Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Occult Significance of the Bhagavad Gita
GA 146

1 June 1913, Helsinki

Translate the original German text into any language:

Fünfter Vortrag

Fünfter Vortrag

[ 1 ] Wenn wir in die Rätsel des menschlichen Lebens eindringen wollen, dann müssen wir vor allen Dingen auf ein großes Lebensgesetz unser Augenmerk richten: auf das sogenannte zyklische Lebensgesetz. Besser als Definitionen sind Charakteristiken. Daher möchte ich auch in diesem Falle nicht eine Definition geben desjenigen, was hier unter dem zyklischen Verlauf des Lebens gemeint ist, sondern ich möchte mehr charakterisieren. Ich habe ja schon öfter an anderen Orten mich ausgesprochen über den geringen Wert von sogenannten Definitionen. Sie bleiben doch gegenüber der Wirklichkeit immer nur etwas Armseliges. In einer griechischen Philosophengesellschaft versuchte man einmal, um sich die Natur der Definition klarzumachen, die Definition des Menschen zu geben. Definitionen sollen ja dasjenige, was die Erscheinung darbietet, auf Begriffe zurückführen. Es ist nur radikal das ausgesprochen, was im Grunde genommen für den, der mehr logische Einsicht hat, doch eigentlich eine Armseligkeit darbietet. Die Leute der griechischen Philosophengesellschaft kamen nun überein, die Definition zu geben: Der Mensch ist ein Wesen, das zwei Beine und keine Federn hat. Das ist ja nun keine besonders geniale Definition, aber sie zeigt im Radikalen die Mängel einer jeden Definition. Es ist ja nicht zu leugnen, daß diese Definition, wenn sie auch eine Art albernen Ausspruchs darstellt, wirklich das äußere Wesen des Menschen in einer gewissen Beziehung gibt. Am nächsten Tage aber brachte jemand einen gerupften Hahn mit und sagte: Das ist also nach eurer Definition ein Mensch! — Wirklich ein alberner Ausspruch. Er trifft aber doch im wesentlichen die Armseligkeit alles Definierens. Darum wollen wir, wo es sich um Wirklichkeiten handelt, absehen von allem Definieren und wollen vielmehr charakterisieren.

[ 1 ] Wenn wir in die Rätsel des menschlichen Lebens eindringen wollen, dann müssen wir vor allen Dingen auf ein großes Lebensgesetz unser Augenmerk richten: auf das sogenannte zyklische Lebensgesetz. Besser als Definitionen sind Charakteristiken. Daher möchte ich auch in diesem Falle nicht eine Definition geben desjenigen, was hier unter dem zyklischen Verlauf des Lebens gemeint ist, sondern ich möchte mehr charakterisieren. Ich habe ja schon öfter an anderen Orten mich ausgesprochen über den geringen Wert von sogenannten Definitionen. Sie bleiben doch gegenüber der Wirklichkeit immer nur etwas Armseliges. In einer griechischen Philosophengesellschaft versuchte man einmal, um sich die Natur der Definition klarzumachen, die Definition des Menschen zu geben. Definitionen sollen ja dasjenige, was die Erscheinung darbietet, auf Begriffe zurückführen. Es ist nur radikal das ausgesprochen, was im Grunde genommen für den, der mehr logische Einsicht hat, doch eigentlich eine Armseligkeit darbietet. Die Leute der griechischen Philosophengesellschaft kamen nun überein, die Definition zu geben: Der Mensch ist ein Wesen, das zwei Beine und keine Federn hat. Das ist ja nun keine besonders geniale Definition, aber sie zeigt im Radikalen die Mängel einer jeden Definition. Es ist ja nicht zu leugnen, daß diese Definition, wenn sie auch eine Art albernen Ausspruchs darstellt, wirklich das äußere Wesen des Menschen in einer gewissen Beziehung gibt. Am nächsten Tage aber brachte jemand einen gerupften Hahn mit und sagte: Das ist also nach eurer Definition ein Mensch! — Wirklich ein alberner Ausspruch. Er trifft aber doch im wesentlichen die Armseligkeit alles Definierens. Darum wollen wir, wo es sich um Wirklichkeiten handelt, absehen von allem Definieren und wollen vielmehr charakterisieren.

[ 2 ] Da möchte ich zunächst einen alltäglich bei uns auftretenden, ganz gewöhnlichen zyklischen Verlauf uns vor die Seele führen. Es ist der zyklische Verlauf des Schlafens und Wachens. Was bedeutet denn eigentlich für das gewöhnliche menschliche Leben Schlafen und Wachen? Man versteht die Natur des Schlafens erst, wenn man weiß, daß die innere Seelentätigkeit des Wachens im gegenwärtigen Menschheitszyklus doch eine Art Zerstörung feiner Strukturen des Nervensystems darstellt. Mit jedem Gedanken, mit jedem Willensimpuls, den wir auf Anregung der Außenwelt machen, zerstören wir während des ganzen wachen Lebens feinere Gehirnstrukturen. Wir stehen hier an einem Punkt, wo man in der Tat sagen kann, daß es in der nächsten Zeit immer mehr und mehr den Menschen klar werden wird, wie der Schlaf das wache Tagesleben ergänzen muß; wir stehen vor einem Punkte, wo immer mehr und mehr in der nächsten Zeit die Naturwissenschaft, die schon auf dem Wege dazu ist, sich mit der Geisteswissenschaft vereinen wird. Die Naturwissenschaft hat heute schon hypothetisch vielfach diese Theorie aufgestellt, daß das wache Tagesleben eine Art Zerstörungsprozeß darstellt im Nervensystem, in den feineren Strukturen des Gehirns. Weil wir so durch unser waches Tagesleben Zerstörungsprozesse hervorrufen, müssen wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen den entsprechenden anderen, den ausgleichenden Prozeß in uns stattfinden lassen. Und es arbeiten in der Tat während unseres Schlafens in uns Kräfte, die sonst nicht zutage treten, nicht irgendwie bewußt werden. Es arbeiten Kräfte an der Wiederherstellung der während des wachen Lebens zerstörten feineren Nervenstrukturen unseres Gehirns.

[ 2 ] Da möchte ich zunächst einen alltäglich bei uns auftretenden, ganz gewöhnlichen zyklischen Verlauf uns vor die Seele führen. Es ist der zyklische Verlauf des Schlafens und Wachens. Was bedeutet denn eigentlich für das gewöhnliche menschliche Leben Schlafen und Wachen? Man versteht die Natur des Schlafens erst, wenn man weiß, daß die innere Seelentätigkeit des Wachens im gegenwärtigen Menschheitszyklus doch eine Art Zerstörung feiner Strukturen des Nervensystems darstellt. Mit jedem Gedanken, mit jedem Willensimpuls, den wir auf Anregung der Außenwelt machen, zerstören wir während des ganzen wachen Lebens feinere Gehirnstrukturen. Wir stehen hier an einem Punkt, wo man in der Tat sagen kann, daß es in der nächsten Zeit immer mehr und mehr den Menschen klar werden wird, wie der Schlaf das wache Tagesleben ergänzen muß; wir stehen vor einem Punkte, wo immer mehr und mehr in der nächsten Zeit die Naturwissenschaft, die schon auf dem Wege dazu ist, sich mit der Geisteswissenschaft vereinen wird. Die Naturwissenschaft hat heute schon hypothetisch vielfach diese Theorie aufgestellt, daß das wache Tagesleben eine Art Zerstörungsprozeß darstellt im Nervensystem, in den feineren Strukturen des Gehirns. Weil wir so durch unser waches Tagesleben Zerstörungsprozesse hervorrufen, müssen wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen den entsprechenden anderen, den ausgleichenden Prozeß in uns stattfinden lassen. Und es arbeiten in der Tat während unseres Schlafens in uns Kräfte, die sonst nicht zutage treten, nicht irgendwie bewußt werden. Es arbeiten Kräfte an der Wiederherstellung der während des wachen Lebens zerstörten feineren Nervenstrukturen unseres Gehirns.

[ 3 ] Nun wird durch die Zerstörung der feinen Nervenstrukturen gerade erreicht, daß sich in uns Gedanken und Erkenntnisprozesse abspielen. Das gewöhnliche alltägliche Erkennen wäre nicht möglich, wenn nicht vom Aufwachen bis zum Einschlafen Zerstörungsprozesse, Abbauprozesse stattfänden. Das Schlafleben bedeutet nun ein Wiederherstellen dieser zerstörten Partien. Es findet also eine entgegengesetzte Arbeit an unserem Nervensystem statt: auf der einen Seite während des Wachens ein Zerstörungsprozeß, ein Abbauen, auf der anderen Seite während des Schlafens ein Aufbauen, ein Wiederherstellungsprozeß. Während des Schlafes bauen Kräfte in uns, arbeiten am Aufbau der zerstörten Gehirnstrukturen. Wir werden dadurch bewußt, daß der Zerstörungsvorgang sich vollzieht. Wir nehmen eigentlich die Zerstörung wahr, unser waches Tagesleben ist die Wahrnehmung von Zerstörungsprozessen. Weil während des Schlafens keine Zerstörungsprozesse stattfinden, sondern Reorganisationsprozesse, nehmen wir auch während dieses Zustandes nichts wahr. Es wird die Kraft, die sonst das Bewußtsein erzeugt, verbraucht zum Aufbau. Während des Aufbauens wird aber die Kraft nicht wahrgenommen, weil wir nur durch Zerstörungsprozesse bewußt werden können. Da haben wir einen Zyklus. Nehmen wir erst mal dasjenige, was im Schlafe geschieht.

[ 3 ] Nun wird durch die Zerstörung der feinen Nervenstrukturen gerade erreicht, daß sich in uns Gedanken und Erkenntnisprozesse abspielen. Das gewöhnliche alltägliche Erkennen wäre nicht möglich, wenn nicht vom Aufwachen bis zum Einschlafen Zerstörungsprozesse, Abbauprozesse stattfänden. Das Schlafleben bedeutet nun ein Wiederherstellen dieser zerstörten Partien. Es findet also eine entgegengesetzte Arbeit an unserem Nervensystem statt: auf der einen Seite während des Wachens ein Zerstörungsprozeß, ein Abbauen, auf der anderen Seite während des Schlafens ein Aufbauen, ein Wiederherstellungsprozeß. Während des Schlafes bauen Kräfte in uns, arbeiten am Aufbau der zerstörten Gehirnstrukturen. Wir werden dadurch bewußt, daß der Zerstörungsvorgang sich vollzieht. Wir nehmen eigentlich die Zerstörung wahr, unser waches Tagesleben ist die Wahrnehmung von Zerstörungsprozessen. Weil während des Schlafens keine Zerstörungsprozesse stattfinden, sondern Reorganisationsprozesse, nehmen wir auch während dieses Zustandes nichts wahr. Es wird die Kraft, die sonst das Bewußtsein erzeugt, verbraucht zum Aufbau. Während des Aufbauens wird aber die Kraft nicht wahrgenommen, weil wir nur durch Zerstörungsprozesse bewußt werden können. Da haben wir einen Zyklus. Nehmen wir erst mal dasjenige, was im Schlafe geschieht.

[ 4 ] Aufbau: Unbewußtheit, weil die Kräfte als Baukräfte verwendet werden; Abbau: Wachen, Bewußtheit, weil die Kräfte zerstören, weil die Kräfte frei werden, nicht zu bauen brauchen. Das unbewußte Schlafen und das bewußte Wachen, Aufbauen und Abbauen, das ist einer der gewöhnlichsten zyklischen Verläufe des Menschenlebens. Schlafen und Wachen, Bauen und Abbauen, ist ein solcher zyklischer Verlauf. Es ist aus diesem Grunde, weil das so ist, so gefährlich für das gesunde menschliche Leben, wenn nicht ein gehöriger Schlaf da ist. Gewiß, das menschliche Leben ist ja so eingerichtet, daß diese gefährlichsten Prozesse nicht sogleich hervortreten, weil dasjenige, was im Menschen vorhanden ist, doch von langer Zeit her gebildet ist. So daß im Grunde die Prozesse, die heute im Menschen verlaufen, wenn sie abnorme, unnormale sind, nicht so tief eingreifen können in die menschliche Natur, als man eigentlich zuerst glauben sollte. Man müßte eigentlich glauben nach allem, was gesagt worden ist, daß ein Mensch, der an Schlaflosigkeit leidet, weil er sein Gehirn ja nur zerstören läßt, in verhältnismäßig kurzer Zeit ganz herunterkommen müßte. Dieses Herunterkommen geschieht aber viel weniger schnell, als vorausgesetzt werden müßte. Daß dies so ist, beruht auf demselben Grunde, als warum zum Beispiel bei Menschen, die weder sehen noch hören können, wie bei Helen Keller, dennoch die menschliche Intelligenz ausgebildet werden kann. Das müßte man eigentlich in diesem gegenwärtigen Zyklus theoretisch für ganz unmöglich halten, denn die Dinge, die in unserem Gehirn heute einen großen Teil der Intelligenz ausmachen, kommen doch durch Auge und Ohr in unser Gehirn hinein. Wenn aber eine Persönlichkeit, wie die berühmt gewordene Helen Keller, doch ausbildungsfähig ist, so beruht das darauf, daß sie, wenn sie auch die Tore der Sinne geschlossen hat, ein Gehirn geerbt hat, das die Ausbildung möglich macht. Wenn der Mensch nicht darinnen stünde in der Vererbungslinie, dann könnte eine solche Ausbildung, wie bei Helen Keller, durchaus nicht stattfinden. Wenn der Mensch durch die Vererbung sozusagen sein Gehirn nicht viel gesunder hätte, als man gewöhnlich anzunehmen geneigt ist, so würde Schlaflosigkeit seine Gesundheit in ganz kurzer Zeit völlig untergraben. Nun ist aber so viel Vererbungskraft im allgemeinen da, daß Schlaflosigkeit wirklich lange arbeiten kann, ehe sie dem Menschen schadet. Deshalb bleibt es aber doch richtig, daß im wesentlichen dieser Zyklus vorhanden ist: Aufbau, und daher Bewußtlosigkeit im Schlaf, Abbau, und daher Bewußtheit während des Wachens.

[ 4 ] Aufbau: Unbewußtheit, weil die Kräfte als Baukräfte verwendet werden; Abbau: Wachen, Bewußtheit, weil die Kräfte zerstören, weil die Kräfte frei werden, nicht zu bauen brauchen. Das unbewußte Schlafen und das bewußte Wachen, Aufbauen und Abbauen, das ist einer der gewöhnlichsten zyklischen Verläufe des Menschenlebens. Schlafen und Wachen, Bauen und Abbauen, ist ein solcher zyklischer Verlauf. Es ist aus diesem Grunde, weil das so ist, so gefährlich für das gesunde menschliche Leben, wenn nicht ein gehöriger Schlaf da ist. Gewiß, das menschliche Leben ist ja so eingerichtet, daß diese gefährlichsten Prozesse nicht sogleich hervortreten, weil dasjenige, was im Menschen vorhanden ist, doch von langer Zeit her gebildet ist. So daß im Grunde die Prozesse, die heute im Menschen verlaufen, wenn sie abnorme, unnormale sind, nicht so tief eingreifen können in die menschliche Natur, als man eigentlich zuerst glauben sollte. Man müßte eigentlich glauben nach allem, was gesagt worden ist, daß ein Mensch, der an Schlaflosigkeit leidet, weil er sein Gehirn ja nur zerstören läßt, in verhältnismäßig kurzer Zeit ganz herunterkommen müßte. Dieses Herunterkommen geschieht aber viel weniger schnell, als vorausgesetzt werden müßte. Daß dies so ist, beruht auf demselben Grunde, als warum zum Beispiel bei Menschen, die weder sehen noch hören können, wie bei Helen Keller, dennoch die menschliche Intelligenz ausgebildet werden kann. Das müßte man eigentlich in diesem gegenwärtigen Zyklus theoretisch für ganz unmöglich halten, denn die Dinge, die in unserem Gehirn heute einen großen Teil der Intelligenz ausmachen, kommen doch durch Auge und Ohr in unser Gehirn hinein. Wenn aber eine Persönlichkeit, wie die berühmt gewordene Helen Keller, doch ausbildungsfähig ist, so beruht das darauf, daß sie, wenn sie auch die Tore der Sinne geschlossen hat, ein Gehirn geerbt hat, das die Ausbildung möglich macht. Wenn der Mensch nicht darinnen stünde in der Vererbungslinie, dann könnte eine solche Ausbildung, wie bei Helen Keller, durchaus nicht stattfinden. Wenn der Mensch durch die Vererbung sozusagen sein Gehirn nicht viel gesunder hätte, als man gewöhnlich anzunehmen geneigt ist, so würde Schlaflosigkeit seine Gesundheit in ganz kurzer Zeit völlig untergraben. Nun ist aber so viel Vererbungskraft im allgemeinen da, daß Schlaflosigkeit wirklich lange arbeiten kann, ehe sie dem Menschen schadet. Deshalb bleibt es aber doch richtig, daß im wesentlichen dieser Zyklus vorhanden ist: Aufbau, und daher Bewußtlosigkeit im Schlaf, Abbau, und daher Bewußtheit während des Wachens.

[ 5 ] Nicht nur solche kleineren Zyklen nehmen wir im gesamten menschlichen Leben wahr, sondern auch größere zyklische Verläufe nehmen wir wahr. Da möchte ich aufmerksam machen auf einen zyklischen Verlauf, auf den ich ja auch schon öfter hingewiesen habe. Derjenige, welcher den Verlauf des gesamten menschlichen Lebens in westlichen Gegenden verfolgt, der wird bemerken, daß eine ganz bestimmte Konfiguration des geistigen Lebens der Menschheit da war, sagen wir vom 14., 15., 16. Jahrhundert bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Allerdings sieht man auf die einschlägigen Dinge im gewöhnlichen Leben viel zu ungenau und flüchtig hin, man betrachtet im allgemeinen das Leben nicht tief genug. Wenn man aber gründlich das Leben betrachtet, wird man überall bemerken können, wie seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eine ganz andere Konfiguration des abendländischen Geisteslebens beginnt. Freilich stehen wir mit diesem beginnenden Geistesleben erst am Anfang. Daher bemerken es die Menschen nicht in seiner ganzen Bedeutsamkeit und Wesenhaftigkeit. Aber denken wir uns, es hätte jemand versucht, in den vierziger, fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts vor einem solchen Auditorium von denselben Dingen zu sprechen, von denen ich hier zu Ihnen sprechen darf, denken wir uns das einmal. — Wir können uns das eben nicht denken, es wäre ein Unsinn, es wäre ganz ausgeschlossen gewesen in den vierziger, fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. So wäre es auch ganz ausgeschlossen gewesen, von diesen Dingen in dieser Weise zu sprechen in der Zeit vom 14., 15., 16. Jahrhundert bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Das war eben die Zeit, wo das naturwissenschaftliche Denken der Menschen groß geworden ist, jenes Denken, das die großen Erfolge des Materialismus gebracht hat, jenes Denken, an dem die nicht davon loskommenden Naturgelehrten noch lange hängen werden. Aber die eigentliche Epoche des Materialismus ist vorbei. Und ebenso, wie begonnen hat die Ära des naturwissenschaftlichen Denkens in dem angegebenen Zeitpunkte, ebenso beginnt jetzt die Ära des spiritualistischen Denkens der Menschheit.

[ 5 ] Nicht nur solche kleineren Zyklen nehmen wir im gesamten menschlichen Leben wahr, sondern auch größere zyklische Verläufe nehmen wir wahr. Da möchte ich aufmerksam machen auf einen zyklischen Verlauf, auf den ich ja auch schon öfter hingewiesen habe. Derjenige, welcher den Verlauf des gesamten menschlichen Lebens in westlichen Gegenden verfolgt, der wird bemerken, daß eine ganz bestimmte Konfiguration des geistigen Lebens der Menschheit da war, sagen wir vom 14., 15., 16. Jahrhundert bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Allerdings sieht man auf die einschlägigen Dinge im gewöhnlichen Leben viel zu ungenau und flüchtig hin, man betrachtet im allgemeinen das Leben nicht tief genug. Wenn man aber gründlich das Leben betrachtet, wird man überall bemerken können, wie seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eine ganz andere Konfiguration des abendländischen Geisteslebens beginnt. Freilich stehen wir mit diesem beginnenden Geistesleben erst am Anfang. Daher bemerken es die Menschen nicht in seiner ganzen Bedeutsamkeit und Wesenhaftigkeit. Aber denken wir uns, es hätte jemand versucht, in den vierziger, fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts vor einem solchen Auditorium von denselben Dingen zu sprechen, von denen ich hier zu Ihnen sprechen darf, denken wir uns das einmal. — Wir können uns das eben nicht denken, es wäre ein Unsinn, es wäre ganz ausgeschlossen gewesen in den vierziger, fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. So wäre es auch ganz ausgeschlossen gewesen, von diesen Dingen in dieser Weise zu sprechen in der Zeit vom 14., 15., 16. Jahrhundert bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Das war eben die Zeit, wo das naturwissenschaftliche Denken der Menschen groß geworden ist, jenes Denken, das die großen Erfolge des Materialismus gebracht hat, jenes Denken, an dem die nicht davon loskommenden Naturgelehrten noch lange hängen werden. Aber die eigentliche Epoche des Materialismus ist vorbei. Und ebenso, wie begonnen hat die Ära des naturwissenschaftlichen Denkens in dem angegebenen Zeitpunkte, ebenso beginnt jetzt die Ära des spiritualistischen Denkens der Menschheit.

[ 6 ] Wir leben in der Zeit, in der hart aneinander stoßen diese zwei scharf voneinander zu unterscheidenden Epochen. Immer mehr wird es hervortreten, daß die Art des neuen Denkens erst sich zur Wirklichkeit zu stellen hat, daß das Denken bei den Menschen ein ganz anderes werden wird, als dasjenige der letzten vier Jahrhunderte sein mußte, weil die Menschen lernen mußten, naturwissenschaftlich zu erkennen. In den letzten vier Jahrhunderten hat es sich darum gehandelt, den Blick des Menschen hinauszuweiten in den Weltenraum. Öfter habe ich aufmerksam gemacht auf jenen bedeutsamen Moment in der Geistesentwickelung des Abendlandes, als Kopernikus, Galilei, Kepler, Giordano Bruno im Zusammenwirken sozusagen das blaue Himmelsgewölbe zersprengt haben. Bis dahin glaubte man, daß um unsere Erde herumhinge diese blaue Schale. Dann traten jene Geister auf, die diese Schale als ein Nichts erklärten und den Blick der Menschen hinauslenkten in unendliche Weltenfernen des Raumes. Was war eigentlich das Bedeutsame darin, daß, sagen wir, Bruno die Menschen schauen gelehrt hat, den Menschen klar gemacht hat, wie dasjenige, was sie als blaue Schale sich als Grenze ihres eigenen Sehvermögens gesetzt hatten, ein Nichts sei, daß er ihnen sagte: Dies ist nicht wirklich da, erkennt nur, daß ihr diese blaue Schale selbst in den Raum hinaus setzt? — Daß es der Anfang war, das war das Bedeutsame. Das Ende war die Tatsache im 19. Jahrhundert, als die Menschen lernten, die stofflichen Zusammensetzungen der fernsten Himmelskörper mit dem Spektroskop zu untersuchen. Eine wunderbare Epoche, die Epoche des Materialismus! Jetzt stehen wir am Ausgangspunkte einer anderen Epoche. Sie geht aus denselben Gesetzen hervor, sie ist aber die Epoche der Spiritualität. Wie durch Brunos Arbeit die naturwissenschaftliche Epoche vorbereitet ist, die blaue Schale des Himmelsgewölbes durchbrochen worden ist, so wird in dem Zeitalter, das jetzt beginnt, durchbrochen werden das Zeitenfirmament. Die Menschen werden lernen, indem sie das Menschenleben eingeschlossen glauben zwischen Geburt und Tod oder Empfängnis und Tod, daß dies Grenzen sind, selbstgemachte Grenzen der menschlichen Seele. Wie früher die Menschen sich die Grenzen der Sinne selbst gemacht hatten als blaue Himmelsschale, wie der Blick damals erweitert wurde in die unendlichen Raumessphären, so werden die Zeitgrenzen durchbrochen werden, die zwischen Geburt und Tod liegen, und losgelöst von Geburt und Tod werden liegen im unendlichen Zeitenmeere die Verwandlungen des Menschenkernes, die wir verfolgen in den immer wiederkehrenden Inkarnationen. Ein neues Zeitalter beginnt, das Zeitalter des spirituellen Denkens.

[ 6 ] Wir leben in der Zeit, in der hart aneinander stoßen diese zwei scharf voneinander zu unterscheidenden Epochen. Immer mehr wird es hervortreten, daß die Art des neuen Denkens erst sich zur Wirklichkeit zu stellen hat, daß das Denken bei den Menschen ein ganz anderes werden wird, als dasjenige der letzten vier Jahrhunderte sein mußte, weil die Menschen lernen mußten, naturwissenschaftlich zu erkennen. In den letzten vier Jahrhunderten hat es sich darum gehandelt, den Blick des Menschen hinauszuweiten in den Weltenraum. Öfter habe ich aufmerksam gemacht auf jenen bedeutsamen Moment in der Geistesentwickelung des Abendlandes, als Kopernikus, Galilei, Kepler, Giordano Bruno im Zusammenwirken sozusagen das blaue Himmelsgewölbe zersprengt haben. Bis dahin glaubte man, daß um unsere Erde herumhinge diese blaue Schale. Dann traten jene Geister auf, die diese Schale als ein Nichts erklärten und den Blick der Menschen hinauslenkten in unendliche Weltenfernen des Raumes. Was war eigentlich das Bedeutsame darin, daß, sagen wir, Bruno die Menschen schauen gelehrt hat, den Menschen klar gemacht hat, wie dasjenige, was sie als blaue Schale sich als Grenze ihres eigenen Sehvermögens gesetzt hatten, ein Nichts sei, daß er ihnen sagte: Dies ist nicht wirklich da, erkennt nur, daß ihr diese blaue Schale selbst in den Raum hinaus setzt? — Daß es der Anfang war, das war das Bedeutsame. Das Ende war die Tatsache im 19. Jahrhundert, als die Menschen lernten, die stofflichen Zusammensetzungen der fernsten Himmelskörper mit dem Spektroskop zu untersuchen. Eine wunderbare Epoche, die Epoche des Materialismus! Jetzt stehen wir am Ausgangspunkte einer anderen Epoche. Sie geht aus denselben Gesetzen hervor, sie ist aber die Epoche der Spiritualität. Wie durch Brunos Arbeit die naturwissenschaftliche Epoche vorbereitet ist, die blaue Schale des Himmelsgewölbes durchbrochen worden ist, so wird in dem Zeitalter, das jetzt beginnt, durchbrochen werden das Zeitenfirmament. Die Menschen werden lernen, indem sie das Menschenleben eingeschlossen glauben zwischen Geburt und Tod oder Empfängnis und Tod, daß dies Grenzen sind, selbstgemachte Grenzen der menschlichen Seele. Wie früher die Menschen sich die Grenzen der Sinne selbst gemacht hatten als blaue Himmelsschale, wie der Blick damals erweitert wurde in die unendlichen Raumessphären, so werden die Zeitgrenzen durchbrochen werden, die zwischen Geburt und Tod liegen, und losgelöst von Geburt und Tod werden liegen im unendlichen Zeitenmeere die Verwandlungen des Menschenkernes, die wir verfolgen in den immer wiederkehrenden Inkarnationen. Ein neues Zeitalter beginnt, das Zeitalter des spirituellen Denkens.

[ 7 ] Worauf beruht für denjenigen, der die okkulten Grundlagen dieser Übergänge von einem Zeitalter zum anderen erkennen kann, diese Veränderung des menschlichen Denkens? Das kann keine Philosophie, keine äußere Physiologie und Anatomie ohne weiteres nachweisen. Wahr ist es doch. Kräfte, welche heute herausgetreten sind in die arbeitenden menschlichen Seelen, die heute angewendet werden innerhalb der menschlichen Seelen, um spirituelle Erkenntnisse zu sammeln, dieselben Kräfte arbeiteten in den letzten vier Jahrhunderten am menschlichen Organismus als aufbauende Kräfte. Nehmen wir den ganzen Zeitraum von Kopernikus bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts: In dieser ganzen Zeit arbeiteten geheimnisvolle Kräfte an der Körperlichkeit, wie im Schlafe die aufbauenden Kräfte am Nervensystem arbeiten. Diese aufbauenden Kräfte, die da arbeiteten am Menschen, stellten eine ganz bestimmte Gehirnstruktur her in den besonderen Partien des Gehirns. Die abendländischen Gehirne sind heute anders, als sie vor fünf Jahrhunderten waren. Heute schaut es unter der Schädeldecke nicht so aus wie vor fünf bis sechs Jahrhunderten. Da hat sich ein feines Organ gebildet, da arbeiteten Kräfte, die ein Organ bildeten, das vorher nicht da war. Wenn das äußerlich auch nicht bewiesen zu werden vermag, wahr ist es doch. Wahr ist es, daß unter der Stirnbildung des Menschen sich ausgebildet hat ein feines Organ. Da arbeiteten Kräfte unter der menschlichen Stirn, arbeiteten durch einen vier Jahrhunderte dauernden Zyklus hindurch. Diese Kräfte haben während dieses vier Jahrhunderte dauernden Zyklus ihre Aufgabe als aufbauende Kräfte erfüllt. Heute ist nun das Organ da, wenigstens bei den meisten abendländischen Menschen. Es wird immer mehr und mehr da sein in den nächsten Jahrhunderten, in dem Zyklus, welchem wir jetzt entgegengehen. Das Organ ist aufgebaut, die Kräfte werden frei. Und mit denselben Kräften wird die Menschheit des Abendlandes spirituelle Erkenntnisse sich erwerben. Da haben wir die okkulte physiologische Grundlage dessen, um was es sich handelt. Wir beginnen heute zu arbeiten mit den Kräften, welche die Menschen nicht gebrauchen konnten in den letzten vier Jahrhunderten. Da waren diese Kräfte beschäftigt damit, dasjenige aufzubauen, was bereitet werden mußte, damit spirituelles Erkennen Platz greifen konnte in der Welt.

[ 7 ] Worauf beruht für denjenigen, der die okkulten Grundlagen dieser Übergänge von einem Zeitalter zum anderen erkennen kann, diese Veränderung des menschlichen Denkens? Das kann keine Philosophie, keine äußere Physiologie und Anatomie ohne weiteres nachweisen. Wahr ist es doch. Kräfte, welche heute herausgetreten sind in die arbeitenden menschlichen Seelen, die heute angewendet werden innerhalb der menschlichen Seelen, um spirituelle Erkenntnisse zu sammeln, dieselben Kräfte arbeiteten in den letzten vier Jahrhunderten am menschlichen Organismus als aufbauende Kräfte. Nehmen wir den ganzen Zeitraum von Kopernikus bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts: In dieser ganzen Zeit arbeiteten geheimnisvolle Kräfte an der Körperlichkeit, wie im Schlafe die aufbauenden Kräfte am Nervensystem arbeiten. Diese aufbauenden Kräfte, die da arbeiteten am Menschen, stellten eine ganz bestimmte Gehirnstruktur her in den besonderen Partien des Gehirns. Die abendländischen Gehirne sind heute anders, als sie vor fünf Jahrhunderten waren. Heute schaut es unter der Schädeldecke nicht so aus wie vor fünf bis sechs Jahrhunderten. Da hat sich ein feines Organ gebildet, da arbeiteten Kräfte, die ein Organ bildeten, das vorher nicht da war. Wenn das äußerlich auch nicht bewiesen zu werden vermag, wahr ist es doch. Wahr ist es, daß unter der Stirnbildung des Menschen sich ausgebildet hat ein feines Organ. Da arbeiteten Kräfte unter der menschlichen Stirn, arbeiteten durch einen vier Jahrhunderte dauernden Zyklus hindurch. Diese Kräfte haben während dieses vier Jahrhunderte dauernden Zyklus ihre Aufgabe als aufbauende Kräfte erfüllt. Heute ist nun das Organ da, wenigstens bei den meisten abendländischen Menschen. Es wird immer mehr und mehr da sein in den nächsten Jahrhunderten, in dem Zyklus, welchem wir jetzt entgegengehen. Das Organ ist aufgebaut, die Kräfte werden frei. Und mit denselben Kräften wird die Menschheit des Abendlandes spirituelle Erkenntnisse sich erwerben. Da haben wir die okkulte physiologische Grundlage dessen, um was es sich handelt. Wir beginnen heute zu arbeiten mit den Kräften, welche die Menschen nicht gebrauchen konnten in den letzten vier Jahrhunderten. Da waren diese Kräfte beschäftigt damit, dasjenige aufzubauen, was bereitet werden mußte, damit spirituelles Erkennen Platz greifen konnte in der Welt.

[ 8 ] So können wir uns einen Menschen denken, sagen wir, des 17. Jahrhunderts oder des 18. Jahrhunderts: Der steht so vor uns, daß wir wissen, daß hinter seiner Stirn gewisse okkulte Kräfte arbeiten, die sein Gehirn umformen, Diese Kräfte waren immer an diesen Partien am Werke bei den westländischen Menschen. Nehmen wir nun an, es wäre einem Menschen gelungen — und das kann gelingen —, einmal diese Kräfte im 17. oder 18. Jahrhundert aufzuhalten, sie nicht arbeiten zu lassen: dann wäre dasselbe bei ihm eingetreten — und es ist auch eingetreten —, was eintritt bei einem Menschen, der mitten im Schlafe die Kräfte, die sonst am Aufbau der Gehirnstruktur arbeiten, aufhält, der diese Kräfte spielen läßt, ohne daß sie in diesem Momente aufbauen. Man kann das, man kann Momente erleben, wo man aus dem Schlafe heraus wie aufwacht, und doch nicht aufwacht, wo man regungslos bleibt, die Glieder nicht bewegen kann, wo keine Wahrnehmung von außen stattfindet, und doch Wachzustand ist. Da arbeitet dasjenige, was sonst an dem weiteren Aufbau arbeitet. Das arbeitet nun nicht an dem Aufbau, sondern arbeitet frei, spielt frei. Das sind die Momente, wo wir die sonst an unser Gehirn verbrauchten Kräfte zum Hellsehen gebrauchen können. Das sind die Momente, wo wir, wie im Schlaf regungslos bleiben, Einblicke gewinnen können in die geistigen Welten. So war es aber auch, wenn ein Mensch des 17. oder 18. Jahrhunderts gleichsam einstellte die aufbauende Tätigkeit dieser aufbauenden Kräfte. Dann ließ er diese Kräfte für einen Moment nicht arbeiten, dann wurde er für einen Moment hellsichtig. Was sah er denn da? Was nahm er dann wahr? Er sah, was da im Gehirn arbeitete aus den geistigen Welten herein, die Kräfte, welche die Menschen etwa vom 15. Jahrhundert an bis in das 19. Jahrhundert hinein dazu vorbereiteten, daß diese Menschen vom 20. Jahrhundert ab sich in die spirituellen Welten erheben können. Vereinzelte Menschen hat es immer gegeben, die solche Erfahrungen hatten. Solche Erfahrungen waren gewaltig bestürzend, weil sie ungeheuer eindrucksvoll waren. Es hat immer Menschen gegeben, welche für Momente in demjenigen lebten, was hereinarbeitete aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche, um in dieser etwas hervorzubringen, was in früheren Menschheitszyklen nicht da war, nämlich dieses feinere Organ in der Stirnhöhle. Götter, geistige Wesen bei ihrer Arbeit am Aufbau des menschlichen Organismus nahmen solche Menschen wahr, die in der geschilderten Weise hellsichtig wurden.

[ 8 ] So können wir uns einen Menschen denken, sagen wir, des 17. Jahrhunderts oder des 18. Jahrhunderts: Der steht so vor uns, daß wir wissen, daß hinter seiner Stirn gewisse okkulte Kräfte arbeiten, die sein Gehirn umformen, Diese Kräfte waren immer an diesen Partien am Werke bei den westländischen Menschen. Nehmen wir nun an, es wäre einem Menschen gelungen — und das kann gelingen —, einmal diese Kräfte im 17. oder 18. Jahrhundert aufzuhalten, sie nicht arbeiten zu lassen: dann wäre dasselbe bei ihm eingetreten — und es ist auch eingetreten —, was eintritt bei einem Menschen, der mitten im Schlafe die Kräfte, die sonst am Aufbau der Gehirnstruktur arbeiten, aufhält, der diese Kräfte spielen läßt, ohne daß sie in diesem Momente aufbauen. Man kann das, man kann Momente erleben, wo man aus dem Schlafe heraus wie aufwacht, und doch nicht aufwacht, wo man regungslos bleibt, die Glieder nicht bewegen kann, wo keine Wahrnehmung von außen stattfindet, und doch Wachzustand ist. Da arbeitet dasjenige, was sonst an dem weiteren Aufbau arbeitet. Das arbeitet nun nicht an dem Aufbau, sondern arbeitet frei, spielt frei. Das sind die Momente, wo wir die sonst an unser Gehirn verbrauchten Kräfte zum Hellsehen gebrauchen können. Das sind die Momente, wo wir, wie im Schlaf regungslos bleiben, Einblicke gewinnen können in die geistigen Welten. So war es aber auch, wenn ein Mensch des 17. oder 18. Jahrhunderts gleichsam einstellte die aufbauende Tätigkeit dieser aufbauenden Kräfte. Dann ließ er diese Kräfte für einen Moment nicht arbeiten, dann wurde er für einen Moment hellsichtig. Was sah er denn da? Was nahm er dann wahr? Er sah, was da im Gehirn arbeitete aus den geistigen Welten herein, die Kräfte, welche die Menschen etwa vom 15. Jahrhundert an bis in das 19. Jahrhundert hinein dazu vorbereiteten, daß diese Menschen vom 20. Jahrhundert ab sich in die spirituellen Welten erheben können. Vereinzelte Menschen hat es immer gegeben, die solche Erfahrungen hatten. Solche Erfahrungen waren gewaltig bestürzend, weil sie ungeheuer eindrucksvoll waren. Es hat immer Menschen gegeben, welche für Momente in demjenigen lebten, was hereinarbeitete aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche, um in dieser etwas hervorzubringen, was in früheren Menschheitszyklen nicht da war, nämlich dieses feinere Organ in der Stirnhöhle. Götter, geistige Wesen bei ihrer Arbeit am Aufbau des menschlichen Organismus nahmen solche Menschen wahr, die in der geschilderten Weise hellsichtig wurden.

[ 9 ] Wir charakterisieren damit zugleich die Hellsichtigkeit von einer besonderen Seite her. Wir können ja auch dadurch, daß wir die in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gegebenen Übungen anwenden, solche Momente im Schlafe herbeiführen. Wir können dann Einblicke haben in das geistige Leben in der Art, wie sie geschildert ist in meinem Buche «Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen».

[ 9 ] Wir charakterisieren damit zugleich die Hellsichtigkeit von einer besonderen Seite her. Wir können ja auch dadurch, daß wir die in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gegebenen Übungen anwenden, solche Momente im Schlafe herbeiführen. Wir können dann Einblicke haben in das geistige Leben in der Art, wie sie geschildert ist in meinem Buche «Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen».

[ 10 ] Es kann also in einem Menschheitszyklus, wo dasjenige frei wird, was da vorbereitend arbeitet für die Zukunft, es kann also innerhalb eines solchen Zyklus das, was die Zukunft vorbereitet, sichtbar werden dem hellsichtigen Blick. Wir bezeichnen das auch mit einem anderen Namen — denn Namen sagen ja nichts —, es wäre ebensogut, wir bezeichneten jene Kräfte, welche da gearbeitet haben durch vier Jahrhunderte hindurch an dem feinen Umbau der menschlichen Gehirnstruktur, als die Kraft des Gabriel. Wir sagen Gabriel, aber es kommt nur darauf an, daß man für einen Moment Einblick erhält in die übersinnlichen Welten. Man bekommt den Einblick auf eine geistige Wesenheit, die aus der übersinnlichen Welt heraus an dem menschlichen Organismus arbeitet. Wir sprechen also von einer Summe von Kräften, die aber dirigiert werden von einer Wesenheit aus der Hierarchie der Archangeloi, Gabriel. Wir sagen daher: An dem menschlichen Organismus hat gearbeitet vom 15. Jahrhundert bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Gabrielkraft. Und weil da eine spirituelle Kraft im besonderen am Physischen gearbeitet hat, so schlief das Verständnis für das Spirituelle dazumal, und dieses Schlafen des Verständnisses für das Spirituelle brachte die großen Triumphe der Naturwissenschaft hervor. Jetzt aber ist diese Kraft erwacht. Das Spirituelle hat gearbeitet. Es beginnt das spirituelle Zeitalter, nachdem die Kräfte frei geworden sind, die wir die Gabrielkräfte nennen, nachdem wir diese Kräfte, die Seelenkräfte geworden sind, gebrauchen können, die früher unter der Schädeldecke am physischen Aufbau eines Organs gearbeitet haben.

[ 10 ] Es kann also in einem Menschheitszyklus, wo dasjenige frei wird, was da vorbereitend arbeitet für die Zukunft, es kann also innerhalb eines solchen Zyklus das, was die Zukunft vorbereitet, sichtbar werden dem hellsichtigen Blick. Wir bezeichnen das auch mit einem anderen Namen — denn Namen sagen ja nichts —, es wäre ebensogut, wir bezeichneten jene Kräfte, welche da gearbeitet haben durch vier Jahrhunderte hindurch an dem feinen Umbau der menschlichen Gehirnstruktur, als die Kraft des Gabriel. Wir sagen Gabriel, aber es kommt nur darauf an, daß man für einen Moment Einblick erhält in die übersinnlichen Welten. Man bekommt den Einblick auf eine geistige Wesenheit, die aus der übersinnlichen Welt heraus an dem menschlichen Organismus arbeitet. Wir sprechen also von einer Summe von Kräften, die aber dirigiert werden von einer Wesenheit aus der Hierarchie der Archangeloi, Gabriel. Wir sagen daher: An dem menschlichen Organismus hat gearbeitet vom 15. Jahrhundert bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Gabrielkraft. Und weil da eine spirituelle Kraft im besonderen am Physischen gearbeitet hat, so schlief das Verständnis für das Spirituelle dazumal, und dieses Schlafen des Verständnisses für das Spirituelle brachte die großen Triumphe der Naturwissenschaft hervor. Jetzt aber ist diese Kraft erwacht. Das Spirituelle hat gearbeitet. Es beginnt das spirituelle Zeitalter, nachdem die Kräfte frei geworden sind, die wir die Gabrielkräfte nennen, nachdem wir diese Kräfte, die Seelenkräfte geworden sind, gebrauchen können, die früher unter der Schädeldecke am physischen Aufbau eines Organs gearbeitet haben.

[ 11 ] Da haben wir einen etwas bedeutungsvolleren zyklischen Verlauf als denjenigen von Tag und Nacht, von Wachen und Schlafen. Es gibt aber noch viel bedeutendere zyklische Verläufe in der Menschheitsevolution. So können wir hinweisen darauf, daß jenes menschliche Selbstbewußtsein, das gerade jetzt in diesem Zyklus unserer nachatlantischen Zeit den ganzen Stolz der Menschheit bildet, sich erst nach und nach ausbilden mußte. Das war ja früher nicht da. Man spricht heute viel von Entwickelung, aber man macht selten ganz ernst mit der Entwickelung.

[ 11 ] Da haben wir einen etwas bedeutungsvolleren zyklischen Verlauf als denjenigen von Tag und Nacht, von Wachen und Schlafen. Es gibt aber noch viel bedeutendere zyklische Verläufe in der Menschheitsevolution. So können wir hinweisen darauf, daß jenes menschliche Selbstbewußtsein, das gerade jetzt in diesem Zyklus unserer nachatlantischen Zeit den ganzen Stolz der Menschheit bildet, sich erst nach und nach ausbilden mußte. Das war ja früher nicht da. Man spricht heute viel von Entwickelung, aber man macht selten ganz ernst mit der Entwickelung.

[ 12 ] Wie naiv die Menschen sind in bezug auf dasjenige, was sie eigentlich umgibt, darüber kann man manchmal sehr eigenartige Erfahrungen machen. Die Menschen lassen eben vieles in aller Naivität aus dem Unterbewußtsein heraufspielen und entschließen sich schwer, wirklich bewußt dasjenige, was an Kräften aus unbekannten Welten in die bekannten hereinspielt, den übersinnlichen Welten zuzuschreiben. Gerade in den letzten Tagen ist mir wieder ein sonderbares Beispiel sozusagen einer auf halbem Wege stehenbleibenden Logik entgegengetreten. Man muß schon sagen, man begreift die Widerstände, die der anthroposophischen Weltanschauung entgegentreten, wenn man weiß, daß notwendig zum Verständnis der Anthroposophie ein ganz besonderes Denken ist, bei dem man nicht auf halbem Wege mit irgendeinem Gedanken stehenbleiben darf. Da ist nun innerhalb Deutschlands ein Freidenkerkalender erschienen, zum erstenmal im vorigen Jahre. Darin wendet sich ein durchaus ehrlicher Mensch dagegen, den Kindern religiöse Begriffe beizubringen. Er führt aus, daß dies eigentlich gegen die Natur des Kindes spreche. Er habe beobachtet, daß, wenn man Kinder frei aufwachsen ließe, sie keine religiösen Begriffe entwickelten. Also wäre es unnatürlich, diese Begriffe in die Kinder hineinzupfropfen. Man kann nun ganz überzeugt sein, daß dieser Kalender an Hunderte von Menschen geht und daß diese meinen verstehen zu können, wie es eigentlich Unsinn sei, religiöse Begriffe den Kindern beizubringen. Solche Dinge gibt es heute massenhaft, denn die Leute merken gar nicht mehr die Unlogik. Man braucht ja nur zu erwidern, daß, weil Kinder, die durch irgendeinen Umstand, sagen wir, auf einer Insel allein gelebt haben, nicht sprechen lernten, man die Kinder überhaupt nicht sprechen lehren sollte. Das wäre genau dieselbe Logik. Allerdings werden sich die Leute darauf nicht einlassen, daß dies dieselbe Logik sei, die sie doch so ungeheuer geistreich finden im ersten Fall. Niedlich ist es, wenn man solch eine Erfahrung macht, man möchte sagen, auf dem großen Horizonte des heutigen äußeren Lebens, das nur noch ganz ein Nachspiel, ein Auslaufen des materialistischen Zeitalters darstellt.

[ 12 ] Wie naiv die Menschen sind in bezug auf dasjenige, was sie eigentlich umgibt, darüber kann man manchmal sehr eigenartige Erfahrungen machen. Die Menschen lassen eben vieles in aller Naivität aus dem Unterbewußtsein heraufspielen und entschließen sich schwer, wirklich bewußt dasjenige, was an Kräften aus unbekannten Welten in die bekannten hereinspielt, den übersinnlichen Welten zuzuschreiben. Gerade in den letzten Tagen ist mir wieder ein sonderbares Beispiel sozusagen einer auf halbem Wege stehenbleibenden Logik entgegengetreten. Man muß schon sagen, man begreift die Widerstände, die der anthroposophischen Weltanschauung entgegentreten, wenn man weiß, daß notwendig zum Verständnis der Anthroposophie ein ganz besonderes Denken ist, bei dem man nicht auf halbem Wege mit irgendeinem Gedanken stehenbleiben darf. Da ist nun innerhalb Deutschlands ein Freidenkerkalender erschienen, zum erstenmal im vorigen Jahre. Darin wendet sich ein durchaus ehrlicher Mensch dagegen, den Kindern religiöse Begriffe beizubringen. Er führt aus, daß dies eigentlich gegen die Natur des Kindes spreche. Er habe beobachtet, daß, wenn man Kinder frei aufwachsen ließe, sie keine religiösen Begriffe entwickelten. Also wäre es unnatürlich, diese Begriffe in die Kinder hineinzupfropfen. Man kann nun ganz überzeugt sein, daß dieser Kalender an Hunderte von Menschen geht und daß diese meinen verstehen zu können, wie es eigentlich Unsinn sei, religiöse Begriffe den Kindern beizubringen. Solche Dinge gibt es heute massenhaft, denn die Leute merken gar nicht mehr die Unlogik. Man braucht ja nur zu erwidern, daß, weil Kinder, die durch irgendeinen Umstand, sagen wir, auf einer Insel allein gelebt haben, nicht sprechen lernten, man die Kinder überhaupt nicht sprechen lehren sollte. Das wäre genau dieselbe Logik. Allerdings werden sich die Leute darauf nicht einlassen, daß dies dieselbe Logik sei, die sie doch so ungeheuer geistreich finden im ersten Fall. Niedlich ist es, wenn man solch eine Erfahrung macht, man möchte sagen, auf dem großen Horizonte des heutigen äußeren Lebens, das nur noch ganz ein Nachspiel, ein Auslaufen des materialistischen Zeitalters darstellt.

[ 13 ] Da gibt es sehr bemerkenswerte Aufsätze, die in der letzten Zeit erschienen sind, von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Nordamerikas, Woodrow Wilson. Da gibt es einen Aufsatz über die Gesetze des menschlichen Fortschritts. Darin wird wirklich recht nett und sogar geistreich ausgeführt, wie die Menschen eigentlich beeinflußt werden von dem, was das tonangebende Denken ihres Zeitalters gibt. Und sehr geistreich führt er aus, wie in dem Zeitalter Newtons, wo alles voll war von den Gedanken über die Schwerkraft, man in die gesellschaftlichen Begriffe, ja, in die Staatsbegriffe nachwirken fühlte die Newtonschen Theorien, die in Wirklichkeit nur auf die Weltenkörper paßten. Die Gedanken über die Schwerkraft im besonderen fühlt man in allem nachwirken. Das ist wirklich sehr geistreich, denn man braucht nur nachzulesen den Newtonismus, und man wird sehen, daß überall Worte geprägt werden wie: Anziehen und Abstoßen und so weiter. Das hebt Wilson wirklich sehr geistvoll hervor. Er sagt, wie ungenügend es sei, rein mechanische Begriffe anzuwenden auf das menschliche Leben, Begriffe von der Himmelsmechanik anzuwenden auf die menschlichen Verhältnisse, indem er zeigt, wie das menschliche Leben damals geradezu wie eingebettet war in diese Begriffe, wie diese Begriffe überall auf das staatliche und soziale Leben Einfluß gehabt haben. Es rügt Wilson mit Recht diese Anwendung rein mechanischer Gesetze in dem Zeitalter, in dem sozusagen der Newtonismus das ganze Denken unter sein Joch gespannt hat. Man muß anders denken, sagt Wilson, und konstruiert jetzt seinen Staatsbegriff. Und zwar so, daß nun überall, nachdem er dies von dem Zeitalter des Newtonismus nachgewiesen hat, bei ihm der Darwinismus herausguckt. Ja, er ist so naiv, das sogar zu gestehen. Er ist so naiv zu sagen: Die Newtonschen Begriffe haben nicht ausgereicht, man muß die darwinistischen Gesetze des Organismus anwenden. Da haben wir ein lebendiges Beispiel, wie man mit halber Logik heute durch die Welt schreitet. Die Gesetze reichen eben nicht mehr aus, die rein aus dem Organismus entspringen. Man braucht seelische und geistige Gesetze heute.

[ 13 ] Da gibt es sehr bemerkenswerte Aufsätze, die in der letzten Zeit erschienen sind, von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Nordamerikas, Woodrow Wilson. Da gibt es einen Aufsatz über die Gesetze des menschlichen Fortschritts. Darin wird wirklich recht nett und sogar geistreich ausgeführt, wie die Menschen eigentlich beeinflußt werden von dem, was das tonangebende Denken ihres Zeitalters gibt. Und sehr geistreich führt er aus, wie in dem Zeitalter Newtons, wo alles voll war von den Gedanken über die Schwerkraft, man in die gesellschaftlichen Begriffe, ja, in die Staatsbegriffe nachwirken fühlte die Newtonschen Theorien, die in Wirklichkeit nur auf die Weltenkörper paßten. Die Gedanken über die Schwerkraft im besonderen fühlt man in allem nachwirken. Das ist wirklich sehr geistreich, denn man braucht nur nachzulesen den Newtonismus, und man wird sehen, daß überall Worte geprägt werden wie: Anziehen und Abstoßen und so weiter. Das hebt Wilson wirklich sehr geistvoll hervor. Er sagt, wie ungenügend es sei, rein mechanische Begriffe anzuwenden auf das menschliche Leben, Begriffe von der Himmelsmechanik anzuwenden auf die menschlichen Verhältnisse, indem er zeigt, wie das menschliche Leben damals geradezu wie eingebettet war in diese Begriffe, wie diese Begriffe überall auf das staatliche und soziale Leben Einfluß gehabt haben. Es rügt Wilson mit Recht diese Anwendung rein mechanischer Gesetze in dem Zeitalter, in dem sozusagen der Newtonismus das ganze Denken unter sein Joch gespannt hat. Man muß anders denken, sagt Wilson, und konstruiert jetzt seinen Staatsbegriff. Und zwar so, daß nun überall, nachdem er dies von dem Zeitalter des Newtonismus nachgewiesen hat, bei ihm der Darwinismus herausguckt. Ja, er ist so naiv, das sogar zu gestehen. Er ist so naiv zu sagen: Die Newtonschen Begriffe haben nicht ausgereicht, man muß die darwinistischen Gesetze des Organismus anwenden. Da haben wir ein lebendiges Beispiel, wie man mit halber Logik heute durch die Welt schreitet. Die Gesetze reichen eben nicht mehr aus, die rein aus dem Organismus entspringen. Man braucht seelische und geistige Gesetze heute.

[ 14 ] Es ist ja so, daß man begreifen kann, wie sich von allen Seiten Widersprüche auftürmen gegen die anthroposophische Weltanschauung, weil diese eben ein durchdringendes Denken, eine überall eindringende Logik braucht. Das ist aber eben auch das Gute der anthroposophischen Weltanschauung, daß sie ihre Anhänger zwingt, ordentlich zu denken. So müssen wir die Entwickelung im geistigen Sinne denken, und nicht in dem darwinistischen Sinne Wilsons. Es muß uns klar sein, daß dasjenige, was jetzt das wesentliche Charakteristikon des Menschen ausmacht, das Selbstbewußtsein, das Stehen auf dem Ich, sich auch erst nach und nach entwickelt hat. Nun mußte das aber ebenso vorbereitet werden, wie unser spirituelles Denken vorbereitet worden ist in den letzten vier Jahrhunderten. Es mußten geistige Kräfte aus den übersinnlichen Welten heraus arbeiten, um auszubilden, was später im Selbstbewußtsein des Menschen zum Ausdruck gekommen ist. Wir können sprechen von einem Einschnitt in der menschlichen Entwickelung, einem vorhergehenden und einem nachherfolgenden Zeitalter. Das nachfolgende sei dasjenige, in dem langsam und allmählich das Selbstbewußtsein im Menschen auftritt. Wir wollen es nennen das Zeitalter des Selbstbewußtseins.

[ 14 ] Es ist ja so, daß man begreifen kann, wie sich von allen Seiten Widersprüche auftürmen gegen die anthroposophische Weltanschauung, weil diese eben ein durchdringendes Denken, eine überall eindringende Logik braucht. Das ist aber eben auch das Gute der anthroposophischen Weltanschauung, daß sie ihre Anhänger zwingt, ordentlich zu denken. So müssen wir die Entwickelung im geistigen Sinne denken, und nicht in dem darwinistischen Sinne Wilsons. Es muß uns klar sein, daß dasjenige, was jetzt das wesentliche Charakteristikon des Menschen ausmacht, das Selbstbewußtsein, das Stehen auf dem Ich, sich auch erst nach und nach entwickelt hat. Nun mußte das aber ebenso vorbereitet werden, wie unser spirituelles Denken vorbereitet worden ist in den letzten vier Jahrhunderten. Es mußten geistige Kräfte aus den übersinnlichen Welten heraus arbeiten, um auszubilden, was später im Selbstbewußtsein des Menschen zum Ausdruck gekommen ist. Wir können sprechen von einem Einschnitt in der menschlichen Entwickelung, einem vorhergehenden und einem nachherfolgenden Zeitalter. Das nachfolgende sei dasjenige, in dem langsam und allmählich das Selbstbewußtsein im Menschen auftritt. Wir wollen es nennen das Zeitalter des Selbstbewußtseins.

[ 15 ] Dem aber geht voran in zyklischer Abwechslung ein Zeitalter, in dem erst das Organ des Selbstbewußtseins aus übersinnlichen Kräften in den Menschen hineingebaut worden ist. Es geht voran das Zeitalter, in dem Geistesmächte den Menschen organisch vorbereiteten, das Selbstbewußtsein zu haben. Das heißt, dasjenige, was im Selbstbewußtsein seelisch arbeitet, das arbeitete in jenem vorhergehenden Zeitalter unsichtbar und unerkennbar im Inneren der Menschennatur. Der Einschnitt, der Verbindungspunkt dieser beiden großen Zeitalter, ist ein wichtiger Einschnitt in der menschlichen Entwickelung. Vor der Epoche, die diesem Einschnitt folgt, war das Selbstbewußtsein bei den meisten Menschen überhaupt nicht vorhanden, bei den fortgeschrittenen Menschen verhältnismäßig schwach. Damals dachten die Menschen nicht so wie heute, daß sie bei einem Gedanken wußten: Ich denke diesen Gedanken. — Sondern die Gedanken traten auf wie lebendige Träume. Auch die Willensimpulse und die Gefühle traten nicht so ins Bewußtsein wie heute, sondern es trat im Menschen etwas auf, was wie instinktiv im Menschen lebte. Selbstbewußtsein durchdrang noch nicht das Seelenleben. Aber es arbeiteten an der menschlichen Organisation, an der menschlichen Natur vom Geiste aus diejenigen Wesenheiten, die den Menschen vorbereiteten, später fähig zu sein, das Selbstbewußtsein von sich aus zu haben. Ganz anders mußten die Menschen sich verhalten vor der Epoche des Selbstbewußtseins als in der Epoche des Selbstbewußtseins, wie auch das äußere Erfahren sich ganz verschieden darstellt vom 15. bis zum 20. Jahrhundert nach Christus, als es später sein wird.

[ 15 ] Dem aber geht voran in zyklischer Abwechslung ein Zeitalter, in dem erst das Organ des Selbstbewußtseins aus übersinnlichen Kräften in den Menschen hineingebaut worden ist. Es geht voran das Zeitalter, in dem Geistesmächte den Menschen organisch vorbereiteten, das Selbstbewußtsein zu haben. Das heißt, dasjenige, was im Selbstbewußtsein seelisch arbeitet, das arbeitete in jenem vorhergehenden Zeitalter unsichtbar und unerkennbar im Inneren der Menschennatur. Der Einschnitt, der Verbindungspunkt dieser beiden großen Zeitalter, ist ein wichtiger Einschnitt in der menschlichen Entwickelung. Vor der Epoche, die diesem Einschnitt folgt, war das Selbstbewußtsein bei den meisten Menschen überhaupt nicht vorhanden, bei den fortgeschrittenen Menschen verhältnismäßig schwach. Damals dachten die Menschen nicht so wie heute, daß sie bei einem Gedanken wußten: Ich denke diesen Gedanken. — Sondern die Gedanken traten auf wie lebendige Träume. Auch die Willensimpulse und die Gefühle traten nicht so ins Bewußtsein wie heute, sondern es trat im Menschen etwas auf, was wie instinktiv im Menschen lebte. Selbstbewußtsein durchdrang noch nicht das Seelenleben. Aber es arbeiteten an der menschlichen Organisation, an der menschlichen Natur vom Geiste aus diejenigen Wesenheiten, die den Menschen vorbereiteten, später fähig zu sein, das Selbstbewußtsein von sich aus zu haben. Ganz anders mußten die Menschen sich verhalten vor der Epoche des Selbstbewußtseins als in der Epoche des Selbstbewußtseins, wie auch das äußere Erfahren sich ganz verschieden darstellt vom 15. bis zum 20. Jahrhundert nach Christus, als es später sein wird.

[ 16 ] Wie wir alle westländischen Kulturen so verlaufen sehen, daß die äußeren Gesetze der materiellen Wirkungsart gefunden und praktisch angewendet werden, und wie dann hinzutreten wird spirituelles Wissen, spirituelles Verständnis, so war bis zu dem Zeitalter, in dem das Selbstbewußtsein eintrat in die Seele, alles, was vorbereiten konnte dieses Selbstbewußtsein, in das menschliche Leben eingeflossen. Da waren die Menschen eingeteilt in strenge Kasten in der Gegend, in welcher das Selbstbewußtsein zunächst auftreten sollte. Und die Menschen achteten diese Kasten. Derjenige, der in einer niedrigen Kaste geboren war, empfand es als höchstes Ziel, in dieser Kaste sich so zu verhalten, daß er in späteren Verkörperungen hinauf sich zu heben vermöchte. Ein mächtiger Ansporn der menschlichen Seelenentwickelung war diese Kasteneinteilung. Denn die Menschen wußsten, daß sie durch Entwickelung der inneren Seelenkräfte sich geeignet machten, in einer nächsten Verkörperung in eine höhere Kaste aufzusteigen. Und zu den Ahnen schaute man auf und sah in ihnen dasjenige, was nicht an einen physischen Leib gebunden ist. Ehrwürdig waren den Menschen die Ahnen, weil sie schon gestorben waren, und übriggeblieben war das Manenhafte, das Geistige, das geistig nach dem Tode von der höheren Welt aus wirkte. Das war eine gute Vorbereitung auf das große Ziel in der menschlichen Natur, dasjenige zu sehen im Ahnenkult, was jetzt schon in uns lebt, und nicht an den physischen Leib gebunden ist, die selbstbewußte Seele, die mit dem Tode durch die Pforte des Todes in die geistigen Welten geht. So, wie durch vier Jahrhunderte die beste Erziehung zur Spiritualität jene Erziehung war, welche die Menschen zum naturwissenschaftlichen Denken gezwungen hat, so war es die beste Erziehung damals, eine hohe Achtung den Menschen einzuflößen für die Kaste und für die Vorfahren. Das war eine wunderbare Vorbereitung für die Entwickelung des Selbstbewußtseins. Der Mensch stand in seiner Kaste darin und entwickelte einen ganz besonderen Hang zur Kasteneinteilung. Gerade an der Pietät gegenüber der Kaste und gegenüber den Ahnen hatte der Mensch etwas, was ungeheuer hineinwirkte in sein Leben. Kasteneinteilung und Ahnenverehrung wirkten tief ein auf das menschliche Leben. Da arbeiteten geistige Wesenheiten hinein in dieses äußere menschliche Leben, wie es in den Kasten und in der Verehrung der Ahnen verlief. Das war dasjenige, was vorbereitete die Möglichkeit, daß der Mensch in Zukunft bei jedem Gedanken sagen konnte: Ich denke; bei jedem Gefühl: Ich fühle; und bei jedem Willensimpuls: Ich will. — Das Selbstbewußtsein wurde vorbereitet in der vorhergehenden Epoche, in welcher eben das Selbstbewußtsein nicht da war, aber von Göttern aus der menschlichen Natur herausgearbeitet worden ist.

[ 16 ] Wie wir alle westländischen Kulturen so verlaufen sehen, daß die äußeren Gesetze der materiellen Wirkungsart gefunden und praktisch angewendet werden, und wie dann hinzutreten wird spirituelles Wissen, spirituelles Verständnis, so war bis zu dem Zeitalter, in dem das Selbstbewußtsein eintrat in die Seele, alles, was vorbereiten konnte dieses Selbstbewußtsein, in das menschliche Leben eingeflossen. Da waren die Menschen eingeteilt in strenge Kasten in der Gegend, in welcher das Selbstbewußtsein zunächst auftreten sollte. Und die Menschen achteten diese Kasten. Derjenige, der in einer niedrigen Kaste geboren war, empfand es als höchstes Ziel, in dieser Kaste sich so zu verhalten, daß er in späteren Verkörperungen hinauf sich zu heben vermöchte. Ein mächtiger Ansporn der menschlichen Seelenentwickelung war diese Kasteneinteilung. Denn die Menschen wußsten, daß sie durch Entwickelung der inneren Seelenkräfte sich geeignet machten, in einer nächsten Verkörperung in eine höhere Kaste aufzusteigen. Und zu den Ahnen schaute man auf und sah in ihnen dasjenige, was nicht an einen physischen Leib gebunden ist. Ehrwürdig waren den Menschen die Ahnen, weil sie schon gestorben waren, und übriggeblieben war das Manenhafte, das Geistige, das geistig nach dem Tode von der höheren Welt aus wirkte. Das war eine gute Vorbereitung auf das große Ziel in der menschlichen Natur, dasjenige zu sehen im Ahnenkult, was jetzt schon in uns lebt, und nicht an den physischen Leib gebunden ist, die selbstbewußte Seele, die mit dem Tode durch die Pforte des Todes in die geistigen Welten geht. So, wie durch vier Jahrhunderte die beste Erziehung zur Spiritualität jene Erziehung war, welche die Menschen zum naturwissenschaftlichen Denken gezwungen hat, so war es die beste Erziehung damals, eine hohe Achtung den Menschen einzuflößen für die Kaste und für die Vorfahren. Das war eine wunderbare Vorbereitung für die Entwickelung des Selbstbewußtseins. Der Mensch stand in seiner Kaste darin und entwickelte einen ganz besonderen Hang zur Kasteneinteilung. Gerade an der Pietät gegenüber der Kaste und gegenüber den Ahnen hatte der Mensch etwas, was ungeheuer hineinwirkte in sein Leben. Kasteneinteilung und Ahnenverehrung wirkten tief ein auf das menschliche Leben. Da arbeiteten geistige Wesenheiten hinein in dieses äußere menschliche Leben, wie es in den Kasten und in der Verehrung der Ahnen verlief. Das war dasjenige, was vorbereitete die Möglichkeit, daß der Mensch in Zukunft bei jedem Gedanken sagen konnte: Ich denke; bei jedem Gefühl: Ich fühle; und bei jedem Willensimpuls: Ich will. — Das Selbstbewußtsein wurde vorbereitet in der vorhergehenden Epoche, in welcher eben das Selbstbewußtsein nicht da war, aber von Göttern aus der menschlichen Natur herausgearbeitet worden ist.

[ 17 ] Nehmen wir nun an: Gegen das Ende dieses Zeitraumes tritt bei einem Menschen wie durch einen mächtigen Schock eine augenblickliche Einstellung alles dessen ein, was ihn bindet an die Kräfte, die eben geschildert worden sind, an die Kräfte der vorhergehenden Epoche. Dann war es bei ihm so, wie es sonst für uns im Schlafe ist, wenn wir für einen Moment die Kräfte des Aufbauens herausziehen und hellsichtig werden, oder wie es ja auch bei dem Menschen des 18. Jahrhunderts war, wenn er aufhalten konnte die Kräfte, die damals wirkten an der Gehirnstruktur. So konnte damals ein Mensch, wenn er einen Moment sein Verständnis gegenüber der Ahnenverehrung, gegenüber den Opferfeuern zurückzog, er konnte, indem er einen Schock empfand, dann die Kräfte, die er sonst für dieses Verständnis verwendete, für einen Augenblick dazu verwenden, einen Blick hineinzutun in die übersinnlichen Welten, konnte sehen, wie aus der geistigen Welt heraus gearbeitet wurde an der Vorbereitung des Selbstbewußtseins des Menschen. Das tat Arjuna in dem Augenblick, da er eben im Kampf den Schock bekam. Da standen still die Kräfte in ihm, die sonst aufbauende Kräfte waren, da konnte er einen Blick tun auf die göttliche Wesenheit, welche die Kräfte des Selbstbewußtseins vorbereitete, und diese Gottheit war eben Krishna. Was ist uns dadurch Krishna? Krishna ist diejenige Wesenheit in der Menschheitsevolution, die spirituell vorbereitend gearbeitet hat durch Jahrhunderte und aber Jahrhunderte hindurch an der Organisation der Menschennatur, die den Menschen fähig machte, vom 7., 8. Jahrhunderte vor Begründung des Christentums an, allmählich in das Zeitalter des Selbstbewußtseins einzutreten. Wie erscheint da Krishna, der Baumeister der menschlichen Egoität, der Baumeister des menschlichen Selbstbewußtseins? Sprechen muß er vor Arjuna in Worten, die ganz durchtränkt und durchdrungen sind von Selbstbewußtsein. So verstehen wir Krishna von einer anderen Seite her als den göttlichen Baumeister an demjenigen, was das Selbstbewußtsein im Menschen vorbereitet und es herbeigeführt hat. Und wie ein Mensch unter besonderen Verhältnissen dieses Baumeisters ansichtig werden konnte, das stellt uns eben die Bhagavad Gita dar. Das ist eine Seite der Krishna-Natur. Eine andere Seite der Krishna-Natur werden wir dann in den nächsten Vorträgen noch kennenlernen.

[ 17 ] Nehmen wir nun an: Gegen das Ende dieses Zeitraumes tritt bei einem Menschen wie durch einen mächtigen Schock eine augenblickliche Einstellung alles dessen ein, was ihn bindet an die Kräfte, die eben geschildert worden sind, an die Kräfte der vorhergehenden Epoche. Dann war es bei ihm so, wie es sonst für uns im Schlafe ist, wenn wir für einen Moment die Kräfte des Aufbauens herausziehen und hellsichtig werden, oder wie es ja auch bei dem Menschen des 18. Jahrhunderts war, wenn er aufhalten konnte die Kräfte, die damals wirkten an der Gehirnstruktur. So konnte damals ein Mensch, wenn er einen Moment sein Verständnis gegenüber der Ahnenverehrung, gegenüber den Opferfeuern zurückzog, er konnte, indem er einen Schock empfand, dann die Kräfte, die er sonst für dieses Verständnis verwendete, für einen Augenblick dazu verwenden, einen Blick hineinzutun in die übersinnlichen Welten, konnte sehen, wie aus der geistigen Welt heraus gearbeitet wurde an der Vorbereitung des Selbstbewußtseins des Menschen. Das tat Arjuna in dem Augenblick, da er eben im Kampf den Schock bekam. Da standen still die Kräfte in ihm, die sonst aufbauende Kräfte waren, da konnte er einen Blick tun auf die göttliche Wesenheit, welche die Kräfte des Selbstbewußtseins vorbereitete, und diese Gottheit war eben Krishna. Was ist uns dadurch Krishna? Krishna ist diejenige Wesenheit in der Menschheitsevolution, die spirituell vorbereitend gearbeitet hat durch Jahrhunderte und aber Jahrhunderte hindurch an der Organisation der Menschennatur, die den Menschen fähig machte, vom 7., 8. Jahrhunderte vor Begründung des Christentums an, allmählich in das Zeitalter des Selbstbewußtseins einzutreten. Wie erscheint da Krishna, der Baumeister der menschlichen Egoität, der Baumeister des menschlichen Selbstbewußtseins? Sprechen muß er vor Arjuna in Worten, die ganz durchtränkt und durchdrungen sind von Selbstbewußtsein. So verstehen wir Krishna von einer anderen Seite her als den göttlichen Baumeister an demjenigen, was das Selbstbewußtsein im Menschen vorbereitet und es herbeigeführt hat. Und wie ein Mensch unter besonderen Verhältnissen dieses Baumeisters ansichtig werden konnte, das stellt uns eben die Bhagavad Gita dar. Das ist eine Seite der Krishna-Natur. Eine andere Seite der Krishna-Natur werden wir dann in den nächsten Vorträgen noch kennenlernen.