The Occult Significance of the Bhagavad Gita
GA 146
3 June 1913, Helsinki
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The Occult Foundations of the Bhagavad Gita, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Es ist ebenso natürlich, wie gewöhnlich von der Wissenschaft unbeachtet, daß der Mensch so, wie er heute einmal im Leben darinnen steht, einen Teil seines Wesens eigentlich gar nicht kennen kann. So wie die Umwelt um den Menschen herum sich ausbreitet, so stellt sie sich dar — wenn man sie gleichsam im groben zeichnet —, aufsteigend von dem mineralischen Reich durch das Pflanzenreich und durch das Tierreich bis herauf zum Menschen. Und voraussetzen muß der Mensch ja ganz selbstverständlich, daß hinter alle dem, was er an Formen ringsherum wahrnimmt, die schaffende Kraft stehe in allen Reichen der Natur, die den Menschen umgeben. In der ganzen uns umgebenden Natur muß zunächst vorausgesetzt werden die schaffende Kraft. Nun handelt es sich darum, daß der Mensch, wenn er den Blick in seine Umwelt richtet, dadurch, daß das mineralische, pflanzliche und tierische Reich außerhalb seiner sind und er sie beobachten kann, sich Erkenntnisse erwirbt. Aber von demjenigen, was der Mensch an sich selber hat, kann er sich eigentlich nur insoweit Kenntnisse erwerben, als in ihm die Kräfte walten, die in den genannten drei Reichen der Natur draußen auch sind. Und insofern er Kräfte in sich trägt, die über die Reiche der Natur hinausgehen, kann der Mensch eigentlich mit den gewöhnlichen Erkenntnismitteln sie gar nicht erkennen, kann gar nichts davon wissen. Denn durch das gerade, wodurch der Mensch über die Reiche der Natur herausragt, kann er ja erkennen, durch das kann er sich eben ein Wissen erwerben. Geradesowenig wie das Auge, das sehen muß, sich selbst sehen kann, ebensowenig kann der Mensch das an sich selber erkennen, was da ist, damit er erkennen kann. Es ist ein einfacher Gedanke, aber ein Gedanke, der durchaus gilt. Es ist unmöglich, daß das Auge sich selber sieht, weil es zum Sehen da ist; es ist unmöglich, daß diejenigen Kräfte im Menschen, die zum Erkennen da sind, sich selber erkennen. Und diese Kräfte, die zum Erkennen da sind, das sind gerade diejenigen, welche darstellen das, was mit der Menschheit über die Tierheit herausragt.
[ 1 ] It is just as natural—though usually overlooked by science—that human beings, as they currently find themselves in this state of life, cannot truly know a part of their own nature. Just as the environment around human beings unfolds, so does it present itself—if one were to sketch it roughly, so to speak—rising from the mineral kingdom through the plant kingdom and the animal kingdom up to human beings. And human beings must, of course, assume that behind all the forms they perceive around them lies the creative force present in all the realms of nature that surround them. In all of nature surrounding us, the creative force must first be assumed. Now the point is that when human beings direct their gaze toward their environment, they acquire knowledge because the mineral, plant, and animal kingdoms are external to them and they can observe them. But regarding what human beings possess within themselves, they can actually acquire knowledge only to the extent that the forces operating within them are also present in the three kingdoms of nature mentioned above. And to the extent that human beings possess within themselves forces that transcend the realms of nature, they cannot actually perceive them through ordinary means of cognition; they can know nothing of them at all. For it is precisely through that which elevates human beings above the realms of nature that they can perceive; it is through this that they can acquire knowledge. Just as the eye, which must see, cannot see itself, so too can human beings not recognize in themselves that which is there so that they may recognize. It is a simple thought, but one that is certainly true. It is impossible for the eye to see itself, because it exists for the purpose of seeing; it is impossible for those powers within human beings that exist for the purpose of cognition to recognize themselves. And these powers that exist for the purpose of cognition are precisely those that represent what elevates humanity above the animal realm.
[ 2 ] Der materialistische Darwinismus macht es sich nun leicht. Er vergißt die ebenso natürliche wie einfache Erkenntnis, daß die eigentliche Erkenntniskraft, durch die der Mensch über die Tierheit herausragt, für das gewöhnliche Erkennen eben unerkennbar sein muß. Er konstatiert zwar, daß sie unerkennbar ist, und leugnet sie deshalb und betrachtet deshalb den Menschen nur insoweit, als der Mensch gerade auch noch der Tierheit angehört. Sie sehen, worauf der eigentliche Trugschluß, die Täuschung des materialistischen Darwinismus beruht. Diejenigen Kräfte, welche die eigentlichen Erkenntniskräfte sind im Menschen, kann der Mensch an sich selber nicht erkennen. Das ist so natürlich, wie an sich selber sich das Auge nicht sehen kann. Aber das Auge kann ein anderes Auge sehen, und weil das Auge ein anderes Auge sehen kann, so kann es unter Umständen an sich glauben. Nun, mit dem Erkennen ist das nicht so der Fall. Das Erkennen kann sich selber nicht erkennen, aber es wäre immer wenigstens noch logisch möglich, daß der Mensch einem anderen Menschen gegenübertritt und das Erkennen, das heißt dasjenige, was den Menschen über die Tierheit herausführt, am anderen Menschen erkennen würde. Aber auch das ist unmöglich, und zwar aus den Gründen, die schon aus unseren bisherigen Betrachtungen hervorgehen.
[ 2 ] Materialistic Darwinism takes the easy way out. It overlooks the insight—as natural as it is simple—that the very power of cognition by which human beings rise above the animal realm must, by definition, be unknowable to ordinary perception. It does indeed state that this power is unknowable, and therefore denies its existence, viewing human beings only insofar as they still belong to the animal realm. You can see where the actual fallacy, the deception of materialistic Darwinism, lies. Human beings cannot recognize in themselves those powers that are the actual powers of cognition within them. This is as natural as the fact that the eye cannot see itself. But the eye can see another eye, and because the eye can see another eye, it can, under certain circumstances, believe in itself. Now, this is not the case with cognition. Cognition cannot recognize itself, but it would at least still be logically possible for a human being to encounter another human being and to recognize in that other human being the very cognition—that is, that which elevates humans above the animal realm. But even this is impossible, for the reasons already evident from our previous considerations.
[ 3 ] Was ist denn das gewöhnliche Erkennen für die äußere Welt? Wir haben es schon hervorgehoben: Es ist ein fortwährendes Zerstören, ein Aufreiben der äußeren, wirklich der äußeren Gehirn- und Nervenstruktur. Wenn man also suchen würde im gewöhnlichen Tagesleben, in dem Leben, das dem äußeren physischen Plane angehört, nach den Tatsachen des Erkennens, so würde man einen Zerstörungsprozeß im Nervensystem finden. Man würde also keinen schöpferischen, keinen aufbauenden Prozeß finden. Aber die schöpferischen Kräfte, die den Menschen erst eigentlich zuwege bringen, indem sie ihn über die Tierheit erheben, können sich im wachen Tagesleben, in dem Leben, das für gewöhnlich das erkennende ist, überhaupt nicht entfalten. Die müssen da so zur Geltung kommen, daß sie die Zerstörung der Nervenstruktur nicht aufhalten. Das heißt aber, sie ruhen, sie schlafen im wachen Tagesleben. Man hat schon viel erkannt, wenn man den Satz durchdrungen hat, daß alles, was man erkennen müßte, um schon auf dem physischen Plan den materialistischen Darwinismus als einen Unsinn zu erkennen, eigentlich schläft vom Aufwachen bis zum Einschlafen, und daß statt dessen ein Zerstörungsprozeß da ist, während das ruht, was den Menschen über die Tierheit heraushebt. Die schöpferischen Kräfte, die den tierischen Organismus hervorbringen, stehen an Vollkommenheit hinter denjenigen zurück, die am menschlichen Organismus arbeiten. Während des wachen Tageslebens wirken diese schöpferischen Prozesse gar nicht, sondern ein anderer, der fortwährend gerade dasjenige zerstört, was über die Tierheit herausgeht, die schöpferischen Kräfte des Menschen. Diese Kräfte werden gerade während des wachen Tageslebens zerstört. Sie sind also gar nicht da. Während des wachen Tageslebens schlafen also die Kräfte, die eigentlich den Menschen über die Tierheit heben. Während des Schlafes treten sie nun auf. Da wird dasjenige, was zerstört worden ist, wiederum hergestellt, da wird das gleichsam wiederum ausgefüllt. So daß wahrgenommen werden könnten die schöpferischen Kräfte, die den Menschen über die Tierheit herausheben, eigentlich nur an dem schlafenden Menschen. Wir würden also zu sagen haben: Dasjenige, was am schlafenden Menschen wiederum herstellt die Kräfte, die während des tagwachen Lebens abgebraucht werden, das müssen Kräfte sein, die den Menschen über die Tierheit herausheben. Diese Kräfte sind ja zwar heute der äußeren Naturwissenschaft noch unbekannt; sie gelangt erst allmählich dazu, sie zu ahnen. Aber sie ist auf dem Wege, diese Kräfte ganz mit äußeren Mitteln einmal bloßzulegen. Wirklich beobachtet könnten sie nur im Menschen werden, wenn man beobachten würde, wie beim Menschen der Reorganisationsprozeß im Schlafe sich vollzieht. Denn das erleidet allerdings schon Ausnahmen, daß nicht beobachtbar sind am Menschen für gewöhnlich diejenigen Kräfte, die über die Tierheit hinausführen. Wenn einmal die Naturwissenschaft unterscheiden wird diejenigen Kräfte im Menschen, die in ihm vorhanden sind über die Tierheit hinaus, dann wird sie gerade am schlafenden Menschenleibe das Herausgehobensein des Menschen über die Tierheit auch physisch konstatieren, weil man erkennen wird, wie schöpferisch während des Schlafens dasjenige wirkt, was zerstörend wirkt während des Tagwachens. Wenn einmal die Naturwissenschaft unterscheiden lernen wird die Regenerationskräfte im Menschen von dem, was in der Tierheit vorhanden ist, dann wird sie erkennen, wie die schöpferischen Kräfte, die im Erdenleben walten, um den Menschen über die Tierheit herauszuführen, nur wachen, wenn der Mensch schläft. Es schlafen also des Menschen eigentliche Schöpferkräfte, wenn der Mensch wacht; und es wachen des Menschen eigentliche Schöpferkräfte, wenn der Mensch schläft. Aus alle dem können wir entnehmen, daß in Selbsterkenntnis, in wirklicher Selbsterkenntnis des Menschen schöpferische Kräfte, die eigentlich menschlichen Kräfte, nur dann wahrgenommen werden können, wenn der Mensch hellsichtig wird während des Schlafens, das heißt, in einem, dem sonstigen Schlafe gleichen Zustand hellsichtig aufwacht. Im fünften Vortrage dieser Betrachtungsreihe habe ich ja schon darauf hingewiesen. Heute aber habe ich ja schon gesagt, daß in einer gewissen Weise man aus den Prozessen, die sich am schlafenden Menschen zeigen, nach und nach naturwissenschaftlich Hinweisungen finden wird auf diese Kräfte, die den Menschen heraufheben über die Tierheit. Aber es werden eben immer nur Hinweise bleiben. Denn diese Kräfte stellen sich gerade, wenn sie sich heute dem hellsichtigen Bewußtsein darstellen, als solche dar, daß sie ihre wahre, ureigentliche Gestalt nicht nach außen den Sinnen zeigen können. Man wird einmal auf diese Kräfte Schlüsse ziehen können aus naturwissenschaftlichen Tatsachen. Aber aus einem ganz anderen Grunde als dem, daß diese Kräfte eigentlich nicht wahrnehmbar sind, werden diese Kräfte — zwar nicht wahrnehmbar, so doch erschlossen werden können: aus dem Grunde nämlich, weil diese Kräfte, welche die menschenschöpferischen Kräfte genannt werden können, sich zu allem, was sonst Naturkräfte sind, in einer ganz besonderen Weise verhalten. Es ist ein ziemlich schwieriges Kapitel, auf das man da kommt, aber wir werden es uns in der folgenden Weise wohl klar machen können.
[ 3 ] What, then, is ordinary perception of the external world? We have already emphasized this: it is a continuous process of destruction, a wearing down of the external—truly the external—structure of the brain and nervous system. So if one were to look for the facts of cognition in ordinary daily life—in the life that belongs to the outer physical plane—one would find a process of destruction in the nervous system. One would therefore find no creative, no constructive process. But the creative forces that actually enable human beings by raising them above animality cannot unfold at all in waking daily life, in the life that is usually the life of cognition. They must come into play there in such a way that they do not halt the destruction of the nervous structure. But that means they rest, they sleep in waking daily life. One has already grasped much if one has penetrated the statement that everything one would need to recognize in order to see materialistic Darwinism as nonsense even on the physical plane actually lies dormant from waking until falling asleep, and that instead there is a process of destruction at work, while that which elevates human beings above the animal realm remains dormant. The creative forces that produce the animal organism lag behind in perfection compared to those that work on the human organism. During waking daily life, these creative processes do not operate at all; instead, another force is constantly destroying precisely that which transcends animality—the creative forces of the human being. These forces are destroyed precisely during waking daily life. They are therefore not present at all. During waking life, therefore, the forces that actually elevate the human being above animality are dormant. During sleep, they come into play. There, what has been destroyed is restored; there, it is, as it were, replenished. So that the creative forces that elevate the human being above animality can actually only be perceived in the sleeping human being. We would therefore have to say: That which restores in the sleeping human being the forces that are exhausted during waking life must be forces that elevate human beings above the animal realm. These forces are, of course, still unknown to external natural science today; it is only gradually beginning to sense them. But it is on the way to one day uncovering these forces entirely by external means. They could only truly be observed in humans if one were to observe how the process of reorganization takes place in humans during sleep. For there are indeed exceptions to the rule that the forces which lead beyond the animal realm are not usually observable in humans. Once natural science learns to distinguish those forces in human beings that exist within them beyond the animal realm, it will be able to physically confirm, precisely in the sleeping human body, the human being’s elevation above the animal realm, because one will recognize how creatively that which acts destructively during waking hours works during sleep. Once natural science learns to distinguish the regenerative forces in human beings from what is present in the animal realm, it will recognize how the creative forces that govern earthly life—in order to lead human beings beyond the animal realm—are only active when the human being is asleep. Thus, a person’s true creative forces sleep when the person is awake; and a person’s true creative forces are awake when the person is asleep. From all this we can deduce that in self-knowledge, in true self-knowledge of the human being, creative forces—the truly human forces—can only be perceived when the human being becomes clairvoyant during sleep, that is, when they wake up clairvoyant in a state similar to ordinary sleep. I have already pointed this out in the fifth lecture of this series. But today I have already said that, in a certain way, one will gradually find scientific indications of these forces—which elevate the human being above the animal realm—in the processes that manifest in the sleeping human being. But these will always remain merely indications. For these forces, precisely when they present themselves today to the clairvoyant consciousness, manifest themselves in such a way that they cannot reveal their true, essential form to the external senses. One day it will be possible to draw conclusions about these forces from scientific facts. But for a reason entirely different from the fact that these forces are actually imperceptible, these forces—though imperceptible—will nevertheless be able to be deduced: namely, because these forces, which may be called the human-creative forces, relate to all other natural forces in a very special way. This is a rather difficult subject we are approaching, but we will be able to clarify it for ourselves in the following way.
[ 4 ] Nehmen wir an, wir hätten hier den Rezipienten einer Luftpumpe, eine Glasglocke, aus der wir die Luft herauspumpen, und nehmen wir an, es würde uns gelingen, diese umgestürzte Glasglocke wirklich luftleer zu machen. Das ist ja angehend möglich für die äußere Erfahrung. Da wird nun jeder sagen, der mit seinem Verstande an der sinnlichen Welt kleben will: Da drinnen ist also keine Luft, da ist ein luftleerer Raum. Mehr kann man ja nicht machen, weniger als keine Luft kann da nicht drinnen sein. — Wahr ist das doch nicht. Denken wir uns einmal, wir pumpten, das heißt wir machten die Luft immer dünner da drinnen. Dann können wir uns vorstellen, daß das so weit gehen könnte, daß wir gewissermaßen am Nullpunkt angelangt wären, daß wir nun aber weiter pumpten, und nun unter Null gehen könnten: dann würden wir einen Raum bekommen, der weniger als luftleer wäre. Die Menschen, die sehr am Materiellen hängen, werden sich das schwer vorstellen können, denn die Menschen können sich gewöhnlich nicht «weniger als nichts» vorstellen.
[ 4 ] Let us suppose we have here the receptacle of an air pump, a glass bell jar from which we pump out the air, and let us suppose we were able to make this inverted glass bell jar truly airless. This is, after all, possible in terms of external experience. Now everyone who wants to cling to the sensory world with their intellect will say: So there is no air in there; there is a vacuum. One cannot do more than that; there cannot be less than no air in there. — But that is not true. Let us imagine for a moment that we were pumping, that is, making the air inside thinner and thinner. Then we can imagine that this could go so far that we would, so to speak, have reached the zero point, but that we would continue pumping and could now go below zero: then we would obtain a space that would be less than a vacuum. People who are very attached to the material world will find this difficult to imagine, for people usually cannot imagine “less than nothing.”
[ 5 ] In bezug auf Sinneswahrnehmungen wird diese Vorstellung schon eher vollzogen werden können. Denken wir uns einmal, wir seien in einem Walde, wo viele, viele Vögel singen. Mitten darin sind wir in diesem Vogelgesang. Nehmen wir nun aber an, wir entfernten uns immer mehr und mehr, wir gingen aus dem Walde heraus, wir hörten den Vogelsang immer weniger, kämen an einen Ort, wo wir ihn nicht mehr hören könnten, aber wir gingen noch weiter: dann muß das Verringertwerden des Hörens doch auch weiter gehen. Wir kommen zur Stille, aber wenn wir weiter gehen, doch auch in bezug auf den Vogelgesang zu dem, was unter der Stille, unter der Ruhe ist. Sie sehen, daß dieser zweite Gedanke, diese zweite Vorstellung schon besser zu vollziehen ist als die erste. Daß es gerade eine Grenze gibt, wo wir nichts mehr hören, können wir uns leicht vorstellen. Aber wir können uns auch noch vorstellen, daß wir weiter gehen können, wobei wir sogar weniger als nichts hören.
[ 5 ] When it comes to sensory perceptions, this mental image is easier to grasp. Let’s imagine we are in a forest where many, many birds are singing. We are right in the midst of this birdsong. But now let us suppose that we move further and further away, that we walk out of the forest, that we hear the birdsong less and less, that we come to a place where we can no longer hear it, but that we keep walking: then the diminishing of our hearing must surely continue. We arrive at silence, but if we go further, we also reach—in relation to the birdsong—that which lies beneath silence, beneath stillness. You see that this second mental image, this second image, is already easier to grasp than the first. We can easily imagine that there is a specific limit beyond which we hear nothing. But we can also imagine that we can go even further, to the point where we hear even less than nothing.
[ 6 ] Es ist manchmal ganz wunderbar, welche Dinge wie Axiome, wie Selbstverständlichkeiten hingenommen werden. So können wir in zahlreichen philosophischen Werken des Westens lesen: Weniger als nichts kann nirgends da sein, weniger als nichts gibt es nicht. — Ja, nicht einmal das Nichts, so behaupten manche, könne da sein. Jetzt muß ich etwas recht Triviales sagen. Im Leben bemerken die Menschen schon recht gut, daß es sowohl ein «Nichts» als auch ein «Weniger-als-Nichts» gibt für gewisse Tatsachenreihen. Wenn Sie zehn Mark in der Tasche haben, so können Sie diese immer mehr verringern. Sie können fünf, vier, drei, zwei, eine Mark aus ihnen machen, und diese eine können Sie auch noch ausgeben. Da kann man schon zu einem Nichts kommen. Aber auf diesem Gebiete gibt es sogar wirklich ganz real ein Weniger-als-Nichts. Das ist sogar recht oft eine sehr starke Realität, denn jeder Mensch ist wohl zufriedener, wenn er zwei, drei, vier, fünf Mark in der Tasche hat, als wenn er zwei, drei, vier, fünf Mark schuldig ist. Das ist weniger als nichts, und dieses Weniger-als-Nichts ist in unserem praktischen Leben sogar eine recht starke, recht wirksame Realität. Denn diese Realität des Weniger-als-Nichts kann ja sogar eine viel stärkere Realität sein als die Realität des Besitzes.
[ 6 ] It is sometimes quite remarkable how certain things are accepted as axioms, as self-evident truths. Thus, we can read in numerous Western philosophical works: Less than nothing cannot exist anywhere; less than nothing does not exist. — Indeed, some claim that not even nothing can exist. Now I must say something quite trivial. In life, people notice quite well that there is both a “nothing” and a “less-than-nothing” for certain sets of facts. If you have ten marks in your pocket, you can keep reducing them. You can turn them into five, four, three, two, one mark, and you can even spend that one. That way, you can indeed arrive at nothing. But in this realm, there is actually a very real “less-than-nothing.” This is often a very powerful reality, for every person is surely happier when they have two, three, four, or five marks in their pocket than when they owe two, three, four, or five marks. That is less than nothing, and this “less than nothing” is, in our practical lives, actually a quite strong, quite effective reality. For this reality of “less than nothing” can indeed be a much stronger reality than the reality of possession.
[ 7 ] Was in diesem trivialen Beispiele da ist, ist in der Tat in der Welt auch da. Alle philosophischen Deklamationen von dem «Nichts», von dem «Gehen bis zum Nichts» und so weiter sind eigentlich im Grunde genommen, wenn sie auch oftmals mit axiomatischer Prätention auftreten, Wischiwaschi, so etwas, was ein verschwimmendes Nichts ist. Richtig selber wie ein verschwimmendes Nichts sind diese Axiome. Nichts sind diese Axiome über das Nichts. Es ist durchaus richtig, daß das Etwas, das physische Etwas heruntervermindert werden kann bis zu dem Nichts, und dann noch weiter, zum Weniger-als-Nichts. Es ist durchaus richtig, daß dieses Nichts überall ein realer Faktor ist. Die Welt, die uns umgibt, die wir als Naturkräfte kennen, müssen wir uns, so wie sie im mineralischen, pflanzlichen, tierischen Reich uns entgegentritt, bis ins Nichts heruntergemindert denken, dann aber noch weiter, unter das Nichts heruntergemindert: dann kommen die Kräfte heraus, welche die schöpferischen Kräfte sind, wenn der Mensch schläft. So verhalten sich die Kräfte, die den Menschen regenerieren, wenn er schläft, zu den gewöhnlichen Naturkräften, die um uns herum sind.
[ 7 ] What is present in this trivial example is, in fact, also present in the world. All philosophical pronouncements about “nothing,” about “going to nothing,” and so on are, when you get right down to it—even if they often appear with axiomatic pretensions—just wishy-washy, something that is a blurring nothing. These axioms are themselves just like a blurring nothingness. These axioms about nothingness are nothing. It is quite true that the something, the physical something, can be reduced down to nothingness, and then even further, to less-than-nothing. It is quite true that this nothingness is a real factor everywhere. The world that surrounds us, which we know as the forces of nature, we must conceive of as being reduced down to nothingness as it confronts us in the mineral, plant, and animal kingdoms, and then reduced even further, below nothingness: then the forces emerge that are the creative forces when a person sleeps. This is how the forces that regenerate the human being while he sleeps relate to the ordinary forces of nature that surround us.
[ 8 ] Da nun aber die gewöhnliche Naturwissenschaft von den Kräften nur die Außenseite kennt, eigentlich sogar nur ein Abstraktum festhält, so kann sie auf diesen Unterschied überhaupt nicht eingehen. Denn die gewöhnliche Naturwissenschaft verhält sich zu der Wirklichkeit in den Naturkräften so, wie man sich etwa verhalten würde, sagen wir, zu zehn Linsen, zehn Erbsen, zehn Bohnen, indem man die Qualität wegläßt, und nur die Zahlen sagt: es sind ja alle drei eben zehn, nichts anderes als zehn. So unterscheidet die äußere Naturwissenschaft nicht, sondern sie hat gemeinsame Namen, die aber nur wie die Zahl die Oberfläche der Dinge berühren.
[ 8 ] But since conventional natural science knows only the outward aspect of forces—indeed, in fact, grasps only an abstraction—it cannot address this distinction at all. For conventional natural science relates to reality in the forces of nature in much the same way as one might relate, say, to ten lenses, ten peas, or ten beans, by omitting the quality and stating only the numbers: after all, all three are simply ten, nothing other than ten. Thus, external natural science does not distinguish, but rather uses common names that, like numbers, merely touch the surface of things.
[ 9 ] Nehmen Sie nun an, daß die Naturwissenschaft einmal darauf kommen wird: es müssen Kräfte walten, wenn im Schlaf der Organismus wieder regeneriert, wieder aufgebaut wird, — so wird sie sich zu diesen Kräften verhalten, wie jemand sich gegen einen Menschen verhält, der ihm sagt: Ich habe fünfzehn Mark in der Tasche, — und dieser Jemand würde nun antworten: So, Mark interessiert mich nicht, fünfzehn hast du. — Dann käme ein anderer und sagte: Ich habe fünfzehn Mark Schulden. — Dann würde der Jemand sagen: Das ist nicht wahr, fünfzehn hast du. — Er läßt unbeachtet, um was es sich gerade handelt. So auch wird man weglassen gerade das Charakteristische der Kräfte, die den Menschen aufbauen während des Schlafes. Die Folge wird sein, daß man diese Kräfte verwechseln wird mit den gewöhnlichen Naturgesetzen und nicht erkennen wird, daß da höhere Gesetze walten.
[ 9 ] Now suppose that science one day comes to the conclusion that certain forces must be at work when the organism regenerates and rebuilds itself during sleep—it will relate to these forces just as someone would react to a person who says to them: “I have fifteen marks in my pocket”—and that person would reply: “Well, I’m not interested in marks; you have fifteen.” Then another person would come along and say: “I owe fifteen marks.” Then the first person would say: “That’s not true; you have fifteen.” — He ignores exactly what is at stake. In the same way, one will overlook precisely the characteristic nature of the forces that build up the human being during sleep. The result will be that one will confuse these forces with the ordinary laws of nature and fail to recognize that higher laws are at work.
[ 10 ] Das alles erwähne ich, um zu zeigen, welche Schwierigkeit die äußere Wissenschaft immer hat und haben muß, wenn sie die Wahrheit erkennen will. Zwar wird sie Schlüsse machen und dann wohl auf die Wahrheit kommen. Aber das wird für eine gewisse Anzahl von Menschen nicht notwendig sein, denn es wird ja diese Wissenschaft allmählich unterstützt werden von dem hellsichtigen Erkennen, für das sich allerdings diese Kräfte ganz anders verhalten als die Kräfte, die wir draußen im mineralischen, pflanzlichen, tierischen Reich regsam finden. Ich kann jetzt nicht darauf eingehen, daß ein oberflächlicher Einwand der wäre, daß die Tiere ja auch schlafen. Solche Einwände sind logisch wirklich ganz minderwertig, aber man bemerkt nicht ihre Minderwertigkeit, weil man nicht nach dem Wesen der Sache, sondern nach Begriffen urteilt. Derjenige, der den tierischen Schlaf in diese Betrachtung hereinbringen würde, der würde logisch denselben Fehler begehen, wie wenn jemand sagen würde: Ich spitze meinen Bleistift mit einem Messer und ich rasiere mich mit einem Messer, — und der andere würde sagen: Das kann ja gar nicht sein, ein Messer gehört zum Fleischschneiden. — So urteilen die Menschen überall. Die Menschen denken, dasselbe habe für andere Reiche dieselbe Funktion. Das ist aber derselbe Fehler, wie wenn jemand, der nur ein Messer beim Fleischschneiden gesehen hat, und nun sieht, wie ein Messer zum Rasieren verwendet wird, das Rasieren mit dem Fleischschneiden zusammenbringen würde. Der Schlaf ist beim Menschen eine ganz andere Funktion als beim Tier.
[ 10 ] I mention all this to show the difficulty that external science always faces—and must face—when it seeks to discover the truth. It will, of course, draw conclusions and eventually arrive at the truth. But that will not be necessary for a certain number of people, for this science will gradually be supported by clairvoyant perception, for which, however, these forces behave quite differently from the forces we find active out there in the mineral, plant, and animal kingdoms. I cannot go into detail now regarding the superficial objection that animals also sleep. Such objections are logically quite inferior, but one does not notice their inferiority because one judges not by the nature of the matter but by concepts. Anyone who were to bring animal sleep into this consideration would logically be making the same mistake as if someone were to say: I sharpen my pencil with a knife and I shave with a knife—and the other person were to say: That can’t possibly be right; a knife is for cutting meat. —That is how people judge things everywhere. People think that the same thing has the same function in other realms. But this is the same mistake as if someone who has only seen a knife used for cutting meat, and now sees a knife being used for shaving, were to equate shaving with cutting meat. Sleep has a completely different function in humans than in animals.
[ 11 ] Ich wollte Sie hinweisen auf Kräfte, die in der menschlichen Natur walten, die also zunächst uns entgegentreten, wenn wir den schlafenden Menschen ins Auge fassen, die uns entgegentreten bei der Regeneration des Organismus im Schlafe. Aber diese Kräfte sind mit anderen Kräften verwandt, mit denselben Kräften durchaus verwandt, welche im Menschen sich auch mit einer gewissen, man möchte sagen, Unbewußtheit entwickeln. Es entwickeln sich im Menschen gewisse Kräfte mit einer gewissen Unbewußtheit: das sind die Kräfte, welche zusammenhängen mit der menschlichen Fortpflanzung, mit der menschlichen Generation. Wir wissen ja, daß im menschlichen Bewußtsein bis zu einem gewissen Lebensalter über diese Kräfte eine unmittelbare holde Unbewußtheit waltet, die Unschuld des Kindesalters. Wir wissen, daß mit einem gewissen Alter über diesen Kräften das Bewußtsein erwacht, daß gleichsam von einem bestimmten Alter an der menschliche Organismus durchsetzt wird vom Bewußtsein aus mit den Kräften, die später die sinnliche Liebe der Geschlechter genannt werden. Was vorher waltet wie schlafende Kräfte, die erst mit der Geschlechtsreife erwachen, das sind, wenn sie in ihrer ureigenen Gestalt betrachtet werden, genau dieselben Kräfte, die im Schlaf die zerstörten Kräfte im Menschen wieder herstellen. Verdeckt sind diese Kräfte nur von der anderen menschlichen Natur, weil sie vermischt sind mit der anderen menschlichen Natur. Es walten unsichtbar im Menschen Kräfte, welche schuldvoll erst werden, wenn sie zum Erwachen kommen, welche schlafen oder höchstens träumen bis die Geschlechtsreife eintritt. Da in der menschlichen Natur die späteren Kräfte sich erst vorbereiten, so sind diese späteren Kräfte, die noch nicht wach sind, schon von der Geburt an vermischt mit den übrigen Kräften der menschlichen Natur, und diese menschliche Natur wird wie durchsetzt von diesen schlafenden Kräften. Das ist es, was als so wunderbares Mysterium uns im Kinde entgegentritt: die schlafenden Kräfte der Generation, die erst später erwachen. Daher ist es auch, daß derjenige, der für so etwas eine Empfindung hat, etwas wie das Wehen des Götterodems empfindet, wenn er unter den mannigfachen Ungezogenheiten, Eigensinnigkeiten und anderen mehr oder weniger unangenehmen Eigenschaften des Kindesalters dieselben Kräfte wirksam findet, die nur wie zurückgezogen sind im Kindesalter, dieselben Kräfte, die bei der Geschlechtsreife erwachen. Es sind diese Eigenschaften des Kindes schuldlos die Eigenschaften des Erwachsenen. So verspürt derjenige, der unter diesen Eigenschaften die in das Kindesalter wie zurückgezogenen Generationskräfte erkennt, den Odem der Götter, der göttlichen Kräfte, die so wunderbar sich ausnehmen, weil sie, indem sie später des Menschen niedere Natur darstellen, solange sie in Unschuld walten, einen göttlichen Hauch wirklich darbieten. Diese Dinge muß man empfinden, fühlen. Dann wird man das menschliche Wesen so wunderbar zusammengefaßt erkennen aus den Kräften, die im zartesten Kindesalter wie schlafend walten und später, wenn sie erwachen, wirksam nur sind, wenn sie in Unschuld walten, wenn der Mensch in der Nacht in die Unschuld des Schlafens zurücksinkt.
[ 11 ] I wanted to draw your attention to forces at work within human nature—forces that initially stand in our way when we look into the eyes of a sleeping person, and that stand in our way during the regeneration of the organism in sleep. But these forces are related to other forces, indeed closely related to the very forces that develop within the human being with a certain—one might say—unconsciousness. Certain forces develop within the human being with a certain unconsciousness: these are the forces connected with human procreation, with human generation. We know, of course, that in human consciousness, up to a certain age, a sweet, immediate unconsciousness reigns over these forces—the innocence of childhood. We know that at a certain age, consciousness awakens to these forces; that, as it were, from a certain age onward, the human organism is permeated by consciousness of the forces that are later called the sensual love of the sexes. What previously reigns as sleeping forces, which only awaken with sexual maturity, are, when viewed in their very own form, precisely the same forces that restore the destroyed forces within the human being during sleep. These forces are concealed only by the other aspect of human nature, because they are mingled with that other aspect of human nature. There are forces at work invisibly within the human being which only become culpable when they awaken, which sleep or at most dream until sexual maturity sets in. Since in human nature the later forces are only just preparing themselves, these later forces, which are not yet awake, are already mixed with the other forces of human nature from birth, and this human nature is, as it were, permeated by these sleeping forces. This is what confronts us as such a wondrous mystery in the child: the sleeping forces of generation, which only awaken later. This is also why those who have a sense for such things perceive something like the breath of the gods when, amidst the manifold misbehaviors, stubbornness, and other more or less unpleasant traits of childhood, they find at work the very same forces that are merely withdrawn during childhood—the same forces that awaken at puberty. These qualities of the child are, through no fault of their own, the qualities of the adult. Thus, those who recognize in these qualities the generational forces that seem withdrawn into childhood sense the breath of the gods, the divine forces that appear so wondrous because, while they later represent the lower nature of the human being, as long as they reign in innocence, they truly present a divine breath. One must perceive these things, feel them. Then one will recognize the human being so wonderfully synthesized from the forces that reign as if asleep in the tenderest childhood and later, when they awaken, are effective only when they reign in innocence, when the human being sinks back into the innocence of sleep at night.
[ 12 ] So zerfällt uns die menschliche Natur gleichsam in zwei Teile. Wir haben eigentlich in jedem Menschen zwei Menschen vor uns: den einen Menschen, der wir sind vom Aufwachen bis zum Einschlafen, und den anderen Menschen, der wir sind vom Einschlafen bis zum Aufwachen. In dem einen Menschen sind wir fortwährend bemüht, unsere Natur bis zur Tierheit herabzuquälen mit allem, was nicht Erkenntnis ist, was nicht rein im Geiste erfaßt wird. Mit alle dem sind wir immerdar bemüht, unsere Natur zur Tierheit herabzuquälen. Dies ist während unseres Wachzustandes. Was uns aber über diesen Menschen erhebt, waltet zunächst als holdselige Kraft unschuldsvoll während der Kindheit innerhalb der Generationskräfte, und waltet, wenn diese Kräfte erwachen, im Schlafe, wenn regeneriert wird, was durch das Tagwachen zerstört worden ist. So haben wir einen Menschen in uns, der verwandt ist mit den schöpferischen Kräften im Menschen, und einen Menschen, der diese Kräfte zerstört. Das Bedeutsame aber in der Doppelnatur des Menschen ist, daß man eigentlich hinter alle dem, was die Sinne wahrnehmen, zu vermuten hat einen anderen Menschen, einen Menschen nämlich, in dem die schöpferischen Kräfte walten. Dieser zweite Mensch, in dem die menschenschöpferischen Kräfte walten, ist ungemischt eigentlich nie da. Er ist niemals ohne Mischung da: während des Wachens ist er nicht da und während des Schlafens auch nicht. Denn während des Schlafens bleibt ja der physische Leib und Ätherleib durchsetzt von den Nachwirkungen des Tages, von den Zerstörungskräften. Wenn diese Zerstörungskräfte aber endlich fortgeschafft worden sind, so wachen wir ja wieder auf.
[ 12 ] Thus, human nature is, as it were, divided into two parts. In every person, we actually have two people before us: the one person we are from the moment we wake up until we fall asleep, and the other person we are from the moment we fall asleep until we wake up. In one person, we are constantly striving to degrade our nature down to the level of animality with everything that is not knowledge, everything that is not grasped purely in the spirit. With all of this, we are always striving to degrade our nature down to the level of animality. This occurs during our waking state. But what elevates us above this person reigns first as a sweet, innocent force during childhood within the generative forces, and reigns, when these forces awaken, in sleep, when that which has been destroyed by the waking day is regenerated. Thus we have within us a person who is related to the creative forces in the human being, and a person who destroys these forces. What is significant, however, in the dual nature of the human being is that one must actually suspect, behind everything the senses perceive, the presence of another human being—namely, a human being in whom the creative forces are at work. This second human being, in whom the human-creative forces are at work, is actually never present in an unmixed state. He is never present without mixture: he is not present during waking hours, nor during sleep. For during sleep, the physical body and etheric body remain permeated by the aftereffects of the day, by the destructive forces. But when these destructive forces have finally been removed, we wake up again.
[ 13 ] So ist es seit jenem Zeitalter, das wir das lemurische Zeitalter nennen, seit dem eigentlich die gegenwärtige Menschheit ihre Entwickelung begonnen hat. Damals — Sie finden diesen Moment genauer dargestellt in meiner «Geheimwissenschaft» — fand der luziferische Einfluß auf den Menschen statt und brachte Dinge über den Menschen, die wir folgendermaßen charakterisieren können: Aus diesem luziferischen Einfluß kam neben allem anderen dasjenige, was heute den Menschen fortwährend zwingt, sich zur Tierheit herabzuquälen. Dasjenige aber, was der Menschennatur beigemischt ist, was der Mensch eigentlich, so wie er ist, noch nicht erkennt, die schöpferischen Kräfte, das waltete vor dem luziferischen Impuls als Menschtum in der ersten lemurischen Zeit. Wir steigen auf in der Betrachtung von dem gewordenen Menschen zu dem werdenden, von dem Menschen als Geschöpf zu den menschenschöpferischen Kräften. Das erweitert aber unseren Blick zugleich in jene alte lemurische Zeit hinein, da der Mensch noch ganz und vollkommen durchsetzt war von diesen schöpferischen Kräften. Damals wurde also der Mensch in seiner heutigen Gestalt. Wenn wir das Menschengeschlecht verfolgen von diesem Zeitpunkt der lemurischen Zeit an, so haben wir durch alles hindurch, was dann gekommen ist, immer diese Doppelnatur des Menschen vor uns. Eingetreten ist der Mensch damals in eine Art niedere Natur. Aber dazumal — das zeigt uns der zurückgewandte hellsichtige Blick in die Akasha-Chronik — ist neben jenen auch von menschenschöpferischen Kräften durchsetzten Menschen gleichsam hinzugetreten, wie eine Schwester- oder Bruderseele, eine bestimmte Seele. Es wurde gewissermaßen zurückgehalten diese Schwesterseele, die nicht in die Menschenevolution hineinversetzt worden ist. Sie blieb nur durchsetzt von menschenschöpferischen Kräften. Es blieb zurück ein Mensch, in der alten lemurischen Zeit, gleichsam die Schwester- oder Bruderseele — denn für jene Zeit ist das ja einerlei —, es blieb zurück die Bruderseele des Adam. Diese Seele blieb damals zurück, diese Seele konnte nicht eingehen in den physischen Menschheitsprozeß. Sie blieb zurück und waltete unsichtbar für den physischen Menschheitsprozeß. Sie wurde nicht geboren wie die Menschen im fortlaufenden Prozeß. Denn wäre sie geboren worden und gestorben, dann wäre sie ja eingetreten in den physischen Menschheitsprozeß. Sie waltete im Unsichtbaren und konnte nur wahrgenommen werden von denjenigen, die sich hinauferhoben zu jenen hellsichtigen Höhen, zu jenen hellsichtigen Kräften, die erwachen in dem Zustande, der sonst der Schlaf ist. Denn dann ist der Mensch verwandt mit den Kräften, die lauter in der Schwesterseele walten. Der Mensch ging ein in die Evolution, aber darüber waltend lebte, sich opfernd, eine Seele, die sich zunächst nicht verkörperte während des ganzen Menschheitsprozesses, die nicht nach Verkörperungen strebte, die nicht nach Geburt und Tod strebte wie die Menschenseelen. Diese Seele wurde nur sichtbar, konnte sich nur zeigen, wenn die Menschen schlafend hellsichtig werden konnten. Sie wirkte aber doch auf die Menschheit, diese Seele, da, wo die Menschheit in besonderem Hellsehen ihr entgegentrat. Das waren Menschen, welche durch Schulung oder naturgemäß solche hellsichtigen Kräfte besaßen, die die schöpferischen Kräfte erkennen konnten. Und wo solche Schulen in der Geschichte auftreten, kann man immer erkennen, daß sie gewahr wurden eine Seele, welche die Menschheit begleitet. In den meisten Fällen war eben diese Seele nur erkennbar solchen hellsichtigen Zuständen, die den geistigen Blick hineinerweiterten ins Schlafbewußtsein.
[ 13 ] This has been the case since that era we call the Lemurian Age, which is when modern humanity actually began its evolution. At that time—you will find this moment described in greater detail in my *Secret Science*—the Luciferic influence took hold of humanity and brought about certain effects that we can characterize as follows: From this Luciferic influence arose, among other things, that which today constantly compels human beings to degrade themselves to the level of animality. But that which is mingled with human nature, which humanity, as it is, does not yet recognize—the creative forces—reigned as humanity in the first Lemurian epoch before the Luciferic impulse. In our contemplation, we ascend from the human being as it has become to the human being as it is becoming, from humanity as a creature to the human-creative forces. This, however, simultaneously broadens our view into that ancient Lemurian epoch, when human beings were still entirely and completely permeated by these creative forces. It was then, therefore, that human beings took on their present form. If we trace the human race from this point in the Lemurian epoch onward, we always have before us this dual nature of the human being throughout everything that followed. At that time, humanity entered a kind of lower nature. But back then—as the clairvoyant gaze into the Akashic Records reveals—a certain soul, like a sister or brother soul, joined those human beings who were also permeated by human-creative forces. This sister soul was, so to speak, held back; it was not transferred into human evolution. It remained only imbued with human-creative forces. A human remained behind in the ancient Lemurian era, as it were, the sister or brother soul—for in that time it makes no difference—the brother soul of Adam remained behind. This soul remained behind at that time; this soul could not enter into the physical human process. It remained behind and reigned invisibly over the physical human process. It was not born like the human beings in the ongoing process. For if it had been born and died, then it would indeed have entered into the physical human process. It reigned in the unseen and could only be perceived by those who raised themselves to those clairvoyant heights, to those clairvoyant powers that awaken in the state that is otherwise sleep. For then the human being is attuned to the forces that reign more fully in the sister soul. The human being entered into evolution, but reigning above it, living a life of self-sacrifice, was a soul that did not initially incarnate throughout the entire human process, that did not strive for incarnations, that did not strive for birth and death like human souls. This soul became visible, could reveal itself, only when human beings could become clairvoyant while asleep. Yet this soul did influence humanity, wherever humanity encountered it through special clairvoyance. These were people who, through training or by nature, possessed such clairvoyant powers that they could perceive the creative forces. And wherever such schools appear in history, one can always recognize that they became aware of a soul that accompanies humanity. In most cases, this very soul was discernible only in such clairvoyant states that extended the spiritual gaze into the consciousness of sleep.
[ 14 ] Durch jene besonderen Umstände, unter denen die Arjunaseele all das um sich herum wahrnahm und auf ihre Empfindung wirken ließ, indem sie fühlte, was sich damals in Kurukshetra abspielte, auf dem Schlachtfelde, wo die Kurus und Pandus sich gegenüberstanden, da ereignete es sich, daß durch die Seele des Wagenlenkers des Arjuna diese bestimmte eigentümliche Seele sprach. Und die Erscheinung dieser Seele, sprechend durch eine Menschenseele, das ist der Krishna. Welche Seele also war geeignet, in die menschliche Seele hineinzuversenken den Impuls zum Selbstbewußtsein? Jene Seele war es, die zurückgeblieben ist in der alten lemurischen Zeit, als die Menschheit in die eigentliche Erdenevolution eingetreten ist. Früher war diese Seele oftmals in Erscheinungen zu schauen, aber in viel geistigerer Art. In dem Zeitpunkte aber, von dem uns der erhabene Sang, die göttliche Gita verkündet, ist zu denken eine Art Verkörperung aber viel Maya ist dabei —, eine Art Verkörperung dieser Seele von Krishna. Dann aber tritt in der Menschheitsgeschichte eine bestimmte Verkörperung ein: diese selbe Seele verkörpert sich später wirklich in einem Knaben. Diejenigen der verehrten Freunde, zu denen ich öfter darüber gesprochen habe, wissen, daß zu der Zeit, als das Christentum begründet wurde, zwei Knaben geboren wurden in Familien, in welchen beiden das Blut des Hauses David floß. Der eine Knabe ist uns im Matthäus-Evangelium, der andere im Lukas-Evangelium geschildert. Dies ist der wahre Grund, warum das MatthäusEvangelium mit dem Lukas-Evangelium für eine äußere Betrachtung nicht stimmt. Derselbe Jesusknabe nun, von dem das Lukas-Evangelium berichtet, ist zunächst die Verkörperung dieser selben Seele, die früher niemals in einem menschlichen Leibe gewohnt hat, aber doch eine Menschenseele ist, weil sie eine Menschenseele war während der alten lemurischen Zeit, in welcher unsere eigentliche Evolution begonnen hat. Es ist dieselbe Seele, die sich als der Krishna offenbart hat. So haben wir dasjenige, was der Krishna-Impuls bedeutet, den Anstoß zum menschlichen Selbstbewußtsein, verkörpert in dem Körper des Lukas-Jesusknaben. Das, was da verkörpert war, ist verwandt mit den Kräften, die im Kindesalter in so holder Unschuld, bevor sie als Geschlechtskräfte erwachen, schlafend da sind. Im Lukas-Jesusknaben können sie sich bis zu diesem Alter hin, wo sonst der Mensch in die Geschlechtsreife eintritt, betätigen, kundgeben. Es hätte der Körper des Jesusknaben, der ja aus der allgemeinen Menschheit genommen worden ist, die in die Inkarnationen heruntergestiegen war, nicht mehr gepaßt zu den Kräften, die ja verwandt sind mit den holden, unschuldigen Geschlechtskräften im Kinde. Daher geht die Seele, die in dem anderen Jesusknaben ist und die, wie die meisten unserer lieben Freunde ja wissen, die Zarathustraseele ist, also eine Seele, die von Inkarnation zu Inkarnation geschritten ist und die gerade durch besonderes Arbeiten innerhalb vieler Inkarnationen ihre Höhe erreicht hat, daher geht diese Zarathustraseele hinüber in den Leib des Lukas-Jesusknaben und ist von da ab — wie Sie es dargestellt finden in meinem Buche «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» — mit diesem Leibe des Lukas-Jesusknaben verbunden. Da berühren wir ein wunderbares Geheimnis. Da sehen wir, wie in einen menschlichen Leib, in den Leib des Lukas-Jesusknaben, einzieht die Menschenseele, wie sie gewesen ist, bevor der Mensch in die irdische Inkarnationsreihe hinuntergegangen ist. Da begreifen wir, daß diese Seele in dem Menschenleibe nur bis zum zwölften Jahre dieses Leibes walten konnte, begreifen, daß dann eine andere Seele, welche alle Menschheitsverwandlungen durchgemacht hat, wie die Zarathustraseele, Besitz ergreifen muß von diesem besonderen Leibe. Das Wunderbare vollzieht sich, daß dasjenige, was des Menschen Innerstes ist, sein eigentliches Selbst, was wir als Krishna haben ansprechen sehen, als Impuls haben aufblitzen sehen in dem Krishna-Impuls, den Jesusknaben durchdringt, der uns geschildert wird im Lukas-Evangelium. Diejenigen Kräfte sind darinnen, welche die innersten Menschheitskräfte sind. Wir können sie auch die Krishna-Kräfte nennen, denn wir kennen ja ihren Ursprung. Was ich im vorigen Vortrage gleichsam wie ohne Wurzel gezeichnet habe, diese Krishna-Wurzel reicht bis in die lemurische Zeit hinauf, in die menschliche Urzeit. Sie war in einer Zeit mit der Menschheit verbunden, bevor die physische Menschheitsentwickelung begonnen hat. Diese Wurzel, diese in dem Unbestimmten zusammenkommenden, sich vereinenden KrishnaKräfte wirkten dann dazu, daß das menschliche Innere von Innen heraus sich entfaltete, sich entwickelte. Konkret im Innern einer einzelnen Wesenheit ist diese Wurzel im Lukas-Jesusknaben darinnen, wächst heran und bleibt unter der Oberfläche des Daseins fortwirkend, nachdem die Zarathustraseele in diesen besonderen Menschenleib eingezogen ist. Dann kommt in jenem Augenblick, der geschildert wird in der Bibel durch die Johannestaufe, also im dreißigsten Jahre dieses eigentümlichen Menschenleibes, dasjenige an diesen Leib heran, was jetzt der ganzen Menschheit angehört. In dem Augenblick, der bezeichnet wird durch die Stimme: «Dieser ist mein vielgeliebter Sohn, heute habe ich ihn gezeugt», da tritt der Christus von der anderen Seite nun an das Physische heran. Hier haben wir den Moment: in dem Leibe, der vor uns steht, haben wir konkret dasjenige, was wir gestern abstrakt betrachtet haben. Es tritt, was der ganzen Menschheit angehört, an diesen Leib heran, der in sich enthält dasjenige, was von einem anderen Impulse aus die individuellen Kräfte des Menscheninnern, die der Mensch noch heraufentfalten will, zum höchsten Ideal gebracht hat.
[ 14 ] Due to those special circumstances under which Arjuna’s soul perceived everything around him and allowed it to affect his feelings—by sensing what was taking place at that time in Kurukshetra, on the battlefield where the Kurus and Pandavas faced each other—it came to pass that this particular, unique soul spoke through the soul of Arjuna’s charioteer. And the manifestation of this soul, speaking through a human soul—that is Krishna. Which soul, then, was suited to instill within the human soul the impulse toward self-awareness? It was that soul which remained behind in the ancient Lemurian era, when humanity entered the actual evolution of the Earth. In the past, this soul was often to be seen in manifestations, but in a much more spiritual form. At the point in time, however, of which the sublime Song, the divine Gita, tells us—one must think of a kind of incarnation, though there is much Maya involved—a kind of incarnation of this soul of Krishna. But then a specific incarnation occurs in human history: this very same soul later truly incarnates in a boy. Those of my esteemed friends to whom I have spoken of this often know that at the time Christianity was founded, two boys were born into families in both of which the blood of the house of David flowed. One boy is described to us in the Gospel of Matthew, the other in the Gospel of Luke. This is the true reason why, from an external perspective, the Gospel of Matthew does not agree with the Gospel of Luke. The same boy Jesus, of whom the Gospel of Luke tells, is first and foremost the embodiment of this very soul, which has never before dwelt in a human body, yet is a human soul because it was a human soul during the ancient Lemurian era, in which our actual evolution began. It is the same soul that revealed itself as Krishna. Thus we have what the Krishna impulse signifies—the impetus toward human self-consciousness—embodied in the body of the Luke-Jesus boy. That which was embodied there is related to the forces that lie dormant in childhood in such sweet innocence, before they awaken as sexual forces. In the Luke Jesus-child, they can be active and manifest themselves up to that age when, otherwise, a person enters sexual maturity. The body of the Jesus-child—which, after all, was taken from the general humanity that had descended into incarnations—would no longer have been suited to the forces that are, indeed, related to the sweet, innocent sexual forces in the child. Therefore, the soul that is in the other Jesus-child—and which, as most of our dear friends know, is the Zarathustra soul, that is, a soul that has passed from incarnation to incarnation and has attained its height precisely through special work within many incarnations— therefore this Zarathustra soul passes into the body of the Luke-Jesus child and is from then on—as you will find described in my book *The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity*—connected with this body of the Luke-Jesus child. Here we touch upon a wondrous mystery. There we see how the human soul, as it was before the human being descended into the earthly series of incarnations, enters a human body—the body of the Luke-Jesus child. There we understand that this soul could only reign in the human body until the twelfth year of that body, and we understand that then another soul, one that has undergone all the transformations of humanity, such as the Zarathustra soul, must take possession of this particular body. The miraculous event takes place whereby that which is the innermost core of the human being, his true self—which we have seen addressed as Krishna, which we have seen flash forth as an impulse in the Krishna impulse—permeates the Child Jesus, as described to us in the Gospel of Luke. The forces contained therein are the innermost forces of humanity. We can also call them the Krishna forces, for we know their origin. What I depicted in the previous lecture as if without a root—this Krishna root extends all the way back to the Lemurian epoch, to the dawn of human history. It was connected to humanity at a time before the physical development of humanity had begun. This root, these Krishna forces converging and uniting in the indeterminate, then worked to bring about the unfolding and development of the human inner being from within. Specifically, within a single human being, this root is present in the boy Jesus of Luke; it grows and continues to work beneath the surface of existence after the Zoroastrian soul has entered this particular human body. Then, at that moment described in the Bible as the baptism by John—that is, in the thirtieth year of this unique human body—that which now belongs to all humanity approaches this body. At the moment marked by the voice: “This is my beloved Son; today I have begotten him,” Christ now approaches the physical from the other side. Here we have the moment: in the body standing before us, we have concretely what we considered abstractly yesterday. That which belongs to all humanity approaches this body, which contains within itself that which, through a different impulse, has brought the individual powers of the human inner being—which the human being still wishes to unfold—to the highest ideal.
[ 15 ] Ich glaube, wenn Sie dasjenige betrachten, was uns heute zu einer Art Verstehen des großen Momentes geführt hat, der bildlich in der Bibel ausgedrückt wird als die Johannestaufe im Jordan, so werden Sie sagen müssen: Diese anthroposophische Betrachtung nimmt nichts hinweg von der Erhabenheit des Christus-Gedankens, sondern im Gegenteil, sie fügt, indem sie das Verständnis ausgießt über diesen Christus-Gedanken, vieles zu dem hinzu, was in äußeren, exoterischen Anschauungen der Menschheit gegeben werden kann.
[ 15 ] I believe that if you consider what has led us today to a certain understanding of that great moment, which is symbolically expressed in the Bible as the baptism of John in the Jordan, you will have to say: This anthroposophical perspective takes nothing away from the sublimity of the Christ idea; on the contrary, by shedding light on this Christ idea, it adds much to what can be given in the outer, exoteric views of humanity.
[ 16 ] Ich versuchte heute so darzustellen, daß es aus dem äußeren Menschheitsverlauf für das unbefangene Gemüt einigermaßen Verständnis bringen kann. So aber ist dieses Geheimnis nicht gefunden worden. Es könnte vielleicht jemand an der Hand meiner Vorträge über das Lukas-Evangelium, die ich in Basel vor Jahren gehalten habe, wo ich zum erstenmal hingewiesen habe auf die zwei Jesusknaben und auf ihre Abstammung, wo ich zum ersten Male hinweisen konnte darauf, daß in dem einen Jesusknaben lebte die Zarathustraseele, und daß diese in einem bestimmten Zeitpunkte überging in den Leib des anderen Jesusknaben, es könnte jemand, der das gehört hat, fragen: Ja, warum ist denn das, was heute hinzugefügt worden ist, nicht dazumal schon dargestellt worden? — Das hängt mit der ganzen Art, wie die Sache gefunden ist, zusammen. Nämlich damit, daß wahrhaftig diese ganze Wahrheit in keinem einzigen Stück mit dem menschlichen Verstande gefunden worden ist. So wie ich versuchte, sie heute einzukleiden, ist sie nicht gefunden, sondern so, daß zuerst die Wahrheit dastand — wie ich das geschildert habe vor ein paar Tagen —, daß die Tatsache da war. Dann hat sich das andere von selbst gegeben, hat sich angeschlossen an den Grundstamm dieser Erkenntnis der Wahrheit von den zwei Jesusknaben. Daraus können Sie entnehmen, wie in der anthroposophischen Strömung, die ich mir erlaube vor Ihnen zu vertreten, nichts verstandesmäßige Konstruktion ist. Das ist nicht etwas, was ich so hinstellen will, als ob es jeder so machen müsse, was ich selber als besondere Aufgabe für mich selber betrachte: nämlich, nichts zu sagen, was von dem Verstande als solchem gegeben ist, sondern die Dinge so zu nehmen, wie sie zunächst gegeben werden für die okkulte Beobachtung, die später erst durchdrungen wird von der menschlichen Vernunft. Nicht aus äußerer historischer Forschung ist das über die zwei Jesusknaben gefunden worden, sondern es war von Beginn an eine okkulte Tatsache. Dann ist der Zusammenhang mit dem Krishna-Geheimnis offenbar worden. Sie sehen daraus, in welcher Weise Menschenwissenschaft, die ins Okkulte hinein arbeiten muß in dem Zeitalter, in das wir selber eintreten, in welcher Weise auch den einzelnen Menschenseelen verständlich werden wird das, was die eigentlichen Grundimpulse der Erdenevolution sind, wie dieses immer mehr und mehr hineinleuchten wird in dasjenige, was geschehen ist, und wie wahre Wissenschaft wirklich nicht bloß zum Verstande sprechen wird, sondern wahrhaftig die ganze Seele des Menschen erfüllen wird. Gerade wer sich bekannt macht mit okkulten Tatsachen und wahrhaftig, das erfährt man immer mehr, je tiefer man eindringt in die Welt der Tatsachen —, der hat die Empfindung, der hat das Gefühl für die Größe, für die Herrlichkeit und für das Gewaltige dieser Tatsachen. Unsere ganze Seele wird engagiert, nicht nur Verstand und Vernunft, unsere ganze Seele wird angefeuert, wenn wir uns auf die Wahrheit in dieser Weise einlassen. Und insbesondere in einem solchen Moment, da wir den Blick hinwenden zu jener wunderbaren Tatsache, wo der Menschheit ganzes Innere in einem Menschenleibe lebte und anderseits aus der ganzen Erdenevolution sich heranentwickelt hat eine Seele, die von diesem Leibe Besitz ergreift, und wie nun während dreier Jahre seines Lebens von außen herangetreten ist an diesen Leib etwas, was aus dem Kosmos der ganzen Menschheit zuerteilt ist: wahrhaftig, das erschüttert und erfüllt unsere ganze Seele. Das spirituelle Zeitalter wird uns auch die Möglichkeit bringen, solche Momente noch mehr zu vertiefen. Aber dasjenige, was untrennbar ist von dem spirituellen Zeitalter, das ist, daß wir eben lernen, anders uns zu den großen Welträtseln und Weltgeheimnissen zu verhalten, als sich die Vorwelt verhalten hat, daß wir lernen, nicht nur Verstand und Vernunft den heiligen Rätseln entgegenzuhalten, sondern unsere ganze Seele. Dann werden wir mit unserer Seele Teilnehmer an der ganzen Menschheitsevolution. Und die Art, wie wir Teilnehmer werden, wird für uns selber etwas, was wie eine Quelle ist des seligen Menschheitsbewußtseins: daß wir uns seelisch erfüllt finden, daß wir empfinden, gehören zu dürfen zu der Menschheit, die über die Erde hin entwickeln soll solche Impulse, wie sie eben besprochen worden sind.
[ 16 ] Today I tried to present it in a way that might make it somewhat understandable to an unbiased mind, based on the outward course of human history. But this mystery has not been discovered in this way. Perhaps someone, based on my lectures on the Gospel of Luke that I gave in Basel years ago—where I first pointed out the two Jesus children and their lineage, where I was first able to point out that the Zarathustra soul lived in one of the Jesus children, and that at a certain point in time this soul passed into the body of the other Jesus child— someone who heard that might ask: Well, why then was what has been added today not presented back then? — That has to do with the whole way the matter was discovered. Namely, with the fact that this entire truth was not discovered in a single piece by the human intellect. It was not discovered in the way I tried to present it today, but rather in such a way that first the truth stood there—as I described a few days ago—that the fact was there. Then the rest came of its own accord, attaching itself to the root of this recognition of the truth concerning the two Jesus children. From this you can see how, in the anthroposophical movement that I take the liberty of representing before you, nothing is an intellectual construct. This is not something I wish to present as if everyone must do what I myself regard as a special task for myself: namely, to say nothing that is given by the intellect as such, but to take things as they are initially presented to occult observation, which is only later penetrated by human reason. What has been discovered about the two Jesus boys did not come from external historical research, but was an occult fact from the very beginning. Then the connection with the Krishna mystery became apparent. From this you can see in what way the science of humanity, which must work into the occult in the age into which we ourselves are entering, will also make understandable to individual human souls what the actual fundamental impulses of Earth’s evolution are, how this will increasingly shed light on what has happened, and how true science will truly not merely speak to the intellect, but will truly fill the whole soul of the human being. Precisely those who familiarize themselves with occult facts—and truly, one experiences this more and more the deeper one penetrates into the world of facts—have the sensation, have the feeling for the greatness, for the glory, and for the power of these facts. Our whole soul is engaged, not just our intellect and reason; our whole soul is stirred when we engage with the truth in this way. And especially in such a moment, when we turn our gaze to that wondrous fact—where the entire inner life of humanity lived within a human body, and on the other hand, a soul developed from the entire evolution of the Earth to take possession of this body—and how, during three years of his life, something approached this body from without, something bestowed from the cosmos of all humanity: truly, this shakes and fills our whole soul. The spiritual age will also bring us the opportunity to delve even deeper into such moments. But what is inseparable from the spiritual age is that we learn to relate to the great world riddles and world mysteries differently than the pre-spiritual world did, that we learn to set not only intellect and reason against the sacred riddles, but our whole soul. Then, with our souls, we will become participants in the entire evolution of humanity. And the way in which we become participants will become for us something like a source of blissful human consciousness: that we find ourselves spiritually fulfilled, that we feel we are allowed to belong to the humanity that is to develop across the earth the very impulses that have just been discussed.
