The Occult Significance of the Bhagavad Gita
GA 146
31 May 1913, Helsinki
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The Occult Foundations of the Bhagavad Gita, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Wir haben gesehen, daß der Mensch, wenn er einrücken will in jene Region, in welcher auch die Träume gewoben werden, mitbringen muß in diese Region aus der gewöhnlichen Welt dasjenige, was man nennen kann ein verstärktes Selbstbewußtsein, ein Mehr in dem Ich, als dieses Ich nötig hat für den physischen Plan, für die physische Welt. In unserer Gegenwart wird dieses Mehr von Selbstbewußtsein, dieser Überschuß aus unserer Seele durch dasjenige herausgebildet, was wir erleben können durch solche Übungen, wie sie erwähnt sind in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten ?». Es findet zunächst also eine solche Verstärkung, Erkraftung des Selbstes statt. Weil der Mensch sozusagen empfindet, daß er das braucht, so überkommt ihn auch etwas wie eine Art Furcht, wie eine Art Angst, eine Art Scheu, hinauf sich zu entwickeln in die höheren Welten, wenn er diese Stärke im inneren Selbst noch nicht erlangt hat.
[ 1 ] We have seen that if a person wishes to enter the region where dreams are woven, they must bring with them from the ordinary world what might be called a heightened sense of self-awareness—a surplus in the “I” beyond what this “I” requires for the physical plane, for the physical world. In our present time, this surplus of self-awareness, this excess from our soul, is developed through what we can experience via exercises such as those mentioned in the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*. Thus, a strengthening and invigoration of the self takes place first. Because the human being feels, so to speak, that he needs this, he is also overcome by something like a kind of fear, a kind of anxiety, a kind of hesitation to develop upward into the higher worlds if he has not yet attained this strength within his inner self.
[ 2 ] Nun habe ich oftmals betont, daß die Menschenseele im Verlauf der Evolution die verschiedensten Stadien durchgemacht hat. Was heute durch die genannten Übungen eine solche Menschenseele der Gegenwart erlangen kann an Erhöhung, an Erkraftung des Selbstbewußtseins, das konnte sie auf dieselbe Art nicht eigentlich erreichen in der Zeit, in welche wir zu versetzen haben den erhabenen Sang, die Bhagavad Gita. Dafür war in alten Zeiten im menschlichen Selbst, im menschlichen Bewußtsein etwas anderes vorhanden: Es war noch die erste, uralte Hellsichtigkeit in der Menschenseele vorhanden. Hellsichtigkeit ist auch etwas, was man sozusagen für das gewöhnliche Selbst auf dem physischen Plan nicht eigentlich braucht, wenn man nur mit dem, was eben jeweilig der physische Plan enthält, sich zufrieden geben kann.
[ 2 ] I have often emphasized that the human soul has passed through a wide variety of stages in the course of evolution. What such a human soul of the present day can attain today through the exercises mentioned—in terms of elevation and the strengthening of self-awareness—it could not actually achieve in the same way in the time to which we must refer the sublime song, the Bhagavad Gita. Instead, in ancient times, something else was present in the human self, in human consciousness: the first, primeval clairvoyance was still present in the human soul. Clairvoyance is also something that one does not actually need, so to speak, for the ordinary self on the physical plane, if one can be content with whatever the physical plane happens to contain at any given time.
[ 3 ] Aber jene alten Zeiten, jene alten Menschen der Zeit, in welche wir die erhabene Gita zu versetzen haben, hatten eben noch die Reste uralten Hellsehens. Wir blicken auf der einen Seite zurück bis zu solchen Menschen, die Zeitgenossen waren der Entstehung der Bhagavad Gita. Diese Menschen konnten sich sagen: Wenn ich die physische Umwelt schaue, dann bekomme ich Eindrücke durch meine Sinne, dann können diese Eindrücke der Sinne durch den Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, kombiniert werden. Aber ich habe außerdem noch eine andere Kraft, durch die ich hellsehend ein Wissen mir aneignen kann von anderen Welten. Und diese Kräfte bezeugen mir, daf die Menschen auch noch anderen Welten angehören, daß ich als Mensch noch hineinrage in andere Welten, über die gewöhnliche physische Welt hinaus. — Das aber ist eben das verstärkte Selbstbewußtsein, das unmittelbar in der Seele hervorsprießen läßt das Wissen, daß diese Seele nicht allein der physischen Welt angehört. Es ist gleichsam ein Überdruck im Selbst, was da hervorgerufen wird durch jene, wenn auch letzten Reste hellsichtiger Kraft. Und heute wiederum kann der Mensch solche Kräfte eines Überdruckes in sich entwickeln, wenn er entsprechende okkulte Übungen in seiner Seele vollzieht.
[ 3 ] But those ancient times, those people of the era into which we must place the sublime Gita, still possessed the remnants of ancient clairvoyance. On the one hand, we look back to people who were contemporaries of the Bhagavad Gita’s creation. These people could say to themselves: When I look at the physical environment, I receive impressions through my senses, and these sensory impressions can be combined by the mind, which is bound to the brain. But I also possess another power through which I can acquire knowledge of other worlds through clairvoyance. And these powers testify to me that human beings also belong to other worlds, that I, as a human being, still reach into other worlds beyond the ordinary physical world. — But this is precisely the heightened self-awareness that immediately causes the knowledge to spring forth in the soul that this soul does not belong solely to the physical world. It is, as it were, a pressure within the self that is brought about by those, albeit last, remnants of clairvoyant power. And today, too, human beings can develop such powers of inner pressure within themselves if they perform the appropriate occult exercises in their souls.
[ 4 ] Da könnte eingewendet werden — und Sie wissen ja, daß immer an der entsprechenden Stelle in anthroposophischen Vorträgen vorweggenommen werden solche Einwände, die der wahre Okkultist selber recht gut weiß —, da könnte eingewendet werden: Ja, wie kommt überhaupt der Mensch in unserer Zeit dazu, solche okkulten Übungen machen zu wollen? Warum ist er nicht zufrieden mit dem, was der Verstand bietet, der an das Gehirn gebunden ist? Warum will der Mensch solche okkulten Übungen? — Da berühren wir eine Frage, die nicht nur eine Frage, sondern eine Art Tatsache ist für jede sinnige Seele im gegenwärtigen Menschheitszyklus. Wenn der Mensch wirklich in seiner Seele zu nichts käme als zu dem, was nur die Sinne ihm zeigen, was ihm der Verstand gibt, der an das äußere physische Instrument, das Gehirn, gebunden ist, dann wäre er ganz sicher zufrieden mit seinem Dasein, ohne irgendeine Begierde zu entwickeln nach höheren übersinnlichen Welten. Der Mensch würde in einem solchen Falle sehen, wie sich die Dinge und Ereignisse um ihn herum verhalten und abspielen, er würde sie entstehen und vergehen sehen, nicht aber über Entstehen und Vergehen in sich eine Frage stellen, sondern damit zweifellos zufrieden sein, wie etwa zufrieden sein kann das einzelne Tier mit seinem Dasein. Das kann der Mensch im Grunde genommen ganz gut in der Lage, in welcher heute der materialistisch gesinnte Mensch den Menschen denken möchte. Das Tier ist in der Lage, mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein nur aufzunehmen dasjenige, was vor den Sinnen entsteht und vergeht; auch ist das Tier zufrieden mit dem, was vor den Sinnen sich abspielt. So ist es aber nicht bei dem Menschen. Aber warum ist es nicht so beim Menschen?
[ 4 ] One might object—and you know that in anthroposophical lectures such objections are always anticipated at the appropriate point, objections that the true occultist himself is well aware of—one might object: Yes, how does a person in our time come to want to perform such occult exercises at all? Why are they not satisfied with what the intellect, which is bound to the brain, has to offer? Why do people want to engage in such occult exercises? — Here we touch upon a question that is not merely a question, but a kind of fact for every sensible soul in the present cycle of humanity. If human beings truly could attain nothing in their souls beyond what the senses alone show them, what the intellect—bound to the external physical instrument, the brain—provides, then they would certainly be content with their existence, without developing any desire for higher, supersensory worlds. In such a case, human beings would see how things and events around them behave and unfold; they would see them arise and pass away, but would not ask themselves any questions about arising and passing away, but would be undoubtedly content with it, just as an individual animal can be content with its existence. Human beings are, in fact, quite capable of this in the state in which the materialistically minded person of today would have us think of humanity. With its ordinary consciousness, the animal is capable of perceiving only that which arises and passes away before the senses; the animal is also content with what takes place before the senses. But this is not the case with human beings. But why is this not the case with human beings?
[ 5 ] Ich rede in diesem Zusammenhange immer von dem Menschen der Gegenwart. Denn noch im alten Griechenland war es im Grunde nicht so für die Menschenseele, wie es heute ist. Wenn wir heute wirklich mit voller Seele an die Naturwissenschaft herangehen, Naturwissenschaft uns erwerben, wenn wir an dasjenige herangehen, was im geschichtlichen Werden vor sich geht, uns die äußere Historiologie, Geschichtswissenschaft aneignen, dann kommt mit alle dem, was wir uns da aneignen, zugleich etwas in diese Menschenseele herein, es schleicht sich ganz verstohlen mit alldem etwas in die Menschenseele hinein, wofür eigentlich Zweck und Sinn fehlt im äußeren physischen Leben. Man hat daher mannigfache Vergleiche gebraucht für dasjenige, was sich da einschleicht. Einen solchen möchte ich doch erwähnen, weil er oftmals gemacht wird, ohne daß eigentlich wirklich nachgedacht wird über seine tiefere Bedeutung. Eine sehr berühmte medizinische Autorität hat im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts einmal, um sozusagen das Ehrwürdige der selbständigen Wissenschaft bedeutungsvoller an der Akademie der Wissenschaft hervorzuheben, aufmerksam gemacht auf einen griechischen Philosophen, der einmal gefragt worden ist: Wie ist es denn eigentlich mit dem philosophischen Nachdenken über des Lebens Sinn und Zweck? Wie verhält sich dieses Nachdenken zu den anderen Tätigkeiten der Menschen, die sich durch andere Arbeit, durch nützliche Tätigkeit beteiligen am allgemeinen Leben? — Da hat jener Philosoph folgende Antwort gegeben: Man betrachte sich einmal einen Jahrmarkt. Da kommen die Menschen zum Verkauf und Kauf. Diese sind alle beschäftigt. Aber auch einige andere finden sich ein, die wollen nichts verkaufen und auch nichts kaufen, sondern sie wollen betrachten, nur anschauen, wie es da zugeht auf dem Jahrmarkt. — Der Philosoph wollte nämlich sagen: Der Jahrmarkt sei das Leben. Da sind die Menschen beschäftigt in mannigfacher Form. Die Philosophen aber, die nicht beschäftigt sind mit dem, was andere Menschen beschäftigt, lungern herum, gehen herum und schauen sich alles bloß an, um alles kennenzulernen.
[ 5 ] In this context, I am always speaking of people today. For even in ancient Greece, the human soul was not, in essence, as it is today. When we today truly approach the natural sciences with our whole soul, when we acquire knowledge of the natural sciences; when we approach what is taking place in the historical process, when we acquire external historiology and the science of history—then, along with everything we acquire there, something enters the human soul at the same time, it creeps quite stealthily, along with all that, into the human soul—something for which there is actually no purpose or meaning in external physical life. People have therefore used manifold comparisons for that which creeps in there. I would like to mention one such comparison, because it is often made without people actually really reflecting on its deeper meaning. A very famous medical authority once, in the last third of the 19th century, in order to emphasize more meaningfully, so to speak, the dignity of independent science at the Academy of Sciences, drew attention to a Greek philosopher who was once asked: What is the situation, actually, with philosophical reflection on the meaning and purpose of life? How does this reflection relate to the other activities of people who participate in general life through other work, through useful activity? — To this, the philosopher gave the following answer: Let us consider a fair. People come there to buy and sell. They are all busy. But there are also some others who show up; they want to sell nothing and buy nothing, but they want to observe, just watch, what is going on at the fair. — The philosopher meant to say: The fair is life. There, people are engaged in manifold ways. But the philosophers, who are not occupied with what occupies other people, loiter about, walk around, and merely look at everything in order to get to know it all.
[ 6 ] Es ist schon einmal in das Fleisch und Blut der sogenannten intellektuellen Menschheit eingedrungen, daß man die Philosophen deshalb, weil sie nicht offensichtlich teilnehmen an der nützlichen Tätigkeit im Leben, gerade wegen ihrer auf sich selbst gestellten, selbständigen Wissenschaft, die sich vollkommen selbst genügt, ganz besonders schätzen will. Aber dieser Vergleich sollte denn doch einigermaßen zum Nachdenken anregen. Vielleicht könnte das banausisch scheinen, aber es ist doch nicht ganz banausisch, wenn man tiefer nachdenkt. Dieser Vergleich könnte nämlich recht gut zum Nachdenken anregen. Es ist denn doch recht bedenklich, daß man die Philosophen vergleicht mit den Herumlungerern auf dem Jahrmarkt des Lebens, die eigentlich zwecklos sind, die da herumgehen zwischen Leuten, die alle einen Zweck haben. Das wäre doch auch ein mögliches Nachdenken. Es werden eben durchaus oftmals Urteile gefällt, welche vielleicht an ihrem Ausgangspunkte ganz zweifellos richtig sind. Wenn sie sich aber durch Jahrhunderte oder, wie dieses, sogar durch Jahrtausende fortschleppen, dann können sie doch recht unrichtig werden. Daher darf die Frage aufgeworfen werden: Sind denn wirklich alle, über die so im allgemeinen ein Urteil gefällt wird, sind die wirklich zunächst die Herumlungerer im Leben?
[ 6 ] It has already become second nature to so-called intellectual humanity that philosophers—precisely because they do not obviously participate in the practical activities of life, and precisely because of their self-contained, independent science that is entirely self-sufficient—are to be held in particularly high esteem. But this comparison should, after all, give us some food for thought. Perhaps this might seem philistine, but it is not entirely so if one thinks more deeply. For this comparison could indeed give one quite a lot to think about. It is, after all, quite troubling that philosophers are compared to the loiterers at the fairground of life, who are actually aimless, wandering among people who all have a purpose. That, too, would be a valid line of thought. Judgments are indeed often passed that may well be correct at their starting point. But if they drag on for centuries or, as in this case, even for millennia, then they can become quite incorrect. Therefore, the question may be raised: Are all those upon whom such a general judgment is passed really, at first glance, the loiterers of life?
[ 7 ] Es kommt nur darauf an, wonach man das Leben bewertet. Ganz gewiß gibt es Menschen, die die Philosophen wirklich als unnütze Herumlungerer ansehen und glauben, daß es gescheiter wäre, irgendein nützliches Handwerk zu treiben. Von ihrem Standpunkte mögen diese Menschen sogar ganz recht haben. Aber es kommt darauf an, daß, wenn man das Leben mit den Sinnen betrachtet und mit dem Verstande, der an das Gehirn gebunden ist, dann wie verstohlen Dinge in die menschliche Seele hineinschleichen, die ganz offenkundig gar keinen Zusammenhang haben mit der Außenwelt, welche uns sinnlich umgibt. Man kann das sehr gut sehen bei der Lektüre solcher Bücher, die aus rein materialistischer Grundlage heraus eine befriedigende Weltanschauung zimmern wollen, welche die Welträtsel lösen soll. Dann stellt sich gewöhnlich heraus, daß am Ende dieser Bücher überhaupt erst Fragen auftauchen. Diese Bücher werfen im allgemeinen die Welträtsel erst auf an ihrem Ende. Es schleicht sich eben ein Gedanke ein mit der Aufnahme dessen, was diese Bücher behandeln, mit der Aufnahme der Außenwelt, ein Gedanke, mit dem man sich sagen muß: Entweder ist der Mensch noch für andere Welten da als nur für die physische Welt, oder diese physische Welt belügt, prellt einen fortwährend, indem sie uns Rätsel aufgibt, die wir nicht beantworten können. Eine ganze Summe unseres Seelenlebens ist sinnlos, wenn wirklich das Leben mit dem Tode abschließen würde, wenn der Mensch keinen Anteil, keinen Zusammenhang hätte mit der höheren Welt. Und die Sinnlosigkeit dessen, was er hat, nicht die Sehnsucht nach etwas, was er nicht hat, das ist es, was den Menschen dazu treibt, dem nachzugehen, wie es sich damit verhält, daß in die Seele etwas kommt, was gar kein Bürger unserer Sinnenwelt ist. Und das treibt ihn dazu, etwas auszubilden, wie es eben durch okkulte Übungen geschehen kann, etwas, was ganz offenkundig nicht mit der Außenwelt zusammenhängt. Wir würden nicht sagen, der Mensch habe die Sehnsucht nach der Unsterblichkeit in sich, und deshalb bilde er sich den Begriff der Unsterblichkeit, deshalb erfinde er sie, sondern: der Mensch hat so, wie er lebt, etwas von der Außenwelt hereinbekommen in seine Seele, was ganz sinnlos, zwecklos, wesenlos wäre, wenn das Dasein nur zwischen Geburt und Tod eingeschlossen wäre. Der Mensch muß fragen nach Sinn und Zweck, überhaupt nach der ganzen Wesenhaftigkeit von etwas, was er hat, und nicht von etwas, was er nicht hat.
[ 7 ] It all depends on how one judges life. There are certainly people who truly regard philosophers as useless idlers and believe it would be wiser to pursue some useful trade. From their point of view, these people may even be quite right. But the point is that when one views life through the senses and with the intellect bound to the brain, things then sneak into the human soul as if by stealth, things that quite obviously have no connection whatsoever with the external world that surrounds us sensually. One can see this very clearly when reading books that, on a purely materialistic basis, seek to construct a satisfying worldview intended to solve the world’s mysteries. Then it usually turns out that questions only arise at the very end of these books. These books generally raise the world’s mysteries only at their conclusion. A thought creeps in as we take in what these books deal with, as we take in the external world—a thought that compels us to say: Either human beings exist for worlds other than just the physical world, or this physical world deceives us, constantly eludes us, by presenting us with riddles we cannot answer. A whole part of our inner life is meaningless if life were truly to end with death, if human beings had no share in, no connection with, the higher world. And the meaninglessness of what he has—not the longing for something he does not have—that is what drives man to investigate how it is that something enters the soul that is not at all a citizen of our sensory world. And this drives them to develop something—as can happen through occult practices—that is quite clearly unrelated to the external world. We would not say that human beings have a longing for immortality within them, and that is why they form the concept of immortality, why they invent it, but rather: human beings, in the way they live, have taken something from the external world into their soul that would be entirely meaningless, purposeless, and insubstantial if existence were confined only to the period between birth and death. Human beings must ask about meaning and purpose, indeed about the very essence of something they possess, and not of something they do not possess.
[ 8 ] So ist der Mensch der Gegenwart in der Tat nicht mehr ganz in der Lage — und darum kann er sich in der heutigen Zeit nicht auf den griechischen Philosophen berufen —, er ist nicht mehr ganz in der Lage eines bloßen Herumlungerers, eines bloßen Strabanzers, sondern er ist in einer anderen Lage: in der Lage, daß man ihn vergleichen kann mit einer Persönlichkeit, die nur Worte verleiht demjenigen, was eigentlich in allen lebt. Im alten Griechenland paßte tatsächlich der Vergleich des Philosophen. Heute paßt er nicht mehr, heute ist die Sache anders. Wenn wir das Leben wiederum mit einem Jahrmarkt vergleichen, so können wir auch heute sagen: Da kommen Käufer und Verkäufer. Wenn sie nun den Jahrmarkt abschließen und abzählen, ob alles stimmt, dann finden sie — so wunderbar das klingt, aber jeder Vergleich hinkt ja ein wenig, und dieser ist sogar in gewissem Sinne um so besser, je mehr er hinkt —, dann finden sie etwas, was da ist, was aber weder gekauft noch verkauft hat werden können, wovon nicht zu ergründen ist, woher es kommt. So ist es zwar nicht bei einem Jahrmarkt, aber so ist es beim Jahrmarkt des Lebens. Indem wir das Leben durchleben, finden wir fortwährend Dinge, die aus dem Leben heraussprießen, für die es aber keine Erklärung in der Sinnenwelt gibt. Das ist der tiefere Grund, warum es heute in der Welt Menschen gibt, die an dem Dasein verzweifeln können, die unbestimmte Sehnsüchte haben können: weil eben beim Menschen der Gegenwart etwas in der Seele wirkt, was keine Bürgerschaft hat in der physischen Welt, was aber Fragen nach anderen Welten aufwirft.
[ 8 ] Thus, the modern man is in fact no longer quite in a position—and for this reason he cannot invoke the Greek philosophers in the present day— he is no longer quite in the position of a mere loiterer, a mere idler, but he is in a different position: in the position that he can be compared to a personality who merely gives words to what actually lives in everyone. In ancient Greece, the comparison of the philosopher was indeed fitting. Today it no longer fits; today the situation is different. If we compare life again to a fair, we can also say today: Here come buyers and sellers. When they close up the fair and tally up whether everything is in order, then they find—as wonderful as that sounds, but every comparison is a bit flawed, and this one is even better in a certain sense the more flawed it is—then they find something that is there, but which could neither have been bought nor sold, and whose origin cannot be fathomed. It is not quite like that at a fair, but it is like that at the fair of life. As we live through life, we continually find things that spring forth from life, for which, however, there is no explanation in the sensory world. This is the deeper reason why there are people in the world today who may despair of existence, who may have vague longings: because something is at work in the soul of modern humanity that has no place in the physical world, yet raises questions about other worlds.
[ 9 ] Das aber, was wir heute in der Seele erwerben müssen, damit Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit gegenüber dem Leben nicht aufkomme, gegenüber einer Sache, die sonst sinnlos wäre, das hatte ein Mensch wie Arjuna einfach deshalb, weil seine Seele noch herausragte aus einer Zeit, wo das uralte menschliche, primitive Hellsehen noch da war. Aber Arjuna befindet sich gleichzeitig in einem Übergangszeitpunkt — und das ist das Wesentliche, das Bedeutungsvolle, wenn die Bhagavad Gita verstanden werden soll —, Arjuna befindet sich in jener Zeitentwickelung, wo nur noch Reste, letzte Nachklänge des uralten Hellsehens vorhanden waren. Die Menschen rückten in der Zeit, in der etwa die Bhagavad Gita entstand, in eine Zeit der Evolution, in der dieses alte Hellsehen allmählich verlorenging. Und das ist der ganz tiefe Grundzug der Bhagavad Gita, der Hauch, der über die Bhagavad Gita ausgegossen ist, daß aus ihr die Töne herausklingen, die von jener Zeitenwende kommen, in der das alte Hellsehen der Menschheit in seinem Absterben war, wo dem Abendrot des alten Hellsehens gegenüber jene Nacht beginnen sollte, in der diejenige menschliche Kraft erst geboren werden konnte, welche die alte Menschenseele noch nicht hatte und in unserer Zeit die gewöhnliche Menschenseele hat.
[ 9 ] But what we must acquire in our souls today to prevent despair and hopelessness from arising in the face of life—in the face of something that would otherwise be meaningless—a person like Arjuna possessed simply because his soul still stood out from a time when ancient, primitive human clairvoyance still existed. But Arjuna also finds himself at a transitional point—and this is the essential, the significant aspect if the Bhagavad Gita is to be understood—Arjuna finds himself at that stage of historical development where only remnants, the last echoes of that ancient clairvoyance, remained. Around the time the Bhagavad Gita was written, humanity was entering a phase of evolution in which this ancient clairvoyance was gradually being lost. And this is the very deepest underlying theme of the Bhagavad Gita, the breath that is poured over the Bhagavad Gita, so that the tones resound from it that come from that turning point in history when humanity’s ancient clairvoyance was in the process of dying out, where, in contrast to the twilight of the ancient clairvoyance, that night was to begin in which the human power could first be born that the ancient human soul did not yet possess and that the ordinary human soul possesses in our time.
[ 10 ] So ist Arjuna eine Seele, von der man sagen kann: Altes Hellsehen ist in letztem Nachklang noch in seiner Seele vorhanden, aber immer so, daß es wie verglimmt in der Seele, nicht mehr so recht da sein will, daß es braucht ein solches erschütterndes Ereignis, wie ich es geschildert habe, um wieder wachgerufen zu werden, wieder hervorgerufen zu werden. Was ist es also, was da in dem Moment, wo Arjuna momentan hellsichtig dem Krishna gegenüberrtritt, was ist es, was da die hellseherische Kraft aus der Seele des Arjuna hervorruft? Es ist das erschütternde Ereignis, das ich erzählt habe. Und jene hellseherische Kraft holt es hervor, die in alten Zeiten dem Menschen allgemein eigentümlich war. Was kann nun Arjuna sehen, schauen dadurch, daß bei ihm hervorgerufen wird die alte hellseherische Kraft, die sonst sich schon dem Uhntergange neigte in seiner Seele? Trocken und rein historisch gesprochen, soll Arjuna der geistigen Wesenheit entgegentreten, welche wir im Sinne der Bhagavad Gita als Krishna anzusprechen haben.
[ 10 ] Thus, Arjuna is a soul of whom one can say: Traces of ancient clairvoyance still linger in his soul, but always in such a way that it seems to be fading away within him, no longer quite willing to remain there, so that it requires a shattering event, such as the one I have described, to be reawakened, to be brought forth once more. What, then, is it that, at the very moment Arjuna stands before Krishna with clairvoyance, what is it that evokes the clairvoyant power from Arjuna’s soul? It is the shattering event I have described. And it brings forth that clairvoyant power which in ancient times was generally characteristic of human beings. What, then, can Arjuna now see and perceive through the fact that the ancient clairvoyant power—which was otherwise already tending toward extinction in his soul—is evoked within him? Strictly and purely historically speaking, Arjuna is to confront the spiritual being whom we must address as Krishna in the sense of the Bhagavad Gita.
[ 11 ] Nun muß, damit völliiges Verständnis ausgebreitet werden kann über dasjenige, was eigentlich in der Seele des Arjuna vorgeht, aufmerksam gemacht werden darauf, daß jenes Erheben der Menschenseele in die Region, aus welcher sonst die Träume gewoben werden, heute eigentlich nicht mehr ganz dazu führt, Krishna oder die Wesenheit des Krishna voll zu verstehen. Wenn wir auch wirklich all die Kräfte ausbilden, die uns bewußt hinüberführen in die Region, die wir im vorigen Vortrag charakterisiert haben als die Region des Traumbewußtseins, können wir doch nicht heute sozusagen die volle Entdeckung machen dessen, was Krishna ist.
[ 11 ] Now, in order to gain a full understanding of what is actually taking place in Arjuna’s soul, it must be pointed out that the elevation of the human soul into the region from which dreams are otherwise woven no longer fully leads, in our time, to a complete understanding of Krishna or the essence of Krishna. Even if we truly develop all the powers that consciously lead us into the region we characterized in the previous lecture as the region of dream consciousness, we cannot, so to speak, make the full discovery of what Krishna is today.
[ 12 ] Rufen wir uns noch einmal ins Gedächtnis, was ich gestern geschildert habe. Das gewöhnliche alltägliche Bewußtsein wollen wir als diese untere Region bezeichnen. Darüber liegt eine Region, die für die Alltäglichkeit unbewußt bleibt, die nur bewußt wird gleichsam in einem Scheingebilde, als Maya, als Traumbewußtsein. Wenn wir aber in der Art, wie es im vorigen Vortrage dargestellt worden ist, sozusagen die Träume herausschaffen, die Maya zu tilgen versuchen, dann kommen Eindrücke aus einer anderen Welt in diese Region des menschlichen Bewußtseins hinein.
[ 12 ] Let us recall once again what I described yesterday. Let us refer to ordinary, everyday consciousness as this lower region. Above this lies a region that remains unconscious to everyday life, which becomes conscious, as it were, in an illusory form, as Maya, as dream consciousness. But if, as described in the previous lecture, we so to speak extract the dreams and attempt to eradicate Maya, then impressions from another world enter this region of human consciousness.
[ 13 ] In der Tat mischt sich aber nun für den Menschen in alle diese Erlebnisse, die er hat, alles dasjenige von der physischen Umwelt herein, was eben eigentlich wie ein Überschuß in der Seele anderen, inneren, übersinnlichen Welten angehört, von denen der Mensch nur Kenntnis erhalten kann, wenn er eben dieses Bewußtsein entwickelt. Da macht der Mensch in der Tat die Erfahrung, die nur derjenige als Reminiszenz des täglichen Lebens beschreiben wird, der materialistisch gesinnt ist und als solcher keine Ahnung hat, wie eigentlich die Erfahrungen sind, die der Mensch dann macht. Denn die Welt schaut eben doch etwas anders aus, als sie aussieht, wenn man nur den physischen Plan um sich hat. Man macht die Entdeckung, daß man etwas sieht, was man eigentlich in der gewöhnlichen Welt nie sieht. Wenn man sich auch oftmals denkt, man sehe etwas, die Menschen glauben, sie sehen Licht, in Wahrheit sieht der Mensch ja auf dem physischen Plane nicht Licht, sondern er sieht Farben, Farbennuancen, hellere und dunklere Farben, er sieht nur die Wirkung des Lichtes, aber Licht selber durchschweift unsichtbar den Raum. Wenn der Mensch nur in den Raum, durch den das Licht geht, schaut, so sieht er das Licht nicht. Wir können uns ja leicht davon überzeugen durch das ganz grobklotzige Erlebnis, daß, wenn wir durch ein Fenster Licht lassen, wir eine Art Strahlenbündel im Zimmer sehen. Aber dann muß eben Staub in der Luft sein. Wir sehen den Widerglanz, die Reflexion des Lichtes, aber das Licht sehen wir nicht. Das Licht selbst bleibt unsichtbar. Jetzt aber, nach solchen Erfahrungen, bekommt man das Licht wirklich zu sehen, man nimmt es wirklich wahr. Das kann man aber erst, wenn man eben in die höheren Welten aufrückt. Dann ist man wirklich von flutendem Licht umgeben, wie man in der physischen Welt in flutender Luft ist. Nur kommt man nicht mit seinem physischen Leibe herauf, man braucht da oben nicht zu atmen, aber mit dem Teil seines Wesens kommt man herauf, welcher das Licht so braucht, wie der Leib in der physischen Welt die Luft braucht. Das Lebenselement ist da oben das Licht, man möchte sagen Lichtluft, die dort Bedürfnis des Daseins ist, wie die Luft Bedürfnis des Daseins ist für den Menschen der physischen Welt. Durchdrungen, durchsetzt wird dieses Licht in der Tat von so etwas, wie die Luft in unserem Umkreise durchsetzt ist von Wolkenbildungen. Die sind aber Wasser. Doch dieses Wasser auf dem physischen Plane läßt sich auch mit etwas, was da oben ist, vergleichen. Dasjenige, was uns da entgegenkommt wie schwimmende, schwebende Gebilde im flutenden Licht, wie hier Wolken durch die flutende Luft schweben, das ist webender, lebender Ton, webendes TTongebilde, das ist Sphärenmusik. Und dasjenige, was man weiter wahrnehmen wird, das ist fließendes, webendes Leben selber.
[ 13 ] In fact, however, everything from the physical environment—which actually belongs, as a kind of surplus in the soul, to other, inner, supersensory worlds—now intermingles with all the experiences a person has; a person can only gain knowledge of these worlds if they develop this very consciousness. There, the human being indeed has an experience that only someone with a materialistic mindset—and who, as such, has no idea what these experiences are actually like—will describe as a reminiscence of daily life. For the world does indeed look somewhat different than it appears when one is surrounded only by the physical plane. One discovers that one sees something that one actually never sees in the ordinary world. Even though one often thinks one sees something—people believe they see light—in truth, on the physical plane, one does not see light, but rather colors, shades of color, lighter and darker colors; one sees only the effect of light, but light itself sweeps invisibly through space. If a person merely looks into the space through which the light passes, they do not see the light. We can easily convince ourselves of this through the very crude experience that when we let light in through a window, we see a sort of beam of light in the room. But then there must be dust in the air. We see the glare, the reflection of the light, but we do not see the light itself. The light itself remains invisible. But now, after such experiences, one really gets to see the light; one truly perceives it. But one can only do this when one ascends into the higher worlds. Then one is truly surrounded by flooding light, just as one is surrounded by flooding air in the physical world. Only one does not ascend with one’s physical body; one does not need to breathe up there. But one ascends with that part of one’s being which needs the light just as the body in the physical world needs air. The element of life up there is light—one might say “light-air”—which is a necessity of existence there, just as air is a necessity of existence for human beings in the physical world. This light is indeed permeated and interwoven with something akin to how the air in our surroundings is interwoven with cloud formations. But those are water. Yet this water on the physical plane can also be compared to something that exists up there. That which meets us there as floating, soaring formations in the flowing light, just as clouds here float through the flowing air—that is weaving, living sound, a weaving sound formation; that is the music of the spheres. And that which one will perceive further on is flowing, weaving life itself.
[ 14 ] Man kann also schon diese Welt, in die man da eintaucht mit der Seele, beschreiben, aber die Dinge, durch die man beschreiben muß, die müssen eigentlich sinnlos sein für die physische Welt. Daher wird vielleicht derjenige diese Welt, die zwar für die physische Vorstellung sinnlos ist, darum aber doch eine höhere Wirklichkeit hat, am besten beschreiben, der die für den physischen Plan sinnlosesten Worte gebrauchen wird. Nun haben es ja selbstverständlich alle materiellen Philisterseelen leicht, zu widerlegen. Deshalb nehmen sich auch diese Widerlegungen so plausibel aus, welche die materialistisch Gesinnten gegenüber demjenigen machen, was der Okkultist über die höheren Welten zu sagen hat. Er weiß es schon selber, daß diese Widerlegungen sehr leicht zu machen sind, denn man beschreibt ja die höheren Welten am besten, wenn man Worte gebrauchen muß, die gar nicht passen für dasjenige, was der Mensch im Auge hat, wenn man vom physischen Plan redet.
[ 14 ] So one can indeed describe this world into which one plunges with one’s soul, but the things through which one must describe it must actually be meaningless to the physical world. That is why the one who uses the words most meaningless to the physical plane will perhaps best describe this world, which, though meaningless to the mental image, nevertheless possesses a higher reality. Now, of course, it is easy for all materialistic philistines to refute this. That is why the refutations made by materialists against what the occultist has to say about the higher worlds seem so plausible. He knows full well that these refutations are very easy to make, for one best describes the higher worlds by using words that do not at all fit what people have in mind when speaking of the physical plane.
[ 15 ] Man möchte zum Beispiel reden von «Lichtluft» oder «Luftlicht». Das gibt es nicht auf dem physischen Plan. Da oben aber gibt es Luftlicht, Lichtluft. Auch lernt man in der Welt, in die man da hineindringt, kennen die Abwesenheit des Lebenselementes, der nötigen Menge von Lichtluft und Luftlicht, dadurch, daß man sich beklommen fühlt, schmerzlich berührt fühlt in der Seele: ein Zustand, der sich vergleichen läßt mit dem Zustand auf dem physischen Plan, wenn man aus Luftmangel keinen Atem findet. Und auch den entgegengesetzten Zustand trifft man dort an, den Zustand wahrer, echter, man möchte sagen heiliger Lichtluft, den Zustand, zu leben in diesem Reinen, Heiligen, und zu schauen geistige Wesenheiten, die sich innerhalb dieser Lichtluft recht gut bemerkbar machen können und da ihr Wesen treiben. Es sind alle diejenigen Wesenheiten, die unter der Führung des Luzifer stehen. In dem Augenblicke, wo wir ohne gehörige Vorbereitung in diese Region hineinkommen, durch nicht gehörige oder auch nicht ordentliche Vorbereitung, bekommt Luzifer die Macht, uns die Lichtluft zu entziehen. Er versetzt uns sozusagen seelisch in Atemnot. Das hat zwar nicht die Wirkung der Atemnot auf dem physischen Plane, sondern eine andere Wirkung, nämlich die, daß wir jetzt, etwa wie ein Eisbär, wenn er nach dem Süden gebracht wird, lechzen nach dem, was uns von dem geistigen Schatz, von dem geistigen Licht des physischen Planes kommen kann. Das ist nämlich gerade das, was Luzifer haben will: daß wir uns nicht befassen mit demjenigen, was von den höheren Hierarchien kommt, sondern dürstend hängen an dem, was er in den physischen Plan gebracht hat, wenn wir durch unsere Vorbereitung uns nicht genügend geschult haben. Stehen wir dann vor Luzifer, dann entzieht er uns das Luftlicht, dann bekommen wir seelische Atemnot, dann lechzen wir nach dem, was geistig aus dem physischen Plane kommt.
[ 15 ] One might, for example, speak of “light-air” or “air-light.” These do not exist on the physical plane. Up there, however, there is air-light and light-air. One also comes to recognize, in the world one enters, the absence of the element of life—the necessary amount of light-air and air-light—by feeling oppressed, by feeling a painful touch in the soul: a state comparable to the state on the physical plane when one cannot breathe due to a lack of air. And one also encounters the opposite state there, the state of true, genuine—one might say holy—light-air, the state of living in this pure, holy atmosphere, and of beholding spiritual beings who can make themselves quite noticeable within this light-air and who carry on their activities there. These are all those beings who stand under the leadership of Lucifer. The moment we enter this region without proper preparation—due to inadequate or improper preparation—Lucifer gains the power to deprive us of the light-air. He, so to speak, causes us to experience a spiritual shortness of breath. This does not, however, have the effect of physical shortness of breath, but rather a different effect: namely, that we now, much like a polar bear brought to the south, yearn for whatever can come to us from the spiritual treasure, from the spiritual light of the physical plane. For that is precisely what Lucifer wants: that we not concern ourselves with what comes from the higher hierarchies, but instead cling thirstily to what he has brought into the physical plane, if we have not sufficiently trained ourselves through our preparation. When we then stand before Lucifer, he withholds the light of the air from us; we then experience spiritual suffocation, and we yearn for what comes spiritually from the physical plane.
[ 16 ] Wie nimmt sich das aber im Konkreten aus? Nehmen wir an, irgend jemand macht Vorbereitungen, die ihn geführt haben dazu, in die höheren Welten wirklich hinaufzukommen, das heißt, diese obere Region wirklich zu erreichen. Aber nehmen wir an, er macht nicht die gehörigen Vorbereitungen dazu, vergißt zum Beispiel, daß der Mensch neben allen Übungen zugleich seine moralischen Empfindungen, seine moralischen Gefühle veredeln muß, daß der Mensch irdische, ehrgeizige Machtgefühle aus seiner Seele ausreißen muß — man kann in die höheren Welten hinaufkommen, auch wenn man ein ehrgeiziger, eitler, machtlüstiger Mensch ist, aber dann trägt man irdische Eitelkeit, irdische Machtlust in diese höheren Welten hinauf —, wenn ein Mensch so seine moralischen Empfindungen und Gefühle nicht geläutert hat, dann nimmt ihm oben Luzifer die Lichtluft, das Luftlicht. Dann nimmt man nichts wahr da oben von dem, was in Wirklichkeit oben ist, dann lechzt man nach dem, was unten auf dem physischen Plane ist; man atmet gleichsam dasjenige, was man auf dem physischen Plan hat wahrnehmen können. Man glaubt dann zum Beispiel, man überschaue dasjenige, was nur auf geistige Weise, eben in der Lichtluft, zu überschauen ist, nur dann zu überschauen ist, wenn man Luftlicht atmet. Man glaubt, verschiedene Inkarnationen verschiedener Menschen zu überschauen. Das ist aber nicht wahr, man überschaut sie nicht, weil einem eben Luftlicht fehlt. Man saugt aber wie lechzend, was unten auf dem physischen Plan vorgeht, herauf in diese Region und schildert allerlei Dinge, die man unten auf dem physischen Plan erworben hat, wie Vorgänge in höheren Welten. Es gibt sozusagen kein besseres, oder besser gesagt, kein schlimmeres Mittel, als mit irdischen, eitlen Machtgelüsten in die höheren Welten hinaufzuheben seine Seele. Wenn man das aber tut, so wird man niemals wahre Forschungsergebnisse aus diesen höheren Welten herunterbringen können, sondern was man herunterbringt, wird nur ein Scheinbild dessen sein, was man sich auf dem physischen Plan ausgedacht, ausgesonnen hat und dergleichen.
[ 16 ] But what does this look like in practice? Let us suppose that someone makes preparations that have led them to actually ascend into the higher worlds—that is, to truly reach that higher region. But let us suppose that they do not make the necessary preparations for this, forgetting, for example, that alongside all exercises, a person must also refine their moral sensibilities and feelings, that a person must uproot earthly, ambitious feelings of power from their soul—one can ascend to the higher worlds even if one is an ambitious, vain, power-hungry person, but then one carries earthly vanity and earthly lust for power up into these higher worlds—if a person has not purified their moral sensibilities and feelings in this way, then up there Lucifer takes away the light-air, the air-light. Then one perceives nothing up there of what is actually there; instead, one yearns for what is down below on the physical plane; one breathes, as it were, that which one was able to perceive on the physical plane. One then believes, for example, that one can survey that which can only be surveyed in a spiritual way, precisely in the light-air, can only be surveyed when one breathes light-air. One believes one can survey the various incarnations of various people. But that is not true; one does not survey them, precisely because one lacks light-air. Instead, one sucks up—as if thirstily—what is happening down on the physical plane into this region and describes all sorts of things acquired down on the physical plane as if they were events in higher worlds. There is, so to speak, no better—or rather, no worse—means than to lift one’s soul into the higher worlds with earthly, vain lusts for power. But if one does this, one will never be able to bring down true findings from these higher worlds; rather, what one brings down will be only a mere illusion of what one has conceived, concocted, and the like on the physical plane.
[ 17 ] Da habe ich gleichsam nur die allgemeine Szenerie geschildert. Aber man begegnet auch Wesenheiten, die man elementarische Wesenheiten nennen kann. Während man hier in der physischen Welt von Naturkräften spricht, bekommen da oben diese Kräfte etwas Wesenhaftes. Und man macht vor allem da eine ganz bestimmte Entdeckung, man macht die Entdeckung — jetzt aber durch die Tatsachen, die einem entgegentreten —: ja, hier auf dem physischen Plan gibt es Gutes und Böses, da oben aber gibt es gute und böse Kräfte. Hier in der physischen Welt ist Gutes und Böses in der Menschenseele gemischt, vereint, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger nach der guten Seite hin, da oben aber gibt es Wesenheiten, die als böse Wesenheiten gegen dasjenige kämpfen, was von Wesenheiten, die man gute Wesenheiten nennen muß, hervorgebracht wird. Man kommt da in eine Region hinein, wo man sozusagen das gesteigerte Selbstbewußtsein schon brauchen kann, wo man brauchen kann eine geschärfte Urteilskraft, die eben mit diesem gesteigerten Selbstbewußtsein verbunden sein muß. So daß man zum Beispiel wirklich sich sagen kann: Es müssen da oben auch Wesenheiten sein, die sozusagen die Mission des Bösen haben, neben den Wesenheiten, die die Mission des Guten haben.
[ 17 ] So far, I have described, as it were, only the general setting. But one also encounters beings that might be called elemental beings. While here in the physical world we speak of forces of nature, up there these forces take on a more substantial character. And above all, one makes a very specific discovery there—one makes the discovery—but now through the facts that confront one—that yes, here on the physical plane there is good and evil, but up there there are good and evil forces. Here in the physical world, good and evil are mixed and united within the human soul—in some people leaning more toward the good side, in others less so—but up there there are beings who, as evil beings, fight against what is brought forth by beings whom one must call good beings. One enters a region there where one can, so to speak, already make use of heightened self-awareness, where one can make use of a sharpened power of judgment that must be connected precisely with this heightened self-awareness. So that one can, for example, truly say to oneself: There must also be beings up there who, so to speak, have the mission of evil, alongside the beings who have the mission of good.
[ 18 ] Auf dem physischen Plane wird einem immer entgegnet: Warum hat denn die allweise Weltengottheit nicht bloß das Gute geschaffen, warum ist denn nicht immer und überall nur das Gute vorhanden? — Wenn nur das Gute vorhanden wäre, dann würde die Welt davon überzeugt man sich — eine einseitige Richtung nehmen müssen, dann würde die Welt durchaus nicht all die Fülle hervorbringen können, die sie hervorbringt. Das Gute muß eine Widerlage haben. Gewiß, man kann das schon auf dem physischen Plane einsehen. Aber man lernt erkennen: Nur so lange kann man glauben, daß die guten Wesenheiten allein die Welt zu Rande bringen würden, solange man auskommt mit der Sentimentalität, mit der Welt der Phantasie. Mit der Sentimentalität kann man noch in der Region des Alltags auskommen, aber nicht, wenn man in die ernsten Realitäten der übersinnlichen Welt hineinkommt. Da weiß man, daß die guten Wesenheiten die Welt allein nicht machen könnten, daß sie zu schwach wären, um die Welt zu gestalten, daß beigesetzt werden müssen der gesamten Evolution diejenigen Kräfte, die aus den bösen Wesenheiten kommen. Das ist weisheitsvoll, daß das Böse beigemischt ist der Weltenevolution. Daher muß man neben die Dinge, die man sich abgewöhnt, die man bekämpft, auch das Abgewöhnen einer jeglichen Sentimentalität setzen. Man muß erkennen, daß das notwendig ist. Unerschrocken und mutig muß man jenen gefährlichen Wahrheiten entgegengehen können, die man einsieht durch das Wahrnehmen des Kampfes, der sich gerade in dieser Region abspielt, der einem da offenbart werden kann von seiten der guten und bösen Wesenheiten. Das alles sind solche Dinge, die man erlebt, wenn man seine Seele geeignet macht, bewußt in diese Region einzudringen. Aber dann sind wir eigentlich erst in die Traumregion hineingekommen.
[ 18 ] On the physical plane, one is always asked: Why did the all-wise World Deity not create only good? Why is good not present always and everywhere? — If only good existed, then the world would be convinced that it must take a one-sided direction; then the world would by no means be able to produce all the abundance that it does. Goodness must have a counterbalance. Certainly, one can already see this on the physical plane. But one learns to recognize: One can believe that good beings alone would bring the world to completion only as long as one gets by with sentimentality, with the world of fantasy. One can still get by with sentimentality in the realm of everyday life, but not when one enters the serious realities of the supersensible world. There one knows that the good beings alone could not create the world, that they would be too weak to shape the world, that the forces emanating from the evil beings must be incorporated into the entire evolution. It is a matter of wisdom that evil is mixed into the evolution of the world. Therefore, alongside the things one must break away from and fight against, one must also commit to breaking away from all sentimentality. One must recognize that this is necessary. One must be able to face those dangerous truths fearlessly and courageously—truths one perceives through observing the struggle currently unfolding in this region, which can be revealed to one by both the good and evil beings. All these are the kinds of things one experiences when one prepares one’s soul to consciously enter this region. But only then have we actually entered the dream region.
[ 19 ] Wir leben aber noch in einer weitaus anderen Region als Menschen, in einer Region, für die wir als Seelen im normalen Leben so wenig geeignet sind, daß wir in ihr überhaupt gar nichts wahrnehmen können. Das ist die Region, die wir als Seelen durchleben im traumlosen, tiefen Schlaf, die Region, in die niemals Träume hineinreichen können: die Region des gewöhnlichen Schlafbewußtseins. Hier beginnt schon der absolute Widerspruch, denn der Schlaf ist doch eigentlich dadurch charakterisiert, daß das Bewußtsein eben völlig aufhört. Schlafbewußtsein, ein vollkommenes Paradoxon, ist jener Zustand, in dem wir sind, wenn wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen leben. Diesen Zustand wollen wir zunächst das Schlafbewußtsein nennen. Dieses Schlafbewußtsein ist für das normale menschliche Leben ja in der Tat so, daß der Mensch eben aufhört, bewußt zu sein, wenn er in dieses Leben hineingeht, und mit dem Aufwachen erst wieder bewußt wird. Aber in uralten Zeiten des Hellsehens war auch diese Region für die Menschenseele etwas Erlebbares. Da gab es, wenn wir in diese alten Zeiten unserer Erdenentwickelung, sogar noch in nachatlantische Zeiten zurückgehen, durchaus einen Zustand, der für das gewöhnliche Leben dem Schlafe gleich war, in welchem aber wahrnehmbar war eine noch höhere, noch geistigere Welt, als diejenige ist, die in der Traumregion wahrzunehmen ist. Wir können zu solchen Zuständen kommen, die für das gewöhnliche menschliche Leben ganz gleich sind dem Schlafzustande, die aber kein Schlaf sind, weil sie von Bewußtsein durchdrungen sind. Dann sehen wir, wenn wir so hoch hinaufgekommen sind, nicht die physische Welt. Allerdings sehen wir noch die Welt der Lichtluft, die Welt der Töne, die Welt der Weltenharmonie, die Welt des Kampfes der guten und bösen Wesenheiten. Aber diese Welt, die wir da sehen, ist, man möchte sagen, noch verschiedener, noch grundverschiedener von allem, was in der physischen Welt besteht. Es ist eine Welt, welche daher noch schwieriger zu beschreiben ist als diejenige Welt, die man antrifft, wenn man in die Region des Traumbewußtseins kommt.
[ 19 ] But we still live in a region far different from that of human beings, a region for which we, as souls in ordinary life, are so ill-suited that we cannot perceive anything at all within it. This is the region we experience as souls during dreamless, deep sleep, the region into which dreams can never penetrate: the region of ordinary sleep consciousness. Here the absolute contradiction already begins, for sleep is actually characterized by the fact that consciousness ceases entirely. Sleep consciousness, a complete paradox, is the state in which we are from the moment we fall asleep until we wake up. Let us call this state, for the time being, sleep consciousness. In normal human life, this sleep consciousness is indeed such that a person ceases to be conscious when entering this state and only becomes conscious again upon waking. But in the ancient times of clairvoyance, this region was also something the human soul could experience. If we go back to those ancient times of our Earth’s development—even to post-Atlantean times—there was indeed a state that, for ordinary life, was akin to sleep, yet in which a world even higher and more spiritual than that perceived in the dream realm could be perceived. We can enter such states that, for ordinary human life, are quite like the state of sleep, yet are not sleep because they are permeated by consciousness. Then, when we have risen so high, we do not see the physical world. We do, however, still see the world of light-air, the world of sounds, the world of cosmic harmony, the world of the struggle between good and evil beings. But this world that we see there is, one might say, even more different, even more fundamentally different from everything that exists in the physical world. It is a world that is therefore even more difficult to describe than the world one encounters when one enters the realm of dream consciousness.
[ 20 ] Ich möchte Ihnen nun eine Art von Vorstellung geben, wie praktisch eigentlich das Bewußtsein in dieser Region arbeitet, wie es wirkt. Wenn man das schildert, worüber ich Andeutungen gemacht habe von einer hohen Welt, in welche Träume hereinragen, da wird man von der gewöhnlichen Philistrosität als Phantast erklärt. Wenn man aber gar beginnt, von den Erfahrungen zu sprechen aus dieser Region heraus, die sonst der Mensch nur durchschläft, dann werden die Menschen schon nicht mehr nur so gehässig, daß sie einem Phantasterei vorwerfen, nein, dann werden sie, wenn sie überhaupt sich irgend einlassen darauf und keine Bösartigkeit haben, schon ganz wild.
[ 20 ] I would now like to give you a mental image of how consciousness actually functions in this region, how it works. When one describes what I have hinted at—a higher world into which dreams extend—one is dismissed by ordinary philistinism as a fantasist. But if one even begins to speak of experiences from this region, which people otherwise simply sleep through, then people don’t just become spiteful enough to accuse one of fantasizing—no, if they engage with it at all and aren’t malicious, they become quite frantic.
[ 21 ] Wir haben ein kleines, oder vielmehr ein großes Beispiel auf diesem Gebiete schon erleben können. Während ja zunächst, als in Deutschland meine Bücher erschienen sind, die öffentliche, sich gelehrt nennende Kritik selbstverständlich gehässig und allerlei Dinge vermutend diese Bücher beurteilte, wurde die Kritik auf einem Punkte wirklich ganz wild, schon bis zu dem Grade wild, daß man sagen kann: Eine gewisse Kritik wird, wenn sie gar zu wild wird, eiinfach töricht. Dieser Punkt war ein solcher, wo einmal aufmerksam gemacht werden sollte auf etwas, was wirklich nur aus der erwähnten Region des Geistes kommen kann. Das war die Sache, die ausgesprochen ist in meinem Buche: «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», die Sache von den zwei Jesusknaben. Für diejenigen der lieben Freunde, die damit nicht bekannt sind, möchte ich wiederholend erwähnen, daß sich ergab als okkultes Forschungsresultat, daß geboren wurde im Beginne unserer Zeitrechnung nicht nur ein Jesusknabe, sondern zwei. Der eine abstammend aus der sogenannten nathanischen Linie des Hauses David, der andere aus der sogenannten salomonischen Linie. Diese beiden Jesusknaben wuchsen miteinander auf. In dem Leibe des salomonischen Knaben lebte die Zarathustraseele, die in dem zwölften Jahre überging — und das ist etwas tief Bedeutsames — in den anderen Jesusknaben, und da bis zum dreißigsten Jahre dieses Leibes lebte. Sie lebte also in dem Leibe, der bis zum zwölften Jahre eingenommen worden war von einer geheimnisvollen Seele, bis zum dreißigsten Jahre dieses Leibes. Von dem dreißigsten Jahre an lebte dann in diesem Leibe diejenige Wesenheit, die wir die Christuswesenheit nennen, solange sie überhaupt auf der Erde lebte: drei Jahre.
[ 21 ] We have already witnessed a small—or rather, a major—example of this. While, at first, when my books were published in Germany, the so-called scholarly critics naturally judged them with malice and all sorts of unfounded assumptions, the criticism became truly frenzied on one point—so frenzied, in fact, that one might say: A certain kind of criticism, when it becomes too frenzied, simply becomes foolish. This was one such point where attention should be drawn to something that can truly come only from the aforementioned region of the spirit. This was the matter expressed in my book *The Spiritual Guidance of Man and Humanity*, the matter of the two Jesus boys. For those of my dear friends who are not familiar with this, I would like to reiterate that occult research has revealed that at the beginning of our era, not just one Jesus child was born, but two. One descended from the so-called Nathanic line of the House of David, the other from the so-called Solomonic line. These two Jesus children grew up together. In the body of the Solomonic boy lived the Zarathustric soul, which—and this is something of profound significance—passed over into the other Jesus boy in the twelfth year, and lived there until the thirtieth year of that body. It thus lived in the body that had been occupied until the twelfth year by a mysterious soul, until the thirtieth year of that body. From the thirtieth year onward, the being we call the Christ-being lived in this body for as long as it lived on earth at all: three years.
[ 22 ] Wie gesagt, wild geworden sind diejenigen, die sich überhaupt von der Außenwelt her eingelassen haben auf diese Geschichte der zwei Jesusknaben. Wir können ihnen das ja weiter auch gar nicht übelnehmen, denn die Leute wollen doch natürlich etwas kontrollieren mit der Wissenschaft, die sie haben. Aber das, was sie kritisieren wollen, stammt eben aus einer Region, die sie halt immer verschlafen. Deshalb kann man ihnen ja gar nicht übelnehmen, daß sie davon nichts wissen. Allerdings reicht eigentlich die gesunde Vernunft schon aus, dies zu begreifen. Aber auf solches Begreifen lassen die Leute sich nicht ein, sie wandeln dieses Begreifens Kraft gleich um in Wildheit und Gehässigkeit.
[ 22 ] As I said, the ones who’ve really gone wild are those from the outside world who’ve gotten involved in this story of the two Jesus boys. We can’t really blame them for that, because people naturally want to make sense of things using the science they have. But what they want to criticize comes from a region they simply always overlook. That’s why you can’t really blame them for not knowing anything about it. However, common sense is actually enough to understand this. But people won’t engage with such understanding; they immediately transform the power of this understanding into fury and malice.
[ 23 ] Solche Wahrheiten, wie diese von den zwei Jesusknaben, die eben in dieser höheren Region gefunden werden, entsprechen niemals einer Sympathie oder Antipathie. Solche Wahrheiten findet man in der Tat immer nur in einer solchen Weise, daß man sie eigentlich als Erfahrung nie macht, wenn ich «machen» dasjenige nennen darf, was sozusagen mit der Erkenntnisweise der physischen Welt zu tun hat, ja, eigentlich sogar mit der Erkenntnisweise derjenigen Region, in welcher das Traumleben ist. Da ist man sozusagen bei der Entstehung der Erkenntnis dabei, wie man dabei ist bei dem physischen Bewußtsein. Das gilt auch noch für denjenigen Okkultisten, der nur in diese Traumregion mit seinem Bewußtsein hereinragt. So daß man sagen kann: Wenn die Erkenntnisse dieser Region entstehen, ist man unmittelbar dabei. In einem solchen Dabeisein lassen sich solche Wahrheiten nicht finden, wie diese Wahrheit von den zwei Jesusknaben. Wenn man in der höheren Region solche Wahrheiten bekommt — und zwar so, daß sie in das Bewußtsein hineinkommen —, dann ist der Zeitpunkt, in dem man sie eigentlich erworben hat, längst vorbei, wenn man sie erkennt. Man hat sie früher schon erlebt, bevor man ihnen bewußt entgegentritt — und das soll man ja eben in unserer Zeit —, man hat sie schon in sich. So daß man zu den wichtigsten, wesenhaftesten, bedeutsamsten Wahrheiten so kommt, daß man das deutliche Bewußtsein in sich trägt: Als man sie erworben hat, war man in einem früheren Zeitpunkte als in dem jetzigen, wo man das, was man früher erworben hat, aus den Tiefen der Seele holt und sich bewußt macht. Solche Wahrheiten trifft man in sich an, wie man in der Außenwelt antrifft eine Blume oder irgendein anderes Ding. Wie man in der Außenwelt denken kann über eine Blume oder über einen sonstigen Gegenstand, der eben zunächst einfach da ist, so kann man denken über die Wahrheiten, wenn man sie in sich selbst angetroffen hat, wenn sie in einem selbst einem entgegentreten. Wie man in der Außenwelt erst urteilen kann, nachdem man die Wahrnehmung eines Gegenstandes vollzogen hat, so findet man auch solche Wahrheiten in sich objektiv, und dann erst studiert man sie in sich selbst. Man studiert sie in sich selbst, wie man äußere Tatsachen studiert. Und so wenig es einen Sinn hat zu sagen: Diese Blume, ist sie wahr oder falsch? —, so wenig hat es einen Sinn, über das, was man da eigentlich in sich antrifft, zu fragen, ob es wahr oder falsch sei. Die Wahrheit oder Falschheit bezieht sich nur darauf, ob man fähig ist, das, was man findet, was einem bewußt wird, zu beschreiben. Die Beschreibung kann wahr oder falsch sein. Wahr sein und falsch sein bezieht sich ja nicht auf die Tatsache, sondern darauf, wie irgendein denkendes Wesen sich zu der Tatsache stellt. Auf die Tatsachen sind die Worte «wahr» oder «falsch» gar nicht anwendbar.
[ 23 ] Such truths, such as those concerning the two Jesus boys, which are found precisely in this higher realm, never correspond to sympathy or antipathy. In fact, such truths are always found only in such a way that one never actually “experiences” them—if I may call “experience” that which has to do, so to speak, with the mode of cognition of the physical world, indeed, even with the mode of cognition of that region in which the dream life is situated. There one is, so to speak, present at the very moment of the arising of the insight, just as one is present in physical consciousness. This also applies to the occultist who merely extends his consciousness into this dream region. So that one can say: When the insights of this region arise, one is immediately present. In such a state of presence, truths such as this one about the two Jesus-children cannot be found. When one receives such truths in the higher region—and in such a way that they enter into consciousness—then the moment when one actually acquired them is long past by the time one recognizes them. One has already experienced them earlier, before consciously encountering them—and that is precisely what one should do in our time—one already has them within oneself. So that one comes to the most important, most essential, most significant truths in such a way that one carries within oneself the clear awareness: When one acquired them, one was at an earlier point in time than the present one, where one brings forth from the depths of the soul what one acquired earlier and makes it conscious. One encounters such truths within oneself just as one encounters a flower or any other object in the external world. Just as one can think about a flower or some other object in the external world that is simply there at first, so can one think about the truths once one has encountered them within oneself, once they confront one within oneself. Just as one can only judge in the external world after having perceived an object, so too does one find such truths within oneself objectively, and only then does one study them within oneself. One studies them within oneself just as one studies external facts. And just as it makes no sense to ask: “Is this flower true or false?”—so too does it make no sense to ask, regarding what one actually encounters within oneself, whether it is true or false. Truth or falsity relates only to whether one is capable of describing what one finds, what becomes conscious to one. The description may be true or false. Being true or false does not refer to the fact itself, but to how a thinking being relates to the fact. The words “true” or “false” are not applicable to the facts at all.
[ 24 ] Es ist in der Tat das Kommen zu Forschungsergebnissen auf diesem Gebiete ein Hineinschauen in eine Seelenregion, in der man vorher auch gelebt hat, in die man nur nicht mit dem Bewußtsein hineingeschaut hat. Man kann am besten im Fortschreiten okkulter Übungen in diese Region hineinkommen, wenn man geradezu acht gibt auf solche Momente, in denen sich in den Tiefen der Seele nicht bloß Urteile, sondern Tatsachen ergeben, von denen man weiß, daß man nicht mitgewirkt hat mit dem Bewußtsein an ihrem Entstehen. Je mehr man verwundert sein kann über dasjenige, was sich da einem enthüllt wie ein ganz objektiver Gegenstand der Außenwelt, je überraschender das für einen ist, desto mehr ist man vorbereitet, in diese Region hineinzukommen. Daher ist es in der Regel so, daß man mit alldem, was man sich zusammenkonstruiert hat, was man vermutet, nur schlecht in diese Region hineinkommt. Sie haben kein besseres Mittel, nichts zu finden, zum Beispiel über vorherige Inkarnationen dieser oder jener Persönlichkeit, als nachzudenken, was diese in den vorherigen Inkarnationen gewesen sein könnte. Wenn Sie zum Beispiel untersuchen wollten, sagen wir, die früheren Inkarnationen des Robespierre, dann wäre es das beste Mittel, nichts über ihn zu erfahren, wenn Sie historische Persönlichkeiten aufsuchten, von denen Sie vermuten, daß sie vorherige Inkarnationen von Robespierre sein könnten. Das beste Mittel wäre das, um niemals das Richtige zu erfahren. Man muß sich in energischer Weise abgewöhnen, Meinungen, Vermutungen, Hypothesen sich zu machen. Immer mehr und mehr muß derjenige, der ein wirklicher Okkultist werden will, sich daran gewöhnen, möglichst wenig über die Welt zu urteilen. Denn dann kommt er am schnellsten dazu, daß ihm die Tatsachen entgegenkommen. Je mehr der Mensch sich schweigend in seinen Vermutungen, in seiner Meinung verhält, desto mehr erfüllt sich das Innere seiner Seele mit Tatsachen der geistigen Welt.
[ 24 ] Indeed, arriving at research findings in this field is like looking into a region of the soul where one has lived before, but into which one has simply not looked with conscious awareness. The best way to enter this region as one progresses in occult exercises is to pay close attention to those moments when, in the depths of the soul, not merely judgments but facts arise—facts of which one knows that one did not consciously contribute to their formation. The more one can be amazed by what is revealed there as a completely objective object of the external world, the more surprising it is to one, the more prepared one is to enter this region. That is why, as a rule, one can hardly enter this region with all that one has constructed in one’s mind, with all one’s assumptions. You have no better means of finding out anything—for example, about the previous incarnations of this or that personality—than to reflect on what that person might have been in previous incarnations. If, for example, you wanted to investigate, say, the earlier incarnations of Robespierre, then the best way to learn nothing about him would be to look up historical figures whom you suspect might be previous incarnations of Robespierre. That would be the best way to never find out the truth. One must vigorously train oneself to stop forming opinions, assumptions, and hypotheses. More and more, anyone who wishes to become a true occultist must accustom themselves to judging the world as little as possible. For then they will most quickly find that the facts come to meet them. The more a person remains silent regarding their assumptions and opinions, the more the innermost part of their soul is filled with facts from the spiritual world.
[ 25 ] Man kann zum Beispiel sagen, daß derjenige, der in einem bestimmten religiösen Vorurteile aufgewachsen ist, der ganz bestimmte Gefühle und Empfindungen, vielleicht auch Vermutungen über den Christus hat, nicht sehr geeignet wäre, von vornherein solch eine Wahrheit zu finden wie die Geschichte von den zwei Jesusknaben. Gerade wenn man etwas neutral fühlt gegenüber dem Christus-Ereignis, dann ist dies eine gute Vorbereitung, wenn man nur auf der andern Seite die anderen notwendigen Vorbereitungen macht. Vorurteilsvolle Buddhisten werden am wenigsten etwas Vernünftiges über Buddha zu sagen wissen, ebenso wie vorurteilsvolle Christen am wenigsten über den Christus zu sagen wissen werden. So ist es auf allen Gebieten. Man muß schon einmal gewissermaßen alle für das gewöhnliche Leben so zu nennenden Bitternisse durchmachen, gleichsam ein doppelter Mensch werden, wenn man in diese Region, die jetzt als eine dritte geschildert worden ist, eintreten will. Ein doppelter Mensch ist man ja auch im gewöhnlichen Leben, wenn man auch von der einen Hälfte seines Seins keinen bewußten Gebrauch macht. Man ist auch im gewöhnlichen Leben ja ein wachender und ein schlafender Mensch. Wahrhaftig: so verschieden Wachen und Schlafen ist, so verschieden ist diese Region von der physischen Welt, diese dritte Region in den höheren Welten. Diese Region ist etwas Besonderes für sich. Sie ist auch eine Umwelt, aber eine völlig neue Welt, die wir am besten dann erkennen, wenn wir nicht nur dasjenige auszulöschen vermögen, was die Sinne an Eindrücken der physischen Außenwelt übermitteln, sondern auch alles das, was wir fühlen und empfinden können, wofür wir uns leidenschaftlich erregen können in bezug auf Dinge der Sinnenwelt. Im gewöhnlichen Leben ist der Mensch so wenig geeignet zum Erleben dieser Welt, daß sein Bewußtsein ausgelöscht wird jede Nacht. Dazu gelangt er nur, wenn er imstande ist, wirklich aus sich einen Doppelmenschen zu machen. Und derjenige Mensch, der vergessen kann, der ausschalten kann zunächst alles, was ihn interessiert in dieser physischen Welt, der kann dann in diese andere, höhere Welt eindringen. Die mittlere Welt, die Welt, in der auch die Träume gewoben werden, sie ist gleichsam gemischt aus den beiden anderen Welten. In sie ragen sowohl Elemente der höheren Welt, die der Mensch sonst verschläft, als auch die Elemente des Alltagsbewußtseins.. Deshalb kann auch niemand die wahren Ursachen der physischen Welt erkennen, wenn er nicht in seinem Erkennen einzudringen vermag in diese dritte Region. Wenn aber der Mensch durch eigene Erfahrung heute die Entdeckung machen will, wer zum Beispiel Krishna ist, so kann er das nur in dieser dritten Region. Und jene Eindrücke, die Arjuna bekommen hat, und die uns geschildert werden in dem erhabenen Sang, in der Bhagavad Gita, dadurch, daß sie dem Krishna in den Mund gelegt werden, sie stammen aus dieser Welt. Daher mußte ich heute zunächst vorbereitend sprechen von dem Aufrücken des Menschen in diese dritte Region, damit wir begreiflich finden können, woher eigentlich die wunderbare und doch grotesk klingende Wahrheit stammt, die Krishna dem Arjuna sagt, und die doch sehr unähnlich klingt demjenigen, was gewöhnlich gehört werden kann. Kennenzulernen den Krishna und damit den Nerv der Bhagavad Gita, das soll die eine Seite dieser Vorträge sein. Auf der anderen Seite sollten Sie aber in den okkulten Grundzügen dieses wunderbaren Sanges etwas haben, das Sie, wenn Sie es wirklich gebrauchen, auch wirklich den Weg in die höheren Welten finden lassen kann. Denn der Weg in die höheren Welten ist jedem Menschen offen, wenn er nur verstehen will, wie das Körnchen Gold, das man erst haben muß, in dem Bewußtsein besteht, daß in das alltägliche Leben Dinge hineinspielen, in denen die höchsten geistigen Wesenheiten leben und weben.
[ 25 ] For example, one could say that someone who has grown up with certain religious prejudices—who has very specific feelings, impressions, and perhaps even assumptions about Christ—would not be well-suited to discover, from the outset, a truth such as the story of the two Jesus boys. It is precisely when one feels somewhat neutral toward the Christ event that this serves as good preparation, provided one also makes the other necessary preparations on the other side. Prejudiced Buddhists will be least able to say anything sensible about the Buddha, just as prejudiced Christians will be least able to say anything about Christ. It is the same in all areas. One must, so to speak, go through all the so-called bitterness of ordinary life, become a sort of double human being, if one wishes to enter this region, which has now been described as a third. One is, after all, a double human being in ordinary life as well, even if one makes no conscious use of one half of one’s being. After all, even in ordinary life one is both a waking and a sleeping human being. Truly: just as waking and sleeping are different, so too is this region different from the physical world—this third region in the higher worlds. This region is something special in itself. It is also an environment, but a completely new world, which we recognize best when we are able to extinguish not only the impressions of the physical external world conveyed by the senses, but also everything we can feel and sense, everything that can arouse us passionately in relation to things of the sensory world. In ordinary life, human beings are so ill-suited to experiencing this world that their consciousness is extinguished every night. They can only attain this if they are capable of truly creating a double self within themselves. And the person who can forget, who can initially shut out everything that interests them in this physical world, can then penetrate into this other, higher world. The middle world, the world in which dreams are also woven, is, as it were, a mixture of the other two worlds. Elements of the higher world—which people otherwise sleep through—as well as elements of everyday consciousness extend into it. That is why no one can recognize the true causes of the physical world unless they are able to penetrate into this third region through their own perception. But if a person today wishes to discover through their own experience who, for example, Krishna is, they can do so only in this third region. And those impressions that Arjuna received, and which are described to us in the sublime song, the Bhagavad Gita, by being placed into Krishna’s mouth, originate from this world. That is why I had to speak today, as a preliminary, about humanity’s ascent into this third region, so that we may understand where the wonderful yet grotesquely sounding truth actually comes from—the truth that Krishna speaks to Arjuna, and which sounds so very unlike what is usually heard. Getting to know Krishna and thus the essence of the Bhagavad Gita—that is to be one aspect of these lectures. On the other hand, however, you should find in the occult foundations of this wonderful song something that, if you truly make use of it, can indeed lead you to the higher worlds. For the path to the higher worlds is open to every human being, if only they are willing to understand that the grain of gold one must first possess consists in the awareness that things in which the highest spiritual beings live and weave are at work in everyday life.
