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An Occult Physiology
GA 128

20 March 1911, Prague

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Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] In diesem Vortragszyklus, der auf Veranlassung unserer Prager Freunde gehalten wird, soll ein Thema behandelt werden, welches dem Menschen ungeheuer naheliegt, weil es ja das genauere Wesen des Menschen unmittelbar berührt und von dem handelt, was sich auf sein physisches Leben selber bezieht. Wenn dieses Thema auch auf der einen Seite dem Menschen so naheliegt, weil es ihn ja selbst betrifft, so darf man doch sagen, daß es auf der anderen Seite ein sehr schwer zugängliches Thema ist. Denn schon der Blick auf die durch alle Zeiten, man möchte sagen, aus mystisch-okkulten Höhen an den Menschen dringende Forderung «Erkenne dich selbst» zeigt uns die Tatsache, daß Selbsterkenntnis, wirkliche, wahre Selbsterkenntnis, im Grunde genommen dem Menschen recht schwierig ist, und das bezieht sich nicht nur auf die individuelle, persönliche Selbsterkenntnis, sondern vor allen Dingen auch auf die Erkenntnis der menschlichen Wesenheit überhaupt. Und weil der Mensch — wie man sehen kann aus dieser ewigen Forderung «Erkenne dich selbst» — sich selbst seiner Wesenheit nach so sehr fernsteht, einen so weiten Weg hat, um sich selbst zu verstehen, deshalb wird in einer gewissen Beziehung das, was Gegenstand der folgenden Betrachtungen dieser Tage werden wird, als etwas Fernliegendes erscheinen, zu dessen Verständnis sehr Verschiedenes notwendig ist. Nicht ohne Grund ging ich selbst erst nach längerer Zeit und reiflicher Überlegung daran, auch einmal über dieses Thema zu sprechen. Denn es ist ein Thema, demgegenüber — soll man zu einer wahren, wahrhaften Betrachtung kommen — etwas unbedingt notwendig ist, was bei einer gewöhnlichen wissenschaftlichen Betrachtung so oft außer acht gelassen wird: Notwendig ist, daß man vor der Wesenheit des Menschen — wohlgemerkt, nicht vor der Wesenheit des einzelnen Menschen, insbesondere dann nicht, wenn dieser einzelne Mensch wir selber sind —, daß man vor dem Wesen des Menschen im allgemeinen Ehrfurcht habe. Und es muß als eine Grundbedingung für unsere folgenden Betrachtungen angesehen werden, daß man Ehrfurcht habe vor dem, was die menschliche Wesenheit in Wahrheit bedeutet.

[ 1 ] In this series of lectures, organized at the request of our friends in Prague, we will address a topic that is of immense personal relevance to human beings, as it directly touches upon the very essence of humanity and concerns matters that pertain to their physical lives. While this topic is, on the one hand, so close to human beings because it concerns them personally, one must nevertheless say that, on the other hand, it is a very difficult subject to grasp. For even a glance at the one might say, from mystical-occult heights, the urgent demand “Know thyself” shows us the fact that self-knowledge—real, true self-knowledge—is, in essence, quite difficult for human beings, and this refers not only to individual, personal self-knowledge, but above all to the knowledge of the human being in general. And because human beings—as can be seen from this eternal demand, “Know thyself”—are so far removed from their own nature, and have such a long way to go to understand themselves, the subject of the following reflections over the coming days will, in a certain sense, appear as something distant, the understanding of which requires a great deal of diverse knowledge. It was not without reason that I myself only set out to speak on this topic after a long time and careful consideration. For it is a topic in relation to which—if one is to arrive at a true, authentic contemplation—something is absolutely necessary that is so often disregarded in ordinary scientific inquiry: It is necessary to have reverence for the essence of the human being—mind you, not for the essence of the individual human being, especially not when that individual human being is ourselves—but for the essence of the human being in general. And it must be regarded as a fundamental prerequisite for our subsequent reflections that one have reverence for what the human essence truly signifies.

[ 2 ] Wie kann man denn davor wahrhafte Ehrfurcht haben? Auf keine andere Art, als daß man zunächst absieht von dem, wie der Mensch — ganz gleichgültig, ob wir selbst oder ein anderer — uns im alltäglichen Leben erscheint, und indem man sich aufschwingt zu der Anschauung: Dieser Mensch mit seiner gesamten Entwickelung ist nicht um seiner selbst willen da, er ist da zur Offenbarung des Geistes, der ganzen Welt des Göttlich-Geistigen, er ist eine Offenbarung der Weltengottheit, des Weltengeistes. Und für diejenigen, die erkennen, daß alles, was uns umgibt, Ausdruck ist für göttlich-geistige Kräfte, für die ist es auch möglich, diese Ehrfurcht zu empfinden, nicht nur für das Göttlich-Geistige selbst, sondern auch für die Offenbarungen dieses Göttlich-Geistigen. Und wenn wir davon sprechen, daß der Mensch nach immer vollkommenerer Selbsterkenntnis trachte, so sollen wir uns darüber klar sein, daß nicht bloß Neugierde, meinetwillen auch Wißbegierde, uns veranlassen soll, nach Selbsterkenntnis zu streben, sondern daß wir es als Pflicht empfinden müssen, die Erkenntnis der Offenbarungen des Weltengeistes durch den Menschen immer vollkommener und vollkommener zu gestalten. In diesem Sinne sind die Worte zu verstehen: Unwissend zu bleiben, wo Erkenntnis möglich ist, bedeutet eine Versündigung gegen die göttliche Bestimmung des Menschen. Denn der Weltengeist hat in uns die Kraft gelegt, wissend zu werden; und wenn wir nicht erkennend werden wollen, so lehnen wir es ab — was wir eigentlich nicht dürften —, eine Offenbarung des Weltengeistes zu sein, und stellen immer mehr und mehr nicht eine Offenbarung des Weltengeistes dar, sondern eine Karikatur, ein Zerrbild von ihm. Es ist unsere Pflicht, nach Erkenntnis zu streben, um immer mehr und mehr ein Bild des Weltengeistes zu werden. Erst wenn wir mit diesen Worten einen Sinn verbinden können, «ein Bild des Weltengeistes zu werden», erst wenn es uns bedeutungsvoll wird, in diesem Sinne zu sagen: Wir müssen erkennen, es ist unsere Pflicht zu erkennen -, erst dann können wir das vorhin geforderte Gefühl von Ehrfurcht gegenüber der Wesenheit des Menschen so recht empfinden. Und für den, der im okkulten Sinne das Leben des Menschen, das Wesen des Menschen betrachten will, für den ist diese Durchdringung mit Ehrfurcht vor der menschlichen Natur schon deshalb eine unbedingte Notwendigkeit, weil diese Durchdringung mit Ehrfurcht einzig und allein geeignet ist, unsere geistigen Augen und unsere geistigen Ohren, unser ganzes geistiges Schauvermögen wachzurufen, das heißt diejenigen Kräfte, die uns eindringen lassen in die geistigen Untergründe der menschlichen Natur. Wer als Seher, als Geistesforscher nicht im höchsten Grade Ehrfurcht haben könnte vor der menschlichen Natur, wer sich nicht durchdringen kann bis in die innersten Fibern seiner Seele mit dem Gefühl von Ehrfurcht gegenüber der Menschennatur, dem Abbild des Geistes, dem bliebe das Auge, wenn es noch so geöffnet ist für diese oder jene geistigen Geheimnisse der Welt, verschlossen für alles das, was sich auf die eigentlich tiefere Wesenheit des Menschen selber bezieht. Und es mag viele Hellseher geben, welche dieses oder jenes schauen können in dem geistigen Umkreis unseres Daseins: Wenn ihnen diese Ehrfurcht fehlt, dann fehlt ihnen das Vermögen, in die Tiefen der menschlichen Natur hineinzuschauen, und sie werden nichts Richtiges über das zu sagen wissen, was des Menschen Wesenheit ist.

[ 2 ] How, then, can one truly revere this? In no other way than by first setting aside the way human beings—whether ourselves or others—appear to us in everyday life, and by rising to the realization: This human being, with his entire development, is not here for his own sake; he is here to reveal the Spirit, the entire world of the Divine-Spiritual; he is a revelation of the World-Godhead, of the World-Spirit. And for those who recognize that everything surrounding us is an expression of divine-spiritual forces, it is also possible to feel this reverence, not only for the divine-spiritual itself, but also for the manifestations of this divine-spiritual. And when we speak of humanity striving for ever more perfect self-knowledge, we must be clear that it is not merely curiosity—or, for that matter, a thirst for knowledge—that should prompt us to strive for self-knowledge, but that we must feel it as a duty to make humanity’s understanding of the revelations of the World Spirit ever more perfect. In this sense, the following words are to be understood: To remain ignorant where knowledge is possible constitutes a sin against humanity’s divine destiny. For the World Spirit has placed within us the power to become knowing; and if we do not wish to become knowing, we reject—which we really ought not to do—the role of being a revelation of the World Spirit, and increasingly represent not a revelation of the World Spirit, but a caricature, a distorted image of it. It is our duty to strive for knowledge in order to become, more and more, an image of the World Spirit. Only when we can attach meaning to these words, “to become an image of the World Spirit,” only when it becomes meaningful for us to say in this sense: We must know, it is our duty to know—only then can we truly feel the sense of awe toward the essence of the human being that was called for earlier. And for those who wish to contemplate human life and the human being in the occult sense, this permeation with awe toward human nature is an absolute necessity simply because this permeation with awe is the only thing capable of awakening our spiritual eyes and ears, our entire spiritual vision, that is, those powers that allow us to penetrate into the spiritual depths of human nature. Whoever, as a seer or spiritual researcher, could not feel the highest degree of awe toward human nature, who cannot permeate even the innermost fibers of his soul with a sense of reverence for human nature, the image of the Spirit—to such a person, no matter how open his eye may be to this or that spiritual mystery of the world, it would remain closed to everything that pertains to the actually deeper essence of the human being himself. And there may be many clairvoyants who can perceive this or that within the spiritual sphere of our existence: if they lack this reverence, then they lack the ability to look into the depths of human nature, and they will have nothing true to say about what the human being truly is.

[ 3 ] Man nennt ja die Lehre von den Lebensvorgängen des Menschen «Physiologie». Diese Lehre soll hier nicht in der Weise betrachtet werden, wie es in der äußeren Wissenschaft geschieht, sondern so, wie sie dem geistigen Auge sich darbietet, so daß wir von den äußeren Gestaltungen des Menschen, von der Form und den Lebensvorgängen seiner Organe immer hinblicken auf die geistige, übersinnliche Grundlage der Organe, der Lebensformen, der Lebensprozesse. Und da nicht die Absicht besteht, diese «okkulte Physiologie», wie man auch sagen könnte, in irgendeiner unsachlichen Weise hier zu treiben, so wird es notwendig sein, daß in einer gewissen unbefangenen Weise an manchen Stellen Hindeutungen gemacht werden auf Dinge, welche dem mehr oder weniger Außenstehenden am Anfang recht unwahrscheinlich klingen werden. Es muß ausdrücklich betont werden, daß dieser Vortragszyklus, noch mehr als mancher andere, den ich gehalten habe, ein Ganzes bildet und daß aus einzelnen Vorträgen, insbesondere aus den Anfangsvorträgen, nichts aus dem Zusammenhang herausgerissen beurteilt werden kann, weil manches unbefangen wird gesagt werden müssen. Und erst, wenn man die Schlußvorträge gehört haben wird, wird man sich ein Urteil bilden können über das, was eigentlich gesagt werden soll. Denn das Thema wird hier in einer etwas anderen Weise behandelt werden als in der äußeren Physiologie. Die Anfangsgründe werden sich auch bestätigen durch das, was uns zuletzt entgegentreten wird. Wir werden sozusagen nicht eine gerade Linie vom Anfang bis zum Ende zu beschreiben haben, sondern wir werden in einer Kreislinie vorgehen, so daß wir am Ende dort wieder ankommen, von wo wir ausgegangen sind.

[ 3 ] The study of human physiological processes is known as “physiology.” This science is not to be considered here in the manner it is in external science, but rather as it presents itself to the spiritual eye, so that from the external forms of the human being, from the shape and life processes of his organs, we always look toward the spiritual, supersensory foundation of the organs, the life forms, and the life processes. And since there is no intention of pursuing this “occult physiology,” as one might call it, in any unscientific manner here, it will be necessary to make, in a certain unbiased way, references in some places to things that will sound quite improbable at first to the more or less uninitiated. It must be expressly emphasized that this lecture series, even more so than many others I have given, forms a whole, and that nothing from the individual lectures—especially the early ones—can be judged out of context, because certain things will have to be stated without reservation. And only after one has heard the concluding lectures will one be able to form a judgment about what is actually intended to be said. For the subject will be treated here in a somewhat different way than in external physiology. The initial premises will also be confirmed by what we will encounter at the end. We will not, so to speak, have to describe a straight line from beginning to end, but we will proceed in a circular path, so that in the end we arrive back where we started.

[ 4 ] Eine Betrachtung des Menschen soll es sein, was hier dargeboten wird. Zunächst tritt uns dieser Mensch für die äußeren Sinne seiner äußeren Form nach entgegen. Wir wissen ja, daß zu dem, was zunächst die reine äußere laienhafte Betrachtung über den Menschen wissen kann, heute schon sehr vieles kommt, was die Wissenschaft hinzuerforscht hat. Daher müssen wir das, was wir in äußerer Weise, aus der äußeren Erfahrung und Beobachtung über den Menschen heute wissen können, notwendigerweise zusammenstellen aus dem, was schon der Laie an sich und an anderen Menschen zu beobachten in der Lage ist, und dem, was der Wissenschaft gelungen ist zu erforschen, welche durch bewunderungswürdige Methoden, durch bewunderungswürdige Instrumente zu ihren Resultaten über die Leiblichkeit des Menschen kommt.

[ 4 ] What is presented here is intended to be a consideration of the human being. At first, this human being appears to us through the external senses in terms of his or her external form. We know, of course, that what a purely external, layman’s observation of the human being can initially know is now supplemented by a great deal of what science has discovered through research. Therefore, what we can know about human beings today in an external way, through external experience and observation, must necessarily be compiled from what even the layperson is able to observe in themselves and in others, and from what science has succeeded in researching—science which arrives at its findings regarding the physical nature of human beings through admirable methods and admirable instruments.

[ 5 ] Wenn man alles zusammenhält, was man als Laie rein äußerlich am Menschen sehen kann, was man vielleicht auch schon aus irgendwelchen populären Beschreibungen kennengelernt hat, dann wird es vielleicht nicht unverständlich sein, wenn darauf aufmerksam gemacht wird, daß schon die äußere Gestalt des Menschen, wie sie uns in der Außenwelt entgegentritt, aus einer Zweiheit besteht. Für den, der in die Tiefen der Menschennatur eindringen will, ist es durchaus notwendig, sich bewußt zu werden, daß schon der äußere Mensch seiner Form und Gestaltung nach im Grunde genommen eine Zweiheit darstellt.

[ 5 ] If we take into account everything that a layperson can observe purely externally in human beings—things one may have already encountered in various popular descriptions—then it may not be difficult to understand when it is pointed out that even the external form of the human being, as it appears to us in the external world, consists of a duality. For anyone who wishes to penetrate the depths of human nature, it is absolutely necessary to realize that even the outer human being, in terms of its form and structure, essentially represents a duality.

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[ 6 ] Das eine, das wir am Menschen deutlich unterscheiden können, ist alles das, was sich als eingeschlossen erweist in Organe, die den größtmöglichen Schutz gegen die Außenwelt gewähren. Es ist alles das, was wir zählen können zum Bereich des Gehirns und des Rükkenmarkes. Alles, was in dieser Beziehung zur menschlichen Natur gehört, zu Gehirn und Rückenmark, ist fest umschlossen von sicheren, Schutz gewährenden Knochengebilden. Wenn wir schematisch darstellen wollen, was zu diesen beiden Bereichen gehört, so können wir uns das in folgender Weise veranschaulichen: Wenn a (siehe Zeichnung) schematisch darstellt die Summe der übereinandergelagerten Wirbelknochen, die längs des Rückenmarkes verlaufen, b die Schädeldecke und die Schädelknochen, so ist eingeschlossen innerhalb des Kanales, der gebildet wird durch die übereinandergelagerten Wirbelknochen sowie durch die Knochen des Schädels, alles, was in den Bereich des Gehirns und des Rückenmarkes gehört. Man kann den Menschen nicht betrachten, ohne sich bewußt zu werden, daß alles, was in diesen Bereich gehört, im Grunde genommen eine in sich geschlossene Ganzheit bildet und daß alles übrige vom Menschen, das wir in verschiedenster Weise physiologisch angliedern können — Hals, Rumpf, Gliedmaßengebilde -, mit Gehirn und Rückenmark in Verbindung steht durch, bildlich gesprochen, mehr oder weniger fadenförmige oder bandförmige Gebilde. Diese müssen erst die Schutzhülle durchbrechen, damit eine Verbindung hergestellt werden kann mit dem innerhalb dieser Knochengebilde eingeschlossenen Teil. So können wir sagen: Es erweist sich schon einer oberflächlichen Betrachtung gegenüber alles, was am Menschen ist, als eine Zweiheit; das eine liegt innerhalb der charakterisierten Knochengebilde in festen und sicheren Schutzhüllen, das andere außerhalb derselben.

[ 6 ] The one thing we can clearly distinguish in human beings is everything that is enclosed within organs that provide the greatest possible protection against the outside world. It is everything that we can classify as belonging to the realm of the brain and the spinal cord. Everything that, in this respect, belongs to human nature—to the brain and spinal cord—is firmly enclosed within secure, protective bony structures. If we wish to schematically represent what belongs to these two areas, we can illustrate it as follows: If a (see diagram) schematically represents the stack of vertebrae running along the spinal cord, and b represents the skull vault and the bones of the skull, then enclosed within the canal formed by the stacked vertebrae as well as by the bones of the skull is everything that belongs to the realm of the brain and the spinal cord. One cannot look at a human being without realizing that everything belonging to this realm essentially forms a self-contained whole, and that everything else in the human being—which we can physiologically associate in various ways—such as the neck, torso, and limbs—is connected to the brain and spinal cord through, figuratively speaking, more or less thread-like or ribbon-like structures. These must first break through the protective covering so that a connection can be established with the part enclosed within these bony structures. Thus we can say: Even upon superficial observation, everything that is human reveals itself as a duality; one part lies within the bony structures described above, enclosed in firm and secure protective shells, the other outside of them.

[ 7 ] Nun müssen wir zunächst einen ganz oberflächlichen Blick auf das werfen, was innerhalb dieser Knochengebilde liegt. Da können wir wieder leicht unterscheiden zwischen jener großen Masse, die in die Schädelknochen eingebettet ist als Gehirn, und dem anderen Teil, der wie ein Stiel oder Strang daranhängt, der in organischer Verbindung mit dem Gehirn steht und sich wie eine Art fadenförmiger Auswuchs desselben in den Rückgratkanal hineinstreckt, das Rückenmark. Wenn wir diese zwei Gebilde voneinander unterscheiden, dann müssen wir schon auf etwas aufmerksam machen, worauf die äußere Wissenschaft nicht aufmerksam zu machen braucht, worauf aber die okkulte Wissenschaft, die in die Tiefe des Wesens der Dinge einzudringen hat, wohl aufmerksam machen muß. Es muß darauf aufmerksam gemacht werden, daß alles, was wir auf dem Boden einer Betrachtung über den Menschen sagen, sich zunächst nur auf den Menschen bezieht. Denn in dem Augenblick, wo man in die tieferen Gründe der einzelnen Organe eindringt, wird man gewahr — wir werden im Laufe der Vorträge schon sehen, daß es so ist -—, daß ein Organ eine ganz andere Aufgabe haben kann in seiner tieferen Bedeutung beim Menschen als ein ähnliches oder gleichartiges Organ in der tierischen Welt. Wer in der gewöhnlichen äußeren Wissenschaft die Dinge betrachtet, wird sagen: Was du uns hier gesagt hast, kann man ja auch sagen in bezug auf die Säugetiere. - Aber, was über die Bedeutung der Organe in bezug auf den Menschen gesagt wird, das kann nicht, wenn man tiefer in die Sache dringt, in gleicher Weise für die Tiere gesagt werden, sondern die okkulte Wissenschaft hat die Aufgabe, die Tiere für sich zu betrachten und nachzusehen, ob dasselbe, was für den Menschen in bezug auf Rückenmark und Gehirn zu sagen ist, auch für die Tiere gilt. Denn daß die Tiere, die dem Menschen nahestehen, auch Rückenmark und Gehirn haben, das beweist noch nicht, daß diese Organe für Mensch und Tier dieselben Aufgaben haben, so wie man, um einen Vergleich zu gebrauchen, ein Messer in der Hand haben kann, um damit meinetwillen ein Kalb zu tranchieren oder auch um damit zu radieren. Beide Male hat man es mit einem Messer zu tun, und wer nur Rücksicht nimmt auf die Form des Messers, der wird glauben, daß es sich in beiden Fällen um dasselbe handelt. In derselben Lage wäre derjenige, welcher glaubt, weil sich bei Mensch und Tier dieselben Organe Gehirn und Rückenmark - finden, so würden diese zu denselben Verrichtungen dienen. Das ist aber nicht wahr. Das ist etwas, was in der äußeren Wissenschaft gang und gäbe geworden ist und zu gewissen Ungenauigkeiten geführt hat und was nur wird korrigiert werden können, wenn sich die äußere Wissenschaft dazu bequemen wird, allmählich auf das einzugehen, was aus den Tiefen der übersinnlichen Forschung über die Charaktere der Wesenheiten gesagt werden kann.

[ 7 ] Now we must first take a very cursory look at what lies within these bony structures. Here we can again easily distinguish between that large mass embedded in the skull bones as the brain, and the other part that hangs from it like a stalk or strand, which is organically connected to the brain and extends into the spinal canal like a kind of thread-like outgrowth of the brain—the spinal cord. If we distinguish these two structures from one another, then we must already draw attention to something that external science need not draw attention to, but to which occult science—which must penetrate into the depths of the essence of things—must certainly draw attention. Attention must be drawn to the fact that everything we say on the basis of a consideration of the human being initially refers only to the human being. For the moment one delves into the deeper reasons behind the individual organs, one becomes aware—we will see in the course of these lectures that this is indeed the case—that an organ can have a completely different function in its deeper meaning in humans than a similar or analogous organ in the animal world. Anyone who views things from the perspective of ordinary external science will say: What you have told us here can also be said with regard to mammals. - But what is said about the significance of the organs in relation to human beings cannot, when one delves deeper into the matter, be said in the same way for animals; rather, occult science has the task of considering animals in their own right and examining whether what applies to human beings regarding the spinal cord and brain also applies to animals. For the fact that animals closely related to humans also have a spinal cord and a brain does not prove that these organs perform the same functions for humans and animals, just as, to use a comparison, one can hold a knife in one’s hand to carve a calf, for example, or to use it for erasing. In both cases, one is dealing with a knife, and anyone who considers only the shape of the knife will believe that it is the same thing in both instances. In the same position would be the person who believes that, because humans and animals possess the same organs—the brain and spinal cord—these serve the same functions. But that is not true. This is something that has become commonplace in external science and has led to certain inaccuracies, and which can only be corrected if external science is willing to gradually address what can be said from the depths of supersensible research regarding the characters of beings.

[ 8 ] Wenn wir nun betrachten das Rückenmark auf der einen Seite, das Gehirn auf der anderen Seite, so werden wir leicht sehen, daß das eine gewisse Wahrheit hat, worauf denkende Naturbetrachter schon seit mehr als hundert Jahren aufmerksam gemacht haben. Es hat eine gewisse Richtigkeit zu sagen: Wenn man das Gehirn betrachtet, so ‚sieht es gleichsam aus wie ein umgebildetes Rückenmark. — Das wird ja noch leichter begreiflich, wenn man sich daran erinnert, daß Goethe, Oken und andere Naturbetrachter vor allen Dingen den Blick darauf gerichtet haben, daß die Schädelknochen gewisse Formähnlichkeiten haben mit den Wirbelknochen des Rückgrates. Es war Goethe, der die Formähnlichkeiten der Organe aufmerksam betrachtet hat, sehr früh in seinen Betrachtungen aufgefallen, daß, wenn man einzelne Wirbelknochen sich umgestaltet denkt, verflacht und aufgetrieben, daß man dann durch eine solche Umgestaltung der Wirbelknochen zum Kopfknochen, zum Schädelknochen kommt. Gleichsam dadurch, daß man einen Wirbelknochen nach allen Seiten aufbläst, so daß er flach wird in seinen Ausdehnungen, wird man nach und nach aus einem Wirbelknochen die Form des Schädelknochens ableiten können. So kann man in einer gewissen Beziehung die Schädelknochen umgestaltete Wirbelknochen nennen. Geradeso nun, wie man die Schädelknochen, die das Gehirn umschließen, als umgebildete Wirbelknochen ansehen kann, so kann man sich die Masse des Rückenmarkes gleichsam aufgetrieben denken, differenzierter, komplizierter gemacht, und man bekommt aus dem Rückmark, gewissermaßen durch Umwandlung, das Gehirn. So etwa, wie eine Pflanze, die zunächst nur grüne Blätter hat, diese umbildet, differenziert, um buntfarbige Blütenblätter hervorzubringen, wie also die Blüten differenzierte Blätter sind, so können wir uns denken, daß durch Umgestaltung, durch Differenzierung der Form, durch Heraufheben des Rückenmarkes auf eine höhere Stufe, das Gehirn gebildet werden konnte. Man kann sich also vorstellen, daß wir in unserem Gehirn ein differenziertes Rückenmark sehen können.

[ 8 ] If we now consider the spinal cord on one side and the brain on the other, we will easily see that there is a certain truth to what thoughtful observers of nature have been pointing out for more than a hundred years. There is a certain accuracy in saying: When one looks at the brain, ‘it looks, as it were, like a transformed spinal cord.’ — This becomes even easier to understand when one recalls that Goethe, Oken, and other observers of nature focused their attention above all on the fact that the bones of the skull bear certain similarities in form to the vertebrae of the spine. It was Goethe, who closely observed the morphological similarities of the organs, who noticed very early in his reflections that if one imagines individual vertebrae being transformed—flattened and expanded—one then arrives, through such a transformation of the vertebrae, at the skull bones. As it were, by inflating a vertebral bone in all directions so that it becomes flat in its dimensions, one can gradually derive the shape of the skull bone from a vertebral bone. Thus, in a certain sense, the skull bones can be called transformed vertebral bones. Just as one can regard the skull bones that enclose the brain as transformed vertebrae, so one can imagine the mass of the spinal cord as if it were expanded, made more differentiated and complex, and from the spinal cord, through a process of transformation, one obtains the brain. Just as a plant that initially has only green leaves transforms and differentiates them to produce colorful petals—just as the petals are differentiated leaves—so we can imagine that the brain was formed through transformation, through differentiation of form, through the elevation of the spinal cord to a higher level. One can thus imagine that we can see a differentiated spinal cord within our brain.

[ 9 ] Nun schauen wir von diesem Gesichtspunkt aus uns die beiden Organe an. Welches dieser Organe müssen wir auf natürliche Weise als das jüngere betrachten? Das ist die Frage, die wir uns vorlegen müssen. Doch zweifellos nicht dasjenige, welches die abgeleitete Form zeigt, sondern das, welches die ursprüngliche Form hat. Das heißt, wir müssen uns denken, das Rückenmark steht auf einer ersten Stufe der Entwickelung, es ist jünger, und das Gehirn steht auf einer zweiten Stufe. Es hat zuerst die Stufe des Rückenmarkes durchgemacht, es ist ein verwandeltes Rückenmark und ist also als das ältere Organ zu betrachten. Mit anderen Worten, wenn wir diese neue Zweiheit, die uns am Menschen als Gehirn und Rückenmark entgegentritt, ins Auge fassen, so können wir sagen: Es müssen alle Kräfte, die zur Gehirnbildung führten, ältere Kräfte sein, denn sie müssen auf einer früheren Stufe erst die Anlage zum Rückenmark gebildet haben und dann weitergewirkt haben zur Umbildung des Rückenmarkes zum Gehirn. Es muß also gleichsam ein zweiter Ansatz gemacht worden sein in unserem Rückenmark, das als solches noch nicht so weit fortgeschritten ist, sondern eben stehengeblieben ist auf einer früheren Stufe der Entwickelung. Wir haben also, wenn wir uns jetzt pedantisch genau ausdrücken wollen, in dem RückenmarkNervensystem ein Rückenmark erster Ordnung zu sehen und in unserem Gehirn ein Rückenmark zweiter Ordnung, ein umgebildetes älteres Rückenmark, ein Rückenmark, das einmal ein solches war, aber zum Gehirn umgebildet worden ist.

[ 9 ] Now let us look at the two organs from this perspective. Which of these organs must we naturally regard as the younger one? That is the question we must ask ourselves. But undoubtedly not the one that exhibits the derived form, but rather the one that possesses the original form. That is to say, we must conceive of the spinal cord as being at a first stage of development; it is younger, and the brain is at a second stage. It first passed through the stage of the spinal cord; it is a transformed spinal cord and must therefore be regarded as the older organ. In other words, when we consider this new duality that presents itself to us in human beings as the brain and the spinal cord, we can say: All the forces that led to the formation of the brain must be older forces, for they must first have formed the rudiment of the spinal cord at an earlier stage and then continued to work toward the transformation of the spinal cord into the brain. There must therefore have been, as it were, a second development in our spinal cord, which as such is not yet so far advanced, but has remained at an earlier stage of development. So, if we wish to express ourselves with pedantic precision, we must regard the spinal cord nervous system as a spinal cord of the first order, and our brain as a spinal cord of the second order—a transformed, older spinal cord, a spinal cord that was once such but has been transformed into the brain.

[ 10 ] Damit haben wir zunächst in ganz genauer Weise auf das hingewiesen, was notwendig in Betracht zu ziehen ist, wenn wir die Organmassen, welche innerhalb dieser Knochenschutzhüllen eingeschlossen sind, sachgemäß ins Auge fassen wollen. Nun aber kommt etwas anderes in Betracht, was uns erst auf dem Felde des Okkultismus entgegentreten kann. Man kann eine Frage aufwerfen, nämlich: Wenn eine solche Umbildung stattfindet von einer Organanlage erster Stufe zu einer Organanlage zweiter Stufe, ist dann der Entwikkelungsprozeß ein fortschreitender oder ein rückläufiger? Das heißt, kann es ein solcher Prozeß sein, der zu höheren Vollkommenheitsstufen eines Organes führt, oder aber ein solcher Prozeß, der das Organ zum Degenerieren, zum allmählichen Absterben bringt? Betrachten wir ein Organ wie zum Beispiel unser Rückenmark. So wie es jetzt ist, so erscheint es uns als ein verhältnismäßig wenig fortgeschrittenes Organ, man könnte es als jung bezeichnen, denn es hat es noch nicht dahin gebracht, ein Gehirn zu werden. Wir können aber in zweifacher Weise über dieses Rückenmark denken. Einmal können wir uns denken, es habe in sich die Kräfte, auch einmal ein Gehirn zu werden, dann ist es in fortschreitender Entwickelung. Oder es habe gar nicht die Anlage dazu, diese zweite Stufe je zu erreichen, dann wäre es in absteigender Entwickelung, es würde in die Dekadenz gehen und bestimmt sein, die erste Stufe anzudeuten, jedoch nicht zur zweiten Stufe zu kommen. Wenn wir uns nun denken, daß unserem jetzigen Gehirn einmal ein Rückenmark zugrunde gelegen hat, so hat das damalige Rückenmark zweifellos fortschreitende Kräfte gehabt, denn es ist ja zum Gehirn geworden. Fragen wir uns aber jetzt nach unserem jetzigen Rückenmark, dann sagt uns die okkulte Betrachtungsweise: So wie unser Rückenmark heute ist, hat es in der Tat nicht in sich die Anlage zu einer fortschreitenden Entwickelung, sondern es bereitet sich vor, seine Entwickelung auf der gegenwärtigen Stufe abzuschließen. -— Wenn ich mich grotesk ausdrücken darf: Der Mensch hat nicht zu glauben, daß er einmal sein Rückenmark, wie es heute ist in Form eines dünnen Stranges, so aufgeplustert haben wird wie das heutige Gehirn. Wir werden noch sehen, was der okkulten Betrachtung zugrunde liegt, um so etwas sagen zu können. Schon aus einem reinen Vergleiche der Form dieses Organes, des Rückenmarkes, wie es beim Menschen auftritt und wie beim Tiere, sehen Sie eine äußere Hindeutung auf das, was jetzt gesagt worden ist. Da sehen Sie, wenn Sie zum Beispiel eine Schlange nehmen, wie in unzähligen Ringen hinter dem Kopf das Rückgrat ansetzt, ausgefüllt ist vom Rückenmark und wie das Rückgrat in einer Art gebildet ist, die fast endlos so weiter verlaufen könnte. Beim Menschen sehen wir, wie das Rückenmark von der Stelle, wo es sich an das Gehirn ansetzt, nach unten zu verlaufend, in der Tat immer mehr und mehr sich zusammenschließt und nach unten hin immer undeutlicher und undeutlicher jene Bildung zeigt, die es in den oberen Partien aufweist. So kann auch durch die äußere Betrachtung schon auffallen, wie das, was sich bei der Schlange nach rückwärts fortsetzt, beim Menschen einem Abschluß, einer Art Degeneration zueilt. Das ist zunächst eine äußere vergleichende Betrachtungsweise. Wir werden sehen, wie sich die okkulte Betrachtung ausnimmt.

[ 10 ] We have thus first pointed out in great detail what must be taken into account if we are to properly consider the organ masses enclosed within these bony protective shells. Now, however, another factor comes into play, one that can only be encountered in the realm of occultism. One can raise the question: When such a transformation takes place from a first-stage organ formation to a second-stage organ formation, is the developmental process progressive or regressive? That is to say, can it be a process that leads to higher stages of perfection in an organ, or rather a process that causes the organ to degenerate, to gradually die off? Let us consider an organ such as our spinal cord. As it is now, it appears to us as a relatively undeveloped organ; one could call it young, for it has not yet managed to become a brain. But we can think of this spinal cord in two ways. First, we can imagine that it possesses the potential to one day become a brain; in that case, it is in a state of progressive development. Or we can imagine that it lacks the capacity to ever reach this second stage; in that case, it would be in a state of descending development, heading toward decay and destined to hint at the first stage but never to reach the second. If we now imagine that our present brain was once based on a spinal cord, then that spinal cord of the past undoubtedly possessed progressive forces, for it did indeed become a brain. But if we now ask ourselves about our present spinal cord, the occult perspective tells us: As our spinal cord is today, it does not in fact possess the potential for progressive development, but is preparing to complete its development at the present stage. — If I may put it grotesquely: Human beings should not believe that their spinal cord, as it is today in the form of a thin strand, will one day be as puffed up as the brain is today. We shall yet see what underlies the occult perspective that allows us to say such a thing. Even from a mere comparison of the form of this organ, the spinal cord, as it appears in humans and as it does in animals, you can see an external indication of what has just been said. For example, if you take a snake, you can see how the spine begins behind the head in countless rings, filled with the spinal cord, and how the spine is formed in a way that could continue almost endlessly. In humans, we see how the spinal cord, running downward from the point where it connects to the brain, in fact closes in more and more and, as it descends, increasingly loses the structure it exhibits in the upper regions. Thus, even through external observation, it is already apparent how what continues backward in the snake is approaching a conclusion, a kind of degeneration, in the human being. This is, for the time being, an external, comparative perspective. We shall see what the occult perspective looks like.

[ 11 ] Wenn wir dies jetzt zusammenhalten, so dürfen wir sagen: Wir haben eingeschlossen in jenes Knochengebilde des Schädels ein Rükkenmark, das in fortschreitender Bildung zum Gehirn geworden ist, das auf einer zweiten Stufe seiner Entwickelung steht. Und wir haben gleichsam noch einmal einen Versuch, ein solches Gehirn zu bilden in unserem Rückenmark, aber einen Versuch, der schon jetzt zeigt, daß er nicht gelingen wird.

[ 11 ] If we now consider this as a whole, we may say: Enclosed within that bony structure of the skull is a spinal cord that, through progressive development, has become the brain, which is now at a second stage of its evolution. And we are, as it were, making another attempt to form such a brain in our spinal cord, but an attempt that already shows it will not succeed.

[ 12 ] Sehen wir jetzt von dieser Betrachtung ab und gehen zu dem über, was wir auch wieder schon aus einer äußeren laienhaften Betrachtung kennen: zu den Aufgaben, die Gehirn und Rückenmark zu erfüllen haben. Es ist ja jedem mehr oder weniger bekannt, daß das Werkzeug für die sogenannten höheren Seelentätigkeiten das Gehirn ist, daß diese höheren Seelentätigkeiten von dem Organ des Gehirns dirigiert werden. Es ist weiterhin jedem bekannt, daß die mehr unbewußten Seelentätigkeiten vom Rückenmark und den sich anschließenden Nerven dirigiert werden, diejenigen Seelentätigkeiten nämlich, bei welchen zwischen dem äußeren Eindruck und der Handlung, die auf den äußeren Eindruck folgt, wenig Überlegung sich einschiebt. Wenn Sie zum Beispiel von einem Insekt in die Hand gestochen werden, ziehen Sie die Hand zurück, Sie zucken zurück; da schiebt sich zwischen Stich und Zurückziehen der Hand keine große Überlegung ein. Diese Seelentätigkeiten werden mit Recht schon von der äußeren Wissenschaft so angesehen, daß ihnen als ihr Werkzeug das Rückenmark zugeteilt ist. Wir haben andere Seelentätigkeiten, bei denen sich zwischen den äußeren Eindruck und das, was zuletzt zur Handlung führt, eine reichere Überlegung einschiebt; diese haben ihr Organ im Gehirn. Denken Sie, um gleich ein markantes Beispiel zu nehmen, an einen Künstler, der die äußere Natur betrachtet, der seine Sinne anstrengt und unzählige Eindrücke sammelt; dann geht eine lange Zeit vorüber, in der er diese Eindrücke in seiner Seele verarbeitet. Endlich, oft erst nach Jahren, geht er dazu über, das, was aus den äußeren Eindrücken in langer Seelentätigkeit geworden ist, durch äußere Handlungen zu fixieren. Da schiebt sich zwischen äußeren Eindruck und das, was durch den Menschen aus dem äußeren Eindruck gemacht wird, eine reichere Seelentätigkeit ein. Dasselbe ist auch beim wissenschaftlichen Forscher der Fall, aber auch bei jedem Menschen, der sich die Dinge, die er tun will, überlegt und nicht wild darauflosstürzt wie ein Stier, wenn er rote Farbe sieht. Überall, wo der Mensch nicht aus einer Reflexbewegung handelt, sondern sich seine Handlungen überlegt, sprechen wir vom Gehirn als einem Werkzeug der Seelentätigkeit.

[ 12 ] Let us now set this line of thought aside and turn to what we already know from a superficial, layman’s perspective: the functions that the brain and spinal cord are responsible for. It is, after all, more or less common knowledge that the brain is the instrument for the so-called higher mental activities, and that these higher mental activities are directed by the brain. It is also common knowledge that the more unconscious mental activities are directed by the spinal cord and the nerves connected to it—namely, those mental activities in which little deliberation intervenes between the external stimulus and the action that follows it. If, for example, you are stung by an insect on your hand, you pull your hand back; you flinch; there is no great deliberation between the sting and the withdrawal of the hand. These mental activities are rightly regarded by external science as having the spinal cord assigned to them as their instrument. We have other mental activities in which a richer deliberation intervenes between the external impression and what ultimately leads to action; these have their organ in the brain. To take a striking example right away, think of an artist who observes the external world, who strains his senses and gathers countless impressions; then a long time passes during which he processes these impressions in his soul. Finally, often only after years, he proceeds to fix through external actions what has become of the external impressions through a long process of mental activity. Here, a richer mental activity intervenes between the external impression and what the human being makes of the external impression. The same is true of the scientific researcher, but also of every person who considers the things they wish to do and does not rush headlong into them like a bull seeing the color red. Whenever a person does not act out of a reflexive impulse but deliberates on their actions, we speak of the brain as an instrument of soul activity.

[ 13 ] Wenn wir noch tiefer auf diese Sache eingehen, werden wir uns fragen: Ja, wie zeigt sich denn diese unsere Seelentätigkeit, für welche wir das Gehirn als Werkzeug in Anspruch nehmen? Sie zeigt sich in zweifacher Art. Zunächst werden wir sie gewahr in unserem wachen Tagesleben. Was tun wir da? Wir sammeln durch die Sinne die äußeren Eindrücke und verarbeiten diese durch das Gehirn durch vernünftige Überlegung. Wir müssen uns vorstellen, daß die äußeren Eindrücke durch die Tore der Sinne in uns hineinwandern und gewisse Prozesse in unserem Gehirn anregen. Wenn wir hineinblikken könnten in das Gehirn und in das, was da geschieht, so würden wir sehen, wie unser Gehirn in Tätigkeit versetzt wird durch den sich hineinergießenden Strom der äußeren Eindrücke, und wir würden sehen, was aus diesen Eindrücken wird durch das, was die menschliche Überlegung bewirkt. Wir würden dann sehen, wie sich hinzugesellen auch die weniger von Überlegung beeinflußten Folgen dieser Eindrücke, das heißt Taten und Handlungen, die wir mehr seinem Werkzeug, dem Rückenmark, zuzuschreiben haben.

[ 13 ] If we delve even deeper into this matter, we will ask ourselves: Yes, how does this activity of our soul—for which we use the brain as a tool—manifest itself? It manifests itself in two ways. First, we become aware of it in our waking daily life. What do we do there? We gather external impressions through the senses and process them in the brain through rational thought. We must imagine that external impressions flow into us through the gates of the senses and stimulate certain processes in our brain. If we could look into the brain and see what is happening there, we would see how our brain is set in motion by the stream of external impressions pouring into it, and we would see what becomes of these impressions through the workings of human reasoning. We would then see how the consequences of these impressions that are less influenced by reflection also come into play—that is, deeds and actions that we must attribute more to its instrument, the spinal cord.

[ 14 ] Jetzt müssen wir unsere Aufmerksamkeit richten auf die zwei Zustände, in welchen der heutige Mensch das ganze Leben hindurch abwechselnd lebt, das wache Tagesleben und das bewußtlose Schlafleben. Aus früheren Vorträgen ist es uns geläufig, daß am Tage die vier Wesensglieder des Menschen zusammen sind, während beim Schlafen Astralleib und Ich sich herausheben. Nun kennen wir alle jenen eigentümlichen Zustand, der sich mischt zwischen das wache Tagesleben und das bewußtlose Schlafleben: das Traumleben. Es soll zunächst in keiner anderen Weise über das Traumleben gesprochen werden als so, wie es der Laie beobachten kann. Wir sehen, daß das Traumleben eine merkwürdige Ähnlichkeit hat mit jener untergeordneten Seelentätigkeit, die wir an das Rückenmark knüpfen. Denn wenn die Iraumbilder auftreten in unserer Seele, treten sie nicht auf als Vorstellungen, die der Überlegung entspringen, sondern sie treten mit Notwendigkeit auf, ähnlich wie etwa die unwillkürliche Handbewegung auftritt, wenn wir eine Fliege verjagen, die sich auf unsere Hand setzt; als unmittelbare, notwendige Abwehrbewegung tritt da eine Handlung auf. Beim Traumleben ist es etwas anders; es kommt nicht zu einer Handlung, aber mit einer ebenso unmittelbaren Notwendigkeit treten Bilder in unseren Seelenhorizont hinein. Aber so wenig, wie wir im wachen Tagesleben einen Überlegungseinfluß haben auf die Handbewegung, die wir machen, wenn sich eine Fliege auf unsere Hand setzt, ebensowenig haben wir einen Einfluß auf die chaotisch in uns auf- und abwogenden Traumbilder. Daher können wir sagen: Wenn wir einen Menschen im wachen Tagesleben erblikken und absehen von alle dem, was in ihm vorgeht, wenn wir nur seine Reflexbewegungen betrachten, alle Gesten und physiognomischen Ausdrücke, die er nur auf äußere Eindrücke hin, also ohne Überlegung vollbringt, so haben wir da eine Summe von solchen Handlungen vor uns, die aus Notwendigkeit beim Menschen eintreten. Erblicken wir dagegen einen träumenden Menschen, so sehen wir eine Summe von Bildern in das Wesen des Menschen hineinwirken, die jetzt nicht zu Handlungen führen, sondern nur Bildcharakter haben. Wie im wachen Tagesleben die ohne Überlegungen vor sich gehenden Handlungen des Menschen sich vollziehen, so erscheint im Menschen die Bilderwelt der chaotisch ineinanderwogenden Traumvorstellungen.

[ 14 ] Now we must turn our attention to the two states in which modern human beings alternate throughout their lives: waking life and unconscious sleep. From earlier lectures, we are familiar with the fact that during the day the four constituent parts of the human being are united, whereas during sleep the astral body and the ego stand apart. Now we are all familiar with that peculiar state that lies between waking life and unconscious sleep: the dream state. For the time being, we shall speak of the dream state only in terms of how the layperson can observe it. We see that the dream state bears a remarkable resemblance to that subordinate soul activity which we associate with the spinal cord. For when these images appear in our soul, they do not appear as ideas arising from deliberation, but they arise out of necessity, much like the involuntary movement of the hand when we shoo away a fly that has landed on our hand; an action arises as an immediate, necessary defensive movement. In the dream life, it is somewhat different; there is no action, but images enter the horizon of our soul with an equally immediate necessity. But just as we have no influence through deliberation in waking daily life over the hand movement we make when a fly lands on our hand, so too do we have no influence over the dream images that surge chaotically within us. Therefore, we can say: When we observe a person in waking life and disregard everything that is going on within them, when we consider only their reflex movements—all the gestures and facial expressions they perform solely in response to external impressions, that is, without deliberation—we have before us a sum of such actions that occur in humans out of necessity. If, on the other hand, we observe a person dreaming, we see a multitude of images working into the person’s being, which do not now lead to actions but have only an imaginal character. Just as in waking daily life the person’s actions take place without deliberation, so the world of images appears within the person as chaotic, intermingling dream-images.

[ 15 ] Wenn wir nun hinblicken auf unser Gehirn und es auch ansehen wollen als ein Werkzeug des Traumbewußtseins, was müssen wir da tun? Wir müssen uns denken, daß in diesem Gehirn etwas drinnen ist, was sich in gewisser Weise ähnlich benimmt wie unser Rückenmark, das zu den unbewußtten Handlungen führt. Wir haben ja das Gehirn zunächst anzusehen als Werkzeug des wachen Seelenlebens, wo wir unsere überlegten Vorstellungen schaffen. Wir müßten nun finden, wie den Traumvorstellungen gleichsam ein geheimnisvolles Rückenmark zugrundeliegt, das wie eingepreßt im Gehirn sitzt, das es aber nicht zu Handlungen bringt, sondern nur zu Bildern. Während unser Rückenmark es zu Handlungen bringt, wenn sie auch nicht durch Überlegung zustande kommen, bringt es das Gehirn in diesem Falle bloß zu Bildern. Es bleibt gewissermaßen auf halbem Wege stehen; es ist etwas im Gehirn wie eine geheimnisvolle Unterlage für eine unbewußte Seelentätigkeit, das wie eine Art Einschiebsel mit dem Charakter des Rückenmarks sich vorstellen läßt. Könnten wir also nicht sagen: Die Traumwelt führt uns in merkwürdiger Weise dazu, geheimnisvoll hindeuten zu können auf jenes alte Rükkenmark, das einst dem Gehirn zugrundelag? — Wenn wir unser Gehirn betrachten, wie es heute ausgebildet ist als Werkzeug des wachen Tageslebens, so ist es uns so bekannt, wie es erscheint, wenn wir es aus der Schädelhöhle herausnehmen. Aber es muß etwas darinnen eingeschlossen sein, das auftritt, wenn das wache Tagesleben ausgelöscht ist. Und das zeigt die okkulte Betrachtung, daß in dem Gehirn ein geheimnisvolles Rückenmark darinnen ist als das Werkzeug des Traumlebens (siehe Zeichnung S. 24, schraffiert).

[ 15 ] If we now turn our attention to our brain and wish to view it as an instrument of dream consciousness, what must we do? We must imagine that there is something within this brain that behaves, in a certain sense, similarly to our spinal cord, which governs unconscious actions. After all, we must first regard the brain as an instrument of waking mental life, where we create our deliberate thoughts. We must now discover how a mysterious spinal cord, as it were, underlies dream images—one that sits embedded in the brain, yet does not lead to actions, but only to images. While our spinal cord leads to actions, even if they do not arise through deliberation, in this case the brain leads only to images. It remains, so to speak, halfway; there is something in the brain like a mysterious foundation for unconscious mental activity, which can be imagined as a kind of insert with the character of the spinal cord. Could we not therefore say: The dream world leads us in a strange way to be able to mysteriously point to that ancient spinal cord that once formed the basis of the brain? — When we look at our brain as it is formed today as an instrument of waking daily life, it is as familiar to us as it appears when we remove it from the cranial cavity. But there must be something enclosed within it that emerges when waking daily life is extinguished. And occult observation reveals that within the brain there is a mysterious spinal cord serving as the instrument of dream life (see drawing on p. 24, hatched).

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[ 16 ] Wenn wir es uns schematisch zeichnen wollen, könnten wir es so darstellen, daß in dem Gehirn der Vorstellungswelt des wachen Tageslebens ein für die äußere Wahrnehmung unsichtbares geheimnisvolles altes Rückenmark liegt, das irgendwie da hineingeheimnißt ist. Ich will es zunächst ganz hypothetisch aussprechen, daß dieses Rückenmark dann in Tätigkeit kommt, wenn der Mensch schläft und träumt, und dann so tätig ist, wie es sich für ein Rückenmark schickt, nämlich so, daß es mit Notwendigkeit seine Wirkungen hervorbringt. Aber weil es eingepreßt ist in das Gehirn, führt es nicht zu Handlungen, sondern zu bloßen Bildern, zu Bildhandlungen; denn wir handeln ja im Traume nur in Bildern. So hätten wir auch aus diesern eigentümlichen, sonderbaren chaotischen Leben heraus, das wir im Traume führen, Hinweise darauf, daß unserem Werkzeug des wachen Tageslebens, als welches wir mit Recht unser Gehirn betrachten, ein geheimnisvolles Organ zugrundeliegt, das vielleicht eine ältere Bildung ist, aus der es sich herausentwickelt hat. Wenn die Neubildung, das heutige Gehirn, schweigt, dann zeigt sich das, was das Gehirn einmal war; da zaubert dieses alte Rückenmark das heraus, was es kann. Aber weil es eingeschlossen ist, bringt es dieses alte Rückenmark nicht zu Handlungen, sondern bloß zu Bildern.

[ 16 ] If we were to sketch it out schematically, we could depict it as follows: within the brain, beneath the world of waking day-to-day life, lies a mysterious, ancient spinal cord that is invisible to external perception and is somehow hidden there. I will first state this purely hypothetically: this spinal cord becomes active when a person sleeps and dreams, and then functions as a spinal cord ought to, namely in such a way that it necessarily produces its effects. But because it is compressed within the brain, it does not lead to actions, but to mere images, to pictorial actions; for in dreams we act only in images. Thus, even from this peculiar, strange, chaotic life we lead in dreams, we would have indications that our instrument of waking daily life—which we rightly regard as our brain—is based on a mysterious organ that is perhaps an older formation from which it has developed. When the new formation, the present-day brain, is silent, then what the brain once was reveals itself; for this old spinal cord conjures forth what it is capable of. But because it is enclosed, this old spinal cord does not give rise to actions, but merely to images.

[ 17 ] So also trennt uns die Betrachtung des Lebens selbst das Gehirn in zwei Stufen. Die Tatsache, daß wir träumen können, weist darauf hin, daß das Gehirn eine Entwicklung durchgemacht hat, in der es noch auf der Stufe des heutigen Rückenmarks stand, bevor es sich entwickelt hat zum Werkzeug des wachen Tageslebens. Wenn aber das wache Tagesleben schweigt, dann macht sich das alte Organ noch geltend.

[ 17 ] Thus, the very act of contemplating life divides the brain into two stages. The fact that we are capable of dreaming indicates that the brain underwent a development in which it was still at the level of today’s spinal cord before it evolved into the instrument of waking daily life. But when waking daily life falls silent, the old organ still makes itself felt.

[ 18 ] So haben wir durch das bisher Gesagte schon etwas Typisches gewonnen, das sich durch eine äußere Betrachtung der Formen schon nachweisen läßt: Das wache Tagesleben verhält sich zum Traumleben wie das ausgebildete Gehirn zum Rückenmark. Wenn wir nun fortschreiten zu einer seherischen Betrachtung, können wir zu dem, was uns die Formbetrachtung geben kann, etwas hinzufügen. In welcher Weise das okkulte Schauen, das seherische Auge als Unterlage dienen kann für die ganz wesenhafte Betrachtung der menschlichen Natur und auf welche okkulte Forschung sich die Anschauungen über die im Schädel und in der Wirbelsäule eingeschlossenen Organe stützen, werden wir später noch sehen.

[ 18 ] Thus, from what has been said so far, we have already gained some insight into a fundamental characteristic that can be demonstrated simply by observing the forms: waking life relates to the life of dreams as the fully developed brain relates to the spinal cord. If we now proceed to a clairvoyant observation, we can add something to what the observation of forms can provide us. We shall see later in what way occult vision, the clairvoyant eye, can serve as a foundation for a truly essential observation of human nature, and upon what occult research the views regarding the organs enclosed within the skull and the spinal column are based.

[ 19 ] Nun wissen wir ja aus früheren Betrachtungen, daß des Menschen sichtbarer Leib nur ein Teil der gesamten Wesenheit des Menschen ist. In dem Augenblick, wo sich das hellseherische Auge öffnet, macht man die Erfahrung, daß dieser physische Leib sich eingeschlossen, eingebettet zeigt in einen übersinnlichen Organismus, in das, was man, grob gesprochen, die menschliche Aura nennt. Es wird dies hier zunächst wie eine Tatsache angeführt, und wir werden später darauf zurückkommen, inwiefern sie sich rechtfertigen läßt. Diese menschliche Aura, in welcher der physische Mensch nur wie ein Kern drinnen ist, zeigt sich für das seherische Auge als ein Farbengebilde, in dem verschiedene Farben auf- und abfluten. Man darf sich aber nicht vorstellen, daß man diese Aura malen könnte. Man kann sie nicht mit gewöhnlichen Farben wiedergeben, denn die Farben der Aura sind in fortwährender Bewegung, in fortwährendem Entstehen und Vergehen begriffen. Jedes Bild, das man von ihr malen wollte, könnte nur annähernd richtig sein, so wie auch niemand einen Blitz richtig malen kann, es würde nur ein starres Gebilde werden. Wie man den Blitz nicht richtig malen kann, so kann man das noch weniger bei der Aura, denn die aurischen Farben sind ungemein labil und beweglich, sie entstehen und vergehen fortwährend.

[ 19 ] Now, as we know from earlier considerations, the human being’s visible body is only a part of the human being’s entire being. The moment the clairvoyant eye opens, one experiences that this physical body appears to be enclosed, embedded within a supersensible organism—in what is, roughly speaking, called the human aura. This is stated here initially as a fact, and we will return to it later to discuss the extent to which it can be justified. This human aura, within which the physical human being is merely a core, appears to the clairvoyant eye as a formation of colors in which various colors ebb and flow. One must not, however, imagine that this aura could be painted. It cannot be rendered with ordinary colors, for the colors of the aura are in constant motion, in a state of ceaseless arising and passing away. Any picture one might attempt to paint of it could only be approximately correct, just as no one can paint a flash of lightning correctly; it would merely become a rigid form. Just as one cannot paint a flash of lightning correctly, so one can do so even less with the aura, for the auric colors are exceedingly unstable and mobile; they arise and pass away continuously.

[ 20 ] Nun ziehen sich die aurischen Farben in merkwürdigster Weise verschieden über den ganzen menschlichen Organismus hin; und es ist interessant, auf das aurische Bild hinzuweisen, das sich für das hellseherische Auge ergibt, wenn wir Schädeldecke und Rückgrat von rückwärts betrachten. Wenn wir uns den Teil der Aura vorstellen — von rückwärts betrachtet —, in den Schädel und Rückgrat, also Gehirn und Rückenmark, eingebettet sind, so zeigt sich, daß wir für den Teil der Aura, der zu den unteren Partien des Rückenmarks gehört, eine besonders deutliche Grundfarbe angeben können: er zeigt sich grünlich. Und wir können wiederum eine deutliche Farbe angeben, die in ihrer Art in keinem anderen Teile des Körpers zutage tritt, für die oberen Partien des Kopfes, wo das Gehirn ist: es ist eine Art Violettblau. Diese Farbe legt sich gleich einer Kappe oder einem Helm von rückwärts nach vorne über den Schädel.

[ 20 ] Now the colors of the aura extend across the entire human organism in the most remarkable ways; and it is interesting to note the auric image that presents itself to the clairvoyant eye when we view the top of the skull and the spine from behind. If we imagine the part of the aura—viewed from behind—in which the skull and spine, that is, the brain and spinal cord, are embedded, it becomes apparent that we can identify a particularly distinct base color for the part of the aura belonging to the lower regions of the spinal cord: it appears greenish. And we can again specify a distinct color, which in its nature does not appear in any other part of the body, for the upper regions of the head, where the brain is located: it is a kind of violet-blue. This color covers the skull from back to front like a cap or a helmet.

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[ 21 ] Unterhalb der violettblauen Partien sieht man in der Regel eine Nuance, von der Sie sich am ehesten eine Vorstellung machen können, wenn Sie sie mit der Farbe einer jungen Pfirsichblüte vergleichen. Zwischen dieser Farbe und der grünlichen Farbe der unteren Teile des Rückgrats haben wir im mittleren Teil des Rückens andere, unbestimmte Farbnuancen, die außerordentlich schwer zu beschreiben sind, weil sie unter den gewöhnlichen, uns aus unserer sinnlichen Umwelt bekannten Farben nicht vorkommen. So schließt sich an das Grün eine Farbe an, die nicht grün, nicht blau und nicht gelb ist, sondern wie ein Gemisch von allen dreien; es zeigen sich Farben zwischen Gehirn und Rückgratende, die es im Grunde genommen innerhalb der physisch-sinnlichen Welt überhaupt nicht gibt. Wenn das nun auch schwierig zu beschreiben ist, so ist doch eines mit Bestimmtheit zu sagen, daß wir oben bei jenem sozusagen aufgeblasenen Rückenmark ein Violettblau haben und, hinuntergehend zum Ende des Rückgrates, zu einem deutlich grünlichen Farbton kommen.

[ 21 ] Below the violet-blue sections, one generally sees a shade that is best described by comparing it to the color of a young peach blossom. Between this color and the greenish color of the lower parts of the spine, we find other, indefinable shades in the middle section of the back that are extremely difficult to describe because they do not occur among the ordinary colors familiar to us from our sensory environment. Thus, the green is followed by a color that is neither green, nor blue, nor yellow, but rather like a mixture of all three; colors appear between the brain and the end of the spine that, strictly speaking, do not exist at all within the physical-sensory world. While this may be difficult to describe, one thing can be said with certainty: at the top, near that so-to-speak inflated spinal cord, we have a violet-blue, and, moving down toward the end of the spine, we arrive at a distinctly greenish hue.

[ 22 ] Wir haben also heute an eine rein äußere Betrachtung der menschlichen Gestalt einige Tatsachen angeknüpft, die nur die hellseherische Forschung lehrt. Morgen soll nun versucht werden, auch die anderen Teile des physischen Menschenleibes, die sich an die bereits besprochenen angliedern, in ihrer Zweiheit zu betrachten, damit wir dann weiter vorgehen können und sehen, wie die ganze menschliche Wesenheit sich uns darstellt.

[ 22 ] Today, then, we have added to a purely external examination of the human form certain facts that can only be revealed through clairvoyant research. Tomorrow we shall attempt to consider the other parts of the physical human body—those connected to the ones already discussed—in their duality, so that we may then proceed further and see how the entire human being presents itself to us.