The Occult Significance of the Bhagavad Gita
GA 146
2 June 1913, Helsinki
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The Occult Foundations of the Bhagavad Gita, tr. SOL
Sechster Vortrag
Sixth Lecture
[ 1 ] Es ist im Grunde genommen außerordentlich schwierig, innerhalb der abendländischen Kultur über eine solche Erscheinung zu sprechen, wie sie die Bhagavad Gita ist. Es ist aus dem Grunde schwierig, weil in unserer Gegenwart in weitesten Kreisen noch etwas herrscht, was ein grundgesundes Urteil auf diesem Gebiete außerordentlich erschwert. Es herrscht innerhalb der abendländischen Kultur die Sehnsucht, alles dasjenige, was an die menschliche Seele herandringt wie die Bhagavad Gita, aufzufassen im Sinne einer Lehre, einer Art Philosophie. Man geht gern an solche Schöpfungen des Menschengeistes vor allen Dingen vom ideellen, vielleicht sogar vom begriffsmäßigen Standpunkte heran.
[ 1 ] It is, in essence, extremely difficult to speak within Western culture about a phenomenon such as the Bhagavad Gita. It is difficult for the reason that, even today, something still prevails in the broadest circles that makes it extremely difficult to form a sound judgment in this area. Within Western culture, there is a tendency to view everything that speaks to the human soul—such as the Bhagavad Gita—as a doctrine or a kind of philosophy. People tend to approach such creations of the human spirit primarily from an idealistic, perhaps even conceptual, standpoint.
[ 2 ] Es wird damit etwas berührt, was in unserer heutigen Zeit überhaupt schwierig macht, die großen historischen Impulse in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit richtig zu beurteilen. Wie oft wird zum Beispiel heute darauf hingewiesen, daß man in den Evangelien als die Lehren des Christus etwa dies oder jenes finde, und dann wird gezeigt, daß diese Tiefen der Lehren des Christus Jesus sich auch schon früher finden da oder dort. Dann wird gesagt: Seht ihr, das ist doch dasselbe! — Es ist nicht einmal unrichtig, daß es dasselbe ist, denn man kann in unzähligen Fällen nachweisen, daß die Lehren der Evangelien sich in früheren menschlichen Geisteswerken finden; und man kann nicht sagen, daß, wenn jemand die Behauptung aufstellt, es finde sich diese oder jene Lehre da oder dort, er irgend etwas Unrichtiges behaupte.
[ 2 ] This touches on something that makes it difficult in our time to properly assess the major historical impulses in the history of human development. How often, for example, is it pointed out today that one finds this or that in the Gospels as the teachings of Christ, and then it is shown that these depths of the teachings of Christ Jesus can also be found here and there in earlier times. Then it is said: See, it is the same thing after all! — It is not even incorrect to say that it is the same, for one can demonstrate in countless cases that the teachings of the Gospels are found in earlier works of the human spirit; and one cannot say that, when someone asserts that this or that teaching is found here or there, they are asserting anything incorrect.
[ 3 ] Und dennoch: Obwohl das, was so gesagt wird, nicht unrichtig ist, ist es gegenüber einer wirklich eindringenden Betrachtung der menschlichen Evolution ein Unsinn. Und es wird sich das menschliche Geistesleben erst daran gewöhnen müssen, zu erkennen, daß etwas ganz richtig und doch ein Unsinn sein kann. Erst wenn man diesen Satz nicht mehr als einen Widerspruch ansehen wird, wird man gewisse Dinge unbefangen beurteilen können. Man wird es unbefangen beurteilen können, wenn jemand sagt, er sehe in der Bhagavad Gita in einer gewissen Beziehung eine der allergrößten Schöpfungen des menschlichen Geistes innerhalb der Erdenevolution, er sehe in der Bhagavad Gita in einer gewissen Beziehung eine Schöpfung des Menschengeistes, die später überhaupt nicht mehr überholt worden ist. Und wenn dieses jemand sagt und daneben sagt, trotzdem stelle dasjenige, was mit der christlichen Verkündigung, mit der Verkündigung des Christus-Impulses in die Welt getreten ist, etwas durchaus anderes dar, etwas, was von der Bhagavad Gita, wenn man ihre Schönheit, ihre Größe noch ins hundertfältige erhöht denken könnte, nicht erreicht werden könnte, so ist das kein Widerspruch. Wenn jemand auf der einen Seite das eine sagt und auf der anderen Seite dieses letztere, so kann das vom heutigen abstrakten Denken als Widerspruch empfunden werden, und dennoch ist es keineswegs ein Widerspruch.
[ 3 ] And yet: Although what is said in this way is not incorrect, it is nonsense when viewed in the light of a truly penetrating examination of human evolution. And human spiritual life will first have to get used to recognizing that something can be entirely correct and yet still be nonsense. Only when this statement is no longer viewed as a contradiction will it be possible to judge certain things impartially. One will be able to judge it impartially when someone says that, in a certain respect, they see in the Bhagavad Gita one of the greatest creations of the human spirit within Earth’s evolution; that, in a certain respect, they see in the Bhagavad Gita a creation of the human spirit that has never since been surpassed. And if this person says this and also says that what entered the world through the Christian proclamation, through the proclamation of the Christ impulse, nevertheless represents something entirely different—something that could not be attained even if one were to imagine the Bhagavad Gita’s beauty and grandeur increased a hundredfold—then this is no contradiction. If someone says one thing on the one hand and this latter thing on the other, this may be perceived as a contradiction by today’s abstract thinking, and yet it is by no means a contradiction.
[ 4 ] Ja, man kann noch weiter gehen. Man kann einmal fragen: Wann ist das Größte ausgesprochen worden, was gelten kann als Impuls für das menschliche Selbst, für das menschliche Ich, um dieses menschliche Ich innerhalb der Menschheitsevolution in die Welt hineinzustellen? Was ist das Bedeutsamste an Kraft? Wann ist das Gewaltigste geschehen für dieses menschliche Ich? — Das ist damals geschehen, als Krishna zu Arjuna gesprochen hat, als die gewaltigsten, bedeutsamsten, einschneidendsten und feurigsten Worte an das Ohr Arjunas drangen, um das menschliche Ich, das Selbstbewußtsein zu beleben. Im ganzen Umfange der Welt kann nichts gefunden werden, was kraftvoller für das menschliche Ich an Anfeuerung war als dasjenige, was an lebendigster Kraft in den Worten des Krishna an Arjuna zu finden ist.
[ 4 ] Yes, one can go even further. One might ask: When was the greatest thing ever spoken—something that could serve as an impulse for the human self, for the human ego, to establish this human ego within the world as part of human evolution? What is the most significant source of power? When did the most powerful event occur for this human ego? — It happened back then, when Krishna spoke to Arjuna, when the most powerful, most significant, most decisive, and most fiery words reached Arjuna’s ear to enliven the human ego, the self-consciousness. Nowhere in the entire world can anything be found that was more powerful in its encouragement of the human ego than that which is found in the most living power of Krishna’s words to Arjuna.
[ 5 ] Allerdings müssen diese Worte nicht so genommen werden, wie man sie oftmals im Abendlande nimmt, wo man den größten und schönsten Worten eine Art bloßer abstrakter philosophischer Bedeutung gibt. Mit solcher Bedeutung trifft man das Wesentlichste der Bhagavad Gita überhaupt nicht. Daher haben abendländische Gelehrte diese Bhagavad Gita so furchtbar mißhandelt, malträtiert gerade in unserer Zeit. Hat man doch sogar einen Streit inszenieren können, ob in der Bhagavad Gita mehr die Sankhyaphilosophie oder irgendeine andere Ideenrichtung zur Geltung komme! Ja, es hat sich sogar ein sehr bedeutender Gelehrter gefunden, der in seiner Ausgabe der Bhagavad Gita gewisse Verse klein gedruckt hat, weil er der Ansicht ist, daß man diese geradezu herauskorrigieren müßte, da sie durch ein Versehen hineingekommen sein müßten. Er glaubt, daß nur das in die Bhagavad Gita gehöre, was entspricht der Sankhya- oder höchstens der Yogaphilosophie. Man darf aber sagen, daß von der Art, wie man heute von Philosophie spricht, überhaupt keine Philosophie in der Bhagavad Gita zu suchen ist. Man könnte höchstens sagen: Es haben sich im alten Indien aus gewissen Grundstimmungen der menschlichen Seele heraus philosophische Richtungen herausgebildet. Aber diese haben wahrlich mit der Bhagavad Gita jedenfalls nicht das zu tun, daß man sie als eine Interpretation, als einen Kommentar der Bhagavad Gita ansehen darf.
[ 5 ] However, these words should not be taken in the way they are often interpreted in the West, where even the greatest and most beautiful words are assigned a kind of purely abstract philosophical meaning. Such an interpretation completely misses the essence of the Bhagavad Gita. That is why Western scholars have so terribly mistreated and misrepresented the Bhagavad Gita, especially in our time. They have even managed to stir up a controversy over whether the Bhagavad Gita gives greater prominence to Sankhya philosophy or to some other school of thought! Indeed, there has even been a very prominent scholar who, in his edition of the Bhagavad Gita, printed certain verses in small type because he believes they ought to be virtually edited out, as they must have been included by mistake. He believes that only what corresponds to Sankhya philosophy—or at most to Yoga philosophy—belongs in the Bhagavad Gita. But one might say that, in the way we speak of philosophy today, there is no philosophy to be found in the Bhagavad Gita at all. One could at most say: Philosophical schools of thought emerged in ancient India out of certain fundamental dispositions of the human soul. But these certainly have nothing to do with the Bhagavad Gita in the sense that they may be regarded as an interpretation or a commentary on the Bhagavad Gita.
[ 6 ] Man tut dem morgenländischen Geistesleben überhaupt unrecht, wenn man es zusammenbringt mit demjenigen, was das Abendland als Philosophie kennt. Denn in diesem Sinne, wie das Abendland die Philosophie hat, gab es im Morgenlande eine Philosophie gar nicht. In dieser Beziehung wird der Geist der Zeit, der jetzt eigentlich erst im Anfang steht — wir haben gestern schon von einem Verhältnis gesprochen, das sozusagen die Menschenseelen noch zu lernen haben —, der Geist der Zeit wird noch mißverstanden. Vor allen Dingen müssen wir festhalten können an jener Anschauung, die wenigstens aus dem gestrigen Vortrage zu gewinnen möglich war, welche uns gezeigt hat, wie die menschliche Seele unter gewissen Voraussetzungen ganz real, der Tatsache nach, gegenübertreten kann jener Wesenheit, die wir gestern von einer Seite aus zu charakterisieren versuchten als den Krishna. Weit wichtiger ist es, daß man weiß: Unter gewissen Voraussetzungen tritt die Arjunaseele demjenigen Geiste gegenüber, der vorbereitet hat das Zeitalter des Selbstbewußtseins. Es steht die Arjunaseele diesem Geiste gegenüber, der mit dieser gewaltigen Schöpferkraft in der Welt wirkt. — Das ist viel wichtiger als aller Streit, ob Sankhya- oder Vedenphilosophie in der Bhagavad Gita zu finden ist. Daß lebendige Wesenheiten sich uns gegenüberstellen, die reale Schilderung der Weltenverhältnisse und des Zeitkolorits, das ist dasjenige, worauf es ankommt. Und diese zu charakterisieren, haben wir versucht, indem wir auf der einen Seite uns zu zeigen bemühten, welchem Zeitalter ein solches Denken und Fühlen, wie es Arjuna besitzt, angehören kann; auf der anderen Seite, indem wir zu verstehen versuchten das Zeitalter des Selbstbewußtseins selber; und fernerhin auch indem wir zeigen konnten, welcher schöpferische vorbereitende Geist der Arjunaseele hat erscheinen können. Nun handelt es sich vor allen Dingen darum, daß wenn wir also in lebendiger Weise Wesen dem Wesen gegenüberstellen, wir mehr brauchen als eine bloß einseitige Charakteristik. Wir brauchen zunächst eine gewisse Allseitigkeit, damit wir diese Wesenheit noch genauer kennenlernen können. Diese Allseitigkeit wird sich uns durch die folgenden Betrachtungen bieten können.
[ 6 ] One does a general disservice to the spiritual life of the East by equating it with what the West understands as philosophy. For in the sense that the West understands philosophy, there was no such thing as philosophy in the East. In this regard, the spirit of the times—which is actually only just beginning; yesterday we already spoke of a relationship that human souls, so to speak, still have to learn—the spirit of the times is still misunderstood. Above all, we must be able to hold fast to that view which was at least possible to gain from yesterday’s lecture, which showed us how the human soul, under certain conditions, can quite realistically, in fact, confront that being whom we attempted yesterday to characterize from one aspect as Krishna. Far more important is the knowledge that, under certain conditions, the soul of Arjuna confronts that spirit which has prepared the age of self-consciousness. The soul of Arjuna stands face to face with this spirit, which works in the world with this mighty creative power. — This is far more important than all the debate over whether Sankhya or Vedic philosophy is to be found in the Bhagavad Gita. That living entities stand before us, the real depiction of worldly conditions and the spirit of the times—that is what matters. And we have attempted to characterize these by, on the one hand, striving to show to which age a way of thinking and feeling such as Arjuna possesses might belong; on the other hand, by trying to understand the age of self-consciousness itself; and furthermore, by showing what creative, preparatory spirit the soul of Arjuna might have manifested. Now, the main point is that when we thus vividly contrast one being with another, we need more than a merely one-sided characterization. We first need a certain comprehensiveness so that we can get to know this being even more closely. This comprehensiveness will be made available to us through the following considerations.
[ 7 ] Wenn wir mit unserer Seele wirklich in diejenigen Regionen heraufdringen, in denen man eine solche Gestalt wahrnehmen kann, wie sie der Krishna ist, dann muß diese unsere Seele so weit sein, daß sie zunächst wirkliche Wahrnehmungen, wirkliche Erlebnisse in übersinnlichen Welten haben kann. Scheinbar sage ich damit etwas ganz Selbstverständliches. Und doch angesichts dessen, was die Menschen meistens von den höheren Welten erwarten, ist die Sache durchaus nicht so selbstverständlich. Ich habe immer wieder darauf aufmerksam gemacht, daß Mißverständnis über Mißverständnis dadurch entsteht, daß der Mensch mit einer ganzen Summe von Vorurteilen in die übersinnlichen Welten sich hinaufleben will: Er will zwar in das Übersinnliche geführt werden, aber zu etwas, was er von der Sinnenwelt her schon kennt. Er will Gestalten dort wahrnehmen, wenn auch nicht in derber Materie, so doch Gestalten, die ihm in einer Art Lichthülle entgegentreten; er findet, daß er Töne hören müsse, ähnlich den Tönen der physischen Welt. Er begreift gar nicht, daß er, wenn er so etwas erwartet, mit Vorurteilen in die übersinnlichen Welten hinaufsteigt: denn er will ja die übersinnliche Welt so haben, daß sie, wenn auch verfeinert, im Grunde doch so ist wie die Sinnenwelt. Licht und Farbe oder wenigstens Farbe und Helligkeit, daran ist der Mensch gewöhnt in der Sinnenwelt. So meint er, er komme eigentlich nur zu wirklichen Realitäten in den übersinnlichen Welten, wenn ihm die Wesenheiten der höheren Welt auch so entgegentreten. Nun sollte man das eigentlich gar nicht zu sagen brauchen, denn es sind doch die Wesen der übersinnlichen Welten nun einmal über alles Sinnliche erhaben, sie stellen sich nun einmal nicht in ihrer wahren Gestalt dar in sinnlichen Eigenschaften, denn sinnliche Eigenschaften setzen Auge, Ohr, Sinnesorgane überhaupt voraus. In den höheren Welten wird aber doch nicht mit Sinnesorganen wahrgenommen, sondern mit Seelenorganen. Aber dann kann etwas eintreten, das so ist, daß ich es eigentlich nur in einer sehr trivialen Weise, möchte ich sagen, interpretieren, auslegen kann. Nehmen wir einmal an, ich beschreibe Ihnen irgend etwas zunächst mit Worten, und dann habe ich noch das Bedürfnis, was ich Ihnen beschrieben habe, mit einigen Strichen auf die Tafel zu zeichnen. Dadurch versinnliche ich das, was ich mit Worten ausgesprochen habe. Niemandem wird es einfallen, die Zeichnung für die entsprechende Realität zu halten. Denn nehmen wir an, ich wollte Ihnen einen Berg beschreiben. Ich beschreibe Ihnen diesen Berg nun so, daß ich sage: Es ist merkwürdig, daß es irgendwo einen Berg gibt, der dreifach gipfelt in die Lüfte hinauf. — Sie können sich ja nun eine Vorstellung machen dadurch, daß ich Ihnen das bloß sage, aber ich kann dennoch das Bedürfnis fühlen, Ihnen dasjenige, was ich sagte, auf die Tafel sinnfällig oder schematisch zu zeichnen. Da wird es doch niemandem einfallen zu sagen: Da haben wir doch das, was er beschrieben hat, da. — Das habe ich doch nur versinnlicht. So ist es auch, wenn man dasjenige, was als übersinnliches Erlebnis erfahren wird, ausdrückt, indem man ihm Gestalt, Farbe gibt und es in Worte prägt, die aus der Sinnenwelt genommen sind. Nur macht man das nicht mit dem gewöhnlichen Intellekt, sondern es macht ein höheres Empfinden unserer Seele diese ganze Prozedur. Es lebt sich zum Beispiel unsere Seele in unsichtbare Welten ein, sagen wir in die unsichtbare Welt der KrishnaWesenheit. Dann fühlt sie das Bedürfnis, diese Krishna-Wesenheit vor sich hinzustellen. Was sie da vor sich hinstellt, ist aber gar nicht die Krishna-Wesenheit selber, sondern eine Zeichnung, eine übersinnliche Zeichnung. Imaginationen sind solche Zeichnungen, solche, man möchte sagen, übersinnliche Versinnlichungen. Und das Mißverständnis, das so häufig entsteht, ist, daß man dasjenige, was die höheren Seelenkräfte hinmalen, und was man auch mit Worten beschreiben kann, versinnlicht, wodurch es für das Wesen der Sache genommen wird. Das ist nicht das Wesen der Sache, sondern es muß durch dieses hindurch das Wesen der Sache zunächst erahnt und nach und nach erst erschaut werden.
[ 7 ] If we truly ascend with our soul into those regions where one can perceive a being such as Krishna, then our soul must be ready to first have genuine perceptions and genuine experiences in the supersensible worlds. On the surface, what I am saying seems quite self-evident. And yet, in view of what people usually expect from the higher worlds, the matter is by no means so self-evident. I have repeatedly pointed out that misunderstanding upon misunderstanding arises because people seek to ascend into the supersensible worlds laden with a whole host of prejudices: they do indeed wish to be led into the supersensible, but to something they already know from the sensory world. They want to perceive forms there—if not in gross matter, then at least forms that appear to them in a kind of light-cloak; they feel they must hear sounds similar to those of the physical world. He does not realize at all that, by expecting such things, he is ascending into the supersensible worlds with preconceptions: for he wants the supersensible world to be such that, though refined, it is essentially the same as the sensory world. Light and color, or at least color and brightness—that is what human beings are accustomed to in the sensory world. Thus, they believe they can only truly encounter real realities in the supersensible worlds if the beings of the higher world also appear to them in this way. Now, one really ought not to have to say this at all, for the beings of the supersensible worlds are, after all, exalted above all that is sensory; they do not present themselves in their true form through sensory qualities, for sensory qualities presuppose the eye, the ear, and the sense organs in general. In the higher worlds, however, perception does not occur through the sense organs, but through the soul organs. But then something can happen that is such that I can really only interpret or explain it in a very trivial way, I would say. Let us suppose, for instance, that I first describe something to you in words, and then I feel the need to sketch what I have described to you with a few strokes on the blackboard. In doing so, I make tangible what I have expressed in words. It would not occur to anyone to take the drawing for the corresponding reality. For suppose I wanted to describe a mountain to you. I now describe this mountain to you by saying: It is remarkable that there is a mountain somewhere that rises into the air with three peaks. — You can certainly form a mental image just by me telling you this, but I may still feel the need to draw what I said on the blackboard in a concrete or schematic way. Surely it would not occur to anyone to say: There we have what he described, right there. — I have merely visualized it. It is the same when one expresses what is experienced as a supersensory experience by giving it form and color and casting it in words taken from the sensory world. Only this is not done by the ordinary intellect; rather, a higher sensibility of our soul carries out this entire process. For example, our soul immerses itself in invisible worlds, let us say in the invisible world of the Krishna-being. Then it feels the need to place this Krishna-being before itself. But what it places before itself is not the Krishna-being itself at all, but a drawing, a supersensory drawing. Imaginations are such drawings, what one might call supersensory visualizations. And the misunderstanding that so often arises is that one sensualizes what the higher soul forces depict—and what can also be described in words—thereby taking it for the essence of the matter. That is not the essence of the matter; rather, the essence of the matter must first be intuited through this and only gradually be perceived.
[ 8 ] Nun habe ich schon im zweiten Vortrage davon gesprochen, daß die Bhagavad Gita neben allen übrigen Eigenschaften auch noch diese hat, daß sie eine wunderbare, dramatische Komposition aufweist. Ich habe die dramatische Komposition der vier ersten Gesänge darzustellen versucht, aber diese dramatische Steigerung geht herauf, von Gesang zu Gesang, indem wir weiter kommen, weiter in die Gebiete des okkulten Anschauens hinein. Und es muß auch äußerlich ein gewisses gesundes Urteil über die künstlerische Komposition der Bhagavad Gita hervorrufen, wenn wir uns fragen: Ist vielleicht in der Bhagavad Gita auch ein Mittelpunkt vorhanden, ein Mittelpunkt der Steigerung? Die Bhagavad Gita hat achtzehn Gesänge, der neunte könnte also ein Mittelpunkt der Steigerung sein. Nun lesen wir im neunten Gesange, gerade also in der Mitte, die merkwürdigen Worte, die prägnant zum Ausdruck kommen: Und nun sage ich, nachdem ich dir alles mitgeteilt habe, nun sage ich hier das Geheimste für die menschliche Seele. — Fürwahr, in diesem Moment ein wunderbares Wort, das scheinbar abstrakt klingt, aber tief bedeutsam ist. Und dann das Geheimste: Verstehe! Ich bin in allen Wesen, sie aber sind nicht in mir. — Ja, so wie die Menschen einmal sind, so fragen die Menschen sehr häufig: Was sagt eine wahre Mystik, ein wahrer Okkultismus? — Die Menschen wollen absolute Wahrheiten haben, die gibt es aber nicht. Es gibt nur Wahrheiten, die aus irgendeiner Situation richtig sind, die unter irgendwelchen Umständen und Bedingungen wahr sind. Das müssen sie dann aber auch sein. Es kann nicht ein absolut richtiger Satz sein: Ich bin in allen Wesen, aber sie sind nicht in mir. — Aber es ist der Satz, der als die tiefste Krishna-Weisheit in dieser Situation, in der Krishna dem Arjuna damals gegenüberstand, gesagt wird, und er gilt — nicht abstrakt, sondern real gesprochen — von jenem Krishna, welcher der Schöpfer ist des menschlichen Innern, des menschlichen Selbstbewußtseins. Und in einer wunderbaren Steigerung werden wir bis in die Mitte der Bhagavad Gita geführt, an welcher Stelle diese Worte uns zuströmen. Im neunten Gesang werden sie zu Arjuna gesprochen, und im elften Gesang, bald danach, tritt noch etwas anderes ein.
[ 8 ] I already mentioned in the second lecture that, in addition to all its other qualities, the Bhagavad Gita is also a wonderful, dramatic composition. I have attempted to describe the dramatic composition of the first four cantos, but this dramatic intensification rises from canto to canto as we proceed further into the realms of occult vision. And it must also evoke a certain sound judgment regarding the artistic composition of the Bhagavad Gita when we ask ourselves: Is there perhaps a focal point in the Bhagavad Gita, a focal point of this intensification? The Bhagavad Gita has eighteen cantos, so the ninth could be a focal point of this intensification. Now, in the ninth canto—precisely in the middle—we read the remarkable words that are succinctly expressed: “And now, having told you everything, I shall now reveal here the most secret thing for the human soul.”—Truly, at this moment, a wondrous word that sounds seemingly abstract but is deeply significant. And then the most secret thing: “Understand! I am in all beings, but they are not in me. — Yes, just as people are, they very often ask: What does true mysticism, true occultism, say? — People want absolute truths, but there are none. There are only truths that are correct in a given situation, that are true under certain circumstances and conditions. But they must be so. It cannot be an absolutely correct statement: I am in all beings, but they are not in me. — Yet it is the statement spoken as the deepest wisdom of Krishna in that situation, when Krishna stood before Arjuna, and it applies—not abstractly, but in reality—to that Krishna who is the creator of the human inner self, of human self-consciousness. And in a marvelous crescendo, we are led to the very heart of the Bhagavad Gita, where these words flow toward us. In the ninth canto, they are spoken to Arjuna, and in the eleventh canto, shortly thereafter, something else occurs.
[ 9 ] Was können wir denn da erwarten, wenn wir die künstlerische Steigerung der Bhagavad Gita kennen und die okkulten Wahrheiten in ihr? Zunächst ist in Worten, die künstlerisch gesteigert sind, das Tiefste zu fühlen, das Tiefste zu ahnen. Arjuna ist von Krishna geführt worden bis zu einem bestimmten Punkt. Aber wenn man den neunten und zehnten Gesang nimmt, also gerade die Mitte der Bhagavad Gita, da bemerkt man etwas sehr Eigentümliches, nämlich eine gewisse Schwierigkeit, die Vorstellungen, die gegeben werden, sich wirklich vorzustellen, für die Seele aufzurufen. Versuchen Sie einmal, gerade diesen neunten oder zehnten Gesang auf Ihre Seele wirken zu lassen.
[ 9 ] What, then, can we expect when we are familiar with the artistic elevation of the Bhagavad Gita and the occult truths it contains? First of all, in words that are artistically elevated, one must feel the deepest meaning, sense the deepest truth. Arjuna has been guided by Krishna up to a certain point. But if one takes the ninth and tenth cantos—that is, the very middle of the Bhagavad Gita—one notices something very peculiar, namely a certain difficulty in truly visualizing the mental images presented, in bringing them to life for the soul. Try letting precisely this ninth or tenth canto take effect on your soul.
[ 10 ] Wenn Sie von dem ersten Gesang herkommen, wird Ihre Seele gleichsam getragen von der fortwährenden künstlerischen Steigerung. Zunächst wird gesprochen von der Unsterblichkeit, dann wird Ihre Empfindung gesteigert durch die Vorstellungen, die durch Yoga erweckt werden, für den sich die Seele begeistert. Dann aber schwingt Ihre Seele gleichsam mit ihrem Fühlen in etwas, was ihr noch vertraut sein kann. Wir werden noch weiter geführt. Es wird in wunderbarer Steigerung hinzugenommen die Vorstellung von dem Erreger der Epoche des menschlichen Selbstbewußtseins. Da können wir entflammt werden für die Gestalt, die in die Menschheit das Selbstbewußtsein gebracht hat. Wir leben durchaus noch in konkreten, der Seele vertrauten Gefühlen und Empfindungen.
[ 10 ] As you emerge from the first canto, your soul is, as it were, carried along by the continuous artistic crescendo. First, immortality is spoken of; then your feelings are heightened by the mental images awakened through yoga, which inspire the soul. But then your soul resonates, as it were, with its feelings in something that may still be familiar to it. We are led even further. In a marvelous crescendo, the mental image of the initiator of the epoch of human self-consciousness is introduced. There we can be inspired by the figure who brought self-consciousness to humanity. We are still very much living in concrete feelings and sensations familiar to the soul.
[ 11 ] Dann geht die Steigerung noch weiter hinauf. Geschildert wird, wie die Seele immer freier und freier werden kann von dem äußeren Leiblichen, geschildert wird eine Anschauung, dem Inder sehr vertraut, daß die Seele sich in sich zurückziehen kann, die Taten wie ungeschehen lassen kann, die der Leib erlebt, daß die Seele in sich geschlossen werden kann und allmählich sich Yoga erwirbt, allmählich zu dem Einssein mit dem Brahman kommt. Da sehen wir in den folgenden Gesängen die Bestimmtheit der Empfindung, jenes Fühlen, das noch vom alltäglichen Leben Nahrung bekommen kann, allmählich schwinden.
[ 11 ] Then the ascent continues even higher. It describes how the soul can become ever freer and freer from the external physical body; it describes a concept, very familiar to the Indian, that the soul can withdraw into itself, can undo the actions experienced by the body, that the soul can become self-contained and gradually attain yoga, gradually reaching oneness with Brahman. In the following hymns, we see the certainty of the feeling—that sensation which can still be nourished by everyday life—gradually fade away.
[ 12 ] Und in sozusagen schwindelnde Höhen unbestimmter Erlebnisse steigt die Seele hinauf, indem es gegen den neunten Gesang zu geht. Und wenn man jetzt dem neunten und zehnten Gesang gegenüber auskommen will mit Vorstellungen, die herangezogen sind am gewöhnlichen Leben, dann kommt man eben nicht aus. Es ist tatsächlich so, wenn man an den neunten, zehnten Gesang kommt, daß man fühlt: Da stehe ich wie auf einem Gipfel einer Menschheitsleistung, die aus dem Okkulten herausgeboren ist, wofür zu Hilfe genommen werden muß dasjenige, was die sich entwickelnde Seele selber erst leisten muß, wenn Verständnis da sein soll.
[ 12 ] And as the soul approaches the ninth canto, it rises to, so to speak, dizzying heights of indefinable experiences. And if one now tries to approach the ninth and tenth cantos with mental images drawn from ordinary life, one simply cannot make sense of them. It is indeed the case that when one reaches the ninth and tenth cantos, one feels: Here I stand as if on the summit of a human achievement born of the occult, for which one must draw upon that which the evolving soul itself must first accomplish if understanding is to be present.
[ 13 ] Es ist sehr merkwürdig, wie fein in dieser Beziehung die Bhagavad Gita komponiert ist. Wir können bis zum fünften, sechsten, siebenten Gesang kommen, wenn wir die Begriffe ausbilden, die wir schon im ersten Gesang empfangen. Im zweiten Gesang wird in der Menschenseele das Verständnis aufgerufen für das Ewige im Wechsel der Erscheinungen. Dann wird bald angereiht dasjenige, was in die Tiefen des Yoga sich verliert. Das trifft man vom dritten Gesang an. Dann aber mischt sich eine ganz neue Stimmung hinein in die Bhagavad Gita. Während wir in den ersten Gesängen immer verstandesmäßige Stimmung haben, etwas, das uns manchmal an die abendländischen philosophischen Stimmungen erinnert, setzt jetzt etwas ein, wozu, wenn wir es verstehen wollen, Andacht, Yogaverständnis gebraucht wird. Andächtige Stimmung brauchen wir. Wenn wir diese andächtige Stimmung immer mehr und mehr zum Erhabenen hinaufläutern, immer andächtiger und andächtiger in der Seele werden, dann trägt uns nicht mehr dasjenige, was in den ersten Gesängen Yoga wird — das bricht ab —, dann trägt uns eine ganz besondere Stimmung in den neunten, zehnten Gesang hinauf. Denn die Worte, die da an unser Ohr tönen, bleiben uns ein trockenes, leeres Schellengeläute, wenn wir ihnen mit dem Verstande nahen. Wärme geben sie, Wärme strahlen sie aus, wenn wir ihnen mit Andacht nahen. Derjenige, der die Bhagavad Gita verstehen will, der mag von Verstand und Vernunft seinen Ausgangspunkt nehmen und die ersten Gesänge verfolgen, aber aufleben muß im weiteren Verlauf in seinem Gemüt andächtige Stimmung, wenn er hinaufkommt bis zum neunten Gesang, wo wie ein wunderbarer Klang die Worte des erhabenen Krishna in seiner Seele wiederklingen. Wer an den neunten Gesang herantritt, der mag dann empfinden ein Gefühl der Andacht, wie wenn er sich die Schuhe ausziehen müsse, bevor er dieses Heiligtum betritt, denn er fühlt, er betritt heiligen Boden, auf dem er wandeln soll in andächtiger Stimmung. Und dann kommt der elfte Gesang. Was kann nun folgen, wenn wir sozusagen die Kulmination der andächtigen Stimmung erreicht haben? Was wird das nächste sein?
[ 13 ] It is truly remarkable how finely the Bhagavad Gita is composed in this regard. We can proceed through the fifth, sixth, and seventh cantos as we develop the concepts we first encounter in the first canto. In the second canto, the human soul is called upon to understand the eternal within the flux of phenomena. Then, soon after, what is lost in the depths of yoga is introduced. This begins in the third canto. But then a completely new mood enters the Bhagavad Gita. While in the first cantos we always have an intellectual mood, something that sometimes reminds us of Western philosophical moods, something now begins that, if we wish to understand it, requires devotion and an understanding of yoga. We need a devotional mood. If we allow this devotional mood to rise ever higher toward the sublime, becoming ever more and more devout in our souls, then we are no longer carried by what becomes yoga in the first cantos—that breaks off—but rather a very special mood carries us upward into the ninth and tenth cantos. For the words that sound in our ears remain a dry, empty clanging if we approach them with the intellect. They give warmth, they radiate warmth, when we approach them with devotion. Whoever wishes to understand the Bhagavad Gita may take intellect and reason as their starting point and follow the first cantos, but as they proceed, a devotional mood must arise in their heart when they reach the ninth canto, where the words of the sublime Krishna resound in their soul like a wondrous sound. Whoever approaches the ninth canto may then feel a sense of devotion, as if he must take off his shoes before entering this sanctuary, for he feels he is stepping onto sacred ground, upon which he must walk in a devout mood. And then comes the eleventh canto. What can follow now, when we have, so to speak, reached the culmination of the devout mood? What will be next?
[ 14 ] Wenn der Mensch hinaufgestiegen ist bis zu dem Gipfel, auf den Krishna den Arjuna geführt hat, den man entweder nur im okkulten Schauen oder in ehrfürchtig andächtiger Stimmung erreichen kann, dann kann nun eintreten das heilige Gestaltenlose, das Übersinnliche. Das Übersinnliche kann in die Imagination ergossen werden. Dann kann die gesteigerte erhöhte Seelenkraft, die nicht mehr der Vernunft angehört, sondern der imaginativen Erkenntnis, die Bilder entwerfen desjenigen, was eigentlich gestaltenlos, bildlos in seiner Wesenheit ist. Und das geschieht in der Bhagavad Gita, nachdem wir hinaufgeführt sind bis zu jenem heiligen Boden, vor welchem wir die Schuhe ausziehen: das geschieht gleich im Anfange der zweiten Hälfte des heiligen Sanges, etwa im elften Gesang. Da wird, nachdem es entsprechend eingeleitet und vorbereitet ist, die Krishna-Weisheit, zu der Arjuna von Stufe zu Stufe hingeführt worden ist, in Imaginationen vor seine Seele gezaubert. Und die Größe der Darstellung in diesem morgenländischen Gedicht tritt uns eigentlich da ganz besonders entgegen, wo Krishna, nachdem in seine Nähe Arjuna gebracht worden ist, im Bilde, in der Imagination auftritt. Man darf wohl sagen: Erlebnisse solcher Art, Erlebnisse, die so von einer innersten Kraft der menschlichen Seele erlebt werden müssen, sind eigentlich in einer so bedeutsamen Schilderungsweise kaum sonst noch gegeben worden. Und für denjenigen, der empfinden kann, wird die Imagination, die nun Arjuna von Krishna beschreibt, immer tief und bedeutungsvoll sein. Das ist das Wunderbare in der Komposition der Bhagavad Gita, daß wir sozusagen durch Krishna wie durch ein inspirierendes Wesen hinaufgeführt werden bis zum zehnten Gesang, und daß da die Schauensseligkeit des Arjuna nun in Aktion tritt. Da wird Arjuna zum Beschreiber. Und er beschreibt seine Imagination so, daß man sich scheut, nachzubilden, was da gesagt ist.
[ 14 ] Once a person has ascended to the summit to which Krishna led Arjuna—a summit that can be reached either through occult vision or in a state of reverent devotion—then the sacred formless, the supersensible, can now enter. The supersensible can be poured into the imagination. Then the heightened, elevated power of the soul—which no longer belongs to reason but to imaginative cognition—can form images of that which is essentially formless and image-less in its very nature. And this happens in the Bhagavad Gita, after we have been led up to that sacred ground before which we take off our shoes: this happens right at the beginning of the second half of the sacred song, around the eleventh canto. There, after it has been appropriately introduced and prepared, the wisdom of Krishna, to which Arjuna has been led step by step, is conjured up before his soul in images. And the grandeur of the depiction in this Eastern poem truly strikes us most powerfully there, where Krishna, after Arjuna has been brought into his presence, appears in image, in the imagination. One may well say: experiences of this kind, experiences that must be lived through by the innermost power of the human soul, have scarcely been presented in such a significant manner anywhere else. And for those who are capable of feeling, the imagery that Krishna now describes to Arjuna will always be profound and meaningful. This is the marvelous aspect of the composition of the Bhagavad Gita: that we are led, as it were, by Krishna—as by an inspiring being—up to the tenth canto, and that there the contemplative bliss of Arjuna now comes into action. There Arjuna becomes the narrator. And he describes his vision in such a way that one hesitates to attempt to reproduce what is said there.
[ 15 ] «Die Götter schau ich all in deinem Leib, o Gott; so auch die Scharen aller Wesen: Brahman, den Herrn, auf seinem Lotussitz, die Rishis alle und die Himmelsschlangen. Mit vielen Armen, Leibern, Mündern, Augen seh’ ich dich allüberall, endlos gestaltet. Nicht Ende, nicht Mitte und auch Anfang nicht seh’ ich an dir, o Herr des Alls. Du, der du in allen Formen mir erscheinst, der du mir erscheinst mit Diadem, mit Keule und mit Schwert, ein Berg in Flammen, nach allen Seiten strahlend: so seh’ ich dich. Geblendet wird mein Schauen, wie strahlend Feuer in der Sonne Glanz und unermeßlich groß. Das Unvergängliche, das höchste zu Erkennende, das größte Gut, so erscheinst du mir, im weiten All. Des ewigen Rechtes ewiger Wächter, das bist du. Als ewiger Urgeist stehst du vor meiner Seele. Nicht Anfang, nicht Mitte, nicht Ende zeigst du mir. Unendlich bist du überall, unendlich an Kraft, unendlich an Raumesweiten. Wie der Mond, ja wie die Sonne selbst groß sind deine Augen, und aus deinem Munde strahlt es wie von Opferfeuer. Ich schaue dich an in deiner Glut, wie deine Glut das All erwärmt; was ich ahnen kann zwischen dem Erdboden und den Himmelsweiten, deine Kraft erfüllt dies alles mit dir allein. Und jede Himmelswelt, alle die drei Welten beben, wenn deine wundersame Schauergestalt sich ihrem Blicke zeigt. Ich schau’, wie ganze Scharen von Göttern zu dir treten, die dir lobsingen, und furchtsam steh’ ich da vor dir, die Hände faltend. Heil ruft vor dir aller Seher Schar und aller Seligen Schar. Sie preisen dich mit all ihrem Lobgesang. Es preisen dich die Adityas, Rudras, Vasus, Sadhyas, Vishvas, Ashvin, Maruts und Manen, Gandharvas, Yakshas, Siddhas, Asuras, und alle Seligen, die schauen empor zu dir voll Staunen: ein Leib, so riesenhaft, mit vielen Mündern, vielen Armen, vielen Beinen, vielen Füßen, vielen Leibern, vielen Rachen voller Zähne. Vor all dem erbebt die Welt und ich auch bebe. Den Himmelerschütternden, Strahligen, Vielarmigen, mit offenem Mund, mit großen Flammenaugen. Schau’ ich dich so, dann zittert meine Seele. Nicht finde ich Festigkeit, nicht Ruhe, o großer Krishna, der mir Vishnu selber ist. Ich schaue wie in dein dräuendes Inneres, ich schau’ es, wie es ist dem Feuer gleich, so wie es wirken wird, einst am Ende aller Zeiten. Ich schau? dich in einer Art, wie ich nicht wissen kann von irgend etwas. Oh, sei mir gnädig, Herr der Götter, der Welten wohnlich Haus.»
[ 15 ] “I see all the gods within your body, O God; and likewise the multitudes of all beings: Brahman, the Lord, upon his lotus throne, all the Rishis, and the celestial serpents. With many arms, bodies, mouths, and eyes, I see you everywhere, in endless forms. I see no end, no middle, nor even a beginning in you, O Lord of the Universe. You, who appear to me in all forms, who appear to me with a diadem, with a mace and with a sword, a mountain in flames, radiating in all directions: thus I see you. My vision is dazzled, like radiant fire in the sun’s splendor and immeasurably vast. The Imperishable, the highest to be known, the greatest good—thus do you appear to me in the vast cosmos. Eternal guardian of eternal law, that is you. As the eternal primal spirit, you stand before my soul. You show me neither beginning, nor middle, nor end. Infinite are you everywhere, infinite in power, infinite in the vastness of space. Like the moon, yes, like the sun itself, great are your eyes, and from your mouth it shines as from a sacrificial fire. I look upon you in your blaze, how your blaze warms the universe; whatever I can perceive between the earth’s surface and the vastness of the heavens, your power fills all this with you alone. And every heavenly realm, all three worlds tremble, when your wondrous, awe-inspiring form reveals itself to their gaze. I see how whole hosts of gods approach you, singing your praises, and I stand there before you in awe, folding my hands. All the seers and all the blessed ones cry out “Hail” before you. They praise you with all their hymns of praise. The Adityas, Rudras, Vasus, Sadhyas, Vishvas, Ashvins, Maruts, and Manes, the Gandharvas, Yakshas, Siddhas, Asuras, and all the blessed ones praise you, gazing up at you in wonder: a body so gigantic, with many mouths, many arms, many legs, many feet, many bodies, many throats full of teeth. Before all this, the world trembles, and I too tremble. The sky-shaking, radiant, many-armed one, with open mouth, with great flaming eyes. When I behold you thus, my soul trembles. I find no steadiness, no peace, O great Krishna, who is Vishnu himself to me. I gaze as if into your menacing inner being; I see it as it is, like fire, just as it will act, one day at the end of all time. I gaze at you in a way I cannot comprehend. Oh, be merciful to me, Lord of the gods, the world’s dwelling place.”
[ 16 ] Das ist die Imagination, so wie Arjuna sie schaut, nachdem seine Seele eben bis zu jener Höhe hinaufgehoben worden ist, auf der eine Imagination von Krishna möglich ist. Und dann hören wir dasjenige, was Krishna ist, wiederum wie eine mächtige Inspiration an Arjuna heranklingen. Hören wir sie uns an. Sie ist wahrhaftig so, wie wenn sie nicht bloß an das seelisch-geistige Ohr des Arjuna klänge, sondern hinklänge über all die folgenden Zeiten des folgenden Weltenalters. Wir ahnen jetzt mehr an dieser Stelle, wir ahnen, was es eigentlich heißt: einem Zeitalter, einem Weltenalter wird ein neuer Impuls gegeben, und der Schöpfer dieses Impulses erscheint vor dem hellsehenden Auge des Arjuna. Wir empfinden mit Arjuna selber. Wir erinnern uns, daß Arjuna mitten im Kampfgewühl steht, wo Bruderblut mit Bruderblut kämpfen soll. Wir wissen, daß dasjenige, was Krishna zu geben hat, vor allem darauf beruht, daß diese Epoche des Hellsehens mit all dem Heiligen, das in ihr war, aufhörte, und daß eine neue Epoche beginnen sollte. Und wenn wir den Impuls bedenken der neuen Epoche, die mit dem Brudermord beginnen sollte, wenn wir in richtiger Weise den Impuls verstehen, der hineindrang in all die wankenden Begriffe und Einrichtungen der vorhergehenden Epoche, dann fassen wir dasjenige, was Krishna in Arjuna erklingen läßt, richtig auf.
[ 16 ] This is the vision as Arjuna perceives it, now that his soul has been lifted to the very height where a vision of Krishna is possible. And then we hear what Krishna is, resounding once more to Arjuna like a powerful inspiration. Let us listen to it. It is truly as if it were not merely sounding in Arjuna’s spiritual ear, but resounding through all the ages to come in the next world-age. We now sense more deeply at this point; we sense what it actually means: a new impulse is given to an age, to a world-age, and the creator of this impulse appears before Arjuna’s clairvoyant eye. We feel with Arjuna himself. We remember that Arjuna stands in the midst of the battle’s turmoil, where brother’s blood is to fight against brother’s blood. We know that what Krishna has to offer is based above all on the fact that this epoch of clairvoyance, with all the sacredness that was within it, had come to an end, and that a new epoch was to begin. And when we consider the impulse of the new epoch, which was to begin with fratricide, when we correctly understand the impulse that penetrated all the wavering concepts and institutions of the preceding epoch, then we correctly grasp what Krishna causes to resound within Arjuna.
[ 17 ] «Ich bin die Urzeit, die alle Welt vernichtet. Erschienen bin ich, Menschen fortzuraffen. Und ob du auch ihnen im Kampfe den Tod bringen wirst, auch ohne dich sind dem Tode verfallen all die Kämpfer, die dort in Reihen stehen. Erhebe dich furchtlos. Ruhm sollst du erwerben, den Feind besiegen. Frohlocke ob des winkenden Sieges und der Herrschaft. Nicht du wirst sie getötet haben, wenn sie hinfallen im Schlachtentod. Durch mich sind sie alle schon getötet, bevor du ihnen den Tod bringen kannst. Du sei nur Werkzeug, du sei nur Kämpfer mit der Hand! Den Drona, den Jayadratha, den Bhishma, den Karna und die anderen Kampfeshelden, die ich getötet, die tot schon sind, nun töte du sie, daß mein Wirken im Schein nach außen sich entlade. Wenn sie tot hinfallen in Maya, von mir getötet, töte du sie. Und das, was ich getan, wird scheinbar durch dich geschehen sein. Zittre nicht! Du vermagst nichts zu tun, was ich nicht schon getan. Kämpfe! Sie werden fallen durch dein Schwert, die ich getötet habe.»
[ 17 ] “I am the primeval age that destroys the whole world. I have appeared to sweep away mankind. And even if you bring death to them in battle, all the warriors standing there in ranks are doomed to die even without you. Rise up fearlessly. You shall gain glory by defeating the enemy. Rejoice at the victory and dominion that beckon. It will not be you who has killed them when they fall in battle. Through me, they are all already slain before you can bring death upon them. Be but an instrument, be but a warrior with a hand! Drona, Jayadratha, Bhishma, Karna, and the other heroes of battle whom I have slain, who are already dead—now you shall slay them, so that my work may be manifested outwardly. When they fall dead in Maya, killed by me, you kill them. And what I have done will appear to have been done by you. Do not tremble! You can do nothing that I have not already done. Fight! They will fall by your sword, those whom I have killed.”
[ 18 ] Nicht um an die Menschheit heranzubringen diejenige Stimme, die sprechen soll vom Töten, werden diese Worte gesagt, sondern um an die Menschheit heranzubringen die Stimme, die davon spricht, daß es in der menschlichen Wesenheit ein Zentrum gibt, welches herauszukommen hat in jenem dem Krishna folgenden Zeitalter, und daß in dieses Zentrum hereindringen die Impulse, die zunächst für den Menschen die höchsten erreichbaren sind, daß es nichts gibt in der Menschheitsevolution, was nicht mit etwas zusammenhängt, mit dem das menschliche Ich auch zusammenhängt. So erst wird uns die Bhagavad Gita etwas, das uns unmittelbar hinaufhebt, erhebt zu dem Horizont der ganzen Menschheitsevolution. Und es hat derjenige, der diese wechselnden Stimmungen aus der Bhagavad Gita auf sich wirken läßt, viel mehr als derjenige, der etwa schulmeisterliche Lehren über Sankhya oder Yoga sich von der Bhagavad Gita erteilen lassen will. Wenn man zu gehen vermag bis zum neunten, zehnten Gesang, wenn man eine Ahnung bekommt von den schwindelnden Höhen, zu denen der Yoga führt, dann wird man beginnen, den Sinn und Geist einer solchen Imagination zu fassen, wie sie in jener gewaltigen Schauung des Arjuna uns entgegentritt, die schon als Versinnlichung so groß und gewaltig ist, daß wir eine hinlänglich hohe, ahnende Erkenntnis gewinnen können von der Macht und Erhabenheit des Schöpfergeistes, der mit Krishna in die Welt eingegriffen hat. Was zum einzelnen Menschen als Höchstes sprechen kann, das spricht in Krishna zu Arjuna. Und wozu sich der einzelne Mensch aufschwingen kann, wenn er die Kräfte, die in seinem Inneren vorhanden sind, zu einem Höchsten erhebt, dem Höchsten, wozu sich die einzelne Menschenseele erziehen kann, wenn sie im besten Sinne an sich arbeitet: das ist der Krishna.
[ 18 ] These words are not spoken to bring to humanity the voice that speaks of killing, but to bring to humanity the voice that speaks of the fact that there is a center within the human being that must emerge in the age following Krishna, and that the impulses which are initially the highest attainable for human beings penetrate this center, that there is nothing in human evolution that is not connected to something with which the human ego is also connected. Only then does the Bhagavad Gita become something that immediately lifts us up, elevating us to the horizon of the entire evolution of humanity. And the one who allows these shifting moods of the Bhagavad Gita to take effect upon them gains far more than the one who, for example, wishes to receive schoolmasterly teachings on Sankhya or Yoga from the Bhagavad Gita. If one is able to proceed as far as the ninth or tenth canto, if one gains a glimpse of the dizzying heights to which yoga leads, then one will begin to grasp the meaning and spirit of such an imagination as confronts us in that mighty vision of Arjuna, which is already so great and mighty as a sensorial representation that we can gain a sufficiently high, intuitive insight into the power and sublimity of the creative spirit that intervened in the world through Krishna. What can speak to the individual human being as the highest speaks in Krishna to Arjuna. And what the individual human being can rise to when he elevates the powers present within him to the highest, the highest to which the individual human soul can educate itself when it works on itself in the best sense: that is Krishna.
[ 19 ] Wenn wir die Menschheitsevolution über die Erde hin denkend verfolgen, zeigt sich uns klar aus der allgemeinen Evolutionsweltanschauung, etwa wie sie in der «Geheimwissenschaft» versucht wurde, daß in diesem Sinne die Erde überhaupt der Schauplatz ist, auf welchem der Mensch zum Ich gebracht worden ist, indem alle möglichen Stadien von Epoche zu Epoche sich gestalteten, aufeinanderfolgten. Wenn man so die Evolution verfolgt von Zeitalter zu Zeitalter, dann sagt man sich: Da sind sie nun hinverpflanzt worden auf die Erde, diese Menschenseelen: das Höchste, was sie erringen sollen, das ist, freie Seelen zu werden. Freie Seelen werden die Menschen, wenn sie alle Kräfte, die nur in der Menschenseele als einzelne Seele erreicht werden können, zur Entfaltung bringen. Aber damit sie das können, wirkte der Krishna zuerst andeutend, dann immer mehr und mehr, und dann direkt in derjenigen Epoche der Menschheitsevolution, die der Selbstbewußtseinsepoche vorangegangen ist.
[ 19 ] When we trace the evolution of humanity across the Earth in our thoughts, it becomes clear to us from the general evolutionary worldview—as attempted, for example, in *The Secret Science*—that, in this sense, the Earth is indeed the stage upon which the human being has been brought to the “I,” as all possible stages took shape and succeeded one another from epoch to epoch. When one traces evolution in this way from age to age, one says to oneself: Here they have now been transplanted onto the Earth, these human souls; the highest thing they are to attain is to become free souls. Human beings become free souls when they develop all the powers that can only be attained in the human soul as an individual soul. But in order for them to be able to do this, Krishna first worked suggestively, then more and more, and finally directly in that epoch of human evolution that preceded the epoch of self-consciousness.
[ 20 ] Innerhalb der Erdenevolution gibt es kein einziges Wesen, das der einzelnen Menschenseele soviel geben konnte wie der Krishna. Aber eben der einzelnen menschlichen Seele. Jetzt sage ich in aller Gelassenheit ein Wort, in aller Gelassenheit, wenn ich es gegenübersetze all der Schilderung, die ich vom Krishna zu geben versuchte: Außer der einzelnen Menschenseele gibt es auf der Erde die Menschheit. Auf der Erde gibt es außer der einzelnen Menschenseele auch eben alle diejenigen Angelegenheiten, die nicht einer einzelnen Menschenseele angehören. Man kann sich vorstellen, daß eine Menschenseele in sich den Impuls fühlt: Ich will so weit kommen mit meiner Vervollkommnung, als eine Menschenseele nur kommen kann. — Dieses Streben könnte bestehen. Dann würde sich die einzelne Menschenseele, eine jede in ihrer Isoliertheit, zunächst undefinierbar weit entwickeln. Aber es gibt eine Menschheit. Es gibt Angelegenheiten für den Erdenplaneten, durch welche dieser Erdenplanet zusammenhängt mit der gesamten Welt. Nehmen wir an, es wäre an die einzelne Menschenseele herangekommen der Krishna-Impuls. Was wäre also geschehen? Es wäre ja nicht dazumal, vielleicht auch nicht bis heute, aber im Laufe der Erdenevolution geschehen, daß jede einzelne Seele in sich einen höheren Impuls entwickelt hätte, so daß der Strom der Menschheitsevolution, der gemeinsamen Entwickelung sich geteilt hätte vom Zeitalter des Selbstbewußtseins an. Es wäre geschehen, daß die einzelnen menschlichen Seelen vorgerückt wären zu höchster Entfaltung, aber auch in Trennung, Zerstiebung. Die Wege der Menschenseelen wären immer weiter und weiter auseinandergegangen, indem in jeder einzelnen der Krishna-Impuls lebendig gewirkt hätte. Jene Erhöhung des Menschendaseins wäre geschehen, daß aus dem gemeinsamen Strome sich die einzelnen Seelen herausindividualisiert hätten, die Selbstheit zu höchster Entfaltung gebracht hätten. Man möchte sagen: Wie ein einzelner Stern hätte in vielen, vielen Strahlen hineingeleuchtet in die Zukunft die alte Zeit. Die alte Zeit hätte viele Einzelstrahlen hineingesendet in die neue Zeit, und jeder dieser Strahlen hätte die Herrlichkeit des Krishna herausposaunt in das Zukunftsweltenzeitalter. Auf diesem Wege war die Menschheit in den sechs bis acht Jahrhunderten, die der Begründung des Christentums vorangegangen sind. Da kam von der entgegengesetzten Seite etwas anderes heran.
[ 20 ] Within the evolution of the Earth, there is not a single being who could give as much to the individual human soul as Krishna. But specifically to the individual human soul. Now I say a word in all serenity, in all serenity, when I set it against all the description I have tried to give of Krishna: Besides the individual human soul, there is humanity on Earth. On Earth, besides the individual human soul, there are also all those matters that do not belong to a single human soul. One can imagine that a human soul feels within itself the impulse: I want to go as far as a human soul can go in its perfection. — This striving could exist. Then the individual human soul, each in its isolation, would initially develop to an indefinable extent. But there is a humanity. There are matters pertaining to the Earth that connect this Earth to the entire world. Let us suppose that the Krishna impulse had reached the individual human soul. What would have happened then? It would have happened—not at that time, perhaps not even until today, but in the course of Earth’s evolution—that every single soul would have developed a higher impulse within itself, so that the current of human evolution, of collective development, would have split off from the age of self-consciousness onward. It would have happened that the individual human souls would have advanced to the highest development, but also in separation, in dispersion. The paths of the human souls would have diverged further and further apart, as the Krishna impulse would have been actively at work within each individual. That elevation of human existence would have occurred in which the individual souls would have emerged from the common stream, bringing their individuality to its highest development. One might say: Like a single star, the ancient era would have shone into the future with many, many rays. The old age would have sent many individual rays into the new age, and each of these rays would have proclaimed the glory of Krishna into the future world age. This was the path humanity was on during the six to eight centuries preceding the founding of Christianity. Then something else approached from the opposite side.
[ 21 ] Woher ist der Krishna-Impuls gekommen? Der Krishna-Impuls kommt in die Menschenseele, wenn diese von innen heraus immer tiefer aus ihrer eigenen Wesenheit schafft und schöpft, wenn sie immer mehr herausschöpft, um heraufsteigen zu können in diejenigen Regionen, wo der Krishna erreicht wird. Dann kam aber etwas, was von außen an die Menschheit herankam, was die Menschen niemals aus sich selber hätten erreichen können, was von der anderen Seite entgegenkam, zu jeder einzelnen sich neigend. So trafen die sich vereinzelnden Seelen auf eine gemeinsame Wesenheit, die von außen, aus dem Universum, aus dem Kosmos entgegenkam dem Zeitalter des Selbstbewußtseins als etwas, was jetzt nicht so herankam, daß man es durch die Einzelarbeit erreichen kann, was so herankam, daß es der gesamten Menschheit angehörte, der gesamten Erde. Von der entgegengesetzten Seite ist das andere herangekommen: der Christus-Impuls.
[ 21 ] Where did the Krishna impulse come from? The Krishna impulse enters the human soul when it creates and draws ever more deeply from its own being from within, when it draws ever more out of itself in order to ascend to those regions where Krishna is attained. But then something came that approached humanity from the outside, something that human beings could never have attained on their own, something that came from the other side, reaching out to each and every one. Thus the souls, who were becoming isolated, encountered a common essence that came from the outside, from the universe, from the cosmos, toward the age of self-consciousness—not as something that could be attained through individual effort, but as something that belonged to all of humanity, to the entire Earth. From the opposite side, the other has come: the Christ impulse.
[ 22 ] So sehen wir zunächst in einer mehr abstrakten Form, wie vorbereitet ist in der Menschheit eine Individualisierung, die immer mehr in die Individualisierung hineingehen sollte, und wie entgegenkam den sich individuell machen wollenden Seelen der Christus-Impuls, der diese Seelen wieder zusammenführte zu einer Gesamtmenschheit. Dasjenige, was ich heute ausführen wollte, war zunächst etwas wie eine abstrakte Bestimmung, eine abstrakte Charakteristik der beiden Impulse, des Krishna- und des Christus-Impulses. Ich versuchte zu zeigen, wie diese zwei Impulse in dem Zeitalter der mittleren Menschheitsentwickelung nahe aneinanderliegen, wie sie aber von entgegengesetzten Seiten herkommen. Man kann daher etwas sehr Unrichtiges sagen, wenn man die beiden Offenbarungswelten, die Krishna-Welt auf der einen Seite, die Christus-Welt auf der anderen, miteinander verwechselt. Dasjenige, was ich auseinandergesetzt habe in einer mehr abstrakten Form, wollen wir zu mehr konkreter Form in den nächsten Vorträgen führen. Die heutige Betrachtung aber möchte ich mit einem einfachen Worte schließen, welches einfach und schlicht geben soll den Extrakt desjenigen, was eigentlich die für die Menschheitsevolution wichtigsten Impulse sind. Wenn wir den Blick wenden zu dem, was zwischen dem 10. Jahrhundert vor dem Christus-Impuls und dem 10. Jahrhundert nach demselben geschehen ist, so können wir das wie in einem Extrakt in die Worte drängen: Es erfloß der Welt der Krishna-Impuls für jede einzelne Menschenseele, und es erfloß der Erde der Christus-Impuls für die ganze Menschheit. — Hierbei ist zu beachten, daß die ganze Menschheit für denjenigen, der konkret denken kann, nicht etwa die Summe von allen einzelnen Menschenseelen ist.
[ 22 ] Thus, we first see in a more abstract form how a process of individualization is at work within humanity—a process that was meant to lead ever further into individualization—and how the Christ impulse met the souls seeking to become individual, bringing these souls back together into a unified humanity. What I wanted to explain today was initially something like an abstract definition, an abstract characterization of the two impulses, the Krishna impulse and the Christ impulse. I tried to show how these two impulses are close to one another in the age of humanity’s middle development, yet how they come from opposite sides. One can therefore say something quite incorrect if one confuses the two worlds of revelation—the world of Krishna on the one hand, the world of Christ on the other. What I have expounded in a more abstract form, let us bring into a more concrete form in the next lectures. I would like to conclude today’s reflection, however, with a simple statement that is meant to succinctly capture the essence of what are actually the most important impulses for human evolution. If we turn our gaze to what happened between the 10th century before the Christ impulse and the 10th century after it, we can distill this into the following words: The Krishna Impulse flowed into the world for every single human soul, and the Christ Impulse flowed into the Earth for all of humanity. — It should be noted here that, for those who can think concretely, all of humanity is not merely the sum of all individual human souls.
