The Occult Significance of the Bhagavad Gita
GA 146
30 May 1913, Helsinki
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Occult Foundations of the Bhagavad Gita, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Es kam mir im vorigen Vortrage darauf an, zu zeigen, wie das gegenwärtige, mehr ins Abstrakte gehende menschliche Denken nicht eigentlich eine Gabe der äußeren physischen Welt ist, sondern wie es eine Gabe ist der spirituellen Welt, wie im Grunde genommen dieses abstrakte menschliche Denken in die menschliche Seele genau auf dieselbe Weise hereinkommt wie die Offenbarungen der Wesenheiten höherer Hierarchien. Das Wesentliche ist also dieses, daß wir wirklich im alltäglichen, im gewöhnlichen Leben etwas in uns tragen, was ganz die Natur der hellseherischen Erkenntnis schon hat.
[ 1 ] In my previous lecture, my aim was to show how contemporary human thinking, which tends toward the abstract, is not actually a gift from the external physical world, but rather a gift from the spiritual world; how, fundamentally, this abstract human thinking enters the human soul in exactly the same way as the revelations of the beings of higher hierarchies. The essential point, then, is that we truly carry within us, in our everyday, ordinary lives, something that already possesses the very nature of clairvoyant knowledge.
[ 2 ] Wir tragen aber nun auch als Menschen etwas anderes noch in uns, das im Grunde genommen noch viel mehr die Natur hellseherischer Erkenntnis hat, nur in einer, man möchte sagen, noch versteckteren Weise. Das ist jenes Bewußtsein des Menschen, welches auftritt zwischen dem gewöhnlichen alltäglichen Wachzustand und dem Schlafzustand: es ist das Traumbewußtsein. Man kann nicht gut kennenlernen, in wirklich praktischer Weise, den Aufstieg der menschlichen Seele in die höheren Welten, wenn man nicht Aufklärung sich zu verschaffen versucht über jenes merkwürdige Leben der menschlichen Seele in dem Dämmerzustande des Träumens. Was ist denn eigentlich dieser Traum? Betrachten wir ihn zunächst einmal so, wie er uns im gewöhnlichen Leben entgegentritt.
[ 2 ] But as human beings, we also carry within us something else that, in essence, is even more akin to clairvoyant perception, albeit in a way that is, one might say, even more hidden. This is that aspect of human consciousness which arises between the ordinary, everyday waking state and the state of sleep: it is the consciousness of dreaming. One cannot truly come to know, in a practical sense, the ascent of the human soul into the higher worlds unless one attempts to gain insight into that strange life of the human soul in the twilight state of dreaming. What, then, is this dream? Let us first consider it as it presents itself to us in ordinary life.
[ 3 ] Der Mensch hat um sich herum oder auch vor sich Bilder, gewissermaßen flüchtigere, nicht mit ebenso festen Konturen auftretende Bilder, als es die Wahrnehmungen des gewöhnlichen alltäglichen Lebens sind. Es huschen gleichsam vor der Seele vorbei die Traumvorstellungen, und wenn man dann eintritt in eine, man möchte sagen, nüchterne Untersuchung dieser Traumvorstellungen, dann kann einem auffallen, daß doch in den meisten Fällen diese Traumvorstellungen in irgendeiner Weise zusammenhängen mit dem äußeren Leben, wie wir es verbringen auf dem physischen Plane. Gewiß, es gibt Menschen, die leichten Herzens in den Träumen gleich etwas Hohes, etwas Wunderbares, ja, Offenbarungen von höheren Welten sehen wollen. Es gibt Menschen, welche leichten Herzens glauben, wenn dieser oder jener Traum auftritt, er gäbe ihnen etwas, was sie im gewöhnlichen Leben noch nicht erfahren hätten, er rufe in die Seele etwas herein, was gegenüber diesem gewöhnlichen Leben ein Neues, ein nie Dagewesenes sei. In vielen Fällen, ja vielleicht in den weitaus meisten Fällen wird man hierin sich täuschen, wenn man einen solchen Traum so auffaßt; man wird einfach sozusagen aus Flüchtigkeit nicht bemerken, wie in das Traumgewebe und -gewoge doch irgendwelche Erlebnisse hineinragen, die wir vor mehr oder weniger kurzer Zeit, oder sogar vor vielen Jahren, äußerlich auf dem physischen Plan erlebt haben. Aus diesem Grunde hat es auch das materialistische Erkennen unserer Zeit so leicht, die Offenbarungen der Träume als etwas Besonderes einfach zurückzuweiisen, und vielmehr darauf hinzuweisen, wie diese Träume denn doch nichts anderes sind als Nachbilder des äußerlichen, im physischen Leben Erfahrenen. Wenn man die materialistische Traumwissenschaft der Gegenwart kennt, so weiß man ja, daß diese materialistische Traumwissenschaft immer sich bemüht, gerade zu zeigen, wie der Traum eigentlich nichts anderes gibt als dasjenige, was die Menschengehirne in sich tragen an Nachbildern aus der äußeren physischen Welt.
[ 3 ] People have images around them or even before them—images that are, so to speak, more fleeting and lack the same distinct contours as the perceptions of ordinary everyday life. Dream images flit past the soul, as it were, and when one then engages in what one might call a sober examination of these dream images, one may notice that in most cases these dream images are in some way connected to external life, as we experience it on the physical plane. Certainly, there are people who, with a light heart, wish to see in dreams something lofty, something wonderful—indeed, revelations from higher worlds. There are people who, with a light heart, believe that when this or that dream occurs, it gives them something they have not yet experienced in ordinary life; they believe it calls into the soul something that, in contrast to this ordinary life, is new, something never before seen. In many cases, indeed perhaps in the vast majority of cases, one will be mistaken in this regard if one interprets such a dream in this way; one will simply fail to notice—out of a kind of carelessness, so to speak—how certain experiences we have had externally on the physical plane, whether more or less recently or even many years ago, nevertheless intrude into the fabric and flow of the dream. For this reason, the materialistic understanding of our time finds it so easy to simply dismiss the revelations of dreams as something special, and instead to point out how these dreams are, after all, nothing other than afterimages of what has been experienced externally in physical life. Anyone familiar with contemporary materialistic dream science knows that this materialistic dream science always strives to demonstrate precisely how the dream is actually nothing other than the afterimages of the external physical world that the human brain carries within itself.
[ 4 ] Man muß gestehen, daß diese äußere materialistische Traumwissenschaft auf diesem Gebiete wirklich es recht leicht hat, zurückzuweisen jede höhere Bedeutung des Traumlebens. Man kann ja so leicht nachweisen, daß die Menschen die höheren Offenbarungen, die sie im Traume zu haben glauben, in Bildern sehen in einem gewissen Zeitalter, und wie sie in einem anderen Zeitalter diese Bilder nicht hätten sehen können. $o zum Beispiel träumen die Menschen heute öfters in Bildern, die hergenommen sind von Erfindungen und Entdeckungen, die doch erst im 19. Jahrhundert gemacht worden sind. Das kann man ja also sehr leicht nachweisen, daß aus dem äußeren Leben sich Bilder einschleichen in das Traumgewebe und -gewoge. Derjenige, der sich aufklären will über die Traumerlebnisse, so daß diese Aufklärung ihm etwas geben kann zum Eindringen in die okkulten Welten, der muß gerade auf diesem Gebiete die allergrößte Sorgfalt verwenden. Er muß sich daran gewöhnen, sorgfältig allen verborgenen Wegen nachzugehen, und es wird sich ihm zeigen, wie der Traum in den meisten Fällen nichts anderes gibt als das, was in der äußeren Welt erfahren worden ist. Aber gerade derjenige, der sorgfältiger und immer sorgfältiger wird in der Durchforschung seines Traumlebens — und das sollte im Grunde jeder angehende Okkultist —, der wird dennoch nach und nach bemerken, daß aus dem Gewebe des Traumes ihm Dinge hervorquellen, von denen er ganz und gar nicht in seinem bisherigen Leben, in dem Leben dieser Inkarnation äußerlich hat erfahren können. Und wer solche Anweisungen befolgt, wie sie gegeben sind in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», der wird bemerken, wie sich nach und nach sein Traumleben wandelt, wie die Träume in der Tat einen anderen Charakter annehmen. Er wird als eine der ersten Erfahrungen die folgende machen können.
[ 4 ] One must admit that this external, materialistic science of dreams really has it quite easy in this area when it comes to rejecting any higher significance of the dream life. After all, it is so easy to demonstrate that the higher revelations people believe they experience in dreams are seen in images characteristic of a certain era, and that in another era they could not have seen these images. For example, people today often dream in images derived from inventions and discoveries that were not made until the 19th century. It is, after all, very easy to demonstrate that images from external life creep into the fabric and flow of dreams. Anyone who wishes to gain insight into dream experiences—so that this insight may provide a means of penetrating the occult worlds—must exercise the utmost care in this very area. They must accustom themselves to carefully tracing all hidden paths, and it will become clear to them that in most cases the dream offers nothing other than what has been experienced in the outer world. But precisely the person who becomes more and more careful in the exploration of his dream life—and this should essentially be every aspiring occultist—will nevertheless gradually notice that things spring forth from the fabric of the dream of which he could not possibly have experienced anything externally in his life up to now, in the life of this incarnation. And whoever follows the instructions given in my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds* will notice how their dream life gradually transforms, how the dreams indeed take on a different character. One of the first experiences they will be able to have is the following:
[ 5 ] Er wird vielleicht einmal lange, lange nachgesonnen haben über irgend etwas, was ihm rätselhaft erschienen ist, und wird vielleicht zu dem Schlusse gekommen sein: Ja, so wie du jetzt bist, reicht deine Intelligenz doch nicht aus, dieses Rätsel dir aus der eigenen Seele zu lösen, und auch dasjenige, was du bisher von außen gelernt hast, reicht nicht dazu aus. Dann wird dieser Mensch vielleicht — das wird der häufigere Fall sein — nicht das Bewußtsein haben: Du träumst, und im Traum löst sich dir dieses Rätsel auf. — Dies Bewußtsein wird er nicht gleich haben. Aber ein höheres Bewußtsein wird er auf verhältnismäßig früher Stufe haben können. Er wird gleichsam sich fühlen wie aufwachend aus einem Traum, wie sich erinnernd an einen Traum. Sein Bewußtsein wird sich so gestalten, daß er sich sagt oder doch sagen könnte: Ja, jetzt träume ich nicht dasjenige, um das es sich handelt. Ich war mir auch irgendeines Traumes, den ich etwa früher gehabt hätte, nicht bewußt. Aber jetzt taucht es wie eine Erinnerung auf, daß so etwas wie ein Wesen an mich herangetreten ist, das mir dieses Rätsel gelöst hat, indem es mir die Lösung gleichsam gegeben oder zugesprochen hat. — Solch eine Tatsache wird von demjenigen, der sich daran gewöhnt, sein Bewußtsein allmählich durch die genannten Anweisungen zu erweitern, verhältnismäßig leicht erfahren werden. Man wird wissen, sich erinnernd an wie im Traum Durchlebtes, daß man damals es nicht wußte, daß man es erlebte. Wie aus dunklen Untergründen der eigenen Seele heraufleuchtend, wird so etwas erscheinen, dem gegenüber man sich sagt: Als du selbst mit deiner Gescheitheit, mit deiner Intelligenz nicht dabei warst, als du deine Seele gleichsam davor hütetest, durch deine Intelligenz beraten zu sein, als du deine Seele vor deiner eigenen Intelligenz hütetest, da konnte deine Seele mehr, da konnte sie in Zusammenhang kommen mit der Rätsellösung, der gegenüber du mit deiner Intelligenz ohnmächug bist. — Gewiß wird es den materialistischen Gelehrten auch oftmals leicht sein, eine materialistische Erklärung für eine solche Erfahrung zu finden, aber der, welcher diese Erfahrung selber macht, weiß in der Tat, daß dasjenige, was ihm da entgegentritt, was dann wie ein erinnertes Traumerlebnis sich entpuppt, ganz anderes enthüllt als bloß eine Reminiszenz des gewöhnlichen Lebens. Vor allen Dingen ist die ganze Stimmung der Seele, die man solchen Erlebnissen gegenüber hat, eine solche, daß man sich sagt: Ja, diese Seelenstimmung hast du eigentlich wirklich noch gar nicht gehabt. — Es ist die Stimmung einer wunderbaren Seligkeit darüber, daß man in den Tiefen der Seele mehr trägt als im gewöhnlichen Tagesbewußtsein. Aber es kann noch deutlicher, noch viel deutlicher sein, dieses Erkennen des Seelenlebens, dieses Heraufdrängen wie eine Erinnerung an etwas, was man nicht auffassen konnte, als es sich zugetragen hat in der Seele. Es kann viel deutlicher etwas heraufragen in das bewußte Erkennen des Seelenlebens. Das geschieht im folgenden Falle.
[ 5 ] He may have pondered at length, for a very long time, something that seemed mysterious to him, and may have come to the conclusion: “Yes, as you are now, your intelligence is not sufficient to solve this mystery from within your own soul, and what you have learned from the outside so far is not enough either.” Then this person may—and this will be the more common case—not have the awareness: ‘You are dreaming, and in the dream this mystery will be solved for you.’ He will not have this awareness immediately. But he will be able to attain a higher level of consciousness at a relatively early stage. He will feel, as it were, as if waking from a dream, as if recalling a dream. His consciousness will take such a form that he says to himself, or at least could say: Yes, now I am not dreaming about the very thing in question. I was also unaware of some dream I might have had earlier. But now it surfaces like a memory that something like a being approached me, which solved this riddle for me by, as it were, giving me the solution or bestowing it upon me. — Such a fact will be experienced relatively easily by those who accustom themselves to gradually expanding their consciousness through the aforementioned instructions. One will know, recalling what was experienced as in a dream, that one did not know at the time that one was experiencing it. As if shining up from the dark depths of one’s own soul, something like this will appear, in the face of which one says to oneself: When you yourself, with your cleverness, with your intelligence, were not present; when you, as it were, guarded your soul against being guided by your intelligence; when you guarded your soul from your own intelligence—then your soul was capable of more; then it could come into contact with the solution to the riddle, against which you are powerless with your intelligence. — Certainly, it will often be easy for the materialistic scholar to find a materialistic explanation for such an experience, but the one who has this experience himself knows in fact that what confronts him there, what then turns out to be like a remembered dream experience, reveals something quite different from merely a reminiscence of ordinary life. Above all, the entire mood of the soul one has in the face of such experiences is such that one says to oneself: Yes, you have not actually had this mood of the soul at all before. — It is the mood of a wondrous bliss at the fact that one carries more within the depths of the soul than in ordinary daily consciousness. But this recognition of the soul’s life, this surging up like a memory of something one could not grasp when it occurred in the soul, can be even clearer, much clearer. Something can rise much more clearly into the conscious recognition of the soul’s life. This happens in the following case.
[ 6 ] Wenn der Mensch mit Energie und Ausdauer, vielleicht oftmals durch recht lange Zeiten hindurch, vielleicht durch Jahrzehnte hindurch, fortsetzt solche Übungen, wie sie gegeben sind in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», dann bekommt er in ganz ähnlicher Weise, wie geschildert worden ist, das Herauftauchen eines Seelenerlebnisses in das Bewußtsein. Dieses kann zum Beispiel das folgende sein: Nehmen wir an, in dieses Seelenerlebnis sei hineingemischt die Erinnerung an ein gewöhnliches Erlebnis des äußeren Tageslebens, das uns vor Jahren getroffen hat, vielleicht ein recht unangenehmes, fatales Erlebnis, das wir einen schweren Schicksalsschlag nennen, von dem wir immer wissen, daß wir nur mir Bitternis an ihn denken konnten die ganze Zeit hindurch. Gegenüber einem solchen Erlebnis kann man wirklich ein deutliches Bewußtsein haben, wie bitter man es bisher erlebt hat, wie man immer ein bitteres Gefühl gehabt hat, wenn es in der Erinnerung aufgetaucht ist. Jetzt nun taucht wiederum etwas wie die Erinnerung an einen Traum auf, aber an einen sehr merkwürdigen Traum, der uns sagt: In deiner Seele leben Gefühle, welche dir mit aller Macht als etwas außerordentlich Willkommenes dieses bittere Erlebnis herangezogen haben; es lebt in deiner Seele etwas, das mit einer Art Wonne empfunden hat, alle Verhältnisse so herbeizuführen, daß dich dieses Schicksal treffen konnte. — Und jetzt, wenn man eine solche Erinnerung hat, dann weiß man auch: In dem gewöhnlichen Bewußtsein, das man in sich trägt zur Ordnung der äußeren Angelegenheiten, gab es keinen Moment, in dem du nicht schmerzlich und bitter diesen Schicksalsschlag empfunden hast. Keinen Moment gab es in deiner jetzigen Inkarnation, da du das nicht schmerzlich und bitter empfunden hast. Aber in dir ist etwas, das ganz anders sich verhält zu diesem Schicksalsschlage, etwas, das mit aller Gewalt die Verhältnisse herbeizuführen suchte, die dir diesen bitteren Schicksalsschlag brachten. Das hast du damals nicht gewußt, daß in dir etwas ist, was sich zu diesem Schicksalsschlage wie mit magnetischer Kraft angezogen fühlte, das hast du nicht gewußt. — Jetzt aber merkt man, daß hinter dem alltäglichen Bewußtsein eine andere, tiefere Schicht des Seelenlebens weisheitsvoll waltet. Wer eine solche Erfahrung macht und wer die Übungen, wie sie in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» gegeben sind, energisch befolgt, kann wirklich ein solches Erlebnis haben —, der weiß von da ab: Ja, du lebst ein Seelenleben, welches sich zur äußeren Welt in einer gewissen Weise verhält, welches Sympathien und Antipathien hat für dasjenige, was als Schicksal dir vor Augen steht, und mit diesem Bewußtsein fühltest du damals dem Schicksalsschlage gegenüber. Du empfandest ihn als bitter, antipathisch. Du wußtest aber nicht, daß in dir ein weiteres Seelenleben war, welches mit allerhöchster Sympathie dazumal sich hindrängte dazu, das zu erfahren, das zu erleben, was dein gewöhnliches Alltagsbewußtsein so unsympathisch empfindet.
[ 6 ] If a person continues such exercises with energy and perseverance—perhaps often over quite long periods of time, perhaps even over decades—as described in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, then, in a manner very similar to what has been described, a soul experience will emerge into their consciousness. This can be, for example, the following: Let us suppose that mixed into this soul experience is the memory of an ordinary experience from daily life that happened to us years ago—perhaps a rather unpleasant, fateful experience that we call a severe blow of fate, of which we have always known that we could only think of it with bitterness throughout the entire time. In the face of such an experience, one can truly have a clear awareness of how bitterly one has experienced it so far, how one has always had a bitter feeling whenever it surfaced in memory. Now, however, something like the memory of a dream surfaces again, but of a very strange dream that tells us: In your soul there are feelings that have drawn you with all their might to this bitter experience as something extraordinarily welcome; there is something living in your soul that has felt a kind of delight in bringing about all the circumstances so that this fate could befall you. — And now, when one has such a memory, one also knows: In the ordinary consciousness one carries within oneself regarding the order of external affairs, there was not a single moment in which you did not feel this stroke of fate painfully and bitterly. There was not a single moment in your present incarnation when you did not feel it painfully and bitterly. But there is something within you that behaves quite differently toward this stroke of fate, something that sought with all its might to bring about the circumstances that brought you this bitter stroke of fate. You did not know at the time that there is something within you that felt drawn to this stroke of fate as if by a magnetic force; you did not know that. — But now one realizes that behind everyday consciousness, another, deeper layer of the soul life reigns with wisdom. Whoever has such an experience and who energetically follows the exercises as given in my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds* can truly have such an experience—and from then on knows: Yes, you live a soul life that relates to the outer world in a certain way, that has sympathies and antipathies toward what stands before you as fate, and it was with this awareness that you felt toward that stroke of fate at the time. You perceived it as bitter, repulsive. But you did not know that within you there was another soul life which, with the highest sympathy, was striving at that time to experience and live through what your ordinary everyday consciousness finds so repulsive.
[ 7 ] Wenn man ein solches Erlebnis hat, dann mag jeder materialistische Forscher kommen und mag davon sprechen, daß solche Erlebnisse nur Reminiszenzen des Alltagslebens seien; wir wissen, wie sich solche bloße Reminiszenzen unterscheiden von demjenigen, was man da erlebt. Denn in diese Reminiszenzen müßte sich doch die Bitterkeit hineinmischen, mit der man immer an dieses gedacht hat. Das aber, was man so erlebt, spielt sich ganz anders ab, nimmt sich ganz anders aus als jede Reminiszenz. Denn man ist in seinem tiefsten Inneren ein ganz anderer Mensch, als man ahnt. Das tritt einem vor die Seele. Und es tritt einem vor die Seele wahrhaftig so, daß man weiß: Man hat da Offenbarungen aus Regionen bekommen, in die unser Alltagsbewußtsein nicht hineinkommen kann.
[ 7 ] When one has such an experience, any materialistic researcher may come along and claim that such experiences are merely reminiscences of everyday life; we know how such mere reminiscences differ from what one actually experiences. For these reminiscences would surely be tinged with the bitterness with which one has always thought of them. But what one actually experiences unfolds quite differently, appears quite different from any mere reminiscence. For deep down, one is a completely different person than one suspects. This comes before one’s soul. And it comes before one’s soul in such a way that one knows: one has received revelations from regions into which our everyday consciousness cannot penetrate.
[ 8 ] Wenn man solch eine Erfahrung hat, dann erweitert sich die ganze Vorstellung, die man von dem Seelenleben hat, dann weiß man aus Erfahrung, daß dieses Seelenleben allerdings noch etwas ganz anderes ist als dasjenige, was umfaßt wird von der Geburt an bis zum Tode. Wenn man nicht untertaucht in die charakterisierten tieferen Seelenregionen, so bekommt man für sein gewöhnliches Bewußtsein keine Ahnung davon, daß man unter der Schwelle des Bewußtseins noch ein ganz anderer Mensch ist, als man im Alltagsleben meint. Und wenn dann ein bedeutsames anderes Fühlen und Empfinden gegenüber dem Leben in der Seele entsteht, dann erweitert sich für dieses Empfinden und Erleben der Kreis dessen, was wir Welt nennen, um eine neue Region. Dann treten wir in der Tat in eine neue Region des Frlebens ein. Eine ganz andere, neue Region tut sich vor uns auf, und wir wissen dann, warum wir im gewöhnlichen Leben in diese Region nur, man möchte sagen, unter gewissen Voraussetzungen eintreten können.
[ 8 ] When one has such an experience, one’s entire mental image of the life of the soul expands; one then knows from experience that this life of the soul is indeed something quite different from what is encompassed from birth to death. Unless one delves into the deeper regions of the soul described above, one’s ordinary consciousness has no inkling that, beneath the threshold of consciousness, one is a completely different person than one believes oneself to be in everyday life. And when a significantly different feeling and perception of life arises in the soul, the sphere of what we call the world expands to include a new region for this perception and experience. Then we truly enter a new region of life. A completely different, new region opens up before us, and we then know why, in ordinary life, we can enter this region only—one might say—under certain conditions.
[ 9 ] Ich habe im Grunde genommen, indem ich versuchte, Ihnen gleichsam die okkulte Entwickelung des Traumlebens zu schildern, zwei ganz verschiedene Dinge jetzt schon hingestellt. Auf der einen Seite das alltägliche Traumleben, das für die weitaus meisten Menschen immer wieder eintritt auf der Grenze des Wachens und Schlafens. Aufmerksam habe ich darauf gemacht, daß dieses alltägliche Traumleben sich nährt von den Nachbildern des alltäglichen Lebens. Aber ich habe auf der anderen Seite Ihnen gezeigt, daß durch eine ähnliche Art des inneren Erlebens, wie es sich vollzieht bei den gewöhnlichen Traumbildern, nach bestimmten Voraussetzungen, durch eine Schulung, eine ganz neue Welt vor uns auftauchen kann, von der wir bisher, bevor wir in sie eingetreten sind, ganz gewiß nichts gewußt haben, von der wir uns sagen können: Wir sind in der Lage, in die Regionen des Traumlebens auch anders hinunterzutauchen, so daß wir in ihnen eine neue Welt uns aufgehend finden. — So haben wir die Traumwelt auf der einen Seite durchzogen von den Reminiszenzen des gewöhnlichen Lebens, von den Nachbildern des Alltagslebens, und auf der anderen Seite haben wir eine Welt, ähnlich der Traumregion, in welcher Welt wir aber neue Erlebnisse, wirkliche, reale Erlebnisse haben, von denen wir nur sagen können, daß es Frlebnisse realer Art der anderen, geistigen Welten sind. Aber eine Bedingung muß erfüllt sein, wenn wir diese neuen Erlebnisse machen wollen im nächtlichen Halbschlaf. Die Bedingung muß erfüllt sein, daß wir auszuschalten vermögen die Reminiszenzen des alltäglichen Lebens, die Bilder des alltäglichen Lebens. Solange diese hineinspielen in die Traumregion, so lange machen sie sich darin wichtig, möchte ich sagen, und verhindern, daß die realen Erlebnisse der höheren Welten hereinkommen. Warum ist dieses? Warum tragen wir in eine Region des Erlebens, in der wir höhere Welten erleben könnten, hinein die Nachbilder des alltäglichen Lebens? Warum tragen wir diese Nachbilder des alltäglichen Lebens in diese Region, in welcher sie sich so wichtig machen?
[ 9 ] In essence, by attempting to describe to you, as it were, the occult development of the dream life, I have already presented two very different things. On the one hand, there is the everyday dream life that occurs time and again for the vast majority of people on the border between waking and sleeping. I have pointed out that this everyday dream life feeds on the afterimages of everyday life. But on the other hand, I have shown you that through a similar kind of inner experience, as occurs with ordinary dream images, under certain conditions, through training, a whole new world can open up before us—a world of which we certainly knew nothing before we entered it, and of which we can say: We are able to descend into the realms of dream life in a different way as well, so that we find a new world opening up to us within them. — Thus, on the one hand, we have the dream world permeated by the reminiscences of ordinary life, by the afterimages of everyday life, and on the other hand, we have a world similar to the dream realm, in which, however, we have new experiences—real, genuine experiences—of which we can only say that they are experiences of a real nature from the other, spiritual worlds. But one condition must be met if we wish to have these new experiences in the half-sleep of the night. The condition must be met that we are able to shut out the reminiscences of everyday life, the images of everyday life. As long as these intrude into the dream realm, they make themselves important there, I would say, and prevent the real experiences of the higher worlds from entering. Why is this so? Why do we carry the afterimages of everyday life into a realm of experience where we could experience higher worlds? Why do we carry these afterimages of everyday life into this realm, where they make themselves so important?
[ 10 ] Wir tun das aus dem Grunde, weil wir im alltäglichen Leben, ob wir es nun gestehen oder nicht gestehen, das allergrößte Interesse haben an dem, was gerade uns betrifft, an unseren eigenen äußeren Erlebnissen. Es kommt dabei gar nicht darauf an, daß sich irgendwelche Menschen vorspiegeln, ihr Leben interessiere sie gar nicht mehr besonders. Durch solche Vorspiegelungen läßt sich nur derjenige beirren, der nicht weiß, wie die Menschen auf diesem Gebiete sich den allerärgsten Illusionen hingeben. Der Mensch hängt tatsächlich einmal an den Sympathien und Antipathien des alltäglichen Lebens. Wenn Sie nun wirklich einmal durchgehen dasjenige, was in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» als Anleitung gegeben ist für menschliche Seelenentwickelung, dann werden Sie sehen, daß im Grunde alles darauf hinausläuft, unser Interesse uns abzugewöhnen für das alltägliche Leben. Die Ausführung der dortigen Anweisungen machen ja nun die Menschen in ganz verschiedener Weise. Es wird dieses Buch von dem oder jenem gelesen, es wird gelesen aus verschiedensten Gründen, und von den verschiedensten Gründen aus wird sich ein Verhalten des Menschen zu diesem Buche ergeben. Da hört einmal jemand, vielleicht mit den schönsten Gefühlen: Wenn man diese Anweisung befolgt, dann kann man sich entwickeln so, daß man in die höheren Welten einen Einblick erhält. — Das ist ja wahr, aber davon wollen wir nicht sprechen. Es regt sich dann aber die Neugierde — und warum sollte man auch nach anderen, höheren Welten nicht neugierig werden —, es regt sich oft die Neugierde, wenn man auch zunächst mit schönen Gefühlen an das Buch herangetreten ist. Dann beginnt nun jemand diese Übungen zu machen, aber eigentlich nur in Neugierde zu machen. Das will aber nur eine gewisse Zeit hindurch gehen, denn allerlei innere Gefühle, vor allem Gefühle, über die man sich meistens nicht recht klar werden will, halten einen später nach einer gewissen Zeit ab: man läßt die Sache liegen. Aber die Gefühle, über die man sich nicht klar werden will, die man manchmal ganz anders interpretiert, das sind keine anderen, als daß, wenn man diese Übungen wirklich ausführen will, man sich dann in ganz anderer Weise Dinge abgewöhnen muß — in Wahrheit gewöhnt man sie sich eben nicht ab —, die mit Sympathie und Antipathie zusammenhängen. Diese Dinge gewöhnt man sich nicht gerne ab. Man sagt zwar, daß man sich das gerne abgewöhnt, aber man tut es nicht. Und der wirkliche Erfolg, den solche Übungen haben können, der zeigt sich ja bei demjenigen Menschen, der es energisch ernst meint, doch eigentlich recht bald, der zeigt sich eben darin, daß die Sympathien und Antipathien gegenüber dem Leben sich etwas ändern. Nur muß gesagt werden: Schon ein wenig selten macht man diese Erfahrung, daß sich einer dem Einfluß der Übungen so hingibt, daß sich auch wirklich die Empfindungen über Sympathie und Antipathie ändern. Wenn aber die Übungen energisch ernst genommen werden, dann geschieht das. In energischer Weise ändern sich Sympathie und Antipathie gegenüber dem alltäglichen Leben.
[ 10 ] We do this because, in everyday life—whether we admit it or not—we are most interested in what concerns us directly, in our own external experiences. It does not matter at all that some people pretend their lives no longer interest them particularly. Only those who do not know how people in this realm succumb to the most grievous illusions can be misled by such pretences. Human beings are, in fact, deeply attached to the likes and dislikes of everyday life. If you now truly go through what is given as guidance in the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds?* is given as a guide for the development of the human soul, you will see that, fundamentally, it all boils down to weaning us off our interest in everyday life. People, of course, carry out the instructions there in very different ways. This book is read by this or that person; it is read for a wide variety of reasons, and from these varied reasons, a person’s attitude toward this book will emerge. Someone hears, perhaps with the most beautiful feelings: If one follows these instructions, one can develop in such a way as to gain insight into the higher worlds. — That is true, but we do not wish to speak of that. Curiosity then arises—and why should one not be curious about other, higher worlds— curiosity is often aroused, even if one initially approached the book with beautiful feelings. Then someone begins to do these exercises, but really only out of curiosity. This will only last for a certain time, however, because all sorts of inner feelings—especially feelings one usually does not want to become quite clear about—will later, after a certain time, hold one back: one lets the matter lie. But the feelings one does not want to come to terms with—which one sometimes interprets quite differently—are nothing other than the fact that, if one truly wants to perform these exercises, one must then break oneself of certain habits in a completely different way—in truth, one simply does not break them—habits related to sympathy and antipathy. One does not readily break these habits. One may say that one is happy to break these habits, but one does not do so. And the real success that such exercises can have becomes apparent quite soon in those who are genuinely serious about them; it is evident precisely in the fact that one’s sympathies and antipathies toward life undergo a certain change. It must be said, however, that it is quite rare to have the experience of someone surrendering so completely to the influence of the exercises that their feelings of sympathy and antipathy actually change. But when the exercises are taken seriously and energetically, this does happen. Sympathy and antipathy toward everyday life change in an energetic way.
[ 11 ] Das bedeutet viel, sehr viel, das bedeutet in der Tat, daß wir gerade diejenigen Kräfte bekämpfen, die so wirken, daß sich die alltäglichen Erlebnisse als Nachbilder, als Reminiszenzen in die Träume hineinschleichen. Denn sie tun das nicht mehr, wenn wir es auf irgendeinem Gebiete, ganz gleich auf welchem, so weit gebracht haben, unsere Sympathie und Antipathie zu ändern. Man macht ja auf diesem Gebiete ganz prägnante Erfahrungen. Diese Änderung der Sympathiekräfte braucht gar nicht einmal auf einem besonders hohen Gebiete zu liegen. Auf irgendeinem Gebiete muß nur energisch durchgeführt werden, daß sich die Sympathien und Antipathien ändern. Es kann in den alleralltäglichsten Dingen liegen, aber irgendwo muß eine solche Änderung eintreten. Da gibt es Menschen, die sagen: Ich übe täglich, morgens und abends, und auch sonst noch Stunden lang, aber ich kann nicht einen Schritt in die geistigen Welten hinein machen. — Es ist wirklich manchmal recht schwierig, solchen Menschen klar zu machen, wie leicht das zu verstehen ist, daß sie das nicht können. Oftmals brauchen ja die Menschen nur zu bedenken, daß sie heute, vielleicht nach zwanzig, fünfundzwanzig, vielleicht sogar nach dreißig Jahre langen Übungen, noch auf dieselben Dinge schimpfen, auf die sie damals vor fünfundzwanzig Jahren ebenso geschimpft haben. Ja, genau dieselbe Form des Schimpfens ist ihnen noch immer eigen wie dazumal.
[ 11 ] This means a great deal, indeed a great deal; it means, in fact, that we are fighting precisely those forces that cause everyday experiences to creep into our dreams as afterimages, as reminiscences. For they no longer do so once we have succeeded, in any field whatsoever, in changing our sympathies and antipathies to that extent. One does, after all, have quite striking experiences in this regard. This change in the forces of sympathy need not even take place in a particularly lofty sphere. It must simply be energetically carried out in some area so that sympathies and antipathies are altered. It can be in the most everyday things, but such a change must take place somewhere. There are people who say: I practice daily, morning and evening, and for hours at other times as well, but I cannot take a single step into the spiritual worlds. — It is really quite difficult at times to make such people understand how easy it is to grasp that they cannot do this. Often, people need only consider that today, perhaps after twenty, twenty-five, or even thirty years of practice, they are still grumbling about the same things they grumbled about twenty-five years ago. Yes, they still grumble in exactly the same way as they did back then.
[ 12 ] Aber noch etwas Gewöhnlicheres: Es gibt ja Menschen, die sich bemühen, auch äußerliche Mittel, die im Okkultismus gewisse Folgen zeigen, anzuwenden. Sie werden zum Beispiel Vegetarier. Aber siehe da, nun gibt es Menschen, die mit allem Ernste sich vornehmen, wirklich sich etwas abzugewöhnen und die zunächst mit allem Ernst herangehen, dann aber, trotzdem sie Übungen durch Jahrzehnte hindurch gemacht haben, nichts erlangen. Ein solcher Mensch sagt sich: Wenn ich doch nur ein klein winziges Stückchen von den Geisteswelten erlebte! — Er müßte eben nur bedenken, daß er vielleicht immer wieder zu den Fleischtöpfen Ägyptens zurückgekehrt ist, weil er eben die alte Sympathie für das Fleisch doch nicht hat niederkämpfen können. Er selbst denkt an ganz andere Gründe, denkt, daß er das Fleisch nötig hat. Er sagt zum Beispiel: Mein Gehirn verlangt es.
[ 12 ] But here is something even more common: there are, after all, people who strive to use external means that have certain effects in occultism. For example, they become vegetarians. But lo and behold, there are people who, in all seriousness, resolve to truly break a habit and who initially approach it with the utmost earnestness, yet despite having practiced for decades, achieve nothing. Such a person says to himself: If only I could experience just a tiny, tiny bit of the spiritual worlds! — They need only consider that perhaps they have returned again and again to the meat pots of Egypt because they have simply been unable to overcome their old affinity for meat. They themselves think of entirely different reasons, believing that they need meat. They say, for example: “My brain demands it.”
[ 13 ] Stellen wir uns daher die Sache, welche die Umänderung der Sympathie und Antipathie betrifft, nicht so leicht vor. Leicht ist es, doch — so möchte man mit einer Reminiszenz an ein «Faust»-Zitat sagen —: «Leicht ist es zwar, doch ist das Leichte schwer.» Gerade mit diesem Paradoxon muß man oftmals die sich entwickelnde Seelenstimmung dessen schildern, der hinaufsteigen will in die höheren Welten. Es kommt nicht darauf an, diese oder jene Sympathie oder Antipathie zu ändern, sondern es kommt nur darauf an, überhaupt irgendeine Sympathie oder Antipathie ernsthaft zu ändern. Dann kommt man nach bestimmten Übungen in die Region des Traumlebens so hinein, daß man gleichsam nichts hineinbringt von dem alltäglichen Leben, von den Sinneserlebnissen. Dadurch aber haben die neuen Erlebnisse gewissermaßen Platz darinnen.
[ 13 ] Let us therefore not form a mental image of the matter relating to the transformation of sympathy and antipathy too lightly. It is easy, yet—as one might say, recalling a quote from *Faust*—“It is easy, yet what is easy is hard.” It is precisely with this paradox that one must often describe the evolving state of mind of the person who wishes to ascend into the higher worlds. It does not matter whether one changes this or that sympathy or antipathy; what matters is simply to seriously change any sympathy or antipathy at all. Then, after certain exercises, one enters the realm of the dream life in such a way that one brings in, as it were, nothing from everyday life, from sensory experiences. Through this, however, the new experiences have, so to speak, a place within it.
[ 14 ] Jetzt weiß man, wenn man wirklich praktisch durchgemacht hat ein solches Erlebnis durch eine okkulte Entwickelung, daß gewissermaßen noch eine Schicht des Bewußtseins im Menschen vorhanden ist. Das tägliche Bewußtsein kennt ja jeder Mensch: es ist das wache Tagesbewußtsein, durch das er denkt, fühlt und will, von dem er gewohnt ist zu wissen seit dem Bewußtwerden seiner selbst in seiner Kindheit, von welchem Augenblicke an er bis zum Tode gleichsam ein bewußtes Seelenleben führt. Wenigstens bei den meisten Menschen ist es so. Hinter diesem tagwachen Bewußtsein liegt eine andere Schicht des Bewußtseins. In diesem anderen sind für das alltägliche Erleben die Träume darinnen. Daher können wir sagen: es ist dieses das Traumbewußtsein. — Aber wir haben auch gesehen, es ist nicht bloß das Traumbewußtsein. Traumbewußtsein wird es nur dadurch, daß wir vom täglichen Bewußtsein dasjenige hineintragen, was wir in diesem täglichen Bewußtsein erleben. Wenn wir das nicht tun, wenn wir es von diesen Erlebnissen leer machen, dann können aus den höheren Welten Erlebnisse in diese Region unseres Seelenlebens hineinkommen, Erlebnisse, welche eben wirklich auch in der uns umgebenden Welt da sind, von dem gewöhnlichen Bewußtsein aber nicht wahrgenommen werden können, auch in dem Traumbewußtsein nicht, weil aus diesem erst die Reminiszenz herausgetrieben werden müßte an das tägliche Leben, damit es leer wird, Platz geben kann diesen Erlebnissen.
[ 14 ] Now, anyone who has actually gone through such an experience as a result of occult development knows that, in a sense, there is still another layer of consciousness present within the human being. Every human being is familiar with everyday consciousness: it is the waking daytime consciousness through which one thinks, feels, and wills, which one has been accustomed to knowing since becoming self-aware in childhood, and from that moment on, one leads, as it were, a conscious soul life until death. At least, this is the case for most people. Behind this waking consciousness lies another layer of consciousness. Within this other layer lie the dreams that constitute our everyday experience. Therefore, we can say: this is the dream consciousness. — But we have also seen that it is not merely dream consciousness. It becomes dream consciousness only because we carry into it from our daily consciousness that which we experience in that daily consciousness. If we do not do this, if we empty it of these experiences, then experiences from the higher worlds can enter into this region of our soul life, experiences that are indeed present in the world around us but cannot be perceived by ordinary consciousness, nor even by dream consciousness, because the reminiscences of daily life would first have to be driven out of it so that it becomes empty and can make room for these experiences.
[ 15 ] Wenn solche Erlebnisse, wie ich sie sozusagen als elementare geschildert habe, auftreten, dann weiß man allerdings, daß wir gar nicht mehr im richtigen Sinne sprechen, wenn wir von diesem Bewußtsein als von einem Traumbewußtsein reden würden, sondern wir wissen, daß in der Tat unser alltägliches Bewußtsein zu dem, was wir da erleben können, nach und nach selber sich wie ein Traum zur Wirklichkeit verhält. Es wird für uns dann für die höhere Erfahrung richtig, daß das alltägliche Bewußtsein gerade eine Art Traumbewußtsein ist, und hier erst die Wirklichkeit beginnt.
[ 15 ] When experiences such as those I have described—as elementary, so to speak—occur, then we know, however, that we would no longer be speaking in the proper sense if we were to refer to this consciousness as a dream consciousness; rather, we know that, in fact, our everyday consciousness itself gradually comes to relate to what we can experience there in the same way that a dream relates to reality. It then becomes true for us, in the context of higher experience, that everyday consciousness is precisely a kind of dream consciousness, and that reality begins only here.
[ 16 ] Nehmen wir das zweite Beispiel, und versuchen wir uns klar zu machen, wie der Mensch in seinem Gefühle dazu kommt, sich wirklich zu sagen, daß ein höheres Bewußtsein für ihn beginnt. Wir sagen uns: Wir haben mit einem Schicksalsschlage gelebt, den wir als bitter empfunden haben, aber wir haben bemerkt, daß in unserer Seele etwas war, was diesen Schicksalsschlag gesucht hat. Und jetzt fühlen wir auch, daß wir für unsere Seele diesen Schicksalsschlag brauchten, jetzt fühlen wir praktisch zum ersten Male, was Karma ist. Wir fühlen, wir mußten diesen Schicksalsschlag suchen. Wir traten herein in diese unsere Inkarnation mit einer Unvollkommenheit unserer Seele, und weil wir diese Unvollkommenheit fühlten, zwar nicht im Bewußtsein, sondern in den Tiefen der Seele, deshalb zog es uns magnetisch dazu hin, diesen Schicksalsschlag wirklich zu erleben. Dadurch haben wir eine Unvollkommenheit unserer Seele bezwungen, abgeschafft, dadurch haben wir ein Wichtiges, Reales getan. Wie oberflächlich ist dagegen das Urteil des Alltags, das dies oder jenes als antipathisch empfindet. Die höhere Wirklichkeit ist diese, daß unsere Seele fortschreitet von Inkarnation zu Inkarnation, nur eine kurze Zeit lang kann sie das Antipathische dieses Schicksalsschlages empfinden. Wenn sie aber über den Horizont dieser Inkarnation blickt, dann fühlt sie ihre Unvollkommenheiten, dann fühlt sie die Notwendigkeit — ja, sie fühlt es stärker als mit dem gewöhnlichen Bewufßstsein —, dann fühlt sie als das Notwendige, vollkommener und immer vollkommener zu werden. Das gewöhnliche Bewußtsein hätte, wenn es vor diesen Schicksalsschlag vorher gestellt worden wäre, sich feige an diesem Schlag vorbeigeschlichen, hätte nicht die Notwendigkeit gewählt. Könnte es wählen, so schliche es sich feige vorbei an dem ihm antipathischen Schicksalsschlag. Aber das tiefere Bewußtsein, von dem wir nichts wissen, das schleicht sich nicht feige vorbei, das zieht es gerade herbei; das läßt das Schicksal, das es als einen Vervollkommnungsprozeßß empfindet, so wirken, daß es sich sagt: Ich bin hineingetreten in dieses Leben, bin mir bewußt gewesen, daß ich von meiner Geburt an mit einer Unvollkommenheit der Seele behaftet gewesen bin. Will ich die Seele entwickeln, so muß diese bereitet werden. Dann aber muß ich hineilen zu diesem Schicksale. — Das ist das stärkere Element in der Seele, das ist das Element, gegenüber dem das Gespinst des gewöhnlichen Bewußtseins mit seinen Antipathien und Sympathien sich wie ein Traum ausnimmt. Drüben tritt man in das Fühlen und Erleben der Seele ein, das tief in den Untergründen derselben für das Alltagsbewußtsein schlummert, von dem man sich hier sagt, daß es mehr weiß von uns, daß es stärker ist in uns als unser gewöhnliches Bewußtsein.
[ 16 ] Let us take the second example and try to understand how a person, in their feelings, comes to truly tell themselves that a higher consciousness is beginning for them. We tell ourselves: We have lived through a stroke of fate that we found bitter, but we have noticed that there was something in our soul that sought this stroke of fate. And now we also feel that we needed this stroke of fate for our soul; now, for the first time, we truly feel what karma is. We feel that we had to seek this stroke of fate. We entered this incarnation of ours with an imperfection in our soul, and because we felt this imperfection—not in our consciousness, but in the depths of our soul—we were magnetically drawn to truly experience this stroke of fate. Through this, we have overcome and abolished an imperfection in our soul; through this, we have done something important and real. How superficial, by contrast, is the judgment of everyday life, which finds this or that to be unpleasant. The higher reality is this: our soul progresses from incarnation to incarnation; only for a brief time can it feel the unpleasantness of this stroke of fate. But when it looks beyond the horizon of this incarnation, then it feels its imperfections, then it feels the necessity—yes, it feels it more strongly than with ordinary consciousness—then it feels that it is necessary to become more perfect and ever more perfect. Ordinary consciousness, had it been placed before this stroke of fate, would have cowardly slipped past this blow, would not have chosen necessity. If it could choose, it would cowardly slip past the stroke of fate it finds repulsive. But the deeper consciousness, of which we know nothing, does not cowardly slip past; it draws it right toward itself; it allows fate, which it perceives as a process of perfection, to work in such a way that it says to itself: I have entered this life, I have been aware that from my birth I have been afflicted with an imperfection of the soul. If I wish to develop the soul, it must be prepared. But then I must rush into this fate. — This is the stronger element in the soul; this is the element against which the web of ordinary consciousness, with its antipathies and sympathies, appears like a dream. Over there, one enters into the feeling and experience of the soul, which slumbers deep in its depths, hidden from everyday consciousness—of which one says here that it knows more about us, that it is stronger within us than our ordinary consciousness.
[ 17 ] Und jetzt merken wir auch noch ein anderes. Wenn man wirklich dieses, was eben jetzt auseinandergesetzt worden ist, als ein eigenes Erlebnis der Seele hat, wenn man es nicht nur theoretisch kennt, sondern wenn man einmal solch ein Gefühl wirklich erlebt hat, dann hat man mit diesem notwendigerweise noch ein anderes Erleben. Man hat das Erleben: Ja, du kannst schon hinein in diese Regionen, wo alles anders wird als im gewöhnlichen Bewußtsein. — Aber man fühlt zugleich, und tief fühlt man es: Ich will nicht. — In der Regel ist bei den meisten Menschen die Neugierde, da hineinzukommen, gar nicht so groß, daß sie überwinden könnten dieses schauerliche: Ich will nicht. Dieses Nichtwollen, das da auftritt, mit ungeheurer Macht tritt es auf in diesem Gebiete, das wir gerade jetzt berühren. Da können die mannigfachsten Mißverständnisse entstehen. Nehmen wir an, jemand habe sogar ganz persönliche Anweisungen bekommen. Er kommt zu demjenigen, der sie gegeben hat, und sagt: Damit erreiche ich gar nichts, deine Anweisungen sind gar nichts wert. — Das kann ein ehrlicher Glaube sein, ein ganz ehrlicher Glaube. Aber das, was als Antwort gegeben werden müßte, das kann ganz unverständlich demjenigen sein, der diesen ehrlichen Glauben hat. Die Antwort müßte nämlich sein: Du kannst schon hinein, aber du willst nicht. Das ist wirklich die Antwort. Aber das weiß der andere ja nicht, er glaubt ja ehrlich, daß er den Willen hat, denn dieser Nichtwille selbst bleibt im Unterbewußtsein. So versteht er es nicht, daß er eigentlich nicht will. Denn in dem Moment, wo er sich das eigentlich klar machen wollte, dämpft er schon diesen Willen ab. Der Wille, nicht hineinzukommen, berührt ihn so schauerlich, daß er ihn sofort abdämpft, wenn er auftritt. Denn dieser Wille ist recht fatal, sehr, sehr fatal. Nämlich dasjenige, was man da bemerkt, aber sobald man es bemerkt, auslöschen will, das ist: Mit dem Ich, mit dem Selbst, das du dir herangezogen hast, kannst du da nicht hinein.
[ 17 ] And now we notice something else as well. If one truly has this—what has just been discussed—as a personal experience of the soul, if one does not merely know it theoretically but has actually experienced such a feeling, then one necessarily has another experience alongside it. One has the experience: Yes, you can indeed enter these regions where everything becomes different from ordinary consciousness. — But at the same time one feels, and one feels it deeply: I do not want to. — As a rule, for most people, the curiosity to enter there is not so great that they could overcome this dreadful: I do not want to. This unwillingness that arises—it arises with tremendous power in this realm we are just now touching upon. The most manifold misunderstandings can arise there. Let’s suppose someone has even received very personal instructions. They go to the one who gave them and say: “I’m not getting anywhere with this; your instructions are worthless.” — That can be an honest belief, a completely honest belief. But what ought to be given as an answer may be completely incomprehensible to the one who holds this honest belief. For the answer would have to be: “You can go in, but you don’t want to.” That is truly the answer. But the other person doesn’t know that; he honestly believes that he has the will, for this very lack of will remains in the subconscious. So he doesn’t understand that he actually doesn’t want to. For the moment he actually tries to make this clear to himself, he already suppresses this will. The will not to enter affects him so terribly that he immediately suppresses it when it arises. For this will is quite fatal, terrible, very fatal. Namely, that which one notices there, but as soon as one notices it, wants to erase—that is: With the ego, with the self that you have drawn upon, you cannot enter there.
[ 18 ] Wenn der Mensch sich höher entwickeln will, so fühlt er sehr stark: Dieses Selbst mußt du zurücklassen. — Das aber ist etwas sehr Schwieriges, denn die Menschen hätten dieses Selbst nie ausgebildet, wenn sie nicht das tägliche Bewußtsein hätten. Das ist da, damit wir unser gewöhnliches Ich haben, das ist gekommen in die Welt, damit der Mensch sein niederes Selbst entwickelt. — Der Mensch spürt also, wenn er hinein will in die wirkliche Welt, daß er das zurücklassen soll, was er da draußen hat entwickeln können. Da hilft nur eines, ein einziges: daß dieses Selbst im täglichen Bewußtsein sich stärker entwickelt hat, als es notwendig ist für das tägliche Bewußtsein. Gewöhnlich hat der Mensch es nur so weit entwickelt, als es notwendig ist. Wenn Sie den zweiten Punkt des Buches «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ins Auge fassen, dann werden Sie finden, daß dieser zweite Punkt der ist, das Selbst stärker zu machen, kräftiger zu machen, als man es braucht für das tägliche Leben, damit man nachts herausgehen kann aus seiner Leiblichkeit und noch etwas hat, was man gewissermaßen nicht gebraucht hat. Nur dann hat man also nicht den Willen, zurückzubeben vor dieser höheren Welt, wenn man in seinen Übungen verstärkt und erkraftet hat das gewöhnliche Selbst, wenn man einen Überschuß an Selbstgefühl hat.
[ 18 ] If a person wants to develop spiritually, they feel very strongly: You must leave this self behind. — But that is something very difficult, for people would never have developed this self if they did not have their everyday consciousness. It is there so that we have our ordinary self; it came into the world so that human beings might develop their lower self. — So when a person wants to enter the real world, they feel that they must leave behind what they have been able to develop out there. There is only one thing that helps, a single thing: that this self has developed more strongly in daily consciousness than is necessary for daily consciousness. Usually, people have developed it only as far as is necessary. If you consider the second point of the book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, you will find that this second point is to make the self stronger, more powerful, than is needed for daily life, so that one can step out of one’s physical body at night and still have something that, in a sense, one has not needed. Only then, therefore, will one not have the will to shrink back from this higher world—when, through one’s exercises, one has strengthened and invigorated the ordinary self, when one has a surplus of self-confidence.
[ 19 ] Da entsteht aber eine neue Gefahr, eine ganz beträchtliche Gefahr. Man bringt jetzt vielleicht nicht die Reminiszenzen an das alltägliche Leben im Traume herauf, aber man bringt erweitertes, durchkraftetes Selbstbewußtsein herauf, man füllt gleichsam diese Region mit seinem gekräftigten Bewußtsein, mit seinem höher ausgebildeten, kraftvoll ausgebildeten Selbst an. Wer durch solche Übungen, wie sie in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben sind, Erfahrungen hat, wie ich sie im vorigen Vortrage als innere Seelenerfahrungen bei Arjuna geschildert habe — ob man auf sozusagen künstlichem Wege, durch Schulung sein Selbst erkraftet und erweitert, oder vom Schicksal dazu bestimmt ist, sein Selbst in einer bestimmten Zeit zu erweitern, das Ergebnis ist dasselbe —, wer solche Erfahrungen macht, der gelangt in die Region des Traumlebens mit seinem erweiterten, erkrafteten Selbst hinein. Bei Arjuna ist das der Fall, er steht sozusagen an der Grenze zwischen der Alltagswelt und der Welt des Traumlebens. Er lebt sich hinein in diese höhere Region so, daß er durch sein Schicksal — und diesen Punkt werde ich noch weiter ausführen —, daß er durch sein Schicksal in dieser Region ein kraftvolleres Selbst hat als er sonst braucht im alltäglichen Leben, im alltäglichen Bewußtsein. Wir werden hören, warum gerade Arjuna sein kraftvolleres Bewußtsein hat. Aber siehe da, indem er dort eindringt, nimmt ihn sogleich Krishna auf. Krishna hebt den Arjuna über das Selbst hinauf, das in ihm veranlagt war, und so wird Arjuna nicht derjenige Mensch, der er hätte werden müssen, wenn er mit seinem erweiterten Selbst nicht dem Krishna begegnet wäre. Was wäre dann geschehen, wenn Arjuna nicht dem Krishna begegnet wäre? Dann hätte er sich auch gesagt: Da kämpfen Blutsverwandte gegen Blutsverwandte, da treten Ereignisse auf, welche die alte, heilsame Kasteneinteilung in Trümmer schlagen, welche die Frau ruinieren, den Manendienst in Trümmer schlagen; Verhältnisse treten auf, die uns verbieten, unseren Manen Opferfeuer aufzurichten. — Die heilsame Kasteneinteilung zu verehren, Opferfeuer den Ahnen aufzurichten, ein treuer Nachkomme der Ahnen zu sein, gehörte für Arjuna zu seinem alltäglichen Bewußtsein. Er ist durch sein Schicksal aus diesem alltäglichen Bewußtsein herausgerissen, er muß stehen auf dem Boden, wo er brechen muß mit seinem heiligen Gefühl, Opferfeuer aufzurichten den Ahnen, die Kasteneinteilung zu schätzen und den Zusammenhang des Blutes zu verehren. Jetzt mußte er sich sagen: Hinweg mit alle dem, was mir heilig ist im alltäglichen Bewußtsein, hinweg mit alle dem, was mir überkommen ist, hineinstürzen will ich mich in die Schlacht. — Nein, das geschieht nicht, sondern Krishna tritt dem Arjuna entgegen, und Krishna redet gleichsam dasjenige, was so als die äußerste Rücksichtslosigkeit, als auf die Spitze getriebener Egoismus erscheinen müßte bei Arjuna. Krishna bricht das ab, macht das nicht möglich, indem er sich selbst sichtbar macht dem Arjuna, indem er, was sonst Arjuna erlebt hätte, was sonst Arjuna gebraucht hätte, um in sich zu leben, indem Krishna diesen Überschuß Arjunas als Kraft gebraucht, um sich dem Arjuna sichtbar zu machen. Wir können auch sagen, um uns diesen Gedanken noch klarer vor die Seele zu stellen: Wenn Arjuna einfach dem Krishna entgegentreten würde, und Krishna auch wirklich zu Arjuna kommen würde, wissen würde Arjuna von Krishna nichts, ebensowenig wie wir von der Sinnenwelt etwas wissen würden, wenn wir nicht aus der Sinnenwelt selbst etwas herausbekommen hätten, um unsere Sinne für diese Welt zu bilden. So muß auch Krishna aus dem Arjuna herausnehmen dessen erweitertes, erkraftetes Selbstbewußtsein. Er muß es gewissermaßen ihm ausreißen, wenn er sich mit Hilfe dessen, was er dem Arjuna entrissen hat, selber dem Arjuna zeigen will. So macht er aus dem, was er entrissen hat, gleichsam den Spiegel, um sich dem Arjuna zeigen zu können.
[ 19 ] But this gives rise to a new danger, a very significant one. One may not now bring up memories of everyday life in one’s dreams, but one does bring up an expanded, strengthened sense of self; one fills this region, as it were, with one’s strengthened consciousness, with one’s higher, powerfully developed self. Anyone who, through exercises such as those described in the book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds?* — whether one strengthens and expands one’s self through training, so to speak, by artificial means, or is destined by fate to expand one’s self at a certain time, the result is the same — whoever has such experiences enters the realm of the dream life with their expanded, strengthened Self. This is the case with Arjuna; he stands, so to speak, on the border between the everyday world and the world of the dream life. He immerses himself in this higher region in such a way that, through his destiny—and I will elaborate on this point further—he possesses a more powerful Self in this region than he otherwise needs in everyday life, in everyday consciousness. We will hear why Arjuna, in particular, possesses this more powerful consciousness. But lo and behold, as he enters there, Krishna immediately takes him in. Krishna lifts Arjuna above the self that was predisposed within him, and thus Arjuna does not become the person he would have had to become had he not encountered Krishna with his expanded self. What would have happened then if Arjuna had not encountered Krishna? Then he would have said to himself: Here blood relatives are fighting against blood relatives; here events are occurring that shatter the old, salutary caste system, that ruin women, that shatter the service of the ancestors; circumstances arise that forbid us from offering sacrificial fires to our ancestors. — To revere the beneficial caste system, to light sacrificial fires for the ancestors, to be a faithful descendant of the ancestors—these were part of Arjuna’s everyday consciousness. He has been torn from this daily consciousness by his fate; he must stand on the ground where he must break with his sacred feeling of kindling sacrificial fires for the ancestors, of valuing the caste system, and of venerating the bond of blood. Now he had to say to himself: Away with all that is sacred to me in my daily consciousness, away with all that has been handed down to me; I will throw myself into the battle. — No, that does not happen; instead, Krishna steps before Arjuna, and Krishna speaks, as it were, what must appear to Arjuna as the utmost recklessness, as egoism taken to the extreme. Krishna puts a stop to this, makes it impossible, by revealing himself to Arjuna, by using what Arjuna would otherwise have experienced, what Arjuna would otherwise have needed to live within himself—Krishna uses this excess in Arjuna as a force to make himself visible to Arjuna. We can also say, to bring this thought even more clearly before our souls: If Arjuna were simply to face Krishna, and Krishna were truly to come to Arjuna, Arjuna would know nothing of Krishna, just as we would know nothing of the sensory world if we had not extracted something from the sensory world itself to form our senses for that world. Thus Krishna must also extract from Arjuna his expanded, empowered self-awareness. He must, so to speak, tear it from him if he wishes to reveal himself to Arjuna with the help of what he has wrested from him. In this way, he makes of what he has wrested a mirror, as it were, in order to be able to reveal himself to Arjuna.
[ 20 ] Wir haben den Punkt aufgesucht in dem Bewußtsein des Arjuna, wo Krishna dem Arjuna hat begegnen können. Unerklärlich bleibt in diesen Auseinandersetzungen nur noch, wie Arjuna denn überhaupt es bis dahin gebracht hat. Denn nirgends tritt uns eine Mitteilung entgegen, daß Arjuna okkulte Übungen gemacht hätte, und die hat er auch nicht gemacht. Woher kommt es, daß er dem Krishna begegnen kann, was hat denn eigentlich dem Arjuna ein erhöhtes, erkraftetes Selbstbewußtsein gegeben? Von dieser Frage wollen wir im nächsten Vortrage ausgehen.
[ 20 ] We have identified the point in Arjuna’s consciousness where Krishna was able to meet him. The only thing that remains unexplained in these discussions is how Arjuna managed to reach that point in the first place. For nowhere do we find any indication that Arjuna had practiced occult disciplines, nor did he. How is it that he is able to encounter Krishna? What, then, actually gave Arjuna an elevated, empowered self-awareness? We shall take this question as our starting point in the next lecture.
