The Revelations of Karma
GA 120
25 May 1910, Hamburg
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The Revelations of Karma, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Wenn wir zurückdenken an den Widerspruch, den wir am Ende unserer letzten Betrachtung vor uns hingestellt haben, so müssen wir zu seiner Lösung heute nochmals zurückblicken auf die beiden Kräfte, auf die beiden Prinzipien, die uns nun im Laufe der Zeit geradezu wie die Herausforderer und auch wieder wie die Regulatoren unseres Karma erschienen sind.
[ 1 ] If we reflect on the contradiction we posed at the end of our last discussion, we must, in order to resolve it today, look back once more at the two forces, the two principles, which, over the course of time, have appeared to us both as the challengers and, at the same time, as the regulators of our karma.
[ 2 ] Wir haben gesehen, daß unser Karma erst dadurch in Bewegung gebracht wird, daß wir die Einflüsse der luziferischen Gewalten auf unseren astralischen Leib erleiden, daß wir durch die Versuchung dieser Gewalten zu Gefühls-, Trieb- und Leidenschaftsäußerungen kommen, die uns in gewisser Beziehung unvollkommener machen, als wir sonst wären. Wenn nun die luziferischen Einflüsse auf uns wirken, dann fordern sie auf der andern Seite heraus die ahrimanischen Einflüsse, jene Kräfte, welche nun nicht von innen heraus, sondern von außen her auf uns wirken, die im Wechselverkehr mit der Welt durch dasjenige hindurchwirken, was uns eben von außen entgegentritt. So ist es im Grunde Ahriman, der herausgefordert wird durch Luzifer, und wir Menschen sind eigentlich so lebendig hineingestellt in den Streit dieser beiden Prinzipien. Und wir müssen im Leben versuchen, gerade dadurch vorwärtszukommen, daß wir, wenn wir einmal in die Fangarme Luzifers oder Ahrimans gekommen sind, nach Mitteln und Wegen suchen, um wieder durch Überwindung dessen, was in uns angerichtet worden ist, höher zu steigen. Ganz deutlich aber können wir sehen, wie in der Tat dieses Wechselspiel zwischen luziferischen und ahrimanischen Mächten um unsere Person herum stattfindet, wenn wir uns den Fall in einer etwas andern Form noch einmal vor Augen rücken, den wir schon das letzte Mal angeführt haben: den Fall, daß jemand ahrimanischen Einflüssen verfällt, so daß er allerlei Vorspiegelungen, Täuschungen erlebt, daß er glaubt, dies oder jenes werde ihm besonders mitgeteilt oder mache auf ihn nach dieser oder jener Richtung hin einen Eindruck, woraus aber für einen andern, der sich seine gesunde Urteilskraft bewahrt hat, leicht zu erkennen ist, daß der Betreffende Irrtümern und Täuschungen verfallen ist. Das letzte Mal haben wir gesprochen von den Fällen, wo jemand hellseherischen, aber im schlimmen Sinne hellseherischen Täuschungen der geistigen Welt unterworfen wird. Da haben wir ausdrücklich angeführt, daß dies dann Täuschungen sind, die durch ahrimanische Kräfte hervorgerufen werden. Und wir haben gesehen, daß gegen solche Täuschungen, welche durch unrichtiges Hellsehen hervorgerufen werden, es kein anderes oder wenigstens kein günstigeres Mittel gibt als die gesunde Urteilskraft, die erworben wird im physischen Leben zwischen Geburt und Tod.
[ 2 ] We have seen that our karma is set in motion only when we are subjected to the influences of the Luciferic forces on our astral body, and when, through the temptation of these forces, we give rise to expressions of emotion, instinct, and passion that, in a certain sense, make us more imperfect than we would otherwise be. Now, when the Luciferic influences act upon us, they in turn provoke the Ahrimanic influences—those forces that act upon us not from within but from without, forces that work through our interaction with the world via precisely what confronts us from the outside. So, in essence, it is Ahriman who is challenged by Lucifer, and we human beings are actually so vividly caught up in the conflict between these two principles. And we must strive in life to make progress precisely by seeking, once we have fallen into the clutches of Lucifer or Ahriman, ways and means to rise higher again by overcoming what has been wrought within us. But we can see quite clearly how this interplay between Luciferic and Ahrimanic forces actually takes place around us when we recall once more, in a slightly different form, the case we already mentioned last time: the case in which someone succumbs to Ahrimanic influences, so that he experiences all manner of illusions, deceptions—believing that this or that is being communicated to them in a special way or is making an impression on them in one direction or another; yet to another person who has retained their sound judgment, it is easy to see that the individual in question has fallen prey to errors and deceptions. Last time we spoke of cases in which someone is subjected to clairvoyant—but in the worst sense of the word—deceptions of the spiritual world. There we explicitly stated that these are deceptions brought about by Ahrimanic forces. And we have seen that against such deceptions, which are caused by erroneous clairvoyance, there is no other—or at least no more effective—remedy than sound judgment, which is acquired in physical life between birth and death.
[ 3 ] Was wir im letzten Vortrage gesagt haben, ist etwas Bedeutungsvolles und Wesentliches, wenn wir es mit hellseherischen Verirrungen zu tun haben. Denn bei einem Hellsehen, das nicht durch regelrechte Schulung, nicht durch systematische Übungen erreicht worden ist, die streng und richtig geleitet werden, sondern das durch alte vererbte Merkmale eintritt, in Bildern oder Hören in Tönen und dergleichen, bei einem solchen unrichtigen Hellsehen können wir immer finden, daß es zurückgeht, daß es aufhört sogar, wenn der Betreffende die Möglichkeit findet und die Neigung hat, sich ernstlich auf theosophische Studien einzulassen, theosophische Erkenntnis wirklich aufzunehmen, oder gar sich einläßt auf eine wirkliche, sinn- und sachgemäße Schulung. Also in einem solchen Falle, wo wir es mit Verirrungen der übersinnlichen Erkenntnis zu tun haben, können wir sagen, daß die echten Quellen der Erkenntnis, wenn der Betreffende ihnen zugänglich ist, auch immer für ihn eine Hilfe sein werden, die ihn auf den rechten Weg bringen kann.
[ 3 ] What we said in the last lecture is significant and essential when we are dealing with clairvoyant aberrations. For clairvoyance that has not been achieved through proper training or systematic exercises conducted strictly and correctly, but rather arises from old, inherited traits, in the form of images or sounds and the like—in such incorrect clairvoyance, we can always observe that it diminishes, and even ceases, when the person in question finds the opportunity and has the inclination to seriously engage in theosophical studies, to truly absorb theosophical knowledge, or even to undertake genuine, sensible, and appropriate training. Thus, in such a case, where we are dealing with aberrations of supersensory knowledge, we can say that the genuine sources of knowledge—if the person in question is receptive to them—will always be a help to him, capable of setting him on the right path.
[ 4 ] Dagegen dürfen Sie das, was gerade als eine Gegenüberstellung vorgebracht werden muß und was eine so triviale Wahrheit ist, daß jeder sie kennt, nicht anführen. Jeder weiß, daß wenn jemand durch karmische Verwicklungen dazu gekommen ist, Zustände zu entwickeln, welche ihn zu den Symptomen des Verfolgungswahnes, des Größenwahnes führen, daß er dann in seiner Seele ein ganzes System von Wahnideen ausbilden kann, die von ihm so logisch wie nur möglich begründet werden, die aber doch eben Wahnideen sind. Es kann zum Beispiel vorkommen, daß jemand auf andern Gebieten des Lebens ganz richtig und logisch denkt, daß er jedoch die Wahnidee hat, er werde überall verfolgt um dieses oder jenes Grundes willen. Er wird dann imstande sein, wo er hinkommt, aus den geringsten Vorkommnissen Kombinationen geistreichster Art zu machen: Da ist wieder eine Clique, die nichts anderes will, als mir dies oder das anzutun! — Und er wird Ihnen in der geistreichsten Art beweisen, wie begründet sein Verdacht ist. So kann jemand ein ganz logischer Kopf sein und doch in sich gewisse Symptome der Verrücktheit ausleben. Da wird es ganz unmöglich sein, einen solchen Menschen mit logischen Gründen zu widerlegen. Im Gegenteil, wenn man in einem solchen Falle mit logischen Gründen kommt, dann kann es geschehen, daß die Wahnideen, die in dem Inneren des Betreffenden sitzen, erst recht herausgefordert werden und noch schärfere Beweismittel suchen für das, was er als den Inhalt seiner Verfolgungswahnidee geltend macht. — Wenn im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen wird, müssen die Dinge ganz genau genommen werden. Wenn vorhin und auch das letzte Mal betont worden ist, daß man in den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen, denen sich jemand mit aller Mühe oder sogar in einer prinzipiellen systematischen Schulung hingibt, eine Gegenmacht hat gegen eine Verirrung der hellseherischen Kräfte, so ist damit ein ganz anderer Fall gemeint als der, welcher soeben charakterisiert worden ist. Jetzt handelt es sich nicht darum, daß man dem Betreffenden mit geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen beikommt. In der Regel will man ihm beikommen mit Gründen aus dem Gebiet der gewöhnlichen Vernünftigkeit. Für die aber ist ein solcher Mensch absolut unzugänglich. Warum ist das der Fall?
[ 4 ] On the other hand, you must not cite what must be presented as a counterargument and what is such a trivial truth that everyone knows it. Everyone knows that if, through karmic entanglements, a person has come to develop conditions that lead to symptoms of paranoia or delusions of grandeur, he can then form an entire system of delusional ideas in his soul—ideas that he justifies as logically as possible, but which are nonetheless delusions. It may happen, for example, that someone thinks quite correctly and logically in other areas of life, yet harbors the delusion that he is being persecuted everywhere for one reason or another. He will then be able, wherever he goes, to draw the most ingenious conclusions from the slightest occurrences: “There’s another clique that wants nothing more than to do this or that to me!” — And they will prove to you in the most ingenious way just how well-founded their suspicion is. Thus, someone can be a completely logical thinker and yet exhibit certain symptoms of madness. In such cases, it will be entirely impossible to refute such a person with logical arguments. On the contrary, if one presents logical arguments in such a case, it may happen that the delusions lodged within the person in question are all the more provoked, leading them to seek even more compelling evidence for what they assert to be the content of their persecution complex. — When speaking in the context of Spiritual Science, things must be taken very precisely. When it was emphasized earlier—and also the last time—that the insights of Spiritual Science to which someone devotes themselves with great effort or even through a systematic, principled training provide a counterforce against a distortion of clairvoyant powers, this refers to a completely different case than the one just described. Now the point is not to address the person in question with insights from Spiritual Science. As a rule, one seeks to address them with arguments drawn from the realm of ordinary reason. But such a person is completely impervious to these. Why is that the case?
[ 5 ] Wenn ein solches Krankheitsbild auftaucht, wie es sich in den geschilderten Symptomen auslebt, haben wir es damit zu tun, daß der Betreffende darin eine karmische Ursache von früheren Verkörperungen, von früheren Verirrungen zutage treten läßt. Was als eine Verirrung des Inneren anzusehen ist, liegt nicht und kann nicht in diesem Falle in der gegenwärtigen Inkarnation liegen, sondern das liegt in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun machen wir uns ein Bild, wie so etwas aus der früheren Inkarnation in die gegenwärtige herüberkommt.
[ 5 ] When a clinical picture such as this emerges, as manifested in the symptoms described, we are dealing with a situation in which the individual is bringing to light a karmic cause stemming from previous incarnations—from past errors. What is to be regarded as an inner aberration does not and cannot, in this case, lie in the present incarnation, but rather in a previous one. Let us now consider how something like this carries over from a previous incarnation into the present one.
[ 6 ] Dazu müssen wir ins Auge fassen, wie eigentlich unsere Seelenentwickelung verläuft. Wir bestehen als äußerer Mensch aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, haben dann im Laufe der Zeit hineingebaut in diese Hüllen durch die Arbeit des Ich die Empfindungsseele in den Empfindungsleib, die Verstandes- oder Gemütsseele in den Ätherleib und die Bewußtseinsseele in den physischen Leib. Was wir in unserem Inneren als die drei Seelenglieder entwickeln, das haben wir hineingebaut in die drei Hüllen, das lebt jetzt in diesen drei Hüllen. Nun nehmen wir an, in irgendeiner Inkarnation werden wir durch den Einfluß Luzifers — also dadurch, daß wir in uns egoistische oder sonstige, dem luziferischen Einfluß zuzuschreibende Triebe, Begierden, Instinkte entwickeln — so verführt, daß wir Verfehlungen auf unsere Seele laden. Diese Verfehlungen können nun sein in der Empfindungsseele, können sein in der Verstandes- oder Gemütsseele oder auch in der Bewußtseinsseele. Das ist dann die Ursache, die in irgendeiner folgenden Inkarnation in einem der drei Seelenglieder gegeben ist. Nehmen wir an, es sei ein Fehler, der besonders auf den Kräften der Verstandesseele beruht. Der wird dann in dem Zustande zwischen Tod und neuer Geburt so umgewandelt, daß dasjenige, was zum Beispiel die Verstandesseele verbrochen hat, in seiner Wirkung sich zeigt im.Ätherleib. Das ist mittlerweile beim Durchgehen durch den Tod bis zur neuen Geburt hineingearbeitet worden in den Ätherleib. Wir stoßen also in der neuen Inkarnation auf eine Wirkung in dem Ätherleib, die zurückzuführen ist auf eine Ursache in der Verstandesseele in einer vorhergehenden Inkarnation. Nun arbeitet aber die Verstandesseele der nächsten Inkarnation wieder für sich selbständig in dieser Inkarnation, und es ist nun ein Unterschied, ob der Mensch jene Verfehlung früher begangen hat oder nicht. Hat er sie in einer früheren Inkarnation begangen, so hat er jetzt einen Fehler in seinem Ätherleibe. Das sitzt nun tiefer, der sitzt nicht in der Verstandesseele, sondern im Ätherleibe. Aber was der Mensch sich auf dem physischen Plan als Vernünftigkeit, als Verständigkeit erarbeiten kann, das wirkt ja nur auf seine Verstandesseele; das wirkt nicht auf das, wie seine Verstandesseele in einer früheren Inkarnation sich betätigt hat und was jetzt schon in den Ätherleib hineingearbeitet ist. Daher kann es vorkommen, daß die Kräfte der Verstandesseele, wie sie uns jetzt bei einem Menschen entgegentreten, logisch intakt arbeiten, so daß also das eigentliche menschliche Innere ganz intakt ist, daß aber durch das Zusammenarbeiten zwischen Verstandesseele und dem krankhaften Teil des Ätherleibes von diesem Ätherleib aus nach einer gewissen Richtung hin ein Irrtum projiziert wird. Dann kann man zwar mit den Gründen, die man auf dem physischen Plan aufbringen kann, auf die Verstandesseele wirken, nicht aber unmittelbar auf den Ätherleib. Daher können Sie durch Logik, durch Überzeugung nichts ausrichten, ebensowenig wie Sie mit Logik etwas anfangen können, wenn Sie einen Menschen vor einen konvex gebogenen Spiegel hinstellen, so daß der Betreffende darin sein verzerrtes Bild sieht, und Sie ihm dann beweisen wollen, daß er unrecht hat, das Bild so zu sehen. Er sieht doch ein verzerrtes Bild. So hängt es auch nicht vom Menschen ab, daß er in einer krankhaften Weise etwas falsch versteht, denn es wird seine sonst gesunde Logik von seinem Ätherleibe aus nicht in einer gesunden Weise gespiegelt.
[ 6 ] To do this, we must consider how our soul’s development actually proceeds. As outer human beings, we consist of a physical body, an etheric body, and an astral body; over time, through the work of the “I,” we have built into these sheaths the feeling soul into the feeling body, the intellectual or emotional soul into the etheric body, and the conscious soul into the physical body. What we develop within ourselves as the three soul members, we have built into the three bodies; this now lives within these three bodies. Now let us suppose that in some incarnation, through the influence of Lucifer—that is, by developing within ourselves egoistic or other drives, desires, and instincts attributable to the Luciferic influence—we are led astray to the point that we burden our soul with transgressions. These transgressions may occur in the feeling soul, in the intellectual or emotional soul, or even in the conscious soul. This then becomes the cause that is present in one of the three soul members in some subsequent incarnation. Let us assume there is a fault that stems particularly from the forces of the intellectual soul. This fault is then transformed in the state between death and rebirth in such a way that what the intellectual soul, for example, has committed manifests its effect in the etheric body. This has been woven into the etheric body during the passage from death to rebirth. Thus, in the new incarnation, we encounter an effect in the etheric body that can be traced back to a cause in the intellectual soul of a previous incarnation. Now, however, the intellectual soul of the next incarnation works independently again in this incarnation, and there is a difference depending on whether the person committed that transgression earlier or not. If they committed it in an earlier incarnation, they now have a flaw in their etheric body. This is now more deeply rooted; it does not reside in the intellectual soul, but in the etheric body. But whatever a person can develop on the physical plane in terms of rationality and intelligence affects only their intellectual soul; it does not affect how their intellectual soul acted in a previous incarnation or what has already been incorporated into the etheric body. Therefore, it can happen that the powers of the intellectual soul, as they now appear to us in a human being, function logically intact—so that the actual human inner being is entirely intact—but that, through the interaction between the intellectual soul and the pathological part of the etheric body, an error is projected from this etheric body in a certain direction. In such cases, one can indeed influence the intellectual soul through the arguments that can be brought to bear on the physical plane, but not directly influence the etheric body. Therefore, you cannot achieve anything through logic or persuasion, just as you cannot accomplish anything with logic if you place a person in front of a convex mirror so that the person sees their distorted image in it, and you then try to prove to them that they are wrong to see the image that way. After all, they see a distorted image. Likewise, it is not up to the person to understand something incorrectly in a pathological way, for his otherwise sound logic is not reflected in a healthy way from his etheric body.
[ 7 ] Auf diese Weise können wir die karmische Wirkung früherer Inkarnationen in unserer tieferen Organisation in uns tragen. Und wir können geradezu angeben, wie in einem bestimmten Teil derselben — wie hier in unserem Ätherleib — das Schadhafte vorhanden ist. Daran sehen wir, was wir durch den luziferischen Einfluß in einer früheren Verkörperung herausgefordert und dann umgewandelt haben. Und in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt kommt die Umwandlung zustande von einem Inneren in ein Äußeres, und dann wirkt uns Ahriman aus unserem eigenen Ätherleibe entgegen. Das zeigt uns, wie Ahriman herangelockt wird an unseren eigenen Ätherleib durch Luzifer. Die frühere Verfehlung war eine luziferische, das Umgewandelte aber ist ein solches, daß uns gleichsam die Quittung dafür in der nächsten Inkarnation durch Ahriman gegeben wird. Und dann handelt es sich darum, daß der Mensch diese Schädigung seines Ätherleibes aus sich herausbringen muß. Das kann nur dadurch geschehen, daß tiefer in seine Organisation eingegriffen wird, als es mit den gewöhnlichen Mitteln der äußeren Vernunft in einer Inkarnation möglich ist.
[ 7 ] In this way, we carry within us the karmic effects of earlier incarnations in our deeper constitution. And we can even pinpoint exactly where, in a particular part of it—such as here in our etheric body—the defect is present. From this we see what we were challenged to confront—and then transformed—through the Luciferic influence in a previous incarnation. And in the interval between death and new birth, the transformation takes place from the inner to the outer, and then Ahriman works against us from within our own etheric body. This shows us how Ahriman is drawn to our own etheric body by Lucifer. The earlier transgression was a Luciferic one, but what has been transformed is such that, as it were, Ahriman gives us the “repayment” for it in the next incarnation. And then the task is for the human being to expel this damage to his etheric body from within himself. This can only happen by intervening more deeply into his constitution than is possible with the ordinary means of external reason in a single incarnation.
[ 8 ] Wer so etwas durchmacht, daß er zum Beispiel den Symptomen des Verfolgungswahnes in einer bestimmten Inkarnation verfällt, der wird, wenn er neuerdings wieder durch die Pforte des Todes tritt, alle die Tatsachen vor sich haben, welche er sich geleistet hat infolge seiner ahrimanischen Schädigung, und er wird sie in ihrer ganzen Absurdität vor sich haben. Das wird für ihn wieder die Kraft sein, welche ihn für seine nächste Inkarnation gründlich heilt. Denn er kann nur dadurch geheilt werden, daß dasjenige, was er unter dem Einfluß der entsprechenden Symptome vollzogen hat, ihm in der äußeren Welt für die Folge als absurd erscheint. Damit haben Sie etwas gegeben, was von uns zu einer solchen Heilung getan werden kann. Wenn jemand unter derartigen Wahnideen leidet, werden Sie ihn am wenigsten durch logische Gründe von seinen Wahnideen abbringen können. Sie werden dadurch nur seinen Widerspruch erst recht herausfordern. Aber Sie werden etwas erreichen, besonders wenn sich in früher Jugend so etwas zeigt, wenn Sie den Menschen in Lagen bringen, wo sich ihm die Folgen seiner Symptome kraß als unsinnig darstellen, wenn Sie ihn vor Tatsachen führen, die er hervorruft und die als kraß unsinnige wieder auf ihn zurückschlagen. Dadurch können Sie in gewisser Weise eine Heilung hervorrufen.
[ 8 ] Anyone who goes through something like this—for example, succumbing to the symptoms of paranoia in a particular incarnation—will, when he once again passes through the gate of death, find before him all the deeds he has committed as a result of his Ahrimanic impairment, and he will see them in all their absurdity. This will once again be the force that thoroughly heals them for their next incarnation. For they can only be healed when what they have done under the influence of the corresponding symptoms subsequently appears absurd to them in the outer world. In this way, you have provided something that we can do to bring about such a healing. If someone suffers from such delusions, you will be least likely to dissuade them from their delusions through logical arguments. You will only provoke their resistance all the more. But you will achieve something—especially if such symptoms appear in early youth—if you place the person in situations where the consequences of his symptoms are starkly revealed as nonsensical, if you confront him with facts that he himself brings about and that rebound on him as blatantly nonsensical. In this way, you can, in a certain sense, bring about a cure.
[ 9 ] Sie können auch dann heilend wirken, wenn Sie selbst so weit im Besitze der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten sind, daß sie inneres Eigentum Ihrer Seele geworden sind. Sind sie so Ihr Besitz geworden, daß sie stehen und fallen mit Ihrer ganzen Persönlichkeit, dann haben Sie sie ja als den denkbar stärksten Glauben; dann ist Ihre ganze Persönlichkeit ein Ausstrahler dieser geisteswissenschaftlichen Wahrheiten. Mit diesen Wahrheiten, welche hereinströmen in das Leben zwischen Geburt und Tod und es erfüllen, die aber dennoch über dieses Leben selbst hinausragen, die Erkenntnisse sind aus übersinnlicher Welt, mit ihnen können Sie tiefergehende Wirkungen erzielen als mit äußeren Vernunftwahrheiten. Während Sie mit äußeren logischen Gründen nichts anfangen können, werden Sie, wenn Sie die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten anwenden und wenn Sie genug Zeit und Gelegenheit dazu haben, allerdings so weit Impulse auf den betreffenden Menschen ausüben können, daß Sie sozusagen in der einen Inkarnation das vermögen, was sonst nur auf dem Umwege von einer auf die andere Inkarnation geschehen kann: nämlich hineinzuwirken von der Verstandesseele in den Ätherleib. Denn die Wahrheiten des physischen Planes sind nicht imstande, auch nur im geringsten die Kluft zwischen Empfindungsseele und Empfindungsleib, zwischen Verstandesseele und Ätherleib oder gar zwischen Bewußtseinsseele und physischem Leib zu überspringen. Daher werden Sie immer erleben, daß jemand auf dem physischen Plan noch so viel Weisheit über die sinnliche Welt aufnehmen kann: diese Weisheit wird in sehr geringem Zusammenhange stehen mit seiner Gemütswelt, mit dem, was wir nennen das Durchdrungensein seines Empfindungsleibes mit den entsprechenden Impulsen und Leidenschaften, Daher kommt es vor, daß jemand ein sehr gelehrtes Haus sein kann, ein großes theoretisches Wissen haben kann über die Dinge der physischen Welt, ein alter Professor geworden sein kann — und es im Inneren nicht zu einer Umwandlung seiner Triebe und Empfindungen und Leidenschaften gebracht hat, die sich im Empfindungsleib abspielen. Er kann im Grunde viel wissen über die physische Welt und ein krasser Egoist sein, weil er die Impulse dazu in der Jugend aufgenommen hat. — Natürlich kann ganz gut nebeneinander herlaufen äußere physische Wissenschaft und Durchbildung des Empfindungsleibes und Ätherleibes von innen heraus. Und ebenso kann der Mensch Verstandeswahrheiten aufnehmen, mancherlei, was sich als Kräfte der Gemütsseele aufnehmen läßt in bezug auf den physischen Plan, aber er kann jene tiefe Kluft nicht überspringen, welche zwischen der Verstandesseele und dem Ätherleib besteht. Mit andern Worten, Sie können immer wieder finden: Wenn jemand äußerliche Wahrheiten aufnimmt, wenn er auch noch so viel lernt — das eine werden Sie selten finden, daß dieses Gelernte wirklich Gewalt hat auf die formenden Kräfte seines Leibes.
[ 9 ] They can also have a healing effect when you yourself have grasped the truths of Spiritual Science to such an extent that they have become an integral part of your soul. Once they have become so deeply your own that they stand or fall with your entire personality, then you possess them as the strongest possible faith; then your entire personality radiates these truths of Spiritual Science. With these truths—which flow into the life between birth and death and fill it, yet still transcend this life itself—these insights from the supersensible world, you can achieve deeper effects than with external rational truths. While external logical arguments are of no use to you, if you apply the truths of Spiritual Science and have enough time and opportunity to do so, you will, however, be able to exert such a profound influence on the person in question that you can, so to speak, accomplish in a single incarnation what can otherwise only happen indirectly from one incarnation to the next: namely, to work from the intellectual soul into the etheric body. For the truths of the physical plane are incapable of bridging, even in the slightest, the gulf between the feeling soul and the feeling body, between the intellectual soul and the etheric body, or even between the conscious soul and the physical body. Therefore, you will always find that no matter how much wisdom a person may acquire on the physical plane regarding the sensory world, this wisdom will have very little connection to their emotional world—to what we call the permeation of their feeling body with the corresponding impulses and passions, That is why it happens that someone can be a highly learned person, possess great theoretical knowledge about the things of the physical world, and have become an elderly professor—yet inwardly have failed to bring about a transformation of their instincts, feelings, and passions, which play out in the emotional body. He may, in essence, know a great deal about the physical world and yet be a blatant egoist, because he absorbed the impulses for this in his youth. — Of course, external physical science and the inner development of the emotional body and etheric body can very well proceed side by side. And in the same way, a person can take in intellectual truths—various things that can be absorbed as forces of the emotional soul in relation to the physical plane—but they cannot bridge that deep chasm that exists between the intellectual soul and the etheric body. In other words, you will find time and again that when someone absorbs external truths—no matter how much they learn—you will rarely find that what they have learned truly exerts an influence on the formative forces of their body.
[ 10 ] Bei einem Menschen, bei dem die Wahrheiten so wirken, daß sie sein ganzes Sein ergreifen, da werden Sie erleben können, daß sich im Laufe von zehn Jahren seine Physiognomie verändert, daß Sie ihm an der Stirn ablesen können, wie er gerungen hat, wie er zum Beispiel mit gewissen Zweifeln in seinem Herzen gerungen hat. Oder auch an seinen Gesten können Sie es bemerken, wenn er zum Beispiel aus eigenem Verhalten ein ruhiger Mensch geworden ist. Da drängt sich das in die formenden Kräfte des Organismus hinein, und es wird der Organismus in den feinsten Teilen davon ergriffen. Da wirkt das, was der Mensch spirituell aufnimmt, bis in die feinsten Teile seiner Organisation hinein. Wenn das, was das Gemüt ergreift, nicht nur auf den physischen Plan weist, dann ist der Mensch nach zehn Jahren auch ein anderer. Aber die Anderung liegt in der normalen Richtung, wie die Anlagen sich im normalen gewöhnlichen Leben ausbilden und ändern. Man kann vielleicht im Verlaufe von zehn Jahren einen andern Gesichtsausdruck bekommen; aber wenn man nicht in der inneren Weise den Abgrund überspringt, sind es äußere Einflüsse gewesen. Da ist es keine den Menschen vom Inneren ergreifende Kraft, was ihn umgestaltet. Daran können wir sehen, daß nur das Spirituelle, was sich im Innersten wirklich mit unserem innersten Menschen verbindet, in der Lage ist, schon in der Zeit zwischen Geburt und Tod umwandelnd auf die formenden Kräfte zu wirken, daß aber mit Sicherheit dieser Übergang, dieses Überschreiten des Abgrundes stattfindet in der karmischen Wirksamkeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn zum Beispiel das, was die Empfindungsseele erlebt hat, hineingesenkt wird in jene Welten, die wir durchschreiten in der Zwischenzeit zwischen Tod und neuer Geburt, dann macht es sich gewiß in der nächsten Inkarnation als formende, bildende Kraft geltend.
[ 10 ] In a person upon whom these truths have such an effect that they permeate his entire being, you will be able to observe that, over the course of ten years, his facial features change; you will be able to read on his forehead how he has struggled—how, for example, he has wrestled with certain doubts in his heart. Or you may also notice it in their gestures—for example, if they have become a calm person through their own behavior. This penetrates the formative forces of the organism, and the organism is affected down to its finest details. What a person takes in spiritually thus affects even the finest parts of his constitution. If what moves the soul points not only to the physical plane, then after ten years the person is also a different person. But the change follows the normal course, just as dispositions develop and change in ordinary, everyday life. One may perhaps develop a different facial expression over the course of ten years; but if one has not inwardly leaped across the abyss, these changes have been caused by external influences. In such cases, it is not a force that grips the human being from within that transforms him. From this we can see that only the spiritual—which truly connects with our innermost being—is capable of exerting a transforming influence on the formative forces even during the time between birth and death; but this transition, this crossing of the abyss, certainly takes place within the karmic process between death and a new birth. If, for example, what the sensory soul has experienced is immersed in those worlds we pass through in the interval between death and a new birth, then it will certainly assert itself as a formative, shaping force in the next incarnation.
[ 11 ] Auf diese Weise haben wir das gegenseitige Zusammenwirken Ahrimans und Luzifers begriffen. Und nun fragen wir uns: Wie stellt sich dieses Zusammenwirken dar, wenn die Dinge noch etwas entfernter liegen, wenn sie zum Beispiel als luziferischer Einfluß nicht nur den Abgrund zu überschreiten haben von der Verstandesseele bis zum Ätherleib, sondern wenn sie sozusagen einen weiteren Weg haben?
[ 11 ] In this way, we have come to understand the mutual interaction between Ahriman and Lucifer. And now we ask ourselves: How does this interaction manifest when things are somewhat further apart—when, for example, the Luciferic influence must not only cross the gulf from the intellectual soul to the etheric body, but must, so to speak, travel a longer path?
[ 12 ] Nehmen wir an, wir unterliegen in einem Leben ganz besonders stark dem Einflusse Luzifers. In einem solchen Falle sind wir mit unserem ganzen inneren Menschen um ein ganzes Stück unvollkommener geworden, als wir vorher waren, und in der Kamalokazeit haben wir dann in der eminentesten Weise das vor Augen, daß wir uns sagen: Du mußt etwas ganz Mächtiges tun, um diese Unvollkommenheit wieder auszugleichen! — Wir nehmen also diese Tendenz in uns auf und bilden in der nächsten oder einer der nächsten Inkarnationen mit dem, was jetzt formende Kräfte geworden sind, unseren neuen Organismus so, daß dieser die Tendenz haben muß, den Ausgleich des früher Durchlebten herbeizuführen. Aber nehmen wir an, dasjenige, was den luziferischen Einfluß ausgelöst hat, sei durch ein Äußeres veranlaßt gewesen, sei eine äußere Begierde gewesen. Dann muß doch wieder Luzifer als ein Einfluß dagewesen sein. Das Äußere hätte nicht auf uns wirken können, wenn nicht Luzifer in uns gewirkt hätte. Wir haben also die Tendenz in uns, das, was wir unter dem luziferischen Einfluß geworden sind, wieder auszugleichen.
[ 12 ] Let us suppose that in one lifetime we are particularly strongly influenced by Lucifer. In such a case, our entire inner being has become considerably more imperfect than it was before, and during the Kamaloka period we are then so acutely aware of this that we say to ourselves: “You must do something truly powerful to compensate for this imperfection!” — We thus take this tendency into ourselves and, in the next or one of the following incarnations, use what have now become formative forces to shape our new organism in such a way that it must have the tendency to bring about a balance for what we have previously experienced. But let us assume that whatever triggered the Luciferic influence was caused by an external factor—that it was an external desire. Then Lucifer must have been present as an influence once again. The external factor could not have affected us if Lucifer had not been at work within us. We therefore have within us the tendency to restore balance to what we have become under the Luciferic influence.
[ 13 ] Aber nun haben wir gesehen, daß der luziferische Einfluß in einer Inkarnation herausfordert den ahrimanischen Einfluß in einer nächsten Inkarnation, daß er ihn herbeizieht, so daß die beiden durchaus in Wechselwirkung miteinander stehen. Der luziferische Einfluß ist aber ein solcher, daß wir sagen konnten: Er zeigt sich für uns im Bewußtsein, das heißt, wir können mit unserem Bewußtsein noch notdürftig hinunterreichen in unseren astralischen Leib. Wir haben gesagt, wenn Schmerzen sich uns zum Bewußtsein bringen, so ist das luziferischer Einfluß. Aber wir können nicht in diejenigen Gebiete hinunter, die wir bezeichnen können als Bewußtsein unseres Ätherleibes und unseres physischen Leibes. Wir haben zwar auch im traumlosen Schlaf ein Bewußtsein, aber ein Bewußtsein von so niederem Grade, daß der Mensch im gewöhnlichen Leben nicht in der Lage ist, von diesem Bewußtsein überhaupt etwas zu wissen. Aber das ist durchaus kein Anlaß, daß wir in diesem Bewußtsein nichts tun. Dieses Bewußtsein hat zum Beispiel normalerweise die Pflanze, die ja nur aus physischem Leib und Ätherleib besteht. Die Pflanze lebt fortwährend in einem traumlosen Schlafbewußtsein. Unser Bewußtsein des Ätherleibes und des physischen Leibes ist auch im Tagwachen vorhanden; aber wir können nicht bis zu ihm hinuntersteigen. Daß aber dieses Bewußtsein handeln kann, das zeigt sich uns zum Beispiel, wenn wir im Schlafe somnambule Handlungen, nachtwandlerische Handlungen ausführen, von denen wir nichts wissen. Das ist das traumlose Schlafbewußtsein, das diese Handlungen vollführt. Das gewöhnliche Ich-Bewußtsein und das astralische Bewußtsein reichen nicht hinunter bis dahin, wo zum Beispiel die Handlungen des Nachtwandlers ausgeführt werden.
[ 13 ] But now we have seen that the Luciferic influence in one incarnation challenges the Ahrimanic influence in the next incarnation, that it draws it in, so that the two are in a state of constant interaction with one another. The Luciferic influence, however, is such that we could say: It manifests itself to us in consciousness; that is, we can still reach down, albeit only feebly, into our astral body with our consciousness. We have said that when pain brings itself to our consciousness, this is the Luciferic influence. But we cannot reach down into those realms that we might describe as the consciousness of our etheric body and our physical body. We do indeed have a consciousness even during dreamless sleep, but it is of such a low degree that in ordinary life a person is not in a position to know anything about this consciousness at all. But that is by no means a reason for us to do nothing within this consciousness. This consciousness is normally possessed, for example, by the plant, which consists only of a physical body and an etheric body. The plant lives continuously in a dreamless sleep consciousness. Our consciousness of the etheric body and the physical body is also present during waking hours; but we cannot descend to that level. That this consciousness is capable of acting, however, is demonstrated to us, for example, when we perform somnambulistic actions—such as sleepwalking—during sleep, of which we are unaware. It is this dreamless sleep consciousness that performs these actions. Ordinary ego-consciousness and astral consciousness do not extend down to the level where, for example, the actions of the sleepwalker are carried out.
[ 14 ] Aber wir dürfen nicht glauben, weil wir bei Tage im Ich-Bewußtsein und astralischen Bewußtsein leben, daß nicht mit uns leben die andern Bewußtseinsarten. Wir wissen nur von ihnen nichts. Nehmen wir nun an, wir haben durch einen luziferischen Einfluß in einer früheren Inkarnation einen starken ahrimanischen Einfluß herausgefordert; dann wird dieser ahrimanische Einfluß nicht wirken können auf unser gewöhnliches Bewußtsein. Er wird aber ergreifen das Bewußtsein, welches in unserem Ätherleibe sitzt, und dieses Bewußtsein wird uns dann nicht bloß zu einer gewissen Organisation unseres Ätherleibes führen können, sondern sogar zu Handlungen, welche sich so ausleben, daß uns das Bewußtsein unseres Ätherleibes sagt: Du kannst jetzt nur dasjenige aus dir heraus entfernen, was der luziferische Einfluß, dem du in der früheren Inkarnation so mächtig verfallen bist, in dir angestellt hat; und das kannst du dadurch, daß du jetzt eine Handlung begehst, die genau in der umgekehrten Linie liegt als die frühere luziferische Verfehlung!
[ 14 ] But we must not assume—simply because we live in ego-consciousness and astral consciousness during the day—that the other forms of consciousness do not coexist with us. We are simply unaware of them. Let us now suppose that, through a Luciferic influence in a previous incarnation, we have provoked a strong Ahrimanic influence; then this Ahrimanic influence will not be able to act upon our ordinary consciousness. However, it will take hold of the consciousness residing in our etheric body, and this consciousness will then be able to lead us not only to a certain organization of our etheric body, but even to actions that manifest in such a way that the consciousness of our etheric body tells us: “You can now only remove from within yourself what the Luciferic influence—to which you so powerfully succumbed in your previous incarnation—has wrought within you; and you can do this by now performing an act that lies exactly on the opposite path to the earlier Luciferic transgression!”
[ 15 ] Nehmen wir an, wir seien durch einen luziferischen Einfluß dazu gebracht worden, von einem vorhergehenden religiösen oder nach dem Geistigen hinzielenden Standpunkt zu einem solchen überzugehen, wo der Mensch sagt: Ich will das Leben hier genießen! —, wo er also den Sprung in das Sinnliche mit aller Macht getan hat. Dann fordert so etwas den ahrimanischen Einfluß in der Art heraus, daß genau das Umgekehrte verursacht wird. Da kommt es denn vor, daß der Mensch, wenn er durch das Leben schreitet, einen Punkt aufsucht, wo er aus dem sinnlichen Leben in das geistige mit einem Sprunge wieder hineingehen kann. Dort ist er mit einem Sprunge in das Sinnliche verfallen — hier will er mit einem Sprunge in das geistige Leben zurück. Das Oberbewußtsein bemerkt das nicht; aber das geheimnisvolle Unterbewußtsein, das an den physischen Leib und Ätherleib gekettet ist, treibt jetzt den Menschen dazu, den Ort aufzusuchen, wo man ein Gewitter abwarten kann, wo eine Eiche steht, eine Bank darunter, und — der Blitz schlägt ein! Da hat sein Unterbewußtsein den Menschen erfüllen lassen, was er in einer früheren Inkarnation getan hat. Da haben wir das Umgekehrte. So begreifen wir eine Wirkung unter einem luziferischen Einfluß in einem früheren Leben, und als Folge einen Einfluß Ahrimans in dem jetzigen Leben. Ahriman muß hier mitwirken zu dem Zwecke, daß wir unser Oberbewußtsein so weit ausschalten, daß in diesem Falle unser ganzer Mensch nur dem Bewußtsein des Ätherleibes oder des physischen Leibes folgt.
[ 15 ] Let us suppose that we have been led, through a Luciferic influence, to move from a previous religious or spiritually oriented standpoint to one where a person says: “I want to enjoy life here!”—where, in other words, they have taken the leap into the sensory realm with all their might. Then such a thing provokes the Ahrimanic influence in such a way that exactly the opposite is brought about. It then happens that, as the person goes through life, they seek out a point where they can leap back from the sensory life into the spiritual. There they had fallen into the sensory realm in a single leap—here they want to leap back into the spiritual life. The higher consciousness does not notice this; but the mysterious subconscious, which is chained to the physical body and the etheric body, now drives the person to seek out the place where one can wait out a thunderstorm—where there is an oak tree, a bench beneath it—and—the lightning strikes! Here his subconscious has caused the person to repeat what he did in a previous incarnation. Here we have the reverse. Thus we understand an effect under a Luciferic influence in a previous life, and as a consequence, an influence of Ahriman in the present life. Ahriman must be at work here for the purpose of causing us to shut down our higher consciousness to such an extent that, in this case, our entire being follows only the consciousness of the etheric body or the physical body.
[ 16 ] Auf diese Weise begreifen wir mancherlei Dinge, die auch sonst im Leben geschehen. Aber wir dürfen, wenn zum Beispiel jemand im Leben zum Tode kommt oder eine schwere Verwundung erleidet, nicht jeden solchen Fall auf etwas Ähnliches zurückführen. Da würden wir in einer sehr engen Weise das Karma auffassen. Aber es gibt wirklich Strömungen auch in unserer theosophischen Bewegung, welche das Karma in einer recht engen Weise auffassen, die zwar glauben, daß sie in dem Karma wirklich etwas haben, was zu einem höheren Gesichtspunkt führt, es aber nicht wirklich kennen. Sie fassen das Karma so auf, daß, wenn es wirklich so wäre, wie sie es auffassen, immer die ganze Weltordnung wegen eines jeden einzelnen Menschen besonders eingerichtet sein müßte, damit sie zum harmonischen Verlauf und zum Ausgleich eines jeden einzelnen im Menschenleben diente, daß also in einem Leben die Verhältnisse immer so zusammengeführt werden, daß ganz genau der Ausgleich für das geschaffen werden muß, was in einem früheren Leben entstanden ist. Dieser Standpunkt ist aber nicht haltbar. Wie wäre es denn, wenn sich jemand hinstellte vor einen Menschen, dem ein Unglück passiert ist, und ihm sagt: Das ist dein Karma, das ist die karmische Wirkung aus einem früheren Leben; das hast du damals verschuldet! — Wenn aber jetzt der Betreffende diesen oder jenen Glücksfall erlebt, dann sagt der andere: Das führt zurück auf ein Gutes, das du früher getan hast! — Wenn das aber einen wirklichen Wert haben soll, so müßte doch derjenige, der so spricht, erst sehen, was in dem früheren Leben geschehen ist, das diese Wirkung hervorgebracht haben soll. Hätte er sich in das frühere Leben gestellt, so würde er da die Ursachen sehen, die aus jenem Leben kommen, und müßte dann auf die spätere Inkarnation hinschauen, wenn er die Wirkungen erblicken will. Daraus folgt aber für uns logisch folgendes: Es treten in jeder Inkarnation Tatsachen ein, die erste Ereignisse darstellen in dem Leben jedes Menschen, wie es sich von Verkörperung zu Verkörperung abspielt, und diese werden ihren kärmischen Ausgleich im nächsten Leben haben. Wenn man im nächsten Leben sich dann die Wirkungen anschaut, dann kann man auf die Ursachen hinblicken. Wenn aber jetzt ein Unglücksfall geschieht und man mit allen Mitteln im früheren Leben keine Ursachen dafür findet, dann muß man sich sagen, es findet eben der Aus 1/3 gleich in einem späteren Leben statt. Karma ist kein Fatum! Es wird aus jedem Leben etwas in die späteren hineingetragen.
[ 16 ] In this way, we come to understand various things that also happen in life. But when, for example, someone dies or suffers a serious injury, we must not attribute every such case to something similar. That would be to understand karma in a very narrow way. But there are indeed currents even within our Theosophical Movement that interpret karma in a rather narrow way; they believe that karma truly contains something that leads to a higher perspective, but they do not really understand it. They interpret karma in such a way that, if it were truly as they conceive it, the entire world order would have to be specially arranged for every single human being so that it might serve the harmonious course and balance of each individual’s human life—that is, that in a given life, circumstances would always be brought together in such a way as to create an exact balance for what arose in a previous life. But this viewpoint is untenable. What if someone were to stand before a person who has suffered a misfortune and say to them: “This is your karma; this is the karmic effect from a past life; you brought this upon yourself back then!”—But if the person in question then experiences this or that stroke of good fortune, the other person says: “That goes back to a good deed you did in the past!” — But for this to have any real meaning, the person speaking this way would first have to see what happened in the past life that is said to have produced this effect. If he were to place himself in that past life, he would see there the causes stemming from that life, and would then have to look to the later incarnation if he wished to observe the effects. From this, however, the following logically follows for us: In every incarnation, events occur that constitute the initial occurrences in every person’s life as it unfolds from one incarnation to the next, and these will find their karmic balance in the next life. When one then observes the effects in the next life, one can look back to the causes. But if a misfortune occurs now and one cannot find any causes for it in a previous life by any means, then one must tell oneself that the cause is simply taking effect in a later life. Karma is not fate! Something from every life is carried over into the subsequent ones.
[ 17 ] Wenn wir das verstehen, werden wir es auch begreiflich finden, daß der Mensch sinnvoll und bedeutungsvoll neue Ereignisse in seinem Leben finden kann. Denken wir daran, daß ja die großen Ereignisse im Gange der Menschheitsentwickelung nur dadurch zustande kommen können, daß sie von bestimmten Personen getragen werden. Personen müssen in einem bestimmten Zeitpunkt die Absichten der EntwickeJung übernehmen. Denken Sie daran, wie die mittelalterliche Entwickelung verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Karl der Große eingegriffen hätte, oder wie das Geistesleben der alten Zeiten verlaufen wäre, wenn nicht in einer bestimmten Zeit Aristoteles gewirkt hätte, Denken Sie, daß Sie, wenn Sie den Gang der Menschheitsentwickelung begreifen wollen, den Aristoteles in die Zeit hineindenken müssen, wo er gelebt hat; denn ohne ihn würde später vieles anders geworden sein. — Dadurch sehen wir, daß solche Persönlichkeiten, wie Karl der Große, Aristoteles, Luther und so weiter nicht um ihretwillen, sondern um der Welt willen in der betreffenden Zeit leben mußten. Ihre persönlichen Schicksale sind darum doch innig verflochten mit dem, was in der Welt geschieht. Können wir aber deshalb sagen, daß das, was sie wirken, zusammentrifft mit dem, was sie sich früher verdient oder was sie früher verschuldet haben?
[ 17 ] Once we understand this, we will also find it reasonable that a person can discover new events in their life that are meaningful and significant. Let us remember that the great events in the course of human development can only come about because they are carried forward by specific individuals. At a specific point in time, individuals must take on the intentions of the course of development. Consider how medieval development would have unfolded had Charlemagne not intervened at a specific time, or how the spiritual life of ancient times would have unfolded had Aristotle not been active at a specific time. Bear in mind that if you wish to understand the course of human development, you must place Aristotle within the context of the time in which he lived; for without him, many things would have turned out differently later on. — From this we see that such personalities as Charlemagne, Aristotle, Luther, and so on had to live in their respective times not for their own sake, but for the sake of the world. Their personal destinies are therefore intimately intertwined with what happens in the world. But can we therefore say that what they do corresponds to what they have previously earned or what they have previously done wrong?
[ 18 ] Nehmen Sie den Fall von Luther: Alles, was er erlebt und erduldet hat, können Sie nicht nur auf sein karmisches Konto schreiben; Sie müssen sich klar sein, daß dasjenige, was in einem bestimmten Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung geschehen soll, durch das Hineingestelltsein bestimmter Individualitäten geschieht. Diese Individualitäten müssen heruntergeführt werden aus der geistigen Welt ohne Rücksicht darauf, ob sie für sich selbst weit genug sind, um heruntergeführt zu werden, denn sie werden heruntergeführt zu den Zwecken der Menschheitsentwickelung. Und es muß vielleicht ein karmischer Weg frühzeitig unterbrochen oder verlängert werden, damit die betreffenden Persönlichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt in das Leben hineingestellt werden können, Da werden über Personen Schicksale verhängt, die mit dem vorangegangenen Karma nichts zu tun zu haben brauchen. Aber wenn man als Mensch einmal so hineingestellt worden ist und wenn man das getan hat, was man zwischen Geburt und Tod tun kann, so bildet das karmische Ursachen. So wahr es also ist, daß ein Luther hineingestellt wird in das Leben um der Menschheit willen und Schicksale erdulden kann, welche nichts zu tun haben mit seinem früheren Karma, so wahr ist es, daß mit seinem späteren Karma dasjenige, was er da vollbringt, wieder etwas zu tun haben wird. Karma ist ein allgemeines Gesetz, und jeder muß es durchleben. Aber wir dürfen es nicht so auffassen, daß wir nur in frühere Verkörperungen zurückblicken, sondern wir müssen es so auffassen, daß wir auch vorwärtsblicken müssen. Deshalb können wir durchaus sagen: Es kann sich uns von diesem Gesichtspunkt aus ergeben, daß allerdings erst ein späteres Leben rechtfertigen kann auch vorhergehende Inkarnationen, indem uns schon Dinge zugefallen sind, welche gar nicht in unserer karmischen Linie liegen.
[ 18 ] Take the case of Luther: You cannot attribute everything he experienced and endured solely to his karmic account; you must realize that what is meant to happen at a specific point in human evolution occurs through the involvement of certain individuals. These individuals must be brought down from the spiritual world regardless of whether they are sufficiently advanced in their own right to be brought down, for they are brought down for the purposes of human development. And it may be necessary to interrupt or extend a karmic path prematurely so that the individuals in question can be placed into life at a specific point in time; in such cases, fates are imposed upon people that need not have anything to do with their previous karma. But once a person has been placed in life in this way and has done what one can do between birth and death, this creates karmic causes. So just as it is true that a Luther is placed into life for the sake of humanity and may endure fates that have nothing to do with his earlier karma, so it is true that what he accomplishes there will again have something to do with his later karma. Karma is a universal law, and everyone must live through it. But we must not interpret this to mean that we look back only to past incarnations; rather, we must understand that we must also look forward. Therefore, we can certainly say: From this perspective, it may become clear to us that indeed only a later life can justify previous incarnations, since things have already befallen us that do not lie within our karmic line at all.
[ 19 ] Nehmen wir folgenden Fall an, der sich tatsächlich zugetragen hat: Bei einer Naturkatastrophe hatten eine Anzahl von Seelen den Untergang gefunden. Wir brauchen durchaus nicht zu glauben, das wäre ihr Karma gewesen, daß sie alle zusammen dabei zugrunde gegangen sind; denn das wäre eine sehr billige Annahme. Es braucht gar nicht so zu sein, daß es immer auf frühere Verschuldungen zurückführt. Es gibt einen erforschten Fall, wo eine Anzahl von Menschen bei einer Naturkatastrophe zugrunde gegangen sind. Das hat dann aber dazu geführt, daß diese Menschen in einer späteren Zeit sich gemeinsam verbunden fühlten und durch das gemeinsame Schicksal sich als stark erwiesen, etwas Gemeinsames in der Welt zu unternehmen. Durch jene Katastrophe war die Ursache gebildet, daß sie im späteren Leben sich gründlich abgewöhnt hatten, nur an der Materie zu hängen, so daß sie sich für ihr späteres Leben eine Gesinnung mitgebracht haben, welche sie zum Spirituellen geführt hat.
[ 19 ] Let us consider the following case, which actually occurred: During a natural disaster, a number of souls met their end. We need not believe that it was their karma that they all perished together; for that would be a very simplistic assumption. It is not necessarily the case that such events always stem from past transgressions. There is a documented case in which a number of people perished in a natural disaster. This, however, led to these people feeling a bond with one another in a later life, and through their shared fate, they proved strong enough to undertake a common endeavor in the world. That catastrophe was the reason they had thoroughly broken the habit of clinging solely to material things in their later lives, so that they carried with them into their later lives a mindset that led them toward the spiritual.
[ 20 ] Was ist in diesem Falle geschehen? Gehen wir zurück in das vorige Leben, so finden wir, daß als ein besonderes Ereignis das zusammen Untergehen bei einem Erdbeben eingetreten ist: da hat sich ihnen die Wertlosigkeit des Materiellen in dem Augenblicke des Erdbebens vor die Seele gedrängt, und da hat sich bei ihnen die Gesinnung nach dem Spirituellen entwickelt. Daran sehen wir, wie Menschen, die ein Spirituelles der Welt zu bringen hatten, dazu vorbereitet waren durch einen solchen Fall, der uns die Weisheit der Entwickelung zeigt, der geisteswissenschaftlich untersucht ist und sich durchaus zugetragen hat. — So können wir zeigen, daß wir zum ersten Male Freignisse ins Menschenleben eintreten sehen und daß wir auch beim Untergang eines oder mehrerer Menschen bei einer Katastrophe oder einem Unglücksfall den frühzeitigen Tod eines Menschen nicht immer auf eine frühere Verschuldung zurückführen dürfen, sondern daß so etwas als erste Ursache auftreten kann und daß im nächsten Leben der Ausgleich erfolgt.
[ 20 ] What happened in this case? If we go back to their previous life, we find that a particular event—perishing together in an earthquake—took place: at that moment, the worthlessness of material things was thrust before their souls, and a spiritual outlook developed within them. From this we see how people who were meant to bring something spiritual into the world were prepared for it through such an event, which reveals to us the wisdom of evolution—an event that has been investigated by Spiritual Science and actually took place. — Thus we can show that we are witnessing the first instances of spiritual events entering human life, and that even in the case of the death of one or more people in a catastrophe or accident, we must not always attribute a person’s premature death to a previous transgression, but that such an event can occur as the primary cause, and that compensation will take place in the next life.
[ 21 ] Es sind aber noch andere Fälle möglich. Es kann vorkommen, daß jemand in zwei, drei aufeinanderfolgenden Inkarnationen ein Leben frühzeitig zu beschließen hat. Das kann eintreten, weil diese Individualität dazu berufen ist, der Menschheit durch drei Inkarnationen hindurch etwas zu bringen, was man nur bringen kann, wenn man in der physischen Welt mit solchen Kräften lebt, die sich in einem sich aufbauenden Körper ergeben. Es ist ein ganz anderes, ob man in einem Körper lebt, der sich bis zum fünfunddreißigsten Jahre entwickelt, oder in einem Körper des späteren Alters. Denn bis zum fünfunddreißigsten Jahre schickt der Mensch seine Kraft in die Körperlichkeit, so daß er die Kraft von innen heraus entfaltet. Dann aber beginnt, vom fünfunddreißigsten Jahre angefangen, ein Leben, wo der Mensch nur innerlich weiterschreitet und fortwährend mit seinen Lebenskräften anzustürmen hat gegen die äußeren Kräfte. Diese zwei Lebenshälften sind durchaus verschieden voneinander, wenn wir auf die innere Organisation sehen. Nehmen wir nun an, man braucht gemäß der Weisheit der Entwickelung der Menschheit solche Menschen, welche nur gedeihen können, wenn sie nicht anzustürmen haben gegen das, was sich uns entgegendrängt in der zweiten Lebenshälfte, dann kann es sein, daß die Inkarnationen frühzeitig abgerissen werden. Solche Fälle gibt es. Und wir haben selbst schon bei unseren Zusammenkünften hingewiesen auf eine Individualität, welche nacheinander erschienen ist als großer Prophet, als ein bedeutender Maler und als großer Dichter, und immer mit einem frühzeitigen Tode ihr Leben beschlossen hat, weil das, was diese Individualität in drei Inkarnationen zu leisten hatte, nur dadurch möglich war, daß die Inkarnationen abgebrochen wurden vor einem Sich-Hineinleben in die zweite Lebenshälfte. Darin haben Sie das Eigentümliche des Verstricktseins von menschlichem individuellem Karma und allgemeinem Menschheitskarma.
[ 21 ] However, other cases are also possible. It may happen that someone has to end a life prematurely in two or three consecutive incarnations. This can occur because this individual is called upon to bring something to humanity through three incarnations—something that can only be brought about by living in the physical world with the kinds of forces that arise in a body that is still developing. It makes a world of difference whether one lives in a body that develops up to the age of thirty-five or in a body of a later age. For up to the age of thirty-five, a person directs their energy into the physical body, so that they develop their strength from within. But then, beginning at the age of thirty-five, a phase of life begins in which a person progresses only inwardly and must continually strive with their life forces against external forces. These two halves of life are entirely different from one another when we consider their inner organization. Let us now suppose that, in accordance with the wisdom of human evolution, we need people who can flourish only if they do not have to struggle against what presses against us in the second half of life; then it may be that their incarnations are cut short prematurely. Such cases do exist. And we ourselves have already pointed out in our gatherings the case of an individual who appeared successively as a great prophet, a significant painter, and a great poet, and whose life always ended in premature death—because what this individual had to accomplish in three incarnations was possible only by having the incarnations cut short before the individual could fully immerse themselves in the second half of life. Herein lies the peculiar nature of the entanglement between individual human karma and the general karma of humanity.
[ 22 ] Wir können noch tiefer gehen und können im allgemeinen Menschheitskarma gewisse karmische Ursachen aufsuchen, welche sich in späteren Zeiten dann in ihren Wirkungen zeigen; da muß sich der einzelne Mensch wieder hineingestellt sehen in das Menschheitskarma. Wenn wir die nachatlantische Entwickelung in Betracht ziehen, haben wir die griechisch-lateinische Zeit in der Mitte liegend, voran ging ihr die ägyptisch-chaldäische Zeit, und ihr folgte die unsrige als der fünfte Kulturzeitraum. Auf unsere Zeit wird folgen eine sechste und dann eine siebente Kulturepoche. Aber auch bei anderer Gelegenheit habe ich schon darauf hingewiesen, daß in gewisser Beziehung ein Kreislauf stattfindet in der Aufeinanderfolge der verschiedenen Kulturen, so daß die griechisch-lateinische Kultur als eine besondere für sich dasteht, daß dann aber die ägyptisch-chaldäische Epoche in der unsrigen sich wiederholt. Nun habe ich auch schon in diesem Zyklus hervorgehoben, wie Kepler in unserer Kulturepoche lebte und wie früher dieselbe Individualität in einem ägyptischen Leibe lebte und damals unter dem Einfluß der ägyptischen Priesterweisen den Blick hinauflenken durfte zum Himmelsgewölbe, so daß ihr die Geheimnisse der Sterne wie von oben enthüllt wurden. Das brachte sie dann wieder heraus in ihrer KeplerInkarnation, die dort hingestellt worden ist, wo der fünfte Zeitraum den dritten in gewisser Weise wiederholt.
[ 22 ] We can go even deeper and identify certain karmic causes within the collective karma of humanity that will manifest their effects in later times; there, the individual must once again find himself placed within the collective karma of humanity. If we consider post-Atlantean development, we find the Greco-Latin period lying in the middle; it was preceded by the Egyptian-Chaldean period and followed by our own as the fifth cultural epoch. Our era will be followed by a sixth and then a seventh cultural epoch. But I have also pointed out on other occasions that, in a certain sense, a cycle takes place in the succession of the various cultures, such that the Greco-Latin culture stands apart as a distinct entity, while the Egyptian-Chaldean epoch is repeated in our own. Now, I have also already emphasized in this cycle how Kepler lived in our cultural epoch and how, in an earlier time, the same individuality lived in an Egyptian body and was then permitted, under the influence of the Egyptian priest-sages, to direct its gaze upward toward the vault of heaven, so that the mysteries of the stars were revealed to it as if from above. She then brought this knowledge forth again in her Kepler incarnation, which was placed there where the fifth epoch repeats the third in a certain way.
[ 23 ] Aber das geht noch weiter. Von der Geisteswissenschaft aus kann man wirklich behaupten, daß die Weltentwickelung und das Menschenleben von den meisten Menschen heute noch in rechter Blindheit angeschaut wird. Bis in die Einzelheiten hinein könnten Sie diese Entsprechungen, diese Wiederholungen, dieses Leben in Zyklen verfolgen. Wenn man einen gewissen Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung nimmt, der etwa in das Jahr 747 vor Christus fällt, so haben Sie darin eine Art Hypomochlion, eine Art Nullpunkt, und was vor und nach diesem Zeitpunkt liegt, entspricht sich in einer ganz bestimmten Weise. Wir können zurückgehen in eine Zeit der ägyptischen Entwickelung und finden dort gewisse Zeremonialgesetze und Gebote, welche als «Gebote der Götter» erschienen. Und das waren sie auch. Es waren Gebote, die sich darauf bezogen, daß der Ägypter zum Beispiel am Tage ganz bestimmte Waschungen, also durch Zeremoniengebräuche und rituelle Vorschriften geregelte Waschungen, vollziehen mußte. Und man sagte dem Ägypter, daß er nur leben könne, wie es die Götter wollen, wenn er an diesem oder jenem Tage so und so viele Waschungen vornimmt. Das war ein Göttergebot, das sich in gewissen Reinlichkeitskulten auslebte. Und wenn wir dann in eine etwas weniger reinliche Zeit in der Zwischenzeit kommen und jetzt wieder, in unserer Zeit, auf hygienische Maßregeln stoßen, wie sie jetzt aus materialistischen Gründen der Menschheit gegeben werden, so sehen wir bei uns richtig sich wiederholen, was in einer entsprechenden Zeit in Ägypten untergegangen ist. Ganz merkwürdig stellt sich die Erfüllung des Früheren im Gesamtkarma dar. Nur ist der Gesamtcharakter immer ein anderer. Kepler hatte in seiner ägyptischen Inkarnation den Blick hinaufgelenkt zum Sternenhimmel; und was diese Individualität dort sah, das prägte sie aus in den großen spirituellen Wahrheiten der ägyptischen Astrologie. Bei ihrer Wiederverkörperung in dem Zeitalter, dem der Beruf des Materialismus zufiel, prägte dieselbe Individualität diese Tatsachen unserem Zeitalter entsprechend — in den drei materialistisch gefärbten Keplerschen Gesetzen aus. — Im alten Ägypten waren die Gesetze der Reinigung «gottgeoffenbarte» Gesetze. Der Ägypter glaubte nur dadurch seine Pflicht der Menschheit gegenüber zu erfüllen, daß er bei jeder Gelegenheit in der unglaublichsten Weise für seine Reinigung Sorge trug. Das kommt heute wieder heraus, nur unter ganz materialistischen Gedankeneinflüssen. Der Mensch von heute denkt nicht daran, daß er den Göttern dient, wenn er solche Vorschriften beobachtet, sondern daß er sich selbst dient. Aber es kommt das Frühere wieder heraus.
[ 23 ] But it goes even further. From the perspective of Spiritual Science, one can truly say that most people today still view world development and human life with utter blindness. You could trace these correspondences, these repetitions, this life in cycles down to the finest details. If one takes a certain point in human development—which falls around the year 747 B.C.—one finds in it a kind of hypomochlion, a kind of zero point, and what lies before and after this point corresponds to one another in a very specific way. We can go back to a time in Egyptian development and find there certain ceremonial laws and commandments that appeared as “commandments of the gods.” And that is exactly what they were. They were commandments that required the Egyptians, for example, to perform very specific ablutions during the day—ablutions regulated by ceremonial customs and ritual prescriptions. And the Egyptians were told that they could only live as the gods intended if they performed a certain number of ablutions on this or that day. This was a divine commandment that found expression in certain purity cults. And when we then enter a somewhat less hygienic period in the interim, and now again, in our own time, encounter hygienic measures such as those currently prescribed to humanity for materialistic reasons, we see within ourselves a true repetition of what was lost in a corresponding era in Egypt. The fulfillment of what came before in the overall karma presents itself in a most remarkable way. Only the overall character is always different. In his Egyptian incarnation, Kepler had turned his gaze upward toward the starry sky; and what this individuality saw there, it shaped into the great spiritual truths of Egyptian astrology. In its reincarnation during the age dominated by materialism, the same individuality expressed these truths in a manner appropriate to our age—in the three materialistically colored Keplerian laws. —In ancient Egypt, the laws of purification were “divinely revealed” laws. The Egyptians believed they fulfilled their duty to humanity only by taking care of their purification in the most incredible ways at every opportunity. This is emerging again today, though under entirely materialistic influences. People today do not think that they are serving the gods when they observe such rules, but rather that they are serving themselves. Yet the ancient tradition is reemerging.
[ 24 ] So erfüllt sich alles in der Welt, und zwar in gewissem Sinne ganz zyklisch. Und jetzt werden Sie ahnen, daß es mit den Dingen, die wir das letzte Mal in einem Widerspruch zusammen formuliert haben, sich doch nicht so einfach verhält, wie man anzunehmen geneigt ist. Wenn in einer bestimmten Zeit die Menschen nicht in der Lage waren, gegen Epidemien gewisse Maßregeln zu ergreifen, so waren das die Zeiten, wo es die Menschen deshalb nicht konnten, weil die Epidemien nach dem allgemeinen weisheitsvollen Weltenplan wirken sollten, damit die Menschenseelen Gelegenheit fanden, auszugleichen, was durch den ahrimanischen Einfluß und durch gewisse frühere luziferische Einflüsse bewirkt worden war. Wenn jetzt andere Bedingungen herbeigeführt werden, so unterliegt das wieder ebenfalls bestimmten großen karmischen Gesetzen. Wir können daraus entnehmen, daß wir diese Fragen wahrhaftig nicht oberflächlich betrachten dürfen.
[ 24 ] Thus, everything in the world comes full circle—and, in a certain sense, in a completely cyclical manner. And now you may suspect that the matters we summarized together last time as a contradiction are not, after all, as simple as one might be inclined to assume. If, at a certain time, people were unable to take certain measures against epidemics, those were times when they could not do so because the epidemics were meant to act according to the general, wise plan of the world, so that human souls might find an opportunity to make amends for what had been brought about by the Ahrimanic influence and by certain earlier Luciferic influences. If different conditions are now brought about, this, too, is subject to certain great karmic laws. We can conclude from this that we truly must not view these questions superficially.
[ 25 ] Wie stimmt das nun zusammen: Wir sagten, wenn der Mensch die Gelegenheit aufsucht, um eine Epidemie, eine Infektion aufzunehmen, so ist das die notwendige Gegenwirkung gegen eine frühere karmische Ursache. Dürfen wir nun hygienische und andere Maßregeln dagegen ergreifen?
[ 25 ] How does this all fit together: We said that when a person seeks out an opportunity to contract an epidemic or an infection, this is the necessary counteraction to a previous karmic cause. Are we then allowed to take hygienic and other measures to prevent this?
[ 26 ] Die Frage ist tief, und wir müssen erst das richtige Material herbeitragen, um sie zu entscheiden. Wir müssen uns klar sein, daß da, wo ob gleichzeitig oder in längeren Zeiträumen — das luziferische und das ahrimanische Prinzip zusammenwirken oder wo sie sich entgegenwirken, gewisse Komplikationen im menschlichen Leben eintreten. Und diese Komplikationen wirken so, daß sie uns in den verschiedensten Fällen in der mannigfaltigsten Art entgegentreten, so daß wir nicht zwei Fälle in der gleichen Art sehen werden. Wenn wir aber das menschliche Leben studieren, werden wir uns in folgender Weise dabei hindurchfinden: Wenn wir das Zusammenwirken von Luzifer und Ahriman aufsuchen in dem entsprechenden einzelnen Fall, so werden wir überall einen Faden finden, um durch diesen Zusammenhang hindurchzukommen. Wir müssen aber dabei scharf unterscheiden zwischen dem inneren und dem äußeren Menschen. Wir mußten heute schon scharf unterscheiden zwischen dem, was sich in der Verstandesseele auslebt, und dem, was als Wirkung der Verstandesseele sich im Ätherleibe zeigt. Wir müssen den Fortgang betrachten, in welchem Karma sich vollzieht, und wir müssen uns zugleich klar sein, daß wir aber doch wieder die Möglichkeit haben, durch entsprechende karmische Einflüsse so auf das Innere zu wirken, daß durch das Innere ein anderer karmischer Ausgleich in der Zukunft vorbereitet wird. Dadurch ist es möglich, daß nun dieses eintreten kann:
[ 26 ] The question is profound, and we must first gather the proper material to resolve it. We must be clear that wherever—whether simultaneously or over longer periods of time—the Luciferic and Ahrimanic principles interact or oppose one another, certain complications arise in human life. And these complications manifest in such a way that they confront us in the most diverse cases and in the most varied forms, so that no two cases will appear alike. But when we study human life, we will find our way through it in the following manner: When we examine the interplay of Lucifer and Ahriman in a particular case, we will find a thread everywhere that allows us to navigate through this interconnection. However, we must make a sharp distinction between the inner and the outer human being. We have already had to make a sharp distinction today between what plays out in the intellectual soul and what manifests in the etheric body as an effect of the intellectual soul. We must observe the course in which karma unfolds, and at the same time we must be clear that we nevertheless have the possibility, through corresponding karmic influences, to act upon the inner being in such a way that, through the inner being, a different karmic balance is prepared for the future. Through this, it becomes possible for the following to occur:
[ 27 ] Es kann der Mensch ganz besonders in einem früheren Leben durch Empfindungen, Gefühle und so weiter durchgegangen sein, die ihn zur Lieblosigkeit gegen seine Nächsten getrieben haben. Denken wir uns zum Beispiel, daß er durch etwas hindurchgegangen ist, wo er durch karmische Wirkung die Lieblosigkeit in sich aufgenommen hat. Es kann durchaus so sein, daß wir, wie auf absteigender Linie fortfahrend, das Böse erzeugen, daß wir also erst auf einer absteigenden Bahn gehen, damit die entgegengesetzte Spannkraft entwickelt wird, um dann wieder aufzusteigen. Nehmen wir also an, ein Mensch hat sich durch Hingabe an gewisse Einflüsse zu einer gewissen Lieblosigkeit hingeneigt; dann tritt die Lieblosigkeit in einem späteren Leben als karmische Wirkung ein und bildet innere Kräfte in seiner Organisation aus. Nun können wir ein Zweifaches tun, bewußt oder auch nicht bewußt; denn unsere Kultur ist noch nicht so weit, es bewußt zu tun. Wir werden bei einem solchen Menschen Vorsorge treffen können, daß jene Eigenschaften in seiner Organisation, welche von der Lieblosigkeit kommen, herausgetrieben werden. Wir können da etwas tun, was ein Gegenmittel ist gegen die Wirkung in der äußeren Organisation, die sich als Lieblosigkeit zeigt; aber es wird damit noch nicht immer alle Lieblosigkeit in der Seele aufgehoben sein, es wird nur das äußere Organ der Lieblosigkeit fortgeschafft sein. Denn wenn wir weiter nichts tun, haben wir nur halbe Arbeit geleistet, vielleicht auch gar keine. Wir haben vielleicht dem Menschen physisch, äußerlich geholfen; seelisch aber haben wir ihm nicht geholfen. Indem wir ihm in der äußeren Leiblichkeit das Organ für die Lieblosigkeit fortgenommen haben, kann er jetzt die Lieblosigkeit nicht ausleben; er muß sie in seiner inneren Organisation behalten für eine nächste Inkarnation.
[ 27 ] A person may, especially in a previous life, have gone through experiences—such as sensations, feelings, and so on—that drove them to act unkindly toward their neighbors. Let us imagine, for example, that they went through a situation in which, through karmic effect, they absorbed this lack of love within themselves. It may well be that, as we continue along a descending path, we generate evil—that is, we first follow a downward trajectory so that the opposing force can develop, enabling us to rise again. So let us assume that a person, through devotion to certain influences, has inclined toward a certain kind of lack of love; then this lack of love manifests in a later life as a karmic effect and shapes inner forces within his constitution. Now we can do two things, either consciously or unconsciously; for our culture has not yet advanced far enough to do this consciously. We will be able to take precautions with such a person to ensure that those qualities in their constitution which stem from unkindness are driven out. We can do something there that serves as an antidote to the effect in the outer constitution that manifests as unkindness; but this will not always eliminate all unkindness in the soul—it will only remove the outer manifestation of unkindness. For if we do nothing further, we have done only half the work—perhaps none at all. We may have helped the person physically, outwardly; but we have not helped them spiritually. By removing the organ for unkindness from their outer physical body, they can no longer act out that unkindness; they must retain it within their inner constitution for a future incarnation.
[ 28 ] Nehmen wir an, eine ganze Anzahl von Menschen hätte sich wegen Lieblosigkeit gegen die Menschen hingezogen gefühlt, gewisse Infektionsstoffe aufzunehmen, um einer Epidemie zu verfallen. Nehmen wir weiter an, wir könnten gegen die Epidemie etwas tun. Wir würden dann in einem solchen Falle die äußere Leiblichkeit davor bewahren, die Lieblosigkeit zum Ausdruck zu bringen, aber wir würden dadurch noch nicht die innere Neigung zur Lieblosigkeit fortgeschafft haben. Denken wir uns aber den Fall so, daß wir, wenn wir das äußere Organ der Lieblosigkeit fortschaffen, die Verpflichtung übernehmen, auf die Seele so zu wirken, daß wir auch der Seele die Neigung zur Lieblosigkeit nehmen. Das Organ der Lieblosigkeit wird im eminenten Sinne getötet — im äußeren leiblichen Sinne — in der Pockenimpfung. Da zeigt sich zum Beispiel folgendes, was geisteswissenschaftlich erforscht ist: In einer Kulturperiode traten die Blattern auf, als die allgemeine Neigung bestand, im höheren Maße Egoismus, Lieblosigkeit zu entwickeln. Da traten die Blattern auf, auch in der äußeren Organisation; das ist so. Man ist in der Theosophie durchaus verpflichtet, die Wahrheit zu sagen.
[ 28 ] Let us assume that, out of a lack of love for others, a large number of people felt compelled to ingest certain infectious agents in order to fall victim to an epidemic. Let us further assume that we could do something to combat the epidemic. In such a case, we would prevent the outer physical body from expressing that lack of love, but we would not thereby have eliminated the inner inclination toward lack of love. But let us consider the case where, by eliminating the external organ of lovelessness, we take on the responsibility to influence the soul in such a way that we also remove the soul’s inclination toward lovelessness. The organ of lovelessness is, in the highest sense—in the external, physical sense—eliminated through smallpox vaccination. Here, for example, is what Spiritual Science has revealed: During a certain cultural period, smallpox broke out when there was a general tendency to develop a higher degree of selfishness and lack of love. That is when smallpox appeared, even in the external physical organization; this is a fact. In theosophy, one is absolutely bound to speak the truth.
[ 29 ] Nun können wir es begreifen, daß in unserer Zeit der Impfschutz aufgetreten ist. Wir können aber noch etwas anderes begreifen, daß nämlich bei den besten Geistern unserer Zeit etwas wie ein Widerwille gegen Impfung vorhanden ist. Das steht mit einem Inneren in Korrespondenz, das ist das Äußere eines Inneren. Und wir können jetzt sagen: Wenn wir auf der einen Seite das Organ töten, hätten wir auch die Verpflichtung, als Gegenstück dazu bei diesem Menschen den materialistischen Charakter durch eine entsprechende spirituelle Erziehung anders zu gestalten. Das müßte das notwendige Gegenstück sein. Wir leisten sonst nur halbe Arbeit. Ja, wir leisten nur eine Arbeit, zu der der Mensch selber in einer späteren Inkarnation in irgendeiner Weise wird das Gegenstück schaffen müssen, wenn er das Pockengift in sich hat und die Eigenschaft aus sich herausgeschafft hat, durch die man geradezu hinneigt zur Blatternerkrankung. Hat man die Empfänglichkeit für die Blattern herausgeschafft, so hat man nur die äußere Seite der karmischen Wirksamkeit ins Auge gefaßt. Wenn man auf der einen Seite Hygiene übt, muß man anderseits die Verpflichtung fühlen, den Menschen, deren Organisation man umgewandelt hat, auch etwas für die Seele zu geben. Impfung wird keinem Menschen schaden, welcher nach der Impfung im späteren Leben eine spirituelle Erziehung erhält. Wir haben die Waagschale zu stark zum Sinken gebracht, wenn wir nur auf die eine Seite abzielen und auf die andere keinen Wert legen. Das fühlt man im Grunde in den Kreisen, wo man sagt: Wo hygienische Maßregeln zu weit gehen,würden nur schwache Naturen fortgepflanzt. Das ist zwar unberechtigt; aber Sie sehen, wesentlich ist, daß man eine Aufgabe nicht ohne die andere übernehmen darf.
[ 29 ] Now we can understand why vaccination has emerged in our time. But we can also understand something else: namely, that even among the finest minds of our time there exists a kind of aversion to vaccination. This corresponds to an inner state; it is the outward expression of an inner reality. And we can now say: If, on the one hand, we destroy the organ, we would also have the obligation, as a counterpart to this, to reshape that person’s materialistic character through appropriate spiritual education. That would have to be the necessary counterpart. Otherwise, we are only doing half the work. Indeed, we are only doing work for which the person himself will have to create the counterpart in some way in a later incarnation, if he carries the smallpox virus within him and has developed the predisposition that makes him particularly susceptible to smallpox. If one has eliminated susceptibility to smallpox, one has addressed only the outer aspect of karmic effect. If, on the one hand, one practices hygiene, one must, on the other hand, feel the obligation to give something for the soul to the people whose constitution one has transformed. Vaccination will not harm anyone who, after vaccination, receives a spiritual education later in life. We have tipped the scales too far if we focus solely on one side and attach no value to the other. This sentiment is essentially felt in circles where it is said: Where hygienic measures go too far, only weak constitutions would be passed on. While this is certainly unjustified, you see, the essential point is that one must not undertake one task without the other.
[ 30 ] Da kommen wir zu einem wichtigen Gesetz in der Menschheitsentwickelung, das so wirkt, daß immer ein Äußeres und ein Inneres sich die Waage halten müssen und daß man nicht bloß auf das eine sehen darf, sondern auch das andere nicht unberücksichtigt bleiben darf. Da sehen wir in einen großen Zusammenhang hinein und sind jetzt noch nicht einmal zur Behandlung der Frage gekommen: Wie verhalten sich Hygiene und Karma zueinander? Sie werden sehen, daß uns die Beantwortung dieser Frage noch tiefer hineinführt in das Karma. Und wir werden noch sehen, wie auch zwischen der Geburt und dem Tode des Menschen karmische Zusammenhänge bestehen und ferner, wie andere Persönlichkeiten hineinspielen in ein Menschenleben und wie sich der freie Wille des Menschen und das Karma im Einklange befinden.
[ 30 ] This brings us to an important law in human evolution, which operates in such a way that the outer and the inner must always be in balance, and that one must not focus solely on one aspect while neglecting the other. Here we are looking into a broader context, and we have not even yet gotten to addressing the question: How do hygiene and karma relate to one another? You will see that the answer to this question leads us even deeper into the realm of karma. And we will also see how karmic connections exist between a person’s birth and death, and furthermore, how other personalities play a role in a human life and how a person’s free will and karma are in harmony.
