Wonders of the World,
Trials of the Soul,
and Revelations of the Spirit
GA 129
18 August 1911, Munich
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Weltenwunder, Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen, 6th ed.
Erster Vortrag
Erster Vortrag
[ 1 ] Das erste Wort dieser diesjährigen Münchner Veranstaltungen wurde dem Götterboten Hermes übertragen, und wir dürfen gegenüber dem, was wir in unserer Geisteswissenschaft sehen wollen, was wir an ihr fühlen wollen, gerade diese Übertragung der Worte des Hermes vielleicht in einer sinnbildlichen Art auffassen. Ist uns ja Geisteswissenschaft nicht allein etwas, was uns Wissen oder Erkenntnis bringt ähnlich dem anderen Wissen, der anderen Erkenntnis der Welt, sondern ist sie uns doch ein wirklicher Vermittler in jene Welten hinauf, von denen nach der Anschauung des alten Griechenlands Hermes den Menschen herabgebracht hat, was in ihnen selbst die Kräfte entzünden konnte, die hinaufführen in diese Reiche des Übersinnlichen. Und anknüpfend an diese Worte sei es mir gerade heute in diesem einleitenden Vortrage gestattet, einiges hinzuzufügen zu dem, was uns aus den Darbietungen der letzten Tage ertönen konnte, so daß es sich mit allem Folgenden, in den nächsten Tagen zu Besprechenden, zu einem Ganzen zusammenschließen kann.
[ 1 ] Das erste Wort dieser diesjährigen Münchner Veranstaltungen wurde dem Götterboten Hermes übertragen, und wir dürfen gegenüber dem, was wir in unserer Geisteswissenschaft sehen wollen, was wir an ihr fühlen wollen, gerade diese Übertragung der Worte des Hermes vielleicht in einer sinnbildlichen Art auffassen. Ist uns ja Geisteswissenschaft nicht allein etwas, was uns Wissen oder Erkenntnis bringt ähnlich dem anderen Wissen, der anderen Erkenntnis der Welt, sondern ist sie uns doch ein wirklicher Vermittler in jene Welten hinauf, von denen nach der Anschauung des alten Griechenlands Hermes den Menschen herabgebracht hat, was in ihnen selbst die Kräfte entzünden konnte, die hinaufführen in diese Reiche des Übersinnlichen. Und anknüpfend an diese Worte sei es mir gerade heute in diesem einleitenden Vortrage gestattet, einiges hinzuzufügen zu dem, was uns aus den Darbietungen der letzten Tage ertönen konnte, so daß es sich mit allem Folgenden, in den nächsten Tagen zu Besprechenden, zu einem Ganzen zusammenschließen kann.
[ 2 ] Diese Darbietungen sind ja nicht nur deswegen gegeben, um etwa eine Art Verschönerung unserer Veranstaltung zu bewirken, sondern sie sollen angesehen werden als im innigsten organischen Zusammenhang stehend gerade mit dem, was in dieser seit vielen Jahren bestehenden jährlichen Mittelpunktsunternehmung unseres hiesigen geisteswissenschaftlichen Wirkens steht. Es wurde in diesem Jahre möglich, diese Veranstaltung einzuleiten durch die Wiedererneuerung desjenigen Dramas, das geradezu am Ausgangspunkt aller Dramatik des Abendlandes überhaupt steht, desjenigen Dramas, das wir nur dann wirklich ins Auge fassen können, wenn wir den Blick noch über alles hinauswenden, was die durch die Geschichte überlieferte Dramatik als Kunst dem Abendlande gebracht hat. Und damit hängt es ja auch zusammen, daß dieses Drama eine würdige Einleitung gerade einer Unternehmung ist, die auf geisteswissenschaftlichem Boden steht. Denn es reicht dieses Drama hinauf in diejenigen Zeiten europäischer Kulturentwickelung, in welchen die einzelnen menschlichen Geistesströmungen, die uns heute als Wissenschaft, Religion und Kunst entgegentreten, noch nicht voneinander getrennt, sondern innig miteinander verbunden waren. Wir wenden damit unser Gefühl gewissermaßen zu Urzeiten der europäischen Kulturentwickelung hinauf, zu jenen Zeiten, als eine Einheitskultur, die unmittelbar aus dem tiefsten Geistesleben herausgeboren war, die menschlichen Seelen durchsprühte mit religiöser Erhebung zu dem Höchsten, was der Mensch überhaupt für seine ganze Seele erreichen kann, so daß in dieser Kultur unmittelbares religiöses Leben pulste. Und es darf gesagt werden: Diese Kultur war Religion. — Religion war nicht etwas, zu dem sich der Mensch als einem besonderen Zweige der Kultur erst hinwandte, sondern selbst wenn er von denjenigen Teilen des Geisteslebens sprach, die unmittelbar in die praktischen Zweige des Alltags eindringen, so sprach er doch von Religion, denn dieses Eindringen war Erhebung zur Religion, die ihre Strahlen über alles ausdehnte, was der Mensch erleben konnte.
[ 2 ] Diese Darbietungen sind ja nicht nur deswegen gegeben, um etwa eine Art Verschönerung unserer Veranstaltung zu bewirken, sondern sie sollen angesehen werden als im innigsten organischen Zusammenhang stehend gerade mit dem, was in dieser seit vielen Jahren bestehenden jährlichen Mittelpunktsunternehmung unseres hiesigen geisteswissenschaftlichen Wirkens steht. Es wurde in diesem Jahre möglich, diese Veranstaltung einzuleiten durch die Wiedererneuerung desjenigen Dramas, das geradezu am Ausgangspunkt aller Dramatik des Abendlandes überhaupt steht, desjenigen Dramas, das wir nur dann wirklich ins Auge fassen können, wenn wir den Blick noch über alles hinauswenden, was die durch die Geschichte überlieferte Dramatik als Kunst dem Abendlande gebracht hat. Und damit hängt es ja auch zusammen, daß dieses Drama eine würdige Einleitung gerade einer Unternehmung ist, die auf geisteswissenschaftlichem Boden steht. Denn es reicht dieses Drama hinauf in diejenigen Zeiten europäischer Kulturentwickelung, in welchen die einzelnen menschlichen Geistesströmungen, die uns heute als Wissenschaft, Religion und Kunst entgegentreten, noch nicht voneinander getrennt, sondern innig miteinander verbunden waren. Wir wenden damit unser Gefühl gewissermaßen zu Urzeiten der europäischen Kulturentwickelung hinauf, zu jenen Zeiten, als eine Einheitskultur, die unmittelbar aus dem tiefsten Geistesleben herausgeboren war, die menschlichen Seelen durchsprühte mit religiöser Erhebung zu dem Höchsten, was der Mensch überhaupt für seine ganze Seele erreichen kann, so daß in dieser Kultur unmittelbares religiöses Leben pulste. Und es darf gesagt werden: Diese Kultur war Religion. — Religion war nicht etwas, zu dem sich der Mensch als einem besonderen Zweige der Kultur erst hinwandte, sondern selbst wenn er von denjenigen Teilen des Geisteslebens sprach, die unmittelbar in die praktischen Zweige des Alltags eindringen, so sprach er doch von Religion, denn dieses Eindringen war Erhebung zur Religion, die ihre Strahlen über alles ausdehnte, was der Mensch erleben konnte.
[ 3 ] Aber diese Religion war innerlich stark und gewaltig in ihren einzelnen Kräften, so daß sie nicht stehenblieb bei der allgemeinen Erhebung des religiösen Empfindens zu den großen Weltenmächten; diese Urreligion der Menschheit war so mächtig, daß sie die einzelnen Kräfte des menschlichen Geisteslebens inspirierte, so daß sie Formen annahmen, die unmittelbar Kunstformen waren. Es ergoß sich religiöses Leben in kühne Gestaltungen, und eins war Religion mit Kunst. Die Kunst war die unmittelbare Tochter der Religion, die im innigen Familienzusammenhang noch lebte mit ihrer Mutter, der Religion selber. Es gibt kein Gefühl von solcher religiöser Tiefe in unserer Zeit wie das, was alle beseelte, die teilnehmen durften an den alten Mysterien und hinblickten, wie sich ergoß das religiöse Leben in das, was künstlerisch den Menschen vor Augen gestellt wurde. Aber diese Urreligion mit ihrer Tochter, der Kunst, war zu gleicher Zeit so geläutert, so sehr in die Äthersphären des Geisteslebens hinaufgeläutert, daß, indem sie auf die menschlich Seele wirkte, aus ‚ dieser Seele heraus auch alles das kam, wovon wir heute einen schwachen, abstrakten Abglanz in Wissenschaft und Erkenntnis haben. Wenn das vertiefte Gefühl sich begeistern ließ von dem, was als Religion in die künstlerische Form sich ergoß, dann entzündete sich in der Seele das Wissen von den Göttern und den göttlichen Dingen, das Wissen von dem Geisterland. Und so war Wissen oder Erkenntnis die andere Tochter des religiösen Lebens, die ebenso noch in innigem Familienverband lebte, intim zusammen lebte mit der Urmutter aller Kultur, mit der religiösen Kultur.
[ 3 ] Aber diese Religion war innerlich stark und gewaltig in ihren einzelnen Kräften, so daß sie nicht stehenblieb bei der allgemeinen Erhebung des religiösen Empfindens zu den großen Weltenmächten; diese Urreligion der Menschheit war so mächtig, daß sie die einzelnen Kräfte des menschlichen Geisteslebens inspirierte, so daß sie Formen annahmen, die unmittelbar Kunstformen waren. Es ergoß sich religiöses Leben in kühne Gestaltungen, und eins war Religion mit Kunst. Die Kunst war die unmittelbare Tochter der Religion, die im innigen Familienzusammenhang noch lebte mit ihrer Mutter, der Religion selber. Es gibt kein Gefühl von solcher religiöser Tiefe in unserer Zeit wie das, was alle beseelte, die teilnehmen durften an den alten Mysterien und hinblickten, wie sich ergoß das religiöse Leben in das, was künstlerisch den Menschen vor Augen gestellt wurde. Aber diese Urreligion mit ihrer Tochter, der Kunst, war zu gleicher Zeit so geläutert, so sehr in die Äthersphären des Geisteslebens hinaufgeläutert, daß, indem sie auf die menschlich Seele wirkte, aus ‚ dieser Seele heraus auch alles das kam, wovon wir heute einen schwachen, abstrakten Abglanz in Wissenschaft und Erkenntnis haben. Wenn das vertiefte Gefühl sich begeistern ließ von dem, was als Religion in die künstlerische Form sich ergoß, dann entzündete sich in der Seele das Wissen von den Göttern und den göttlichen Dingen, das Wissen von dem Geisterland. Und so war Wissen oder Erkenntnis die andere Tochter des religiösen Lebens, die ebenso noch in innigem Familienverband lebte, intim zusammen lebte mit der Urmutter aller Kultur, mit der religiösen Kultur.
[ 4 ] Fragen wir heute unser Gefühl: Bis wie weit wollen wir es denn bringen mit dem, was wir gegenwärtig erst als einen schwachen Anfang geben können? Wozu wollen wir es denn eigentlich bringen? - Wir wollen es dazu bringen, wieder so etwas in der Menschheit zu entzünden wie die Vereinigung, die Harmonie zwischen Kunst und Wissenschaft. Denn nur dadurch kann der Blick der Menschenseele, befeuert von dem Gefühle, durchkraftet von dem Besten in unseren Willenskräften, jene Einheit ausgießen wollen über alle menschliche Bildung, welche ebenso den Menschen wieder in die göttlichen Höhen seines Daseins hinaufführen wird, wie sie eindringen wird in die alleralltäglichsten Handgriffe unseres Lebens. Und heilig wird alles das sein, was sonst nur profanes Leben ist und was erst dadurch zu diesem profanen Leben wurde, daß vergessen war sein Zusammenhang mit dem geistig-göttlichen Urquell alles Daseins.
[ 4 ] Fragen wir heute unser Gefühl: Bis wie weit wollen wir es denn bringen mit dem, was wir gegenwärtig erst als einen schwachen Anfang geben können? Wozu wollen wir es denn eigentlich bringen? - Wir wollen es dazu bringen, wieder so etwas in der Menschheit zu entzünden wie die Vereinigung, die Harmonie zwischen Kunst und Wissenschaft. Denn nur dadurch kann der Blick der Menschenseele, befeuert von dem Gefühle, durchkraftet von dem Besten in unseren Willenskräften, jene Einheit ausgießen wollen über alle menschliche Bildung, welche ebenso den Menschen wieder in die göttlichen Höhen seines Daseins hinaufführen wird, wie sie eindringen wird in die alleralltäglichsten Handgriffe unseres Lebens. Und heilig wird alles das sein, was sonst nur profanes Leben ist und was erst dadurch zu diesem profanen Leben wurde, daß vergessen war sein Zusammenhang mit dem geistig-göttlichen Urquell alles Daseins.
[ 5 ] So soll durch eine solche Unternehmung, wie wir sie in diesem Jahre pflegten, gerade auf dieses Gefühl hingedeutet werden, das uns beleben soll und muß, wenn wir mit der Geisteswissenschaft das meinen, was in die tiefsten Tiefen der menschlichen Seelengründe hineingehen soll. Damit sind die Gründe dargelegt, warum es im besten Sinne des Wortes geisteswissenschaftlich empfunden werden darf, gerade das Mysterium von Eleusis als eine Art von Sonne zu betrachten, deren Strahlen, in unser Herz sich ergießend, uns von dem, was eigentlich Geisteswissenschaft ist, die rechte Empfindung hervorrufen können.
[ 5 ] So soll durch eine solche Unternehmung, wie wir sie in diesem Jahre pflegten, gerade auf dieses Gefühl hingedeutet werden, das uns beleben soll und muß, wenn wir mit der Geisteswissenschaft das meinen, was in die tiefsten Tiefen der menschlichen Seelengründe hineingehen soll. Damit sind die Gründe dargelegt, warum es im besten Sinne des Wortes geisteswissenschaftlich empfunden werden darf, gerade das Mysterium von Eleusis als eine Art von Sonne zu betrachten, deren Strahlen, in unser Herz sich ergießend, uns von dem, was eigentlich Geisteswissenschaft ist, die rechte Empfindung hervorrufen können.
[ 6 ] Dasjenige, was man sonst als Dramatik kennt, was das Abendland als dramatische Kunst empfindet und was in Shakespeare seine Höhe erreicht hat, es ist ja eine Geistesströmung, die ausgegangen ist von dem alten Mysterium, eine Verweltlichung des alten Mysteriums. Wenn wir also zu den Urbeginnen der dramatischen Kunst gehen, so kommen wir eben zu dergleichen zurück, wie es das Mysterium von Eleusis ist. Habe ich damit im allgemeinen die Gedanken angedeutet, die schon vor Jahren uns beseelten, als wir beim Münchner Internationalen Theosophischen Kongreß gerade dieses Drama vorführten, so darf ich nun vielleicht auch einiges im speziellen erwähnen, das, weil ja das Alltägliche innig zusammenhängt — das Alltägliche jetzt im besten spirituellen Sinne gemeint mit dem, was uns als geistiges Ideal vorschwebt, das einiges Licht zu bringen geeignet ist auf unser Wollen, auf unsere Ziele. Erinnern durfte ich, als wir vor einiger Zeit darangingen, «Die Kinder des Luzifer» aufzuführen, daß mir selbst dazumal ein Gedanke vor die Seele trat, der für mich tief zusammenhängt mit unserer mitteleuropäischen geisteswissenschaftlichen Entwickelung in der Gegenwart. Als ich selber die Zeit für gekommen erachten durfte, mein geistiges Streben in Zusammenhang zu bringen mit dem, was Anthroposophie oder Geisteswissenschaft genannt werden darf, da war die Türe, durch welche ich versuchte, in die Anthroposophie hineinzuleiten, eine Besprechung, welche anknüpfte an dieses Drama «Die Kinder des Luzifer». Und dann ließen wir eine siebenjährige Entwickelungsperiode der von uns gedachten geisteswissenschaftlichen Arbeit verlaufen. Der Keim aber, der dazumal in unsere Seele gelegt wurde mit jenen Worten, die über die «Kinder des Luzifer» gesprochen waren, entwickelte sich mittlerweile in einer gesetzmäßigen siebenjährigen Epoche in unseren Herzen ganz im stillen. Und nach sieben Jahren waren wir so weit, das Drama «Die Kinder des Luzifer» als eine Einleitung unserer Münchner Unternehmungen darbieten zu können.
[ 6 ] Dasjenige, was man sonst als Dramatik kennt, was das Abendland als dramatische Kunst empfindet und was in Shakespeare seine Höhe erreicht hat, es ist ja eine Geistesströmung, die ausgegangen ist von dem alten Mysterium, eine Verweltlichung des alten Mysteriums. Wenn wir also zu den Urbeginnen der dramatischen Kunst gehen, so kommen wir eben zu dergleichen zurück, wie es das Mysterium von Eleusis ist. Habe ich damit im allgemeinen die Gedanken angedeutet, die schon vor Jahren uns beseelten, als wir beim Münchner Internationalen Theosophischen Kongreß gerade dieses Drama vorführten, so darf ich nun vielleicht auch einiges im speziellen erwähnen, das, weil ja das Alltägliche innig zusammenhängt — das Alltägliche jetzt im besten spirituellen Sinne gemeint mit dem, was uns als geistiges Ideal vorschwebt, das einiges Licht zu bringen geeignet ist auf unser Wollen, auf unsere Ziele. Erinnern durfte ich, als wir vor einiger Zeit darangingen, «Die Kinder des Luzifer» aufzuführen, daß mir selbst dazumal ein Gedanke vor die Seele trat, der für mich tief zusammenhängt mit unserer mitteleuropäischen geisteswissenschaftlichen Entwickelung in der Gegenwart. Als ich selber die Zeit für gekommen erachten durfte, mein geistiges Streben in Zusammenhang zu bringen mit dem, was Anthroposophie oder Geisteswissenschaft genannt werden darf, da war die Türe, durch welche ich versuchte, in die Anthroposophie hineinzuleiten, eine Besprechung, welche anknüpfte an dieses Drama «Die Kinder des Luzifer». Und dann ließen wir eine siebenjährige Entwickelungsperiode der von uns gedachten geisteswissenschaftlichen Arbeit verlaufen. Der Keim aber, der dazumal in unsere Seele gelegt wurde mit jenen Worten, die über die «Kinder des Luzifer» gesprochen waren, entwickelte sich mittlerweile in einer gesetzmäßigen siebenjährigen Epoche in unseren Herzen ganz im stillen. Und nach sieben Jahren waren wir so weit, das Drama «Die Kinder des Luzifer» als eine Einleitung unserer Münchner Unternehmungen darbieten zu können.
[ 7 ] Ich darf in dieser heutigen Stunde, die einleitenden Worten zu meinen Vorträgen der nächsten Tage gewidmet sein soll, vielleicht diesen Gedanken anknüpfen an einen anderen, denn ich spreche vor Ihnen, meine lieben Freunde, aus dem vollsten Herzen heraus und zu gleicher Zeit aus der tiefsten Überzeugung meiner Seele heraus. Dasjenige, was als spirituelles Leben in der Zukunft immer mehr und mehr die Geister des Abendlandes ergreifen wird, das wird eine ganz besondere Form haben müssen. Man kann heute über Anthroposophie oder Geisteswissenschaft in der verschiedensten Weise denken. Die Menschen denken ja nicht immer nach den Notwendigkeiten des Daseins, nach den Kräften, die im Menschenwerden wirken, sondern sie denken aus ihrem Willen, aus ihren Empfindungen heraus, und dann kann der eine dies, der andere jenes als das richtige Ideal ansehen. So wird es viele anthroposophische Ideale geben, je nachdem die menschlichen Herzen geartet sind, je nachdem sie mit ihren Empfindungen und Gefühlen nach dieser oder jener Seite hinneigen. Wahrer Okkultismus in einer gewissen höheren Ausgestaltung läßt uns aber eine solche Hinneigung zu den Idealen noch immer als etwas erscheinen, was nur an unserer Persönlichkeit haftet, was doch noch so charakterisiert werden darf, daß man sagt: Solche Ideale sind eigentlich doch nur, was der eine oder der andere gerne als Anthroposophie sehen möchte, wovon er nach seinen besonderen Herzensempfindungen und nach der besonderen Konfiguration seines Intellekts glaubt, daß es eben das Beste ist. - Haben die Menschen doch auch über andere Dinge des Lebens nur jene Meinung, die aus solchen Herzensempfindungen, aus solchen persönlichen Motiven heraus entspringt. Geisteswissenschaft selbst muß aber dazu führen, das, was aus unseren persönlichen Herzensempfindungen heraus entspringt, gar nicht für etwas allgemein Maßgebendes anzusehen. Als Persönlichkeiten können wir immer irren, wie sehr wir auch glauben, daß wir einem selbstlosen Ideale huldigen. Eine Meinung über dasjenige, was geschehen soll im Menschenwerden, können wir uns erst dann bilden, wenn wir unsere persönlichen Meinungen über das Ideal ganz unterdrücken und wenn wir gar nicht mehr fragen, was wir selbst als die beste Art betrachten, die Geisteswissenschaft zu vertreten. Dann erst können wir zu einer wahren Meinung gelangen, wenn wir die Notwendigkeiten des Lebens sprechen lassen, ganz gleichgültig, wozu wir selber neigen - ob zu dieser oder jener Ausprägung des spirituellen Lebens, ob uns dieses oder jenes lieber ist, wenn wir uns fragen: Wie hat sich seit Jahrhunderten das europäische Kulturleben gestaltet, und was verlangt es für die nächste Zeit? Wenn wir uns diese Frage, ohne daß wir uns persönlich für die Antwort engagieren, vorlegen, dann erhalten wir eine zwiefache Antwort. Die eine, die große, die uns aus allem, was heute geschieht im geistigen Leben, überall hervorgeht: Das europäische Kulturleben verlangt, wenn es nicht verdorren und veröden soll, Geisteswissenschaft. — Die andere Antwort aber ist diese: Das europäische Kulturleben verlangt eine solche Geisteswissenschaft, welche den Grundbedingungen entspricht, die durch Jahrhunderte nicht in einem einzelnen von uns, sondern in der europäischen Menschheit geworden sind. - Eine Geisteswissenschaft aber, welche diesen Grundbedingungen des europäischen Kulturlebens entgegenkommt, können wir nur bringen, wenn wir uns selbstlos fragen: Was haben die Menschen seit Jahrhunderten in Europa fühlen und denken gelernt, und wie lechzt heute der Europäer nach geistiger Vertiefung seines Lebens?
[ 7 ] Ich darf in dieser heutigen Stunde, die einleitenden Worten zu meinen Vorträgen der nächsten Tage gewidmet sein soll, vielleicht diesen Gedanken anknüpfen an einen anderen, denn ich spreche vor Ihnen, meine lieben Freunde, aus dem vollsten Herzen heraus und zu gleicher Zeit aus der tiefsten Überzeugung meiner Seele heraus. Dasjenige, was als spirituelles Leben in der Zukunft immer mehr und mehr die Geister des Abendlandes ergreifen wird, das wird eine ganz besondere Form haben müssen. Man kann heute über Anthroposophie oder Geisteswissenschaft in der verschiedensten Weise denken. Die Menschen denken ja nicht immer nach den Notwendigkeiten des Daseins, nach den Kräften, die im Menschenwerden wirken, sondern sie denken aus ihrem Willen, aus ihren Empfindungen heraus, und dann kann der eine dies, der andere jenes als das richtige Ideal ansehen. So wird es viele anthroposophische Ideale geben, je nachdem die menschlichen Herzen geartet sind, je nachdem sie mit ihren Empfindungen und Gefühlen nach dieser oder jener Seite hinneigen. Wahrer Okkultismus in einer gewissen höheren Ausgestaltung läßt uns aber eine solche Hinneigung zu den Idealen noch immer als etwas erscheinen, was nur an unserer Persönlichkeit haftet, was doch noch so charakterisiert werden darf, daß man sagt: Solche Ideale sind eigentlich doch nur, was der eine oder der andere gerne als Anthroposophie sehen möchte, wovon er nach seinen besonderen Herzensempfindungen und nach der besonderen Konfiguration seines Intellekts glaubt, daß es eben das Beste ist. - Haben die Menschen doch auch über andere Dinge des Lebens nur jene Meinung, die aus solchen Herzensempfindungen, aus solchen persönlichen Motiven heraus entspringt. Geisteswissenschaft selbst muß aber dazu führen, das, was aus unseren persönlichen Herzensempfindungen heraus entspringt, gar nicht für etwas allgemein Maßgebendes anzusehen. Als Persönlichkeiten können wir immer irren, wie sehr wir auch glauben, daß wir einem selbstlosen Ideale huldigen. Eine Meinung über dasjenige, was geschehen soll im Menschenwerden, können wir uns erst dann bilden, wenn wir unsere persönlichen Meinungen über das Ideal ganz unterdrücken und wenn wir gar nicht mehr fragen, was wir selbst als die beste Art betrachten, die Geisteswissenschaft zu vertreten. Dann erst können wir zu einer wahren Meinung gelangen, wenn wir die Notwendigkeiten des Lebens sprechen lassen, ganz gleichgültig, wozu wir selber neigen - ob zu dieser oder jener Ausprägung des spirituellen Lebens, ob uns dieses oder jenes lieber ist, wenn wir uns fragen: Wie hat sich seit Jahrhunderten das europäische Kulturleben gestaltet, und was verlangt es für die nächste Zeit? Wenn wir uns diese Frage, ohne daß wir uns persönlich für die Antwort engagieren, vorlegen, dann erhalten wir eine zwiefache Antwort. Die eine, die große, die uns aus allem, was heute geschieht im geistigen Leben, überall hervorgeht: Das europäische Kulturleben verlangt, wenn es nicht verdorren und veröden soll, Geisteswissenschaft. — Die andere Antwort aber ist diese: Das europäische Kulturleben verlangt eine solche Geisteswissenschaft, welche den Grundbedingungen entspricht, die durch Jahrhunderte nicht in einem einzelnen von uns, sondern in der europäischen Menschheit geworden sind. - Eine Geisteswissenschaft aber, welche diesen Grundbedingungen des europäischen Kulturlebens entgegenkommt, können wir nur bringen, wenn wir uns selbstlos fragen: Was haben die Menschen seit Jahrhunderten in Europa fühlen und denken gelernt, und wie lechzt heute der Europäer nach geistiger Vertiefung seines Lebens?
[ 8 ] Wenn wir uns diese Frage vorlegen, dann zeigen uns alle Zeichen der Zeit, daß es nicht die Fortsetzung unserer gewöhnlichen Mystik sein kann, wie wir sie seit Jahrtausenden kennen, wie sie seit Jahrtausenden so segensreich auf die verschiedenen Völker gewirkt hat. Die Fortsetzung dieser Mystik allein in dem Sinne, wie sie immer gewesen ist, wie sie von der Geschichte überliefert ist, würde nicht aufgenommen werden können von den Bedürfnissen des europäischen Kulturlebens. Wollten wir uns bloß in alte Mystik vertiefen, dann würden wir uns an diesem europäischen Kulturleben und allem, was damit zusammenhängt, versündigen, dann würden wir unsere persönlichen Neigungen über die Notwendigkeit des Daseins stellen. Unsere persönliche Neigung — möge sie auch zu irgendeiner Form alter Mystik neigen -, unterdrücken wir sie und fragen wir: Wessen bedürfen die Menschen nach den Bedingungen, wie sie sich entwickelt haben durch die Jahrhunderte? — Ebenso zeigen uns die Zeichen der Zeit, daß dasjenige, was wir gegenwärtiges wissenschaftliches Treiben nennen - in so hohem Ansehen es auch heute steht, eine so hohe Autorität es auch genießt -, in einem Zustande ist wie ein Baum, der eben abdorrt und nurmehr spärlichste Früchte für die Zukunft zeitigen kann. Ich weiß, daß damit ein gewisses «großes Wort», aber allerdings nicht «gelassen» ausgesprochen wird, wenn gesagt wird: Das, was heute im Umkreis des europäischen Lebens die äußere Wissenschaft genannt wird, ist ein verdorrender Zweig am Geisteshimmel der Menschheit. — Sie hat ihre Dienste geleistet, sie wird dadurch nicht erniedrigt, daß man in ihre Daseinsbedingungen so hineinleuchtet, wie es jetzt mit einigen Worten gesagt worden ist.
[ 8 ] Wenn wir uns diese Frage vorlegen, dann zeigen uns alle Zeichen der Zeit, daß es nicht die Fortsetzung unserer gewöhnlichen Mystik sein kann, wie wir sie seit Jahrtausenden kennen, wie sie seit Jahrtausenden so segensreich auf die verschiedenen Völker gewirkt hat. Die Fortsetzung dieser Mystik allein in dem Sinne, wie sie immer gewesen ist, wie sie von der Geschichte überliefert ist, würde nicht aufgenommen werden können von den Bedürfnissen des europäischen Kulturlebens. Wollten wir uns bloß in alte Mystik vertiefen, dann würden wir uns an diesem europäischen Kulturleben und allem, was damit zusammenhängt, versündigen, dann würden wir unsere persönlichen Neigungen über die Notwendigkeit des Daseins stellen. Unsere persönliche Neigung — möge sie auch zu irgendeiner Form alter Mystik neigen -, unterdrücken wir sie und fragen wir: Wessen bedürfen die Menschen nach den Bedingungen, wie sie sich entwickelt haben durch die Jahrhunderte? — Ebenso zeigen uns die Zeichen der Zeit, daß dasjenige, was wir gegenwärtiges wissenschaftliches Treiben nennen - in so hohem Ansehen es auch heute steht, eine so hohe Autorität es auch genießt -, in einem Zustande ist wie ein Baum, der eben abdorrt und nurmehr spärlichste Früchte für die Zukunft zeitigen kann. Ich weiß, daß damit ein gewisses «großes Wort», aber allerdings nicht «gelassen» ausgesprochen wird, wenn gesagt wird: Das, was heute im Umkreis des europäischen Lebens die äußere Wissenschaft genannt wird, ist ein verdorrender Zweig am Geisteshimmel der Menschheit. — Sie hat ihre Dienste geleistet, sie wird dadurch nicht erniedrigt, daß man in ihre Daseinsbedingungen so hineinleuchtet, wie es jetzt mit einigen Worten gesagt worden ist.
[ 9 ] Weder alte Mystik noch neue Wissenschaft wird die Menschheit der Zukunft brauchen können, wenn sich die tiefsten Bedürfnisse geltend machen werden, die ein Band herstellen wollen zwischen menschlicher Seele und geistigen Offenbarungen. Das stand wie mit goldenen Lettern geschrieben vor dem Ideale, das damals uns vorschwebte, als wir vor Jahren begannen, das spirituelle Leben in einem breiteren Maße zu entwickeln. Und wenn ich jetzt jenes Wort aussprechen darf, von dem ich sagte, daß es mir ebensosehr ein Herzenswort wie ein Überzeugungswort ist, so möchte ich ganz objektiv und sachlich betrachtet im Sinne der Frage, die ich eben aufgeworfen habe - sagen: Der bedeutsamste literarische Anfang mit jener Art geistigen Lebens, das die europäische Menschheit der Zukunft im weitesten Umfange brauchen wird, das mitten darin steht zwischen der bloß historischen Mystik, die irgendwo aufgelesen wird aus historischen Urkunden, und der Wissenschaft, die ein verdorrender Zweig der Menschheitskultur ist —, der bedeutsamste Anfang in wahrhaft anthroposophischem Sinn, der das unmittelbare Leben betrachtet, wie es jetzt langsam als geistiges Leben rieselt, wie es sich weiter verbreiten wird, sind «Die großen Eingeweihten» unseres verehrten Edouard Schuré. Ich durfte schon am Beginne meines Münchner Kursus im vorigen Jahre darauf hinweisen: Wer ein wenig den Blick zu richten weiß in die Zukunft, nach dem, was diese Zukunft von uns fordern wird, der weiß, daß damit jene goldene Mittelstraße zwischen alter Mystik und moderner, aber eben verdorrender Wissenschaft für das literarische Leben eingeschlagen worden ist und daß der schöne, der bedeutungsvolle Anfang, der jetzt schon für alle europäischen Völker mit «Les grands Inities», den «Großen Eingeweihten», gemacht worden ist, sich immer weiter und weiter gestalten wird und daß damit eine Farbennuance charakterisiert ist, die nicht deshalb auf uns einen sympathischen Eindruck macht, weil wir aus unseren persönlichen Neigungen gerade dieses oder jenes wollen, sondern weil wir schauen, wie die immer mehr sich geltend machenden europäischen Kulturbedingungen herausforderten aus ihren geistigen Bedingungen heraus, daß ein solcher literarischer Anfang gemacht werde. Wenn Sie dieses Werk kennen, meine lieben Freunde, dann wissen Sie zugleich, in welch bedeutungsvoller Weise dort hingewiesen ist auf das, was dann weiter ausgestaltet ist in den «Heiligtümern des Orients» von Edouard Schur&, wie in bedeutungsvoller Art hingewiesen ist auf das Mysterium von Eleusis. Was kann uns dieser Hinweis in den «Großen Eingeweihten» in wahrhaft anthroposophischem Sinn und diese Neuschöpfung des Mysteriums von Eleusis für Gedanken in der Seele anregen?
[ 9 ] Weder alte Mystik noch neue Wissenschaft wird die Menschheit der Zukunft brauchen können, wenn sich die tiefsten Bedürfnisse geltend machen werden, die ein Band herstellen wollen zwischen menschlicher Seele und geistigen Offenbarungen. Das stand wie mit goldenen Lettern geschrieben vor dem Ideale, das damals uns vorschwebte, als wir vor Jahren begannen, das spirituelle Leben in einem breiteren Maße zu entwickeln. Und wenn ich jetzt jenes Wort aussprechen darf, von dem ich sagte, daß es mir ebensosehr ein Herzenswort wie ein Überzeugungswort ist, so möchte ich ganz objektiv und sachlich betrachtet im Sinne der Frage, die ich eben aufgeworfen habe - sagen: Der bedeutsamste literarische Anfang mit jener Art geistigen Lebens, das die europäische Menschheit der Zukunft im weitesten Umfange brauchen wird, das mitten darin steht zwischen der bloß historischen Mystik, die irgendwo aufgelesen wird aus historischen Urkunden, und der Wissenschaft, die ein verdorrender Zweig der Menschheitskultur ist —, der bedeutsamste Anfang in wahrhaft anthroposophischem Sinn, der das unmittelbare Leben betrachtet, wie es jetzt langsam als geistiges Leben rieselt, wie es sich weiter verbreiten wird, sind «Die großen Eingeweihten» unseres verehrten Edouard Schuré. Ich durfte schon am Beginne meines Münchner Kursus im vorigen Jahre darauf hinweisen: Wer ein wenig den Blick zu richten weiß in die Zukunft, nach dem, was diese Zukunft von uns fordern wird, der weiß, daß damit jene goldene Mittelstraße zwischen alter Mystik und moderner, aber eben verdorrender Wissenschaft für das literarische Leben eingeschlagen worden ist und daß der schöne, der bedeutungsvolle Anfang, der jetzt schon für alle europäischen Völker mit «Les grands Inities», den «Großen Eingeweihten», gemacht worden ist, sich immer weiter und weiter gestalten wird und daß damit eine Farbennuance charakterisiert ist, die nicht deshalb auf uns einen sympathischen Eindruck macht, weil wir aus unseren persönlichen Neigungen gerade dieses oder jenes wollen, sondern weil wir schauen, wie die immer mehr sich geltend machenden europäischen Kulturbedingungen herausforderten aus ihren geistigen Bedingungen heraus, daß ein solcher literarischer Anfang gemacht werde. Wenn Sie dieses Werk kennen, meine lieben Freunde, dann wissen Sie zugleich, in welch bedeutungsvoller Weise dort hingewiesen ist auf das, was dann weiter ausgestaltet ist in den «Heiligtümern des Orients» von Edouard Schur&, wie in bedeutungsvoller Art hingewiesen ist auf das Mysterium von Eleusis. Was kann uns dieser Hinweis in den «Großen Eingeweihten» in wahrhaft anthroposophischem Sinn und diese Neuschöpfung des Mysteriums von Eleusis für Gedanken in der Seele anregen?
[ 10 ] Nun, meine lieben Freunde, wenn wir hinaufschauen in die Urbeginne des europäischen Kunst- und Geisteslebens, dann stehen zwei Figuren gleichsam am Ausgangspunkt, die eine tiefe Bedeutung für wahrhaft spirituelle Erfassung des ganzen neuzeitlichen Geisteslebens haben, die zunächst uns wie sinnbildliche Darstellungen großer geistiger Impulse erscheinen. Diese zwei Figuren, die für denjenigen, der einen tieferen Blick tut in das gegenwärtige Geistesleben, wie Lichtstrahlen hereinfallen, die Bedeutungsvollstes verkündigen, sind Persephone und Iphigenia. Wir berühren, wenn wir diese beiden Namen aussprechen, wesentlich in gewisser Beziehung zwei Seelen unseres modernen Menschen, jene zwei Seelen, deren Vereinigung die tiefsten Seelenprüfungen dieses Menschen herausfordert. Wir werden es noch genauer sehen in den nächsten Tagen, wie Persephone in unserem Herzen den Gedanken an jenen Impuls anregt, den wir nun in unseren geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzungen hier schon öfter berühren durften. Es war einstmals der ganzen Menschheit beschieden, in anderer Art zu ihren Erkenntnissen zu kommen als heute. Wir wissen aus diesen geisteswissenschaftlichen Vorträgen von einem alten Hellsehen der Menschheit, das aus der menschlichen Natur in uralten Zeiten wie selbstverständlich heraussprudelte, so daß, wie Hunger und Durst und Atembedürfnis, aus dieser menschlichen Seele sich die hellseherischen Bilder herausgestalteten, in welche sich die Geheimnisse der geistigen Welten hineinergossen. Das ist etwas, was der Mensch einmal als Gabe uralten Hellsehens besaß und was dem Menschen gleichsam geraubt ist von dem, was später im menschlichen Leben Erkenntnis wurde. Teils fühlend, daß gerade in seiner Zeit dieser Raub des alten Hellsehens durch moderne Erkenntnis sich vollzog, teils voraussehend, wie das in künftigen Zeiten, die jetzt die unsrigen sind, immer mehr und mehr geschehen sollte, wandte der alte Grieche seinen Seelenblick hinauf zu derjenigen Göttergestalt, welche die Kräfte, die zu jenem alten Hellsehen führten, in der menschlichen Seele loslöste aus der unmittelbaren elementarischen Natur heraus. Er sah zu jener Göttin auf, die die Regentin des alten an die menschliche Natur gebundenen Hellsehens war, und nannte sie Persephone. Und dann sagte sich der alte Grieche: An die Stelle der alten Seherkultur wird immer mehr und mehr eine andere treten, die von Menschen dirigiert wird, von Menschen geboren wird, denen das alte Hellsehen schon verlorengegangen ist. - In derjenigen Kultur, die der alte Grieche anknüpfte an die Namen Agamemnon, Odysseus, Menelaos, ist das gegeben, was wir heute als unsere äußere, nicht mehr von hellseherischen Kräften berührte geistige Kultur erkennen.
[ 10 ] Nun, meine lieben Freunde, wenn wir hinaufschauen in die Urbeginne des europäischen Kunst- und Geisteslebens, dann stehen zwei Figuren gleichsam am Ausgangspunkt, die eine tiefe Bedeutung für wahrhaft spirituelle Erfassung des ganzen neuzeitlichen Geisteslebens haben, die zunächst uns wie sinnbildliche Darstellungen großer geistiger Impulse erscheinen. Diese zwei Figuren, die für denjenigen, der einen tieferen Blick tut in das gegenwärtige Geistesleben, wie Lichtstrahlen hereinfallen, die Bedeutungsvollstes verkündigen, sind Persephone und Iphigenia. Wir berühren, wenn wir diese beiden Namen aussprechen, wesentlich in gewisser Beziehung zwei Seelen unseres modernen Menschen, jene zwei Seelen, deren Vereinigung die tiefsten Seelenprüfungen dieses Menschen herausfordert. Wir werden es noch genauer sehen in den nächsten Tagen, wie Persephone in unserem Herzen den Gedanken an jenen Impuls anregt, den wir nun in unseren geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzungen hier schon öfter berühren durften. Es war einstmals der ganzen Menschheit beschieden, in anderer Art zu ihren Erkenntnissen zu kommen als heute. Wir wissen aus diesen geisteswissenschaftlichen Vorträgen von einem alten Hellsehen der Menschheit, das aus der menschlichen Natur in uralten Zeiten wie selbstverständlich heraussprudelte, so daß, wie Hunger und Durst und Atembedürfnis, aus dieser menschlichen Seele sich die hellseherischen Bilder herausgestalteten, in welche sich die Geheimnisse der geistigen Welten hineinergossen. Das ist etwas, was der Mensch einmal als Gabe uralten Hellsehens besaß und was dem Menschen gleichsam geraubt ist von dem, was später im menschlichen Leben Erkenntnis wurde. Teils fühlend, daß gerade in seiner Zeit dieser Raub des alten Hellsehens durch moderne Erkenntnis sich vollzog, teils voraussehend, wie das in künftigen Zeiten, die jetzt die unsrigen sind, immer mehr und mehr geschehen sollte, wandte der alte Grieche seinen Seelenblick hinauf zu derjenigen Göttergestalt, welche die Kräfte, die zu jenem alten Hellsehen führten, in der menschlichen Seele loslöste aus der unmittelbaren elementarischen Natur heraus. Er sah zu jener Göttin auf, die die Regentin des alten an die menschliche Natur gebundenen Hellsehens war, und nannte sie Persephone. Und dann sagte sich der alte Grieche: An die Stelle der alten Seherkultur wird immer mehr und mehr eine andere treten, die von Menschen dirigiert wird, von Menschen geboren wird, denen das alte Hellsehen schon verlorengegangen ist. - In derjenigen Kultur, die der alte Grieche anknüpfte an die Namen Agamemnon, Odysseus, Menelaos, ist das gegeben, was wir heute als unsere äußere, nicht mehr von hellseherischen Kräften berührte geistige Kultur erkennen.
[ 11 ] Heute fühlen es die Menschen im weiteren Umkreise nicht mehr, daß diese Kultur, die ein Wissen erzeugt, das ebenso benutzt werden soll, die Geheimnisse des Daseins philosophisch zu ergründen, wie es auf der anderen Seite Kanonen baut durch die Kenntnisse der Naturgesetze, daß in einem tieferen Sinn diese Art der Geisteskultur Opfer fordert, die der Mensch erbringen muß den höheren geistigen Wesenheiten gegenüber, die die übersinnlichen Welten lenken. Diese Opfer werden auch gebracht, nur merken es die Menschen heute nicht, weil sie auf diese Dinge noch nicht acht haben. Der alte Grieche merkte es, daß diese moderne Kultur, die er zurückführte auf die Namen Agamemnon, Menelaos, Odysseus, Opfer forderte, daß sie jene Tochter des menschlichen Geistes ist, die in einer gewissen Weise immer wieder und wieder geopfert werden muß. Und der alte Grieche stellte dieses immerwährende Opfer der intellektuellen Kultur in der Opferung der Tochter des Agamemnon, in Iphigenia dar. So klingt uns eine wundersame Antwort auf die Frage, die uns aus den Iphigenien-Opfern gestellt wird. Wenn es nur jene äußere Kultur geben würde, welche zurückgeführt werden kann im wahren Sinn des alten Griechen auf die Namen Agamemnon, Menelaos, Odysseus, dann wäre die Menschheit unter dem Einflusse dieser Kultur längst in ihren Herzen, in ihren tiefsten Seelenkräften verdorrt. Nur dadurch, daß die Menschheit sich das Gefühl bewahrte, immer wieder und wieder Opfer zu bringen und herauszuschälen aus dieser allgemeinen intellektuellen Kultur jene Kultur, die man in einem tieferen, nicht im oberflächlichen Sinne eine Priesterkultur nennen kann, ist diese Kultur vor dem Verdorren bewahrt geblieben. Gleichwie Iphigenia der Artemis als Opfer dargebracht wurde, aber durch dieses Opfer zur Priesterin ward, so mußten immerzu in den verflossenen Jahrhunderten und Jahrtausenden gewisse Elemente unserer intellektuellen Kultur geläutert und gereinigt, mit einem priesterlich-religiösen Charakter den höheren Göttern dargebracht werden, damit diese äußere intellektuelle Kultur die Menschheit in ihren Herzen, in ihren Seelen nicht verdorre. So stellt uns Persephone dar die Lenkerin und Leiterin der alten hellseherischen Kultur, so stellt uns Iphigenia dar die Repräsentantin des immerwährenden Opfers, welches unsere äußere Intellektualität an das tiefere religiöse Leben zu bringen hat.
[ 11 ] Heute fühlen es die Menschen im weiteren Umkreise nicht mehr, daß diese Kultur, die ein Wissen erzeugt, das ebenso benutzt werden soll, die Geheimnisse des Daseins philosophisch zu ergründen, wie es auf der anderen Seite Kanonen baut durch die Kenntnisse der Naturgesetze, daß in einem tieferen Sinn diese Art der Geisteskultur Opfer fordert, die der Mensch erbringen muß den höheren geistigen Wesenheiten gegenüber, die die übersinnlichen Welten lenken. Diese Opfer werden auch gebracht, nur merken es die Menschen heute nicht, weil sie auf diese Dinge noch nicht acht haben. Der alte Grieche merkte es, daß diese moderne Kultur, die er zurückführte auf die Namen Agamemnon, Menelaos, Odysseus, Opfer forderte, daß sie jene Tochter des menschlichen Geistes ist, die in einer gewissen Weise immer wieder und wieder geopfert werden muß. Und der alte Grieche stellte dieses immerwährende Opfer der intellektuellen Kultur in der Opferung der Tochter des Agamemnon, in Iphigenia dar. So klingt uns eine wundersame Antwort auf die Frage, die uns aus den Iphigenien-Opfern gestellt wird. Wenn es nur jene äußere Kultur geben würde, welche zurückgeführt werden kann im wahren Sinn des alten Griechen auf die Namen Agamemnon, Menelaos, Odysseus, dann wäre die Menschheit unter dem Einflusse dieser Kultur längst in ihren Herzen, in ihren tiefsten Seelenkräften verdorrt. Nur dadurch, daß die Menschheit sich das Gefühl bewahrte, immer wieder und wieder Opfer zu bringen und herauszuschälen aus dieser allgemeinen intellektuellen Kultur jene Kultur, die man in einem tieferen, nicht im oberflächlichen Sinne eine Priesterkultur nennen kann, ist diese Kultur vor dem Verdorren bewahrt geblieben. Gleichwie Iphigenia der Artemis als Opfer dargebracht wurde, aber durch dieses Opfer zur Priesterin ward, so mußten immerzu in den verflossenen Jahrhunderten und Jahrtausenden gewisse Elemente unserer intellektuellen Kultur geläutert und gereinigt, mit einem priesterlich-religiösen Charakter den höheren Göttern dargebracht werden, damit diese äußere intellektuelle Kultur die Menschheit in ihren Herzen, in ihren Seelen nicht verdorre. So stellt uns Persephone dar die Lenkerin und Leiterin der alten hellseherischen Kultur, so stellt uns Iphigenia dar die Repräsentantin des immerwährenden Opfers, welches unsere äußere Intellektualität an das tiefere religiöse Leben zu bringen hat.
[ 12 ] Die Dinge, die ich eben jetzt ausgesprochen habe, sind immerdar lebendig gewesen in dem ganzen Strome europäischen Kulturlebens vom alten Griechenland herauf bis in die modernsten Zeiten herein; sie haben immerzu gelebt von jenen Zeiten an, als Sokrates zuerst das reine wissenschaftliche Denken von der alten Einheitskultur loslöste, bis in die Zeit herein, da der arme Nietzsche an der Trennung der drei Zweige der gesamten Kultur, Wissenschaft, Religion und Kunst, in Schmerzen seiner Seele sich wand und an dieser Trennung zugrunde ging. Die neuere Zeit mußte, weil schon hereinwirken die Kräfte, die die Vereinigung dessen wieder bewirken sollen, was durch Jahrtausende getrennt gehen mußte, und weil aus der Zukunft schon die Forderungen für die Gegenwart hereinleuchten, wieder anknüpfen in ihren Repräsentanten, die von den Zeitengeistern inspiriert sind, an jene beiden Impulse, die soeben charakterisiert worden sind: an die Namen Iphigenia und Persephone. Und derjenige, der solches überblickt, fühlt noch in einem viel tieferen Grunde, was es für eine Tat war, als, sich voll versenkend in altes Griechenleben, Goethe das, was er selbst als den Gipfel seiner Kunst empfand, in dem Symbolum der Iphigenia darstellte. Oh, mit dieser Tat Goethes, in der in einer gewissen Weise sinnbildlich alles Wirken Goethes zum Ausdruck kommt, mit der «Iphigenie», ist die erste Anknüpfung gegeben an uraltes europäisches Geistesgut. Und im Geheimsten klingt uns aus jener Tat Goethes heute entgegen: Wir müssen uns wiederum erinnern an das immerwährende Opfer, welches die intellektuelle Kultur der religiösen Kultur bringen muß, wenn die Intellektualität die europäische Menschheit nicht veröden soll.
[ 12 ] Die Dinge, die ich eben jetzt ausgesprochen habe, sind immerdar lebendig gewesen in dem ganzen Strome europäischen Kulturlebens vom alten Griechenland herauf bis in die modernsten Zeiten herein; sie haben immerzu gelebt von jenen Zeiten an, als Sokrates zuerst das reine wissenschaftliche Denken von der alten Einheitskultur loslöste, bis in die Zeit herein, da der arme Nietzsche an der Trennung der drei Zweige der gesamten Kultur, Wissenschaft, Religion und Kunst, in Schmerzen seiner Seele sich wand und an dieser Trennung zugrunde ging. Die neuere Zeit mußte, weil schon hereinwirken die Kräfte, die die Vereinigung dessen wieder bewirken sollen, was durch Jahrtausende getrennt gehen mußte, und weil aus der Zukunft schon die Forderungen für die Gegenwart hereinleuchten, wieder anknüpfen in ihren Repräsentanten, die von den Zeitengeistern inspiriert sind, an jene beiden Impulse, die soeben charakterisiert worden sind: an die Namen Iphigenia und Persephone. Und derjenige, der solches überblickt, fühlt noch in einem viel tieferen Grunde, was es für eine Tat war, als, sich voll versenkend in altes Griechenleben, Goethe das, was er selbst als den Gipfel seiner Kunst empfand, in dem Symbolum der Iphigenia darstellte. Oh, mit dieser Tat Goethes, in der in einer gewissen Weise sinnbildlich alles Wirken Goethes zum Ausdruck kommt, mit der «Iphigenie», ist die erste Anknüpfung gegeben an uraltes europäisches Geistesgut. Und im Geheimsten klingt uns aus jener Tat Goethes heute entgegen: Wir müssen uns wiederum erinnern an das immerwährende Opfer, welches die intellektuelle Kultur der religiösen Kultur bringen muß, wenn die Intellektualität die europäische Menschheit nicht veröden soll.
[ 13 ] Rauh für höheres Geistesleben wie der König Thoas in der «Iphigenie» ist in gewisser Weise dasjenige, was die intellektuelle Kultur im weiteren Umfange leistet. Milde und harmonisch, um nicht mitzuhassen im Menschheitsleben, sondern mitzulieben, ist dasjenige, was uns in dem Symbolum der Iphigenia entgegentritt. Und so war die erste Erinnerung an bedeutsamste Impulse des europäischen Geisteslebens in dem Augenblick gegeben, da Goethe sein Herz mit der Inspiration durchdrang, die Iphigenia als das Zeugnis des immerwährenden Opfers der Intellektualität vor die europäische Menschheit hinzustellen. So kann man das Hereinleuchten der geistigen Inspiratoren der neueren Zeit in Goethes Seele empfinden.
[ 13 ] Rauh für höheres Geistesleben wie der König Thoas in der «Iphigenie» ist in gewisser Weise dasjenige, was die intellektuelle Kultur im weiteren Umfange leistet. Milde und harmonisch, um nicht mitzuhassen im Menschheitsleben, sondern mitzulieben, ist dasjenige, was uns in dem Symbolum der Iphigenia entgegentritt. Und so war die erste Erinnerung an bedeutsamste Impulse des europäischen Geisteslebens in dem Augenblick gegeben, da Goethe sein Herz mit der Inspiration durchdrang, die Iphigenia als das Zeugnis des immerwährenden Opfers der Intellektualität vor die europäische Menschheit hinzustellen. So kann man das Hereinleuchten der geistigen Inspiratoren der neueren Zeit in Goethes Seele empfinden.
[ 14 ] Eine zweite Erinnerung ward notwendig, auf die etwas länger gewartet werden mußte, jene Erinnerung, die hinzielt auf jene Zeiten, in denen noch rege war die alte hellseherische Kultur, die anknüpfte an den Namen Persephone. Und man fühlt an derjenigen Stelle, wo sich zu einem gewissen Höhepunkt die «Großen Eingeweibten» erheben, in dem Hinweis auf das Mysterium von Eleusis, wie europäisches Geistesleben mit seinen Inspiratoren da arbeitet, um hervorzuzaubern aus dem Dämmerdunkel der Zeiten, was immer mehr und mehr führen muß zu der Erkenntnis, daß in einer neuen Form die alte, in dem Namen Persephone repräsentierte, hellseherische Kultur wieder aufleuchten muß. Ein Pol im europäischen Geistesleben der Neuzeit war gegeben mit der Wiedererneuerung der alten griechischen Iphigeniengestalt, der andere Pol ist gegeben mit der Neuschöpfung des Mysteriums von Eleusis durch Edouard Schuré. Und wir müssen es als einen der besten Sterne, die da walten über unserem Streben, betrachten, daß wir diese Inauguration leuchten lassen konnten gerade auf unser anthroposophisches Leben in Gegenwart des Neuschöpfers des Mysteriums von Eleusis, der uns mit seiner Gegenwart jetzt schon durch mehrere Jahre unseres mitteleuropäischen Geisteslebens beglückt hat.
[ 14 ] Eine zweite Erinnerung ward notwendig, auf die etwas länger gewartet werden mußte, jene Erinnerung, die hinzielt auf jene Zeiten, in denen noch rege war die alte hellseherische Kultur, die anknüpfte an den Namen Persephone. Und man fühlt an derjenigen Stelle, wo sich zu einem gewissen Höhepunkt die «Großen Eingeweibten» erheben, in dem Hinweis auf das Mysterium von Eleusis, wie europäisches Geistesleben mit seinen Inspiratoren da arbeitet, um hervorzuzaubern aus dem Dämmerdunkel der Zeiten, was immer mehr und mehr führen muß zu der Erkenntnis, daß in einer neuen Form die alte, in dem Namen Persephone repräsentierte, hellseherische Kultur wieder aufleuchten muß. Ein Pol im europäischen Geistesleben der Neuzeit war gegeben mit der Wiedererneuerung der alten griechischen Iphigeniengestalt, der andere Pol ist gegeben mit der Neuschöpfung des Mysteriums von Eleusis durch Edouard Schuré. Und wir müssen es als einen der besten Sterne, die da walten über unserem Streben, betrachten, daß wir diese Inauguration leuchten lassen konnten gerade auf unser anthroposophisches Leben in Gegenwart des Neuschöpfers des Mysteriums von Eleusis, der uns mit seiner Gegenwart jetzt schon durch mehrere Jahre unseres mitteleuropäischen Geisteslebens beglückt hat.
[ 15 ] Ich sagte: Das, was ich eben gesprochen habe, ist nur nach der einen Seite hin ein Herzensgedanke; nach der anderen Seite hin ist es ein Gedanke, der ganz der objektivsten, nüchternsten Überzeugung entspringt. Und daß ich ihn heute ausgesprochen habe, rührt daher, daß ich es halten muß mit dem Goetheschen Worte, das wie eine wundersame Weisheitsperle hereinklingt in unser Erkenntnisleben: Nur das ist wahr, was fruchtbar sich erweist. Und wenn in dem, was wir treiben durften seit Jahren, einiges von Fruchtbarkeit bemerkt wird, so darf auch anerkannt werden, daß der Gedanke, der dieses unser Wirken seit vielen Jahren beseelte, der immer wie ein geheimer Gast, wie ein geheimer Mitkämpfer vorhanden war, sich eben durch seine Fruchtbarkeit als wahr erwiesen hat. Auf alles das, was sich nun an dieser Stelle anschließen würde an die Gedanken, die eben geäußert worden sind über die Namen Iphigenia und Persephone, werden wir ja bei der Besprechung der Naturwunder, der Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen — wie illustrierend - in der mannigfaltigsten Weise in den nächsten Tagen zurückkommen. Nur sei noch erwähnt, daß ebenso wie Iphigenia die Tochter Agamemnons ist, der zu denjenigen Heroen gehört, auf welche das alte Griechenland die Pflege der Intellektualität im weitesten Umfang mit all seiner praktischen und auch kriegerischen Gestaltung zurückführt, daß ebenso Persephone die Tochter der Demeter ist. Nun, wir werden sehen, wie die Demeter die Regentin ist der größten Naturwunder, eine Urgestalt des menschlichen Fühlens, Denkens und Wollens, deren wahrhaftiges Kind Persephone ist. Jene Urgestalt, die auf Zeiten hinweist, in denen das menschliche Gehirnleben noch nicht getrennt war von dem allgemeinen Leibesleben, in denen sozusagen Ernährung durch die äußeren Stoffe und Denken durch das Instrument des Gehirns nicht getrennte menschliche Verrichtungen waren. Da fühlte man noch, wie der Gedanke da draußen lebt, wenn die Saat auf den Feldern gedeiht, wie die Hoffnung wirklich da draußen sich ausbreitet über die Felder und durchdringt das Naturwunderwirken gleich dem Gesang der Lerche. Man fühlte noch, daß hereinzieht mit dem materiellen das geistige Leben, untertaucht in den menschlichen Leib, sich läutert, zum Geist wird als die Urmutter, aus welcher elementar herausgeboren wird Persephone in der menschlichen Wesenheit selber. In jene Urzeiten der Menschheitsentwickelung, in denen die menschliche Natur noch so einheitlich wirkte, daß alles leibliche Leben zugleich ein geistiges war, daß alles leibliche Verarbeiten innig vereint war mit dem geistigen Verarbeiten des Gedankens, weist uns der Name Demeter hinauf. Und wie es da ausgeschaut hat, das kann uns heute nur der Blick in die Akasha-Chronik lehren. Daß die Persephone die wirkliche Tochter der Demeter war, das lehrt uns eben dieser Einblick in die Akasha-Chronik. Und ebenso wird sich ergeben, daß in jener Gestalt, die sogleich in der Neuschöpfung des Mysteriums von Eleusis auftritt, in Eros, in der Tat nach alter griechischer Empfindung dasjenige gegeben ist, wodurch die Kräfte der Demeter in der sich allmählich entwickelnden Menschheit zu dem geworden sind, was sie heute sind. So ist aber das ganze Wunder der menschlichen Natur sogleich vor unsere Seele hingezaubert, wenn Demeter vor uns steht mit der ernsten Mahnung einer Urgewalt, die zauberhaft hindurchzieht urewig durch alles menschliche Fühlen. Wenn Demeter vor uns steht, da steht etwas vor uns, was durch die Ewigkeiten der Zeiten als ein Impuls der menschlichen Natur spricht. Das fühlen wir herunterströmen von der Bühne, wenn Demeter vor uns steht, der größte Repräsentant jener Urgewalt, die wir heute nur mit dem abstrakten Namen der menschlichen Keuschheit bezeichnen, mit all ihrer fruchtbaren Wirklichkeit, wo sie nicht Askese ist, wo sie einschließt die Urliebe der Menschheit zugleich. Auf der anderen Seite, was spricht uns aus Eros? Die knospenhafte unschuldige Liebe. Ihr Regent ist Eros, so empfanden die Griechen.
[ 15 ] Ich sagte: Das, was ich eben gesprochen habe, ist nur nach der einen Seite hin ein Herzensgedanke; nach der anderen Seite hin ist es ein Gedanke, der ganz der objektivsten, nüchternsten Überzeugung entspringt. Und daß ich ihn heute ausgesprochen habe, rührt daher, daß ich es halten muß mit dem Goetheschen Worte, das wie eine wundersame Weisheitsperle hereinklingt in unser Erkenntnisleben: Nur das ist wahr, was fruchtbar sich erweist. Und wenn in dem, was wir treiben durften seit Jahren, einiges von Fruchtbarkeit bemerkt wird, so darf auch anerkannt werden, daß der Gedanke, der dieses unser Wirken seit vielen Jahren beseelte, der immer wie ein geheimer Gast, wie ein geheimer Mitkämpfer vorhanden war, sich eben durch seine Fruchtbarkeit als wahr erwiesen hat. Auf alles das, was sich nun an dieser Stelle anschließen würde an die Gedanken, die eben geäußert worden sind über die Namen Iphigenia und Persephone, werden wir ja bei der Besprechung der Naturwunder, der Seelenprüfungen und Geistesoffenbarungen — wie illustrierend - in der mannigfaltigsten Weise in den nächsten Tagen zurückkommen. Nur sei noch erwähnt, daß ebenso wie Iphigenia die Tochter Agamemnons ist, der zu denjenigen Heroen gehört, auf welche das alte Griechenland die Pflege der Intellektualität im weitesten Umfang mit all seiner praktischen und auch kriegerischen Gestaltung zurückführt, daß ebenso Persephone die Tochter der Demeter ist. Nun, wir werden sehen, wie die Demeter die Regentin ist der größten Naturwunder, eine Urgestalt des menschlichen Fühlens, Denkens und Wollens, deren wahrhaftiges Kind Persephone ist. Jene Urgestalt, die auf Zeiten hinweist, in denen das menschliche Gehirnleben noch nicht getrennt war von dem allgemeinen Leibesleben, in denen sozusagen Ernährung durch die äußeren Stoffe und Denken durch das Instrument des Gehirns nicht getrennte menschliche Verrichtungen waren. Da fühlte man noch, wie der Gedanke da draußen lebt, wenn die Saat auf den Feldern gedeiht, wie die Hoffnung wirklich da draußen sich ausbreitet über die Felder und durchdringt das Naturwunderwirken gleich dem Gesang der Lerche. Man fühlte noch, daß hereinzieht mit dem materiellen das geistige Leben, untertaucht in den menschlichen Leib, sich läutert, zum Geist wird als die Urmutter, aus welcher elementar herausgeboren wird Persephone in der menschlichen Wesenheit selber. In jene Urzeiten der Menschheitsentwickelung, in denen die menschliche Natur noch so einheitlich wirkte, daß alles leibliche Leben zugleich ein geistiges war, daß alles leibliche Verarbeiten innig vereint war mit dem geistigen Verarbeiten des Gedankens, weist uns der Name Demeter hinauf. Und wie es da ausgeschaut hat, das kann uns heute nur der Blick in die Akasha-Chronik lehren. Daß die Persephone die wirkliche Tochter der Demeter war, das lehrt uns eben dieser Einblick in die Akasha-Chronik. Und ebenso wird sich ergeben, daß in jener Gestalt, die sogleich in der Neuschöpfung des Mysteriums von Eleusis auftritt, in Eros, in der Tat nach alter griechischer Empfindung dasjenige gegeben ist, wodurch die Kräfte der Demeter in der sich allmählich entwickelnden Menschheit zu dem geworden sind, was sie heute sind. So ist aber das ganze Wunder der menschlichen Natur sogleich vor unsere Seele hingezaubert, wenn Demeter vor uns steht mit der ernsten Mahnung einer Urgewalt, die zauberhaft hindurchzieht urewig durch alles menschliche Fühlen. Wenn Demeter vor uns steht, da steht etwas vor uns, was durch die Ewigkeiten der Zeiten als ein Impuls der menschlichen Natur spricht. Das fühlen wir herunterströmen von der Bühne, wenn Demeter vor uns steht, der größte Repräsentant jener Urgewalt, die wir heute nur mit dem abstrakten Namen der menschlichen Keuschheit bezeichnen, mit all ihrer fruchtbaren Wirklichkeit, wo sie nicht Askese ist, wo sie einschließt die Urliebe der Menschheit zugleich. Auf der anderen Seite, was spricht uns aus Eros? Die knospenhafte unschuldige Liebe. Ihr Regent ist Eros, so empfanden die Griechen.
[ 16 ] Nun entwickelt sich das Drama. Und welche Kräfte wirken mit belebender tragischer Kraft von Anfang durch das ganze Drama hindurch? Das Wechselspiel der Keuschheit, die zugleich Urliebe mit ihrer Fruchtbarkeit ist, und die unschuldige, noch knospenhafte Liebe, das waltet in dem Drama, wie draußen in den trivialen Naturwundern positive und negative Elektrizität waltet. So kann durch den Raum, in den hineingegossen wird dieses bedeutsame menschliche Urdrama, etwas von mehr oder weniger unbewußter oder bewußßtter Empfindung fließen gegenüber Kräften, die aus den Urzeiten der Menschheit heraufwirken und sich durch unser modernes Leben hindurchziehen. Nur daß - und hier deute ich wiederum auf etwas hin, was in den folgenden Tagen weiter ausgeführt wird - in gewisser Weise jene Urströmungen, die Demeterströmung und die Erosströmung, immer mehr und mehr aufgenommen werden in der menschlichen Zukunft von jenen Strömungen, die angedeutet werden sollten in den drei Gestalten Luna, Astrid, Philia. Ein lebendiger Zusammenhang soll sich vor unsere Seele hinstellen zwischen den Strömungen, die jene des Menschenursprungs sind: Demeter, Eros, und dem, was dazwischensteht, Persephone einerseits - und auf der anderen Seite dem, was heute hereindämmert in einer noch nicht persönlich gestalteten Form. Es ist wie ein geistiges Gewissen, das noch aus dem Unbestimmten hereintönt und heute noch nicht auf die Bühne darf. Es ist nur eine Stimme von außen, und es sind die drei Gestalten, als wirkliche Töchter der Demeter: Luna, Philia, Astrid.
[ 16 ] Nun entwickelt sich das Drama. Und welche Kräfte wirken mit belebender tragischer Kraft von Anfang durch das ganze Drama hindurch? Das Wechselspiel der Keuschheit, die zugleich Urliebe mit ihrer Fruchtbarkeit ist, und die unschuldige, noch knospenhafte Liebe, das waltet in dem Drama, wie draußen in den trivialen Naturwundern positive und negative Elektrizität waltet. So kann durch den Raum, in den hineingegossen wird dieses bedeutsame menschliche Urdrama, etwas von mehr oder weniger unbewußter oder bewußßtter Empfindung fließen gegenüber Kräften, die aus den Urzeiten der Menschheit heraufwirken und sich durch unser modernes Leben hindurchziehen. Nur daß - und hier deute ich wiederum auf etwas hin, was in den folgenden Tagen weiter ausgeführt wird - in gewisser Weise jene Urströmungen, die Demeterströmung und die Erosströmung, immer mehr und mehr aufgenommen werden in der menschlichen Zukunft von jenen Strömungen, die angedeutet werden sollten in den drei Gestalten Luna, Astrid, Philia. Ein lebendiger Zusammenhang soll sich vor unsere Seele hinstellen zwischen den Strömungen, die jene des Menschenursprungs sind: Demeter, Eros, und dem, was dazwischensteht, Persephone einerseits - und auf der anderen Seite dem, was heute hereindämmert in einer noch nicht persönlich gestalteten Form. Es ist wie ein geistiges Gewissen, das noch aus dem Unbestimmten hereintönt und heute noch nicht auf die Bühne darf. Es ist nur eine Stimme von außen, und es sind die drei Gestalten, als wirkliche Töchter der Demeter: Luna, Philia, Astrid.
[ 17 ] Ich habe Ihnen die Empfindungen zu charakterisieren versucht, aus denen heraus das Mysterium von Eleusis in seiner Neuschöpfung von Edouard Schure an den Ausgangspunkt unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen gestellt worden ist. Sie, meine lieben Freunde, werden ja wohl durch alles das, was in diesen Jahren vorangegangen ist, mit jenem Blick unsere heutigen Ausführungen über dies so bedeutende Werk betrachten, der so natürlich sein sollte für alle, die innerhalb unserer anthroposophischen Strömung stehen. Was fordert denn dieser Blick von uns? Nun, es ist heute ungeheuer leicht, wahrhaft kinderleicht, in Anknüpfung an das, was dramatische Kunst draußen in der Welt bietet, uns die Fehler und vielleicht auch die Dilettantismen vorzurechnen, die wir alle machen, wenn wir mit unseren schwachen Kräften an ein so bedeutungsvolles Werk, wie es das «Mysterium von Eleusis» ist, gehen. Es kommt uns aber gar nicht darauf an, oder besser gesagt, es darf uns nicht darauf ankommen, in derselben Weise zu charakterisieren, wie draußen auf unseren gegenwärtigen Bühnen charakterisiert, dargestellt wird. Diejenigen aber, die heute schon etwas empfinden von dem, was wir durch die Einprägung der Eigenart der Geist-Erkenntnis in die Kunst bewirken sollen, die werden wissen, daß es uns eben auf etwas ganz anderes ankommt. Sie werden auch wissen, daß alles das, was eine gewisse Vollkommenbheit erst in der Zukunft erreichen kann, unvollkommen in der Gegenwart auftreten muß. Unser Beruf ist es nicht, zu konkurrieren mit äußeren Bühnenleistungen. Wir denken gar nicht daran, in irgendeiner Weise ein gleiches zu tun, und schon der bloße Vergleich mit äußeren sonstigen Bühnenleistungen ist ein Irrtum. Mag ein Kunsturteil in bezug auf das, was heute in äußeren Bühnendarstellungen gefordert wird, sagen, was immer es will, es ist ein Dilettantismus in bezug auf das, was Geisteswissenschaft wirklich will, wollen muß, auch in bezug auf die Kunst.
[ 17 ] Ich habe Ihnen die Empfindungen zu charakterisieren versucht, aus denen heraus das Mysterium von Eleusis in seiner Neuschöpfung von Edouard Schure an den Ausgangspunkt unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtungen gestellt worden ist. Sie, meine lieben Freunde, werden ja wohl durch alles das, was in diesen Jahren vorangegangen ist, mit jenem Blick unsere heutigen Ausführungen über dies so bedeutende Werk betrachten, der so natürlich sein sollte für alle, die innerhalb unserer anthroposophischen Strömung stehen. Was fordert denn dieser Blick von uns? Nun, es ist heute ungeheuer leicht, wahrhaft kinderleicht, in Anknüpfung an das, was dramatische Kunst draußen in der Welt bietet, uns die Fehler und vielleicht auch die Dilettantismen vorzurechnen, die wir alle machen, wenn wir mit unseren schwachen Kräften an ein so bedeutungsvolles Werk, wie es das «Mysterium von Eleusis» ist, gehen. Es kommt uns aber gar nicht darauf an, oder besser gesagt, es darf uns nicht darauf ankommen, in derselben Weise zu charakterisieren, wie draußen auf unseren gegenwärtigen Bühnen charakterisiert, dargestellt wird. Diejenigen aber, die heute schon etwas empfinden von dem, was wir durch die Einprägung der Eigenart der Geist-Erkenntnis in die Kunst bewirken sollen, die werden wissen, daß es uns eben auf etwas ganz anderes ankommt. Sie werden auch wissen, daß alles das, was eine gewisse Vollkommenbheit erst in der Zukunft erreichen kann, unvollkommen in der Gegenwart auftreten muß. Unser Beruf ist es nicht, zu konkurrieren mit äußeren Bühnenleistungen. Wir denken gar nicht daran, in irgendeiner Weise ein gleiches zu tun, und schon der bloße Vergleich mit äußeren sonstigen Bühnenleistungen ist ein Irrtum. Mag ein Kunsturteil in bezug auf das, was heute in äußeren Bühnendarstellungen gefordert wird, sagen, was immer es will, es ist ein Dilettantismus in bezug auf das, was Geisteswissenschaft wirklich will, wollen muß, auch in bezug auf die Kunst.
[ 18 ] Und diejenigen von Ihnen, welche so fühlen mit mir, die so teilen können jenes tiefe Dankbarkeitsgefühl, das ich jedesmal am Ausgangspunkt unserer Münchner Unternehmungen gegenüber all denen empfinde, die hilfreich sind bei diesen Unternehmungen, jene Freunde unter Ihnen, die das fühlen, werden es nicht als unsachlich betrachten, nicht als irgend etwas Persönliches, wenn ich auch in diesem Jahre wieder dieses tiefsten Dankgefühles am Schlusse dieser meiner einleitenden Betrachtung gedenke. Es gehören nicht nur viele Hände dazu, diese Unternehmungen möglich zu machen, sondern es gehören dazu Seelen, welche wirklich sich schon durchdrungen haben mit dem, was die schönste Frucht des geistig-strebenden Lebens sein kann und was ich nennen möchte die geistige Wärme. Und es bleibt ja diese geistige Wärme wirklich niemals ohne ihre Folgen, niemals ohne ein sich allmählich entwikkelndes Können für das, was man will auf dem entsprechenden Felde. Und so stehen wir jedesmal da, wenn wir darangehen, zunächst als das kleine Häuflein derer, die hier in München Vorläufer sind der größeren Gemeinschaft, die sich dann zusammenfindet, durchdrungen von spiritueller Wärme, und wir haben den Glauben in unserem Wirken, auch wenn es anfangs recht holperig mit allem geht: es muß gehen. Und es geht bis zu dem Grade, den wir eben erreichen können. Wir finden immer bei dieser Unternehmung den Realitätenbeweis, daß geistige Kräfte durch die Welt walten, daß sie uns helfen, daß wir uns ihnen überlassen können. Und wenn es uns manchmal scheinen wollte, als ob es nicht ginge, dann sagen wir uns, daß, wenn es nicht gehen würde, es im Sinne der Kräfte läge, die hinter unserem Wirken stehen. Und dann wäre es recht, daß es nicht ginge. Und so handeln wir, und so denken wir gar nicht an das, was zuletzt als Vorstellung herauskommen soll. Wir denken an die geistigen Kräfte, denen wir im Sinne unserer Zeit auch ein schwaches, kleines Opfer bringen wollen, das Opfer der gegenwärtigen Intellektualität an die religiöse Vertiefung des Menschenherzens. Und es ist schön, zu sehen, wie tatsächlich diese spirituelle Wärme bei jenem kleinen Häuflein in wunderbarer Weise vorhanden ist, wie jeder einzelne tatsächlich Geistiges erlebt, indem er die keineswegs leichte Opferarbeit unternimmt. Es ist eine Bruderarbeit, die uns die anderen, die da mitwirken, leisten; und wer mich in diesen Worten versteht, wird mit mir die Dankgefühle empfinden, denen ich eben in diesem Augenblick Ausdruck verleihen will.
[ 18 ] Und diejenigen von Ihnen, welche so fühlen mit mir, die so teilen können jenes tiefe Dankbarkeitsgefühl, das ich jedesmal am Ausgangspunkt unserer Münchner Unternehmungen gegenüber all denen empfinde, die hilfreich sind bei diesen Unternehmungen, jene Freunde unter Ihnen, die das fühlen, werden es nicht als unsachlich betrachten, nicht als irgend etwas Persönliches, wenn ich auch in diesem Jahre wieder dieses tiefsten Dankgefühles am Schlusse dieser meiner einleitenden Betrachtung gedenke. Es gehören nicht nur viele Hände dazu, diese Unternehmungen möglich zu machen, sondern es gehören dazu Seelen, welche wirklich sich schon durchdrungen haben mit dem, was die schönste Frucht des geistig-strebenden Lebens sein kann und was ich nennen möchte die geistige Wärme. Und es bleibt ja diese geistige Wärme wirklich niemals ohne ihre Folgen, niemals ohne ein sich allmählich entwikkelndes Können für das, was man will auf dem entsprechenden Felde. Und so stehen wir jedesmal da, wenn wir darangehen, zunächst als das kleine Häuflein derer, die hier in München Vorläufer sind der größeren Gemeinschaft, die sich dann zusammenfindet, durchdrungen von spiritueller Wärme, und wir haben den Glauben in unserem Wirken, auch wenn es anfangs recht holperig mit allem geht: es muß gehen. Und es geht bis zu dem Grade, den wir eben erreichen können. Wir finden immer bei dieser Unternehmung den Realitätenbeweis, daß geistige Kräfte durch die Welt walten, daß sie uns helfen, daß wir uns ihnen überlassen können. Und wenn es uns manchmal scheinen wollte, als ob es nicht ginge, dann sagen wir uns, daß, wenn es nicht gehen würde, es im Sinne der Kräfte läge, die hinter unserem Wirken stehen. Und dann wäre es recht, daß es nicht ginge. Und so handeln wir, und so denken wir gar nicht an das, was zuletzt als Vorstellung herauskommen soll. Wir denken an die geistigen Kräfte, denen wir im Sinne unserer Zeit auch ein schwaches, kleines Opfer bringen wollen, das Opfer der gegenwärtigen Intellektualität an die religiöse Vertiefung des Menschenherzens. Und es ist schön, zu sehen, wie tatsächlich diese spirituelle Wärme bei jenem kleinen Häuflein in wunderbarer Weise vorhanden ist, wie jeder einzelne tatsächlich Geistiges erlebt, indem er die keineswegs leichte Opferarbeit unternimmt. Es ist eine Bruderarbeit, die uns die anderen, die da mitwirken, leisten; und wer mich in diesen Worten versteht, wird mit mir die Dankgefühle empfinden, denen ich eben in diesem Augenblick Ausdruck verleihen will.
[ 19 ] Es geht natürlich unser erster Dank an den Neuschöpfer des «Mysteriums von Eleusis», es gehen aber dann die mannigfaltigsten Dankgefühle an meine Mitarbeiter in dieser Münchner Zeit. Da darf ich vor allen Dingen gedenken derer, die sich durch ihre von solch liebevoller spiritueller Wärme im Dienste der Geisteswissenschaft durchzogenen Leistungen durch viele Jahre hindurch berufen gemacht haben, heute ihr schönes, ihr warmes Können mit dem, was wir hier wollen, zu vereinen. Da lassen Sie mich zunächst den tiefen Herzenswunsch befriedigen, hinzuweisen auf jene beiden Persönlichkeiten, die da in einer ganz besonderen Weise mitwirkten, so daß heute schon die schönste Einheit ihres spirituellen Denkens und ihrer rein technischen Arbeit bei unserer Münchner Unternehmung uns überall entgegenstrahlt: auf Fräulein Stinde und Gräfin Kalckreuth. Lassen Sie mich hinweisen auf unseren lieben Freund Adolf Arenson, welcher den musikalischen Teil wie in den vorigen Jahren so auch in diesem Jahre für alle drei Vormittage geleistet hat. Zu beurteilen diese Leistungen überlasse ich Ihren eigenen Herzen, Ihren eigenen Seelen. Ich selbst empfinde es als ein besonders gutes Geschick, daß gerade in dieser Weise der musikalische Teil unserer Leistungen von unserem lieben Freund Arenson zu unserer Gesamtarbeit beigesteuert wird. Und ich empfinde es weiter als ein besonders günstiges Geschick, daß das, was mir vorschwebte als ein von wirklich religiösem Geiste durchhauchtes Bühnenbild, daß das von unserem lieben Fräulein von Eckhardtstein in einer so ausgezeichneten Weise geleistet werden kann. Mir, meine lieben Freunde, ist jeder rote und blaue Fleck, ist jeder Glanz und jeder matte Ton in dem Bühnenbilde wichtig und bedeutungsvoll, und daß das von der bezeichneten Persönlichkeit gefühlt wird, gehört zu dem, was wir als wirklich geistgetragene Arbeit empfinden müssen. Und ich brauche Sie ja nur hinzuweisen auf alles das, was Ihnen entgegengetreten ist im weiteren Umkreis in den Bühnenbildern, die unsere Maler Herr Linde, Herr Volckert und Herr Haß beisteuern zu unseren dramatischen Inaugurationen; und ich darf dann durch diesen Hinweis in Ihnen den Gedanken anregen, wie in den Seelen dieser Persönlichkeiten sich der spirituelle Gedanke so ergossen hat, daß er wirklich bis in den Pinsel hinein seine Kraft behält. Es ist Spiritualität, was Sie in dem Bühnenbild sehen, wie es die drei Genannten beisteuern. In alledem, was hier erwähnt wird, erblicken wir natürlich nicht ein Vollendetes, sondern etwas, was der Anfang eines Wollens ist, und wir möchten nun gerne, daß man durch alles das, was gewollt wird, was nicht jetzt schon geleistet werden kann, ersieht, wie man sich die Fortgestaltung der Kunst denken kann. Deshalb ist es uns von so unendlicher Wichtigkeit, daß auch die innere dramatische Gestaltung nur in den Händen von Darstellern liegt, die nach geistiger Erkenntnis streben, denn ich möchte - nicht aus persönlicher Neigung, sondern deshalb, weil ich muß - nicht ein einziges Wort in diesen unseren dramatischen Unternehmungen auf der Bühne gesprochen wissen von einem Andersgesinnten, und wenn dieses Wort auch mit der höchsten künstlerischen Vollendung und mit dem äußersten künstlerischen Raffinement der gegenwärtigen sprachlichen Bühnentechnik gesprochen würde. Denn etwas ganz anderes wird gewollt als diese äußere Bühnentechnik. Das, was heute Kunst genannt wird, wird nicht gewollt. Gewollt aber wird, daß in jeder Seele, die da oben steht und mitwirkt, das Herz aus spiritueller Wärme heraus spricht, daß ein solcher Hauch durch die ganze mehr oder weniger gute Darstellung geht, daß wir Geisteswärme als Kunst, Kunst als Geisteswärme erleben. Deshalb müßte jeder, der teilnimmt an diesen unseren Inaugurationsunternehmungen des Münchner Zyklus, die Empfindung haben: es gibt da kein Wort, das nicht, indem es gesprochen wird, zugleich in tiefster Seele von dem Darsteller mitempfunden wird. Das bewirkt in mancher Hinsicht jene künstlerische Keuschheit, die derjenige, der nicht spirituell fühlen will, als Dilettantismus empfinden mag, die aber der Anfang ist von etwas, was da kommen soll, der Anfang von etwas, was man einstmals als künstlerische Wahrheit in tiefstem, in geistigstem Sinne des Wortes empfinden wird, so unvollkommen und anfänglich es Ihnen auch heute entgegentreten mag. Deshalb wird niemals daran gedacht werden, meine lieben Freunde, Ihnen, die Sie ja das Verständnis haben, etwa mit dramatischen Strichen zu kommen. Sie werden ruhig aushalten alle Längen, die einmal die Sache notwendig macht. Uns ist nichts zu lang, uns ist nichts zu undramatisch in dem gewöhnlichen heutigen Sinne, weil wir uns nicht nach äußeren dramatischen Forderungen, weil wir uns nach den inneren Notwendigkeiten der Sache richten, und wir werden niemals unsere dramatischen Überzeugungen verleugnen. Nehmen wir zum Beispiel das Märchen, das Felicia im fünften Bilde der «Prüfung der Seele» Capesius erzählt, so würde der gewöhnliche Theaterbesucher sagen: Das ist zum Sterben langweilig. — Diese Langweiligkeit auf die Bühne zu bringen, werden wir uns niemals scheuen, wenn es die dramatische Wahrheit im spirituellen Sinne von uns fordert. Und die dramatische Freiheit fordert, daß eine jede Individualität, die uns die Liebe erweist, mitzuwirken, an ihrem Ort in freier Weise walten kann, so daß jeder das, was er tut und spricht auf der Bühne, als sein eigenes von ihm ausgehendes Wort und Gefühl empfinden kann. Eine tyrannische Regie, wie sie neuerlich vielfach geliebt wird, werden Sie nicht walten sehen in unserer Unternehmung. Sie werden dafür, wenn auch nur anfänglich und unvollkommen, jenen Geist walten sehen, der sich unsichtbar wie ein Hauch ausbreitet über die Unternehmung als Einheit, dafür aber als Vielheit in jeder einzelnen Seele wirken kann. Deshalb empfindet man vor allen Dingen, wenn man mittendrinnen steht in einer solchen Unternehmung, jene tiefe Dankbarkeit gegenüber dem, was alle einzelnen Darsteller als Opfer brachten. Ihnen allen gegenüber, von Fräulein von Sivers an bis zu denen, die auch kleinere Rollen hatten, muß dieses Dankgefühl hier erwähnt werden. Sie einzeln aufzuzählen ist ja nicht möglich, weil so viele ihre Hilfe geboten haben. Aber alle haben viel geleistet. Ich brauche nur hinzuweisen auf denjenigen, welcher in hingebungsvoller Art sich einer diesjährigen Hauptrolle gewidmet hat, einer Rolle, die mir besonders ans Herz gewachsen ist und die sehr schwierig ist, weil sie innere große Schwierigkeiten bietet: ich meine die CapesiusRolle, die von unserem lieben Herrn Doser dargestellt wurde. Ich brauche nur hinzuweisen, in welch opferwilliger Weise unser lieber Herr Seiling sich jetzt schon beide Jahre der Darstellung jener Wesenheit gewidmet hat, die ich nennen möchte das dramatische Gewissen, das heute noch nicht auf die Bühne darf, das seine Lebendigkeit erweisen kann dadurch, daß es nicht in Person auf der Bühne auftritt, und wie derselbe Herr Seiling im vorigen und in diesem Jahre die Strader-Rolle mit großer Meisterschaft vor uns hingestellt hat. Solche Leistungen wie das, was das vierte Bild am dritten Tag geboten hat in jenem dramatischen Dialog zwischen Capesius und Strader, geben schon unserer Seele etwas von dem, was werden wird, wenn Kunst von Geist-Erkenntnis wie von ihrem Lebensblut durchpulst und Geist-Erkenntnis von Kunst wie von ihrer Körperlichkeit einmal gestaltet werden wird. Daher mußte ich so tiefen Dank empfinden, als dieser schöne Punkt dramatischer Leistung im vierten Bilde vor unsere Augen trat.
[ 19 ] Es geht natürlich unser erster Dank an den Neuschöpfer des «Mysteriums von Eleusis», es gehen aber dann die mannigfaltigsten Dankgefühle an meine Mitarbeiter in dieser Münchner Zeit. Da darf ich vor allen Dingen gedenken derer, die sich durch ihre von solch liebevoller spiritueller Wärme im Dienste der Geisteswissenschaft durchzogenen Leistungen durch viele Jahre hindurch berufen gemacht haben, heute ihr schönes, ihr warmes Können mit dem, was wir hier wollen, zu vereinen. Da lassen Sie mich zunächst den tiefen Herzenswunsch befriedigen, hinzuweisen auf jene beiden Persönlichkeiten, die da in einer ganz besonderen Weise mitwirkten, so daß heute schon die schönste Einheit ihres spirituellen Denkens und ihrer rein technischen Arbeit bei unserer Münchner Unternehmung uns überall entgegenstrahlt: auf Fräulein Stinde und Gräfin Kalckreuth. Lassen Sie mich hinweisen auf unseren lieben Freund Adolf Arenson, welcher den musikalischen Teil wie in den vorigen Jahren so auch in diesem Jahre für alle drei Vormittage geleistet hat. Zu beurteilen diese Leistungen überlasse ich Ihren eigenen Herzen, Ihren eigenen Seelen. Ich selbst empfinde es als ein besonders gutes Geschick, daß gerade in dieser Weise der musikalische Teil unserer Leistungen von unserem lieben Freund Arenson zu unserer Gesamtarbeit beigesteuert wird. Und ich empfinde es weiter als ein besonders günstiges Geschick, daß das, was mir vorschwebte als ein von wirklich religiösem Geiste durchhauchtes Bühnenbild, daß das von unserem lieben Fräulein von Eckhardtstein in einer so ausgezeichneten Weise geleistet werden kann. Mir, meine lieben Freunde, ist jeder rote und blaue Fleck, ist jeder Glanz und jeder matte Ton in dem Bühnenbilde wichtig und bedeutungsvoll, und daß das von der bezeichneten Persönlichkeit gefühlt wird, gehört zu dem, was wir als wirklich geistgetragene Arbeit empfinden müssen. Und ich brauche Sie ja nur hinzuweisen auf alles das, was Ihnen entgegengetreten ist im weiteren Umkreis in den Bühnenbildern, die unsere Maler Herr Linde, Herr Volckert und Herr Haß beisteuern zu unseren dramatischen Inaugurationen; und ich darf dann durch diesen Hinweis in Ihnen den Gedanken anregen, wie in den Seelen dieser Persönlichkeiten sich der spirituelle Gedanke so ergossen hat, daß er wirklich bis in den Pinsel hinein seine Kraft behält. Es ist Spiritualität, was Sie in dem Bühnenbild sehen, wie es die drei Genannten beisteuern. In alledem, was hier erwähnt wird, erblicken wir natürlich nicht ein Vollendetes, sondern etwas, was der Anfang eines Wollens ist, und wir möchten nun gerne, daß man durch alles das, was gewollt wird, was nicht jetzt schon geleistet werden kann, ersieht, wie man sich die Fortgestaltung der Kunst denken kann. Deshalb ist es uns von so unendlicher Wichtigkeit, daß auch die innere dramatische Gestaltung nur in den Händen von Darstellern liegt, die nach geistiger Erkenntnis streben, denn ich möchte - nicht aus persönlicher Neigung, sondern deshalb, weil ich muß - nicht ein einziges Wort in diesen unseren dramatischen Unternehmungen auf der Bühne gesprochen wissen von einem Andersgesinnten, und wenn dieses Wort auch mit der höchsten künstlerischen Vollendung und mit dem äußersten künstlerischen Raffinement der gegenwärtigen sprachlichen Bühnentechnik gesprochen würde. Denn etwas ganz anderes wird gewollt als diese äußere Bühnentechnik. Das, was heute Kunst genannt wird, wird nicht gewollt. Gewollt aber wird, daß in jeder Seele, die da oben steht und mitwirkt, das Herz aus spiritueller Wärme heraus spricht, daß ein solcher Hauch durch die ganze mehr oder weniger gute Darstellung geht, daß wir Geisteswärme als Kunst, Kunst als Geisteswärme erleben. Deshalb müßte jeder, der teilnimmt an diesen unseren Inaugurationsunternehmungen des Münchner Zyklus, die Empfindung haben: es gibt da kein Wort, das nicht, indem es gesprochen wird, zugleich in tiefster Seele von dem Darsteller mitempfunden wird. Das bewirkt in mancher Hinsicht jene künstlerische Keuschheit, die derjenige, der nicht spirituell fühlen will, als Dilettantismus empfinden mag, die aber der Anfang ist von etwas, was da kommen soll, der Anfang von etwas, was man einstmals als künstlerische Wahrheit in tiefstem, in geistigstem Sinne des Wortes empfinden wird, so unvollkommen und anfänglich es Ihnen auch heute entgegentreten mag. Deshalb wird niemals daran gedacht werden, meine lieben Freunde, Ihnen, die Sie ja das Verständnis haben, etwa mit dramatischen Strichen zu kommen. Sie werden ruhig aushalten alle Längen, die einmal die Sache notwendig macht. Uns ist nichts zu lang, uns ist nichts zu undramatisch in dem gewöhnlichen heutigen Sinne, weil wir uns nicht nach äußeren dramatischen Forderungen, weil wir uns nach den inneren Notwendigkeiten der Sache richten, und wir werden niemals unsere dramatischen Überzeugungen verleugnen. Nehmen wir zum Beispiel das Märchen, das Felicia im fünften Bilde der «Prüfung der Seele» Capesius erzählt, so würde der gewöhnliche Theaterbesucher sagen: Das ist zum Sterben langweilig. — Diese Langweiligkeit auf die Bühne zu bringen, werden wir uns niemals scheuen, wenn es die dramatische Wahrheit im spirituellen Sinne von uns fordert. Und die dramatische Freiheit fordert, daß eine jede Individualität, die uns die Liebe erweist, mitzuwirken, an ihrem Ort in freier Weise walten kann, so daß jeder das, was er tut und spricht auf der Bühne, als sein eigenes von ihm ausgehendes Wort und Gefühl empfinden kann. Eine tyrannische Regie, wie sie neuerlich vielfach geliebt wird, werden Sie nicht walten sehen in unserer Unternehmung. Sie werden dafür, wenn auch nur anfänglich und unvollkommen, jenen Geist walten sehen, der sich unsichtbar wie ein Hauch ausbreitet über die Unternehmung als Einheit, dafür aber als Vielheit in jeder einzelnen Seele wirken kann. Deshalb empfindet man vor allen Dingen, wenn man mittendrinnen steht in einer solchen Unternehmung, jene tiefe Dankbarkeit gegenüber dem, was alle einzelnen Darsteller als Opfer brachten. Ihnen allen gegenüber, von Fräulein von Sivers an bis zu denen, die auch kleinere Rollen hatten, muß dieses Dankgefühl hier erwähnt werden. Sie einzeln aufzuzählen ist ja nicht möglich, weil so viele ihre Hilfe geboten haben. Aber alle haben viel geleistet. Ich brauche nur hinzuweisen auf denjenigen, welcher in hingebungsvoller Art sich einer diesjährigen Hauptrolle gewidmet hat, einer Rolle, die mir besonders ans Herz gewachsen ist und die sehr schwierig ist, weil sie innere große Schwierigkeiten bietet: ich meine die CapesiusRolle, die von unserem lieben Herrn Doser dargestellt wurde. Ich brauche nur hinzuweisen, in welch opferwilliger Weise unser lieber Herr Seiling sich jetzt schon beide Jahre der Darstellung jener Wesenheit gewidmet hat, die ich nennen möchte das dramatische Gewissen, das heute noch nicht auf die Bühne darf, das seine Lebendigkeit erweisen kann dadurch, daß es nicht in Person auf der Bühne auftritt, und wie derselbe Herr Seiling im vorigen und in diesem Jahre die Strader-Rolle mit großer Meisterschaft vor uns hingestellt hat. Solche Leistungen wie das, was das vierte Bild am dritten Tag geboten hat in jenem dramatischen Dialog zwischen Capesius und Strader, geben schon unserer Seele etwas von dem, was werden wird, wenn Kunst von Geist-Erkenntnis wie von ihrem Lebensblut durchpulst und Geist-Erkenntnis von Kunst wie von ihrer Körperlichkeit einmal gestaltet werden wird. Daher mußte ich so tiefen Dank empfinden, als dieser schöne Punkt dramatischer Leistung im vierten Bilde vor unsere Augen trat.
[ 20 ] Und jetzt könnte ich diese Dankesbetrachtung vielfach fortsetzen. Ich könnte zuletzt Ihnen selber danken, allen, die Sie Verständnis erwiesen haben in Ihrer Seele für das, was einmal notwendig wird in einer künftigen Dramatik, daß das Unsichtbare neben dem Sichtbaren waltet, daß die Andeutung einhergehen darf neben der gröberen äußeren Darstellung, daß Gestalten hinausgestellt werden müssen, ich möchte sagen, in günstigere Rampenbeleuchtung, und anderes, was mehr hineingeheimnißt werden muß in das Tiefste des Menschenwortes. Was gemeint ist und was man mehr und mehr empfinden wird als wahre Meinung in den drei Gestalten Philia, Astrid, Luna, das kann nur von einer Seite aus in der Beleuchtung gegeben werden, in der es uns eben entgegentritt, in den drei Gestalten, wenn sie leibhaftig auf die Bühne treten. Aber mit diesen drei Gestalten, in denen wichtige Impulse der Menschheitsentwickelung gemeint sind, sind auch intime Seelengeheimnisse angeschlagen, mit denen man nur zurechtkommt, wenn man verbindet, was auf der einen Seite in scharfe aufdringliche Rampenbeleuchtung gedrängt wird und auf der anderen Seite angedeutet ist in den drei Frauengestalten durch die Intimität des Wortes. Diese drei Frauengestalten, die im Mondensilberlichte wirken und aus den vergänglichen Gestaltungen des Wassertropfenwesens jenes Kelchgefäß formen, das ein intimer Repräsentant ist für das, was sie in ihrer offenbareren und in ihrer intimeren Beleuchtung wollen diese Gestalten, die uns im Mondensilberlicht des Märchens entgegentreten und uns zeigen, wie sie die Menschenseelen begleiten als die intimen Freunde unserer Seele, wie sie sich gestalten in den Kindertagen und wie sie sich gestalten, wenn dreimal dreihundertsechzig Wochen verlaufen sind, sind nur zu verstehen, wenn man auf beides eingeht: auf das, was den Sinn gefangennimmt und äußerlich offenbar in gröberer Art auf die Bühne gestellt ist, und das, was den modernen Theaterbesuchern so langweilig sein würde, die Erzählung eines intimen Märchens, was aber einzig und allein jene Intimität geben kann, die in solchen drei Gestalten liegt wie Luna, Astrid, Philia. Und wenn man sieht, daß es heute schon eine Anzahl von Seelen gibt, die unbefangen und rein fühlen können gegenüber dem, was sonst nicht leicht auf der Bühne vergeben wird, dann kann man sagen, den Tiefen dieser Seelen, Ihnen allen, ist die Geisteswissenschaft dankbar, daß Sie lenken und leiten wollten Ihre Seelen, um mitzuempfinden, aufzunehmen, was im Dienste der Geist-Erkenntnis hiermit gewollt wird. Aus alledem heraus werden Sie es als etwas Objektives betrachten, wenn am Ende dieser Einleitung zu unseren kommenden Betrachtungen gerade eben diesen Dank-Gefühlen Ausdruck gegeben wird. Und eine dankbare Freude empfinde ich immer wieder, wenn ich nicht nur unsere lieben Mitarbeiter zusammenwirken und in das Neue sich hineinfügen sehe, wie sich zum Beispiel unser lieber Herr Mercklein hineinfand in die Rolle des Ahriman, sondern wenn ich auch sehe, wie diejenigen, die heute dem geisteswissenschaftlichen Leben noch ferne stehen, wie die Bühnenarbeiter für uns gerne arbeiten. Man sieht das, und ich empfinde es eigentlich immer als eine gewisse Dankbarkeit, wenn dieser oder jener Arbeiter kommt und verlangt, er möchte auch ein Buch haben. Es ist alles das - ich weiß es wohl, meine lieben Freunde — etwas Anfängliches und Unvollkommenes, aber etwas, von dem wir sagen können, es ist etwas Fruchtbares, etwas, was wirken wird. Und wenn von dem, was wir da tun durften im Beginne unserer Münchner Mittelpunktsunternehmung, das eine in unsere Seele zieht: daß Geisteswissenschaft nicht sein soll etwas Abstraktes, was man so nebenher auch im Leben betreibt, sondern daß sie zusammenhängt mit unseren gesamten Lebensbedingungen, dann hat die schwache Leistung, die damit vollbracht werden soll, für den Anfang zunächst ihre Wirkung getan. Dann ist etwas von dem erreicht, was wir wollten. Aus diesem Geiste heraus begrüße ich Sie heute für diesen Zyklus, der gewidmet sein soll einigen Betrachtungen über mancherlei, was uns entgegentritt, wenn wir den Blick in die große Welt richten und das empfinden, wovon in der alten Griechenzeit gesagt worden ist, daß von ihm alle Theosophie, alle Philosophie ausgeht; wenn wir das empfinden, was man Verwunderung nennt und wovon das Wort Wunder doch kommt, wenn wir etwas erleben von einem Vorgefühl dessen, was man Seelenprüfung nennt, und etwas empfinden von dem, was als Erlösung von aller Verwunderung, als Befreiung von aller Prüfung erscheint: den Geistesoffenbarungen. Das, was man von allen diesen dreien: von den Naturwundern, den Seelenprüfungen, von den erlösenden Geistesoffenbarungen, empfinden kann, das soll der Gegenstand unserer nächsten Betrachtungen werden.
[ 20 ] Und jetzt könnte ich diese Dankesbetrachtung vielfach fortsetzen. Ich könnte zuletzt Ihnen selber danken, allen, die Sie Verständnis erwiesen haben in Ihrer Seele für das, was einmal notwendig wird in einer künftigen Dramatik, daß das Unsichtbare neben dem Sichtbaren waltet, daß die Andeutung einhergehen darf neben der gröberen äußeren Darstellung, daß Gestalten hinausgestellt werden müssen, ich möchte sagen, in günstigere Rampenbeleuchtung, und anderes, was mehr hineingeheimnißt werden muß in das Tiefste des Menschenwortes. Was gemeint ist und was man mehr und mehr empfinden wird als wahre Meinung in den drei Gestalten Philia, Astrid, Luna, das kann nur von einer Seite aus in der Beleuchtung gegeben werden, in der es uns eben entgegentritt, in den drei Gestalten, wenn sie leibhaftig auf die Bühne treten. Aber mit diesen drei Gestalten, in denen wichtige Impulse der Menschheitsentwickelung gemeint sind, sind auch intime Seelengeheimnisse angeschlagen, mit denen man nur zurechtkommt, wenn man verbindet, was auf der einen Seite in scharfe aufdringliche Rampenbeleuchtung gedrängt wird und auf der anderen Seite angedeutet ist in den drei Frauengestalten durch die Intimität des Wortes. Diese drei Frauengestalten, die im Mondensilberlichte wirken und aus den vergänglichen Gestaltungen des Wassertropfenwesens jenes Kelchgefäß formen, das ein intimer Repräsentant ist für das, was sie in ihrer offenbareren und in ihrer intimeren Beleuchtung wollen diese Gestalten, die uns im Mondensilberlicht des Märchens entgegentreten und uns zeigen, wie sie die Menschenseelen begleiten als die intimen Freunde unserer Seele, wie sie sich gestalten in den Kindertagen und wie sie sich gestalten, wenn dreimal dreihundertsechzig Wochen verlaufen sind, sind nur zu verstehen, wenn man auf beides eingeht: auf das, was den Sinn gefangennimmt und äußerlich offenbar in gröberer Art auf die Bühne gestellt ist, und das, was den modernen Theaterbesuchern so langweilig sein würde, die Erzählung eines intimen Märchens, was aber einzig und allein jene Intimität geben kann, die in solchen drei Gestalten liegt wie Luna, Astrid, Philia. Und wenn man sieht, daß es heute schon eine Anzahl von Seelen gibt, die unbefangen und rein fühlen können gegenüber dem, was sonst nicht leicht auf der Bühne vergeben wird, dann kann man sagen, den Tiefen dieser Seelen, Ihnen allen, ist die Geisteswissenschaft dankbar, daß Sie lenken und leiten wollten Ihre Seelen, um mitzuempfinden, aufzunehmen, was im Dienste der Geist-Erkenntnis hiermit gewollt wird. Aus alledem heraus werden Sie es als etwas Objektives betrachten, wenn am Ende dieser Einleitung zu unseren kommenden Betrachtungen gerade eben diesen Dank-Gefühlen Ausdruck gegeben wird. Und eine dankbare Freude empfinde ich immer wieder, wenn ich nicht nur unsere lieben Mitarbeiter zusammenwirken und in das Neue sich hineinfügen sehe, wie sich zum Beispiel unser lieber Herr Mercklein hineinfand in die Rolle des Ahriman, sondern wenn ich auch sehe, wie diejenigen, die heute dem geisteswissenschaftlichen Leben noch ferne stehen, wie die Bühnenarbeiter für uns gerne arbeiten. Man sieht das, und ich empfinde es eigentlich immer als eine gewisse Dankbarkeit, wenn dieser oder jener Arbeiter kommt und verlangt, er möchte auch ein Buch haben. Es ist alles das - ich weiß es wohl, meine lieben Freunde — etwas Anfängliches und Unvollkommenes, aber etwas, von dem wir sagen können, es ist etwas Fruchtbares, etwas, was wirken wird. Und wenn von dem, was wir da tun durften im Beginne unserer Münchner Mittelpunktsunternehmung, das eine in unsere Seele zieht: daß Geisteswissenschaft nicht sein soll etwas Abstraktes, was man so nebenher auch im Leben betreibt, sondern daß sie zusammenhängt mit unseren gesamten Lebensbedingungen, dann hat die schwache Leistung, die damit vollbracht werden soll, für den Anfang zunächst ihre Wirkung getan. Dann ist etwas von dem erreicht, was wir wollten. Aus diesem Geiste heraus begrüße ich Sie heute für diesen Zyklus, der gewidmet sein soll einigen Betrachtungen über mancherlei, was uns entgegentritt, wenn wir den Blick in die große Welt richten und das empfinden, wovon in der alten Griechenzeit gesagt worden ist, daß von ihm alle Theosophie, alle Philosophie ausgeht; wenn wir das empfinden, was man Verwunderung nennt und wovon das Wort Wunder doch kommt, wenn wir etwas erleben von einem Vorgefühl dessen, was man Seelenprüfung nennt, und etwas empfinden von dem, was als Erlösung von aller Verwunderung, als Befreiung von aller Prüfung erscheint: den Geistesoffenbarungen. Das, was man von allen diesen dreien: von den Naturwundern, den Seelenprüfungen, von den erlösenden Geistesoffenbarungen, empfinden kann, das soll der Gegenstand unserer nächsten Betrachtungen werden.
