Excursions into the Subject of
the Gospel of Mark
GA 124
12 December 1910, Munich
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Excursions into the Subject of the Gospel of Mark, tr. SOL
Elfter Vortrag
Eleventh Lecture
[ 1 ] Im Laufe der Jahre sind in den verschiedenen Zweigen bei den verschiedenen Kursen, jedenfalls auch vor einem großen Teile der anthroposophischen Freunde, die hier sitzen, Betrachtungen über das Johannes-Evangelium, das Lukas-Evangelium, das Matthäus-Evangelium angestellt worden, und wir haben versucht, bei diesen Betrachtungen über die drei Evangelien vor unser geistiges Auge treten zu lassen von drei verschiedenen Seiten aus, gleichsam auf drei verschiedene Arten, das große Ereignis von Palästina, das Mysterium von Golgatha. Und es sind diese Betrachtungen vielleicht doch geeignet gewesen, eine immer steigende Hochschätzung dieser einzigartigen Ereignisse in unserer Seele zu begründen. Wir haben ja auch schon darauf aufmerksam gemacht, wie der Grund, warum wir vier Evangelien haben, im wesentlichen doch darin zu suchen ist, daß die Evangelienschreiber als inspirierte Okkultisten darstellen wollten das große Ereignis, jeder sozusagen von einer Seite aus, wie man irgend etwas Äußerliches abbildet oder photographiert von einem Standpunkte aus. Und wenn man Aufnahmen eines Dinges macht von verschiedenen Seiten her, so kann man durch Kombinationen dessen, was die Aufnahmen ergeben können, gleichsam durch Zusammenschauen vor die Seele rücken, was eigentliche Wirklichkeit, Realität ist. Jeder der Evangelisten gibt uns eigentlich Anlaß, das große Ereignis von Palästina von einer ganz besonderen Seite her zu betrachten.
[ 1 ] Over the years, in the various branches and in the various courses—and certainly also before a large number of the anthroposophical friends sitting here—reflections have been made on the Gospel of John, the Gospel of Luke, and the Gospel of Matthew, and in these reflections on the three Gospels, we have sought to bring before our inner eye—from three different perspectives, as it were, in three different ways—the great event in Palestine, the Mystery of Golgotha. And perhaps these reflections have indeed served to foster an ever-growing appreciation of these unique events within our souls. We have, after all, already pointed out that the reason we have four Gospels is essentially to be found in the fact that the Gospel writers, as inspired occultists, wanted to portray the great event—each, so to speak, from a different angle—just as one depicts or photographs something external from a single vantage point. And when one takes photographs of an object from different angles, one can, by combining what the photographs reveal—as it were, by viewing them together—bring before the soul what is actual reality. Each of the Evangelists actually gives us occasion to view the great event in Palestine from a very special perspective.
[ 2 ] Von einer Seite her, die wir zugleich nennen können die Eröffnung der höchsten menschlichen, okkulten und sonstigen Ziele, und neben diesem höchsten Menschlichen auch berücksichtigend das höchste Weltenprinzip, von dieser Seite her gibt uns das Johannes-Evangelium einen Einblick in die großen Ereignisse von Palästina.
[ 2 ] From a perspective that we might also call the unveiling of the highest human, occult, and other goals—and while also taking into account, alongside this highest human aspect, the highest cosmic principle—from this perspective, the Gospel of John offers us insight into the great events in Palestine.
[ 3 ] Das Lukas-Evangelium eröffnet uns einen Ausblick auf die Geheimnisse, welche die Persönlichkeit des Jesus von Nazareth, des salomonischen und des nathanischen Jesus, umschweben bis zu dem Moment, da die große Inspiration des Jesus von Nazareth durch den Christus eingetreten ist.
[ 3 ] The Gospel of Luke offers us a glimpse into the mysteries that surround the personality of Jesus of Nazareth—the Solomonic and Nathanic Jesus—until the moment when the great inspiration of Jesus of Nazareth came through the Christ.
[ 4 ] Das Matthäus-Evangelium hat für diejenigen, die den Zyklus entweder gehört haben, als er vorgetragen wurde, oder die ihn später lesen werden, zu zeigen, wie sozusagen aus dem Volkstum des alten Hebräertums heraus, aus den Volksgeheimnissen des hebräischen Volkes heraus, sich vorbereitet sozusagen das physische Leibesprinzip, in welches inkarniert werden sollte für drei Jahre das ChristusPrinzip.
[ 4 ] The Gospel of Matthew is intended to show—for those who either heard the cycle when it was presented or who will read it later—how, so to speak, out of the folk traditions of ancient Hebrew culture, out of the folk mysteries of the Hebrew people, the physical, corporeal principle is prepared, so to speak, into which the Christ principle was to be incarnated for three years.
[ 5 ] In einer gewissen Beziehung ist nun eigentlich wiederum das Markus-Evangelium dasjenige, das uns in die höchsten Höhen geisteswissenschaftlicher christlicher Betrachtungsweise führen kann, und durch das Markus-Evangelium wird uns Gelegenheit geboten, in manches hineinzuschauen, was uns mitgeteilt werden soll gerade durch die Evangelien, was uns aber durch die anderen Evangelien nicht in solcher Weise nahegebracht wird, wie eben durch das Markus-Evangelium. Und einige Worte, weil gerade die Gelegenheit noch ist, in Anknüpfung an das Markus-Evangelium heute schon zu Ihnen zu sprechen, das habe ich mir für diesen Abend zur Aufgabe gesetzt.
[ 5 ] In a certain sense, it is actually the Gospel of Mark that can lead us to the highest heights of a spiritual-scientific Christian perspective, and through the Gospel of Mark we are given the opportunity to gain insight into many things that are meant to be communicated to us specifically through the Gospels, but which are not conveyed to us in the same way by the other Gospels as they are by the Gospel of Mark. And since the opportunity still presents itself to speak to you today in connection with the Gospel of Mark, I have set myself the task of saying a few words on this subject this evening.
[ 6 ] Nun müssen wir allerdings, wenn wir darüber sprechen, uns klar werden, wie sehr es notwendig ist, in mancherlei hineinzublicken, in das hineinzublicken die oberflächliche Welt der Gegenwart keine rechte Neigung hat. Wenn man das Markus-Evangelium und alle seine Tiefen verstehen soll, dann muß man sich bekanntmachen mit der ganz andersartigen Ausdrucksweise des Menschen zu der Zeit, als der Christus Jesus noch auf Erden wandelte. Nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich versuche, durch eine deutliche Schattierung, ein deutliches Helldunkel, Ihnen das zu sagen, was ich Ihnen eigentlich mit diesem sagen will.
[ 6 ] However, when we speak of this, we must realize just how necessary it is to look into certain matters—matters that the superficial world of today has little inclination to examine. If one is to understand the Gospel of Mark and all its depths, one must familiarize oneself with the very different manner of expression used by people at the time when Jesus Christ still walked the earth. Please do not take it amiss if I try to convey to you, through clear shading—a distinct interplay of light and dark—what I actually wish to say with this.
[ 7 ] Wir drücken durch die Sprache das aus, was wir eben sagen wollen, und in den Worten der Sprache soll das in einer gewissen Weise veranschaulicht werden, was in unserer Seele lebt. In der Art, durch die Sprache auszudrücken, was in unserer Seele lebt, unterscheiden sich die verschiedenen Epochen der Menschheitsentwickelung gar sehr. Und wenn wir zurückgehen würden in die Epoche der althebräischen Entwickelung, zu jener wunderbaren Ausdrucksweise, die noch möglich war in der althebräischen Tempelsprache, da würden wir eine ganz andere Art finden, die Geheimnisse unserer Seele in Worte zu kleiden, als die Menschen heute auch nur ahnen. Wenn ein Wort angeschlagen wurde in der althebräischen Sprache - es wurden ja nur die Konsonanten geschrieben, die Vokale wurden dann ergänzt -, so tönte in dieses Wort hinein nicht nur das, was heute hineintönt, ein ziemlich abstrakter Begriff, sondern eine ganze Welt. Und gerade deshalb wurden die Vokale nicht eigentlich ausgeschrieben, weil derjenige, der das sprach, gerade in der Art und Weise der Vokalisierung sein Innerstes gab, während in den Konsonanten mehr die Schilderung, die Abmalung dessen, was draußen ist, lag. Man darf sagen, daß zum Beispiel ein alter Hebräer, wenn er ein B hinzeichnete - das, was unserem heutigen B entspricht -, immer so etwas fühlte wie eine Abmalung von äußeren Verhältnissen, von etwas, das eine warme, hüttenartige Umschließung bildet. Der Buchstabe B rief immer hervor das Bild von etwas, was hausartig ein Wesen umschließen kann. Man konnte das B nicht aussprechen, ohne daß das in der Seele lebte. Und wenn man ein A vokalisierte, so konnte man das nicht, ohne daß in dem A etwas lebte von Stärke, von Kraft, ja selbst von hinstrahlender Kraft. So lebte die Seele weiter; es schwebte der Seeleninhalt mit den Worten hinaus und schwebte weiter in den Raum und schwebte zu den anderen Seelen hin. Also es war eine viel lebendigere Sache, das Sprachliche. Es ging viel mehr auf die Geheimnisse des Daseins ein als unsere Sprache.
[ 7 ] Through language, we express what we wish to say, and the words of language are meant to illustrate, in a certain way, what lives within our souls. The various epochs of human development differ greatly in the way they use language to express what lives within our souls. And if we were to go back to the epoch of ancient Hebrew development, to that marvelous mode of expression that was still possible in the ancient Hebrew temple language, we would find a completely different way of clothing the mysteries of our soul in words than people today can even begin to imagine. When a word was spoken in the ancient Hebrew language—since only the consonants were written, and the vowels were then added—what resounded within that word was not merely what resounds within it today—a rather abstract concept—but an entire world. And that is precisely why the vowels were not actually written out: because the speaker expressed his innermost being through the very manner of vocalization, whereas the consonants conveyed more of a description, a depiction of what lies outside. One might say, for example, that when an ancient Hebrew wrote a B—the letter corresponding to our modern B—he always felt something like a depiction of external conditions, of something that forms a warm, hut-like enclosure. The letter B always evoked the image of something that, like a house, can enclose a being. One could not pronounce the “B” without this living within the soul. And when one vocalized an “A,” one could not do so without there being something alive within the “A”—something of strength, of power, indeed, of radiant power. Thus the soul lived on; the soul’s content floated out with the words and continued to float into space and toward other souls. So language was a much more vibrant thing. It delved much more deeply into the mysteries of existence than our language does.
[ 8 ] Das ist das Licht, das ich Ihnen hinmalen möchte. Und den Schatten möchte ich dagegenstellen: daß wir in unserer Zeit in dieser Beziehung in hohem Grade Philister geworden sind. Unsere Sprache drückt nur noch Abstrakta, Allgemeinheiten aus. Das fühlen die Menschen gar nicht mehr. Sie drückt wirklich im Grunde genommen nur mehr Philiströses aus. Wie sollte es auch anders sein in einer Zeit, wo die Menschen anfangen, die Sprache sogar schriftstellerisch zu handhaben, lange bevor sie einen geistigen Inhalt haben; in einer Zeit, wo so unendlich viel als Druckware in die breite Masse hineingeht, wo jeder glaubt, etwas schreiben zu müssen, wo alles zum Gegenstand des Schreibens genommen wird. Ich habe erleben müssen, daß sich bei der Gründung unserer Gesellschaft Schriftsteller aus Neugierde einfanden, die die Absicht gehabt haben, vielleicht nur einen Roman herausziehen zu können aus dieser Sache. Warum sollte es da nicht Gestalten geben, die man verzapfen kann in öffentlicher Schriftstellerei? Also wir müssen uns klar sein, daß wir im Gegensatz zu der Art und Weise, wie man über Sprache dachte als über etwas Heiliges, demgegenüber man die Verantwortung hat, daß der Gott daraus sprechen soll -, daß wir eine Sprache haben, die abstrakt, leer, philiströs geworden ist. Daher ist es so unendlich schwierig, jene großen, gewaltigen Tatsachen, die uns mitgeteilt werden und anklingen zum Beispiel in den Evangelien, in heutige Worte hineinzupressen. Warum sollte auch der heutige Mensch nicht glauben, daß man alles in unserer Sprache geben kann! Er kann nicht verstehen, daß unsere Sprache irgend etwas sagt, was leer ist gegenüber dem, was selbst noch die griechische Sprache mit einem Worte meinte. Und wenn wir heute die Bibel lesen, lesen wir etwas, was gegenüber dem ursprünglichen Inhalte einmal gesiebt, zweimal gesiebt, dreimal gesiebt ist, aber so gesiebt ist, daß nicht das Beste, sondern daß immer das Schlechteste bleibt. Daher ist es natürlich billig, sich in einer gewissen Weise auf die heutigen Worte der Bibel zu berufen. Aber am schlechtesten kommen wir weg, wenn wir uns beim Markus-Evangelium auf die Bibel berufen, wie sie uns heute vorliegt. Das dürfen wir auf keinen Fall.
[ 8 ] That is the light I would like to paint for you. And I would like to set this in contrast with the shadow: that in our time, we have become philistines to a great degree in this regard. Our language now expresses only abstractions and generalities. People no longer feel this at all. In essence, it really expresses nothing but philistine ideas. How could it be otherwise in an age when people are beginning to use language—even in literary writing—long before they have any intellectual substance; in an age when so much is churned out as mass-produced material for the general public, when everyone believes they must write something, when everything is taken as a subject for writing. I have had to witness how, when our society was founded, writers turned up out of curiosity, intending perhaps only to squeeze a novel out of the whole affair. Why shouldn’t there be characters that one can cobble together in public writing? So we must be clear that, in contrast to the way language used to be thought of as something sacred—toward which one bears the responsibility that God should speak through it—we now have a language that has become abstract, empty, and philistine. That is why it is so incredibly difficult to squeeze those great, powerful truths—which are communicated to us and resonate, for example, in the Gospels—into today’s words. Why shouldn’t people today believe that everything can be expressed in our language! They cannot understand that our language conveys something that is empty compared to what even the Greek language meant with a single word. And when we read the Bible today, we read something that, compared to the original content, has been sifted once, twice, three times—but sifted in such a way that not the best, but always the worst remains. Therefore, it is, of course, easy to invoke the Bible’s modern wording in a certain way. But we fare the worst when, in the case of the Gospel of Mark, we invoke the Bible as it stands before us today. We must not do that under any circumstances.
[ 9 ] Nun wissen Sie, daß das Markus-Evangelium bei den ersten Worten zur Grundlage die Worte hat, welche die als vorzüglich geltende Übersetzung von Weizsäcker, die aber - man könnte sich das schon denken, weil sie eben heute als so vorzüglich angesehen wird — gar nicht so vorzüglich ist, folgendermaßen gibt: «Wie geschrieben steht in dem Propheten Jesajas: Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der soll dir den Weg bereiten. Hört, wie es ruft in der Wüste: bereitet den Weg des Herrn, macht eben seine Pfade.»
[ 9 ] Now you know that the Gospel of Mark, in its opening words, is based on the translation by Weizsäcker—which is considered excellent but, as one might expect given that it is regarded as so excellent today, is not actually all that excellent—as follows: “As it is written in the prophet Isaiah: ‘Behold, I send my messenger ahead of you, who will prepare your way. Listen, a voice cries out in the wilderness: “Prepare the way of the Lord; make his paths straight.”’
[ 10 ] Ehrliche Menschen müßten im Grunde genommen, wenn das Markus-Evangelium in dieser Weizsäckerschen Übersetzung so beginnt, sich sagen: Ich verstehe von alledem kein Wort, denn der, der das verstehen will, muß sich etwas vormachen. Wer ehrlich zu Werke geht, kann gar nichts verstehen, wenn gesagt wird: «Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der soll dir den Weg bereiten, hört, wie es ruft in der Wüste: bereitet den Weg des Herrn, macht eben seine Pfade.» Denn entweder ist eine Trivialität gesagt, oder aber es ist irgend etwas gesagt, was man nicht verstehen kann. Nun muß man allerdings erst die Begriffe zusammentragen, die es möglich machen, zu verstehen einen solchen Ausspruch, wie der des Jesajas hier ist. Denn Jesajas wies hin auf das große gewaltige Ereignis, das das bedeutsamste Ereignis der Menschheitsentwickelung sein sollte. Auf was wies er eigentlich hin? Nun, wir können aus dem, was wir schon beschrieben haben, sehr wohl auf das hindeuten, was Jesajas voraussagte; wir können hindeuten, indem wir sagen:
[ 10 ] If the Gospel of Mark begins this way in Weizsäcker’s translation, honest people would really have to say to themselves: I don’t understand a word of any of this, for anyone who wants to understand it must be deluding themselves. Anyone who approaches this honestly cannot understand a thing when it is said: “Behold, I send my messenger ahead of you, who shall prepare the way for you; hear, as it is proclaimed in the wilderness: Prepare the way of the Lord, make his paths straight.” For either a triviality is being stated, or something is being said that cannot be understood. Now, however, one must first gather the concepts that make it possible to understand a statement such as Isaiah’s here. For Isaiah pointed to the great and momentous event that was to be the most significant event in human development. What exactly was he pointing to? Well, based on what we have already described, we can very well point to what Isaiah foretold; we can point to it by saying:
[ 11 ] In uralten Zeiten hatte der Mensch eine Art Hellsehen. Er hatte eine Möglichkeit, hineinzuwachsen mit seinen Seelenkräften in die geistig-göttliche Welt. Was war denn eigentlich mit dem Menschen der Fall, wenn er also hineinwuchs in die göttlich-geistige Welt? Das war der Fall, wenn er hineinwuchs in die göttlich-geistige Welt, daß er aufhörte, sein «Ich» zu gebrauchen, soweit es dazumal schon entwickelt war; er gebrauchte seinen astralischen Leib, und in diesem waren die Kräfte, welche Seherkräfte, Schaukräfte waren, während alle die Kräfte, die im Ich sitzen, an der Wahrnehmung der physischen Welt zunächst allmählich erweckt wurden. Das Ich ist es, das sich der sinnlichen Werkzeuge bedient. Der alte Mensch gebrauchte aber, wenn er Aufklärung sich verschaffen wollte über die Welt, seinen astralischen Leib. Also im Astralleib sah, nahm wahr der alte Mensch. Und darin besteht die Fortentwickelung, daß Sie finden den Übergang vom Astralleib zum Gebrauch des Ich. Und in bezug auf dieses Ich sollte der Christus-Impuls der intensivste Impuls sein. Wenn aufgenommen werden sollte in das Ich der Christus so, daß das Wort des Paulus wahr ist: Nicht ich, sondern der Christus in mir, — dann hat das Ich die Kraft, hineinzuwachsen in die geistige Welt durch sich selber. Früher konnte dies nur der Astralleib.
[ 11 ] In ancient times, human beings possessed a kind of clairvoyance. They had the ability to grow into the spiritual-divine world through their soul forces. What actually happened to a person when they grew into the spiritual-divine world? What happened when they entered the divine-spiritual world was that they ceased to use their “I”—to the extent that it had already developed at that time; instead, they used their astral body, which contained the powers of vision and perception, while all the powers residing in the “I” were gradually awakened, at first, to the perception of the physical world. It is the “I” that makes use of the sensory organs. But the old human being, when seeking to gain insight into the world, used his astral body. Thus, the old human being saw and perceived through the astral body. And the further development consists in this: you find the transition from the astral body to the use of the “I.” And with regard to this “I,” the Christ impulse should be the most intense impulse. If Christ were to be received into the “I” in such a way that Paul’s words are true—“Not I, but Christ in me”—then the “I” has the power to grow into the spiritual world through itself. Previously, only the astral body could do this.
[ 12 ] So haben wir eine Entwickelung der Menschheit also vor uns, so, daß wir sagen können: Der Mensch gebrauchte als Erkenntnisorgan seinen Astralleib, und immer mehr und mehr verlor er im Astralleib die Möglichkeit, überhaupt ein Erkenntnisorgan darin zu entwickeln. Es gab, gerade eben je mehr man sich dem Christus-Ereignis näherte, die Entwickelungsstufe, daß der Mensch sich sagen mußte: Mein Astralleib hat immer weniger und weniger die Möglichkeit, in die geistige Welt hineinzuschauen. Es wurde nichts mehr mit seiner Verbindung mit der geistigen Welt, und das Ich war noch nicht kraftvoll genug, um seinerseits irgend etwas an Aufklärung aus der Welt zu bekommen. Das war das Zeitalter, wo Christus sozusagen herannahte.
[ 12 ] Thus we have before us a development of humanity such that we can say: Human beings used their astral body as an organ of cognition, and increasingly they lost the ability to develop any organ of cognition within the astral body at all. Precisely as people drew closer to the Christ event, there came a stage in their development when they had to admit: “My astral body has less and less ability to look into the spiritual world.” His connection to the spiritual world had come to nothing, and the “I” was not yet powerful enough to gain any insight from the world on its own. That was the age when Christ, so to speak, was approaching.
[ 13 ] Nun handelt es sich in der wirklichen Entwickelung der Menschheit darum, daß gewisse große Fortschritte nach und nach vorbereitet werden und dann eben eintreten. So war es auch beim Christus-Impuls. Es mußte aber einen Übergang geben. Es konnte die Sache nicht so verlaufen, daß der Mensch sah, wie sein Astralleib nach und nach stumpf für die geistige Welt wurde, so daß er vollständige Öde und Wüstheit in sich gefühlt hätte, bis das Ich entzündet wurde durch den Christus-Impuls. So durfte es doch nicht kommen. Sondern bei einigen geschah es so, daß sie durch einen besonderen Einfluß der geistigen Welt schon im Astralleib etwas Ähnliches sahen, wie man es später durch das Ich erkennen und sehen sollte. Es wurde im Astralleib sozusagen die Ichheit vorbereitet. Das war eine Vorausnahme der Ichheit im Astralleib. Der Mensch war ja erst durch das Ich und durch seine Entwickelung Erdenmensch geworden. Der Astralleib gehörte eigentlich dem alten Monde an. Dazumal war der Angelos, der Engelmensch, auf der Menschheitsstufe. Der Engel war auf dem alten Mond Mensch, auf der Erde ist der Mensch Mensch. Das wissen wir. Für den Menschen schickte es sich auf dem Monde, seinen Astralleib zu gebrauchen. Alles übrige war nur Vorbereitung für die IchEntwickelung. Der Anfang unserer Erdenentwickelung war ein Wiederholen der Mondenentwickelung. Denn im astralischen Leib konnte der Mensch überhaupt nie völlig Mensch werden, sondern es konnte nur der Engel auf dem Monde Mensch werden im astralischen Leib. Ebenso wie im Erdenmenschen, um das Ich zu inspirieren, der Christus lebte, mußte daher zur Vorbereitung dieser Ichheit die Möglichkeit sein, daß von den Engeln des Mondes, von den Mondmenschen also, den Angeloi, Propheten da waren, die den Astralleib des Menschen inspirierten, damit sich die Ichheit schon vorbereiten konnte. Es mußte also das eintreten, was etwa ein Prophet so hätte charakterisieren können: Es wird in der Menschheitsentwickelung ein Zeitpunkt kommen, da wird die Menschheit reif werden zur Ich-Entwickelung. Im Astralleib haben sich zum Höchsten erhoben bloß die Angeloi des Mondes. Damit aber der Mensch vorbereitet werden kann zu dieser Ichheit, müssen gewisse Menschen, die das durch Gnade in Ausnahmezuständen erfahren, so inspiriert werden auf der Erde, daß sie wie Engel wirken, trotzdem sie Menschen sind, daß sie Engel in Menschengestalt sind.
[ 13 ] In the actual evolution of humanity, the process involves certain major advances being gradually prepared and then simply coming to pass. This was also the case with the Christ impulse. However, there had to be a transition. Things could not have unfolded in such a way that a person would have seen his astral body gradually becoming numb to the spiritual world, so that he would have felt complete desolation and barrenness within himself until the “I” was kindled by the Christ impulse. It was not to come to that. Rather, for some, it happened that, through a special influence from the spiritual world, they already saw something in their astral body similar to what one would later recognize and perceive through the “I.” The “I-ness” was, so to speak, prepared in the astral body. This was a foreshadowing of the “I-ness” in the astral body. After all, it was only through the ego and its development that human beings became earthly human beings. The astral body actually belonged to the old Moon. At that time, the Angelos, the angelic human, was at the human stage. The angel was human on the old Moon; on Earth, the human being is human. We know this. For human beings, it was appropriate to use their astral body on the Moon. Everything else was merely preparation for the development of the “I.” The beginning of our earthly evolution was a repetition of the lunar evolution. For in the astral body, human beings could never fully become human; rather, only the angel on the Moon could become human in the astral body. Just as Christ lived within the Earth human to inspire the “I,” so too, in preparation for this “I”-hood, there had to be the possibility that among the angels of the Moon—that is, the Moon humans, the Angeloi—there were prophets who inspired the human astral body so that the “I”-hood could already begin to develop. So what a prophet might have described as follows had to come to pass: There will come a point in human evolution when humanity will be ripe for the development of the “I.” In the astral body, only the Angeloi of the Moon have risen to the highest level. But in order for human beings to be prepared for this sense of self, certain people—who, by grace, experience this in exceptional states—must be inspired on Earth in such a way that they act like angels, even though they are human beings; that is, they are angels in human form.
[ 14 ] Da kommen wir zu einem wichtigen okkulten Begriff, ohne den Sie überhaupt nicht verstehen können die Entwickelung der Menschheit im Sinne des Okkultismus. Äußerlich gesagt, ist es natürlich leicht, wenn man einfach davon spricht, daß alles Maya ist. Aber das ist ein Abstraktum. Das muß man wirklich ernst nehmen. Daher muß man sagen können: Nun ja, da steht ein Mensch vor mir, der ist aber Maya — wer weiß, ist der überhaupt ein Mensch? Vielleicht ist das Menschsein nur die äußere Hülle, und es benützt ein ganz anderes Wesen, als der Mensch es ist, diese äußere Hülle, um gerade etwas zu bewirken, was durch den Menschen noch nicht bewirkt werden kann. — Ich habe etwas davon angedeutet in meiner «Pforte der Einweihung».
[ 14 ] This brings us to an important occult concept, without which you cannot possibly understand the evolution of humanity from the perspective of occultism. On the surface, it is, of course, easy to simply say that everything is Maya. But that is an abstraction. One must take this very seriously. Therefore, one must be able to say: Well, there is a human being standing before me, but that person is Maya—who knows if that person is even a human being at all? Perhaps humanity is merely the outer shell, and a being entirely different from a human being is using this outer shell to bring about precisely something that cannot yet be brought about by a human being. —I have alluded to this in my Gateway to Initiation.
[ 15 ] In der Vorzeit wurde ein solches Ereignis aktuell für die Menschheit, als die Individualität, die im alten Elias gelebt hatte, in Johannes dem Täufer wiedergeboren wurde, und als in die Seele des Johannes des Täufers für seine damalige Inkarnation ein Engel einfuhr und die Leiblichkeit und auch die Seelenhaftigkeit Johannes’ des Täufers benützte, um das zu bewirken, was kein Mensch hätte bewirken können. In Johannes lebt ein Angelos, der vorherzugehen und vorherzuverkündigen hat, was als wahre Ichheit im umfassendsten Sinne in Jesus von Nazareth leben sollte. Das ist außerordentlich wichtig zu wissen, daß Johannes der Täufer eine Maya ist und in ihm ein Angelos, ein Bote lebt. Im Griechischen steht auch: Siehe, ich sende meinen Boten, Angelos, Engel. - Daran denkt nur der Deutsche nicht mehr, daß im Griechischen an dieser Stelle Angelos steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor ihm her. - Es ist also hingedeutet auf ein tiefes Weltermysterium, das mit dem Täufer vorgegangen ist, das Jesajas vorausgesagt hat. Er charakterisiert den Johannes den Täufer als eine Maya, als eine Illusion, ihn, der in Wahrheit umschließt den Engel, den Angelos, der als Engel zu verkündigen hat, was der Mensch eigentlich werden soll durch die Aufnahme des Christus-Impulses, weil Engel vorher verkündigen müssen, was der Mensch erst später werden soll. Zu sagen wäre also an dieser Stelle: Siehe, das, was der Welt die Ichheit gibt, sendet den Angelos vor dir, dem die Ichheit gegeben werden soll, her.
[ 15 ] In ancient times, such an event became relevant to humanity when the individuality that had lived in the ancient Elijah was reborn in John the Baptist, and when an angel entered the soul of John the Baptist for his incarnation at that time and made use of John the Baptist’s physicality and also his soul nature to accomplish what no human being could have accomplished. An angel lives within John, who is to go before and proclaim in advance what was to live as true selfhood in the most comprehensive sense in Jesus of Nazareth. It is extraordinarily important to know that John the Baptist is a maya and that an angelos, a messenger, lives within him. The Greek text also states: “Behold, I send my messenger, angelos, angel.”—Only Germans no longer think of the fact that the Greek text reads “angelos” at this point: “Behold, I send my angel before him.” - This thus points to a profound cosmic mystery that took place with the Baptist, one that Isaiah had foretold. He characterizes John the Baptist as a Maya, as an illusion—he who, in truth, encompasses the angel, the Angelos, who, as an angel, must proclaim what the human being is actually meant to become through the reception of the Christ impulse, because angels must first proclaim what the human being is to become only later. So one might say at this point: “Behold, that which gives the world its I-ness sends the Angelos before you, to whom the I-ness is to be given.”
[ 16 ] Jetzt gehen wir zu dem dritten Satz. Was bedeutet er? Da muß man sich einmal die ganze welthistorische Situation vergegenwärtigen. Wie war es denn geworden in der Menschenbrust, da der Astralleib allmählich die Fähigkeit verloren hatte, seine Kräfte wie Fangarme auszustrecken und hellscherisch in die göttlich-geistige Welt hineinzuschauen? Früher, wenn der Astralleib in Tätigkeit versetzt worden war, konnte er hineinschauen in die göttlich-geistige Welt. Jetzt verschwand allmählich immer mehr und mehr diese Möglichkeit, und dunkel wurde es im Menschen. Der Mensch konnte früher ausbreiten seinen Astralleib über all die Wesenheiten der göttlichgeistigen Welt. Jetzt war er in sich einsam — einsam ist gleich &onuog. In der Einsamkeit lebte jetzt das, was Menschenseele war. Das steht auch da noch im griechischen Text: Siehe, wie es sich ausnimmt, wie es da drinnen spricht in der Einsamkeit der Seele -— meinetwillen sagen Sie, in der Wüstheit der Seele -, als der Astralleib sich nicht mehr ausbreiten konnte zu der göttlich-geistigen Welt. Höre hin, wie es ruft in deiner Seelenwüste, in deiner Seeleneinsamkeit.
[ 16 ] Now let us turn to the third sentence. What does it mean? To understand this, one must first consider the entire situation of world history. What had come to pass within the human breast, since the astral body had gradually lost the ability to extend its powers like tentacles and to gaze luminously into the divine-spiritual world? In the past, when the astral body was activated, it could gaze into the divine-spiritual world. Now this possibility gradually disappeared more and more, and darkness fell within the human being. In the past, the human being could spread his astral body over all the beings of the divine-spiritual world. Now he was lonely within himself—loneliness is equivalent to &onuog. What was the human soul now lived in this loneliness. This is also still there in the Greek text: Behold how it appears, how it speaks there within the solitude of the soul—if you will, in the desolation of the soul—when the astral body could no longer extend itself toward the divine-spiritual world. Listen to how it calls out in the desert of your soul, in the solitude of your soul.
[ 17 ] Was aber verkündet sich voraus? Da müssen wir uns jetzt klar werden, was ein ganz bestimmtes Wort bedeutete, wenn man es gebrauchte von Seelenerscheinungen, von geistigen Erscheinungen überhaupt, vor allen Dingen im Hebräischen, aber auch noch im Griechischen: das Wort Kyrios. Wenn man das übersetzt mit «der Herr», wie das gewöhnlich geschieht, so übersetzt man einen wahrhaftigen knüppeldicken Unsinn. Was ist damit gemeint? Jeder in alten Zeiten, der einen solchen Ausspruch in den Mund nahm, wußte, daß damit etwas gemeint ist, was mit dem Seelenfortschritt des Menschengeschlechtes zusammenhängt. Daher wußte er, daß das Wort Kyrios hindeutete auch auf Seelengeheimnisse. Wir haben in der Seele, wenn wir auf den Astralleib blicken, verschiedene Kräfte. Denken, Fühlen und Wollen nennen wir sie gewöhnlich. Die Seele denkt, fühlt, will. Das sind die drei Kräfte, die in der Seele wirken. Aber es sind die dienenden Kräfte der Seele. Indem der Mensch fortschritt in der Entwickelung, wurden diese Kräfte, die früher die Herren waren, denen der Mensch hingegeben war - denn der Mensch mußte warten, ob sein Denken, Fühlen, Wollen gerufen wurde -, diese einzelnen Seelenkräfte wurden unterstellt dem Kyrios, dem Herrn der Seelenkräfte, dem Ich. Und nichts anderes wurde verstanden unter dem Wort, wenn es auf die Seele bezüglich war, als das Ich, das nun nicht mehr im alten Sinne festhielt: das GöttlichGeistige denkt, fühlt, will in mir, sondern: ich denke, ich fühle, ich will - der Herr macht sich geltend in den Seelenkräften. Bereitet euch vor, ihr Menschenseelen, solche Seelenwege zu gehen, daß ihr in eurer Seele erwecken laßt das starke Ich, Kyrios, den Herrn in eurer Seele. Hört, wie es ruft in der Seeleneinsamkeit. Bereitet die Kraft oder die Richtung des Seelenherrn, des Ich. Macht offen seine Kräfte! - So muß man ungefähr übersetzen: macht offen, daß es hereinkommen kann, daß es nicht der Sklave von Denken, Fühlen und Wollen ist, macht offen seine Kräfte! Und wenn Sie übersetzen diese Worte: Siehe, das, was die Ichheit ist, sendet her vor dir seinen Engel, der soll dir die Möglichkeit geben, zu verstehen, wie es ruft in der Einsamkeit der astralischen Seele; bereitet die Richtungen des Ich, macht offen für es, für das Ich, die Kräfte! — so haben Sie einen Sinn in diesen bedeutsamen Worten des Propheten Jesajas; so haben Sie den Hinweis auf das größte Ereignis der Menschheitsentwickelung; so verstehen Sie daraus, wie Jesajas von Johannes dem Täufer spricht, wie er hinweist darauf, daß die Menschenseeleneinsamkeit sich sehnt nach der Herankunft des Herrn in der Seele, des Ich. Und jetzt werden erst die Worte zu Mark und Erz, und so müssen wir, solche Worte auffassen.
[ 17 ] But what is being proclaimed in advance? Here we must now clarify what a very specific word meant when it was used in reference to spiritual phenomena—and to spiritual phenomena in general—especially in Hebrew, but also in Greek: the word Kyrios. If one translates this as “the Lord,” as is usually done, one is translating utter nonsense. What is meant by this? Anyone in ancient times who uttered such a phrase knew that it referred to something connected with the spiritual progress of the human race. Therefore, they knew that the word Kyrios also alluded to the mysteries of the soul. When we look at the astral body, we see various forces within the soul. We usually call them thinking, feeling, and willing. The soul thinks, feels, and wills. These are the three forces at work in the soul. But they are the serving forces of the soul. As humanity progressed in its development, these forces—which had formerly been the masters to whom humanity was subject (for humanity had to wait to see if its thinking, feeling, and willing would be called upon)—these individual soul forces were placed under the authority of the Kyrios, the Lord of the soul forces, the “I.” And when the word was applied to the soul, nothing else was meant by it other than the “I,” which no longer held fast to the old notion—that the Divine-Spiritual thinks, feels, and wills within me—but rather: I think, I feel, I will—the Lord asserts Himself in the soul’s powers. Prepare yourselves, you human souls, to walk such paths of the soul that you may awaken within your soul the strong “I,” Kyrios, the Lord in your soul. Hear how it calls out in the solitude of the soul. Prepare the power or the direction of the Lord of the soul, the “I.” Unlock its powers!—This is roughly how one must translate it: unlock it so that it may enter, so that it is not the slave of thinking, feeling, and willing; unlock its powers! And when you translate these words: “Behold, that which is the I sends its angel before you; he shall give you the ability to understand how it calls out in the solitude of the astral soul; prepare the directions of the I, open up its powers for it, for the I!”—then you will find meaning in these significant words of the prophet Isaiah; then you have the reference to the greatest event in human evolution; then you understand from them how Isaiah speaks of John the Baptist, how he points out that the loneliness of the human soul yearns for the coming of the Lord into the soul—the “I.” And only now do the words become flesh and blood, and this is how we must understand such words.
[ 18 ] Und warum konnte Johannes der Täufer der Träger des Angelos sein? Er konnte es sein, weil er eine ganz bestimmte Initiation hatte. Die Initiationen spezialisieren sich nämlich. Diese Initiationen sind nicht etwas Allgemeines, sie spezialisieren sich. Bei denjenigen Individualitäten, die eine ganz besondere Aufgabe haben, muß eine Initiation eintreten nach einer ganz bestimmten Art. Nun ist für alles das, was überhaupt in der geistigen Welt vorgeht, vorgesorgt, so daß wirklich am Himmel sich in Sternenschrift das zeigt, was eigentlich geistige Tatsachen sind. Man kann die Sonnen-Initiation empfangen, das heißt in die Geheimnisse der geistigen Welt eintreten, die die Welt des Ahura Mazdao ist, für die die Sonne der äußere Ausdruck ist. Aber man kann auf zwölferlei Art eingeweiht werden in die SonnenGeheimnisse, und jede Initiation ist in gewisser Beziehung eine Sonnen-Initiation, aber sie ist doch verschieden ausgestaltet in bezug auf die anderen elf. Je nachdem der Mensch nun diese oder jene Aufgabe für die gesamte Menschheit hat, bekommt er eine Initiation, von der man sagen kann: Dies ist eine Sonnen-Initiation, aber eine solche, die man so ausdrücken muß, daß man sagt, die Kräfte fließen so hinein, als wenn die Sonne im Zeichen des Krebses steht. Das ist anders, als wenn man eine Sonnen-Initiation empfängt, die man ausdrücken muß, indem man sagt: Die Kräfte fließen so hinein, wie wenn die Sonne im Zeichen der Waage steht. Das sind die Ausdrücke für verschieden spezialisierte Initiationen. Und diejenigen Individualitäten eben, die eine so hohe Aufgabe, eine so hohe Mission haben wie die hier für Johannes den Täufer charakterisierte, müssen in ganz besonderer Weise in eine Spezial-Initiation eingeweiht sein, weil sie ja nur aus dieser heraus die starke Kraft haben können, um auch unter Umständen in ganz einseitiger Weise diese Mission in der Welt durchzuführen. Und da hatte denn Johannes der Täufer, damit er der Träger des Angelos werden konnte, diejenige Sonnen-Initiation, die man nennen kann die Initiation aus dem Zeichen des Wassermanns heraus. So wie die Sonne im Zeichen des Wassermanns steht, so ist das ein Symbolum für die Art der Initiation, die Johannes der Täufer bekommen hatte, um der Träger des Engels zu werden, indem er die Kraft der Sonne aufnahm, wie sie eben zufließt, wenn sie so steht zu den anderen Sternen, daß man es bezeichnet mit dem Ausdruck: Sie steht im Zeichen des Wassermanns. Das war das Symbolum. Johannes hatte die Wassermann-Initiation. Das Zeichen bekam sogar den Namen Wassermann, weil derjenige, der die Wassermann-Initiation hatte, als geistige Einweihung ganz besonders die Fähigkeit hatte, dasjenige mit dem Menschen vorzunehmen, was Johannes als der «Wassermann», als der Täufer vornahm: nämlich die Menschen wirklich dazu zu bringen, daß sie mit dem Untertauchen unter das Wasser ihren Ätherleib soweit frei bekamen, daß sie zu einer solchen Selbsterkenntnis kamen, die es möglich macht, einzusehen, was in der betreffenden Zeit das Wichtigste ist. Die Menschen wurden untergetaucht, und da wurde frei für einen Moment der Ätherleib. Durch die Jordantaufe konnte der Mensch die ganz besondere Wichtigkeit dieser welthistorischen Epoche empfinden. Deshalb war Johannes eingeweiht in eben die Tauf-Initiation. Und weil man das symbolisch ausdrücken muß mit dem Herfließen der Sonnenstrahlen aus dem Zeichen, in dem die Sonne steht, so nannte man dieses Zeichen auch den Wassermann. So ist die Benennung von der menschlichen Fähigkeit hinauf übertragen.
[ 18 ] And why was John the Baptist able to be the bearer of the Angelos? He was able to do so because he had undergone a very specific initiation. Initiations, you see, are specialized. They are not something general; they are specialized. For those individuals who have a very special task, an initiation must take place in a very specific way. Now, provision has been made for everything that takes place in the spiritual world, so that what are in fact spiritual realities are truly revealed in the heavens in the language of the stars. One can receive the Solar Initiation—that is, enter into the mysteries of the spiritual world, which is the world of Ahura Mazdao, of which the sun is the outward expression. But one can be initiated into the mysteries of the Sun in twelve different ways, and every initiation is, in a certain sense, a solar initiation; yet it is structured differently in relation to the other eleven. Depending on whether a person has this or that task for all of humanity, they receive an initiation of which one can say: “This is a solar initiation, but one that must be described in such a way that one says: the forces flow into it as if the sun were in the sign of Cancer.” This is different from receiving a solar initiation that must be described by saying: “The forces flow into it as if the sun were in the sign of Libra.” These are the terms used for various specialized initiations. And precisely those individuals who have such a lofty task, such a lofty mission as the one characterized here for John the Baptist, must be initiated in a very special way into a specific initiation, because only through this can they possess the strong power to carry out this mission in the world, even under circumstances that may be quite one-sided. And so, in order for John the Baptist to become the bearer of the Angelos, he underwent the solar initiation that can be called the initiation arising from the sign of Aquarius. Just as the Sun stands in the sign of Aquarius, so this is a symbol of the kind of initiation that John the Baptist had received in order to become the bearer of the Angel, by absorbing the power of the Sun as it flows when it is positioned in such a way relative to the other stars that one describes it with the expression: “It stands in the sign of Aquarius.” That was the symbol. John had the Aquarius initiation. The constellation even came to be called Aquarius because the one who had received the Aquarius initiation, as a spiritual initiation, possessed the very special ability to do with human beings what John, as the “Aquarius,” as the Baptist, did: namely, to truly lead people to the point where, by being immersed in water, their etheric body became sufficiently liberated so that they attained a self-knowledge enabling them to discern what was most important at that particular time. People were immersed, and for a moment their etheric body was liberated. Through baptism in the Jordan, people could sense the very special significance of this epoch in world history. That is why John was initiated specifically into the baptismal initiation. And because this must be symbolically expressed by the flow of the sun’s rays from the constellation in which the sun stands, this constellation was also called Aquarius. Thus, the name is derived from this human capacity.
[ 19 ] Heute machen eine ganze Anzahl gelehrter Nichtswisser den Versuch, sagen wir, die geistigen Ereignisse zu deuten, indem sie sozusagen den Himmel auf die Erde heruntertragen. Sie sagen: Nun, das bedeutet das Vorrücken der Sonne. — Alle gelehrten Herren, die im Grunde genommen nichts wissen, die deuten aus dem Himmel herein die Menschheitsereignisse. Umgekehrt war es: Was geistig im Menschen lebt, wurde auf den Himmel übertragen, indem man den Himmel als Ausdrucksmittel benutzte. So daß Johannes der Täufer sagen konnte: Ich bin der, der euch mit Wasser tauft. - Und das war dasselbe, wie wenn er gesagt hätte: Ich taufe euch mit Wasser, ich bin versehen mit der Initiation des Wassermanns. — Das wäre das Wort gewesen, das Johannes der Täufer hätte zu seinen intimen Schülern sagen können. Und so wie die Sonne entgegengesetzt vorrückt zu ihrem sinnlichen Gang, wenn Sie entgegengesetzt vom Wassermann gehen, so steht gegenüber die Jungfrau, dann geht es zur Waage. Wenn wir die Initiation aber nehmen, so müssen wir einen entgegengesetzten Gang auf der anderen Seite nehmen: von dem Wassermann zu den Fischen. So konnte Johannes sagen: Es wird etwas kommen, das nicht mehr so wird wirken müssen, wie es entspricht dem Wirken der Sonne aus dem Wassermann heraus, sondern wie es entspricht dem Wirken der Sonne aus den Fischen heraus. Es wird einer kommen, der wird eine höhere Taufe bringen. Wenn die geistige Sonne höhersteigt, so wird aus der Wassermann-Taufe die Taufe aus dem geistigen Wasser heraus. Die Sonne steigt vom Wassermann im Geistigen zu den Fischen herauf. Daher das bekannte Fischzeichen für den Träger des Christus, das ein altes Symbolum ist. Denn ebenso wie in Johannes durch ganz besondere geistige Einflüsse eine Wassermann-Initiation war, so war die Initiation, von der ich Ihnen da und dort schon gesprochen habe, die auf geheimnisvolle Weise durch alle Mysterien zustande kam, die sich um den Jesus abgespielt haben, eine FischInitiation. Ein Vorrücken der Sonne um ein Sternbild - das war das, was den Jesus von Nazareth hineinstellt in seine Zeit: daß er einer Fisch-Initiation zunächst unterworfen war.
[ 19 ] Today, a whole host of learned ignoramuses are attempting, so to speak, to interpret spiritual events by bringing heaven down to earth, as it were. They say: Well, this signifies the advance of the sun. — All these learned gentlemen, who basically know nothing, interpret human events by looking down from heaven. It was the other way around: what lives spiritually within human beings was transferred to heaven by using heaven as a means of expression. So that John the Baptist could say: I am the one who baptizes you with water. — And that was the same as if he had said: “I baptize you with water; I am endowed with the initiation of Aquarius.” — That would have been the words John the Baptist could have spoken to his innermost disciples. And just as the sun moves in the opposite direction to its sensory course—when it moves away from Aquarius—so Virgo stands opposite, and then it moves toward Libra. But if we consider initiation, we must take a reverse course on the other side: from Aquarius to Pisces. Thus John could say: Something will come that will no longer have to act in the way that corresponds to the Sun’s action from within Aquarius, but rather in the way that corresponds to the Sun’s action from within Pisces. One will come who will bring a higher baptism. As the spiritual Sun rises higher, the baptism of Aquarius becomes a baptism from the spiritual waters. The Sun rises from Aquarius in the spiritual realm to Pisces. Hence the well-known sign of Pisces for the bearer of Christ, which is an ancient symbol. For just as there was an Aquarius initiation in John through very special spiritual influences, so too was the initiation—of which I have already spoken to you here and there—that came about in a mysterious way through all the mysteries that unfolded around Jesus, a Pisces initiation. A shift of the Sun by one constellation—that was what placed Jesus of Nazareth within his time: that he was initially subjected to a Pisces initiation.
[ 20 ] Und im Evangelium des Markus wird uns das ja, man möchte sagen, genügend angedeutet; nur können solche Dinge nur bildhaft angedeutet werden. Der Christus Jesus zieht alle diejenigen an, die nach dem Fisch suchen. Daher sind seine ersten Apostel alle Fischer. Und wir können das, was ich gesagt habe, das Vorrücken zu den Fischen, handgreiflich finden, wenn uns gesagt wird: Ich habe euch mit Wasser getauft, Er wird euch mit Heiligem Geiste taufen.
[ 20 ] And in the Gospel of Mark, this is—one might say—sufficiently hinted at; it’s just that such things can only be hinted at figuratively. Christ Jesus draws to Himself all those who seek the fish. That is why His first apostles were all fishermen. And we can clearly see what I have said—the advance toward the fish—when we are told: “I have baptized you with water; He will baptize you with the Holy Spirit.”
[ 21 ] Und da er am galiläischen See hinzog — das heißt, da die Sonne so weit gekommen war, daß man ihr Gegenbild hat kommen sehen von den Fischen herauf -, da finden sich inspiriert diejenigen, die genannt werden Simon und Simons Bruder, Jakobus und Jakobus’ Bruder Fischer, sie finden sich in der entsprechenden Weise inspiriert. Und wie können wir das alles verstehen? Wir können das nicht verstehen, wenn wir nicht noch ein wenig genauer auf die Ausdrucksweise der damaligen Zeit eingehen.
[ 21 ] And as he passed by the Sea of Galilee—that is, as the sun had risen so high that one could see its reflection rising from the fish—those called Simon and Simon’s brother, James and James’s brother, the fishermen, found themselves inspired in the appropriate way. And how can we understand all this? We cannot understand it unless we examine the language of that time a little more closely.
[ 22 ] Philiströs ist unsere heutige Ausdrucksweise. Wenn ein Mensch vor uns steht, so sagen wir, das ist ein Mensch. Wenn ein zweiter vor uns steht, so sagen wir wieder, das ist ein Mensch. Ein dritter — wieder einer, und so weiter. Aber wir haben da bloß die Maya vor uns. Wenn ein Wesen zwei Beine und ein menschliches Antlitz hat, so haben wir in unserer philiströsen Ausdrucksweise nur das eine Wort: Das ist ein Mensch. Aber was ist für den Okkultismus ein Mensch? Nichts als Maya, nichts zunächst, wie er da vor uns steht, ist der Mensch, wirklich nichts. Er ist ungefähr ebensoviel wie der Regenbogen, der am Himmel steht. Wie lange ist der Regenbogen etwas? Nur so lange, als die betreffenden Bedingungen zwischen Regen und Sonnenschein gegeben sind. Wenn die Sonne und der Regen ihr Verhältnis ändern, so ist er weg. Genauso ist es mit dem Menschen. Der ist nur ein Zusammenströmen von Kräften des Makrokosmos. Kräfte müssen wir suchen am Himmel, da oder dort im Makrokosmos. Da wo man vielleicht einen Menschen vermutet irgendwo auf der Erde, da ist nichts für den Okkultisten. Aber Kräfte strömen da oben herunter und da unten hinauf, und da schneiden sie sich. Und wie die eigentümliche Konstellation bei Regen und Sonnenschein den Regenbogen ergibt, so geben Kräfte, die von oben und unten aus dem Makrokosmos zusammenströmen, eine Erscheinung, und die sieht so aus wie der Mensch - das ist der Mensch. Nichts ist der Mensch so, wie er vor uns dasteht. In Wahrheit ist er ein Schemen, eine Maya, ein Scheinbild. Denn wirklich sind die kosmischen Kräfte, die sich da schneiden, wo unser Auge einen Menschen zu sehen glaubt. Versuchen Sie ernst zu nehmen den Ausdruck: Der Mensch ist nichts, so wie er vor uns steht. Er ist Schatten von vielen Kräften. Die Wesenheit aber, die sich offenbart im Menschen, die kann ganz woanders sein als an dem Punkt, wo gerade der Mensch mit seinen zwei Beinen herumgeht. Da sind drei Menschen: Der eine ist ein urpersischer Arbeiter, der mit dem Pflug in der altpersischen Landwirtschaft wirkt. Er sieht aus wie ein Mensch. In Wahrheit ist er eine der Seelen, die gespeist werden in ihren Kräften aus dieser oder jener Welt von unten oder oben. Der zweite ist vielleicht ein urpersischer Beamter. Er wird von einer anderen Welt aus durch Kräfte gebildet, die sich in ihm schneiden. Wollen wir ihn kennen, so müssen wir zu diesen Kräften aufsteigen. Sie alle, wie Sie hier sitzen, sind in Ihrer Wirklichkeit ganz woanders. Hier herein strahlen nur die Kräfte von Ihrer eigentlichen Wesenheit. Dann stand ein dritter Perser da, von dem mußte man sagen: Der ist erst recht ein rechtes Trugbild, der ist erst recht ein Schemen, das dasteht. Was war das in Wahrheit? Da muß man bis auf die Sonne hinauf gehen; da sind die Kräfte, die dieses Schemen speisten. Da oben findet man unter den Sonnen-Geheimnissen dasjenige, was man nennen kann Goldstern, Zarathustra. Das sendet die Strahlen herunter, und hier unten steht ein Schemen, das man Zarathustra nennt. In Wahrheit ist sein Wesen gar nicht da. Das ist der dritte.
[ 22 ] “Philistine” is how we express ourselves today. When a person stands before us, we say, “That is a person.” When a second person stands before us, we say again, “That is a person.” A third—yet another, and so on. But what we have before us is merely Maya. If a being has two legs and a human face, in our philistine way of speaking we have only one word for it: “That is a human being.” But what is a human being in occultism? Nothing but Maya; at first glance, as he stands there before us, the human being is truly nothing. He is about as much as the rainbow that appears in the sky. How long does the rainbow exist? Only as long as the relevant conditions—between rain and sunshine—are present. When the sun and the rain change their relationship, it is gone. It is exactly the same with the human being. He is merely a convergence of forces from the macrocosm. We must seek these forces in the heavens, here or there in the macrocosm. Where one might suppose a human being to be somewhere on Earth, there is nothing for the occultist. But forces flow down from above and up from below, and there they intersect. And just as the peculiar constellation of rain and sunshine produces the rainbow, so forces converging from above and below out of the macrocosm produce a phenomenon that looks like a human being—that is the human being. The human being is not at all what he appears to be before us. In truth, he is a phantom, a maya, an illusion. For what truly exists are the cosmic forces that intersect where our eye believes it sees a human being. Try to take this statement seriously: The human being is nothing as he stands before us. He is the shadow of many forces. But the essence that reveals itself in the human being may be located entirely elsewhere than at the point where that particular human being is walking around on two legs. There are three human beings here: one is an ancient Persian laborer, working with a plow in the agriculture of ancient Persia. He looks like a human being. In truth, he is one of the souls whose powers are nourished from this or that world, from below or above. The second is perhaps a primordial Persian official. He is shaped from another world by forces that intersect within him. If we wish to know him, we must ascend to these forces. All of you, as you sit here, are in reality somewhere entirely else. Only the forces of your true essence radiate into this space. Then there stood a third Persian, of whom one had to say: He is all the more a true illusion, he is all the more a phantom standing there. What was that in truth? One must ascend all the way to the sun; there lie the forces that nourished this specter. Up there, among the mysteries of the sun, one finds what might be called the Golden Star, Zarathustra. It sends down its rays, and down here stands a specter called Zarathustra. In truth, his being is not there at all. That is the third one.
[ 23 ] Nun ist das Wichtige, daß man in alten Zeiten sich bewußt war, was mit solchen Bezeichnungen gemeint ist; daß man nicht Namen gab wie heute, sondern daß man die Menschen benannte nach dem, was in ihnen lebte, nicht nach ihrem äußeren Scheinbilde. Darüber müssen wir uns schon ganz klar sein. So daß man hätte sagen können: Es hätte ein alter Mensch zur Zeit Christi es sehr wohl verstanden, wenn man hingewiesen hätte auf Johannes den Täufer und gesagt hätte: hier ist der Angelos des Gottes. Man hätte nur Rücksicht genommen auf das, was da Platz genommen hatte; man sprach von der Hauptsache, nicht von der Nebensache. Und nehmen wir nun einmal an, dieselbe Ausdrucksweise wurde angewendet auf Christus Jesus selber. Wie mußte man da, als man solche Sachen verstand, von dem Christus Jesus sprechen? Ja, was da auf der Erde wandelte, diesen Leib im Fleische den Christus Jesus zu nennen, das wäre einem Menschen der damaligen Zeit nicht im Traume eingefallen; sondern das war das Zeichen, daß dasjenige, was aus der Sonne geistig herunterströmte, in diesem Punkte in ganz besonderer Weise aufgefangen wurde. Ging dieser Leib, der der Leib des Jesus war, von einem Ort zum anderen, so war das die Sichtbarmachung der Sonnenkraft, die von einem Ort zum anderen ging. Diese Sonnenkraft konnte auch allein gehen. Zuweilen wurde der Ausdruck so gebraucht, daß der Christus Jesus «im Heim», im Fleisch war, aber was in ihm war, bewegte sich auch ohne seinen Leib weiter. Namentlich im JohannesEvangelium ist der Ausdruck so gebraucht, daß unter Umständen, wenn dieselbe Wesenheit sich rein geistig bewegt, der Evangelienschreiber ganz genau so spricht, wie wenn diese Sonnenkraft im fleischlichen Leibe wohnt.
[ 23 ] Now, the important thing is that in ancient times people were aware of what such designations meant; that they did not give names as we do today, but rather named people according to what lived within them, not according to their outward appearance. We must be very clear about this. So one could have said: An ancient person at the time of Christ would have understood perfectly well if someone had pointed to John the Baptist and said, “Here is the Angelos of God.” One would have taken into account only what had taken its place there; one spoke of the main thing, not the secondary thing. And let us now suppose that the same way of speaking was applied to Christ Jesus himself. How, then, when one understood such things, was one to speak of Christ Jesus? Indeed, to call that body walking on Earth “Christ Jesus”—that would never have occurred to a person of that time, not even in a dream; rather, it was the sign that what flowed down spiritually from the sun was received in a very special way at that point. When this body—which was the body of Jesus—moved from one place to another, it was the manifestation of the solar force moving from one place to another. This solar force could also move on its own. At times, the expression was used to mean that Christ Jesus was “at home,” in the flesh, but what was within him continued to move even without his body. In the Gospel of John in particular, the expression is used in such a way that, under certain circumstances, when the same being moves in a purely spiritual manner, the Gospel writer speaks in exactly the same way as when this solar power dwells in the physical body.
[ 24 ] Daher ist es so wichtig, daß die Taten des Christus Jesus immer in Beziehung gebracht werden zur physischen Sonne, die der äußere Ausdruck ist für die geistige Welt, die aufgefangen wird an dem Punkte, wo der fleischliche Leib herumwandelt. Wenn also der Christus Jesus zum Beispiel heilt, dann ist es die Sonnenkraft, die da heilt. Die muß aber an dem richtigen Orte des Himmels stehen: «Da es aber Abend geworden war, als die Sonne unterging, brachten sie zu ihm alle, die ein Leid hatten», Krankheiten und so weiter. — Es ist wichtig, daß man andeutet, daß diese Heilkraft herunterfließen kann, wenn die äußere Sonne untergegangen ist, wenn die Sonne nur noch geistig wirkt. Und als er wieder eine bestimmte Kraft braucht, um zu wirken, da mußte er diese auch noch aus der geistigen Sonne nehmen, nicht aus der physischen sichtbaren Sonne. «Und früh morgens, noch im Dunkeln stand er auf und ging hinaus.» — Der Weg der Sonne und der Sonnenkraft wird uns ausdrücklich angedeutet: daß diese Sonnenkraft wirkt, und daß im Grunde genommen der Jesus nur das äußere Zeichen ist, daß dieser Weg der Sonnenkraft auch dem bloßen äußeren Auge sichtbar werden konnte. Und überall, wo wir im MarkusEvangelium die Rede haben von dem Christus, ist gemeint die Sonnenkraft, die für jene Epoche unserer Erdenentwickelung ganz besonders wirksam geworden ist auf diesem Fleck der Erde, der da Palästina heißt. Und man konnte die Sonnenkraft sehen: In der oder jener Zeit ging der Christus von dem Ort zu dem Ort. Man könnte ebensogut sagen: In dieser Zeit bewegte sich die geistige Kraft der Sonne, wie in einem Brennpunkte gesammelt, von dem Ort zu jenem Ort. Und der Leib des Jesus war das äußere Zeichen, das den Augen sichtbar machte, wie sich die Sonnenkraft bewegte. Die Wege des Jesus in Palästina waren die Wege der auf die Erde herabgekommenen Sonnenkraft. Und zeichnen Sie die Schritte des Jesus als eine besondere Landkarte auf, dann haben Sie ein kosmisches Ereignis: das Hereinwirken der Sonnenkraft aus dem Makrokosmos in das Land Palästina. Und auf diese makrokosmische Sache kommt es an. Darauf deutet insbesondere der Schreiber des Markus-Evangeliums hin, der das wohl kannte, daß ein Leib, der der Träger eines solchen Prinzipes war, wie es das Christus-Prinzip ist, in einer ganz besonderen Weise von seinem Prinzip mußte überwunden werden. Es war also das Hinausweisen gerade in jene Welt, die Zarathustra so großartig hinter der sinnlichen Welt angekündigt hat, das Hinausweisen auf diese Welt, wie sie wieder hereinwirkt auf die Menschenwelt. So war jetzt durch Christus Jesus angedeutet, wie die Kräfte wieder hereinwirken auf die Erde. Daher mußte in dem Leib, der ja, wie wir gesehen haben, in einer gewissen Weise -— wenn er auch jetzt schon der Leib des nathanischen Jesus war - doch beeinflußt war von der Zarathustra-Individualität, auch eine Art Wiederholung der Zarathustra-Vorgänge vor sich gehen.
[ 24 ] That is why it is so important that the deeds of Christ Jesus are always related to the physical sun, which is the outward expression of the spiritual world, captured at the point where the physical body moves about. So when Christ Jesus heals, for example, it is the power of the sun that heals. But it must be in the right place in the heavens: “When evening came, as the sun was setting, they brought to him all who were suffering,” illnesses and so on. — It is important to indicate that this healing power can flow down once the outer sun has set, when the sun acts only spiritually. And when he again needed a certain power to act, he had to draw it from the spiritual sun as well, not from the physical, visible sun. “And early in the morning, while it was still dark, he rose and went out.” — The path of the sun and the power of the sun is explicitly indicated to us: that this solar power is at work, and that, in essence, Jesus is merely the outward sign that this path of the sun’s power could also become visible to the mere physical eye. And wherever we find mention of the Christ in the Gospel of Mark, what is meant is the power of the sun, which became particularly active during that epoch of our Earth’s development in this part of the world called Palestine. And one could see the power of the sun: at one time or another, the Christ went from one place to another. One might just as well say: At that time, the spiritual power of the sun, as if concentrated at a focal point, moved from one place to another. And the body of Jesus was the outward sign that made visible to the eyes how the power of the sun moved. Jesus’ journeys in Palestine were the paths of the solar power that had descended to Earth. And if you chart Jesus’ footsteps as a special map, you have a cosmic event: the influence of the solar power from the macrocosm into the land of Palestine. And this macrocosmic reality is what matters. The writer of the Gospel of Mark points this out in particular; he was well aware that a body which was the bearer of such a principle as the Christ-principle had to be overcome by its own principle in a very special way. It was, therefore, the pointing beyond—precisely to that world which Zarathustra so magnificently heralded as lying beyond the sensory world—the pointing to this world as it once again exerts its influence upon the human world. Thus, through Christ Jesus, it was now indicated how the forces once again work their way back into the Earth. Therefore, in the body—which, as we have seen, was in a certain sense influenced by the Zarathustra individuality, even though it was already the body of the Nathanic Jesus—a kind of repetition of the Zarathustra processes had to take place.
[ 25 ] Nun hören wir die große schöne Legende von Zarathustra. Als ihn seine Mutter geboren hatte, da zeigte Zarathustra als erstes Wunder das berühmte Zarathustra-Lächeln. Das zweite der Wunder war das, daß der damalige König jenes Distriktes, wo Zarathustra geboren worden war, Duransarun, den Beschluß faßte, zu ermorden den Zarathustra, von dem ihm die rückschrittlichen Magier besondere Dinge gesagt hatten, daß aber dem König, als er erschien, das Kind zu erdolchen, der Arm gelähmt wurde. Das war das zweite der Wunder nach der Geburt des Zarathustra. Und da ließ dieser König, der seinen Dolch nicht gebrauchen konnte gegenüber Zarathustra, das Kind hinausführen zu den wilden Tieren der Wüste. Das ist der Ausdruck dafür, daß jetzt schon in frühester Kindheit Zarathustra sehen mußte dasjenige, was der Mensch sehen muß, wenn er unrein hinaussieht. Er sieht statt der edlen Gruppenseele und der edlen, höheren geistigen Wesenheiten den Ausfluß seiner wilden Phantasie. Das ist das Hinausführen in die Wüste zu den wilden Tieren, von denen Zarathustra unversehrt bleibt. Das ist das dritte der Wunder. Das vierte war wieder ein Wunder bei den wilden Tieren und so weiter. Immer waren es die guten Geister des Ahura Mazdao, die dem Zarathustra dienten.
[ 25 ] Now let us hear the great and beautiful legend of Zarathustra. When his mother gave birth to him, Zarathustra performed his first miracle: the famous Zarathustra smile. The second of these miracles was that the king at that time of the district where Zarathustra was born, Duransarun, resolved to murder Zarathustra—about whom the reactionary magicians had told him extraordinary things—but when the king appeared to stab the child, his arm became paralyzed. That was the second of the miracles following Zarathustra’s birth. And so this king, who could not use his dagger against Zarathustra, had the child led out to the wild animals of the desert. This is an expression of the fact that even in his earliest childhood, Zarathustra had to see what a human being must see when he looks out with an impure gaze. Instead of the noble group soul and the noble, higher spiritual beings, he sees the outpouring of his wild imagination. This is the leading out into the desert to the wild beasts, from which Zarathustra remains unharmed. This is the third of the miracles. The fourth was yet another miracle among the wild beasts, and so on. It was always the good spirits of Ahura Mazdao who served Zarathustra.
[ 26 ] Jene Wunder finden wir im Markus-Evangelium wiederholt: «Und alsbald treibt ihn der Geist in die Wüste» — eigentlich heißt es Einsamkeit — «vierzig Tage lang, und wurde versucht vom Satan, und war bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.» Da wird uns gezeigt, daß der Leib vorbereitet wurde, sozusagen wie in einem Brennpunkte dasjenige aufzunehmen, was im Makrokosmos vorging. Es mußte das wieder geschehen, was bei Zarathustra geschehen war: das Hinausführen zu den wilden Tieren. Der Leib nahm auf, was aus dem Makrokosmos hereinkam.
[ 26 ] We find these miracles repeated in the Gospel of Mark: “And immediately the Spirit drove him into the wilderness”—the text actually says “solitude”—“for forty days, and he was tempted by Satan, and was with the wild beasts, and the angels ministered to him.” Here we are shown that the body was prepared, as it were, to absorb—as if at a focal point—what was taking place in the macrocosm. What had happened to Zarathustra had to happen again: the leading out to the wild beasts. The body absorbed what came in from the macrocosm.
[ 27 ] Das Markus-Evangelium stellt uns schon in den allerersten Zeilen in die größten Zusammenhänge hinein. Und ich wollte Ihnen zeigen, wie im Grunde genommen dieses Markus-Evangelium, wenn man nur erst die Worte im rechten Sinne versteht — nicht wie in dem der heutigen philiströsen Sprache, sondern in dem der alten Sprachen, wo jedes Wort hinter sich lebendige Welten hat -, wenn man es im Sinne dieser alten Sprachen versteht, dann bekommt das Markus-Evangelium neues Leben, neue Kraft. Aber man muß sagen: Unsere heutige Sprache kann erst mit vielen Umschreibungen das wiederum herausfinden, was für die alten Sprachen schon in den Worten gelegen hat. Das, was wir sprechen, wenn wir sagen: Der Mensch lebt auf der Erde und bildet sein Ich aus; der Mensch lebte früher auf dem Monde, da waren es die Engel, die ihre Menschheitsstufe durchmachten -, das liegt alles zugrunde, wenn es heißt: «Siehe, ich sende meinen Engel vor den Menschen her.» Diese Worte sind nicht zu verstehen ohne die Voraussetzung dessen, was in der Geisteswissenschaft geboten wird. Und die Leute in der Gegenwart sollten ehrlich sein und sollten sagen bei den Worten am Beginne des Markus-Evangeliums: Das ist unverständlich. — Statt dessen stehen sie im billigen Hochmut da und erklären, die Geisteswissenschaft sei eine Phantasterei, die allerlei hineinlegt in das, was sie in einfacher Weise wissen. Sie wissen es eben gar nicht, die Menschen der Gegenwart. Und man hat heute nicht mehr das Prinzip, das man zum Beispiel im alten Persien hatte, wo von Epoche zu Epoche die alte heilige Urkunde umgeschrieben wurde, um für jede Epoche neu eingekleidet zu werden. So wurde das göttlich-geistige Wort als Zend Avesta umgestaltet und wieder umgestaltet. Und was heute da ist, ist die letzte Gestalt. Siebenmal wurde die persische Bibel neu geschrieben. Und die Anthroposophie soll den Menschen lehren, wie notwendig es ist, daß die Bücher, in denen die heiligen Geheimnisse geschrieben werden, von Epoche zu Epoche umgeschrieben werden müssen. Denn gerade wenn man den großen alten Stil bewahren will, dann darf man nicht versuchen, sozusagen soviel als möglich bei den alten Worten zu verbleiben. Das kann man nicht, die versteht man nicht mehr, sondern man muß versuchen, in unmittelbares Verständnis der Gegenwart die alten Worte umzusetzen. Wir haben das versucht in bezug auf die Genesis im Sommer. Da haben Sie gesehen, wie manche der Worte umgesetzt werden müssen. Sie haben vielleicht heute einen kleinen Begriff davon bekommen, wie auch im Markus-Evangelium die Worte umgesetzt werden müssen.
[ 27 ] The Gospel of Mark places us within the broader context right from the very first lines. And I wanted to show you how, fundamentally, this Gospel of Mark—if one only understands the words in their true sense—not as in today’s philistine language, but in that of the ancient languages, where every word has living worlds behind it—if one understands it in the spirit of these ancient languages, then the Gospel of Mark takes on new life, new power. But it must be said: Our modern language can only rediscover, through many circumlocutions, what was already inherent in the words of the ancient languages. What we mean when we say: “Human beings live on Earth and develop their ‘I’; human beings once lived on the Moon, where it was the angels who went through their human stage”—all of this underlies the statement: “Behold, I send my angel before the human being.” These words cannot be understood without the foundation provided by Spiritual Science. And people today should be honest and should say, upon reading the words at the beginning of the Gospel of Mark: “This is incomprehensible.” — Instead, they stand there in their petty arrogance and declare that Spiritual Science is a flight of fancy that reads all sorts of things into what they know in a simple way. The people of today simply do not know it at all. And today we no longer have the principle that existed, for example, in ancient Persia, where from one epoch to the next the ancient sacred text was rewritten to be clothed anew for each epoch. Thus, the divine-spiritual Word was transformed and transformed again as the Zend Avesta. And what exists today is its final form. The Persian Bible was rewritten seven times. And anthroposophy is meant to teach people how necessary it is that the books in which the sacred mysteries are written must be rewritten from epoch to epoch. For precisely if one wishes to preserve the great ancient style, one must not try, so to speak, to cling as much as possible to the old words. That is impossible; we no longer understand them. Instead, we must strive to translate the ancient words into a form that is immediately comprehensible in the present. We attempted this with regard to Genesis this past summer. There you saw how some of the words must be adapted. Perhaps today you have gained a small sense of how the words in the Gospel of Mark, too, must be adapted.
