The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 119
27 March 1910, Vienna
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Macrocosm and Microcosm, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Wir haben gestern versucht, ein wenig Einblick zu gewinnen in dasjenige, was man den Gang in den Makrokosmos nennen kann, in die große Welt, im Gegensatz zu den Darstellungen der früheren Tage, welche uns den tieferen mystischen Weg, den Gang in den Mikrokosmos, vor die Seele stellen sollten. Und wir haben gestern gezeigt, wie das Aufsteigen in den Makrokosmos, in die große Welt, den Aufsteigenden zunächst führt in dasjenige, was man gewöhnlich in der Geisteswissenschaft genannt hat die elementarische Welt, wie dann der Mensch durch die elementarische Welt aufsteigt in die sogenannte geistige Welt, dann in die Vernunftwelt und endlich in eine noch höhere Welt, welche wir gestern am Schluß des Vortrages charakterisieren konnten als die Urbilderwelt, wobei wir zugleich darauf hingewiesen haben, daß wir ein rechtes Ausdrucksmittel für diese Welten in unserer Sprache eigentlich nicht mehr haben, weil das frühere deutsche Wort Vernunft heute trivial geworden ist, weil es in unserer heutigen Zeit für etwas gebraucht wird, was nur in der Sinneswelt Bedeutung hat, und daher der alte Ausdruck Vernunft für diese höhere Welt, die noch über der sogenannten geistigen Welt liegt, leicht mißverstanden werden könnte.
[ 1 ] Yesterday we attempted to gain a little insight into what might be called the journey into the macrocosm, into the greater world, in contrast to the descriptions of previous days, which were intended to present to our souls the deeper mystical path—the journey into the microcosm. And yesterday we showed how the ascent into the macrocosm—into the outer world—first leads the ascender into what has customarily been called in Spiritual Science the elemental world; how the human being then ascends through the elemental world into the so-called spiritual world, then into the world of reason, and finally into an even higher world, which we were able to characterize yesterday at the end of the lecture as the world of archetypes; in doing so, we also pointed out that we no longer really have an appropriate term for these worlds in our language, because the former German word Vernunft has become trivial today, since in our present time it is used for something that has meaning only in the sensory world, and therefore the old term “reason” for this higher world—which lies even above the so-called spiritual world—could easily be misunderstood.
[ 2 ] Natürlich könnte über diese Welten nicht nur stunden-, sondern wochenlang, viele Monate lang gesprochen werden. Wir können ja immer nur ganz skizzenhaft das eine oder das andere herausheben. Um nun ein wenig genauere Vorstellungen zu bekommen von diesen Welten, wollen wir noch das eine erwähnen. Wenn der Mensch sich in der gestern charakterisierten Art in die elementarische Welt einlebt und also eine wirkliche Anschauung von dem erhält, was man gewöhnlich die Elemente nennt, von Erde, Wasser, Luft und Feuer, so wird er dann auch gewahr, daß seine eigene Leiblichkeit wobei jetzt die volle Leiblichkeit gemeint ist, also auch dasjenige, was wir die höheren Glieder der menschlichen Natur nennen — herauserbaut ist auch aus dieser elementarischen Welt. Bei diesem Gewahrwerden erlangt aber der Mensch auch noch von etwas anderem Kenntnis. Er erlangt davon Kenntnis, daß die äußere Anschauung der elementarischen Welt sich etwas anders ausnimmt als die innere Wahrnehmung. Wenn wir in uns selbst hineinblicken, und zwar jetzt ohne hellseherischen Blick, sondern mit dem gewöhnlichen normalen Menschheitsbewußtsein, so finden wir gewisse Eigenschaften, die wir halb zu den seelischen, halb zu denjenigen der äußeren Leiblichkeit zählen, Eigenschaften, die wir die Eigenschaften unseres Temperamentes nennen. Diese Eigenschaften unseres Temperamentes gliedern wir so, daß wir sprechen von einem melancholischen Temperament, von einem phlegmatischen Temperament, von einem sanguinischen Temperament, von einem cholerischen Temperament.
[ 2 ] Of course, one could talk about these worlds not just for hours, but for weeks, even many months. We can, after all, only ever highlight one aspect or another in a very sketchy way. To gain a slightly more precise mental image of these worlds, let us mention one more thing. When a person immerses themselves in the elemental world in the manner described yesterday—and thus gains a true perception of what are commonly called the elements: earth, water, air, and fire—they will then also become aware that their own physicality—and here we mean the full physicality, including what we call the higher members of human nature—is also built up from this elemental world. In gaining this awareness, however, the human being also comes to know something else. They come to know that the external perception of the elemental world appears somewhat different from the inner perception. When we look within ourselves—not with clairvoyant vision, but with ordinary, normal human consciousness—we find certain qualities that we classify partly as belonging to the soul and partly to the outer physical body; qualities that we call the qualities of our temperament. We classify these characteristics of our temperament in such a way that we speak of a melancholic temperament, a phlegmatic temperament, a sanguine temperament, and a choleric temperament.
[ 3 ] Nun haben wir gestern gesagt, der Mensch fühlt sich, wenn er in den Makrokosmos eintritt, nicht so, wie wenn er den Dingen gegenüberstünde, sondern er fühlt sich in einem jeglichen Ding der elementarischen Welt schon darinnen. Wenn wir irgendein physisches Ding anschauen, so sagen wir: Das Ding ist dort, wir sind hier. Und nur so lange sind wir in der physischen Welt vernünftige Menschen, solange wir uns ganz deutlich mit unserer eigenen Ichheit unterscheiden können von den Dingen und Wesenheiten. Sobald man sich hineinlebt in die elementarische Welt, wird diese Unterscheidung wesentlich schwieriger. Denn zunächst verwächst man mit den Dingen und Wesenheiten und Tatsachen der geistigen Welt. Gestern haben wir das noch im besonderen charakterisiert an dem, was man das Element des Feuers nennt. Wir haben gesagt, daß es nicht ein physisches Feuer ist, sondern etwas, was wir vergleichen können mit innerer Seelenwärme, Seelenfeuer. Wenn wir das Feuer der Elementarwelt wirklich gewahr werden, dann fühlen wir uns mit ihm vereinigt, wir fühlen uns in dem Wesen des Feuers darinnen, sozusagen mit ihm verschmolzen. Dieses Sichvereinigtfühlen kann nun aber auch eintreten für die andern Elemente. Nur das Element der Erde macht in gewisser Beziehung eine Ausnahme. Ich habe Ihnen gesagt, man nennt in der elementarischen Welt dasjenige Erde, an das man nicht heran kann, was einen eigentlich zurückstößt.
[ 3 ] Now, as we said yesterday, when a person enters the macrocosm, they do not feel as if they were standing before things, but rather they feel that they are already within every single thing in the elemental world. When we look at any physical object, we say: That object is there; we are here. And we are rational human beings in the physical world only as long as we can clearly distinguish our own sense of self from things and entities. As soon as one immerses oneself in the elemental world, this distinction becomes much more difficult. For at first, one becomes intertwined with the things, entities, and facts of the spiritual world. Yesterday we characterized this in particular in relation to what is called the element of fire. We said that it is not a physical fire, but something we can compare to inner soul warmth, the fire of the soul. When we truly become aware of the fire of the elemental world, we feel united with it; we feel ourselves within the very essence of the fire, fused with it, so to speak. This sense of oneness can also occur with the other elements. Only the element of earth is, in a certain sense, an exception. I have told you that in the elemental world, “earth” refers to that which one cannot approach, that which actually repels one.
[ 4 ] Merkwürdigerweise steht nun in einer, man könnte sagen, geheimnisvollen Verwandtschaft mit den charakterisierten vier Elementen der elementarischen Welt dasjenige im Menschen, was man sein Temperament nennt, und zwar so, daß eine Verwandtschaft besteht zwischen dem melancholischen Temperament und dem Elemente der Erde, zwischen dem phlegmatischen Temperament und dem Elemente des Wassers, zwischen dem sanguinischen Temperament und dem Elemente der Luft, und zwischen dem cholerischen Temperament und dem Elemente des Feuers. Diese Verwandtschaft kommt im Erleben der elementarischen Welt so zum Ausdruck, daß in der Tat zum Beispiel der cholerische Mensch mehr Neigung hat, mit den im Feuer in der elementarischen Welt lebenden Wesenheiten zusammenzuwachsen als mit den in den anderen Elementen lebenden Wesenheiten. Der Sanguiniker hat wiederum mehr die Neigung, mit den im Element der Luft auftretenden Wesenheiten zusammenzuwachsen, der Phlegmatiker mit den im Wasser und der Melancholiker mit den in der Erde auftretenden Wesenheiten. So kommt man in eine verschiedene Art von Abhängigkeit in dem Augenblicke, in dem man durch wirkliches Erleben die elementarische Welt betritt. Und Sie können sich daraus leicht die Vorstellung bilden, daß die verschiedensten Menschen Ihnen das Verschiedenste erzählen können von der elementarischen Welt und daß eigentlich keiner so ganz unrecht zu haben braucht, wenn er seine eigenen Erlebnisse in dieser Welt anders schildert als die anderen.
[ 4 ] Curiously enough, there is a, one might say, a mysterious connection between what is characterized as the four elements of the elemental world and that aspect of the human being known as temperament—specifically, there is a connection between the melancholic temperament and the element of earth, between the phlegmatic temperament and the element of water, between the sanguine temperament and the element of air, and between the choleric temperament and the element of fire. This relationship is expressed in the experience of the elemental world in such a way that, for example, the choleric person does indeed have a greater inclination to grow together with the beings living in the element of fire in the elemental world than with those living in the other elements. The sanguine person, in turn, has a greater tendency to merge with the beings that appear in the element of air; the phlegmatic person with those in water; and the melancholic person with those in earth. Thus, one enters into a different kind of relationship the moment one enters the elemental world through actual experience. And you can easily form a mental image from this of very different people telling you very different things about the elemental world, and that, in fact, no one need be entirely wrong when they describe their own experiences in this world differently from others.
[ 5 ] Derjenige, der mit den Dingen bekannt und vertraut ist, wird freilich wissen, daß ein Melancholiker, wenn er die elementarische Welt schildert, sie schildert als eine Welt, in der sehr viel ist, was ihn zurückstößt. Das ist ganz natürlich, denn seine Melancholie steht in geheimnisvoller Weise in Verwandtschaft zu allem Erdigen, und er übersieht sozusagen das andere. Der Choleriker wird Ihnen dafür erzählen, wie feurig sich alles in der elementarischen Welt ausnimmt, denn er übersieht alles übrige und erglüht sozusagen immer nur in dem Elemente des Feuers, wenn er sich in die elementarische Welt einlebt. Daher brauchen Sie sich gar nicht zu verwundern, wenn die Schilderungen gewisser niederer Hellseher in bezug auf die elementarische Welt sehr voneinander abweichend sind, denn beurteilen kann man diese Welt doch erst dann, wenn man eine genaue Erkenntnis von sich selber hat. Weiß man, in welchem Grade man selber zum Beispiel Choleriker oder Melancholiker ist, dann kennt man den Grund, warum einem sich dieses so oder so zeigt in der elementarischen Welt. Dann wird man gerade durch diese Selbsterkenntnis angespornt dazu, den Blick von dem abzuwenden, womit man durch seine natürliche Beschaffenheit am allerverwandtesten ist.
[ 5 ] Anyone familiar with these matters will, of course, know that when a melancholic describes the elemental world, he depicts it as a world in which there is much that repels him. This is quite natural, for his melancholy is mysteriously related to all that is earthly, and he overlooks, so to speak, the rest. The choleric person, on the other hand, will tell you how fiery everything appears in the elemental world, for he overlooks everything else and, so to speak, is always inflamed only by the element of fire when he immerses himself in the elemental world. Therefore, you need not be at all surprised if the descriptions of the elemental world given by certain lower-level clairvoyants differ greatly from one another, for one can only truly judge this world once one has an accurate understanding of oneself. If one knows, for example, to what degree one is a choleric or a melancholic, then one understands the reason why this manifests itself in one way or another in the elemental world. Then, it is precisely this self-knowledge that spurs one on to turn one’s gaze away from that which one is most closely related to by one’s natural disposition.
[ 6 ] Daraus haben Sie auch die Möglichkeit, höhere Begriffe gewinnen zu können von dem, was man in der Geisteswissenschaft Selbsterkenntnis nennt. Diese Selbsterkenntnis ist nicht so etwas ganz Leichtes, denn sie setzt voraus, daß wir wirklich in die Lage kommen, gleichsam aus uns herauszukriechen und auf unsere eigene Wesenheit zu schauen, wie wenn sie eine ganz fremde Wesenheit wäre. Stellen Sie sich das gar nicht so besonders leicht vor. Es ist verhältnismäßig leicht für den Menschen, über Seeleneigenschaften, die er sich im Leben angeeignet hat, Klarheit zu gewinnen. Aber viel schwerer ist es, über die ja bis in die Leiblichkeit hinunterwirkende Beschaffenheit des Temperamentes vollständige Klarheit zu gewinnen. Was den Menschen da an einer wirklichen Selbsterkenntnis hindert, das ist das, daß die meisten Menschen immer sich selber Recht geben. Es ist zwar ein allgemeiner egoistischer Hang, sich selbst in bezug auf alles, was man über die Welt urteilt, immer Recht zu geben. Man braucht das aber nicht scharf abzukanzeln und zu kritisieren, denn es ist eine ganz natürliche Eigenschaft des Menschen. Man kann sogar sagen: Wohin würde der Mensch im gewöhnlichen Leben kommen, wenn er nicht diese Sicherheit hätte, die natürlich eine einseitige Sicherheit sein muß, sich fest auf sich selber zu stellen? — Aber wenn er sich so fest auf sich selber stellt, dann nimmt er sich in diesen Standpunkt hinein alles mit, was in seinem Temperamente liegt. Das Loskommen von seinem Temperament ist etwas außerordentlich Schwieriges, und man muß alle Selbsterziehung aufwenden, um zu lernen, sich selbst objektiv gegenüberzustehen. Es wird Ihnen jeder wirkliche Geistesforscher sagen: Eigentlich besteht kein besonderer Grad der Reife darin, in die wirkliche Geisteswelt einzudringen, wenn man nicht imstande ist, den Grundsatz zu befolgen, daß nur der Mensch zur Wahrheit kommen kann, welcher der eigenen Meinung nicht achtet; der also die eigene Meinung als etwas ansieht, worüber er vielleicht so spricht: Ich will mir einmal diese oder jene Meinung so recht vor die Seele rücken, ich will mich einmal fragen, ob ich nicht entdecken kann, in welcher Lebenslage ich mir gerade diese Meinung angeeignet habe. — Nehmen wir an, jemand stünde in einer so oder so gearteten, nun meinetwillen politischen Richtung darinnen. Bevor er nun die Reife erlangt, in die geistige Welt einzutreten, müßte er sich in bezug darauf die Frage ganz objektiv vorlegen können: Wie hat mich das Leben dazu gebracht, gerade diese Denkungsweise, gerade diese Richtung zu haben? Wie anders würde ich denken, wenn mir das Karma vielleicht diesen oder jenen Platz im Leben angewiesen hätte? — Diese Frage muß man sich selber stellen können.
[ 6 ] This also gives you the opportunity to gain a deeper understanding of what is called “self-knowledge” in Spiritual Science. This self-knowledge is not an easy thing to achieve, for it requires that we truly be able to, as it were, step outside ourselves and look at our own being as if it were a completely foreign entity. Do not imagine this to be particularly easy. It is relatively easy for a person to gain clarity about the qualities of the soul that they have acquired in life. But it is much more difficult to gain complete clarity about the nature of one’s temperament, which, after all, extends all the way down into the physical body. What prevents people from achieving true self-knowledge is that most people always side with themselves. It is, admittedly, a general egoistic tendency to always agree with oneself regarding everything one judges about the world. But there is no need to sharply rebuke or criticize this, for it is a completely natural human trait. One might even say: Where would a person end up in everyday life if they did not have this certainty—which, of course, must be a one-sided certainty—of standing firmly on their own two feet? — But when they stand so firmly on their own two feet, they bring into this standpoint everything that lies within their temperament. Breaking free from one’s temperament is an extraordinarily difficult task, and one must devote all one’s self-discipline to learning to view oneself objectively. Any true spiritual researcher will tell you: There is actually no particular degree of maturity involved in penetrating the true spiritual world if one is not able to follow the principle that only the person who does not regard their own opinion as authoritative—that is, who views their own opinion as something about which they might say: I want to really bring this or that opinion to the forefront of my mind; I want to ask myself whether I can discover in which life situation I came to adopt this very opinion. — Let us suppose that someone holds a certain political view, for the sake of argument. Before he attains the maturity to enter the spiritual world, he must be able to ask himself this question quite objectively: How has life led me to adopt precisely this way of thinking, precisely this orientation? How differently would I think if karma had perhaps assigned me this or that place in life? — One must be able to ask oneself this question.
[ 7 ] Wenn man sich nicht bloß vorübergehend, sondern immer wieder und wiederum recht genau diese Frage stellt, was da an einem gearbeitet hat, um den gegenwärtigen Menschen, der man ist, hervorzubringen, dann gewinnt man die Möglichkeit, den ersten Schritt zu machen, um aus sich herauszukommen. In der großen Welt, im Makrokosmos, gibt es das leichte, einfache Mittel nicht, außer den Dingen zu sein, das wir in der physischen Welt haben. In der physischen Welt können wir leicht außerhalb des Rosenstrauches stehen, weil uns ihre natürliche Beschaffenheit diesen Platz anweist. In der elementarischen Welt tritt gerade das ein, daß wir in die Dinge hineinwachsen, daß wir uns mit ihnen identifizieren. Wenn wir jetzt kein Mittel haben, um uns, trotzdem wir darinnen sind, von ihnen zu unterscheiden, dann können wir überhaupt niemals zu einer Klarheit über die Dinge kommen. Unser cholerisches Temperament wächst in der elementarischen Welt ganz unbedingt mit dem Elemente des Feuers zusammen. Und wir können da nicht mehr unterscheiden, was von uns ausströmt oder was von den Dingen oder von anderen Wesenheiten in uns einströmt, wenn wir nicht auf besonderem Wege die Fähigkeit der Unterscheidung gelernt haben. Wir müssen also zuerst etwas lernen. Wir müssen lernen, in einer Wesenheit darin zu stehen und uns doch von ihr zu unterscheiden.
[ 7 ] If one asks oneself this question—not just briefly, but again and again and quite precisely—about what has been at work within one to bring forth the person one is today, then one gains the opportunity to take the first step toward stepping outside of oneself. In the greater world, in the macrocosm, there is no easy, simple means—other than being outside of things—that we have in the physical world. In the physical world, we can easily stand outside the rosebush because its natural nature designates that place for us. In the elemental world, however, what happens is that we grow into things; we identify with them. If we now have no means of distinguishing ourselves from them—even though we are within them—then we can never attain any clarity regarding these things. Our choleric temperament, in the elemental world, inevitably merges with the element of fire. And we can no longer distinguish there what flows out from us or what flows into us from things or from other beings, unless we have learned the ability to distinguish in a special way. So we must first learn something. We must learn to be present within a being and yet distinguish ourselves from it.
[ 8 ] Es gibt nur eine Wesenheit, an der wir das lernen können, das sind wir selber. Wir sind eine Wesenheit, in der wir darinnenstehen und bei der wir beginnen können zu lernen, uns von ihr zu unterscheiden. Wenn wir dahin gelangen, uns selber nach und nach so zu beurteilen, wie wir im gewöhnlichen Leben einen anderen Menschen beurteilen, dann lernen wir, uns von uns selber zu unterscheiden. Es braucht sich jeder nur einmal an die eigene Brust zu schlagen und zu fragen, wie sich sein Urteil über sich selber unterscheidet von dem Urteil über einen anderen Menschen. Gewöhnlich gibt man sich selber Recht, und dem andern gibt man Unrecht, wenn er anderer Meinung ist als man selbst. So ist es im täglichen Leben. Aber es gibt nichts Nützlicheres, damit anzufangen sich selber zu erziehen, als sich die Frage vorzulegen: Ich habe diese Meinung, ein anderer hat eine andere Meinung; ich will mich auf den Standpunkt stellen, daß die Meinung des anderen geradesoviel Wert hat wie die meine. — Diese Selbsterziehung im gewöhnlichen Leben ist notwendig, damit wir beim Eintreten in die elementarische Welt uns selbst von den Dingen unterscheiden können, obgleich wir in ihnen darinnenstehen.
[ 8 ] There is only one being from which we can learn this, and that is ourselves. We are a being within which we exist and from which we can begin to learn to distinguish ourselves. When we reach the point where we gradually judge ourselves the way we judge other people in everyday life, then we learn to distinguish ourselves from ourselves. Everyone need only take a moment to reflect and ask how their judgment of themselves differs from their judgment of another person. Usually, we think we are right and that the other person is wrong when they disagree with us. That is how it is in daily life. But there is nothing more useful for beginning to educate ourselves than to ask ourselves the question: I have this opinion; another person has a different opinion; I want to take the position that the other person’s opinion is just as valid as my own. — This self-education in everyday life is necessary so that, upon entering the elementary world, we can distinguish ourselves from things, even though we are immersed within them.
[ 9 ] Sie sehen also, daß es auf gewisse Feinheiten ankommt im Erleben, wenn wir bewußt in die höheren Welten hinaufsteigen wollen. Aber auch an diesem Beispiel werden Sie erkennen, wie stark das Berechtigung hat, was gestern gesagt worden ist, daß der Mensch immer Gefahr läuft, wenn er sich in den Makrokosmos erhebt, sein Ich zu verlieren. Denn im gewöhnlichen Leben ist unser Ich eigentlich nichts anderes als ein Zusammenfluß unserer Meinungen, Empfindungen und Gewohnheiten, und die meisten Menschen werden finden, daß es außerordentlich schwierig ist, überhaupt noch etwas zu denken und zu empfinden und zu wollen, wenn sie Abschied nehmen von dem, was das Leben aus ihnen gemacht hat. Deshalb ist es so außerordentlich wichtig, daß man, bevor man sich überhaupt einläßt auf ein Hineinsteigen in die geistigen Welten, sich vorher bekanntmacht mit dem, was schon erforscht ist, was die Geistesforschung schon zutage gebracht hat. Es wird daher immer und immer wieder betont, daß kein Erkennender auf diesem Gebiet die Hand dazu biieten wird, jemandem die Möglichkeit zu geben, selbst hineinzugehen in die geistige Welt, bevor er durch seine Vernunft, durch sein gewöhnliches Urteil begriffen hat, daß das keine Phantasterei ist, keine Torheit ist, was die geistige Forschung behauptet. Es ist durchaus möglich, daß man sich ein gewisses Urteil erwirbt über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit des von der Geisteswissenschaft Mitgereilten. Obwohl man nicht in der geistigen Welt forschen kann, ohne die geöffneten Augen des Sehers zu haben, so läßt sich doch an die Mitteilungen, die durch den Geistesforscher gegeben werden, der Maßstab des gewöhnlichen menschlichen Urteils anlegen. Danach läßt sich das Leben betrachten, ob einem das Leben erklärlich wird durch das, was der Geistesforscher sagt. Die so gebildeten Urteile werden die Eigentümlichkeit haben, daß sie über das gewöhnliche menschliche Meinen hinausgehen. In bezug auf alles, was wir uns sonst an Meinungen aneignen, spricht das menschliche Empfinden mit. Wenn wir uns aber mit unbefangenem Urteil dem hingeben, wie hier über die höheren Welten gesprochen wird, dann hören die Sympathien und Antipathien unseres gewöhnlichen Lebens auf, dann werden wir finden, daß wir mit den entgegengesetztesten Menschen der gleichen Meinung sein können über diese Dinge. So gewinnen wir in der Geisteswissenschaft selber etwas, was über die gewöhnlichen persönlichen Meinungen hinausgeht und was wir dann noch haben, wenn wir in die geistige Welt eintreten. Es ist also wichtig, sich sozusagen einen Fonds von geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anzueignen, denn das bewahrt uns davor, unser Ich sogleich zu verlieren beim Eintreten in die geistige Welt.
[ 9 ] So you see that certain subtleties in our experience are crucial if we wish to consciously ascend into the higher worlds. But this example also shows you how true it is—as was said yesterday—that when a person rises into the macrocosm, they are always in danger of losing their “I.” For in ordinary life, our “I” is really nothing more than a convergence of our opinions, feelings, and habits, and most people will find that it is extraordinarily difficult to think, feel, or will anything at all once they bid farewell to what life has made of them. That is why it is so extraordinarily important that, before one even considers entering the spiritual worlds, one first familiarize oneself with what has already been explored—what spiritual research has already brought to light. It is therefore emphasized time and again that no one with true insight in this field will offer a helping hand to enable someone to enter the spiritual world on their own before they have grasped, through their reason and ordinary judgment, that what spiritual research asserts is neither fantasy nor folly. It is entirely possible to form a certain judgment regarding the truth or falsity of what Spiritual Science has revealed. Although one cannot explore the spiritual world without the open eyes of the seer, the communications provided by the spiritual researcher can nevertheless be measured against the standard of ordinary human judgment. Based on this, one can consider life to see whether what the spiritual researcher says makes life understandable. The judgments formed in this way will have the distinctive feature of going beyond ordinary human thinking. With regard to all the other opinions we otherwise adopt, human sentiment plays a role. But when we approach what is said here about the higher worlds with an unbiased judgment, then the sympathies and antipathies of our ordinary life cease; then we will find that we can share the same opinion about these things even with the most opposite kinds of people. In this way, we gain within Spiritual Science itself something that transcends ordinary personal opinions—something we will still possess when we enter the spiritual world. It is therefore important, so to speak, to acquire a reservoir of spiritual-scientific truths, for this protects us from immediately losing our sense of self upon entering the spiritual world.
[ 10 ] Der Verlust des Ich beim Eintreten in die geistige Welt hätte aber für manche Menschen noch andere Folgen. Diese Folgen zeigen sich für den Erkennenden oftmals schon im gewöhnlichen Leben. Wir kommen da zu etwas, was wir doch noch kurz besprechen müssen. Es ist wichtig, wenn wir dann die Wege beschreiben werden, die man betreten kann, um selber in die geistigen Welten hinaufzukommen. Vor allen Dingen darf der Geistesforscher in keinem Sinne ein Phantast, ein Träumer sein. Er muß sich mit einer Sicherheit und inneren Kraft in der geistigen Welt bewegen können, wie sich ein vernünftiger Mensch in der physischen Welt bewegt. Alles Nebulose, alle Unklarheit wäre von Übel, wäre sogar gefährlich, wenn wir Eintritt halten in die geistigen Welten. Daher ist es so notwendig und von einer so großen Bedeutung, daß wir schon über das gewöhnliche Leben ein gesundes Urteil gewinnen. Besonders in der heutigen Zeit zeigt sich ja schon bei manchen Menschen im gewöhnlichen Leben etwas, was hinderlich sein könnte beim Eintritt in die geistige Welt, wenn nicht darauf Rücksicht genommen würde. Wenn Sie über Ihr Leben nachdenken und sich alles zurückrufen, was von Ihrer Geburt an auf Ihr Leben Einfluß gehabt hat, so erinnern Sie sich selbst bei einem oberflächlichen Rückblick noch an manches, von vielem anderen aber werden Sie sich sagen müssen, daß Sie es vergessen haben. Von vielem, das Ihr Leben mitbeeinflußt hat, das Sie miterzogen hat, haben Sie kein deutliches, klares Bewußtsein; darüber hat sich Vergessenheit gebreitet. Doch werden wir nicht zugeben, daß wir etwas nicht erlebt haben, nur weil es jetzt nicht da ist in unserem Bewußtsein. Warum vergessen wir denn solche Einflüsse auf unser Leben? Aus dem Grunde vergessen wir sie, weil mit jedem neuen Tag das Leben uns Neues in den Weg hereinbringt. Und wir würden schließlich dem Leben nicht mehr gewachsen sein, wenn wir alles das zusammenhalten müßten, was wir erlebt haben. Das, was wir jeden Tag erleben, das wandelt sich um zu Fähigkeiten. Wir haben ja schon darüber gesprochen, daß unsere Erlebnisse gleichsam zusammenrinnen zu Fähigkeiten. Wie wäre es, wenn wir bei jedem Ansatz der Feder uns erinnern müßten an die Erlebnisse, die wir gehabt haben, um schreiben zu lernen! Eine Unsumme von Erlebnissen ist zusammengeronnen zu der Fähigkeit des Schreibens. Diese Erlebnisse, die an uns gearbeitet haben, haben wir mit Recht vergessen. Es ist gut für uns, daß wir sie mit Vergessenheit bedeckt haben. So ist das Wort «Vergessen» etwas, was im menschlichen Leben eine gewisse Rolle spielt. Es gibt Gebiete des Menschenlebens, wo es durchaus wohltätig ist, daß etwas, was der Mensch durchgemacht hat, dem Bewußtsein wiederum entschwinden kann. Es gibt zahllose Eindrücke, namentlich aus der Zeit der allerersten Kindheit, über die sich vollständiges Vergessen breitet, die nicht in unserem Bewußtsein da sind, weil das Leben sie uns eben hat vergessen lassen. Das ist gut, weil wir sonst dem Leben nicht gewachsen wären, wenn wir alles das mitschleppen müßten. Aber es ist noch keine unmittelbare Folge des Vergessens, daß diese Eindrücke auch ausgelöscht werden in bezug auf ihre Wirksamkeit. Es können Eindrücke im Leben auf uns gemacht werden, die zwar aus unserem Gedächtnis entschwunden sind, die aber, trotzdem wir nichts mehr von ihnen wissen, trotzdem wir sie vergessen haben, wirksame treibende Kräfte in unserem Seelenleben sind. Solche Eindrücke können es dahin bringen, daß das Seelenleben sogar in einer ungünstigen Weise beeinflußt wird. Wenn diese vergessenen Eindrücke solche sind, daß sie gewissermaßen einem gesunden Seelenleben widerstreben, können sie es dahin bringen, daß unser Seelenleben sozusagen in Teile zergliedert wird, auseinandergetrieben wird, und ein solches Auseinandertreiben des Seelenlebens kann in ungünstiger Weise auf unsere gesamte Verfassung einwirken, kann bis in unsere Leiblichkeit hinunter allerlei Zustände erzeugen, welche man mit verschiedensten Namen bezeichnet, meinetwillen als Nervosität, Hysterie, die aber im Grunde genommen nur vollständig begriffen werden können, wenn man weiß, daß der Umfang des bewußten Lebens sich nicht deckt mit dem Umfange des gesamten Seelenlebens. Der Menschenkenner kann manchmal jemanden, der zu ihm kommt und klagt über allerlei, was ihm das Leben schwer macht, leicht auf dieses oder jenes aufmerksam machen, was er vergessen hat, was er nicht mehr weiß, was aber deswegen in seinem Seelenleben nicht minder eine Kraft ist. Es gibt in der menschlichen Seele eine Art von Inseln, die dastehen, ich möchte sagen, in entgegengesetzter Art wie andere Inseln. Wenn man im Meer ist, so kann man sagen, man faßt festen Fuß auf einer Insel. Das Seelenleben des Menschen kann, wenn es auf solche unterbewußten Einschlüsse stößt, von denen es kein deutliches Bewußtsein hat, allerlei Gefährdungen erleben. Diese Inseln können im gewöhnlichen Leben am leichtesten dadurch umgangen werden, daß der Mensch versucht, von einem späteren Standpunkt seines Lebens aus zu begreifen, was da auf ihn gewirkt hat. Es wirkt ungeheuer gesundend für den Menschen, wenn man ihm eine Art von Weltauffassung geben kann, durch die er in die Lage kommt, diese Seeleninsel zu begreifen, sie zu ertragen. Würde man ohne weiteres eine menschliche Seele hinführen zu diesen Klippen, so würde sie erst recht beirrt werden. Gibt man dem Menschen aber die Möglichkeit, diese Dinge zu verstehen, sich selbst mit gewissem Verständnis aufzufassen, dann kommt er leichter darüber hinweg, wenn er diese Dinge einzureihen vermag in sein gesamtes Seelenleben. Je mehr wir also verständnisvoll hereingliedern können in unser bewußtes Leben, desto besser ist es schon im gewöhnlichen normalen Menschenleben.
[ 10 ] However, the loss of the “I” upon entering the spiritual world would have other consequences for some people. These consequences often become apparent to the discerning individual even in ordinary life. This brings us to a point that we must briefly discuss. It is important when we later describe the paths one can take to ascend into the spiritual worlds oneself. Above all, the spiritual researcher must not, in any sense, be a fantasist or a dreamer. He must be able to move through the spiritual world with the same confidence and inner strength as a rational person moves through the physical world. Any vagueness or lack of clarity would be detrimental—even dangerous—when we seek entry into the spiritual worlds. That is why it is so necessary and of such great importance that we develop sound judgment even in our ordinary lives. Especially in today’s world, certain traits already evident in some people’s ordinary lives could become obstacles to entering the spiritual world if they are not taken into account. If you reflect on your life and recall everything that has influenced it since your birth, even a superficial review will bring back many memories; yet regarding much else, you will have to admit that you have forgotten it. You have no clear, distinct awareness of much of what has helped shape your life and shaped your character; oblivion has settled over them. Yet we will not admit that we have not experienced something simply because it is not present in our consciousness right now. Why, then, do we forget such influences on our lives? We forget them because, with each new day, life brings new things our way. And we would ultimately no longer be able to cope with life if we had to hold onto everything we have experienced. What we experience every day is transformed into abilities. We’ve already discussed how our experiences, so to speak, coalesce into abilities. Imagine if, every time we picked up a pen, we had to recall all the experiences we’d had just to learn how to write! A vast number of experiences have coalesced into the ability to write. We have, quite rightly, forgotten these experiences that have shaped us. It is good for us that we have covered them with oblivion. Thus, the word “forgetting” plays a certain role in human life. There are areas of human life where it is quite beneficial for something a person has gone through to fade from consciousness once again. There are countless impressions—particularly from the time of very early childhood—over which complete forgetfulness spreads; they are not present in our consciousness because life has simply caused us to forget them. This is good, because otherwise we would not be able to cope with life if we had to carry all of that with us. But the fact that these impressions are forgotten does not immediately mean that they are also eradicated in terms of their effectiveness. Impressions can be made on us in life that, although they have vanished from our memory—and even though we no longer know anything about them, even though we have forgotten them—are still effective driving forces in our inner life. Such impressions can even lead to our inner life being influenced in an unfavorable way. If these forgotten impressions are such that they, so to speak, run counter to a healthy inner life, they can cause our inner life to be, so to speak, fragmented, driven apart; and such a fragmentation of the inner life can have an adverse effect on our entire constitution, and can even give rise to all sorts of physical conditions that are described by various names—such as nervousness or hysteria—but which, when it comes down to it, can only be fully understood if one realizes that the scope of conscious life does not coincide with the scope of the entire inner life. The expert in human nature can sometimes easily draw the attention of someone who comes to him complaining about all sorts of things that make life difficult to this or that—what he has forgotten, what he no longer knows, but which is no less a force in his inner life for that reason. There are, in the human soul, a kind of islands that stand—I would say—in a manner opposite to that of other islands. When one is at sea, one can say that one has set foot firmly on an island. When the human soul encounters such subconscious enclaves—of which it has no clear awareness—it can face all manner of dangers. In everyday life, these islands can most easily be circumvented when a person tries to understand, from a later vantage point in their life, what had an effect on them at the time. It has an immensely healing effect on a person when they can be given a kind of worldview that enables them to understand these islands of the soul and to endure them. If one were to lead a human soul straight to these cliffs, it would be all the more led astray. But if we give people the opportunity to understand these things, to perceive themselves with a certain degree of insight, then they can more easily overcome them when they are able to integrate these experiences into their overall spiritual life. The more we can thus integrate them into our conscious life with understanding, the better it is for ordinary, normal human life.
[ 11 ] Solche unbewußte Seeleninseln hat der Mensch nicht nur im gewöhnlichen Leben, sondern viel mehr Dinge von dieser Art treten vor den Menschen geistig hin, wenn er den Makrokosmos betritt. Wir haben ja gesehen, daß der Mensch jede Nacht beim Einschlafen den Makrokosmos betritt, daß aber auch jede Nacht beim Einschlafen sich volle Vergessenheit breitet über das, was der Mensch da erleben kann. Unter dem vielen, was der Mensch erleben würde, wenn er bewußt im Moment des Einschlafens den Makrokosmos beträte, wäre er selber; der Mensch würde selber darinnen sein in diesem Makrokosmos. Wir haben ja gestern beschrieben, daß der Mensch geistige Wesenheiten und geistige Tatsachen um sich herum hat im Makrokosmos. Gewiß, das ist richtig, aber unter alle dem, was da der Mensch vor sich hat, ist auch ein objektiver Anblick von sich selber. Jetzt kann der Mensch vergleichen, wie unvollkommen er ist im Verhältnis zu dem, was da in der makrokosmischen Welt enthalten ist, wie viele Eigenschaften er hat, durch die er nicht gewachsen ist dieser makrokosmischen Welt. Da ist reichlich Gelegenheit, daß der Mensch sein Selbstvertrauen, seine Selbstsicherheit verliert. Was den Menschen bewahren kann vor diesem Verlieren seines Selbstvertrauens, seiner Selbstsicherheit, ist eine dem Eintritt in die geistige Welt vorangehende Selbsterziehung zu einem reifen Urteile darüber, daß er zwar so, wie er jetzt ist, unvollkommen ist, daß aber immer die Möglichkeit vorhanden ist, sich Fähigkeiten zu erwerben, um hineinzuwachsen in diese geistige Welt. Der Mensch muß die Möglichkeit erringen, seine Unvollkommenheiten zu ertragen, und er muß auch den Anblick ertragen lernen, was er einstmals werden kann, wenn er seine Unvollkommenheiten überwunden und sich die ihm heute noch fehlenden Eigenschaften erworben hat. Das ist ein Gefühl, das beim bewußten Überschreiten der Schwelle nach dem Makrokosmos in die menschliche Seele kommen muß. Der Mensch muß lernen, sich selber als etwas Unvollkommenes zu sehen auf seinem heutigen Standpunkt. Er muß es ertragen lernen, sich zu sagen: Wenn ich zurückblicke in mein jetziges Leben und in die Leben der früheren Inkarnationen, so haben diese das aus mir gemacht, was ich bin. — Aber er muß auch die Möglichkeit haben, neben dieser seiner eigenen Gestalt zu empfinden, zu fühlen eine andere Gestalt, die ihm sagt: Wenn du nun an dir arbeitest, wenn du alles tust, um das, was an Anlagen in deiner tiefsten Wesenheit ist, zu entwickeln, dann kannst du einstmals ein Wesen werden wie diese Wesenheit, die wie ein reales Ideal neben dir steht. Blicke hin ohne Scheu und Entmutigung. — Ohne Scheu und Entmutigung kann man aber auf das, was sich da neben die eigene Unvollkommenheit stellt, nur dann hinblicken, wenn man sich erzogen hat zu einer Kraft der Überwindung von Lebensschwierigkeiten. Hat man dafür gesorgt, bevor man seinen Eintritt hält in die geistige Welt, daß man schon in der physischen Welt seelische Stärke erlangt hat, um Schmerz, Leid, um Widerstände des Lebens zu überwinden, hat man sich darin gestählt, Widerständen Trotz zu bieten, dann kann man in dem Moment, wo man dieses Gefühl hat, in sich den Impuls empfinden: Was auch geschehen mag mit dir, was dir auch begegnen mag in dieser geistigen Welt des Makrokosmos, du wirst durchkommen; denn du wirst immer stärker und stärker die Eigenschaften noch weiter ausbilden, die du dir schon angeeignet hast als Kräfte der Überwindung von Hindernissen und Hemmnissen.
[ 11 ] Human beings have such unconscious islands of the soul not only in ordinary life, but many more things of this kind appear before them spiritually when they enter the macrocosm. We have seen, after all, that every night when a person falls asleep, they enter the macrocosm; but also that every night when they fall asleep, complete forgetfulness settles over what they might experience there. Among the many things a person would experience if they were to consciously enter the macrocosm at the moment of falling asleep would be themselves; the person would be present within this macrocosm. We described yesterday that a person is surrounded by spiritual beings and spiritual realities in the macrocosm. Certainly, that is true, but among all that a person encounters there is also an objective view of themselves. Now a person can compare how imperfect they are in relation to what is contained in the macrocosmic world, and how many qualities they possess that make them unfit for this macrocosmic world. There is ample opportunity for a person to lose their self-confidence and self-assurance. What can protect a person from this loss of self-confidence and self-assurance is a process of self-education—undertaken before entering the spiritual world—that leads to a mature realization: while they are indeed imperfect as they are now, the possibility always exists to acquire the abilities needed to grow into this spiritual world. A person must gain the ability to endure their imperfections, and they must also learn to bear the vision of what they may one day become once they have overcome their imperfections and acquired the qualities they still lack today. This is a feeling that must arise in the human soul when consciously crossing the threshold into the macrocosm. A person must learn to see themselves as imperfect from their present standpoint. They must learn to endure telling themselves: When I look back on my present life and on the lives of my past incarnations, these have made me what I am. — But they must also have the opportunity, alongside this image of themselves, to perceive and feel another image that tells them: If you now work on yourself, if you do everything to develop the potential that lies in your deepest being, then you may one day become a being like this entity, which stands beside you as a real ideal. Look upon it without fear or discouragement. — But one can look upon what stands there alongside one’s own imperfection without fear or discouragement only if one has cultivated within oneself the strength to overcome life’s difficulties. If, before entering the spiritual world, you have ensured that you have already attained spiritual strength in the physical world to overcome pain, suffering, and life’s obstacles—if you have steeled yourself to defy adversity—then at the very moment you feel this, you will sense the impulse within yourself: Whatever may happen to you, whatever you may encounter in this spiritual world of the macrocosm, you will persevere; for you will continue to develop, ever more strongly, the qualities you have already acquired as forces for overcoming obstacles and hindrances.
[ 12 ] Wenn man sich in einer solchen Weise vorbereitet hat, dann erlebt man gerade beim Eintritt in die elementarische Welt etwas ganz Besonderes. Wir werden verstehen, was man da erlebt, wenn wir nochmal zurückblicken auf das, was vorhin gesagt wurde, daß unser cholerisches Temperament verwandt ist mit dem Elemente des Feuers, das sanguinische mit dem Element der Luft, das phlegmatische mit dem Element des Wassers, das melancholische mit dem Element der Erde. Wenn man mit seinem Temperamente sich hinauslebt in die elementarische Welt, dann treten einem die Wesenheiten der elementarischen Welt so entgegen, wie man selber ist. Cholerische Eigenschaften treten einem entgegen wie im Feuerelement erglühend, sanguinische Eigenschaften wie im Luftelement verfliegend, die phlegmatischen wie im Wasserelement, die melancholischen wie im Erdelement. Da wird sich zeigen, wie das, was man sich durch Selbsterziehung an Seelenstärke angeeignet hat, dazu führt, daß man sich sagen kann: Du wirst die Kraft haben, um alle Hindernisse zu überwinden! — Was der Mensch in sich hat, das ist demjenigen verwandt, was ihm in der geistigen Welt entgegentritt, es ist verwandt dem, was — gleichsam zusammenfließend aus allen Elementen — dem Menschen so entgegentritt, daß er sich selber erblickt wie eine außenstehende Wesenheit. Hat der Mensch sich entschlossen, durch Selbsterziehung alle seine Unvollkommenheiten zu überwinden, abzulegen, dann wirkt dieser Impuls der Seele so, daß dieser unvollkommene Mensch vor ihm steht, ohne daß sein Anblick ihn niederschmettert. Ohne den genügenden Reifegrad würde der Mensch immer ein niederschmetterndes Gefühl haben, wenn er seinen Doppelgänger erblickt. Davor schützt ihn im normalen Leben das Aufhören des Bewußstseins; denn er würde jede Nacht beim Einschlafen seinen unvollkommenen Menschen vor sich haben und von ihm niedergeschmettert sein, wenn er bewußt einschlafen würde. Ebenso würde jene andere Wesenheit vor dem Menschen stehen, die ihn aufmerksam machen würde darauf, wie er werden kann. Darum wird beim Einschlafen das Bewußtsein ausgelöscht. Wenn der Mensch aber immer mehr und mehr die Reife in sich erzeugt, die ihm sagt: Du wirst die Hindernisse überwinden! — dann lüftet sich allmählich das, was im normalen Leben wie ein Schleier vor die menschliche Seele sich hinstellt, wenn der Mensch einschläft. Dieser Schleier wird immer dünner und dünner, und zuletzt steht da, so daß der Mensch es ertragen kann, die Gestalt, die ein Ebenbild von ihm selber ist, so wie er gegenwärtig ist; und daneben wird er gewahr die andere Gestalt, die ihm zeigt, wie er werden kann, wenn er weiter an sich arbeitet. Sie zeigt sich ihm in Pracht und Herrlichkeit und Glorie. Der Mensch weiß in diesem Augenblick, daß die Gestalt nur deshalb so niederschmetternd wirkt, weil er nicht so ist und doch so sein könnte, und er weiß, daß er die richtige Seelenverfassung nur gewinnen kann, wenn er diesen Anblick ertragen kann. Dieses Erlebnis haben heißt: vorüberschreiten vor dem großen Hüter der Schwelle. Dieser große Hüter der Schwelle löscht im gewöhnlichen Einschlafen das menschliche Bewußtsein aus, so daß sich Vergessenheit breitet über dieses Bewußtsein. Dieser große Hüter der Schwelle zeigt uns, was uns fehlt, wenn wir in die große Welt eintreten wollen, und was wir erst aus uns machen müssen, damit wir nach und nach in diese große Welt hineinwachsen.
[ 12 ] When one has prepared oneself in this way, one experiences something quite special, especially upon entering the elemental world. We will understand what one experiences there if we look back once more at what was said earlier: that our choleric temperament is related to the element of fire, the sanguine to the element of air, the phlegmatic to the element of water, and the melancholic to the element of earth. When one projects one’s temperament out into the elemental world, the beings of the elemental world approach one in a way that corresponds to one’s own nature. Choleric qualities confront you as if glowing in the element of fire; sanguine qualities as if fleeting in the element of air; phlegmatic qualities as if in the element of water; and melancholic qualities as if in the element of earth. There it will become clear how the strength of soul one has acquired through self-education leads one to be able to say: You will have the strength to overcome all obstacles! — What a person has within themselves is akin to what confronts them in the spiritual world; it is akin to what—as it were, flowing together from all the elements—confronts the person in such a way that they behold themselves as an external being. If a person has resolved, through self-education, to overcome and cast off all their imperfections, then this impulse of the soul works in such a way that this imperfect human being stands before them without the sight of it crushing them. Without sufficient maturity, a person would always feel crushed upon seeing their doppelgänger. In normal life, the cessation of consciousness protects them from this; for if they were to fall asleep consciously, they would see their imperfect self before them every night as they drifted off and be crushed by the sight. Likewise, that other being would stand before them, drawing their attention to how they might become. That is why consciousness is extinguished upon falling asleep. But as a person increasingly develops within himself the maturity that tells him, “You will overcome these obstacles!”—then what in normal life stands before the human soul like a veil when a person falls asleep gradually lifts. This veil grows thinner and thinner, and finally—in a form the human being can bear—there stands the figure that is a likeness of the person as he is at present; and beside it, he becomes aware of the other figure, which shows him what he can become if he continues to work on himself. It reveals itself to him in splendor, magnificence, and glory. At that moment, a person knows that the figure appears so overwhelming only because he is not like that—and yet could be—and he knows that he can attain the right state of soul only if he can bear this sight. To have this experience means: to pass before the great Guardian of the Threshold. This great Guardian of the Threshold extinguishes human consciousness during ordinary sleep, so that oblivion spreads over that consciousness. This great Guardian of the Threshold shows us what we lack if we wish to enter the great world, and what we must first make of ourselves so that we may gradually grow into this great world.
[ 13 ] Unsere heutige Zeit hat es so nötig, sich einen Begriff zu machen von solchen Dingen, verabscheut es aber so sehr, das zu tun. Ja, unsere heutige Zeit ist in einem sonderbaren Übergang begriffen. Mancher wird zwar theoretisch zugeben, daß er ein unvollkommener Mensch ist, aber über die Theorie geht es gewöhnlich nicht hinaus. Das zeigt sich uns am besten, wenn wir Umschau halten in unserem geistigen Leben. Machen Sie selber die Prüfung darauf! Nehmen Sie die Literatur in die Hand, die von der geistigen Welt im heutigen Stile handelt. Sie werden überall einen Ton angeschlagen finden, der dem Ton, der jetzt gerade charakterisiert worden ist, ganz entgegengesetzt ist. Überall werden Sie hören und lesen können, wenn der oder jener seine Meinung über die geistige Welt sagt: das kann man wissen, das kann man nicht wissen. — Versuchen Sie, wie oft Sie dieses kleine Wörtchen «man» entdecken in heutigen Schriftwerken, dies: Das kann man wissen, das kann man nicht wissen. — Mit diesem Wörtchen «man» setzt der Mensch eine Grenze für die Erkenntnis fest, die er nicht überschreiten zu können glaubt. Jedesmal, wenn ein Mensch das Wörtchen «man» in dieser Weise ausspricht, steht er auf einem dem geisteswissenschaftlichen entgegengesetzten Standpunkt. Denn wir dürfen in keinem Augenblick des Lebens sagen: das kann «man» erkennen, oder das kann «man» nicht erkennen, sondern wir müssen sagen: Wir können so viel erkennen, als unserem gegenwärtigen Reifegrad und unseren Fähigkeiten entspricht, und wenn wir uns zu einem höheren Standpunkt hinaufentwickelt haben werden, werden wir mehr erkennen können. Dieses «man kann nicht» gibt es gar nicht. Wer so spricht, zeigt sich von vornherein als ein Mensch, der nicht in der Lage ist, überhaupt den Begriff Selbsterkenntnis zu fassen. Denn wir wissen, daß der Mensch ein entwickelungsfähiges Wesen ist und daß wir nur davon sprechen können, wieviel jeder erkennen kann nach Maßgabe der augenblicklichen Entwickelung seiner Fähigkeiten.
[ 13 ] Our present age has such a great need to come to terms with such things, yet it so strongly abhors doing so. Indeed, our present age is in the midst of a peculiar transition. While many will admit in theory that they are imperfect human beings, they usually do not go beyond that theory. This becomes most evident when we take a look at our spiritual life. Test this for yourself! Pick up some literature that deals with the spiritual world in today’s style. Everywhere you look, you will find a tone that is completely opposite to the one just described. Everywhere you will hear and read, when this or that person expresses their opinion about the spiritual world: ‘one can know this,’ ‘one cannot know that.’—Try to count how often you come across this little word ‘one’ in today’s writings: ‘One can know this,’ ‘one cannot know that.’—With this little word ‘one,’ people set a limit on knowledge that they believe they cannot cross. Every time a person uses the word “one” in this way, they are taking a position that is opposed to Spiritual Science. For we must never, at any moment in life, say: “One can” know this, or “one cannot” know that; rather, we must say: We can know as much as corresponds to our present level of maturity and our abilities, and when we have developed to a higher level, we will be able to know more. This notion of “one cannot” does not exist at all. Anyone who speaks this way reveals from the outset that they are incapable of even grasping the concept of self-knowledge. For we know that human beings are beings capable of development and that we can only speak of how much each person can understand in accordance with the current state of development of their abilities.
[ 14 ] Dieses «man kann nicht wissen», so schlimm es schon ist, es wäre noch nicht einmal das Schlimmste, denn es ist ja schließlich nur eine Ausdrucksform, über die man sich hinwegsetzen könnte. Der Geisteswissenschaftler wird sich darüber hinwegsetzen; er wird sich angewöhnen, die heutige Literatur unter dem Gesichtspunkt zu lesen, daß er sich sagt: Wenn der Betreffende «man» sagt, dann bedeutet das «er». Da kann man sich dann zurechtfinden, wenn man es von diesem Gesichtspunkte aus liest. Es verrät ja damit der Betreffende, was gerade er weiß. Wäre das nur eine Sache der Formulierung, so wäre es nicht so schlimm. Die Sache fängt aber dann an bedenklicher zu werden, wenn der Betreffende weitergeht und tatsächlich Praxis daraus macht. Denn Theorien sind überhaupt nicht gefährlich, sondern erst dann, wenn sie zur Lebenspraxis gemacht werden. Gefährlich wird es, wenn der Betreffende anfängt zu sagen: Ich weiß, was der Mensch wissen und erkennen kann, also brauche ich gar nichts zu tun —; dann legt er sich selber Hindernisse in den Weg, dann verweigert er sich selber die Entwickelung. Im Grunde genommen gibt es heute viele Menschen, die sich selber ihre Entwickelung versperren, so daß man vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus ihnen nur wünschen kann, daß sie immer recht gut und recht tief schlafen, damit ihnen ja niemals irgendwie durch ein kleines Lüften des Schleiers zum Bewußtsein kommen kann, wie unvollkommen sie sind im Vergleich zu dem, was sie werden könnten. So liegt es in den Denkgewohnheiten, in der ganzen Empfindungsweise unserer Zeit, daß die Menschen sogar den Schleier gerne immer dichter und dichter machen vor der Welt, in die wir nicht eintreten können, wenn wir nicht an dem großen Hüter der Schwelle vorüberkommen, an jener mächtigen Gestalt, die uns immer den Einlaß verwehrt, wenn wir vor ihr nicht ein heiliges Gelöbnis ablegen. Ohne dieses heilige Gelöbnis geht es nicht ab, und dieses heilige Gelöbnis besteht darin, daß wir sagen: Wir wissen zwar jetzt, wie unvollkommen wir sind, aber wir werden niemals aufhören zu streben, immer vollkommener und vollkommener zu werden. — Mit diesem Impuls allein darf jemand hineingehen in den Makrokosmos. Wer diesen starken Willen nicht hat, immer mehr und immer mehr an sich zu arbeiten, der sollte eben erst diesen starken Willen sich anerziehen, wenn er hineinschreiten will in den Makrokosmos.
[ 14 ] This “one cannot know”—as bad as it is—would not even be the worst thing, for it is, after all, merely a figure of speech that one could overlook. The scholar of the humanities will overlook it; he will get into the habit of reading contemporary literature from the perspective of telling himself: When the person in question says “one,” it means “he.” One can then make sense of it if one reads it from this perspective. For in doing so, the person in question reveals exactly what he knows. If this were merely a matter of phrasing, it would not be so bad. But the matter begins to become more troubling when the person in question goes further and actually puts it into practice. For theories are not dangerous at all; they become dangerous only when they are turned into a way of life. It becomes dangerous when the person in question begins to say: “I know what a human being can know and recognize, so I don’t need to do anything at all”—then he places obstacles in his own path; then he denies himself the opportunity for development. Basically, there are many people today who block their own development, so that from the standpoint of Spiritual Science one can only hope that they always sleep quite soundly and deeply, so that they may never—through even the slightest lifting of the veil—become aware of how imperfect they are compared to what they could become. Thus, it is inherent in the habits of thought, in the entire sensibility of our time, that people even gladly make the veil ever thicker and thicker before the world into which we cannot enter unless we pass by the great Guardian of the Threshold—that mighty figure who always denies us entry unless we take a sacred vow before him. Without this sacred vow, there is no way forward, and this sacred vow consists in our saying: Although we know now how imperfect we are, we will never cease to strive to become ever more perfect. — Only with this impulse may one enter the macrocosm. Anyone who lacks this strong will to work on themselves more and more should first cultivate this strong will if they wish to step into the macrocosm.
[ 15 ] Das ist das notwendige Gegenstück zu unserer Selbsterkenntnis, die wir gewinnen müssen, wenn wir unterscheiden lernen wollen in der höheren Welt. Selbsterkenntnis muß uns werden; diese Selbsterkenntnis bliebe aber totes Produkt, wenn sie nicht verknüpft wäre mit dem Willen zur Selbstvervollkommnung. Es tönt durch der Zeiten Wende der alte apollinische Spruch: Erkenne dich selbst! — Er ist richtig, es läßt sich gar nichts gegen ihn einwenden, aber es kommt auch bei ihm das in Betracht, was gestern gesagt worden ist in bezug auf Wahrheiten: Nicht diejenigen Vorstellungen, die eigentlich irrtümliche sind, sind die schlimmsten für den Menschen, sondern die einseitigen Vorstellungen, die halbe Wahrheiten sind, die stellen sich viel hindernder in unser Leben hinein. Und die Aufforderung: Erkenne dich selbst — wäre einseitig, wenn wir nicht auch ihre Kehrseite ansehen würden, die sich erweist als Aufforderung zur stetigen Selbstvervollkommnung. Wenn wir dieses Gelöbnis uns selber, unserem höheren Menschen, der wir werden sollen, abgeben, dann können wir uns getrost und ohne Gefahr hineinwagen in den Makrokosmos; denn dann werden wir in dem Labyrinth, in das wir da hinein müssen, uns nach und nach zurechtzufinden wissen.
[ 15 ] This is the necessary counterpart to our self-knowledge, which we must acquire if we are to learn to discern in the higher world. Self-knowledge must become part of us; yet this self-knowledge would remain a lifeless product if it were not linked to the will to self-perfection. The old Apollonian maxim resounds through the turning of the ages: “Know thyself!” — It is true; there is nothing at all to be said against it, but what was said yesterday regarding truths must also be taken into account here: It is not the mental images that are actually erroneous that are the worst for human beings, but rather the one-sided mental images—those half-truths—that pose a far greater hindrance in our lives. And the call: “Know thyself”—would be one-sided if we did not also consider its flip side, which proves to be a call to constant self-improvement. When we make this vow to ourselves, to the higher human being we are meant to become, then we can venture confidently and without danger into the macrocosm; for then, in the labyrinth into which we must enter, we will gradually learn to find our way.
[ 16 ] Nun haben wir gesehen, wie sich unsere eigene Natur verwandt erweist mit dem, was wir die elementarische Welt nennen, und wir haben das, was uns in der elementarischen Welt entgegentritt, verwandt gefunden mit dem, was unsere Temperamente sind. Wir würden auch noch anderes, das uns entgegentritt, verwandt fühlen mit unserer eigenen Wesenheit, wenn wir auf andere Seeleneigenschaften blicken würden. In uns ist immer auch das, was außer uns ist, denn wir sind aus der Umwelt genommen. Aber wir können nicht nur von dem aus, was wir in der physischen Welt wahrnehmen können, hineinblicken in die elementarische Welt, zum Beispiel von unserem cholerischen Temperament zum elementarischen Feuer, sondern wir können auch zur geistigen Welt und in noch höhere Welten hinaufsteigen. Auch diesen Punkt wollen wir heute noch kurz besprechen.
[ 16 ] Now we have seen how our own nature is related to what we call the elemental world, and we have found that what we encounter in the elemental world is related to our temperaments. We would also feel a kinship between other things we encounter and our own being if we were to look at other qualities of the soul. Within us is always that which is outside of us, for we are drawn from our environment. But we can not only look into the elemental world from what we can perceive in the physical world—for example, from our choleric temperament to the elemental fire—but we can also ascend to the spiritual world and to even higher worlds. Let us briefly discuss this point as well today.
[ 17 ] Wenn wir als menschliche Wesen dastehen, so wissen wir, daß wir von Inkarnation zu Inkarnation gehen. Wenn wir in dieser Inkarnation gerade ein melancholischer Mensch sind, so werden wir uns sagen können: Nun ja, in dieser Inkarnation sind wir ein melancholischer Mensch, in einer anderen, entweder vorangehenden oder folgenden Verkörperung, können wir sanguinisch oder phlegmatisch gewesen sein oder werden, das heißt, es wird sich das Einseitige ausgleichen. Damit haben wir einen Begriff davon gewonnen, daß wir, auch wenn wir in einem Leben Melancholiker sind, doch als Wesen mehr sind als bloß Melancholiker. Wir können mit demselben Wesen, mit dem wir in diesem Leben ein Melancholiker sind, in einem vorhergehenden Leben meinetwegen ein Choleriker gewesen sein oder können in einem folgenden Leben ein Sanguiniker werden. Unser Wesen also geht nicht auf in diesen Temperamentsanlagen, es ist noch etwas anderes, das darüber steht. Wenn also der hellsichtige Mensch jemanden in der elementarischen Welt beobachtet und ihn als melancholischen Menschen sieht, dann muß er sich sagen: So wie er sich jetzt darstellt als Melancholiker in dem Elemente der Erde, das ist eine vorübergehende Erscheinung, es ist bloß die Erscheinung einer Inkarnation. In einer anderen Inkarnation kann sich ein Mensch, der sozusagen erdig erscheint in seiner gegenwärtigen Verkörperung, luftig oder feurig darstellen. — So stellt sich in der Tat innerhalb der elementarischen Welt der Mensch für das hellsichtige Bewußtsein dar. Melancholiker, die gerne in sich selber brüten, die nicht mit sich selber fertig werden, erscheinen, wenn man sie vom Gesichtspunkt der elementarischen Welt aus betrachtet, so, daß sie einen gleichsam zurückstoßen. Choleriker erscheinen tatsächlich in der elementarischen Welt so, wie wenn sie Feuerflammen verbreiten würden. Allerdings müssen wir das seelische Element des Feuers ins Auge fassen und es nicht verwechseln mit dem gewöhnlichen physischen Feuer. Damit wir uns nicht mißverstehen, möchte ich erwähnen, daß Sie in theosophischen Handbüchern dasjenige, was wir hier elementarische Welt genannt haben, bezeichnet finden als astralische Welt oder Astralplan. Was wir hier die geistige Welt genannt haben, finden Sie dort bezeichnet als Mentalplan oder als Devachanwelt, aber die mehr unteren Teile derselben. Die höheren Teile des Devachan, die dort auch als Arupa-Devachan bezeichnet werden, das ist die Welt, die wir hier als Vernunftwelt charakterisiert haben.
[ 17 ] As human beings, we know that we pass from one incarnation to the next. If we happen to be a melancholic person in this incarnation, we will be able to say to ourselves: Well, in this incarnation we are a melancholic person; in another—whether a previous or subsequent incarnation—we may have been or may become a sanguine or phlegmatic person; that is to say, the one-sidedness will balance itself out. This gives us an understanding that, even if we are melancholic in one life, as beings we are more than merely melancholic. With the same being that makes us a melancholic in this life, we may have been, say, a choleric in a previous life, or we may become a sanguine in a future life. Our being, then, is not limited to these temperamental dispositions; there is something else that stands above them. So when a clairvoyant observes someone in the elemental world and sees them as a melancholic person, they must tell themselves: Just as this person now presents themselves as a melancholic in the element of earth, this is a temporary phenomenon—it is merely the manifestation of an incarnation. In another incarnation, a person who appears, so to speak, earthy in their present embodiment may present themselves as airy or fiery. — This is indeed how human beings appear to the clairvoyant consciousness within the elemental world. Melancholics, who tend to brood within themselves and cannot cope with their own emotions, appear—when viewed from the perspective of the elemental world—in such a way that they seem to repel one, as it were. Choleric individuals actually appear in the elemental world as if they were spreading flames of fire. However, we must bear in mind the spiritual element of fire and not confuse it with ordinary physical fire. To avoid any misunderstanding, I would like to mention that in Theosophical handbooks, what we have called here the elemental world is referred to as the astral world or the astral plane. What we have called the spiritual world here is referred to there as the Mental Plane or the Devachan world—but only its lower parts. The higher parts of Devachan, which are also called Arupa-Devachan there, constitute the world we have characterized here as the world of reason.
[ 18 ] Wenn wir aus der geistigen Welt in die Vernunftwelt eintreten, begegnet uns etwas ähnliches, wie es uns begegnet in der elementarischen Welt, wenn wir als Wesenheiten uns so erscheinen, daß wir das Element in unserem Temperament immer mehr und mehr überwinden, uns ausgleichen von Leben zu Leben. Etwas ähnliches begegnet uns, wenn wir an die Grenze der geistigen Welt gelangen. Wir haben gestern charakterisiert, daß wir in der geistigen Welt geistige Tatsachen finden, die sich durch die Bewegung der Planeten ausdrücken wie in einer Weltenuhr. Wir haben gesagt, daß die Wesenheiten sich ausdrücken als äußeres Gleichnis in den Bildern des Tierkreises, ihre Taten in den Planeten. Und wir haben darauf hingedeutet, daß man mit diesen Gleichnissen noch nichts Besonderes gewonnen hat, daß man übergehen muß zu den Wesenheiten selber. Wir haben die Summe dieser Wesenheiten bezeichnet als Hierarchien, so daß wir also in der geistigen Welt zu jenen Wesenheiten kommen, die bezeichnet werden als Seraphim, Cherubim, Throne und so weiter. Nun würden wir uns aber nicht einen Begriff verschaffen können von den noch höheren Welten, wenn wir nicht von den Bezeichnungen, die wir gestern gewählt haben für vorübergehende Äußerungen dieser Wesenheiten, übergingen zu den Wesenheiten selber. Wir haben gesagt, daß ein Mensch uns in einer Inkarnation entgegentreten kann als Melancholiker oder als Sanguiniker; seine wirkliche Wesenheit ist aber mehr als das Temperament, weil er sich darüber hinaus entwickelt in einer anderen Inkarnation. Die Wesenheit durchbricht also das, was uns als ein Ausdruck ihres Wesens charakterisiert worden ist. Erst wenn wir uns klarmachen, daß die höheren Wesenheiten, die bezeichnet werden als Seraphim, Cherubim, Throne, als Geister des Willens und so weiter, und die sich im physischen Raum in den Tierkreisbildern ausdrücken, als Wesenheiten mehr sind als diese Namen bezeichnen, dann bekommen wir einen Begriff von dieser oberen Grenze des Makrokosmos. Ein solches Wesen, das uns entgegentritt, sagen wir, als Seraph oder als Geist der Weisheit, bleibt nicht immer so, daß wir es so bezeichnen können. Denn geradeso, wie sich der Mensch entwickelt und die verschiedensten Eigenschaften annimmt, so entwickeln sich die Wesenheiten, die wir da an der oberen Grenze der geistigen Welt finden, durch verschiedene Zustände hindurch, so daß wir sie das eine Mal mit diesem, das andere Mal mit jenem Namen bezeichnen können. Die Wesenherten wachsen durch diese Namensbezeichnungen hindurch. Trivial gesprochen könnte man diese Namen Amtsbezeichnungen nennen. Es veranschaulicht die Sache. Wenn man von Geistern der Weisheit, von Geistern des Willens spricht, so ist das etwa so, wie wenn man meinetwillen spricht von Regierungsrat und Geheimem Regierungsrat; das kann derselbe Mensch sein, der nach und nach verschiedene Amtsbezeichnungen hat. So kann es dieselbe hierarchische Wesenheit sein, die einmal ein Geist der Weisheit, ein anderes Mal ein Geist des Willens ist, weil sich die Wesenheiten durch die verschiedenen Rangstufen hindurch entwickeln. Solange man in der geistigen Welt bleibt, zeigen sich diese Wesenheiten in der einen oder anderen Namensbezeichnung, als Seraphim oder als Cherubim und so weiter. Im Augenblick, wo man aber von dieser Amtsbezeichnung vorrückt dazu, die Wesenheit selbst ins Auge zu fassen, wo man sozusagen Bekanntschaft schließt mit der geistig sich entwickelnden Wesenheit, ist man aufgestiegen in ein höheres Reich, in das Vernunftreich, das wir dadurch charakterisierten, daß wir zeigten, an welchem Glied der Menschennatur dieses Vernunftreich arbeitet.
[ 18 ] When we enter the world of reason from the spiritual world, we encounter something similar to what we encounter in the elemental world, when we, as beings, appear in such a way that we increasingly overcome the elemental aspect of our temperament and achieve balance from one life to the next. We encounter something similar when we reach the boundary of the spiritual world. Yesterday we described how, in the spiritual world, we find spiritual realities that are expressed through the movement of the planets, as in a cosmic clock. We said that these beings express themselves as an outer parable in the images of the zodiac, and their deeds in the planets. And we indicated that these parables alone do not yield anything of particular significance, that one must turn to the beings themselves. We have referred to the sum of these beings as hierarchies, so that in the spiritual world we arrive at those beings designated as Seraphim, Cherubim, Thrones, and so on. However, we would not be able to form a concept of the even higher worlds if we did not move from the designations we chose yesterday for the temporary manifestations of these beings to the beings themselves. We have said that a human being may appear to us in one incarnation as a melancholic or a sanguine; but his true essence is more than just his temperament, because he develops beyond it in another incarnation. The essence thus transcends what has been characterized to us as an expression of its nature. Only when we realize that the higher beings—referred to as Seraphim, Cherubim, Thrones, Spirits of Will, and so on—who express themselves in physical space through the signs of the zodiac are, as beings, more than these names denote, do we begin to grasp this upper limit of the macrocosm. Such a being, which appears to us, say, as a seraph or as a Spirit of Wisdom, does not always remain in a state that allows us to designate it as such. For just as human beings develop and take on a wide variety of characteristics, so do the beings we find at the upper boundary of the spiritual world evolve through various states, so that we can designate them by one name at one time and by another at another. These beings grow through these designations. To put it simply, one could call these names “official titles.” It illustrates the point. When one speaks of Spirits of Wisdom or Spirits of Will, it is roughly the same as when one speaks, for example, of a Government Councilor and a Privy Councilor; it can be the same person who, over time, holds different official titles. Thus, it can be the same hierarchical being who is at one time a Spirit of Wisdom and at another a Spirit of Will, because the beings develop through the various ranks. As long as one remains in the spiritual world, these beings manifest themselves under one name or another—as Seraphim or Cherubim, and so on. But the moment one moves beyond this official title to perceive the entity itself—when, so to speak, one becomes acquainted with the spiritually evolving entity—one has ascended into a higher realm, the realm of reason, which we characterized by showing at which aspect of human nature this realm of reason works.
[ 19 ] Man muß überhaupt, wenn man zu einer gewissen Stufe der Erkenntnis kommen will, unterscheiden zwischen den fortschreitenden Wesenheiten selbst und dem, was sie auf einer bestimmten Entwickelungsstufe sind. So müssen wir es machen mit solchen Wesenheiten, die auch als fortgeschrittene Wesenheiten noch auf der Erde auftreten, und auch mit den Wesenheiten, die uns nur in der geistigen Welt begegnen. Als Beispiel sei hier der Buddha erwähnt. Die Menschen kennen den Buddha, wie er gelebt hat etwa fünf- bis sechshundert Jahre vor unserer Zeitrechnung. Derjenige, der geistig in diesen Stoff eingedrungen ist, muß aber unterscheiden lernen zwischen der Wesenheit selber, die man in ihrer damaligen Inkarnation Buddha genannt hat, und der «Amtsbezeichnung» Buddha. Diejenige Wesenheit, die etwa fünf- bis sechshundert Jahre vor unserer Zeitrechnung gelebt hat, ist erst in jener Inkarnation zur Würde eines Buddha aufgestiegen. Sie war vorher etwas anderes. Sie war vorher ein Bodhisattva und als solcher schon Jahrtausende mit der Erde verbunden. Aber dieselbe Wesenheit, die in früheren Jahrtausenden ein Bodhisattva war, ist dann in dem Gautama-Buddha aufgetreten und in dieser Inkarnation zum Buddha aufgestiegen. Diese Wesenheit hat sich aber auch wiederum weiter fortentwickelt, so daß sie — aus gewissen Gründen heraus, die wir vielleicht auch noch werden berühren können — nach dem Buddha-Dasein nicht mehr zu einem fleischlichen Leibe herunterzusteigen braucht, nicht mehr sich als ein fleischlicher Mensch zu inkarnieren braucht. Sie lebt in anderer Form weiter. So kann man sagen: Der Buddha war als Bodhisattva durch viele Jahrtausende mit der Erdentwickelung vereint. Er ist dann zum «Buddha» aufgestiegen und war damit in dieser Inkarnation so weit gekommen, daß er nicht mehr zu einer fleischlichen Inkarnation herunterzusteigen braucht. Er ist jetzt zu einem höheren Wesen aufgestiegen, das man vorfindet in der geistigen Welt. — Es muß also das geöffnete Auge des Sehers da sein, um den Buddha heute in seiner Entwickelung zu finden. Wenn Sie das als eine Art von Vergleich nehmen, so sehen Sie schon, daß man unterscheiden muß zwischen der Bezeichnung «Buddha» und der Wesenheit, die sozusagen durch das Amt des Buddha hindurchgeht. So muß man auch in den höheren Welten unterscheiden zwischen den Bezeichnungen, die wir den Hierarchien geben, und den Wesenheiten, die sich durch diese Rangstufe hindurch entwickeln, die meinetwillen aufsteigen von der Stufe der Throne zu der Stufe der Cherubim und Seraphim.
[ 19 ] In general, if one wishes to reach a certain level of understanding, one must distinguish between the evolving beings themselves and what they are at a particular stage of development. We must do this with those beings who, even as advanced beings, still appear on Earth, as well as with the beings we encounter only in the spiritual world. The Buddha may be mentioned here as an example. People know the Buddha as he lived some five to six hundred years before our era. However, anyone who has delved spiritually into this subject must learn to distinguish between the being itself—who was called Buddha in that incarnation—and the “title” of Buddha. The being who lived some five to six hundred years before our era only attained the dignity of a Buddha in that particular incarnation. Before that, she was something else. It had previously been a Bodhisattva and, as such, had already been connected to the Earth for millennia. But the same being that had been a Bodhisattva in earlier millennia then appeared as Gautama Buddha and attained Buddhahood in that incarnation. However, this being has also continued to evolve, so that—for certain reasons, which we may yet touch upon—after its existence as a Buddha, it no longer needs to descend into a physical body, nor does it need to incarnate as a physical human being. It lives on in another form. So one can say: As a Bodhisattva, the Buddha was united with the Earth’s evolution for many millennia. He then ascended to become the “Buddha” and had thus progressed so far in this incarnation that he no longer needs to descend into a physical incarnation. He has now ascended to a higher being found in the spiritual world. — Thus, the seer’s open eye must be present to find the Buddha in his current stage of development. If you take this as a kind of comparison, you can already see that a distinction must be made between the term “Buddha” and the being who, so to speak, passes through the office of the Buddha. Similarly, in the higher worlds, one must distinguish between the names we give to the hierarchies and the beings who develop through these ranks—who, for my sake, ascend from the level of the Thrones to the level of the Cherubim and Seraphim.
[ 20 ] So also sehen wir an der Grenze der geistigen Welt, daß gewisse Wesenheiten die Grenze dieser Welt berühren von oben herunter und gewisse Eigenschaften annehmen, durch die sie uns erscheinen mit dieser oder jener Funktion, die wir ihnen beilegen müssen, damit sie durch ihre Taten wirken können. Wenn wir aber in noch höhere Welten hinaufsteigen, dann erscheinen uns diese Wesenheiten selbst in ihrer lebendigen Entwickelung. Sie stellt sich in den höheren Welten so dar wie für den Menschen der Verlauf seiner Inkarnationen, seiner Verkörperungen in der physischen Welt. Und wie wir im Grunde genommen einen Menschen nur kennenlernen, wenn wir nicht nur Rücksicht nehmen auf seine gegenwärtige Inkarnation, sondern das verfolgen, was sich von Verkörperung zu Verkörperung bewegt, so lernen wir auch diese hohen geistigen Wesenheiten nur kennen, wenn wir hinaufzuschauen vermögen von dem, was uns ihre Taten ausdrücken, zu diesen Wesenheiten selber. In der Vernunftwelt leben, heißt mit geistigen Wesenheiten umgehen und teilnehmen an ihrer Entwickelung.
[ 20 ] Thus, at the threshold of the spiritual world, we see that certain beings touch the boundary of this world from above and take on certain qualities through which they appear to us with this or that function—functions we must ascribe to them so that they may act through their deeds. But when we ascend to even higher worlds, these beings appear to us in their living evolution. In the higher worlds, this unfolds just as the course of a person’s incarnations—their physical incarnations in the material world—does for human beings. And just as we can truly come to know a human being only when we do not merely consider their present incarnation but trace what moves from incarnation to incarnation, so too do we come to know these high spiritual beings only when we are able to look up—from what their actions express to us—to these beings themselves. To live in the world of reason means to interact with spiritual beings and to participate in their development.
[ 21 ] Nun haben wir schon gestern darauf hingewiesen, daß es eine noch höhere Welt gibt, die noch über der Vernunftwelt liegt, und daß da aus dieser Welt die Kräfte kommen, welche uns befähigen, aus dem gewöhnlichen, normalen Bewußtsein einzutreten in das hellseherische Bewußtsein, in das Bewußtsein, das begabt ist mit geistigen Augen und geistigen Ohren. Wir kommen also in eine noch höhere Welt als diejenige Welt, zu der wir blicken müssen, wenn wir uns unsere eigene physische Welt erklären wollen. Und wie wäre es denn weiter wunderbar, daß wir diese Eigenschaften des Menschen erklären müssen aus Welten, die höher sind als die geistige Welt und auch die Vernunftwelt, da doch die Fähigkeiten, durch die der Mensch in die höheren Welten hineinwächst, für die äußere physische Welt unwahrnehmbar sind! Der Mensch wird Teilnehmer an den geistigen Welten, wenn das hellsichtige Bewußtsein in ihm erwacht. Was Wunder also, daß die Kräfte zur Erweckung dieses hellseherischen Bewußtseins herauskommen müssen aus einer Welt, aus der höhere Wesenheiten selber ihre Kräfte schöpfen! Wir schöpfen unsere Verstandeskräfte aus der Vernunftwelt. Wollen wir über diese hinausgehen, dann müssen wir die Kräfte dazu aus noch höheren Welten schöpfen. Da kommen wir zur imaginativen Welt. Es wird unsere Aufgabe sein, diese imaginative Welt zu charakterisieren, die als erste sich dem Menschen öffnet, wenn das hellsichtige Bewußtsein erwacht. Wir werden zu zeigen haben, was der Mensch für Organe braucht, um in die imaginative Welt hineinzuschauen, und wie aus der Welt der ewigen Urbilder diejenigen Kräfte herauskommen, die die Organe für das imaginative Bewußtsein bilden, so wie aus der Vernunftwelt die Kräfte kommen, die den Menschen zu einem geistig urteilenden Wesen machen. Es wird dann unsere nächste Aufgabe sein, den Zusammenhang der ersten Stufe der höheren Erkenntnis mit der geistigen Welt der Urbilder zu erkennen, und dann werden wir weiterzuschreiten haben zu der Beschreibung der inspirierten und der intuitiven Welt. Wir werden zeigen, wie der Mensch ganz im Sinne unserer heutigen Zeitbildung hineinwachsen kann in die höheren Welten, ein Bürger dieser Welten werden kann, in denen er das niederste Wesen ist, wo er hinaufblickt zu höheren Wesen, die über ihm stehen, so wie er in der physischen Welt hinunterblickt zu den Reichen der Minerale, Pflanzen und Tiere, die ihn umgeben. Das wird sich uns ergeben, wenn wir das Erreichen höherer Fähigkeiten besprechen, durch die der Mensch neue Wesenheiten und Tatsachen kennenlernt, wenn er weiterschreitet den Weg in den Makrokosmos.
[ 21 ] Now, we already pointed out yesterday that there is an even higher world that lies above the world of reason, and that from this world come the forces that enable us to move from ordinary, normal consciousness into clairvoyant consciousness—the consciousness endowed with spiritual eyes and spiritual ears. We thus enter a world even higher than the one we must look to when we wish to explain our own physical world. And how much more wondrous it would be, then, that we must explain these human qualities from worlds that are higher than the spiritual world and even the world of reason—since the abilities through which human beings grow into the higher worlds are imperceptible to the outer physical world! Human beings become participants in the spiritual worlds when clairvoyant consciousness awakens within them. Is it any wonder, then, that the forces required to awaken this clairvoyant consciousness must come from a world from which higher beings themselves draw their powers! We draw our intellectual powers from the world of reason. If we wish to go beyond this, we must draw the necessary powers from even higher worlds. This brings us to the world of imagination. It will be our task to characterize this world of imagination, which is the first to open up to human beings when clairvoyant consciousness awakens. We will have to show what organs a person needs to look into the world of the imagination, and how the forces that form the organs for imaginative consciousness emerge from the world of eternal archetypes, just as the forces that make a person a spiritually discerning being come from the world of reason. Our next task will then be to recognize the connection between the first stage of higher knowledge and the spiritual world of archetypes, and then we will have to proceed to the description of the inspired and intuitive worlds. We will show how human beings, in keeping with the spirit of our present age, can grow into the higher worlds and become citizens of these worlds—worlds in which they are the lowest beings, looking up to higher beings who stand above them, just as in the physical world they look down upon the realms of minerals, plants, and animals that surround them. This will become clear to us as we discuss the attainment of higher abilities, through which human beings come to know new entities and realities as they continue on their path into the macrocosm.
