The Occult Significance of the Bhagavad Gita
GA 146
1 June 1913, Helsinki
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The Occult Foundations of the Bhagavad Gita, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Wenn wir in die Rätsel des menschlichen Lebens eindringen wollen, dann müssen wir vor allen Dingen auf ein großes Lebensgesetz unser Augenmerk richten: auf das sogenannte zyklische Lebensgesetz. Besser als Definitionen sind Charakteristiken. Daher möchte ich auch in diesem Falle nicht eine Definition geben desjenigen, was hier unter dem zyklischen Verlauf des Lebens gemeint ist, sondern ich möchte mehr charakterisieren. Ich habe ja schon öfter an anderen Orten mich ausgesprochen über den geringen Wert von sogenannten Definitionen. Sie bleiben doch gegenüber der Wirklichkeit immer nur etwas Armseliges. In einer griechischen Philosophengesellschaft versuchte man einmal, um sich die Natur der Definition klarzumachen, die Definition des Menschen zu geben. Definitionen sollen ja dasjenige, was die Erscheinung darbietet, auf Begriffe zurückführen. Es ist nur radikal das ausgesprochen, was im Grunde genommen für den, der mehr logische Einsicht hat, doch eigentlich eine Armseligkeit darbietet. Die Leute der griechischen Philosophengesellschaft kamen nun überein, die Definition zu geben: Der Mensch ist ein Wesen, das zwei Beine und keine Federn hat. Das ist ja nun keine besonders geniale Definition, aber sie zeigt im Radikalen die Mängel einer jeden Definition. Es ist ja nicht zu leugnen, daß diese Definition, wenn sie auch eine Art albernen Ausspruchs darstellt, wirklich das äußere Wesen des Menschen in einer gewissen Beziehung gibt. Am nächsten Tage aber brachte jemand einen gerupften Hahn mit und sagte: Das ist also nach eurer Definition ein Mensch! — Wirklich ein alberner Ausspruch. Er trifft aber doch im wesentlichen die Armseligkeit alles Definierens. Darum wollen wir, wo es sich um Wirklichkeiten handelt, absehen von allem Definieren und wollen vielmehr charakterisieren.
[ 1 ] If we wish to penetrate the mysteries of human life, we must first and foremost focus our attention on a fundamental law of life: the so-called cyclical law of life. Characteristics are better than definitions. Therefore, in this case as well, I do not wish to provide a definition of what is meant here by the cyclical course of life, but rather I wish to characterize it. I have, after all, often spoken elsewhere about the limited value of so-called definitions. They always remain something rather meager in comparison to reality. In a Greek philosophical society, an attempt was once made to clarify the nature of definition by providing a definition of man. Definitions are supposed to reduce what the phenomenon presents to concepts. It is merely stated in radical terms what, for those with greater logical insight, is actually rather meager. The members of the Greek philosophical society now agreed to give the definition: Man is a being that has two legs and no feathers. This is, of course, not a particularly ingenious definition, but it radically reveals the shortcomings of every definition. It cannot be denied that this definition, even if it constitutes a sort of silly statement, does indeed capture the outward nature of man in a certain respect. The next day, however, someone brought in a plucked rooster and said: “So, according to your definition, this is a human being!” — Truly a silly remark. Yet it essentially captures the poverty of all defining. Therefore, when dealing with realities, let us refrain from all defining and instead seek to characterize.
[ 2 ] Da möchte ich zunächst einen alltäglich bei uns auftretenden, ganz gewöhnlichen zyklischen Verlauf uns vor die Seele führen. Es ist der zyklische Verlauf des Schlafens und Wachens. Was bedeutet denn eigentlich für das gewöhnliche menschliche Leben Schlafen und Wachen? Man versteht die Natur des Schlafens erst, wenn man weiß, daß die innere Seelentätigkeit des Wachens im gegenwärtigen Menschheitszyklus doch eine Art Zerstörung feiner Strukturen des Nervensystems darstellt. Mit jedem Gedanken, mit jedem Willensimpuls, den wir auf Anregung der Außenwelt machen, zerstören wir während des ganzen wachen Lebens feinere Gehirnstrukturen. Wir stehen hier an einem Punkt, wo man in der Tat sagen kann, daß es in der nächsten Zeit immer mehr und mehr den Menschen klar werden wird, wie der Schlaf das wache Tagesleben ergänzen muß; wir stehen vor einem Punkte, wo immer mehr und mehr in der nächsten Zeit die Naturwissenschaft, die schon auf dem Wege dazu ist, sich mit der Geisteswissenschaft vereinen wird. Die Naturwissenschaft hat heute schon hypothetisch vielfach diese Theorie aufgestellt, daß das wache Tagesleben eine Art Zerstörungsprozeß darstellt im Nervensystem, in den feineren Strukturen des Gehirns. Weil wir so durch unser waches Tagesleben Zerstörungsprozesse hervorrufen, müssen wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen den entsprechenden anderen, den ausgleichenden Prozeß in uns stattfinden lassen. Und es arbeiten in der Tat während unseres Schlafens in uns Kräfte, die sonst nicht zutage treten, nicht irgendwie bewußt werden. Es arbeiten Kräfte an der Wiederherstellung der während des wachen Lebens zerstörten feineren Nervenstrukturen unseres Gehirns.
[ 2 ] First, I would like to draw our attention to a very ordinary, cyclical process that occurs in our daily lives. It is the cyclical process of sleeping and waking. What do sleeping and waking actually mean for ordinary human life? One understands the nature of sleep only when one realizes that the inner soul activity of waking, in the current human cycle, actually represents a kind of destruction of the fine structures of the nervous system. With every thought, with every impulse of will that we generate in response to the external world, we destroy finer brain structures throughout our waking life. We have reached a point where one can indeed say that in the near future it will become increasingly clear to people how sleep must complement waking daily life; we are approaching a point where, in the near future, natural science—which is already on its way toward this—will increasingly unite with Spiritual Science. Natural science has already put forward this theory hypothetically on many occasions: that waking life represents a kind of destructive process in the nervous system, in the finer structures of the brain. Because we thus bring about destructive processes through our waking life, we must allow the corresponding opposite, balancing process to take place within us from the moment we fall asleep until we wake up. And indeed, while we sleep, forces are at work within us that otherwise do not come to light, do not become conscious in any way. Forces are at work restoring the finer nerve structures of our brain that were destroyed during waking life.
[ 3 ] Nun wird durch die Zerstörung der feinen Nervenstrukturen gerade erreicht, daß sich in uns Gedanken und Erkenntnisprozesse abspielen. Das gewöhnliche alltägliche Erkennen wäre nicht möglich, wenn nicht vom Aufwachen bis zum Einschlafen Zerstörungsprozesse, Abbauprozesse stattfänden. Das Schlafleben bedeutet nun ein Wiederherstellen dieser zerstörten Partien. Es findet also eine entgegengesetzte Arbeit an unserem Nervensystem statt: auf der einen Seite während des Wachens ein Zerstörungsprozeß, ein Abbauen, auf der anderen Seite während des Schlafens ein Aufbauen, ein Wiederherstellungsprozeß. Während des Schlafes bauen Kräfte in uns, arbeiten am Aufbau der zerstörten Gehirnstrukturen. Wir werden dadurch bewußt, daß der Zerstörungsvorgang sich vollzieht. Wir nehmen eigentlich die Zerstörung wahr, unser waches Tagesleben ist die Wahrnehmung von Zerstörungsprozessen. Weil während des Schlafens keine Zerstörungsprozesse stattfinden, sondern Reorganisationsprozesse, nehmen wir auch während dieses Zustandes nichts wahr. Es wird die Kraft, die sonst das Bewußtsein erzeugt, verbraucht zum Aufbau. Während des Aufbauens wird aber die Kraft nicht wahrgenommen, weil wir nur durch Zerstörungsprozesse bewußt werden können. Da haben wir einen Zyklus. Nehmen wir erst mal dasjenige, was im Schlafe geschieht.
[ 3 ] It is precisely through the destruction of the fine nervous structures that thoughts and cognitive processes take place within us. Ordinary, everyday cognition would not be possible if processes of destruction and breakdown did not occur from the moment we wake up until we fall asleep. Sleep life, however, involves the restoration of these destroyed parts. Thus, a counteracting process takes place in our nervous system: on the one hand, a process of destruction and breakdown during wakefulness; on the other hand, a process of rebuilding and restoration during sleep. During sleep, forces within us work to rebuild the destroyed brain structures. We become aware of this because the process of destruction is taking place. We actually perceive the destruction; our waking daily life is the perception of processes of destruction. Because no processes of destruction take place during sleep, but rather processes of reorganization, we perceive nothing during this state either. The force that otherwise generates consciousness is used up for reconstruction. However, during the rebuilding process, the energy is not perceived, because we can only become conscious through processes of destruction. Thus, we have a cycle. Let us first consider what happens during sleep.
[ 4 ] Aufbau: Unbewußtheit, weil die Kräfte als Baukräfte verwendet werden; Abbau: Wachen, Bewußtheit, weil die Kräfte zerstören, weil die Kräfte frei werden, nicht zu bauen brauchen. Das unbewußte Schlafen und das bewußte Wachen, Aufbauen und Abbauen, das ist einer der gewöhnlichsten zyklischen Verläufe des Menschenlebens. Schlafen und Wachen, Bauen und Abbauen, ist ein solcher zyklischer Verlauf. Es ist aus diesem Grunde, weil das so ist, so gefährlich für das gesunde menschliche Leben, wenn nicht ein gehöriger Schlaf da ist. Gewiß, das menschliche Leben ist ja so eingerichtet, daß diese gefährlichsten Prozesse nicht sogleich hervortreten, weil dasjenige, was im Menschen vorhanden ist, doch von langer Zeit her gebildet ist. So daß im Grunde die Prozesse, die heute im Menschen verlaufen, wenn sie abnorme, unnormale sind, nicht so tief eingreifen können in die menschliche Natur, als man eigentlich zuerst glauben sollte. Man müßte eigentlich glauben nach allem, was gesagt worden ist, daß ein Mensch, der an Schlaflosigkeit leidet, weil er sein Gehirn ja nur zerstören läßt, in verhältnismäßig kurzer Zeit ganz herunterkommen müßte. Dieses Herunterkommen geschieht aber viel weniger schnell, als vorausgesetzt werden müßte. Daß dies so ist, beruht auf demselben Grunde, als warum zum Beispiel bei Menschen, die weder sehen noch hören können, wie bei Helen Keller, dennoch die menschliche Intelligenz ausgebildet werden kann. Das müßte man eigentlich in diesem gegenwärtigen Zyklus theoretisch für ganz unmöglich halten, denn die Dinge, die in unserem Gehirn heute einen großen Teil der Intelligenz ausmachen, kommen doch durch Auge und Ohr in unser Gehirn hinein. Wenn aber eine Persönlichkeit, wie die berühmt gewordene Helen Keller, doch ausbildungsfähig ist, so beruht das darauf, daß sie, wenn sie auch die Tore der Sinne geschlossen hat, ein Gehirn geerbt hat, das die Ausbildung möglich macht. Wenn der Mensch nicht darinnen stünde in der Vererbungslinie, dann könnte eine solche Ausbildung, wie bei Helen Keller, durchaus nicht stattfinden. Wenn der Mensch durch die Vererbung sozusagen sein Gehirn nicht viel gesunder hätte, als man gewöhnlich anzunehmen geneigt ist, so würde Schlaflosigkeit seine Gesundheit in ganz kurzer Zeit völlig untergraben. Nun ist aber so viel Vererbungskraft im allgemeinen da, daß Schlaflosigkeit wirklich lange arbeiten kann, ehe sie dem Menschen schadet. Deshalb bleibt es aber doch richtig, daß im wesentlichen dieser Zyklus vorhanden ist: Aufbau, und daher Bewußtlosigkeit im Schlaf, Abbau, und daher Bewußtheit während des Wachens.
[ 4 ] Construction: Unconsciousness, because the forces are used as building forces; Deconstruction: Waking, consciousness, because the forces destroy, because the forces are set free and do not need to build. Unconscious sleep and conscious wakefulness, building and breaking down—this is one of the most common cyclical processes of human life. Sleeping and waking, building and breaking down, is such a cyclical process. It is for this reason, because this is how it is, that it is so dangerous for healthy human life if there is not sufficient sleep. Certainly, human life is structured in such a way that these most dangerous processes do not immediately come to the fore, because what is present in the human being has been formed over a long period of time. So that, fundamentally, the processes taking place in the human being today—even if they are abnormal—cannot penetrate human nature as deeply as one might initially suppose. One would actually have to believe, based on everything that has been said, that a person suffering from insomnia—since they are essentially allowing their brain to be destroyed—would have to break down completely in a relatively short time. This breakdown, however, occurs much less quickly than one would expect. The reason for this is the same as why, for example, in people who can neither see nor hear—such as Helen Keller—human intelligence can nevertheless be developed. One would actually have to consider this theoretically impossible in the present cycle, for the things that today constitute a large part of our intelligence enter our brain through the eyes and ears. But if a person like the now-famous Helen Keller is capable of being educated, it is because, even though the gates of the senses are closed to her, she has inherited a brain that makes such education possible. If the person were not situated within the line of heredity, then such an education, as in Helen Keller’s case, could not take place at all. If, through heredity, a person’s brain were not, so to speak, much healthier than one is usually inclined to assume, insomnia would completely undermine their health in a very short time. However, there is generally so much hereditary strength that insomnia can actually persist for a long time before it harms a person. Nevertheless, it remains true that this cycle essentially exists: building up, and thus unconsciousness during sleep; breaking down, and thus consciousness while awake.
[ 5 ] Nicht nur solche kleineren Zyklen nehmen wir im gesamten menschlichen Leben wahr, sondern auch größere zyklische Verläufe nehmen wir wahr. Da möchte ich aufmerksam machen auf einen zyklischen Verlauf, auf den ich ja auch schon öfter hingewiesen habe. Derjenige, welcher den Verlauf des gesamten menschlichen Lebens in westlichen Gegenden verfolgt, der wird bemerken, daß eine ganz bestimmte Konfiguration des geistigen Lebens der Menschheit da war, sagen wir vom 14., 15., 16. Jahrhundert bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Allerdings sieht man auf die einschlägigen Dinge im gewöhnlichen Leben viel zu ungenau und flüchtig hin, man betrachtet im allgemeinen das Leben nicht tief genug. Wenn man aber gründlich das Leben betrachtet, wird man überall bemerken können, wie seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eine ganz andere Konfiguration des abendländischen Geisteslebens beginnt. Freilich stehen wir mit diesem beginnenden Geistesleben erst am Anfang. Daher bemerken es die Menschen nicht in seiner ganzen Bedeutsamkeit und Wesenhaftigkeit. Aber denken wir uns, es hätte jemand versucht, in den vierziger, fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts vor einem solchen Auditorium von denselben Dingen zu sprechen, von denen ich hier zu Ihnen sprechen darf, denken wir uns das einmal. — Wir können uns das eben nicht denken, es wäre ein Unsinn, es wäre ganz ausgeschlossen gewesen in den vierziger, fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. So wäre es auch ganz ausgeschlossen gewesen, von diesen Dingen in dieser Weise zu sprechen in der Zeit vom 14., 15., 16. Jahrhundert bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Das war eben die Zeit, wo das naturwissenschaftliche Denken der Menschen groß geworden ist, jenes Denken, das die großen Erfolge des Materialismus gebracht hat, jenes Denken, an dem die nicht davon loskommenden Naturgelehrten noch lange hängen werden. Aber die eigentliche Epoche des Materialismus ist vorbei. Und ebenso, wie begonnen hat die Ära des naturwissenschaftlichen Denkens in dem angegebenen Zeitpunkte, ebenso beginnt jetzt die Ära des spiritualistischen Denkens der Menschheit.
[ 5 ] We perceive not only such smaller cycles throughout human life, but also larger cyclical patterns. I would like to draw attention to a cyclical pattern that I have, in fact, pointed out on several occasions. Anyone who traces the course of human life in Western regions will notice that there was a very specific configuration of humanity’s spiritual life, let us say from the 14th, 15th, and 16th centuries up to the last third of the 19th century. However, people tend to look at the relevant aspects of everyday life far too superficially and fleetingly; generally speaking, they do not examine life deeply enough. But if one examines life thoroughly, one will be able to observe everywhere how, since the last third of the 19th century, an entirely different configuration of Western spiritual life has begun. Admittedly, we are only at the beginning of this emerging spiritual life. That is why people do not perceive it in all its significance and essential nature. But let us imagine that someone had tried, in the 1840s and 1850s, to speak before such an audience about the very things I am speaking to you about here—let us imagine that for a moment. — We simply cannot imagine that; it would have been nonsense; it would have been completely out of the question in the 1840s and 1850s. It would also have been completely out of the question to speak of these things in this way during the period from the 14th, 15th, and 16th centuries up to the last third of the 19th century. That was precisely the time when scientific thinking had come of age, the very thinking that brought about the great successes of materialism, the very thinking to which natural scientists, unable to break free from it, will cling for a long time to come. But the true era of materialism is over. And just as the era of scientific thinking began at the specified time, so too is the era of humanity’s spiritualistic thinking now beginning.
[ 6 ] Wir leben in der Zeit, in der hart aneinander stoßen diese zwei scharf voneinander zu unterscheidenden Epochen. Immer mehr wird es hervortreten, daß die Art des neuen Denkens erst sich zur Wirklichkeit zu stellen hat, daß das Denken bei den Menschen ein ganz anderes werden wird, als dasjenige der letzten vier Jahrhunderte sein mußte, weil die Menschen lernen mußten, naturwissenschaftlich zu erkennen. In den letzten vier Jahrhunderten hat es sich darum gehandelt, den Blick des Menschen hinauszuweiten in den Weltenraum. Öfter habe ich aufmerksam gemacht auf jenen bedeutsamen Moment in der Geistesentwickelung des Abendlandes, als Kopernikus, Galilei, Kepler, Giordano Bruno im Zusammenwirken sozusagen das blaue Himmelsgewölbe zersprengt haben. Bis dahin glaubte man, daß um unsere Erde herumhinge diese blaue Schale. Dann traten jene Geister auf, die diese Schale als ein Nichts erklärten und den Blick der Menschen hinauslenkten in unendliche Weltenfernen des Raumes. Was war eigentlich das Bedeutsame darin, daß, sagen wir, Bruno die Menschen schauen gelehrt hat, den Menschen klar gemacht hat, wie dasjenige, was sie als blaue Schale sich als Grenze ihres eigenen Sehvermögens gesetzt hatten, ein Nichts sei, daß er ihnen sagte: Dies ist nicht wirklich da, erkennt nur, daß ihr diese blaue Schale selbst in den Raum hinaus setzt? — Daß es der Anfang war, das war das Bedeutsame. Das Ende war die Tatsache im 19. Jahrhundert, als die Menschen lernten, die stofflichen Zusammensetzungen der fernsten Himmelskörper mit dem Spektroskop zu untersuchen. Eine wunderbare Epoche, die Epoche des Materialismus! Jetzt stehen wir am Ausgangspunkte einer anderen Epoche. Sie geht aus denselben Gesetzen hervor, sie ist aber die Epoche der Spiritualität. Wie durch Brunos Arbeit die naturwissenschaftliche Epoche vorbereitet ist, die blaue Schale des Himmelsgewölbes durchbrochen worden ist, so wird in dem Zeitalter, das jetzt beginnt, durchbrochen werden das Zeitenfirmament. Die Menschen werden lernen, indem sie das Menschenleben eingeschlossen glauben zwischen Geburt und Tod oder Empfängnis und Tod, daß dies Grenzen sind, selbstgemachte Grenzen der menschlichen Seele. Wie früher die Menschen sich die Grenzen der Sinne selbst gemacht hatten als blaue Himmelsschale, wie der Blick damals erweitert wurde in die unendlichen Raumessphären, so werden die Zeitgrenzen durchbrochen werden, die zwischen Geburt und Tod liegen, und losgelöst von Geburt und Tod werden liegen im unendlichen Zeitenmeere die Verwandlungen des Menschenkernes, die wir verfolgen in den immer wiederkehrenden Inkarnationen. Ein neues Zeitalter beginnt, das Zeitalter des spirituellen Denkens.
[ 6 ] We are living in an era in which these two distinct epochs are in sharp conflict with one another. It will become increasingly clear that this new way of thinking must first come to terms with reality, that human thinking will become something entirely different from what it had to be over the past four centuries, because people had to learn to perceive the world through the natural sciences. Over the past four centuries, the focus has been on expanding humanity’s gaze out into the cosmos. I have often drawn attention to that significant moment in the spiritual development of the West when Copernicus, Galileo, Kepler, and Giordano Bruno, working together, so to speak, shattered the blue vault of heaven. Until then, it was believed that this blue shell hung around our Earth. Then those minds appeared who declared this shell to be nothing and directed people’s gaze out into the infinite distances of space. What was actually significant about the fact that, let us say, Bruno taught people to look, made it clear to them that what they had set as the blue shell—the boundary of their own vision—was nothing, that he told them: This is not really there; just realize that you yourselves are placing this blue shell out into space? — That it was the beginning—that was what was significant. The end was the fact in the 19th century when people learned to examine the material compositions of the most distant celestial bodies with the spectroscope. A wonderful epoch, the epoch of materialism! Now we stand at the starting point of another epoch. It arises from the same laws, but it is the epoch of spirituality. Just as Bruno’s work prepared the scientific epoch, breaking through the blue shell of the celestial vault, so in the age that is now beginning, the firmament of time will be broken through. People will learn, having believed human life to be confined between birth and death or conception and death, that these are boundaries—self-imposed boundaries of the human soul. Just as people once made the limits of the senses for themselves as a blue celestial shell, and just as their gaze was then expanded into the infinite spheres of space, so too will the boundaries of time lying between birth and death be broken through; and detached from birth and death, the transformations of the human core—which we trace through the ever-recurring incarnations—will lie in the infinite sea of time. A new age is beginning, the age of spiritual thinking.
[ 7 ] Worauf beruht für denjenigen, der die okkulten Grundlagen dieser Übergänge von einem Zeitalter zum anderen erkennen kann, diese Veränderung des menschlichen Denkens? Das kann keine Philosophie, keine äußere Physiologie und Anatomie ohne weiteres nachweisen. Wahr ist es doch. Kräfte, welche heute herausgetreten sind in die arbeitenden menschlichen Seelen, die heute angewendet werden innerhalb der menschlichen Seelen, um spirituelle Erkenntnisse zu sammeln, dieselben Kräfte arbeiteten in den letzten vier Jahrhunderten am menschlichen Organismus als aufbauende Kräfte. Nehmen wir den ganzen Zeitraum von Kopernikus bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts: In dieser ganzen Zeit arbeiteten geheimnisvolle Kräfte an der Körperlichkeit, wie im Schlafe die aufbauenden Kräfte am Nervensystem arbeiten. Diese aufbauenden Kräfte, die da arbeiteten am Menschen, stellten eine ganz bestimmte Gehirnstruktur her in den besonderen Partien des Gehirns. Die abendländischen Gehirne sind heute anders, als sie vor fünf Jahrhunderten waren. Heute schaut es unter der Schädeldecke nicht so aus wie vor fünf bis sechs Jahrhunderten. Da hat sich ein feines Organ gebildet, da arbeiteten Kräfte, die ein Organ bildeten, das vorher nicht da war. Wenn das äußerlich auch nicht bewiesen zu werden vermag, wahr ist es doch. Wahr ist es, daß unter der Stirnbildung des Menschen sich ausgebildet hat ein feines Organ. Da arbeiteten Kräfte unter der menschlichen Stirn, arbeiteten durch einen vier Jahrhunderte dauernden Zyklus hindurch. Diese Kräfte haben während dieses vier Jahrhunderte dauernden Zyklus ihre Aufgabe als aufbauende Kräfte erfüllt. Heute ist nun das Organ da, wenigstens bei den meisten abendländischen Menschen. Es wird immer mehr und mehr da sein in den nächsten Jahrhunderten, in dem Zyklus, welchem wir jetzt entgegengehen. Das Organ ist aufgebaut, die Kräfte werden frei. Und mit denselben Kräften wird die Menschheit des Abendlandes spirituelle Erkenntnisse sich erwerben. Da haben wir die okkulte physiologische Grundlage dessen, um was es sich handelt. Wir beginnen heute zu arbeiten mit den Kräften, welche die Menschen nicht gebrauchen konnten in den letzten vier Jahrhunderten. Da waren diese Kräfte beschäftigt damit, dasjenige aufzubauen, was bereitet werden mußte, damit spirituelles Erkennen Platz greifen konnte in der Welt.
[ 7 ] For those who can perceive the occult foundations of these transitions from one age to another, what is the basis for this change in human thinking? No philosophy, no external physiology or anatomy can readily prove this. Yet it is true. The forces that have now emerged into the active human soul—the forces that are now being applied within the human soul to gather spiritual insights—are the very same forces that worked upon the human organism as constructive forces over the last four centuries. Let us take the entire period from Copernicus to the last third of the 19th century: throughout this entire time, mysterious forces worked on the physical body, just as the building forces work on the nervous system during sleep. These building forces, which were at work in human beings, created a very specific brain structure in particular parts of the brain. Western brains today are different from what they were five centuries ago. Today, the interior of the skull does not look the same as it did five to six centuries ago. A delicate organ has formed there; forces were at work there that created an organ that was not there before. Even if this cannot be proven externally, it is nonetheless true. It is true that a subtle organ has developed beneath the human forehead. Forces were at work beneath the human forehead, working through a cycle lasting four centuries. During this four-century cycle, these forces fulfilled their task as constructive forces. Today, the organ is now present, at least in most Western people. It will become increasingly present in the coming centuries, in the cycle toward which we are now moving. The organ has been built up; the forces are being set free. And with these very forces, Western humanity will acquire spiritual knowledge. Herein lies the occult physiological foundation of what is at stake. Today we are beginning to work with the forces that people have been unable to use over the past four centuries. During that time, these forces were occupied with building up what had to be prepared so that spiritual knowledge could take hold in the world.
[ 8 ] So können wir uns einen Menschen denken, sagen wir, des 17. Jahrhunderts oder des 18. Jahrhunderts: Der steht so vor uns, daß wir wissen, daß hinter seiner Stirn gewisse okkulte Kräfte arbeiten, die sein Gehirn umformen, Diese Kräfte waren immer an diesen Partien am Werke bei den westländischen Menschen. Nehmen wir nun an, es wäre einem Menschen gelungen — und das kann gelingen —, einmal diese Kräfte im 17. oder 18. Jahrhundert aufzuhalten, sie nicht arbeiten zu lassen: dann wäre dasselbe bei ihm eingetreten — und es ist auch eingetreten —, was eintritt bei einem Menschen, der mitten im Schlafe die Kräfte, die sonst am Aufbau der Gehirnstruktur arbeiten, aufhält, der diese Kräfte spielen läßt, ohne daß sie in diesem Momente aufbauen. Man kann das, man kann Momente erleben, wo man aus dem Schlafe heraus wie aufwacht, und doch nicht aufwacht, wo man regungslos bleibt, die Glieder nicht bewegen kann, wo keine Wahrnehmung von außen stattfindet, und doch Wachzustand ist. Da arbeitet dasjenige, was sonst an dem weiteren Aufbau arbeitet. Das arbeitet nun nicht an dem Aufbau, sondern arbeitet frei, spielt frei. Das sind die Momente, wo wir die sonst an unser Gehirn verbrauchten Kräfte zum Hellsehen gebrauchen können. Das sind die Momente, wo wir, wie im Schlaf regungslos bleiben, Einblicke gewinnen können in die geistigen Welten. So war es aber auch, wenn ein Mensch des 17. oder 18. Jahrhunderts gleichsam einstellte die aufbauende Tätigkeit dieser aufbauenden Kräfte. Dann ließ er diese Kräfte für einen Moment nicht arbeiten, dann wurde er für einen Moment hellsichtig. Was sah er denn da? Was nahm er dann wahr? Er sah, was da im Gehirn arbeitete aus den geistigen Welten herein, die Kräfte, welche die Menschen etwa vom 15. Jahrhundert an bis in das 19. Jahrhundert hinein dazu vorbereiteten, daß diese Menschen vom 20. Jahrhundert ab sich in die spirituellen Welten erheben können. Vereinzelte Menschen hat es immer gegeben, die solche Erfahrungen hatten. Solche Erfahrungen waren gewaltig bestürzend, weil sie ungeheuer eindrucksvoll waren. Es hat immer Menschen gegeben, welche für Momente in demjenigen lebten, was hereinarbeitete aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche, um in dieser etwas hervorzubringen, was in früheren Menschheitszyklen nicht da war, nämlich dieses feinere Organ in der Stirnhöhle. Götter, geistige Wesen bei ihrer Arbeit am Aufbau des menschlichen Organismus nahmen solche Menschen wahr, die in der geschilderten Weise hellsichtig wurden.
[ 8 ] So we can imagine a person, say, from the 17th or 18th century: He stands before us in such a way that we know certain occult forces are at work behind his forehead, reshaping his brain. These forces have always been at work in these areas among Western people. Now let us suppose that a person had succeeded—and this is possible—in once halting these forces in the 17th or 18th century, preventing them from working: then the same thing would have happened to him—and it did happen—as happens to a person who, in the midst of sleep, halts the forces that otherwise work to build up the brain’s structure, who allows these forces to act without their building anything up at that moment. One can experience moments when, emerging from sleep, one seems to wake up yet does not fully wake up; when one remains motionless, unable to move one’s limbs; when there is no external perception, yet one is in a waking state. In such moments, what normally works on the brain’s ongoing development is at work. This is not working on the development, but is working freely, playing freely. These are the moments when we can use the forces otherwise expended on our brain for clairvoyance. These are the moments when, remaining motionless as in sleep, we can gain insights into the spiritual worlds. But it was the same when a person of the 17th or 18th century, so to speak, suspended the constructive activity of these building forces. Then they would let these forces rest for a moment, and for a moment they would become clairvoyant. What did they see there? What did they perceive? They saw what was at work in the brain, coming in from the spiritual worlds—the forces that had been preparing people from around the 15th century through into the 19th century so that these people could, from the 20th century onward, rise into the spiritual worlds. There have always been isolated individuals who had such experiences. Such experiences were profoundly unsettling because they were immensely powerful. There have always been people who, for moments, lived within what was working its way from the supersensible world into the sensory world, in order to bring forth in the latter something that had not existed in earlier cycles of humanity, namely this finer organ in the frontal sinus. Such people, who became clairvoyant in the manner described, perceived gods and spiritual beings at work in the building up of the human organism.
[ 9 ] Wir charakterisieren damit zugleich die Hellsichtigkeit von einer besonderen Seite her. Wir können ja auch dadurch, daß wir die in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gegebenen Übungen anwenden, solche Momente im Schlafe herbeiführen. Wir können dann Einblicke haben in das geistige Leben in der Art, wie sie geschildert ist in meinem Buche «Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen».
[ 9 ] In doing so, we are also characterizing clairvoyance from a particular perspective. By applying the exercises given in the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*, we can also induce such moments during sleep. We can then gain insights into spiritual life in the manner described in my book *A Path to Self-Knowledge for Humanity*.
[ 10 ] Es kann also in einem Menschheitszyklus, wo dasjenige frei wird, was da vorbereitend arbeitet für die Zukunft, es kann also innerhalb eines solchen Zyklus das, was die Zukunft vorbereitet, sichtbar werden dem hellsichtigen Blick. Wir bezeichnen das auch mit einem anderen Namen — denn Namen sagen ja nichts —, es wäre ebensogut, wir bezeichneten jene Kräfte, welche da gearbeitet haben durch vier Jahrhunderte hindurch an dem feinen Umbau der menschlichen Gehirnstruktur, als die Kraft des Gabriel. Wir sagen Gabriel, aber es kommt nur darauf an, daß man für einen Moment Einblick erhält in die übersinnlichen Welten. Man bekommt den Einblick auf eine geistige Wesenheit, die aus der übersinnlichen Welt heraus an dem menschlichen Organismus arbeitet. Wir sprechen also von einer Summe von Kräften, die aber dirigiert werden von einer Wesenheit aus der Hierarchie der Archangeloi, Gabriel. Wir sagen daher: An dem menschlichen Organismus hat gearbeitet vom 15. Jahrhundert bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Gabrielkraft. Und weil da eine spirituelle Kraft im besonderen am Physischen gearbeitet hat, so schlief das Verständnis für das Spirituelle dazumal, und dieses Schlafen des Verständnisses für das Spirituelle brachte die großen Triumphe der Naturwissenschaft hervor. Jetzt aber ist diese Kraft erwacht. Das Spirituelle hat gearbeitet. Es beginnt das spirituelle Zeitalter, nachdem die Kräfte frei geworden sind, die wir die Gabrielkräfte nennen, nachdem wir diese Kräfte, die Seelenkräfte geworden sind, gebrauchen können, die früher unter der Schädeldecke am physischen Aufbau eines Organs gearbeitet haben.
[ 10 ] Thus, within a human cycle—where that which works preparatorily for the future becomes free—that which prepares the future can become visible to the clairvoyant eye. We also refer to this by another name—for names, after all, mean nothing—it would be just as well if we referred to those forces that have been at work for four centuries on the subtle restructuring of the human brain as the power of Gabriel. We say Gabriel, but what matters is that one gains insight for a moment into the supersensible worlds. One gains insight into a spiritual being who works on the human organism from the supersensible world. We are thus speaking of a sum of forces, which are, however, directed by a being from the hierarchy of the Archangels, Gabriel. We therefore say: The Gabriel force worked on the human organism from the 15th century until the last third of the 19th century. And because a spiritual force worked specifically on the physical, understanding of the spiritual lay dormant at that time, and this slumber of understanding for the spiritual brought about the great triumphs of natural science. But now this force has awakened. The spiritual has been at work. The spiritual age is beginning now that the forces we call the Gabriel forces have been set free, now that we can make use of these forces—which have become soul forces—that previously worked beneath the skull on the physical structure of an organ.
[ 11 ] Da haben wir einen etwas bedeutungsvolleren zyklischen Verlauf als denjenigen von Tag und Nacht, von Wachen und Schlafen. Es gibt aber noch viel bedeutendere zyklische Verläufe in der Menschheitsevolution. So können wir hinweisen darauf, daß jenes menschliche Selbstbewußtsein, das gerade jetzt in diesem Zyklus unserer nachatlantischen Zeit den ganzen Stolz der Menschheit bildet, sich erst nach und nach ausbilden mußte. Das war ja früher nicht da. Man spricht heute viel von Entwickelung, aber man macht selten ganz ernst mit der Entwickelung.
[ 11 ] Here we have a somewhat more significant cyclical pattern than that of day and night, or waking and sleeping. However, there are even more significant cyclical processes in human evolution. We can point out, for example, that the human self-consciousness which, right now in this cycle of our post-Atlantean era, constitutes the very pride of humanity, had to develop only gradually. It did not exist in earlier times. People speak a great deal about development today, but they rarely take development entirely seriously.
[ 12 ] Wie naiv die Menschen sind in bezug auf dasjenige, was sie eigentlich umgibt, darüber kann man manchmal sehr eigenartige Erfahrungen machen. Die Menschen lassen eben vieles in aller Naivität aus dem Unterbewußtsein heraufspielen und entschließen sich schwer, wirklich bewußt dasjenige, was an Kräften aus unbekannten Welten in die bekannten hereinspielt, den übersinnlichen Welten zuzuschreiben. Gerade in den letzten Tagen ist mir wieder ein sonderbares Beispiel sozusagen einer auf halbem Wege stehenbleibenden Logik entgegengetreten. Man muß schon sagen, man begreift die Widerstände, die der anthroposophischen Weltanschauung entgegentreten, wenn man weiß, daß notwendig zum Verständnis der Anthroposophie ein ganz besonderes Denken ist, bei dem man nicht auf halbem Wege mit irgendeinem Gedanken stehenbleiben darf. Da ist nun innerhalb Deutschlands ein Freidenkerkalender erschienen, zum erstenmal im vorigen Jahre. Darin wendet sich ein durchaus ehrlicher Mensch dagegen, den Kindern religiöse Begriffe beizubringen. Er führt aus, daß dies eigentlich gegen die Natur des Kindes spreche. Er habe beobachtet, daß, wenn man Kinder frei aufwachsen ließe, sie keine religiösen Begriffe entwickelten. Also wäre es unnatürlich, diese Begriffe in die Kinder hineinzupfropfen. Man kann nun ganz überzeugt sein, daß dieser Kalender an Hunderte von Menschen geht und daß diese meinen verstehen zu können, wie es eigentlich Unsinn sei, religiöse Begriffe den Kindern beizubringen. Solche Dinge gibt es heute massenhaft, denn die Leute merken gar nicht mehr die Unlogik. Man braucht ja nur zu erwidern, daß, weil Kinder, die durch irgendeinen Umstand, sagen wir, auf einer Insel allein gelebt haben, nicht sprechen lernten, man die Kinder überhaupt nicht sprechen lehren sollte. Das wäre genau dieselbe Logik. Allerdings werden sich die Leute darauf nicht einlassen, daß dies dieselbe Logik sei, die sie doch so ungeheuer geistreich finden im ersten Fall. Niedlich ist es, wenn man solch eine Erfahrung macht, man möchte sagen, auf dem großen Horizonte des heutigen äußeren Lebens, das nur noch ganz ein Nachspiel, ein Auslaufen des materialistischen Zeitalters darstellt.
[ 12 ] One can sometimes have very strange experiences that reveal just how naive people are about the world around them. People naively allow many things to surface from the subconscious and find it difficult to consciously attribute to the supersensible worlds those forces that flow from unknown worlds into the known ones. Just in the last few days, I have again encountered a strange example of, so to speak, a logic that stops halfway. One must admit that one understands the resistance encountered by the anthroposophical worldview when one realizes that understanding anthroposophy requires a very particular way of thinking, in which one must not stop halfway with any given thought. A “Free Thinker’s Calendar” has now been published in Germany, for the first time last year. In it, a thoroughly honest person argues against teaching children religious concepts. He explains that this actually goes against the nature of the child. He has observed that if children are allowed to grow up freely, they do not develop religious concepts. So it would be unnatural to instill these concepts in children. One can be quite certain that this calendar reaches hundreds of people and that they believe they understand how it is actually nonsense to teach religious concepts to children. Such things are everywhere today, because people no longer even notice the illogic. One need only reply that, just because children who, due to some circumstance—let’s say, having lived alone on an island—did not learn to speak, one should not teach children to speak at all. That would be exactly the same logic. However, people will not accept that this is the same logic they find so incredibly witty in the first case. It is charming when one has such an experience; one is tempted to say that, against the vast horizon of today’s external life, which is now nothing more than an epilogue, a fading out of the materialistic age.
[ 13 ] Da gibt es sehr bemerkenswerte Aufsätze, die in der letzten Zeit erschienen sind, von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Nordamerikas, Woodrow Wilson. Da gibt es einen Aufsatz über die Gesetze des menschlichen Fortschritts. Darin wird wirklich recht nett und sogar geistreich ausgeführt, wie die Menschen eigentlich beeinflußt werden von dem, was das tonangebende Denken ihres Zeitalters gibt. Und sehr geistreich führt er aus, wie in dem Zeitalter Newtons, wo alles voll war von den Gedanken über die Schwerkraft, man in die gesellschaftlichen Begriffe, ja, in die Staatsbegriffe nachwirken fühlte die Newtonschen Theorien, die in Wirklichkeit nur auf die Weltenkörper paßten. Die Gedanken über die Schwerkraft im besonderen fühlt man in allem nachwirken. Das ist wirklich sehr geistreich, denn man braucht nur nachzulesen den Newtonismus, und man wird sehen, daß überall Worte geprägt werden wie: Anziehen und Abstoßen und so weiter. Das hebt Wilson wirklich sehr geistvoll hervor. Er sagt, wie ungenügend es sei, rein mechanische Begriffe anzuwenden auf das menschliche Leben, Begriffe von der Himmelsmechanik anzuwenden auf die menschlichen Verhältnisse, indem er zeigt, wie das menschliche Leben damals geradezu wie eingebettet war in diese Begriffe, wie diese Begriffe überall auf das staatliche und soziale Leben Einfluß gehabt haben. Es rügt Wilson mit Recht diese Anwendung rein mechanischer Gesetze in dem Zeitalter, in dem sozusagen der Newtonismus das ganze Denken unter sein Joch gespannt hat. Man muß anders denken, sagt Wilson, und konstruiert jetzt seinen Staatsbegriff. Und zwar so, daß nun überall, nachdem er dies von dem Zeitalter des Newtonismus nachgewiesen hat, bei ihm der Darwinismus herausguckt. Ja, er ist so naiv, das sogar zu gestehen. Er ist so naiv zu sagen: Die Newtonschen Begriffe haben nicht ausgereicht, man muß die darwinistischen Gesetze des Organismus anwenden. Da haben wir ein lebendiges Beispiel, wie man mit halber Logik heute durch die Welt schreitet. Die Gesetze reichen eben nicht mehr aus, die rein aus dem Organismus entspringen. Man braucht seelische und geistige Gesetze heute.
[ 13 ] There are some very remarkable essays that have appeared recently by the President of the United States of America, Woodrow Wilson. There is an essay on the laws of human progress. In it, he explains in a truly charming and even witty way how people are actually influenced by the prevailing ideas of their age. And he explains very wittily how, in the age of Newton, when everything was filled with thoughts about gravity, one could feel the lingering effects of Newton’s theories—which in reality applied only to celestial bodies—in social concepts, indeed, in concepts of the state. Thoughts on gravity, in particular, can be felt reverberating in everything. This is truly very witty, for one need only read up on Newtonianism to see that terms like “attraction” and “repulsion” and so on are coined everywhere. Wilson really highlights this very wittily. He points out how inadequate it is to apply purely mechanical concepts to human life, to apply concepts from celestial mechanics to human relationships, by showing how human life at that time was virtually embedded in these concepts, how these concepts have influenced state and social life everywhere. Wilson rightly criticizes this application of purely mechanical laws in an age in which, so to speak, Newtonianism had yoked all thought under its yoke. One must think differently, says Wilson, and now constructs his concept of the state. And he does so in such a way that, having demonstrated this in the age of Newtonianism, Darwinism now peeks out from his work. Yes, he is so naive as to even admit it. He is so naive as to say: Newtonian concepts have not been sufficient; one must apply the Darwinian laws of the organism. Here we have a living example of how one strides through the world today with half-baked logic. The laws that spring purely from the organism are simply no longer sufficient. Today we need psychological and spiritual laws.
[ 14 ] Es ist ja so, daß man begreifen kann, wie sich von allen Seiten Widersprüche auftürmen gegen die anthroposophische Weltanschauung, weil diese eben ein durchdringendes Denken, eine überall eindringende Logik braucht. Das ist aber eben auch das Gute der anthroposophischen Weltanschauung, daß sie ihre Anhänger zwingt, ordentlich zu denken. So müssen wir die Entwickelung im geistigen Sinne denken, und nicht in dem darwinistischen Sinne Wilsons. Es muß uns klar sein, daß dasjenige, was jetzt das wesentliche Charakteristikon des Menschen ausmacht, das Selbstbewußtsein, das Stehen auf dem Ich, sich auch erst nach und nach entwickelt hat. Nun mußte das aber ebenso vorbereitet werden, wie unser spirituelles Denken vorbereitet worden ist in den letzten vier Jahrhunderten. Es mußten geistige Kräfte aus den übersinnlichen Welten heraus arbeiten, um auszubilden, was später im Selbstbewußtsein des Menschen zum Ausdruck gekommen ist. Wir können sprechen von einem Einschnitt in der menschlichen Entwickelung, einem vorhergehenden und einem nachherfolgenden Zeitalter. Das nachfolgende sei dasjenige, in dem langsam und allmählich das Selbstbewußtsein im Menschen auftritt. Wir wollen es nennen das Zeitalter des Selbstbewußtseins.
[ 14 ] The fact is, one can understand how contradictions pile up from all sides against the anthroposophical worldview, precisely because it requires penetrating thought and a logic that permeates everything. But that is also the strength of the anthroposophical worldview: it compels its adherents to think clearly. Thus, we must conceive of evolution in a spiritual sense, and not in the Darwinian sense of Wilson. We must realize that what now constitutes the essential characteristic of the human being—self-consciousness, the standing on the “I”—has also developed only gradually. But this, too, had to be prepared, just as our spiritual thinking has been prepared over the last four centuries. Spiritual forces had to work from the supersensible worlds to shape what later found expression in human self-consciousness. We can speak of a turning point in human development, a preceding and a subsequent age. The latter is the one in which self-consciousness slowly and gradually emerges in human beings. Let us call it the age of self-consciousness.
[ 15 ] Dem aber geht voran in zyklischer Abwechslung ein Zeitalter, in dem erst das Organ des Selbstbewußtseins aus übersinnlichen Kräften in den Menschen hineingebaut worden ist. Es geht voran das Zeitalter, in dem Geistesmächte den Menschen organisch vorbereiteten, das Selbstbewußtsein zu haben. Das heißt, dasjenige, was im Selbstbewußtsein seelisch arbeitet, das arbeitete in jenem vorhergehenden Zeitalter unsichtbar und unerkennbar im Inneren der Menschennatur. Der Einschnitt, der Verbindungspunkt dieser beiden großen Zeitalter, ist ein wichtiger Einschnitt in der menschlichen Entwickelung. Vor der Epoche, die diesem Einschnitt folgt, war das Selbstbewußtsein bei den meisten Menschen überhaupt nicht vorhanden, bei den fortgeschrittenen Menschen verhältnismäßig schwach. Damals dachten die Menschen nicht so wie heute, daß sie bei einem Gedanken wußten: Ich denke diesen Gedanken. — Sondern die Gedanken traten auf wie lebendige Träume. Auch die Willensimpulse und die Gefühle traten nicht so ins Bewußtsein wie heute, sondern es trat im Menschen etwas auf, was wie instinktiv im Menschen lebte. Selbstbewußtsein durchdrang noch nicht das Seelenleben. Aber es arbeiteten an der menschlichen Organisation, an der menschlichen Natur vom Geiste aus diejenigen Wesenheiten, die den Menschen vorbereiteten, später fähig zu sein, das Selbstbewußtsein von sich aus zu haben. Ganz anders mußten die Menschen sich verhalten vor der Epoche des Selbstbewußtseins als in der Epoche des Selbstbewußtseins, wie auch das äußere Erfahren sich ganz verschieden darstellt vom 15. bis zum 20. Jahrhundert nach Christus, als es später sein wird.
[ 15 ] But preceding this, in a cyclical alternation, is an age in which the organ of self-consciousness was first built into human beings from supersensible forces. Preceding it is the age in which spiritual forces organically prepared human beings to possess self-consciousness. That is to say, that which works psychically within self-consciousness was at work in that preceding age, invisibly and unrecognizably, within human nature. The turning point, the connecting point between these two great ages, is a significant turning point in human development. Before the epoch that follows this turning point, self-consciousness was entirely absent in most people and relatively weak in the more advanced ones. Back then, people did not think as they do today, knowing with every thought: “I am thinking this thought.” Instead, thoughts arose like living dreams. Nor did the impulses of the will and the feelings enter consciousness as they do today; rather, something arose within the human being that lived within them almost instinctively. Self-consciousness had not yet permeated the life of the soul. But those beings who were preparing humanity to later be capable of possessing self-consciousness of their own accord were working on the human organism and human nature from the spiritual realm. People had to behave quite differently before the epoch of self-consciousness than during the epoch of self-consciousness, just as external experience presents itself quite differently from the 15th to the 20th century A.D. than it will later on.
[ 16 ] Wie wir alle westländischen Kulturen so verlaufen sehen, daß die äußeren Gesetze der materiellen Wirkungsart gefunden und praktisch angewendet werden, und wie dann hinzutreten wird spirituelles Wissen, spirituelles Verständnis, so war bis zu dem Zeitalter, in dem das Selbstbewußtsein eintrat in die Seele, alles, was vorbereiten konnte dieses Selbstbewußtsein, in das menschliche Leben eingeflossen. Da waren die Menschen eingeteilt in strenge Kasten in der Gegend, in welcher das Selbstbewußtsein zunächst auftreten sollte. Und die Menschen achteten diese Kasten. Derjenige, der in einer niedrigen Kaste geboren war, empfand es als höchstes Ziel, in dieser Kaste sich so zu verhalten, daß er in späteren Verkörperungen hinauf sich zu heben vermöchte. Ein mächtiger Ansporn der menschlichen Seelenentwickelung war diese Kasteneinteilung. Denn die Menschen wußsten, daß sie durch Entwickelung der inneren Seelenkräfte sich geeignet machten, in einer nächsten Verkörperung in eine höhere Kaste aufzusteigen. Und zu den Ahnen schaute man auf und sah in ihnen dasjenige, was nicht an einen physischen Leib gebunden ist. Ehrwürdig waren den Menschen die Ahnen, weil sie schon gestorben waren, und übriggeblieben war das Manenhafte, das Geistige, das geistig nach dem Tode von der höheren Welt aus wirkte. Das war eine gute Vorbereitung auf das große Ziel in der menschlichen Natur, dasjenige zu sehen im Ahnenkult, was jetzt schon in uns lebt, und nicht an den physischen Leib gebunden ist, die selbstbewußte Seele, die mit dem Tode durch die Pforte des Todes in die geistigen Welten geht. So, wie durch vier Jahrhunderte die beste Erziehung zur Spiritualität jene Erziehung war, welche die Menschen zum naturwissenschaftlichen Denken gezwungen hat, so war es die beste Erziehung damals, eine hohe Achtung den Menschen einzuflößen für die Kaste und für die Vorfahren. Das war eine wunderbare Vorbereitung für die Entwickelung des Selbstbewußtseins. Der Mensch stand in seiner Kaste darin und entwickelte einen ganz besonderen Hang zur Kasteneinteilung. Gerade an der Pietät gegenüber der Kaste und gegenüber den Ahnen hatte der Mensch etwas, was ungeheuer hineinwirkte in sein Leben. Kasteneinteilung und Ahnenverehrung wirkten tief ein auf das menschliche Leben. Da arbeiteten geistige Wesenheiten hinein in dieses äußere menschliche Leben, wie es in den Kasten und in der Verehrung der Ahnen verlief. Das war dasjenige, was vorbereitete die Möglichkeit, daß der Mensch in Zukunft bei jedem Gedanken sagen konnte: Ich denke; bei jedem Gefühl: Ich fühle; und bei jedem Willensimpuls: Ich will. — Das Selbstbewußtsein wurde vorbereitet in der vorhergehenden Epoche, in welcher eben das Selbstbewußtsein nicht da war, aber von Göttern aus der menschlichen Natur herausgearbeitet worden ist.
[ 16 ] Just as we see all Western cultures proceeding in such a way that the external laws of the material mode of action are discovered and applied in practice, and just as spiritual knowledge and spiritual understanding are then added to this, so too, up until the age in which self-consciousness entered the soul, everything that could prepare for this self-consciousness had flowed into human life. People were divided into strict castes in the region where self-consciousness was first to emerge. And people respected these castes. Those born into a lower caste regarded it as their highest goal to conduct themselves within that caste in such a way that they might rise to a higher caste in later incarnations. This caste system was a powerful incentive for the development of the human soul. For people knew that by developing their inner soul forces, they made themselves fit to ascend to a higher caste in a future incarnation. And they looked up to their ancestors and saw in them that which is not bound to a physical body. The ancestors were revered by people because they had already died, and what remained was the manic, the spiritual, which continued to work spiritually from the higher world after death. This was a good preparation for the great goal in human nature: to see in the ancestor cult that which already lives within us and is not bound to the physical body—the self-conscious soul that, upon death, passes through the gate of death into the spiritual worlds. Just as, for four centuries, the best education in spirituality was the education that compelled people to think scientifically, so the best education at that time was to instill in people a deep respect for the caste system and for their ancestors. This was a wonderful preparation for the development of self-consciousness. People stood within their caste and developed a very special inclination toward caste division. It was precisely in the reverence for the caste and for the ancestors that human beings had something that had an immense impact on their lives. Caste division and ancestor worship had a profound effect on human life. Spiritual beings worked into this outer human life, as it unfolded within the castes and in the veneration of the ancestors. This was what prepared the possibility that in the future, with every thought, a human being could say: I think; with every feeling: I feel; and with every impulse of will: I will. — Self-consciousness was prepared in the preceding epoch, in which self-consciousness did not yet exist, but had been worked out of human nature by the gods.
[ 17 ] Nehmen wir nun an: Gegen das Ende dieses Zeitraumes tritt bei einem Menschen wie durch einen mächtigen Schock eine augenblickliche Einstellung alles dessen ein, was ihn bindet an die Kräfte, die eben geschildert worden sind, an die Kräfte der vorhergehenden Epoche. Dann war es bei ihm so, wie es sonst für uns im Schlafe ist, wenn wir für einen Moment die Kräfte des Aufbauens herausziehen und hellsichtig werden, oder wie es ja auch bei dem Menschen des 18. Jahrhunderts war, wenn er aufhalten konnte die Kräfte, die damals wirkten an der Gehirnstruktur. So konnte damals ein Mensch, wenn er einen Moment sein Verständnis gegenüber der Ahnenverehrung, gegenüber den Opferfeuern zurückzog, er konnte, indem er einen Schock empfand, dann die Kräfte, die er sonst für dieses Verständnis verwendete, für einen Augenblick dazu verwenden, einen Blick hineinzutun in die übersinnlichen Welten, konnte sehen, wie aus der geistigen Welt heraus gearbeitet wurde an der Vorbereitung des Selbstbewußtseins des Menschen. Das tat Arjuna in dem Augenblick, da er eben im Kampf den Schock bekam. Da standen still die Kräfte in ihm, die sonst aufbauende Kräfte waren, da konnte er einen Blick tun auf die göttliche Wesenheit, welche die Kräfte des Selbstbewußtseins vorbereitete, und diese Gottheit war eben Krishna. Was ist uns dadurch Krishna? Krishna ist diejenige Wesenheit in der Menschheitsevolution, die spirituell vorbereitend gearbeitet hat durch Jahrhunderte und aber Jahrhunderte hindurch an der Organisation der Menschennatur, die den Menschen fähig machte, vom 7., 8. Jahrhunderte vor Begründung des Christentums an, allmählich in das Zeitalter des Selbstbewußtseins einzutreten. Wie erscheint da Krishna, der Baumeister der menschlichen Egoität, der Baumeister des menschlichen Selbstbewußtseins? Sprechen muß er vor Arjuna in Worten, die ganz durchtränkt und durchdrungen sind von Selbstbewußtsein. So verstehen wir Krishna von einer anderen Seite her als den göttlichen Baumeister an demjenigen, was das Selbstbewußtsein im Menschen vorbereitet und es herbeigeführt hat. Und wie ein Mensch unter besonderen Verhältnissen dieses Baumeisters ansichtig werden konnte, das stellt uns eben die Bhagavad Gita dar. Das ist eine Seite der Krishna-Natur. Eine andere Seite der Krishna-Natur werden wir dann in den nächsten Vorträgen noch kennenlernen.
[ 17 ] Let us now suppose that, toward the end of this period, a person experiences—as if through a powerful shock—an instantaneous severing of all ties to the forces just described, to the forces of the preceding epoch. Then it was for him as it is for us in sleep, when we momentarily withdraw the forces of construction and become clairvoyant, or as it was for people of the 18th century when they could halt the forces that were then acting upon the brain’s structure. Thus, at that time, a person could—if he withdrew his understanding of ancestor worship and the sacrificial fires for a moment—by experiencing a shock, use the forces he would otherwise have employed for this understanding to cast a glance into the supersensible worlds for a moment; he could see how work was being done from the spiritual world to prepare human self-consciousness. This is what Arjuna did at the very moment he experienced that shock in battle. At that moment, the forces within him—which were otherwise constructive forces—came to a standstill, and he was able to catch a glimpse of the divine being who was preparing the forces of self-consciousness, and this deity was none other than Krishna. What does this make Krishna to us? Krishna is the being in human evolution who has worked spiritually for centuries upon centuries to prepare the organization of human nature, enabling humanity, from the 7th and 8th centuries before the founding of Christianity onward, to gradually enter the age of self-consciousness. How does Krishna, the architect of human egoity, the architect of human self-consciousness, appear in this context? He must speak to Arjuna in words that are entirely imbued and permeated with self-consciousness. Thus we understand Krishna from another perspective as the divine architect in that which prepared and brought about self-consciousness in human beings. And how a human being, under special circumstances, could come to behold this Architect—that is precisely what the Bhagavad Gita presents to us. This is one aspect of Krishna’s nature. We will then come to know another aspect of Krishna’s nature in the next lectures.
