Weltenfühlen, was Ordnung und Harmonie entwickelt aus dem Weltendenken, in das stellt sich hinein dasjenige, was wir selber in unserer ganzen Ohnmacht sind dadurch, daß wir uns eben bisher nur in dem Maße entwickelt haben, wie wir uns entwickelt haben. Da stehen wir vor der rechten Selbsterkenntnis. Und wie vor einem leuchtenden Bild erscheint als Finsternis, als finstere Silhouette, dasjenige, was wir geworden sind durch unsere Unterlassungssünden, das, was wir auszubessern haben an uns, dadurch, daß wir unsere Seelenkräfte in der richtigen Weise entwickeln. Dasjenige, was wir nicht geworden sind, das stellt sich uns vor die Seele und zeigt sich uns sehr deutlich, indem es seine Strahlen nach drei Seiten aussendet. Nach drei Seiten sendet das, was wir nicht geworden sind, seine Strahlen aus. Da zeigt sich uns zuerst, welche Hemmnisse wir dem Weltenwerden bieten dadurch, daß wir Unterlassungssünden begangen haben in bezug auf unseren Willen. Dann zeigt sich, welche Hemmnisse wir bereitet haben dem Weltenwerden dadurch, daß wir Unterlassungssünden in bezug auf unser Denken und zuletzt in bezug auf unser Fühlen begangen haben. Nach diesen drei Richtungen strahlt die Unvollkommenbheit unseres Wesens aus. Jede sagt uns etwas ganz Bestimmtes.
[ 22 ] Here we have touched upon the deepest point from which the spiritual scientist gains the awareness that Spiritual Science must be proclaimed so that people can make their own decision as to whether they wish to participate in this necessary work or not. We will have more to say about this turning point in human evolution in the following lectures. But now let us once again turn our spiritual gaze back to what we have just touched upon. Let us turn our gaze to all that in our soul constitutes sins of omission—that which manifests itself in our soul as an obstruction to the forces flowing to us from above. All sins of omission in thinking burrow, as it were, like darkness into the light streaming in from the feeling for the world. And in a similar way, our sins of omission in feeling bore into the forces of our movements, and our sins of omission in willing hinder the ordering activity of world-thinking. It comes vividly before our eyes what our soul has failed to do through its development thus far and what stands in the way like a mighty stumbling block to the entire progress of life. What higher powers give us, what is at work within us, what develops strength from the world will, what develops light from world feeling, what develops order and harmony from world thinking—into all of this interposes that which we ourselves are in all our powerlessness, precisely because we have developed so far only to the extent that we have developed. There we stand before true self-knowledge. And just as before a luminous image, what we have become through our sins of omission—that which we must rectify within ourselves by developing our soul forces in the right way—appears as darkness, as a dark silhouette. That which we have not become stands before our soul and reveals itself to us very clearly by sending out its rays in three directions. That which we have failed to become sends out its rays in three directions. First, it reveals to us the obstacles we pose to the unfolding of the world by having committed sins of omission with regard to our will. Then it reveals the obstacles we have created for the unfolding of the world by having committed sins of omission with regard to our thinking, and finally, with regard to our feeling. The imperfection of our being radiates in these three directions. Each one tells us something very specific.
[ 23 ] Da haben wir zuerst dasjenige, was hemmend von uns selber, von unserem eigenen Willen hineinstrahlt in das, was uns durchfließt aus dem Weltenwillen. Hemmend, zurückstauend stellt sich dar, was an Unterlassungssünden an unserer eigenen Willensnatur haftet. Das sagt uns: Mit alledem, was du da unterlassen hast, wirst du gefesselt sein an die untergehenden Kräfte der Erde; das wird dich fesseln wie mit ehernen Banden an alles das, was die Erde in ihre Zerstörung hineintreibt. — Was wir an Unterlassungssünden haben in bezug auf unser Denken, das sagt uns: Weil du diese Unterlassungssünden hast in bezug auf dein Denken, wirst du nicht die Möglichkeit finden, eine Harmonie herzustellen zwischen deinem Willen und deinem Fühlen. — Und was wir in bezug auf unser Fühlen unterlassen haben, das sagt uns: Es wird das Weltenwerden über dich hinwegschreiten. Du hast nichts getan, um von dir selber aus dem Weltenwerden etwas hineinzufügen; daher wird dasjenige, was dir das Weltenwerden gegeben hat, von diesem Weltenwerden genommen werden, und dieses Weltenwerden wird so über dich hinwegschreiten, wie wenn du überhaupt nicht dagewesen wärest. — So sehen wir getrennt vor uns stehen alle die Kräfte, mit denen wir an die Erde gefesselt sind, und wir sehen das Weltenwerden über uns hinwegschreiten, weil wir selber nichts getan haben durch unsere eigene Arbeit. Dann fühlen wir an dieser Grenze, wie die Kräfte, die uns an die Erde fesseln, und die Kräfte, die über uns hinwegschreiten, dasjenige, was unser eigenes wahres Wesen ist, auseinanderreißßen. Was wir selber in unserer Seele unterlassen haben, wird zu seelenzerstörenden Kräften. Wir fühlen unsere Unterlassungssünden in diesem Momente des Vorbeischreitens an dem kleinen Hüter der Schwelle als die Zerstörer an unserem Seelendasein.
[ 23 ] First, there is that which, as a hindrance, radiates from within ourselves—from our own will—into what flows through us from the Will of the World. What clings to our own volitional nature in the form of sins of omission manifests as a restraining, damming force. This tells us: With all that you have failed to do, you will be bound to the declining forces of the Earth; this will bind you, as with bands of bronze, to everything that drives the Earth toward its destruction. — The sins of omission we have committed in relation to our thinking tell us: Because you have committed these sins of omission in relation to your thinking, you will not find the possibility of establishing harmony between your will and your feeling. — And what we have failed to do in relation to our feeling tells us: The unfolding of the world will pass you by. You have done nothing to contribute something of your own to the unfolding of the world; therefore, what the unfolding of the world has given you will be taken away from you by that same unfolding, and this unfolding will pass you by as if you had never existed at all. — Thus we see standing before us, separate from us, all the forces that bind us to the earth, and we see the unfolding of the world passing us by, because we ourselves have done nothing through our own effort. Then, at this threshold, we feel how the forces that bind us to the earth and the forces that pass us by are tearing apart what is our own true being. What we ourselves have failed to do in our soul becomes forces that destroy the soul. In this moment of passing by the little guardian of the threshold, we feel our sins of omission as the destroyers of our soul’s existence.
[ 24 ] Nur eines kann uns in diesem furchtbaren Momente fähig machen zu bestehen, und das ist, wenn wir uns selber das Gelöbnis geben, in der Zukunft nichts mehr zu unterlassen. Wir haben ja Anhaltspunkte erlangt, die deutlich genug sind. Diese sagen uns im Momente unseres Vorbeischreitens vor dem kleinen Hüter der Schwelle: Diese Kräfte ziehen dich hinunter, also mußt du an deinem Willen, an deinem Denken und an deinem Fühlen arbeiten. Wir können selbst noch dem grauenvollen Anblick, der uns da wird, dankbar sein, denn er macht uns dieses Gelöbnis möglich, das wir uns selber ablegen können.
[ 24 ] Only one thing can enable us to endure this terrible moment, and that is if we make a vow to ourselves never again to fail to act in the future. We have, after all, received signs that are clear enough. As we pass before the little guardian of the threshold, these signs tell us: These forces are pulling you down, so you must work on your will, your thoughts, and your feelings. We can even be grateful for the horrific sight that unfolds before us, for it makes this vow possible—a vow we can make to ourselves.
[ 25 ] Das ist etwas weiteres, was zu den mystischen Erlebnissen gehört. Wenn wir erst das Dank- und das Pflichtgefühl als notwendig charakterisieren konnten, so müssen wir jetzt auch noch das «mystische Gelöbnis» nennen, das im Grunde genommen ein jeder gegenüber dem Anblicke der eigenen Unzulänglichkeiten selbstverständlich ablegt, das Gelöbnis, in der Zukunft soviel als nur möglich ist, an seiner Seele zu arbeiten, um auszubessern, was durch seine Unterlassungen geschehen ist. Dann erhält das Leben durch dieses Gelöbnis einen neuen besonderen Inhalt, einen Inhalt, der erst der wahren Selbsterkenntnis, der tätigen Selbsterkenntnis entspricht, die nicht nur in sich hineinbrütet, sondern die arbeitet an dem eigenen Selbst. Dieses Erlebnis kann man in einer zweifachen Weise haben. Man hat es in einer anfänglichen Weise dadurch, daß man alles verspürt, was bis jetzt beschrieben worden ist. Solange man es nur als Dankgefühl und als Pflichtgefühl erlebt, hat man das Gefühl: Es fehlt dir etwas, es fesselt dich noch etwas an das Dasein der Vergänglichkeit, es gibt noch Grund, daß das Weltenwerden über dich hinwegschreitet. Wenn man das fühlt, dann hat man es in seinem astralischen Leib erlebt. Aber wenn man Dank- und Pflichtgefühl immer wieder und wiederum fühlt, dann verwandelt es sich schließlich in eine ganz bestimmte Anschauung, die jetzt ein inneres Erlebnis wird, das dadurch entsteht, daß wir so viel innere Kraft gesammelt haben durch unser mystisches Denken, Fühlen und Wollen, daß unser astralisches Erleben sich spiegelt an unserem Äther- oder Lebensleib und uns zurückgeworfen wird. Da haben wir jetzt wie eine äußere Wirklichkeit unser eigenes Gegenbild vor uns, das gleichsam von einem Hintergrund sich abhebt. Der Hintergrund zeigt uns, wie die äußeren Weltenmächte, in die wir ausgegossen sind während des Schlafes, Licht und Kraft hineinarbeiten in unsere Hüllen. Von diesem Hintergrund hebt sich ab, was wir selber aus uns gemacht haben. Wie uns sonst in der äußeren Wirklichkeit Tiere, Pflanzen, Mineralien entgegentreten, so tritt uns Jetzt unser eigenes Selbst in einer realen Gestalt entgegen. Es wird uns unser Inneres anschaulich in der Außenwelt. Vorher ist unser Blick, als wir untertauchten in die äußeren Hüllen, abgelenkt worden auf die Außenwelt. Die äußeren Eindrücke der Sinneswelt flossen auf uns ein, damit wir nicht sehen konnten, was wir aber jetzt sehen sollen und müssen, wenn wir uns entschließen, an dem Fortschritt der Menschheitsentwickelung mitzuarbeiten. Ganz ähnlich wie wir sonst die Außenwelt sehen, sehen wir jetzt unser eigenes Innere. Es ist gleichsam abgemalt auf einem Hintergrund. Alles dasjenige, was uns an die Erde fesselt, was uns mit dem Vergänglichen verbindet, so daß wir es selber als Vergängliches zurücklassen müssen, das zeigt sich uns da in einem ganz bestimmten Bilde, in dem Bilde eines verzerrten Stieres. Wir können dieses Bild, das da das astralische Anschauen hat, mit nichts anderem vergleichen als mit dem Bilde eines verzerrten, uns hinunterziehenden Stieres. Alles dasjenige, was sonst Einklang schafft zwischen unserem Willen und unserem Fühlen in unserer Seele, zeigt sich uns in bezug auf Unterlassungssünden in dem Bilde eines verzerrten Löwen. Und alles dasjenige, was über uns hinwegschreitet, wenn wir Unterlassungssünden in unserem Denken haben, das zeigt sich uns in dem Bilde eines verzerrten Adlers. Diese drei Bilder sind durchsetzt mit unserem eigenen verzerrten Ebenbild. Da zeigt sich im Bilde, was wir aus uns gemacht haben und was wir auszubessern haben in der Zukunft, damit wir hinzufügen dem Weltenwerden alles dasjenige, was notwendig ist. Drei Zerrbilder von Tieren und ein Zerrbild von uns selber. Aus der Art, wie diese Bilder miteinander im Verhältnis stehen, ergibt sich das Maß dessen, was wir noch an uns zu arbeiten haben.
[ 25 ] This is yet another aspect of mystical experiences. If we have already characterized the sense of gratitude and duty as necessary, we must now also mention the “mystical vow”—which, in essence, everyone naturally makes upon seeing their own shortcomings—the vow to work on their soul as much as possible in the future in order to make amends for what has resulted from their omissions. Through this vow, life then takes on a new, special meaning—a meaning that corresponds to true self-knowledge, to active self-knowledge, which does not merely brood inwardly but actively works on the self. This experience can be had in two ways. One experiences it in an initial way by sensing everything that has been described so far. As long as one experiences it only as a feeling of gratitude and a sense of duty, one has the feeling: Something is missing within you; something still binds you to the transience of existence; there is still a reason why the unfolding of the world passes you by. When one feels this, one has experienced it in one’s astral body. But when one feels this sense of gratitude and duty again and again, it eventually transforms into a very specific insight that now becomes an inner experience, arising from the fact that we have gathered so much inner strength through our mystical thinking, feeling, and willing that our astral experience is reflected in our etheric or Life-Body and is cast back to us. There we now have, as if it were an external reality, our own counter-image before us, standing out, as it were, against a background. The background shows us how the outer forces of the world, into which we have poured out during sleep, work light and power into our sheaths. What we ourselves have made of ourselves stands out against this background. Just as animals, plants, and minerals otherwise confront us in external reality, so now our own self confronts us in a real form. Our inner world becomes vividly visible to us in the outer world. Previously, as we immersed ourselves in our outer bodies, our gaze had been diverted toward the outer world. The outer impressions of the sensory world flowed into us so that we could not see what we are now meant to and must see if we resolve to contribute to the progress of human development. Just as we normally perceive the external world, we now perceive our own inner being. It is, as it were, depicted against a background. Everything that binds us to the earth, everything that connects us to the transitory—so that we ourselves must leave it behind as transitory—is revealed to us there in a very specific image: the image of a distorted bull. We can compare this image, as perceived through astral vision, to nothing other than the image of a distorted bull pulling us down. Everything that otherwise creates harmony between our will and our feelings within our soul appears to us, in relation to sins of omission, in the image of a distorted lion. And everything that passes us by when we have sins of omission in our thinking appears to us in the image of a distorted eagle. These three images are interwoven with our own distorted likeness. The image reveals what we have made of ourselves and what we must correct in the future so that we may contribute to the unfolding of the world everything that is necessary. Three distorted images of animals and one distorted image of ourselves. The nature of the relationship between these images reveals the extent of the work we still have to do on ourselves.
[ 26 ] So ist unser Denken, Fühlen und Wollen, wenn wir an dem kleinen Hüter der Schwelle vorbeigehen, in drei Zerrbilder gespalten. Da haben wir wahre Selbsterkenntnis, denn was wir geworden sind, steht in Bildlichkeit vor uns. Es ist eine Selbsterkenntnis, die anspornend ist für unser ganzes zukünftiges Leben. Vor dieser Selbsterkenntnis könnte man leicht zurückschrecken. Man wird aber nur dann zurückschrecken, wenn man glaubt, daß dasjenige, was man nicht sieht, nicht da ist. Es kann ja solche Menschen geben. Sie gleichen einem Menschen, der vor einem herunterfallenden Ziegelstein die Augen zumacht, anstatt ihm auszuweichen. Dadurch, daß der Mensch den Anblick nicht hat, ändert sich nichts an der Sache; höchstens daß der Mensch diesen Zerstörer, weil er ihn nicht gewahr wird, wirklich seinen Zerstörer sein läßt. Das wollen diese Menschen nicht sehen. Die einzige Hilfe, auf diesem Punkte weiterzukommen, ist Selbsterkenntnis. Bisher haben die Weltenkräfte ausgereicht, um die äußerste Verzerrung unseres Menschenbildes hintanzuhalten. In der Zukunft reichen diese Kräfte nicht mehr aus. Wir selbst müssen an uns arbeiten. Wir selbst sind der Hüter der Schwelle. Wir selbst im Zerrbilde erscheinen uns als der kleine Hüter der Schwelle. Wir selbst sind es, welche verhindern, daß wir in uns hineinsteigen können. Einzig und allein diese Erkenntnis macht es möglich, daß in der Zukunft, wo uns nicht mehr die nötige Kraft von oben zufließen wird, die Menschheit nicht erlahmt in ihren Kräften, nicht immer schwächer und schwächer wird, das heißt, ihre Mission auf der Erde nicht erfüllt.
[ 26 ] Thus, as we pass by the little guardian of the threshold, our thinking, feeling, and willing are split into three distorted images. Here we have true self-knowledge, for what we have become stands before us in symbolic form. It is a self-knowledge that serves as an inspiration for our entire future life. One might easily recoil from this self-knowledge. But one will recoil only if one believes that what one does not see does not exist. There may indeed be such people. They resemble a person who closes their eyes in the face of a falling brick instead of dodging it. The fact that a person does not see it does not change the reality of the situation; at most, because they are unaware of it, they allow this destroyer to truly be their destroyer. These people do not want to see that. The only way to make progress on this point is through self-knowledge. Until now, the forces of the world have been sufficient to hold back the extreme distortion of our image of humanity. In the future, these forces will no longer be enough. We ourselves must work on ourselves. We ourselves are the guardians of the threshold. We ourselves, in this distorted image, appear to ourselves as the little guardians of the threshold. It is we ourselves who prevent us from entering into our own inner selves. Only this realization will make it possible—in the future, when the necessary strength will no longer flow to us from above—for humanity not to lose its vigor, not to grow weaker and weaker, that is, not to fail to fulfill its mission on Earth.
[ 27 ] Damit sind wir von einer gewissen Seite her durch die Region gekommen, welche wir die Region unseres eigenen Empfindungsleibes nennen können, in dem wir beim Aufwachen untertauchen. Aber im gewöhnlichen Leben werden wir uns dessen nicht bewußt, weil unser Bewußtsein dadurch abgelenkt wird, daß die Eindrücke der Außenwelt auf uns eindringen. Jetzt aber haben wir gesehen, was wir in uns selber erleben können, wenn wir beim Aufwachen die Eindrücke der Außenwelt nicht hereinlassen. Wir haben ein Stück unseres Astralleibes, ein Stück unseres menschlichen Wesens, den Empfindungsleib, von innen aus charakterisiert, so charakterisiert, daß wir uns jetzt eine Vorstellung machen können, wie wir sind. Wir sind gekommen bis zu der Grenze, wo unser Empfindungsleib an den Ätherleib stößt. Da hat sich uns etwas wie ein Spiegelbild gezeigt. Die verzerrte Gestalt, die sich uns zeigt, ist nur ein Bild, aber mehr brauchen wir nicht, um zu wissen, wie wir wirklich sind. Wenn der Mensch wissen will, wie sein Gesicht aussieht, dann hat die Diskussion darüber gar keinen besonderen Wert, ob das Bild, das er im Spiegel sieht, eine Täuschung ist oder eine Realität. Demjenigen, der sein Gesicht sehen will, genügt das Bild vollständig, es dient seinem Zweck, es hat einen realen Wert. Wenn ein Philosoph kommen und sagen würde: Was du uns da erzählst von dem dreiköpfigen Tier mit dem Menschen in der Mitte, das wissen wir, daß es nur eine Einbildung ist, — dann würden wir sagen: Es ist in demselben Sinne nur ein Spiegelbild, das von dem Äther- oder Lebensleib hergeworfen wird, wie das Bild, das der äußere Spiegel zurückwirft, aber es dient uns zur Selbsterkenntnis, und darin liegt seine Realität. Die Gründe, die eine äußere Philosophie vorbringen kann gegen die Wirklichkeit dessen, was das hellsichtige Bewußtsein erlebt, die weiß der Hellseher schon selber. Der Irrtum würde erst beginnen, wenn der Hellseher glauben würde, daß das Spiegelbild eine Wirklichkeit wäre, wenn er nicht wüßte, daß dieses Bild sein eigenes Inneres zeigt, sondern glauben würde, da komme wirklich ein vierköpfiges Wesen auf ihn zu. Wenn der Hellseher glauben würde, daß das Bild den Raum geradeso ausfüllt wie ein physisches Wesen, dann würde er einem Menschen gleichen, der seine Nase im Spiegel sieht, und weil sie ihm nicht gefällt, nun losschlägt auf das Spiegelbild und glaubt, er treffe etwas Wirkliches.
[ 27 ] In this way, from a certain perspective, we have passed through the region that we might call the region of our own sensory body, into which we immerse ourselves upon waking. But in ordinary life, we are not aware of this because our consciousness is distracted by the impressions of the external world that flood into us. Now, however, we have seen what we can experience within ourselves when we do not allow the impressions of the external world to enter upon waking. We have characterized a part of our astral body—a part of our human being, the sensory body—from within, in such a way that we can now form a mental image of what we are like. We have reached the boundary where our sensory body meets the etheric body. There, something like a mirror image has revealed itself to us. The distorted form that appears to us is only an image, but that is all we need to know what we are really like. If a person wants to know what his face looks like, then the discussion about whether the image he sees in the mirror is an illusion or a reality has no particular value. For the one who wants to see his face, the image is entirely sufficient; it serves its purpose; it has real value. If a philosopher were to come and say: “What you’re telling us about the three-headed beast with the human in the middle—we know that’s just a figment of the imagination”—then we would say: In the same sense, it is merely a mirror image cast by the etheric or Life-Body, just like the image reflected by an external mirror, but it serves us for self-knowledge, and therein lies its reality. The clairvoyant already knows the arguments that an external philosophy might raise against the reality of what clairvoyant consciousness experiences. The error would only begin if the clairvoyant were to believe that the mirror image were a reality—if he did not know that this image reveals his own inner self, but instead believed that a four-headed being were actually approaching him. If the clairvoyant were to believe that the image fills space just as a physical being does, then he would be like a person who sees his nose in the mirror and, because he does not like it, strikes out at the reflection, believing he is striking something real.
[ 28 ] Das ist es, was man sich aneignen muß, wenn man in die höheren Welten hinaufsteigen will: die Dinge nicht als etwas anderes zu nehmen, als sie wirklich sind. Sobald man das Spiegelbild als etwas den Raum Erfüllendes ansieht und nicht als das betrachtet, was es ist, verfällt man der Illusion. Man ist aber wahrhaftig kein Mensch, der sich Halluzinationen hingibt, wenn man weiß, daß einem das eigene Selbst in einem solchen Spiegelbilde entgegentritt. Daher ist es so wichtig, daß der Mensch, bevor er anfängt, durch Schauen in die geistige Welt einzudringen, sich die Möglichkeit verschafft, die Dinge durch Vernünftigkeit in ihrem wahren Wert zu erkennen und zu verstehen. Man soll daher niemanden hellsichtig machen, der etwas für eine Realität des physischen Raumes nimmt, was nur eine Spiegelung ist, der verwechseln könnte Spiegelbilder der Seele und geistige Wesenheiten. Daher wird großer Wert daraufgelegt, daß in eine wahre echte Geistesschulung niemand anders eintreten soll, als wer ein vernünftiges Denken hat, damit er immer die Bedeutung dessen, was er sieht, abzuschätzen in der Lage ist. Nicht das Schauen allein ist es, worauf es ankommt, sondern das Abschätzenlernen dessen, was man sieht, so daß man dasjenige, was man sieht, unterscheiden kann.
[ 28 ] This is what one must learn if one wishes to ascend into the higher worlds: not to perceive things as anything other than what they truly are. As soon as one regards the mirror image as something that fills space, rather than seeing it for what it is, one falls prey to illusion. However, one is certainly not succumbing to hallucinations if one knows that one’s own self is appearing in such a reflection. That is why it is so important that, before one begins to penetrate the spiritual world through vision, one equips oneself with the ability to recognize and understand things in their true value through reason. One should therefore not make anyone clairvoyant who mistakes a mere reflection for a reality of physical space, or who might confuse mirror images of the soul with spiritual beings. For this reason, great importance is placed on ensuring that no one other than those who possess rational thinking should enter into true, genuine spiritual training, so that they are always able to assess the significance of what they see. It is not the act of seeing alone that matters, but learning to assess what one sees, so that one can distinguish between the various things one perceives.
[ 29 ] Wir werden auch zu Wesenheiten kommen, die wirklich außer uns sind, aber das, was wir heute geschildert haben — darüber müssen wir uns klar sein — sind Erlebnisse unseres eigenen Inneren, die uns als Spiegelbilder erscheinen; das heißt, unser eigenes Inneres erscheint uns wie eine Außenwelt. Der Weg der Selbsterkenntnis und mystischen Vertiefung führt zu realen Erlebnissen; diese werden aber Halluzinationen, sobald der Mensch, der mystische Versenkung sucht, sich einbildet, die ihm erscheinenden Gestalten seien außerhalb seiner selbst im Raume und nicht sieht, daß es Spiegelbilder seines eigenen Inneren sind. Wesenheiten, welche wahrhaftig raumerfüllend und außer uns sind, begegnet der Mensch erst, wenn er bis in seinen Äther- oder Lebensleib hinuntersteigt, auf dem Wege, der am großen Hüter der Schwelle vorbeiführt. Darüber werden wir morgen sprechen.
[ 29 ] We will also encounter beings that are truly outside of ourselves, but what we have described today—and we must be clear about this—are experiences of our own inner being that appear to us as reflections; that is, our own inner being appears to us as an external world. The path of self-knowledge and mystical contemplation leads to real experiences; but these become hallucinations as soon as the person seeking mystical contemplation imagines that the figures appearing to him are outside himself in space and fails to see that they are mirror images of his own inner being. A person encounters beings that are truly space-filling and outside of us only when he descends into his etheric or Life-Body, on the path that leads past the great Guardian of the Threshold. We will speak about this tomorrow.
[ 30 ] So sind wir also heute nur zu einem Ausmessen des Stromes gekommen, der sich hineinstellt in unser Erleben im Moment des Aufwachens. Was der Mystiker in seiner Seele erfahren kann, wenn er beim Aufwachen alle Aufmerksamkeit ablenkt vom äußeren Sinnesteppich und hinuntersteigt in das eigene Innere, das wollten wir heute schildern.
[ 30 ] So today we have only managed to gauge the current that flows into our experience at the moment of waking. What the mystic can experience in his soul when, upon waking, he diverts all his attention away from the outer tapestry of the senses and descends into his own inner being—that is what we wanted to describe today.
