The Occult Significance of the Bhagavad Gita
GA 146
31 May 1913, Helsinki
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The Occult Significance of the Bhagavad Gita, tr. Bugby, et. al.
Vierter Vortrag
Lecture Four
[ 1 ] Wir haben gesehen, daß der Mensch, wenn er einrücken will in jene Region, in welcher auch die Träume gewoben werden, mitbringen muß in diese Region aus der gewöhnlichen Welt dasjenige, was man nennen kann ein verstärktes Selbstbewußtsein, ein Mehr in dem Ich, als dieses Ich nötig hat für den physischen Plan, für die physische Welt. In unserer Gegenwart wird dieses Mehr von Selbstbewußtsein, dieser Überschuß aus unserer Seele durch dasjenige herausgebildet, was wir erleben können durch solche Übungen, wie sie erwähnt sind in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten ?». Es findet zunächst also eine solche Verstärkung, Erkraftung des Selbstes statt. Weil der Mensch sozusagen empfindet, daß er das braucht, so überkommt ihn auch etwas wie eine Art Furcht, wie eine Art Angst, eine Art Scheu, hinauf sich zu entwickeln in die höheren Welten, wenn er diese Stärke im inneren Selbst noch nicht erlangt hat.
[ 1 ] We have seen that if man would enter into the realm to which, among other things, the woven fabric of our dreams belongs, he must take with him from the ordinary world something we designated as an intensified self-consciousness. There must be a stronger and fuller life in his ego than he needs for his purposes on the physical plane. In our age this excess of self-consciousness is drawn forth from our soul by the experiences we gain through occult exercises such as I have given. Thus the first step consists in strengthening and intensifying one's inner self.
[ 2 ] Nun habe ich oftmals betont, daß die Menschenseele im Verlauf der Evolution die verschiedensten Stadien durchgemacht hat. Was heute durch die genannten Übungen eine solche Menschenseele der Gegenwart erlangen kann an Erhöhung, an Erkraftung des Selbstbewußtseins, das konnte sie auf dieselbe Art nicht eigentlich erreichen in der Zeit, in welche wir zu versetzen haben den erhabenen Sang, die Bhagavad Gita. Dafür war in alten Zeiten im menschlichen Selbst, im menschlichen Bewußtsein etwas anderes vorhanden: Es war noch die erste, uralte Hellsichtigkeit in der Menschenseele vorhanden. Hellsichtigkeit ist auch etwas, was man sozusagen für das gewöhnliche Selbst auf dem physischen Plan nicht eigentlich braucht, wenn man nur mit dem, was eben jeweilig der physische Plan enthält, sich zufrieden geben kann.
[ 2 ] Man instinctively feels that he needs this strengthening, and for this very reason a kind of fear and shyness comes over him if he has not yet attained it. He tends to shrink from the prospect of developing into higher worlds. We must continually bear in mind that in the course of evolution the soul of man has passed through many different stages. Thus, in the period of the Bhagavad Gita it was not yet possible for a human soul to intensify its self-consciousness by such occult exercises as may be practiced today. In that ancient time, however, something else was still present in the self; I mean, primeval clairvoyance. This is also a faculty man does not really need for his ordinary life on the physical plane, if he can be content with what his epoch offers him. But the men of that ancient time still had the remnants of primeval clairvoyance.
[ 3 ] Aber jene alten Zeiten, jene alten Menschen der Zeit, in welche wir die erhabene Gita zu versetzen haben, hatten eben noch die Reste uralten Hellsehens. Wir blicken auf der einen Seite zurück bis zu solchen Menschen, die Zeitgenossen waren der Entstehung der Bhagavad Gita. Diese Menschen konnten sich sagen: Wenn ich die physische Umwelt schaue, dann bekomme ich Eindrücke durch meine Sinne, dann können diese Eindrücke der Sinne durch den Verstand, der an das Gehirn gebunden ist, kombiniert werden. Aber ich habe außerdem noch eine andere Kraft, durch die ich hellsehend ein Wissen mir aneignen kann von anderen Welten. Und diese Kräfte bezeugen mir, daf die Menschen auch noch anderen Welten angehören, daß ich als Mensch noch hineinrage in andere Welten, über die gewöhnliche physische Welt hinaus. — Das aber ist eben das verstärkte Selbstbewußtsein, das unmittelbar in der Seele hervorsprießen läßt das Wissen, daß diese Seele nicht allein der physischen Welt angehört. Es ist gleichsam ein Überdruck im Selbst, was da hervorgerufen wird durch jene, wenn auch letzten Reste hellsichtiger Kraft. Und heute wiederum kann der Mensch solche Kräfte eines Überdruckes in sich entwickeln, wenn er entsprechende okkulte Übungen in seiner Seele vollzieht.
[ 3 ] So, we can look far back and put ourselves in the place of a person living at the time when the Bhagavad Gita originated. If such a man were to express his experience he would say, “When I look out into the world around me I receive impressions through my senses. These impressions can be combined by the intellect, whose organ the brain is. Apart from that I still have another faculty, a clairvoyant power that enables me to acquire knowledge of other worlds. This power tells me that man belongs to other realms, that my human nature extends far beyond the ordinary physical world.” This very power, by means of which there arises in the soul the instinctive knowledge that it belongs not only to the physical world—this power is actually a stronger kind of self-consciousness. It is as though these last remnants of ancient clairvoyance still had the power to surcharge the soul with selfhood. Today man can again develop in himself such surplus forces if he will go through the right occult exercises.
[ 4 ] Da könnte eingewendet werden — und Sie wissen ja, daß immer an der entsprechenden Stelle in anthroposophischen Vorträgen vorweggenommen werden solche Einwände, die der wahre Okkultist selber recht gut weiß —, da könnte eingewendet werden: Ja, wie kommt überhaupt der Mensch in unserer Zeit dazu, solche okkulten Übungen machen zu wollen? Warum ist er nicht zufrieden mit dem, was der Verstand bietet, der an das Gehirn gebunden ist? Warum will der Mensch solche okkulten Übungen? — Da berühren wir eine Frage, die nicht nur eine Frage, sondern eine Art Tatsache ist für jede sinnige Seele im gegenwärtigen Menschheitszyklus. Wenn der Mensch wirklich in seiner Seele zu nichts käme als zu dem, was nur die Sinne ihm zeigen, was ihm der Verstand gibt, der an das äußere physische Instrument, das Gehirn, gebunden ist, dann wäre er ganz sicher zufrieden mit seinem Dasein, ohne irgendeine Begierde zu entwickeln nach höheren übersinnlichen Welten. Der Mensch würde in einem solchen Falle sehen, wie sich die Dinge und Ereignisse um ihn herum verhalten und abspielen, er würde sie entstehen und vergehen sehen, nicht aber über Entstehen und Vergehen in sich eine Frage stellen, sondern damit zweifellos zufrieden sein, wie etwa zufrieden sein kann das einzelne Tier mit seinem Dasein. Das kann der Mensch im Grunde genommen ganz gut in der Lage, in welcher heute der materialistisch gesinnte Mensch den Menschen denken möchte. Das Tier ist in der Lage, mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein nur aufzunehmen dasjenige, was vor den Sinnen entsteht und vergeht; auch ist das Tier zufrieden mit dem, was vor den Sinnen sich abspielt. So ist es aber nicht bei dem Menschen. Aber warum ist es nicht so beim Menschen?
[ 4 ] Now, a certain objection might be made. You know that in anthroposophical lectures we must always forestall objections that the true occultist is well aware of. It might be asked, “Why should it occur to present-day man to want to undertake occult exercises at all? Why isn't he content with what his ordinary intellect offers him?” That, my friends, is a big question because we touch something here that is not only a question but an actual fact for every thoughtful soul in the present cycle of evolution. If man did not reach out to anything more than what his senses and his brain-bound intellect can show him, he would certainly be content with his existence. He would observe the things and events around him, their relationships, and how they come into being and pass away again, but he would ask no questions about this ebb and flow of activity. He would be content with it as an animal may be content with its existence. In fact, if man were really the being that materialistic thinking considers him, he could quite well accept his life as such and ask no questions. This is the life of the animal, being content with all that arises and passes before its senses. Why isn't this the case with man?
[ 5 ] Ich rede in diesem Zusammenhange immer von dem Menschen der Gegenwart. Denn noch im alten Griechenland war es im Grunde nicht so für die Menschenseele, wie es heute ist. Wenn wir heute wirklich mit voller Seele an die Naturwissenschaft herangehen, Naturwissenschaft uns erwerben, wenn wir an dasjenige herangehen, was im geschichtlichen Werden vor sich geht, uns die äußere Historiologie, Geschichtswissenschaft aneignen, dann kommt mit alle dem, was wir uns da aneignen, zugleich etwas in diese Menschenseele herein, es schleicht sich ganz verstohlen mit alldem etwas in die Menschenseele hinein, wofür eigentlich Zweck und Sinn fehlt im äußeren physischen Leben. Man hat daher mannigfache Vergleiche gebraucht für dasjenige, was sich da einschleicht. Einen solchen möchte ich doch erwähnen, weil er oftmals gemacht wird, ohne daß eigentlich wirklich nachgedacht wird über seine tiefere Bedeutung. Eine sehr berühmte medizinische Autorität hat im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts einmal, um sozusagen das Ehrwürdige der selbständigen Wissenschaft bedeutungsvoller an der Akademie der Wissenschaft hervorzuheben, aufmerksam gemacht auf einen griechischen Philosophen, der einmal gefragt worden ist: Wie ist es denn eigentlich mit dem philosophischen Nachdenken über des Lebens Sinn und Zweck? Wie verhält sich dieses Nachdenken zu den anderen Tätigkeiten der Menschen, die sich durch andere Arbeit, durch nützliche Tätigkeit beteiligen am allgemeinen Leben? — Da hat jener Philosoph folgende Antwort gegeben: Man betrachte sich einmal einen Jahrmarkt. Da kommen die Menschen zum Verkauf und Kauf. Diese sind alle beschäftigt. Aber auch einige andere finden sich ein, die wollen nichts verkaufen und auch nichts kaufen, sondern sie wollen betrachten, nur anschauen, wie es da zugeht auf dem Jahrmarkt. — Der Philosoph wollte nämlich sagen: Der Jahrmarkt sei das Leben. Da sind die Menschen beschäftigt in mannigfacher Form. Die Philosophen aber, die nicht beschäftigt sind mit dem, was andere Menschen beschäftigt, lungern herum, gehen herum und schauen sich alles bloß an, um alles kennenzulernen.
[ 5 ] Remember that we are speaking of present-day man, for even in ancient Greece the human soul was different in this respect from what it is today. When we today give ourselves with our whole soul to the study of natural science, or when we consider all the events of historical evolution and gain knowledge of the external science of history—with all this something else finds its way almost imperceptibly into our soul, something that has no purpose or sense for physical life. Many comparisons have been made to illustrate this fact. I would like to mention one of them because people often make use of it without considering its deeper significance. A famous medical authority in the last third of the 19th century, wishing to enhance the honor of pure science, once drew attention to a Greek philosopher Pythagoras who was asked, “What do you think of the philosophers who spend their time speculating on the meaning and purpose of life? How does their occupation compare with the activities of ordinary men who pursue some useful calling and play a useful part in community life?” The philosopher replied, “Look at a fair or market; men come to buy and sell and everyone is busy, but there are a few among them who do not want to buy or sell but simply want to stroll about and watch what is going on.” The philosopher implied that the market represented life, people busy in all sorts of ways; but the philosophers are not busy with such affairs, instead they look at what is happening and try to learn all about it.
[ 6 ] Es ist schon einmal in das Fleisch und Blut der sogenannten intellektuellen Menschheit eingedrungen, daß man die Philosophen deshalb, weil sie nicht offensichtlich teilnehmen an der nützlichen Tätigkeit im Leben, gerade wegen ihrer auf sich selbst gestellten, selbständigen Wissenschaft, die sich vollkommen selbst genügt, ganz besonders schätzen will. Aber dieser Vergleich sollte denn doch einigermaßen zum Nachdenken anregen. Vielleicht könnte das banausisch scheinen, aber es ist doch nicht ganz banausisch, wenn man tiefer nachdenkt. Dieser Vergleich könnte nämlich recht gut zum Nachdenken anregen. Es ist denn doch recht bedenklich, daß man die Philosophen vergleicht mit den Herumlungerern auf dem Jahrmarkt des Lebens, die eigentlich zwecklos sind, die da herumgehen zwischen Leuten, die alle einen Zweck haben. Das wäre doch auch ein mögliches Nachdenken. Es werden eben durchaus oftmals Urteile gefällt, welche vielleicht an ihrem Ausgangspunkte ganz zweifellos richtig sind. Wenn sie sich aber durch Jahrhunderte oder, wie dieses, sogar durch Jahrtausende fortschleppen, dann können sie doch recht unrichtig werden. Daher darf die Frage aufgeworfen werden: Sind denn wirklich alle, über die so im allgemeinen ein Urteil gefällt wird, sind die wirklich zunächst die Herumlungerer im Leben?
[ 6 ] Somehow a great respect for the philosophers who do not seem to take part in any productive activity has penetrated deeply into the minds of the so-called intellectuals among mankind. The philosophers are honored just because their science is independent, detached, self-sufficient. Yet this comparison ought to give us food for thought, for it is by no means so banal as it might appear at first sight. After all, it is curious that philosophers should be compared to idlers in the market-place of life, useless folk while their fellows labor. One might indeed think of it in this way, but we must realize that judgments are passed that originally are quite correct but become altogether wrong if they linger on for centuries, or as in this case for thousands of years. Therefore we ask again if these people who stroll about in life are really to be judged as idlers.
[ 7 ] Es kommt nur darauf an, wonach man das Leben bewertet. Ganz gewiß gibt es Menschen, die die Philosophen wirklich als unnütze Herumlungerer ansehen und glauben, daß es gescheiter wäre, irgendein nützliches Handwerk zu treiben. Von ihrem Standpunkte mögen diese Menschen sogar ganz recht haben. Aber es kommt darauf an, daß, wenn man das Leben mit den Sinnen betrachtet und mit dem Verstande, der an das Gehirn gebunden ist, dann wie verstohlen Dinge in die menschliche Seele hineinschleichen, die ganz offenkundig gar keinen Zusammenhang haben mit der Außenwelt, welche uns sinnlich umgibt. Man kann das sehr gut sehen bei der Lektüre solcher Bücher, die aus rein materialistischer Grundlage heraus eine befriedigende Weltanschauung zimmern wollen, welche die Welträtsel lösen soll. Dann stellt sich gewöhnlich heraus, daß am Ende dieser Bücher überhaupt erst Fragen auftauchen. Diese Bücher werfen im allgemeinen die Welträtsel erst auf an ihrem Ende. Es schleicht sich eben ein Gedanke ein mit der Aufnahme dessen, was diese Bücher behandeln, mit der Aufnahme der Außenwelt, ein Gedanke, mit dem man sich sagen muß: Entweder ist der Mensch noch für andere Welten da als nur für die physische Welt, oder diese physische Welt belügt, prellt einen fortwährend, indem sie uns Rätsel aufgibt, die wir nicht beantworten können. Eine ganze Summe unseres Seelenlebens ist sinnlos, wenn wirklich das Leben mit dem Tode abschließen würde, wenn der Mensch keinen Anteil, keinen Zusammenhang hätte mit der höheren Welt. Und die Sinnlosigkeit dessen, was er hat, nicht die Sehnsucht nach etwas, was er nicht hat, das ist es, was den Menschen dazu treibt, dem nachzugehen, wie es sich damit verhält, daß in die Seele etwas kommt, was gar kein Bürger unserer Sinnenwelt ist. Und das treibt ihn dazu, etwas auszubilden, wie es eben durch okkulte Übungen geschehen kann, etwas, was ganz offenkundig nicht mit der Außenwelt zusammenhängt. Wir würden nicht sagen, der Mensch habe die Sehnsucht nach der Unsterblichkeit in sich, und deshalb bilde er sich den Begriff der Unsterblichkeit, deshalb erfinde er sie, sondern: der Mensch hat so, wie er lebt, etwas von der Außenwelt hereinbekommen in seine Seele, was ganz sinnlos, zwecklos, wesenlos wäre, wenn das Dasein nur zwischen Geburt und Tod eingeschlossen wäre. Der Mensch muß fragen nach Sinn und Zweck, überhaupt nach der ganzen Wesenhaftigkeit von etwas, was er hat, und nicht von etwas, was er nicht hat.
[ 7 ] That depends upon the standards by which we value human life. Certainly there are those who regard the philosophers as useless loiterers and think they would do better to carry through some productive work. From their point of view they may be quite right, but when man today observes life through the senses and considers it by means of the brain-bound intellect, something steals into his soul that obviously has no connection with the outer world of the senses. That is the point. This can be seen clearly in books that try to construct a satisfactory picture of the world and life on a purely materialistic basis. It usually turns out that the big questions do not arise until the end. These books claiming to solve the riddle of the universe actually begin to set forth those riddles only in their concluding pages. In effect, when one begins today to study the external world that is the subject treated in such books, the thought slips in that either man exists for other worlds besides, or else the physical world deceives us and makes fools of us because it is continually putting questions we cannot answer. An enormous part of our soul life is meaningless if life really ends with death; if man has no part in, no connection with a higher world. Indeed, it is not the longing for something he does not have, but the lack of sense for what he has, that impels man to follow up these questions and ask what it is that comes into the soul that does not belong to this world of the senses. Thus he is driven to cultivate something evidently without foundation in the external world. He is impelled to take up occult exercises. We would not say man has an inward longing for immortality and therefore invents the idea of it, but rather that the external world has implanted something in his soul that would be meaningless, unreal, if the whole of existence were included between birth and death. Man is impelled to ask the very nature, not of something he does not have, but of something he has.
[ 8 ] So ist der Mensch der Gegenwart in der Tat nicht mehr ganz in der Lage — und darum kann er sich in der heutigen Zeit nicht auf den griechischen Philosophen berufen —, er ist nicht mehr ganz in der Lage eines bloßen Herumlungerers, eines bloßen Strabanzers, sondern er ist in einer anderen Lage: in der Lage, daß man ihn vergleichen kann mit einer Persönlichkeit, die nur Worte verleiht demjenigen, was eigentlich in allen lebt. Im alten Griechenland paßte tatsächlich der Vergleich des Philosophen. Heute paßt er nicht mehr, heute ist die Sache anders. Wenn wir das Leben wiederum mit einem Jahrmarkt vergleichen, so können wir auch heute sagen: Da kommen Käufer und Verkäufer. Wenn sie nun den Jahrmarkt abschließen und abzählen, ob alles stimmt, dann finden sie — so wunderbar das klingt, aber jeder Vergleich hinkt ja ein wenig, und dieser ist sogar in gewissem Sinne um so besser, je mehr er hinkt —, dann finden sie etwas, was da ist, was aber weder gekauft noch verkauft hat werden können, wovon nicht zu ergründen ist, woher es kommt. So ist es zwar nicht bei einem Jahrmarkt, aber so ist es beim Jahrmarkt des Lebens. Indem wir das Leben durchleben, finden wir fortwährend Dinge, die aus dem Leben heraussprießen, für die es aber keine Erklärung in der Sinnenwelt gibt. Das ist der tiefere Grund, warum es heute in der Welt Menschen gibt, die an dem Dasein verzweifeln können, die unbestimmte Sehnsüchte haben können: weil eben beim Menschen der Gegenwart etwas in der Seele wirkt, was keine Bürgerschaft hat in der physischen Welt, was aber Fragen nach anderen Welten aufwirft.
[ 8 ] In fact, present-day man is no longer quite in the position of a mere loiterer or on-looker, so he cannot appeal now to the Greek philosopher. In those times the comparison held good, but today it does not. Today we might say that buyers and sellers come and go. When at length they close the market and make up accounts they find something that certainly could neither have been bought nor sold, nor can they find out whence it came. That never happens in an ordinary market, but so it is in the market of life. (Every comparison has its flaw and this one is all the better for it.) As we go on living we are continually finding things that life opens to view, yet no explanation for them is to be found in the world of sense. That is the deeper reason why there are people in the world today who despair of life yet at the same time have vague, unrecognized longings. Something is active in them that does not belong to the physical world but keeps on putting forth questions about other worlds. For this reason we now have to acquire a spiritual culture. Otherwise we shall be overcome by hopelessness and despair.
[ 9 ] Das aber, was wir heute in der Seele erwerben müssen, damit Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit gegenüber dem Leben nicht aufkomme, gegenüber einer Sache, die sonst sinnlos wäre, das hatte ein Mensch wie Arjuna einfach deshalb, weil seine Seele noch herausragte aus einer Zeit, wo das uralte menschliche, primitive Hellsehen noch da war. Aber Arjuna befindet sich gleichzeitig in einem Übergangszeitpunkt — und das ist das Wesentliche, das Bedeutungsvolle, wenn die Bhagavad Gita verstanden werden soll —, Arjuna befindet sich in jener Zeitentwickelung, wo nur noch Reste, letzte Nachklänge des uralten Hellsehens vorhanden waren. Die Menschen rückten in der Zeit, in der etwa die Bhagavad Gita entstand, in eine Zeit der Evolution, in der dieses alte Hellsehen allmählich verlorenging. Und das ist der ganz tiefe Grundzug der Bhagavad Gita, der Hauch, der über die Bhagavad Gita ausgegossen ist, daß aus ihr die Töne herausklingen, die von jener Zeitenwende kommen, in der das alte Hellsehen der Menschheit in seinem Absterben war, wo dem Abendrot des alten Hellsehens gegenüber jene Nacht beginnen sollte, in der diejenige menschliche Kraft erst geboren werden konnte, welche die alte Menschenseele noch nicht hatte und in unserer Zeit die gewöhnliche Menschenseele hat.
[ 9 ] What today we have to acquire, a man like Arjuna had, simply because he lived in the ancient age of primeval clairvoyance. Yet it also was a period of transition, because he belonged to that time in evolution when only the last remnants and echoes of that clairvoyance remained. If we are to understand the Bhagavad Gita it is important to realize that at the time of its origin men were entering an age in which this old clairvoyance gradually became lost. In this lies the deep undercurrent of that sublime poem; or we may say, the source of the breath poured out through it. For this song resounds with tones of a great turning-point in time, when, from the twilight of the old clairvoyance, a night was to begin in which a new force could be born to mankind. Only in that night could a force be born that the soul of today possesses, but that souls of that time did not yet possess.
[ 10 ] So ist Arjuna eine Seele, von der man sagen kann: Altes Hellsehen ist in letztem Nachklang noch in seiner Seele vorhanden, aber immer so, daß es wie verglimmt in der Seele, nicht mehr so recht da sein will, daß es braucht ein solches erschütterndes Ereignis, wie ich es geschildert habe, um wieder wachgerufen zu werden, wieder hervorgerufen zu werden. Was ist es also, was da in dem Moment, wo Arjuna momentan hellsichtig dem Krishna gegenüberrtritt, was ist es, was da die hellseherische Kraft aus der Seele des Arjuna hervorruft? Es ist das erschütternde Ereignis, das ich erzählt habe. Und jene hellseherische Kraft holt es hervor, die in alten Zeiten dem Menschen allgemein eigentümlich war. Was kann nun Arjuna sehen, schauen dadurch, daß bei ihm hervorgerufen wird die alte hellseherische Kraft, die sonst sich schon dem Uhntergange neigte in seiner Seele? Trocken und rein historisch gesprochen, soll Arjuna der geistigen Wesenheit entgegentreten, welche wir im Sinne der Bhagavad Gita als Krishna anzusprechen haben.
[ 10 ] About Arjuna then we can say that ancient clairvoyance is still present in his soul but it is flickering out. It is no longer a strong, spontaneous force but requires such a harrowing experience as I have described to re-awaken it. What then can Arjuna perceive through this awakening of the ancient power of vision, which at other times was dying away within him?He sees the Spiritual Being who is called Krishna.
[ 11 ] Nun muß, damit völliiges Verständnis ausgebreitet werden kann über dasjenige, was eigentlich in der Seele des Arjuna vorgeht, aufmerksam gemacht werden darauf, daß jenes Erheben der Menschenseele in die Region, aus welcher sonst die Träume gewoben werden, heute eigentlich nicht mehr ganz dazu führt, Krishna oder die Wesenheit des Krishna voll zu verstehen. Wenn wir auch wirklich all die Kräfte ausbilden, die uns bewußt hinüberführen in die Region, die wir im vorigen Vortrag charakterisiert haben als die Region des Traumbewußtseins, können wir doch nicht heute sozusagen die volle Entdeckung machen dessen, was Krishna ist.
[ 11 ] Here it is necessary to point out that though man may lift his soul today into that realm where his dreams are woven, this is no longer enough to give him a full understanding of Krishna's being. Even if we develop the forces enabling us to consciously pass into the region of dream-consciousness, we still are not able today to fully discover what Krishna is.
[ 12 ] Rufen wir uns noch einmal ins Gedächtnis, was ich gestern geschildert habe. Das gewöhnliche alltägliche Bewußtsein wollen wir als diese untere Region bezeichnen. Darüber liegt eine Region, die für die Alltäglichkeit unbewußt bleibt, die nur bewußt wird gleichsam in einem Scheingebilde, als Maya, als Traumbewußtsein. Wenn wir aber in der Art, wie es im vorigen Vortrage dargestellt worden ist, sozusagen die Träume herausschaffen, die Maya zu tilgen versuchen, dann kommen Eindrücke aus einer anderen Welt in diese Region des menschlichen Bewußtseins hinein.
[ 12 ] Referring again to what was said yesterday, let us call our everyday consciousness the lowest realm. About it lies a realm we are unconscious of in daily life, or rather that reaches us in a kind of phantom picture veiled in our dreams. When we push these aside impressions from another world enter.
[ 13 ] In der Tat mischt sich aber nun für den Menschen in alle diese Erlebnisse, die er hat, alles dasjenige von der physischen Umwelt herein, was eben eigentlich wie ein Überschuß in der Seele anderen, inneren, übersinnlichen Welten angehört, von denen der Mensch nur Kenntnis erhalten kann, wenn er eben dieses Bewußtsein entwickelt. Da macht der Mensch in der Tat die Erfahrung, die nur derjenige als Reminiszenz des täglichen Lebens beschreiben wird, der materialistisch gesinnt ist und als solcher keine Ahnung hat, wie eigentlich die Erfahrungen sind, die der Mensch dann macht. Denn die Welt schaut eben doch etwas anders aus, als sie aussieht, wenn man nur den physischen Plan um sich hat. Man macht die Entdeckung, daß man etwas sieht, was man eigentlich in der gewöhnlichen Welt nie sieht. Wenn man sich auch oftmals denkt, man sehe etwas, die Menschen glauben, sie sehen Licht, in Wahrheit sieht der Mensch ja auf dem physischen Plane nicht Licht, sondern er sieht Farben, Farbennuancen, hellere und dunklere Farben, er sieht nur die Wirkung des Lichtes, aber Licht selber durchschweift unsichtbar den Raum. Wenn der Mensch nur in den Raum, durch den das Licht geht, schaut, so sieht er das Licht nicht. Wir können uns ja leicht davon überzeugen durch das ganz grobklotzige Erlebnis, daß, wenn wir durch ein Fenster Licht lassen, wir eine Art Strahlenbündel im Zimmer sehen. Aber dann muß eben Staub in der Luft sein. Wir sehen den Widerglanz, die Reflexion des Lichtes, aber das Licht sehen wir nicht. Das Licht selbst bleibt unsichtbar. Jetzt aber, nach solchen Erfahrungen, bekommt man das Licht wirklich zu sehen, man nimmt es wirklich wahr. Das kann man aber erst, wenn man eben in die höheren Welten aufrückt. Dann ist man wirklich von flutendem Licht umgeben, wie man in der physischen Welt in flutender Luft ist. Nur kommt man nicht mit seinem physischen Leibe herauf, man braucht da oben nicht zu atmen, aber mit dem Teil seines Wesens kommt man herauf, welcher das Licht so braucht, wie der Leib in der physischen Welt die Luft braucht. Das Lebenselement ist da oben das Licht, man möchte sagen Lichtluft, die dort Bedürfnis des Daseins ist, wie die Luft Bedürfnis des Daseins ist für den Menschen der physischen Welt. Durchdrungen, durchsetzt wird dieses Licht in der Tat von so etwas, wie die Luft in unserem Umkreise durchsetzt ist von Wolkenbildungen. Die sind aber Wasser. Doch dieses Wasser auf dem physischen Plane läßt sich auch mit etwas, was da oben ist, vergleichen. Dasjenige, was uns da entgegenkommt wie schwimmende, schwebende Gebilde im flutenden Licht, wie hier Wolken durch die flutende Luft schweben, das ist webender, lebender Ton, webendes TTongebilde, das ist Sphärenmusik. Und dasjenige, was man weiter wahrnehmen wird, das ist fließendes, webendes Leben selber.
[ 13 ] Into all the experiences man has of his physical environment something now enters that is like a kind of overflow in his soul and belongs really to other worlds, to inner super-sensible worlds. Now he has an experience that cannot be described as a reminiscence of ordinary life, because the world now has a different aspect from anything known on the physical plane. We discover that we are seeing something we do not see in the ordinary world. Though we often imagine that we see light, in reality it is not so. On the physical plane we never see light, only color and different shades of color, darker and lighter colors. We see the effects of light but light itself speeds invisibly through space. We can easily convince ourselves of this fact. When a ray of light strikes through the window we see a kind of streak of light-rays in the room, caused by dust in the air. We see reflections of light from the glittering particles of dust, the light itself remaining invisible. After lifting his experience to the higher realm we have spoken of, man really does begin to see the light itself. There he is surrounded by flowing light, just as in the physical world he lives in flowing air. Only he does not enter this world with his physical body. He has no need to breathe there. Man enters that world with the part of his being that needs the light as in the physical world his body needs the air. In this region light is the element of life—light-air we might call it—and it is a necessity for existence. Further, that light is permeated and transfused with something not unlike the cloud-forms shaping and re-shaping in our atmosphere. The clouds are water, but up there what meets us like floating forms is nothing else than the weaving life of sound, the music of the spheres. Still further we shall perceive the flowing of life itself.
[ 14 ] Man kann also schon diese Welt, in die man da eintaucht mit der Seele, beschreiben, aber die Dinge, durch die man beschreiben muß, die müssen eigentlich sinnlos sein für die physische Welt. Daher wird vielleicht derjenige diese Welt, die zwar für die physische Vorstellung sinnlos ist, darum aber doch eine höhere Wirklichkeit hat, am besten beschreiben, der die für den physischen Plan sinnlosesten Worte gebrauchen wird. Nun haben es ja selbstverständlich alle materiellen Philisterseelen leicht, zu widerlegen. Deshalb nehmen sich auch diese Widerlegungen so plausibel aus, welche die materialistisch Gesinnten gegenüber demjenigen machen, was der Okkultist über die höheren Welten zu sagen hat. Er weiß es schon selber, daß diese Widerlegungen sehr leicht zu machen sind, denn man beschreibt ja die höheren Welten am besten, wenn man Worte gebrauchen muß, die gar nicht passen für dasjenige, was der Mensch im Auge hat, wenn man vom physischen Plan redet.
[ 14 ] Thus we may begin to describe the world into which our soul enters, but the terms of our description must remain meaningless for the physical world. Perhaps he who uses words most lacking in meaning for the physical world will best describe that other world that has a far higher reality. Of course our materialistically-minded friends will find it easy to refute us. Their arguments against what the occultist has to say are plausible enough. The occultist himself knows how easily such objections are made, for the very reason that the higher worlds are best described by words not suitable for things of the physical plane.
[ 15 ] Man möchte zum Beispiel reden von «Lichtluft» oder «Luftlicht». Das gibt es nicht auf dem physischen Plan. Da oben aber gibt es Luftlicht, Lichtluft. Auch lernt man in der Welt, in die man da hineindringt, kennen die Abwesenheit des Lebenselementes, der nötigen Menge von Lichtluft und Luftlicht, dadurch, daß man sich beklommen fühlt, schmerzlich berührt fühlt in der Seele: ein Zustand, der sich vergleichen läßt mit dem Zustand auf dem physischen Plan, wenn man aus Luftmangel keinen Atem findet. Und auch den entgegengesetzten Zustand trifft man dort an, den Zustand wahrer, echter, man möchte sagen heiliger Lichtluft, den Zustand, zu leben in diesem Reinen, Heiligen, und zu schauen geistige Wesenheiten, die sich innerhalb dieser Lichtluft recht gut bemerkbar machen können und da ihr Wesen treiben. Es sind alle diejenigen Wesenheiten, die unter der Führung des Luzifer stehen. In dem Augenblicke, wo wir ohne gehörige Vorbereitung in diese Region hineinkommen, durch nicht gehörige oder auch nicht ordentliche Vorbereitung, bekommt Luzifer die Macht, uns die Lichtluft zu entziehen. Er versetzt uns sozusagen seelisch in Atemnot. Das hat zwar nicht die Wirkung der Atemnot auf dem physischen Plane, sondern eine andere Wirkung, nämlich die, daß wir jetzt, etwa wie ein Eisbär, wenn er nach dem Süden gebracht wird, lechzen nach dem, was uns von dem geistigen Schatz, von dem geistigen Licht des physischen Planes kommen kann. Das ist nämlich gerade das, was Luzifer haben will: daß wir uns nicht befassen mit demjenigen, was von den höheren Hierarchien kommt, sondern dürstend hängen an dem, was er in den physischen Plan gebracht hat, wenn wir durch unsere Vorbereitung uns nicht genügend geschult haben. Stehen wir dann vor Luzifer, dann entzieht er uns das Luftlicht, dann bekommen wir seelische Atemnot, dann lechzen wir nach dem, was geistig aus dem physischen Plane kommt.
[ 15 ] For example he would speak of light-air, or air-light. On the physical plane there is no such thing, but over there, there is. Indeed, when we penetrate into that realm we also discover what it is to be deprived of this life element, to have insufficient light-air. We feel a pain of suffocation in our soul, comparable to losing our breath for lack of air on the physical plane. There we also find the opposite condition, a fullness of pure, holy light-air when we live in it and when we perceive spiritual beings who manifest themselves in full clearness in this element of airy light and have their life in it. Those are the beings who stand under the guidance of Lucifer. The moment we enter that realm without sufficient preparation, without proper training, Lucifer gains the power to deprive us of the light-air we need. We can say he suffocates our souls. It is not quite the same effect as suffocation on the physical plane. But like a polar bear transported to the South, we thirst and long for something that can reach us from the spiritual treasure, the spiritual light of the physical plane. That is just what Lucifer desires, for then we do not pay attention to all that comes from the higher hierarchies but thirstily cleave to all that Lucifer has brought onto the physical plane. This is what happens if we have not sufficiently trained ourselves in preparation. Then when we stand before Lucifer he takes away the light-air from us. We crave breath, and long for the spiritual that comes from the physical plane.
[ 16 ] Wie nimmt sich das aber im Konkreten aus? Nehmen wir an, irgend jemand macht Vorbereitungen, die ihn geführt haben dazu, in die höheren Welten wirklich hinaufzukommen, das heißt, diese obere Region wirklich zu erreichen. Aber nehmen wir an, er macht nicht die gehörigen Vorbereitungen dazu, vergißt zum Beispiel, daß der Mensch neben allen Übungen zugleich seine moralischen Empfindungen, seine moralischen Gefühle veredeln muß, daß der Mensch irdische, ehrgeizige Machtgefühle aus seiner Seele ausreißen muß — man kann in die höheren Welten hinaufkommen, auch wenn man ein ehrgeiziger, eitler, machtlüstiger Mensch ist, aber dann trägt man irdische Eitelkeit, irdische Machtlust in diese höheren Welten hinauf —, wenn ein Mensch so seine moralischen Empfindungen und Gefühle nicht geläutert hat, dann nimmt ihm oben Luzifer die Lichtluft, das Luftlicht. Dann nimmt man nichts wahr da oben von dem, was in Wirklichkeit oben ist, dann lechzt man nach dem, was unten auf dem physischen Plane ist; man atmet gleichsam dasjenige, was man auf dem physischen Plan hat wahrnehmen können. Man glaubt dann zum Beispiel, man überschaue dasjenige, was nur auf geistige Weise, eben in der Lichtluft, zu überschauen ist, nur dann zu überschauen ist, wenn man Luftlicht atmet. Man glaubt, verschiedene Inkarnationen verschiedener Menschen zu überschauen. Das ist aber nicht wahr, man überschaut sie nicht, weil einem eben Luftlicht fehlt. Man saugt aber wie lechzend, was unten auf dem physischen Plan vorgeht, herauf in diese Region und schildert allerlei Dinge, die man unten auf dem physischen Plan erworben hat, wie Vorgänge in höheren Welten. Es gibt sozusagen kein besseres, oder besser gesagt, kein schlimmeres Mittel, als mit irdischen, eitlen Machtgelüsten in die höheren Welten hinaufzuheben seine Seele. Wenn man das aber tut, so wird man niemals wahre Forschungsergebnisse aus diesen höheren Welten herunterbringen können, sondern was man herunterbringt, wird nur ein Scheinbild dessen sein, was man sich auf dem physischen Plan ausgedacht, ausgesonnen hat und dergleichen.
[ 16 ] Let us suppose that someone goes through a training that brings him far enough to enter the higher worlds, to reach this upper region. But suppose he has not done all that belongs to the training; suppose he has forgotten that with all his exercises he must at the same time be ennobling his moral sense, his moral feelings, that he must tear all earthly ambitions and lust for power from his soul. Indeed a man can reach the higher worlds even though he is vain and ambitious, but then he takes these qualities with him. When a person has not purified his moral feelings Lucifer takes the light-air away from him, so that he perceives nothing of what is really there, and instead he longs for the things on the physical plane. He breathes in, so to say, what he has been able to perceive on the physical plane. So he may imagine that he perceives something only to be seen spiritually in the light-air. He imagines that he sees the different incarnations of various human beings. But it is not so. He does not see them because he lacks the air-light. Instead, like a thirsty being, he sucks up into that realm things of the physical plane below, and describes all manner of things acquired there as though they were processes in the higher region. Actually there is no more harmful way of raising one's soul into the higher worlds than by means of vain and earthly love of power! If one does this, one will never be able to bring down true results of knowledge. What one brings will be a mere reflection, a phantom picture of the speculations and conjectures one may have made in the physical world.
[ 17 ] Da habe ich gleichsam nur die allgemeine Szenerie geschildert. Aber man begegnet auch Wesenheiten, die man elementarische Wesenheiten nennen kann. Während man hier in der physischen Welt von Naturkräften spricht, bekommen da oben diese Kräfte etwas Wesenhaftes. Und man macht vor allem da eine ganz bestimmte Entdeckung, man macht die Entdeckung — jetzt aber durch die Tatsachen, die einem entgegentreten —: ja, hier auf dem physischen Plan gibt es Gutes und Böses, da oben aber gibt es gute und böse Kräfte. Hier in der physischen Welt ist Gutes und Böses in der Menschenseele gemischt, vereint, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger nach der guten Seite hin, da oben aber gibt es Wesenheiten, die als böse Wesenheiten gegen dasjenige kämpfen, was von Wesenheiten, die man gute Wesenheiten nennen muß, hervorgebracht wird. Man kommt da in eine Region hinein, wo man sozusagen das gesteigerte Selbstbewußtsein schon brauchen kann, wo man brauchen kann eine geschärfte Urteilskraft, die eben mit diesem gesteigerten Selbstbewußtsein verbunden sein muß. So daß man zum Beispiel wirklich sich sagen kann: Es müssen da oben auch Wesenheiten sein, die sozusagen die Mission des Bösen haben, neben den Wesenheiten, die die Mission des Guten haben.
[ 17 ] Here we have been describing what may be called the general scenery of that realm. There are also Beings we meet there, whom we may call Elemental Beings. In the physical world we often speak of the forces of nature. In that higher realm these same forces manifest themselves as real beings. There we make a definite discovery. Through the actual facts that meet us we discover that whereas on the physical plane good and evil exist together, in that higher realm there are separate, specific forces of good and evil. Here in the physical world good and evil are combined and interwoven in each human soul. One has more of a tendency to good, another less. In that realm there are evil beings who exist to battle against the work of good beings. On entering that realm, therefore, we already have occasion to make use of the strengthened self-consciousness we mentioned yesterday. We have need of the more acute power of judgment that must come with our enhanced self. Then we may really be in a position to say that here in the higher realm there must needs be beings who have the mission of evil. Such beings have to exist alongside those who have the mission of good.
[ 18 ] Auf dem physischen Plane wird einem immer entgegnet: Warum hat denn die allweise Weltengottheit nicht bloß das Gute geschaffen, warum ist denn nicht immer und überall nur das Gute vorhanden? — Wenn nur das Gute vorhanden wäre, dann würde die Welt davon überzeugt man sich — eine einseitige Richtung nehmen müssen, dann würde die Welt durchaus nicht all die Fülle hervorbringen können, die sie hervorbringt. Das Gute muß eine Widerlage haben. Gewiß, man kann das schon auf dem physischen Plane einsehen. Aber man lernt erkennen: Nur so lange kann man glauben, daß die guten Wesenheiten allein die Welt zu Rande bringen würden, solange man auskommt mit der Sentimentalität, mit der Welt der Phantasie. Mit der Sentimentalität kann man noch in der Region des Alltags auskommen, aber nicht, wenn man in die ernsten Realitäten der übersinnlichen Welt hineinkommt. Da weiß man, daß die guten Wesenheiten die Welt allein nicht machen könnten, daß sie zu schwach wären, um die Welt zu gestalten, daß beigesetzt werden müssen der gesamten Evolution diejenigen Kräfte, die aus den bösen Wesenheiten kommen. Das ist weisheitsvoll, daß das Böse beigemischt ist der Weltenevolution. Daher muß man neben die Dinge, die man sich abgewöhnt, die man bekämpft, auch das Abgewöhnen einer jeglichen Sentimentalität setzen. Man muß erkennen, daß das notwendig ist. Unerschrocken und mutig muß man jenen gefährlichen Wahrheiten entgegengehen können, die man einsieht durch das Wahrnehmen des Kampfes, der sich gerade in dieser Region abspielt, der einem da offenbart werden kann von seiten der guten und bösen Wesenheiten. Das alles sind solche Dinge, die man erlebt, wenn man seine Seele geeignet macht, bewußt in diese Region einzudringen. Aber dann sind wir eigentlich erst in die Traumregion hineingekommen.
[ 18 ] We often hear it asked, “Why didn't the all-wise God of the universe simply create the good alone? Why isn't it everywhere, always?” Now we gain this conviction, however, that if only the good were present the world would become one-sided, it would not bring forth all the fullness of life that it does yield. The good must have something to oppose it. This, in fact, can already be realized on the physical plane, but in that higher realm we perceive it with far greater force. There we see that only people who are content with a merely sentimental and dreamy outlook can imagine that good beings alone could bring about the purposes of the universe. In the realm of everyday life we might do with sentimentality, but we cannot tolerate it when we enter the stern realities of the super-sensible world. There we know that the good beings alone could not have made the world. They would be too weak to mold this universe. In the totality of evolution those forces must be included which come from the evil beings. There is great wisdom in this fact that evil is mingled in cosmic evolution. Thus, one of the things we have to get rid of when we enter spiritual life is sentimentality. Bravely and unflinchingly we must approach the dangerous truths that dawn upon us when we perceive the battle that is fought in just this realm—the battle between the good and evil beings that can there be revealed to us. All these are experiences we have when we have trained and adapted our souls to entering consciously into this realm.
[ 19 ] Wir leben aber noch in einer weitaus anderen Region als Menschen, in einer Region, für die wir als Seelen im normalen Leben so wenig geeignet sind, daß wir in ihr überhaupt gar nichts wahrnehmen können. Das ist die Region, die wir als Seelen durchleben im traumlosen, tiefen Schlaf, die Region, in die niemals Träume hineinreichen können: die Region des gewöhnlichen Schlafbewußtseins. Hier beginnt schon der absolute Widerspruch, denn der Schlaf ist doch eigentlich dadurch charakterisiert, daß das Bewußtsein eben völlig aufhört. Schlafbewußtsein, ein vollkommenes Paradoxon, ist jener Zustand, in dem wir sind, wenn wir vom Einschlafen bis zum Aufwachen leben. Diesen Zustand wollen wir zunächst das Schlafbewußtsein nennen. Dieses Schlafbewußtsein ist für das normale menschliche Leben ja in der Tat so, daß der Mensch eben aufhört, bewußt zu sein, wenn er in dieses Leben hineingeht, und mit dem Aufwachen erst wieder bewußt wird. Aber in uralten Zeiten des Hellsehens war auch diese Region für die Menschenseele etwas Erlebbares. Da gab es, wenn wir in diese alten Zeiten unserer Erdenentwickelung, sogar noch in nachatlantische Zeiten zurückgehen, durchaus einen Zustand, der für das gewöhnliche Leben dem Schlafe gleich war, in welchem aber wahrnehmbar war eine noch höhere, noch geistigere Welt, als diejenige ist, die in der Traumregion wahrzunehmen ist. Wir können zu solchen Zuständen kommen, die für das gewöhnliche menschliche Leben ganz gleich sind dem Schlafzustande, die aber kein Schlaf sind, weil sie von Bewußtsein durchdrungen sind. Dann sehen wir, wenn wir so hoch hinaufgekommen sind, nicht die physische Welt. Allerdings sehen wir noch die Welt der Lichtluft, die Welt der Töne, die Welt der Weltenharmonie, die Welt des Kampfes der guten und bösen Wesenheiten. Aber diese Welt, die wir da sehen, ist, man möchte sagen, noch verschiedener, noch grundverschiedener von allem, was in der physischen Welt besteht. Es ist eine Welt, welche daher noch schwieriger zu beschreiben ist als diejenige Welt, die man antrifft, wenn man in die Region des Traumbewußtseins kommt.
[ 19 ] So far we have only entered the realm of dreams. We human beings live in still another realm, one for which we are so little adapted in ordinary life that we generally have no perceptions whatever in it. It is the realm through which we live in dreamless sleep. Here already an absolute paradox appears, for sleep after all is characterized by the complete cessation of consciousness. In normal human life today man ceases to be conscious when he falls to sleep, and he does not regain consciousness till he wakes up again. In the age of primeval clairvoyance this realm too was something the soul could experience. If we go back into those ancient periods of evolution there was actually a condition of life corresponding to our sleep in which, however, man could perceive in a still higher, still more spiritual world than the world of dreams. This was true even in early post-Atlantean times. There we find conditions that, in regard to the usual human processes, are exactly like the condition of sleep, but are not, because they are permeated by consciousness. When we have reached this height we do not see the physical world, even though we still see the world of light-air, of sound, of cosmic harmony, and of the battle between the good and evil beings. The world we see may be said to be still more fundamentally different from all that exists in the physical world. So it is yet more difficult to describe than the world we find on entering the region of dream consciousness. I would like now to give you an idea of how one's consciousness in this realm works, and of its actual effects.
[ 20 ] Ich möchte Ihnen nun eine Art von Vorstellung geben, wie praktisch eigentlich das Bewußtsein in dieser Region arbeitet, wie es wirkt. Wenn man das schildert, worüber ich Andeutungen gemacht habe von einer hohen Welt, in welche Träume hereinragen, da wird man von der gewöhnlichen Philistrosität als Phantast erklärt. Wenn man aber gar beginnt, von den Erfahrungen zu sprechen aus dieser Region heraus, die sonst der Mensch nur durchschläft, dann werden die Menschen schon nicht mehr nur so gehässig, daß sie einem Phantasterei vorwerfen, nein, dann werden sie, wenn sie überhaupt sich irgend einlassen darauf und keine Bösartigkeit haben, schon ganz wild.
[ 20 ] Anyone who describes that sublime world into which our dreams find their way, and about which I have given the merest hint, will be labeled a fantastic visionary by the bigoted intellectualism of today. If anyone begins to speak of that still higher realm through which man ordinarily sleeps, then people, if they take any notice at all, do not stop at abusing him as a visionary. They altogether lose their heads.
[ 21 ] Wir haben ein kleines, oder vielmehr ein großes Beispiel auf diesem Gebiete schon erleben können. Während ja zunächst, als in Deutschland meine Bücher erschienen sind, die öffentliche, sich gelehrt nennende Kritik selbstverständlich gehässig und allerlei Dinge vermutend diese Bücher beurteilte, wurde die Kritik auf einem Punkte wirklich ganz wild, schon bis zu dem Grade wild, daß man sagen kann: Eine gewisse Kritik wird, wenn sie gar zu wild wird, eiinfach töricht. Dieser Punkt war ein solcher, wo einmal aufmerksam gemacht werden sollte auf etwas, was wirklich nur aus der erwähnten Region des Geistes kommen kann. Das war die Sache, die ausgesprochen ist in meinem Buche: «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», die Sache von den zwei Jesusknaben. Für diejenigen der lieben Freunde, die damit nicht bekannt sind, möchte ich wiederholend erwähnen, daß sich ergab als okkultes Forschungsresultat, daß geboren wurde im Beginne unserer Zeitrechnung nicht nur ein Jesusknabe, sondern zwei. Der eine abstammend aus der sogenannten nathanischen Linie des Hauses David, der andere aus der sogenannten salomonischen Linie. Diese beiden Jesusknaben wuchsen miteinander auf. In dem Leibe des salomonischen Knaben lebte die Zarathustraseele, die in dem zwölften Jahre überging — und das ist etwas tief Bedeutsames — in den anderen Jesusknaben, und da bis zum dreißigsten Jahre dieses Leibes lebte. Sie lebte also in dem Leibe, der bis zum zwölften Jahre eingenommen worden war von einer geheimnisvollen Seele, bis zum dreißigsten Jahre dieses Leibes. Von dem dreißigsten Jahre an lebte dann in diesem Leibe diejenige Wesenheit, die wir die Christuswesenheit nennen, solange sie überhaupt auf der Erde lebte: drei Jahre.
[ 21 ] We have already had an example of this. When my books were first published in Germany, the critics, who are supposed to represent the intellectual culture of today, attacked them with all sorts of insinuations. In one point, however, their criticism ran absolutely wild; in fact, they became foolish in their fury. I mean the point where I had to call attention to something that could only originate in the spiritual realm we are now considering. This was the question of the two Jesus children mentioned in my book, The Spiritual Guidance of Mankind. For those of our friends who have not heard of this I may say once more that it appeared as a result of occult research, namely, that at the beginning of our era not only one but two Jesus children were born. One was descended from the so-called Nathan line of the House of David, the other from the Solomon line. These two children grew up side by side. In the body of the Solomon child lived the soul of Zarathustra. In the twelfth year of the child's life this soul passed over into the other Jesus child and lived in that body until its thirtieth year. Here we have a matter of the deepest significance. Zarathustra's soul went on living in the body that until its twelfth year had been occupied by a mysterious soul. And then, only from the thirtieth year onward, there lived in this body the Being Whom we call the Christ, Who remained on earth altogether for three years.
[ 22 ] Wie gesagt, wild geworden sind diejenigen, die sich überhaupt von der Außenwelt her eingelassen haben auf diese Geschichte der zwei Jesusknaben. Wir können ihnen das ja weiter auch gar nicht übelnehmen, denn die Leute wollen doch natürlich etwas kontrollieren mit der Wissenschaft, die sie haben. Aber das, was sie kritisieren wollen, stammt eben aus einer Region, die sie halt immer verschlafen. Deshalb kann man ihnen ja gar nicht übelnehmen, daß sie davon nichts wissen. Allerdings reicht eigentlich die gesunde Vernunft schon aus, dies zu begreifen. Aber auf solches Begreifen lassen die Leute sich nicht ein, sie wandeln dieses Begreifens Kraft gleich um in Wildheit und Gehässigkeit.
[ 22 ] We really cannot take amiss the reaction of the critics to this statement, as it is natural that they should want to have something to say about the matter from their scholarly viewpoint. But what they set out to criticize comes from a realm in which they are always fast asleep! So we cannot expect them to know anything about it. Yet a healthy human understanding is able to grasp this fact. People only will not give themselves a chance to understand. In their haste they change their power of understanding into bitterness and fury.
[ 23 ] Solche Wahrheiten, wie diese von den zwei Jesusknaben, die eben in dieser höheren Region gefunden werden, entsprechen niemals einer Sympathie oder Antipathie. Solche Wahrheiten findet man in der Tat immer nur in einer solchen Weise, daß man sie eigentlich als Erfahrung nie macht, wenn ich «machen» dasjenige nennen darf, was sozusagen mit der Erkenntnisweise der physischen Welt zu tun hat, ja, eigentlich sogar mit der Erkenntnisweise derjenigen Region, in welcher das Traumleben ist. Da ist man sozusagen bei der Entstehung der Erkenntnis dabei, wie man dabei ist bei dem physischen Bewußtsein. Das gilt auch noch für denjenigen Okkultisten, der nur in diese Traumregion mit seinem Bewußtsein hereinragt. So daß man sagen kann: Wenn die Erkenntnisse dieser Region entstehen, ist man unmittelbar dabei. In einem solchen Dabeisein lassen sich solche Wahrheiten nicht finden, wie diese Wahrheit von den zwei Jesusknaben. Wenn man in der höheren Region solche Wahrheiten bekommt — und zwar so, daß sie in das Bewußtsein hineinkommen —, dann ist der Zeitpunkt, in dem man sie eigentlich erworben hat, längst vorbei, wenn man sie erkennt. Man hat sie früher schon erlebt, bevor man ihnen bewußt entgegentritt — und das soll man ja eben in unserer Zeit —, man hat sie schon in sich. So daß man zu den wichtigsten, wesenhaftesten, bedeutsamsten Wahrheiten so kommt, daß man das deutliche Bewußtsein in sich trägt: Als man sie erworben hat, war man in einem früheren Zeitpunkte als in dem jetzigen, wo man das, was man früher erworben hat, aus den Tiefen der Seele holt und sich bewußt macht. Solche Wahrheiten trifft man in sich an, wie man in der Außenwelt antrifft eine Blume oder irgendein anderes Ding. Wie man in der Außenwelt denken kann über eine Blume oder über einen sonstigen Gegenstand, der eben zunächst einfach da ist, so kann man denken über die Wahrheiten, wenn man sie in sich selbst angetroffen hat, wenn sie in einem selbst einem entgegentreten. Wie man in der Außenwelt erst urteilen kann, nachdem man die Wahrnehmung eines Gegenstandes vollzogen hat, so findet man auch solche Wahrheiten in sich objektiv, und dann erst studiert man sie in sich selbst. Man studiert sie in sich selbst, wie man äußere Tatsachen studiert. Und so wenig es einen Sinn hat zu sagen: Diese Blume, ist sie wahr oder falsch? —, so wenig hat es einen Sinn, über das, was man da eigentlich in sich antrifft, zu fragen, ob es wahr oder falsch sei. Die Wahrheit oder Falschheit bezieht sich nur darauf, ob man fähig ist, das, was man findet, was einem bewußt wird, zu beschreiben. Die Beschreibung kann wahr oder falsch sein. Wahr sein und falsch sein bezieht sich ja nicht auf die Tatsache, sondern darauf, wie irgendein denkendes Wesen sich zu der Tatsache stellt. Auf die Tatsachen sind die Worte «wahr» oder «falsch» gar nicht anwendbar.
[ 23 ] Such truths as that about the two Jesus children, which are to be found in this higher realm, never have anything to do with sympathy and antipathy. We find such truths; we never experience them in the way we gain experience in the usual manner of knowledge in the physical world, or even in the realm of dream life. In both these areas we are there, so to say. We are present at the origin of our knowing or perception. This is true also of those occultists who are conscious only as far as the realm of dreams. We can say that a person witnesses the birth of his knowledge, of his perceptions, in that realm, but truths like this concerning the two Jesus children can never be found in this way. When truths come to us in that higher realm and enter our consciousness, the moment in which we actually acquired them has long since passed. We experienced them long before we met them with our full consciousness, as we have to do in our time. We have them already in us. So that when we reach these truths—the most important, the most living and essential of all truths—we distinctly have the feeling that when we gained them we were in an earlier time than the present; that we are now drawing out of the depths of our soul what we acquired in an earlier time and are bringing it into our consciousness. Such truths we discover in ourselves, just as in the outer world we come across a flower or any other object. Even as in the outer world we can think about an object that is simply there before us, so can we think about these truths when we have discovered them in ourselves, in our own self. In the outer world we can only judge an object after we have perceived it. In the same way we find those sublime truths objectively in ourselves, and only then do we study them, in ourselves. We inwardly investigate them as we investigate the external facts of nature. Just as it would have no meaning to ask of a flower whether it is true or false, there would be no sense in asking about these truths that we simply come upon in ourselves, whether they are true or false. Truth and falsehood only come into the picture when it is a question of our power to describe what we find or what arises in our consciousness. Descriptions can be true or false. Truth and falsehood do not concern the facts, they concern the manner in which any thinking being approaches or deals with those facts.
[ 24 ] Es ist in der Tat das Kommen zu Forschungsergebnissen auf diesem Gebiete ein Hineinschauen in eine Seelenregion, in der man vorher auch gelebt hat, in die man nur nicht mit dem Bewußtsein hineingeschaut hat. Man kann am besten im Fortschreiten okkulter Übungen in diese Region hineinkommen, wenn man geradezu acht gibt auf solche Momente, in denen sich in den Tiefen der Seele nicht bloß Urteile, sondern Tatsachen ergeben, von denen man weiß, daß man nicht mitgewirkt hat mit dem Bewußtsein an ihrem Entstehen. Je mehr man verwundert sein kann über dasjenige, was sich da einem enthüllt wie ein ganz objektiver Gegenstand der Außenwelt, je überraschender das für einen ist, desto mehr ist man vorbereitet, in diese Region hineinzukommen. Daher ist es in der Regel so, daß man mit alldem, was man sich zusammenkonstruiert hat, was man vermutet, nur schlecht in diese Region hineinkommt. Sie haben kein besseres Mittel, nichts zu finden, zum Beispiel über vorherige Inkarnationen dieser oder jener Persönlichkeit, als nachzudenken, was diese in den vorherigen Inkarnationen gewesen sein könnte. Wenn Sie zum Beispiel untersuchen wollten, sagen wir, die früheren Inkarnationen des Robespierre, dann wäre es das beste Mittel, nichts über ihn zu erfahren, wenn Sie historische Persönlichkeiten aufsuchten, von denen Sie vermuten, daß sie vorherige Inkarnationen von Robespierre sein könnten. Das beste Mittel wäre das, um niemals das Richtige zu erfahren. Man muß sich in energischer Weise abgewöhnen, Meinungen, Vermutungen, Hypothesen sich zu machen. Immer mehr und mehr muß derjenige, der ein wirklicher Okkultist werden will, sich daran gewöhnen, möglichst wenig über die Welt zu urteilen. Denn dann kommt er am schnellsten dazu, daß ihm die Tatsachen entgegenkommen. Je mehr der Mensch sich schweigend in seinen Vermutungen, in seiner Meinung verhält, desto mehr erfüllt sich das Innere seiner Seele mit Tatsachen der geistigen Welt.
[ 24 ] Thus, when we do research and get results in this realm we are really looking into a region of the soul we have lived in before but did not look into with our consciousness. In carrying on our occult exercises we are best able to enter this realm if we pay positive attention to those moments when from the depths of our soul not mere judgments arise, but facts; facts that we know we did not consciously take part in originating. The more we are able to wonder at the things there unveiled, like the objective things of the outer world, the more astonishing it all is for us, the better are we prepared to enter into this realm. So, as a general rule, we do not make a good entrance if we have all sorts of conjectures and constructions in our minds. For example, there is no better way of finding nothing at all about the previous incarnations of some person than to speculate as to who they may have been earlier. Let us say you wanted to investigate the earlier incarnations of Robespierre. The best way of finding out nothing at all about him would be to search about for historical personalities you think might possibly have been his previous incarnations. In that way you never can discover the truth. You must get out of the habit of making conjectures and theories and forming opinions. He would become a true occultist who would set himself to making as few judgments as possible about the world because then he will most quickly attain the condition in which the facts can meet him. The more a man cultivates silence in his conjectures and opinions, the more will his soul be filled with the actual truths of the spiritual world.
[ 25 ] Man kann zum Beispiel sagen, daß derjenige, der in einem bestimmten religiösen Vorurteile aufgewachsen ist, der ganz bestimmte Gefühle und Empfindungen, vielleicht auch Vermutungen über den Christus hat, nicht sehr geeignet wäre, von vornherein solch eine Wahrheit zu finden wie die Geschichte von den zwei Jesusknaben. Gerade wenn man etwas neutral fühlt gegenüber dem Christus-Ereignis, dann ist dies eine gute Vorbereitung, wenn man nur auf der andern Seite die anderen notwendigen Vorbereitungen macht. Vorurteilsvolle Buddhisten werden am wenigsten etwas Vernünftiges über Buddha zu sagen wissen, ebenso wie vorurteilsvolle Christen am wenigsten über den Christus zu sagen wissen werden. So ist es auf allen Gebieten. Man muß schon einmal gewissermaßen alle für das gewöhnliche Leben so zu nennenden Bitternisse durchmachen, gleichsam ein doppelter Mensch werden, wenn man in diese Region, die jetzt als eine dritte geschildert worden ist, eintreten will. Ein doppelter Mensch ist man ja auch im gewöhnlichen Leben, wenn man auch von der einen Hälfte seines Seins keinen bewußten Gebrauch macht. Man ist auch im gewöhnlichen Leben ja ein wachender und ein schlafender Mensch. Wahrhaftig: so verschieden Wachen und Schlafen ist, so verschieden ist diese Region von der physischen Welt, diese dritte Region in den höheren Welten. Diese Region ist etwas Besonderes für sich. Sie ist auch eine Umwelt, aber eine völlig neue Welt, die wir am besten dann erkennen, wenn wir nicht nur dasjenige auszulöschen vermögen, was die Sinne an Eindrücken der physischen Außenwelt übermitteln, sondern auch alles das, was wir fühlen und empfinden können, wofür wir uns leidenschaftlich erregen können in bezug auf Dinge der Sinnenwelt. Im gewöhnlichen Leben ist der Mensch so wenig geeignet zum Erleben dieser Welt, daß sein Bewußtsein ausgelöscht wird jede Nacht. Dazu gelangt er nur, wenn er imstande ist, wirklich aus sich einen Doppelmenschen zu machen. Und derjenige Mensch, der vergessen kann, der ausschalten kann zunächst alles, was ihn interessiert in dieser physischen Welt, der kann dann in diese andere, höhere Welt eindringen. Die mittlere Welt, die Welt, in der auch die Träume gewoben werden, sie ist gleichsam gemischt aus den beiden anderen Welten. In sie ragen sowohl Elemente der höheren Welt, die der Mensch sonst verschläft, als auch die Elemente des Alltagsbewußtseins.. Deshalb kann auch niemand die wahren Ursachen der physischen Welt erkennen, wenn er nicht in seinem Erkennen einzudringen vermag in diese dritte Region. Wenn aber der Mensch durch eigene Erfahrung heute die Entdeckung machen will, wer zum Beispiel Krishna ist, so kann er das nur in dieser dritten Region. Und jene Eindrücke, die Arjuna bekommen hat, und die uns geschildert werden in dem erhabenen Sang, in der Bhagavad Gita, dadurch, daß sie dem Krishna in den Mund gelegt werden, sie stammen aus dieser Welt. Daher mußte ich heute zunächst vorbereitend sprechen von dem Aufrücken des Menschen in diese dritte Region, damit wir begreiflich finden können, woher eigentlich die wunderbare und doch grotesk klingende Wahrheit stammt, die Krishna dem Arjuna sagt, und die doch sehr unähnlich klingt demjenigen, was gewöhnlich gehört werden kann. Kennenzulernen den Krishna und damit den Nerv der Bhagavad Gita, das soll die eine Seite dieser Vorträge sein. Auf der anderen Seite sollten Sie aber in den okkulten Grundzügen dieses wunderbaren Sanges etwas haben, das Sie, wenn Sie es wirklich gebrauchen, auch wirklich den Weg in die höheren Welten finden lassen kann. Denn der Weg in die höheren Welten ist jedem Menschen offen, wenn er nur verstehen will, wie das Körnchen Gold, das man erst haben muß, in dem Bewußtsein besteht, daß in das alltägliche Leben Dinge hineinspielen, in denen die höchsten geistigen Wesenheiten leben und weben.
[ 25 ] Someone, for example, who had grown up with a particular religious bias, with definite feelings and ideas or perhaps views about the Christ—such a person in general would not be the most adapted to discover a truth like the history of the two Jesus children. Just when one feels a little neutral about the Christ event one is well prepared for such a discovery, provided of course he has made all the other necessary preparations. People with a Buddhistic bias will least easily be able to talk sense about Buddha, just as those with a Christian bias will least easily be able to talk sense about Christ. This is always true. If we would enter into the third realm just described, it is necessary that we go through all the bitterness—for in ordinary life we cannot help feeling it in this way—of becoming, so to say, a twofold person. We are, in fact, twofold beings in ordinary life, even if we make no conscious use of the one-half of our existence, for we are both waking and sleeping beings. Different as these two conditions are, so is that third realm in the higher worlds different from this physical world. That realm has a peculiar existence of its own. There also we are surrounded by a world, but one so altogether new and different that we get to know it best if we extinguish not only the sense impressions of this world of ours but even our feelings and sentiments and all the things that have the power to arouse our passions and enthusiasms. In ordinary life man is so little fitted for conscious experience of that higher world that his consciousness is extinguished every night. He can only attain experience there if he is able to become a twofold man. Those who have the power at will to forget and to blot out all their interests in this physical world, are then able to enter that higher realm. The world between—that is to say, where our dreams are woven—is made of the materials of both worlds, it is penetrated by reflections of the higher worlds of which man is generally not aware, and by reminiscences of ordinary consciousness. That is why no one can perceive the true causes of events in the physical world who is not able to penetrate with understanding into that third realm. Now if a man of today wishes to discover through his own experience who Krishna is, he can only make that discovery in the third realm. Arjuna's impressions, which in the sublime Gita are described to us through the words of Krishna, have their origin in that world. For this reason I have had to prepare the way today by speaking of man's ascent into the third realm. Only so will you be able to understand the origin of the strange and wondrous truths that Krishna speaks to Arjuna—truths that sound so altogether different from anything that is spoken in ordinary life. These lectures are to help us gain knowledge of Krishna; that is to say, of the very essence of the Bhagavad Gita. Also, the occult principles of this wonderful Song are to give you something which, if you really make use of it, can enable you to find the way into the higher worlds because the way is open to every man. We have only to realize that the grain of gold with which we must begin is ours once we are aware of how many things there are in which the highest spiritual beings live and work and are interwoven in our everyday life.
