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Eine okkulte Physiologie
GA 128

20 März 1911, Prague

Erster Vortrag

[ 1 ] In diesem Vortragszyklus, der auf Veranlassung unserer Prager Freunde gehalten wird, soll ein Thema behandelt werden, welches dem Menschen ungeheuer naheliegt, weil es ja das genauere Wesen des Menschen unmittelbar berührt und von dem handelt, was sich auf sein physisches Leben selber bezieht. Wenn dieses Thema auch auf der einen Seite dem Menschen so naheliegt, weil es ihn ja selbst betrifft, so darf man doch sagen, daß es auf der anderen Seite ein sehr schwer zugängliches Thema ist. Denn schon der Blick auf die durch alle Zeiten, man möchte sagen, aus mystisch-okkulten Höhen an den Menschen dringende Forderung «Erkenne dich selbst» zeigt uns die Tatsache, daß Selbsterkenntnis, wirkliche, wahre Selbsterkenntnis, im Grunde genommen dem Menschen recht schwierig ist, und das bezieht sich nicht nur auf die individuelle, persönliche Selbsterkenntnis, sondern vor allen Dingen auch auf die Erkenntnis der menschlichen Wesenheit überhaupt. Und weil der Mensch — wie man sehen kann aus dieser ewigen Forderung «Erkenne dich selbst» — sich selbst seiner Wesenheit nach so sehr fernsteht, einen so weiten Weg hat, um sich selbst zu verstehen, deshalb wird in einer gewissen Beziehung das, was Gegenstand der folgenden Betrachtungen dieser Tage werden wird, als etwas Fernliegendes erscheinen, zu dessen Verständnis sehr Verschiedenes notwendig ist. Nicht ohne Grund ging ich selbst erst nach längerer Zeit und reiflicher Überlegung daran, auch einmal über dieses Thema zu sprechen. Denn es ist ein Thema, demgegenüber — soll man zu einer wahren, wahrhaften Betrachtung kommen — etwas unbedingt notwendig ist, was bei einer gewöhnlichen wissenschaftlichen Betrachtung so oft außer acht gelassen wird: Notwendig ist, daß man vor der Wesenheit des Menschen — wohlgemerkt, nicht vor der Wesenheit des einzelnen Menschen, insbesondere dann nicht, wenn dieser einzelne Mensch wir selber sind —, daß man vor dem Wesen des Menschen im allgemeinen Ehrfurcht habe. Und es muß als eine Grundbedingung für unsere folgenden Betrachtungen angesehen werden, daß man Ehrfurcht habe vor dem, was die menschliche Wesenheit in Wahrheit bedeutet.

[ 2 ] Wie kann man denn davor wahrhafte Ehrfurcht haben? Auf keine andere Art, als daß man zunächst absieht von dem, wie der Mensch — ganz gleichgültig, ob wir selbst oder ein anderer — uns im alltäglichen Leben erscheint, und indem man sich aufschwingt zu der Anschauung: Dieser Mensch mit seiner gesamten Entwickelung ist nicht um seiner selbst willen da, er ist da zur Offenbarung des Geistes, der ganzen Welt des Göttlich-Geistigen, er ist eine Offenbarung der Weltengottheit, des Weltengeistes. Und für diejenigen, die erkennen, daß alles, was uns umgibt, Ausdruck ist für göttlich-geistige Kräfte, für die ist es auch möglich, diese Ehrfurcht zu empfinden, nicht nur für das Göttlich-Geistige selbst, sondern auch für die Offenbarungen dieses Göttlich-Geistigen. Und wenn wir davon sprechen, daß der Mensch nach immer vollkommenerer Selbsterkenntnis trachte, so sollen wir uns darüber klar sein, daß nicht bloß Neugierde, meinetwillen auch Wißbegierde, uns veranlassen soll, nach Selbsterkenntnis zu streben, sondern daß wir es als Pflicht empfinden müssen, die Erkenntnis der Offenbarungen des Weltengeistes durch den Menschen immer vollkommener und vollkommener zu gestalten. In diesem Sinne sind die Worte zu verstehen: Unwissend zu bleiben, wo Erkenntnis möglich ist, bedeutet eine Versündigung gegen die göttliche Bestimmung des Menschen. Denn der Weltengeist hat in uns die Kraft gelegt, wissend zu werden; und wenn wir nicht erkennend werden wollen, so lehnen wir es ab — was wir eigentlich nicht dürften —, eine Offenbarung des Weltengeistes zu sein, und stellen immer mehr und mehr nicht eine Offenbarung des Weltengeistes dar, sondern eine Karikatur, ein Zerrbild von ihm. Es ist unsere Pflicht, nach Erkenntnis zu streben, um immer mehr und mehr ein Bild des Weltengeistes zu werden. Erst wenn wir mit diesen Worten einen Sinn verbinden können, «ein Bild des Weltengeistes zu werden», erst wenn es uns bedeutungsvoll wird, in diesem Sinne zu sagen: Wir müssen erkennen, es ist unsere Pflicht zu erkennen -, erst dann können wir das vorhin geforderte Gefühl von Ehrfurcht gegenüber der Wesenheit des Menschen so recht empfinden. Und für den, der im okkulten Sinne das Leben des Menschen, das Wesen des Menschen betrachten will, für den ist diese Durchdringung mit Ehrfurcht vor der menschlichen Natur schon deshalb eine unbedingte Notwendigkeit, weil diese Durchdringung mit Ehrfurcht einzig und allein geeignet ist, unsere geistigen Augen und unsere geistigen Ohren, unser ganzes geistiges Schauvermögen wachzurufen, das heißt diejenigen Kräfte, die uns eindringen lassen in die geistigen Untergründe der menschlichen Natur. Wer als Seher, als Geistesforscher nicht im höchsten Grade Ehrfurcht haben könnte vor der menschlichen Natur, wer sich nicht durchdringen kann bis in die innersten Fibern seiner Seele mit dem Gefühl von Ehrfurcht gegenüber der Menschennatur, dem Abbild des Geistes, dem bliebe das Auge, wenn es noch so geöffnet ist für diese oder jene geistigen Geheimnisse der Welt, verschlossen für alles das, was sich auf die eigentlich tiefere Wesenheit des Menschen selber bezieht. Und es mag viele Hellseher geben, welche dieses oder jenes schauen können in dem geistigen Umkreis unseres Daseins: Wenn ihnen diese Ehrfurcht fehlt, dann fehlt ihnen das Vermögen, in die Tiefen der menschlichen Natur hineinzuschauen, und sie werden nichts Richtiges über das zu sagen wissen, was des Menschen Wesenheit ist.

[ 3 ] Man nennt ja die Lehre von den Lebensvorgängen des Menschen «Physiologie». Diese Lehre soll hier nicht in der Weise betrachtet werden, wie es in der äußeren Wissenschaft geschieht, sondern so, wie sie dem geistigen Auge sich darbietet, so daß wir von den äußeren Gestaltungen des Menschen, von der Form und den Lebensvorgängen seiner Organe immer hinblicken auf die geistige, übersinnliche Grundlage der Organe, der Lebensformen, der Lebensprozesse. Und da nicht die Absicht besteht, diese «okkulte Physiologie», wie man auch sagen könnte, in irgendeiner unsachlichen Weise hier zu treiben, so wird es notwendig sein, daß in einer gewissen unbefangenen Weise an manchen Stellen Hindeutungen gemacht werden auf Dinge, welche dem mehr oder weniger Außenstehenden am Anfang recht unwahrscheinlich klingen werden. Es muß ausdrücklich betont werden, daß dieser Vortragszyklus, noch mehr als mancher andere, den ich gehalten habe, ein Ganzes bildet und daß aus einzelnen Vorträgen, insbesondere aus den Anfangsvorträgen, nichts aus dem Zusammenhang herausgerissen beurteilt werden kann, weil manches unbefangen wird gesagt werden müssen. Und erst, wenn man die Schlußvorträge gehört haben wird, wird man sich ein Urteil bilden können über das, was eigentlich gesagt werden soll. Denn das Thema wird hier in einer etwas anderen Weise behandelt werden als in der äußeren Physiologie. Die Anfangsgründe werden sich auch bestätigen durch das, was uns zuletzt entgegentreten wird. Wir werden sozusagen nicht eine gerade Linie vom Anfang bis zum Ende zu beschreiben haben, sondern wir werden in einer Kreislinie vorgehen, so daß wir am Ende dort wieder ankommen, von wo wir ausgegangen sind.

[ 4 ] Eine Betrachtung des Menschen soll es sein, was hier dargeboten wird. Zunächst tritt uns dieser Mensch für die äußeren Sinne seiner äußeren Form nach entgegen. Wir wissen ja, daß zu dem, was zunächst die reine äußere laienhafte Betrachtung über den Menschen wissen kann, heute schon sehr vieles kommt, was die Wissenschaft hinzuerforscht hat. Daher müssen wir das, was wir in äußerer Weise, aus der äußeren Erfahrung und Beobachtung über den Menschen heute wissen können, notwendigerweise zusammenstellen aus dem, was schon der Laie an sich und an anderen Menschen zu beobachten in der Lage ist, und dem, was der Wissenschaft gelungen ist zu erforschen, welche durch bewunderungswürdige Methoden, durch bewunderungswürdige Instrumente zu ihren Resultaten über die Leiblichkeit des Menschen kommt.

[ 5 ] Wenn man alles zusammenhält, was man als Laie rein äußerlich am Menschen sehen kann, was man vielleicht auch schon aus irgendwelchen populären Beschreibungen kennengelernt hat, dann wird es vielleicht nicht unverständlich sein, wenn darauf aufmerksam gemacht wird, daß schon die äußere Gestalt des Menschen, wie sie uns in der Außenwelt entgegentritt, aus einer Zweiheit besteht. Für den, der in die Tiefen der Menschennatur eindringen will, ist es durchaus notwendig, sich bewußt zu werden, daß schon der äußere Mensch seiner Form und Gestaltung nach im Grunde genommen eine Zweiheit darstellt.

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[ 6 ] Das eine, das wir am Menschen deutlich unterscheiden können, ist alles das, was sich als eingeschlossen erweist in Organe, die den größtmöglichen Schutz gegen die Außenwelt gewähren. Es ist alles das, was wir zählen können zum Bereich des Gehirns und des Rükkenmarkes. Alles, was in dieser Beziehung zur menschlichen Natur gehört, zu Gehirn und Rückenmark, ist fest umschlossen von sicheren, Schutz gewährenden Knochengebilden. Wenn wir schematisch darstellen wollen, was zu diesen beiden Bereichen gehört, so können wir uns das in folgender Weise veranschaulichen: Wenn a (siehe Zeichnung) schematisch darstellt die Summe der übereinandergelagerten Wirbelknochen, die längs des Rückenmarkes verlaufen, b die Schädeldecke und die Schädelknochen, so ist eingeschlossen innerhalb des Kanales, der gebildet wird durch die übereinandergelagerten Wirbelknochen sowie durch die Knochen des Schädels, alles, was in den Bereich des Gehirns und des Rückenmarkes gehört. Man kann den Menschen nicht betrachten, ohne sich bewußt zu werden, daß alles, was in diesen Bereich gehört, im Grunde genommen eine in sich geschlossene Ganzheit bildet und daß alles übrige vom Menschen, das wir in verschiedenster Weise physiologisch angliedern können — Hals, Rumpf, Gliedmaßengebilde -, mit Gehirn und Rückenmark in Verbindung steht durch, bildlich gesprochen, mehr oder weniger fadenförmige oder bandförmige Gebilde. Diese müssen erst die Schutzhülle durchbrechen, damit eine Verbindung hergestellt werden kann mit dem innerhalb dieser Knochengebilde eingeschlossenen Teil. So können wir sagen: Es erweist sich schon einer oberflächlichen Betrachtung gegenüber alles, was am Menschen ist, als eine Zweiheit; das eine liegt innerhalb der charakterisierten Knochengebilde in festen und sicheren Schutzhüllen, das andere außerhalb derselben.

[ 7 ] Nun müssen wir zunächst einen ganz oberflächlichen Blick auf das werfen, was innerhalb dieser Knochengebilde liegt. Da können wir wieder leicht unterscheiden zwischen jener großen Masse, die in die Schädelknochen eingebettet ist als Gehirn, und dem anderen Teil, der wie ein Stiel oder Strang daranhängt, der in organischer Verbindung mit dem Gehirn steht und sich wie eine Art fadenförmiger Auswuchs desselben in den Rückgratkanal hineinstreckt, das Rückenmark. Wenn wir diese zwei Gebilde voneinander unterscheiden, dann müssen wir schon auf etwas aufmerksam machen, worauf die äußere Wissenschaft nicht aufmerksam zu machen braucht, worauf aber die okkulte Wissenschaft, die in die Tiefe des Wesens der Dinge einzudringen hat, wohl aufmerksam machen muß. Es muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß alles, was wir auf dem Boden einer Betrachtung über den Menschen sagen, sich zunächst nur auf den Menschen bezieht. Denn in dem Augenblick, wo man in die tieferen Gründe der einzelnen Organe eindringt, wird man gewahr — wir werden im Laufe der Vorträge schon sehen, daß es so ist -—, daß ein Organ eine ganz andere Aufgabe haben kann in seiner tieferen Bedeutung beim Menschen als ein ähnliches oder gleichartiges Organ in der tierischen Welt. Wer in der gewöhnlichen äußeren Wissenschaft die Dinge betrachtet, wird sagen: Was du uns hier gesagt hast, kann man ja auch sagen in bezug auf die Säugetiere. - Aber, was über die Bedeutung der Organe in bezug auf den Menschen gesagt wird, das kann nicht, wenn man tiefer in die Sache dringt, in gleicher Weise für die Tiere gesagt werden, sondern die okkulte Wissenschaft hat die Aufgabe, die Tiere für sich zu betrachten und nachzusehen, ob dasselbe, was für den Menschen in bezug auf Rückenmark und Gehirn zu sagen ist, auch für die Tiere gilt. Denn daß die Tiere, die dem Menschen nahestehen, auch Rückenmark und Gehirn haben, das beweist noch nicht, daß diese Organe für Mensch und Tier dieselben Aufgaben haben, so wie man, um einen Vergleich zu gebrauchen, ein Messer in der Hand haben kann, um damit meinetwillen ein Kalb zu tranchieren oder auch um damit zu radieren. Beide Male hat man es mit einem Messer zu tun, und wer nur Rücksicht nimmt auf die Form des Messers, der wird glauben, daß es sich in beiden Fällen um dasselbe handelt. In derselben Lage wäre derjenige, welcher glaubt, weil sich bei Mensch und Tier dieselben Organe Gehirn und Rückenmark - finden, so würden diese zu denselben Verrichtungen dienen. Das ist aber nicht wahr. Das ist etwas, was in der äußeren Wissenschaft gang und gäbe geworden ist und zu gewissen Ungenauigkeiten geführt hat und was nur wird korrigiert werden können, wenn sich die äußere Wissenschaft dazu bequemen wird, allmählich auf das einzugehen, was aus den Tiefen der übersinnlichen Forschung über die Charaktere der Wesenheiten gesagt werden kann.

[ 8 ] Wenn wir nun betrachten das Rückenmark auf der einen Seite, das Gehirn auf der anderen Seite, so werden wir leicht sehen, daß das eine gewisse Wahrheit hat, worauf denkende Naturbetrachter schon seit mehr als hundert Jahren aufmerksam gemacht haben. Es hat eine gewisse Richtigkeit zu sagen: Wenn man das Gehirn betrachtet, so ‚sieht es gleichsam aus wie ein umgebildetes Rückenmark. — Das wird ja noch leichter begreiflich, wenn man sich daran erinnert, daß Goethe, Oken und andere Naturbetrachter vor allen Dingen den Blick darauf gerichtet haben, daß die Schädelknochen gewisse Formähnlichkeiten haben mit den Wirbelknochen des Rückgrates. Es war Goethe, der die Formähnlichkeiten der Organe aufmerksam betrachtet hat, sehr früh in seinen Betrachtungen aufgefallen, daß, wenn man einzelne Wirbelknochen sich umgestaltet denkt, verflacht und aufgetrieben, daß man dann durch eine solche Umgestaltung der Wirbelknochen zum Kopfknochen, zum Schädelknochen kommt. Gleichsam dadurch, daß man einen Wirbelknochen nach allen Seiten aufbläst, so daß er flach wird in seinen Ausdehnungen, wird man nach und nach aus einem Wirbelknochen die Form des Schädelknochens ableiten können. So kann man in einer gewissen Beziehung die Schädelknochen umgestaltete Wirbelknochen nennen. Geradeso nun, wie man die Schädelknochen, die das Gehirn umschließen, als umgebildete Wirbelknochen ansehen kann, so kann man sich die Masse des Rückenmarkes gleichsam aufgetrieben denken, differenzierter, komplizierter gemacht, und man bekommt aus dem Rückmark, gewissermaßen durch Umwandlung, das Gehirn. So etwa, wie eine Pflanze, die zunächst nur grüne Blätter hat, diese umbildet, differenziert, um buntfarbige Blütenblätter hervorzubringen, wie also die Blüten differenzierte Blätter sind, so können wir uns denken, daß durch Umgestaltung, durch Differenzierung der Form, durch Heraufheben des Rückenmarkes auf eine höhere Stufe, das Gehirn gebildet werden konnte. Man kann sich also vorstellen, daß wir in unserem Gehirn ein differenziertes Rückenmark sehen können.

[ 9 ] Nun schauen wir von diesem Gesichtspunkt aus uns die beiden Organe an. Welches dieser Organe müssen wir auf natürliche Weise als das jüngere betrachten? Das ist die Frage, die wir uns vorlegen müssen. Doch zweifellos nicht dasjenige, welches die abgeleitete Form zeigt, sondern das, welches die ursprüngliche Form hat. Das heißt, wir müssen uns denken, das Rückenmark steht auf einer ersten Stufe der Entwickelung, es ist jünger, und das Gehirn steht auf einer zweiten Stufe. Es hat zuerst die Stufe des Rückenmarkes durchgemacht, es ist ein verwandeltes Rückenmark und ist also als das ältere Organ zu betrachten. Mit anderen Worten, wenn wir diese neue Zweiheit, die uns am Menschen als Gehirn und Rückenmark entgegentritt, ins Auge fassen, so können wir sagen: Es müssen alle Kräfte, die zur Gehirnbildung führten, ältere Kräfte sein, denn sie müssen auf einer früheren Stufe erst die Anlage zum Rückenmark gebildet haben und dann weitergewirkt haben zur Umbildung des Rückenmarkes zum Gehirn. Es muß also gleichsam ein zweiter Ansatz gemacht worden sein in unserem Rückenmark, das als solches noch nicht so weit fortgeschritten ist, sondern eben stehengeblieben ist auf einer früheren Stufe der Entwickelung. Wir haben also, wenn wir uns jetzt pedantisch genau ausdrücken wollen, in dem RückenmarkNervensystem ein Rückenmark erster Ordnung zu sehen und in unserem Gehirn ein Rückenmark zweiter Ordnung, ein umgebildetes älteres Rückenmark, ein Rückenmark, das einmal ein solches war, aber zum Gehirn umgebildet worden ist.

[ 10 ] Damit haben wir zunächst in ganz genauer Weise auf das hingewiesen, was notwendig in Betracht zu ziehen ist, wenn wir die Organmassen, welche innerhalb dieser Knochenschutzhüllen eingeschlossen sind, sachgemäß ins Auge fassen wollen. Nun aber kommt etwas anderes in Betracht, was uns erst auf dem Felde des Okkultismus entgegentreten kann. Man kann eine Frage aufwerfen, nämlich: Wenn eine solche Umbildung stattfindet von einer Organanlage erster Stufe zu einer Organanlage zweiter Stufe, ist dann der Entwikkelungsprozeß ein fortschreitender oder ein rückläufiger? Das heißt, kann es ein solcher Prozeß sein, der zu höheren Vollkommenheitsstufen eines Organes führt, oder aber ein solcher Prozeß, der das Organ zum Degenerieren, zum allmählichen Absterben bringt? Betrachten wir ein Organ wie zum Beispiel unser Rückenmark. So wie es jetzt ist, so erscheint es uns als ein verhältnismäßig wenig fortgeschrittenes Organ, man könnte es als jung bezeichnen, denn es hat es noch nicht dahin gebracht, ein Gehirn zu werden. Wir können aber in zweifacher Weise über dieses Rückenmark denken. Einmal können wir uns denken, es habe in sich die Kräfte, auch einmal ein Gehirn zu werden, dann ist es in fortschreitender Entwickelung. Oder es habe gar nicht die Anlage dazu, diese zweite Stufe je zu erreichen, dann wäre es in absteigender Entwickelung, es würde in die Dekadenz gehen und bestimmt sein, die erste Stufe anzudeuten, jedoch nicht zur zweiten Stufe zu kommen. Wenn wir uns nun denken, daß unserem jetzigen Gehirn einmal ein Rückenmark zugrunde gelegen hat, so hat das damalige Rückenmark zweifellos fortschreitende Kräfte gehabt, denn es ist ja zum Gehirn geworden. Fragen wir uns aber jetzt nach unserem jetzigen Rückenmark, dann sagt uns die okkulte Betrachtungsweise: So wie unser Rückenmark heute ist, hat es in der Tat nicht in sich die Anlage zu einer fortschreitenden Entwickelung, sondern es bereitet sich vor, seine Entwickelung auf der gegenwärtigen Stufe abzuschließen. -— Wenn ich mich grotesk ausdrücken darf: Der Mensch hat nicht zu glauben, daß er einmal sein Rückenmark, wie es heute ist in Form eines dünnen Stranges, so aufgeplustert haben wird wie das heutige Gehirn. Wir werden noch sehen, was der okkulten Betrachtung zugrunde liegt, um so etwas sagen zu können. Schon aus einem reinen Vergleiche der Form dieses Organes, des Rückenmarkes, wie es beim Menschen auftritt und wie beim Tiere, sehen Sie eine äußere Hindeutung auf das, was jetzt gesagt worden ist. Da sehen Sie, wenn Sie zum Beispiel eine Schlange nehmen, wie in unzähligen Ringen hinter dem Kopf das Rückgrat ansetzt, ausgefüllt ist vom Rückenmark und wie das Rückgrat in einer Art gebildet ist, die fast endlos so weiter verlaufen könnte. Beim Menschen sehen wir, wie das Rückenmark von der Stelle, wo es sich an das Gehirn ansetzt, nach unten zu verlaufend, in der Tat immer mehr und mehr sich zusammenschließt und nach unten hin immer undeutlicher und undeutlicher jene Bildung zeigt, die es in den oberen Partien aufweist. So kann auch durch die äußere Betrachtung schon auffallen, wie das, was sich bei der Schlange nach rückwärts fortsetzt, beim Menschen einem Abschluß, einer Art Degeneration zueilt. Das ist zunächst eine äußere vergleichende Betrachtungsweise. Wir werden sehen, wie sich die okkulte Betrachtung ausnimmt.

[ 11 ] Wenn wir dies jetzt zusammenhalten, so dürfen wir sagen: Wir haben eingeschlossen in jenes Knochengebilde des Schädels ein Rükkenmark, das in fortschreitender Bildung zum Gehirn geworden ist, das auf einer zweiten Stufe seiner Entwickelung steht. Und wir haben gleichsam noch einmal einen Versuch, ein solches Gehirn zu bilden in unserem Rückenmark, aber einen Versuch, der schon jetzt zeigt, daß er nicht gelingen wird.

[ 12 ] Sehen wir jetzt von dieser Betrachtung ab und gehen zu dem über, was wir auch wieder schon aus einer äußeren laienhaften Betrachtung kennen: zu den Aufgaben, die Gehirn und Rückenmark zu erfüllen haben. Es ist ja jedem mehr oder weniger bekannt, daß das Werkzeug für die sogenannten höheren Seelentätigkeiten das Gehirn ist, daß diese höheren Seelentätigkeiten von dem Organ des Gehirns dirigiert werden. Es ist weiterhin jedem bekannt, daß die mehr unbewußten Seelentätigkeiten vom Rückenmark und den sich anschließenden Nerven dirigiert werden, diejenigen Seelentätigkeiten nämlich, bei welchen zwischen dem äußeren Eindruck und der Handlung, die auf den äußeren Eindruck folgt, wenig Überlegung sich einschiebt. Wenn Sie zum Beispiel von einem Insekt in die Hand gestochen werden, ziehen Sie die Hand zurück, Sie zucken zurück; da schiebt sich zwischen Stich und Zurückziehen der Hand keine große Überlegung ein. Diese Seelentätigkeiten werden mit Recht schon von der äußeren Wissenschaft so angesehen, daß ihnen als ihr Werkzeug das Rückenmark zugeteilt ist. Wir haben andere Seelentätigkeiten, bei denen sich zwischen den äußeren Eindruck und das, was zuletzt zur Handlung führt, eine reichere Überlegung einschiebt; diese haben ihr Organ im Gehirn. Denken Sie, um gleich ein markantes Beispiel zu nehmen, an einen Künstler, der die äußere Natur betrachtet, der seine Sinne anstrengt und unzählige Eindrücke sammelt; dann geht eine lange Zeit vorüber, in der er diese Eindrücke in seiner Seele verarbeitet. Endlich, oft erst nach Jahren, geht er dazu über, das, was aus den äußeren Eindrücken in langer Seelentätigkeit geworden ist, durch äußere Handlungen zu fixieren. Da schiebt sich zwischen äußeren Eindruck und das, was durch den Menschen aus dem äußeren Eindruck gemacht wird, eine reichere Seelentätigkeit ein. Dasselbe ist auch beim wissenschaftlichen Forscher der Fall, aber auch bei jedem Menschen, der sich die Dinge, die er tun will, überlegt und nicht wild darauflosstürzt wie ein Stier, wenn er rote Farbe sieht. Überall, wo der Mensch nicht aus einer Reflexbewegung handelt, sondern sich seine Handlungen überlegt, sprechen wir vom Gehirn als einem Werkzeug der Seelentätigkeit.

[ 13 ] Wenn wir noch tiefer auf diese Sache eingehen, werden wir uns fragen: Ja, wie zeigt sich denn diese unsere Seelentätigkeit, für welche wir das Gehirn als Werkzeug in Anspruch nehmen? Sie zeigt sich in zweifacher Art. Zunächst werden wir sie gewahr in unserem wachen Tagesleben. Was tun wir da? Wir sammeln durch die Sinne die äußeren Eindrücke und verarbeiten diese durch das Gehirn durch vernünftige Überlegung. Wir müssen uns vorstellen, daß die äußeren Eindrücke durch die Tore der Sinne in uns hineinwandern und gewisse Prozesse in unserem Gehirn anregen. Wenn wir hineinblikken könnten in das Gehirn und in das, was da geschieht, so würden wir sehen, wie unser Gehirn in Tätigkeit versetzt wird durch den sich hineinergießenden Strom der äußeren Eindrücke, und wir würden sehen, was aus diesen Eindrücken wird durch das, was die menschliche Überlegung bewirkt. Wir würden dann sehen, wie sich hinzugesellen auch die weniger von Überlegung beeinflußten Folgen dieser Eindrücke, das heißt Taten und Handlungen, die wir mehr seinem Werkzeug, dem Rückenmark, zuzuschreiben haben.

[ 14 ] Jetzt müssen wir unsere Aufmerksamkeit richten auf die zwei Zustände, in welchen der heutige Mensch das ganze Leben hindurch abwechselnd lebt, das wache Tagesleben und das bewußtlose Schlafleben. Aus früheren Vorträgen ist es uns geläufig, daß am Tage die vier Wesensglieder des Menschen zusammen sind, während beim Schlafen Astralleib und Ich sich herausheben. Nun kennen wir alle jenen eigentümlichen Zustand, der sich mischt zwischen das wache Tagesleben und das bewußtlose Schlafleben: das Traumleben. Es soll zunächst in keiner anderen Weise über das Traumleben gesprochen werden als so, wie es der Laie beobachten kann. Wir sehen, daß das Traumleben eine merkwürdige Ähnlichkeit hat mit jener untergeordneten Seelentätigkeit, die wir an das Rückenmark knüpfen. Denn wenn die Iraumbilder auftreten in unserer Seele, treten sie nicht auf als Vorstellungen, die der Überlegung entspringen, sondern sie treten mit Notwendigkeit auf, ähnlich wie etwa die unwillkürliche Handbewegung auftritt, wenn wir eine Fliege verjagen, die sich auf unsere Hand setzt; als unmittelbare, notwendige Abwehrbewegung tritt da eine Handlung auf. Beim Traumleben ist es etwas anders; es kommt nicht zu einer Handlung, aber mit einer ebenso unmittelbaren Notwendigkeit treten Bilder in unseren Seelenhorizont hinein. Aber so wenig, wie wir im wachen Tagesleben einen Überlegungseinfluß haben auf die Handbewegung, die wir machen, wenn sich eine Fliege auf unsere Hand setzt, ebensowenig haben wir einen Einfluß auf die chaotisch in uns auf- und abwogenden Traumbilder. Daher können wir sagen: Wenn wir einen Menschen im wachen Tagesleben erblikken und absehen von alle dem, was in ihm vorgeht, wenn wir nur seine Reflexbewegungen betrachten, alle Gesten und physiognomischen Ausdrücke, die er nur auf äußere Eindrücke hin, also ohne Überlegung vollbringt, so haben wir da eine Summe von solchen Handlungen vor uns, die aus Notwendigkeit beim Menschen eintreten. Erblicken wir dagegen einen träumenden Menschen, so sehen wir eine Summe von Bildern in das Wesen des Menschen hineinwirken, die jetzt nicht zu Handlungen führen, sondern nur Bildcharakter haben. Wie im wachen Tagesleben die ohne Überlegungen vor sich gehenden Handlungen des Menschen sich vollziehen, so erscheint im Menschen die Bilderwelt der chaotisch ineinanderwogenden Traumvorstellungen.

[ 15 ] Wenn wir nun hinblicken auf unser Gehirn und es auch ansehen wollen als ein Werkzeug des Traumbewußtseins, was müssen wir da tun? Wir müssen uns denken, daß in diesem Gehirn etwas drinnen ist, was sich in gewisser Weise ähnlich benimmt wie unser Rückenmark, das zu den unbewußtten Handlungen führt. Wir haben ja das Gehirn zunächst anzusehen als Werkzeug des wachen Seelenlebens, wo wir unsere überlegten Vorstellungen schaffen. Wir müßten nun finden, wie den Traumvorstellungen gleichsam ein geheimnisvolles Rückenmark zugrundeliegt, das wie eingepreßt im Gehirn sitzt, das es aber nicht zu Handlungen bringt, sondern nur zu Bildern. Während unser Rückenmark es zu Handlungen bringt, wenn sie auch nicht durch Überlegung zustande kommen, bringt es das Gehirn in diesem Falle bloß zu Bildern. Es bleibt gewissermaßen auf halbem Wege stehen; es ist etwas im Gehirn wie eine geheimnisvolle Unterlage für eine unbewußte Seelentätigkeit, das wie eine Art Einschiebsel mit dem Charakter des Rückenmarks sich vorstellen läßt. Könnten wir also nicht sagen: Die Traumwelt führt uns in merkwürdiger Weise dazu, geheimnisvoll hindeuten zu können auf jenes alte Rükkenmark, das einst dem Gehirn zugrundelag? — Wenn wir unser Gehirn betrachten, wie es heute ausgebildet ist als Werkzeug des wachen Tageslebens, so ist es uns so bekannt, wie es erscheint, wenn wir es aus der Schädelhöhle herausnehmen. Aber es muß etwas darinnen eingeschlossen sein, das auftritt, wenn das wache Tagesleben ausgelöscht ist. Und das zeigt die okkulte Betrachtung, daß in dem Gehirn ein geheimnisvolles Rückenmark darinnen ist als das Werkzeug des Traumlebens (siehe Zeichnung S. 24, schraffiert).

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[ 16 ] Wenn wir es uns schematisch zeichnen wollen, könnten wir es so darstellen, daß in dem Gehirn der Vorstellungswelt des wachen Tageslebens ein für die äußere Wahrnehmung unsichtbares geheimnisvolles altes Rückenmark liegt, das irgendwie da hineingeheimnißt ist. Ich will es zunächst ganz hypothetisch aussprechen, daß dieses Rückenmark dann in Tätigkeit kommt, wenn der Mensch schläft und träumt, und dann so tätig ist, wie es sich für ein Rückenmark schickt, nämlich so, daß es mit Notwendigkeit seine Wirkungen hervorbringt. Aber weil es eingepreßt ist in das Gehirn, führt es nicht zu Handlungen, sondern zu bloßen Bildern, zu Bildhandlungen; denn wir handeln ja im Traume nur in Bildern. So hätten wir auch aus diesern eigentümlichen, sonderbaren chaotischen Leben heraus, das wir im Traume führen, Hinweise darauf, daß unserem Werkzeug des wachen Tageslebens, als welches wir mit Recht unser Gehirn betrachten, ein geheimnisvolles Organ zugrundeliegt, das vielleicht eine ältere Bildung ist, aus der es sich herausentwickelt hat. Wenn die Neubildung, das heutige Gehirn, schweigt, dann zeigt sich das, was das Gehirn einmal war; da zaubert dieses alte Rückenmark das heraus, was es kann. Aber weil es eingeschlossen ist, bringt es dieses alte Rückenmark nicht zu Handlungen, sondern bloß zu Bildern.

[ 17 ] So also trennt uns die Betrachtung des Lebens selbst das Gehirn in zwei Stufen. Die Tatsache, daß wir träumen können, weist darauf hin, daß das Gehirn eine Entwicklung durchgemacht hat, in der es noch auf der Stufe des heutigen Rückenmarks stand, bevor es sich entwickelt hat zum Werkzeug des wachen Tageslebens. Wenn aber das wache Tagesleben schweigt, dann macht sich das alte Organ noch geltend.

[ 18 ] So haben wir durch das bisher Gesagte schon etwas Typisches gewonnen, das sich durch eine äußere Betrachtung der Formen schon nachweisen läßt: Das wache Tagesleben verhält sich zum Traumleben wie das ausgebildete Gehirn zum Rückenmark. Wenn wir nun fortschreiten zu einer seherischen Betrachtung, können wir zu dem, was uns die Formbetrachtung geben kann, etwas hinzufügen. In welcher Weise das okkulte Schauen, das seherische Auge als Unterlage dienen kann für die ganz wesenhafte Betrachtung der menschlichen Natur und auf welche okkulte Forschung sich die Anschauungen über die im Schädel und in der Wirbelsäule eingeschlossenen Organe stützen, werden wir später noch sehen.

[ 19 ] Nun wissen wir ja aus früheren Betrachtungen, daß des Menschen sichtbarer Leib nur ein Teil der gesamten Wesenheit des Menschen ist. In dem Augenblick, wo sich das hellseherische Auge öffnet, macht man die Erfahrung, daß dieser physische Leib sich eingeschlossen, eingebettet zeigt in einen übersinnlichen Organismus, in das, was man, grob gesprochen, die menschliche Aura nennt. Es wird dies hier zunächst wie eine Tatsache angeführt, und wir werden später darauf zurückkommen, inwiefern sie sich rechtfertigen läßt. Diese menschliche Aura, in welcher der physische Mensch nur wie ein Kern drinnen ist, zeigt sich für das seherische Auge als ein Farbengebilde, in dem verschiedene Farben auf- und abfluten. Man darf sich aber nicht vorstellen, daß man diese Aura malen könnte. Man kann sie nicht mit gewöhnlichen Farben wiedergeben, denn die Farben der Aura sind in fortwährender Bewegung, in fortwährendem Entstehen und Vergehen begriffen. Jedes Bild, das man von ihr malen wollte, könnte nur annähernd richtig sein, so wie auch niemand einen Blitz richtig malen kann, es würde nur ein starres Gebilde werden. Wie man den Blitz nicht richtig malen kann, so kann man das noch weniger bei der Aura, denn die aurischen Farben sind ungemein labil und beweglich, sie entstehen und vergehen fortwährend.

[ 20 ] Nun ziehen sich die aurischen Farben in merkwürdigster Weise verschieden über den ganzen menschlichen Organismus hin; und es ist interessant, auf das aurische Bild hinzuweisen, das sich für das hellseherische Auge ergibt, wenn wir Schädeldecke und Rückgrat von rückwärts betrachten. Wenn wir uns den Teil der Aura vorstellen — von rückwärts betrachtet —, in den Schädel und Rückgrat, also Gehirn und Rückenmark, eingebettet sind, so zeigt sich, daß wir für den Teil der Aura, der zu den unteren Partien des Rückenmarks gehört, eine besonders deutliche Grundfarbe angeben können: er zeigt sich grünlich. Und wir können wiederum eine deutliche Farbe angeben, die in ihrer Art in keinem anderen Teile des Körpers zutage tritt, für die oberen Partien des Kopfes, wo das Gehirn ist: es ist eine Art Violettblau. Diese Farbe legt sich gleich einer Kappe oder einem Helm von rückwärts nach vorne über den Schädel.

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[ 21 ] Unterhalb der violettblauen Partien sieht man in der Regel eine Nuance, von der Sie sich am ehesten eine Vorstellung machen können, wenn Sie sie mit der Farbe einer jungen Pfirsichblüte vergleichen. Zwischen dieser Farbe und der grünlichen Farbe der unteren Teile des Rückgrats haben wir im mittleren Teil des Rückens andere, unbestimmte Farbnuancen, die außerordentlich schwer zu beschreiben sind, weil sie unter den gewöhnlichen, uns aus unserer sinnlichen Umwelt bekannten Farben nicht vorkommen. So schließt sich an das Grün eine Farbe an, die nicht grün, nicht blau und nicht gelb ist, sondern wie ein Gemisch von allen dreien; es zeigen sich Farben zwischen Gehirn und Rückgratende, die es im Grunde genommen innerhalb der physisch-sinnlichen Welt überhaupt nicht gibt. Wenn das nun auch schwierig zu beschreiben ist, so ist doch eines mit Bestimmtheit zu sagen, daß wir oben bei jenem sozusagen aufgeblasenen Rückenmark ein Violettblau haben und, hinuntergehend zum Ende des Rückgrates, zu einem deutlich grünlichen Farbton kommen.

[ 22 ] Wir haben also heute an eine rein äußere Betrachtung der menschlichen Gestalt einige Tatsachen angeknüpft, die nur die hellseherische Forschung lehrt. Morgen soll nun versucht werden, auch die anderen Teile des physischen Menschenleibes, die sich an die bereits besprochenen angliedern, in ihrer Zweiheit zu betrachten, damit wir dann weiter vorgehen können und sehen, wie die ganze menschliche Wesenheit sich uns darstellt.