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The Rudolf Steiner Archive

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The Revelations of Karma
GA 120

20 May 1910, Hamburg

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Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] Der Inhalt des gestrigen Vortrages ist von großer Wichtigkeit sowohl für unsere nächsten Betrachtungen wie auch für das Verständnis der karmischen Zusammenhänge überhaupt. Deshalb — wegen dieser einschneidenden Wichtigkeit — lassen Sie mich heute noch einmal in den Hauptzügen kurz zusammenfassen, was der gestrige Vortrag enthalten hat.

[ 1 ] The content of yesterday’s lecture is of great importance both for our upcoming reflections and for understanding karmic relationships in general. Therefore—because of this crucial importance—let me briefly summarize the main points of yesterday’s lecture once again today.

[ 2 ] Wir gingen davon aus, daß sich die Anschauungen über Heilung und über Heilmittel im Laufe verhältnismäßig kurzer Zeiten im letzten Jahrhundert ziemlich radikal verändert haben. Und wir haben darauf hingewiesen, wie im 16. und 17. Jahrhundert namentlich eine Anschauung sich ausbildete, welche ganz und gar auf dem Boden fußte: Für eine jede Krankheit, die mit einem Namen bezeichnet wurde und die man glaubte begrifflich abgrenzen zu können, müßten sich auch diese oder jene Heilmittel in der Welt finden. Und man glaubte mit Sicherheit, daß, wenn das betreffende Mittel angewendet würde, es auf den Verlauf der Krankheit einen Einfluß haben müsse. Wir haben dann darauf hingewiesen, wie sich diese Anschauung mehr oder weniger bis ins 19. Jahrhundert hinein erhalten hat, dann aber danebengestellt den absoluten Gegensatz dieser Anschauung, der sich namentlich zum Ausdruck gebracht hat in dem Nihilismus der Wiener medizinischen Schule, der seinen Ausgangspunkt genommen hat von dem berühmten Mediziner Dietl, und seinen Fortgang gefunden hat in Skoda und dessen verschiedenen Schülern. Und wir haben die nihilistische Richtung dadurch charakterisiert, daß wir sagten: Sie fing nicht nur an, über den. absoluten Zusammenhang zwischen diesem oder jenem Heilmittel, zwischen diesen oder jenen Handgriffen in bezug auf die Krankheitsbehandlung und die Krankheit selber gründliche Zweifel zu haben, sondern sie wollte von einem solchen Zusammenhang nichts mehr wissen. Und es kam in die Gemüter der unter dem Einfluß dieser Schule stehenden jungen Ärzte die Anschauung von der sogenannten «Selbstheilung» hinein. Skoda selbst hat ja den für diese Schule bedeutungsvollen Satz ausgesprochen: Wir können eine Krankheit diagnostizieren, wir können sie vielleicht auch erklären und beschreiben; aber Mittel haben wir gegen die Krankheit nicht. — Und den Ausgangspunkt nahm diese Richtung davon, daß Dietl nachweisen konnte, daß bei der abwartenden Behandlung eine Krankheit wie die Lungenentzündung so verläuft, daß sie innerhalb einer bestimmten Zeit die selbstheilenden Kräfte entwickelt, wenn man nur die nötigen Bedingungen dafür schafft. Und er konnte statistisch nachweisen, daß bei der abwartenden Behandlung ebenso viele Menschen geheilt wurden oder auch starben wie bei Verabreichung der sonst gebräuchlichen Mittel. Damals war die Bezeichnung «therapeutischer Nihilismus» durchaus nicht unberechtigt; denn es war eine absolute Wahrheit, daß sich die Ärzte dieser Schule gar nicht schützen konnten gegen die Meinung der Kranken, daß ein Mittel, ein Rezept eben da sein muß. Der Kranke gab nicht nach, seine Umgebung auch nicht — Mittel mußten verschrieben werden, und die Anhänger dieser Schule halfen sich dann gewöhnlich dadurch, daß sie dünn aufgelösten arabischen Gummi verschrieben, der nach der Meinung der Anhänger der Schule ganz dieselbe Wirkung haben sollte wie die früher angewendeten Mittel. Wir haben daraus erkennen gelernt, wie geradezu hindrängt die moderne wissenschaftliche Tatsachenwelt zu dem, was wir den karmischen Zusammenhang im Leben nennen können. Denn wir mußten uns nun die Frage beantworten: Wie geschieht denn eigentlich das, was man nennen könnte «Selbstheilung»? Oder besser gesagt: Warum geschieht es? Und warum kann in einem andern Falle eine Selbstheilung oder überhaupt eine Heilung nicht eintreten?

[ 2 ] We assumed that views on healing and remedies had changed quite radically over a relatively short period of time during the last century. And we pointed out how, in the 16th and 17th centuries, a particular view took shape that was based entirely on the premise: For every disease that had been given a name and that people believed could be conceptually defined, there must also be this or that remedy to be found in the world. And it was firmly believed that if the remedy in question were applied, it would necessarily influence the course of the disease. We then pointed out how this view persisted to a greater or lesser extent well into the 19th century, but then set it in contrast to the absolute opposite of this view, which found particular expression in the nihilism of the Vienna School of Medicine, which originated with the famous physician Dietl and was carried forward by Skoda and his various students. And we characterized the nihilistic school by stating: It not only began to harbor profound doubts about the absolute connection between this or that remedy, or between these or those therapeutic interventions regarding the treatment of disease and the disease itself, but it refused to acknowledge any such connection whatsoever. And the concept of so-called “self-healing” took root in the minds of the young physicians under the influence of this school. Skoda himself, after all, uttered the statement that is so significant for this school: We can diagnose a disease; we may even be able to explain and describe it; but we have no remedy for the disease. — And this school of thought took its starting point from the fact that Dietl was able to demonstrate that, with a wait-and-see approach, a disease such as pneumonia progresses in such a way that it develops its self-healing powers within a certain period of time, provided the necessary conditions are created. And he was able to demonstrate statistically that, with a wait-and-see approach, just as many people were cured or died as when the otherwise customary remedies were administered. At that time, the term “therapeutic nihilism” was by no means unjustified; for it was an absolute truth that the doctors of this school could not at all protect themselves against the patients’ belief that a remedy, a prescription, simply had to be there. The patient would not give in, nor would those around him—remedies had to be prescribed, and the adherents of this school usually coped by prescribing a dilute solution of gum arabic, which, in the opinion of the school’s followers, was supposed to have exactly the same effect as the remedies used in the past. From this we have come to recognize just how strongly the modern scientific world of facts points toward what we might call the karmic connection in life. For we now had to answer the question: How does what one might call “self-healing” actually occur? Or rather: Why does it occur? And why, in another case, might self-healing—or any healing at all—fail to occur?

[ 3 ] Wenn eine ganze Schule, an deren Spitze medizinische Koryphäen standen, darauf verfallen konnte, den Begriff der Selbstheilung einzuführen, so hätte einer, der darüber nachdenkt, dazu kommen müssen, zu sagen: Also wird im Krankheitsprozeß etwas wachgerufen, was zur Überwindung der Krankheit führt! Und das hätte weiter dazu führen müssen, den geheimeren Gründen des Krankheitsverlaufes nachzuspüren. Wir haben nun versucht, darauf hinzuweisen, wie ein solcher karmischer Zusammenhang innerhalb der Menschheitsentwickelung für den Krankheitsverlauf gesucht werden kann. Wir haben gezeigt, daß allerdings das, was der Mensch in seinem gewöhnlichen Leben vollführt an guten und bösen Handlungen, an gescheiten und unsinnigen Handlungen, was er erlebt an richtigen und verkehrten Gemütsauffassungen, daß alles das nicht tief hineingeht in die Untergründe der menschlichen Organisation. Und wir haben den Grund aufgezeigt, warum das, was für das gewöhnliche Leben der moralischen, der intellektuellen und gemüthaften Beurteilung unterliegt, nur an der Oberfläche des gewöhnlichen Lebens sitzenbleibt und nicht dem Gesetze unterliegt, das wir im andern Falle aufzeigen konnten: die tieferliegenden Kräfte der Menschenorganisation zu beeinflussen. Wir haben gezeigt, daß es gleichsam eine Art von Hemmnis gibt gegen das Eindringen der Unmoralität in die tieferen Kräfte des Organismus. Und diese Abwehr gegen das Eindringen dessen, was wir tun und denken, in die Kräfte unserer Organisation liegt darin, daß wir unsere Handlungen, die wir zwischen Geburt und Tod vollbringen, mit unseren bewußten Vorstellungen begleiten. Indem wir eine Handlung oder ein sonstiges Erlebnis mit einer bewußten Vorstellung begleiten, schaffen wir eine Schutzwehr dagegen, daß das Resultat unserer Handlungen hinunterrückt in unseren Organismus.

[ 3 ] If an entire school of thought, led by medical luminaries, could have fallen into the trap of introducing the concept of self-healing, then anyone reflecting on this should have concluded: “So something is awakened in the process of illness that leads to the overcoming of the disease!” And that should have led further to an investigation of the more hidden causes underlying the course of the illness. We have now attempted to point out how such a karmic connection within human evolution can be sought in relation to the course of the illness. We have shown, however, that what a person does in their ordinary life—good and evil deeds, sensible and senseless actions, as well as the correct and incorrect emotional attitudes they experience—does not penetrate deeply into the depths of the human organism. And we have pointed out the reason why that which, in ordinary life, is subject to moral, intellectual, and emotional judgment remains only on the surface of ordinary life and is not subject to the law that we were able to demonstrate in the other case: the law that influences the deeper forces of the human organism. We have shown that there is, as it were, a kind of barrier against the penetration of immorality into the deeper forces of the organism. And this defense against the intrusion of what we do and think into the forces of our organism lies in the fact that we accompany the actions we perform between birth and death with our conscious mental images. By accompanying an action or any other experience with a conscious mental image, we create a protective barrier against the result of our actions sinking down into our organism.

[ 4 ] Wir haben dann darauf hingewiesen, welche Bedeutung jenen Erlebnissen zukommt, die unwiederbringlich vergessen worden sind. Da liegt nicht mehr die Möglichkeit vor, sie wieder ins bewußte Vorstellungsleben hinaufzurücken; sondern von solchen Erlebnissen mußten wir sagen, daß sie schon in bestimmter Weise, weil die Schutzwehr der Vorstellung fehlt, hinunterdringen in unsere innere Organisation und dort mitwirken können an den gestaltenden Kräften unseres Organismus. Und wir haben hinweisen können auf die Krankheitsformen, welche noch mehr an der Oberfläche liegen: Neurose, Neurasthenie und dergleichen. Sogar hysterische Zustände erfahren da eine Beleuchtung. Wir sagten, daß die Ursachen für solche Zustände gesucht werden müssen in den aus dem Bewußtseinskomplex herausgefallenen, vergessenen Vorstellungen, die hinuntergesunken sind in das Innere und sich — wie Einschiebsel unseres Seelenlebens — als Krankheiten geltend machen. — Wir haben darauf hingewiesen, welche ungeheure Bedeutung jener Zeitraum hat, der verläuft von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, wo sich der Mensch an seine Erlebnisse zurückerinnern kann, und es wurde darauf aufmerksam gemacht, wie das, was früher vergessen worden ist, im lebenden Organismus fortwirkt, indem es gleichsam mit den tieferen Kräften der Organisation einen Bund schließt und von dort aus unsere Organisation selber beeinflußt. Es muß also ein Komplex von Vorstellungen, eine Reihe von Erlebnissen hinuntersinken in tiefere Untergründe unseres Wesens, bevor er eingreifen kann in unsere Organisation. Wir haben dann darauf hingewiesen, wie am gründlichsten dieses Hinuntersinken geschieht, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen ist und das weitere Dasein durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt. Da verwandeln sich alle Erlebnisse in ihren Qualitäten in solche Kräfte, welche jetzt organisierend wirken. Und was der Mensch in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt empfunden und gefühlt hat, das nimmt er auf in die plastischen Kräfte, die beteiligt sind am neuen Aufbau des Leibes, wenn der Mensch jetzt neu ins Dasein tritt. Da hat er jetzt in den Bildungskräften das Resultat dessen darinnen, was er früher noch in seinem Seelenleben, vielleicht auch sogar in seinem bewußten Vorstellungsleben hatte. Und nun konnten wir darauf hinweisen, daß der Mensch mit seinem vom Ich durchtränkten Vorstellungsleben hin und her pendelt zwischen zwei Einflüssen: zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Einfluß. Wenn der Mensch eine Verfehlung begeht, die hervorgerufen wird durch Eigenschaften seines astralischen Leibes, durch schlimme Affekte, Zorn und dergleichen, wird er zu Handlungen getrieben durch luziferische Mächte. Wenn dann solche Handlungen jenen Weg gehen, der eben jetzt bezeichnet worden ist, daß sie zu Bildungskräften werden, so haben wir sie in den gestaltenden Kräften, die nunmehr der neuen Leiblichkeit zugrunde liegen als luziferische Krankheitsursachen. Wir haben dann gesehen, wie der Mensch unterliegt den ahrimanischen Kräften, die mehr von außen hereinwirken. Und wieder mußten wir von den ahrimanischen Einflüssen sagen, daß sie sich umwandeln in Bildungskräfte, in gestaltende Kräfte des neu gebauten Organismus, der zustande kommt, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt. Und insofern sich die Einflüsse Ahrimans in die Bildungskräfte hineinmischen, können wir von Krankheitsanlagen sprechen mit ahrimanischem Charakter. Dann haben wir im einzelnen darauf hingewiesen, wie diese Kräfte, die sich in dieser Weise herausbilden, wirken. Und ich habe Ihnen radikale Beispiele gezeigt für dieses Wirken, weil an radikalen Beispielen die Vorstellung eine deutlichere, scharf umrissene wird. Ich sagte, man nehme an, daß ein Mensch im vorigen Lebenslauf alles das getan hat, was ihn nur zu einem geringen Selbstgefühl und Selbstvertrauen bringen kann, daß er sein Ich so präpariert hat, daß es nichts auf sich gehalten hat, nur in Allgemeinheiten aufging und so weiter. Fin solcher Mensch nimmt nach dem Tode die Tendenz auf, jenen Widerstand zu überwinden und die Kräfte aufzunehmen, welche ihn fähig machen, später im weiteren Verlauf der Inkarnation sein Ich kräftiger, vollkommener zu machen. Das wirkt so, daß er solche Verhältnisse dann sucht, die es ihm möglich machen, gegen dasjenige anzukämpfen, gegen was es gut ist, anzukämpfen mit einem schwachen Selbstgefühl, so daß ein schwaches Selbstgefühl sich an dem Widerstande stärken kann. Und wahr ist es, daß eine solche Tendenz den Menschen dazu führt, sozusagen Gelegenheiten aufzusuchen zur Cholera, weil er darin etwas vor sich hat, was ihm Gelegenheit bietet, jene Widerstände zu überwinden. Und in der Überwindung dieser Widerstände liegt das, was in der nächsten Inkarnation oder aber auch bei eingetretener Heilung in derselben Inkarnation zu einem stärkeren Selbstgefühl führen kann oder zu Kräften, welche ein stärkeres Selbstgefühl durch Selbsterziehung nach und nach heranreifen lassen. Wir haben dann gesagt, daß bei einer Krankheit wie der Malaria die Gelegenheit gegeben ist, etwas auszugleichen, was sich die Seele in einem früheren Leben als ein übermäßiges Selbstgefühl herangezüchtet hat durch ihre Handlungen und Empfindungen. — Diejenigen von Ihnen, welche frühere Betrachtungen unseres theosophischen Lebens mitgemacht haben, werden sich verdeutlichen können einen solchen Verlauf. Es wurde immer gesagt, daß das Ich des Menschen seinen physischen Ausdruck findet im Blut. Nun hängen die beiden Krankheiten, von denen wir eben gesprochen haben, mit dem Blut und den Gesetzen vom Blut zusammen; sie hängen so zusammen, daß beim Cholerafall eine Verdickung des Blutes eintritt. Diese Verdickung ist es, was als Widerstand zu bezeichnen ist, den das schwache Selbstgefühl durchmachen muß und an dem es sich heranerziehen will. Ebenso können Sie es sich verdeutlichen, daß bei der Malaria eine Art Blutzerfall stattfindet und daß ein überstarkes Selbstgefühl die Möglichkeit braucht, daß es ad absurdum geführt wird, daß im Blutzerfall ein überstarkes Ich in seiner Anstrengung zur Nichtigkeit geführt wird. Das wird in dem Zerfall des Blutes geboten. — Die Dinge sind natürlich außerordentlich intim im Organismus zusammenhängend; aber wenn Sie darauf eingehen, werden Sie sie sich schon zum Verständnis bringen.

[ 4 ] We then pointed out the significance of those experiences that have been irretrievably forgotten. There is no longer any possibility of bringing them back into the realm of conscious mental images; rather, we had to say that such experiences, precisely because they lack the protective barrier of mental images, penetrate in a certain way into our inner organization and can there contribute to the formative forces of our organism. And we were able to point to the forms of illness that lie even closer to the surface: neurosis, neurasthenia, and the like. Even hysterical states are shed light upon here. We said that the causes of such states must be sought in the forgotten mental images that have fallen out of the complex of consciousness, have sunk into the inner self, and—like intrusions into our soul life—manifest themselves as illnesses. — We have pointed out the immense significance of the period extending from birth to the point at which a person can recall their experiences, and attention was drawn to how what has been forgotten in the past continues to exert an influence in the living organism by, as it were, forming an alliance with the deeper forces of the organism and, from there, influencing our organism itself. A complex of mental images, a series of experiences, must therefore sink into the deeper strata of our being before it can take effect in our organism. We have then pointed out how this sinking occurs most thoroughly when a person has passed through the gate of death and lives through the further existence between death and new birth. There, all experiences are transformed in their qualities into forces that now have an organizing effect. And what a person has sensed and felt during the time between death and new birth is absorbed into the formative forces involved in the new building up of the body when the person now enters existence anew. There, within the formative forces, they now carry the result of what they previously experienced in their soul life, and perhaps even in their conscious life of imagination. And now we could point out that human beings, with their life of imagination imbued with the “I,” oscillate back and forth between two influences: the Luciferic and the Ahrimanic influences. When a human being commits a transgression brought about by qualities of his astral body—such as negative emotions, anger, and the like—he is driven to act by Luciferic forces. When such actions then follow the path just described—that is, when they become formative forces—we find them in the formative forces that now underlie the new physical body as Luciferic causes of disease. We have then seen how the human being succumbs to the Ahrimanic forces, which act more from the outside. And again, we had to say of the Ahrimanic influences that they are transformed into formative forces—into the shaping forces of the newly formed organism that comes into being when the human being enters existence through birth. And to the extent that Ahriman’s influences intermingle with these formative forces, we can speak of predispositions to illness of an Ahrimanic character. We then pointed out in detail how these forces, which develop in this way, operate. And I have shown you extreme examples of this operation, because extreme examples make the mental image clearer and more sharply defined. I said: Let us suppose that a person, in the course of their previous life, did everything that could lead only to a low sense of self-worth and self-confidence; that they prepared their “I” in such a way that it held nothing in high regard, dissolved into generalities, and so on. After death, such a person develops a tendency to overcome that resistance and to absorb the forces that will enable him, later in the course of his incarnation, to make his “I” stronger and more complete. This works in such a way that he then seeks out circumstances that enable him to struggle against that which is good—to struggle against it with a weak sense of self—so that a weak sense of self can be strengthened through that resistance. And it is true that such a tendency leads people, so to speak, to seek out opportunities for cholera, because in it they face something that offers them the opportunity to overcome those resistances. And in the overcoming of these obstacles lies what can lead, in the next incarnation—or even upon healing in the same incarnation—to a stronger sense of self, or to strengths that gradually allow a stronger sense of self to mature through self-discipline. We have also said that an illness such as malaria provides an opportunity to counterbalance something the soul has cultivated in a previous life—an excessive sense of self—through its actions and feelings. — Those of you who have participated in earlier discussions of our theosophical life will be able to visualize such a process. It has always been said that the human “I” finds its physical expression in the blood. Now, the two diseases we have just discussed are connected to the blood and the laws governing it; they are connected in such a way that in the case of cholera, a thickening of the blood occurs. It is this thickening that can be described as the resistance that the weak sense of self must endure and through which it seeks to develop itself. Similarly, you can understand that in malaria a kind of blood breakdown occurs, and that an overly strong sense of self requires the possibility of being reduced to absurdity—that in the breakdown of the blood, an overly strong “I” is reduced to nothingness in its striving. This is provided for in the breakdown of the blood. — Of course, these things are extraordinarily closely interconnected within the organism; but if you delve into them, you will come to understand them.

[ 5 ] Aus all dem ergab sich uns: Wenn wir einen Organismus haben, der gebildet ist von einer Seele, die in sich die Tendenz hat, dieses oder jenes nach der einen oder der andern Richtung zu überwinden, so führt diese Tendenz den Menschen dazu, in sich hineinzuprägen die Möglichkeit zur Krankheit, aber auch zugleich die Möglichkeit, anzukämpfen gegen die Krankheit, weil ja die Krankheit aus keinem andern Grunde hervorgerufen wird als aus dem, die Möglichkeit der Heilung zu haben. Und Heilung tritt dann ein, wenn der Mensch nach seinem Gesamtkarma durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich solche Kräfte aneignet, daß er in dem restlichen Leben bis zum Tode durch seine Arbeit auf dem physischen Plan wirklich sich vorwärtsbringen kann. Das heißt, wenn die zu erregenden Kräfte so stark sind, daß er auf dem physischen Plan das auch erreichen kann, weswegen dieKrankheit hervorgerufen worden ist, dann arbeitet der Mensch gerade mit den ihm aus dem Heilprozeß zugeflossenen verstärkten Kräften weiter, die er früher nicht gehabt hat. Liegt aber sein Gesamtkarma so, daß er zwar die Absicht gehabt hat, seinen Organismus so zu gestalten, daß er durch die Überwindung der betreffenden Krankheit sich Kräfte zuführt, welche zu seiner Vervollkommnung führen, daß aber, weil die Dinge mannigfaltig sind, er gleichzeitig den Organismus nach einer andern Richtung hin hat schwach sein lassen müssen, dann kann der Fall eintreten, daß diejenigen Kräfte, welche der Mensch herausstellt und anwendet im Heilprozeß, ihn zwar verstärken, aber doch nicht so weit, daß er dem Arbeiten auf dem physischen Plan schon gewachsen ist. Dann wird er das Stück, was er schon gewonnen hat — weil es auf dem physischen Plan nicht verwendbar ist —, verwenden, wenn er durch die Pforte des Todes geht, und er wird versuchen, das seinen Kräften hinzuzufügen, was er auf dem physischen Plan nicht hinzufügen konnte, um diese Kräfte in der Ausgestaltung des nächsten Leibes zu zeigen, wenn er wieder in die Geburt tritt.

[ 5 ] From all of this, we concluded: If we have an organism composed of a soul that possesses within itself the tendency to overcome this or that in one direction or another, then this tendency leads the human being to imprint within themselves the potential for illness, but also, at the same time, the potential to fight against the illness—for illness is brought about for no other reason than to provide the possibility of healing. And healing occurs when, in accordance with their overall karma, a person—by overcoming the illness in question—acquires such powers that they can truly advance themselves through their work on the physical plane for the remainder of their life until death. That is to say, if the forces to be aroused are so strong that the person can achieve on the physical plane the very goal for which the illness was brought about, then the person continues to work precisely with the strengthened forces that have flowed to him from the healing process—forces he did not previously possess. If, however, their overall karma is such that, although they intended to shape their organism in a way that would allow them to gain forces through overcoming the illness in question—forces that would lead to their perfection—they nevertheless, because circumstances are complex, he simultaneously had to allow his organism to remain weak in another respect, then it may happen that the very forces the person develops and applies during the healing process do strengthen him, but not to the extent that he is yet ready to work on the physical plane. Then, when he passes through the gate of death, he will use what he has already gained—since it is not usable on the physical plane—and he will attempt to add to his powers what he could not add on the physical plane, in order to manifest these powers in the formation of his next body when he is reborn.

[ 6 ] Es bleibt uns noch, wenn wir das vor Augen haben, einen Hinweis zu geben, wie es sich mit denjenigen Krankheitsformen verhält, welche weder zu einer ordentlichen Heilung noch zum Tode führen, sondern zu chronischen Zuständen, zu einer Art von Siechtum oder dergleichen. Da liegt allerdings etwas vor, was im eminentesten Sinne für die meisten Menschen von einer großen Wichtigkeit ist zu wissen. Da liegt das vor, daß allerdings durch den Heilungsprozeß innerhalb der menschlichen Körperhüllen eingetreten ist, was nur zu erreichen war, daß also in gewissem Sinne die Krankheit überwunden ist. Aber in einem anderen Sinne ist sie doch nicht überwunden; das heißt, daß alles das, was an Ausgleich hat geschaffen werden sollen zwischen Ätherleib und physischem Leib, zwar erreicht worden ist, nicht aber das ausgeglichen worden ist, was an Disharmonie vorhanden war zwischen Ätherleib und astralischem Leib. Das bleibt zurück, und der Mensch pendelt hin und her zwischen Versuchen, zu heilen, und nicht heilen zu können. In einem solchen Falle ist es immer von einer ganz besonderen Wichtigkeit, daß der Mensch möglichst ausnutzt, was er an wirklicher Heilung errungen hat. Und das geschieht am allerwenigsten im Leben. Denn gerade bei solchen Krankheiten, die chronisch werden, befindet sich der Mensch in einem rechten Kreistanz darinnen. Wenn der Mensch in einem solchen Falle imstande sein würde, den Teil seiner Organisation, welcher in sich eine gewisse Heilung erfahren hat, zu isolieren, für sich sozusagen leben zu lassen, und wenn er davon dasjenige zurückziehen könnte, was da noch rumort und nicht in Ordnung ist und was in solchem Falle gewöhnlich mehr gegen das innere Seelenhafte zu liegt, dann würde sich der Mensch sehr viel helfen können. Aber dagegen wirkt das Allerverschiedenste, namentlich das, daß der Mensch, wenn er irgendeine Krankheit gehabt hat und ein chronischer Zustand zurückgeblieben ist, fortwährend unter dem Einflusse dieses Zustandes lebt und daß er — wenn ich mich grob ausdrücken darf — eigentlich niemals gründlich vergessen kann seinen Zustand, niemals gründlich dazu kommt, das, was in ihm doch noch nicht gesund ist, zurückzuziehen von diesem Zustande und es für sich zu behandeln; sondern er wird durch das, was man nennen kann das fortwährende Denken an den andern Teil der Organisation, veranlaßt, gleichsam seinen gesunden Teil wieder in irgendeinen Zusammenhang zu bringen mit dem früher kranken Teil und diesen so neuerdings zu irritieren. Das ist ein besonderer Prozeß. Und um Ihnen diesen Prozeß klarzumachen, möchte ich Ihnen einmal den geisteswissenschaftlichen Tatbestand klarlegen, das, was das hellseherische Bewußtsein sieht, wenn jemand eine Krankheit durchgemacht und dabei etwas zurückbehalten hat, was man als etwas Chronisches bezeichnen kann. Dasselbe geschieht übrigens auch dann, wenn nicht eine besonders auffällige akute Erkrankung vorlag, sondern wenn sich ein Chronisches einstellt, ohne daß ein Akutes besonders bemerkt worden ist. Dann kann man in der Tat sehen, daß sich in den meisten Fällen ein gewisser schwankender Gleichgewichtszustand herausstellt zwischen dem Ätherleibe und dem physischen Leibe, ein Hinund-her-Pendeln von Kräften, wie es nicht sein soll, bei dem es sich aber doch leben läßt. Bei diesem Hin-und-her-Pendeln von Kräften des Ätherleibes und des physischen Leibes wird der betreffende Mensch fortwährend irritiert und dadurch erfüllt von fortdauernden Erregungszuständen. Die sieht das hellseherische Bewußtsein fortwährend auftauchen im astralischen Leibe, und diese Erregungszustände drängen sich fortwährend hinein in den halb kranken und halb gesunden Teil der Organisation, wodurch dann nicht ein stabiles, sondern ein labiles Gleichgewicht zustande kommt. Durch dieses Hineindringen der astralischen Erregungszustände wird der menschliche Zustand, der sonst viel besser sein könnte, in der Tat sehr verschlechtert. Ich bitte zu berücksichtigen, daß das Astralische in diesem Falle nicht zusammenfällt mit dem Bewußtsein, sondern daß es vorzugsweise mit dem zusammenfällt, was innere seelische Erregungen sind, die sich aber der Patient nicht eingestehen will. Weil in solchem Falle das Hemmende der Vorstellungen nicht da ist, deshalb wirken diese Zustände und Affekte, die Gemütserschütterungen, die fortwährenden Zustände des Überdrusses, des In-sich-unzufrieden-Seins nicht immer wie bewußte Kräfte, sondern wie organisierende, wie Lebenskräfte, die in der tieferen Wesenheit des Menschen sitzen und fortwährend den halb gesunden, halb kranken Teil irritieren. Könnte nun der betreffende Patient es wirklich durch starken Willen, durch Seelenkultur dazu bringen, wenigstens für eine gewisse Zeit seinen Zustand zu vergessen, so würde er daraus solche Befriedigung schöpfen, daß er dann schon aus dieser Befriedigung die Kraft ziehen könnte, um das weiter durchzuführen. Könnte er seinen Zustand vergessen, ganz von ihm absehen, mit starkem Willen sagen: Ich will mich jetzt nicht kümmern um meinen Zustand! — und würde er sodann die Seelenkräfte, welche er dadurch frei bekommt, auf etwas von geistigem Inhalt verwenden, was ihn erhebt, was ihn innerlich sättigt in seiner Seele, würde er diese Kräfte, die sich sonst immer damit beschäftigen, die Gefühle des Schmerzes, des Drückens und Stechens und was da alles ist, zu durchleben, frei bekommen, so würde ihm das eine große Befriedigung gewähren. Denn wenn man diese Gefühle nicht durchlebt, hat man die Kräfte ja frei; dann sind sie verfügbar. Freilich hilft es nicht viel, wenn man sich bloß sagt, man will dieses Klemmen und Stechen und so weiter nicht bemerken; denn wenn man die Kräfte, welche man da frei bekommt, nicht auf etwas Geistiges verwendet, werden die früheren Zustände bald wieder da sein. Wenn man aber die frei gewordenen Kräfte verwendet auf einen die Seele ganz in Anspruch nehmenden geistigen Inhalt, dann wird man bemerken, daß man auf einem komplizierten Wege das erreicht, was sonst unsere Organisation selber ohne unser Zutun in der Überwindung des Krankheitsprozesses erreicht. Es ist ja natürlich, daß der Betreffende dann sorgfältig darauf sehen muß, daß er nicht gerade seine Seele auf einem solchen Wege erfüllt, der wieder direkt zusammenhängt mit dem, was seine Erkrankung ist. Wenn jemand zum Beispiel an einer Schwäche seiner Augen leidet, und er beschäftigt sich, um nicht an die Schwäche seiner Augen zu denken, damit, daß er viel liest, um geistige Kräfte aufzunehmen, so ist es selbstverständlich, daß ihn das nicht zum Ziele führen kann. Aber ganz so weit herzuholen brauchen Sie sich die sogenannten kleinen Belege dafür nicht. Jeder kann an sich selbst bemerken, wenn er eine kleine Unpäßlichkeit hat, wie sehr es ihm nützt, wenn er es zu einem Vergessen seiner Unpäßlichkeit bringt, namentlich zu einem solchen Vergessen, das hervorgerufen wird durch eine anderweitige Beschäftigung. Das ist also ein positives, gesundes Vergessen! Da haben Sie schon einen Hinweis, daß wir nicht ganz machtlos sind gegen die karmischen Wirkungen unserer Verfehlungen in früheren Lebensläufen, welche sich in Krankheiten zum Ausdruck bringen. Denn wir müssen uns sagen: Wenn wir zugeben, daß das, was im Leben zwischen Geburt und Tod einer moralischen, gemüthaften und intellektuellen Beurteilung unterliegt, in einem Leben nicht so tief gehen kann, daß es die Ursache zu einer organischen Erkrankung wird, daß es sich aber in der Zeit nach dem Tode bis zur neuen Geburt so tief in das Leben hineinsenken kann, daß es Krankheit bewirkt, dann müßte es doch auch möglich sein, diesen Prozeß wieder zurückzuverwandeln in einen Bewußtseinsprozeß!

[ 6 ] With this in mind, it remains for us to offer some insight into those forms of illness that lead neither to a complete recovery nor to death, but rather to chronic conditions, a kind of wasting disease, or the like. Here, however, there is something that is of the utmost importance for most people to know. What has occurred is that, through the healing process within the human physical body, the only possible outcome has been achieved—that is, in a certain sense, the illness has been overcome. But in another sense, it has not been overcome; that is to say, while everything that was to be established in terms of balance between the etheric body and the physical body has indeed been achieved, the disharmony that existed between the etheric body and the astral body has not been resolved. This remains, and the person oscillates back and forth between attempts to heal and an inability to heal. In such a case, it is always of particular importance that the person make the most of whatever genuine healing has been achieved. And this is what happens least of all in life. For it is precisely with such illnesses, which become chronic, that the person finds themselves caught in a veritable vicious cycle. If, in such a case, the person were able to isolate the part of their constitution that has undergone a certain degree of healing—to let it live on its own, so to speak—and if they could withdraw from it whatever is still churning and out of order—which in such cases usually pertains more to the inner soul—then the person would be able to help themselves greatly. But a wide variety of factors work against this, notably the fact that when a person has had any illness and a chronic condition has remained, they continually live under the influence of this condition, and that—if I may put it bluntly—they can never truly forget their condition, never truly manages to withdraw what is still unhealthy within them from that condition and treat it on its own; rather, they are prompted—by what might be called the constant thinking about the other part of the organism—to, as it were, reconnect their healthy part with the previously diseased part and thereby irritate it anew. This is a specific process. And to make this process clear to you, I would like to explain the reality of Spiritual Science—that which clairvoyant consciousness perceives when someone has gone through an illness and in the process has retained something that can be described as chronic. Incidentally, the same thing happens even when there was no particularly noticeable acute illness, but rather when a chronic condition sets in without any acute illness having been specifically noted. In such cases, one can indeed observe that, in most instances, a certain fluctuating state of equilibrium develops between the etheric body and the physical body—a back-and-forth oscillation of forces that is not as it should be, yet with which one can still live. In this back-and-forth oscillation of forces between the etheric body and the physical body, the person in question is constantly irritated and thereby filled with persistent states of agitation. The clairvoyant consciousness constantly observes these states of agitation emerging in the astral body, and they continually intrude into the part of the organism that is half-sick and half-healthy, resulting not in a stable but in an unstable equilibrium. Through this intrusion of astral states of agitation, the person’s condition—which could otherwise be much better—is in fact greatly worsened. Please bear in mind that, in this case, the astral does not coincide with consciousness, but rather coincides primarily with inner psychological agitations that the patient refuses to acknowledge. Because in such a case the inhibitory force on the mental images is absent, these states and emotions—the emotional upheavals, the persistent states of weariness, and the dissatisfaction with oneself—do not always act as conscious forces, but rather as organizing, life-giving forces that reside in the deeper essence of the human being and continually irritate the half-healthy, half-sick part. If the patient in question could truly, through strong will and spiritual cultivation, manage to forget his condition—at least for a certain time—he would derive such satisfaction from this that he could then draw the strength from this very satisfaction to continue the process. If he could forget his condition, completely set it aside, and say with strong will: “I will not concern myself with my condition now!” — and if he were then to apply the spiritual powers thus freed to something of spiritual substance—something that uplifts him, that satisfies him inwardly in his soul—he would free those powers that are otherwise always occupied with experiencing the sensations of pain, pressure, and stabbing, and all that goes with it; this would grant him great satisfaction. For if one does not dwell on these feelings, one has those forces free; they are then available. Of course, it doesn’t help much to simply tell oneself that one doesn’t want to notice this tightness and stinging and so on; for if one does not direct the forces thus freed toward something spiritual, the former states will soon return. But if one applies the freed-up energies to a spiritual content that fully engages the soul, then one will notice that, through a complex process, one achieves what our organism would otherwise achieve on its own—without our intervention—in overcoming the disease process. It is, of course, essential that the person concerned take care not to fill their soul in a way that is directly connected to the very nature of their illness. If, for example, someone suffers from weak eyesight and, in order to avoid thinking about it, occupies themselves by reading a great deal to absorb intellectual content, it goes without saying that this cannot lead them to their goal. But you don’t need to look quite that far for so-called minor examples of this. Anyone can observe for themselves, when they have a minor ailment, how much it helps them to manage to forget their ailment—specifically, a kind of forgetting brought about by engaging in other activities. This, then, is a positive, healthy form of forgetting! There you already have an indication that we are not entirely powerless against the karmic effects of our transgressions in past lives, which manifest themselves as illnesses. For we must tell ourselves: If we admit that what is subject to moral, emotional, and intellectual judgment in life—between birth and death—cannot penetrate so deeply in a single lifetime as to become the cause of an organic illness, but that in the period after death until the next birth it can sink so deeply into life as to cause illness, then it must surely also be possible to transform this process back into a process of consciousness!

[ 7 ] Die Frage kann auch so gestellt werden: Wenn Krankheiten sich ausleben wie eine karmische Wirkung von geistigen oder sonstigen durch die Seele hervorgerufenen oder erfahrenen Erlebnissen, wenn sie also die Umwandlung solcher Ursachen sind, können wir uns dann nicht auch denken — oder erzählen uns davon die geistigen Tatsachen nichts —, daß das Umwandlungsprodukt, die Krankheit, vermeidbar ist, insofern vermeidbar, als wir statt des Heilungsprozesses, statt dessen, was aus den organischen Regionen herausgeholt wird, als Krankheit herbeigeholt wird zu unserer Erziehung, das geistige Gegenstück, das geistige Äquivalent dafür setzen? Daß wir, wenn wir klug genug sind, die Krankheit umwandeln in einen geistigen Prozeß und die Selbsterziehung, die wir durch die Krankheit ausführen sollen, sozusagen durch die Kräfte unserer Seele ausführen?

[ 7 ] The question can also be phrased this way: If illnesses play out as a karmic effect of spiritual or other experiences caused or experienced by the soul—that is, if they are the transformation of such causes—can we not also imagine—or do spiritual realities tell us nothing about this—that the product of this transformation, the illness, is avoidable, avoidable insofar as, instead of the healing process—instead of what is drawn out of the organic regions and brought forth as illness for our education—we substitute the spiritual counterpart, the spiritual equivalent thereof? That, if we are wise enough, we transform the illness into a spiritual process and carry out the self-education that we are meant to undertake through the illness—so to speak—through the powers of our soul?

[ 8 ] Daß so etwas in den Bereich der Tatsachen gehört, möchte icii wieder durch ein Beispiel illustrieren. Wieder muß aber hierbei gesagt werden, daß nur solche Beispiele angeführt werden, die geisteswissenschaftlich untersucht sind; es sind nicht Hypothesenaufstellungen, sondern Fälle. Daher können Sie von mir nicht gerade eine Vollständigkeit verlangen weil nicht Hypothesen aufgestellt werden, sondern Fälle, die als solche hingenommen werden müssen. Nehmen wir an, im späteren Leben bekommt eine Persönlichkeit Masern, und wir suchen nach dem karmischen Zusammenhang dieses Falles. Wir finden dabei, daß dieser Masernfall aufgetreten ist als eine karmische Wirkung von solchen Vorgängen In einem vorangegangenen Leben, die wir etwa so beschreiben können: Die betreffende Individualität war in einem vorhergehenden Leben eine solche, die sich nicht gern um die äußere Welt bekümmert hat, sich nicht gerade im grob egoistischen Sinne, aber doch viel mit sich selber beschäftigt hat; eine Persönlichkeit also, die viel nachgeforscht hat, nachgedacht hat, aber nicht an den Tatsachen der äußeren Welt, sondern die im inneren Seelenleben geblieben ist. Sie finden auch heute sehr viele Menschen, welche glauben, daß sie durch In-sich-abgeschlossen-Sein, durch Grübeln und so weiter zur Lösung von Welträtseln kommen können. Bei der Persönlichkeit, die ich meine, handelte es sich darum, daß sie mit dem Leben so fertigzuwerden suchte, daß sie innerlich nachgrübelte, wie man sich in diesem oder jenem Falle verhalten soll. Die Schwäche der Seele, welche sich daraus ergeben hat im Verlaufe des Lebens, führte dazu, daß im Leben zwischen Tod und neuer Geburt Kräfte erzeugt wurden, welche den Organismus in verhältnismäßig später Lebenszeit noch einem Masernanfall aussetzten.

[ 8 ] I would like to illustrate once again with an example that such things belong to the realm of facts. However, it must be noted here that only examples that have been examined from a perspective based on Spiritual Science are cited; these are not hypotheses, but actual cases. Therefore, you cannot expect me to provide a complete account, because I am not proposing hypotheses but rather presenting cases that must be accepted as such. Let us suppose that, in a later life, a person contracts measles, and we seek the karmic connection behind this case. We find that this instance of measles occurred as a karmic consequence of events in a previous life that we might describe as follows: In a previous life, the individual in question was one who did not care much about the outer world—not exactly in a grossly selfish sense, but who was nevertheless very preoccupied with himself; in other words, a person who did a great deal of research and reflection, but not on the facts of the outer world, rather remaining within his inner soul life. Even today you will find many people who believe that by withdrawing into themselves, by brooding, and so on, they can arrive at the solutions to the world’s mysteries. In the case of the personality I am referring to, the issue was that they sought to cope with life by inwardly pondering how one should behave in this or that situation. The weakness of the soul that resulted from this over the course of their life led to forces being generated in the period between death and rebirth that exposed the organism to a bout of measles at a relatively late stage in life.

[ 9 ] Jetzt können wir uns fragen: Wir haben auf der einen Seite den Masernanfall, der die physisch-karmische Wirkung ist eines früheren Lebens. Wie ist es denn aber nun mit dem Seelenzustand? Denn das frühere Leben gibt ja als karmische Wirkung auch einen gewissen Seelenzustand.

[ 9 ] Now we can ask ourselves: On the one hand, we have the measles outbreak, which is the physical-karmic effect of a past life. But what about the state of the soul? After all, the past life also results in a certain state of the soul as a karmic effect.

[ 10 ] Dieser Seelenzustand stellt sich so dar, daß die betreffende Persönlichkeit in dem Leben, wo sie auch den Masernanfall hatte, immer wieder und wieder Selbsttäuschungen unterworfen war. Da haben Sie also die Selbsttäuschungen anzusehen als die seelisch-karmische Folge dieses früheren Lebens und den Eintritt der Masern als die physischkarmische Folge jenes Lebens.

[ 10 ] This state of mind manifests itself in such a way that the individual in question, in the very life in which he or she contracted measles, was subjected to self-deception time and time again. You must therefore regard these self-deceptions as the psychological-karmic consequence of that earlier life, and the onset of measles as the physical-karmic consequence of that life.

[ 11 ] Nehmen wir nun an, dieser Persönlichkeit wäre es gelungen, bevor ‘der Masernfall eintrat, etwas zu tun, um sich gründlich zu bessern, das heißt, um eine solche Stärke der Seele sich anzueignen, daß sie nicht mehr ausgesetzt wäre allen möglichen Selbsttäuschungen. Dann würde diese dadurch heranerzogene Seelenstärke dazu geführt haben, daß die Masernerkrankung hätte unterbleiben können, weil das, was im Organismus schon hervorgerufen war bei der Bildung dieser Organisation, seinen Ausgleich gefunden hätte durch die stärkeren Seelenkräfte, welche durch die Selbsterziehung herangezogen worden wären. Ich kann natürlich nicht ein halbes Jahr über diese Sachen reden; aber wenn Sie weit im Leben herumschauen und alle Einzelheiten, welche sich als Erfahrungen darbieten, von diesem hier gegebenen Ausgangspunkt aus betrachten würden, so würden Sie immer finden, daß das äußere Wissen voll bestätigen würde — bis in alle Einzelheiten —, was hier gesagt worden ist. Und was ich jetzt gesagt habe über eine Masernerkrankung, das kann zu Gesichtspunkten führen, die erklären, warum Masern gerade zu den gebräuchlichen Kinderkrankheiten gehören. Denn die Eigenschaften, die genannt worden sind, kommen in sehr vielen Leben vor. Insbesondere in gewissen Zeitperioden haben sie in vielen Leben grassiert. Und wenn dann eine solche Persönlichkeit ins Dasein tritt, wird sie so schnell wie möglich Korrektur üben wollen auf diesem Gebiet und in der Zeit zwischen der Geburt und dem gewöhnlichen Auftreten der Kinderkrankheiten, um organische Selbsterziehung zu üben, die Masern durchmachen; denn von einer seelischen Erziehung kann ja in der Regel in diesem Alter nicht die Rede sein.

[ 11 ] Let us now assume that this individual had succeeded, before “the case of measles” occurred, in doing something to improve themselves thoroughly—that is, to acquire such strength of soul that they would no longer be susceptible to all manner of self-deception. Then this inner strength, cultivated in this way, would have meant that the measles could have been prevented, because what had already been brought about in the organism during the formation of this constitution would have been balanced out by the stronger spiritual forces that would have been developed through self-discipline. Of course, I cannot spend half a year discussing these matters; but if you were to look widely at life and consider all the details that present themselves as experiences from the starting point given here, you would always find that external knowledge would fully confirm—down to every detail—what has been said here. And what I have just said about measles can lead to insights that explain why measles is specifically one of the common childhood diseases. For the characteristics that have been mentioned occur in a great many lives. In certain periods of time, in particular, they have been rampant in many lives. And when such a personality enters existence, they will want to make corrections in this area as quickly as possible—during the time between birth and the usual onset of childhood illnesses—in order to undergo organic self-education by going through measles; for, as a rule, there can be no question of spiritual education at this age.

[ 12 ] Daraus sehen Sie, daß wir wirklich davon sprechen können, daß die Krankheit in gewisser Beziehung wieder zurückverwandelt werden kann in einen geistigen Prozeß. Und das ist das ungeheuer Bedeutsame, daß wenn dieser Prozeß in die Seele als Lebensmaxime aufgenommen wird, er eine Anschauung erzeugt, die gesundend auf die Seele wirkt. In unserer Zeit braucht man sich nicht besonders zu wundern, daß man so wenig auf die Seelen wirken kann. Und wer die Zeit heute vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus durchschaut, der wird es begreifen, daß so viele Mediziner, so viele Ärzte Materialisten werden können, das heißt, verzweifeln an einem seelischen Einfluß. Denn die Mehrzahl der Menschen beschäftigt sich ja überhaupt nicht mit etwas, was eine befruchtende Kraft hat. All das Zeug, was heute durch die gebräuchliche Literatur geht, hat für die Seelen keine befruchtende Kraft. Deshalb fühlt der, welcher für die Geisteswissenschaft wirken will, in diesem theosophischen Wirken auch etwas im eminenten Sinne Gesundendes, weil das geisteswissenschaftliche Wissen der Menschheit wieder etwas bringen kann, was sich so in die Seelen hineinergießt, daß die Seele abgezogen wird von dem, was die leibliche Organisation bildete. Man darf nur nicht verwechseln, was im Anfang einer solchen Bewegung auftritt, mit dem, was die Bewegung wirklich sein kann. Es werden ja in die theosophische Bewegung tatsächlich Dinge hineingebracht, welche in der äußeren Welt auch grassieren, das heißt, es bringen die Menschen, wenn sie Theosophen werden, vielfach genau dieselben Interessen der Theosophie entgegen, die sie für die Dinge draußen auch haben, und auch alle Unarten, die sie draußen haben. Da wird vieles hineingetragen von den Schattenseiten unseres Zeitalters. Dann aber, wenn sich irgendwelche Schattenseiten bei den Betreffenden zeigen, sagt man, das habe die Theosophie bewirkt. Das ist natürlich eine sehr billige Auskunft!

[ 12 ] From this you can see that we can truly say that, in a certain sense, illness can be transformed back into a spiritual process. And this is what is so immensely significant: that when this process is taken up into the soul as a guiding principle, it creates a perspective that has a healing effect on the soul. In our time, it is hardly surprising that we have so little influence on the soul. And anyone who views the present era from the standpoint of Spiritual Science will understand why so many medical professionals, so many doctors, have become materialists—that is, have lost hope in the power of spiritual influence. For the majority of people do not concern themselves at all with anything that possesses a life-giving power. All the material circulating in popular literature today has no life-giving power for the soul. That is why those who wish to work for Spiritual Science also sense something profoundly healing in this theosophical work, because spiritual scientific knowledge can once again offer humanity something that pours into the soul in such a way that the soul is drawn away from what constituted the physical organism. One must simply not confuse what appears at the beginning of such a movement with what the movement can truly be. Indeed, things are brought into the theosophical movement that are also rampant in the outer world; that is to say, when people become theosophists, they often bring to theosophy precisely the same interests they have in the things of the outer world, as well as all the vices they possess there. Much of the dark side of our age is carried into it. But then, when any dark sides become apparent in the individuals concerned, people say that Theosophy is to blame. That is, of course, a very facile explanation!

[ 13 ] Wenn wir so den karmischen Faden sich ziehen sehen von einer Inkarnation in die andere, so haben wir damit die entsprechende Wahrheit doch nur von einer Seite erfaßt. Es werden sich demjenigen, der ein Gefühl dafür erhält, wie sich der karmische Faden von Inkarnation zu Inkarnation hindurchzieht, noch viele Fragen ergeben, die im Laufe der Vorträge berührt werden sollen. Vor allen Dingen muß die Frage berührt werden: Wie hat man zu unterscheiden zwischen einer Krankheit, bei der man äußere Ursachen angeben kann, und einer solchen Krankheit, die voll veranlagt liegt in der menschlichen Organisation selber, so daß man glaubt, was da vorliegt, damit abfertigen zu können, daß man sagt, die Krankheit ist ganz von selbst gekommen, und eine äußere Veranlassung liege nicht vor, — Ganz so stehen ja die Dinge nicht. Aber von gewisser Seite ist es doch berechtigt zu sagen, daß Krankheiten auftreten, für die der Mensch durch sein Inneres besonders disponiert ist. Für zahlreiche Krankheitserscheinungen wird man dagegen doch äußere Ursachen angeben können. Natürlich nicht für alles, was uns passiert, aber für manches, was uns von außen her zustößt, zum Beispiel, wenn wir ein Bein brechen, müssen wir äußere Ursachen ins Feld führen. Auch das müssen wir zu den äußeren Ursachen zählen, was durch die Witterung geschieht, und ebenso die zahlreichen Krankheitsfälle, deren Ursachen in den schlechten städtischen Wohnungen zu suchen sind. Da eröffnet sich uns wieder ein weites Feld. Und für den, der mit Erfahrungen in die Welt blickt, ist es auch jetzt erklärlich, daß die heutige Moderichtung der Medizin dazu kommt, Krankheitsursachen in den äußeren Einwirkungen, besonders in den Bazillen, zu suchen, von denen ein geistreicher Herr nicht mit Unrecht gesagt hat: Heute kommen Krankheiten von den Bazillen, wie man ehedem gesagt hat, Krankheiten kommen von Gott oder vom Teufel. Im 13. Jahrhundert sagte man, Krankheiten kommen von Gott, im 15. Jahrhundert sagte man, sie kommen vom Teufel. Später hieß es dann, sie kommen von den Säften, und heute sagt man, die Krankheiten kommen von den Bazillen. Das sind die Ansichten, die sich abgelöst haben im Laufe der Zeiten.

[ 13 ] When we see the karmic thread stretching from one incarnation to the next in this way, we have, in fact, grasped the corresponding truth from only one side. For those who develop a sense of how the karmic thread extends from one incarnation to the next, many questions will arise that will be addressed in the course of these lectures. Above all, the following question must be addressed: How does one distinguish between an illness for which external causes can be identified and one that is entirely rooted in the human constitution itself, so that one might believe one can dismiss what is present by saying that the illness arose entirely on its own and that there is no external cause?—Things are not quite like that. But from a certain perspective, it is nevertheless justified to say that illnesses occur for which a person is particularly predisposed due to their inner constitution. For numerous symptoms, however, one will be able to identify external causes. Of course, this does not apply to everything that happens to us, but for many things that befall us from the outside—for example, when we break a leg—we must cite external causes. We must also count among the external causes what is brought about by the weather, as well as the numerous cases of illness whose causes are to be found in poor urban housing. This opens up a broad field of inquiry for us once again. And for those who view the world through the lens of experience, it is understandable even now that the current trend in medicine is to seek the causes of disease in external influences, particularly in germs, about which a witty gentleman once said, not without reason: “Today, diseases come from germs, just as it was once said that diseases come from God or the devil.” In the 13th century, it was said that diseases came from God; in the 15th century, it was said that they came from the devil. Later, it was said that they came from the humors, and today it is said that diseases come from germs. These are the views that have succeeded one another over the course of time.

[ 14 ] So müssen wir also sprechen von äußeren Ursachen des menschlichen Krankseins oder Gesundseins. Und da kann der gegenwärtige Mensch leicht versucht sein, ein Wort zu gebrauchen, welches im Grunde sehr geeignet ist, in unsere ganze Weltauffassung Unordnung hineinzubringen. Wenn jemand, der vorher ganz gesund war, in eine durch Influenza oder Diphtherie verseuchte Gegend kommt und hernach erkrankt, so wird der heutige Mensch ganz gewiß geneigt sein zu sagen, daß der Betreffende den Krankheitskeim dadurch aufgenommen hat, daß er in jene Gegend gekommen ist, und er wird dann leicht das Wort Zufall gebrauchen. Von zufälligen Einflüssen wird man heute leicht sprechen. — Das Wort Zufall ist so recht eine Crux, ein Kreuz für jede Weltanschauung. Und solange man eigentlich nicht einmal den Versuch macht, sich ein wenig klarzuwerden über das, was man so leicht mit Zufall bezeichnet, wird man auch nicht vordringen können zu einer einigermaßen befriedigenden Weltanschauung. So stehen wir nun am Ausgangspunkt des Kapitels «Natürliche und zufällige Erkrankungen des Menschen». Da geht es aber nicht anders, als daß wir einleitend heute versuchen, auf das Wort Zufall ein wenig Licht zu werfen.

[ 14 ] We must therefore speak of external causes of human illness or health. And here, people today may easily be tempted to use a word that is, in essence, very capable of throwing our entire worldview into disarray. If someone who was previously completely healthy travels to an area infested with influenza or diphtheria and subsequently falls ill, people today will certainly be inclined to say that the person in question contracted the pathogen by going to that area, and they will then readily use the word “chance.” People today are quick to speak of chance influences. — The word “chance” is truly a crux, a thorn in the side of every worldview. And as long as one does not even attempt to gain a little clarity about what is so easily labeled as chance, one will not be able to advance toward a reasonably satisfactory worldview. Thus, we now stand at the starting point of the chapter “Natural and Chance Diseases of Human Beings.” But there is no way around it: we must begin today by trying to shed a little light on the word “chance.”

[ 15 ] Ist nicht der Zufall selber etwas, was uns mißtrauisch machen könnte gegen das, was sich der Mensch heute leicht dabei denkt? Ich habe schon früher einmal darauf aufmerksam gemacht, daß ein geistvoller Mann im 18. Jahrhundert nicht ganz unrecht hatte, als er über die Sitte, großen Entdeckern, Erfindern und so weiter Denkmäler zu errichten, den Ausspruch tat, man müßte doch, wenn man den geschichtlichen Verlauf objektiv betrachtet, die weitaus meisten Denkmäler dem «Zufall» errichten! Und sonderbar: Wenn man eingeht auf die Geschichte, kann man merkwürdige Entdeckungen machen über das, was sich hinter dem Zufall verbirgt. Ich habe Ihnen erzählt, daß die Erfindung des Fernrohres dem Spiel zu verdanken ist, das Kinder in einer optischen Werkstätte mit optischen Gläsern getrieben haben; dabei kam eine Konstellation zustande, durch die jemand das Fernrohr zustande brachte. Man könnte auch hinweisen auf die berühmte Lampe im Dom zu Pisa, die schon früher vor Tausenden und Tausenden von Menschen ihre Schwingungen mit derselben Regelmäßigkeit ausgeführt hat wie vor Galilei. Aber erst Galilei probierte, wie die Schwingungen zusarnmenstimmten mit dem Gang seiner Blutzirkulation, und dadurch kam er zu der Auffindung der Pendelgesetze. Würden wir die Pendelgesetze nicht gehabt haben, so würde unser ganzes Kulturleben einen andern Anstrich bekommen haben. Versuchen Sie, ob Sie nicht in der Menschheitsentwickelung einen Sinn suchen können und ob Sie dann noch sagen möchten, daß nur ein Zufall gewaltet hat, zum Beispiel bei Galilei, und ihn zu dieser wichtigen Entdeckung gebracht hat. Aber nehmen wir einen andern Fall.

[ 15 ] Isn’t chance itself something that might make us skeptical of what people today tend to assume about it? I have pointed out before that a witty man in the 18th century was not entirely wrong when, speaking of the custom of erecting monuments to great discoverers, inventors, and so on, he remarked that, if one were to view the course of history objectively, the vast majority of monuments would have to be erected to “chance”! And strangely enough: When one delves into history, one can make remarkable discoveries about what lies behind “chance.” I have told you that the invention of the telescope is owed to the games children played with optical lenses in an optical workshop; this led to a series of events through which someone went on to invent the telescope. One could also point to the famous lamp in the Pisa Cathedral, which had been oscillating with the same regularity before Galileo as it had for thousands and thousands of people before him. But it was Galileo who first tested how the oscillations corresponded to the rhythm of his blood circulation, and through this he arrived at the discovery of the laws of the pendulum. If we had not had the laws of the pendulum, our entire cultural life would have taken on a different character. Try to see if you can find meaning in human development, and whether you would still want to say that it was merely a coincidence—for example, in Galileo’s case—that led him to this important discovery. But let’s consider another case.

[ 16 ] Denken wir daran, was die Luthersche Bibelübersetzung bedeutet für die Kulturländer der europäischen Welt. Machen wir uns klar, was für einen tiefgehenden Einfluß sie genommen hat auf das religiöse Fühlen und Denken und anderseits auf die Heranbildung dessen, was wir die deutsche Schriftsprache nennen. Ich will nur die Tatsache hinstellen, ohne davon zu sprechen, wie man über sie denken soll; nur daß sie diesen tiefgehenden Einfluß gehabt hat, will ich betonen. Sie müssen nun doch versuchen, einen Sinn zu sehen in jener Erziehung der Menschheit, die seit mehreren Jahrhunderten durch die Luthersche Bibelübersetzung bewirkt worden ist. Wenn Sie es versuchen, darin einen Sinn zu sehen, dann stellen Sie einmal neben dasjenige, was Sie so geistvoll wie möglich über den Sinn der Entwickelung seit dem 16. bis 17. Jahrhundert sagen können, die folgende Tatsache:

[ 16 ] Let us consider what Luther’s translation of the Bible means for the civilized nations of the European world. Let us realize what a profound influence it has had on religious sentiment and thought, and, on the other hand, on the development of what we call the German written language. I merely wish to state this fact, without discussing how one should view it; I simply wish to emphasize that it has had this profound influence. You must now try to see some meaning in the education of humanity that has been brought about over several centuries by Luther’s Bible translation. If you try to see a meaning in this, then set alongside whatever you can say—as insightfully as possible—about the meaning of development from the 16th to the 17th century, the following fact:

[ 17 ] Luther hat sich bis zu einer gewissen Zeit seines Lebens tief beschäftigt mit allem, was seine eigene Persönlichkeit zu einer Art von Gotteskindschaft führen könnte durch die Bibellektüre. Er war übergegangen von der Gepflogenheit der Augustiner, vorzugsweise die Kirchenväter zu lesen, zu dem Genuß des Lesens der Bibel selber. Aber alles sprach jetzt dafür, daß sich in seiner Seele entzünden sollte die Gotteskindschaft in einem umfassenden Gefühl. Und von diesem Gesichtspunkt aus oblag er seinem theologischen Lehramt in der ersten Wittenberger Periode. Die Tatsache, die ich nun hervorheben möchte, ist die, daß Luther eine gewisse Abneigung hatte, sich den theologischen Doktortitel zu verschaffen, und daß er in einer zufälligen Unterredung, als er einmal zusammensaß mit einem alten Freunde des Erfurter Augustinerklosters, wirklich überredet worden ist, sich den theologischen Doktorhut zu erringen. Das hieß aber nun für ihn ein nochmaliges und wiederholtes Studium der Bibel. Da hat also das zufällige Zusammensitzen mit seinem Freunde zu einem nochmaligen Studium der Bibel geführt und dann zu alledem, was dadurch zum Ausdruck gekommen ist.

[ 17 ] Luther had, up to a certain point in his life, deeply engaged with everything that might lead his own personality to a kind of sonship of God through reading the Bible. He had moved beyond the Augustinian custom of reading primarily the Church Fathers to the joy of reading the Bible itself. But everything now pointed to the fact that the sense of being a child of God was to be kindled in his soul as a comprehensive feeling. And from this perspective, he devoted himself to his theological teaching during his first period in Wittenberg. The fact I would now like to emphasize is that Luther had a certain reluctance to obtain the degree of Doctor of Theology, and that in a chance conversation—while sitting with an old friend from the Augustinian monastery in Erfurt—he was actually persuaded to earn his doctoral hat. For him, however, this meant a renewed and repeated study of the Bible. Thus, that chance meeting with his friend led to a renewed study of the Bible and, in turn, to everything that came to expression as a result.

[ 18 ] Versuchen Sie den Sinn für das, was für die letzten Jahrhunderte angedeutet worden ist, zusammenzuhalten mit der Tatsache, daß Luther einmal mit jenem Freunde zusammengesessen hat und sich zur Erringung des theologischen Doktorhutes hat überreden lassen: Da werden Sie eine merkwürdig groteske Zusammenstellung zu machen genötigt sein zwischen dem Sinn der Entwickelung und dem zufälligen Ereignis.

[ 18 ] Try to reconcile the meaning of what has been suggested over the past few centuries with the fact that Luther once sat down with that friend and allowed himself to be persuaded to earn his doctorate in theology: You will be compelled to make a strangely grotesque juxtaposition between the meaning of this development and that chance event.

[ 19 ] Was Sie zunächst aus dem Gesagten herauslesen werden, ist, daß es sich vielleicht. doch mit der Bedeutung des Zufalles etwas anders verhalten könne, als man gewöhnlich denkt. Gewöhnlich denkt man, daß der Zufall etwas sei, was sozusagen durch die Naturgesetze, durch die Gesetze des Lebens sich überhaupt nicht restlos erklären lasse, daß er eine Art von Überschuß bilde gegenüber dem, was sich erklären läßt. Nehmen Sie nun zu dem, was eben gesagt worden ist, die Tatsache, die uns ja schon zum Verständnis so vieler Seiten des Lebens verholfen hat: daß der Mensch in seiner Individualität seit seinem Erdendasein unterworfen war den beiden Kräften des luziferischen und des ahrimanischen Prinzips. Diese Kräfte und Prinzipien spielen fortwährend in den Menschen hinein, wobei die luziferischen Kräfte mehr dadurch wirken, daß sie das Innere des astralischen Leibes des Menschen ergreifen, während die ahrimanischen Kräfte mehr wirken durch das, was der Mensch als äußere Eindrücke empfängt. In dem, was wir von der Außenwelt empfangen, sitzen die ahrimanischen Kräfte; und in dem, was als Lust oder Unlust, als Affekte und so weiter in der Seele aufsteigt und wirkt, sitzen die luziferischen Kräfte. Nun führt sowohl das luziferische wie das ahrimanische Prinzip dazu, daß wir uns Täuschungen hingeben; das luziferische Prinzip führt dazu, daß wir uns über unser eigenes Inneres Täuschungen hingeben, daß wir über unser eigenes Inneres falsch urteilen können, eine Illusion im eigenen Inneren schauen können. Es wird Ihnen nicht schwer werden, wenn Sie das Leben vernünftig betrachten, diese Maja im eigenen Seelenleben gewahr zu werden. Versuchen Sie es zu betrachten, wie unendlich oft sich der Mensch einredet, er tue dieses oder jenes aus diesem oder jenem Grunde. Er tut es aber gewöhnlich aus einem ganz andern Grunde, der wesentlich tiefer sitzt; aber er erklärt sich die Handlung, zu der er getrieben wird durch Zorn und Leidenschaft, in seinem Oberbewußtsein auf eine ganz andere Art. Namentlich versucht er das, was in der Welt nicht geschätzt wird, hinwegzudekretieren. Und wenn der Mensch aus recht egoistischen Affekten heraus zu etwas getrieben wird, werden Sie es oft erleben können, daß er seinen grobklotzig-egoistischen Trieben ein unegoistisches Mäntelchen umhängt und erklärt, warum es hat geschehen müssen. Der Mensch weiß aber gewöhnlich selbst nicht, daß er so vorgeht. Wenn er es weiß, tritt gewöhnlich schon der Anfang zu einer Besserung mit einem gewissen Schamgefühl ein. Das schlimmste ist, daß der Mensch aus der Tiefe seiner Seele heraus zu etwas getrieben wird — und sich dann ein Motiv ausdenkt, aus dem er die betreffende Handlung getan habe. Das haben auch schon die modernen Psychologen bemerkt. Aber nur weil heute so wenig psychologische Bildung vorhanden ist, kommen derartig groteske Ausbildungen solcher Wahrheiten zustande, wie das bei den heutigen materialistischen Psychologen der Fall ist. Sie kommen zu ganz eigenartigen Ausdeutungen des Lebens.

[ 19 ] What you will first gather from what has been said is that the significance of chance may, after all, be somewhat different from what is usually thought. It is commonly thought that chance is something that, so to speak, cannot be fully explained by the laws of nature or the laws of life, that it constitutes a kind of surplus beyond what can be explained. Now add to what has just been said the fact that has already helped us understand so many aspects of life: that the human being, in his or her individuality, has been subject to the two forces of the Luciferic and Ahrimanic principles since the beginning of his or her earthly existence. These forces and principles are constantly at work within human beings, with the Luciferic forces acting more by seizing the innermost part of the human astral body, while the Ahrimanic forces act more through what the human being receives as external impressions. The Ahrimanic forces are at work in what we receive from the external world; and the Luciferic forces are at work in what arises and acts within the soul as pleasure or displeasure, as emotions, and so on. Now, both the Luciferic and the Ahrimanic principles lead us to succumb to illusions; the Luciferic principle leads us to succumb to illusions about our own inner being, so that we may misjudge our own inner life and perceive an illusion within ourselves. If you observe life rationally, it will not be difficult for you to become aware of this maya in your own soul life. Try to observe how infinitely often a person convinces themselves that they are doing this or that for this or that reason. Yet they usually do it for an entirely different reason, one that lies much deeper; but in their conscious mind, they explain the action to which they are driven by anger and passion in an entirely different way. In particular, they try to dismiss whatever is not valued in the world. And when a person is driven to do something by purely selfish impulses, you will often observe that they cloak their crude, selfish impulses in a selfless veneer and explain why it had to happen. But people usually do not even realize that they are acting this way. When they do realize it, the first steps toward improvement usually begin with a certain sense of shame. The worst thing is that people are driven to do something from the depths of their souls—and then invent a motive for why they committed the action in question. Modern psychologists have also noted this. But it is only because there is so little psychological education today that such grotesque interpretations of these truths arise, as is the case with today’s materialistic psychologists. They arrive at quite peculiar interpretations of life.

[ 20 ] Derjenige, der als Geistesforscher eine solche Tatsache bemerkt, wird sie natürlich in ihrer wahren Bedeutung durchschauen und so charakterisieren, daß in der Tat die zwei Dinge zusammenwirken: das Bewußstsein, und das, was als die tieferen Gründe unter der Schwelle des Bewußtseins waltet. Bemerkt es aber ein materialistischer Psychologe, so wird er die Sache anders behandeln. Da spintisiert er gleich eine Theorie heraus über den Unterschied zwischen dem Vorwand, den der Mensch zu einer Handlung annimmt, und zwischen dem eigentlichen Motiv. — Wenn zum Beispiel ein Psychologe spricht über die heute so viel notierten Schülerselbstmorde, so sagt er, was als Vorwand dazu angeführt würde, das sei nicht das eigentliche Motiv; die eigentlichen Motive lägen viel tiefer: sie lägen meistens in einem irregeleiteten Geschlechtsleben. Diese würden umgewandelt, so daß sie dann dem Bewußtsein diese oder jene Gründe vortäuschen.

[ 20 ] A researcher of the human mind who observes such a fact will, of course, grasp its true significance and characterize it in such a way that the two elements—consciousness and that which reigns as the deeper causes beneath the threshold of consciousness—are indeed working together. But if a materialistic psychologist observes it, he will treat the matter differently. He will immediately spin a theory about the difference between the pretext a person uses to justify an action and the actual motive. — For example, when a psychologist speaks about the student suicides that are so frequently reported today, he says that whatever is cited as a pretext for them is not the actual motive; the actual motives lie much deeper: they usually lie in a misguided sex life. These are transformed so that they then feign this or that reason to the conscious mind.

[ 21 ] Eine solche Sache kann oft richtig sein. Aber es würde sie derjenige nie zu einer umfassenden Theorie machen, der nur ein wenig berührt worden wäre von einer wahrhaft tieferen psychologischen Denkungsart. Eine solche Theorie kann leicht widerlegt werden, denn der Betreffende müßte bedenken: Wenn wirklich der Fall so liegt, daß der Vorwand nichts ist und das Motiv alles, so müßte man das auch bei diesem Psychologen anwenden können und sagen: Es ist also auch bei dir dasjenige, was du hier vorbringst und als Theorie entwickelst, nur Vorwand; suchen wir nach den tieferen Gründen, so sind vielleicht deine angegebenen Gründe ganz derselben Natur. — Hätte ein solcher Psychologe ernsthaft gelernt, warum ein Urteil unmöglich ist, das nach einem solchen Schluß aufgebaut ist wie: Alle Kretenser sind Lügner —, und daß ein solches Urteil schief ist, wenn es ein Kretenser selbst sagt; hätte er gelernt den Grund, warum das so ist, so hätte er auch gelernt, was für sonderbare Zirkelschlüsse dadurch herauskommen, daß man auf gewissen Gebieten Behauptungen auf sich selber zurücktreiben kann. Aber es ist eben fast in dem ganzen Umfange unserer Literatur eine außerordentlich geringe wirklich tiefere Bildung vorhanden. Daher bemerken die Leute dasjenige, was sie selbst tun, gewöhnlich durchaus nicht mehr. Deshalb wird es gerade für die Geisteswissenschaft durchaus notwendig sein, daß solche logischen Konfusionen nach jeder Hinsicht vermieden werden. Am wenigsten vermeiden solche logischen Konfusionen die modernen Philosophen, die sich mit Seelenwissenschaft beschäftigen. Und unser Beispiel ist ein typisches dafür. Wir sehen daran die Streiche, die luziferische Einflüsse dem Menschen spielen, so daß sie ihm das Seelenleben in eine Maja verwandeln und daß er sich ganz andere Motive vortäuschen kann, als sie wirklich in seinem Inneren walten.

[ 21 ] Such a claim may often be correct. But anyone who has been even slightly influenced by a truly deeper psychological way of thinking would never turn it into a comprehensive theory. Such a theory can easily be refuted, for the person in question would have to consider: If it is truly the case that the pretext is nothing and the motive is everything, then one would have to be able to apply that to this psychologist as well and say: So even in your case, what you are presenting here and developing as a theory is merely a pretext; if we look for the deeper reasons, perhaps the reasons you have given are of exactly the same nature. — Had such a psychologist seriously studied why a judgment based on a conclusion such as: “All Cretans are liars”—and that such a judgment is flawed when uttered by a Cretan himself; had he learned the reason why this is so, he would also have learned what peculiar circular reasoning results from the fact that, in certain fields, assertions can be turned back upon oneself. But the fact is that, across almost the entire scope of our literature, there is an extraordinarily low level of truly profound education. Consequently, people generally no longer notice what they themselves are doing. That is why it will be absolutely necessary, particularly for Spiritual Science, to avoid such logical confusions in every respect. Modern philosophers who deal with the science of the soul are the least likely to avoid such logical confusions. And our example is a typical case of this. In it we see the tricks that Luciferic influences play on human beings, so that they transform the life of the soul into maya and enable them to delude themselves into believing in motives entirely different from those that actually prevail within them.

[ 22 ] Auf diesem Gebiete sollte der Mensch versuchen, eine strengere Selbsterziehung zu handhaben. Heute handhabt sich das Wort gewöhnlich sehr leicht. Aber dieses Wort ist auch ein furchtbarer Verführer. Und wenn das Wort nur schön klingt und nur ein klein wenig den Eindruck macht, daß ein Satz eine wohltätige Handlung vorstellt, dann wird schon das Schönklingen des Satzes Verführer sein, zu glauben, daß das betreffende Motiv in der Seele sei, während in Wahrheit das egoistische Prinzip dahinterstecken kann, von dem der Betreffende gar keine Ahnung zu haben braucht, weil er gar nicht den Willen hat, wirkliche Selbsterkenntnis zu treiben. So sehen wir Luzifer auf der einen Seite wirken. Wie wirkt nun Ahriman auf der andern Seite?

[ 22 ] In this area, people should strive to practice stricter self-discipline. Today, people tend to use the word very loosely. But this word is also a terrible seducer. And if the word simply sounds nice and gives even the slightest impression that a sentence creates a mental image of a charitable act, then the very beauty of the sentence will be enough to tempt one to believe that the motive in question resides in the soul, whereas in reality the egoistic principle may be lurking behind it—a principle of which the person concerned need not have the slightest inkling, because he has no will whatsoever to pursue true self-knowledge. Thus we see Lucifer at work on the one hand. How, then, does Ahriman work on the other hand?

[ 23 ] Ahriman ist das Prinzip, das sich in unsere Wahrnehmungen mischt und von außen in uns hineinzieht. Nun wirkt Ahriman am allerstärksten in den Fällen, wo wir das Gefühl haben: Hier kommst du mit deinem Denken nicht mehr nach; da stehst du an einem kritischen Punkt mit deinem Denken, da fängt sich das Denken wie in einem Gedankenknäuel. — Da ergreift das ahrimaniische Prinzip die Gelegenheit, um wie durch einen Spalt der Außenwelt in uns einzudringen. Wenn wir den Gang der Weltereignisse verfolgen und die mehr offenbaren Ereignisse ansehen, wenn wir zum Beispiel die heutige Physik zurück verfolgen bis zu dem Moment, wo Galilei vor der schwingenden Kirchenlampe im Dom zu Pisa saß, so können wir ein Gedankennetz über alle Ereignisse spinnen, das uns die Sache leicht erklärt; überall werden uns die Dinge erklärlich werden. Da aber, an der Stelle, wo wir zu der schwingenden Kirchenlampe kommen, da verwickeln sich unsere Gedanken. Da ist das Fenster, wo die ahrimanischen Kräfte am allerstärksten in uns eindringen, und da hört unser Denken auf, dasjenige aus den Erscheinungen zu begreifen, was Vernunft und Verständnis in die Sache hineinbringen kann. Da sitzt aber auch das, was man den Zufall nennt. Er sitzt da, wo uns Ahriman am allergefährlichsten wird. Diejenigen Erscheinungen nennt der Mensch zufällig, bei denen er durch den ahrimanischen Einfluß am allerleichtesten getäuscht werden kann.

[ 23 ] Ahriman is the principle that interferes with our perceptions and draws itself into us from the outside. Now, Ahriman exerts his strongest influence in those cases where we have the feeling: “Here, your thinking can no longer keep up”; “there, you have reached a critical point in your thinking, where your thoughts become tangled like a ball of yarn.” — That is when the Ahrimanic principle seizes the opportunity to penetrate us, as if through a crack in the outer world. When we follow the course of world events and look at the more revealing ones—when, for example, we trace modern physics back to the moment when Galileo sat before the swinging church lamp in the Cathedral of Pisa—we can weave a web of thought across all events that easily explains the matter to us; everywhere, things will become clear to us. But there, at the point where we come to the swinging church lamp, our thoughts become entangled. There is the window through which the Ahrimanic forces penetrate us most powerfully, and there our thinking ceases to grasp from the phenomena what reason and understanding can bring to bear on the matter. But there also lies what is called chance. It resides where Ahriman becomes most dangerous to us. Human beings call those phenomena “random” in which they can most easily be deceived by the Ahrimanic influence.

[ 24 ] So wird der Mensch verstehen lernen, daß es nicht in der Natur der Tatsachen liegt, wenn er irgendwo veranlaßt wird, von Zufall zu sprechen, sondern daß es an ihm, an seiner Entwickelung liegen wird. Und er wird sich nach und nach dazu erziehen müssen, Maja und Illusion zu durchdringen, das heißt, dort die Dinge zu durchdringen, wo Ahriman am stärksten wirkt. Und gerade wo wir zu sprechen haben von wichtigen Krankheitsursachen und von einem Licht, das sich über manchen Krankheitsverlauf breiten soll, da werden wir es nötig haben, von dieser Seite her die Erscheinungen anzugreifen. Da werden wir zuerst zu verstehen suchen, inwiefern es kein Zufall ist, wenn ein Mensch gerade mit demjenigen Eisenbahnzug fährt, durch den er umkommen kann, oder wie die Dinge liegen, durch die ein Mensch gerade in einer bestimmten Zeit irgendeinem von außen wirkenden Krankheitskeim ausgesetzt ist oder einer andern Krankheitsursache. Und wenn wir mit einer geschärften Erkenntnis den Dingen nachgehen können, werden wir imstande sein, das wahre Wesen und die ganze Bedeutung des Krankseins und des Gesundseins für das menschliche Leben noch tiefer zu begreifen.

[ 24 ] In this way, human beings will come to understand that it is not in the nature of things when they are led to speak of chance, but that it depends on them and their development. And human beings will gradually have to train themselves to penetrate maya and illusion—that is, to penetrate those areas where Ahriman is most strongly at work. And precisely when we are dealing with significant causes of illness and with a light that is to shine upon the course of many illnesses, we will need to approach these phenomena from this perspective. There we will first seek to understand to what extent it is no coincidence when a person happens to be riding the very train that could cause their death, or how circumstances arise through which a person is exposed, at a specific time, to a pathogen acting from the outside or to some other cause of illness. And if we can investigate these matters with heightened insight, we will be able to comprehend even more deeply the true nature and the full significance of illness and health for human life.

[ 25 ] Ich mußte heute in ausführlicherer Weise zeigen, wie im Inneren des Menschen Luzifer zur Illusion führt und wie Ahriman sich in die äußeren Wahrnehmungen mischt und dort zur Maja führt; wie es eine Wirkung Luzifers ist, wenn sich der Mensch ein falsches Motiv vortäuscht, und wie die falsche Annahme gegenüber der Welt der Erscheinungen — die Täuschung durch Ahriman — uns zu der Annahme eines Zufalls bringt. Diesen Grund mußte ich schaffen, bevor ich zeigen kann, wie die karmischen Ereignisse, die Ergebnisse des früheren Lebens, beim Menschen auch da wirken und auch da die Erscheinungen erklären, wo scheinbar zufällige äußere Veranlassungen zur Erzeugung von Krankheiten wirken.

[ 25 ] Today I had to show in greater detail how, within the human being, Lucifer leads to illusion, and how Ahriman interferes with external perceptions and leads to maya there; how it is an effect of Lucifer when a person deludes themselves into believing they have a false motive, and how a false assumption regarding the world of appearances—the deception by Ahriman—leads us to believe in chance. I had to lay this foundation before I could show how karmic events—the results of past lives—also operate within human beings and explain phenomena even in cases where seemingly random external causes appear to be responsible for the onset of illness.