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Die okkulten Grundlagen der Bhagavad Gita
GA 146

3 Juni 1913, Helsingfors

Siebenter Vortrag

[ 1 ] Es ist ebenso natürlich, wie gewöhnlich von der Wissenschaft unbeachtet, daß der Mensch so, wie er heute einmal im Leben darinnen steht, einen Teil seines Wesens eigentlich gar nicht kennen kann. So wie die Umwelt um den Menschen herum sich ausbreitet, so stellt sie sich dar — wenn man sie gleichsam im groben zeichnet —, aufsteigend von dem mineralischen Reich durch das Pflanzenreich und durch das Tierreich bis herauf zum Menschen. Und voraussetzen muß der Mensch ja ganz selbstverständlich, daß hinter alle dem, was er an Formen ringsherum wahrnimmt, die schaffende Kraft stehe in allen Reichen der Natur, die den Menschen umgeben. In der ganzen uns umgebenden Natur muß zunächst vorausgesetzt werden die schaffende Kraft. Nun handelt es sich darum, daß der Mensch, wenn er den Blick in seine Umwelt richtet, dadurch, daß das mineralische, pflanzliche und tierische Reich außerhalb seiner sind und er sie beobachten kann, sich Erkenntnisse erwirbt. Aber von demjenigen, was der Mensch an sich selber hat, kann er sich eigentlich nur insoweit Kenntnisse erwerben, als in ihm die Kräfte walten, die in den genannten drei Reichen der Natur draußen auch sind. Und insofern er Kräfte in sich trägt, die über die Reiche der Natur hinausgehen, kann der Mensch eigentlich mit den gewöhnlichen Erkenntnismitteln sie gar nicht erkennen, kann gar nichts davon wissen. Denn durch das gerade, wodurch der Mensch über die Reiche der Natur herausragt, kann er ja erkennen, durch das kann er sich eben ein Wissen erwerben. Geradesowenig wie das Auge, das sehen muß, sich selbst sehen kann, ebensowenig kann der Mensch das an sich selber erkennen, was da ist, damit er erkennen kann. Es ist ein einfacher Gedanke, aber ein Gedanke, der durchaus gilt. Es ist unmöglich, daß das Auge sich selber sieht, weil es zum Sehen da ist; es ist unmöglich, daß diejenigen Kräfte im Menschen, die zum Erkennen da sind, sich selber erkennen. Und diese Kräfte, die zum Erkennen da sind, das sind gerade diejenigen, welche darstellen das, was mit der Menschheit über die Tierheit herausragt.

[ 2 ] Der materialistische Darwinismus macht es sich nun leicht. Er vergißt die ebenso natürliche wie einfache Erkenntnis, daß die eigentliche Erkenntniskraft, durch die der Mensch über die Tierheit herausragt, für das gewöhnliche Erkennen eben unerkennbar sein muß. Er konstatiert zwar, daß sie unerkennbar ist, und leugnet sie deshalb und betrachtet deshalb den Menschen nur insoweit, als der Mensch gerade auch noch der Tierheit angehört. Sie sehen, worauf der eigentliche Trugschluß, die Täuschung des materialistischen Darwinismus beruht. Diejenigen Kräfte, welche die eigentlichen Erkenntniskräfte sind im Menschen, kann der Mensch an sich selber nicht erkennen. Das ist so natürlich, wie an sich selber sich das Auge nicht sehen kann. Aber das Auge kann ein anderes Auge sehen, und weil das Auge ein anderes Auge sehen kann, so kann es unter Umständen an sich glauben. Nun, mit dem Erkennen ist das nicht so der Fall. Das Erkennen kann sich selber nicht erkennen, aber es wäre immer wenigstens noch logisch möglich, daß der Mensch einem anderen Menschen gegenübertritt und das Erkennen, das heißt dasjenige, was den Menschen über die Tierheit herausführt, am anderen Menschen erkennen würde. Aber auch das ist unmöglich, und zwar aus den Gründen, die schon aus unseren bisherigen Betrachtungen hervorgehen.

[ 3 ] Was ist denn das gewöhnliche Erkennen für die äußere Welt? Wir haben es schon hervorgehoben: Es ist ein fortwährendes Zerstören, ein Aufreiben der äußeren, wirklich der äußeren Gehirn- und Nervenstruktur. Wenn man also suchen würde im gewöhnlichen Tagesleben, in dem Leben, das dem äußeren physischen Plane angehört, nach den Tatsachen des Erkennens, so würde man einen Zerstörungsprozeß im Nervensystem finden. Man würde also keinen schöpferischen, keinen aufbauenden Prozeß finden. Aber die schöpferischen Kräfte, die den Menschen erst eigentlich zuwege bringen, indem sie ihn über die Tierheit erheben, können sich im wachen Tagesleben, in dem Leben, das für gewöhnlich das erkennende ist, überhaupt nicht entfalten. Die müssen da so zur Geltung kommen, daß sie die Zerstörung der Nervenstruktur nicht aufhalten. Das heißt aber, sie ruhen, sie schlafen im wachen Tagesleben. Man hat schon viel erkannt, wenn man den Satz durchdrungen hat, daß alles, was man erkennen müßte, um schon auf dem physischen Plan den materialistischen Darwinismus als einen Unsinn zu erkennen, eigentlich schläft vom Aufwachen bis zum Einschlafen, und daß statt dessen ein Zerstörungsprozeß da ist, während das ruht, was den Menschen über die Tierheit heraushebt. Die schöpferischen Kräfte, die den tierischen Organismus hervorbringen, stehen an Vollkommenheit hinter denjenigen zurück, die am menschlichen Organismus arbeiten. Während des wachen Tageslebens wirken diese schöpferischen Prozesse gar nicht, sondern ein anderer, der fortwährend gerade dasjenige zerstört, was über die Tierheit herausgeht, die schöpferischen Kräfte des Menschen. Diese Kräfte werden gerade während des wachen Tageslebens zerstört. Sie sind also gar nicht da. Während des wachen Tageslebens schlafen also die Kräfte, die eigentlich den Menschen über die Tierheit heben. Während des Schlafes treten sie nun auf. Da wird dasjenige, was zerstört worden ist, wiederum hergestellt, da wird das gleichsam wiederum ausgefüllt. So daß wahrgenommen werden könnten die schöpferischen Kräfte, die den Menschen über die Tierheit herausheben, eigentlich nur an dem schlafenden Menschen. Wir würden also zu sagen haben: Dasjenige, was am schlafenden Menschen wiederum herstellt die Kräfte, die während des tagwachen Lebens abgebraucht werden, das müssen Kräfte sein, die den Menschen über die Tierheit herausheben. Diese Kräfte sind ja zwar heute der äußeren Naturwissenschaft noch unbekannt; sie gelangt erst allmählich dazu, sie zu ahnen. Aber sie ist auf dem Wege, diese Kräfte ganz mit äußeren Mitteln einmal bloßzulegen. Wirklich beobachtet könnten sie nur im Menschen werden, wenn man beobachten würde, wie beim Menschen der Reorganisationsprozeß im Schlafe sich vollzieht. Denn das erleidet allerdings schon Ausnahmen, daß nicht beobachtbar sind am Menschen für gewöhnlich diejenigen Kräfte, die über die Tierheit hinausführen. Wenn einmal die Naturwissenschaft unterscheiden wird diejenigen Kräfte im Menschen, die in ihm vorhanden sind über die Tierheit hinaus, dann wird sie gerade am schlafenden Menschenleibe das Herausgehobensein des Menschen über die Tierheit auch physisch konstatieren, weil man erkennen wird, wie schöpferisch während des Schlafens dasjenige wirkt, was zerstörend wirkt während des Tagwachens. Wenn einmal die Naturwissenschaft unterscheiden lernen wird die Regenerationskräfte im Menschen von dem, was in der Tierheit vorhanden ist, dann wird sie erkennen, wie die schöpferischen Kräfte, die im Erdenleben walten, um den Menschen über die Tierheit herauszuführen, nur wachen, wenn der Mensch schläft. Es schlafen also des Menschen eigentliche Schöpferkräfte, wenn der Mensch wacht; und es wachen des Menschen eigentliche Schöpferkräfte, wenn der Mensch schläft. Aus alle dem können wir entnehmen, daß in Selbsterkenntnis, in wirklicher Selbsterkenntnis des Menschen schöpferische Kräfte, die eigentlich menschlichen Kräfte, nur dann wahrgenommen werden können, wenn der Mensch hellsichtig wird während des Schlafens, das heißt, in einem, dem sonstigen Schlafe gleichen Zustand hellsichtig aufwacht. Im fünften Vortrage dieser Betrachtungsreihe habe ich ja schon darauf hingewiesen. Heute aber habe ich ja schon gesagt, daß in einer gewissen Weise man aus den Prozessen, die sich am schlafenden Menschen zeigen, nach und nach naturwissenschaftlich Hinweisungen finden wird auf diese Kräfte, die den Menschen heraufheben über die Tierheit. Aber es werden eben immer nur Hinweise bleiben. Denn diese Kräfte stellen sich gerade, wenn sie sich heute dem hellsichtigen Bewußtsein darstellen, als solche dar, daß sie ihre wahre, ureigentliche Gestalt nicht nach außen den Sinnen zeigen können. Man wird einmal auf diese Kräfte Schlüsse ziehen können aus naturwissenschaftlichen Tatsachen. Aber aus einem ganz anderen Grunde als dem, daß diese Kräfte eigentlich nicht wahrnehmbar sind, werden diese Kräfte — zwar nicht wahrnehmbar, so doch erschlossen werden können: aus dem Grunde nämlich, weil diese Kräfte, welche die menschenschöpferischen Kräfte genannt werden können, sich zu allem, was sonst Naturkräfte sind, in einer ganz besonderen Weise verhalten. Es ist ein ziemlich schwieriges Kapitel, auf das man da kommt, aber wir werden es uns in der folgenden Weise wohl klar machen können.

[ 4 ] Nehmen wir an, wir hätten hier den Rezipienten einer Luftpumpe, eine Glasglocke, aus der wir die Luft herauspumpen, und nehmen wir an, es würde uns gelingen, diese umgestürzte Glasglocke wirklich luftleer zu machen. Das ist ja angehend möglich für die äußere Erfahrung. Da wird nun jeder sagen, der mit seinem Verstande an der sinnlichen Welt kleben will: Da drinnen ist also keine Luft, da ist ein luftleerer Raum. Mehr kann man ja nicht machen, weniger als keine Luft kann da nicht drinnen sein. — Wahr ist das doch nicht. Denken wir uns einmal, wir pumpten, das heißt wir machten die Luft immer dünner da drinnen. Dann können wir uns vorstellen, daß das so weit gehen könnte, daß wir gewissermaßen am Nullpunkt angelangt wären, daß wir nun aber weiter pumpten, und nun unter Null gehen könnten: dann würden wir einen Raum bekommen, der weniger als luftleer wäre. Die Menschen, die sehr am Materiellen hängen, werden sich das schwer vorstellen können, denn die Menschen können sich gewöhnlich nicht «weniger als nichts» vorstellen.

[ 5 ] In bezug auf Sinneswahrnehmungen wird diese Vorstellung schon eher vollzogen werden können. Denken wir uns einmal, wir seien in einem Walde, wo viele, viele Vögel singen. Mitten darin sind wir in diesem Vogelgesang. Nehmen wir nun aber an, wir entfernten uns immer mehr und mehr, wir gingen aus dem Walde heraus, wir hörten den Vogelsang immer weniger, kämen an einen Ort, wo wir ihn nicht mehr hören könnten, aber wir gingen noch weiter: dann muß das Verringertwerden des Hörens doch auch weiter gehen. Wir kommen zur Stille, aber wenn wir weiter gehen, doch auch in bezug auf den Vogelgesang zu dem, was unter der Stille, unter der Ruhe ist. Sie sehen, daß dieser zweite Gedanke, diese zweite Vorstellung schon besser zu vollziehen ist als die erste. Daß es gerade eine Grenze gibt, wo wir nichts mehr hören, können wir uns leicht vorstellen. Aber wir können uns auch noch vorstellen, daß wir weiter gehen können, wobei wir sogar weniger als nichts hören.

[ 6 ] Es ist manchmal ganz wunderbar, welche Dinge wie Axiome, wie Selbstverständlichkeiten hingenommen werden. So können wir in zahlreichen philosophischen Werken des Westens lesen: Weniger als nichts kann nirgends da sein, weniger als nichts gibt es nicht. — Ja, nicht einmal das Nichts, so behaupten manche, könne da sein. Jetzt muß ich etwas recht Triviales sagen. Im Leben bemerken die Menschen schon recht gut, daß es sowohl ein «Nichts» als auch ein «Weniger-als-Nichts» gibt für gewisse Tatsachenreihen. Wenn Sie zehn Mark in der Tasche haben, so können Sie diese immer mehr verringern. Sie können fünf, vier, drei, zwei, eine Mark aus ihnen machen, und diese eine können Sie auch noch ausgeben. Da kann man schon zu einem Nichts kommen. Aber auf diesem Gebiete gibt es sogar wirklich ganz real ein Weniger-als-Nichts. Das ist sogar recht oft eine sehr starke Realität, denn jeder Mensch ist wohl zufriedener, wenn er zwei, drei, vier, fünf Mark in der Tasche hat, als wenn er zwei, drei, vier, fünf Mark schuldig ist. Das ist weniger als nichts, und dieses Weniger-als-Nichts ist in unserem praktischen Leben sogar eine recht starke, recht wirksame Realität. Denn diese Realität des Weniger-als-Nichts kann ja sogar eine viel stärkere Realität sein als die Realität des Besitzes.

[ 7 ] Was in diesem trivialen Beispiele da ist, ist in der Tat in der Welt auch da. Alle philosophischen Deklamationen von dem «Nichts», von dem «Gehen bis zum Nichts» und so weiter sind eigentlich im Grunde genommen, wenn sie auch oftmals mit axiomatischer Prätention auftreten, Wischiwaschi, so etwas, was ein verschwimmendes Nichts ist. Richtig selber wie ein verschwimmendes Nichts sind diese Axiome. Nichts sind diese Axiome über das Nichts. Es ist durchaus richtig, daß das Etwas, das physische Etwas heruntervermindert werden kann bis zu dem Nichts, und dann noch weiter, zum Weniger-als-Nichts. Es ist durchaus richtig, daß dieses Nichts überall ein realer Faktor ist. Die Welt, die uns umgibt, die wir als Naturkräfte kennen, müssen wir uns, so wie sie im mineralischen, pflanzlichen, tierischen Reich uns entgegentritt, bis ins Nichts heruntergemindert denken, dann aber noch weiter, unter das Nichts heruntergemindert: dann kommen die Kräfte heraus, welche die schöpferischen Kräfte sind, wenn der Mensch schläft. So verhalten sich die Kräfte, die den Menschen regenerieren, wenn er schläft, zu den gewöhnlichen Naturkräften, die um uns herum sind.

[ 8 ] Da nun aber die gewöhnliche Naturwissenschaft von den Kräften nur die Außenseite kennt, eigentlich sogar nur ein Abstraktum festhält, so kann sie auf diesen Unterschied überhaupt nicht eingehen. Denn die gewöhnliche Naturwissenschaft verhält sich zu der Wirklichkeit in den Naturkräften so, wie man sich etwa verhalten würde, sagen wir, zu zehn Linsen, zehn Erbsen, zehn Bohnen, indem man die Qualität wegläßt, und nur die Zahlen sagt: es sind ja alle drei eben zehn, nichts anderes als zehn. So unterscheidet die äußere Naturwissenschaft nicht, sondern sie hat gemeinsame Namen, die aber nur wie die Zahl die Oberfläche der Dinge berühren.

[ 9 ] Nehmen Sie nun an, daß die Naturwissenschaft einmal darauf kommen wird: es müssen Kräfte walten, wenn im Schlaf der Organismus wieder regeneriert, wieder aufgebaut wird, — so wird sie sich zu diesen Kräften verhalten, wie jemand sich gegen einen Menschen verhält, der ihm sagt: Ich habe fünfzehn Mark in der Tasche, — und dieser Jemand würde nun antworten: So, Mark interessiert mich nicht, fünfzehn hast du. — Dann käme ein anderer und sagte: Ich habe fünfzehn Mark Schulden. — Dann würde der Jemand sagen: Das ist nicht wahr, fünfzehn hast du. — Er läßt unbeachtet, um was es sich gerade handelt. So auch wird man weglassen gerade das Charakteristische der Kräfte, die den Menschen aufbauen während des Schlafes. Die Folge wird sein, daß man diese Kräfte verwechseln wird mit den gewöhnlichen Naturgesetzen und nicht erkennen wird, daß da höhere Gesetze walten.

[ 10 ] Das alles erwähne ich, um zu zeigen, welche Schwierigkeit die äußere Wissenschaft immer hat und haben muß, wenn sie die Wahrheit erkennen will. Zwar wird sie Schlüsse machen und dann wohl auf die Wahrheit kommen. Aber das wird für eine gewisse Anzahl von Menschen nicht notwendig sein, denn es wird ja diese Wissenschaft allmählich unterstützt werden von dem hellsichtigen Erkennen, für das sich allerdings diese Kräfte ganz anders verhalten als die Kräfte, die wir draußen im mineralischen, pflanzlichen, tierischen Reich regsam finden. Ich kann jetzt nicht darauf eingehen, daß ein oberflächlicher Einwand der wäre, daß die Tiere ja auch schlafen. Solche Einwände sind logisch wirklich ganz minderwertig, aber man bemerkt nicht ihre Minderwertigkeit, weil man nicht nach dem Wesen der Sache, sondern nach Begriffen urteilt. Derjenige, der den tierischen Schlaf in diese Betrachtung hereinbringen würde, der würde logisch denselben Fehler begehen, wie wenn jemand sagen würde: Ich spitze meinen Bleistift mit einem Messer und ich rasiere mich mit einem Messer, — und der andere würde sagen: Das kann ja gar nicht sein, ein Messer gehört zum Fleischschneiden. — So urteilen die Menschen überall. Die Menschen denken, dasselbe habe für andere Reiche dieselbe Funktion. Das ist aber derselbe Fehler, wie wenn jemand, der nur ein Messer beim Fleischschneiden gesehen hat, und nun sieht, wie ein Messer zum Rasieren verwendet wird, das Rasieren mit dem Fleischschneiden zusammenbringen würde. Der Schlaf ist beim Menschen eine ganz andere Funktion als beim Tier.

[ 11 ] Ich wollte Sie hinweisen auf Kräfte, die in der menschlichen Natur walten, die also zunächst uns entgegentreten, wenn wir den schlafenden Menschen ins Auge fassen, die uns entgegentreten bei der Regeneration des Organismus im Schlafe. Aber diese Kräfte sind mit anderen Kräften verwandt, mit denselben Kräften durchaus verwandt, welche im Menschen sich auch mit einer gewissen, man möchte sagen, Unbewußtheit entwickeln. Es entwickeln sich im Menschen gewisse Kräfte mit einer gewissen Unbewußtheit: das sind die Kräfte, welche zusammenhängen mit der menschlichen Fortpflanzung, mit der menschlichen Generation. Wir wissen ja, daß im menschlichen Bewußtsein bis zu einem gewissen Lebensalter über diese Kräfte eine unmittelbare holde Unbewußtheit waltet, die Unschuld des Kindesalters. Wir wissen, daß mit einem gewissen Alter über diesen Kräften das Bewußtsein erwacht, daß gleichsam von einem bestimmten Alter an der menschliche Organismus durchsetzt wird vom Bewußtsein aus mit den Kräften, die später die sinnliche Liebe der Geschlechter genannt werden. Was vorher waltet wie schlafende Kräfte, die erst mit der Geschlechtsreife erwachen, das sind, wenn sie in ihrer ureigenen Gestalt betrachtet werden, genau dieselben Kräfte, die im Schlaf die zerstörten Kräfte im Menschen wieder herstellen. Verdeckt sind diese Kräfte nur von der anderen menschlichen Natur, weil sie vermischt sind mit der anderen menschlichen Natur. Es walten unsichtbar im Menschen Kräfte, welche schuldvoll erst werden, wenn sie zum Erwachen kommen, welche schlafen oder höchstens träumen bis die Geschlechtsreife eintritt. Da in der menschlichen Natur die späteren Kräfte sich erst vorbereiten, so sind diese späteren Kräfte, die noch nicht wach sind, schon von der Geburt an vermischt mit den übrigen Kräften der menschlichen Natur, und diese menschliche Natur wird wie durchsetzt von diesen schlafenden Kräften. Das ist es, was als so wunderbares Mysterium uns im Kinde entgegentritt: die schlafenden Kräfte der Generation, die erst später erwachen. Daher ist es auch, daß derjenige, der für so etwas eine Empfindung hat, etwas wie das Wehen des Götterodems empfindet, wenn er unter den mannigfachen Ungezogenheiten, Eigensinnigkeiten und anderen mehr oder weniger unangenehmen Eigenschaften des Kindesalters dieselben Kräfte wirksam findet, die nur wie zurückgezogen sind im Kindesalter, dieselben Kräfte, die bei der Geschlechtsreife erwachen. Es sind diese Eigenschaften des Kindes schuldlos die Eigenschaften des Erwachsenen. So verspürt derjenige, der unter diesen Eigenschaften die in das Kindesalter wie zurückgezogenen Generationskräfte erkennt, den Odem der Götter, der göttlichen Kräfte, die so wunderbar sich ausnehmen, weil sie, indem sie später des Menschen niedere Natur darstellen, solange sie in Unschuld walten, einen göttlichen Hauch wirklich darbieten. Diese Dinge muß man empfinden, fühlen. Dann wird man das menschliche Wesen so wunderbar zusammengefaßt erkennen aus den Kräften, die im zartesten Kindesalter wie schlafend walten und später, wenn sie erwachen, wirksam nur sind, wenn sie in Unschuld walten, wenn der Mensch in der Nacht in die Unschuld des Schlafens zurücksinkt.

[ 12 ] So zerfällt uns die menschliche Natur gleichsam in zwei Teile. Wir haben eigentlich in jedem Menschen zwei Menschen vor uns: den einen Menschen, der wir sind vom Aufwachen bis zum Einschlafen, und den anderen Menschen, der wir sind vom Einschlafen bis zum Aufwachen. In dem einen Menschen sind wir fortwährend bemüht, unsere Natur bis zur Tierheit herabzuquälen mit allem, was nicht Erkenntnis ist, was nicht rein im Geiste erfaßt wird. Mit alle dem sind wir immerdar bemüht, unsere Natur zur Tierheit herabzuquälen. Dies ist während unseres Wachzustandes. Was uns aber über diesen Menschen erhebt, waltet zunächst als holdselige Kraft unschuldsvoll während der Kindheit innerhalb der Generationskräfte, und waltet, wenn diese Kräfte erwachen, im Schlafe, wenn regeneriert wird, was durch das Tagwachen zerstört worden ist. So haben wir einen Menschen in uns, der verwandt ist mit den schöpferischen Kräften im Menschen, und einen Menschen, der diese Kräfte zerstört. Das Bedeutsame aber in der Doppelnatur des Menschen ist, daß man eigentlich hinter alle dem, was die Sinne wahrnehmen, zu vermuten hat einen anderen Menschen, einen Menschen nämlich, in dem die schöpferischen Kräfte walten. Dieser zweite Mensch, in dem die menschenschöpferischen Kräfte walten, ist ungemischt eigentlich nie da. Er ist niemals ohne Mischung da: während des Wachens ist er nicht da und während des Schlafens auch nicht. Denn während des Schlafens bleibt ja der physische Leib und Ätherleib durchsetzt von den Nachwirkungen des Tages, von den Zerstörungskräften. Wenn diese Zerstörungskräfte aber endlich fortgeschafft worden sind, so wachen wir ja wieder auf.

[ 13 ] So ist es seit jenem Zeitalter, das wir das lemurische Zeitalter nennen, seit dem eigentlich die gegenwärtige Menschheit ihre Entwickelung begonnen hat. Damals — Sie finden diesen Moment genauer dargestellt in meiner «Geheimwissenschaft» — fand der luziferische Einfluß auf den Menschen statt und brachte Dinge über den Menschen, die wir folgendermaßen charakterisieren können: Aus diesem luziferischen Einfluß kam neben allem anderen dasjenige, was heute den Menschen fortwährend zwingt, sich zur Tierheit herabzuquälen. Dasjenige aber, was der Menschennatur beigemischt ist, was der Mensch eigentlich, so wie er ist, noch nicht erkennt, die schöpferischen Kräfte, das waltete vor dem luziferischen Impuls als Menschtum in der ersten lemurischen Zeit. Wir steigen auf in der Betrachtung von dem gewordenen Menschen zu dem werdenden, von dem Menschen als Geschöpf zu den menschenschöpferischen Kräften. Das erweitert aber unseren Blick zugleich in jene alte lemurische Zeit hinein, da der Mensch noch ganz und vollkommen durchsetzt war von diesen schöpferischen Kräften. Damals wurde also der Mensch in seiner heutigen Gestalt. Wenn wir das Menschengeschlecht verfolgen von diesem Zeitpunkt der lemurischen Zeit an, so haben wir durch alles hindurch, was dann gekommen ist, immer diese Doppelnatur des Menschen vor uns. Eingetreten ist der Mensch damals in eine Art niedere Natur. Aber dazumal — das zeigt uns der zurückgewandte hellsichtige Blick in die Akasha-Chronik — ist neben jenen auch von menschenschöpferischen Kräften durchsetzten Menschen gleichsam hinzugetreten, wie eine Schwester- oder Bruderseele, eine bestimmte Seele. Es wurde gewissermaßen zurückgehalten diese Schwesterseele, die nicht in die Menschenevolution hineinversetzt worden ist. Sie blieb nur durchsetzt von menschenschöpferischen Kräften. Es blieb zurück ein Mensch, in der alten lemurischen Zeit, gleichsam die Schwester- oder Bruderseele — denn für jene Zeit ist das ja einerlei —, es blieb zurück die Bruderseele des Adam. Diese Seele blieb damals zurück, diese Seele konnte nicht eingehen in den physischen Menschheitsprozeß. Sie blieb zurück und waltete unsichtbar für den physischen Menschheitsprozeß. Sie wurde nicht geboren wie die Menschen im fortlaufenden Prozeß. Denn wäre sie geboren worden und gestorben, dann wäre sie ja eingetreten in den physischen Menschheitsprozeß. Sie waltete im Unsichtbaren und konnte nur wahrgenommen werden von denjenigen, die sich hinauferhoben zu jenen hellsichtigen Höhen, zu jenen hellsichtigen Kräften, die erwachen in dem Zustande, der sonst der Schlaf ist. Denn dann ist der Mensch verwandt mit den Kräften, die lauter in der Schwesterseele walten. Der Mensch ging ein in die Evolution, aber darüber waltend lebte, sich opfernd, eine Seele, die sich zunächst nicht verkörperte während des ganzen Menschheitsprozesses, die nicht nach Verkörperungen strebte, die nicht nach Geburt und Tod strebte wie die Menschenseelen. Diese Seele wurde nur sichtbar, konnte sich nur zeigen, wenn die Menschen schlafend hellsichtig werden konnten. Sie wirkte aber doch auf die Menschheit, diese Seele, da, wo die Menschheit in besonderem Hellsehen ihr entgegentrat. Das waren Menschen, welche durch Schulung oder naturgemäß solche hellsichtigen Kräfte besaßen, die die schöpferischen Kräfte erkennen konnten. Und wo solche Schulen in der Geschichte auftreten, kann man immer erkennen, daß sie gewahr wurden eine Seele, welche die Menschheit begleitet. In den meisten Fällen war eben diese Seele nur erkennbar solchen hellsichtigen Zuständen, die den geistigen Blick hineinerweiterten ins Schlafbewußtsein.

[ 14 ] Durch jene besonderen Umstände, unter denen die Arjunaseele all das um sich herum wahrnahm und auf ihre Empfindung wirken ließ, indem sie fühlte, was sich damals in Kurukshetra abspielte, auf dem Schlachtfelde, wo die Kurus und Pandus sich gegenüberstanden, da ereignete es sich, daß durch die Seele des Wagenlenkers des Arjuna diese bestimmte eigentümliche Seele sprach. Und die Erscheinung dieser Seele, sprechend durch eine Menschenseele, das ist der Krishna. Welche Seele also war geeignet, in die menschliche Seele hineinzuversenken den Impuls zum Selbstbewußtsein? Jene Seele war es, die zurückgeblieben ist in der alten lemurischen Zeit, als die Menschheit in die eigentliche Erdenevolution eingetreten ist. Früher war diese Seele oftmals in Erscheinungen zu schauen, aber in viel geistigerer Art. In dem Zeitpunkte aber, von dem uns der erhabene Sang, die göttliche Gita verkündet, ist zu denken eine Art Verkörperung aber viel Maya ist dabei —, eine Art Verkörperung dieser Seele von Krishna. Dann aber tritt in der Menschheitsgeschichte eine bestimmte Verkörperung ein: diese selbe Seele verkörpert sich später wirklich in einem Knaben. Diejenigen der verehrten Freunde, zu denen ich öfter darüber gesprochen habe, wissen, daß zu der Zeit, als das Christentum begründet wurde, zwei Knaben geboren wurden in Familien, in welchen beiden das Blut des Hauses David floß. Der eine Knabe ist uns im Matthäus-Evangelium, der andere im Lukas-Evangelium geschildert. Dies ist der wahre Grund, warum das MatthäusEvangelium mit dem Lukas-Evangelium für eine äußere Betrachtung nicht stimmt. Derselbe Jesusknabe nun, von dem das Lukas-Evangelium berichtet, ist zunächst die Verkörperung dieser selben Seele, die früher niemals in einem menschlichen Leibe gewohnt hat, aber doch eine Menschenseele ist, weil sie eine Menschenseele war während der alten lemurischen Zeit, in welcher unsere eigentliche Evolution begonnen hat. Es ist dieselbe Seele, die sich als der Krishna offenbart hat. So haben wir dasjenige, was der Krishna-Impuls bedeutet, den Anstoß zum menschlichen Selbstbewußtsein, verkörpert in dem Körper des Lukas-Jesusknaben. Das, was da verkörpert war, ist verwandt mit den Kräften, die im Kindesalter in so holder Unschuld, bevor sie als Geschlechtskräfte erwachen, schlafend da sind. Im Lukas-Jesusknaben können sie sich bis zu diesem Alter hin, wo sonst der Mensch in die Geschlechtsreife eintritt, betätigen, kundgeben. Es hätte der Körper des Jesusknaben, der ja aus der allgemeinen Menschheit genommen worden ist, die in die Inkarnationen heruntergestiegen war, nicht mehr gepaßt zu den Kräften, die ja verwandt sind mit den holden, unschuldigen Geschlechtskräften im Kinde. Daher geht die Seele, die in dem anderen Jesusknaben ist und die, wie die meisten unserer lieben Freunde ja wissen, die Zarathustraseele ist, also eine Seele, die von Inkarnation zu Inkarnation geschritten ist und die gerade durch besonderes Arbeiten innerhalb vieler Inkarnationen ihre Höhe erreicht hat, daher geht diese Zarathustraseele hinüber in den Leib des Lukas-Jesusknaben und ist von da ab — wie Sie es dargestellt finden in meinem Buche «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» — mit diesem Leibe des Lukas-Jesusknaben verbunden. Da berühren wir ein wunderbares Geheimnis. Da sehen wir, wie in einen menschlichen Leib, in den Leib des Lukas-Jesusknaben, einzieht die Menschenseele, wie sie gewesen ist, bevor der Mensch in die irdische Inkarnationsreihe hinuntergegangen ist. Da begreifen wir, daß diese Seele in dem Menschenleibe nur bis zum zwölften Jahre dieses Leibes walten konnte, begreifen, daß dann eine andere Seele, welche alle Menschheitsverwandlungen durchgemacht hat, wie die Zarathustraseele, Besitz ergreifen muß von diesem besonderen Leibe. Das Wunderbare vollzieht sich, daß dasjenige, was des Menschen Innerstes ist, sein eigentliches Selbst, was wir als Krishna haben ansprechen sehen, als Impuls haben aufblitzen sehen in dem Krishna-Impuls, den Jesusknaben durchdringt, der uns geschildert wird im Lukas-Evangelium. Diejenigen Kräfte sind darinnen, welche die innersten Menschheitskräfte sind. Wir können sie auch die Krishna-Kräfte nennen, denn wir kennen ja ihren Ursprung. Was ich im vorigen Vortrage gleichsam wie ohne Wurzel gezeichnet habe, diese Krishna-Wurzel reicht bis in die lemurische Zeit hinauf, in die menschliche Urzeit. Sie war in einer Zeit mit der Menschheit verbunden, bevor die physische Menschheitsentwickelung begonnen hat. Diese Wurzel, diese in dem Unbestimmten zusammenkommenden, sich vereinenden KrishnaKräfte wirkten dann dazu, daß das menschliche Innere von Innen heraus sich entfaltete, sich entwickelte. Konkret im Innern einer einzelnen Wesenheit ist diese Wurzel im Lukas-Jesusknaben darinnen, wächst heran und bleibt unter der Oberfläche des Daseins fortwirkend, nachdem die Zarathustraseele in diesen besonderen Menschenleib eingezogen ist. Dann kommt in jenem Augenblick, der geschildert wird in der Bibel durch die Johannestaufe, also im dreißigsten Jahre dieses eigentümlichen Menschenleibes, dasjenige an diesen Leib heran, was jetzt der ganzen Menschheit angehört. In dem Augenblick, der bezeichnet wird durch die Stimme: «Dieser ist mein vielgeliebter Sohn, heute habe ich ihn gezeugt», da tritt der Christus von der anderen Seite nun an das Physische heran. Hier haben wir den Moment: in dem Leibe, der vor uns steht, haben wir konkret dasjenige, was wir gestern abstrakt betrachtet haben. Es tritt, was der ganzen Menschheit angehört, an diesen Leib heran, der in sich enthält dasjenige, was von einem anderen Impulse aus die individuellen Kräfte des Menscheninnern, die der Mensch noch heraufentfalten will, zum höchsten Ideal gebracht hat.

[ 15 ] Ich glaube, wenn Sie dasjenige betrachten, was uns heute zu einer Art Verstehen des großen Momentes geführt hat, der bildlich in der Bibel ausgedrückt wird als die Johannestaufe im Jordan, so werden Sie sagen müssen: Diese anthroposophische Betrachtung nimmt nichts hinweg von der Erhabenheit des Christus-Gedankens, sondern im Gegenteil, sie fügt, indem sie das Verständnis ausgießt über diesen Christus-Gedanken, vieles zu dem hinzu, was in äußeren, exoterischen Anschauungen der Menschheit gegeben werden kann.

[ 16 ] Ich versuchte heute so darzustellen, daß es aus dem äußeren Menschheitsverlauf für das unbefangene Gemüt einigermaßen Verständnis bringen kann. So aber ist dieses Geheimnis nicht gefunden worden. Es könnte vielleicht jemand an der Hand meiner Vorträge über das Lukas-Evangelium, die ich in Basel vor Jahren gehalten habe, wo ich zum erstenmal hingewiesen habe auf die zwei Jesusknaben und auf ihre Abstammung, wo ich zum ersten Male hinweisen konnte darauf, daß in dem einen Jesusknaben lebte die Zarathustraseele, und daß diese in einem bestimmten Zeitpunkte überging in den Leib des anderen Jesusknaben, es könnte jemand, der das gehört hat, fragen: Ja, warum ist denn das, was heute hinzugefügt worden ist, nicht dazumal schon dargestellt worden? — Das hängt mit der ganzen Art, wie die Sache gefunden ist, zusammen. Nämlich damit, daß wahrhaftig diese ganze Wahrheit in keinem einzigen Stück mit dem menschlichen Verstande gefunden worden ist. So wie ich versuchte, sie heute einzukleiden, ist sie nicht gefunden, sondern so, daß zuerst die Wahrheit dastand — wie ich das geschildert habe vor ein paar Tagen —, daß die Tatsache da war. Dann hat sich das andere von selbst gegeben, hat sich angeschlossen an den Grundstamm dieser Erkenntnis der Wahrheit von den zwei Jesusknaben. Daraus können Sie entnehmen, wie in der anthroposophischen Strömung, die ich mir erlaube vor Ihnen zu vertreten, nichts verstandesmäßige Konstruktion ist. Das ist nicht etwas, was ich so hinstellen will, als ob es jeder so machen müsse, was ich selber als besondere Aufgabe für mich selber betrachte: nämlich, nichts zu sagen, was von dem Verstande als solchem gegeben ist, sondern die Dinge so zu nehmen, wie sie zunächst gegeben werden für die okkulte Beobachtung, die später erst durchdrungen wird von der menschlichen Vernunft. Nicht aus äußerer historischer Forschung ist das über die zwei Jesusknaben gefunden worden, sondern es war von Beginn an eine okkulte Tatsache. Dann ist der Zusammenhang mit dem Krishna-Geheimnis offenbar worden. Sie sehen daraus, in welcher Weise Menschenwissenschaft, die ins Okkulte hinein arbeiten muß in dem Zeitalter, in das wir selber eintreten, in welcher Weise auch den einzelnen Menschenseelen verständlich werden wird das, was die eigentlichen Grundimpulse der Erdenevolution sind, wie dieses immer mehr und mehr hineinleuchten wird in dasjenige, was geschehen ist, und wie wahre Wissenschaft wirklich nicht bloß zum Verstande sprechen wird, sondern wahrhaftig die ganze Seele des Menschen erfüllen wird. Gerade wer sich bekannt macht mit okkulten Tatsachen und wahrhaftig, das erfährt man immer mehr, je tiefer man eindringt in die Welt der Tatsachen —, der hat die Empfindung, der hat das Gefühl für die Größe, für die Herrlichkeit und für das Gewaltige dieser Tatsachen. Unsere ganze Seele wird engagiert, nicht nur Verstand und Vernunft, unsere ganze Seele wird angefeuert, wenn wir uns auf die Wahrheit in dieser Weise einlassen. Und insbesondere in einem solchen Moment, da wir den Blick hinwenden zu jener wunderbaren Tatsache, wo der Menschheit ganzes Innere in einem Menschenleibe lebte und anderseits aus der ganzen Erdenevolution sich heranentwickelt hat eine Seele, die von diesem Leibe Besitz ergreift, und wie nun während dreier Jahre seines Lebens von außen herangetreten ist an diesen Leib etwas, was aus dem Kosmos der ganzen Menschheit zuerteilt ist: wahrhaftig, das erschüttert und erfüllt unsere ganze Seele. Das spirituelle Zeitalter wird uns auch die Möglichkeit bringen, solche Momente noch mehr zu vertiefen. Aber dasjenige, was untrennbar ist von dem spirituellen Zeitalter, das ist, daß wir eben lernen, anders uns zu den großen Welträtseln und Weltgeheimnissen zu verhalten, als sich die Vorwelt verhalten hat, daß wir lernen, nicht nur Verstand und Vernunft den heiligen Rätseln entgegenzuhalten, sondern unsere ganze Seele. Dann werden wir mit unserer Seele Teilnehmer an der ganzen Menschheitsevolution. Und die Art, wie wir Teilnehmer werden, wird für uns selber etwas, was wie eine Quelle ist des seligen Menschheitsbewußtseins: daß wir uns seelisch erfüllt finden, daß wir empfinden, gehören zu dürfen zu der Menschheit, die über die Erde hin entwickeln soll solche Impulse, wie sie eben besprochen worden sind.