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Life Between Death and Rebirth
in Relation to Cosmic Realities
GA 141

11 February 1913, Berlin

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Achter Vortrag

Lecture Eight

[ 1 ] Wenn wir das menschliche Leben im Zusammenhang mit dem Leben im übrigen Weltendasein betrachten, so wie wir es betrachten können mit dem gewöhnlichen, eben im äußeren Dasein des Menschen gegebenen Anschauen, so betrachtet man eigentlich nur den allergeringsten Teil desjenigen von der Welt, was sich auf den Menschen selbst bezieht. Mit andern Worten: Alles, was der Mensch beobachten kann, wenn er nicht hinter die Geheimnisse des Daseins dringen will, kann ihn eigentlich im Grunde genommen über sich selbst nicht aufklären. Denn wenn wir mit den gewöhnlichen menschlichen Wahrnehmungsorganen, mit dem Denkorgan, um uns herumschauen, so haben wir ja eigentlich nur dasjenige vor uns, was die tiefsten, die bedeutsamsten Geheimnisse des Daseins gar nicht umschließt. Am stärksten tritt einem das entgegen, wenn man dazu kommt, auch nur in verhältnismäßig geringem Maße die Fähigkeit zu entwickeln, sich das Leben, die Welt anzuschauen von der anderen Seite, nämlich vom Schlafe aus. Was man im Schlafe sehen kann, das verhüllt sich ja meistens für das gegenwärtige menschliche Anschauen. Denn sobald der Mensch in Schlaf versinkt, also in der ganzen Zeit dann auch zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, sieht ja der Mensch eigentlich nichts. Wenn aber innerhalb der geistigen Entwickelung der Zeitpunkt eintritt, daß man auch dann beobachten kann, wenn man schläft, dann sieht man zum großen Teil zunächst dasjenige, was sich auf den Menschen selbst bezieht und was ihm während des alltäglichen Beobachtens ganz verborgen bleibt. Es ist leicht einzusehen, daß ihm dies während des alltäglichen Beobachtens verborgen bleiben muß. Denn das Gehirn ist ein Werkzeug des Urteilens, des Denkens. Man muß sich also des Gehirns bedienen, wenn man im gewöhnlichen Leben denken, urteilen will, muß wenigstens das Gehirn sozusagen in Tätigkeit versetzen; dadurch aber kann man es nicht anschauen, kann man es nicht beobachten. Es kann sich ja nicht einmal das Auge selbst beobachten, wenn es beobachtet. Und im Grunde ist es so mit dem ganzen Menschen. Wir tragen ihn an uns, aber wir können ihn nicht beobachten, wir können uns nicht in ihn vertiefen; so daß wir eigentlich den Blick in die Welt hinausrichten, aber im modernen Leben diesen Blick gar nicht in uns selbst richten können.

[ 1 ] When with the normal perception belonging to outer existence we study human life in its relation to life in the rest of the Universe, we are observing only the smallest part of world-existence that is connected with man himself. In other words, what a man can observe if he is not prepared to penetrate behind the mysteries of existence, can throw no real light upon his essential nature and being. For when we look around us with the ordinary organs of perception, with the organ of thinking, we have before us only that which does not in any way contain the deepest and most significant secrets of existence. This fact will strike us most strongly of all if we succeed in developing, even to a comparatively small extent, the capacity to view life and the world from the other side, namely, from the side of sleep. What can be seen during sleep is for the most part concealed from man's present faculty of perception. As soon as a person goes to sleep, from then until the moment of waking he really sees nothing at all. But if and when in the course of development the time comes when observation is also possible during sleep, most of what a man sees to begin with is connected with him as a human being but remains entirely hidden from ordinary observation. It is easy to understand why this is so, for the brain is an instrument of judgement, of thinking. Hence we must use or at least activate the brain when in everyday life we want to think or form judgements, but for that very reason we cannot see it. After all, the eye cannot see itself while it is actually observing something, and the same holds good of the whole organism. We bear it about with us but we cannot observe it in the real sense, we cannot penetrate it to any depth. We direct our gaze out into the world but in modern life we cannot direct this gaze into our own being.

[ 2 ] Nun sind die größten Geheimnisse des Daseins nicht draußen in der Welt, sondern sie sind im Menschen drinnen. Verfolgen wir einmal, was wir aus der Geheimwissenschaft kennen. Da wissen wir, daß eigentlich die drei Reiche der Natur, die uns umgeben, auf einem gewissen Zurückgebliebensein beruhen. Mineralisches Reich, pflanzliches Reich, tierisches Reich sind im Grunde genommen Wesenhaftigkeiten, die so, wie sie sind, darauf beruhen, daß etwas zurückgeblieben ist in der Entwickelung. Den normalen Fortschritt in der Entwickelung hat eigentlich nur dasjenige Wesenhafte gemacht, das während des Erdendaseins am Menschendasein beteiligt ist. Wenn der Mensch das mineralische, das pflanzliche oder das tierische Dasein betrachtet, so betrachtet er in der Welt eigentlich das, was in seinem eigenen Dasein demjenigen entspricht, woran er sich «erinnert», was seinem Gedächtnisse einverleibt ist. Wenn der Mensch einmal nur dasjenige überdenkt, was seinem Gedächtnisse einverleibt ist, was er also in der Seele erlebt hat, so betrachtet er eben dasjenige, was in der Vergangenheit sich abgespielt hat und noch fortbesteht, was noch ein gewisses Dasein fortfristet. Aber das lebendige unsichtbare Seelendasein der Gegenwart betrachtet man nicht, wenn man sich dem Gedächtnisse bloß hingibt. Das Gedächtnis mit allen seinen Vorstellungen stellt etwas dar, was sich wie eingelagert hat in unser lebendiges Seelendasein, was förmlich da drinnen steckt — diese Dinge sind natürlich alle bildlich gesprochen; aber es ist das, was an Gedächtnis dem Seelendasein einverleibt ist, nicht das unmittelbare, elementare gegenwärtige Seelendasein. — So ist es draußen in der Natur mit dem mineralischen, pflanzlichen und tierischen Reich. In diesen Reichen leben gleichsam die Gedanken der göttlich-geistigen Wesenheiten, die in der Vergangenheit gedacht worden sind; und sie setzen sich in das gegenwärtige lebendige Dasein so fort, wie unsere Erinnerungsvorstellungen in unser Seelendasein. Daher haben wir in der Welt um uns herum nicht die Gedanken der gegenwärtigen, unmittelbaren lebendigen göttlich-geistigen Wesenheiten vor uns, sondern die Erinnerungsvorstellungen der Götter, die auf bewahrten Gedanken der Götter.

[ 2 ] Now the greatest mysteries of existence are not to be found in the outside world but within man himself. Let us recall what we know from Spiritual Science, namely that the three kingdoms of nature around us owe their existence to a certain retardation in evolution. Mineral kingdom, plant kingdom, animal kingdom are, fundamentally speaking, entities attributable to the fact that something remained backward in the evolutionary process. Normal progress in evolution has in point of fact been made only by beings who have reached the stage of human existence during the Earth period. When a man looks at the mineral, plant or animal kingdoms, he is really observing in the world that which amounts in his own existence to what he ‘remembers’, to the content of his memory of his actual experiences; he is in fact contemplating what has taken place in the past and still enjoys a certain existence. But he is not experiencing the living, invisible soul-life of the immediate present when he concerns himself only with his memory. The memory with all its mental pictures represents something that has been deposited in our living soul-existence, is fixed there. All this is, of course, to be taken metaphorically, but the memories embedded in the soul are not the direct, basic elements of its life. The same applies to the mineral, plant and animal kingdoms in outer nature. The thoughts conceived by divine-spiritual Beings in the past live on in these kingdoms and they continue into present existence, just as our memory-pictures continue into our present life of soul. Hence we have in the world around us, not the thoughts of the immediately present, living, divine-spiritual Beings but the memory-pictures, the preserved thoughts of the Gods.

[ 3 ] Wenn wir unser Gedächtnis in seinem Inhalte anschauen, so kann uns dies in der Tat in einer gewissen Weise deshalb interessant sein, weil wir mit unserem Gedächtnis gewissermaßen an einem Zipfel das Weltenschaffen erfassen, dasjenige erfassen, was aus dem Schaffen in das Dasein übergeht. Es ist sozusagen die unterste Stufe des Geschaffenen, was da in unserer eigenen Seele als Gedächtnis, als Erinnerungsvorstellungen vorhanden ist; die allererste, flüchtigste Stufe des Geschaffenen. Wenn man aber gewissermaßen geistig aufwacht im Schlafe, dann sieht man etwas anderes. Dann sieht man gar nicht, was da draußen im Raume ist; man sieht gar nicht solche Vorgänge, wie sie einem entgegentreten im mineralischen, pflanzlichen oder tierischen Reiche, auch nicht im äußeren menschlichen Reiche. Sondern dann weiß man, daß eigentlich das Wesentlichste, was man da schaut, das Schaffende und Belebende am Menschen selber ist. Es ist förmlich so, wie wenn alles übrige ausgelöscht wäre und die Erde, die man da vom Gesichtspunkte des Schlafes aus betrachtet, nur den Menschen enthielte. Gerade das, was man bei Tage, beim Wachen niemals sehen würde, das enthüllt sich einem dann, wenn man vom Gesichtspunkte des Schlafes aus die Welt betrachtet. Und dann lernt man eigentlich erst die Gedanken kennen, welche sich die göttlich-geistigen Wesenheiten aufgespart haben, um über das mineralische, pflanzliche und tierische Dasein hinaus am Menschen zu schaffen. Während man also durch das physische Anschauen der Welt alles andere anschaut, nur nicht den Menschen, sieht man durch das geistige Anschauen vom Gesichtspunkt des Schlafes aus alles andere nicht an — und eigentlich nur den Menschen, insofern man von einer Schöpfung spricht, und das, was im Menschenreiche geschieht, also alles dasjenige, was sich dem gewöhnlichen täglichen Anschauen entzieht. Daher das zunächst Befremdende, das diese Anschauung hat, die in uns lebt, wenn wir vom Gesichtspunkte des Schlafes aus die Welt betrachten, das heißt, wenn wir innerhalb des Schlafes hellsichtig-schauend werden, geistig aufwachen.

[ 3 ] As to the content of our memory, this may well be of interest because with our memory we grasp a tiny corner of world-creation, we grasp what has passed over from creation into existence. Our memory-pictures are the first, the lowest, the most fugitive stage of created existence. But when we waken spiritually during sleep we see something quite different. We see nothing of what is outside in space, nothing of the processes manifesting in the mineral, plant and animal kingdoms or in the external aspects of the human kingdom. But then we know that the essential realities which we are there beholding are the creative, life-giving principles working on man himself. It is actually as if everything else were blotted out and as if the Earth, observed from the viewpoint of sleep, contained nothing except Man. What would never be seen by day, in the waking state, is revealed when contemplated from the viewpoint of sleep. And it is then, for the first time, that knowledge dawns in us of the thoughts which the divine-spiritual Beings kept in reserve in order to work at the creation of man, at a level above that of mineral, plant and animal existence. Whereas through physical perception of the world we see everything except the real being of man, through the spiritual perception exercised from the viewpoint of sleep, we see nothing except man—as a creation, together with happenings in the human kingdom—that is to say, from the viewpoint of sleep we see everything that is hidden from the ordinary perception of waking life. This accounts for the element of strangeness that is present in our vision when we are contemplating the world from the viewpoint of sleep, in other words, when we become clairvoyant, having wakened spiritually during sleep.

[ 4 ] Ja, aber dieser Menschenleib — und ich betrachte jetzt als Menschenleib das, was im Schlafe überhaupt im Bette liegen bleibt, also physischer Leib und Ätherleib zusammen —, dieser Menschenleib bietet dann selber einen eigenartigen Anblick, einen Anblick, dessen Charakteristik man etwa in der folgenden Weise in Worte fassen kann: Nur bei dem im allerersten Lebensalter stehenden Kinde ist dieser schlafende Menschenleib in gewisser Beziehung ähnlich dem Weben und Leben und Treiben in den andern Reichen der Natur. Der Leib aber des erwachsenen Menschen, oder überhaupt des Kindes von einem bestimmten Lebensalter an, bietet vom Standpunkte des Schlafes aus gesehen eigentlich fortwährend einen Prozeß des Vergehens, des Zerstörens. Es werden zwar jede Nacht während des Schlafes die zerstörenden Kräfte wieder durch die Wachstumskräfte ertötet; es wird in der Nacht ausgeglichen, was der Tag zerstört, aber es ist immer ein Überschuß der zerstörenden Kräfte vorhanden. Und daß immer ein Überschuß von zerstörenden Kräften da ist, das macht es, daß wir überhaupt sterben. Es summieren sich die Differenzen, die da bleiben. Jede Nacht bleibt doch immer eine Differenz zurück. Die Kräfte, die während der Nacht ersetzt werden, sind nie genauso groß wie die, welche im Tagesleben verbraucht worden sind, so daß im normalen Leben des Menschen täglich immer ein gewisser Rest von zerstörenden Kräften zurückbleibt. Und da dieser Rest, der jeden Tag zurückbleibt, sich hinzurechnet zu dem andern, so tritt der natürliche Alterstod ein, wenn dann die Summe so groß ist, daß die zerstörenden Kräfte die aufbauenden überwiegen.

[ 4 ] Now the human body—and here I mean the physical and etheric bodies together—which lies in the bed during sleep, this human body itself has a singular appearance, a characteristic of which can be expressed in words somewhat as follows. Only in the very first years of a child's life does this human body as seen during sleep show a certain similarity with the weaving life and activity in the other kingdoms of nature. The body of a grown-up person, however, or of a child from a certain age onwards, when seen from the viewpoint of sleep, reveals a constant process of decay, of destruction. Every night during sleep the forces of destruction are ever and again subjugated by the forces of growth; what is destroyed by day is repaired during the night, but the forces of destruction are always in excess. And the consequence of this fact is that we die. The forces that are renewed during the night are never the equal of those that have been used up during the waking life of day, so that in the normal life of the human being a certain surplus of destructive forces is always present. This surplus accumulates and the natural death of old age ensues when the destructive forces eclipse the upbuilding forces.

[ 5 ] Also wenn wir den Menschen vom Gesichtspunkte des Schlafes aus betrachten, schauen wir eigentlich auf einen Zerstörungsprozeß. Wir schauen auf diesen Zerstörungsprozeß nicht mit Trauer. Denn die Gefühle, die man etwa im Tagesleben über diesen Zerstörungsprozeß haben könnte, hat man nicht, wenn man vom Gesichtspunkte des Schlafes aus diesen Zerstörungsprozeß überblickt, weil man dann weiß, daß dieser Zerstörungsprozeß die Bedingung ist der eigentlichen geistigen Entwickelung des Menschen. Kein Wesen, das nicht seinen Leib zerstörte, könnte denken, könnte inneres seelisches Leben entwickeln. Es wäre ganz unmöglich, daß bei bloßen Wachstumsprozessen, denen nicht Zerstörungsprozesse gegenüberständen, seelisches Leben entwickelt werden könnte in dem Sinne, wie der Mensch seelisches Leben erlebt. Man sieht also in den Zerstörungsprozessen, die im menschlichen Organismus vor sich gehen, die Bedingungen des menschlichen seelischen Lebens und empfindet den ganzen Fortgang als eine Wohltat. Beseligend sogar empfindet man von der andern Seite des Lebens aus die Tatsache, daß man seinen Leib nach und nach auflösen kann. Es stellt sich nicht nur der Anblick von ‘der andern Seite des Lebens aus anders dar, sondern es stellen sich auch alle Empfindungen, alle Auffassungen anders dar; man hat eigentlich von dieser andern Seite des Lebens, vom Standpunkte des Schlafbewußtseins aus immer vor sich den verfallenden Leib, den richtig verfallenden Leib.

[ 5 ] Thus when we observe the human being from the viewpoint of sleep we are actually witnessing a process of destruction—but without sadness. For the feelings we might have in our waking life about this process of destruction are absent when we see it from the viewpoint of sleep, because then we know that it is the precondition of man's true spiritual development. No being who did not destroy his body in some measure would be capable of thinking or of developing an inner life of soul. No life of soul as experienced by man would be possible if the process of growth were not opposed by processes of destruction. We therefore regard these processes of destruction in the human organism as the precondition of man's life of soul and feel the whole development to be beneficial. Looked at from the other side of life, the fact that man's body can gradually be dissolved is felt to be a blessing. Not only do things look different when viewed from the other side of life but all our feelings and ideas are different; consciousness during sleep has always before it the spectacle of the body in decline—and rightly in decline.

[ 6 ] Wenn wir nun das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt betrachten, so hat man etwas anderes vor sich. Eine Zeitlang dauert nach dem Tode eine gewisse Art des Zusammenlebens mit dem vorhergehenden Leben. Für die Kamalokazeit ist Ihnen ja das alles klar geworden; aber auch nach der Kamalokazeit dauert es noch eine Weile weiter: man lebt mit dem vorhergehenden Leben. Dann kommt aber eine Zeit, die immer eintritt in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Es kommt ein gewisser Zeitpunkt, wo tatsächlich in einem noch viel höheren Sinne als während des Schlafbewußtseins eine Umkehr alles Anschauens, alles Wahrnehmens gegenüber dem gewöhnlichen Anschauen und Wahrnehmen eintritt, eine Umkehr aus dem folgenden Grunde eben: Wenn man hier in diesem Erdendasein steht, blickt man aus seinem Leibe heraus in die andere Welt, die nicht unser Leib gerade ist; von diesem Zeitpunkte an zwischen Tod und neuer Geburt, auf den ich mich eben bezogen habe, blickt man eigentlich in sehr geringem Maße auf die Umwelt, auf das Universum. Man blickt aber um so mehr auf das, was man jetzt den Menschenleib nennen könnte, man kennt alle seine Geheimnisse. Also es kommt ein Zeitpunkt zwischen Tod und neuer Geburt, wo man sich insbesondere zu interessieren anfängt für den Menschenleib. Es ist ja ungeheuer schwierig, wenn man diese Verhältnisse charakterisieren will, und man kann es eigentlich nur mit stammelnden Worten. Es kommt ein Zeitpunkt zwischen Tod und neuer Geburt, wo man sich gegenüber dem ganzen Kosmos so fühlt, wie wenn man dieses Universum in sich hätte und außer sich nur den Menschenleib. Wie man dem Magen, der Leber, der Milz gegenüber fühlt, daß man sie innerlich hat, so fühlt man dann den Sternen und überhaupt den anderen Welten gegenüber von dem besagten Zeitpunkte an: man fühlt, man trägt sie innerhalb seines Wesens. Was für dieses Leben hier außen ist, das ist dann richtige innere Welt, und wie man jetzt hinausschaut auf Sterne, Wolken und so weiter, so sieht man dann auf den Menschenleib. Und zwar auf welchen Menschenleib?

[ 6 ] Study of the life between death and rebirth, however, affords a different spectacle. A certain connection with the preceding life is experienced for a time after death. All of you are aware that this is the case during the period of Kamaloka; even after that period, however, the experience of connection with the previous life continues for a time. But then, at a certain point during the life between death and rebirth, a reversal of all ordinary vision and perception takes place, a reversal far more radical than takes place during sleep-consciousness. During existence on Earth we look out from our body into the world that is not our body; from the point of time to which I have just referred, between death and the new birth, we direct hardly a gaze to the universe around us but look with all the great intensity at what may now be called the human body; we discern all its secrets. Thus between death and rebirth there comes a moment when we begin to take special interest in the human body. It is extremely difficult to describe these conditions and it can really only be done with halting words. There comes a time between death and the new birth when we feel as if the whole universe were within us and outside us only the human body. We feel that the stars and other heavenly worlds are within our being, just as here on Earth we feel that the stomach, the liver, the spleen, are within us. Everything that here, in life on Earth, is outside us becomes in that other life an inner world, and just as here we look outwards to the stars, clouds and so forth, in that other life we gaze at the human body. At which human body?

[ 7 ] Wenn man wissen will, auf welchen Menschenleib man dann schaut, so muß man sich darüber klar sein, daß das, was als neuer Mensch durch eine nächste Geburt ins Dasein tritt, sich seinem Wesen nach lange, lange vor der Geburt vorbereitet. Es beginnt nicht mit der Geburt oder mit der Empfängnis, daß dieser Mensch sich sozusagen anschickt, auf der Erde wieder da zu sein, sondern lange vorher. Es sind ja dafür ganz andere Dinge wichtig als diejenigen, welche die heutige statistische Biologie annimmt. Diese nimmt an, daß, wenn ein Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt, er gewisse Eigenschaften von Vater, Mutter, Großvater und so weiter bis hinauf in die ganze Ahnenreihe vererbt erhält. Es gibt heute schon ein ganz niedliches Buch über Goethe, worin die Eigenschaften Goethes bis zu seinen Vorfahren hinauf verfolgt werden. Nun ist das im äußeren Sinne ganz richtig; absolut richtig ist es im äußeren Sinne, eben in dem Sinne, den ich schon öfter andeutete: daß durchaus kein Widerspruch ist zwischen irgendeiner naturwissenschaftlichen Tatsache, die mit Recht behauptet wird, und den geisteswissenschaftlich zu erörternden Tatsachen. Das verhält sich gerade so, wie wenn jemand kommt und sagt: Hier steht ein Mensch, warum lebt er? — Da kann jemand antworten: Ich weiß, warum der lebt: er lebt aus dem Grunde, weil er innen Lungen hat, und weil außen Luft ist. — Das ist ganz richtig, selbstverständlich richtig. Aber ein anderer kann kommen und sagen: Dieser Mensch lebt aus einem ganz anderen Grunde noch. Der ist vor vierzehn Tagen ins Wasser gefallen, und ich bin ihm nachgesprungen und habe ihn herausgezogen: deshalb lebt er; denn wenn ich nicht nachgesprungen wäre und ihn aus dem Wasser herausgezogen hätte, dann lebte er heute durchaus nicht! — Es ist diese Behauptung ganz richtig, aber die andere Behauptung ist ebenso richtig. So ist es ganz richtig, wenn man mit der äußeren Naturwissenschaft nachweist, jemand trage in sich die vererbten Merkmale seiner Ahnen; aber ebenso richtig ist es, wenn man auf sein Karma hinweist und auf die andern Dinge. Im Prinzip kann daher Geisteswissenschaft gar nicht intolerant sein; im Prinzip kann nur die äußere Wissenschaft intolerant sein, indem sie zum Beispiel die Geisteswissenschaft ablehnt. So kann jemand kommen und sagen, daß er die Merkmale der Vorfahrenreihe in sich aufbewahrt hat. Aber es besteht daneben auch noch die Tatsache, daß der Mensch von einem bestimmten Zeitpunkte zwischen dem Tode und der neuen Geburt Kräfte zu entwickeln beginnt, die auf seine Ahnen herunterwirken. Lange bevor ein Mensch ins physische Dasein tritt, steht er schon in einer geheimnisvollen Verbindung mit der gesamten Ahnenreihe. Und warum in einer Vorfahrenreihe ganz bestimmte Eigenschaften auftreten, das rührt davon her, daß aus dieser Ahnenreihe — vielleicht erst nach Jahrhunderten — ein ganz bestimmter Mensch hervorgehen soll. Dieser Mensch, der da nach Jahrhunderten vielleicht aus einer Ahnenreihe hervorgehen soll, regelt von der geistigen Welt aus die Eigenschaften seiner Ahnen. Goethe also — wenn wir dieses Beispiel noch einmal heranziehen wollen — zeigt die Merkmale seiner Vorfahren, weil er sich von der geistigen Welt aus fortwährend damit zu schaffen gemacht hat, seine Eigenschaften den Ahnen einzupflanzen. Und so wie es für Goethe gezeigt wurde, tut es jeder Mensch.

[ 7 ] To understand this we must be clear that the new human being who at his next birth is to enter into existence, has for a long time previously been preparing his essential characteristics. Preparation for a return to the Earth begins a long time before birth or conception. The conditions of central importance here are quite different from those accepted by modern statistical biology which assumes that when a human being comes into existence through birth he simply inherits certain traits from his father, mother, grandparents and the whole line of ancestors. Quite an otherwise attractive little book about Goethe has recently been published, in which his characteristic qualities are traced back to his ancestors. Outwardly speaking, that is absolutely correct in the sense I have often indicated, namely, that there is no contradiction between a scientific fact that is correctly presented and the facts brought forward by Spiritual Science. It is just as if someone were to say: Here is a man; how comes it that he is alive? It is because he has lungs inside him and there is air outside. Needless to say, that is quite correct. But someone else may turn up and say: This man is alive for an entirely different reason. A fortnight ago he fell into the water and I jumped in after him and pulled him out; but for that he would not be alive today! Both these assertions are correct. In the same way, natural science is quite correct when it says that a man bears within himself characteristics inherited from his ancestors; but it is equally correct to attribute them to his karma and other factors. In principle, therefore, Spiritual Science cannot be intolerant; it is external natural science alone that can be intolerant, for example, in rejecting Spiritual Science. Someone may insist that he has preserved the characteristics of his own ancestors. But there is also the fact that from a certain point of time between death and rebirth a human being himself begins to develop forces which work down upon his ancestors. Long before an individual enters into physical existence there is a mysterious connection between himself and the whole line of his ancestors. And the reason why specific characteristics appear in a line of ancestors is that perhaps only after hundreds of years a particular individual is to be born from that ancestral line. This human being who is to be born, perhaps centuries later, from a line of ancestors, regulates their characteristics from the spiritual world. Thus Goethe—to take this example once again—manifests the qualities of his ancestors because he worked continuously in the spiritual world with the aim of implanting into these ancestors qualities that were subsequently to be his. And what is true of Goethe is true of every human being.

[ 8 ] Von einem ganz bestimmten Zeitpunkte ab ist also der Mensch zwischen dem Tode und der neuen Geburt schon beschäftigt mit der Vorbereitung seines späteren irdischen Daseins. Was der Mensch hier auf der Erde nämlich als seinen physischen Leib an sich trägt, rührt durchaus nicht alles von dem physischen Leben der Vorfahren her, rührt überhaupt nicht alles von dem her, was auf der Erde sich als Prozesse abspielen kann. Was wir als physischen Leib an uns tragen, ist eigentlich schon an sich eine viergliedrige Wesenheit. Wir haben ja unseren physischen Leib entwickelt durch die Saturn-, Sonnen-, Monden- und Erdenzeit. Veranlagt wurde er zuerst auf dem alten Saturn; während der Sonnenzeit hat sich der Ätherleib eingegliedert, während der Mondenzeit der astralische Leib, und während der Erdenzeit dann das Ich; und durch diese Eingliederungen ist der physische Leib immer umgeändert worden. So haben wir die umgeänderte Saturnanlage, die umgeänderten Sonnenverhältnisse, die umgeänderten Mondverhältnisse alle in uns. Wir könnten keinen physischen Menschenleib an uns tragen, wenn wir nicht die umgeänderten physischen Verhältnisse in uns tragen würden. Sichtbar ist von allem eigentlich nur das, was wir von der Erde an uns haben; die andern Glieder sind nämlich nicht sichtbar. Sichtbar wird der physische Leib des Menschen dadurch, daß er die Substanzen der Erde aufnimmt, in sein Blut verwandelt und ein Unsichtbares damit durchdringt. In Wirklichkeit sieht man nur das Blut und die Umwandelungsprodukte des Blutes, also nur ein Viertel des physischen Menschenleibes; die drei anderen Viertel sind unsichtbar. Denn da besteht zunächst ein unsichtbares Gerüst; in diesem unsichtbaren Gerüst sind unsichtbare Strömungen; das alles ist aber als Kräfte vorhanden. In diesen unsichtbaren Strömungen sind wieder unsichtbare Wirkungen der einzelnen Strömungen aufeinander. Das alles ist noch nicht sichtbar. Und jetzt wird dieses dreifache Unsichtbare durchdrungen von dem, was die Nahrungsmittel, die zum Blute verarbeitet werden, als Ausfüllung dieses dreifachen Unsichtbaren bilden. Dadurch wird erst der physische Leib sichtbar. Und erst mit den Gesetzen dieses Sichtbaren sind wir auf dem Gebiete, das von dem Irdischen stammt. Alles andere stammt nicht aus irdischen Verhältnissen; alles andere ist das, was aus kosmischen Verhältnissen kommt, und was uns bereits zubereitet ist, wenn die Empfängnis eintritt, wenn das erste physische Atom des Menschen ins Dasein tritt. Da ist in vorhergehenden Zeiten, ohne daß eine physische Verbindung mit Vater und Mutter da war, lange vorbereitet worden, was die spätere Leiblichkeit des Menschen sein soll. Die Vererbungsverhältnisse werden dann erst da hineingearbeitet.

[ 8 ] From a specific point of time between death and rebirth, therefore, a human being is already concerned with the preparation of his later earthly existence. The physical body which a man has on Earth does not by any means derive in all details from the physical lives of his ancestors, nor indeed from processes that can operate on the Earth. The physical body we bear is in itself fourfold. It has evolved through the periods of Saturn, Sun, Moon and Earth. Its very first foundation was laid during the Old Saturn period; during the Old Sun period the etheric body was woven into this foundation; during the Old Moon period the astral body was added and then, during the Earth period, the Ego, the ‘I’. As a result of these processes the physical body has undergone many changes. Thus we have within us the transformed Saturn foundation, the transformed Sun and Moon conditions. Our physical human body is the product of transformed physical conditions. The only part of all this that is visible is what has come from the Earth; everything else is invisible. Man's physical body is visible because he takes in the substances of the Earth, transforms them into his blood and permeates them with something that is invisible. In reality we see only the blood and what has been transformed by the blood, that is to say, a quarter of the physical human body; the other three-quarters are invisible. In the first place there is an invisible framework containing invisible currents—all this exists in the form of forces. Within these invisible currents there are also the influences exercised by one current upon another. All this is invisible. And now this threefold entity is filled out, permeated by the foodstuffs that have been transformed into blood. It is through this process that the physical body becomes visible. And it is only when we come to deal with the laws governing this visible structure that we are in the earthly realm itself. Everything else stems from cosmic, not from earthly conditions and has already been prepared when, at the time of conception, the first physical atom of the human being comes into existence. Thus what is later on to become the body of the human being has been prepared in past ages without any physical connection with the ultimate father and mother. It was then that the qualities transmitted by heredity were first worked into the process of development.

[ 9 ] Auf dies, was sich, man möchte sagen, als der geistige Embryo, als der geistige Lebenskeim vorbereitet, und was sich vorzubereiten beginnt von: dem herangezogenen Zeitpunkte ab zwischen Tod und neuer Geburt, auf das sieht eigentlich das Seelische des Menschen hinunter. Das ist seine Außenwelt! Merken Sie jetzt den Unterschied, wenn man hellseherisch im Schlafe aufwacht, wenn man hinschaut auf den entwerdenden Menschenleib, wenn man auf den eigentlich in einem fortwährenden Zerstörungsprozeß befindlichen Menschenleib sieht — und wenn man auf den Zeitpunkt sieht, wo man seine inneren Eingeweide als seine Außenwelt schaut. Aber dann ist der innere, werdende Mensch die Außenwelt! Also man sieht das umgekehrt, als wenn man es sonst hellseherisch während des Schlafes sieht. Während des Schlafes fühlt man, wie man seine Eingeweide als seine Außenwelt empfindet, sieht aber sonst nur auf einen zerfallenden Menschen hin; in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt blickt man von dem angedeuteten Zeitpunkte ab auf den entstehenden, auf den werdenden, auf den ins Dasein sich hineinschaffenden Menschenleib hin. Der Mensch hat nur nicht die Fähigkeit, sich eine Erinnerung an das zu bewahren, was er zwischen Tod und neuer Geburt sieht. Aber was er da sieht als zusammensetzend das Wunderwerk der menschlichen Leiblichkeit, das ist wahrhaftig großartiger als alles, was der Mensch schauen kann, wenn er sonst den gestirnten Himmel erblickt, oder wenn er mit irgendeiner Anschauung, die an den physischen Leib gebunden ist, auf die physische Außenwelt hinsieht. Groß sind die Geheimnisse des Daseins, auch wenn wir sie nur sinnlich betrachten, von unserem sinnlichen Standpunkte aus; größer aber ist das, was wir anschauen, wenn wir das, was wir sonst so äußerlich sehen, als Eingeweide in uns selber tragen, und was wir dann als den werdenden Menschenleib mit allen seinen Geheimnissen durchschauen! Da sehen wir, wie alles hintendiert, sich vorbereitet, um zuletzt das physische Dasein zu ergreifen, wenn der Mensch durch die Geburt in die physische Welt eintritt.

[ 9 ] The human soul looks down upon what is thus being prepared from the above-mentioned point of time onwards between death and the new birth. It is the spiritual embryo, the spiritual seed of life. This is what constitutes the soul's outer world. Notice the difference between what is seen when we wake spiritually during sleep and have clairvoyant perception of the human body undergoing a process of continual destruction, and what is seen when our own inner organism is perceived as outer world. The outer world is then the inner man in process of coming into being. This means that we are then seeing the reverse of what is perceived clairvoyantly during sleep. During sleep we feel that our inner organs are part of the outer world, but otherwise what we see is a process of destruction. From the above-mentioned time onwards between death and rebirth our gaze is focused upon a human body in process of coming into being. Man is unable to preserve any remembrance of what he has seen between death and rebirth, but the spectacle of the building of the wonderful structure of the human body is veritably more splendid than anything to be seen when we gaze at the starry heavens or at the physical world with vision dependent in any respect upon the physical body. The mysteries of existence are truly great, even when contemplated from the standpoint of our physical senses only, but far greater still is the spectacle before us when, instead of external perception of our inner organs, we gaze at the human body that is in process of coming into being with all its mysteries. We then see how everything is directed to the purpose of enabling the human being to cope with existence when he enters the physical world through birth.

[ 10 ] Nun gibt es nichts, was man in Wirklichkeit Seligkeit nennen kann, als das Anschauen des Schöpfungsprozesses, des Werdeprozesses. Alles Betrachten eines schon Daseienden ist nichts gegenüber dem Anschauen des Werdenden; und was gemeint ist mit den Seligkeiten, die der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt empfinden kann, das bezieht sich eigentlich darauf, daß der Mensch in dieser Zeit des Daseins das Werdende anschauen kann. Auf solche Dinge, die durch die Offenbarungen der Zeiten gegangen sind und von denen einzelne Geister ergriffen worden sind, die entsprechend vorbereitet waren, beziehen sich solche Worte, wie wir sie zum Beispiel im «Prolog im Himmel» in Goethes «Faust» haben:

[ 10 ] There is nothing that can truly be called bliss or blessedness except vision of the process of creation, of ‘becoming’. Perception of anything already in existence is trivial compared with vision of what is in process of coming into being; and what is meant by speaking of the states of bliss or blessedness which can be experienced by man between death and rebirth is that during this period he can behold what is in process of coming into being. Truths such as these, that have been revealed through the ages and grasped by minds adequately prepared, are indicated in words to be found in the ‘Prologue in Heaven’ in Goethe's Faust:

Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
Umfaß’ euch mit der Liebe holden Schranken,
Und was in schwankender Erscheinung schwebt,
Befestiget mit dauernden Gedanken.

May that which works and lives, the ever-growing,
In bonds of love enfold you, mercy-fraught,
And Seeming's changeful forms, around you flowing,
Do ye arrest, in ever-during thought!
—Tr. Anna Swanwick, L.L.D., Bohn's Standard Library

[ 11 ] Das ist eben der Unterschied im Anschauen dieser Welt zwischen der Geburt und dem Tode und der Welt zwischen dem Tode und der neuen Geburt: daß wir hier Dasein und dann Werden schauen.

[ 11 ] The difference between vision in the world between birth and death and the world between death and rebirth is that in the former we behold what is already in existence and in the latter what is coming into being.

[ 12 ] Es könnte vielleicht jetzt jemandem der Gedanke einfallen: Aber dann beschäftigt sich ja der Mensch nur mit dem Anschauen seines eigenen Leibes? Das tut er nicht. Denn dieser eigene Leib ist in dem Stadium des Werdens wirklich Außenwelt, ist nicht der eigene Leib, er ist die Ausprägung der göttlichen Geheimnisse. Und da kommt es einem erst so recht in den Sinn, warum der physische Leib, den der Mensch zwischen Geburt und Tod ja in Wahrheit nur malträtiert, warum dieser Menschenleib, wenn man diesen ganzen Prozeß des Schauens ins Auge faßt, der Tempel der Weltengeheimnisse ist, denn er enthält mehr von dem Außendasein, als man erblickt, wenn man innen ist. Man hat dann das, was sonst Außenwelt ist, als Innenwelt; was man sonst Universum nennt, ist dann das, zu dem man Ego sagen kann — und das ist Außenwelt, was man da erblickt. Man muß sich nur nicht daran stoßen, daß man ja seinen Leib — das heißt denjenigen Leib, der dann der eigene Leib werden soll — erblickt, und daß daneben natürlich alle anderen entstehenden Leiber sein müssen. Das macht aber nichts aus. Es macht aus dem Grunde nichts aus, weil man es hier wieder zu tun hat mit der reinen Vervielfältigung. Und tatsächlich beginnt ein Unterschied der Menschenleiber, der einen interessieren kann und der bedeutsam sein kann, erst verhältnismäßig kurze Zeit bevor die Menschen in das physische Dasein eintreten. Die meiste Zeit zwischen dem Tod und der neuen Geburt, wenn man auf den werdenden Menschenleib hinabsieht, ist es wirklich so, daß sich die einzelnen Leiber nur der Zahl nach unterscheiden, und das überträgt sich auch richtig auf das eigene Erleben, auf das eigene Empfinden. Es ist ja wirklich schon kein großer Unterschied, wenn man ein Weizenkorn betrachten will, auf einen Acker geht und von irgendeiner Ähre ein Weizenkorn herausnimmt, oder ob man fünfzig Schritte weitergeht und dort aus einer Ähre ein Korn herausnimmt. Für das Wesentliche, das man am Weizenkorn betrachten kann, ist das eine Weizenkorn ebenso gut wie das andere. Aber dieses Empfinden hat man auch, wenn man den eigenen Leib betrachtet; daß er der eigene ist, hat eigentlich nur für die Zukunft Wert, weil man ihn später auf der Erde beziehen will; jetzt interessiert er einen nur als der Träger der höchsten Weltengeheimnisse, und darin besteht die Seligkeit, daß man ihn betrachten kann wie irgendeinen anderen Menschenleib auch. Man steht da vor dem Geheimnis der Zahl, das hier nicht weiter zu erörtern ist, aber unter vielen andern dabei in Betracht kommenden Dingen das hat, daß die Zahl — das heißt das vielfältige Dasein — vom geistigen Standpunkte aus überhaupt nicht mehr so empfunden wird wie vom physischen Standpunkte aus. Was in vielen Exemplaren empfunden wird, das wird doch wieder als Einheit empfunden.

[ 12 ] The thought might occur: Is a man, then, concerned only with the vision of his own being? No, that is not the case. For at the stage of coming into being this body is actually part of the outer world; it is the manifested expression of divine mysteries. And it is then that we realise for the first time why the physical body—which after all is only maltreated between birth and death—may be seen as the temple of cosmic mysteries, for it contains more of the outer world than is seen when we are within it during earthly existence. At that stage between death and rebirth what is otherwise outer world is our inner world; what is otherwise called Universe is now that of which we can say ‘I’—and what we then behold is outer world. We must not allow ourselves to be shocked by the fact that when we are looking at our body—or rather the body that will subsequently be ours—all other bodies which are coming into being must naturally also be there. This is of no significance because here it is simply a matter of number. In point of fact, differentiation between human bodies that can be of interest and importance to us has little significance until shortly before human beings enter into physical existence. For the greater part of the period between death and the new birth, when we are looking down upon the body that is coming into being, it is actually the case that the single bodies are differentiated only according to their number. If we want to study the essential properties of a grain of wheat, it will not make much difference whether we pick an ear from a grain of wheat in a particular field or go fifty paces farther on and pick one there. As far as the essential properties are concerned, one grain is as good as another. Something similar applies when between death and rebirth we are gazing at our own body; the fact that it is our own has significance only for the future because later on we are to inhabit it on the Earth. At the moment it interests us only as the bearer of sublime cosmic mysteries and blessedness consists in the fact that it can be contemplated just like any other human body. Here we stand before the mystery of Number which will not be further considered now, but among many other relevant aspects there is this, namely, that Number—that is to say, multiple existence—cannot be regarded from the spiritual standpoint exactly as it is from the physical. What is seen in countless examples will again be seen as a unity.

[ 13 ] Man fühlt sich durch seinen Leib im Universum darinnen, und durch das, was man im physischen Leben Universum nennt, fühlt man sich in seiner Ichheit drinnen. So verschieden ist das Wahrnehmen, wenn man einmal die Welt von hier, einmal von dort betrachtet.

[ 13 ] Through the body we feel ourselves to be in the Universe and through what in physical life is called Universe we feel that we are living within our own Ego-hood. Such is the difference when the world is contemplated at one time from this world and at another from yonder.

[ 14 ] Für den Seher ist jener Augenblick eigentlich der bedeutsamste zwischen Tod und neuer Geburt, wo der Mensch aufhört, sich bloß mit seinem letzten Leben zu befassen, und nun beginnt, auf das Werden hinzuschauen. Es ist der Eindruck, den der Seher bekommt, wenn er eine solche Seele beim Durchgang zwischen Tod und neuer Geburt verfolgt, wo die Seele in das Werden sich einzuleben beginnt, deshalb so erschütternd, weil die Seele selber, die durch diesen Moment durchgeht, eine bedeutsame Erschütterung erlebt. Es läßt sich das nur vergleichen mit dem Eintreten des Todes hier im physischen Leben. Wenn im physischen Leben der Tod eintritt, so geht man über vom Leben ins Sein; dort geht man über — obwohl es nicht genau bezeichnend ist, denn es läßt sich nicht ganz genau bezeichnen — von etwas, was mit einem früher erstorbenen Leben zusammenhängt, zu einem Werden, zu einem Erstehen. Man begegnet dem, was keimhaft ein ganz neues Leben in sich trägt. Es ist der umgekehrte Moment des Todes. Das ist so ungeheuer bedeutsam.

[ 14 ] For the seer, the most significant moment between death and the new birth is when the human being concerned ceases to concern himself only with his last life and begins to direct his attention to what is in process of coming into existence. The shattering impression received by the seer when, as he follows a soul between death and the new birth, this soul begins to be concerned with what is coming into being—this shattering impression is due to the fact that the soul itself at this moment experiences a severe shock. The only experience comparable with it is the coming of death in physical existence, when the human being passes over from life into being. In the other case—although it is impossible to describe it quite exactly—the transition is from something connected with a life that ended in death to experience of the process of ‘becoming’, of resurrection. The soul encounters that which bears a new life germinally within it. This is the moment of death in reverse. That is why it is so immensely significant.

[ 15 ] Nun müssen wir im Zusammenhange damit einmal einen Blick werfen auf die menschliche Entwickelung, auf die menschliche Erdenevolution. Sehen wir zurück auf einen Zeitpunkt, in welchem unsere Seele zum Beispiel in der alten ägyptisch-chaldäischen Zeit war, wo sie, wenn sie durch den physischen Leib in die Welt hinaussah, nicht bloß die Sterne als physisch-sinnliche Himmelskörper erblickte, sondern wo sie noch — wenn auch nur in gewissen Zwischenzuständen im Leben zwischen Geburt und Tod — an den Sternen geistige Wesenheiten erschaute, die mit dem Sternendasein verknüpft sind. Das drang in die Seelen herein und die Seelen waren in jener Zeit erfüllt mit Eindrücken aus der geistigen Welt. Es mußte ja so geschehen, daß im Laufe der Entwickelung allmählich die Möglichkeit erstarb, das Geistige zu schauen, und der Blick auf die Sinnlichkeit beschränkt wurde. Das vollzog sich während der griechisch-lateinischen Zeit, wo der Blick des Menschen immer mehr von der geistigen Welt abgelenkt und auf die Sinneswelt beschränkt wurde. Und jetzt leben wir in der Zeit, wo für die Seele noch immer mehr die Möglichkeit erstirbt, im Leben der physischen Außenwelt Geistiges zu erblicken. Die Erde ist ja jetzt in ihrem Entwerdungsprozeß, in ihrem Absterbeprozeß, und man geht sehr stark in diesen Absterbeprozeß hinein. Während also zur ägyptisch-chaldäischen Zeit die Menschen noch Geistiges um sich erblickten, erblicken sie jetzt nur noch Sinnliches und sie sind stolz darauf, wenn sie eine Wissenschaft begründen können, die nur Sinnliches enthält. Dieser Prozeß wird noch weitergehen. Es wird eine Zeit kommen, in welcher der Mensch das Interesse für die unmittelbaren Eindrücke der Sinneswelt verlieren wird, und wo er gleichsam das Untersinnliche ins Auge fassen und sich dafür interessieren wird. Wir können das heute eigentlich schon bemerken, wie die Zeit heranrückt, daß sich der Mensch nur noch für das Untersinnliche interessiert. Manchmal tritt das sogar ganz bedeutsam hervor, zum Beispiel wenn die heutige Physik überhaupt nicht mehr Farben betrachtet. Denn in Wirklichkeit betrachtet heute die Physik nicht mehr die Qualität der Farbe, sondern sie will das, was unter der Farbe ist, was da unter der Farbe vibriert, unter der Farbe schwingt, betrachten. Sie können heute schon in manchen Büchern den Unsinn lesen, daß man sagt, eine gelbe Farbe zum Beispiel sei eine soundso große Schwingungszahl von Wellenlängen. Da wird also die Betrachtung schon abgelenkt von der Qualität der Farbe und zu dem hingelenkt, was nicht in der gelben Farbe ist, und was man dann als Realität vorstellt. Sie können heute Physikbücher, auch physiologische Bücher finden, in denen betont wird, daß nicht mehr das unmittelbare Sinnesbild die Aufmerksamkeit fesseln soll, sondern etwas, wo alles aufgelöst ist in Schwingungen und Schwingungszahlen. Und diese Art, die Welt zu betrachten, wird immer weitergehen. Die Menschen werden die Aufmerksamkeit verlieren für das sinnliche Dasein und nur dasjenige ins Auge fassen wollen, was als Kraftwirkungen vorhanden ist. Man braucht sich nur an eines zu erinnern, um sozusagen kulturhistorisch-empirisch die Sache zu beweisen. Schlagen Sie heute noch die Rede auf, die Du Bois-Reymond am 14. August 1872 «Über die Grenzen des Naturerkennens» gehalten hat. Da werden Sie einen eigentümlichen Ausdruck für eine Sache finden, die schon Laplare geschildert hat, den Ausdruck von der «astronomischen Kenntnis eines materiellen Systems», das ist, wenn man das, was hinter einem Licht- oder Farbenprozeß steckt, so darstellt wie etwas, was nur durch mathematisch-physikalische Kräfte bewirkt wird. Es wird einmal dahin kommen, daß die Menschenseelen so weit sein werden — und die besten Anlagen dazu haben für die nächste Inkarnation schon die, welche heute auf gewissen Schulen erzogen werden —, das richtige Interesse für die leuchtende Farbe und für die Lichtwelt verloren zu haben und nur zu fragen nach den Kräfteverhältnissen. Die Menschen ‘werden gar nicht mehr Interesse haben für Violett und Rot, sondern nur noch für diese oder jene Wellenlängen.

[ 15 ] In connection with these things we must turn our minds to the course of human evolution on the Earth. Let us look back to an age, for example the ancient Egypto-Chaldean epoch, when our souls, looking out through physical bodies, did not see the stars merely as material bodies in the heavens; spiritual Beings were connected with the stars—although this experience occurred only in certain intermediate states during the life between birth and death. The souls of men were deeply affected by this vista and in those times impressions from the spiritual world crowded in upon them. It was inevitable that in the course of evolution the possibility of beholding the spiritual should gradually cease and man's gaze be limited to the material world. This came about in the Graeco-Latin epoch, when men's gaze was diverted to an ever greater extent from the spiritual world and limited to the world of the senses. And now we ourselves are living in an era when it is becoming more and more impossible for the soul to see or detect spiritual reality in the life of the physical environment. The Earth is now dying, withering away, and man is deeply involved in this process. Thus whereas in the Egypto-Chaldean epoch men still beheld the spiritual around them, they now see only what is material and actually boast of having established a science which deals only with what is physical and material. This process will go to further and further lengths. A time will come when men will lose interest in the direct impressions of the world of the senses and will concentrate attention on what is sub-material, sub-sensory. Today, in fact, we can already detect the approach of the time when men will be interested only in what is sub-sensory, below the level of the sense-world. This often becomes very obvious, for example when modern physics no longer concerns itself with colours as such. In reality it takes no account of the actual quality of colour but concerns itself only with the vibrations and oscillations below colour. In many books today you can read the nonsensical statement that a yellow colour, for example, is merely a matter of oscillations, wave-lengths. Observation here is already diverted from the quality of the colour and directed to something that is not in the yellow colour at all but yet is considered to be the reality. You can find books on physics and even on physiology today in which it is emphasised that attention should no longer be fettered to the direct sense-impression but that everything resolves itself into vibrations and wave-lengths. This kind of observation will go to further and further extremes. No attention will be paid to material existence as such and account will be taken only of the working of forces. Historically, one example suffices in order to provide empirical evidence of this. If you refer to du Bois-Reymond's lecture ‘On the Boundaries of Knowledge’, given on 14th August, 1872, you will find a peculiar expression for something that Laplace already described, the expression ‘astronomical knowledge of a material system’—that is to say when what lies behind a light- or colour-process is presented as something only brought about by mathematical-physical forces. A time will come when human souls—and some of those who are being educated in certain schools today will have the best possible foundations for this attitude in their next incarnation—will have lost real interest in the world of light and radiant colour and enquire only into the working of forces. People will no longer have any interest in violet or red but will be concerned only with wave-lengths.

[ 16 ] Dieses Veröden der menschlichen Innenheit ist etwas, dem man entgegengeht, und Anthroposophie ist dazu da, dem entgegenzuarbeiten, in allen Einzelheiten entgegenzuarbeiten. Denn es arbeitet ja nicht etwa bloß die unmittelbare Pädagogik auf diese Verödung des Lebens hin, sondern dieser Zug ist im ganzen Leben vorhanden. Und es war ein gewisser Kontrast gegenüber dem gewöhnlichen Leben, wenn wir in unserer Anthroposophie den Seelen das geben wollen, was sie wieder befruchtet, was nicht nur aus der sinnlichen Maja sein soll; denn wir wollen der Menschenseele wieder das geben, was nicht nur die sinnliche Maja gibt, sondern was als Geist hervorquillt. Und das können wir, wenn wir ihr das geben, wodurch sie in den folgenden Inkarnationen wieder in der wahren Welt wird leben können. So war ein gewisser Kontrast darin, daß wir diese Dinge vortragen mußten in der Welt, die in der Gleichgültigkeit gegen Form und Farbe ein solches Gegenstück bildet zu dem, was wir wollen; denn besonders in bezug auf die Farben bereitet die heutige Welt die Seelen auch vor, dem entgegenzuwirken, was wir wollen. Wir müssen nicht nur mit Begriffen und Ideen arbeiten, sondern wir müssen mit Welten-Ideen arbeiten. Deshalb ist es nicht eine bloße Vorliebe von uns, wenn wir uns so umgeben, wie es hier in diesem Raume ist, sondern das hängt zusammen mit dem ganzen Wesen der Geisteswissenschaft. Es soll wieder in der Seele die Möglichkeit erwachen, unmittelbar das zu empfinden, was sich den Sinnen darbietet, damit von da aus auch wieder in der Seele das lebendige Leben im Geistigen ersprießen kann. Jetzt, in dieser Inkarnation, kann ein jeder von uns die Geisteswissenschaft aufnehmen. Er nimmt sie mit der Seele auf, verarbeitet sie mit der Seele; das aber, was er jetzt seelisch aufnimmt, geht hinein in seine Anlagen für die nächste Inkarnation. Wenn er also durch die Zeit zwischen dem Tode und der nächsten Geburt durchgeht, dann schickt er von seiner Seele aus in seinen werdenden Leib das hinein, was dann seine körperlichen Anlagen dazu bereitet, um wiederum die Welt geistiger zu sehen. Das kann er nicht, wenn er keine Anthroposophie aufnimmt. Denn, wenn er sie nicht aufnimmt, dann bereitet er seinen Leib dazu vor, nichts zu schauen als öde Verhältnisse, nicht einmal mehr ein Auge zu haben für die Sinneswelt.

[ 16 ] This withering of man's inner spirituality is something that is approaching and Anthroposophy is there to counter it in every detail. It is not only our present form of education that helps to bring about this withering; the trend is there in every domain of life. It is in contrast to everyday life when with our Anthroposophy we want to give again to the souls of men something that fertilises them, that is not only a maya of the senses but springs forth as spirit. And this we can do when we impart to human souls knowledge that will enable them to live in the true world in their following incarnations. We have to speak of these things in a world which with its indifference to form and colour is in such contrast to what we ourselves desire; for it is particularly in regard to colours that the world of today is preparing souls to thwart what we want to achieve. We must work not only according to the concepts and ideas of everyday existence but with cosmological ideas. Hence it is not a mere liking on our part when we arrange surroundings such as those to be seen in this room1Dr. Steiner recommended that restful and refreshing colours should be displayed in lecture halls and rooms used for the presentation and study of Spiritual Science, also in rooms for the sick. but it is connected with the very nature of Spiritual Science. Immediate response to what is presented to the senses must again be generated in the soul in order that active life in the spirit may begin. Now, in this incarnation, each one of us can assimilate Anthroposophy in the life of soul; and what is now assimilated is transformed into faculties for the new incarnation. Then, during his life between death and the next birth, the individual sends from his soul into his body that is coming into being influences which prepare his future bodily faculties to adopt a more spiritual view of the world. This is impossible for him without Anthroposophy. If he rejects Anthroposophy he prepares his body to see nothing but barren forces and to be blind to the revelations of the senses.

[ 17 ] Und nun sei etwas ausgesprochen, was sozusagen für den Seher ein Urteil abgibt über die Mission der Geisteswissenschaft.

[ 17 ] And now something shall be said that enables a seer to form a judgement of the mission of Anthroposophy.

[ 18 ] Wenn der Seher heute den Blick auf das Leben richtet, welches die Seelen zwischen Tod und neuer Geburt führen, jene Seelen, die durch den vorhin charakterisierten Zeitpunkt schon gegangen sind und sich im Anschauen des werdenden Leibes auf ein künftiges Dasein vorbereiten, so kann er gewahren, daß die Seelen auf einen werdenden Leib hinblicken, der ihnen in zukünftigen Leben nicht mehr die Möglichkeit bieten wird, Anlagen zu entwickeln, um das Geistige aufzufassen, denn für das Leben im physischen Leibe muß man diese Anlagen schon hineingetan haben vor der Geburt. Daher werden schon in der nächsten Zukunft Menschen geboren werden, denen immer mehr und mehr — wie es für manche Seelen schon seit längerer Zeit ist — die Anlage für das Entgegennehmen des spirituellen Wissens fehlen wird. Es wird sich der Anblick bieten von Seelen, die in vorhergehenden Leben die Möglichkeit entbehrt haben, Spirituelles aufzunehmen, und die zwar ein Hinblicken auf ein Werden darstellen — nur ist das Furchtbare das: auf ein Werden, dem etwas fehlt und fehlen muß, Von diesen Anblicken geht das Begreifen der Mission der Anthroposophie aus. Es gehört in der Tat zu den erschütternden Anblicken, wenn man eine Seele sieht, die auf ihre künftige Inkarnation, auf ihren künftigen Leib sieht, die auf ein sprießendes, sprossendes Werden sieht, aber auf ein Werden, von dem sie sich sagen muß: Dem wird etwas fehlen! Aber was ihm fehlen wird, ich kann es ihm nicht geben, weil das von meiner vorhergehenden Inkarnation abhängt! — Im kleinen läßt sich das damit vergleichen, wie wenn man an etwas arbeiten müßte, von dem man wüßte: es muß unvollkommen werden, man ist dazu verurteilt, es unvollkommen zu machen. Versuchen Sie sich den Vergleich zu vergegenwärtigen: Sie können eine solche Arbeit vollkommen machen und können Ihre Freude an der Arbeit haben, oder Sie sind von vornherein dazu verurteilt, sie unvollkommen zu machen!

[ 18 ] When a seer today directs his gaze to the life between death and the new birth of souls who have already passed beyond the above-mentioned point of time and are contemplating the body that is coming into being for a further existence, he may realise that this body will afford the soul no possibility of Developing faculties for the comprehension of spiritual truths. For if such faculties are to be part of life in the physical body, they must have been implanted before birth. Hence in the immediate future more and more human beings will be devoid of the faculties needed for the acceptance of spiritual knowledge—a state of things that has existed for some time already. Before the seer there will be a vista of souls who in previous lives deprived themselves of the possibility of accepting any knowledge of a spiritual kind. In their life between death and rebirth such souls can indeed gaze at a process of development, but it is a development in which something is inevitably lacking—that is the tragic aspect. These vistas lead to a grasp of the mission of Anthroposophy. It is a shattering experience to see a soul whose gaze is directed towards its future incarnation, its future body, beholding a budding, burgeoning process and yet being obliged to realise: something will be lacking in that body but I cannot provide it because my previous incarnation is responsible. In a more trivial sense this experience may be compared with being obliged to work at something knowing from the outset that ultimately it is bound to be imperfect. Try to be vividly aware of the difference: either you can do the work perfectly and be happy in the prospect, or you are condemned from the outset to leave it imperfect.

[ 19 ] Das ist die große Frage: Soll die Menschenseele immer mehr und mehr dazu verurteilt sein, hinunterzublicken auf ihre unvollkommen bleibenden Leiber, oder soll sie das nicht? — Wenn sie nicht dazu verurteilt sein soll, dann muß sie hier in ihrem Leben in physischen Leibern die Kunde, die Botschaft von den spirituellen Welten aufnehmen.

[ 19 ] This is the great question: are human souls in the spiritual world to be condemned in increasing numbers to look down upon bodies which must remain imperfect, or can this be avoided? If this fate is to be avoided, souls must accept during their life in physical bodies the proclamation and tidings of the spiritual worlds.

[ 20 ] Es ist schon einmal das, was diejenigen als ihre Aufgabe ansehen, welche da die Botschaft von den geistigen Welten verkünden, nicht bloß den Erdenidealen entnommen! Es entspringt keinem Erdenideale, sondern es entspringt dem Anblick des Gesamtlebens, jenes Lebens, das sich uns darstellt, wenn wir zu dem Erdenleben erst die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt dazunehmen. Und darinnen zeigt sich uns die Möglichkeit einer fruchtbaren Menschenzukunft, zeigt sich uns auch die Möglichkeit, der Verödung der Menschenseele entgegenzuarbeiten. Da kann man dann jenes Gefühl bekommen, welches einem sagt: Geisteswissenschaft muß da sein, sie muß kommen, muß existieren in der Welt. Wahre, wirkliche Geisteswissenschaft ist eben das, ohne das die Menschheit in der Zukunft nicht bestehen kann. Aber nicht in dem Sinne nicht bestehen kann, wie man ohne irgendein anderes Wissen nicht bestehen kann; sondern Geisteswissenschaft ist das, was nicht nur Begriffe und Ideen dem Menschen gibt, sondern was Leben gibt. Und was in einer Inkarnation für die Seele Begriffe und Ideen der Geisteswissenschaft sind, das ist für sie in der nächsten Inkarnation Leben, innerliche Lebenskraft und Lebenswirksamkeit. Daher ist es nicht bloß ein Leben in Begriffen und Ideen, was die Geisteswissenschaft dem Menschen gibt, sondern es ist Lebenselixier, Lebenskraft. Daher sollte man, wenn man sich zu einer geisteswissenschaftlichen Bewegung dazurechnet, diese Geisteswissenschaft als eine Lebensnotwendigkeit fühlen, nicht bloß als etwas, was begründet wird wie die Dinge, die in anderen Vereinen begründet werden. Dieses Fühlen des lebendigen Versetztseins in die Notwendigkeiten des Daseins ist das richtige Empfinden gegenüber der Geisteswissenschaft. Und wir haben diese Betrachtungen über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt angestellt, um von der anderen Seite aus den richtigen Impuls zu bekommen, der uns unmittelbar den Enthusiasmus für die Geisteswissenschaft geben kann.

[ 20 ] What those who make known these tidings regard as their task is verily not derived from earthly ideals but from the vista of the entire span of life, that is to say, when to life on Earth is added the period of existence between death and the new birth. Herein is revealed the possibility of a fruitful future for humanity, the possibility too of militating against the withering of the souls of men. The feeling can then be born in us that Spiritual Science must be there, must exist in the world. Spiritual Science is a sine qua non for the life of mankind in the future but not in the sense that is applicable to some other kind of knowledge. Spiritual Science imparts life, not concepts and ideas only. But the concepts of Spiritual Science, accepted in one incarnation, bring life, inner vitality, inner forcefulness. What Spiritual Science gives to man is an elixir of life, a vital force of life. Hence anyone who regards himself as belonging to a Movement for the promulgation of Spiritual Science should feel Spiritual Science to be a dire necessity in life, unlike anything that originates from other unions and societies. The realisation of being vitally involved in the necessities of existence is the right feeling to have in regard to Spiritual Science. We have embarked upon these studies of the life between death and rebirth in order that by turning our minds to the other side of existence we may receive from there the impulse that can kindle in us enthusiasm for Spiritual Science.