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Die Geheimnisse der Schwelle
GA 147

31 August 1913, München

Achter Vortrag

[ 1 ] Bei einem solchen Zyklus von Vorträgen, wie wir ihn wiederum absolviert haben, kommen einem leicht Gedanken, die da oder dort hinweisen auf dasjenige, was man Kultur der Gegenwart nennen kann. Haben wir doch in mancherlei Einzelheiten aufmerksam machen müssen, wie in diese Kultur der Gegenwart in eigenartiger Weise die ahrimanischen, die luziferischen Kräfte hereinspielen. Nun wird derjenige, welcher mit unbefangener Empfindung und mit einigem Verständnis für die geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse sich in eine Art objektiver Betrachtung der Kultur der Gegenwart hineinfindet, zweifellos das Chaotische, das Verworrene gerade dieser Kultur der Gegenwart finden müssen. Es ist sozusagen eine von mir seit Jahren immer gepflogene Gewohnheit gewesen, möglichst wenig nach dieser oder jener Seite hinzuweisen, sondern lieber unsere Zeit dazu zu verwenden, in positiver Weise das, was wir können, zum Erschließen der geistigen Welten beizutragen. Aber obwohl im wesentlichen nicht . abgewichen werden soll von dieser Gewohnheit, so darf doch und muß immer wiederum betont werden, daß sich durch diese — wahrhaftig nicht aus Unbescheidenheit sei das Wort gewählt — selbst auferlegte Bescheidung mancherlei Mißverständnisse in den ganzen Gang gerade unseres Strebens und unserer Arbeit einschleichen. Und notwendig wäre uns, gerade von unserem Gesichtspunkt aus, ein Zweifaches. Erstens ein objektiv richtiges Verständnis dafür, daß allerdings die Evolution, die Entwickelung der nachatlantischen Welt mit einer gewissen verständlichen Notwendigkeit das Chaotische, das Verworrene, das zum Teil Inferiore und Untergeordnete der gegenwärtigen Menschheitskultur in weitesten Kreisen herbeigeführt hat, daß man mit einer bloßen Kritik also nicht auskommen kann, sondern daß man ein objektiv richtiges Verständnis braucht. Auf der anderen Seite ist notwendig, sich mit klaren und offenen Augen dieser Verworrenheit und dem Chaotischen des gegenwärtigen Geisteslebens entgegenzustellen, sofern man auf dem durch die Geisteswissenschaft zu erschließenden Gesichtspunkte steht. Denn man muß immer wieder und wiederum erleben, wie durchaus gutmeinende, bestmeinende unserer Freunde doch mit der Redewendung kommen, da oder dort sei wiederum etwas ganz Anthroposophisches aufgetreten, und wie man sich überzeugen muß, wie inferior dann diese sogenannten anthroposophischen Dinge sind. Wie gesagt, ich will nicht abweichen von der von mir gepflogenen Gewohnheit, aber ich möchte doch, gleichsam wie zum Exempel, wenigstens auf eine einzelne besonders groteske Erscheinung beim Abschlusse unseres Vortragszyklus hinweisen. In der Gegenwart machen sich gerade solche Persönlichkeiten ganz besonders breit, welche mit einer gewissen gelehrten Miene, ohne eigentlich auch nur das Allergeringste von irgend etwas zu verstehen, sich der Welt geben. Und wer sich eben nicht angewöhnt, Unterscheidungsvermögen anzuwenden, kann durch solche gelehrt sich gebenden Worte unter Umständen sehr leicht verführt werden. Das ist etwas, was allmählich gerade in unseren Kreisen schwinden sollte. Ein objektives klares Unterscheidungsvermögen sollten wir uns aneignen. Wir würden dadurch auch das Verhältnis jener inferioren Strömungen und Persönlichkeiten zu unserer eigenen Bewegung, wie wir sie wollen, richtiger ins Auge fassen, als das bisher geschehen ist.

[ 2 ] Unter mancherlei Umständen machen sich solche Strömungen geltend, und nicht um zu kritisieren, oder um irgend etwas vorzubringen, das mit Gegnerschaften unserer Arbeit zusammenhängt, sondern wie gesagt, um objektiv zu charakterisieren, möchte ich nur eines erwähnen. Da erscheint in einem Berliner Verlag zum Beispiel eine Ausgabe der «Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreutz» und anderer Werke des Christian Rosenkreutz. Nun werden selbstverständlich manche unserer Freunde oder sonst Leute, die sich für okkulte Strömungen interessieren, leicht zu einer solchen neuen Ausgabe von Schriften greifen, die sonst immer schwer zu haben waren. Nun erscheint gerade zur «Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreutz» eine Einleitung, die wirklich an grotesk Gelehrtem — ich will die nähere Bezeichnung lieber vermeiden — alles übertrifft, was überhaupt vorstellbar ist. Ich will Ihnen nur von dieser Einleitung, Seite II, ein paar Zeilen vorlesen. Ich will mich nicht näher einlassen auf das, was sonst vorgebracht wird, aber ein paar Zeilen will ich vorlesen. «Wenn man an die Geheimwissenschaften» — heißt es — «mit kritischem und exaktem Rüstzeug herantritt» — das sind Worte, die an sich schon manchen verführen —, «wird man bald gewahr werden, daß man gerade von hier aus Fühlung nach den beiden genannten Polen bekommen kann.» Ich will nicht sprechen über die Pole, die der betreffende Verfasser anführt, denn das alles ist ja nur — ich will die nähere Bezeichnung lieber vermeiden. «Dazu eignet sich besonders gut der neu formulierte Begriff der ‹Allomatik›, unter dessen Führung man über alle von beiden Seiten kommenden Schwierigkeiten leicht Herr wird.» Allomatik, das ist etwas, was manchem besonders imponiert. «Allomatik ist die Lehre, Wissenschaft und Philosophie vom Andern (abgeleitet vom griechischen allos = der andere, im Gegensatz zu autos = selbst). Die Allomatik lehrt die Nichtigkeit und Nichtexistenz des Ichs. Alles ist und kommt her vom Nicht-Ich, also von außen, von oben, von unten, kurz: vom Andern.» Und in dieser Gelehrsamkeit geht es weiter. Diese Gelehrsamkeit, mit der da die Menschen präpariert werden für die «Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz» — ich sage das wirklich nicht aus Animosität heraus, sondern aus objektiver Logik —, ist vollständig gleich mit dem, wenn man begründen würde statt der Xenologie und Allomatik eine Birnologie oder eine Birnomatik. Denn genau mit derselben Logik, wie dieser sonderbare Kauz, der die Welt auf Ich und Nicht-Ich zurückführt, kann man zurückführen die Welt auf eine Birne und alles, was nicht diese Birne ist, nämlich das Andere dieser Birne. Und man kann genau dieselben Worte und Begriffe brauchen, um die ganze Welt zu erklären aus Birne und Nicht-Birne. Es bleibt, im Sinne eines solchen Herrn, nichts weg von der Welt und ihren Erscheinungen, wenn man sie, statt aus Ich und dem Anderen zu erklären, nach einer Birnologie und Birnomatik, einer Lehre von der Birne und dem Andern der Birne erklärt. Das gibt sich als gelehrte Arbeit, das wendet auch allerlei Vergleiche aus der Embryologie an, um sich als gelehrte Arbeit geben zu können; das spricht ungefähr in demselben Tone wie viele unserer sogenannten gelehrten Arbeiten, die als etwas Ernsthaftes hingenommen werden und die oftmals auch — wie gesagt, ohne Animosität sei das gesagt, sondern eben gerade in voller Brüderlichkeit — unter unseren Freunden ehrlich hingenommen werden, als ob es auch etwas wäre, während es nur aus der Inferiorität unserer Zeit hervorgeht. Es bedeutet das recht wenig Unterscheidungsvermögen für das, was einen inneren Wert hat, und für das, was auf einer solchen Stufe des Literatentums steht wie solches Zeug. Daher kann man auch mit voller Objektivität sagen: Wenn ein solcher Mensch gerade einer von denen ist, die auch das törichte Jesuitenmärchen aufgebracht oder nachgesprochen haben, so kann man sich auch einen Begriff bilden von dem Wert der Gegnerschaften, die von allen Seiten sich in der letzten Zeit geltend gegen uns gemacht haben. — Es handelt sich hauptsächlich darum, daß man das richtige Verhältnis gewinnt zu dem, was sich aus allen Winkeln der Welt gerade auf okkultem Boden heute hervorwagt und was doch von manchem für gleichbedeutend genommen wird mit ehrlich gemeinter tiefer Geisteswissenschaft. Es handelt sich darum, daß man die richtige Empfindung manchen dieser Herren gegenüber gewinnt, wenn man sich ehrlich zur Geisteswissenschaft bekennen will, und diese Empfindung besteht darin, daß man sie am besten ignoriert, statt daß man sie hätschelt und pflegt in allem, was sie hervorbringen, daß man weiß, daß man eigentlich ihnen den Rat geben müßte, sich in den Zeiten, in denen sie sich mit derlei Schreibereien beschäftigen, der Menschheit nützlicher zu machen, indem sie sich mit etwas anderem beschäftigen, wie zum Beispiel mit Laubsägearbeiten. Das würde der Menschheit viel mehr nützen als solches Zeug. Es ist notwendig, daß wir solche Dinge in voller Objektivität ansehen und uns daran gewöhnen, die Kultur der Gegenwart mit diesen ihren Ingredienzien wirklich in der richtigen Weise ein- und abzuschätzen. Haben wir nur die richtigen Gedanken und Empfindungen über diese Dinge und über die entsprechenden Persönlichkeiten, dann werden wir auch zurechtkommen. Wir müssen uns über eines klar sein, daß allerdings auf der anderen Seite diese Erscheinungen der Gegenwart erklärlich sind, denn wir haben in die Kulturentwickelung der Menschheit hineinragen sehen ahrimanische und luziferische Kräfte.

[ 3 ] Gerade so, wie sich alles — wir haben öfters darauf hingewiesen in den Impulsen, die in der Menschheitsentwickelung spielen, von Epoche zu Epoche ändert, so ändern sich auch die ahrimanischen und luziferischen Einflüsse. Unsere Epoche ist in gewisser Weise eine Art umgekehrter Wiederholung des ägyptisch-chaldäischen Zeitraumes, aber weil es eine umgekehrte Wiederholung ist, spielen in unserer Zeit die luziferischen und ahrimanischen Kräfte in der äußeren Kultur im großen und ganzen auch eine andere Rolle als im alten ägyptisch-chaldäischen Zeitalter. Während der ägyptisch-chaldäischen Zeit konnte die menschliche Seele hinblicken auf das, was geschieht, und in gewisser Weise sagen: Von der einen Seite her kommen die ahrimanischen, von der anderen die luziferischen Einflüsse. Das war noch in der ägyptischen Kultur sehr gut äußerlich auseinanderzuhalten. In der griechisch-lateinischen Kulturepoche war das schon so, daß, man möchte sagen, unmittelbar vor der menschlichen Seele sich begegneten Luzifer und Ahriman. Und sie hielten sich da die Waage. Wer ‚ tiefer eingehen kann in die eigentliche Grundwesenheit der griechisch-lateinischen Kultur, wird dieses Sich-die-Waage-Halten zwischen Luzifer und Ahriman schon beobachten können. In unserer Zeit ist das wieder anders geworden. Da ist es so, daß in der Außenwelt gewissermaßen Luzifer und Ahriman miteinander einen Bund schlieBen, ihre Impulse in der Außenwelt schon zu einem Knoten zusammenschließen, bevor diese Impulse an die Menschenseele herankommen, so daß man den Knäuel, den Knoten innerhalb unserer Kulturentwickelung hat, wo man in alten Zeiten getrennte Fäden von ahrimanischen und luziferischen Impulsen hatte. Da wird es dem Menschen ganz besonders schwierig, diesen Knoten zu entwirren, in diesem Knäuel sich zurechtzufinden. Überall haben wir in unserer Kulturbewegung darinnen bunt durcheinander geschlungene luziferische und ahrimanische Fäden, und nicht früher wird man ein gesundes Anschauen unserer Kulturverhältnisse gewinnen, als bis man sich klarmacht, daß in sehr vielen Agitationsströmungen, ja in sehr vielen abstrakten Ideen und äußerlichen Veranstaltungen, die gegenwärtig und in die Zukunft hinein getroffen werden, die zusammengeknäuelten Fäden der luziferischen und ahrimanischen Impulse spielen. Wachsamkeit auf diese Fäden, Wachsamkeit auf das, was im bunten Durcheinander an Luziferischem und Ahrimanischem ist, das ist es, was notwendig ist zu beachten. Und niemand kommt heute mehr in die Lage, sich voll auseinanderzusetzen mit diesem luziferischen und ahrimanischen Elemente als derjenige, welcher versucht, den geistigen Erkenntnispfad zu gehen, die Seele mit hellsichtigen Kräften auszurüsten, so daß das, was der Mensch als Wesenheit ist, was er aber mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nicht wissen kann, auch wirklich enthüllt und Gegenstand wahrer Geisteswissenschaft werde. Und dabei kommt in Betracht — das geht aus den Darstellungen hervor, welche gegeben worden sind —, daß man, sobald man die höheren Welten betritt, gewissermaßen eine Schwelle zu überschreiten hat. Daß man, insofern man ein Erdenmensch ist und seine Seele hellsichtig gemacht hat, über diese Schwelle hin- und zurückgehen muß und sich immer in der richtigen Weise sowohl in der geistigen Welt, jenseits der Schwelle, wie in der physischen Welt, diesseits der Schwelle, zu verhalten wissen muß. Es ist auch in den Vorträgen und nun schon wiederholt in unserem Dramenzyklus auf ein wichtiges Erlebnis hingewiesen worden, auf das Schwellenerlebnis, auf die sogenannte Begegnung mit dem Hüter der Schwelle.

[ 4 ] Man kann durchaus — das ist auch schon erwähnt worden — in die geistigen Welten hinaufsteigen, mancherlei erleben in den geistigen Welten, ohne dieses zum Teil erschütternde, aber zum anderen Teil höchst bedeutsame und wichtige Erlebnis mit dem Hüter der Schwelle zu haben. Aber für ein klares, objektives Anschauen der geistigen Welten ist von unendlicher Wichtigkeit eben, daß man einmal diese Begegnung mit dem Hüter der Schwelle gehabt hat. Ich habe auf alles, was damit zusammenhängt, in meiner Schrift «Die Schwelle der geistigen Welt» hingedeutet, soweit das in einer Schrift möglich ist, die in aphoristischer Weise diese Dinge behandelt. Mancherlei habe ich hinzugefügt im Laufe dieser Vorträge. Ich möchte hier — denn sollte ich die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle im einzelnen charakterisieren, müßte ich einen langen Zyklus von Vorträgen halten — nur noch einzelnes zur Charakteristik dieses Hüters der Schwelle hinzufügen. Ich möchte darauf aufmerksam machen, daß der Mensch, wenn er zunächst seinen physischen Leib verläßt, in welchem er die physische Welt zur Umwelt hat, die elementarische Welt betritt; und dann, wenn er diese elementarische Welt zur Umwelt hat, lebt er, wie er in der physischen Welt im physischen Leibe lebt, im ätherischen Leibe. Wenn er dann hellsichtig aus dem ätherischen Leibe herausgeht, dann lebt er im astralischen Leibe und hat zur Umwelt die geistige Welt. Und wir haben darauf aufmerksam gemacht, daß der Mensch auch aus seinem astralischen Leibe herausgehen und in seinem wahren Ich sein kann. Dann hat er zur Umwelt die übergeistige Welt. Indem der Mensch in diese Welten eintritt, gelangt er also zuletzt zu dem, was er in seinen Seelentiefen immer hat, zu seinem wahren Ich, während er schon in der geistigen Welt zu der Art gelangt, wie in ihr das wahre Ich, das andere Selbst sich offenbart, nämlich umhüllt von Gedankenlebewesenheit. Alle, die wir auf dem physischen Plan herumgehen, haben in uns dieses andere Selbst, nur daß das gewöhnliche Bewußtsein davon nichts wissen kann, daß man die Wesenheit dieses anderen Selbstes, dieses wahren Ich, erst erlebt, wenn man hinaufsteigt in die geistige und übergeistige Welt. Aber im Grunde genommen tragen wir also wie unseren ständigen Begleiter dieses wahre Ich immer in uns. Aber dieses wahre Ich, dem man begegnet an der Schwelle in die geistige Welt, ist in einer eigentümlichen Weise vorhanden, man möchte sagen in einer eigentümlichen Ausstaffierung. An der Schwelle zur geistigen Welt kann sich dieses wahre Ich kleiden in alles das, was unsere Schwächen, unsere Mängel sind, in alles das, was uns sozusagen geneigt macht, hängen zu bleiben mit unserem ganzen Wesen an der physisch-sinnlichen Welt oder wenigstens an der elementarischen Welt.

[ 5 ] Wir begegnen also unserem eigenen wahren Ich an der Schwelle in die geistigen Welten. Abstrakte Theosophie kann sehr leicht sagen: Das sind wir selber, dieses andere Selbst, dieses wahre Ich. — Gegenüber der Wirklichkeit hat diese Redewendung, daß wir es selber sind, nicht viel Bedeutung. Wir wandeln allerdings alle als unser anderes Selbst in den geistigen Welten herum, aber wir sind gar sehr ein anderer. Wenn wir mit unserem Bewußtsein in der physischen Welt verweilen, dann ist unser anderes Selbst wirklich recht sehr ein anderes, ein uns Fremdes, eine Wesenheit, der wir wahrhaftig viel fremder entgegentreten als einem anderen Menschen der Erdenwelt. Und dieses andere Selbst, dieses wahre Ich kleidet sich in unsere Schwächen, in all das, was wir eigentlich verlassen müssen und nicht verlassen wollen, weil wir gewohnheitsmäßig als physisch-sinnliche Menschen daran hängen, wenn wir die Schwelle überschreiten wollen. Wir begegnen also eigentlich an der Schwelle zur geistigen Welt einem Geistwesen, das sich unterscheidet von allen anderen Geistwesen, denen wir in den übersinnlichen Welten begegnen können. Alle anderen Geistwesen erscheinen gleichsam mehr oder weniger mit Hüllen, die doch ihrem Eigensein mehr angemessen sind, als es mit den Hüllen des Hüters der Schwelle der Fall ist. Er kleidet sich in dasjenige, was uns nicht nur Sorgen und Kummer, sondern oft Abscheu und Widerlichkeit erweckt. Er kleidet sich in unsere Schwächen, in das, von dem wir sagen können, wir erbeben in Furcht, uns nicht von ihm zu trennen, oder auch, wir erröten nicht nur, wir vergehen fast in Scham, wenn wir hinschauen müssen auf das, was wir sind und in was sich der Hüter der Schwelle kleidet. Es ist also eine Selbstbegegnung, aber in Wahrheit doch die Begegnung mit einer anderen Wesenheit.

[ 6 ] Nun kommt man nicht so leicht an dem Hüter der Schwelle vorüber. Man kann sagen: Im Verhältnis zu einer wahren, richtigen Anschauung der geistigen Welten ist es leicht, überhaupt eine Anschauung der geistigen Welten zu gewinnen. Irgendwelche Eindrücke der geistigen Welt zu haben, ist eigentlich, besonders in unserem heutigen Zeitpunkt, nicht so ganz besonders schwierig. Aber in die geistige Welt so einzutreten, daß man sie in ihrer Wahrheit schaut, das macht notwendig, wenn es einem vielleicht auch erst spät aufbewahrt ist, die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle zu haben, daß man sich doch gut vorbereitet haben muß, um sie, wenn man sie haben kann, in der richtigen Weise zu erleben. — Die meisten Menschen oder wenigstens sehr viele kommen sozusagen bis zum Hüter der Schwelle. Es handelt sich aber immer um das wissende Kommen zum Hüter der Schwelle. Unbewußt stehen wir jede Nacht vor ihm. Und dieser Hüter der Schwelle ist eigentlich ein recht großer Wohltäter, daß er sich nicht sehen läßt, denn die Menschen würden ihn nicht ertragen. Was wir unbewußt in jeder Nacht der Tatsache nach erleben, zum Wissen zu bringen, heißt eigentlich, die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle haben. Für gewöhnlich gehen die Menschen so weit, daß sie gerade bis zu der Grenze kommen, wo sozusagen der Hüter der Schwelle steht. In solchem Augenblick aber tritt mit den Seelen etwas sehr Eigentümliches ein. Die Seele erlebt nämlich diesen Augenblick im Dämmerzustand zwischen Bewußtheit und Unbewußtheit, sie läßt ihn nicht ganz zum Bewußtsein kommen. Die Seele neigt dazu, an der Grenze sich selber zu sehen, wie sie ist, wie sie hängt an der physischen Welt mit ihren Schwächen und Mängeln. Aber die Seele kann das nicht ertragen, und noch früher, als der ganze Vorgang zum Bewußtsein kommen kann, betäubt sich sozusagen diese Seele das Bewußtsein durch den Abscheu, den sie hat. Und solche Momente, wo die Seele ihr Bewußtsein betäubt, sind die besten Angriffspunkte für die ahrimanischen Wesenheiten. Wir kommen in der Tat hin zum Hüter der Schwelle, indem mit einer ganz besonderen Stärke und Kraft sich zum Beispiel unser Selbstgefühl ausgebildet hat. Dieses Selbstgefühl müssen wir erstarken, wenn wir uns in die geistige Welt hinaufleben wollen. Mit der Erkraftung dieses Selbstgefühls erkraften sich auch alle Neigungen und Gewohnheiten, die Schwächen und Vorurteile, die sonst in der äußeren Welt durch Erziehung, durch Gewöhnung, durch die äußere Kultur in ihren Grenzen zurückgehalten werden. An der Schwelle der geistigen Welt machen sich von innen heraus die luziferischen Impulse recht geltend, und, indem die Menschenseele die Tendenz hat, sich zu betäuben, verbindet sich sogleich Luzifer mit Ahriman, und die Folge ist dann, daß dem Menschen der Eintritt in die geistige Welt verwehrt wird. Wenn der Mensch mit seiner gesunden Seele die Erkenntnisse der Geisteswissenschaft sucht und nicht unter einer krankhaften Gier nach geistigen Erlebnissen lebt, so wird es nicht dazu kommen, daß etwas besonders Übles an dieser Grenze geschehen kann. Wenn alles das beobachtet wird, was innerhalb echter, wahrer Geisteswissenschaft zu beobachten ist, so geschieht sonst nichts, als daß sich in einer gewissen Weise Luzifer und Ahriman für die strebende Seele an der Schwelle der geistigen Welt das Gleichgewicht halten, und der Mensch nicht hineinkommt mit seiner Seele in die geistige Welt. Wenn aber eine besondere Gier da ist, in die geistige Welt hineinzukommen, dann kommt es dahin, daß wirklich das eintritt, was man nennen kann, man nascht an der geistigen Welt. Und das, was man genascht hat, verdichtet Ahriman, und es drängt sich dann in das Bewußtsein des Menschen etwas, was doch nicht hinein kann. Der Mensch erlebt dann dasjenige, was er genascht hat an der geistigen Welt, in verdichtetem Zustand, wo es ihm so entgegentritt, daß es ganz nach den Mustern von physischen Eindrücken aussieht. Kurz, er hat Halluzinationen, IUlusionen, er glaubt vor einer geistigen Welt zu stehen, weil er bis zum Hüter der Schwelle vorgedrungen, aber nicht vorbeigekommen ist, sondern mit seiner Genäschigkeit an der geistigen Welt zurückgeworfen wurde. Und das, was er da genascht hat, verdichtet sich zu dem, was durchaus wahre Bilder der geistigen Welt enthalten kann, aber was das Wichtigste nicht enthält, wodurch die Seele ein klares Anschauen über die Wahrheit und den Wert dessen, was sie sieht, haben kann.

[ 7 ] Zum richtigen Vorbeikommen an dem Hüter der Schwelle ist durchaus notwendig, daß der Mensch in entsprechender Weise Selbsterkenntnis entwickelt, wirkliche, echte Selbsterkenntnis, rückhaltlose Selbsterkenntnis. Nicht hinauf wollen in die geistigen Welten, wenn einem innerhalb der Inkarnation das Karma es möglich macht, das ist eine Pflichtverletzung gegenüber dem Fortschrittsgang. Sich jemals zu sagen, weil man glaubt, man könnte irren: Nicht hinein will ich in die geistigen Welten — das ist ganz falsch. Wir sollen so intensiv streben in die geistigen Welten hinein, als wir nur irgend können. Aber auf der anderen Seite müssen wir uns klar sein, daß wir vor dem nicht zurückschrecken dürfen, vor dem der Mensch am willigsten und am geneigtesten zurückschreckt, vor wirklicher, wahrer Selbsterkenntnis. An diesem Punkt erlebt man ja so manches. Nichts ist eigentlich im Leben dem Menschen so schwer als wirkliche Selbsterkenntnis. Da kann man gar mancherlei erleben, Groteskes, Merkwürdiges. Man kann Menschen begegnen, welche in ihrem Oberbewußtsein fortwährend betonen, daß sie dieses oder jenes in völliger Selbstlosigkeit tun, daß sie ganz und gar nichts für sich wollen. Wenn man Verständnis hat für solche Seelen, dann zeigt sich oft, daß sie sich das zwar vormachen, daß sie aber in ihrem Unterbewußtsein vollständige Egoisten sind und eigentlich nur das wollen, was gerade ihrem Ich angemessen ist. Oh, man kann auch erleben, daß Menschen auftreten, welche von ihrem Oberbewußtsein aus, sagen wir, Reden halten, Worte führen, Schriften schreiben, so daß auf verhältnismäßig kurzen Seiten achtzehn- bis fünfundzwanzigmal Worte wie Liebe, Toleranz und dergleichen vorkommen, ohne daß im geringsten in den wirklichen Tatsachen der Seele etwas davon vorhanden ist. Man kann sich über nichts so leicht täuschen als über sich selber, wenn man nicht immer wieder und wiederum Wache hält durch eine gediegene, ehrliche Selbsterkenntnis, die man übt. Aber diese Selbsterkenntnis ist schwierig, schwierig, wenn sie unmittelbar geübt werden soll. Es soll doch sogar schon vorgekommen sein, daß Menschen sich so sehr vor der Selbsterkenntnis verschließen, daß sie sich, ehe sie sich gestehen, was sie in der Gegenwart sind, lieber gestehen, daß sie Affen gewesen sind in der Mondenentwickelung, lieber das, als daß sie sich eingestehen, was sie eigentlich in der Gegenwart sind. So groß kann die Verblendung sein gegenüber der Verpflichtung zur wahren, echten Selbsterkenntnis des Menschen. Es wäre eine gute Übung für so manchen, der auf geistigem Gebiete strebt, wenn er ab und zu im Leben, immer wieder und wiederum, zum Beispiel das Folgende machte, wenn er sich sagte: Ich will die letzten drei, vier Wochen oder besser Monate zurückdenken, will mir wichtige Tatsachen vor Augen führen, wo ich mancherlei getan habe. Ich will ganz systematisch absehen von alledem, was mir Unrechtes passiert sein könnte. Ich will alles das ausschalten, was ich sonst so oft sage zur Entschuldigung dessen, was mir passiert ist, daß der andere schuld sei. Ich will niemals darauf reflektieren, daß ein anderer schuld sein könnte als ich selber. — Wenn man bedenkt, wie leicht die Neigung der Menschen ist, stündlich für das, was ihnen nicht paßt, den anderen verantwortlich zu machen und nicht sich selber, so wird man ermessen, wie gut eine solche Rückschau auf das Leben ist, wo man selbst dann, wenn einern Unrecht geschehen ist, wissentlich den Gedanken an dieses Unrecht ausschaltet und nichts aufkommen läßt an Kritik, daß der andere Unrecht gehabt haben könnte. Man probiere eine solche Übung und man wird sehen, daß man innerlich ein ganz anderes Verhältnis zur geistigen Welt gewinnen wird. Solche Dinge ändern vieles an der wirklichen Verfassung, an der wirklichen Stimmung der menschlichen Seele. Wie schwierig es ist, wenn man den Weg zur hellsichtigen Seele sucht, vollständig ungefährdet sozusagen in die höheren Welten einzutreten, das zeigt — wir haben das immer wieder und wieder betont —, daß es nötig ist, daß man nicht aufgelöst wird, wenn man den Kopf in den Ameisenhaufen hineinzustecken hat. Ein erstarktes, ein erkraftetes Selbstgefühl ist nötig, ein Selbstgefühl, das man in der physischen Welt, wenn man nicht ein ausgepichter Egoist sein will, gar nicht entfalten darf. Will man sich in den höheren Welten behaupten, will man sich da erfühlen und erleben, so muß man mit erstarktem Selbstgefühl da hineintreten. Man muß aber auch die Fähigkeit haben, wenn man wiederum in die Sinneswelt zurückkommt, dieses Selbstgefühl auszuschalten, damit man herüben nicht ein ausgemachter Egoist sei. Also drüben in den anderen Welten muß man ein erstarktes Selbstgefühl haben. Das kann durchaus eine Behauptung sein, daß der Mensch, um in den höheren Welten der Geistigkeiten zu leben, ein erstarktes Selbstgefühl braucht. Aber man braucht dazu sozusagen den Gegenpol der Behauptung, die eben getan worden ist, die Erkenntnis, daß man zwar im Geistigen das erstarkte Selbstgefühl finden muß, daß aber in der physischen Welt der Geist sich ausleben muß in einer besonderen Art in demjenigen, was man im weitesten Umfang in der physischen Welt die Liebe nennt, die Liebefähigkeit, die Fähigkeit zum Mitfühlen, zum Mitleiden und zur Mitfreude.

[ 8 ] Wer sich hellseherisch hineinlebt in die höheren Welten, weiß, daß das richtig ist, was Maria in «Der Seelen Erwachen» sagt, daß eigentlich das gewöhnliche sinnliche Bewußtsein, welches der Mensch auf dem physischen Plan hat, gegenüber dem Erleben und Erfühlen in den höheren Welten eine Art Schlaf ist, und daß das Eintreten in die höheren Welten ein Aufwachen ist. Durchaus richtig und wahr ist es, daß die Menschen innerhalb der physischen Welt gegenüber dem Erleben der höheren Welten schlafen, und daß sie den Schlaf nur nicht fühlen, weil sie immer schlafen. Wenn es also in den geistigen Welten ein Aufwachen in erstarktem Selbstgefühl ist, was die hellscherische Seele erlebt, wenn sie über die Schwelle der geistigen Welt tritt, so ist auf der anderen Seite das Aufwachen des Selbstes in der physischen Welt enthalten in der Liebe, in jener Liebe, die in einem der ersten Vorträge charakterisiert worden ist. Ich mußte sagen: Die Liebe, die um der Eigenschaften und Merkmale des Geliebten willen da ist, das ist die Liebe, die beschützt ist vor luziferischen und ahrimanischen Einflüssen, das ist die Liebe, die innerhalb der physisch-sinnlichen Welt wirklich unter dem Einflusse der guten, fortschreitenden Gewalten des Daseins stehen kann. — Wie es sich mit dieser Liebe verhält, zeigt sich insbesondere in den Erfahrungen des hellsichtigen Bewußtseins. Was man an Egoismus ausbildet in der physischen Welt und worüber man sich so wenig gern Selbsterkenntnis verschafft, das zeigt sich, wenn man es hinaufträgt in die geistigen Welten. Nichts ist so störend, nichts ist auch so wirklich verbitternd und schlimm zu erleben wie das, was man hinaufträgt als die Folgen von Lieblosigkeiten und von Gefühlsmängeln, die man in der physischen Welt entwickelt. Man fühlt sich gar sehr gestört, wenn man durch die hellsichtige Seele in die geistige Welt hinaufkommt, durch alles, was man an Lieblosigkeiten, an Selbstsinn innerhalb der physisch-sinnlichen Welt entwickelt hat. Denn übertritt man die Schwelle der geistigen Welt, so zeigt sich alles das, was man so hineinträgt an nicht nur offenem, sondern an verstecktem, in der Tiefe der Seele wütendem Egoismus, den die Menschen haben. Und während sie sich dem Traum hingeben, selbstlos zu sein, ist vielleicht derjenige, der einen äußeren Egoismus zutage trägt und ruhig gesteht, daß er dieses oder jenes haben will, viel weniger egoistisch als diejenigen, welche aus anthroposophischen Abstraktionen heraus eine gewisse egoistische Selbstlosigkeit in ihrem Oberbewußtsein zutage treten lassen, insbesondere wenn sie von dieser Selbstlosigkeit deklamieren in allerlei oft und oft wiederholten Worten von Liebe und Toleranz. Was man so hinaufträgt in die höheren Welten an Lieblosigkeit, an Mangel an Mitgefühl, verwandelt sich in häßliche, oftmals grauenvolle Gestalten, die man erlebt, wenn man in die geistigen Welten eintritt. Diese Gestalten sind wirklich sehr störend, sehr widerwärtig für die Seele.

[ 9 ] Und dann tritt einer von jenen Augenblicken ein, die sehr bedeutsam sind, die man beachten muß, wenn von den Erkenntnissen und Erlebnissen der höheren Welten gesprochen wird. Es wäre noch das beste, wenn der Mensch, sobald er hinaufkommt in die höheren Welten und nun in einer Sphäre von Widerlichkeiten ist, diese mutvoll und kühn anschauen und sich gestehen würde: Nun, du trägst eben so viel von Egoismus in die höheren Welten herauf. — Es wäre wirklich noch das beste, kühn und frank und frei sich diesem Egoismus gegenüberzustellen. Aber die menschliche Seele hat gewöhnlich die Tendenz, bevor noch diese Widerlichkeiten so recht zum Bewußtsein kommen, sie abzustreifen, sozusagen auszuhauen links und rechts, wie Rosse tun, und wegzustreifen diese Unannehmlichkeiten. In dem Augenblick, wo man das wegstreift, was Folgen des Egoismus sind, haben Luzifer und Ahriman ein leichtes Spiel mit der Menschenseele. Da können sie in ihrem Bündnis sehr leicht die Menschenseele in ihr besonderes Reich führen, wo sie ihr alle möglichen geistigen Welten vorführen können, die der Mensch dann für die wahren, echten, in der Weltenordnung begründeten geistigen Welten hält. Man darf sagen: Die Entwickelung wahrer, echter Liebe, ernsten und ehrlichen Mitgefühls sind zugleich gute Vorbereitungen für die Seele, die sich hellsichtig in die geistigen Welten hinaufleben will. — Daß dieses Wort nicht so ganz unwichtig ist, wird derjenige einsehen, der ein bißchen nachsinnt über die Schwierigkeit, mit der echtes Mitgefühl und echte Liebefähigkeit in der Welt zu erzielen sind.

[ 10 ] Damit haben wir einiges von dem charakterisiert, was im Zusammenhang steht mit dem Überschreiten der Schwelle in die geistigen Welten. Wenn dieses Verhältnis des Menschen zu den geistigen Welten geschildert wird, muß man sich klar darüber sein, daß wirkliche, wahre Erkenntnis des menschlichen Wesens doch nur durch diese Schilderungen erzielt werden kann. Daß man nur durch diese wissen kann, was eigentlich in Wahrheit der Mensch ist, und daß man dadurch allein auch ein Verhältnis zu dem gewinnen kann, was in naturgemäßer Weise, wenn auch etwas verändert, den Menschen vor die höheren, vor die geistigen Welten hinstellt, nämlich in den Zeiten, die der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt verlebt. Und hier ist es, wo ich mit ein paar Worten hindeuten muß auf das, was ich auch in dem letzten Kapitel der Schrift «Die Schwelle der geistigen Welt» auseinandergesetzt habe.

[ 11 ] Wir wissen aus den früheren Darstellungen in der «Theosophie» und in der «Geheimwissenschaft im Umriß», daß der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes schreitet, seinen physischen Leib ablegt, daß er dann eine Weile noch, die vielleicht nur nach Tagen zu dauern braucht, seinen ätherischen Leib an sich hat. Dann legt er auch diesen ab. Man kann sagen: Wenn der Mensch diesen ätherischen Leib abgelegt hat, dann ist er zunächst in seinem astralischen Leib. — Die Seele macht also mit dem astralischen Leib sozusagen eine Art Weiterwanderung durch. Der ätherische Leib ist abgelegt; er hat ein Schicksal, das von derjenigen Welt abhängt, in welche dieser ätherische Leib hineinversetzt ist, und das ist die elementarische Welt. Und in dieser elementarischen Welt herrscht — wie wir haben auseinandersetzen können — Verwandlungsfähigkeit. Alles ist in fortwährender Verwandlung. Ohne daß also die Menschenseele dabei ist, wird der ätherische Leib der elementarischen Welt überliefert und macht, weggesondert von der menschlichen Seele, in der elementarischen Welt seine Verwandlungsschicksale durch. In den Jahren nun, die für den einen kürzer, für den anderen länger dauern, lebt der Mensch im astralischen Leibe, und er lebt in dem, was von dem Gesichtspunkt des hellseherischen Bewußtseins genannt werden kann die elementarische Welt. Aber es besteht eine ganz bestimmte Tendenz der Seele in der nächsten Zeit nach dem Tode. In der physischen Welt ist man nicht dazu veranlagt, fortwährend hinzuschauen auf seine eigene Leber, Milz, auf seinen Magen; man kann es ja nicht. Man sieht nicht in seinen Leib hinein. Es ist nicht die Gewohnheit des Menschen auf dem physischen Plan, die Augen in den eigenen Leib hineinzurichten, sondern die Menschen sehen die Umwelt. Gerade das Gegenteil ist der Fall, wenn der Mensch die Pforte des Todes überschritten hat und in der Welt lebt, die in meiner «Theosophie» Seelenwelt genannt ist. Da hat die Seele die naturgemäße Tendenz, hauptsächlich den Blick hinzurichten auf die Schicksale des eigenen Ätherleibes. Was der Ätherleib da für Verwandlungen durchmacht in der elementarischen Welt, das ist gewissermaßen durch die ganze Kamalokazeit hindurch die Umwelt, die Außenwelt der Seele. Man sieht in dieser Zeit, wie die elementarische Welt aufnimmt unseren ätherischen Leib. Ist man ein guter Kerl gewesen hier auf dem physischen Plane, so sieht man, wie die «Gutkerligkeit» sich verträgt mit den Gesetzen der elementarischen Welt. Ist man ein schlechter Kerl gewesen, so sieht man, wie wenig sich der eigene Ätherleib, der teilgenommen hat an der «Schlechtkerligkeit», mit den Gesetzen der elementarischen Welt verträgt, wie dieser ätherische Leib, den man zwar abgelegt hat, auf den man aber das ganze Augenmerk hinrichtet, überall zurückgewiesen wird. Die Kamaloka-Erlebnisse bestehen darin, daß man sieht, was man gewesen ist, an dem sich verwandelnden Schicksal des ätherischen Leibes.

[ 12 ] Man darf die Anthroposophie nicht gerade anklagen, wenn sie dieses sagt. Denn Aristoteles und auch noch andere haben noch viel anderes gelehrt. Sie haben zum Beispiel gelehrt, daß dieses Zurückschauen auf sein eigenes Schicksal sogar eine ganze Ewigkeit dauert, so daß man auf der Erde vielleicht ein Leben von achtzig, neunzig Jahren lebt, aber dann eine Ewigkeit zurückschauen muß auf das, was man angerichtet hat an seinem eigenen Ätherleib. Die Wahrheit ist diese, welche die Anthroposophie lehrt, daß diese Rückschau auf den ätherischen Leib und seine Schicksale, die man bewirkt hat durch das, was man war, ein oder zwei oder drei Jahrzehnte dauert. Das ist die Umwelt. Die Umwelt in der elementarischen Welt bilden die Verwandlungen hauptsächlich solcher Wesenheiten, welche gleichartig sind mit dem eigenen ätherischen Leib des Menschen, hauptsächlich des ätherischen Leibes des Menschen selber. Wenn man das anschaulich schildern will, so kommt ganz dasselbe heraus, was ich beschrieben habe in meiner «Theosophie» als den Durchgang der Seele durch die Seelenwelt.

[ 13 ] Wenn man überhaupt die geistigen Welten ordentlich schildern will, so muß man nicht in solch pedantischer Weise die Begriffe starr festhalten, wie das für das Physische nützlich sein kann, sondern man muß sich klar sein, daß die ganze Umwelt während der Kamalokazeit von der Stimmung der Seele abhängt, davon abhängt, daß das, was man als elementarische Welt schildern muß, sich zur Seelenwelt dadurch modifiziert, daß man hauptsächlich sich auflösende Ätherität in dieser elementarischen Welt sieht. Diese sich auflösende Ätherität kann man stufenweise schildern, wie sie in meiner «Theosophie» geschildert ist.

[ 14 ] Dann kommt die Zeit, in welcher gleichsam etwas eintritt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, was gewissermaßen künstlich durch das hellsichtige Bewußtsein herbeigeführt werden muß im Sinne dessen, was wir besprochen haben. Der Mensch lebt also, nachdem er seinen ätherischen Leib abgestreift hat, in seinem astralischen Leib, aber es beginnt auch die Zeit, wo dieser astralische Leib sich loslöst von dem wahren Ich, in dem man dann weiterlebt. Aber diese Loslösung nimmt sich in einer eigenartigen Weise aus. Diese Loslösung geschieht nicht etwa so, wie man eine Schlangenhaut von sich loslösen würde, sondern dieser astralische Leib löst sich nach allen Seiten heraus, wird immer größer und größer und gliedert sich ein in die ganze Sphäre. Er wird dabei immer dünner und dünner, wird aber gleichsam von der ganzen Umwelt aufgesogen. Erst steht man sozusagen in bezug auf die eigene geistige Umwelt in der Mitte. Von allen Seiten löst sich der astralische Leib los und wird überall hin aufgesogen, so daß die Umwelt, die man um sich hat nach dem Tode, wenn sich der astralische Leib losgelöst hat, aus der geistigen Welt und aus dem besteht, was da aufgesogen wird von dem eigenen astralischen Leibe. Man sieht so den eigenen astralischen Leib fortgehen. Dabei wird er selbstverständlich immer undeutlicher, weil er immer größer und größer wird. Man fühlt sich auch darinnen in diesem astralischen Leibe, wie ich es in manchen Vorträgen dargestellt habe, und doch wieder losgelöst davon. Diese Dinge sind außerordentlich schwierig zu beschreiben. Denken Sie sich einmal, um ein Bild zu haben, Sie haben einen ganzen, aus vielen Mücken bestehenden Mückenschwarm. Wenn Sie ihn von weitem sehen, da ist er eine schwarze Kugel. Wenn sich die einzelnen Mücken nach allen Seiten entfernen, dann können Sie von ihm bald gar nichts mehr sehen. So ist es mit dem astralischen Leibe. Wenn er aufgesogen wird von der ganzen Weltensphäre, so wird er undeutlicher und undeutlicher, man sieht ihn in der Welt sich zerstreuen, bis er sich verliert. Mit diesem astralischen Leib verliert sich das, was immer vorhanden ist, wenn man durch die Pforte des Todes gegangen ist, das, was man sein Gewesensein nennen kann, das Verbundensein mit dem, was man erlebt hat auf der physischen Erde innerhalb des physischen Leibes und des ätherischen Leibes. Man sieht gleichsam die eigene Wesenheit sich hinausverlieren in die geistige Welt. Das kommt dem gleich, was man künstlich suchen muß zur Entdeckung seines wahren Ich in der geistigen Welt. Dieser erschütternde, bedeutsame Eindruck, den man haben kann, wenn man auf dem Wege des hellsichtigen Bewußtseins wandelt, tritt naturgemäß in der Weise ein, wie es geschildert worden ist, und ein wahres Vergessen tritt um so früher ein, je weniger die Seele sich nach dem Tode erkraftet und erstarkt erweist. Selbstlose, unegoistische Seelen, die man oftmals schwach schilt im sinnlichen Leben, sind gerade die starken Seelen nach dem Tode; sie können lange nachsehen dem, was sie erinnerungsgemäß von dem physischen Dasein in die geistige Welt hineingetrieben hat. Die sogenannten stark-egoistischen sind die Schwächlinge der geistigen Welt. Es entschwindet ihnen sehr bald die eigene Astralität, wenn sie sich draußen in der geistigen Welt allmählich sphärenhaft auflöst.

[ 15 ] Und dann tritt wirklich der Moment ein, wo all das verschwindet, woran man sich erinnern kann. Dann kommt es wiederum zurück, aber jetzt in veränderter Weise. Es wird alles das einem wiederum zurückgetragen, was verschwunden ist; es sammelt sich wiederum, aber so, daß es zeigt, wie es werden muß infolgedessen, was da weggegangen ist, damit das richtige neue Leben karmagemäß sich aufbaue im Sinne der alten Erdenleben. Da rückt wiederum von der Unendlichkeit herein nach einem Mittelpunkte das, was sich ergeben muß, was wiederum aus der Vergessenheit zurückkommen muß in unser Bewußtsein, damit wir uns karmagemäß das neue Leben zimmern. Eine Art Vergessen also, ein bloßes Sich-Erleben im wahren Ich ist vorhanden ungefähr in der Mitte zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

[ 16 ] Die meisten Seelen der Menschen sind heute noch nur so vorbereitet, daß sie dieses Vergessen erleben wie in einer Art Geistesschlaf der Seele. Aber die dazu vorbereitet sind, erleben gerade in diesem Moment des Vergessens, des Übergangs von der Erinnerung an die vorhergehenden Erdenleben zur Vorbereitung der kommenden dasjenige, was in «Der Seelen Erwachen» die Weltenmitternacht genannt ist, wo man sich vertiefen kann in die Notwendigkeiten des Daseins. So daß dieses Bild von der Weltenmitternacht in der Tat mit den tiefsten Geheimnissen des menschlichen Daseins zusammenhängt. Wir dürfen also sagen: Was der Mensch geheimnisvoll ist, was seine wahre Wesenheit ist, worin auch er lebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und was das gewöhnliche Bewußtsein niemals erfahren kann, enthüllt sich der hellsichtigen Seele. Und dieses Erleben des Absorbiertwerdens der eigenen Astralität von der geistigen Umwelt, die wir diesmal beschrieben haben vom Standpunkt des hellsichtigen Bewußtseins, kann man stufenweise ganz genau so beschreiben, wie es in meiner «Theosophie» und «Geheimwissenschaft» als das eigentliche Geisterland beschrieben ist. Was die Seele erlebt, wenn naturgemäß eintritt, was künstlich eintritt durch die Erlebnisse, die für das hellsichtige Bewußtsein geschildert worden sind, kann dann beschrieben werden, wie es in der «Theosophie» geschehen ist. Da haben Sie die Übereinstimmung der Ausdrücke, die hier gebraucht sind für diese Verhältnisse, mit denjenigen, die in der «Theosophie» und «Geheimwissenschaft» gebraucht sind.

[ 17 ] Und so können wir sagen, daß wir versucht haben, sowohl in diesem Vortragszyklus wie auch in dem Dramenzyklus, hinzuweisen auf das Wesen der Welt und auf dasjenige, was Anteil hat an diesem Wesen der Welt, auf die Wesenheit des Menschen. Wenn solche Betrachtungen angestellt worden sind, dann darf wohl vielleicht auch das noch eingefügt werden, daß es notwendig sein wird, solche Wege, wie sie angedeutet worden sind in diesem Vortragszyklus, ein wenig fortzusetzen mit der eigenen Seele. Denn Sie werden sehen, wenn Sie versuchen, immer tiefer und tiefer, auch wiederum in «Der Seelen Erwachen», einzudringen, daß Ihnen manches von den Geheimnissen des Daseins so aufgehen wird, daß Sie sagen werden: Diese Dinge sind wirklich da zur Offenbarung und Enthüllung dieser Geheimnisse. — Ich mache Sie zum Beispiel aufmerksam, versuchen Sie meditativ weiter zu erleben, was ich über Ahriman als den Herrn des Todes in der Welt gesagt habe und was in «Der Seelen Erwachen» dargestellt ist. Es ist deutlich dargestellt, angefangen von dem dritten Bilde in «Der Seelen Erwachen», aber andeutungsweise schon von jenen Worten an, die Strader spricht zum Bürochef: «Es wird geschehen, was geschehen muß», aus denen der Bürochef etwas wie ein Raunen der geistigen Welt hört, wodurch seine Geistesschülerschaft beginnt. Mehr oder weniger andeutungsweise ist es da dargestellt. Aber vom dritten Bilde ab sehen wir, wie allmählich immer deutlicher und deutlicher heranrücken die Stimmungen, die Kräfte, welche den Tod des Strader vorbereiten. Man wird nicht verstehen, warum in dem entscheidenden vierten Bilde die Theodora auftritt und sagt, was sie im Geisterlande tun will für Strader, wenn man nicht ein undeutliches Gefühl hat wie es richtig ist an diesem Orte —, das einen etwas erwarten läßt. Man wird nicht richtig empfinden, was Benedictus in demselben Bilde als eine Beeinträchtigung seines Schauens sagt, wenn man nicht empfindet, wie in dieses Schauen die Kräfte des herannahenden Todes des Strader treten. Man wird nicht richtig empfinden in dem einfachen, aber vielsagenden elften Bilde, wo Benedictus und Strader miteinander sprechen, wenn man nicht das bildhafte Schauen des Strader mit der Ahnung, daß das, was er aufwendet an Erkraftung der Seele, zuweilen verderblich gegen die eigene Seele sich wendet, auffaßt auch da in Zusammenhang mit den Worten des Benedictus, die wiederum von einer Beeinträchtigung seines Schauens sprechen, so daß man etwas Unbestimmtes herannahen fühlt. Es ist die Stimmung des herannahenden Todes Straders ausgegossen über die ganze Entwickelung auch der anderen Personen dieses Dramas vom dritten Bilde ab. Und wenn Sie das zusammenhalten mit dem, was ausgeführt worden ist über Ahriman als den Herrn des 'T'odes, dann werden Sie zu immer tieferen und tieferen, in die geistigen Geheimnisse hineinkommenden Erkenntnissen gelangen, besonders wenn Sie in Betracht ziehen, wie Ahriman hineinspielt in die Stimmung des Dramas, die unter dem Einfluß der Todesimpulse Straders steht.

[ 18 ] Und wiederum wird man die letzte Begegnung, die bedeutungsvoll gemeinte Begegnung zwischen Benedictus und Strader gegen das Ende und dann die letzten monologischen Worte des Benedictus richtig verstehen können, wenn man das berechtigte und unberechtigte Eingreifen Ahrimans in die Welt der Seele und in das Wort der Weltenreiche richtig ins Auge faßt. Es sind diese Dinge wirklich so gemeint, daß man sie nicht nur an der Seele vorüberziehen lassen, sondern daß man sich immer tiefer und tiefer in sie einlassen sollte. Nicht um zu kritisieren, sondern nur um objektive Tatsachen darzustellen, darf schon gesagt werden, daß durch mancherlei Symptome doch hervorgetreten ist, daß die in den letzten drei, vier Jahren erschienenen Druckschriften und Zyklen nicht eigentlich so gelesen worden sind, wie sie gelesen werden könnten, so daß man auf alles das käme, was gemeint und gesagt ist, mehr oder weniger sogar handgreiflich gesagt ist. Das wird wahrhaftig nicht im Sinne eines Vorwurfes hier gemeint. Ganz weit entfernt bin ich von einem solchen. Sondern es wird gesagt, weil gewissermaßen gerade durch alles das, was drum und dran hängt, fast alljährlich am Schlusse des Münchener Zyklus solche Gedanken in der Seele auftreten können, Gedanken, welche gemahnen an das ganz Hineingestelltsein unserer anthroposophischen Bewegung in die Gegenwart. Man muß daran denken, wie das richtige Hineinstellen dieser Bewegung in die Gegenwart, in dieses chaotische Getriebe der sogenannten Gegenwartskultur ist. Man wird erst dann klare, wachsame Gedanken über dieses Hineingestelltsein entwickeln können, wenn man vor allen Dingen eines ins Auge faßt. Das ist, daß unsere Kultur ganz gewiß veröden und verdorren wird, wenn sie jene Auffrischung nicht erlangt, die aus den Quellen des ernst und echt gemeinten Okkultismus kommt. Aber auf der anderen Seite wird gerade ein solcher Vortragszyklus, der die Notwendigkeit der Hinwendung zur Geisteswissenschaft vielleicht hat erkennen lassen, etwas anderes uns nahelegen, jeder einzelnen Seele von uns nahelegen können. Das ist das, was man bezeichnen könnte mit Verantwortlichkeitsgefühl.

[ 19 ] Gar mancherlei von dem, was verknüpft ist mit dem Fühlen dieser Verantwortung und mit dem Hineinschauen in die Art und Weise, wie sich diese unsere so notwendige, so unerläßliche Bewegung auch mit Schattenseiten und Fehlern geltend macht, prägt sich tief in die Untergründe der Seele hinunter. Und man erlebt da so manches dann angesichts der Art, wie unsere Bewegung sein sollte und wie sie ganz verständlicherweise heute erst sein kann, was wirklich kaum mit Worten ausgesprochen werden kann, was auch am liebsten der, der es voll empfunden in seiner Seele trägt, nicht ausspricht, denn so empfunden lastet manchmal diese Verantwortung auf den Seelen, und so empfunden erscheint es erst in dem recht beklagenswerten Lichte, wenn auf so vielen Seiten heute die Okkultismen auftauchen, und so wenig von diesem Verantwortungsgefühl vorhanden ist. Denn wenn man auch wirklich um des Heiles des Entwickelungsganges der Menschheit willen als das Schönste, als das Größte, das der Gegenwart und der nächsten Zukunft geschehen kann, auf der einen Seite das Aufblühen der anthroposophischen Weistümer anschauen möchte, so möchte man doch auch auf der anderen Seite als das Herrlichste, Schönste, das oft Befriedigendste begrüßen, wenn auch das andere käme, wenn man sehen würde, wie die Ströme des Verantwortungsgefühls in jeder einzelnen Seele erwachen, die ergriffen wird von unserer Geisteswissenschaft. Und mehr noch möchte man schätzen dieses Auftauchen des Verantwortlichkeitsgefühls.

[ 20 ] Da würde man diese unsere Bewegung besonders glücklich schätzen, wenn man in ihrem Hinausströmen zugleich überall als ein schönes Echo dieses Verantwortlichkeitsgefühl erschauen könnte. Gar mancher, der es empfindet, dieses Verantwortlichkeitsgefühl, würde es gewissermaßen leichter tragen können, wenn er ein solches Echo im Verantwortlichkeitsgefühl vielfältiger wahrnehmen könnte. Doch da gibt es viele Dinge, in bezug auf die man sich Zukunftshoffnungen, Zukunftserwartungen hingeben muß, in bezug auf die man leben muß in dem Glauben und in dem Vertrauen, daß das Rechte und Wahre die Menschenseele durch seinen eigenen Wert ergreifen werde, und daß wirklich geschehen werde, was eigentlich geschehen muß. Beim Auseinandergehen von diesem Vortragszyklus kann man das so recht empfinden. Denn da möchte man eigentlich so recht in jede Seele etwas von dem legen, was als Wärme für unsere Sache, aber auch als Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber unserer Sache aufwachen und aufleuchten könnte. Und das würde die schönste Besiegelung unseres geisteswissenschaftlichen Strebens sein, wenn wir alle fühlen könnten, wie uns zusammenhält als schönstes Band, wenn wir räumlich nicht beisammen sind, in echter, wahrer Geistgemeinschaft das in allen Seelen vorhandene Gleichgeartete in der Wärme für unsere Sache, in der Liebe und Hingabe an unsere Sache und zugleich in dem Verantwortlichkeitsgefühl für unsere Sache.

[ 21 ] Nun, so sei denn auch diesmal dieses als mein Abschiedsgruß Ihren Seelen gesagt für die Zeit, in der wir uns wiederum zerstreuen, nachdem wir eine Weile räumlich beisammen waren. Möge immer mehr und mehr die Wahrheit des geistigen Lebens an unseren eigenen Seelen sich bekräftigen und offenbaren dadurch, daß dann, wenn wir nicht räumlich beisammen sind, wir doch beisammen seien, beisammen seien dadurch, daß in uns lebt die echte Wärme, die aus einem offenherzigen, aus einem liebevollen Erleben unserer Wahrheit in unseren Seelen aufleuchten kann, verbunden mit dem echten, ehrlichen Verantwortlichkeitsgefühl oder wenigstens mit dem Streben nach diesem Verantwortlichkeitsgefühl für unsere heilige und der Welt so notwendige Sache. Fühlen wir so, dann sind wir immer gleich im Geiste beisammen. Ob wit, durch unser Karma zusammengeführt, räumlich zusammensein dürfen, oder ob uns unser Karma für eine Weile zu unseren verschiedenen Taten und Lebenswerken räumlich zerstreut, wir sind doch sicher beisammen, wenn wir in der Wärme und in dem Verantwortlichkeitsgefühl unserer Seelen beisammen sind. Sind wir das aber, dann dürfen wir alle Hoffnung und Zuversicht und alles Vertrauen zu unserer Sache haben. Denn sie wird sich dann so einleben in die Kultur, in die geistige Entwickelung der Menschheit, wie sie sich einleben soll, so einleben, daß wir sie wirklich, diese unsere Sache, empfinden dürfen wie das Raunen aus der geistigen Welt heraus, das warm einschlägt in all unsere Seelen. Es wird geschehen, was geschehen soll, was geschehen muß — auch. Und versuchen wir, daß wir zu dieser unserer geistigen Gemeinschaft dadurch fähig werden, daß, soweit es an uns ist, durch uns geschehe, was geschehen soll, was geschehen muß.