Paths and Goals of Spiritual Man
GA 125
22 December 1910, Berlin
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Paths and Goals of Spiritual Man, tr. SOL
13. Das Weihnachtsfest im Wandel der Zeiten
13. Christmas through the Ages
[ 1 ] Wenn wir in dieser Zeit in unseren großen Städten hinausgehen in die Straßen, so finden wir diese Straßen erfüllt mit dem, was unsere Zeitgenossen sich zur Feier des Festes, dem wir entgegengehen, verschaffen wollen, zur Feier eines der großen Feste, das im Laufe eines Jahres die Menschheit begehen kann: des Gedenkfestes an den gewaltigsten Impuls in der Entwickelung der Menschheit. Und dennoch, wenn wir uns heute durch das Herz ziehen lassen, was in den nächsten Tagen in einer solchen großen Stadt, wie zum Beispiel dieser, in der wir uns hier befinden, zum Begehen dieses Gedenkfestes geschehen soll, wenn wir uns fragen, ob.es dem entspricht, was durch die Seelen und die Herzen der Menschen ziehen soll, wenn wir uns dabei keinerlei Illusion hingeben, sondern der Wahrheit einfach ins Auge schauen, dann können wir vielleicht doch nicht anders, als uns gestehen: Wie wenig paßt alles, was wir an Vorbereitungen und vielleicht auch an Halten des Weihnachtsfestes sehen, auf der einen Seite zu alledem, was sonst um uns herum in der modernen Kultur vor sich geht, und wie wenig paßt es auf der anderen Seite zu alledem, was im Grunde genommen doch im tiefsten Herzen des Menschen leben sollte als Erinnerung und als Gedanke an das Größte, was der Menschheit an Impulsen im Laufe ihrer Entwickelung hat werden können.
[ 1 ] When we go out into the streets of our great cities at this time of year, we find them filled with what our contemporaries have acquired to celebrate the festival we are approaching—one of the great festivals that humanity can celebrate in the course of a year: the commemoration of the most powerful impulse in the development of humanity. And yet, if we allow ourselves to be moved today by what is to take place in the coming days in a large city such as this one, where we find ourselves, to mark this commemorative festival, if we ask ourselves whether it corresponds to what should move through the souls and hearts of people, if we do not indulge in any illusions but simply look the truth in the eye, then perhaps we cannot help but admit: How little does everything we see in the preparations for and perhaps also in the observance of Christmas fit, on the one hand, with all that is otherwise taking place around us in modern culture, and how little, on the other hand, does it fit with all that which, after all, ought to live in the deepest heart of the human being as a memory and a thought of the greatest impulse that humanity could have received in the course of its development.
[ 2 ] Es wird vielleicht nicht zuviel gesagt sein, wenn man der Meinung Ausdruck gibt: Es wirkt doch nicht mehr alles so harmonisch auf unser Auge, das sich von Weihnachtsstimmung durchdringen will, das diese Weihnachtsstimmung empfangen will von dem, was es in unserer heutigen Umgebung sehen kann, es wirkt doch nicht alles harmonisch, wenn mitten durch die Alleen, in welchen die Weihnachtsbäume oder die sonstigen Vorbereitungen für das Weihnachtsfest aufgestellt sind, unsere Verkehrsmittel hindurchsausen. Und wenn der heutige Mensch die Disharmonie vielleicht nicht mehr voll empfindet, dann ist das aus dem Grunde, weil er sich schon zu sehr abgewöhnt hat, alle die Tiefe, die Innigkeit zu empfinden, die gerade mit dem bevorstehenden Feste verbunden sein kann. Was namentlich dem Städter von allem das menschliche Innere Vertiefende des Weihnachtsfestes geblieben ist, das ist doch im Grunde genommen nicht mehr, als ein letzter, die Größe kaum mehr ahnen lassender Nachklang, eine Gewohnheit, in der das Große nicht mehr wahrgenommen werden kann, an das sich im Laufe von Jahrhunderten die Menschheit gewöhnt hatte.
[ 2 ] It is perhaps no exaggeration to say: After all, not everything appears so harmonious to our eyes, which long to be imbued with the Christmas spirit, which wish to receive this Christmas spirit from what they can see in our surroundings today; not everything appears harmonious when our vehicles race right through the avenues where the Christmas trees or other preparations for the holiday have been set up. And if people today perhaps no longer fully perceive this disharmony, it is because they have already become too unaccustomed to feeling all the depth and intimacy that can be associated with the approaching festival. What remains for city dwellers, in particular, of all that deepens the human spirit about Christmas is, when it comes down to it, nothing more than a final echo that barely hints at its former grandeur—a habit in which the greatness can no longer be perceived, to which humanity had grown accustomed over the course of centuries.
[ 3 ] Es wäre ganz verfehlt, wollte man etwa mit pessimistischer Gesinnung darauf hinblicken, daß die Zeiten andere geworden sind, und daß es in unseren heutigen Großstädten unmöglich ist, jene tiefe Innigkeit bei diesem Fest zu entwickeln, welche einstmals da war. Es wäre nicht recht, solche pessimistische Stimmung aufkommen zu lassen, wenn man zu gleicher Zeit, wie es in diesem Kreise sein soll, eine Ahnung davon haben kann, wie die Menschheit an alle Tiefe und Größe jenes Impulses wieder herankommen kann, der gerade bei diesem Feste empfunden werden sollte. Suchende Seelen haben alle Veranlassung, sich in ihrer Seele zu fragen: Was darf uns dieses Christfest bedeuten? — Und sie dürfen sich in ihrem Herzen gestehen: Gerade durch die Geisteswissenschaft wird der ganzen Menschheit wieder etwas gegeben werden, was im vollsten Sinne des Wortes das bringen wird, was jetzt nicht mehr da sein kann und wovon man sich gestehen muß, daß es nicht mehr da sein kann, wenn man sich nicht in Illusionen und Phantastereien wiegen will und das, was vielfach zum bloßen Geschenkfest geworden ist, als gleichbedeutend ansehen wollte mit dem, was das Christfest, das Weihnachtsfest durch Jahrhunderte den Menschen war: ein Fest, aus dessen Begehen den Seelen herausblühte Hoffnungsfreudigkeit, Hoffnungssicherheit und das Bewußtsein, zu einer geistigen Wesenheit zu gehören, die aus geistigen Höhen heruntergestiegen ist, sich mit der Erde vereinigt hat, so daß eine jede willige Menschenseele Anteil an ihnen haben kann.
[ 3 ] It would be entirely misguided to view the fact that times have changed—and that it is impossible in today’s large cities to cultivate the deep intimacy associated with this festival that once existed—with a pessimistic outlook. It would not be right to allow such a pessimistic mood to arise when, at the same time—as should be the case in this circle—one can have a sense of how humanity can once again approach the full depth and grandeur of that impulse which should be felt precisely during this festival. Seeking souls have every reason to ask themselves: What can this Christmas festival mean to us? — And they may admit to themselves in their hearts: It is precisely through spiritual science that something will once again be given to all of humanity that, in the fullest sense of the word, will bring what can no longer be present—and which one must admit can no longer be present—if one does not wish to be lulled by illusions and fantasies and regard what has in many cases become a mere festival of gifts as equivalent to what the Christmas festival the Christmas festival has been to people for centuries: a festival from the celebration of which blossomed in souls a joy of hope, a certainty of hope, and the awareness of belonging to a spiritual being who has descended from spiritual heights, united with the Earth, so that every willing human soul may share in them.
[ 4 ] Durch Jahrhunderte hindurch wurde ein Fest begangen, welches in den Seelen das Bewußtsein erweckte, daß die einzelne menschliche Seele eine feste Kraft an der eben charakterisierten geistigen Macht habe, und daß alle die Menschen, die willig sind, sich zusammenfinden können in dem Dienste gegenüber dieser geistigen Macht, sich so in diesem Dienste zusammenfinden können, daß sie auch die rechten Wege finden auf der Erde, um sich als Menschen so viel als nur möglich sein zu können, um als Menschen auf der Erde sich so viel als nur möglich lieben zu können.
[ 4 ] For centuries, a festival was celebrated that awakened in people’s souls the awareness that the individual human soul possesses a firm hold on the spiritual power just described, and that all people who are willing can come together in service to this spiritual power, can unite in this service in such a way that they also find the right paths on Earth to be as fully human as possible, to love one another as fully as possible as human beings on Earth.
[ 5 ] Wenn man, wie es angemessen erscheinen kann, einmal auf seine Seele den Vergleich wirken lassen will, zwischen dem, was das Weiihnachtsfest durch Jahrhunderte hindurch gewesen ist, und dem, was es wieder werden soll, dann kann es gut sein, auf der einen Seite einmal die Stimmung, welche heute durch die Kulturforderungen der Gegenwart in Kreisen herrscht, die uns umgeben, zu vergleichen mit dem, was das Weihnachtsfest einstmals war, und auf der anderen Seite mit dem, was in den Seelen wie eine gewissermaßen zeitlos gewordene Erneuerung dieses Fest gerade durch die Geisteswissenschaft wieder werden kann.
[ 5 ] If, as might seem appropriate, one wishes to let the comparison sink into one’s soul—between what Christmas has been throughout the centuries, and what it is meant to become again, then it may well be worthwhile, on the one hand, to compare the mood that prevails today in the circles around us due to the cultural demands of the present with what Christmas once was, and on the other hand, with what can once again become a sort of timeless renewal of this festival in our souls through spiritual science.
[ 6 ] So recht in seiner Tiefe das zu würdigen, was mit unseren großen Jahresfestlichkeiten zusammenhängt, das ist dem Stadtmenschen der Gegenwart kaum noch völlig möglich. Kaum möglich ist es, jenen Zauber zu empfinden, der wie eine geistige Luft durch die Seelen, durch die Gemüter derer ging, die da glaubten, bei den großen festlichen Veranstaltungen um Weihnachten oder um Ostern, den Christus in ihren Herzen zu tragen. Diesen Zauber zu empfinden, der wie eine geistige Luft die Menschheit in diesen Zeiten durchwehte, ist heute insbesondere dem Städter schon recht, recht schwierig geworden. Denjenigen, die noch Gelegenheit gehabt haben, wenn auch nur ein weniges zu sehen von diesem Zauberwind, der durch die Seelen und die Gemüter in solchen Zeiten hat ziehen können, wird dies ganz gewiß eine wunderbare, eine herrliche Erinnerung sein. Mir selbst war als Kind nur noch möglich, die letzten Reste von dem zu schauen, was in den Dörfern deutscher Gegenden als solcher Zauberwind durch die Seelen, durch die Gemüter ziehen konnte, zu sehen, wie bei alt und jung, wenn die Weihnachtszeit herannahte, im tiefsten inneren Seelenleben wirklich etwas entstand, was sich unterschied von den Empfindungen und Gefühlen, die sonst das Jahr über vorhanden waren. Man konnte so etwas noch vor wenigen Jahrzehnten, wenn Weihnachten herannahte, in Bauerndörfern gar wohl empfinden, wie da die Seelen auf natürliche Art sich innerlich schmückten und wirklich so etwas empfanden wie: Hinuntergegangen ist während des Herbstes in tiefstes nächtliches Dunkel das physische Sonnenlicht, vermehrt hat sich die äußere physische Finsternis. Lang sind die Nächte, kurz sind die Tage geworden. Wir müssen viel in unseren Stuben sitzen. Während wir sonst in den entgegengesetzten Jahreszeiten hinausziehen auf die Felder und das Goldige der Sonnenstrahlen des Morgens uns entgegenschreiten fühlen, die wärmende Sonne fühlen und unsere Hände regen können in den langen Tagen des Sommers, müssen wir jetzt viel in der Stube sitzen, müssen viel, viel Finsternis um uns herum wissen, müssen gar oftmals hinausschauen durch die Fenster, wie die Erde bedeckt wird mit ihrem Winterkleid.
[ 6 ] It is hardly possible anymore for the modern city dweller to fully appreciate, in all its depth, what is associated with our major annual festivals. It is hardly possible to feel that magic which, like a spiritual breeze, passed through the souls and minds of those who believed they were carrying Christ in their hearts during the great festive celebrations around Christmas or Easter. To feel this magic, which swept through humanity like a spiritual breeze in those times, has become quite, quite difficult today, especially for city dwellers. For those who have still had the opportunity to catch even a glimpse of this magical breeze that could sweep through souls and minds in such times, this will certainly be a wonderful, a glorious memory. As a child, I myself was only able to catch the last remnants of what, in the villages of German regions, could pass through souls and minds as such a magical breeze—to see how, in both old and young, as the Christmas season approached, something truly arose in the deepest inner life of the soul that differed from the sensations and feelings that were otherwise present throughout the year. Just a few decades ago, as Christmas approached, one could still feel this very thing quite clearly in farming villages, as souls naturally adorned themselves inwardly and truly felt something like this: During the autumn, the physical sunlight has descended into the deepest nocturnal darkness; the outer physical darkness has increased. The nights have grown long, the days short. We must spend much time sitting in our living rooms. Whereas in the opposite seasons we would go out into the fields and feel the golden rays of the morning sun meeting us, feel the warming sun and move our hands during the long days of summer, we must now sit much in the living room, must so much darkness around us, and often look out the windows to see the earth covered in its winter cloak.
[ 7 ] Es ist nicht möglich, alles, was Schönes, was Wunderbares an Seelenstimmungen in den einfachsten Bauernhütten während der Sonntagnachmittage und -abende erwachte, wenn die Weihnachtszeit heranrückte, ausführlich zu schildern, denn man müßte intime Seelenstimmungen schildern. Man müßte schildern, wie so mancher, der sein gut Teil gerauft und verschiedenen Unfug getrieben während des übrigen Teiles des Jahres, sich durch das Erfülltsein mit dem Gedanken: Die Christzeit naht — wie selbstverständlich in seiner Seele gebändigt fühlte. Er fühlte: Die Zeit selber wird zu heilig, als daß Unfug getrieben werden darf in dieser Zeit.
[ 7 ] It is impossible to describe in detail all the beauty and wonder that stirred in the hearts of people in the humblest farmhouses on Sunday afternoons and evenings as Christmas approached, for one would have to describe the innermost feelings of the soul. One would have to describe how many a person, who had spent a good part of the year brawling and getting into all sorts of mischief, felt naturally subdued in his soul by the thought: “Christmas is approaching.” He felt: “The season itself becomes too holy for mischief to be allowed during this time.”
[ 8 ] Das ist nur ein kleiner Hinblick auf das, was vor Jahrhunderten in dem ausgedehntesten Maße vorhanden war, was man vor Jahrzehnten als einen letzten Rest noch in den Dörfern sehen konnte. Da konnte man sehen, als die Weihnachts-Familienfeier sich bereits in die Häuser zurückgezogen hatte, wie in den Häusern höchstens eine Nachahmung der kleinen Krippe des Stalles zu Berhlehem aufgestellt worden war, und wie die Kinder sich über all das freuten, was damit verbunden war, wenn sie sahen den Joseph und die Maria, die Hirten davor, die Engel darüber, manchmal in recht primitiver Weise nachgeahmt. Und eine solche Nachahmung der Krippe fand sich fast in jedem Hause gewisser Dörfer.
[ 8 ] This is just a small glimpse of what was once widespread centuries ago, and what could still be seen as a last remnant in the villages decades ago. There, once the family Christmas celebration had already moved indoors, one could see how at most an imitation of the little stable in Bethlehem had been set up in the homes, and how the children rejoiced in everything associated with it when they saw Joseph and Mary, the shepherds in front, the angels above—sometimes imitated in a rather primitive manner. And such an imitation of the manger could be found in almost every home in certain villages.
[ 9 ] Mehr oder weniger war das, was sich da in die Häuser zurückgezogen hatte, schon der letzte Nachklang von etwas anderem, das wir nachher noch berühren wollen. Dann aber konnte man noch vor einigen Jahrzehnten sehen, wenn die Hauptweihnachtstage, der 25., 26. Dezember vorüber waren und das Fest der Heiligen Drei Könige herannahte, wie dann durch die Dörfer Gruppen von Darstellern zogen, letzte Darsteller der Heiligen Geschichte. Die eigentlichen Weihnachtspiele waren schon recht selten geworden, aber einen letzten Nachklang des Heiligen-Drei-Könige-Spieles konnte man noch vielfach sehen, vielleicht auch heute noch in verlörenen Dörfern. Da waren, in verschiedener Art merkwürdig angezogen, mit papierenen Kronen und mit einem Stern auf dem Kopf, die Heiligen Drei Könige, die durch das Dorf zogen und mit einigen primitiven Stimmen, und selten humorlos, sondern heilig und humorvoll zugleich, alles wachriefen, was die Seelen fühlen sollten in Anlehnung an das, was in der Bibel steht über den großen Christus-Impuls der Menschheitsentwickelung.
[ 9 ] More or less, what had retreated into the houses was already the last echo of something else, which we will touch on later. But then, just a few decades ago, once the main Christmas days—December 25th and 26th—were over and the Feast of the Epiphany was approaching, one could still see groups of performers parading through the villages, the last performers of the Holy Story. The actual Christmas plays had already become quite rare, but one could still often see a final echo of the Feast of the Epiphany play, perhaps even today in remote villages. There were the Three Kings, dressed in variously curious ways, with paper crowns and a star on their heads, who paraded through the village and, with a few primitive voices—rarely without humor, but rather both sacred and humorous at the same time—proclaimed everything that souls were meant to feel, drawing on what the Bible says about the great Christ impulse in human evolution.
[ 10 ] Das ist das Wesentliche, daß gerade zu dieser Weihnachtszeit und in den Tagen und Wochen, die um sie herum waren, die Stimmung es war, in welche die Herzen ergossen waren und in welcher sie alles aufzunehmen vermochten, was ihnen in einfacher Weise, in unmittelbarer Darstellung vor die Seele gebracht wurde, an welcher das ganze Dorf teilnahm. Solche grotesk-komödienhaften Veranstaltungen von heiligen Szenen, wie sie in der modernen Zeit üblich geworden sind in Nachahmung der Oberammergauer Passionsspiele, wären damals unbegreiflich gewesen, damals, als noch die Erinnerung und der Gedanke an die großen Zeiten der Menschheit lebendig waren. Denn unmöglich hätte man zu einer anderen Zeit die Ereignisse der heiligen Weihnacht und der Drei Könige empfinden wollen als eben in diesen Tagen des Jahres, unmöglich die Passionsgeschichte zu einer anderen Zeit als zu Ostern. Man fühlte sich einig mit dem, was aus den Sternen, was aus den Wochen, was aus der Jahreszeit sprach, was aus Schnee und Sonnenschein sprach, und man ließ sich erzählen von dem, was man fühlen wollte und sollte, durch die zuletzt einfach mit einem weißen Kittel nur noch angetanen, mit einer papierenen Krone auf dem Kopf herumgehenden «Sternsinger», von denen einer einen Stern trug, der an einer Schere befestigt war, so daß er in der Lage war, diesen Stern weit wegzutreiben. Da schritten sie durch die Dörfer, blieben vor den Häusern stehen und brachten ihre einfachen Dinge dar. Und alles, worauf es ankam, war, daß man gerade in dieser Zeit und gerade mit so gestimmten Herzen dasjenige aufzunehmen vermochte, was eben in dieser Zeit in die Seelen der Menschen hineindringen sollte.
[ 10 ] The essential point is that, especially during this Christmas season and in the days and weeks surrounding it, the atmosphere was such that hearts were filled with it and able to absorb everything that was presented to their souls in a simple, direct manner—an atmosphere in which the entire village participated. Such grotesque, comedic reenactments of sacred scenes, as have become common in modern times in imitation of the Oberammergau Passion Plays, would have been incomprehensible back then, when the memory and the thought of humanity’s great times were still alive. For it would have been impossible to experience the events of Holy Christmas and the Three Kings at any other time than precisely these days of the year, impossible to experience the Passion story at any other time than at Easter. One felt at one with what spoke from the stars, what spoke from the weeks, what spoke from the season, what spoke from snow and sunshine, and one let oneself be told of what one wanted and ought to feel by the “carolers”—who by then were dressed simply in white smocks and walked about with paper crowns on their heads—one of whom carried a star attached to a pair of scissors, so that he was able to send this star flying far away. There they walked through the villages, stopped in front of the houses, and offered their simple gifts. And all that mattered was that, precisely at this time and with hearts so attuned, one was able to receive that which was meant to penetrate the souls of people at this very time.
[ 11 ] Es ist mir selber das, was ich noch manches Mal in den Dörfern hörte, immerhin eine schöne Erinnerung, wie solche einfachen Dichtungen von den «Sternsingern», die durch die Dörfer zogen, gesprochen worden sind, wie zum Beispiel die folgende:
[ 11 ] For me, what I heard time and again in the villages remains a fond memory—the way such simple verses were recited by the “carolers” as they made their way through the villages, such as the following:
Oberschützener Sternsinger
In Gottes namen do fangen wirs an
die heiligen könig aus morgenland,
Sie reiten do her in aller eil
in dreizehn tagen vierhundert meil.
Sie reiten bei Herodis haus
(Herodes schaut zum fenster heraus.)
Herodes sprach: wo wollet ir hin?
Nach Betlahem steht unser sin.
Ir heiling drei könig kerend ein bei mir,
ich wil euch gebn vil wein und bier.
Ich wil euch gebn wilbrat und fisch,
zeigts mir den neugeborn könig für gewis.
Fürwar könn wir’s nicht sagen,
wir müßn ’en stern wider weider [um] tragen.
Der stern [der stern] er leucht wol über das haus,
[die heiligen] si gehn wol über den berg hinaus.
Da fanden sie unsern herrn Jesu Christ
der aller welte heiland ist. — —
Warum ist dann der hinder so schwarz? - —
der ist ein könig aus Morenland. —
The Oberschützen Carolers
In God’s name, let us begin
The holy kings from the East,
They ride here in great haste
Four hundred miles in thirteen days.
They ride up to Herod’s house
(Herod looks out the window.)
Herod said: Where are you going?
Our destination is Bethlehem.
You three holy kings, come in to me,
I will give you plenty of wine and beer.
I will give you roast venison and fish,
show me the newborn king for certain.
Truly, we cannot say,
we must follow the star once more.
The star [the star] shines brightly over the house,
[the saints] they go well beyond the mountain.
There they found our Lord Jesus Christ
who is the Savior of the whole world. — —
Why then is the one behind so black? - —
he is a king from Moorland. —
[ 12 ] Solche Dinge waren so, daß das ganze Dorf daran teilnahm. Bei einer entsprechenden Zeile wurde dann zum Beispiel der Stern weit vorgetrieben. Es war dieser Weihnachts- oder Drei-Könige-Stern der Ausdruck für das Zusammenstimmen von Jahreszeit, Festeszeit und Menschenherzen. Das ist das Große gewesen, was sich durch Jahrhunderte hindurch über ein weites Gebiet unserer ganzen Erde wie ein Zauberhauch in die einfachsten Gemüter hinein ausgebreitet hat. Das müssen wir uns ein klein wenig vor die Seele rufen, und wir können es uns auch gerade als Sucher nach geistiger Erkenntnis vor die Seele rufen, weil wir durch die Jahre her, wo wir dieses große Ereignis haben betrachten können, wieder ein Gefühl dafür erhalten konnten, welch eine reale Macht für alle Menschen und für die ganze Erdenentwickelung in dem gegeben ist, woran zu dieser Festeszeit gedacht werden soll.
[ 12 ] Such events were such that the entire village took part. When a particular line was sung, for example, the star was carried far ahead. It was this Christmas or Epiphany star that expressed the harmony of the season, the festive time, and human hearts. That was the great thing that, over the centuries, spread across a vast area of our entire earth like a magical breath into the simplest of minds. We must bring this to mind just a little, and we can do so especially as seekers of spiritual knowledge, because over the years, as we have been able to contemplate this great event, we have been able to regain a sense of the real power it holds for all humanity and for the entire development of the Earth—the very thing we are meant to reflect upon during this festive season.
[ 13 ] So dürfen wir glauben, einiges Verständnis dafür zu gewinnen, wie in solchen früheren Zeiten die ganze Weihnachtszeit, namentlich bei den Völkern der verschiedenen deutschen und osteuropäischen Gegenden, eigentlich getaucht war in festliches Begehen, und wie mit den einfachsten Mitteln ein solches festliches Begehen erreicht werden konnte. Aber vielleicht kann heute nur noch der geistig Suchende verstehen, was das Wesentliche der alten Weihnachtspiele war. Was ich Ihnen jetzt eben als den Sterngesang vor Augen geführt habe, ist nur eine letzte Ruine, ein letzter Rest. Wenn wir durch die Jahrhunderte zurückgehen, so würden wir finden, wie über weite Gegenden hin, wenn diese Zeit herannahte, Weihnachtspiele gespielt worden sind, wo die ganzen Dörfer teilgenommen haben an dem, was dargestellt worden ist. Da dürfen wir wohl sagen: In bezug auf diese Dinge, in bezug auf die Kenntnis der Weihnachtspiele sind wir eigentlich nur noch in der Lage gewesen, Sammler dessen zu sein, was eben untergeht. — Ich selber, der ich noch das Glück hatte, zu einem alten Freunde einen solchen Sammler zu haben, hörte aus dessen Munde noch so manches erzählen über das, was ihm als einem gelehrten Sammler der Weihnachtspiele entgegengetreten ist, namentlich in deutsch-ungarischen Gegenden.
[ 13 ] Thus, we may believe we are gaining some understanding of how, in those earlier times, the entire Christmas season—particularly among the peoples of various German and Eastern European regions—was actually steeped in festive celebration, and how such a festive celebration could be achieved with the simplest of means. But perhaps today only the spiritual seeker can understand what the essence of the old Christmas plays was. What I have just presented to you as the Star Song is merely a final ruin, a last remnant. If we were to go back through the centuries, we would find that, as this time approached, Christmas plays were performed across vast regions, where entire villages took part in what was being portrayed. We may well say: With regard to these things, with regard to knowledge of the Christmas plays, we have actually been able to do nothing more than collect what is now passing away. — I myself, who had the good fortune to have such a collector among my old friends, heard him recount many a story about what he, as a learned collector of Christmas plays, had encountered, particularly in German-Hungarian regions.
[ 14 ] In jenen deutschen Sprachinseln Ungarns, in denen vor der Zeit der Magyarisierung in den fünfziger, sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die deutsche Muttersprache, die deutsche Umgangssprache sich erhalten hatte, entfaltete sich noch so manches an Weihnachtspielen und Weihnachtsgebräuchen, was in den Hauptgegenden, im deutschen Mutterlande, längst hinuntergesunken war in den Strom der Vergessenheit. Die einzelnen Kolonisten, die im Laufe der vorherigen Jahrhunderte in die slawischen Gegenden eingewandert waren, bewahrten ihre alten Weihnachtspiele und erneuerten sie, wenn sich die richtigen Menschen fanden, die immer aus den Dorfleuten genommen wurden, um diese Weihnachtspiele darzustellen. Ich erinnere mich wohl noch — und Sie werden mir vielleicht doch zugestehen, solches beurteilen zu können -, mit welchem Enthusiasmus der alte Schröer über solche Weihnachtspiele sprach, wenn er davon erzählte, wie er dabeigewesen ist, wenn die Leute ihre Weihnachtspiele zu dieser Festeszeit gefeiert haben. Man bekommt sozusagen — das ist nicht zuviel gesagt — erst einen Begriff von dem innersten Wesen des Künstlerischen, wenn man zu diesen Dorfleuten geht und sieht, wie sie die einfache Kunst des Weihnachtspieles herausgeboren haben aus der heiligsten Stimmung. Die Menschen, welche heute glauben, von diesem oder jenem Lehrer deklamieren lernen zu können, die heute daoder dorthin laufen, um diese oder jene Atemübungen zu machen, welche die rechten sind — es gibt ja heute viele Dutzende der rechten Methoden der Atmung für Gesang oder Deklamation —, diese Menschen glauben, es käme darauf an, den Menschenleib oder den Kehlkopf zum rechten Automaten zu machen, um in materialistischer Weise irgendeine Kunst zu pflegen. Ich möchte nur, daß diese kuriose Ansicht niemals in unseren Kreisen wirklich Wurzel fassen kann, denn diese Menschen haben keinen Begriff, wie aus heiligster Stimmung, aus Gebetes-Weihnachtsstimmung heraus eine einfache, aber eine wirkliche Kunst geboren worden ist, dargestellt worden ist mit tiefster Christenstimmung in der Seele und in der Brust von Dorfbuben, von denen oft während des Jahres recht lose und nichtsnutzige Streiche ausgeführt wurden. Denn diese einfachen Leute unter ihren Strohdächern haben unendlich viel mehr gewußt von dem Zusammenhange von Menschenseele, vom ganzen Menschen und von Kunst, als man heute in unseren modernen Theatern oder sonstigem Kunstwesen weiß, und wenn noch soviel Aufhebens davon gemacht wird: daß Kunst etwas ist, was aus demganzen Menschen, und, wenn sie heilige Kunst ist, aus der heiligen, frommen Stimmung des Menschen hervorgehen muß.
[ 14 ] In those German-speaking enclaves of Hungary where the German mother tongue and colloquial German had been preserved prior to the period of Magyarization in the 1850s and 1860s, many Christmas plays and customs continued to flourish—customs that had long since sunk into oblivion in the main regions of the German motherland. The individual settlers who had immigrated to the Slavic regions over the course of previous centuries preserved their old Christmas plays and revived them whenever the right people were found—always drawn from the villagers—to perform these plays. I still remember well—and you will perhaps concede that I am qualified to judge such matters—the enthusiasm with which old Schröer spoke of such Christmas plays when he recounted how he had been present when the people celebrated their Christmas plays during this festive season. One gains, so to speak—and this is no exaggeration—only a sense of the innermost essence of the artistic when one goes to these villagers and sees how they have given birth to the simple art of the Christmas play out of the holiest of moods. The people who today believe they can learn to recite from this or that teacher, who today run here and there to do this or that breathing exercise—which are the right ones—for there are indeed many dozens of the right methods of breathing for singing or recitation—these people believe that it all comes down to turning the human body or the larynx into the right kind of automaton in order to cultivate some art in a materialistic way. I only wish that this curious view might never truly take root in our circles, for these people have no idea how, out of the holiest of moods, out of a Christmas spirit of prayer, a simple yet genuine art was born, was portrayed with the deepest Christian feeling in the soul and in the hearts of village boys, who often carried out rather frivolous and mischievous pranks during the year. For these simple people under their thatched roofs knew infinitely more about the connection between the human soul, the whole person, and art than is known today in our modern theaters or other artistic endeavors, even though so much fuss is made about the fact that art is something that must spring from the whole person, and, if it is sacred art, from the sacred, devout mood of the human being.
[ 15 ] Das kann Ihnen zum Beispiel hervorgehen aus den vier Hauptbestimmungen, wie sie in Gegenden bestanden, die Schröer noch besuchen konnte.
[ 15 ] This is evident, for example, from the four main regulations that were in effect in the areas Schröer was still able to visit.
[ 16 ] Wenn Weihnachtspiele aufgeführt wurden in Gegenden Oberungarns, da sammelte, wenn der Oktober oder November herannahte, der, welcher die früher nie aufgeschrieben überlieferten Weihnachtspiele hatte — denn das Aufschreiben wurde als eine Profanierung angesehen -, diejenigen Menschen, die er für geeignet hielt. Und geeignet waren in dieser Weihnachtszeit wirklich Menschen, von denen man es vielleicht sonst nicht vorausgesetzt hatte: lose, nichtsnutzige Buben, die schon ihr gut Teil an allem möglichen Allotria während des Jahres getrieben hatten. Während dieser Zeit aber senkte sich in diese Seelen die nötige Stimmung. Es waren strenge Vorschriften für die Teilnehmer der Weihnachtspiele während der wochenlangen Probenzeit. Ein jeder, der mitwirken wollte, hatte die vier folgenden Regeln strenge zu beachten. Dazu muß man sich natürlich in das Dorfleben versetzen und bedenken, was es im Dorfleben bedeutet, bei einer solchen Sache nicht mittun dürfen.
[ 16 ] When Christmas plays were performed in parts of Upper Hungary, as October or November approached, the person who possessed the traditionally passed-down Christmas plays—which had never been written down, since writing them down was considered a desecration—would gather together those people he deemed suitable. And during this Christmas season, people whom one might not otherwise have expected were indeed suitable: loose, good-for-nothing lads who had already gotten up to all sorts of mischief throughout the year. During this time, however, the necessary spirit descended upon these souls. There were strict rules for the participants in the Christmas plays during the weeks-long rehearsal period. Anyone who wanted to take part had to strictly observe the following four rules. To understand this, one must, of course, put oneself in the context of village life and consider what it means in village life not to be allowed to participate in such an event.
[ 17 ] «Ein jeder, der mitspielen will, darf 1. nicht zu ’n Diernen gehn, 2. keine Schelmliedel singen die ganze heilige Zeit über, 3. muß er ein ehrsames Leben führen, 4. muß er mir folgen. Für alles ist eine Geldstrafe, auch für jeden Gedächtnisfehler und dergleichen im Spiel.»
[ 17 ] “Anyone who wants to play must 1. not go to a servant, 2. not sing any bawdy songs during the entire holy season, 3. lead an honorable life, 4. follow me. There is a fine for everything, including for every slip of the tongue and the like during the play.”
[ 18 ] Klingt Ihnen nicht in dieser Gepflogenheit etwas nach von jenem Bewußtsein, das da war an heiligen Stätten in den alten Mysterien, wo man auch nicht gedacht hat, daß man zur Weisheit kommen kann durch eine gewöhnliche Schulung? So herrschte auch hier das Bewußtsein, daß der ganze Mensch mit seinem Gemüt und seiner Moral geläutert ünd gereinigt sein muß, wenn er in würdiger Weise an die Kunst herankommen will. Aus dem ganzen Menschen heraus sollten solche Dinge geboren sein. Und die Weihnachtsstimmung brachte so etwas zustande, daß Frommheit in den losesten Buben sein konnte.
[ 18 ] Doesn't this custom strike you as somewhat reminiscent of that consciousness that existed in the sacred places of the ancient mysteries, where it was not believed that one could attain wisdom through ordinary education? Here, too, the conviction prevailed that the whole person—with their mind and moral character—must be purified and cleansed if they are to approach art in a worthy manner. Such things were to be born from the whole person. And the Christmas spirit brought about a state of affairs in which piety could be found even in the most wayward of boys.
[ 19 ] Was ich Ihnen eben angeführt habe, was Schröer und andere noch an Weihnachtspielen sammeln konnten, die wie letzte Reste von alten Spielen gespielt worden sind, sind nur noch Ruinen. Wir schauen aber dabei zurück auf noch frühere Zeiten, auf Zeiten des 16., 15., 14. Jahrhunderts und so weiter, wo noch ganz andere Verhältnisse waren zwischen Dörfern und Städten, wo in der Tat die Seelen der Dorfbewohner zu dieser Christfestzeit in eine ganz andere Stimmung eintauchten durch das, was ihnen durch die Spiele gegeben werden konnte, wo mit den einfachsten, primitivsten Mitteln die heilige Legende dargestellt wurde, die Geburt des Christus, mit allem, was biblisch dazugehört. Und wie dem Weihnachtstag, dem 25. Dezember, im Kalender vorangeht der Adam- und Eva-Tag, so ging gewöhnlich dem Spiel, das als das eigentliche Weihnachtspiel galt, voran das sogenannte Paradeisspiel, das Spiel von Adam und Eva im Paradies, wie sie dem Teufel, der Schlange, zum Opfer gefallen sind. Man hatte in den einfachsten Gegenden unmittelbar Einblick gewinnen können in den Zusammenhang, der besteht zwischen dem Hinunterstieg des Menschen aus geistigen Höhen in die Sphäre des physischen Planes, und jenem Ruck, den der Mensch empfangen hat durch den Christus-Impuls, wieder hinauf in die geistigen Welten.
[ 19 ] What I have just mentioned to you—the Christmas plays that Schröer and others were able to collect, which were performed as the last remnants of old plays—are now nothing more than ruins. But in doing so, we look back to even earlier times, to the 16th, 15th, 14th centuries and so on, when conditions between villages and towns were quite different, when indeed the souls of the villagers were immersed in a completely different mood during this Christmas season through what the plays could offer them, when the holy legend—the birth of Christ, with all that belongs to it biblically—was portrayed with the simplest, most primitive means. And just as Christmas Day, December 25, is preceded in the calendar by the Feast of Adam and Eve, so the play that was regarded as the actual Christmas play was usually preceded by the so-called Paradise Play, the play of Adam and Eve in Paradise, depicting how they fell victim to the devil, the serpent. Even in the simplest regions, one could gain direct insight into the connection that exists between humanity’s descent from spiritual heights into the sphere of the physical plane, and that jolt that humanity received through the Christ impulse, back up into the spiritual worlds.
[ 20 ] Wenn der Mensch die Paulusbriefe liest, das Grandiose der Paulinischen Auffassung verspürt von dem Menschen, der in Adam heruntergestiegen ist von der geistigen Welt in die sinnliche, und von dem «neuen Adam», dem Christus, in dem der Mensch wieder hinaufsteigt von der Sinneswelt in die geistige, wenn der Mensch an Paulus das in grandioser Art empfinden und fühlen kann - in inniger, liebevoller, gemütvoller Weise konnten es die einfachsten Menschen, bis hinunter zu den Kindern, in der Tiefe ihres Herzens, in der Tiefe ihrer Seele empfinden, wenn ihnen in der Zeit nacheinander vorgeführt wurde das Paradeisspiel von Adam und Eva, vom Sündenfall der Menschen und von der Offenbarung des Christus in dem Weihnachtspiel. Und tief, tief hatte man empfunden den gewaltigen Einschnitt, der gemacht worden war in der Menschheitsentwickelung durch das Christus-Ereignis. Eine Umkehrung des Entwickelungsweges, so wurde das Christus-Ereignis empfunden. Ein Weg vom Himmel sozusagen auf die Erde war der Weg von Adam bis zum Christus hin. Ein Weg von der Erde bis zum Himmel ist der Weg von Christus bis zum Ende der Erdenzeit. Das hat man in innigster Art empfunden, wenn diese zwei hier ein wenig charakterisierten Spiele in primitiver Art vor die Augen von Tausenden und aber Tausenden von Menschen getreten sind. Denn man hat wirklich die völlige Erneuerung dessen empfunden, was der menschliche Geist ist, durch den Christus-Impuls.
[ 20 ] When a person reads the Epistles of Paul, senses the grandeur of the Pauline conception of the human being who, in Adam, descended from the spiritual world into the sensory world, and of the “new Adam,” Christ, in whom the human being ascends again from the sensory world into the spiritual, when a person can perceive and feel this in Paul in a magnificent way —in an intimate, loving, and heartfelt way, even the simplest people, right down to the children, could feel it in the depths of their hearts, in the depths of their souls, when, one after another, they were presented with the Paradise play of Adam and Eve, the Fall of humanity, and the revelation of Christ in the Christmas play. And deeply, deeply had people sensed the tremendous turning point that had been made in human development by the Christ event. A reversal of the path of development—that is how the Christ event was perceived. A path from heaven, so to speak, down to earth was the path from Adam to Christ. A path from Earth to heaven is the path from Christ to the end of the Earth’s time. This was felt in the most profound way when these two plays, briefly described here, were presented in a primitive form before the eyes of thousands upon thousands of people. For people truly sensed the complete renewal of what the human spirit is through the Christ impulse.
[ 21 ] Man kann darin vielleicht auch noch etwas wie einen Nachklang dessen fühlen, was man empfand in bezug auf diese Umkehrung des ganzen Menschheitsfortschrittes in jenen Worten, die aus alten, alten Zeiten, aus den ersten christlichen Jahrhunderten stammen, und die oft und oft gesprochen worden sind, auch noch im 8., 9., 10. Jahrhundert in Gegenden, in denen sich, namentlich innerhalb Europas, das Christentum ausgebreitet hat. Da fühlte man etwas Ungeheures bei Worten, wie die folgenden sind:
[ 21 ] One might perhaps also sense in this something of an echo of what one felt regarding this reversal of all human progress in those words that date back to ancient, ancient times, to the early Christian centuries, and that were spoken time and again, even in the 8th, 9th, 10th centuries in regions where Christianity had spread, particularly within Europe. There, one sensed something immense in words such as the following:
Ave maris stella
Dei mater alma
Atque semper virgo
Felix coeli porta.
Sumens illud Ave
Gabrielis ore
Funda nos in pace
Mutans nomen Evae!
Ave maris stella
Dei mater alma
Atque semper virgo
Felix coeli porta.
Sumens illud Ave
Gabrielis ore
Funda nos in pace
Mutans nomen Evae!
[ 22 ] Man fühlte, wenn diese Worte gesprochen wurden, den Weg des Menschen vom Himmel zur Erde durch den Sündenfall und den Aufstieg des Menschen durch den Christus von der Erde zum Himmel, und man fühlte ihn an den beiden Frauengestalten, an «Eva» und an dem Namen, den man der Jesus-Mutter beilegte, mit dem man sie sozusagen begrüßte, «Ave». Ave ist die Umkehrung des Namens Eva, wenn man Ave zurückliest, erhält man Eva. Das wurde in seiner ganzen vollen Bedeutung empfunden. Daher diese Worte, die zu gleicher Zeit zeigen, was man empfand innerhalb der elementarsten Naturerscheinungen, und zugleich das, was man Menschliches in der Legende sah:
[ 22 ] When these words were spoken, one sensed humanity’s journey from heaven to earth through the Fall, and humanity’s ascent through Christ from earth to heaven; and one sensed it in the two female figures, in “Eve” and in the name given to the Mother of Jesus, with which she was, so to speak, greeted: “Ave.” Ave is the reversal of the name Eve; if one reads Ave backward, one gets Eve. This was felt in its full significance. Hence these words, which reveal both what was felt within the most elementary natural phenomena and, at the same time, what was seen as human in the legend:
Ave, Stern des Meeres,
Göttlich junge Mutter
Und ewige Jungfrau,
Du glückliche Pforte des Himmels.
Nehmend jenes Ave
Als eine Gabe Gabriels,
Wurdest du uns die Grundlage zum Frieden,
Indem du umwendetest
Den Namen Eva!
Hail, Star of the Sea,
Divine young Mother
And eternal Virgin,
You blessed gate of heaven.
Receiving that Hail Mary
As a gift from Gabriel,
You became for us the foundation of peace,
By turning around
The name of Eve!
[ 23 ] In solchen einfachen Worten wurden die größten Mysterien, die größten Geheimnisse der Menschheitsentwickelung empfunden. Und in der Umkehrung des Namens Eva zu Ave empfand ein jeder das in inniger Art, was man in grandioser Weise den Paulusbriefen dann entnehmen kann, wenn man die Stellen liest von Adam, dem «alten» Adam, und von Christus, dem «neuen» Adam. Diese Stimmung war dann da, wenn in den Tagen des Christfestes nacheinander gespielt wurden in primitiver Art das Paradeisspiel, das den Sündenfall darstellte, und das Weihnachtspiel, das darstellte die Hoffnung, die jeglicher Menschenseele für die Zukunft werden kann, wenn sie jene Kraft, die im Christus-Impuls liegt, aufnimmt. Aber es gehört, um das fühlen zu können, eine Gemütsstimmung dazu, von der wir uns nur klarmachen sollen, daß sie heute in dieser Art nicht mehr da sein kann. Die Zeiten sind andere geworden. Eine solche Unmöglichkeit, hinzuschauen zu den geistigen Welten, wie sie heute für die primitivste und für die intelligenteste Bevölkerung besteht, ein solches grundmaterialistisches Element im Menschengemüt gab es allerdings dazumal nicht. Die geistige Welt vorauszusetzen, war eine Selbstverständlichkeit. Und ein gewisses Verständnis für diese geistige Welt in ihrem Unterschiede von der Sinneswelt war ebenso eine Selbstverständlichkeit. Die Menschen machen sich heute wenig einen Begriff, wie man spirituell fühlen konnte bis ins 15., 16. Jahrhundert herein, und wie im Grunde genommen überall ein Bewußtsein von Spiritualität vorhanden war. Wenn die Wiederholung eines der Weihnachtspiele, eines oberpfälzischen Weihnachtspieles, die in unseren beiden Kunstzimmern veranstaltet werden soll, gelingt, dann kann vielleicht auch außerhalb unserer Kreise wieder ein Verständnis dafür erweckt werden, was an spiritueller Stimmung darinnen ist. Für uns sollte diese oder jene Zeile gerade eines solchen Weihnachtspieles zum Erkennungszeichen werden für den spirituellen Sinn, der bei denen vorhanden war, die zur Festeszeit dieses Weihnachtspiel verstehen sollten. Wenn zum Beispiel in diesem oder jenem Weihnachtspiel die Maria, erwartend das Jesuskind, sagt: Die Zeit ist gekommen, ich sehe ein Kindelein — das heißt, hellseherisch erblickte sie in den Tagen, die der Geburt vorangehen, visionär das herannahende Kind, wie es in vielen Weihnachtspielen ist —, dann frage ich einmal, wo Sie heute bei derselben Gelegenheit eine ähnliche Erzählung finden können? Die Zeiten des Zusammenhanges mit der spirituellen Welt, wie er damals noch bewußt vorhanden war, sind nicht mehr vorhanden. Darüber darf man sich weder einer optimistischen noch einer pessimistischen Gesinnung hingeben. Man muß heute schon sehr weit hinausgehen in die primitivsten ländlichen Gegenden, wenn man die Vision finden will, welche die des Kindes ist, das in ein paar "Tagen kommen soll. So etwas gibt es noch.
[ 23 ] In such simple words, the greatest mysteries, the greatest secrets of human development, were perceived. And in the reversal of the name Eve to Ave, everyone felt in a deeply personal way what can be gleaned in a magnificent way from the Epistles of Paul when one reads the passages about Adam, the “old” Adam, and about Christ, the “new” Adam. This mood was present when, during the days of the Christmas festival, the “Paradise Play,” which depicted the Fall, and the “Christmas Play,” which depicted the hope that can become the future of every human soul if it takes in the power lying in the Christ impulse, were performed one after the other in a primitive manner. But to be able to feel this requires a state of mind of which we must simply realize that it can no longer exist in this form today. Times have changed. Such an inability to look toward the spiritual worlds, as exists today among both the most primitive and the most intelligent populations—such a fundamentally materialistic element in the human mind—certainly did not exist back then. To take the spiritual world for granted was a matter of course. And a certain understanding of this spiritual world in its distinction from the sensory world was likewise a matter of course. People today have little concept of how one could feel spiritually well into the 15th and 16th centuries, and how, fundamentally speaking, an awareness of spirituality was present everywhere. If the revival of one of the Christmas plays—an Upper Palatinate Christmas play—to be staged in our two art rooms is successful, then perhaps an appreciation for the spiritual atmosphere within it can be rekindled even beyond our own circles. For us, this or that line from just such a Christmas play should become a hallmark of the spiritual sense that was present in those who were meant to understand this Christmas play during the festive season. If, for example, in this or that Christmas play, Mary, awaiting the Christ Child, says: “The time has come, I see a little child”—that is, in the days leading up to the birth, she clairvoyantly beheld the approaching child in a vision, as is the case in many Christmas plays—then I ask: where can you find a similar narrative today on the same occasion? The times of connection with the spiritual world, as it was still consciously present back then, no longer exist. One must not indulge in either an optimistic or a pessimistic attitude regarding this. Today, one must go very far out into the most primitive rural areas if one wants to find the vision of the child who is to come in a few days. Such a thing still exists.
[ 24 ] Nur in eine solche Stimmung konnte natürlich dasjenige eingetaucht werden, was in diesen primitiven Erinnerungen und Gedanken an das größte Ereignis der Menschheitsentwickelung der Weihnachtszeit entgegengebracht wurde. Daher müssen wir es ganz begreiflich finden, daß anstelle jener früheren Poesie, jener einfachen, primitiven Kunst, die heutige Prosa der elektrischen Eisenbahnen und des Automobils getreten ist, die in so grotesker Weise zwischen den Alleen von Weihnachtsbäumen dahinsausen. Unmöglich für ein ästhetisch empfindendes Auge, die zwei Dinge zusammenzusehen: Weihnachtsbäume, Weihnachtsmärkte — und Automobile und elektrische Eisenbahnen dazwischen durchfahrend! Das Unmögliche ist natürlich heute eine Selbstverständlichkeit, aber für das ästhetisch empfindende Auge bleibt es dennoch ein Unmögliches. Trotzdem wollen wir Freunde, nicht Feinde der Kultur sein und verstehen, daß es eine Selbstverständlichkeit sein muß.
[ 24 ] Naturally, it was only in such a mood that one could immerse oneself in the feelings and thoughts expressed in these primitive recollections of the greatest event in human history—the Christmas season. Therefore, we must find it quite understandable that in place of that earlier poetry, that simple, primitive art, the prose of today’s electric railways and automobiles has taken its place, whizzing by in such a grotesque manner between the rows of Christmas trees. It is impossible for an aesthetically sensitive eye to see the two things together: Christmas trees, Christmas markets—and automobiles and electric trains driving through them! The impossible is, of course, a matter of course today, but for the aesthetically sensitive eye it remains nonetheless an impossibility. Nevertheless, let us be friends, not enemies, of culture and understand that it must be a matter of course.
[ 25 ] Wir wollen aber auch verstehen, wie es zusammenhängt mit dem materialistischen Zug, der durch alle Gemüter, nicht bloß der Städter, sondern auch der ländlichen Bevölkerung gegangen ist. Oh, wir können sie belauschen, die materialistische Stimmung, wie sie sich heranmacht an die Gemüter der Menschen. Gehen Sie ins 14., 13. Jahrhundert, da finden Sie, daß die Menschen vollständig wissen, daß sie etwas Spirituelles meinen, wenn sie zum Beispiel vom Baum der Erkenntnis im Paradiese reden. Sie wissen in der rechten Weise, was ihnen dargestellt wird in dem Paradeisspiel, wissen es spirituell zu beziehen auf das Richtige, was als der Baum der Erkenntnis oder als der Baum des Lebens dargestellt wird. Denn der Aberglaube war in jenen Zeiten noch keineswegs so verbreitet, wie er dann später im 15., 16., 17. Jahrhundert sich ausgebreitet hat. Dagegen finden wir schon im 15. Jahrhundert, zum Beispiel in der Gegend von Bamberg — das ist historisch nachzuweisen —, wie die Leute in der Weihnacht hinausgehen in die Apfelgärten, weil sie physisch, materiell erwarten, daß ein besonders ausersehener Apfelbaum in der Weihnacht blühen werde. Materialistisch ist das ganze Gemütsleben der Menschen geworden in der Epoche, die vom 13., 14. Jahrhundert angefangen über das 16., 17. Jahrhundert hinaufgeht, und nicht bloß in den Städten, sondern auch in den Seelen derjenigen, die einfache Dorfbewohner waren.
[ 25 ] But we also want to understand how this relates to the materialistic trend that has swept through everyone’s minds—not just those of city dwellers, but also of the rural population. Oh, we can hear it, this materialistic mood, as it creeps into people’s minds. Go back to the 14th or 13th century, and you will find that people fully understood that they were referring to something spiritual when, for example, they spoke of the Tree of Knowledge in Paradise. They understood in the right way what was being depicted to them in the Paradise play; they knew how to relate it spiritually to the true meaning of what was portrayed as the Tree of Knowledge or the Tree of Life. For superstition was by no means as widespread in those times as it later became in the 15th, 16th, and 17th centuries. In contrast, as early as the 15th century, for example in the Bamberg region—and this is historically verifiable—we find people going out into the apple orchards at Christmas because they physically, materially expect a specially chosen apple tree to bloom at Christmas. The entire emotional life of people became materialistic in the era spanning from the 13th and 14th centuries through the 16th and 17th centuries, and not merely in the cities, but also in the souls of those who were simple villagers.
[ 26 ] Es hat sich noch vieles von dem, was die alte Poesie war, in die Häuser mit ihrem Weihnachtsbaum hineingeschlichen. Aber es ist schon das, was in heiligster Stimmung die Dörfer wie ein Mysterium durchwehte, zu einer bloßen äußeren Poesie geworden, zur Poesie des Weihnachtsbaumes, die zwar noch immer schön ist, aber doch nur ein Nachklang eines Großen ist. Warum ist das so? Weil die Menschheit im Laufe der Zeiten eine Entwickelung durchmachen muß, weil das, was das Innige, das Große und Bedeutsame in einer Zeit ist, in derselben Art nicht für alle Zeiten bleiben kann. Denn der wäre ein Feind der Entwickelung der Menschheit, welcher das, was für eine Zeit groß ist, hinüberschleppen wollte in andere Zeiten. Eine jede Zeit hat ihre besonderen Aufgaben, und in einer jeden Zeit muß man verstehen, das, was in die Seelen und Herzen der Menschen dringen soll, in einer neuen Weise zu beleben. Unsere Zeit kann sich ganz gewiß in jene wirklichen Weihnachtsstimmungen, die wir andeutend schildern konnten, nur versenken wie in eine historische Erinnerung, wie in ein Stück Vergangenheit. Wenn wir aber doch das Symbol des Weihnachtsbaumes auch in unsere festlichen Versammlungen hereinholen, so tun wir es gerade aus dem Grunde, weil wir mit der anthroposophischen Geisteswissenschaft selber verbinden den Gedanken an eine neue Weihnachtsstimmung der Menschheit, der fortgeschrittenen Menschheit. Denn die Geisteswissenschaft soll die Geheimnisse des Christus in einer solchen Weise in die Herzen und Seelen der Menschen senken, wie es unserer Zeit angemessen ist. Trotzdem unsere heutigen Verkehrsmittel an uns vorbeisausen, wenn wir vor unsere Türen hinaustreten, oder vielleicht sogar mit uns in die Lüfte davonfliegen werden — bald werden diese Dinge noch ganz anders die Menschheit zur nüchternsten, zur fürchterlichsten Prosa bringen -, trotzdem müssen die Menschen der heutigen Zeit Gelegenheit haben, gerade in einer um so stärkeren, in einer um so bedeutungsvolleren Vertiefung ihrer Seele das Göttlich-Geistige wiederzufinden, das in einer so einfachen Weise für die primitiven Gemüter abgelebter Jahrhunderte vor die Augen treten konnte, wenn sie das heilige Kindlein in der Krippe zur Weihnachtszeit sahen. Wir brauchen heute andere Mittel, um diese Stimmung in der Seele wachzurufen. Wir versenken uns gewiß gern in das, was die Vorzeiten gehabt haben, um die Wege zum Christus-Ereignis zu finden, aber wir müssen auch unabhängig sein von der Zeit. Wie sich die Menschen der Vorzeit in die Naturgeheimnisse ganz hineingefühlt haben, so war es nur in einer primitiven Zeit möglich. Wir brauchen heute andere Mittel.
[ 26 ] Much of what once constituted the poetry of old has crept into homes with their Christmas trees. But what once swept through the villages like a mystery in the holiest of moods has become mere external poetry—the poetry of the Christmas tree, which, though still beautiful, is but an echo of something greater. Why is this so? Because humanity must undergo a process of development over the course of time, because what is intimate, great, and significant in one era cannot remain the same for all time. For anyone who would try to drag what is great in one era into other eras would be an enemy of humanity’s development. Every age has its own particular tasks, and in every age one must understand how to breathe new life into what is meant to penetrate the souls and hearts of people. Our age can certainly immerse itself in those true Christmas moods, which we have been able to sketch out, only as in a historical memory, as in a piece of the past. But when we do bring the symbol of the Christmas tree into our festive gatherings, we do so precisely because we associate with anthroposophical spiritual science itself the idea of a new Christmas spirit for humanity, for advanced humanity. For spiritual science is meant to instill the mysteries of Christ into the hearts and souls of people in a way that is appropriate to our time. Even though our modern means of transportation rush past us when we step outside our doors, or perhaps even carry us off into the skies—soon these things will lead humanity to the most sober, the most dreadful prose— nevertheless, people of today must have the opportunity to rediscover the divine-spiritual, precisely through an all the more profound, an all the more meaningful deepening of their souls—that which could appear so simply before the eyes of the primitive minds of bygone centuries when they saw the holy Child in the manger at Christmas time. Today we need other means to evoke this mood in the soul. We certainly like to immerse ourselves in what the ancients had in order to find the paths to the Christ event, but we must also be independent of time. Just as the people of antiquity felt themselves completely immersed in the mysteries of nature, so was this possible only in a primitive age. Today we need other means.
[ 27 ] Ich möchte Ihnen nur noch einen Begriff davon geben, wie sich die Menschen in die Natur hineingefühlt haben, wenn das Weihnachtsfest herangetreten ist, sich hineingefühlt haben in einer ganz primitiven Weise und dennoch vollsaftig in ihrem Gemüt aus dem Fühlen der Naturelemente gesprochen haben. Sie werden vielleicht, wenn ich Ihnen einen anderen kleinen Sterngesang mitteilen darf, es so recht nur an einer einzigen Stelle fühlen, wie aus der Seele die Elemente der Natur sprachen. Das übrige ist ziemlich primitiv. Hören Sie jedoch genauer zu, dann werden Sie jene Naturstimmung aus noch mehrerem herausfühlen.
[ 27 ] I would just like to give you a sense of how people used to connect with nature as Christmas approached—connecting in a very primitive way, yet speaking from the depths of their hearts with such richness, inspired by the elements of nature. Perhaps, if I may share another little star song with you, you will truly feel in just one passage how the elements of nature spoke from the soul. The rest is rather primitive. But if you listen more closely, you will sense that mood of nature in even more of it.
[ 28 ] Wenn nämlich der, welcher seine Spieler für das Weihnachtspiel oder Drei-Könige-Spiel zu sammeln hatte, mit ihnen ging, und wenn sie da oder dort auftraten, dann begrüßten sie zuerst diejenigen, welche sich versammelt hatten, denn jene abstrakte Stimmung, wie sie heute herrscht zwischen Darstellern und Zuschauern, gab es früher nicht. Die Menschen gehörten zusammen, und es war das Ganze eingetaucht in ein gemeinsames Milieu. Daher traten die Spieler so auf, daß sie die, welche da waren, und auch die, welche nicht da waren, in primitiver Weise begrüßten. Das gab wirklich Weihnachtsstimmung.
[ 28 ] For when the person in charge of gathering his actors for the Christmas play or the Epiphany play went with them, and when they performed here or there, they would first greet those who had gathered, because that detached atmosphere that prevails today between performers and spectators did not exist in the past. People belonged together, and the whole event was immersed in a shared atmosphere. Therefore, the performers took the stage in such a way that they greeted those who were present, as well as those who were not, in a simple, heartfelt manner. That truly created a Christmas spirit.
Der Sternsinger spricht:
Ir liabn meini singa samlet eng zsam
Gleiwia die kråpfen in der pfann.
Ir liabn meini singa trets zsam in a scheibn,
Ma wölln uns de wail mit singa vertreibn.
Ir liabn meini singa fangts tapfer ån.
Zu grüaß’n wölln ma’s heben ån.
Grüaß’n ma God Voda im hechsten thron
Und grüaß’n ma a sein einiga Son;
Grüaß’n ma a dazua den haligen Geist mit nama
Und grüaß’n ma’s älli drei zsamma.Joseph und Maria gehen auf die Bühne.
Grüaß’n ma Joseph und Maria rein,
Und grüaß’n ma das kloane kindalein.
Grüaß’n ma a ochs und esulein,
Wölche stehn bei dem krippalein.
Grüaß’n ma sie durch sunn und mondenschein,
Der leucht’t übers meer und über den Rhein.
Grüaß’n ma sie durch laub und gras,
Der halige regen måcht uns und eng ålli nåß.
Grüaß’n ma den kaiser mit der kron,
Grüaß’n ma den master, der’s machen kän.
Grüaß’n ma a dö geistlinga herrn,
Wail’s uns erlaubt hobn, des g’spül z’lern.
Grüaß’n ma den herrn richter mit seiner beschwörd,
Denn sie san der eren wert.
Und grüaß’n ma die gänzi ersame gmoan,
Alli, wie sie hier vasammelt san.
Grüaß’n ma den gänzen ersamen råt,
Wia sie God dazua verurdnet håt.
Grüaß’n ma sie durch ålli würzalein,
So vül als in der erden sein.
Ir liabn meini singa, fangt’s ånders ån,
Den stern zu grüaß’n wölln ma’s heben ån.
Grüaß’n ma unser sternstanga,
Daran unser stern tuat hanga.
Grüaß’n ma unser sternschar,
Daran unser stern umanand fart,
Grüaß’n ma a ålli hölzalein,
So vül als in dem sterne sein. —
Ir liabn meini singa, häbt’s mi wol vernumma,
Daß ma den stern håm ångsunga.
Grüaß’n ma unsern mastersinger guat,
Und grüaß’n ma den mastersinger sein huat.
Grüaß’n ma a unsern lermaster in der tät,
Wail er uns mit der hilf Godes geleret håt.
Ir liabn meini singa, håbt’s mi wol vernumma,
Daß ma dös ålls håbn ångsunga.
The carol singer says:
We, my dear singers, have gathered together
Just like the crabs in the pan.
We, my dear singers, have come together in a circle,
We want to chase away our sorrows with our singing.
We, my singers, begin bravely.
To greet, we’ll raise our voices.
We greet God the Father on His highest throne
And we also greet His only Son;
We also greet the Holy Spirit by name
And let us greet all three together.Joseph and Mary come onto the stage.
Let us greet Joseph and Mary warmly,
And let us greet the little child.
Let us also greet the ox and the donkey,
Who stand by the little manger.
Let us greet them through sun and moonlight,
Which shines over the sea and over the Rhine.
Let us greet them through leaves and grass,
The holy rain makes us and them all wet.
Let’s greet the emperor with his crown,
Let’s greet the master who can’t make it.
Let’s also greet the clergymen,
Since they’ve allowed us to learn this play.
Let us greet the honorable judge with his entourage,
For they are worthy of honor.
And let us greet the entire distinguished assembly,
All who are gathered here.
Let us greet the entire distinguished council,
As God has ordained it.
Let us greet them with every spice,
As many as there are on earth.
My dear singers, let us begin anew,
We wish to raise our voices to greet the star.
Let us greet our star-pole,
Upon which our star hangs.
Let us greet our star-cluster,
Through which our star travels,
Let us also greet all the little trees,
As many as there are in the star. —
My dear singers, you have surely heard me,
That we have sung of the star.
Let us greet our master singer well,
And let us greet the master singer’s hat.
Let us also greet our teacher in his work,
For he has taught us with God’s help.
You love to hear me sing, you have surely heard me,
That we have sung all this.
[ 29 ] Nun bitte ich Sie, acht darauf zu geben, was das heißt, so die Natur aufzurufen, daß man alle, die man begrüßen will, mit solcher Stimmung im Herzen begrüßt, daß man solche Stimmung fühlt aus «Ålli würzalein, so vül als in der erden sein»! Das ist Mitfühlen der Naturstimmung selber. So muß man anerkennen, wie damals der Mensch mit allem Heiligen, mit allem Großen und Spirituellen bis in die Wurzeln der Gräser und Bäume hinein verbunden war. Wer das nachempfinden kann, der fühlt bei einer solchen Zeile, wie der eben angedeuteten, etwas Grandioses in den Geheimnissen der Menschheitsentwickelung. Die Zeiten, wo das naturgemäß war, wo das selbstverständlich war, sind einmal vorüber, und wir brauchen heute andere Mittel. Wir brauchen gewissermaßen Mittel, die uns zu einem noch tieferen Quell der menschlichen Natur führen, zu jenem Quell der Menschennatur, der in einer gewissen Weise von der.äußeren Zeit unabhängig ist. Denn die Kultur selber, wie sie heute abläuft, macht es uns unmöglich, uns genau an die Jahreszeiten zu binden. Wer daher wirklich jene Stimmung versteht, die als die Christus-Stimmung zur heiligen Weihnacht in alten Zeiten zu empfinden war, wird auch Verständnis für das haben, was wir wollen, indem wir wieder künstlerisch vertiefen wollen, was wir aus der Geisteswissenschaft heraus gewinnen können, was wir wollen, indem wir darnach streben, jenen Quell in den Menschengemütern zu beleben, der in sich aufnehmen kann den ChristusImpuls.
[ 29 ] Now I ask you to consider what it means to call upon nature in such a way that one greets everyone one wishes to greet with such a mood in one’s heart—that one feels this mood emanating from “all the little herbs, as many as there are on earth”! This is empathizing with the mood of nature itself. Thus one must recognize how, in those days, human beings were connected to all that is holy, to all that is great and spiritual, right down to the roots of the grasses and trees. Whoever can empathize with this will sense, in a line such as the one just mentioned, something magnificent in the mysteries of human development. The times when this was natural, when it was taken for granted, are now past, and we need other means today. We need, so to speak, means that lead us to an even deeper source of human nature, to that source of human nature which is, in a certain sense, independent of external time. For culture itself, as it unfolds today, makes it impossible for us to bind ourselves precisely to the seasons. Whoever therefore truly understands that mood which, in ancient times, was felt as the Christ mood at Holy Christmas will also have an understanding of what we seek: to artistically deepen what we can gain from spiritual science, and to strive to revive that source in human hearts which can take in the Christ impulse.
[ 30 ] Wir können zur Weihnachtszeit nicht mehr unmittelbar das Große wachrufen, so gern wir auch gerade zu dieser Zeit in unseren Seelen diesen Impuls wachrufen wollten, aber wir suchen es immerdar. Und wenn wir in dem, was die anthroposophische Geisteswissenschaft der Menschheit sein soll, selber ein Christfest dieses Menschheitsfortschrittes sehen, und wenn wir hinblicken zu dem, was der einfache Mensch fühlen konnte, wenn ihm zur heiligen Weihnacht das Kindlein in der Krippe dargeboten wurde, dann sagen wir uns: Solche Stimmungen, solche Gefühle sollen in uns wach werden, wenn wir hinblicken auf das, was geboren werden kann in unserer Seele dann, wenn uns die Geist-Erkenntnis unseren innersten Quell so heilig stimmt, so läutert, daß er in sich aufnehmen kann das heilige Mysterium des ChristusImpulses,
[ 30 ] At Christmas time, we can no longer directly evoke the Great One, however much we might wish to awaken this impulse in our souls at this very time; yet we are always seeking it. And when we see in what anthroposophical spiritual science is meant to be for humanity a Christian festival of this human progress, and when we look to what the simple person could feel when the little child in the manger was presented to them at Holy Christmas, then we say to ourselves: Such moods, such feelings should awaken within us when we look toward what can be born in our soul when spiritual knowledge so sanctifies and purifies our innermost source that it can take within itself the holy mystery of the Christ impulse,
[ 31 ] Von diesem Gesichtspunkt aus versuchen wir auch wieder die wahre, im Geistigen quellende Kunst zu finden, jene Kunst, welche nur ein Kind der Frommheit, ein Kind der heiligsten Empfindungen sein kann. Wenn wir in dieser Beziehung das ewige, das unvergängliche Christfest der Menschheit fühlen: wie geboren werden kann in dem Menschen, in der menschlichen Seele, in dem menschlichen Gemüt jener Christus-Impuls — wenn wir durch die Geisteswissenschaft wieder erfahren, wie dieser Christus-Impuls etwas Reales ist, etwas, was sich wirklich als eine lebendige Kraft hineinergießen kann in unsere Seelen, in unsere Herzen -, dann wird uns durch die Geisteswissenschaft der Christus-Impuls nicht ein Abstraktum, ein Dogmatisches bleiben, sondern dann wird uns dieser Christus-Impuls, der aus unserer spirituellen Bewegung hervorgeht, etwas werden, was uns Trost in den schlimmsten Augenblicken unseres Lebens geben kann, was uns froh machen kann in der Hoffnung, daß, wenn der Christus geboren wird in unserer Seele, zur Weihnachtszeit dieser Seele, wir erwarten dürfen die Osterzeit, die Auferstehung des Geistes in dem eigenen Inneren.
[ 31 ] From this perspective, we also seek once more to rediscover the true art that springs from the spiritual realm—that art which can be nothing other than a child of piety, a child of the most sacred feelings. When we feel, in this connection, the eternal, imperishable Christian festival of humanity—how that Christ impulse can be born within the human being, within the human soul, within the human mind—when we experience through spiritual science once again how this Christ impulse is something real, something that can truly pour itself into our souls and hearts as a living force— then, through spiritual science, the Christ impulse will not remain an abstraction, a dogma for us, but rather this Christ impulse, arising from our spiritual movement, will become something that can give us comfort in the worst moments of our lives, something that can make us joyful in the hope that, when Christ is born in our soul, at the Christmas time of this soul, we may look forward to Easter, the resurrection of the spirit within ourselves.
[ 32 ] So müssen wir aus dem Materiellen, das in alle Geister, in alle Herzen eingezogen ist, wieder zum Spirituellen vorschreiten. Denn aus dem Geiste allein kann geboren werden jene Erneuerung, die notwendig ist gegenüber dem, was die heutige Prosa des Lebens ist. Wird es möglich sein, auch dann, wenn draußen die Automobile fahren, vielleicht die Luftballons durch die Luft fliegen, die elektrischen Bahnen dahinsausen, wird es dann möglich sein, daß in solchen Räumen, wie diese hier, sich etwas verbreitet von heiliger Stimmung, die allerdings nur durch das aufgenommen werden kann, was uns das ganze Jahr durch aus der Geist-Erkenntnis fließt, uns den Christus näherbringt, was in früherer Zeit in einer viel kindlicheren Stimmung aufleben durfte, dann besteht die Hoffnung, daß in einer gewissen Beziehung diese Versammlungsräume «Krippen» sein werden, auf die wir in einer ähnlichen Art blicken können, wie die Kinder und die Großen am Christabend, wenn die Krippe im Hause, oder früher in der Kirche, aufgerichtet war, hinblickten auf das Kindlein, auf die Hirten davor und auf «ochs und esulein, wölche stehn bei dem krippalein». Da haben sie gefühlt, daß von diesem Symbolum in ihr Herz strömte Kraft für alle Hoffnung, für alle Menschenliebe, für alle Menschengröße, für alle Erdenziele.
[ 32 ] Thus, we must move from the material world—which has permeated every mind and every heart—back toward the spiritual. For it is from the spirit alone that the renewal necessary to counter what life has become today can be born. Will it be possible, even when cars are driving outside, perhaps balloons are flying through the air, and electric trains are whizzing by, will it then be possible that in rooms such as these, a certain sacred atmosphere may prevail—one that can, however, only be absorbed through what flows to us throughout the year from spiritual knowledge, bringing us closer to Christ, and which in earlier times was allowed to come alive in a much more childlike spirit—then there is hope that, in a certain sense, these meeting rooms will be “manger scenes” that we can look upon in a similar way to how children and adults on Christmas Eve, when the manger scene was set up in the home, or formerly in the church, gazed upon the little Child, upon the shepherds before Him, and upon “the ox and the little donkey, which stand by the little manger.” There they felt that from this symbol, strength flowed into their hearts for all hope, for all love of humanity, for all human greatness, for all earthly goals.
[ 33 ] Wenn wir an diesem Tage, der geweiht und gewidmet sein soll der Erinnerung an den Christus-Impuls, fühlen können, daß das ganze Jahr hindurch durch unser ernstes geisteswissenschaftliches Streben in unseren Herzen etwas angefacht wird, dann werden unsere Herzen an diesem Tage fühlen: Das sind Krippen, diese unsere Versammlungsorte, und diese Lichter sind die Symbole! Diese Krippen enthalten durch die heilige Stimmung, die in ihnen ist, und diese Lichter durch das Symbolische ihres Glanzes, sie enthalten das, was wie die Weihnachtszeit, die Osterzeit eine große Zeit für die Menschheit vorbereiten soll: die Auferstehung des heiligsten Geistes, des wahrhaftigen spirituellen Lebens! Versuchen wir so zu empfinden, daß unsere Versammlungsräume zur Weihnachtszeit Krippen sind, Stätten, in denen sich, abgeschlossen von der äußeren Welt, ein Großes vorbereitet, lernen wir fühlen, wenn wir das ganze Jahr hindurch emsig lernen, daß unsere Einsichten, unsere Weistümer an diesem Weihnachtsabend sich zusammendrängen können in heiße Gefühle, die wie ein Feuer erglühen aus dem Brennmaterial, das wir das ganze Jahr hindurch durch die Vertiefung in große Lehren gewinnen. Und fühlen wir, daß wir dabei das Andenken an den größten Impuls der Menschheitsentwickelung pflegen, fühlen wir, wie deshalb an diesen Stätten der Glaube leben darf, daß einstmals dasjenige, was in so engem Krippenraum als ein heiliges Feuer und als ein hoffnungssicheres Licht erbrennt, hinausdringen wird in die Menschheit. Dann wird es stark genug, kräftig genug sein, um auch die härteste, die nüchternste Prosa des Lebens zu durchdringen, zu befeueren, zu erwärmen, zu erleuchten. Dann können wir Weihnachtsstimmung hier empfinden als Hoffnungsstimmung für jene Welt-Osterstimmung, welche der Ausdruck des lebendigen Geistes ist, der notwendig ist der neuen Menschheit.
[ 33 ] If, on this day—which is meant to be consecrated and dedicated to the memory of the Christ impulse—we can feel that our earnest spiritual-scientific striving throughout the year has kindled something within our hearts, then on this day our hearts will feel: These are manger scenes, these places where we gather, and these lights are the symbols! These manger scenes, through the sacred atmosphere within them, and these lights, through the symbolism of their radiance, contain that which, like the Christmas season and the Easter season, is meant to prepare a great time for humanity: the resurrection of the most sacred Spirit, of true spiritual life! Let us try to feel that our gathering places at Christmas time are mangers, places where, shut off from the outer world, something great is being prepared; let us learn to feel, as we diligently study throughout the year, that our insights and our wisdom may gather on this Christmas Eve into fervent feelings that blaze like a fire from the fuel we have gathered throughout the year through our immersion in great teachings. And when we feel that in doing so we are cherishing the memory of the greatest impulse in human development, we feel how, for this reason, faith may live in these places—the belief that one day what burns in such a narrow manger space as a sacred fire and a light of certain hope will reach out into humanity. Then it will be strong enough, powerful enough to penetrate, to kindle, to warm, and to illuminate even the harshest, the most sober prose of life. Then we can experience the Christmas spirit here as a spirit of hope for that world-Easter spirit, which is the expression of the living spirit that is necessary for the new humanity.
[ 34 ] Am besten feiern wir Weihnachten in unserer Seele, wenn wir die nächsten Tage mit dieser Stimmung ausfüllen, so ausfüllen, daß wir in unserem Weihnachten geistig vorbereiten Menschheits-Ostern, die Auferstehung des spirituellen Lebens. Ja, Krippen sollen unsere Arbeitsstätten zur Weihnachtszeit werden. Geboren soll werden das Lichtkind, das angefacht wird durch das ganze Jahr hindurch durch die Versenkung in die geisteswissenschaftlichen Weistümer. Geboren soll werden der Christ in der Menschenseele in unseren Arbeitsstätten, damit das spirituelle Leben auferstehen kann zur großen Österzeit der Menschheit, die in ihrem Wesen die Spiritualität als eine Auferstehung empfinden muß durch das Hinausströmen der Weihnachtsstimmung aus unseren Räumen in die allgemeine Menschheit der Gegenwart und der Zukunft.
[ 34 ] The best way to celebrate Christmas in our souls is to fill the coming days with this spirit—to fill them in such a way that, through our Christmas observance, we spiritually prepare for the “Easter of Humanity,” the resurrection of spiritual life. Yes, our workplaces should become nativity scenes during the Christmas season. The Child of Light is to be born, kindled throughout the year by immersion in the wisdom of spiritual science. The Christian is to be born in the human soul within our workplaces, so that spiritual life may rise again for the great Easter season of humanity, which must perceive spirituality in its very essence as a resurrection through the outflow of the Christmas spirit from our spaces into the general humanity of the present and the future.
